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	<title>Geistesforschung - Benutzerbeiträge [de]</title>
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	<updated>2026-05-13T10:31:55Z</updated>
	<subtitle>Benutzerbeiträge</subtitle>
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		<id>https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Anthroposophische_Heilmittel&amp;diff=1283</id>
		<title>Anthroposophische Heilmittel</title>
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		<updated>2026-02-02T10:40:35Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Offenborn: /* Antimon als Heilmittel bei Typhus */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= Anthroposophische Heilmittel - von Michaela Glöckler =&lt;br /&gt;
Auszüge aus Büchern und Vorträgen von [[Michaela Glöckler]]; Erstveröffentlichung auf https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== SUBSTANZ-ERKENNTNIS ALS GRUNDLAGE FÜR HEILMITTEL-ERKENNTNIS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was meint Rudolf Steiner mit der Weltenaufgabe der Substanzen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was wird anhand der Beispiele Ameisensäure und Oxalsäure im Hinblick auf ihre Wirkung im Zellstoffwechsel aufgezeigt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern muss der Organismus als Tätigkeitszusammenhang begriffen werden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Weltenaufgabe der Substanzen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel XVII von &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039; liegt der Fokus auf einer konsequent prozessorientierten Substanz-Erkenntnis, über die Rudolf Steiner im Ärztekurs für die jungen Mediziner schreibt, dass es die Aufgabe des Arztes sei, &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„die Weltenaufgaben der Substanzen zu erkennen“.[2]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;„Grundlegendes…“&#039;&#039; formulieren die Autoren es so: &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Wer die Wirkung von Heilmitteln beurteilen will, muss ein Auge haben für die Kräftewirkungen, die sich im menschlichen Organismus ergeben, wenn eine Substanz, die außer demselben gewisse Wirkungen zeigt, in irgendeiner Art in ihn eingeführt wird.“[3]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039; Etwas von dieser ‚Weltenaufgabe‘ wird dort anhand der Ameisensäure und der Kleesäure aufgezeigt und damit auf die Bedeutung dieser Blickrichtung für bestimmte Prozesse im menschlichen Zellstoffwechsel hingewiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Beispiel: Aufgabe der Ameisensäure ====&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Ameisensäure wird vom Menschen mit der Nahrung in der Regel nicht aufgenommen. Sie wird im Tierreich gebildet und als Abwehrstoff, insbesondere der Insekten, ausgeschieden – selten auch bei Pflanzen, wie z.B. in den Brennhaaren der Brennnesseln. Ihre ‚Weltaufgabe‘ ist inzwischen gut erforscht: Die rote Waldameise ist für die Gesunderhaltung der Wälder unentbehrlich. Sie steht daher auch unter Naturschutz, seitdem man ihre Bedeutung für die ‚Lebensgemeinschaft Wald‘ erkannt hat. Um einen Ameisenbau herum vernichtet jedes Volk pro Tag zehntausende Schädlinge bzw. deren Larven und Raupen (wie z.B. Borkenkäfer- und Blattwespenlarven) sowie Kadaver und Pilzmyzel in morschem Holz. So hilft die Ameisensäure dem Mikrobiom des Bodens, die verwesenden Pflanzenreste und das modernde Holz zu verarbeiten. Auch verbreiten Ameisen auf ihren Wegen tausende von Samen und tragen so zur Vielfalt im Wald bei sowie zur Verbesserung der Bodenbeschaffenheit. Instrument für ihre wertvollen reinigenden Tätigkeiten ist die Ameisensäure mit ihrer aggressiven Toxizität.[4]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Beispiel: Aufgabe der Oxalsäure ====&lt;br /&gt;
Die Oxal- bzw. Kleesäure hingegen findet sich in allen Pflanzen und den meisten Bakterien und in unterschiedlichen Mengen in vielen Nahrungsmitteln wie z.B. in schwarzem Tee, Mangold oder Rhabarber. Nach der Aufnahme muss sie dann im Organismus zu ausscheidungsfähigen Endprodukten abgebaut werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Ein ‚Zuviel‘ führt zusammen mit Calcium im Darm zu schwer löslichen Salzen (Oxalaten), was Anlass geben kann für die Bildung von Blasen- und Nierensteinen. Oxalsäure ist ein pflanzliches Gift – für den Menschen können bereits Gramm-Mengen tödlich sein.[5] Als Kalzium-, Magnesium- oder Kaliumsalze sind die Oxalate allgegenwärtig und aus dem Zellstoffwechsel der Lebewesen nicht wegzudenken – bis hin zu den meisten Pilzen und Bakterien. Im Gegensatz zur Ameisensäure entfaltet die Oxalsäure ihre Wirkung nicht in dem Zwischenbereich zwischen dem Mineralisch-Physischen und dem Ätherisch-Lebendigen. Sie hat ihre Aufgabe in der Lebenswelt der Pflanzen – aber als Giftsubstanz im Grenzgebiet zum astralischen Kräftebereich. Da Gifte auch in schwacher Dosierung immer lebensfeindlich sind, regen sie den Organismus dazu an, auf unterschiedlichen Wegen diese Gifte schnellstmöglich abzubauen oder in Verbindung mit anderen Substanzen unschädlich zu machen. Diese Abbauvorgänge dienen im Organismus der Tiere und der Menschen der Bewusstseinsbildung, die sich, wie mehrfach erwähnt, auf Abbauvorgänge stützt.[6]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Biochemisch handelt es sich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* bei der &#039;&#039;&#039;Ameisensäure&#039;&#039;&#039; um die einfachste Monocarbonsäure (Formica, HCOOH, ihre Salze heißen Formiate)  &lt;br /&gt;
* und bei der &#039;&#039;&#039;Oxal- bzw.&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Kleesäure&#039;&#039;&#039; um die einfachste Dicarbonsäure (Acidum oxalicum, HOOC-CO-CH2-COOH, ihre Salze heißen Oxalate).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Notwendige Verwandlung von Oxalsäure in Ameisensäure&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Rudolf Steiner hat erstaunlich oft über die Bedeutung der biochemischen Verwandlung von Oxal- in Ameisensäure gesprochen.[7] Den Prozess der Bildung von Oxalsäure, der hauptsächlich in den Verdauungsorganen stattfände, hielt er für eine notwendige Grundlage dafür, dass der Mensch überhaupt leben könne – grundlegend also dafür, dass die Ätherkräfte zur Wirksamkeit kommen können.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Ihre Umwandlung in Ameisensäure aber sei eine entsprechende Grundlage für das Wirksamwerden der astralischen Kräfte in der physisch-ätherischen Konstitution. In einem Ärztevortrag führt er weiter aus, dass man im Falle der Ameisensäure dahin kommen müsse zu erkennen, dass sie im Menschen, wie auch draußen in der Natur, die Aufgabe hat, gegenüber den Prozessen des Alterns, des Absterbens und des Vermoderns immer wieder weiteres Leben, weitere Entwicklung zu ermöglichen.[8] Auch führt er aus, dass &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;„die heutige Physiologie“&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt; diese Prozesse erst finden müsse.[9]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&amp;lt;sup&amp;gt;,&amp;lt;/sup&amp;gt;&amp;lt;nowiki&amp;gt; [10]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner und Wegman sahen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* in der &#039;&#039;&#039;Ameisensäure&#039;&#039;&#039; die Schlüsselsubstanz im Stoffwechsel des tierischen Organismus&lt;br /&gt;
* und in der &#039;&#039;&#039;Oxalsäure&#039;&#039;&#039; die Schlüsselsubstanz im pflanzlichen Zell-Metabolismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Organismus als Tätigkeitszusammenhang begriffen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;In Abs. 2 wird deutlich gemacht, wie entscheidend es für einen Organismus ist, eine Substanz nicht nur zu besitzen, sondern auch den Bildeprozess zum Aufbau dieser Substanz zu leisten. Im Tun liegt das Wesen des Organismus, nicht in seinen Substanzen. Der Organismus ist nicht ein Stoffzusammenhang, sondern ein Tätigkeitszusammenhang. Der Stoff trägt den Anreiz zur Tätigkeit in sich. Hat er diesen Anreiz verloren, so hat er für die Organisation keine weitere Bedeutung.[11]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter diesem Gesichtspunkt kann auch die jeweilige Aufgabe der Ameisensäure und der Kleesäure im menschlichen Organismus verstanden werden. Hier ‚dienen‘ diese Substanzen der Ich-Organisation: &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Die Ich-Organisation braucht diesen Übergang der organischen Substanz in den leblosen Zustand. Aber sie braucht eben den Vorgang des Überganges; nicht, was dann durch den Übergang entsteht. Ist nun das nach dem Leblosen hin sich Entwickelnde gebildet, so wird es im Innern des Organismus zur Last. Es muss entweder unmittelbar abgesondert werden oder aufgelöst, um mittelbar hinwegzukommen. Geschieht nun für etwas, das aufgelöst werden sollte, diese Auflösung nicht, so häuft es sich im Organismus an und kann die Grundlage für gichtische oder rheumatische Zustände bilden.“[12]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;In der Biologie werden die Phänomene dieses Übergangs zwischen Abbau und Aufbau im Falle der Gesundheit als metabolische Homöostase beschrieben, wobei deren ‚Regulator‘ ein noch nicht gefundener Faktor ist. Es wird aber das Erstaunen zum Ausdruck gebracht darüber, dass unabhängig davon, was und wieviel man gerade isst oder nicht und wieviel Oxalacetat man gerade mit der Nahrung aufgenommen hat oder nicht, die Substanzen im sogenannten Stoffwechsel-Pol der Zellen konstant gehalten werden. D.h. in den Zellen sind die Enzyme des Katabolismus (Abbau) und Anabolismus (Aufbau) normalerweise derart reguliert, dass ein Gleichgewicht gewahrt bleibt. Wird dieses Gleichgewicht jedoch gestört, bedeutet dies den Beginn krankhafter Prozesse.[13]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[14]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----&amp;lt;nowiki&amp;gt;[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, Ga 27, Kap. XVII.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[2] Rudolf Steiner, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Meditative Betrachtungen und Anleitungen zur Vertiefung der Heilkunst. Vorträge für Ärzte und Medizinstudierende,&#039;&#039; GA 316, S. 22.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[3] Siehe FN 1, S. 82.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[4] Der Kern eines Ameisenhaufens ist meist in alten Wurzelstöcken von Nadelhölzern oder Eichenstämmen angesiedelt; das Zusammenleben in der Ameisenkolonie ist ausgeprägt sozial. Eine Königin lebt bis zu 20 Jahre, Arbeitsameisen 5–6 Jahre. Sie entwickeln sich in klar definierten Temperaturbereichen (Ameisenpuppen brauchen 31°, Larven 28°, die Entwicklung der Eier nur 25°). Vgl. Jirikowski (2010), 105–107.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[5] Vgl. Wollrab (2014), 621.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[6] Vgl. Wolff (2013), 85, 263–269.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[7] Vgl. Rudolf Steiner, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Mysteriengestaltungen,&#039;&#039; GA 232, 13. Vortrag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[8] Vgl. FN 1, S. 22f.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;[9] Vgl. FN 11, S. 193–195.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[10] Dazu muss aus anthroposophisch-medizinischer Sicht gesagt werden, dass die geisteswissenschaftliche Biochemie, für die Hauschka und Wolff die Grundlagen erarbeitet haben (Vgl. Hauschka 2007, Wolff 2013), auf dem jeweils neuesten Stand der biochemischen Forschung weiter erarbeitet werden muss. Denn die Zusammenschau der Wesensglieder-Tätigkeiten als ganzheitliche Regulatoren und die immense Faktenfülle der molekulargenetischen Einsichten in das hochkomplexe Regelkreisgeschehen der Zellatmung ist für eine umfassende Integrativmedizin unverzichtbar.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[11] Siehe FN 1, S. 82.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[12] Ebenda.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[13]  Vgl. Sadava u. a. (2019), 265–271.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[14] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== HEILENDE VERBINDUNG VON MENSCH UND NATUR ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern stehen Mensch und Natur in einer heilsamen Verbindung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Naturstoffe zur Arzneimittelherstellung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Natur ist nicht nur Lebensraum und Existenzgrundlage des Menschen. Ihre Stoffe und Kräfte liegen auch einer Fülle von Arzneimitteln zugrunde. Anthroposophische Arzneimittel sollen dazu beitragen, dass der Organismus – wann immer sinnvoll und möglich – in die Lage versetzt wird, eine Krankheit aus eigener Kraft zu überwinden. Sie stärken die gesundenden Kräfte und sind also vor allem darauf orientiert, die Körperfunktionen wieder ins Gleichgewicht zu bringen und die Abwehrkräfte zu stärken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der anthroposophischen Arzneimittelherstellung werden mineralische, pflanzliche, metallische und tierische Ausgangsstoffe verwendet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gängige mineralische Substanzen sind u.a. Quarz, Schwefel oder Kalk.&lt;br /&gt;
* Bekannte Heilpflanzen sind z.B. Arnika, gelber Enzian oder Kamille.&lt;br /&gt;
* Als Metalle kommen häufig Gold, Silber, Kupfer, Eisen und Zinn in potenzierter Form zum Einsatz.&lt;br /&gt;
* Zu den tierischen Ausgangssubstanzen gehören z. B. Insektengifte von Biene, Ameise, Hornisse sowie Organextrakte von Säugetieren (aus Leber, Thymusdrüse, Nieren, Nerven u.a.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Reicher Arzneimittelschatz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Alle anthroposophischen Medikamente werden nach komplexen Vorgaben der von Rudolf Steiner und Ita Wegman begründeten anthroposophischen Medizin hergestellt.[1] Die meisten Ausgangsstoffe werden in hoher Verdünnung (homöopathisch potenziert) eingesetzt, nur sehr selten konzentriert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophische Arzneimittel enthalten häufig mehrere Inhaltsstoffe. Diese sind nicht nur kombiniert, sondern komponiert. Wie bei einem Orchester, so kommt es auch bei einem zusammengesetzten Arzneimittel darauf an, in welchen Anteilen die verschiedenen Einzelkomponenten gemischt sind. In dieser Art gemischt, ergeben sie eine andere Wirkung denn als Einzelbestandteile. So wie ein Orchester anders klingt als eine Violine allein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anthroposophische Arzneimittelschatz umfasst etwa 2000 Substanzen, Kombinationen und eine Vielzahl von Darreichungsformen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ampullen, Augentropfen, Dilutionen, Einreibungen (ölige), Emulsionen, flüssige Verdünnungen, Flüssigkeiten zur Inhalation, Flüssigkeiten zur äußeren Anwendung, Gelate, Globuli, Granulate, Injektionen, Kapseln, Lotionen, Metallspiegelfolien, Mischungen, Nasentropfen (ölige), Öle, Pasten, Pflaster, Puder, Pulver, Salben (fettarm), Salben, Sirup, Tabletten, Tees, Tinkturen zum äußeren Gebrauch, Triturationen, Tropfen, Vaginalglobuli, Vaginaltabletten, Verdünnungen (wässrige), Zäpfchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Der Mensch als umgekehrte Pflanze&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aus anthroposophischer Sicht gleicht der Mensch einer umgekehrten Pflanze:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* So wie der Mensch seine Nahrung – in Form von Nahrungsmitteln, aber auch als „seelische“ oder „geistige“ Nahrung in Form von Gedanken, Worten, Tatsachen aus Kunst und Wissenschaft, über den Kopf – aufnimmt, so versorgt sich die Pflanze über ihre Wurzeln mit den nötigen Nährstoffen.&lt;br /&gt;
* Umgekehrt verhält es sich mit der Fortpflanzungsregion. Diese ist bei der Pflanze oben, Luft und Licht gegenüber geöffnet, wohingegen sie beim Menschen nach unten und innen gelagert ist, zur Erde hin.&lt;br /&gt;
* Beiden gemeinsam ist, dass in der Mitte – bei der Pflanze über die Blätter, beim Menschen über die rhythmischen Funktionen von Atmung und Kreislauf – der Gasaustausch stattfindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Umgekehrte Wirkung der Pflanze auf den Menschen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
So wirken die Anwendungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* von &#039;&#039;Wurzeln&#039;&#039; unterstützend und heilend bei Erkrankungen der &#039;&#039;Kopf- und Nerven-Sinnesorganisation&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* Teeabkochungen und -zubereitungen aus &#039;&#039;Blättern&#039;&#039; bei Störungen der &#039;&#039;rhythmischen Funktionen&#039;&#039; (insbesondere von Herz und Lunge),&lt;br /&gt;
* Zubereitungen aus &#039;&#039;Früchten&#039;&#039; bei &#039;&#039;Stoffwechsel- und Verdauungsstörungen&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entsprechendes gilt für die Ernährung. Wer darauf achtet, dass der Anteil von Wurzeln, Blattgemüse, Früchten und Samen ausgewogen ist, sorgt für eine an den Bedürfnissen des ganzen Körpers orientierte Ernährung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim therapeutischen Einsatz von mineralischen, pflanzlichen und tierischen Substanzen gilt es, „die Weltaufgabe dieser Substanzen zu verstehen“. Steiner regte an zu erforschen, welche Aufgabe ein bestimmtes chemisches Element oder eine Stoffkombination wie Wasser, Salz, Asche, Gerbstoffe oder Pyrit im Haushalt der Natur innehat. Die Signatur dieser Aufgabe bzw. Tätigkeit sagt auch aus, welche Wirkung die betreffende Substanz im menschlichen Organismus entfalten kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Menschen als Mikrokosmos kennenzulernen im Kontext der großen Weltentwicklung mit ihren Prozessen und Stoffzusammenhängen – nach alter Tradition Makrokosmos genannt – ist der Schlüssel zum Verständnis der anthroposophischen Arzneitherapie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Artikel in der Deutschen Apothekerzeitung DAZ Nr. 39, 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Seiner und Ita Wegmann, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27, Dornach 1935.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ANTHROPOSOPHISCHE HEILMITTEL-ERKENNTNIS AM BEISPIEL VON ANTIMON ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welcher Blickwinkel ist grundlegend im Hinblick auf die anthroposophische Heilmittel-Erkenntnis?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern weist Antimon Ähnlichkeiten mit dem Ätherischen auf?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wird es, auch in Kombination mit Schwefel, therapeutisch eingesetzt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wirksamkeit von Substanzen im Kontext irdisch-menschlicher Kraftsysteme&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel XVI von &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039; geht es um anthroposophische Heilmittel-Erkenntnis. Die Grundlage davon ist der Blick auf das Verhalten bzw. die Wirksamkeit einer Substanz im Bereich der in Kapitel I geschilderten Kraftsysteme. Dabei geht es insbesondere um die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* von der Erde ausstrahlenden&lt;br /&gt;
* und in sie einstrahlenden Kräfte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„[...] es kommt darauf an, die Wirkungen zu beobachten, die sich aus dem Zusammenhange der inneren Kräftekonstitution einer Substanz im Verhältnis zu den Kräften ergeben, die von der Erde ausstrahlen oder in sie einstrahlen.“[2]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Antimon, Schwefel und die Austernschalenbildung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Diese Wirkungen werden am Beispiel des Antimons in seiner Beziehung zum Schwefel in Form des in der Natur vorkommenden Grauspießglanzes aufgezeigt (Sb2 S3, auch als Antimonit bzw. Stibnit bekannt), sowie an der Austernschalenbildung, die zum Verständnis der Typhusbehandlung beiträgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Antimon ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Antimon&#039;&#039; kam bereits in der ägyptischen Medizin zur Anwendung, nimmt bei Paracelsus eine zentrale Stellung ein und hat bis in die Gegenwart immer neue Einsatzmöglichkeiten erfahren. Chemisch ist es dem Arsen verwandt und eine Menge von 100 mg bis etwa 1200 mg kann bereits tödlich sein. Eine gute Übersicht über seine Verwendung – einschließlich in der Anthroposophischen Medizin – findet sich bei &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;Marxer[3]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039; Die Bezeichnungen Antimon und Stibium für das chemische Symbol Sb stammen von den lateinischen Wörtern &#039;&#039;antimonium&#039;&#039; und &#039;&#039;stibium&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt; ab, die schon im Altertum für den Grauspießglanz verwendet wurden.[4]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Schwefel ====&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ Schwefel ist eines der seltenen Minerale, die in kristallisierten polymorphen Formen in der Natur rein vorkommen und in der Struktur der orthorhombischen Raumgruppe Fddd die typisch gelbe α-Kristallform zeigen. Schwefel steht mit einem Anteil von geschätzt 0,048 Gew.-% an 15. Stelle unter den häufigsten Elementen der uns bekannten Erdkruste. Er wurde in Kometenschweifen nachgewiesen, ist auf der Erde zum einen vulkanischen Ursprungs und stammt zum anderen aus der Biosphäre von Bakterien, die aus schwefelhaltigen Mineralien Schwefel aufnehmen und Sedimente bilden sowie von Pflanze, Tier und Mensch, da er im Eiweißaufbau durch die beiden schwefelhaltigen Aminosäuren &#039;&#039;Cystin&#039;&#039; und &#039;&#039;Methionin&#039;&#039; festgebunden ist. Durch seinen niedrigen Schmelzpunkt und seine Fähigkeit zu sublimieren, verbindet er sich leicht über Luft und Wasser mit anderen Substanzen und realisiert so den alle Reiche der Natur verbindenden Schwefelkreislauf.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;Symptomatisch dafür ist auch eine ungewöhnliche mechanische Eigenschaft der Grausspießglanz-Kristalle: Sie zeigen eine auch an größeren Kristallen bei geringem Kraftaufwand fühlbare Biegsamkeit. Diese beruht auf einer geregelten innerkristallinen Gleitung, wie sie auch beim Eis und beim Steinsalz vorliegt – Substanzen, die für alle Lebewesen essenziell sind.[5]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Austernschale ====&lt;br /&gt;
Die Austernschale ist als komplexes Kalkmineral schützendes Außenskelett der Auster und damit ein Mineral, ausgeschieden aus dem Lebensprozess eines Tieres bzw. einer Muschel. In ihrer therapeutischen Verwendung ist sie insbesondere in der Homöopathie bekannt mit dem Arzneimittelbild &#039;&#039;Calcium carbonicum&#039;&#039;. Sie wird zu den Vielkönnern oder Polychresten gezählt (von gr: πολύς - viel und χρηστός  - brauchbar).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Hinweise auf die Verwandtschaft von Antimon mit dem Ätherischen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Zusammenwirken von Zentral- und Universalkräften ====&lt;br /&gt;
Dadurch, dass das Antimon sich leicht und stabil mit dem Schwefel zu den orthorhombisch geformten Grauspießglanz/Antimonit-Kristallen verbindet, kann es die Neigung des Schwefels, in der Welt des Lebendigen aktiv zu werden und dadurch auch im Sinne der auf die Erde einstrahlenden ätherischen Kräfte zu wirken, unterstützen. Unter diesem Aspekt ist die Art und Weise, wie das Antimon in seiner Verbindung mit dem Schwefel kristallisiert, charakteristisch. Es kristallisiert in prismatisch-nadeligen grauschwarzen Kristallen, von feinst ziseliert bis zentimeterstark, immer von einem Zentrum weg – wenn der Kristallisationsprozess nicht durch äußere Umstände gestört wird. Dabei erstrecken sich die Antimonit-Nadeln radial in die Peripherie, wobei die Länge der Kristalle durchaus auch 1 m überschreiten kann. Wo er nur kann, strebt Antimonit die büschelförmige Gestaltung an. Er gliedert sich damit in Linien, die von der Erde weg- und den Kräften entgegenstreben, die im Äther wirken. Durch diese Kristallisationsweise bringt das Antimon das Zusammenwirken der Zentral- und der Universalkräfte wie archetypisch zum Ausdruck.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Man bringt mit dem Antimon somit etwas in den menschlichen Organismus, das der Wirkung des Ätherleibes auf halbem Wege entgegenkommt.[6] Antimon kann dadurch im Körper die eiweißbildenden Kräfte zusammenhalten und so die Tätigkeit der Ich-Organisation im Eiweißaufbau unterstützen.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Feinfaserigkeit durch Seigern ====&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Auch dasjenige, was im Seigerprozess mit dem Antimon vor sich geht, weist auf die Äther-Verwandtschaft dieses Stoffes hin. ‚Seigern‘ kommt von dem gegenwärtig nicht mehr oft gebrauchten Wort etwas z.B. durch ein Sieb ‚durchseien‘. Unter ‚Seigerungen‘ versteht man daher Trennprozesse in gemischtem Schmelzgut. Es wird durch diesen Prozess feinfaserig.[7]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Niedriger Schmelzpunkt ====&lt;br /&gt;
Da das Antimon bereits bei 547° schmilzt, fließt es auf schräger Unterlage leicht aus dem Antimon haltigen Schmelzgut heraus, wo es dann bei Abkühlung zu 92–98 % reinem &#039;&#039;antimonium crudum&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt; kristallisiert.[8] Der niedrige Schmelzpunkt von 547° zeigt zudem die Nähe dieser mineralischen Substanz zum flüssigen Aggregatzustand, in dem die ätherischen Kräfte ihre Wirkung entfalten können.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor diesem Hintergrund heißt es in dem oben erwähnten Werk:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Alles dieses zeigt, dass im Antimon die Tendenz enthalten ist, in das Ätherelement in dem Augenblick leicht überzugehen, in dem dazu die Bedingungen auch nur in geringem Grade vorhanden sind. Dem geistigen Schauen gelten alle diese Einzelheiten nur als Andeutungen; denn dieses nimmt die Beziehung zwischen Ich-Tätigkeit und Antimon-Wirksamkeit unmittelbar so wahr, dass die Antimonprozesse, in den menschlichen Organismus gebracht, so wirken, wie die Ich-Organisation.“[9]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zwei Indikationen als Beispiele für den Einsatz von Antimon&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aus dem breiten Spektrum der therapeutischen Einsatzmöglichkeiten werden nun zwei Indikationsgebiete an die Schilderung des Arzneimittelbildes angeschlossen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;&#039;Blutgerinnungsstörungen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
# und &#039;&#039;&#039;Typhus abdominalis/Parathyphus&#039;&#039;&#039;, eine gefährliche bakterielle Infektionskrankheit des Magen-Darmtraktes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während eine Therapie mit &#039;&#039;Antimon&#039;&#039; oder &#039;&#039;Stibium metallicum praep.&#039;&#039; bei Blutungsneigung aus der Darstellung des Arzneimittelbildes unmittelbar hervorgeht, ist dies für den Thyphus nicht so ohne weiteres ersichtlich – zumal dieser ja heute erfolgreich antibiotisch behandelt werden kann (Sterblichkeitsrate unter 1 &amp;lt;nowiki&amp;gt;%) und die Impfung bei Einreise in betroffene Gebiete empfohlen wird.[10]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;Arzneimittelbild der Austernschale und Typhus&#039;&#039;] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was macht also eine Begleitbehandlung oder Alternativbehandlung zur Vermeidung des Einsatzes von Antibiotika sinnvoll?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um dies zu verstehen, braucht es – wie oben bereits angedeutet – zum Vergleich das Arzneimittelbild der Austernschale. Hier liegt ein Naturprozess vor, der etwas vollzieht, was für die Muschel richtig ist, für den Menschen aber zur Ursache typhöser Durchfall-Erkrankungen werden kann. Die Auster sondert in ihre Schale das kalkartig Mineralische ab:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Bei der Auster wird das Kalkartige abgesondert, um es der Eiweißwirkung nicht einzugliedern. Im menschlichen Organismus muss diese Eingliederung stattfinden. Die bloße Eiweißwirkung muss in eine solche umgewandelt werden, in der mitwirkt, was im Kalkartigen durch die Ich-Organisation an gestaltenden Kräften hervorgerufen werden kann. Das muss sich innerhalb der Blutbildung abspielen. Das Antimon wirkt der kalkausscheidenden Kraft entgegen und führt das Eiweiß, das seine Form bewahren will, durch seine Verwandtschaft mit dem Äther-Elemente in die Formlosigkeit hinüber, die für die Einflüsse des Kalkartigen oder Ähnlichem empfänglich ist.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;Beim Typhus ist es klar, dass der krankhafte Zustand in einer mangelnden Überführung der Eiweißsubstanz in gestaltungsfähige Blutsubstanz besteht. Die Form der Diarrhöen, die auftritt, zeigt, dass schon im Darm die Unfähigkeit zu dieser Umwandlung beginnt.“[11]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Heilung der konstitutionellen Dysfunktionalität&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[12]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039; heißt es&#039;&#039;,&#039;&#039; dass die Abwehrstoffe und Killerzellen eines guten Immunsystems im Blut zirkulieren, welches wiederum &#039;&#039;das&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt; Organ der Ich-Organisation ist.[13] Kann nun mithilfe einer Konstitutionsbehandlung, z.B. mit einem Antimonpräparat, und je nach Situation auch noch kombiniert mit anderen Heilmitteln, die Ich-Organisation und damit ihr Einfluss auf die Gestaltungskräfte im Blut gestärkt werden, so werden die Bakterien nicht nur beseitigt, wie es über eine antibiotische Therapie geschieht, sondern zugleich das Milieu saniert und damit künftigen Infektionen vorgebeugt. Das entspräche einer integrativen Therapie, die sich nicht nur auf die Beseitigung der Symptome konzentriert, sondern auf die Heilung der konstitutionellen Dysfunktionalität.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dem erwähnten Werk schreiben die Autoren: &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Wendet man bei typhösen Erscheinungen Antimonpräparate in entsprechender Zusammensetzung an, so erweisen sich diese als Heilmittel. Sie entkleiden die Eiweißsubstanz ihrer Eigenkräfte und machen sie geneigt, den Gestaltungskräften der Ich-Organisation sich einzufügen.“[14]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbstverständlich hat der primäre Fokus auf die Symptombeseitigung überall da seine Berechtigung, wo sie Leben rettet, weil die Abwehrkräfte des Körpers zu schwach sind für die notwendige Selbstregulation. Wo diese Möglichkeit jedoch gegeben ist, kann differenzierter vorgegangen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Wer Exaktheit nur in dem sieht, was die Chemie – auch die pharmazeutische – feststellt, der vernichtet die Möglichkeit, Anschauungen darüber zu gewinnen, was im Organismus bei Heilungsvorgängen geschieht.“[15]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[16]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----&amp;lt;nowiki&amp;gt;[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[2] Ebenda, S. 77.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[3] Vgl. Marxer (2000), siehe www.pharmazeutische-zeitung.de/titel-10- 2000; [6.1.2025].&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[4] Vgl. Holleman und Wiberg (2017), 940.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[5] Vgl. Wimmenauer (1992), 223.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[6] Siehe FN 1, S. 78.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[7] Ebenda.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[8] Vgl. Holleman und Wiberg (2017), 942.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[9] Siehe FN 1, S. 78f.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[10] Typhus ist weltweit verbreitet – besonders in warmen Ländern. Er wird durch kontaminierte Lebensmittel bzw. Trinkwasser übertragen und ist eine schwere Allgemeinerkrankung, die durch das Bakterium Salmonella typhi ausgelöst wird. Als Paratyphus bezeichnet man ein abgeschwächtes Krankheitsbild, dessen Erreger Salmonella Paratyphi A, B oder C ist. Übertragen wird die Infektion durch Trinkwasser oder Lebensmittel, die mit Fäkalien von infizierten Personen verunreinigt wurden. Leitsymptome sind hohes Fieber, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, langsamer Puls, trockener Husten, Bauchschmerzen, Milzvergrößerung und manchmal ein blasser, kleinfleckiger Ausschlag am Körper. Ein milder Verlauf ist möglich, doch manchmal kommt es zu schweren Komplikationen wie massiven Darmblutungen oder Abszessen in verschiedenen Organen. Durch den Einsatz von Antibiotika kann die Sterblichkeit auf unter 1% gesenkt werden. In Deutschland ist die Krankheit meldepflichtig – dem Bundesamt für Gesundheit werden pro Jahr zwischen 20 und 50 Fälle gemeldet. Wichtigste Mittel zur Vorbeugung sind Körperhygiene und Verzicht auf frische Salate und ungeschältes Obst – nach dem Ernährungsmotto: Cook it, peel it or forget it. Siehe www.bag.admin.ch/bag/de/home/krankheiten/krankheiten-im-ueberblick/typhus-abdominalis-paratyphus.html; [6.1.2025].&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[11] Siehe FN 1, S. 80.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[12] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“, GA 27.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[13] Siehe FN 3, Kapitel VI.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[14] Siehe FN 3, S. 80.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[15] Ebenda, S. 81.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[16] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ARZNEIMITTEL-SUBSTANZGRUPPEN UND WESENSGLIEDER ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Auf welchen Ebenen und worüber ist der Mensch mit der Natur innig verbunden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Naturanteile machen seine Konstitution aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wesensglieder und ihre Einbettung in die Natur&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Physischer Leib und Natur ====&lt;br /&gt;
Schon ein oberflächlicher Blick auf die Verbundenheit von Natur und Mensch zeigt, wie der Mensch die kristallinen Strukturen seines Körpers mit den Mineralien der ihn umgebenden Natur gemeinsam hat. Dieser sichtbare, mineralisch erscheinende Leib wird in der anthroposophischen Menschenkunde „Physischer Leib“ genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ätherleib und Natur] ====&lt;br /&gt;
Werden und Vergehen, Leben und Sterben hat der Mensch mit der Pflanzenwelt gemeinsam. Diese Gesetzmäßigkeiten in ihrem Zusammenhang nennt Steiner „Ätherleib“, weil ohne das blaue Himmelslicht (griechisch o aither) kein Leben auf der Erde möglich wäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Astralleib und Natur] ====&lt;br /&gt;
Atmung, Bewegung, Bewusstsein, Schmerz und Triebleben hat der Mensch mit den Tieren gemeinsam. Diese das Seelenleben konstituierenden Gesetze heißen in ihrer Gesamtheit „Astralleib“ von aster, lateinisch Stern. Die menschliche Seele fühlt sich der Sternenwelt mit ihren Rhythmen und Konstellationen verwandt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Rein menschliche Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Die Fähigkeit jedoch, lebenslang lernen und immer wieder neu und anders kulturschöpferisch tätig sein zu können, ist spezifisch menschlich. Daher gibt Steiner diesem die „Ich-Natur“ des Menschen möglich machenden Gesetzes-Zusammenhang den Namen „Ich-Organisation“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Da der Mensch durch diese vier verschiedenen Gesetzes-Zusammenhänge sein Wesen sowohl integriert als auch differenziert äußern kann, gab Steiner ihnen den Namen „Wesensglieder“.[1]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Arzneimittelwirkung auf die Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Substanzgruppen aus dem Mineral-, Pflanzen-, Tier- und Menschenreich haben einen therapeutischen Bezug zu diesen Wesensgliedern:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Menschliche Substanz wie Muttermilch und in Form einer Blutspende stützt und erhält den physischen Leib.&lt;br /&gt;
* Präparate aus dem Tierreich regen den Ätherleib zu verstärkter Tätigkeit an,&lt;br /&gt;
* pflanzliche Arzneimittel wirken regulierend auf den Astralleib&lt;br /&gt;
* und Metalle und Mineralien auf die Ich-Organisation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Potenzierungsstufen und Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Auch die Potenzierungsstufen der nach homöopathischem Verfahren hergestellten Arzneimittel haben ihren Bezug zu den Wesensgliedern:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D1 – D4:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;physischen Organismus&#039;&#039; und seines Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D5 – D8:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;ätherischen Organismus&#039;&#039; und seines Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D10 – D15:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;astralischen Organismus&#039;&#039; und seines Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D20 – D60:&#039;&#039;&#039; Anregung der &#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039; und ihres Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Bezug auf die Dreigliederung des menschlichen Organismus gilt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D1 – D6:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;Stoffwechsel-Systems&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D6 – D18:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;rhythmischen Systems&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D18 – D30:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;Nerven-Sinnessystems&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Der Arzneimittelschatz der Anthroposophischen Medizin umfasst dementsprechend Ausgangssubstanzen mineralischer, pflanzlicher und tierischer Herkunft, die nach besonderen Verfahren vor allem von den Arzneimittelfirmen Weleda und Wala hergestellt werden.[2] In Deutschland wurden sie aufgrund des Arzneimittelgesetzes von 1976 in der vom Bundesgesundheitsamt – später Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) – eingerichteten Kommission C für die Zulassung aufbereitet. Ein Teil dieser regulativ wirksamen Arzneimittel ist sehr gut für die Selbstmedikation geeignet.[3]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Artikel in der Deutschen Apothekerzeitung DAZ Nr. 39, 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----&amp;lt;nowiki&amp;gt;[1] Rudolf Steiner, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Theosophie, Einführung in übersinnliche Welterkenntnis und Menschenbestimmung,&#039;&#039; 2003 und ders. &#039;&#039;Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft&#039;&#039;. In: &#039;&#039;Lucifer-Gnosis&#039;&#039;. GA 34. Dornach 1987, 309-344.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[2] International Association of Anthroposophic Pharmacists IAAP. ­Anthroposophic Pharmaceutical Codex. Stuttgart, 2014.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[3] M. Glöckler, B. Emde, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Anthroposophische Medizin&#039;&#039;, in: &#039;&#039;Komplementärmedizin für die Kitteltasche. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation&#039;&#039;, Stuttgart 2009 und ders.: &#039;&#039;Anthroposophische Medizin&#039;&#039;, in: &#039;&#039;Komplementärmedizin für Kinder. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation&#039;&#039;, Stuttgart 2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ARZNEIMITTEL AUS DER NATUR UND WESENSGLIEDER ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen inneren Zusammenhang sieht die anthroposophische Pharmazeutik zwischen Arzneimitteln aus der Natur und den menschlichen Wesensgliedern?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Qualitäten zeichnen die Muttermilch aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern sind Schwangerschaft und Stillzeit Naturvorbilder auch für zukünftige Entwicklungsstadien?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Korrelation von Arzneimitteln und Wesensgliedern&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;In der Anthroposophischen Pharmazeutik sieht man eine grundlegende Korrelation von Arzneimitteln aus der Natur und den menschlichen Wesensgliedern:[1]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So haben &#039;&#039;&#039;Mineralien&#039;&#039;&#039; eine unmittelbare Beziehung zur &#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;: Sie unterstützen die Ich-Organisation bei der Beherrschung der physischen Verhältnisse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Heilmittel aus dem Pflanzenreich&#039;&#039;&#039; auf die &#039;&#039;astralische Organisation&#039;&#039;: Die astralische Organisation wirkt lähmend auf die ätherische – pflanzliche Arzneimittel können regulierend auf diese lähmende Wirkung Einfluss nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Organpräparate&#039;&#039;&#039; und tierische Arzneimittel auf die &#039;&#039;ätherische Organisation:&#039;&#039; Diese hat die Aufgabe, physisch-tierische Substanzen in den Lebenszusammenhang aufzunehmen, was durch astralische Impulse angeregt werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Menschliche Substanz&#039;&#039;&#039; (wie Blutkonserven und Muttermilch) wirkt unmittelbar auf den &#039;&#039;physischen Leib,&#039;&#039; sodass sich die anderen Wesensglieder wieder besser einschalten und betätigen können. Anders ausgedrückt: Menschliche Substanz steht der Ich-Organisation unmittelbar für ihre Aufgabe zur Verfügung, das Ganze des Organismus bis in das Physische hinein zu beherrschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Was Muttermilch vermag&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Studiert man die Besonderheiten rund um die Bildung von Muttermilch, so verrät dies viel über die innige Bindung zwischen Mutter und Kind durch alle vier Wesensglieder hindurch:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die Muttermilch ist nach dem aktuellen Bedürfnis des Säuglings zusammengesetzt und variiert so auch von Tag zu Tag;&lt;br /&gt;
* Stillen fördert die Rückbildung der Gebärmutter;&lt;br /&gt;
* gestillte Kinder haben weniger Infekte und überstehen sie leichter, weil die Muttermilch wichtige Abwehrstoffe der Mutter enthält;&lt;br /&gt;
* ausschließliches Stillen in den ersten sechs Monaten kann das Kind vor Allergien und Asthma schützen;&lt;br /&gt;
* Wachstum und Beweglichkeit von Magen und Darm werden unmittelbar angeregt;&lt;br /&gt;
* die Zusammensetzung der Muttermilch mit Bezug auf Kohlenhydrate, Fette, Eiweißgehalt und Mineralstoffe ist zugleich ein ‚Naturvorbild‘ für eine gesunde Ernährung;&lt;br /&gt;
* die Immuntoleranz, d.h. die Selbstregulation des Immunsystems entwickelt sich bei gestillten Säuglingen nachhaltig besser.&lt;br /&gt;
* &amp;lt;nowiki&amp;gt;Durch Stillen wird das Risiko des plötzlichen Kindstodes um ca. die Hälfte gesenkt und vieles mehr.[2]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Formelmilch gefütterte Säuglinge haben eine deutlich höhere Insulinkonzentration im Plasma, was mit der Entwicklung von Adipositas und einer möglichen Zunahme von Diabetes mellitus Typ 2 im Zusammenhang steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Abnabelungsstadien und physisch-seelisch-geistige Muttermilch&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Nach der &#039;&#039;&#039;physischen Abnabelung&#039;&#039;&#039; vom physischen Leib der Mutter als der ernährenden Umgebung während der Schwangerschaft, folgt die Stillperiode.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann folgt die langsame &#039;&#039;&#039;ätherische Abnabelung&#039;&#039;&#039; und das Sich-Emanzipieren auf ätherischer Ebene, das mit dem Ende der Nachahmungsperiode ausklingt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;&#039;seelisch-astralische Abnabelung&#039;&#039;&#039; findet im 2. Jahrsiebt statt und kulminiert mit der Pubertät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Arbeit des Ich jedoch an der Überwindung von allen möglichen Abhängigkeiten, die seine Autonomiebefähigung einschränken, stellt eine Art &#039;&#039;&#039;geistige Abnabelung&#039;&#039;&#039; dar. Diese zu bewerkstelligen bleibt eine lebenslange Herausforderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Rudolf Steiner spricht im pädagogischen Zusammenhang wiederholt über die Bedeutung der physischen Muttermilch für den gesunden Aufbau des physischen Leibes und die damit verbundene Stärkung der Ich-Organisation des Kindes. Für die Unterstützung der oben genannten weiteren Abnabelungsprozesse im Verlaufe der Schulzeit und Jugend, braucht es die ‚seelische‘ und zuletzt ‚geistige‘ Muttermilch, die dem Menschen in Form einer nährenden Entwicklungsumgebung und verständigen Entwicklungshelfern zukommen müssen.[3]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fallen solch hilfreiche Faktoren und Entwicklungsbegleiter weg oder können nur eingeschränkt wirken, ist dies oft mit körperlichen und oder seelischen gesundheitlichen Belastungen im weiteren Leben verbunden. Diesen so weit als möglich vorzubeugen, ist der Präventionsanspruch Anthroposophischer Medizin und Pädagogik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[4]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----&amp;lt;nowiki&amp;gt;[1] Warum das so ist, geht aus den Kapiteln I bis V aus &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27,&#039;&#039; hervor, in denen die Autoren, Rudolf Steiner und Ita Wegman, die Arbeit der Wesensglieder an den Substanzströmen schildern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[2] Vgl. Soldner und Stellmann (2018), 220–238; Glöckler u. a. (2024b), 372–392.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[3] Rudolf Steiner, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik,&#039;&#039; GA 293, Vortrag 2. September 1919.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[4] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== METALLE IN STOFFWECHSEL UND ANTHROPOSOPHISCHER THERAPIE ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen inneren Bezug haben die Metalle zum Menschen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielen sie beim menschlichen Stoffwechsel?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worauf kommt es der Anthroposophischen Metalltherapie an?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Metalle, Planeten und Evolution&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ganz allgemein gilt, dass die Metalle Blei, Zinn, Eisen, Gold, Kupfer, Quecksilber und Silber in potenzierter Form in der anthroposophischen Therapierichtung eine zentrale Stellung einnehmen. Die Namen der Metalle haben in vielen Sprachen zudem einen engen Bezug zu den Planeten. Gemäß Rudolf Steiners geisteswissenschaftlicher Forschung hat die Entstehung der Metalle im Weltall und ihre Beziehung zu den Planeten und der Erde eine gemeinsame Geschichte mit der Entwicklung des Menschen im Verlaufe der Evolution.[1] So hat eine frühere Anschauung das Skelett und die Milz dem Saturn/Blei zugeordnet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* das &#039;&#039;&#039;Skelett&#039;&#039;&#039; als Organ der Mineralisierung &lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Milz&#039;&#039;&#039; als ein immunologisch und damit für die ,Grenzbildung‘ wichtiges Organ, in dem die abbaufähigen Erythrozyten erkannt in den hepatolienalen Kreislauf eingespeist werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Metalle im Menschen&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Folgenden möchte ich näher auf das Vorkommen der Metalle im Menschen und ihre Wirkung auf den menschlichen Stoffwechsel eingehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Eisen ====&lt;br /&gt;
Eisen ist ein zentral wichtiges Spurenelement, von dem etwa 2 bis 4 g im menschlichen Organismus nachweisbar sind – zwei Drittel davon sind im Blut an den roten Farbstoff Hämoglobin gebunden, etwa ein Drittel in Leber, Milz, Darmschleimhaut und Knochenmark gespeichert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kupfer ====&lt;br /&gt;
Der Kupfergehalt im menschlichen Organismus beträgt etwa 0, 3 g und findet sich in vielen lebenswichtigen Enzymen, wie z.B. im Plasmaprotein Coeruloplasmin oder in Gestalt der kupferabhängigen Cytochromoxidase, die bei der zellulären Sauerstoffverwertung eine entscheidende Rolle spielt. Andere Enzyme helfen bei der Vernetzung bindegewebiger Strukturen oder bei der Entgiftung freier Radikale. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Zinn ====&lt;br /&gt;
Ob Zinn zu den essenziellen Spurenelementen zählt, ist noch umstritten – es wird in der Liste der möglichen Spurenelemente aufgeführt und die WHO empfiehlt eine Aufnahme von 2 mg pro Tag. Einigermaßen gesichert ist die Beteiligung von Zinn-Ionen an der Bildung von Gastrin, einem die Magentätigkeit (Pepsinogenausschüttung, Aktivität der Muskulatur der Magenwand) beeinflussenden Dünndarm-Hormon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Gold ====&lt;br /&gt;
Spuren von Gold gehen im Körper keinerlei Verbindungen ein und sind unschädlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Quecksilber, Silber und Blei ====&lt;br /&gt;
Quecksilber, Silber und Blei hingegen gelten als Gifte, auch wenn Spuren umweltbedingt über Wasser und Nahrung vom Organismus aufgenommen, abgelagert und ausgeschieden werden können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Blei in der Anthroposophischen Metalltherapie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Auch aufgrund ihrer evolutionären Beziehung zum Menschen haben die Metalle eine wichtige Stellung in der Therapie.[2] In der Anthroposophischen Metalltherapie kommt es primär auf die Prozesswirkung der Metalle an zur Anregung der zugehörigen Organtätigkeiten oder aber, wie beim Blei, auf den Prozess der Überwindung des Bleiprozesses im menschlichen Organismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stofflich aufgenommen wäre Blei ein Gift, in feiner homöopathischer Dosierung hingegen regt es den Organismus an, den sklerotisierenden Bleiprozess zu überwinden. Das Blei bildet im periodischen System der Elemente den Abschluss, bevor dann die folgenden Elemente solche sind, die radioaktive Zerfallserscheinungen zeigen. In Blei kommt das Substanzwirken so gesehen an ein Ende, es entspricht dem Todesprozess, den die Ich-Organisation braucht, damit die Substanzen nach dem Durchgang durch den mineralischen Nullpunkt in den Lebens- und Arbeitszusammenhang des von der Ich-Organisation beherrschten Organismus aufgenommen werden können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[3]&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Der übersinnliche Mensch, anthroposophisch erfaßt,&#039;&#039; GA 231; &#039;&#039;Eine okkulte Physiologie,&#039;&#039; GA 128.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ALLGEMEINES ZU DEN TYPISCHEN HEILMITTELN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was verstehen Rudolf Steiner und Ita Wegman unter typischen Heilmitteln?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie verhalten sie sich im Vergleich zu den üblichen Symptome bekämpfenden Medikamenten?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist das Neue daran?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Bestimmte Kompositionen von Arzneimitteln&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel XX von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; heißt es: &#039;&#039;„[…] und wenn Typisches im Krankheitszustande in Betracht kommt, so stellt unser Heilmittel dasjenige dar, was im Sinne der Schilderung unseres Buches zur Therapie führen muss. Von diesem Gesichtspunkte aus sollen einige unserer Heilmittel beschrieben werden.“[2]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese &#039;&#039;„Typischen Heilmittel“[3]&#039;&#039; haben mit der Heileurythmie gemeinsam, dass hier bestimmte Kompositionen von Arzneimitteln einem bestimmten typischen Krankheitsbild angepasst sind – so wie man in der Heileurythmie eine bestimmte Lautfolge dem Krankheitsprozess anpasst. &#039;&#039;Otto Wolff&#039;&#039; hat dies wiederholt in seinen schriftlichen und mündlich vorgetragenen Ausführungen zu diesen Kompositions-Präparaten so auf den Punkt gebracht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„&#039;&#039;Diese mögen äußerlich wie Mischungen aussehen, ihnen liegt aber eine Konzeption zugrunde, die nicht von speziellen Krankheiten, sondern von Grundprozessen des Menschen oder einzelner Organe ausgeht. Sie sind deshalb nicht gegen eine Krankheit gerichtet, sondern sprechen ein Organ urbildhaft in seinen Funktionen an. Man kann diesen Arzneimittel-Typus als Urheilmittel ansprechen. So bilden Heilmittel wie Cardiodoron, Kephalodoron (Biodoron), Hepatodoron, Digestodoron u.a. in sich jeweils ein Ganzes. Dabei wird gerade eine gewisse Gegensätzlichkeit von Pflanzen (z.B. im Cardiodoron, Hepatodoron) bzw. der Mineralien Schwefel und Kiesel (im Kephalodoron) durch einen pharmazeutischen Prozess oder eine Substanz (Eisen beim Kephalodoron) ins Gleichgewicht gebracht und zu einer höheren Einheit verbunden. Dadurch erst kann Kephalodoron ein Abbild des dreigliedrigen Menschen sein und eine harmonisierende Wirkung auf den Funktionszusammenhang seiner Funktionssysteme (Nerven-Sinnes-System, rhythmisches und Stoffwechselsystem) ausüben. Entsprechendes könnte auch für andere ‚Heilmittel für typische Krankheiten‘ ausgeführt werden, bei denen es sich zumeist darum handelt, durch harmonisierende Anregungen Gleichgewichtszustände aus ungleichmäßigem Zusammenwirken von Kräften der übersinnlichen Wesensglieder wiederherzustellen. Das Heilende ist im Grunde genommen der menschliche Organismus, d.h. der Ätherleib selber, wenn es gelingt, die entsprechenden Anregungen wirksam werden zu lassen.“[4]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ein neuer Behandlungsansatz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das ist insofern ein neuer Behandlungsansatz, als es dem symptomorientierten Therapieansatz, der sich unmittelbar gegen das betreffende Symptom richtet in Form von Antipyretika, Antihistaminika, Antibiotika, Antidepressiva etc. etwas an die Seite stellt, das unmittelbar die ordnende Kraft der Ich-Organisation und die gesundende Aufbauleistung der ätherischen Organisation anspricht. Dabei steht nicht die Symptombeseitigung im Vordergrund, sondern die Regulierung von den Prozessen, die die Symptome hervorgebracht haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer also erwartet, dass z.B. eine Tablette Kephalodoron unmittelbar den Kopfschmerz beseitigt, wie man das von einer Gabe Ibuprofen erwarten kann, sieht sich getäuscht. Nimmt er aber das Migränemittel im gesunden Intervall über längere Zeit, werden die Anfälle milder und merklich seltener werden und können bei günstigem Verlauf auch sistieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[5]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ebenda, S. 115.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Vgl. Wolff (1984), 65–73 und (2013); Basold u. a. (1995).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] F. Husemann und Wolff (1993–2003), S. 244.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DAS HEILMITTEL SKLERON/SCLERON GEGEN ARTERIOSKLEROSE ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Woraus setzt sich dieses Heilmittel zusammen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wirken seine einzelnen Bestandteile?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie hängen unsere Gestalt und unsere Organe mit dem Tierkreis und den Planeten zusammen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Rudolf Steiner zur Komposition von Skleron&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Komposition dieses Arzneimittels besteht aus potenziertem (D 12) metallischem Blei, Honig und Zucker. Alle drei Substanzen haben eine direkte Beziehung zur Ich-Organisation: &#039;&#039;„Blei wirkt wie die Ich-Organisation, nicht wie der Astralleib, abbauend. Der Honig überträgt die abbauende Wirkung des Astralleibes auf die Ich-Organisation. Und der Zucker versetzt die Ich-Organisation in die Lage, ihre spezifische Aufgabe zu erfüllen.“[1]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem Vortrag vom 16. November 1923[2] geht Rudolf Steiner ausführlich auf das Skleron und seine drei Bestandteile ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Blei ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Was in uns – wenn ich mich jetzt psychologisch ausdrücken darf –, aus der Wahrnehmung die Vorstellung macht mit Hilfe der menschlichen Organisation, das ist ein Vorgang im Inneren der Nerven-Sinnesorganisation, der jenen Vorgängen entspricht, die wir draußen im Blei finden. Daher können wir sagen: Wenn das, was durch das Auge in der Wahrnehmung aufgefaßt wird, nun weiter zurückgeht in das Nerven-Sinnessystem, dann muß ihm entgegenkommen ein Prozeß, der gleich ist dem Bleiprozeß. Nur dadurch kann der Mensch das, was er wahrnimmt, auch denken. Dadurch wird das Gehirn ein Denkorgan; sonst würde es auch ein Wahrnehmungsorgan sein. Auf diese Weise wird der Mensch verselbständigt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Damit habe ich hingedeutet auf etwas, was in der Kopforganisation charakteristisch ist. Ich sagte also: dasselbe, was sich draußen im Bleiprozeß abspielt, müsse sich in der Kopforganisation abspielen, damit der Denkprozeß im Menschen zustande kommen kann.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Nehmen wir nun einmal die Bleifunktion und bringen wir sie nun nicht in die Nervenorganisation – wenn der Mensch geboren wird, ist das Blei von der Natur selber da, ist die Bleifunktion da, ohne daß die Substanz des Bleies nachgewiesen werden kann –, sondern bringen wir die Bleifunktion jetzt in die Verdauungsorganisation und in das Weitere hinein; dafür sorgt schon das Leben, zum Beispiel manchmal bei den Bleivergiftungen. Wenn Sie nun beobachten in allen Erscheinungen, was das Blei im Stoffwechsel-Gliedmaßenmenschen bewirkt, so bekommen Sie ein Bild, das sich zwar in verschiedenen einzelnen Symptomen darstellt, das aber eigentlich doch am charakteristischsten zusammengefaßt wird etwa in dem Symptomkomplex von Dementia senilis oder der Arteriosclerosis cerebralis: Sie bekommen dann das Bild des im Alter zerfallenden menschlichen Organismus. Das heißt mit anderen Worten: Wenn ich denselben Prozeß, der mir im Gehirn meine Selbständigkeit als organisches Wesen sichert, auf den anderen Pol des Menschen in Anwendung bringe, auf das Verdauungssystem und auf das damit im Zusammenhange stehende Gliedmaßensystem, dann bekomme ich ein Krankheitsbild; was also im Stoffwechsel-Gliedmaßensystem ein Krankheitsprozeß ist, das ist für den Nerven-Sinnesmenschen eine notwendige organische Funktion. Wenn ich also die Sklerose als ein langsames Sterben auffasse, so muß ich auch sagen: in einer gewissen abgeschwächten Form muß sie fortwährend im Haupte des Menschen funktionieren, dort ist sie der normale Zustand.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;So also sind die drei Glieder der menschlichen Wesenheit voneinander verschieden: was in dem einen Glied, in der Nerven-Sinnesorganisation, der normale Zustand ist, das ist in dem anderen Gliede des menschlichen Organismus eine Krankheitserscheinung. Aber ich habe schon gestern gesagt: Wie müssen wir uns nun zur Therapie stellen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wir müssen das, was den Krankheitsprozeß ausmacht, und was astralischer Leib und Ich-Organisation versorgen müssen, wenn eben der Krankheitsprozeß ungestört wuchern kann, das müssen wir dem astralischen Leibe und der Ich-Organisation abnehmen. Was müssen wir also tun, wenn wir die Sklerose haben? Wir müssen uns ihr so nähern, daß wir dem menschlichen astralischen Leibe für das Verdauungs-Gliedmaßensystem das abnehmen, was er mit dem alternden, zerfallenden, sklerotisch werdenden Leibe zu tun hat. Und das können wir, wenn wir es dem Blei übergeben, dem Blei in einer gewissen Dosierung. Und dies hat dazu geführt, daß wir zu einem solchen Heilmittel gekommen sind, wie Sie es in unserem Verzeichnis als Heilmittel Nummer I angeführt finden, als das Heilmittel gegen Arteriosklerose. Es ist also von vornherein durch wirkliche Menschenerkenntnis klar, daß man durch die in entsprechender Weise in den Menschen hineingebrachte Bleifunktion substantiell der Sklerose beikommen kann; nur muß man jetzt das Blei zur Wirksamkeit bringen. Es ist nicht ohne weiteres gesagt, daß ich das Blei, wenn ich es in den Organismus eingeführt habe, damit auch wirklich zur Wirksamkeit gebracht habe. Da helfen einem dann die weiteren Glieder einer wirklichen Menschenerkenntnis.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Da hilft es einem dann, daß man im menschlichen Organismus unterscheiden kann die aufbauenden und die abbauenden Kräfte. Die letzteren sind zum Beispiel gerade in der Sklerose tätig, wo der menschliche Organismus zerfällt. Im Haupte, im Gehirn zerfällt fortwährend der menschliche Organismus, denn das Gehirn ist immerfort von einer leisen Sklerose erfüllt; das liegt in seiner Organisation. […]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Honig ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wir brauchen auch noch, wenn wir uralt geworden sind, plastisch wirkende Kräfte, Bildekräfte, die die Nahrung, die wir aufnehmen, überführen in die Formen des Organismus. Nun stellt sich heraus: Daß nichts mehr fördert diese plastisch wirkenden, diese Bildekräfte, daß nichts mehr fördert die Anähnlichung der aufgenommenen Stoffe an den menschlichen Organismus als ein oftmals recht schwacher Honiggenuß. Honig wirkt in der Tat auf den altgewordenen Menschen im Stoffwechsel-Gliedmaßenorganismus ganz ähnlich, wie für den Gehirnorganismus des Kindes – und besonders des Kindes – die Milch wirkt. Das weist uns darauf hin, daß im Honig eben besondere Bildekräfte sind, die wir nicht dadurch auffinden, daß wir den Honig einfach chemisch analysieren, sondern die wir nur finden, wenn wir tatsächlich in aller Lebendigkeit die Beziehungen erkennen, die der Mensch hat zu den übrigen Substanzen im Weltall. Und diese Bildefähigkeit des Honigs – denn für eine genauere Interpretation stellt sich heraus, daß der Honig den menschlichen Organismus so ergreift, daß vorzugsweise der astralische Leib seine Bildekräfte ausüben kann […].&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Zucker ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;[…] diese Wirkungen des Honigs kann man dann unterstützen durch einen Zusatz von Zucker, vorausgesetzt, daß der menschliche Organismus das sonst verträgt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Daher finden Sie, daß – in einer besonderen Weise ineinandergefügt, funktional ineinandergefügt – unser erstes Heilmittel gegen Sklerose ein Präparat darstellt aus Blei, Honig und Zucker. […] Dieses Präparat ist also so hergestellt, daß es, wenn es in den menschlichen Organismus eingeführt wird, dort übernimmt die sklerotisierenden Kräfte. Es nimmt die sklerotisierenden Kräfte dem astralischen Leib und der Ich-Organisation des Menschen ab; die werden dadurch wieder frei und können nun für die normale, gesunde Organisation des Menschen wirken. Was ich aber mit diesem Präparat in den menschlichen Organismus einführe, das ist das, was früher Ich und astralischer Leib tun mußten, die daher nicht frei waren und ihre Funktionen ableiteten auf den Krankheitsvorgang. Jetzt übergebe ich den Krankheitsvorgang meinem Präparat. Das besonders Wirksame ist dabei das Blei; es übernimmt die Sklerotisierung, denn es ist ja seine eigene Natur, sklerotisierend zu wirken. Aber ich muß erst die Wege suchen durch die Plastik des Organismus hindurch, durch die ich das Blei dahin bringe, wo es nötig ist: das geschieht durch die Zusammensetzung mit Honig und Zucker.“[3]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wirkung von Blei und Honig auf das Gedächtnis&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das &#039;&#039;&#039;Blei&#039;&#039;&#039; in mittlerer Potenz hat einen direkten Bezug zum rhythmischen System und damit auch zu den Blutgefäßen. Es unterstützt die Abbauwirkung der Ich-Organisation. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Honig&#039;&#039;&#039; besteht je nach Pflanzenart aus verschiedenen meist einfachen Zuckern wie Glukose (Traubenzucker), Fruktose (Fruchtzucker), aber auch Zweifachzuckern wie Sacharose (Haushaltszucker) und Maltose (Malzzucker) und anderen Mehrfachzuckern. Außerdem enthält er Pollen, Enzyme und freie Aminosäuren. Daher wird er langsamer und auf verschiedenen Stoffwechselwegen verdaut, und er hat eine Brückenfunktion zwischen der ätherischen, astralischen und Ich-Organisation und kann dadurch den Astralleib von seiner abbauenden Wirkung entlasten und diese an die Ich-Organisation abgeben.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Bei der Sklerose wird die Ich-Organisation zu schwach; sie baut selber nicht genügend ab. Deshalb tritt Abbau allein durch den Astralleib ein. Es fallen die Abbauprodukte aus dem Organismus heraus und liefern Verstärkungen derjenigen Organe, die in Salzsubstanzen bestehen. Blei in gehöriger Dosierung nimmt den Abbau wieder in die Ich-Organisation zurück. Die Abbauprodukte bleiben nicht als Verhärtungen im Körper, sondern werden ausgestoßen. Alle Heilung der Sklerose kann nur darin bestehen, dass man den salzbildenden Prozessen, die sonst im Körper bleiben, den Weg nach außen öffnet.“[5]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit ist auch deutlich, dass es sich bei dieser Skleroseform offensichtlich um den dementiellen Formenkreis handelt, deren Anfangszustände &#039;&#039;„sich darin äußern, dass die Schlagkraft des Denkens und die exakte Herrschaft über das Gedächtnis aufhören.“[6]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wichtig ist aber auch zu beachten, dass das Mittel der jeweiligen Situation angemessen dosiert werden muss. Denn die Ich-Organisation kann in ihrer Wirkung durch das Präparat verstärkt werden und damit ‚hypertrophieren‘, wodurch ihre abbauende Wirkung zu stark wird und durch den nachfolgenden Aufbau nicht genügend kompensiert werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[7]&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27, S. 116.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Anthroposophische Menschenerkenntnis und Medizin,&#039;&#039; GA 319, 114–118.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Im Unterschied zur allgegenwärtigen Glukose im Stoffwechsel, hat die Fruktose bei den höheren Organismen und dem Menschen mehr spezifische Aufgaben, wodurch sie im Organismus im sogenannten Pentosephosphatweg (Pentosephosphatzyklus) aus Glukose hergestellt wird – und zwar insbesondere in der Leber, im Fettgewebe, den Milchdrüsen und den Nebennieren. Die dabei entstehenden Zuckerphosphate sind Vorstufen wichtiger Biomoleküle, wie den Ribosezuckern in den Nukleinsäuren des Erbguts (DNA/RNA), sowie der Energieüberträger ATP, NAD+ , FAD und CoA. Mehrere Studien, u. a. eine Studie vom Deutschen Institut fürErnährungsforschung, belegen einen Zusammenhang zwischen vermehrter Fruktoseaufnahme und Adipositas. Fruktose steigert nicht nur die Lipogenese, sondern führt auch zu einem gesteigerten Hungergefühl, da kein Insulin ausgeschüttet wird, welches auch ein Sättigungshormon ist. Zudem führt eine fruktosereiche Ernährung zu einem Anstieg der Plasmalipide und zur Insulinresistenz. Fruktose wirkt also dauerhaft diabetogen und das stärker als Glukose. Insgesamt steigert Fruktose also die Inzidenz für das Auftreten eines metabolischen Syndroms, welches als das gemeinsame Auftreten von Adipositas, Dyslipoproteinämie, gestörter Glukosetoleranz und arterieller Hypertonie definiert ist. Andere Untersuchungen zeigen einen Zusammenhang zwischen Fruktoseaufnahme und nicht-alkoholischer Fettleber (Steatosis hepatis) auf, welche eine Vorstufe der Leberzirrhose ist. Auch das Risiko für Gicht wird vor allem durch mit Fruktose gesüßte Softdrinks stark erhöht, wie prospektive Studien mit mehreren tausend Patienten belegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ursache ist der Verbrauch von ATP beim Abbau von Fruktose. Es fällt IMP an, das über den Purinabbau die Konzentration der Harnsäure ansteigen lässt. Neusten Studien zu Folge steigt selbst das Risiko von Krebserkrankungen wie zum Beispiel des Pankreas-Karzinoms durch eine fruktoselastige Diät. Fruktose trägt zur Synthese von Nukleinsäuren bei, was die Proliferation von Krebszellen begünstigt. Aus diesen Gründen empfiehlt die Food and Agriculture Organization of the United States die tägliche Aufnahme an freien Zuckern wie Fruktose auf weniger als 10 % der Gesamtenergiemenge zu reduzieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vgl. www.lecturio.de/artikel/medizin/fructosestoff-wechsel/; [6.1.2025].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Siehe FN 1, S. 115f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Ebenda, S. 116.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DAS MIGRÄNE-MITTEL BIODORON ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wozu dienen laut Rudolf Steiner und Ita Wegmann die grauen Hirnzellen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und was ist Aufgabe der weißen Gehirnsubstanz?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist Migräne aus anthroposophischer Sicht?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Aufgaben der grauen und weißen Hirnsubstanz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Entgegen der landläufigen Meinung, dass die &#039;&#039;&#039;‚grauen Hirnzellen‘&#039;&#039;&#039; Träger der menschlichen Intelligenz sind, wird von Rudolf Steiner und Ita Wegman betont, dass diesen Zellen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* überwiegend Stoffwechsel- und Ernährungsfunktion zukommt, &lt;br /&gt;
* weitaus weniger Hinneigung zu den rhythmischen Funktionen&lt;br /&gt;
* und am wenigsten zu den Sinnesfunktionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der &#039;&#039;&#039;weißen Substanz&#039;&#039;&#039; hingegen – d.h. den Leitungsbahnen und Nervenfortsätzen – obliegt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die Funktion einer integrierenden, &#039;&#039;„die übrigen Sinne zusammenfassende[n] Sinnestätigkeit, in die das Ich und der Astralleib hineinwirken“[1]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Daneben hat sie auch Bezug zu den rhythmischen Funktionen des Körpers (Astralleib/Ätherleib),&lt;br /&gt;
* am wenigsten jedoch zum Stoffwechsel, in den vorzugsweise Ätherleib und physischer Leib hineinwirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Migräne aus anthroposophischer Sicht&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aus anthroposophischer Sicht beruht die Migräne auf einer &#039;&#039;‚zurückgestoßenen Tätigkeit der Ich-Organisation‘&#039;&#039;, wodurch die Wahrnehmungsfunktion des zentralen Gehirns eingeschränkt wird zugunsten einer verstärkten Stoffwechselaktivität. Therapeutisch bedarf es also:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* einer &#039;&#039;Anregung der Nerven/Sinnestätigkeit&#039;&#039;: Dies wird &#039;&#039;&#039;durch die Kieselsäure&#039;&#039;&#039; in Form von Quarz erreicht;&lt;br /&gt;
* einer &#039;&#039;Umorientierung der rhythmischen Tätigkeit&#039;&#039; von ihrer Stoffwechsellastigkeit weg und hin zu einer stärkeren Verbindung mit dem Atemrhythmus: Das geschieht &#039;&#039;&#039;durch den Schwefel&#039;&#039;&#039;, der die rhythmische Funktionsordnung mehr dem Atemrhythmus zuneigen lässt;&lt;br /&gt;
* einer &#039;&#039;Eindämmung der rein vitalen Stoffwechseltätigkeit&#039;&#039; und der Unterstützung von deren Regulation durch die Ich-Organisation: Das kann &#039;&#039;&#039;durch das Eisen&#039;&#039;&#039; erreicht werden. Eisen leitet den Verdauungsvorgang hinüber in den Blutrhythmus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch mit diesem Arzneimittel liegen inzwischen jahrzehntelange positive Erfahrungen vor.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[3]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27, S. 117.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Einige Referenzen seien hier genannt: Sommer (1999), 289–292; Schirmer (1998), 348–355; Kohlhase (1998); Zwiauer (1989), 14–15; Hassauer (1988), 142–149; Noll (1963), 225–239.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== PYRIT, EIN MITTEL GEGEN TRACHEITIS UND BRONCHITIS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was verursacht Tracheitis und Bronchitis?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern machen Eisen und Schwefel Pyrit zum idealen Heilmittel dafür?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wieso macht es Sinn, heilend auf das Verhältnis von Puls und Atemfrequenz einzuwirken?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ursprung von Tracheitis und Bronchitis&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die meist durch Viren verursachte Entzündung der Luftröhre (Tracheitis), meist auch verbunden mit Schnupfen und im Übergang zum Lungengewebe mit Bronchitis, ist weit verbreitet, insbesondere in der kalten Jahreszeit oder bei einer stärkeren Belastung der Luft z.B. mit Feinstaub. Dahinter verbirgt sich aber die Frage, wieso der eine Mensch anfällig dafür ist und ein anderer unter denselben Bedingungen lebt und keine Tracheitis oder Bronchitis bekommt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der anthroposophisch orientierten Diagnostik zeigt sich der Ursprung der Tracheitis und Bronchitis in einer rhythmischen Dysfunktionalität zwischen Blutzirkulation und Atmung. Rudolf Steiner und Ita Wegman beschreiben es folgendermaßen: &#039;&#039;„Man müsste eigentlich nicht Pyrit sagen, sondern Pyritprozess. Dieser Prozess, der im Mineral Pyrit wie in Erstarrung festgehalten ist, entspricht dem, was aus dem Zusammenwirken des Eisenprozesses und des Schwefelprozesses entstehen kann.&#039;&#039; &#039;&#039;Das Eisen regt, wie schon in dem vorigen Abschnitte gezeigt ist, die Blutzirkulation an, der Schwefel vermittelt die Verbindung zwischen Blutzirkulation und Atmung. Gerade da, wo Blutzirkulation und Atmung in ein Verhältnis treten, liegt der Ursprung der Tracheitis und der Bronchitis, sowie auch gewisser Formen des Stotterns.“&#039;&#039;[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Schwefel als Vermittler&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Um zu verstehen, wieso hier der Schwefel die Vermittlung herstellen kann zwischen der Blutzirkulation und der Atmung, wenn er sich mit dem Eisen verbindet, sind Ausführungen Rudolf Steiners hilfreich, die er am 1. April 1920 den Ärzten und am 11. Juni 1924 den Landwirten gegenüber bezüglich des Schwefels machte: &#039;&#039;„Sie wissen, daß im Sinne der gegenwärtigen Chemie die hauptsächlichsten Bestandteile des Eiweißes sind die vier wichtigsten Stoffe in der Natur: Kohlenstoff, Sauerstoff, Stickstoff, Wasserstoff, und daß dazu kommt Sulfur oder Schwefel als, ich möchte sagen, durchhomöopathisierend dasjenige, was die anderen vier Stoffe tun.“[2]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Denn der Schwefel ist gerade dasjenige innerhalb des Eiweißes, was den Vermittler darstellt zwischen dem überall in der Welt ausgebreiteten Geistigen, zwischen der Gestaltungskraft des Geistigen und dem Physischen. Und man kann schon sagen, wer eigentlich in der materiellen Welt die Spuren verfolgen will, die der Geist zieht, der muß die Tätigkeit des Schwefels verfolgen. Wenn auch diese Tätigkeit nicht so offen liegt wie diejenige anderer Stoffe, so ist sie darum doch gewiß von der allergrößten Bedeutung, weil auf dem Wege des Schwefels der Geist in das Physische der Natur hereinwirkt, Schwefel ist geradezu der Träger des Geistigen. Er hat seinen alten Namen Sulfur, der ja verwandt ist mit dem Namen Phosphor; er hat seinen alten Namen, weil man in älteren Zeiten in dem Licht, in dem sich ausbreitenden Licht, dem sonnenhaften Lichte sah auch das sich ausbreitende Geistige. Und man nannte deshalb diese Stoffe, die mit dem Hereinwirken des Lichts in die Materie zu tun haben, wie Schwefel und Phosphor, die Lichtträger.“[3]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verhältnis von Pulsschlag und Atmung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dieser Bezug des Schwefels zum Weltengeist, zum Welten-Ich – d.h. zu den Kräften im Weltenall, die an der Evolution Anteil haben, die zum Menschen hinführt, so dass dieser ein Ich-begabtes Wesen werden kann – dieser Bezug hat auch eine rhythmische Komponente, die unmittelbar mit der Atmung zusammenhängt. Der Schwefel entfaltet seine vermittelnde Funktion, indem er &#039;&#039;„den physischen Leib geneigt macht, die Wirkungen des Ätherischen aufzunehmen“.[4]&#039;&#039; Diese Belebung in Verbindung mit dem Eisenprozess im Blut stärkt die körpereigene Abwehr in dem Grenzgebiet zwischen Zirkulation und Atmung. Dabei ist interessant, dass im besten Erholungsschlaf auf einen Atemzug vier Pulsschläge kommen – oder seltener andere ganzzahlige Verhältnisse. Das Verhältnis 1 : 4 stellt den idealen Zusammenhang von Atem- und Pulsrhythmus dar, was auch für die Sprachtherapie von essentieller Bedeutung ist.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da bestimmte Formen des Stotterns damit zusammenhängen, dass die betreffenden Kinder oder Erwachsenen schneller denken als sie sprechen können und dadurch auch der Atemrhythmus gestört wird, kann ein funktionell beeinflussbares Stottern mit einer Pyrit-Therapie in Verbindung mit Sprachtherapie geheilt werden. Wobei sich in der unterstützenden Sprachtherapie der Hexameter-Rhythmus bewährt hat, dem das Verhältnis von 1 : 4 zugrunde liegt. Statistisch gesehen stellt sich dieser Rhythmus bei den meisten Menschen während der Nacht über eine gewisse Zeit ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Heart-Rate-Variability als Diagnose-Tool&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Inzwischen gib es auch eine breite Forschung zur sogenannten Heart-Rate-Variability, die zeigt, dass je mehr der Puls-Atemquotient von ganzzahligen Verhältnissen abweicht, dies Hinweise gibt auf vegetative Störungen bis hin zu manifesten Organerkrankungen.[6]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inwieweit sich dieses rhythmisch-musikalische Verhältnis 1 : 4 auch bis in die Bildung der Organe der rhythmischen Funktionsordnung von Herz-Kreislaufsystem und Atmung während der Embryonalentwicklung nachweisen lässt, ist empirisch noch nicht erforscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; heißt es zusammenfassend: &#039;&#039;„Dieser Prozess zwischen Blutzirkulation und Atmung, der zugleich der Prozess ist, aus dem die entsprechenden Organe im Embryonalleben gebildet werden und im weiteren Leben sich immer wieder erneuern, kann von der dem Körper zugeführten Eisenschwefelsubstanz übernommen werden, wenn er im Organismus nicht normal verläuft. […] Der Eisenprozess wird von dem Stoffwechsel bis in die Blutzirkulation geführt. Der Schwefelprozess tritt von der Blutzirkulation in den Atmungsvorgang über.“[7]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[8]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27, S. 118.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaft und Medizin,&#039;&#039; GA 312, S. 222.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft. Landwirtschaftlicher Kursus,&#039;&#039; GA 327, 52.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Vgl. auch Glöckler (2016a), 16–18.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. von Bonin u. a. (2020).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Vgl. Moser u. a. (2017) und (1994); Cysarz (2018).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Siehe FN 1.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== VIELSEITIGE WIRKUNGEN VON ANTIMON-VERBINDUNGEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern ist Antimon ein typisches Heilmittel?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie lässt sich die vielseitige Verwendung von Antimon in der Medizin erklären?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wirkt Antimon im menschlichen Organismus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Antimon unter verschiedenen Blickwinkeln betrachtet&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Antimon in der Darstellung von Kapitel XVI ====&lt;br /&gt;
In Kapitel XVI von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039;&#039;[1]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; wird Antimon/Stibium beispielhaft angeführt, wie man zur &#039;&#039;„Heilmittel-Erkenntnis“&#039;&#039; kommen kann. Über 60 Krankengeschichten sind dokumentiert, in denen Rudolf Steiner das Stibium zur Behandlung empfiehlt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* in Form von äußerer Salbenanwendung &lt;br /&gt;
* oder Sitzbädern,&lt;br /&gt;
* innerlich als potenziertes Präparat aus Antimonspiegel, &#039;&#039;Stibium metallicum praep&#039;&#039;. (Antimonit)&lt;br /&gt;
* sowie als &#039;&#039;Tartarus stibiatus&#039;&#039;, dem sogenannten Brechweinstein, einem schon von alters her bekannten Heilmittel.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Kapitel wird das Antimon zudem dargestellt, wie es sich im Spannungsfeld der von der Erde ausstrahlenden physisch orientierten Gravitationskräfte und den auf die Erde ein- strahlenden Ätherkräften orientiert, und eine starke Neigung hat, sich den einstrahlenden Kräften zu fügen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Antimon in der Darstellung von Kapitel XX ====&lt;br /&gt;
In Kapitel XX wird der Charakter des Antimons als typisches Heilmittel beschrieben. Es kann überall da Anwendung finden, wo ein Ungleichgewicht entsteht zwischen den flüssig-weichen eiweißbildenden Kräften und den strukturierenden, gerinnungsfördernden Kräften im Blut. Hier wird seine besondere Beziehung zum Astralleib des Menschen geschildert. Diese Beziehung macht das Antimon zum typischen Heilmittel und erklärt nicht nur seine unterstützende Wirkung für die gesunde Gerinnungsfähigkeit des Blutes, sondern vor allem auch seine strukturierende und klärende Einwirkung auf die seelische Befindlichkeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Antimon erweist sich nicht nur als ein Mittel, das so wirkt &#039;&#039;„wie die Ich-Organisation“,[3]&#039;&#039; deren Organ das Blut ist. Seine Wirkung erstreckt sich analog der Wirkung der Ich-Organisation durch alle Wesensglieder hindurch bis hin zur physischen Organisation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Man hat nun im Blute gewissermaßen den Gleichgewichtszustand zwischen formbildenden formauflösenden Kräften. Das Antimon kann wegen seiner beschriebenen Eigenschaften die formbildenden Kräfte des menschlichen Organismus in das Blut überführen, wenn dazu der Weg durch die Verbindung mit dem Schwefel gebahnt wird. Daher sind die Kräfte des Antimons diejenigen, welche in der Gerinnung des Blutes wirken. Geisteswissenschaftlich stellt sich die Sache so heraus, dass der astralische Leib in denjenigen Kräften, die zur Gerinnung des Blutes führen, verstärkt wird. Man muss im astralischen Leibe in den Antimonkräften ähnliche Kräfte sehen, die im Organismus von innen nach außen zentrifugal wirken. Diesen antimonisierenden Kräften wirken entgegen die von außen nach innen gerichteten Kräfte, die das Blut verflüssigen und verflüssigtes Blut plastisch in den Dienst der Körperbildung stellen.“[4]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Antimon als Heilmittel bei Typhus&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die in den Kriegs- und Krisenjahren im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts weitverbreitete Typhus/Paratyphuserkrankung gehörte zu den typischen Krankheitserscheinungen in dieser Zeit. Die Empfänglichkeit dafür, abgesehen von den prädisponierenden unhygienischen Lebensumständen, wird als Ungleichgewicht zwischen der strukturierenden Tätigkeit der Ich-Organisation und der bildenden und lösenden Tätigkeit der ätherischen Organisation angesehen, die durch die astralische Organisation vermittelt werden muss. Denn so wie den physischen, von der Erde ausstrahlenden Kräften die ätherischen, auf die Erde einstrahlenden gegenüberstehen, sind die astralischen Kräfte in sich polar in der Beziehung zwischen innen und außen wirksam, d.h. zwischen der seelischen Innenwelt und der Wahrnehmungswelt draußen, zwischen dem sich in Sympathie Öffnen und in der Antipathie Abgrenzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Man wird immer bemerken, dass die Antimonaufnahme Gedächtnisverstärkung, Hebung der schöpferischen Kräfte der Seele, innere Geschlossenheit der Seelenverfassung hervorrufen. Der Organismus wird von der verstärkten Seele aus regeneriert. Das fühlte man in der älteren Medizin. Ihr war daher das Antimon ein Universalmittel. Wenn wir auch nicht auf diesem extremen Standpunkte stehen, so müssen wir doch, wie aus dem Obigen hervorgeht, in dem Antimon ein vielseitiges Heilmittel suchen.“[5]&amp;lt;sup&amp;gt;,&amp;lt;/sup&amp;gt; [6]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[7]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Es ist dies Kaliumantimonyltartrat, das durch Sättigung von gereinigtem Weinstein mit Antimonoxid entsteht, farblos-durchsichtige Kristalle bildet und insbesondere bei Lungen- und Magen-Darm-Erkrankungen Anwendung fand (Vgl. Krüger 1995).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Siehe FN 1, S. 79.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe FN 1, S. 119f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Ebenda, S. 120f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Vgl. auch Engel (2019), 111–122; Jachens (2014), 256–264; Rißmann (2010), 123–127; Cloos (2001), 374–378; Bavastro (1990), 239–244; Weckenmann (1985), 208–220; Baerens (1983), 209–210; Berthold (1954), 85–114.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ZINNOBER „FÜR ALLES KATARRHALISCHE“ ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sind katarrhalische Prozesse?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern ist Quecksilber in Verbindung mit Schwefel als Heilmittel dafür geeignet?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist die ‚merkurielle Kompetenz‘ des Quecksilbers?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Quecksilber, Schwefel und Atmung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner und Ita Wegman charakterisieren in Kapitel XX von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; katarrhalische Prozesse als sich absondernde Prozesse, &#039;&#039;„die wiederum in die Herrschaft des ganzen Organismus geführt werden sollen“.[2]&#039;&#039; Zinnober als Verbindung von Quecksilber und Schwefel steht hier im Zentrum als typisches Heilmittel „für alles Katarrhalische“.[3]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Cinnabarit/HgS/Quecksilbersulfid ist ein zinnoberrotes, weiches, gerade noch ritzbares, metallisch glänzendes Mineral. Cinnabarit kristallisiert im trigonalen Kristallsystem in über 50 Kristallformen sowie Kristallzwillingen. Berühmt ist der kreuzförmige Staurolit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In über 70 mit Rudolf Steiner beratenen Krankengeschichten kommen Zinnober oder eine andere Quecksilberzubereitung zur Anwendung: &#039;&#039;„Es ist eine schon mehrfach erwähnte Eigenschaft des Schwefels, dass er sich wirksam erweist in dem Gebiete des Organismus, wo Zirkulation und Atmung aneinandergrenzen, also bei allem, was von der Lunge ausgeht.“[4]&amp;lt;sup&amp;gt;,&amp;lt;/sup&amp;gt; [5]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Quecksilber und Absonderungsprozesse&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das Besondere am Metall Quecksilber ist ja, dass es das einzige ist, welches in flüssiger Form vorkommt und sich zu kleinsten oder größeren kugelförmigen Tröpfchen zusammenlagert. Damit verbindet es zum einen die Geste des sich Absondernden und Abkapselnden, zum anderen aber auch des wieder sich Verbindens und sich mit anderen Tröpfchen zu einem größeren Tropfen Vereinigen-Könnens. Diese ‚merkurielle Kompetenz‘, etwas aus dem Zusammenhang Herausgefallenes wieder zu integrieren, macht es zum Heilmittel für katarrhalische Prozesse. Diese bestehen aus Absonderungen, die es zu reintegrieren und zu normalisieren gilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Luftröhrenkatarrh und allen in der Nähe befindlichen katarrhalischen Erscheinungen ist das der Fall. Führt man dahin die Quecksilberkräfte, so wirken sie heilend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[6]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27, S. 121.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. auch Karutz und Soldner (2022), 179–180.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DAS HEUSCHNUPFEN-MITTEL GENCYDO ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== &#039;&#039;Wie verhalten sich die Wesensglieder bei Heuschnupfen?&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern ist der Saft von Zitrusfrüchten von heilsamer Wirkung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was bewirkt Gencydo?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Erscheinungsbild und Wesensgliederbeteiligung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner und Ita Wegman erläutern in Kapitel XX von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; das Wesen der exsudativen Diathese, d.h. der Schleimhäute von Augen, Nase, Rachen und den oberen Luftwegen. Sie schließen damit an die Heufieberbehandlung in Kapitel XIX an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Wir werden somit auf den Ätherleib und das Verhalten des astralischen Leibes verwiesen. Der Ätherleib überwiegt in seinen Kräften, und der astralische Leib zieht sich zurück, hat die Tendenz, nicht richtig in den ätherischen und physischen Leib einzugreifen. Und die katarrhalischen Erscheinungen sind die Folge davon, dass in den erkrankten Partien die geordnete Einwirkung vom Astralleib – und dadurch auch der Ich-Organisation – gestört ist.“[2]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Heilender Saft aus Zitrusfrüchten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Hier kommen therapeutisch Fruchtsäfte aus Früchten in Betracht, &#039;&#039;„die lederartige Schalen haben“,[3]&#039;&#039; wie dies bei der Zitrone der Fall ist. Bei der Pflanze entspricht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die Fortpflanzungsregion im &#039;&#039;&#039;Blüten- und Fruchtbereich&#039;&#039;&#039; der Durchdringung zwischen den &#039;&#039;ätherischen und astralischen Kräften&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
* Da, wo &#039;&#039;&#039;Stängel und Blätter&#039;&#039;&#039; – die reine Vitalität – waltet, herrscht &#039;&#039;das Ätherische&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* und im &#039;&#039;&#039;Wurzelbereich&#039;&#039;&#039; die Beziehung zu den von der Erde ausstrahlenden &#039;&#039;physischen Kräften&#039;&#039; vor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So kann das Präparat Gencydo den Astralleib des Erkrankten nach dem Ätherleib hin orientieren. Die in den Zitrusfrüchten enthaltenen Mineralien stellen die Beziehung zur Ich-Organisation her, &#039;&#039;„sodass eine wirkliche Heilung des Heufiebers erzielt wird“.&#039;&#039;[4]&#039;&#039;&amp;lt;sup&amp;gt;,&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039; [5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[6]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27, S. 122.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. auch Scheffers (2023), 14–26; Vogel (1968), 152–162.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== WIRKSAMKEIT EINES HEILMITTELS VERMITTELN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie vermittelt der Arzt seinem Patienten, welches Heilmittel er braucht?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist dabei zu beachten, worauf kommt es an?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wirksamkeit der Gedanken und Gefühle miteinbeziehen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ideal wäre es, mit dem Patienten über ein Heilmittel in einer Art zu sprechen, dass etwas von der Wirksamkeit desselben auf den Patienten überspringt und dieser sich freut, dass er dieses Mittel bekommt, ja, dass er dankbar dafür ist. Der Patient sollte es mit dem Gefühl nehmen, er habe etwas besonders Gutes bekommen. Denn Freude und Dankbarkeit wirken therapeutisch – sie sind nicht „Placebo“, sondern real und wirksam. Wir müssen begreifen, dass das, &#039;&#039;was&#039;&#039; und &#039;&#039;wie&#039;&#039; wir über eine Sache denken, viel mehr als nichts ist: Was jemand weiß, ist etwas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ätherleib als Träger der zeitlichen und „ewigen“ Lebenskräfte entfaltet diese Doppelwirksamkeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ihm verdankt unser Körper einerseits &#039;&#039;&#039;Leben, Regeneration, Wachstum&#039;&#039;&#039; und die individuelle Lebenszeit&lt;br /&gt;
* Andererseits verdankt der Mensch ihm sein &#039;&#039;&#039;Gedankenleben&#039;&#039;&#039;, je älter er wird, umso mehr, das sich aus all den ätherischen Kräften speist, die der Körper nicht mehr „verkörpert“ halten kann (und muss) und die er damit in die „außerkörperliche Wirksamkeit“ entlässt. Die Gedanken können über den Tod des Menschen hinaus weiterleben und ihn tragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Medikamente wirken auf beide Aspekte des Lebens – sprich: Auch was ich über etwas denke, bewirkt etwas. Wenn ich die Arnikawirkung denke, wirkt sie bereits, denn Gedanken wirken immer, sind ein reales Wirkprinzip. &#039;&#039;„Hab Sonne im Herzen, ob&#039;s stürmt oder schneit“&#039;&#039;. Wenn ich die Sonne meditiere, habe ich Licht und Wärme im Herzen, selbst wenn ich Bauchweh habe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Denken vermindert Heilkraft, positive Gefühle verstärken sie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Indem ich denke, nehme ich der ätherischen Wirksamkeit im Körper aber auch etwas weg, weil es dieselben Kräfte sind, die dem Körper zur Gesundheit verhelfen. D.h, der Körper ist am gesündesten, wenn man nicht denkt, also im Schlaf, weil da die gesamten ätherischen Kräfte (auch diejenigen, die tagsüber außerkörperlich dem Denken dienen) in den physischen Leib einziehen und an seiner Regeneration arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am besten ist es, wenn der Patient über ein Heilmittel gerade so viel weiß, dass er sich freut und ihm ein bisschen warm wird bei dem Gedanken, dass er es jetzt einnehmen darf. Denn diese positiven Gefühle teilen sich auch dem Körper mit und beeinflussen den Stoffwechsel positiv. Positive Gefühle führen dem Ätherleib vom Seelischen her positive Kräfte zu, wie dies gesunde Ernährung vom Physischen her tut. Zuviel Nachdenken über die Wirkung mindert diese jedoch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch weniger zuträglich ist es, wenn ein Patient nicht so recht weiß, wie ein Mittel wirkt, oder Angst bekommt, wenn er den Beipackzettel liest. Dann fühlt er sich verunsichert – weswegen 40 Prozent der Medikamente in den Müll und nicht in den Magen der Patienten wandern. Wieder zuhause entscheiden sie, dass es ihnen eigentlich gar nicht so schlecht geht und nehmen das verordnete Medikament lieber nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur Anthroposophischen Medizin, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Offenborn</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Anthroposophische_Heilmittel&amp;diff=1282</id>
		<title>Anthroposophische Heilmittel</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Anthroposophische_Heilmittel&amp;diff=1282"/>
		<updated>2026-02-02T10:39:48Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Offenborn: Neuen Text eingefügt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= Anthroposophische Heilmittel - von Michaela Glöckler =&lt;br /&gt;
Auszüge aus Büchern und Vorträgen von [[Michaela Glöckler]]; Erstveröffentlichung auf https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== SUBSTANZ-ERKENNTNIS ALS GRUNDLAGE FÜR HEILMITTEL-ERKENNTNIS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was meint Rudolf Steiner mit der Weltenaufgabe der Substanzen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was wird anhand der Beispiele Ameisensäure und Oxalsäure im Hinblick auf ihre Wirkung im Zellstoffwechsel aufgezeigt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern muss der Organismus als Tätigkeitszusammenhang begriffen werden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Weltenaufgabe der Substanzen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel XVII von &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039; liegt der Fokus auf einer konsequent prozessorientierten Substanz-Erkenntnis, über die Rudolf Steiner im Ärztekurs für die jungen Mediziner schreibt, dass es die Aufgabe des Arztes sei, &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„die Weltenaufgaben der Substanzen zu erkennen“.[2]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;„Grundlegendes…“&#039;&#039; formulieren die Autoren es so: &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Wer die Wirkung von Heilmitteln beurteilen will, muss ein Auge haben für die Kräftewirkungen, die sich im menschlichen Organismus ergeben, wenn eine Substanz, die außer demselben gewisse Wirkungen zeigt, in irgendeiner Art in ihn eingeführt wird.“[3]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039; Etwas von dieser ‚Weltenaufgabe‘ wird dort anhand der Ameisensäure und der Kleesäure aufgezeigt und damit auf die Bedeutung dieser Blickrichtung für bestimmte Prozesse im menschlichen Zellstoffwechsel hingewiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Beispiel: Aufgabe der Ameisensäure ====&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Ameisensäure wird vom Menschen mit der Nahrung in der Regel nicht aufgenommen. Sie wird im Tierreich gebildet und als Abwehrstoff, insbesondere der Insekten, ausgeschieden – selten auch bei Pflanzen, wie z.B. in den Brennhaaren der Brennnesseln. Ihre ‚Weltaufgabe‘ ist inzwischen gut erforscht: Die rote Waldameise ist für die Gesunderhaltung der Wälder unentbehrlich. Sie steht daher auch unter Naturschutz, seitdem man ihre Bedeutung für die ‚Lebensgemeinschaft Wald‘ erkannt hat. Um einen Ameisenbau herum vernichtet jedes Volk pro Tag zehntausende Schädlinge bzw. deren Larven und Raupen (wie z.B. Borkenkäfer- und Blattwespenlarven) sowie Kadaver und Pilzmyzel in morschem Holz. So hilft die Ameisensäure dem Mikrobiom des Bodens, die verwesenden Pflanzenreste und das modernde Holz zu verarbeiten. Auch verbreiten Ameisen auf ihren Wegen tausende von Samen und tragen so zur Vielfalt im Wald bei sowie zur Verbesserung der Bodenbeschaffenheit. Instrument für ihre wertvollen reinigenden Tätigkeiten ist die Ameisensäure mit ihrer aggressiven Toxizität.[4]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Beispiel: Aufgabe der Oxalsäure ====&lt;br /&gt;
Die Oxal- bzw. Kleesäure hingegen findet sich in allen Pflanzen und den meisten Bakterien und in unterschiedlichen Mengen in vielen Nahrungsmitteln wie z.B. in schwarzem Tee, Mangold oder Rhabarber. Nach der Aufnahme muss sie dann im Organismus zu ausscheidungsfähigen Endprodukten abgebaut werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Ein ‚Zuviel‘ führt zusammen mit Calcium im Darm zu schwer löslichen Salzen (Oxalaten), was Anlass geben kann für die Bildung von Blasen- und Nierensteinen. Oxalsäure ist ein pflanzliches Gift – für den Menschen können bereits Gramm-Mengen tödlich sein.[5] Als Kalzium-, Magnesium- oder Kaliumsalze sind die Oxalate allgegenwärtig und aus dem Zellstoffwechsel der Lebewesen nicht wegzudenken – bis hin zu den meisten Pilzen und Bakterien. Im Gegensatz zur Ameisensäure entfaltet die Oxalsäure ihre Wirkung nicht in dem Zwischenbereich zwischen dem Mineralisch-Physischen und dem Ätherisch-Lebendigen. Sie hat ihre Aufgabe in der Lebenswelt der Pflanzen – aber als Giftsubstanz im Grenzgebiet zum astralischen Kräftebereich. Da Gifte auch in schwacher Dosierung immer lebensfeindlich sind, regen sie den Organismus dazu an, auf unterschiedlichen Wegen diese Gifte schnellstmöglich abzubauen oder in Verbindung mit anderen Substanzen unschädlich zu machen. Diese Abbauvorgänge dienen im Organismus der Tiere und der Menschen der Bewusstseinsbildung, die sich, wie mehrfach erwähnt, auf Abbauvorgänge stützt.[6]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Biochemisch handelt es sich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* bei der &#039;&#039;&#039;Ameisensäure&#039;&#039;&#039; um die einfachste Monocarbonsäure (Formica, HCOOH, ihre Salze heißen Formiate)  &lt;br /&gt;
* und bei der &#039;&#039;&#039;Oxal- bzw.&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Kleesäure&#039;&#039;&#039; um die einfachste Dicarbonsäure (Acidum oxalicum, HOOC-CO-CH2-COOH, ihre Salze heißen Oxalate).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Notwendige Verwandlung von Oxalsäure in Ameisensäure&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Rudolf Steiner hat erstaunlich oft über die Bedeutung der biochemischen Verwandlung von Oxal- in Ameisensäure gesprochen.[7] Den Prozess der Bildung von Oxalsäure, der hauptsächlich in den Verdauungsorganen stattfände, hielt er für eine notwendige Grundlage dafür, dass der Mensch überhaupt leben könne – grundlegend also dafür, dass die Ätherkräfte zur Wirksamkeit kommen können.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Ihre Umwandlung in Ameisensäure aber sei eine entsprechende Grundlage für das Wirksamwerden der astralischen Kräfte in der physisch-ätherischen Konstitution. In einem Ärztevortrag führt er weiter aus, dass man im Falle der Ameisensäure dahin kommen müsse zu erkennen, dass sie im Menschen, wie auch draußen in der Natur, die Aufgabe hat, gegenüber den Prozessen des Alterns, des Absterbens und des Vermoderns immer wieder weiteres Leben, weitere Entwicklung zu ermöglichen.[8] Auch führt er aus, dass &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;„die heutige Physiologie“&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt; diese Prozesse erst finden müsse.[9]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&amp;lt;sup&amp;gt;,&amp;lt;/sup&amp;gt;&amp;lt;nowiki&amp;gt; [10]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner und Wegman sahen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* in der &#039;&#039;&#039;Ameisensäure&#039;&#039;&#039; die Schlüsselsubstanz im Stoffwechsel des tierischen Organismus&lt;br /&gt;
* und in der &#039;&#039;&#039;Oxalsäure&#039;&#039;&#039; die Schlüsselsubstanz im pflanzlichen Zell-Metabolismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Organismus als Tätigkeitszusammenhang begriffen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;In Abs. 2 wird deutlich gemacht, wie entscheidend es für einen Organismus ist, eine Substanz nicht nur zu besitzen, sondern auch den Bildeprozess zum Aufbau dieser Substanz zu leisten. Im Tun liegt das Wesen des Organismus, nicht in seinen Substanzen. Der Organismus ist nicht ein Stoffzusammenhang, sondern ein Tätigkeitszusammenhang. Der Stoff trägt den Anreiz zur Tätigkeit in sich. Hat er diesen Anreiz verloren, so hat er für die Organisation keine weitere Bedeutung.[11]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter diesem Gesichtspunkt kann auch die jeweilige Aufgabe der Ameisensäure und der Kleesäure im menschlichen Organismus verstanden werden. Hier ‚dienen‘ diese Substanzen der Ich-Organisation: &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Die Ich-Organisation braucht diesen Übergang der organischen Substanz in den leblosen Zustand. Aber sie braucht eben den Vorgang des Überganges; nicht, was dann durch den Übergang entsteht. Ist nun das nach dem Leblosen hin sich Entwickelnde gebildet, so wird es im Innern des Organismus zur Last. Es muss entweder unmittelbar abgesondert werden oder aufgelöst, um mittelbar hinwegzukommen. Geschieht nun für etwas, das aufgelöst werden sollte, diese Auflösung nicht, so häuft es sich im Organismus an und kann die Grundlage für gichtische oder rheumatische Zustände bilden.“[12]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;In der Biologie werden die Phänomene dieses Übergangs zwischen Abbau und Aufbau im Falle der Gesundheit als metabolische Homöostase beschrieben, wobei deren ‚Regulator‘ ein noch nicht gefundener Faktor ist. Es wird aber das Erstaunen zum Ausdruck gebracht darüber, dass unabhängig davon, was und wieviel man gerade isst oder nicht und wieviel Oxalacetat man gerade mit der Nahrung aufgenommen hat oder nicht, die Substanzen im sogenannten Stoffwechsel-Pol der Zellen konstant gehalten werden. D.h. in den Zellen sind die Enzyme des Katabolismus (Abbau) und Anabolismus (Aufbau) normalerweise derart reguliert, dass ein Gleichgewicht gewahrt bleibt. Wird dieses Gleichgewicht jedoch gestört, bedeutet dies den Beginn krankhafter Prozesse.[13]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[14]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----&amp;lt;nowiki&amp;gt;[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, Ga 27, Kap. XVII.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[2] Rudolf Steiner, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Meditative Betrachtungen und Anleitungen zur Vertiefung der Heilkunst. Vorträge für Ärzte und Medizinstudierende,&#039;&#039; GA 316, S. 22.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[3] Siehe FN 1, S. 82.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[4] Der Kern eines Ameisenhaufens ist meist in alten Wurzelstöcken von Nadelhölzern oder Eichenstämmen angesiedelt; das Zusammenleben in der Ameisenkolonie ist ausgeprägt sozial. Eine Königin lebt bis zu 20 Jahre, Arbeitsameisen 5–6 Jahre. Sie entwickeln sich in klar definierten Temperaturbereichen (Ameisenpuppen brauchen 31°, Larven 28°, die Entwicklung der Eier nur 25°). Vgl. Jirikowski (2010), 105–107.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[5] Vgl. Wollrab (2014), 621.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[6] Vgl. Wolff (2013), 85, 263–269.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[7] Vgl. Rudolf Steiner, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Mysteriengestaltungen,&#039;&#039; GA 232, 13. Vortrag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[8] Vgl. FN 1, S. 22f.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;[9] Vgl. FN 11, S. 193–195.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[10] Dazu muss aus anthroposophisch-medizinischer Sicht gesagt werden, dass die geisteswissenschaftliche Biochemie, für die Hauschka und Wolff die Grundlagen erarbeitet haben (Vgl. Hauschka 2007, Wolff 2013), auf dem jeweils neuesten Stand der biochemischen Forschung weiter erarbeitet werden muss. Denn die Zusammenschau der Wesensglieder-Tätigkeiten als ganzheitliche Regulatoren und die immense Faktenfülle der molekulargenetischen Einsichten in das hochkomplexe Regelkreisgeschehen der Zellatmung ist für eine umfassende Integrativmedizin unverzichtbar.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[11] Siehe FN 1, S. 82.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[12] Ebenda.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[13]  Vgl. Sadava u. a. (2019), 265–271.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[14] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== HEILENDE VERBINDUNG VON MENSCH UND NATUR ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern stehen Mensch und Natur in einer heilsamen Verbindung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Naturstoffe zur Arzneimittelherstellung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Natur ist nicht nur Lebensraum und Existenzgrundlage des Menschen. Ihre Stoffe und Kräfte liegen auch einer Fülle von Arzneimitteln zugrunde. Anthroposophische Arzneimittel sollen dazu beitragen, dass der Organismus – wann immer sinnvoll und möglich – in die Lage versetzt wird, eine Krankheit aus eigener Kraft zu überwinden. Sie stärken die gesundenden Kräfte und sind also vor allem darauf orientiert, die Körperfunktionen wieder ins Gleichgewicht zu bringen und die Abwehrkräfte zu stärken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der anthroposophischen Arzneimittelherstellung werden mineralische, pflanzliche, metallische und tierische Ausgangsstoffe verwendet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gängige mineralische Substanzen sind u.a. Quarz, Schwefel oder Kalk.&lt;br /&gt;
* Bekannte Heilpflanzen sind z.B. Arnika, gelber Enzian oder Kamille.&lt;br /&gt;
* Als Metalle kommen häufig Gold, Silber, Kupfer, Eisen und Zinn in potenzierter Form zum Einsatz.&lt;br /&gt;
* Zu den tierischen Ausgangssubstanzen gehören z. B. Insektengifte von Biene, Ameise, Hornisse sowie Organextrakte von Säugetieren (aus Leber, Thymusdrüse, Nieren, Nerven u.a.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Reicher Arzneimittelschatz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Alle anthroposophischen Medikamente werden nach komplexen Vorgaben der von Rudolf Steiner und Ita Wegman begründeten anthroposophischen Medizin hergestellt.[1] Die meisten Ausgangsstoffe werden in hoher Verdünnung (homöopathisch potenziert) eingesetzt, nur sehr selten konzentriert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophische Arzneimittel enthalten häufig mehrere Inhaltsstoffe. Diese sind nicht nur kombiniert, sondern komponiert. Wie bei einem Orchester, so kommt es auch bei einem zusammengesetzten Arzneimittel darauf an, in welchen Anteilen die verschiedenen Einzelkomponenten gemischt sind. In dieser Art gemischt, ergeben sie eine andere Wirkung denn als Einzelbestandteile. So wie ein Orchester anders klingt als eine Violine allein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anthroposophische Arzneimittelschatz umfasst etwa 2000 Substanzen, Kombinationen und eine Vielzahl von Darreichungsformen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ampullen, Augentropfen, Dilutionen, Einreibungen (ölige), Emulsionen, flüssige Verdünnungen, Flüssigkeiten zur Inhalation, Flüssigkeiten zur äußeren Anwendung, Gelate, Globuli, Granulate, Injektionen, Kapseln, Lotionen, Metallspiegelfolien, Mischungen, Nasentropfen (ölige), Öle, Pasten, Pflaster, Puder, Pulver, Salben (fettarm), Salben, Sirup, Tabletten, Tees, Tinkturen zum äußeren Gebrauch, Triturationen, Tropfen, Vaginalglobuli, Vaginaltabletten, Verdünnungen (wässrige), Zäpfchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Der Mensch als umgekehrte Pflanze&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aus anthroposophischer Sicht gleicht der Mensch einer umgekehrten Pflanze:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* So wie der Mensch seine Nahrung – in Form von Nahrungsmitteln, aber auch als „seelische“ oder „geistige“ Nahrung in Form von Gedanken, Worten, Tatsachen aus Kunst und Wissenschaft, über den Kopf – aufnimmt, so versorgt sich die Pflanze über ihre Wurzeln mit den nötigen Nährstoffen.&lt;br /&gt;
* Umgekehrt verhält es sich mit der Fortpflanzungsregion. Diese ist bei der Pflanze oben, Luft und Licht gegenüber geöffnet, wohingegen sie beim Menschen nach unten und innen gelagert ist, zur Erde hin.&lt;br /&gt;
* Beiden gemeinsam ist, dass in der Mitte – bei der Pflanze über die Blätter, beim Menschen über die rhythmischen Funktionen von Atmung und Kreislauf – der Gasaustausch stattfindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Umgekehrte Wirkung der Pflanze auf den Menschen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
So wirken die Anwendungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* von &#039;&#039;Wurzeln&#039;&#039; unterstützend und heilend bei Erkrankungen der &#039;&#039;Kopf- und Nerven-Sinnesorganisation&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* Teeabkochungen und -zubereitungen aus &#039;&#039;Blättern&#039;&#039; bei Störungen der &#039;&#039;rhythmischen Funktionen&#039;&#039; (insbesondere von Herz und Lunge),&lt;br /&gt;
* Zubereitungen aus &#039;&#039;Früchten&#039;&#039; bei &#039;&#039;Stoffwechsel- und Verdauungsstörungen&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entsprechendes gilt für die Ernährung. Wer darauf achtet, dass der Anteil von Wurzeln, Blattgemüse, Früchten und Samen ausgewogen ist, sorgt für eine an den Bedürfnissen des ganzen Körpers orientierte Ernährung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim therapeutischen Einsatz von mineralischen, pflanzlichen und tierischen Substanzen gilt es, „die Weltaufgabe dieser Substanzen zu verstehen“. Steiner regte an zu erforschen, welche Aufgabe ein bestimmtes chemisches Element oder eine Stoffkombination wie Wasser, Salz, Asche, Gerbstoffe oder Pyrit im Haushalt der Natur innehat. Die Signatur dieser Aufgabe bzw. Tätigkeit sagt auch aus, welche Wirkung die betreffende Substanz im menschlichen Organismus entfalten kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Menschen als Mikrokosmos kennenzulernen im Kontext der großen Weltentwicklung mit ihren Prozessen und Stoffzusammenhängen – nach alter Tradition Makrokosmos genannt – ist der Schlüssel zum Verständnis der anthroposophischen Arzneitherapie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Artikel in der Deutschen Apothekerzeitung DAZ Nr. 39, 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Seiner und Ita Wegmann, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27, Dornach 1935.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ANTHROPOSOPHISCHE HEILMITTEL-ERKENNTNIS AM BEISPIEL VON ANTIMON ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welcher Blickwinkel ist grundlegend im Hinblick auf die anthroposophische Heilmittel-Erkenntnis?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern weist Antimon Ähnlichkeiten mit dem Ätherischen auf?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wird es, auch in Kombination mit Schwefel, therapeutisch eingesetzt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wirksamkeit von Substanzen im Kontext irdisch-menschlicher Kraftsysteme&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel XVI von &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039; geht es um anthroposophische Heilmittel-Erkenntnis. Die Grundlage davon ist der Blick auf das Verhalten bzw. die Wirksamkeit einer Substanz im Bereich der in Kapitel I geschilderten Kraftsysteme. Dabei geht es insbesondere um die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* von der Erde ausstrahlenden&lt;br /&gt;
* und in sie einstrahlenden Kräfte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„[...] es kommt darauf an, die Wirkungen zu beobachten, die sich aus dem Zusammenhange der inneren Kräftekonstitution einer Substanz im Verhältnis zu den Kräften ergeben, die von der Erde ausstrahlen oder in sie einstrahlen.“[2]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Antimon, Schwefel und die Austernschalenbildung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Diese Wirkungen werden am Beispiel des Antimons in seiner Beziehung zum Schwefel in Form des in der Natur vorkommenden Grauspießglanzes aufgezeigt (Sb2 S3, auch als Antimonit bzw. Stibnit bekannt), sowie an der Austernschalenbildung, die zum Verständnis der Typhusbehandlung beiträgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Antimon ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Antimon&#039;&#039; kam bereits in der ägyptischen Medizin zur Anwendung, nimmt bei Paracelsus eine zentrale Stellung ein und hat bis in die Gegenwart immer neue Einsatzmöglichkeiten erfahren. Chemisch ist es dem Arsen verwandt und eine Menge von 100 mg bis etwa 1200 mg kann bereits tödlich sein. Eine gute Übersicht über seine Verwendung – einschließlich in der Anthroposophischen Medizin – findet sich bei &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;Marxer[3]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039; Die Bezeichnungen Antimon und Stibium für das chemische Symbol Sb stammen von den lateinischen Wörtern &#039;&#039;antimonium&#039;&#039; und &#039;&#039;stibium&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt; ab, die schon im Altertum für den Grauspießglanz verwendet wurden.[4]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Schwefel ====&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ Schwefel ist eines der seltenen Minerale, die in kristallisierten polymorphen Formen in der Natur rein vorkommen und in der Struktur der orthorhombischen Raumgruppe Fddd die typisch gelbe α-Kristallform zeigen. Schwefel steht mit einem Anteil von geschätzt 0,048 Gew.-% an 15. Stelle unter den häufigsten Elementen der uns bekannten Erdkruste. Er wurde in Kometenschweifen nachgewiesen, ist auf der Erde zum einen vulkanischen Ursprungs und stammt zum anderen aus der Biosphäre von Bakterien, die aus schwefelhaltigen Mineralien Schwefel aufnehmen und Sedimente bilden sowie von Pflanze, Tier und Mensch, da er im Eiweißaufbau durch die beiden schwefelhaltigen Aminosäuren &#039;&#039;Cystin&#039;&#039; und &#039;&#039;Methionin&#039;&#039; festgebunden ist. Durch seinen niedrigen Schmelzpunkt und seine Fähigkeit zu sublimieren, verbindet er sich leicht über Luft und Wasser mit anderen Substanzen und realisiert so den alle Reiche der Natur verbindenden Schwefelkreislauf.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;Symptomatisch dafür ist auch eine ungewöhnliche mechanische Eigenschaft der Grausspießglanz-Kristalle: Sie zeigen eine auch an größeren Kristallen bei geringem Kraftaufwand fühlbare Biegsamkeit. Diese beruht auf einer geregelten innerkristallinen Gleitung, wie sie auch beim Eis und beim Steinsalz vorliegt – Substanzen, die für alle Lebewesen essenziell sind.[5]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Austernschale ====&lt;br /&gt;
Die Austernschale ist als komplexes Kalkmineral schützendes Außenskelett der Auster und damit ein Mineral, ausgeschieden aus dem Lebensprozess eines Tieres bzw. einer Muschel. In ihrer therapeutischen Verwendung ist sie insbesondere in der Homöopathie bekannt mit dem Arzneimittelbild &#039;&#039;Calcium carbonicum&#039;&#039;. Sie wird zu den Vielkönnern oder Polychresten gezählt (von gr: πολύς - viel und χρηστός  - brauchbar).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Hinweise auf die Verwandtschaft von Antimon mit dem Ätherischen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Zusammenwirken von Zentral- und Universalkräften ====&lt;br /&gt;
Dadurch, dass das Antimon sich leicht und stabil mit dem Schwefel zu den orthorhombisch geformten Grauspießglanz/Antimonit-Kristallen verbindet, kann es die Neigung des Schwefels, in der Welt des Lebendigen aktiv zu werden und dadurch auch im Sinne der auf die Erde einstrahlenden ätherischen Kräfte zu wirken, unterstützen. Unter diesem Aspekt ist die Art und Weise, wie das Antimon in seiner Verbindung mit dem Schwefel kristallisiert, charakteristisch. Es kristallisiert in prismatisch-nadeligen grauschwarzen Kristallen, von feinst ziseliert bis zentimeterstark, immer von einem Zentrum weg – wenn der Kristallisationsprozess nicht durch äußere Umstände gestört wird. Dabei erstrecken sich die Antimonit-Nadeln radial in die Peripherie, wobei die Länge der Kristalle durchaus auch 1 m überschreiten kann. Wo er nur kann, strebt Antimonit die büschelförmige Gestaltung an. Er gliedert sich damit in Linien, die von der Erde weg- und den Kräften entgegenstreben, die im Äther wirken. Durch diese Kristallisationsweise bringt das Antimon das Zusammenwirken der Zentral- und der Universalkräfte wie archetypisch zum Ausdruck.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Man bringt mit dem Antimon somit etwas in den menschlichen Organismus, das der Wirkung des Ätherleibes auf halbem Wege entgegenkommt.[6] Antimon kann dadurch im Körper die eiweißbildenden Kräfte zusammenhalten und so die Tätigkeit der Ich-Organisation im Eiweißaufbau unterstützen.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Feinfaserigkeit durch Seigern ====&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Auch dasjenige, was im Seigerprozess mit dem Antimon vor sich geht, weist auf die Äther-Verwandtschaft dieses Stoffes hin. ‚Seigern‘ kommt von dem gegenwärtig nicht mehr oft gebrauchten Wort etwas z.B. durch ein Sieb ‚durchseien‘. Unter ‚Seigerungen‘ versteht man daher Trennprozesse in gemischtem Schmelzgut. Es wird durch diesen Prozess feinfaserig.[7]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Niedriger Schmelzpunkt ====&lt;br /&gt;
Da das Antimon bereits bei 547° schmilzt, fließt es auf schräger Unterlage leicht aus dem Antimon haltigen Schmelzgut heraus, wo es dann bei Abkühlung zu 92–98 % reinem &#039;&#039;antimonium crudum&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt; kristallisiert.[8] Der niedrige Schmelzpunkt von 547° zeigt zudem die Nähe dieser mineralischen Substanz zum flüssigen Aggregatzustand, in dem die ätherischen Kräfte ihre Wirkung entfalten können.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor diesem Hintergrund heißt es in dem oben erwähnten Werk:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Alles dieses zeigt, dass im Antimon die Tendenz enthalten ist, in das Ätherelement in dem Augenblick leicht überzugehen, in dem dazu die Bedingungen auch nur in geringem Grade vorhanden sind. Dem geistigen Schauen gelten alle diese Einzelheiten nur als Andeutungen; denn dieses nimmt die Beziehung zwischen Ich-Tätigkeit und Antimon-Wirksamkeit unmittelbar so wahr, dass die Antimonprozesse, in den menschlichen Organismus gebracht, so wirken, wie die Ich-Organisation.“[9]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zwei Indikationen als Beispiele für den Einsatz von Antimon&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aus dem breiten Spektrum der therapeutischen Einsatzmöglichkeiten werden nun zwei Indikationsgebiete an die Schilderung des Arzneimittelbildes angeschlossen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;&#039;Blutgerinnungsstörungen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
# und &#039;&#039;&#039;Typhus abdominalis/Parathyphus&#039;&#039;&#039;, eine gefährliche bakterielle Infektionskrankheit des Magen-Darmtraktes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während eine Therapie mit &#039;&#039;Antimon&#039;&#039; oder &#039;&#039;Stibium metallicum praep.&#039;&#039; bei Blutungsneigung aus der Darstellung des Arzneimittelbildes unmittelbar hervorgeht, ist dies für den Thyphus nicht so ohne weiteres ersichtlich – zumal dieser ja heute erfolgreich antibiotisch behandelt werden kann (Sterblichkeitsrate unter 1 &amp;lt;nowiki&amp;gt;%) und die Impfung bei Einreise in betroffene Gebiete empfohlen wird.[10]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;Arzneimittelbild der Austernschale und Typhus&#039;&#039;] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was macht also eine Begleitbehandlung oder Alternativbehandlung zur Vermeidung des Einsatzes von Antibiotika sinnvoll?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um dies zu verstehen, braucht es – wie oben bereits angedeutet – zum Vergleich das Arzneimittelbild der Austernschale. Hier liegt ein Naturprozess vor, der etwas vollzieht, was für die Muschel richtig ist, für den Menschen aber zur Ursache typhöser Durchfall-Erkrankungen werden kann. Die Auster sondert in ihre Schale das kalkartig Mineralische ab:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Bei der Auster wird das Kalkartige abgesondert, um es der Eiweißwirkung nicht einzugliedern. Im menschlichen Organismus muss diese Eingliederung stattfinden. Die bloße Eiweißwirkung muss in eine solche umgewandelt werden, in der mitwirkt, was im Kalkartigen durch die Ich-Organisation an gestaltenden Kräften hervorgerufen werden kann. Das muss sich innerhalb der Blutbildung abspielen. Das Antimon wirkt der kalkausscheidenden Kraft entgegen und führt das Eiweiß, das seine Form bewahren will, durch seine Verwandtschaft mit dem Äther-Elemente in die Formlosigkeit hinüber, die für die Einflüsse des Kalkartigen oder Ähnlichem empfänglich ist.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;Beim Typhus ist es klar, dass der krankhafte Zustand in einer mangelnden Überführung der Eiweißsubstanz in gestaltungsfähige Blutsubstanz besteht. Die Form der Diarrhöen, die auftritt, zeigt, dass schon im Darm die Unfähigkeit zu dieser Umwandlung beginnt.“[11]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Heilung der konstitutionellen Dysfunktionalität&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[12]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039; heißt es&#039;&#039;,&#039;&#039; dass die Abwehrstoffe und Killerzellen eines guten Immunsystems im Blut zirkulieren, welches wiederum &#039;&#039;das&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt; Organ der Ich-Organisation ist.[13] Kann nun mithilfe einer Konstitutionsbehandlung, z.B. mit einem Antimonpräparat, und je nach Situation auch noch kombiniert mit anderen Heilmitteln, die Ich-Organisation und damit ihr Einfluss auf die Gestaltungskräfte im Blut gestärkt werden, so werden die Bakterien nicht nur beseitigt, wie es über eine antibiotische Therapie geschieht, sondern zugleich das Milieu saniert und damit künftigen Infektionen vorgebeugt. Das entspräche einer integrativen Therapie, die sich nicht nur auf die Beseitigung der Symptome konzentriert, sondern auf die Heilung der konstitutionellen Dysfunktionalität.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dem erwähnten Werk schreiben die Autoren: &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Wendet man bei typhösen Erscheinungen Antimonpräparate in entsprechender Zusammensetzung an, so erweisen sich diese als Heilmittel. Sie entkleiden die Eiweißsubstanz ihrer Eigenkräfte und machen sie geneigt, den Gestaltungskräften der Ich-Organisation sich einzufügen.“[14]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbstverständlich hat der primäre Fokus auf die Symptombeseitigung überall da seine Berechtigung, wo sie Leben rettet, weil die Abwehrkräfte des Körpers zu schwach sind für die notwendige Selbstregulation. Wo diese Möglichkeit jedoch gegeben ist, kann differenzierter vorgegangen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Wer Exaktheit nur in dem sieht, was die Chemie – auch die pharmazeutische – feststellt, der vernichtet die Möglichkeit, Anschauungen darüber zu gewinnen, was im Organismus bei Heilungsvorgängen geschieht.“[15]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[16]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----&amp;lt;nowiki&amp;gt;[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[2] Ebenda, S. 77.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[3] Vgl. Marxer (2000), siehe www.pharmazeutische-zeitung.de/titel-10- 2000; [6.1.2025].&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[4] Vgl. Holleman und Wiberg (2017), 940.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[5] Vgl. Wimmenauer (1992), 223.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[6] Siehe FN 1, S. 78.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[7] Ebenda.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[8] Vgl. Holleman und Wiberg (2017), 942.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[9] Siehe FN 1, S. 78f.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[10] Typhus ist weltweit verbreitet – besonders in warmen Ländern. Er wird durch kontaminierte Lebensmittel bzw. Trinkwasser übertragen und ist eine schwere Allgemeinerkrankung, die durch das Bakterium Salmonella typhi ausgelöst wird. Als Paratyphus bezeichnet man ein abgeschwächtes Krankheitsbild, dessen Erreger Salmonella Paratyphi A, B oder C ist. Übertragen wird die Infektion durch Trinkwasser oder Lebensmittel, die mit Fäkalien von infizierten Personen verunreinigt wurden. Leitsymptome sind hohes Fieber, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, langsamer Puls, trockener Husten, Bauchschmerzen, Milzvergrößerung und manchmal ein blasser, kleinfleckiger Ausschlag am Körper. Ein milder Verlauf ist möglich, doch manchmal kommt es zu schweren Komplikationen wie massiven Darmblutungen oder Abszessen in verschiedenen Organen. Durch den Einsatz von Antibiotika kann die Sterblichkeit auf unter 1% gesenkt werden. In Deutschland ist die Krankheit meldepflichtig – dem Bundesamt für Gesundheit werden pro Jahr zwischen 20 und 50 Fälle gemeldet. Wichtigste Mittel zur Vorbeugung sind Körperhygiene und Verzicht auf frische Salate und ungeschältes Obst – nach dem Ernährungsmotto: Cook it, peel it or forget it. Siehe www.bag.admin.ch/bag/de/home/krankheiten/krankheiten-im-ueberblick/typhus-abdominalis-paratyphus.html; [6.1.2025].&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[11] Siehe FN 1, S. 80.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[12] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“, GA 27.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[13] Siehe FN 3, Kapitel VI.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[14] Siehe FN 3, S. 80.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[15] Ebenda, S. 81.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[16] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ARZNEIMITTEL-SUBSTANZGRUPPEN UND WESENSGLIEDER ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Auf welchen Ebenen und worüber ist der Mensch mit der Natur innig verbunden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Naturanteile machen seine Konstitution aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wesensglieder und ihre Einbettung in die Natur&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Physischer Leib und Natur ====&lt;br /&gt;
Schon ein oberflächlicher Blick auf die Verbundenheit von Natur und Mensch zeigt, wie der Mensch die kristallinen Strukturen seines Körpers mit den Mineralien der ihn umgebenden Natur gemeinsam hat. Dieser sichtbare, mineralisch erscheinende Leib wird in der anthroposophischen Menschenkunde „Physischer Leib“ genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ätherleib und Natur] ====&lt;br /&gt;
Werden und Vergehen, Leben und Sterben hat der Mensch mit der Pflanzenwelt gemeinsam. Diese Gesetzmäßigkeiten in ihrem Zusammenhang nennt Steiner „Ätherleib“, weil ohne das blaue Himmelslicht (griechisch o aither) kein Leben auf der Erde möglich wäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Astralleib und Natur] ====&lt;br /&gt;
Atmung, Bewegung, Bewusstsein, Schmerz und Triebleben hat der Mensch mit den Tieren gemeinsam. Diese das Seelenleben konstituierenden Gesetze heißen in ihrer Gesamtheit „Astralleib“ von aster, lateinisch Stern. Die menschliche Seele fühlt sich der Sternenwelt mit ihren Rhythmen und Konstellationen verwandt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Rein menschliche Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Die Fähigkeit jedoch, lebenslang lernen und immer wieder neu und anders kulturschöpferisch tätig sein zu können, ist spezifisch menschlich. Daher gibt Steiner diesem die „Ich-Natur“ des Menschen möglich machenden Gesetzes-Zusammenhang den Namen „Ich-Organisation“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Da der Mensch durch diese vier verschiedenen Gesetzes-Zusammenhänge sein Wesen sowohl integriert als auch differenziert äußern kann, gab Steiner ihnen den Namen „Wesensglieder“.[1]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Arzneimittelwirkung auf die Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Substanzgruppen aus dem Mineral-, Pflanzen-, Tier- und Menschenreich haben einen therapeutischen Bezug zu diesen Wesensgliedern:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Menschliche Substanz wie Muttermilch und in Form einer Blutspende stützt und erhält den physischen Leib.&lt;br /&gt;
* Präparate aus dem Tierreich regen den Ätherleib zu verstärkter Tätigkeit an,&lt;br /&gt;
* pflanzliche Arzneimittel wirken regulierend auf den Astralleib&lt;br /&gt;
* und Metalle und Mineralien auf die Ich-Organisation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Potenzierungsstufen und Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Auch die Potenzierungsstufen der nach homöopathischem Verfahren hergestellten Arzneimittel haben ihren Bezug zu den Wesensgliedern:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D1 – D4:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;physischen Organismus&#039;&#039; und seines Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D5 – D8:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;ätherischen Organismus&#039;&#039; und seines Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D10 – D15:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;astralischen Organismus&#039;&#039; und seines Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D20 – D60:&#039;&#039;&#039; Anregung der &#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039; und ihres Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Bezug auf die Dreigliederung des menschlichen Organismus gilt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D1 – D6:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;Stoffwechsel-Systems&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D6 – D18:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;rhythmischen Systems&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D18 – D30:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;Nerven-Sinnessystems&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Der Arzneimittelschatz der Anthroposophischen Medizin umfasst dementsprechend Ausgangssubstanzen mineralischer, pflanzlicher und tierischer Herkunft, die nach besonderen Verfahren vor allem von den Arzneimittelfirmen Weleda und Wala hergestellt werden.[2] In Deutschland wurden sie aufgrund des Arzneimittelgesetzes von 1976 in der vom Bundesgesundheitsamt – später Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) – eingerichteten Kommission C für die Zulassung aufbereitet. Ein Teil dieser regulativ wirksamen Arzneimittel ist sehr gut für die Selbstmedikation geeignet.[3]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Artikel in der Deutschen Apothekerzeitung DAZ Nr. 39, 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----&amp;lt;nowiki&amp;gt;[1] Rudolf Steiner, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Theosophie, Einführung in übersinnliche Welterkenntnis und Menschenbestimmung,&#039;&#039; 2003 und ders. &#039;&#039;Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft&#039;&#039;. In: &#039;&#039;Lucifer-Gnosis&#039;&#039;. GA 34. Dornach 1987, 309-344.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[2] International Association of Anthroposophic Pharmacists IAAP. ­Anthroposophic Pharmaceutical Codex. Stuttgart, 2014.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[3] M. Glöckler, B. Emde, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Anthroposophische Medizin&#039;&#039;, in: &#039;&#039;Komplementärmedizin für die Kitteltasche. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation&#039;&#039;, Stuttgart 2009 und ders.: &#039;&#039;Anthroposophische Medizin&#039;&#039;, in: &#039;&#039;Komplementärmedizin für Kinder. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation&#039;&#039;, Stuttgart 2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ARZNEIMITTEL AUS DER NATUR UND WESENSGLIEDER ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen inneren Zusammenhang sieht die anthroposophische Pharmazeutik zwischen Arzneimitteln aus der Natur und den menschlichen Wesensgliedern?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Qualitäten zeichnen die Muttermilch aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern sind Schwangerschaft und Stillzeit Naturvorbilder auch für zukünftige Entwicklungsstadien?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Korrelation von Arzneimitteln und Wesensgliedern&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;In der Anthroposophischen Pharmazeutik sieht man eine grundlegende Korrelation von Arzneimitteln aus der Natur und den menschlichen Wesensgliedern:[1]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So haben &#039;&#039;&#039;Mineralien&#039;&#039;&#039; eine unmittelbare Beziehung zur &#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;: Sie unterstützen die Ich-Organisation bei der Beherrschung der physischen Verhältnisse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Heilmittel aus dem Pflanzenreich&#039;&#039;&#039; auf die &#039;&#039;astralische Organisation&#039;&#039;: Die astralische Organisation wirkt lähmend auf die ätherische – pflanzliche Arzneimittel können regulierend auf diese lähmende Wirkung Einfluss nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Organpräparate&#039;&#039;&#039; und tierische Arzneimittel auf die &#039;&#039;ätherische Organisation:&#039;&#039; Diese hat die Aufgabe, physisch-tierische Substanzen in den Lebenszusammenhang aufzunehmen, was durch astralische Impulse angeregt werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Menschliche Substanz&#039;&#039;&#039; (wie Blutkonserven und Muttermilch) wirkt unmittelbar auf den &#039;&#039;physischen Leib,&#039;&#039; sodass sich die anderen Wesensglieder wieder besser einschalten und betätigen können. Anders ausgedrückt: Menschliche Substanz steht der Ich-Organisation unmittelbar für ihre Aufgabe zur Verfügung, das Ganze des Organismus bis in das Physische hinein zu beherrschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Was Muttermilch vermag&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Studiert man die Besonderheiten rund um die Bildung von Muttermilch, so verrät dies viel über die innige Bindung zwischen Mutter und Kind durch alle vier Wesensglieder hindurch:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die Muttermilch ist nach dem aktuellen Bedürfnis des Säuglings zusammengesetzt und variiert so auch von Tag zu Tag;&lt;br /&gt;
* Stillen fördert die Rückbildung der Gebärmutter;&lt;br /&gt;
* gestillte Kinder haben weniger Infekte und überstehen sie leichter, weil die Muttermilch wichtige Abwehrstoffe der Mutter enthält;&lt;br /&gt;
* ausschließliches Stillen in den ersten sechs Monaten kann das Kind vor Allergien und Asthma schützen;&lt;br /&gt;
* Wachstum und Beweglichkeit von Magen und Darm werden unmittelbar angeregt;&lt;br /&gt;
* die Zusammensetzung der Muttermilch mit Bezug auf Kohlenhydrate, Fette, Eiweißgehalt und Mineralstoffe ist zugleich ein ‚Naturvorbild‘ für eine gesunde Ernährung;&lt;br /&gt;
* die Immuntoleranz, d.h. die Selbstregulation des Immunsystems entwickelt sich bei gestillten Säuglingen nachhaltig besser.&lt;br /&gt;
* &amp;lt;nowiki&amp;gt;Durch Stillen wird das Risiko des plötzlichen Kindstodes um ca. die Hälfte gesenkt und vieles mehr.[2]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Formelmilch gefütterte Säuglinge haben eine deutlich höhere Insulinkonzentration im Plasma, was mit der Entwicklung von Adipositas und einer möglichen Zunahme von Diabetes mellitus Typ 2 im Zusammenhang steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Abnabelungsstadien und physisch-seelisch-geistige Muttermilch&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Nach der &#039;&#039;&#039;physischen Abnabelung&#039;&#039;&#039; vom physischen Leib der Mutter als der ernährenden Umgebung während der Schwangerschaft, folgt die Stillperiode.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann folgt die langsame &#039;&#039;&#039;ätherische Abnabelung&#039;&#039;&#039; und das Sich-Emanzipieren auf ätherischer Ebene, das mit dem Ende der Nachahmungsperiode ausklingt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;&#039;seelisch-astralische Abnabelung&#039;&#039;&#039; findet im 2. Jahrsiebt statt und kulminiert mit der Pubertät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Arbeit des Ich jedoch an der Überwindung von allen möglichen Abhängigkeiten, die seine Autonomiebefähigung einschränken, stellt eine Art &#039;&#039;&#039;geistige Abnabelung&#039;&#039;&#039; dar. Diese zu bewerkstelligen bleibt eine lebenslange Herausforderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Rudolf Steiner spricht im pädagogischen Zusammenhang wiederholt über die Bedeutung der physischen Muttermilch für den gesunden Aufbau des physischen Leibes und die damit verbundene Stärkung der Ich-Organisation des Kindes. Für die Unterstützung der oben genannten weiteren Abnabelungsprozesse im Verlaufe der Schulzeit und Jugend, braucht es die ‚seelische‘ und zuletzt ‚geistige‘ Muttermilch, die dem Menschen in Form einer nährenden Entwicklungsumgebung und verständigen Entwicklungshelfern zukommen müssen.[3]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fallen solch hilfreiche Faktoren und Entwicklungsbegleiter weg oder können nur eingeschränkt wirken, ist dies oft mit körperlichen und oder seelischen gesundheitlichen Belastungen im weiteren Leben verbunden. Diesen so weit als möglich vorzubeugen, ist der Präventionsanspruch Anthroposophischer Medizin und Pädagogik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[4]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----&amp;lt;nowiki&amp;gt;[1] Warum das so ist, geht aus den Kapiteln I bis V aus &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27,&#039;&#039; hervor, in denen die Autoren, Rudolf Steiner und Ita Wegman, die Arbeit der Wesensglieder an den Substanzströmen schildern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[2] Vgl. Soldner und Stellmann (2018), 220–238; Glöckler u. a. (2024b), 372–392.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[3] Rudolf Steiner, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik,&#039;&#039; GA 293, Vortrag 2. September 1919.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[4] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== METALLE IN STOFFWECHSEL UND ANTHROPOSOPHISCHER THERAPIE ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen inneren Bezug haben die Metalle zum Menschen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielen sie beim menschlichen Stoffwechsel?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worauf kommt es der Anthroposophischen Metalltherapie an?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Metalle, Planeten und Evolution&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ganz allgemein gilt, dass die Metalle Blei, Zinn, Eisen, Gold, Kupfer, Quecksilber und Silber in potenzierter Form in der anthroposophischen Therapierichtung eine zentrale Stellung einnehmen. Die Namen der Metalle haben in vielen Sprachen zudem einen engen Bezug zu den Planeten. Gemäß Rudolf Steiners geisteswissenschaftlicher Forschung hat die Entstehung der Metalle im Weltall und ihre Beziehung zu den Planeten und der Erde eine gemeinsame Geschichte mit der Entwicklung des Menschen im Verlaufe der Evolution.[1] So hat eine frühere Anschauung das Skelett und die Milz dem Saturn/Blei zugeordnet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* das &#039;&#039;&#039;Skelett&#039;&#039;&#039; als Organ der Mineralisierung &lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Milz&#039;&#039;&#039; als ein immunologisch und damit für die ,Grenzbildung‘ wichtiges Organ, in dem die abbaufähigen Erythrozyten erkannt in den hepatolienalen Kreislauf eingespeist werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Metalle im Menschen&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Folgenden möchte ich näher auf das Vorkommen der Metalle im Menschen und ihre Wirkung auf den menschlichen Stoffwechsel eingehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Eisen ====&lt;br /&gt;
Eisen ist ein zentral wichtiges Spurenelement, von dem etwa 2 bis 4 g im menschlichen Organismus nachweisbar sind – zwei Drittel davon sind im Blut an den roten Farbstoff Hämoglobin gebunden, etwa ein Drittel in Leber, Milz, Darmschleimhaut und Knochenmark gespeichert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kupfer ====&lt;br /&gt;
Der Kupfergehalt im menschlichen Organismus beträgt etwa 0, 3 g und findet sich in vielen lebenswichtigen Enzymen, wie z.B. im Plasmaprotein Coeruloplasmin oder in Gestalt der kupferabhängigen Cytochromoxidase, die bei der zellulären Sauerstoffverwertung eine entscheidende Rolle spielt. Andere Enzyme helfen bei der Vernetzung bindegewebiger Strukturen oder bei der Entgiftung freier Radikale. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Zinn ====&lt;br /&gt;
Ob Zinn zu den essenziellen Spurenelementen zählt, ist noch umstritten – es wird in der Liste der möglichen Spurenelemente aufgeführt und die WHO empfiehlt eine Aufnahme von 2 mg pro Tag. Einigermaßen gesichert ist die Beteiligung von Zinn-Ionen an der Bildung von Gastrin, einem die Magentätigkeit (Pepsinogenausschüttung, Aktivität der Muskulatur der Magenwand) beeinflussenden Dünndarm-Hormon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Gold ====&lt;br /&gt;
Spuren von Gold gehen im Körper keinerlei Verbindungen ein und sind unschädlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Quecksilber, Silber und Blei ====&lt;br /&gt;
Quecksilber, Silber und Blei hingegen gelten als Gifte, auch wenn Spuren umweltbedingt über Wasser und Nahrung vom Organismus aufgenommen, abgelagert und ausgeschieden werden können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Blei in der Anthroposophischen Metalltherapie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Auch aufgrund ihrer evolutionären Beziehung zum Menschen haben die Metalle eine wichtige Stellung in der Therapie.[2] In der Anthroposophischen Metalltherapie kommt es primär auf die Prozesswirkung der Metalle an zur Anregung der zugehörigen Organtätigkeiten oder aber, wie beim Blei, auf den Prozess der Überwindung des Bleiprozesses im menschlichen Organismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stofflich aufgenommen wäre Blei ein Gift, in feiner homöopathischer Dosierung hingegen regt es den Organismus an, den sklerotisierenden Bleiprozess zu überwinden. Das Blei bildet im periodischen System der Elemente den Abschluss, bevor dann die folgenden Elemente solche sind, die radioaktive Zerfallserscheinungen zeigen. In Blei kommt das Substanzwirken so gesehen an ein Ende, es entspricht dem Todesprozess, den die Ich-Organisation braucht, damit die Substanzen nach dem Durchgang durch den mineralischen Nullpunkt in den Lebens- und Arbeitszusammenhang des von der Ich-Organisation beherrschten Organismus aufgenommen werden können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[3]&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Der übersinnliche Mensch, anthroposophisch erfaßt,&#039;&#039; GA 231; &#039;&#039;Eine okkulte Physiologie,&#039;&#039; GA 128.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ALLGEMEINES ZU DEN TYPISCHEN HEILMITTELN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was verstehen Rudolf Steiner und Ita Wegman unter typischen Heilmitteln?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie verhalten sie sich im Vergleich zu den üblichen Symptome bekämpfenden Medikamenten?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist das Neue daran?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Bestimmte Kompositionen von Arzneimitteln&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel XX von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; heißt es: &#039;&#039;„[…] und wenn Typisches im Krankheitszustande in Betracht kommt, so stellt unser Heilmittel dasjenige dar, was im Sinne der Schilderung unseres Buches zur Therapie führen muss. Von diesem Gesichtspunkte aus sollen einige unserer Heilmittel beschrieben werden.“[2]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese &#039;&#039;„Typischen Heilmittel“[3]&#039;&#039; haben mit der Heileurythmie gemeinsam, dass hier bestimmte Kompositionen von Arzneimitteln einem bestimmten typischen Krankheitsbild angepasst sind – so wie man in der Heileurythmie eine bestimmte Lautfolge dem Krankheitsprozess anpasst. &#039;&#039;Otto Wolff&#039;&#039; hat dies wiederholt in seinen schriftlichen und mündlich vorgetragenen Ausführungen zu diesen Kompositions-Präparaten so auf den Punkt gebracht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„&#039;&#039;Diese mögen äußerlich wie Mischungen aussehen, ihnen liegt aber eine Konzeption zugrunde, die nicht von speziellen Krankheiten, sondern von Grundprozessen des Menschen oder einzelner Organe ausgeht. Sie sind deshalb nicht gegen eine Krankheit gerichtet, sondern sprechen ein Organ urbildhaft in seinen Funktionen an. Man kann diesen Arzneimittel-Typus als Urheilmittel ansprechen. So bilden Heilmittel wie Cardiodoron, Kephalodoron (Biodoron), Hepatodoron, Digestodoron u.a. in sich jeweils ein Ganzes. Dabei wird gerade eine gewisse Gegensätzlichkeit von Pflanzen (z.B. im Cardiodoron, Hepatodoron) bzw. der Mineralien Schwefel und Kiesel (im Kephalodoron) durch einen pharmazeutischen Prozess oder eine Substanz (Eisen beim Kephalodoron) ins Gleichgewicht gebracht und zu einer höheren Einheit verbunden. Dadurch erst kann Kephalodoron ein Abbild des dreigliedrigen Menschen sein und eine harmonisierende Wirkung auf den Funktionszusammenhang seiner Funktionssysteme (Nerven-Sinnes-System, rhythmisches und Stoffwechselsystem) ausüben. Entsprechendes könnte auch für andere ‚Heilmittel für typische Krankheiten‘ ausgeführt werden, bei denen es sich zumeist darum handelt, durch harmonisierende Anregungen Gleichgewichtszustände aus ungleichmäßigem Zusammenwirken von Kräften der übersinnlichen Wesensglieder wiederherzustellen. Das Heilende ist im Grunde genommen der menschliche Organismus, d.h. der Ätherleib selber, wenn es gelingt, die entsprechenden Anregungen wirksam werden zu lassen.“[4]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ein neuer Behandlungsansatz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das ist insofern ein neuer Behandlungsansatz, als es dem symptomorientierten Therapieansatz, der sich unmittelbar gegen das betreffende Symptom richtet in Form von Antipyretika, Antihistaminika, Antibiotika, Antidepressiva etc. etwas an die Seite stellt, das unmittelbar die ordnende Kraft der Ich-Organisation und die gesundende Aufbauleistung der ätherischen Organisation anspricht. Dabei steht nicht die Symptombeseitigung im Vordergrund, sondern die Regulierung von den Prozessen, die die Symptome hervorgebracht haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer also erwartet, dass z.B. eine Tablette Kephalodoron unmittelbar den Kopfschmerz beseitigt, wie man das von einer Gabe Ibuprofen erwarten kann, sieht sich getäuscht. Nimmt er aber das Migränemittel im gesunden Intervall über längere Zeit, werden die Anfälle milder und merklich seltener werden und können bei günstigem Verlauf auch sistieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[5]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ebenda, S. 115.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Vgl. Wolff (1984), 65–73 und (2013); Basold u. a. (1995).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] F. Husemann und Wolff (1993–2003), S. 244.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DAS HEILMITTEL SKLERON/SCLERON GEGEN ARTERIOSKLEROSE ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Woraus setzt sich dieses Heilmittel zusammen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wirken seine einzelnen Bestandteile?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie hängen unsere Gestalt und unsere Organe mit dem Tierkreis und den Planeten zusammen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Rudolf Steiner zur Komposition von Skleron&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Komposition dieses Arzneimittels besteht aus potenziertem (D 12) metallischem Blei, Honig und Zucker. Alle drei Substanzen haben eine direkte Beziehung zur Ich-Organisation: &#039;&#039;„Blei wirkt wie die Ich-Organisation, nicht wie der Astralleib, abbauend. Der Honig überträgt die abbauende Wirkung des Astralleibes auf die Ich-Organisation. Und der Zucker versetzt die Ich-Organisation in die Lage, ihre spezifische Aufgabe zu erfüllen.“[1]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem Vortrag vom 16. November 1923[2] geht Rudolf Steiner ausführlich auf das Skleron und seine drei Bestandteile ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Blei ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Was in uns – wenn ich mich jetzt psychologisch ausdrücken darf –, aus der Wahrnehmung die Vorstellung macht mit Hilfe der menschlichen Organisation, das ist ein Vorgang im Inneren der Nerven-Sinnesorganisation, der jenen Vorgängen entspricht, die wir draußen im Blei finden. Daher können wir sagen: Wenn das, was durch das Auge in der Wahrnehmung aufgefaßt wird, nun weiter zurückgeht in das Nerven-Sinnessystem, dann muß ihm entgegenkommen ein Prozeß, der gleich ist dem Bleiprozeß. Nur dadurch kann der Mensch das, was er wahrnimmt, auch denken. Dadurch wird das Gehirn ein Denkorgan; sonst würde es auch ein Wahrnehmungsorgan sein. Auf diese Weise wird der Mensch verselbständigt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Damit habe ich hingedeutet auf etwas, was in der Kopforganisation charakteristisch ist. Ich sagte also: dasselbe, was sich draußen im Bleiprozeß abspielt, müsse sich in der Kopforganisation abspielen, damit der Denkprozeß im Menschen zustande kommen kann.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Nehmen wir nun einmal die Bleifunktion und bringen wir sie nun nicht in die Nervenorganisation – wenn der Mensch geboren wird, ist das Blei von der Natur selber da, ist die Bleifunktion da, ohne daß die Substanz des Bleies nachgewiesen werden kann –, sondern bringen wir die Bleifunktion jetzt in die Verdauungsorganisation und in das Weitere hinein; dafür sorgt schon das Leben, zum Beispiel manchmal bei den Bleivergiftungen. Wenn Sie nun beobachten in allen Erscheinungen, was das Blei im Stoffwechsel-Gliedmaßenmenschen bewirkt, so bekommen Sie ein Bild, das sich zwar in verschiedenen einzelnen Symptomen darstellt, das aber eigentlich doch am charakteristischsten zusammengefaßt wird etwa in dem Symptomkomplex von Dementia senilis oder der Arteriosclerosis cerebralis: Sie bekommen dann das Bild des im Alter zerfallenden menschlichen Organismus. Das heißt mit anderen Worten: Wenn ich denselben Prozeß, der mir im Gehirn meine Selbständigkeit als organisches Wesen sichert, auf den anderen Pol des Menschen in Anwendung bringe, auf das Verdauungssystem und auf das damit im Zusammenhange stehende Gliedmaßensystem, dann bekomme ich ein Krankheitsbild; was also im Stoffwechsel-Gliedmaßensystem ein Krankheitsprozeß ist, das ist für den Nerven-Sinnesmenschen eine notwendige organische Funktion. Wenn ich also die Sklerose als ein langsames Sterben auffasse, so muß ich auch sagen: in einer gewissen abgeschwächten Form muß sie fortwährend im Haupte des Menschen funktionieren, dort ist sie der normale Zustand.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;So also sind die drei Glieder der menschlichen Wesenheit voneinander verschieden: was in dem einen Glied, in der Nerven-Sinnesorganisation, der normale Zustand ist, das ist in dem anderen Gliede des menschlichen Organismus eine Krankheitserscheinung. Aber ich habe schon gestern gesagt: Wie müssen wir uns nun zur Therapie stellen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wir müssen das, was den Krankheitsprozeß ausmacht, und was astralischer Leib und Ich-Organisation versorgen müssen, wenn eben der Krankheitsprozeß ungestört wuchern kann, das müssen wir dem astralischen Leibe und der Ich-Organisation abnehmen. Was müssen wir also tun, wenn wir die Sklerose haben? Wir müssen uns ihr so nähern, daß wir dem menschlichen astralischen Leibe für das Verdauungs-Gliedmaßensystem das abnehmen, was er mit dem alternden, zerfallenden, sklerotisch werdenden Leibe zu tun hat. Und das können wir, wenn wir es dem Blei übergeben, dem Blei in einer gewissen Dosierung. Und dies hat dazu geführt, daß wir zu einem solchen Heilmittel gekommen sind, wie Sie es in unserem Verzeichnis als Heilmittel Nummer I angeführt finden, als das Heilmittel gegen Arteriosklerose. Es ist also von vornherein durch wirkliche Menschenerkenntnis klar, daß man durch die in entsprechender Weise in den Menschen hineingebrachte Bleifunktion substantiell der Sklerose beikommen kann; nur muß man jetzt das Blei zur Wirksamkeit bringen. Es ist nicht ohne weiteres gesagt, daß ich das Blei, wenn ich es in den Organismus eingeführt habe, damit auch wirklich zur Wirksamkeit gebracht habe. Da helfen einem dann die weiteren Glieder einer wirklichen Menschenerkenntnis.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Da hilft es einem dann, daß man im menschlichen Organismus unterscheiden kann die aufbauenden und die abbauenden Kräfte. Die letzteren sind zum Beispiel gerade in der Sklerose tätig, wo der menschliche Organismus zerfällt. Im Haupte, im Gehirn zerfällt fortwährend der menschliche Organismus, denn das Gehirn ist immerfort von einer leisen Sklerose erfüllt; das liegt in seiner Organisation. […]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Honig ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wir brauchen auch noch, wenn wir uralt geworden sind, plastisch wirkende Kräfte, Bildekräfte, die die Nahrung, die wir aufnehmen, überführen in die Formen des Organismus. Nun stellt sich heraus: Daß nichts mehr fördert diese plastisch wirkenden, diese Bildekräfte, daß nichts mehr fördert die Anähnlichung der aufgenommenen Stoffe an den menschlichen Organismus als ein oftmals recht schwacher Honiggenuß. Honig wirkt in der Tat auf den altgewordenen Menschen im Stoffwechsel-Gliedmaßenorganismus ganz ähnlich, wie für den Gehirnorganismus des Kindes – und besonders des Kindes – die Milch wirkt. Das weist uns darauf hin, daß im Honig eben besondere Bildekräfte sind, die wir nicht dadurch auffinden, daß wir den Honig einfach chemisch analysieren, sondern die wir nur finden, wenn wir tatsächlich in aller Lebendigkeit die Beziehungen erkennen, die der Mensch hat zu den übrigen Substanzen im Weltall. Und diese Bildefähigkeit des Honigs – denn für eine genauere Interpretation stellt sich heraus, daß der Honig den menschlichen Organismus so ergreift, daß vorzugsweise der astralische Leib seine Bildekräfte ausüben kann […].&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Zucker ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;[…] diese Wirkungen des Honigs kann man dann unterstützen durch einen Zusatz von Zucker, vorausgesetzt, daß der menschliche Organismus das sonst verträgt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Daher finden Sie, daß – in einer besonderen Weise ineinandergefügt, funktional ineinandergefügt – unser erstes Heilmittel gegen Sklerose ein Präparat darstellt aus Blei, Honig und Zucker. […] Dieses Präparat ist also so hergestellt, daß es, wenn es in den menschlichen Organismus eingeführt wird, dort übernimmt die sklerotisierenden Kräfte. Es nimmt die sklerotisierenden Kräfte dem astralischen Leib und der Ich-Organisation des Menschen ab; die werden dadurch wieder frei und können nun für die normale, gesunde Organisation des Menschen wirken. Was ich aber mit diesem Präparat in den menschlichen Organismus einführe, das ist das, was früher Ich und astralischer Leib tun mußten, die daher nicht frei waren und ihre Funktionen ableiteten auf den Krankheitsvorgang. Jetzt übergebe ich den Krankheitsvorgang meinem Präparat. Das besonders Wirksame ist dabei das Blei; es übernimmt die Sklerotisierung, denn es ist ja seine eigene Natur, sklerotisierend zu wirken. Aber ich muß erst die Wege suchen durch die Plastik des Organismus hindurch, durch die ich das Blei dahin bringe, wo es nötig ist: das geschieht durch die Zusammensetzung mit Honig und Zucker.“[3]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wirkung von Blei und Honig auf das Gedächtnis&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das &#039;&#039;&#039;Blei&#039;&#039;&#039; in mittlerer Potenz hat einen direkten Bezug zum rhythmischen System und damit auch zu den Blutgefäßen. Es unterstützt die Abbauwirkung der Ich-Organisation. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Honig&#039;&#039;&#039; besteht je nach Pflanzenart aus verschiedenen meist einfachen Zuckern wie Glukose (Traubenzucker), Fruktose (Fruchtzucker), aber auch Zweifachzuckern wie Sacharose (Haushaltszucker) und Maltose (Malzzucker) und anderen Mehrfachzuckern. Außerdem enthält er Pollen, Enzyme und freie Aminosäuren. Daher wird er langsamer und auf verschiedenen Stoffwechselwegen verdaut, und er hat eine Brückenfunktion zwischen der ätherischen, astralischen und Ich-Organisation und kann dadurch den Astralleib von seiner abbauenden Wirkung entlasten und diese an die Ich-Organisation abgeben.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Bei der Sklerose wird die Ich-Organisation zu schwach; sie baut selber nicht genügend ab. Deshalb tritt Abbau allein durch den Astralleib ein. Es fallen die Abbauprodukte aus dem Organismus heraus und liefern Verstärkungen derjenigen Organe, die in Salzsubstanzen bestehen. Blei in gehöriger Dosierung nimmt den Abbau wieder in die Ich-Organisation zurück. Die Abbauprodukte bleiben nicht als Verhärtungen im Körper, sondern werden ausgestoßen. Alle Heilung der Sklerose kann nur darin bestehen, dass man den salzbildenden Prozessen, die sonst im Körper bleiben, den Weg nach außen öffnet.“[5]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit ist auch deutlich, dass es sich bei dieser Skleroseform offensichtlich um den dementiellen Formenkreis handelt, deren Anfangszustände &#039;&#039;„sich darin äußern, dass die Schlagkraft des Denkens und die exakte Herrschaft über das Gedächtnis aufhören.“[6]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wichtig ist aber auch zu beachten, dass das Mittel der jeweiligen Situation angemessen dosiert werden muss. Denn die Ich-Organisation kann in ihrer Wirkung durch das Präparat verstärkt werden und damit ‚hypertrophieren‘, wodurch ihre abbauende Wirkung zu stark wird und durch den nachfolgenden Aufbau nicht genügend kompensiert werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[7]&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27, S. 116.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Anthroposophische Menschenerkenntnis und Medizin,&#039;&#039; GA 319, 114–118.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Im Unterschied zur allgegenwärtigen Glukose im Stoffwechsel, hat die Fruktose bei den höheren Organismen und dem Menschen mehr spezifische Aufgaben, wodurch sie im Organismus im sogenannten Pentosephosphatweg (Pentosephosphatzyklus) aus Glukose hergestellt wird – und zwar insbesondere in der Leber, im Fettgewebe, den Milchdrüsen und den Nebennieren. Die dabei entstehenden Zuckerphosphate sind Vorstufen wichtiger Biomoleküle, wie den Ribosezuckern in den Nukleinsäuren des Erbguts (DNA/RNA), sowie der Energieüberträger ATP, NAD+ , FAD und CoA. Mehrere Studien, u. a. eine Studie vom Deutschen Institut fürErnährungsforschung, belegen einen Zusammenhang zwischen vermehrter Fruktoseaufnahme und Adipositas. Fruktose steigert nicht nur die Lipogenese, sondern führt auch zu einem gesteigerten Hungergefühl, da kein Insulin ausgeschüttet wird, welches auch ein Sättigungshormon ist. Zudem führt eine fruktosereiche Ernährung zu einem Anstieg der Plasmalipide und zur Insulinresistenz. Fruktose wirkt also dauerhaft diabetogen und das stärker als Glukose. Insgesamt steigert Fruktose also die Inzidenz für das Auftreten eines metabolischen Syndroms, welches als das gemeinsame Auftreten von Adipositas, Dyslipoproteinämie, gestörter Glukosetoleranz und arterieller Hypertonie definiert ist. Andere Untersuchungen zeigen einen Zusammenhang zwischen Fruktoseaufnahme und nicht-alkoholischer Fettleber (Steatosis hepatis) auf, welche eine Vorstufe der Leberzirrhose ist. Auch das Risiko für Gicht wird vor allem durch mit Fruktose gesüßte Softdrinks stark erhöht, wie prospektive Studien mit mehreren tausend Patienten belegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ursache ist der Verbrauch von ATP beim Abbau von Fruktose. Es fällt IMP an, das über den Purinabbau die Konzentration der Harnsäure ansteigen lässt. Neusten Studien zu Folge steigt selbst das Risiko von Krebserkrankungen wie zum Beispiel des Pankreas-Karzinoms durch eine fruktoselastige Diät. Fruktose trägt zur Synthese von Nukleinsäuren bei, was die Proliferation von Krebszellen begünstigt. Aus diesen Gründen empfiehlt die Food and Agriculture Organization of the United States die tägliche Aufnahme an freien Zuckern wie Fruktose auf weniger als 10 % der Gesamtenergiemenge zu reduzieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vgl. www.lecturio.de/artikel/medizin/fructosestoff-wechsel/; [6.1.2025].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Siehe FN 1, S. 115f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Ebenda, S. 116.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DAS MIGRÄNE-MITTEL BIODORON ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wozu dienen laut Rudolf Steiner und Ita Wegmann die grauen Hirnzellen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und was ist Aufgabe der weißen Gehirnsubstanz?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist Migräne aus anthroposophischer Sicht?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Aufgaben der grauen und weißen Hirnsubstanz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Entgegen der landläufigen Meinung, dass die &#039;&#039;&#039;‚grauen Hirnzellen‘&#039;&#039;&#039; Träger der menschlichen Intelligenz sind, wird von Rudolf Steiner und Ita Wegman betont, dass diesen Zellen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* überwiegend Stoffwechsel- und Ernährungsfunktion zukommt, &lt;br /&gt;
* weitaus weniger Hinneigung zu den rhythmischen Funktionen&lt;br /&gt;
* und am wenigsten zu den Sinnesfunktionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der &#039;&#039;&#039;weißen Substanz&#039;&#039;&#039; hingegen – d.h. den Leitungsbahnen und Nervenfortsätzen – obliegt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die Funktion einer integrierenden, &#039;&#039;„die übrigen Sinne zusammenfassende[n] Sinnestätigkeit, in die das Ich und der Astralleib hineinwirken“[1]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Daneben hat sie auch Bezug zu den rhythmischen Funktionen des Körpers (Astralleib/Ätherleib),&lt;br /&gt;
* am wenigsten jedoch zum Stoffwechsel, in den vorzugsweise Ätherleib und physischer Leib hineinwirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Migräne aus anthroposophischer Sicht&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aus anthroposophischer Sicht beruht die Migräne auf einer &#039;&#039;‚zurückgestoßenen Tätigkeit der Ich-Organisation‘&#039;&#039;, wodurch die Wahrnehmungsfunktion des zentralen Gehirns eingeschränkt wird zugunsten einer verstärkten Stoffwechselaktivität. Therapeutisch bedarf es also:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* einer &#039;&#039;Anregung der Nerven/Sinnestätigkeit&#039;&#039;: Dies wird &#039;&#039;&#039;durch die Kieselsäure&#039;&#039;&#039; in Form von Quarz erreicht;&lt;br /&gt;
* einer &#039;&#039;Umorientierung der rhythmischen Tätigkeit&#039;&#039; von ihrer Stoffwechsellastigkeit weg und hin zu einer stärkeren Verbindung mit dem Atemrhythmus: Das geschieht &#039;&#039;&#039;durch den Schwefel&#039;&#039;&#039;, der die rhythmische Funktionsordnung mehr dem Atemrhythmus zuneigen lässt;&lt;br /&gt;
* einer &#039;&#039;Eindämmung der rein vitalen Stoffwechseltätigkeit&#039;&#039; und der Unterstützung von deren Regulation durch die Ich-Organisation: Das kann &#039;&#039;&#039;durch das Eisen&#039;&#039;&#039; erreicht werden. Eisen leitet den Verdauungsvorgang hinüber in den Blutrhythmus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch mit diesem Arzneimittel liegen inzwischen jahrzehntelange positive Erfahrungen vor.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[3]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27, S. 117.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Einige Referenzen seien hier genannt: Sommer (1999), 289–292; Schirmer (1998), 348–355; Kohlhase (1998); Zwiauer (1989), 14–15; Hassauer (1988), 142–149; Noll (1963), 225–239.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== PYRIT, EIN MITTEL GEGEN TRACHEITIS UND BRONCHITIS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was verursacht Tracheitis und Bronchitis?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern machen Eisen und Schwefel Pyrit zum idealen Heilmittel dafür?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wieso macht es Sinn, heilend auf das Verhältnis von Puls und Atemfrequenz einzuwirken?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ursprung von Tracheitis und Bronchitis&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die meist durch Viren verursachte Entzündung der Luftröhre (Tracheitis), meist auch verbunden mit Schnupfen und im Übergang zum Lungengewebe mit Bronchitis, ist weit verbreitet, insbesondere in der kalten Jahreszeit oder bei einer stärkeren Belastung der Luft z.B. mit Feinstaub. Dahinter verbirgt sich aber die Frage, wieso der eine Mensch anfällig dafür ist und ein anderer unter denselben Bedingungen lebt und keine Tracheitis oder Bronchitis bekommt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der anthroposophisch orientierten Diagnostik zeigt sich der Ursprung der Tracheitis und Bronchitis in einer rhythmischen Dysfunktionalität zwischen Blutzirkulation und Atmung. Rudolf Steiner und Ita Wegman beschreiben es folgendermaßen: &#039;&#039;„Man müsste eigentlich nicht Pyrit sagen, sondern Pyritprozess. Dieser Prozess, der im Mineral Pyrit wie in Erstarrung festgehalten ist, entspricht dem, was aus dem Zusammenwirken des Eisenprozesses und des Schwefelprozesses entstehen kann.&#039;&#039; &#039;&#039;Das Eisen regt, wie schon in dem vorigen Abschnitte gezeigt ist, die Blutzirkulation an, der Schwefel vermittelt die Verbindung zwischen Blutzirkulation und Atmung. Gerade da, wo Blutzirkulation und Atmung in ein Verhältnis treten, liegt der Ursprung der Tracheitis und der Bronchitis, sowie auch gewisser Formen des Stotterns.“&#039;&#039;[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Schwefel als Vermittler&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Um zu verstehen, wieso hier der Schwefel die Vermittlung herstellen kann zwischen der Blutzirkulation und der Atmung, wenn er sich mit dem Eisen verbindet, sind Ausführungen Rudolf Steiners hilfreich, die er am 1. April 1920 den Ärzten und am 11. Juni 1924 den Landwirten gegenüber bezüglich des Schwefels machte: &#039;&#039;„Sie wissen, daß im Sinne der gegenwärtigen Chemie die hauptsächlichsten Bestandteile des Eiweißes sind die vier wichtigsten Stoffe in der Natur: Kohlenstoff, Sauerstoff, Stickstoff, Wasserstoff, und daß dazu kommt Sulfur oder Schwefel als, ich möchte sagen, durchhomöopathisierend dasjenige, was die anderen vier Stoffe tun.“[2]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Denn der Schwefel ist gerade dasjenige innerhalb des Eiweißes, was den Vermittler darstellt zwischen dem überall in der Welt ausgebreiteten Geistigen, zwischen der Gestaltungskraft des Geistigen und dem Physischen. Und man kann schon sagen, wer eigentlich in der materiellen Welt die Spuren verfolgen will, die der Geist zieht, der muß die Tätigkeit des Schwefels verfolgen. Wenn auch diese Tätigkeit nicht so offen liegt wie diejenige anderer Stoffe, so ist sie darum doch gewiß von der allergrößten Bedeutung, weil auf dem Wege des Schwefels der Geist in das Physische der Natur hereinwirkt, Schwefel ist geradezu der Träger des Geistigen. Er hat seinen alten Namen Sulfur, der ja verwandt ist mit dem Namen Phosphor; er hat seinen alten Namen, weil man in älteren Zeiten in dem Licht, in dem sich ausbreitenden Licht, dem sonnenhaften Lichte sah auch das sich ausbreitende Geistige. Und man nannte deshalb diese Stoffe, die mit dem Hereinwirken des Lichts in die Materie zu tun haben, wie Schwefel und Phosphor, die Lichtträger.“[3]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verhältnis von Pulsschlag und Atmung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dieser Bezug des Schwefels zum Weltengeist, zum Welten-Ich – d.h. zu den Kräften im Weltenall, die an der Evolution Anteil haben, die zum Menschen hinführt, so dass dieser ein Ich-begabtes Wesen werden kann – dieser Bezug hat auch eine rhythmische Komponente, die unmittelbar mit der Atmung zusammenhängt. Der Schwefel entfaltet seine vermittelnde Funktion, indem er &#039;&#039;„den physischen Leib geneigt macht, die Wirkungen des Ätherischen aufzunehmen“.[4]&#039;&#039; Diese Belebung in Verbindung mit dem Eisenprozess im Blut stärkt die körpereigene Abwehr in dem Grenzgebiet zwischen Zirkulation und Atmung. Dabei ist interessant, dass im besten Erholungsschlaf auf einen Atemzug vier Pulsschläge kommen – oder seltener andere ganzzahlige Verhältnisse. Das Verhältnis 1 : 4 stellt den idealen Zusammenhang von Atem- und Pulsrhythmus dar, was auch für die Sprachtherapie von essentieller Bedeutung ist.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da bestimmte Formen des Stotterns damit zusammenhängen, dass die betreffenden Kinder oder Erwachsenen schneller denken als sie sprechen können und dadurch auch der Atemrhythmus gestört wird, kann ein funktionell beeinflussbares Stottern mit einer Pyrit-Therapie in Verbindung mit Sprachtherapie geheilt werden. Wobei sich in der unterstützenden Sprachtherapie der Hexameter-Rhythmus bewährt hat, dem das Verhältnis von 1 : 4 zugrunde liegt. Statistisch gesehen stellt sich dieser Rhythmus bei den meisten Menschen während der Nacht über eine gewisse Zeit ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Heart-Rate-Variability als Diagnose-Tool&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Inzwischen gib es auch eine breite Forschung zur sogenannten Heart-Rate-Variability, die zeigt, dass je mehr der Puls-Atemquotient von ganzzahligen Verhältnissen abweicht, dies Hinweise gibt auf vegetative Störungen bis hin zu manifesten Organerkrankungen.[6]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inwieweit sich dieses rhythmisch-musikalische Verhältnis 1 : 4 auch bis in die Bildung der Organe der rhythmischen Funktionsordnung von Herz-Kreislaufsystem und Atmung während der Embryonalentwicklung nachweisen lässt, ist empirisch noch nicht erforscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; heißt es zusammenfassend: &#039;&#039;„Dieser Prozess zwischen Blutzirkulation und Atmung, der zugleich der Prozess ist, aus dem die entsprechenden Organe im Embryonalleben gebildet werden und im weiteren Leben sich immer wieder erneuern, kann von der dem Körper zugeführten Eisenschwefelsubstanz übernommen werden, wenn er im Organismus nicht normal verläuft. […] Der Eisenprozess wird von dem Stoffwechsel bis in die Blutzirkulation geführt. Der Schwefelprozess tritt von der Blutzirkulation in den Atmungsvorgang über.“[7]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[8]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27, S. 118.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaft und Medizin,&#039;&#039; GA 312, S. 222.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft. Landwirtschaftlicher Kursus,&#039;&#039; GA 327, 52.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Vgl. auch Glöckler (2016a), 16–18.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. von Bonin u. a. (2020).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Vgl. Moser u. a. (2017) und (1994); Cysarz (2018).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Siehe FN 1.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== VIELSEITIGE WIRKUNGEN VON ANTIMON-VERBINDUNGEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern ist Antimon ein typisches Heilmittel?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie lässt sich die vielseitige Verwendung von Antimon in der Medizin erklären?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wirkt Antimon im menschlichen Organismus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Antimon unter verschiedenen Blickwinkeln betrachtet&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Antimon in der Darstellung von Kapitel XVI ====&lt;br /&gt;
In Kapitel XVI von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039;&#039;[1]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; wird Antimon/Stibium beispielhaft angeführt, wie man zur &#039;&#039;„Heilmittel-Erkenntnis“&#039;&#039; kommen kann. Über 60 Krankengeschichten sind dokumentiert, in denen Rudolf Steiner das Stibium zur Behandlung empfiehlt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* in Form von äußerer Salbenanwendung &lt;br /&gt;
* oder Sitzbädern,&lt;br /&gt;
* innerlich als potenziertes Präparat aus Antimonspiegel, &#039;&#039;Stibium metallicum praep&#039;&#039;. (Antimonit)&lt;br /&gt;
* sowie als &#039;&#039;Tartarus stibiatus&#039;&#039;, dem sogenannten Brechweinstein, einem schon von alters her bekannten Heilmittel.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Kapitel wird das Antimon zudem dargestellt, wie es sich im Spannungsfeld der von der Erde ausstrahlenden physisch orientierten Gravitationskräfte und den auf die Erde ein- strahlenden Ätherkräften orientiert, und eine starke Neigung hat, sich den einstrahlenden Kräften zu fügen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Antimon in der Darstellung von Kapitel XX ====&lt;br /&gt;
In Kapitel XX wird der Charakter des Antimons als typisches Heilmittel beschrieben. Es kann überall da Anwendung finden, wo ein Ungleichgewicht entsteht zwischen den flüssig-weichen eiweißbildenden Kräften und den strukturierenden, gerinnungsfördernden Kräften im Blut. Hier wird seine besondere Beziehung zum Astralleib des Menschen geschildert. Diese Beziehung macht das Antimon zum typischen Heilmittel und erklärt nicht nur seine unterstützende Wirkung für die gesunde Gerinnungsfähigkeit des Blutes, sondern vor allem auch seine strukturierende und klärende Einwirkung auf die seelische Befindlichkeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Antimon erweist sich nicht nur als ein Mittel, das so wirkt &#039;&#039;„wie die Ich-Organisation“,[3]&#039;&#039; deren Organ das Blut ist. Seine Wirkung erstreckt sich analog der Wirkung der Ich-Organisation durch alle Wesensglieder hindurch bis hin zur physischen Organisation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Man hat nun im Blute gewissermaßen den Gleichgewichtszustand zwischen formbildenden formauflösenden Kräften. Das Antimon kann wegen seiner beschriebenen Eigenschaften die formbildenden Kräfte des menschlichen Organismus in das Blut überführen, wenn dazu der Weg durch die Verbindung mit dem Schwefel gebahnt wird. Daher sind die Kräfte des Antimons diejenigen, welche in der Gerinnung des Blutes wirken. Geisteswissenschaftlich stellt sich die Sache so heraus, dass der astralische Leib in denjenigen Kräften, die zur Gerinnung des Blutes führen, verstärkt wird. Man muss im astralischen Leibe in den Antimonkräften ähnliche Kräfte sehen, die im Organismus von innen nach außen zentrifugal wirken. Diesen antimonisierenden Kräften wirken entgegen die von außen nach innen gerichteten Kräfte, die das Blut verflüssigen und verflüssigtes Blut plastisch in den Dienst der Körperbildung stellen.“[4]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Antimon als Heilmittel bei Typhus&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die in den Kriegs- und Krisenjahren im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts weitverbreitete Typhus/Paratyphuserkrankung gehörte zu den typischen Krankheitserscheinungen in dieser Zeit. Die Empfänglichkeit dafür, abgesehen von den prädisponierenden unhygienischen Lebensumständen, wird als Ungleichgewicht zwischen der strukturierenden Tätigkeit der Ich-Organisation und der bildenden und lösenden Tätigkeit der ätherischen Organisation angesehen, die durch die astralische Organisation vermittelt werden muss. Denn so wie den physischen, von der Erde ausstrahlenden Kräften die ätherischen, auf die Erde einstrahlenden gegenüberstehen, sind die astralischen Kräfte in sich polar in der Beziehung zwischen innen und außen wirksam, d.h. zwischen der seelischen Innenwelt und der Wahrnehmungswelt draußen, zwischen dem sich in Sympathie Öffnen und in der Antipathie Abgrenzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Man wird immer bemerken, dass die Antimonaufnahme Gedächtnisverstärkung, Hebung der schöpferischen Kräfte der Seele, innere Geschlossenheit der Seelenverfassung hervorrufen. Der Organismus wird von der verstärkten Seele aus regeneriert. Das fühlte man in der älteren Medizin. Ihr war daher das Antimon ein Universalmittel. Wenn wir auch nicht auf diesem extremen Standpunkte stehen, so müssen wir doch, wie aus dem Obigen hervorgeht, in dem Antimon ein vielseitiges Heilmittel suchen.“&#039;&#039;&#039;[&#039;&#039;&#039;5]&amp;lt;sup&amp;gt;,&amp;lt;/sup&amp;gt; [6]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[7]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Es ist dies Kaliumantimonyltartrat, das durch Sättigung von gereinigtem Weinstein mit Antimonoxid entsteht, farblos-durchsichtige Kristalle bildet und insbesondere bei Lungen- und Magen-Darm-Erkrankungen Anwendung fand (Vgl. Krüger 1995).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Siehe FN 1, S. 79.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe FN 1, S. 119f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Ebenda, S. 120f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Vgl. auch Engel (2019), 111–122; Jachens (2014), 256–264; Rißmann (2010), 123–127; Cloos (2001), 374–378; Bavastro (1990), 239–244; Weckenmann (1985), 208–220; Baerens (1983), 209–210; Berthold (1954), 85–114.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ZINNOBER „FÜR ALLES KATARRHALISCHE“ ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sind katarrhalische Prozesse?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern ist Quecksilber in Verbindung mit Schwefel als Heilmittel dafür geeignet?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist die ‚merkurielle Kompetenz‘ des Quecksilbers?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Quecksilber, Schwefel und Atmung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner und Ita Wegman charakterisieren in Kapitel XX von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; katarrhalische Prozesse als sich absondernde Prozesse, &#039;&#039;„die wiederum in die Herrschaft des ganzen Organismus geführt werden sollen“.[2]&#039;&#039; Zinnober als Verbindung von Quecksilber und Schwefel steht hier im Zentrum als typisches Heilmittel „für alles Katarrhalische“.[3]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Cinnabarit/HgS/Quecksilbersulfid ist ein zinnoberrotes, weiches, gerade noch ritzbares, metallisch glänzendes Mineral. Cinnabarit kristallisiert im trigonalen Kristallsystem in über 50 Kristallformen sowie Kristallzwillingen. Berühmt ist der kreuzförmige Staurolit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In über 70 mit Rudolf Steiner beratenen Krankengeschichten kommen Zinnober oder eine andere Quecksilberzubereitung zur Anwendung: &#039;&#039;„Es ist eine schon mehrfach erwähnte Eigenschaft des Schwefels, dass er sich wirksam erweist in dem Gebiete des Organismus, wo Zirkulation und Atmung aneinandergrenzen, also bei allem, was von der Lunge ausgeht.“[4]&amp;lt;sup&amp;gt;,&amp;lt;/sup&amp;gt; [5]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Quecksilber und Absonderungsprozesse&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das Besondere am Metall Quecksilber ist ja, dass es das einzige ist, welches in flüssiger Form vorkommt und sich zu kleinsten oder größeren kugelförmigen Tröpfchen zusammenlagert. Damit verbindet es zum einen die Geste des sich Absondernden und Abkapselnden, zum anderen aber auch des wieder sich Verbindens und sich mit anderen Tröpfchen zu einem größeren Tropfen Vereinigen-Könnens. Diese ‚merkurielle Kompetenz‘, etwas aus dem Zusammenhang Herausgefallenes wieder zu integrieren, macht es zum Heilmittel für katarrhalische Prozesse. Diese bestehen aus Absonderungen, die es zu reintegrieren und zu normalisieren gilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Luftröhrenkatarrh und allen in der Nähe befindlichen katarrhalischen Erscheinungen ist das der Fall. Führt man dahin die Quecksilberkräfte, so wirken sie heilend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[6]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27, S. 121.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. auch Karutz und Soldner (2022), 179–180.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DAS HEUSCHNUPFEN-MITTEL GENCYDO ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== &#039;&#039;Wie verhalten sich die Wesensglieder bei Heuschnupfen?&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern ist der Saft von Zitrusfrüchten von heilsamer Wirkung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was bewirkt Gencydo?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Erscheinungsbild und Wesensgliederbeteiligung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner und Ita Wegman erläutern in Kapitel XX von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; das Wesen der exsudativen Diathese, d.h. der Schleimhäute von Augen, Nase, Rachen und den oberen Luftwegen. Sie schließen damit an die Heufieberbehandlung in Kapitel XIX an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Wir werden somit auf den Ätherleib und das Verhalten des astralischen Leibes verwiesen. Der Ätherleib überwiegt in seinen Kräften, und der astralische Leib zieht sich zurück, hat die Tendenz, nicht richtig in den ätherischen und physischen Leib einzugreifen. Und die katarrhalischen Erscheinungen sind die Folge davon, dass in den erkrankten Partien die geordnete Einwirkung vom Astralleib – und dadurch auch der Ich-Organisation – gestört ist.“[2]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Heilender Saft aus Zitrusfrüchten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Hier kommen therapeutisch Fruchtsäfte aus Früchten in Betracht, &#039;&#039;„die lederartige Schalen haben“,[3]&#039;&#039; wie dies bei der Zitrone der Fall ist. Bei der Pflanze entspricht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die Fortpflanzungsregion im &#039;&#039;&#039;Blüten- und Fruchtbereich&#039;&#039;&#039; der Durchdringung zwischen den &#039;&#039;ätherischen und astralischen Kräften&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
* Da, wo &#039;&#039;&#039;Stängel und Blätter&#039;&#039;&#039; – die reine Vitalität – waltet, herrscht &#039;&#039;das Ätherische&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* und im &#039;&#039;&#039;Wurzelbereich&#039;&#039;&#039; die Beziehung zu den von der Erde ausstrahlenden &#039;&#039;physischen Kräften&#039;&#039; vor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So kann das Präparat Gencydo den Astralleib des Erkrankten nach dem Ätherleib hin orientieren. Die in den Zitrusfrüchten enthaltenen Mineralien stellen die Beziehung zur Ich-Organisation her, &#039;&#039;„sodass eine wirkliche Heilung des Heufiebers erzielt wird“.&#039;&#039;[4]&#039;&#039;&amp;lt;sup&amp;gt;,&amp;lt;/sup&amp;gt;&#039;&#039; [5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[6]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27, S. 122.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. auch Scheffers (2023), 14–26; Vogel (1968), 152–162.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== WIRKSAMKEIT EINES HEILMITTELS VERMITTELN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie vermittelt der Arzt seinem Patienten, welches Heilmittel er braucht?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist dabei zu beachten, worauf kommt es an?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wirksamkeit der Gedanken und Gefühle miteinbeziehen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ideal wäre es, mit dem Patienten über ein Heilmittel in einer Art zu sprechen, dass etwas von der Wirksamkeit desselben auf den Patienten überspringt und dieser sich freut, dass er dieses Mittel bekommt, ja, dass er dankbar dafür ist. Der Patient sollte es mit dem Gefühl nehmen, er habe etwas besonders Gutes bekommen. Denn Freude und Dankbarkeit wirken therapeutisch – sie sind nicht „Placebo“, sondern real und wirksam. Wir müssen begreifen, dass das, &#039;&#039;was&#039;&#039; und &#039;&#039;wie&#039;&#039; wir über eine Sache denken, viel mehr als nichts ist: Was jemand weiß, ist etwas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ätherleib als Träger der zeitlichen und „ewigen“ Lebenskräfte entfaltet diese Doppelwirksamkeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ihm verdankt unser Körper einerseits &#039;&#039;&#039;Leben, Regeneration, Wachstum&#039;&#039;&#039; und die individuelle Lebenszeit&lt;br /&gt;
* Andererseits verdankt der Mensch ihm sein &#039;&#039;&#039;Gedankenleben&#039;&#039;&#039;, je älter er wird, umso mehr, das sich aus all den ätherischen Kräften speist, die der Körper nicht mehr „verkörpert“ halten kann (und muss) und die er damit in die „außerkörperliche Wirksamkeit“ entlässt. Die Gedanken können über den Tod des Menschen hinaus weiterleben und ihn tragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Medikamente wirken auf beide Aspekte des Lebens – sprich: Auch was ich über etwas denke, bewirkt etwas. Wenn ich die Arnikawirkung denke, wirkt sie bereits, denn Gedanken wirken immer, sind ein reales Wirkprinzip. &#039;&#039;„Hab Sonne im Herzen, ob&#039;s stürmt oder schneit“&#039;&#039;. Wenn ich die Sonne meditiere, habe ich Licht und Wärme im Herzen, selbst wenn ich Bauchweh habe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Denken vermindert Heilkraft, positive Gefühle verstärken sie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Indem ich denke, nehme ich der ätherischen Wirksamkeit im Körper aber auch etwas weg, weil es dieselben Kräfte sind, die dem Körper zur Gesundheit verhelfen. D.h, der Körper ist am gesündesten, wenn man nicht denkt, also im Schlaf, weil da die gesamten ätherischen Kräfte (auch diejenigen, die tagsüber außerkörperlich dem Denken dienen) in den physischen Leib einziehen und an seiner Regeneration arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am besten ist es, wenn der Patient über ein Heilmittel gerade so viel weiß, dass er sich freut und ihm ein bisschen warm wird bei dem Gedanken, dass er es jetzt einnehmen darf. Denn diese positiven Gefühle teilen sich auch dem Körper mit und beeinflussen den Stoffwechsel positiv. Positive Gefühle führen dem Ätherleib vom Seelischen her positive Kräfte zu, wie dies gesunde Ernährung vom Physischen her tut. Zuviel Nachdenken über die Wirkung mindert diese jedoch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch weniger zuträglich ist es, wenn ein Patient nicht so recht weiß, wie ein Mittel wirkt, oder Angst bekommt, wenn er den Beipackzettel liest. Dann fühlt er sich verunsichert – weswegen 40 Prozent der Medikamente in den Müll und nicht in den Magen der Patienten wandern. Wieder zuhause entscheiden sie, dass es ihnen eigentlich gar nicht so schlecht geht und nehmen das verordnete Medikament lieber nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur Anthroposophischen Medizin, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Offenborn</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Anthroposophische_Heilmittel&amp;diff=1281</id>
		<title>Anthroposophische Heilmittel</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Anthroposophische_Heilmittel&amp;diff=1281"/>
		<updated>2026-01-31T12:32:30Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Offenborn: Neuen Text eingefügt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= Anthroposophische Heilmittel - von Michaela Glöckler =&lt;br /&gt;
Auszüge aus Büchern und Vorträgen von [[Michaela Glöckler]]; Erstveröffentlichung auf https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== SUBSTANZ-ERKENNTNIS ALS GRUNDLAGE FÜR HEILMITTEL-ERKENNTNIS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was meint Rudolf Steiner mit der Weltenaufgabe der Substanzen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was wird anhand der Beispiele Ameisensäure und Oxalsäure im Hinblick auf ihre Wirkung im Zellstoffwechsel aufgezeigt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern muss der Organismus als Tätigkeitszusammenhang begriffen werden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Weltenaufgabe der Substanzen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel XVII von &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039; liegt der Fokus auf einer konsequent prozessorientierten Substanz-Erkenntnis, über die Rudolf Steiner im Ärztekurs für die jungen Mediziner schreibt, dass es die Aufgabe des Arztes sei, &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„die Weltenaufgaben der Substanzen zu erkennen“.[2]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;„Grundlegendes…“&#039;&#039; formulieren die Autoren es so: &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Wer die Wirkung von Heilmitteln beurteilen will, muss ein Auge haben für die Kräftewirkungen, die sich im menschlichen Organismus ergeben, wenn eine Substanz, die außer demselben gewisse Wirkungen zeigt, in irgendeiner Art in ihn eingeführt wird.“[3]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039; Etwas von dieser ‚Weltenaufgabe‘ wird dort anhand der Ameisensäure und der Kleesäure aufgezeigt und damit auf die Bedeutung dieser Blickrichtung für bestimmte Prozesse im menschlichen Zellstoffwechsel hingewiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Beispiel: Aufgabe der Ameisensäure ====&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Ameisensäure wird vom Menschen mit der Nahrung in der Regel nicht aufgenommen. Sie wird im Tierreich gebildet und als Abwehrstoff, insbesondere der Insekten, ausgeschieden – selten auch bei Pflanzen, wie z.B. in den Brennhaaren der Brennnesseln. Ihre ‚Weltaufgabe‘ ist inzwischen gut erforscht: Die rote Waldameise ist für die Gesunderhaltung der Wälder unentbehrlich. Sie steht daher auch unter Naturschutz, seitdem man ihre Bedeutung für die ‚Lebensgemeinschaft Wald‘ erkannt hat. Um einen Ameisenbau herum vernichtet jedes Volk pro Tag zehntausende Schädlinge bzw. deren Larven und Raupen (wie z.B. Borkenkäfer- und Blattwespenlarven) sowie Kadaver und Pilzmyzel in morschem Holz. So hilft die Ameisensäure dem Mikrobiom des Bodens, die verwesenden Pflanzenreste und das modernde Holz zu verarbeiten. Auch verbreiten Ameisen auf ihren Wegen tausende von Samen und tragen so zur Vielfalt im Wald bei sowie zur Verbesserung der Bodenbeschaffenheit. Instrument für ihre wertvollen reinigenden Tätigkeiten ist die Ameisensäure mit ihrer aggressiven Toxizität.[4]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Beispiel: Aufgabe der Oxalsäure ====&lt;br /&gt;
Die Oxal- bzw. Kleesäure hingegen findet sich in allen Pflanzen und den meisten Bakterien und in unterschiedlichen Mengen in vielen Nahrungsmitteln wie z.B. in schwarzem Tee, Mangold oder Rhabarber. Nach der Aufnahme muss sie dann im Organismus zu ausscheidungsfähigen Endprodukten abgebaut werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Ein ‚Zuviel‘ führt zusammen mit Calcium im Darm zu schwer löslichen Salzen (Oxalaten), was Anlass geben kann für die Bildung von Blasen- und Nierensteinen. Oxalsäure ist ein pflanzliches Gift – für den Menschen können bereits Gramm-Mengen tödlich sein.[5] Als Kalzium-, Magnesium- oder Kaliumsalze sind die Oxalate allgegenwärtig und aus dem Zellstoffwechsel der Lebewesen nicht wegzudenken – bis hin zu den meisten Pilzen und Bakterien. Im Gegensatz zur Ameisensäure entfaltet die Oxalsäure ihre Wirkung nicht in dem Zwischenbereich zwischen dem Mineralisch-Physischen und dem Ätherisch-Lebendigen. Sie hat ihre Aufgabe in der Lebenswelt der Pflanzen – aber als Giftsubstanz im Grenzgebiet zum astralischen Kräftebereich. Da Gifte auch in schwacher Dosierung immer lebensfeindlich sind, regen sie den Organismus dazu an, auf unterschiedlichen Wegen diese Gifte schnellstmöglich abzubauen oder in Verbindung mit anderen Substanzen unschädlich zu machen. Diese Abbauvorgänge dienen im Organismus der Tiere und der Menschen der Bewusstseinsbildung, die sich, wie mehrfach erwähnt, auf Abbauvorgänge stützt.[6]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Biochemisch handelt es sich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* bei der &#039;&#039;&#039;Ameisensäure&#039;&#039;&#039; um die einfachste Monocarbonsäure (Formica, HCOOH, ihre Salze heißen Formiate)  &lt;br /&gt;
* und bei der &#039;&#039;&#039;Oxal- bzw.&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Kleesäure&#039;&#039;&#039; um die einfachste Dicarbonsäure (Acidum oxalicum, HOOC-CO-CH2-COOH, ihre Salze heißen Oxalate).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Notwendige Verwandlung von Oxalsäure in Ameisensäure&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Rudolf Steiner hat erstaunlich oft über die Bedeutung der biochemischen Verwandlung von Oxal- in Ameisensäure gesprochen.[7] Den Prozess der Bildung von Oxalsäure, der hauptsächlich in den Verdauungsorganen stattfände, hielt er für eine notwendige Grundlage dafür, dass der Mensch überhaupt leben könne – grundlegend also dafür, dass die Ätherkräfte zur Wirksamkeit kommen können.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Ihre Umwandlung in Ameisensäure aber sei eine entsprechende Grundlage für das Wirksamwerden der astralischen Kräfte in der physisch-ätherischen Konstitution. In einem Ärztevortrag führt er weiter aus, dass man im Falle der Ameisensäure dahin kommen müsse zu erkennen, dass sie im Menschen, wie auch draußen in der Natur, die Aufgabe hat, gegenüber den Prozessen des Alterns, des Absterbens und des Vermoderns immer wieder weiteres Leben, weitere Entwicklung zu ermöglichen.[8] Auch führt er aus, dass &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;„die heutige Physiologie“&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt; diese Prozesse erst finden müsse.[9]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&amp;lt;sup&amp;gt;,&amp;lt;/sup&amp;gt;&amp;lt;nowiki&amp;gt; [10]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner und Wegman sahen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* in der &#039;&#039;&#039;Ameisensäure&#039;&#039;&#039; die Schlüsselsubstanz im Stoffwechsel des tierischen Organismus&lt;br /&gt;
* und in der &#039;&#039;&#039;Oxalsäure&#039;&#039;&#039; die Schlüsselsubstanz im pflanzlichen Zell-Metabolismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Organismus als Tätigkeitszusammenhang begriffen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;In Abs. 2 wird deutlich gemacht, wie entscheidend es für einen Organismus ist, eine Substanz nicht nur zu besitzen, sondern auch den Bildeprozess zum Aufbau dieser Substanz zu leisten. Im Tun liegt das Wesen des Organismus, nicht in seinen Substanzen. Der Organismus ist nicht ein Stoffzusammenhang, sondern ein Tätigkeitszusammenhang. Der Stoff trägt den Anreiz zur Tätigkeit in sich. Hat er diesen Anreiz verloren, so hat er für die Organisation keine weitere Bedeutung.[11]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter diesem Gesichtspunkt kann auch die jeweilige Aufgabe der Ameisensäure und der Kleesäure im menschlichen Organismus verstanden werden. Hier ‚dienen‘ diese Substanzen der Ich-Organisation: &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Die Ich-Organisation braucht diesen Übergang der organischen Substanz in den leblosen Zustand. Aber sie braucht eben den Vorgang des Überganges; nicht, was dann durch den Übergang entsteht. Ist nun das nach dem Leblosen hin sich Entwickelnde gebildet, so wird es im Innern des Organismus zur Last. Es muss entweder unmittelbar abgesondert werden oder aufgelöst, um mittelbar hinwegzukommen. Geschieht nun für etwas, das aufgelöst werden sollte, diese Auflösung nicht, so häuft es sich im Organismus an und kann die Grundlage für gichtische oder rheumatische Zustände bilden.“[12]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;In der Biologie werden die Phänomene dieses Übergangs zwischen Abbau und Aufbau im Falle der Gesundheit als metabolische Homöostase beschrieben, wobei deren ‚Regulator‘ ein noch nicht gefundener Faktor ist. Es wird aber das Erstaunen zum Ausdruck gebracht darüber, dass unabhängig davon, was und wieviel man gerade isst oder nicht und wieviel Oxalacetat man gerade mit der Nahrung aufgenommen hat oder nicht, die Substanzen im sogenannten Stoffwechsel-Pol der Zellen konstant gehalten werden. D.h. in den Zellen sind die Enzyme des Katabolismus (Abbau) und Anabolismus (Aufbau) normalerweise derart reguliert, dass ein Gleichgewicht gewahrt bleibt. Wird dieses Gleichgewicht jedoch gestört, bedeutet dies den Beginn krankhafter Prozesse.[13]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[14]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----&amp;lt;nowiki&amp;gt;[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, Ga 27, Kap. XVII.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[2] Rudolf Steiner, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Meditative Betrachtungen und Anleitungen zur Vertiefung der Heilkunst. Vorträge für Ärzte und Medizinstudierende,&#039;&#039; GA 316, S. 22.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[3] Siehe FN 1, S. 82.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[4] Der Kern eines Ameisenhaufens ist meist in alten Wurzelstöcken von Nadelhölzern oder Eichenstämmen angesiedelt; das Zusammenleben in der Ameisenkolonie ist ausgeprägt sozial. Eine Königin lebt bis zu 20 Jahre, Arbeitsameisen 5–6 Jahre. Sie entwickeln sich in klar definierten Temperaturbereichen (Ameisenpuppen brauchen 31°, Larven 28°, die Entwicklung der Eier nur 25°). Vgl. Jirikowski (2010), 105–107.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[5] Vgl. Wollrab (2014), 621.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[6] Vgl. Wolff (2013), 85, 263–269.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[7] Vgl. Rudolf Steiner, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Mysteriengestaltungen,&#039;&#039; GA 232, 13. Vortrag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[8] Vgl. FN 1, S. 22f.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;[9] Vgl. FN 11, S. 193–195.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[10] Dazu muss aus anthroposophisch-medizinischer Sicht gesagt werden, dass die geisteswissenschaftliche Biochemie, für die Hauschka und Wolff die Grundlagen erarbeitet haben (Vgl. Hauschka 2007, Wolff 2013), auf dem jeweils neuesten Stand der biochemischen Forschung weiter erarbeitet werden muss. Denn die Zusammenschau der Wesensglieder-Tätigkeiten als ganzheitliche Regulatoren und die immense Faktenfülle der molekulargenetischen Einsichten in das hochkomplexe Regelkreisgeschehen der Zellatmung ist für eine umfassende Integrativmedizin unverzichtbar.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[11] Siehe FN 1, S. 82.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[12] Ebenda.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[13]  Vgl. Sadava u. a. (2019), 265–271.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[14] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== HEILENDE VERBINDUNG VON MENSCH UND NATUR ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern stehen Mensch und Natur in einer heilsamen Verbindung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Naturstoffe zur Arzneimittelherstellung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Natur ist nicht nur Lebensraum und Existenzgrundlage des Menschen. Ihre Stoffe und Kräfte liegen auch einer Fülle von Arzneimitteln zugrunde. Anthroposophische Arzneimittel sollen dazu beitragen, dass der Organismus – wann immer sinnvoll und möglich – in die Lage versetzt wird, eine Krankheit aus eigener Kraft zu überwinden. Sie stärken die gesundenden Kräfte und sind also vor allem darauf orientiert, die Körperfunktionen wieder ins Gleichgewicht zu bringen und die Abwehrkräfte zu stärken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der anthroposophischen Arzneimittelherstellung werden mineralische, pflanzliche, metallische und tierische Ausgangsstoffe verwendet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gängige mineralische Substanzen sind u.a. Quarz, Schwefel oder Kalk.&lt;br /&gt;
* Bekannte Heilpflanzen sind z.B. Arnika, gelber Enzian oder Kamille.&lt;br /&gt;
* Als Metalle kommen häufig Gold, Silber, Kupfer, Eisen und Zinn in potenzierter Form zum Einsatz.&lt;br /&gt;
* Zu den tierischen Ausgangssubstanzen gehören z. B. Insektengifte von Biene, Ameise, Hornisse sowie Organextrakte von Säugetieren (aus Leber, Thymusdrüse, Nieren, Nerven u.a.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Reicher Arzneimittelschatz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Alle anthroposophischen Medikamente werden nach komplexen Vorgaben der von Rudolf Steiner und Ita Wegman begründeten anthroposophischen Medizin hergestellt.[1] Die meisten Ausgangsstoffe werden in hoher Verdünnung (homöopathisch potenziert) eingesetzt, nur sehr selten konzentriert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophische Arzneimittel enthalten häufig mehrere Inhaltsstoffe. Diese sind nicht nur kombiniert, sondern komponiert. Wie bei einem Orchester, so kommt es auch bei einem zusammengesetzten Arzneimittel darauf an, in welchen Anteilen die verschiedenen Einzelkomponenten gemischt sind. In dieser Art gemischt, ergeben sie eine andere Wirkung denn als Einzelbestandteile. So wie ein Orchester anders klingt als eine Violine allein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anthroposophische Arzneimittelschatz umfasst etwa 2000 Substanzen, Kombinationen und eine Vielzahl von Darreichungsformen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ampullen, Augentropfen, Dilutionen, Einreibungen (ölige), Emulsionen, flüssige Verdünnungen, Flüssigkeiten zur Inhalation, Flüssigkeiten zur äußeren Anwendung, Gelate, Globuli, Granulate, Injektionen, Kapseln, Lotionen, Metallspiegelfolien, Mischungen, Nasentropfen (ölige), Öle, Pasten, Pflaster, Puder, Pulver, Salben (fettarm), Salben, Sirup, Tabletten, Tees, Tinkturen zum äußeren Gebrauch, Triturationen, Tropfen, Vaginalglobuli, Vaginaltabletten, Verdünnungen (wässrige), Zäpfchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Der Mensch als umgekehrte Pflanze&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aus anthroposophischer Sicht gleicht der Mensch einer umgekehrten Pflanze:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* So wie der Mensch seine Nahrung – in Form von Nahrungsmitteln, aber auch als „seelische“ oder „geistige“ Nahrung in Form von Gedanken, Worten, Tatsachen aus Kunst und Wissenschaft, über den Kopf – aufnimmt, so versorgt sich die Pflanze über ihre Wurzeln mit den nötigen Nährstoffen.&lt;br /&gt;
* Umgekehrt verhält es sich mit der Fortpflanzungsregion. Diese ist bei der Pflanze oben, Luft und Licht gegenüber geöffnet, wohingegen sie beim Menschen nach unten und innen gelagert ist, zur Erde hin.&lt;br /&gt;
* Beiden gemeinsam ist, dass in der Mitte – bei der Pflanze über die Blätter, beim Menschen über die rhythmischen Funktionen von Atmung und Kreislauf – der Gasaustausch stattfindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Umgekehrte Wirkung der Pflanze auf den Menschen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
So wirken die Anwendungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* von &#039;&#039;Wurzeln&#039;&#039; unterstützend und heilend bei Erkrankungen der &#039;&#039;Kopf- und Nerven-Sinnesorganisation&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* Teeabkochungen und -zubereitungen aus &#039;&#039;Blättern&#039;&#039; bei Störungen der &#039;&#039;rhythmischen Funktionen&#039;&#039; (insbesondere von Herz und Lunge),&lt;br /&gt;
* Zubereitungen aus &#039;&#039;Früchten&#039;&#039; bei &#039;&#039;Stoffwechsel- und Verdauungsstörungen&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entsprechendes gilt für die Ernährung. Wer darauf achtet, dass der Anteil von Wurzeln, Blattgemüse, Früchten und Samen ausgewogen ist, sorgt für eine an den Bedürfnissen des ganzen Körpers orientierte Ernährung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim therapeutischen Einsatz von mineralischen, pflanzlichen und tierischen Substanzen gilt es, „die Weltaufgabe dieser Substanzen zu verstehen“. Steiner regte an zu erforschen, welche Aufgabe ein bestimmtes chemisches Element oder eine Stoffkombination wie Wasser, Salz, Asche, Gerbstoffe oder Pyrit im Haushalt der Natur innehat. Die Signatur dieser Aufgabe bzw. Tätigkeit sagt auch aus, welche Wirkung die betreffende Substanz im menschlichen Organismus entfalten kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Menschen als Mikrokosmos kennenzulernen im Kontext der großen Weltentwicklung mit ihren Prozessen und Stoffzusammenhängen – nach alter Tradition Makrokosmos genannt – ist der Schlüssel zum Verständnis der anthroposophischen Arzneitherapie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Artikel in der Deutschen Apothekerzeitung DAZ Nr. 39, 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Seiner und Ita Wegmann, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27, Dornach 1935.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ANTHROPOSOPHISCHE HEILMITTEL-ERKENNTNIS AM BEISPIEL VON ANTIMON ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welcher Blickwinkel ist grundlegend im Hinblick auf die anthroposophische Heilmittel-Erkenntnis?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern weist Antimon Ähnlichkeiten mit dem Ätherischen auf?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wird es, auch in Kombination mit Schwefel, therapeutisch eingesetzt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wirksamkeit von Substanzen im Kontext irdisch-menschlicher Kraftsysteme&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel XVI von &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039; geht es um anthroposophische Heilmittel-Erkenntnis. Die Grundlage davon ist der Blick auf das Verhalten bzw. die Wirksamkeit einer Substanz im Bereich der in Kapitel I geschilderten Kraftsysteme. Dabei geht es insbesondere um die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* von der Erde ausstrahlenden&lt;br /&gt;
* und in sie einstrahlenden Kräfte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„[...] es kommt darauf an, die Wirkungen zu beobachten, die sich aus dem Zusammenhange der inneren Kräftekonstitution einer Substanz im Verhältnis zu den Kräften ergeben, die von der Erde ausstrahlen oder in sie einstrahlen.“[2]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Antimon, Schwefel und die Austernschalenbildung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Diese Wirkungen werden am Beispiel des Antimons in seiner Beziehung zum Schwefel in Form des in der Natur vorkommenden Grauspießglanzes aufgezeigt (Sb2 S3, auch als Antimonit bzw. Stibnit bekannt), sowie an der Austernschalenbildung, die zum Verständnis der Typhusbehandlung beiträgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Antimon ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Antimon&#039;&#039; kam bereits in der ägyptischen Medizin zur Anwendung, nimmt bei Paracelsus eine zentrale Stellung ein und hat bis in die Gegenwart immer neue Einsatzmöglichkeiten erfahren. Chemisch ist es dem Arsen verwandt und eine Menge von 100 mg bis etwa 1200 mg kann bereits tödlich sein. Eine gute Übersicht über seine Verwendung – einschließlich in der Anthroposophischen Medizin – findet sich bei &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;Marxer[3]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039; Die Bezeichnungen Antimon und Stibium für das chemische Symbol Sb stammen von den lateinischen Wörtern &#039;&#039;antimonium&#039;&#039; und &#039;&#039;stibium&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt; ab, die schon im Altertum für den Grauspießglanz verwendet wurden.[4]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Schwefel ====&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ Schwefel ist eines der seltenen Minerale, die in kristallisierten polymorphen Formen in der Natur rein vorkommen und in der Struktur der orthorhombischen Raumgruppe Fddd die typisch gelbe α-Kristallform zeigen. Schwefel steht mit einem Anteil von geschätzt 0,048 Gew.-% an 15. Stelle unter den häufigsten Elementen der uns bekannten Erdkruste. Er wurde in Kometenschweifen nachgewiesen, ist auf der Erde zum einen vulkanischen Ursprungs und stammt zum anderen aus der Biosphäre von Bakterien, die aus schwefelhaltigen Mineralien Schwefel aufnehmen und Sedimente bilden sowie von Pflanze, Tier und Mensch, da er im Eiweißaufbau durch die beiden schwefelhaltigen Aminosäuren &#039;&#039;Cystin&#039;&#039; und &#039;&#039;Methionin&#039;&#039; festgebunden ist. Durch seinen niedrigen Schmelzpunkt und seine Fähigkeit zu sublimieren, verbindet er sich leicht über Luft und Wasser mit anderen Substanzen und realisiert so den alle Reiche der Natur verbindenden Schwefelkreislauf.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;Symptomatisch dafür ist auch eine ungewöhnliche mechanische Eigenschaft der Grausspießglanz-Kristalle: Sie zeigen eine auch an größeren Kristallen bei geringem Kraftaufwand fühlbare Biegsamkeit. Diese beruht auf einer geregelten innerkristallinen Gleitung, wie sie auch beim Eis und beim Steinsalz vorliegt – Substanzen, die für alle Lebewesen essenziell sind.[5]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Austernschale ====&lt;br /&gt;
Die Austernschale ist als komplexes Kalkmineral schützendes Außenskelett der Auster und damit ein Mineral, ausgeschieden aus dem Lebensprozess eines Tieres bzw. einer Muschel. In ihrer therapeutischen Verwendung ist sie insbesondere in der Homöopathie bekannt mit dem Arzneimittelbild &#039;&#039;Calcium carbonicum&#039;&#039;. Sie wird zu den Vielkönnern oder Polychresten gezählt (von gr: πολύς - viel und χρηστός  - brauchbar).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Hinweise auf die Verwandtschaft von Antimon mit dem Ätherischen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Zusammenwirken von Zentral- und Universalkräften ====&lt;br /&gt;
Dadurch, dass das Antimon sich leicht und stabil mit dem Schwefel zu den orthorhombisch geformten Grauspießglanz/Antimonit-Kristallen verbindet, kann es die Neigung des Schwefels, in der Welt des Lebendigen aktiv zu werden und dadurch auch im Sinne der auf die Erde einstrahlenden ätherischen Kräfte zu wirken, unterstützen. Unter diesem Aspekt ist die Art und Weise, wie das Antimon in seiner Verbindung mit dem Schwefel kristallisiert, charakteristisch. Es kristallisiert in prismatisch-nadeligen grauschwarzen Kristallen, von feinst ziseliert bis zentimeterstark, immer von einem Zentrum weg – wenn der Kristallisationsprozess nicht durch äußere Umstände gestört wird. Dabei erstrecken sich die Antimonit-Nadeln radial in die Peripherie, wobei die Länge der Kristalle durchaus auch 1 m überschreiten kann. Wo er nur kann, strebt Antimonit die büschelförmige Gestaltung an. Er gliedert sich damit in Linien, die von der Erde weg- und den Kräften entgegenstreben, die im Äther wirken. Durch diese Kristallisationsweise bringt das Antimon das Zusammenwirken der Zentral- und der Universalkräfte wie archetypisch zum Ausdruck.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Man bringt mit dem Antimon somit etwas in den menschlichen Organismus, das der Wirkung des Ätherleibes auf halbem Wege entgegenkommt.[6] Antimon kann dadurch im Körper die eiweißbildenden Kräfte zusammenhalten und so die Tätigkeit der Ich-Organisation im Eiweißaufbau unterstützen.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Feinfaserigkeit durch Seigern ====&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Auch dasjenige, was im Seigerprozess mit dem Antimon vor sich geht, weist auf die Äther-Verwandtschaft dieses Stoffes hin. ‚Seigern‘ kommt von dem gegenwärtig nicht mehr oft gebrauchten Wort etwas z.B. durch ein Sieb ‚durchseien‘. Unter ‚Seigerungen‘ versteht man daher Trennprozesse in gemischtem Schmelzgut. Es wird durch diesen Prozess feinfaserig.[7]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Niedriger Schmelzpunkt ====&lt;br /&gt;
Da das Antimon bereits bei 547° schmilzt, fließt es auf schräger Unterlage leicht aus dem Antimon haltigen Schmelzgut heraus, wo es dann bei Abkühlung zu 92–98 % reinem &#039;&#039;antimonium crudum&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt; kristallisiert.[8] Der niedrige Schmelzpunkt von 547° zeigt zudem die Nähe dieser mineralischen Substanz zum flüssigen Aggregatzustand, in dem die ätherischen Kräfte ihre Wirkung entfalten können.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor diesem Hintergrund heißt es in dem oben erwähnten Werk:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Alles dieses zeigt, dass im Antimon die Tendenz enthalten ist, in das Ätherelement in dem Augenblick leicht überzugehen, in dem dazu die Bedingungen auch nur in geringem Grade vorhanden sind. Dem geistigen Schauen gelten alle diese Einzelheiten nur als Andeutungen; denn dieses nimmt die Beziehung zwischen Ich-Tätigkeit und Antimon-Wirksamkeit unmittelbar so wahr, dass die Antimonprozesse, in den menschlichen Organismus gebracht, so wirken, wie die Ich-Organisation.“[9]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zwei Indikationen als Beispiele für den Einsatz von Antimon&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aus dem breiten Spektrum der therapeutischen Einsatzmöglichkeiten werden nun zwei Indikationsgebiete an die Schilderung des Arzneimittelbildes angeschlossen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;&#039;Blutgerinnungsstörungen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
# und &#039;&#039;&#039;Typhus abdominalis/Parathyphus&#039;&#039;&#039;, eine gefährliche bakterielle Infektionskrankheit des Magen-Darmtraktes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während eine Therapie mit &#039;&#039;Antimon&#039;&#039; oder &#039;&#039;Stibium metallicum praep.&#039;&#039; bei Blutungsneigung aus der Darstellung des Arzneimittelbildes unmittelbar hervorgeht, ist dies für den Thyphus nicht so ohne weiteres ersichtlich – zumal dieser ja heute erfolgreich antibiotisch behandelt werden kann (Sterblichkeitsrate unter 1 &amp;lt;nowiki&amp;gt;%) und die Impfung bei Einreise in betroffene Gebiete empfohlen wird.[10]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;Arzneimittelbild der Austernschale und Typhus&#039;&#039;] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was macht also eine Begleitbehandlung oder Alternativbehandlung zur Vermeidung des Einsatzes von Antibiotika sinnvoll?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um dies zu verstehen, braucht es – wie oben bereits angedeutet – zum Vergleich das Arzneimittelbild der Austernschale. Hier liegt ein Naturprozess vor, der etwas vollzieht, was für die Muschel richtig ist, für den Menschen aber zur Ursache typhöser Durchfall-Erkrankungen werden kann. Die Auster sondert in ihre Schale das kalkartig Mineralische ab:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Bei der Auster wird das Kalkartige abgesondert, um es der Eiweißwirkung nicht einzugliedern. Im menschlichen Organismus muss diese Eingliederung stattfinden. Die bloße Eiweißwirkung muss in eine solche umgewandelt werden, in der mitwirkt, was im Kalkartigen durch die Ich-Organisation an gestaltenden Kräften hervorgerufen werden kann. Das muss sich innerhalb der Blutbildung abspielen. Das Antimon wirkt der kalkausscheidenden Kraft entgegen und führt das Eiweiß, das seine Form bewahren will, durch seine Verwandtschaft mit dem Äther-Elemente in die Formlosigkeit hinüber, die für die Einflüsse des Kalkartigen oder Ähnlichem empfänglich ist.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;Beim Typhus ist es klar, dass der krankhafte Zustand in einer mangelnden Überführung der Eiweißsubstanz in gestaltungsfähige Blutsubstanz besteht. Die Form der Diarrhöen, die auftritt, zeigt, dass schon im Darm die Unfähigkeit zu dieser Umwandlung beginnt.“[11]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Heilung der konstitutionellen Dysfunktionalität&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[12]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039; heißt es&#039;&#039;,&#039;&#039; dass die Abwehrstoffe und Killerzellen eines guten Immunsystems im Blut zirkulieren, welches wiederum &#039;&#039;das&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt; Organ der Ich-Organisation ist.[13] Kann nun mithilfe einer Konstitutionsbehandlung, z.B. mit einem Antimonpräparat, und je nach Situation auch noch kombiniert mit anderen Heilmitteln, die Ich-Organisation und damit ihr Einfluss auf die Gestaltungskräfte im Blut gestärkt werden, so werden die Bakterien nicht nur beseitigt, wie es über eine antibiotische Therapie geschieht, sondern zugleich das Milieu saniert und damit künftigen Infektionen vorgebeugt. Das entspräche einer integrativen Therapie, die sich nicht nur auf die Beseitigung der Symptome konzentriert, sondern auf die Heilung der konstitutionellen Dysfunktionalität.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dem erwähnten Werk schreiben die Autoren: &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Wendet man bei typhösen Erscheinungen Antimonpräparate in entsprechender Zusammensetzung an, so erweisen sich diese als Heilmittel. Sie entkleiden die Eiweißsubstanz ihrer Eigenkräfte und machen sie geneigt, den Gestaltungskräften der Ich-Organisation sich einzufügen.“[14]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbstverständlich hat der primäre Fokus auf die Symptombeseitigung überall da seine Berechtigung, wo sie Leben rettet, weil die Abwehrkräfte des Körpers zu schwach sind für die notwendige Selbstregulation. Wo diese Möglichkeit jedoch gegeben ist, kann differenzierter vorgegangen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Wer Exaktheit nur in dem sieht, was die Chemie – auch die pharmazeutische – feststellt, der vernichtet die Möglichkeit, Anschauungen darüber zu gewinnen, was im Organismus bei Heilungsvorgängen geschieht.“[15]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[16]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----&amp;lt;nowiki&amp;gt;[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[2] Ebenda, S. 77.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[3] Vgl. Marxer (2000), siehe www.pharmazeutische-zeitung.de/titel-10- 2000; [6.1.2025].&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[4] Vgl. Holleman und Wiberg (2017), 940.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[5] Vgl. Wimmenauer (1992), 223.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[6] Siehe FN 1, S. 78.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[7] Ebenda.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[8] Vgl. Holleman und Wiberg (2017), 942.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[9] Siehe FN 1, S. 78f.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[10] Typhus ist weltweit verbreitet – besonders in warmen Ländern. Er wird durch kontaminierte Lebensmittel bzw. Trinkwasser übertragen und ist eine schwere Allgemeinerkrankung, die durch das Bakterium Salmonella typhi ausgelöst wird. Als Paratyphus bezeichnet man ein abgeschwächtes Krankheitsbild, dessen Erreger Salmonella Paratyphi A, B oder C ist. Übertragen wird die Infektion durch Trinkwasser oder Lebensmittel, die mit Fäkalien von infizierten Personen verunreinigt wurden. Leitsymptome sind hohes Fieber, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, langsamer Puls, trockener Husten, Bauchschmerzen, Milzvergrößerung und manchmal ein blasser, kleinfleckiger Ausschlag am Körper. Ein milder Verlauf ist möglich, doch manchmal kommt es zu schweren Komplikationen wie massiven Darmblutungen oder Abszessen in verschiedenen Organen. Durch den Einsatz von Antibiotika kann die Sterblichkeit auf unter 1% gesenkt werden. In Deutschland ist die Krankheit meldepflichtig – dem Bundesamt für Gesundheit werden pro Jahr zwischen 20 und 50 Fälle gemeldet. Wichtigste Mittel zur Vorbeugung sind Körperhygiene und Verzicht auf frische Salate und ungeschältes Obst – nach dem Ernährungsmotto: Cook it, peel it or forget it. Siehe www.bag.admin.ch/bag/de/home/krankheiten/krankheiten-im-ueberblick/typhus-abdominalis-paratyphus.html; [6.1.2025].&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[11] Siehe FN 1, S. 80.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[12] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“, GA 27.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[13] Siehe FN 3, Kapitel VI.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[14] Siehe FN 3, S. 80.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[15] Ebenda, S. 81.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[16] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ARZNEIMITTEL-SUBSTANZGRUPPEN UND WESENSGLIEDER ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Auf welchen Ebenen und worüber ist der Mensch mit der Natur innig verbunden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Naturanteile machen seine Konstitution aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wesensglieder und ihre Einbettung in die Natur&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Physischer Leib und Natur ====&lt;br /&gt;
Schon ein oberflächlicher Blick auf die Verbundenheit von Natur und Mensch zeigt, wie der Mensch die kristallinen Strukturen seines Körpers mit den Mineralien der ihn umgebenden Natur gemeinsam hat. Dieser sichtbare, mineralisch erscheinende Leib wird in der anthroposophischen Menschenkunde „Physischer Leib“ genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ätherleib und Natur] ====&lt;br /&gt;
Werden und Vergehen, Leben und Sterben hat der Mensch mit der Pflanzenwelt gemeinsam. Diese Gesetzmäßigkeiten in ihrem Zusammenhang nennt Steiner „Ätherleib“, weil ohne das blaue Himmelslicht (griechisch o aither) kein Leben auf der Erde möglich wäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Astralleib und Natur] ====&lt;br /&gt;
Atmung, Bewegung, Bewusstsein, Schmerz und Triebleben hat der Mensch mit den Tieren gemeinsam. Diese das Seelenleben konstituierenden Gesetze heißen in ihrer Gesamtheit „Astralleib“ von aster, lateinisch Stern. Die menschliche Seele fühlt sich der Sternenwelt mit ihren Rhythmen und Konstellationen verwandt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Rein menschliche Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Die Fähigkeit jedoch, lebenslang lernen und immer wieder neu und anders kulturschöpferisch tätig sein zu können, ist spezifisch menschlich. Daher gibt Steiner diesem die „Ich-Natur“ des Menschen möglich machenden Gesetzes-Zusammenhang den Namen „Ich-Organisation“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Da der Mensch durch diese vier verschiedenen Gesetzes-Zusammenhänge sein Wesen sowohl integriert als auch differenziert äußern kann, gab Steiner ihnen den Namen „Wesensglieder“.[1]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Arzneimittelwirkung auf die Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Substanzgruppen aus dem Mineral-, Pflanzen-, Tier- und Menschenreich haben einen therapeutischen Bezug zu diesen Wesensgliedern:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Menschliche Substanz wie Muttermilch und in Form einer Blutspende stützt und erhält den physischen Leib.&lt;br /&gt;
* Präparate aus dem Tierreich regen den Ätherleib zu verstärkter Tätigkeit an,&lt;br /&gt;
* pflanzliche Arzneimittel wirken regulierend auf den Astralleib&lt;br /&gt;
* und Metalle und Mineralien auf die Ich-Organisation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Potenzierungsstufen und Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Auch die Potenzierungsstufen der nach homöopathischem Verfahren hergestellten Arzneimittel haben ihren Bezug zu den Wesensgliedern:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D1 – D4:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;physischen Organismus&#039;&#039; und seines Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D5 – D8:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;ätherischen Organismus&#039;&#039; und seines Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D10 – D15:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;astralischen Organismus&#039;&#039; und seines Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D20 – D60:&#039;&#039;&#039; Anregung der &#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039; und ihres Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Bezug auf die Dreigliederung des menschlichen Organismus gilt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D1 – D6:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;Stoffwechsel-Systems&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D6 – D18:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;rhythmischen Systems&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D18 – D30:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;Nerven-Sinnessystems&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Der Arzneimittelschatz der Anthroposophischen Medizin umfasst dementsprechend Ausgangssubstanzen mineralischer, pflanzlicher und tierischer Herkunft, die nach besonderen Verfahren vor allem von den Arzneimittelfirmen Weleda und Wala hergestellt werden.[2] In Deutschland wurden sie aufgrund des Arzneimittelgesetzes von 1976 in der vom Bundesgesundheitsamt – später Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) – eingerichteten Kommission C für die Zulassung aufbereitet. Ein Teil dieser regulativ wirksamen Arzneimittel ist sehr gut für die Selbstmedikation geeignet.[3]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Artikel in der Deutschen Apothekerzeitung DAZ Nr. 39, 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----&amp;lt;nowiki&amp;gt;[1] Rudolf Steiner, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Theosophie, Einführung in übersinnliche Welterkenntnis und Menschenbestimmung,&#039;&#039; 2003 und ders. &#039;&#039;Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft&#039;&#039;. In: &#039;&#039;Lucifer-Gnosis&#039;&#039;. GA 34. Dornach 1987, 309-344.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[2] International Association of Anthroposophic Pharmacists IAAP. ­Anthroposophic Pharmaceutical Codex. Stuttgart, 2014.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[3] M. Glöckler, B. Emde, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Anthroposophische Medizin&#039;&#039;, in: &#039;&#039;Komplementärmedizin für die Kitteltasche. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation&#039;&#039;, Stuttgart 2009 und ders.: &#039;&#039;Anthroposophische Medizin&#039;&#039;, in: &#039;&#039;Komplementärmedizin für Kinder. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation&#039;&#039;, Stuttgart 2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ARZNEIMITTEL AUS DER NATUR UND WESENSGLIEDER ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen inneren Zusammenhang sieht die anthroposophische Pharmazeutik zwischen Arzneimitteln aus der Natur und den menschlichen Wesensgliedern?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Qualitäten zeichnen die Muttermilch aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern sind Schwangerschaft und Stillzeit Naturvorbilder auch für zukünftige Entwicklungsstadien?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Korrelation von Arzneimitteln und Wesensgliedern&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;In der Anthroposophischen Pharmazeutik sieht man eine grundlegende Korrelation von Arzneimitteln aus der Natur und den menschlichen Wesensgliedern:[1]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So haben &#039;&#039;&#039;Mineralien&#039;&#039;&#039; eine unmittelbare Beziehung zur &#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;: Sie unterstützen die Ich-Organisation bei der Beherrschung der physischen Verhältnisse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Heilmittel aus dem Pflanzenreich&#039;&#039;&#039; auf die &#039;&#039;astralische Organisation&#039;&#039;: Die astralische Organisation wirkt lähmend auf die ätherische – pflanzliche Arzneimittel können regulierend auf diese lähmende Wirkung Einfluss nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Organpräparate&#039;&#039;&#039; und tierische Arzneimittel auf die &#039;&#039;ätherische Organisation:&#039;&#039; Diese hat die Aufgabe, physisch-tierische Substanzen in den Lebenszusammenhang aufzunehmen, was durch astralische Impulse angeregt werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Menschliche Substanz&#039;&#039;&#039; (wie Blutkonserven und Muttermilch) wirkt unmittelbar auf den &#039;&#039;physischen Leib,&#039;&#039; sodass sich die anderen Wesensglieder wieder besser einschalten und betätigen können. Anders ausgedrückt: Menschliche Substanz steht der Ich-Organisation unmittelbar für ihre Aufgabe zur Verfügung, das Ganze des Organismus bis in das Physische hinein zu beherrschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Was Muttermilch vermag&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Studiert man die Besonderheiten rund um die Bildung von Muttermilch, so verrät dies viel über die innige Bindung zwischen Mutter und Kind durch alle vier Wesensglieder hindurch:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die Muttermilch ist nach dem aktuellen Bedürfnis des Säuglings zusammengesetzt und variiert so auch von Tag zu Tag;&lt;br /&gt;
* Stillen fördert die Rückbildung der Gebärmutter;&lt;br /&gt;
* gestillte Kinder haben weniger Infekte und überstehen sie leichter, weil die Muttermilch wichtige Abwehrstoffe der Mutter enthält;&lt;br /&gt;
* ausschließliches Stillen in den ersten sechs Monaten kann das Kind vor Allergien und Asthma schützen;&lt;br /&gt;
* Wachstum und Beweglichkeit von Magen und Darm werden unmittelbar angeregt;&lt;br /&gt;
* die Zusammensetzung der Muttermilch mit Bezug auf Kohlenhydrate, Fette, Eiweißgehalt und Mineralstoffe ist zugleich ein ‚Naturvorbild‘ für eine gesunde Ernährung;&lt;br /&gt;
* die Immuntoleranz, d.h. die Selbstregulation des Immunsystems entwickelt sich bei gestillten Säuglingen nachhaltig besser.&lt;br /&gt;
* &amp;lt;nowiki&amp;gt;Durch Stillen wird das Risiko des plötzlichen Kindstodes um ca. die Hälfte gesenkt und vieles mehr.[2]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Formelmilch gefütterte Säuglinge haben eine deutlich höhere Insulinkonzentration im Plasma, was mit der Entwicklung von Adipositas und einer möglichen Zunahme von Diabetes mellitus Typ 2 im Zusammenhang steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Abnabelungsstadien und physisch-seelisch-geistige Muttermilch&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Nach der &#039;&#039;&#039;physischen Abnabelung&#039;&#039;&#039; vom physischen Leib der Mutter als der ernährenden Umgebung während der Schwangerschaft, folgt die Stillperiode.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann folgt die langsame &#039;&#039;&#039;ätherische Abnabelung&#039;&#039;&#039; und das Sich-Emanzipieren auf ätherischer Ebene, das mit dem Ende der Nachahmungsperiode ausklingt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;&#039;seelisch-astralische Abnabelung&#039;&#039;&#039; findet im 2. Jahrsiebt statt und kulminiert mit der Pubertät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Arbeit des Ich jedoch an der Überwindung von allen möglichen Abhängigkeiten, die seine Autonomiebefähigung einschränken, stellt eine Art &#039;&#039;&#039;geistige Abnabelung&#039;&#039;&#039; dar. Diese zu bewerkstelligen bleibt eine lebenslange Herausforderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Rudolf Steiner spricht im pädagogischen Zusammenhang wiederholt über die Bedeutung der physischen Muttermilch für den gesunden Aufbau des physischen Leibes und die damit verbundene Stärkung der Ich-Organisation des Kindes. Für die Unterstützung der oben genannten weiteren Abnabelungsprozesse im Verlaufe der Schulzeit und Jugend, braucht es die ‚seelische‘ und zuletzt ‚geistige‘ Muttermilch, die dem Menschen in Form einer nährenden Entwicklungsumgebung und verständigen Entwicklungshelfern zukommen müssen.[3]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fallen solch hilfreiche Faktoren und Entwicklungsbegleiter weg oder können nur eingeschränkt wirken, ist dies oft mit körperlichen und oder seelischen gesundheitlichen Belastungen im weiteren Leben verbunden. Diesen so weit als möglich vorzubeugen, ist der Präventionsanspruch Anthroposophischer Medizin und Pädagogik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[4]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----&amp;lt;nowiki&amp;gt;[1] Warum das so ist, geht aus den Kapiteln I bis V aus &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27,&#039;&#039; hervor, in denen die Autoren, Rudolf Steiner und Ita Wegman, die Arbeit der Wesensglieder an den Substanzströmen schildern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[2] Vgl. Soldner und Stellmann (2018), 220–238; Glöckler u. a. (2024b), 372–392.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[3] Rudolf Steiner, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik,&#039;&#039; GA 293, Vortrag 2. September 1919.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[4] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== METALLE IN STOFFWECHSEL UND ANTHROPOSOPHISCHER THERAPIE ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen inneren Bezug haben die Metalle zum Menschen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielen sie beim menschlichen Stoffwechsel?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worauf kommt es der Anthroposophischen Metalltherapie an?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Metalle, Planeten und Evolution&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ganz allgemein gilt, dass die Metalle Blei, Zinn, Eisen, Gold, Kupfer, Quecksilber und Silber in potenzierter Form in der anthroposophischen Therapierichtung eine zentrale Stellung einnehmen. Die Namen der Metalle haben in vielen Sprachen zudem einen engen Bezug zu den Planeten. Gemäß Rudolf Steiners geisteswissenschaftlicher Forschung hat die Entstehung der Metalle im Weltall und ihre Beziehung zu den Planeten und der Erde eine gemeinsame Geschichte mit der Entwicklung des Menschen im Verlaufe der Evolution.[1] So hat eine frühere Anschauung das Skelett und die Milz dem Saturn/Blei zugeordnet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* das &#039;&#039;&#039;Skelett&#039;&#039;&#039; als Organ der Mineralisierung &lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Milz&#039;&#039;&#039; als ein immunologisch und damit für die ,Grenzbildung‘ wichtiges Organ, in dem die abbaufähigen Erythrozyten erkannt in den hepatolienalen Kreislauf eingespeist werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Metalle im Menschen&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Folgenden möchte ich näher auf das Vorkommen der Metalle im Menschen und ihre Wirkung auf den menschlichen Stoffwechsel eingehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Eisen ====&lt;br /&gt;
Eisen ist ein zentral wichtiges Spurenelement, von dem etwa 2 bis 4 g im menschlichen Organismus nachweisbar sind – zwei Drittel davon sind im Blut an den roten Farbstoff Hämoglobin gebunden, etwa ein Drittel in Leber, Milz, Darmschleimhaut und Knochenmark gespeichert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kupfer ====&lt;br /&gt;
Der Kupfergehalt im menschlichen Organismus beträgt etwa 0, 3 g und findet sich in vielen lebenswichtigen Enzymen, wie z.B. im Plasmaprotein Coeruloplasmin oder in Gestalt der kupferabhängigen Cytochromoxidase, die bei der zellulären Sauerstoffverwertung eine entscheidende Rolle spielt. Andere Enzyme helfen bei der Vernetzung bindegewebiger Strukturen oder bei der Entgiftung freier Radikale. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Zinn ====&lt;br /&gt;
Ob Zinn zu den essenziellen Spurenelementen zählt, ist noch umstritten – es wird in der Liste der möglichen Spurenelemente aufgeführt und die WHO empfiehlt eine Aufnahme von 2 mg pro Tag. Einigermaßen gesichert ist die Beteiligung von Zinn-Ionen an der Bildung von Gastrin, einem die Magentätigkeit (Pepsinogenausschüttung, Aktivität der Muskulatur der Magenwand) beeinflussenden Dünndarm-Hormon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Gold ====&lt;br /&gt;
Spuren von Gold gehen im Körper keinerlei Verbindungen ein und sind unschädlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Quecksilber, Silber und Blei ====&lt;br /&gt;
Quecksilber, Silber und Blei hingegen gelten als Gifte, auch wenn Spuren umweltbedingt über Wasser und Nahrung vom Organismus aufgenommen, abgelagert und ausgeschieden werden können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Blei in der Anthroposophischen Metalltherapie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Auch aufgrund ihrer evolutionären Beziehung zum Menschen haben die Metalle eine wichtige Stellung in der Therapie.[2] In der Anthroposophischen Metalltherapie kommt es primär auf die Prozesswirkung der Metalle an zur Anregung der zugehörigen Organtätigkeiten oder aber, wie beim Blei, auf den Prozess der Überwindung des Bleiprozesses im menschlichen Organismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stofflich aufgenommen wäre Blei ein Gift, in feiner homöopathischer Dosierung hingegen regt es den Organismus an, den sklerotisierenden Bleiprozess zu überwinden. Das Blei bildet im periodischen System der Elemente den Abschluss, bevor dann die folgenden Elemente solche sind, die radioaktive Zerfallserscheinungen zeigen. In Blei kommt das Substanzwirken so gesehen an ein Ende, es entspricht dem Todesprozess, den die Ich-Organisation braucht, damit die Substanzen nach dem Durchgang durch den mineralischen Nullpunkt in den Lebens- und Arbeitszusammenhang des von der Ich-Organisation beherrschten Organismus aufgenommen werden können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[3]&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Der übersinnliche Mensch, anthroposophisch erfaßt,&#039;&#039; GA 231; &#039;&#039;Eine okkulte Physiologie,&#039;&#039; GA 128.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ALLGEMEINES ZU DEN TYPISCHEN HEILMITTELN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was verstehen Rudolf Steiner und Ita Wegman unter typischen Heilmitteln?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie verhalten sie sich im Vergleich zu den üblichen Symptome bekämpfenden Medikamenten?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist das Neue daran?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Bestimmte Kompositionen von Arzneimitteln&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel XX von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; heißt es: &#039;&#039;„[…] und wenn Typisches im Krankheitszustande in Betracht kommt, so stellt unser Heilmittel dasjenige dar, was im Sinne der Schilderung unseres Buches zur Therapie führen muss. Von diesem Gesichtspunkte aus sollen einige unserer Heilmittel beschrieben werden.“[2]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese &#039;&#039;„Typischen Heilmittel“[3]&#039;&#039; haben mit der Heileurythmie gemeinsam, dass hier bestimmte Kompositionen von Arzneimitteln einem bestimmten typischen Krankheitsbild angepasst sind – so wie man in der Heileurythmie eine bestimmte Lautfolge dem Krankheitsprozess anpasst. &#039;&#039;Otto Wolff&#039;&#039; hat dies wiederholt in seinen schriftlichen und mündlich vorgetragenen Ausführungen zu diesen Kompositions-Präparaten so auf den Punkt gebracht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„&#039;&#039;Diese mögen äußerlich wie Mischungen aussehen, ihnen liegt aber eine Konzeption zugrunde, die nicht von speziellen Krankheiten, sondern von Grundprozessen des Menschen oder einzelner Organe ausgeht. Sie sind deshalb nicht gegen eine Krankheit gerichtet, sondern sprechen ein Organ urbildhaft in seinen Funktionen an. Man kann diesen Arzneimittel-Typus als Urheilmittel ansprechen. So bilden Heilmittel wie Cardiodoron, Kephalodoron (Biodoron), Hepatodoron, Digestodoron u.a. in sich jeweils ein Ganzes. Dabei wird gerade eine gewisse Gegensätzlichkeit von Pflanzen (z.B. im Cardiodoron, Hepatodoron) bzw. der Mineralien Schwefel und Kiesel (im Kephalodoron) durch einen pharmazeutischen Prozess oder eine Substanz (Eisen beim Kephalodoron) ins Gleichgewicht gebracht und zu einer höheren Einheit verbunden. Dadurch erst kann Kephalodoron ein Abbild des dreigliedrigen Menschen sein und eine harmonisierende Wirkung auf den Funktionszusammenhang seiner Funktionssysteme (Nerven-Sinnes-System, rhythmisches und Stoffwechselsystem) ausüben. Entsprechendes könnte auch für andere ‚Heilmittel für typische Krankheiten‘ ausgeführt werden, bei denen es sich zumeist darum handelt, durch harmonisierende Anregungen Gleichgewichtszustände aus ungleichmäßigem Zusammenwirken von Kräften der übersinnlichen Wesensglieder wiederherzustellen. Das Heilende ist im Grunde genommen der menschliche Organismus, d.h. der Ätherleib selber, wenn es gelingt, die entsprechenden Anregungen wirksam werden zu lassen.“[4]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ein neuer Behandlungsansatz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das ist insofern ein neuer Behandlungsansatz, als es dem symptomorientierten Therapieansatz, der sich unmittelbar gegen das betreffende Symptom richtet in Form von Antipyretika, Antihistaminika, Antibiotika, Antidepressiva etc. etwas an die Seite stellt, das unmittelbar die ordnende Kraft der Ich-Organisation und die gesundende Aufbauleistung der ätherischen Organisation anspricht. Dabei steht nicht die Symptombeseitigung im Vordergrund, sondern die Regulierung von den Prozessen, die die Symptome hervorgebracht haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer also erwartet, dass z.B. eine Tablette Kephalodoron unmittelbar den Kopfschmerz beseitigt, wie man das von einer Gabe Ibuprofen erwarten kann, sieht sich getäuscht. Nimmt er aber das Migränemittel im gesunden Intervall über längere Zeit, werden die Anfälle milder und merklich seltener werden und können bei günstigem Verlauf auch sistieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[5]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ebenda, S. 115.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Vgl. Wolff (1984), 65–73 und (2013); Basold u. a. (1995).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] F. Husemann und Wolff (1993–2003), S. 244.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DAS HEILMITTEL SKLERON/SCLERON GEGEN ARTERIOSKLEROSE ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Woraus setzt sich dieses Heilmittel zusammen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wirken seine einzelnen Bestandteile?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie hängen unsere Gestalt und unsere Organe mit dem Tierkreis und den Planeten zusammen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Rudolf Steiner zur Komposition von Skleron&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Komposition dieses Arzneimittels besteht aus potenziertem (D 12) metallischem Blei, Honig und Zucker. Alle drei Substanzen haben eine direkte Beziehung zur Ich-Organisation: &#039;&#039;„Blei wirkt wie die Ich-Organisation, nicht wie der Astralleib, abbauend. Der Honig überträgt die abbauende Wirkung des Astralleibes auf die Ich-Organisation. Und der Zucker versetzt die Ich-Organisation in die Lage, ihre spezifische Aufgabe zu erfüllen.“[1]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem Vortrag vom 16. November 1923[2] geht Rudolf Steiner ausführlich auf das Skleron und seine drei Bestandteile ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Blei ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Was in uns – wenn ich mich jetzt psychologisch ausdrücken darf –, aus der Wahrnehmung die Vorstellung macht mit Hilfe der menschlichen Organisation, das ist ein Vorgang im Inneren der Nerven-Sinnesorganisation, der jenen Vorgängen entspricht, die wir draußen im Blei finden. Daher können wir sagen: Wenn das, was durch das Auge in der Wahrnehmung aufgefaßt wird, nun weiter zurückgeht in das Nerven-Sinnessystem, dann muß ihm entgegenkommen ein Prozeß, der gleich ist dem Bleiprozeß. Nur dadurch kann der Mensch das, was er wahrnimmt, auch denken. Dadurch wird das Gehirn ein Denkorgan; sonst würde es auch ein Wahrnehmungsorgan sein. Auf diese Weise wird der Mensch verselbständigt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Damit habe ich hingedeutet auf etwas, was in der Kopforganisation charakteristisch ist. Ich sagte also: dasselbe, was sich draußen im Bleiprozeß abspielt, müsse sich in der Kopforganisation abspielen, damit der Denkprozeß im Menschen zustande kommen kann.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Nehmen wir nun einmal die Bleifunktion und bringen wir sie nun nicht in die Nervenorganisation – wenn der Mensch geboren wird, ist das Blei von der Natur selber da, ist die Bleifunktion da, ohne daß die Substanz des Bleies nachgewiesen werden kann –, sondern bringen wir die Bleifunktion jetzt in die Verdauungsorganisation und in das Weitere hinein; dafür sorgt schon das Leben, zum Beispiel manchmal bei den Bleivergiftungen. Wenn Sie nun beobachten in allen Erscheinungen, was das Blei im Stoffwechsel-Gliedmaßenmenschen bewirkt, so bekommen Sie ein Bild, das sich zwar in verschiedenen einzelnen Symptomen darstellt, das aber eigentlich doch am charakteristischsten zusammengefaßt wird etwa in dem Symptomkomplex von Dementia senilis oder der Arteriosclerosis cerebralis: Sie bekommen dann das Bild des im Alter zerfallenden menschlichen Organismus. Das heißt mit anderen Worten: Wenn ich denselben Prozeß, der mir im Gehirn meine Selbständigkeit als organisches Wesen sichert, auf den anderen Pol des Menschen in Anwendung bringe, auf das Verdauungssystem und auf das damit im Zusammenhange stehende Gliedmaßensystem, dann bekomme ich ein Krankheitsbild; was also im Stoffwechsel-Gliedmaßensystem ein Krankheitsprozeß ist, das ist für den Nerven-Sinnesmenschen eine notwendige organische Funktion. Wenn ich also die Sklerose als ein langsames Sterben auffasse, so muß ich auch sagen: in einer gewissen abgeschwächten Form muß sie fortwährend im Haupte des Menschen funktionieren, dort ist sie der normale Zustand.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;So also sind die drei Glieder der menschlichen Wesenheit voneinander verschieden: was in dem einen Glied, in der Nerven-Sinnesorganisation, der normale Zustand ist, das ist in dem anderen Gliede des menschlichen Organismus eine Krankheitserscheinung. Aber ich habe schon gestern gesagt: Wie müssen wir uns nun zur Therapie stellen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wir müssen das, was den Krankheitsprozeß ausmacht, und was astralischer Leib und Ich-Organisation versorgen müssen, wenn eben der Krankheitsprozeß ungestört wuchern kann, das müssen wir dem astralischen Leibe und der Ich-Organisation abnehmen. Was müssen wir also tun, wenn wir die Sklerose haben? Wir müssen uns ihr so nähern, daß wir dem menschlichen astralischen Leibe für das Verdauungs-Gliedmaßensystem das abnehmen, was er mit dem alternden, zerfallenden, sklerotisch werdenden Leibe zu tun hat. Und das können wir, wenn wir es dem Blei übergeben, dem Blei in einer gewissen Dosierung. Und dies hat dazu geführt, daß wir zu einem solchen Heilmittel gekommen sind, wie Sie es in unserem Verzeichnis als Heilmittel Nummer I angeführt finden, als das Heilmittel gegen Arteriosklerose. Es ist also von vornherein durch wirkliche Menschenerkenntnis klar, daß man durch die in entsprechender Weise in den Menschen hineingebrachte Bleifunktion substantiell der Sklerose beikommen kann; nur muß man jetzt das Blei zur Wirksamkeit bringen. Es ist nicht ohne weiteres gesagt, daß ich das Blei, wenn ich es in den Organismus eingeführt habe, damit auch wirklich zur Wirksamkeit gebracht habe. Da helfen einem dann die weiteren Glieder einer wirklichen Menschenerkenntnis.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Da hilft es einem dann, daß man im menschlichen Organismus unterscheiden kann die aufbauenden und die abbauenden Kräfte. Die letzteren sind zum Beispiel gerade in der Sklerose tätig, wo der menschliche Organismus zerfällt. Im Haupte, im Gehirn zerfällt fortwährend der menschliche Organismus, denn das Gehirn ist immerfort von einer leisen Sklerose erfüllt; das liegt in seiner Organisation. […]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Honig ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wir brauchen auch noch, wenn wir uralt geworden sind, plastisch wirkende Kräfte, Bildekräfte, die die Nahrung, die wir aufnehmen, überführen in die Formen des Organismus. Nun stellt sich heraus: Daß nichts mehr fördert diese plastisch wirkenden, diese Bildekräfte, daß nichts mehr fördert die Anähnlichung der aufgenommenen Stoffe an den menschlichen Organismus als ein oftmals recht schwacher Honiggenuß. Honig wirkt in der Tat auf den altgewordenen Menschen im Stoffwechsel-Gliedmaßenorganismus ganz ähnlich, wie für den Gehirnorganismus des Kindes – und besonders des Kindes – die Milch wirkt. Das weist uns darauf hin, daß im Honig eben besondere Bildekräfte sind, die wir nicht dadurch auffinden, daß wir den Honig einfach chemisch analysieren, sondern die wir nur finden, wenn wir tatsächlich in aller Lebendigkeit die Beziehungen erkennen, die der Mensch hat zu den übrigen Substanzen im Weltall. Und diese Bildefähigkeit des Honigs – denn für eine genauere Interpretation stellt sich heraus, daß der Honig den menschlichen Organismus so ergreift, daß vorzugsweise der astralische Leib seine Bildekräfte ausüben kann […].&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Zucker ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;[…] diese Wirkungen des Honigs kann man dann unterstützen durch einen Zusatz von Zucker, vorausgesetzt, daß der menschliche Organismus das sonst verträgt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Daher finden Sie, daß – in einer besonderen Weise ineinandergefügt, funktional ineinandergefügt – unser erstes Heilmittel gegen Sklerose ein Präparat darstellt aus Blei, Honig und Zucker. […] Dieses Präparat ist also so hergestellt, daß es, wenn es in den menschlichen Organismus eingeführt wird, dort übernimmt die sklerotisierenden Kräfte. Es nimmt die sklerotisierenden Kräfte dem astralischen Leib und der Ich-Organisation des Menschen ab; die werden dadurch wieder frei und können nun für die normale, gesunde Organisation des Menschen wirken. Was ich aber mit diesem Präparat in den menschlichen Organismus einführe, das ist das, was früher Ich und astralischer Leib tun mußten, die daher nicht frei waren und ihre Funktionen ableiteten auf den Krankheitsvorgang. Jetzt übergebe ich den Krankheitsvorgang meinem Präparat. Das besonders Wirksame ist dabei das Blei; es übernimmt die Sklerotisierung, denn es ist ja seine eigene Natur, sklerotisierend zu wirken. Aber ich muß erst die Wege suchen durch die Plastik des Organismus hindurch, durch die ich das Blei dahin bringe, wo es nötig ist: das geschieht durch die Zusammensetzung mit Honig und Zucker.“[3]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wirkung von Blei und Honig auf das Gedächtnis&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das &#039;&#039;&#039;Blei&#039;&#039;&#039; in mittlerer Potenz hat einen direkten Bezug zum rhythmischen System und damit auch zu den Blutgefäßen. Es unterstützt die Abbauwirkung der Ich-Organisation. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Honig&#039;&#039;&#039; besteht je nach Pflanzenart aus verschiedenen meist einfachen Zuckern wie Glukose (Traubenzucker), Fruktose (Fruchtzucker), aber auch Zweifachzuckern wie Sacharose (Haushaltszucker) und Maltose (Malzzucker) und anderen Mehrfachzuckern. Außerdem enthält er Pollen, Enzyme und freie Aminosäuren. Daher wird er langsamer und auf verschiedenen Stoffwechselwegen verdaut, und er hat eine Brückenfunktion zwischen der ätherischen, astralischen und Ich-Organisation und kann dadurch den Astralleib von seiner abbauenden Wirkung entlasten und diese an die Ich-Organisation abgeben.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Bei der Sklerose wird die Ich-Organisation zu schwach; sie baut selber nicht genügend ab. Deshalb tritt Abbau allein durch den Astralleib ein. Es fallen die Abbauprodukte aus dem Organismus heraus und liefern Verstärkungen derjenigen Organe, die in Salzsubstanzen bestehen. Blei in gehöriger Dosierung nimmt den Abbau wieder in die Ich-Organisation zurück. Die Abbauprodukte bleiben nicht als Verhärtungen im Körper, sondern werden ausgestoßen. Alle Heilung der Sklerose kann nur darin bestehen, dass man den salzbildenden Prozessen, die sonst im Körper bleiben, den Weg nach außen öffnet.“[5]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit ist auch deutlich, dass es sich bei dieser Skleroseform offensichtlich um den dementiellen Formenkreis handelt, deren Anfangszustände &#039;&#039;„sich darin äußern, dass die Schlagkraft des Denkens und die exakte Herrschaft über das Gedächtnis aufhören.“[6]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wichtig ist aber auch zu beachten, dass das Mittel der jeweiligen Situation angemessen dosiert werden muss. Denn die Ich-Organisation kann in ihrer Wirkung durch das Präparat verstärkt werden und damit ‚hypertrophieren‘, wodurch ihre abbauende Wirkung zu stark wird und durch den nachfolgenden Aufbau nicht genügend kompensiert werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[7]&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27, S. 116.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Anthroposophische Menschenerkenntnis und Medizin,&#039;&#039; GA 319, 114–118.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Im Unterschied zur allgegenwärtigen Glukose im Stoffwechsel, hat die Fruktose bei den höheren Organismen und dem Menschen mehr spezifische Aufgaben, wodurch sie im Organismus im sogenannten Pentosephosphatweg (Pentosephosphatzyklus) aus Glukose hergestellt wird – und zwar insbesondere in der Leber, im Fettgewebe, den Milchdrüsen und den Nebennieren. Die dabei entstehenden Zuckerphosphate sind Vorstufen wichtiger Biomoleküle, wie den Ribosezuckern in den Nukleinsäuren des Erbguts (DNA/RNA), sowie der Energieüberträger ATP, NAD+ , FAD und CoA. Mehrere Studien, u. a. eine Studie vom Deutschen Institut fürErnährungsforschung, belegen einen Zusammenhang zwischen vermehrter Fruktoseaufnahme und Adipositas. Fruktose steigert nicht nur die Lipogenese, sondern führt auch zu einem gesteigerten Hungergefühl, da kein Insulin ausgeschüttet wird, welches auch ein Sättigungshormon ist. Zudem führt eine fruktosereiche Ernährung zu einem Anstieg der Plasmalipide und zur Insulinresistenz. Fruktose wirkt also dauerhaft diabetogen und das stärker als Glukose. Insgesamt steigert Fruktose also die Inzidenz für das Auftreten eines metabolischen Syndroms, welches als das gemeinsame Auftreten von Adipositas, Dyslipoproteinämie, gestörter Glukosetoleranz und arterieller Hypertonie definiert ist. Andere Untersuchungen zeigen einen Zusammenhang zwischen Fruktoseaufnahme und nicht-alkoholischer Fettleber (Steatosis hepatis) auf, welche eine Vorstufe der Leberzirrhose ist. Auch das Risiko für Gicht wird vor allem durch mit Fruktose gesüßte Softdrinks stark erhöht, wie prospektive Studien mit mehreren tausend Patienten belegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ursache ist der Verbrauch von ATP beim Abbau von Fruktose. Es fällt IMP an, das über den Purinabbau die Konzentration der Harnsäure ansteigen lässt. Neusten Studien zu Folge steigt selbst das Risiko von Krebserkrankungen wie zum Beispiel des Pankreas-Karzinoms durch eine fruktoselastige Diät. Fruktose trägt zur Synthese von Nukleinsäuren bei, was die Proliferation von Krebszellen begünstigt. Aus diesen Gründen empfiehlt die Food and Agriculture Organization of the United States die tägliche Aufnahme an freien Zuckern wie Fruktose auf weniger als 10 % der Gesamtenergiemenge zu reduzieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vgl. www.lecturio.de/artikel/medizin/fructosestoff-wechsel/; [6.1.2025].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Siehe FN 1, S. 115f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Ebenda, S. 116.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DAS MIGRÄNE-MITTEL BIODORON ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wozu dienen laut Rudolf Steiner und Ita Wegmann die grauen Hirnzellen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und was ist Aufgabe der weißen Gehirnsubstanz?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist Migräne aus anthroposophischer Sicht?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Aufgaben der grauen und weißen Hirnsubstanz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Entgegen der landläufigen Meinung, dass die &#039;&#039;&#039;‚grauen Hirnzellen‘&#039;&#039;&#039; Träger der menschlichen Intelligenz sind, wird von Rudolf Steiner und Ita Wegman betont, dass diesen Zellen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* überwiegend Stoffwechsel- und Ernährungsfunktion zukommt, &lt;br /&gt;
* weitaus weniger Hinneigung zu den rhythmischen Funktionen&lt;br /&gt;
* und am wenigsten zu den Sinnesfunktionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der &#039;&#039;&#039;weißen Substanz&#039;&#039;&#039; hingegen – d.h. den Leitungsbahnen und Nervenfortsätzen – obliegt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die Funktion einer integrierenden, &#039;&#039;„die übrigen Sinne zusammenfassende[n] Sinnestätigkeit, in die das Ich und der Astralleib hineinwirken“[1]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Daneben hat sie auch Bezug zu den rhythmischen Funktionen des Körpers (Astralleib/Ätherleib),&lt;br /&gt;
* am wenigsten jedoch zum Stoffwechsel, in den vorzugsweise Ätherleib und physischer Leib hineinwirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Migräne aus anthroposophischer Sicht&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aus anthroposophischer Sicht beruht die Migräne auf einer &#039;&#039;‚zurückgestoßenen Tätigkeit der Ich-Organisation‘&#039;&#039;, wodurch die Wahrnehmungsfunktion des zentralen Gehirns eingeschränkt wird zugunsten einer verstärkten Stoffwechselaktivität. Therapeutisch bedarf es also:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* einer &#039;&#039;Anregung der Nerven/Sinnestätigkeit&#039;&#039;: Dies wird &#039;&#039;&#039;durch die Kieselsäure&#039;&#039;&#039; in Form von Quarz erreicht;&lt;br /&gt;
* einer &#039;&#039;Umorientierung der rhythmischen Tätigkeit&#039;&#039; von ihrer Stoffwechsellastigkeit weg und hin zu einer stärkeren Verbindung mit dem Atemrhythmus: Das geschieht &#039;&#039;&#039;durch den Schwefel&#039;&#039;&#039;, der die rhythmische Funktionsordnung mehr dem Atemrhythmus zuneigen lässt;&lt;br /&gt;
* einer &#039;&#039;Eindämmung der rein vitalen Stoffwechseltätigkeit&#039;&#039; und der Unterstützung von deren Regulation durch die Ich-Organisation: Das kann &#039;&#039;&#039;durch das Eisen&#039;&#039;&#039; erreicht werden. Eisen leitet den Verdauungsvorgang hinüber in den Blutrhythmus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch mit diesem Arzneimittel liegen inzwischen jahrzehntelange positive Erfahrungen vor.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[3]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27, S. 117.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Einige Referenzen seien hier genannt: Sommer (1999), 289–292; Schirmer (1998), 348–355; Kohlhase (1998); Zwiauer (1989), 14–15; Hassauer (1988), 142–149; Noll (1963), 225–239.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== PYRIT, EIN MITTEL GEGEN TRACHEITIS UND BRONCHITIS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was verursacht Tracheitis und Bronchitis?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern machen Eisen und Schwefel Pyrit zum idealen Heilmittel dafür?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wieso macht es Sinn, heilend auf das Verhältnis von Puls und Atemfrequenz einzuwirken?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ursprung von Tracheitis und Bronchitis&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die meist durch Viren verursachte Entzündung der Luftröhre (Tracheitis), meist auch verbunden mit Schnupfen und im Übergang zum Lungengewebe mit Bronchitis, ist weit verbreitet, insbesondere in der kalten Jahreszeit oder bei einer stärkeren Belastung der Luft z.B. mit Feinstaub. Dahinter verbirgt sich aber die Frage, wieso der eine Mensch anfällig dafür ist und ein anderer unter denselben Bedingungen lebt und keine Tracheitis oder Bronchitis bekommt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der anthroposophisch orientierten Diagnostik zeigt sich der Ursprung der Tracheitis und Bronchitis in einer rhythmischen Dysfunktionalität zwischen Blutzirkulation und Atmung. Rudolf Steiner und Ita Wegman beschreiben es folgendermaßen: &#039;&#039;„Man müsste eigentlich nicht Pyrit sagen, sondern Pyritprozess. Dieser Prozess, der im Mineral Pyrit wie in Erstarrung festgehalten ist, entspricht dem, was aus dem Zusammenwirken des Eisenprozesses und des Schwefelprozesses entstehen kann.&#039;&#039; &#039;&#039;Das Eisen regt, wie schon in dem vorigen Abschnitte gezeigt ist, die Blutzirkulation an, der Schwefel vermittelt die Verbindung zwischen Blutzirkulation und Atmung. Gerade da, wo Blutzirkulation und Atmung in ein Verhältnis treten, liegt der Ursprung der Tracheitis und der Bronchitis, sowie auch gewisser Formen des Stotterns.“&#039;&#039;[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Schwefel als Vermittler&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Um zu verstehen, wieso hier der Schwefel die Vermittlung herstellen kann zwischen der Blutzirkulation und der Atmung, wenn er sich mit dem Eisen verbindet, sind Ausführungen Rudolf Steiners hilfreich, die er am 1. April 1920 den Ärzten und am 11. Juni 1924 den Landwirten gegenüber bezüglich des Schwefels machte: &#039;&#039;„Sie wissen, daß im Sinne der gegenwärtigen Chemie die hauptsächlichsten Bestandteile des Eiweißes sind die vier wichtigsten Stoffe in der Natur: Kohlenstoff, Sauerstoff, Stickstoff, Wasserstoff, und daß dazu kommt Sulfur oder Schwefel als, ich möchte sagen, durchhomöopathisierend dasjenige, was die anderen vier Stoffe tun.“[2]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Denn der Schwefel ist gerade dasjenige innerhalb des Eiweißes, was den Vermittler darstellt zwischen dem überall in der Welt ausgebreiteten Geistigen, zwischen der Gestaltungskraft des Geistigen und dem Physischen. Und man kann schon sagen, wer eigentlich in der materiellen Welt die Spuren verfolgen will, die der Geist zieht, der muß die Tätigkeit des Schwefels verfolgen. Wenn auch diese Tätigkeit nicht so offen liegt wie diejenige anderer Stoffe, so ist sie darum doch gewiß von der allergrößten Bedeutung, weil auf dem Wege des Schwefels der Geist in das Physische der Natur hereinwirkt, Schwefel ist geradezu der Träger des Geistigen. Er hat seinen alten Namen Sulfur, der ja verwandt ist mit dem Namen Phosphor; er hat seinen alten Namen, weil man in älteren Zeiten in dem Licht, in dem sich ausbreitenden Licht, dem sonnenhaften Lichte sah auch das sich ausbreitende Geistige. Und man nannte deshalb diese Stoffe, die mit dem Hereinwirken des Lichts in die Materie zu tun haben, wie Schwefel und Phosphor, die Lichtträger.“[3]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verhältnis von Pulsschlag und Atmung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dieser Bezug des Schwefels zum Weltengeist, zum Welten-Ich – d.h. zu den Kräften im Weltenall, die an der Evolution Anteil haben, die zum Menschen hinführt, so dass dieser ein Ich-begabtes Wesen werden kann – dieser Bezug hat auch eine rhythmische Komponente, die unmittelbar mit der Atmung zusammenhängt. Der Schwefel entfaltet seine vermittelnde Funktion, indem er &#039;&#039;„den physischen Leib geneigt macht, die Wirkungen des Ätherischen aufzunehmen“.[4]&#039;&#039; Diese Belebung in Verbindung mit dem Eisenprozess im Blut stärkt die körpereigene Abwehr in dem Grenzgebiet zwischen Zirkulation und Atmung. Dabei ist interessant, dass im besten Erholungsschlaf auf einen Atemzug vier Pulsschläge kommen – oder seltener andere ganzzahlige Verhältnisse. Das Verhältnis 1 : 4 stellt den idealen Zusammenhang von Atem- und Pulsrhythmus dar, was auch für die Sprachtherapie von essentieller Bedeutung ist.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da bestimmte Formen des Stotterns damit zusammenhängen, dass die betreffenden Kinder oder Erwachsenen schneller denken als sie sprechen können und dadurch auch der Atemrhythmus gestört wird, kann ein funktionell beeinflussbares Stottern mit einer Pyrit-Therapie in Verbindung mit Sprachtherapie geheilt werden. Wobei sich in der unterstützenden Sprachtherapie der Hexameter-Rhythmus bewährt hat, dem das Verhältnis von 1 : 4 zugrunde liegt. Statistisch gesehen stellt sich dieser Rhythmus bei den meisten Menschen während der Nacht über eine gewisse Zeit ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Heart-Rate-Variability als Diagnose-Tool&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Inzwischen gib es auch eine breite Forschung zur sogenannten Heart-Rate-Variability, die zeigt, dass je mehr der Puls-Atemquotient von ganzzahligen Verhältnissen abweicht, dies Hinweise gibt auf vegetative Störungen bis hin zu manifesten Organerkrankungen.[6]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inwieweit sich dieses rhythmisch-musikalische Verhältnis 1 : 4 auch bis in die Bildung der Organe der rhythmischen Funktionsordnung von Herz-Kreislaufsystem und Atmung während der Embryonalentwicklung nachweisen lässt, ist empirisch noch nicht erforscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; heißt es zusammenfassend: &#039;&#039;„Dieser Prozess zwischen Blutzirkulation und Atmung, der zugleich der Prozess ist, aus dem die entsprechenden Organe im Embryonalleben gebildet werden und im weiteren Leben sich immer wieder erneuern, kann von der dem Körper zugeführten Eisenschwefelsubstanz übernommen werden, wenn er im Organismus nicht normal verläuft. […] Der Eisenprozess wird von dem Stoffwechsel bis in die Blutzirkulation geführt. Der Schwefelprozess tritt von der Blutzirkulation in den Atmungsvorgang über.“[7]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[8]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27, S. 118.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaft und Medizin,&#039;&#039; GA 312, S. 222.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft. Landwirtschaftlicher Kursus,&#039;&#039; GA 327, 52.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Vgl. auch Glöckler (2016a), 16–18.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. von Bonin u. a. (2020).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Vgl. Moser u. a. (2017) und (1994); Cysarz (2018).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Siehe FN 1.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== VIELSEITIGE WIRKUNGEN VON ANTIMON-VERBINDUNGEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern ist Antimon ein typisches Heilmittel?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie lässt sich die vielseitige Verwendung von Antimon in der Medizin erklären?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wirkt Antimon im menschlichen Organismus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Antimon unter verschiedenen Blickwinkeln betrachtet&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Antimon in der Darstellung von Kapitel XVI ====&lt;br /&gt;
In Kapitel XVI von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039;&#039;[1]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; wird Antimon/Stibium beispielhaft angeführt, wie man zur &#039;&#039;„Heilmittel-Erkenntnis“&#039;&#039; kommen kann. Über 60 Krankengeschichten sind dokumentiert, in denen Rudolf Steiner das Stibium zur Behandlung empfiehlt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* in Form von äußerer Salbenanwendung &lt;br /&gt;
* oder Sitzbädern,&lt;br /&gt;
* innerlich als potenziertes Präparat aus Antimonspiegel, &#039;&#039;Stibium metallicum praep&#039;&#039;. (Antimonit)&lt;br /&gt;
* sowie als &#039;&#039;Tartarus stibiatus&#039;&#039;, dem sogenannten Brechweinstein, einem schon von alters her bekannten Heilmittel.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Kapitel wird das Antimon zudem dargestellt, wie es sich im Spannungsfeld der von der Erde ausstrahlenden physisch orientierten Gravitationskräfte und den auf die Erde ein- strahlenden Ätherkräften orientiert, und eine starke Neigung hat, sich den einstrahlenden Kräften zu fügen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Antimon in der Darstellung von Kapitel XX ====&lt;br /&gt;
In Kapitel XX wird der Charakter des Antimons als typisches Heilmittel beschrieben. Es kann überall da Anwendung finden, wo ein Ungleichgewicht entsteht zwischen den flüssig-weichen eiweißbildenden Kräften und den strukturierenden, gerinnungsfördernden Kräften im Blut. Hier wird seine besondere Beziehung zum Astralleib des Menschen geschildert. Diese Beziehung macht das Antimon zum typischen Heilmittel und erklärt nicht nur seine unterstützende Wirkung für die gesunde Gerinnungsfähigkeit des Blutes, sondern vor allem auch seine strukturierende und klärende Einwirkung auf die seelische Befindlichkeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Antimon erweist sich nicht nur als ein Mittel, das so wirkt &#039;&#039;„wie die Ich-Organisation“,[3]&#039;&#039; deren Organ das Blut ist. Seine Wirkung erstreckt sich analog der Wirkung der Ich-Organisation durch alle Wesensglieder hindurch bis hin zur physischen Organisation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Man hat nun im Blute gewissermaßen den Gleichgewichtszustand zwischen formbildenden formauflösenden Kräften. Das Antimon kann wegen seiner beschriebenen Eigenschaften die formbildenden Kräfte des menschlichen Organismus in das Blut überführen, wenn dazu der Weg durch die Verbindung mit dem Schwefel gebahnt wird. Daher sind die Kräfte des Antimons diejenigen, welche in der Gerinnung des Blutes wirken. Geisteswissenschaftlich stellt sich die Sache so heraus, dass der astralische Leib in denjenigen Kräften, die zur Gerinnung des Blutes führen, verstärkt wird. Man muss im astralischen Leibe in den Antimonkräften ähnliche Kräfte sehen, die im Organismus von innen nach außen zentrifugal wirken. Diesen antimonisierenden Kräften wirken entgegen die von außen nach innen gerichteten Kräfte, die das Blut verflüssigen und verflüssigtes Blut plastisch in den Dienst der Körperbildung stellen.“[4]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Antimon als Heilmittel bei Typhus&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die in den Kriegs- und Krisenjahren im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts weitverbreitete Typhus/Paratyphuserkrankung gehörte zu den typischen Krankheitserscheinungen in dieser Zeit. Die Empfänglichkeit dafür, abgesehen von den prädisponierenden unhygienischen Lebensumständen, wird als Ungleichgewicht zwischen der strukturierenden Tätigkeit der Ich-Organisation und der bildenden und lösenden Tätigkeit der ätherischen Organisation angesehen, die durch die astralische Organisation vermittelt werden muss. Denn so wie den physischen, von der Erde ausstrahlenden Kräften die ätherischen, auf die Erde einstrahlenden gegenüberstehen, sind die astralischen Kräfte in sich polar in der Beziehung zwischen innen und außen wirksam, d.h. zwischen der seelischen Innenwelt und der Wahrnehmungswelt draußen, zwischen dem sich in Sympathie Öffnen und in der Antipathie Abgrenzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Man wird immer bemerken, dass die Antimonaufnahme Gedächtnisverstärkung, Hebung der schöpferischen Kräfte der Seele, innere Geschlossenheit der Seelenverfassung hervorrufen. Der Organismus wird von der verstärkten Seele aus regeneriert. Das fühlte man in der älteren Medizin. Ihr war daher das Antimon ein Universalmittel. Wenn wir auch nicht auf diesem extremen Standpunkte stehen, so müssen wir doch, wie aus dem Obigen hervorgeht, in dem Antimon ein vielseitiges Heilmittel suchen.“&#039;&#039;&#039;[&#039;&#039;&#039;5]&amp;lt;sup&amp;gt;,&amp;lt;/sup&amp;gt; [6]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[7]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Es ist dies Kaliumantimonyltartrat, das durch Sättigung von gereinigtem Weinstein mit Antimonoxid entsteht, farblos-durchsichtige Kristalle bildet und insbesondere bei Lungen- und Magen-Darm-Erkrankungen Anwendung fand (Vgl. Krüger 1995).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Siehe FN 1, S. 79.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe FN 1, S. 119f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Ebenda, S. 120f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Vgl. auch Engel (2019), 111–122; Jachens (2014), 256–264; Rißmann (2010), 123–127; Cloos (2001), 374–378; Bavastro (1990), 239–244; Weckenmann (1985), 208–220; Baerens (1983), 209–210; Berthold (1954), 85–114.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ZINNOBER „FÜR ALLES KATARRHALISCHE“ ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sind katarrhalische Prozesse?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern ist Quecksilber in Verbindung mit Schwefel als Heilmittel dafür geeignet?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist die ‚merkurielle Kompetenz‘ des Quecksilbers?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Quecksilber, Schwefel und Atmung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner und Ita Wegman charakterisieren in Kapitel XX von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; katarrhalische Prozesse als sich absondernde Prozesse, &#039;&#039;„die wiederum in die Herrschaft des ganzen Organismus geführt werden sollen“.[2]&#039;&#039; Zinnober als Verbindung von Quecksilber und Schwefel steht hier im Zentrum als typisches Heilmittel „für alles Katarrhalische“.[3]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Cinnabarit/HgS/Quecksilbersulfid ist ein zinnoberrotes, weiches, gerade noch ritzbares, metallisch glänzendes Mineral. Cinnabarit kristallisiert im trigonalen Kristallsystem in über 50 Kristallformen sowie Kristallzwillingen. Berühmt ist der kreuzförmige Staurolit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In über 70 mit Rudolf Steiner beratenen Krankengeschichten kommen Zinnober oder eine andere Quecksilberzubereitung zur Anwendung: &#039;&#039;„Es ist eine schon mehrfach erwähnte Eigenschaft des Schwefels, dass er sich wirksam erweist in dem Gebiete des Organismus, wo Zirkulation und Atmung aneinandergrenzen, also bei allem, was von der Lunge ausgeht.“[4]&amp;lt;sup&amp;gt;,&amp;lt;/sup&amp;gt; [5]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Quecksilber und Absonderungsprozesse&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das Besondere am Metall Quecksilber ist ja, dass es das einzige ist, welches in flüssiger Form vorkommt und sich zu kleinsten oder größeren kugelförmigen Tröpfchen zusammenlagert. Damit verbindet es zum einen die Geste des sich Absondernden und Abkapselnden, zum anderen aber auch des wieder sich Verbindens und sich mit anderen Tröpfchen zu einem größeren Tropfen Vereinigen-Könnens. Diese ‚merkurielle Kompetenz‘, etwas aus dem Zusammenhang Herausgefallenes wieder zu integrieren, macht es zum Heilmittel für katarrhalische Prozesse. Diese bestehen aus Absonderungen, die es zu reintegrieren und zu normalisieren gilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Luftröhrenkatarrh und allen in der Nähe befindlichen katarrhalischen Erscheinungen ist das der Fall. Führt man dahin die Quecksilberkräfte, so wirken sie heilend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[6]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27, S. 121.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. auch Karutz und Soldner (2022), 179–180.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== WIRKSAMKEIT EINES HEILMITTELS VERMITTELN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie vermittelt der Arzt seinem Patienten, welches Heilmittel er braucht?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist dabei zu beachten, worauf kommt es an?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wirksamkeit der Gedanken und Gefühle miteinbeziehen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ideal wäre es, mit dem Patienten über ein Heilmittel in einer Art zu sprechen, dass etwas von der Wirksamkeit desselben auf den Patienten überspringt und dieser sich freut, dass er dieses Mittel bekommt, ja, dass er dankbar dafür ist. Der Patient sollte es mit dem Gefühl nehmen, er habe etwas besonders Gutes bekommen. Denn Freude und Dankbarkeit wirken therapeutisch – sie sind nicht „Placebo“, sondern real und wirksam. Wir müssen begreifen, dass das, &#039;&#039;was&#039;&#039; und &#039;&#039;wie&#039;&#039; wir über eine Sache denken, viel mehr als nichts ist: Was jemand weiß, ist etwas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ätherleib als Träger der zeitlichen und „ewigen“ Lebenskräfte entfaltet diese Doppelwirksamkeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ihm verdankt unser Körper einerseits &#039;&#039;&#039;Leben, Regeneration, Wachstum&#039;&#039;&#039; und die individuelle Lebenszeit&lt;br /&gt;
* Andererseits verdankt der Mensch ihm sein &#039;&#039;&#039;Gedankenleben&#039;&#039;&#039;, je älter er wird, umso mehr, das sich aus all den ätherischen Kräften speist, die der Körper nicht mehr „verkörpert“ halten kann (und muss) und die er damit in die „außerkörperliche Wirksamkeit“ entlässt. Die Gedanken können über den Tod des Menschen hinaus weiterleben und ihn tragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Medikamente wirken auf beide Aspekte des Lebens – sprich: Auch was ich über etwas denke, bewirkt etwas. Wenn ich die Arnikawirkung denke, wirkt sie bereits, denn Gedanken wirken immer, sind ein reales Wirkprinzip. &#039;&#039;„Hab Sonne im Herzen, ob&#039;s stürmt oder schneit“&#039;&#039;. Wenn ich die Sonne meditiere, habe ich Licht und Wärme im Herzen, selbst wenn ich Bauchweh habe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Denken vermindert Heilkraft, positive Gefühle verstärken sie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Indem ich denke, nehme ich der ätherischen Wirksamkeit im Körper aber auch etwas weg, weil es dieselben Kräfte sind, die dem Körper zur Gesundheit verhelfen. D.h, der Körper ist am gesündesten, wenn man nicht denkt, also im Schlaf, weil da die gesamten ätherischen Kräfte (auch diejenigen, die tagsüber außerkörperlich dem Denken dienen) in den physischen Leib einziehen und an seiner Regeneration arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am besten ist es, wenn der Patient über ein Heilmittel gerade so viel weiß, dass er sich freut und ihm ein bisschen warm wird bei dem Gedanken, dass er es jetzt einnehmen darf. Denn diese positiven Gefühle teilen sich auch dem Körper mit und beeinflussen den Stoffwechsel positiv. Positive Gefühle führen dem Ätherleib vom Seelischen her positive Kräfte zu, wie dies gesunde Ernährung vom Physischen her tut. Zuviel Nachdenken über die Wirkung mindert diese jedoch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch weniger zuträglich ist es, wenn ein Patient nicht so recht weiß, wie ein Mittel wirkt, oder Angst bekommt, wenn er den Beipackzettel liest. Dann fühlt er sich verunsichert – weswegen 40 Prozent der Medikamente in den Müll und nicht in den Magen der Patienten wandern. Wieder zuhause entscheiden sie, dass es ihnen eigentlich gar nicht so schlecht geht und nehmen das verordnete Medikament lieber nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur Anthroposophischen Medizin, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Offenborn</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Anthroposophische_Heilmittel&amp;diff=1280</id>
		<title>Anthroposophische Heilmittel</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Anthroposophische_Heilmittel&amp;diff=1280"/>
		<updated>2026-01-31T11:55:44Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Offenborn: Neuen Text eingefügt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= Anthroposophische Heilmittel - von Michaela Glöckler =&lt;br /&gt;
Auszüge aus Büchern und Vorträgen von [[Michaela Glöckler]]; Erstveröffentlichung auf https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== SUBSTANZ-ERKENNTNIS ALS GRUNDLAGE FÜR HEILMITTEL-ERKENNTNIS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was meint Rudolf Steiner mit der Weltenaufgabe der Substanzen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was wird anhand der Beispiele Ameisensäure und Oxalsäure im Hinblick auf ihre Wirkung im Zellstoffwechsel aufgezeigt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern muss der Organismus als Tätigkeitszusammenhang begriffen werden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Weltenaufgabe der Substanzen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel XVII von &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039; liegt der Fokus auf einer konsequent prozessorientierten Substanz-Erkenntnis, über die Rudolf Steiner im Ärztekurs für die jungen Mediziner schreibt, dass es die Aufgabe des Arztes sei, &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„die Weltenaufgaben der Substanzen zu erkennen“.[2]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;„Grundlegendes…“&#039;&#039; formulieren die Autoren es so: &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Wer die Wirkung von Heilmitteln beurteilen will, muss ein Auge haben für die Kräftewirkungen, die sich im menschlichen Organismus ergeben, wenn eine Substanz, die außer demselben gewisse Wirkungen zeigt, in irgendeiner Art in ihn eingeführt wird.“[3]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039; Etwas von dieser ‚Weltenaufgabe‘ wird dort anhand der Ameisensäure und der Kleesäure aufgezeigt und damit auf die Bedeutung dieser Blickrichtung für bestimmte Prozesse im menschlichen Zellstoffwechsel hingewiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Beispiel: Aufgabe der Ameisensäure ====&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Ameisensäure wird vom Menschen mit der Nahrung in der Regel nicht aufgenommen. Sie wird im Tierreich gebildet und als Abwehrstoff, insbesondere der Insekten, ausgeschieden – selten auch bei Pflanzen, wie z.B. in den Brennhaaren der Brennnesseln. Ihre ‚Weltaufgabe‘ ist inzwischen gut erforscht: Die rote Waldameise ist für die Gesunderhaltung der Wälder unentbehrlich. Sie steht daher auch unter Naturschutz, seitdem man ihre Bedeutung für die ‚Lebensgemeinschaft Wald‘ erkannt hat. Um einen Ameisenbau herum vernichtet jedes Volk pro Tag zehntausende Schädlinge bzw. deren Larven und Raupen (wie z.B. Borkenkäfer- und Blattwespenlarven) sowie Kadaver und Pilzmyzel in morschem Holz. So hilft die Ameisensäure dem Mikrobiom des Bodens, die verwesenden Pflanzenreste und das modernde Holz zu verarbeiten. Auch verbreiten Ameisen auf ihren Wegen tausende von Samen und tragen so zur Vielfalt im Wald bei sowie zur Verbesserung der Bodenbeschaffenheit. Instrument für ihre wertvollen reinigenden Tätigkeiten ist die Ameisensäure mit ihrer aggressiven Toxizität.[4]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Beispiel: Aufgabe der Oxalsäure ====&lt;br /&gt;
Die Oxal- bzw. Kleesäure hingegen findet sich in allen Pflanzen und den meisten Bakterien und in unterschiedlichen Mengen in vielen Nahrungsmitteln wie z.B. in schwarzem Tee, Mangold oder Rhabarber. Nach der Aufnahme muss sie dann im Organismus zu ausscheidungsfähigen Endprodukten abgebaut werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Ein ‚Zuviel‘ führt zusammen mit Calcium im Darm zu schwer löslichen Salzen (Oxalaten), was Anlass geben kann für die Bildung von Blasen- und Nierensteinen. Oxalsäure ist ein pflanzliches Gift – für den Menschen können bereits Gramm-Mengen tödlich sein.[5] Als Kalzium-, Magnesium- oder Kaliumsalze sind die Oxalate allgegenwärtig und aus dem Zellstoffwechsel der Lebewesen nicht wegzudenken – bis hin zu den meisten Pilzen und Bakterien. Im Gegensatz zur Ameisensäure entfaltet die Oxalsäure ihre Wirkung nicht in dem Zwischenbereich zwischen dem Mineralisch-Physischen und dem Ätherisch-Lebendigen. Sie hat ihre Aufgabe in der Lebenswelt der Pflanzen – aber als Giftsubstanz im Grenzgebiet zum astralischen Kräftebereich. Da Gifte auch in schwacher Dosierung immer lebensfeindlich sind, regen sie den Organismus dazu an, auf unterschiedlichen Wegen diese Gifte schnellstmöglich abzubauen oder in Verbindung mit anderen Substanzen unschädlich zu machen. Diese Abbauvorgänge dienen im Organismus der Tiere und der Menschen der Bewusstseinsbildung, die sich, wie mehrfach erwähnt, auf Abbauvorgänge stützt.[6]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Biochemisch handelt es sich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* bei der &#039;&#039;&#039;Ameisensäure&#039;&#039;&#039; um die einfachste Monocarbonsäure (Formica, HCOOH, ihre Salze heißen Formiate)  &lt;br /&gt;
* und bei der &#039;&#039;&#039;Oxal- bzw.&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Kleesäure&#039;&#039;&#039; um die einfachste Dicarbonsäure (Acidum oxalicum, HOOC-CO-CH2-COOH, ihre Salze heißen Oxalate).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Notwendige Verwandlung von Oxalsäure in Ameisensäure&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Rudolf Steiner hat erstaunlich oft über die Bedeutung der biochemischen Verwandlung von Oxal- in Ameisensäure gesprochen.[7] Den Prozess der Bildung von Oxalsäure, der hauptsächlich in den Verdauungsorganen stattfände, hielt er für eine notwendige Grundlage dafür, dass der Mensch überhaupt leben könne – grundlegend also dafür, dass die Ätherkräfte zur Wirksamkeit kommen können.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Ihre Umwandlung in Ameisensäure aber sei eine entsprechende Grundlage für das Wirksamwerden der astralischen Kräfte in der physisch-ätherischen Konstitution. In einem Ärztevortrag führt er weiter aus, dass man im Falle der Ameisensäure dahin kommen müsse zu erkennen, dass sie im Menschen, wie auch draußen in der Natur, die Aufgabe hat, gegenüber den Prozessen des Alterns, des Absterbens und des Vermoderns immer wieder weiteres Leben, weitere Entwicklung zu ermöglichen.[8] Auch führt er aus, dass &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;„die heutige Physiologie“&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt; diese Prozesse erst finden müsse.[9]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&amp;lt;sup&amp;gt;,&amp;lt;/sup&amp;gt;&amp;lt;nowiki&amp;gt; [10]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner und Wegman sahen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* in der &#039;&#039;&#039;Ameisensäure&#039;&#039;&#039; die Schlüsselsubstanz im Stoffwechsel des tierischen Organismus&lt;br /&gt;
* und in der &#039;&#039;&#039;Oxalsäure&#039;&#039;&#039; die Schlüsselsubstanz im pflanzlichen Zell-Metabolismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Organismus als Tätigkeitszusammenhang begriffen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;In Abs. 2 wird deutlich gemacht, wie entscheidend es für einen Organismus ist, eine Substanz nicht nur zu besitzen, sondern auch den Bildeprozess zum Aufbau dieser Substanz zu leisten. Im Tun liegt das Wesen des Organismus, nicht in seinen Substanzen. Der Organismus ist nicht ein Stoffzusammenhang, sondern ein Tätigkeitszusammenhang. Der Stoff trägt den Anreiz zur Tätigkeit in sich. Hat er diesen Anreiz verloren, so hat er für die Organisation keine weitere Bedeutung.[11]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter diesem Gesichtspunkt kann auch die jeweilige Aufgabe der Ameisensäure und der Kleesäure im menschlichen Organismus verstanden werden. Hier ‚dienen‘ diese Substanzen der Ich-Organisation: &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Die Ich-Organisation braucht diesen Übergang der organischen Substanz in den leblosen Zustand. Aber sie braucht eben den Vorgang des Überganges; nicht, was dann durch den Übergang entsteht. Ist nun das nach dem Leblosen hin sich Entwickelnde gebildet, so wird es im Innern des Organismus zur Last. Es muss entweder unmittelbar abgesondert werden oder aufgelöst, um mittelbar hinwegzukommen. Geschieht nun für etwas, das aufgelöst werden sollte, diese Auflösung nicht, so häuft es sich im Organismus an und kann die Grundlage für gichtische oder rheumatische Zustände bilden.“[12]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;In der Biologie werden die Phänomene dieses Übergangs zwischen Abbau und Aufbau im Falle der Gesundheit als metabolische Homöostase beschrieben, wobei deren ‚Regulator‘ ein noch nicht gefundener Faktor ist. Es wird aber das Erstaunen zum Ausdruck gebracht darüber, dass unabhängig davon, was und wieviel man gerade isst oder nicht und wieviel Oxalacetat man gerade mit der Nahrung aufgenommen hat oder nicht, die Substanzen im sogenannten Stoffwechsel-Pol der Zellen konstant gehalten werden. D.h. in den Zellen sind die Enzyme des Katabolismus (Abbau) und Anabolismus (Aufbau) normalerweise derart reguliert, dass ein Gleichgewicht gewahrt bleibt. Wird dieses Gleichgewicht jedoch gestört, bedeutet dies den Beginn krankhafter Prozesse.[13]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[14]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----&amp;lt;nowiki&amp;gt;[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, Ga 27, Kap. XVII.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[2] Rudolf Steiner, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Meditative Betrachtungen und Anleitungen zur Vertiefung der Heilkunst. Vorträge für Ärzte und Medizinstudierende,&#039;&#039; GA 316, S. 22.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[3] Siehe FN 1, S. 82.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[4] Der Kern eines Ameisenhaufens ist meist in alten Wurzelstöcken von Nadelhölzern oder Eichenstämmen angesiedelt; das Zusammenleben in der Ameisenkolonie ist ausgeprägt sozial. Eine Königin lebt bis zu 20 Jahre, Arbeitsameisen 5–6 Jahre. Sie entwickeln sich in klar definierten Temperaturbereichen (Ameisenpuppen brauchen 31°, Larven 28°, die Entwicklung der Eier nur 25°). Vgl. Jirikowski (2010), 105–107.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[5] Vgl. Wollrab (2014), 621.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[6] Vgl. Wolff (2013), 85, 263–269.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[7] Vgl. Rudolf Steiner, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Mysteriengestaltungen,&#039;&#039; GA 232, 13. Vortrag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[8] Vgl. FN 1, S. 22f.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;[9] Vgl. FN 11, S. 193–195.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[10] Dazu muss aus anthroposophisch-medizinischer Sicht gesagt werden, dass die geisteswissenschaftliche Biochemie, für die Hauschka und Wolff die Grundlagen erarbeitet haben (Vgl. Hauschka 2007, Wolff 2013), auf dem jeweils neuesten Stand der biochemischen Forschung weiter erarbeitet werden muss. Denn die Zusammenschau der Wesensglieder-Tätigkeiten als ganzheitliche Regulatoren und die immense Faktenfülle der molekulargenetischen Einsichten in das hochkomplexe Regelkreisgeschehen der Zellatmung ist für eine umfassende Integrativmedizin unverzichtbar.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[11] Siehe FN 1, S. 82.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[12] Ebenda.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[13]  Vgl. Sadava u. a. (2019), 265–271.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[14] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== HEILENDE VERBINDUNG VON MENSCH UND NATUR ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern stehen Mensch und Natur in einer heilsamen Verbindung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Naturstoffe zur Arzneimittelherstellung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Natur ist nicht nur Lebensraum und Existenzgrundlage des Menschen. Ihre Stoffe und Kräfte liegen auch einer Fülle von Arzneimitteln zugrunde. Anthroposophische Arzneimittel sollen dazu beitragen, dass der Organismus – wann immer sinnvoll und möglich – in die Lage versetzt wird, eine Krankheit aus eigener Kraft zu überwinden. Sie stärken die gesundenden Kräfte und sind also vor allem darauf orientiert, die Körperfunktionen wieder ins Gleichgewicht zu bringen und die Abwehrkräfte zu stärken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der anthroposophischen Arzneimittelherstellung werden mineralische, pflanzliche, metallische und tierische Ausgangsstoffe verwendet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gängige mineralische Substanzen sind u.a. Quarz, Schwefel oder Kalk.&lt;br /&gt;
* Bekannte Heilpflanzen sind z.B. Arnika, gelber Enzian oder Kamille.&lt;br /&gt;
* Als Metalle kommen häufig Gold, Silber, Kupfer, Eisen und Zinn in potenzierter Form zum Einsatz.&lt;br /&gt;
* Zu den tierischen Ausgangssubstanzen gehören z. B. Insektengifte von Biene, Ameise, Hornisse sowie Organextrakte von Säugetieren (aus Leber, Thymusdrüse, Nieren, Nerven u.a.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Reicher Arzneimittelschatz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Alle anthroposophischen Medikamente werden nach komplexen Vorgaben der von Rudolf Steiner und Ita Wegman begründeten anthroposophischen Medizin hergestellt.[1] Die meisten Ausgangsstoffe werden in hoher Verdünnung (homöopathisch potenziert) eingesetzt, nur sehr selten konzentriert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophische Arzneimittel enthalten häufig mehrere Inhaltsstoffe. Diese sind nicht nur kombiniert, sondern komponiert. Wie bei einem Orchester, so kommt es auch bei einem zusammengesetzten Arzneimittel darauf an, in welchen Anteilen die verschiedenen Einzelkomponenten gemischt sind. In dieser Art gemischt, ergeben sie eine andere Wirkung denn als Einzelbestandteile. So wie ein Orchester anders klingt als eine Violine allein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anthroposophische Arzneimittelschatz umfasst etwa 2000 Substanzen, Kombinationen und eine Vielzahl von Darreichungsformen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ampullen, Augentropfen, Dilutionen, Einreibungen (ölige), Emulsionen, flüssige Verdünnungen, Flüssigkeiten zur Inhalation, Flüssigkeiten zur äußeren Anwendung, Gelate, Globuli, Granulate, Injektionen, Kapseln, Lotionen, Metallspiegelfolien, Mischungen, Nasentropfen (ölige), Öle, Pasten, Pflaster, Puder, Pulver, Salben (fettarm), Salben, Sirup, Tabletten, Tees, Tinkturen zum äußeren Gebrauch, Triturationen, Tropfen, Vaginalglobuli, Vaginaltabletten, Verdünnungen (wässrige), Zäpfchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Der Mensch als umgekehrte Pflanze&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aus anthroposophischer Sicht gleicht der Mensch einer umgekehrten Pflanze:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* So wie der Mensch seine Nahrung – in Form von Nahrungsmitteln, aber auch als „seelische“ oder „geistige“ Nahrung in Form von Gedanken, Worten, Tatsachen aus Kunst und Wissenschaft, über den Kopf – aufnimmt, so versorgt sich die Pflanze über ihre Wurzeln mit den nötigen Nährstoffen.&lt;br /&gt;
* Umgekehrt verhält es sich mit der Fortpflanzungsregion. Diese ist bei der Pflanze oben, Luft und Licht gegenüber geöffnet, wohingegen sie beim Menschen nach unten und innen gelagert ist, zur Erde hin.&lt;br /&gt;
* Beiden gemeinsam ist, dass in der Mitte – bei der Pflanze über die Blätter, beim Menschen über die rhythmischen Funktionen von Atmung und Kreislauf – der Gasaustausch stattfindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Umgekehrte Wirkung der Pflanze auf den Menschen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
So wirken die Anwendungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* von &#039;&#039;Wurzeln&#039;&#039; unterstützend und heilend bei Erkrankungen der &#039;&#039;Kopf- und Nerven-Sinnesorganisation&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* Teeabkochungen und -zubereitungen aus &#039;&#039;Blättern&#039;&#039; bei Störungen der &#039;&#039;rhythmischen Funktionen&#039;&#039; (insbesondere von Herz und Lunge),&lt;br /&gt;
* Zubereitungen aus &#039;&#039;Früchten&#039;&#039; bei &#039;&#039;Stoffwechsel- und Verdauungsstörungen&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entsprechendes gilt für die Ernährung. Wer darauf achtet, dass der Anteil von Wurzeln, Blattgemüse, Früchten und Samen ausgewogen ist, sorgt für eine an den Bedürfnissen des ganzen Körpers orientierte Ernährung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim therapeutischen Einsatz von mineralischen, pflanzlichen und tierischen Substanzen gilt es, „die Weltaufgabe dieser Substanzen zu verstehen“. Steiner regte an zu erforschen, welche Aufgabe ein bestimmtes chemisches Element oder eine Stoffkombination wie Wasser, Salz, Asche, Gerbstoffe oder Pyrit im Haushalt der Natur innehat. Die Signatur dieser Aufgabe bzw. Tätigkeit sagt auch aus, welche Wirkung die betreffende Substanz im menschlichen Organismus entfalten kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Menschen als Mikrokosmos kennenzulernen im Kontext der großen Weltentwicklung mit ihren Prozessen und Stoffzusammenhängen – nach alter Tradition Makrokosmos genannt – ist der Schlüssel zum Verständnis der anthroposophischen Arzneitherapie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Artikel in der Deutschen Apothekerzeitung DAZ Nr. 39, 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Seiner und Ita Wegmann, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27, Dornach 1935.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ANTHROPOSOPHISCHE HEILMITTEL-ERKENNTNIS AM BEISPIEL VON ANTIMON ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welcher Blickwinkel ist grundlegend im Hinblick auf die anthroposophische Heilmittel-Erkenntnis?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern weist Antimon Ähnlichkeiten mit dem Ätherischen auf?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wird es, auch in Kombination mit Schwefel, therapeutisch eingesetzt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wirksamkeit von Substanzen im Kontext irdisch-menschlicher Kraftsysteme&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel XVI von &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039; geht es um anthroposophische Heilmittel-Erkenntnis. Die Grundlage davon ist der Blick auf das Verhalten bzw. die Wirksamkeit einer Substanz im Bereich der in Kapitel I geschilderten Kraftsysteme. Dabei geht es insbesondere um die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* von der Erde ausstrahlenden&lt;br /&gt;
* und in sie einstrahlenden Kräfte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„[...] es kommt darauf an, die Wirkungen zu beobachten, die sich aus dem Zusammenhange der inneren Kräftekonstitution einer Substanz im Verhältnis zu den Kräften ergeben, die von der Erde ausstrahlen oder in sie einstrahlen.“[2]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Antimon, Schwefel und die Austernschalenbildung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Diese Wirkungen werden am Beispiel des Antimons in seiner Beziehung zum Schwefel in Form des in der Natur vorkommenden Grauspießglanzes aufgezeigt (Sb2 S3, auch als Antimonit bzw. Stibnit bekannt), sowie an der Austernschalenbildung, die zum Verständnis der Typhusbehandlung beiträgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Antimon ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Antimon&#039;&#039; kam bereits in der ägyptischen Medizin zur Anwendung, nimmt bei Paracelsus eine zentrale Stellung ein und hat bis in die Gegenwart immer neue Einsatzmöglichkeiten erfahren. Chemisch ist es dem Arsen verwandt und eine Menge von 100 mg bis etwa 1200 mg kann bereits tödlich sein. Eine gute Übersicht über seine Verwendung – einschließlich in der Anthroposophischen Medizin – findet sich bei &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;Marxer[3]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039; Die Bezeichnungen Antimon und Stibium für das chemische Symbol Sb stammen von den lateinischen Wörtern &#039;&#039;antimonium&#039;&#039; und &#039;&#039;stibium&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt; ab, die schon im Altertum für den Grauspießglanz verwendet wurden.[4]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Schwefel ====&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ Schwefel ist eines der seltenen Minerale, die in kristallisierten polymorphen Formen in der Natur rein vorkommen und in der Struktur der orthorhombischen Raumgruppe Fddd die typisch gelbe α-Kristallform zeigen. Schwefel steht mit einem Anteil von geschätzt 0,048 Gew.-% an 15. Stelle unter den häufigsten Elementen der uns bekannten Erdkruste. Er wurde in Kometenschweifen nachgewiesen, ist auf der Erde zum einen vulkanischen Ursprungs und stammt zum anderen aus der Biosphäre von Bakterien, die aus schwefelhaltigen Mineralien Schwefel aufnehmen und Sedimente bilden sowie von Pflanze, Tier und Mensch, da er im Eiweißaufbau durch die beiden schwefelhaltigen Aminosäuren &#039;&#039;Cystin&#039;&#039; und &#039;&#039;Methionin&#039;&#039; festgebunden ist. Durch seinen niedrigen Schmelzpunkt und seine Fähigkeit zu sublimieren, verbindet er sich leicht über Luft und Wasser mit anderen Substanzen und realisiert so den alle Reiche der Natur verbindenden Schwefelkreislauf.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;Symptomatisch dafür ist auch eine ungewöhnliche mechanische Eigenschaft der Grausspießglanz-Kristalle: Sie zeigen eine auch an größeren Kristallen bei geringem Kraftaufwand fühlbare Biegsamkeit. Diese beruht auf einer geregelten innerkristallinen Gleitung, wie sie auch beim Eis und beim Steinsalz vorliegt – Substanzen, die für alle Lebewesen essenziell sind.[5]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Austernschale ====&lt;br /&gt;
Die Austernschale ist als komplexes Kalkmineral schützendes Außenskelett der Auster und damit ein Mineral, ausgeschieden aus dem Lebensprozess eines Tieres bzw. einer Muschel. In ihrer therapeutischen Verwendung ist sie insbesondere in der Homöopathie bekannt mit dem Arzneimittelbild &#039;&#039;Calcium carbonicum&#039;&#039;. Sie wird zu den Vielkönnern oder Polychresten gezählt (von gr: πολύς - viel und χρηστός  - brauchbar).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Hinweise auf die Verwandtschaft von Antimon mit dem Ätherischen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Zusammenwirken von Zentral- und Universalkräften ====&lt;br /&gt;
Dadurch, dass das Antimon sich leicht und stabil mit dem Schwefel zu den orthorhombisch geformten Grauspießglanz/Antimonit-Kristallen verbindet, kann es die Neigung des Schwefels, in der Welt des Lebendigen aktiv zu werden und dadurch auch im Sinne der auf die Erde einstrahlenden ätherischen Kräfte zu wirken, unterstützen. Unter diesem Aspekt ist die Art und Weise, wie das Antimon in seiner Verbindung mit dem Schwefel kristallisiert, charakteristisch. Es kristallisiert in prismatisch-nadeligen grauschwarzen Kristallen, von feinst ziseliert bis zentimeterstark, immer von einem Zentrum weg – wenn der Kristallisationsprozess nicht durch äußere Umstände gestört wird. Dabei erstrecken sich die Antimonit-Nadeln radial in die Peripherie, wobei die Länge der Kristalle durchaus auch 1 m überschreiten kann. Wo er nur kann, strebt Antimonit die büschelförmige Gestaltung an. Er gliedert sich damit in Linien, die von der Erde weg- und den Kräften entgegenstreben, die im Äther wirken. Durch diese Kristallisationsweise bringt das Antimon das Zusammenwirken der Zentral- und der Universalkräfte wie archetypisch zum Ausdruck.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Man bringt mit dem Antimon somit etwas in den menschlichen Organismus, das der Wirkung des Ätherleibes auf halbem Wege entgegenkommt.[6] Antimon kann dadurch im Körper die eiweißbildenden Kräfte zusammenhalten und so die Tätigkeit der Ich-Organisation im Eiweißaufbau unterstützen.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Feinfaserigkeit durch Seigern ====&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Auch dasjenige, was im Seigerprozess mit dem Antimon vor sich geht, weist auf die Äther-Verwandtschaft dieses Stoffes hin. ‚Seigern‘ kommt von dem gegenwärtig nicht mehr oft gebrauchten Wort etwas z.B. durch ein Sieb ‚durchseien‘. Unter ‚Seigerungen‘ versteht man daher Trennprozesse in gemischtem Schmelzgut. Es wird durch diesen Prozess feinfaserig.[7]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Niedriger Schmelzpunkt ====&lt;br /&gt;
Da das Antimon bereits bei 547° schmilzt, fließt es auf schräger Unterlage leicht aus dem Antimon haltigen Schmelzgut heraus, wo es dann bei Abkühlung zu 92–98 % reinem &#039;&#039;antimonium crudum&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt; kristallisiert.[8] Der niedrige Schmelzpunkt von 547° zeigt zudem die Nähe dieser mineralischen Substanz zum flüssigen Aggregatzustand, in dem die ätherischen Kräfte ihre Wirkung entfalten können.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor diesem Hintergrund heißt es in dem oben erwähnten Werk:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Alles dieses zeigt, dass im Antimon die Tendenz enthalten ist, in das Ätherelement in dem Augenblick leicht überzugehen, in dem dazu die Bedingungen auch nur in geringem Grade vorhanden sind. Dem geistigen Schauen gelten alle diese Einzelheiten nur als Andeutungen; denn dieses nimmt die Beziehung zwischen Ich-Tätigkeit und Antimon-Wirksamkeit unmittelbar so wahr, dass die Antimonprozesse, in den menschlichen Organismus gebracht, so wirken, wie die Ich-Organisation.“[9]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zwei Indikationen als Beispiele für den Einsatz von Antimon&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aus dem breiten Spektrum der therapeutischen Einsatzmöglichkeiten werden nun zwei Indikationsgebiete an die Schilderung des Arzneimittelbildes angeschlossen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;&#039;Blutgerinnungsstörungen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
# und &#039;&#039;&#039;Typhus abdominalis/Parathyphus&#039;&#039;&#039;, eine gefährliche bakterielle Infektionskrankheit des Magen-Darmtraktes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während eine Therapie mit &#039;&#039;Antimon&#039;&#039; oder &#039;&#039;Stibium metallicum praep.&#039;&#039; bei Blutungsneigung aus der Darstellung des Arzneimittelbildes unmittelbar hervorgeht, ist dies für den Thyphus nicht so ohne weiteres ersichtlich – zumal dieser ja heute erfolgreich antibiotisch behandelt werden kann (Sterblichkeitsrate unter 1 &amp;lt;nowiki&amp;gt;%) und die Impfung bei Einreise in betroffene Gebiete empfohlen wird.[10]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;Arzneimittelbild der Austernschale und Typhus&#039;&#039;] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was macht also eine Begleitbehandlung oder Alternativbehandlung zur Vermeidung des Einsatzes von Antibiotika sinnvoll?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um dies zu verstehen, braucht es – wie oben bereits angedeutet – zum Vergleich das Arzneimittelbild der Austernschale. Hier liegt ein Naturprozess vor, der etwas vollzieht, was für die Muschel richtig ist, für den Menschen aber zur Ursache typhöser Durchfall-Erkrankungen werden kann. Die Auster sondert in ihre Schale das kalkartig Mineralische ab:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Bei der Auster wird das Kalkartige abgesondert, um es der Eiweißwirkung nicht einzugliedern. Im menschlichen Organismus muss diese Eingliederung stattfinden. Die bloße Eiweißwirkung muss in eine solche umgewandelt werden, in der mitwirkt, was im Kalkartigen durch die Ich-Organisation an gestaltenden Kräften hervorgerufen werden kann. Das muss sich innerhalb der Blutbildung abspielen. Das Antimon wirkt der kalkausscheidenden Kraft entgegen und führt das Eiweiß, das seine Form bewahren will, durch seine Verwandtschaft mit dem Äther-Elemente in die Formlosigkeit hinüber, die für die Einflüsse des Kalkartigen oder Ähnlichem empfänglich ist.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;Beim Typhus ist es klar, dass der krankhafte Zustand in einer mangelnden Überführung der Eiweißsubstanz in gestaltungsfähige Blutsubstanz besteht. Die Form der Diarrhöen, die auftritt, zeigt, dass schon im Darm die Unfähigkeit zu dieser Umwandlung beginnt.“[11]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Heilung der konstitutionellen Dysfunktionalität&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[12]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039; heißt es&#039;&#039;,&#039;&#039; dass die Abwehrstoffe und Killerzellen eines guten Immunsystems im Blut zirkulieren, welches wiederum &#039;&#039;das&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt; Organ der Ich-Organisation ist.[13] Kann nun mithilfe einer Konstitutionsbehandlung, z.B. mit einem Antimonpräparat, und je nach Situation auch noch kombiniert mit anderen Heilmitteln, die Ich-Organisation und damit ihr Einfluss auf die Gestaltungskräfte im Blut gestärkt werden, so werden die Bakterien nicht nur beseitigt, wie es über eine antibiotische Therapie geschieht, sondern zugleich das Milieu saniert und damit künftigen Infektionen vorgebeugt. Das entspräche einer integrativen Therapie, die sich nicht nur auf die Beseitigung der Symptome konzentriert, sondern auf die Heilung der konstitutionellen Dysfunktionalität.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dem erwähnten Werk schreiben die Autoren: &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Wendet man bei typhösen Erscheinungen Antimonpräparate in entsprechender Zusammensetzung an, so erweisen sich diese als Heilmittel. Sie entkleiden die Eiweißsubstanz ihrer Eigenkräfte und machen sie geneigt, den Gestaltungskräften der Ich-Organisation sich einzufügen.“[14]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbstverständlich hat der primäre Fokus auf die Symptombeseitigung überall da seine Berechtigung, wo sie Leben rettet, weil die Abwehrkräfte des Körpers zu schwach sind für die notwendige Selbstregulation. Wo diese Möglichkeit jedoch gegeben ist, kann differenzierter vorgegangen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Wer Exaktheit nur in dem sieht, was die Chemie – auch die pharmazeutische – feststellt, der vernichtet die Möglichkeit, Anschauungen darüber zu gewinnen, was im Organismus bei Heilungsvorgängen geschieht.“[15]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[16]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----&amp;lt;nowiki&amp;gt;[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[2] Ebenda, S. 77.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[3] Vgl. Marxer (2000), siehe www.pharmazeutische-zeitung.de/titel-10- 2000; [6.1.2025].&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[4] Vgl. Holleman und Wiberg (2017), 940.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[5] Vgl. Wimmenauer (1992), 223.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[6] Siehe FN 1, S. 78.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[7] Ebenda.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[8] Vgl. Holleman und Wiberg (2017), 942.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[9] Siehe FN 1, S. 78f.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[10] Typhus ist weltweit verbreitet – besonders in warmen Ländern. Er wird durch kontaminierte Lebensmittel bzw. Trinkwasser übertragen und ist eine schwere Allgemeinerkrankung, die durch das Bakterium Salmonella typhi ausgelöst wird. Als Paratyphus bezeichnet man ein abgeschwächtes Krankheitsbild, dessen Erreger Salmonella Paratyphi A, B oder C ist. Übertragen wird die Infektion durch Trinkwasser oder Lebensmittel, die mit Fäkalien von infizierten Personen verunreinigt wurden. Leitsymptome sind hohes Fieber, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, langsamer Puls, trockener Husten, Bauchschmerzen, Milzvergrößerung und manchmal ein blasser, kleinfleckiger Ausschlag am Körper. Ein milder Verlauf ist möglich, doch manchmal kommt es zu schweren Komplikationen wie massiven Darmblutungen oder Abszessen in verschiedenen Organen. Durch den Einsatz von Antibiotika kann die Sterblichkeit auf unter 1% gesenkt werden. In Deutschland ist die Krankheit meldepflichtig – dem Bundesamt für Gesundheit werden pro Jahr zwischen 20 und 50 Fälle gemeldet. Wichtigste Mittel zur Vorbeugung sind Körperhygiene und Verzicht auf frische Salate und ungeschältes Obst – nach dem Ernährungsmotto: Cook it, peel it or forget it. Siehe www.bag.admin.ch/bag/de/home/krankheiten/krankheiten-im-ueberblick/typhus-abdominalis-paratyphus.html; [6.1.2025].&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[11] Siehe FN 1, S. 80.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[12] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“, GA 27.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[13] Siehe FN 3, Kapitel VI.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[14] Siehe FN 3, S. 80.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[15] Ebenda, S. 81.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[16] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ARZNEIMITTEL-SUBSTANZGRUPPEN UND WESENSGLIEDER ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Auf welchen Ebenen und worüber ist der Mensch mit der Natur innig verbunden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Naturanteile machen seine Konstitution aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wesensglieder und ihre Einbettung in die Natur&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Physischer Leib und Natur ====&lt;br /&gt;
Schon ein oberflächlicher Blick auf die Verbundenheit von Natur und Mensch zeigt, wie der Mensch die kristallinen Strukturen seines Körpers mit den Mineralien der ihn umgebenden Natur gemeinsam hat. Dieser sichtbare, mineralisch erscheinende Leib wird in der anthroposophischen Menschenkunde „Physischer Leib“ genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ätherleib und Natur] ====&lt;br /&gt;
Werden und Vergehen, Leben und Sterben hat der Mensch mit der Pflanzenwelt gemeinsam. Diese Gesetzmäßigkeiten in ihrem Zusammenhang nennt Steiner „Ätherleib“, weil ohne das blaue Himmelslicht (griechisch o aither) kein Leben auf der Erde möglich wäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Astralleib und Natur] ====&lt;br /&gt;
Atmung, Bewegung, Bewusstsein, Schmerz und Triebleben hat der Mensch mit den Tieren gemeinsam. Diese das Seelenleben konstituierenden Gesetze heißen in ihrer Gesamtheit „Astralleib“ von aster, lateinisch Stern. Die menschliche Seele fühlt sich der Sternenwelt mit ihren Rhythmen und Konstellationen verwandt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Rein menschliche Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Die Fähigkeit jedoch, lebenslang lernen und immer wieder neu und anders kulturschöpferisch tätig sein zu können, ist spezifisch menschlich. Daher gibt Steiner diesem die „Ich-Natur“ des Menschen möglich machenden Gesetzes-Zusammenhang den Namen „Ich-Organisation“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Da der Mensch durch diese vier verschiedenen Gesetzes-Zusammenhänge sein Wesen sowohl integriert als auch differenziert äußern kann, gab Steiner ihnen den Namen „Wesensglieder“.[1]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Arzneimittelwirkung auf die Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Substanzgruppen aus dem Mineral-, Pflanzen-, Tier- und Menschenreich haben einen therapeutischen Bezug zu diesen Wesensgliedern:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Menschliche Substanz wie Muttermilch und in Form einer Blutspende stützt und erhält den physischen Leib.&lt;br /&gt;
* Präparate aus dem Tierreich regen den Ätherleib zu verstärkter Tätigkeit an,&lt;br /&gt;
* pflanzliche Arzneimittel wirken regulierend auf den Astralleib&lt;br /&gt;
* und Metalle und Mineralien auf die Ich-Organisation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Potenzierungsstufen und Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Auch die Potenzierungsstufen der nach homöopathischem Verfahren hergestellten Arzneimittel haben ihren Bezug zu den Wesensgliedern:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D1 – D4:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;physischen Organismus&#039;&#039; und seines Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D5 – D8:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;ätherischen Organismus&#039;&#039; und seines Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D10 – D15:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;astralischen Organismus&#039;&#039; und seines Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D20 – D60:&#039;&#039;&#039; Anregung der &#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039; und ihres Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Bezug auf die Dreigliederung des menschlichen Organismus gilt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D1 – D6:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;Stoffwechsel-Systems&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D6 – D18:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;rhythmischen Systems&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D18 – D30:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;Nerven-Sinnessystems&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Der Arzneimittelschatz der Anthroposophischen Medizin umfasst dementsprechend Ausgangssubstanzen mineralischer, pflanzlicher und tierischer Herkunft, die nach besonderen Verfahren vor allem von den Arzneimittelfirmen Weleda und Wala hergestellt werden.[2] In Deutschland wurden sie aufgrund des Arzneimittelgesetzes von 1976 in der vom Bundesgesundheitsamt – später Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) – eingerichteten Kommission C für die Zulassung aufbereitet. Ein Teil dieser regulativ wirksamen Arzneimittel ist sehr gut für die Selbstmedikation geeignet.[3]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Artikel in der Deutschen Apothekerzeitung DAZ Nr. 39, 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----&amp;lt;nowiki&amp;gt;[1] Rudolf Steiner, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Theosophie, Einführung in übersinnliche Welterkenntnis und Menschenbestimmung,&#039;&#039; 2003 und ders. &#039;&#039;Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft&#039;&#039;. In: &#039;&#039;Lucifer-Gnosis&#039;&#039;. GA 34. Dornach 1987, 309-344.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[2] International Association of Anthroposophic Pharmacists IAAP. ­Anthroposophic Pharmaceutical Codex. Stuttgart, 2014.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[3] M. Glöckler, B. Emde, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Anthroposophische Medizin&#039;&#039;, in: &#039;&#039;Komplementärmedizin für die Kitteltasche. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation&#039;&#039;, Stuttgart 2009 und ders.: &#039;&#039;Anthroposophische Medizin&#039;&#039;, in: &#039;&#039;Komplementärmedizin für Kinder. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation&#039;&#039;, Stuttgart 2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ARZNEIMITTEL AUS DER NATUR UND WESENSGLIEDER ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen inneren Zusammenhang sieht die anthroposophische Pharmazeutik zwischen Arzneimitteln aus der Natur und den menschlichen Wesensgliedern?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Qualitäten zeichnen die Muttermilch aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern sind Schwangerschaft und Stillzeit Naturvorbilder auch für zukünftige Entwicklungsstadien?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Korrelation von Arzneimitteln und Wesensgliedern&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;In der Anthroposophischen Pharmazeutik sieht man eine grundlegende Korrelation von Arzneimitteln aus der Natur und den menschlichen Wesensgliedern:[1]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So haben &#039;&#039;&#039;Mineralien&#039;&#039;&#039; eine unmittelbare Beziehung zur &#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;: Sie unterstützen die Ich-Organisation bei der Beherrschung der physischen Verhältnisse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Heilmittel aus dem Pflanzenreich&#039;&#039;&#039; auf die &#039;&#039;astralische Organisation&#039;&#039;: Die astralische Organisation wirkt lähmend auf die ätherische – pflanzliche Arzneimittel können regulierend auf diese lähmende Wirkung Einfluss nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Organpräparate&#039;&#039;&#039; und tierische Arzneimittel auf die &#039;&#039;ätherische Organisation:&#039;&#039; Diese hat die Aufgabe, physisch-tierische Substanzen in den Lebenszusammenhang aufzunehmen, was durch astralische Impulse angeregt werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Menschliche Substanz&#039;&#039;&#039; (wie Blutkonserven und Muttermilch) wirkt unmittelbar auf den &#039;&#039;physischen Leib,&#039;&#039; sodass sich die anderen Wesensglieder wieder besser einschalten und betätigen können. Anders ausgedrückt: Menschliche Substanz steht der Ich-Organisation unmittelbar für ihre Aufgabe zur Verfügung, das Ganze des Organismus bis in das Physische hinein zu beherrschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Was Muttermilch vermag&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Studiert man die Besonderheiten rund um die Bildung von Muttermilch, so verrät dies viel über die innige Bindung zwischen Mutter und Kind durch alle vier Wesensglieder hindurch:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die Muttermilch ist nach dem aktuellen Bedürfnis des Säuglings zusammengesetzt und variiert so auch von Tag zu Tag;&lt;br /&gt;
* Stillen fördert die Rückbildung der Gebärmutter;&lt;br /&gt;
* gestillte Kinder haben weniger Infekte und überstehen sie leichter, weil die Muttermilch wichtige Abwehrstoffe der Mutter enthält;&lt;br /&gt;
* ausschließliches Stillen in den ersten sechs Monaten kann das Kind vor Allergien und Asthma schützen;&lt;br /&gt;
* Wachstum und Beweglichkeit von Magen und Darm werden unmittelbar angeregt;&lt;br /&gt;
* die Zusammensetzung der Muttermilch mit Bezug auf Kohlenhydrate, Fette, Eiweißgehalt und Mineralstoffe ist zugleich ein ‚Naturvorbild‘ für eine gesunde Ernährung;&lt;br /&gt;
* die Immuntoleranz, d.h. die Selbstregulation des Immunsystems entwickelt sich bei gestillten Säuglingen nachhaltig besser.&lt;br /&gt;
* &amp;lt;nowiki&amp;gt;Durch Stillen wird das Risiko des plötzlichen Kindstodes um ca. die Hälfte gesenkt und vieles mehr.[2]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Formelmilch gefütterte Säuglinge haben eine deutlich höhere Insulinkonzentration im Plasma, was mit der Entwicklung von Adipositas und einer möglichen Zunahme von Diabetes mellitus Typ 2 im Zusammenhang steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Abnabelungsstadien und physisch-seelisch-geistige Muttermilch&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Nach der &#039;&#039;&#039;physischen Abnabelung&#039;&#039;&#039; vom physischen Leib der Mutter als der ernährenden Umgebung während der Schwangerschaft, folgt die Stillperiode.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann folgt die langsame &#039;&#039;&#039;ätherische Abnabelung&#039;&#039;&#039; und das Sich-Emanzipieren auf ätherischer Ebene, das mit dem Ende der Nachahmungsperiode ausklingt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;&#039;seelisch-astralische Abnabelung&#039;&#039;&#039; findet im 2. Jahrsiebt statt und kulminiert mit der Pubertät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Arbeit des Ich jedoch an der Überwindung von allen möglichen Abhängigkeiten, die seine Autonomiebefähigung einschränken, stellt eine Art &#039;&#039;&#039;geistige Abnabelung&#039;&#039;&#039; dar. Diese zu bewerkstelligen bleibt eine lebenslange Herausforderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Rudolf Steiner spricht im pädagogischen Zusammenhang wiederholt über die Bedeutung der physischen Muttermilch für den gesunden Aufbau des physischen Leibes und die damit verbundene Stärkung der Ich-Organisation des Kindes. Für die Unterstützung der oben genannten weiteren Abnabelungsprozesse im Verlaufe der Schulzeit und Jugend, braucht es die ‚seelische‘ und zuletzt ‚geistige‘ Muttermilch, die dem Menschen in Form einer nährenden Entwicklungsumgebung und verständigen Entwicklungshelfern zukommen müssen.[3]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fallen solch hilfreiche Faktoren und Entwicklungsbegleiter weg oder können nur eingeschränkt wirken, ist dies oft mit körperlichen und oder seelischen gesundheitlichen Belastungen im weiteren Leben verbunden. Diesen so weit als möglich vorzubeugen, ist der Präventionsanspruch Anthroposophischer Medizin und Pädagogik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[4]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----&amp;lt;nowiki&amp;gt;[1] Warum das so ist, geht aus den Kapiteln I bis V aus &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27,&#039;&#039; hervor, in denen die Autoren, Rudolf Steiner und Ita Wegman, die Arbeit der Wesensglieder an den Substanzströmen schildern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[2] Vgl. Soldner und Stellmann (2018), 220–238; Glöckler u. a. (2024b), 372–392.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[3] Rudolf Steiner, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik,&#039;&#039; GA 293, Vortrag 2. September 1919.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[4] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== METALLE IN STOFFWECHSEL UND ANTHROPOSOPHISCHER THERAPIE ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen inneren Bezug haben die Metalle zum Menschen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielen sie beim menschlichen Stoffwechsel?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worauf kommt es der Anthroposophischen Metalltherapie an?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Metalle, Planeten und Evolution&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ganz allgemein gilt, dass die Metalle Blei, Zinn, Eisen, Gold, Kupfer, Quecksilber und Silber in potenzierter Form in der anthroposophischen Therapierichtung eine zentrale Stellung einnehmen. Die Namen der Metalle haben in vielen Sprachen zudem einen engen Bezug zu den Planeten. Gemäß Rudolf Steiners geisteswissenschaftlicher Forschung hat die Entstehung der Metalle im Weltall und ihre Beziehung zu den Planeten und der Erde eine gemeinsame Geschichte mit der Entwicklung des Menschen im Verlaufe der Evolution.[1] So hat eine frühere Anschauung das Skelett und die Milz dem Saturn/Blei zugeordnet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* das &#039;&#039;&#039;Skelett&#039;&#039;&#039; als Organ der Mineralisierung &lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Milz&#039;&#039;&#039; als ein immunologisch und damit für die ,Grenzbildung‘ wichtiges Organ, in dem die abbaufähigen Erythrozyten erkannt in den hepatolienalen Kreislauf eingespeist werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Metalle im Menschen&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Folgenden möchte ich näher auf das Vorkommen der Metalle im Menschen und ihre Wirkung auf den menschlichen Stoffwechsel eingehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Eisen ====&lt;br /&gt;
Eisen ist ein zentral wichtiges Spurenelement, von dem etwa 2 bis 4 g im menschlichen Organismus nachweisbar sind – zwei Drittel davon sind im Blut an den roten Farbstoff Hämoglobin gebunden, etwa ein Drittel in Leber, Milz, Darmschleimhaut und Knochenmark gespeichert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kupfer ====&lt;br /&gt;
Der Kupfergehalt im menschlichen Organismus beträgt etwa 0, 3 g und findet sich in vielen lebenswichtigen Enzymen, wie z.B. im Plasmaprotein Coeruloplasmin oder in Gestalt der kupferabhängigen Cytochromoxidase, die bei der zellulären Sauerstoffverwertung eine entscheidende Rolle spielt. Andere Enzyme helfen bei der Vernetzung bindegewebiger Strukturen oder bei der Entgiftung freier Radikale. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Zinn ====&lt;br /&gt;
Ob Zinn zu den essenziellen Spurenelementen zählt, ist noch umstritten – es wird in der Liste der möglichen Spurenelemente aufgeführt und die WHO empfiehlt eine Aufnahme von 2 mg pro Tag. Einigermaßen gesichert ist die Beteiligung von Zinn-Ionen an der Bildung von Gastrin, einem die Magentätigkeit (Pepsinogenausschüttung, Aktivität der Muskulatur der Magenwand) beeinflussenden Dünndarm-Hormon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Gold ====&lt;br /&gt;
Spuren von Gold gehen im Körper keinerlei Verbindungen ein und sind unschädlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Quecksilber, Silber und Blei ====&lt;br /&gt;
Quecksilber, Silber und Blei hingegen gelten als Gifte, auch wenn Spuren umweltbedingt über Wasser und Nahrung vom Organismus aufgenommen, abgelagert und ausgeschieden werden können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Blei in der Anthroposophischen Metalltherapie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Auch aufgrund ihrer evolutionären Beziehung zum Menschen haben die Metalle eine wichtige Stellung in der Therapie.[2] In der Anthroposophischen Metalltherapie kommt es primär auf die Prozesswirkung der Metalle an zur Anregung der zugehörigen Organtätigkeiten oder aber, wie beim Blei, auf den Prozess der Überwindung des Bleiprozesses im menschlichen Organismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stofflich aufgenommen wäre Blei ein Gift, in feiner homöopathischer Dosierung hingegen regt es den Organismus an, den sklerotisierenden Bleiprozess zu überwinden. Das Blei bildet im periodischen System der Elemente den Abschluss, bevor dann die folgenden Elemente solche sind, die radioaktive Zerfallserscheinungen zeigen. In Blei kommt das Substanzwirken so gesehen an ein Ende, es entspricht dem Todesprozess, den die Ich-Organisation braucht, damit die Substanzen nach dem Durchgang durch den mineralischen Nullpunkt in den Lebens- und Arbeitszusammenhang des von der Ich-Organisation beherrschten Organismus aufgenommen werden können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[3]&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Der übersinnliche Mensch, anthroposophisch erfaßt,&#039;&#039; GA 231; &#039;&#039;Eine okkulte Physiologie,&#039;&#039; GA 128.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ALLGEMEINES ZU DEN TYPISCHEN HEILMITTELN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was verstehen Rudolf Steiner und Ita Wegman unter typischen Heilmitteln?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie verhalten sie sich im Vergleich zu den üblichen Symptome bekämpfenden Medikamenten?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist das Neue daran?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Bestimmte Kompositionen von Arzneimitteln&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel XX von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; heißt es: &#039;&#039;„[…] und wenn Typisches im Krankheitszustande in Betracht kommt, so stellt unser Heilmittel dasjenige dar, was im Sinne der Schilderung unseres Buches zur Therapie führen muss. Von diesem Gesichtspunkte aus sollen einige unserer Heilmittel beschrieben werden.“[2]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese &#039;&#039;„Typischen Heilmittel“[3]&#039;&#039; haben mit der Heileurythmie gemeinsam, dass hier bestimmte Kompositionen von Arzneimitteln einem bestimmten typischen Krankheitsbild angepasst sind – so wie man in der Heileurythmie eine bestimmte Lautfolge dem Krankheitsprozess anpasst. &#039;&#039;Otto Wolff&#039;&#039; hat dies wiederholt in seinen schriftlichen und mündlich vorgetragenen Ausführungen zu diesen Kompositions-Präparaten so auf den Punkt gebracht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„&#039;&#039;Diese mögen äußerlich wie Mischungen aussehen, ihnen liegt aber eine Konzeption zugrunde, die nicht von speziellen Krankheiten, sondern von Grundprozessen des Menschen oder einzelner Organe ausgeht. Sie sind deshalb nicht gegen eine Krankheit gerichtet, sondern sprechen ein Organ urbildhaft in seinen Funktionen an. Man kann diesen Arzneimittel-Typus als Urheilmittel ansprechen. So bilden Heilmittel wie Cardiodoron, Kephalodoron (Biodoron), Hepatodoron, Digestodoron u.a. in sich jeweils ein Ganzes. Dabei wird gerade eine gewisse Gegensätzlichkeit von Pflanzen (z.B. im Cardiodoron, Hepatodoron) bzw. der Mineralien Schwefel und Kiesel (im Kephalodoron) durch einen pharmazeutischen Prozess oder eine Substanz (Eisen beim Kephalodoron) ins Gleichgewicht gebracht und zu einer höheren Einheit verbunden. Dadurch erst kann Kephalodoron ein Abbild des dreigliedrigen Menschen sein und eine harmonisierende Wirkung auf den Funktionszusammenhang seiner Funktionssysteme (Nerven-Sinnes-System, rhythmisches und Stoffwechselsystem) ausüben. Entsprechendes könnte auch für andere ‚Heilmittel für typische Krankheiten‘ ausgeführt werden, bei denen es sich zumeist darum handelt, durch harmonisierende Anregungen Gleichgewichtszustände aus ungleichmäßigem Zusammenwirken von Kräften der übersinnlichen Wesensglieder wiederherzustellen. Das Heilende ist im Grunde genommen der menschliche Organismus, d.h. der Ätherleib selber, wenn es gelingt, die entsprechenden Anregungen wirksam werden zu lassen.“[4]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ein neuer Behandlungsansatz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das ist insofern ein neuer Behandlungsansatz, als es dem symptomorientierten Therapieansatz, der sich unmittelbar gegen das betreffende Symptom richtet in Form von Antipyretika, Antihistaminika, Antibiotika, Antidepressiva etc. etwas an die Seite stellt, das unmittelbar die ordnende Kraft der Ich-Organisation und die gesundende Aufbauleistung der ätherischen Organisation anspricht. Dabei steht nicht die Symptombeseitigung im Vordergrund, sondern die Regulierung von den Prozessen, die die Symptome hervorgebracht haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer also erwartet, dass z.B. eine Tablette Kephalodoron unmittelbar den Kopfschmerz beseitigt, wie man das von einer Gabe Ibuprofen erwarten kann, sieht sich getäuscht. Nimmt er aber das Migränemittel im gesunden Intervall über längere Zeit, werden die Anfälle milder und merklich seltener werden und können bei günstigem Verlauf auch sistieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[5]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ebenda, S. 115.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Vgl. Wolff (1984), 65–73 und (2013); Basold u. a. (1995).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] F. Husemann und Wolff (1993–2003), S. 244.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DAS HEILMITTEL SKLERON/SCLERON GEGEN ARTERIOSKLEROSE ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Woraus setzt sich dieses Heilmittel zusammen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wirken seine einzelnen Bestandteile?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie hängen unsere Gestalt und unsere Organe mit dem Tierkreis und den Planeten zusammen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Rudolf Steiner zur Komposition von Skleron&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Komposition dieses Arzneimittels besteht aus potenziertem (D 12) metallischem Blei, Honig und Zucker. Alle drei Substanzen haben eine direkte Beziehung zur Ich-Organisation: &#039;&#039;„Blei wirkt wie die Ich-Organisation, nicht wie der Astralleib, abbauend. Der Honig überträgt die abbauende Wirkung des Astralleibes auf die Ich-Organisation. Und der Zucker versetzt die Ich-Organisation in die Lage, ihre spezifische Aufgabe zu erfüllen.“[1]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem Vortrag vom 16. November 1923[2] geht Rudolf Steiner ausführlich auf das Skleron und seine drei Bestandteile ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Blei ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Was in uns – wenn ich mich jetzt psychologisch ausdrücken darf –, aus der Wahrnehmung die Vorstellung macht mit Hilfe der menschlichen Organisation, das ist ein Vorgang im Inneren der Nerven-Sinnesorganisation, der jenen Vorgängen entspricht, die wir draußen im Blei finden. Daher können wir sagen: Wenn das, was durch das Auge in der Wahrnehmung aufgefaßt wird, nun weiter zurückgeht in das Nerven-Sinnessystem, dann muß ihm entgegenkommen ein Prozeß, der gleich ist dem Bleiprozeß. Nur dadurch kann der Mensch das, was er wahrnimmt, auch denken. Dadurch wird das Gehirn ein Denkorgan; sonst würde es auch ein Wahrnehmungsorgan sein. Auf diese Weise wird der Mensch verselbständigt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Damit habe ich hingedeutet auf etwas, was in der Kopforganisation charakteristisch ist. Ich sagte also: dasselbe, was sich draußen im Bleiprozeß abspielt, müsse sich in der Kopforganisation abspielen, damit der Denkprozeß im Menschen zustande kommen kann.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Nehmen wir nun einmal die Bleifunktion und bringen wir sie nun nicht in die Nervenorganisation – wenn der Mensch geboren wird, ist das Blei von der Natur selber da, ist die Bleifunktion da, ohne daß die Substanz des Bleies nachgewiesen werden kann –, sondern bringen wir die Bleifunktion jetzt in die Verdauungsorganisation und in das Weitere hinein; dafür sorgt schon das Leben, zum Beispiel manchmal bei den Bleivergiftungen. Wenn Sie nun beobachten in allen Erscheinungen, was das Blei im Stoffwechsel-Gliedmaßenmenschen bewirkt, so bekommen Sie ein Bild, das sich zwar in verschiedenen einzelnen Symptomen darstellt, das aber eigentlich doch am charakteristischsten zusammengefaßt wird etwa in dem Symptomkomplex von Dementia senilis oder der Arteriosclerosis cerebralis: Sie bekommen dann das Bild des im Alter zerfallenden menschlichen Organismus. Das heißt mit anderen Worten: Wenn ich denselben Prozeß, der mir im Gehirn meine Selbständigkeit als organisches Wesen sichert, auf den anderen Pol des Menschen in Anwendung bringe, auf das Verdauungssystem und auf das damit im Zusammenhange stehende Gliedmaßensystem, dann bekomme ich ein Krankheitsbild; was also im Stoffwechsel-Gliedmaßensystem ein Krankheitsprozeß ist, das ist für den Nerven-Sinnesmenschen eine notwendige organische Funktion. Wenn ich also die Sklerose als ein langsames Sterben auffasse, so muß ich auch sagen: in einer gewissen abgeschwächten Form muß sie fortwährend im Haupte des Menschen funktionieren, dort ist sie der normale Zustand.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;So also sind die drei Glieder der menschlichen Wesenheit voneinander verschieden: was in dem einen Glied, in der Nerven-Sinnesorganisation, der normale Zustand ist, das ist in dem anderen Gliede des menschlichen Organismus eine Krankheitserscheinung. Aber ich habe schon gestern gesagt: Wie müssen wir uns nun zur Therapie stellen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wir müssen das, was den Krankheitsprozeß ausmacht, und was astralischer Leib und Ich-Organisation versorgen müssen, wenn eben der Krankheitsprozeß ungestört wuchern kann, das müssen wir dem astralischen Leibe und der Ich-Organisation abnehmen. Was müssen wir also tun, wenn wir die Sklerose haben? Wir müssen uns ihr so nähern, daß wir dem menschlichen astralischen Leibe für das Verdauungs-Gliedmaßensystem das abnehmen, was er mit dem alternden, zerfallenden, sklerotisch werdenden Leibe zu tun hat. Und das können wir, wenn wir es dem Blei übergeben, dem Blei in einer gewissen Dosierung. Und dies hat dazu geführt, daß wir zu einem solchen Heilmittel gekommen sind, wie Sie es in unserem Verzeichnis als Heilmittel Nummer I angeführt finden, als das Heilmittel gegen Arteriosklerose. Es ist also von vornherein durch wirkliche Menschenerkenntnis klar, daß man durch die in entsprechender Weise in den Menschen hineingebrachte Bleifunktion substantiell der Sklerose beikommen kann; nur muß man jetzt das Blei zur Wirksamkeit bringen. Es ist nicht ohne weiteres gesagt, daß ich das Blei, wenn ich es in den Organismus eingeführt habe, damit auch wirklich zur Wirksamkeit gebracht habe. Da helfen einem dann die weiteren Glieder einer wirklichen Menschenerkenntnis.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Da hilft es einem dann, daß man im menschlichen Organismus unterscheiden kann die aufbauenden und die abbauenden Kräfte. Die letzteren sind zum Beispiel gerade in der Sklerose tätig, wo der menschliche Organismus zerfällt. Im Haupte, im Gehirn zerfällt fortwährend der menschliche Organismus, denn das Gehirn ist immerfort von einer leisen Sklerose erfüllt; das liegt in seiner Organisation. […]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Honig ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wir brauchen auch noch, wenn wir uralt geworden sind, plastisch wirkende Kräfte, Bildekräfte, die die Nahrung, die wir aufnehmen, überführen in die Formen des Organismus. Nun stellt sich heraus: Daß nichts mehr fördert diese plastisch wirkenden, diese Bildekräfte, daß nichts mehr fördert die Anähnlichung der aufgenommenen Stoffe an den menschlichen Organismus als ein oftmals recht schwacher Honiggenuß. Honig wirkt in der Tat auf den altgewordenen Menschen im Stoffwechsel-Gliedmaßenorganismus ganz ähnlich, wie für den Gehirnorganismus des Kindes – und besonders des Kindes – die Milch wirkt. Das weist uns darauf hin, daß im Honig eben besondere Bildekräfte sind, die wir nicht dadurch auffinden, daß wir den Honig einfach chemisch analysieren, sondern die wir nur finden, wenn wir tatsächlich in aller Lebendigkeit die Beziehungen erkennen, die der Mensch hat zu den übrigen Substanzen im Weltall. Und diese Bildefähigkeit des Honigs – denn für eine genauere Interpretation stellt sich heraus, daß der Honig den menschlichen Organismus so ergreift, daß vorzugsweise der astralische Leib seine Bildekräfte ausüben kann […].&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Zucker ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;[…] diese Wirkungen des Honigs kann man dann unterstützen durch einen Zusatz von Zucker, vorausgesetzt, daß der menschliche Organismus das sonst verträgt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Daher finden Sie, daß – in einer besonderen Weise ineinandergefügt, funktional ineinandergefügt – unser erstes Heilmittel gegen Sklerose ein Präparat darstellt aus Blei, Honig und Zucker. […] Dieses Präparat ist also so hergestellt, daß es, wenn es in den menschlichen Organismus eingeführt wird, dort übernimmt die sklerotisierenden Kräfte. Es nimmt die sklerotisierenden Kräfte dem astralischen Leib und der Ich-Organisation des Menschen ab; die werden dadurch wieder frei und können nun für die normale, gesunde Organisation des Menschen wirken. Was ich aber mit diesem Präparat in den menschlichen Organismus einführe, das ist das, was früher Ich und astralischer Leib tun mußten, die daher nicht frei waren und ihre Funktionen ableiteten auf den Krankheitsvorgang. Jetzt übergebe ich den Krankheitsvorgang meinem Präparat. Das besonders Wirksame ist dabei das Blei; es übernimmt die Sklerotisierung, denn es ist ja seine eigene Natur, sklerotisierend zu wirken. Aber ich muß erst die Wege suchen durch die Plastik des Organismus hindurch, durch die ich das Blei dahin bringe, wo es nötig ist: das geschieht durch die Zusammensetzung mit Honig und Zucker.“[3]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wirkung von Blei und Honig auf das Gedächtnis&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das &#039;&#039;&#039;Blei&#039;&#039;&#039; in mittlerer Potenz hat einen direkten Bezug zum rhythmischen System und damit auch zu den Blutgefäßen. Es unterstützt die Abbauwirkung der Ich-Organisation. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Honig&#039;&#039;&#039; besteht je nach Pflanzenart aus verschiedenen meist einfachen Zuckern wie Glukose (Traubenzucker), Fruktose (Fruchtzucker), aber auch Zweifachzuckern wie Sacharose (Haushaltszucker) und Maltose (Malzzucker) und anderen Mehrfachzuckern. Außerdem enthält er Pollen, Enzyme und freie Aminosäuren. Daher wird er langsamer und auf verschiedenen Stoffwechselwegen verdaut, und er hat eine Brückenfunktion zwischen der ätherischen, astralischen und Ich-Organisation und kann dadurch den Astralleib von seiner abbauenden Wirkung entlasten und diese an die Ich-Organisation abgeben.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Bei der Sklerose wird die Ich-Organisation zu schwach; sie baut selber nicht genügend ab. Deshalb tritt Abbau allein durch den Astralleib ein. Es fallen die Abbauprodukte aus dem Organismus heraus und liefern Verstärkungen derjenigen Organe, die in Salzsubstanzen bestehen. Blei in gehöriger Dosierung nimmt den Abbau wieder in die Ich-Organisation zurück. Die Abbauprodukte bleiben nicht als Verhärtungen im Körper, sondern werden ausgestoßen. Alle Heilung der Sklerose kann nur darin bestehen, dass man den salzbildenden Prozessen, die sonst im Körper bleiben, den Weg nach außen öffnet.“[5]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit ist auch deutlich, dass es sich bei dieser Skleroseform offensichtlich um den dementiellen Formenkreis handelt, deren Anfangszustände &#039;&#039;„sich darin äußern, dass die Schlagkraft des Denkens und die exakte Herrschaft über das Gedächtnis aufhören.“[6]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wichtig ist aber auch zu beachten, dass das Mittel der jeweiligen Situation angemessen dosiert werden muss. Denn die Ich-Organisation kann in ihrer Wirkung durch das Präparat verstärkt werden und damit ‚hypertrophieren‘, wodurch ihre abbauende Wirkung zu stark wird und durch den nachfolgenden Aufbau nicht genügend kompensiert werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[7]&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27, S. 116.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Anthroposophische Menschenerkenntnis und Medizin,&#039;&#039; GA 319, 114–118.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Im Unterschied zur allgegenwärtigen Glukose im Stoffwechsel, hat die Fruktose bei den höheren Organismen und dem Menschen mehr spezifische Aufgaben, wodurch sie im Organismus im sogenannten Pentosephosphatweg (Pentosephosphatzyklus) aus Glukose hergestellt wird – und zwar insbesondere in der Leber, im Fettgewebe, den Milchdrüsen und den Nebennieren. Die dabei entstehenden Zuckerphosphate sind Vorstufen wichtiger Biomoleküle, wie den Ribosezuckern in den Nukleinsäuren des Erbguts (DNA/RNA), sowie der Energieüberträger ATP, NAD+ , FAD und CoA. Mehrere Studien, u. a. eine Studie vom Deutschen Institut fürErnährungsforschung, belegen einen Zusammenhang zwischen vermehrter Fruktoseaufnahme und Adipositas. Fruktose steigert nicht nur die Lipogenese, sondern führt auch zu einem gesteigerten Hungergefühl, da kein Insulin ausgeschüttet wird, welches auch ein Sättigungshormon ist. Zudem führt eine fruktosereiche Ernährung zu einem Anstieg der Plasmalipide und zur Insulinresistenz. Fruktose wirkt also dauerhaft diabetogen und das stärker als Glukose. Insgesamt steigert Fruktose also die Inzidenz für das Auftreten eines metabolischen Syndroms, welches als das gemeinsame Auftreten von Adipositas, Dyslipoproteinämie, gestörter Glukosetoleranz und arterieller Hypertonie definiert ist. Andere Untersuchungen zeigen einen Zusammenhang zwischen Fruktoseaufnahme und nicht-alkoholischer Fettleber (Steatosis hepatis) auf, welche eine Vorstufe der Leberzirrhose ist. Auch das Risiko für Gicht wird vor allem durch mit Fruktose gesüßte Softdrinks stark erhöht, wie prospektive Studien mit mehreren tausend Patienten belegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ursache ist der Verbrauch von ATP beim Abbau von Fruktose. Es fällt IMP an, das über den Purinabbau die Konzentration der Harnsäure ansteigen lässt. Neusten Studien zu Folge steigt selbst das Risiko von Krebserkrankungen wie zum Beispiel des Pankreas-Karzinoms durch eine fruktoselastige Diät. Fruktose trägt zur Synthese von Nukleinsäuren bei, was die Proliferation von Krebszellen begünstigt. Aus diesen Gründen empfiehlt die Food and Agriculture Organization of the United States die tägliche Aufnahme an freien Zuckern wie Fruktose auf weniger als 10 % der Gesamtenergiemenge zu reduzieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vgl. www.lecturio.de/artikel/medizin/fructosestoff-wechsel/; [6.1.2025].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Siehe FN 1, S. 115f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Ebenda, S. 116.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DAS MIGRÄNE-MITTEL BIODORON ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wozu dienen laut Rudolf Steiner und Ita Wegmann die grauen Hirnzellen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und was ist Aufgabe der weißen Gehirnsubstanz?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist Migräne aus anthroposophischer Sicht?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Aufgaben der grauen und weißen Hirnsubstanz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Entgegen der landläufigen Meinung, dass die &#039;&#039;&#039;‚grauen Hirnzellen‘&#039;&#039;&#039; Träger der menschlichen Intelligenz sind, wird von Rudolf Steiner und Ita Wegman betont, dass diesen Zellen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* überwiegend Stoffwechsel- und Ernährungsfunktion zukommt, &lt;br /&gt;
* weitaus weniger Hinneigung zu den rhythmischen Funktionen&lt;br /&gt;
* und am wenigsten zu den Sinnesfunktionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der &#039;&#039;&#039;weißen Substanz&#039;&#039;&#039; hingegen – d.h. den Leitungsbahnen und Nervenfortsätzen – obliegt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die Funktion einer integrierenden, &#039;&#039;„die übrigen Sinne zusammenfassende[n] Sinnestätigkeit, in die das Ich und der Astralleib hineinwirken“[1]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Daneben hat sie auch Bezug zu den rhythmischen Funktionen des Körpers (Astralleib/Ätherleib),&lt;br /&gt;
* am wenigsten jedoch zum Stoffwechsel, in den vorzugsweise Ätherleib und physischer Leib hineinwirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Migräne aus anthroposophischer Sicht&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aus anthroposophischer Sicht beruht die Migräne auf einer &#039;&#039;‚zurückgestoßenen Tätigkeit der Ich-Organisation‘&#039;&#039;, wodurch die Wahrnehmungsfunktion des zentralen Gehirns eingeschränkt wird zugunsten einer verstärkten Stoffwechselaktivität. Therapeutisch bedarf es also:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* einer &#039;&#039;Anregung der Nerven/Sinnestätigkeit&#039;&#039;: Dies wird &#039;&#039;&#039;durch die Kieselsäure&#039;&#039;&#039; in Form von Quarz erreicht;&lt;br /&gt;
* einer &#039;&#039;Umorientierung der rhythmischen Tätigkeit&#039;&#039; von ihrer Stoffwechsellastigkeit weg und hin zu einer stärkeren Verbindung mit dem Atemrhythmus: Das geschieht &#039;&#039;&#039;durch den Schwefel&#039;&#039;&#039;, der die rhythmische Funktionsordnung mehr dem Atemrhythmus zuneigen lässt;&lt;br /&gt;
* einer &#039;&#039;Eindämmung der rein vitalen Stoffwechseltätigkeit&#039;&#039; und der Unterstützung von deren Regulation durch die Ich-Organisation: Das kann &#039;&#039;&#039;durch das Eisen&#039;&#039;&#039; erreicht werden. Eisen leitet den Verdauungsvorgang hinüber in den Blutrhythmus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch mit diesem Arzneimittel liegen inzwischen jahrzehntelange positive Erfahrungen vor.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[3]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27, S. 117.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Einige Referenzen seien hier genannt: Sommer (1999), 289–292; Schirmer (1998), 348–355; Kohlhase (1998); Zwiauer (1989), 14–15; Hassauer (1988), 142–149; Noll (1963), 225–239.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== PYRIT, EIN MITTEL GEGEN TRACHEITIS UND BRONCHITIS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was verursacht Tracheitis und Bronchitis?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern machen Eisen und Schwefel Pyrit zum idealen Heilmittel dafür?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wieso macht es Sinn, heilend auf das Verhältnis von Puls und Atemfrequenz einzuwirken?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ursprung von Tracheitis und Bronchitis&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die meist durch Viren verursachte Entzündung der Luftröhre (Tracheitis), meist auch verbunden mit Schnupfen und im Übergang zum Lungengewebe mit Bronchitis, ist weit verbreitet, insbesondere in der kalten Jahreszeit oder bei einer stärkeren Belastung der Luft z.B. mit Feinstaub. Dahinter verbirgt sich aber die Frage, wieso der eine Mensch anfällig dafür ist und ein anderer unter denselben Bedingungen lebt und keine Tracheitis oder Bronchitis bekommt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der anthroposophisch orientierten Diagnostik zeigt sich der Ursprung der Tracheitis und Bronchitis in einer rhythmischen Dysfunktionalität zwischen Blutzirkulation und Atmung. Rudolf Steiner und Ita Wegman beschreiben es folgendermaßen: &#039;&#039;„Man müsste eigentlich nicht Pyrit sagen, sondern Pyritprozess. Dieser Prozess, der im Mineral Pyrit wie in Erstarrung festgehalten ist, entspricht dem, was aus dem Zusammenwirken des Eisenprozesses und des Schwefelprozesses entstehen kann.&#039;&#039; &#039;&#039;Das Eisen regt, wie schon in dem vorigen Abschnitte gezeigt ist, die Blutzirkulation an, der Schwefel vermittelt die Verbindung zwischen Blutzirkulation und Atmung. Gerade da, wo Blutzirkulation und Atmung in ein Verhältnis treten, liegt der Ursprung der Tracheitis und der Bronchitis, sowie auch gewisser Formen des Stotterns.“&#039;&#039;[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Schwefel als Vermittler&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Um zu verstehen, wieso hier der Schwefel die Vermittlung herstellen kann zwischen der Blutzirkulation und der Atmung, wenn er sich mit dem Eisen verbindet, sind Ausführungen Rudolf Steiners hilfreich, die er am 1. April 1920 den Ärzten und am 11. Juni 1924 den Landwirten gegenüber bezüglich des Schwefels machte: &#039;&#039;„Sie wissen, daß im Sinne der gegenwärtigen Chemie die hauptsächlichsten Bestandteile des Eiweißes sind die vier wichtigsten Stoffe in der Natur: Kohlenstoff, Sauerstoff, Stickstoff, Wasserstoff, und daß dazu kommt Sulfur oder Schwefel als, ich möchte sagen, durchhomöopathisierend dasjenige, was die anderen vier Stoffe tun.“[2]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Denn der Schwefel ist gerade dasjenige innerhalb des Eiweißes, was den Vermittler darstellt zwischen dem überall in der Welt ausgebreiteten Geistigen, zwischen der Gestaltungskraft des Geistigen und dem Physischen. Und man kann schon sagen, wer eigentlich in der materiellen Welt die Spuren verfolgen will, die der Geist zieht, der muß die Tätigkeit des Schwefels verfolgen. Wenn auch diese Tätigkeit nicht so offen liegt wie diejenige anderer Stoffe, so ist sie darum doch gewiß von der allergrößten Bedeutung, weil auf dem Wege des Schwefels der Geist in das Physische der Natur hereinwirkt, Schwefel ist geradezu der Träger des Geistigen. Er hat seinen alten Namen Sulfur, der ja verwandt ist mit dem Namen Phosphor; er hat seinen alten Namen, weil man in älteren Zeiten in dem Licht, in dem sich ausbreitenden Licht, dem sonnenhaften Lichte sah auch das sich ausbreitende Geistige. Und man nannte deshalb diese Stoffe, die mit dem Hereinwirken des Lichts in die Materie zu tun haben, wie Schwefel und Phosphor, die Lichtträger.“[3]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verhältnis von Pulsschlag und Atmung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dieser Bezug des Schwefels zum Weltengeist, zum Welten-Ich – d.h. zu den Kräften im Weltenall, die an der Evolution Anteil haben, die zum Menschen hinführt, so dass dieser ein Ich-begabtes Wesen werden kann – dieser Bezug hat auch eine rhythmische Komponente, die unmittelbar mit der Atmung zusammenhängt. Der Schwefel entfaltet seine vermittelnde Funktion, indem er &#039;&#039;„den physischen Leib geneigt macht, die Wirkungen des Ätherischen aufzunehmen“.[4]&#039;&#039; Diese Belebung in Verbindung mit dem Eisenprozess im Blut stärkt die körpereigene Abwehr in dem Grenzgebiet zwischen Zirkulation und Atmung. Dabei ist interessant, dass im besten Erholungsschlaf auf einen Atemzug vier Pulsschläge kommen – oder seltener andere ganzzahlige Verhältnisse. Das Verhältnis 1 : 4 stellt den idealen Zusammenhang von Atem- und Pulsrhythmus dar, was auch für die Sprachtherapie von essentieller Bedeutung ist.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da bestimmte Formen des Stotterns damit zusammenhängen, dass die betreffenden Kinder oder Erwachsenen schneller denken als sie sprechen können und dadurch auch der Atemrhythmus gestört wird, kann ein funktionell beeinflussbares Stottern mit einer Pyrit-Therapie in Verbindung mit Sprachtherapie geheilt werden. Wobei sich in der unterstützenden Sprachtherapie der Hexameter-Rhythmus bewährt hat, dem das Verhältnis von 1 : 4 zugrunde liegt. Statistisch gesehen stellt sich dieser Rhythmus bei den meisten Menschen während der Nacht über eine gewisse Zeit ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Heart-Rate-Variability als Diagnose-Tool&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Inzwischen gib es auch eine breite Forschung zur sogenannten Heart-Rate-Variability, die zeigt, dass je mehr der Puls-Atemquotient von ganzzahligen Verhältnissen abweicht, dies Hinweise gibt auf vegetative Störungen bis hin zu manifesten Organerkrankungen.[6]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inwieweit sich dieses rhythmisch-musikalische Verhältnis 1 : 4 auch bis in die Bildung der Organe der rhythmischen Funktionsordnung von Herz-Kreislaufsystem und Atmung während der Embryonalentwicklung nachweisen lässt, ist empirisch noch nicht erforscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; heißt es zusammenfassend: &#039;&#039;„Dieser Prozess zwischen Blutzirkulation und Atmung, der zugleich der Prozess ist, aus dem die entsprechenden Organe im Embryonalleben gebildet werden und im weiteren Leben sich immer wieder erneuern, kann von der dem Körper zugeführten Eisenschwefelsubstanz übernommen werden, wenn er im Organismus nicht normal verläuft. […] Der Eisenprozess wird von dem Stoffwechsel bis in die Blutzirkulation geführt. Der Schwefelprozess tritt von der Blutzirkulation in den Atmungsvorgang über.“[7]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[8]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27, S. 118.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaft und Medizin,&#039;&#039; GA 312, S. 222.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft. Landwirtschaftlicher Kursus,&#039;&#039; GA 327, 52.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Vgl. auch Glöckler (2016a), 16–18.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. von Bonin u. a. (2020).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Vgl. Moser u. a. (2017) und (1994); Cysarz (2018).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Siehe FN 1.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== VIELSEITIGE WIRKUNGEN VON ANTIMON-VERBINDUNGEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern ist Antimon ein typisches Heilmittel?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie lässt sich die vielseitige Verwendung von Antimon in der Medizin erklären?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wirkt Antimon im menschlichen Organismus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Antimon unter verschiedenen Blickwinkeln betrachtet&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Antimon in der Darstellung von Kapitel XVI ====&lt;br /&gt;
In Kapitel XVI von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039;&#039;[1]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; wird Antimon/Stibium beispielhaft angeführt, wie man zur &#039;&#039;„Heilmittel-Erkenntnis“&#039;&#039; kommen kann. Über 60 Krankengeschichten sind dokumentiert, in denen Rudolf Steiner das Stibium zur Behandlung empfiehlt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* in Form von äußerer Salbenanwendung &lt;br /&gt;
* oder Sitzbädern,&lt;br /&gt;
* innerlich als potenziertes Präparat aus Antimonspiegel, &#039;&#039;Stibium metallicum praep&#039;&#039;. (Antimonit)&lt;br /&gt;
* sowie als &#039;&#039;Tartarus stibiatus&#039;&#039;, dem sogenannten Brechweinstein, einem schon von alters her bekannten Heilmittel.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Kapitel wird das Antimon zudem dargestellt, wie es sich im Spannungsfeld der von der Erde ausstrahlenden physisch orientierten Gravitationskräfte und den auf die Erde ein- strahlenden Ätherkräften orientiert, und eine starke Neigung hat, sich den einstrahlenden Kräften zu fügen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Antimon in der Darstellung von Kapitel XX ====&lt;br /&gt;
In Kapitel XX wird der Charakter des Antimons als typisches Heilmittel beschrieben. Es kann überall da Anwendung finden, wo ein Ungleichgewicht entsteht zwischen den flüssig-weichen eiweißbildenden Kräften und den strukturierenden, gerinnungsfördernden Kräften im Blut. Hier wird seine besondere Beziehung zum Astralleib des Menschen geschildert. Diese Beziehung macht das Antimon zum typischen Heilmittel und erklärt nicht nur seine unterstützende Wirkung für die gesunde Gerinnungsfähigkeit des Blutes, sondern vor allem auch seine strukturierende und klärende Einwirkung auf die seelische Befindlichkeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Antimon erweist sich nicht nur als ein Mittel, das so wirkt &#039;&#039;„wie die Ich-Organisation“,[3]&#039;&#039; deren Organ das Blut ist. Seine Wirkung erstreckt sich analog der Wirkung der Ich-Organisation durch alle Wesensglieder hindurch bis hin zur physischen Organisation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Man hat nun im Blute gewissermaßen den Gleichgewichtszustand zwischen formbildenden formauflösenden Kräften. Das Antimon kann wegen seiner beschriebenen Eigenschaften die formbildenden Kräfte des menschlichen Organismus in das Blut überführen, wenn dazu der Weg durch die Verbindung mit dem Schwefel gebahnt wird. Daher sind die Kräfte des Antimons diejenigen, welche in der Gerinnung des Blutes wirken. Geisteswissenschaftlich stellt sich die Sache so heraus, dass der astralische Leib in denjenigen Kräften, die zur Gerinnung des Blutes führen, verstärkt wird. Man muss im astralischen Leibe in den Antimonkräften ähnliche Kräfte sehen, die im Organismus von innen nach außen zentrifugal wirken. Diesen antimonisierenden Kräften wirken entgegen die von außen nach innen gerichteten Kräfte, die das Blut verflüssigen und verflüssigtes Blut plastisch in den Dienst der Körperbildung stellen.“[4]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Antimon als Heilmittel bei Typhus&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die in den Kriegs- und Krisenjahren im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts weitverbreitete Typhus/Paratyphuserkrankung gehörte zu den typischen Krankheitserscheinungen in dieser Zeit. Die Empfänglichkeit dafür, abgesehen von den prädisponierenden unhygienischen Lebensumständen, wird als Ungleichgewicht zwischen der strukturierenden Tätigkeit der Ich-Organisation und der bildenden und lösenden Tätigkeit der ätherischen Organisation angesehen, die durch die astralische Organisation vermittelt werden muss. Denn so wie den physischen, von der Erde ausstrahlenden Kräften die ätherischen, auf die Erde einstrahlenden gegenüberstehen, sind die astralischen Kräfte in sich polar in der Beziehung zwischen innen und außen wirksam, d.h. zwischen der seelischen Innenwelt und der Wahrnehmungswelt draußen, zwischen dem sich in Sympathie Öffnen und in der Antipathie Abgrenzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Man wird immer bemerken, dass die Antimonaufnahme Gedächtnisverstärkung, Hebung der schöpferischen Kräfte der Seele, innere Geschlossenheit der Seelenverfassung hervorrufen. Der Organismus wird von der verstärkten Seele aus regeneriert. Das fühlte man in der älteren Medizin. Ihr war daher das Antimon ein Universalmittel. Wenn wir auch nicht auf diesem extremen Standpunkte stehen, so müssen wir doch, wie aus dem Obigen hervorgeht, in dem Antimon ein vielseitiges Heilmittel suchen.“&#039;&#039;&#039;[&#039;&#039;&#039;5]&amp;lt;sup&amp;gt;,&amp;lt;/sup&amp;gt; [6]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[7]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Es ist dies Kaliumantimonyltartrat, das durch Sättigung von gereinigtem Weinstein mit Antimonoxid entsteht, farblos-durchsichtige Kristalle bildet und insbesondere bei Lungen- und Magen-Darm-Erkrankungen Anwendung fand (Vgl. Krüger 1995).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Siehe FN 1, S. 79.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe FN 1, S. 119f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Ebenda, S. 120f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Vgl. auch Engel (2019), 111–122; Jachens (2014), 256–264; Rißmann (2010), 123–127; Cloos (2001), 374–378; Bavastro (1990), 239–244; Weckenmann (1985), 208–220; Baerens (1983), 209–210; Berthold (1954), 85–114.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== WIRKSAMKEIT EINES HEILMITTELS VERMITTELN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie vermittelt der Arzt seinem Patienten, welches Heilmittel er braucht?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist dabei zu beachten, worauf kommt es an?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wirksamkeit der Gedanken und Gefühle miteinbeziehen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ideal wäre es, mit dem Patienten über ein Heilmittel in einer Art zu sprechen, dass etwas von der Wirksamkeit desselben auf den Patienten überspringt und dieser sich freut, dass er dieses Mittel bekommt, ja, dass er dankbar dafür ist. Der Patient sollte es mit dem Gefühl nehmen, er habe etwas besonders Gutes bekommen. Denn Freude und Dankbarkeit wirken therapeutisch – sie sind nicht „Placebo“, sondern real und wirksam. Wir müssen begreifen, dass das, &#039;&#039;was&#039;&#039; und &#039;&#039;wie&#039;&#039; wir über eine Sache denken, viel mehr als nichts ist: Was jemand weiß, ist etwas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ätherleib als Träger der zeitlichen und „ewigen“ Lebenskräfte entfaltet diese Doppelwirksamkeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ihm verdankt unser Körper einerseits &#039;&#039;&#039;Leben, Regeneration, Wachstum&#039;&#039;&#039; und die individuelle Lebenszeit&lt;br /&gt;
* Andererseits verdankt der Mensch ihm sein &#039;&#039;&#039;Gedankenleben&#039;&#039;&#039;, je älter er wird, umso mehr, das sich aus all den ätherischen Kräften speist, die der Körper nicht mehr „verkörpert“ halten kann (und muss) und die er damit in die „außerkörperliche Wirksamkeit“ entlässt. Die Gedanken können über den Tod des Menschen hinaus weiterleben und ihn tragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Medikamente wirken auf beide Aspekte des Lebens – sprich: Auch was ich über etwas denke, bewirkt etwas. Wenn ich die Arnikawirkung denke, wirkt sie bereits, denn Gedanken wirken immer, sind ein reales Wirkprinzip. &#039;&#039;„Hab Sonne im Herzen, ob&#039;s stürmt oder schneit“&#039;&#039;. Wenn ich die Sonne meditiere, habe ich Licht und Wärme im Herzen, selbst wenn ich Bauchweh habe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Denken vermindert Heilkraft, positive Gefühle verstärken sie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Indem ich denke, nehme ich der ätherischen Wirksamkeit im Körper aber auch etwas weg, weil es dieselben Kräfte sind, die dem Körper zur Gesundheit verhelfen. D.h, der Körper ist am gesündesten, wenn man nicht denkt, also im Schlaf, weil da die gesamten ätherischen Kräfte (auch diejenigen, die tagsüber außerkörperlich dem Denken dienen) in den physischen Leib einziehen und an seiner Regeneration arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am besten ist es, wenn der Patient über ein Heilmittel gerade so viel weiß, dass er sich freut und ihm ein bisschen warm wird bei dem Gedanken, dass er es jetzt einnehmen darf. Denn diese positiven Gefühle teilen sich auch dem Körper mit und beeinflussen den Stoffwechsel positiv. Positive Gefühle führen dem Ätherleib vom Seelischen her positive Kräfte zu, wie dies gesunde Ernährung vom Physischen her tut. Zuviel Nachdenken über die Wirkung mindert diese jedoch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch weniger zuträglich ist es, wenn ein Patient nicht so recht weiß, wie ein Mittel wirkt, oder Angst bekommt, wenn er den Beipackzettel liest. Dann fühlt er sich verunsichert – weswegen 40 Prozent der Medikamente in den Müll und nicht in den Magen der Patienten wandern. Wieder zuhause entscheiden sie, dass es ihnen eigentlich gar nicht so schlecht geht und nehmen das verordnete Medikament lieber nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur Anthroposophischen Medizin, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Offenborn</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Anthroposophische_Heilmittel&amp;diff=1279</id>
		<title>Anthroposophische Heilmittel</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Anthroposophische_Heilmittel&amp;diff=1279"/>
		<updated>2026-01-30T14:21:10Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Offenborn: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= Anthroposophische Heilmittel - von Michaela Glöckler =&lt;br /&gt;
Auszüge aus Büchern und Vorträgen von [[Michaela Glöckler]]; Erstveröffentlichung auf https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== SUBSTANZ-ERKENNTNIS ALS GRUNDLAGE FÜR HEILMITTEL-ERKENNTNIS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was meint Rudolf Steiner mit der Weltenaufgabe der Substanzen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was wird anhand der Beispiele Ameisensäure und Oxalsäure im Hinblick auf ihre Wirkung im Zellstoffwechsel aufgezeigt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern muss der Organismus als Tätigkeitszusammenhang begriffen werden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Weltenaufgabe der Substanzen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel XVII von &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039; liegt der Fokus auf einer konsequent prozessorientierten Substanz-Erkenntnis, über die Rudolf Steiner im Ärztekurs für die jungen Mediziner schreibt, dass es die Aufgabe des Arztes sei, &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„die Weltenaufgaben der Substanzen zu erkennen“.[2]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;„Grundlegendes…“&#039;&#039; formulieren die Autoren es so: &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Wer die Wirkung von Heilmitteln beurteilen will, muss ein Auge haben für die Kräftewirkungen, die sich im menschlichen Organismus ergeben, wenn eine Substanz, die außer demselben gewisse Wirkungen zeigt, in irgendeiner Art in ihn eingeführt wird.“[3]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039; Etwas von dieser ‚Weltenaufgabe‘ wird dort anhand der Ameisensäure und der Kleesäure aufgezeigt und damit auf die Bedeutung dieser Blickrichtung für bestimmte Prozesse im menschlichen Zellstoffwechsel hingewiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Beispiel: Aufgabe der Ameisensäure ====&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Ameisensäure wird vom Menschen mit der Nahrung in der Regel nicht aufgenommen. Sie wird im Tierreich gebildet und als Abwehrstoff, insbesondere der Insekten, ausgeschieden – selten auch bei Pflanzen, wie z.B. in den Brennhaaren der Brennnesseln. Ihre ‚Weltaufgabe‘ ist inzwischen gut erforscht: Die rote Waldameise ist für die Gesunderhaltung der Wälder unentbehrlich. Sie steht daher auch unter Naturschutz, seitdem man ihre Bedeutung für die ‚Lebensgemeinschaft Wald‘ erkannt hat. Um einen Ameisenbau herum vernichtet jedes Volk pro Tag zehntausende Schädlinge bzw. deren Larven und Raupen (wie z.B. Borkenkäfer- und Blattwespenlarven) sowie Kadaver und Pilzmyzel in morschem Holz. So hilft die Ameisensäure dem Mikrobiom des Bodens, die verwesenden Pflanzenreste und das modernde Holz zu verarbeiten. Auch verbreiten Ameisen auf ihren Wegen tausende von Samen und tragen so zur Vielfalt im Wald bei sowie zur Verbesserung der Bodenbeschaffenheit. Instrument für ihre wertvollen reinigenden Tätigkeiten ist die Ameisensäure mit ihrer aggressiven Toxizität.[4]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Beispiel: Aufgabe der Oxalsäure ====&lt;br /&gt;
Die Oxal- bzw. Kleesäure hingegen findet sich in allen Pflanzen und den meisten Bakterien und in unterschiedlichen Mengen in vielen Nahrungsmitteln wie z.B. in schwarzem Tee, Mangold oder Rhabarber. Nach der Aufnahme muss sie dann im Organismus zu ausscheidungsfähigen Endprodukten abgebaut werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Ein ‚Zuviel‘ führt zusammen mit Calcium im Darm zu schwer löslichen Salzen (Oxalaten), was Anlass geben kann für die Bildung von Blasen- und Nierensteinen. Oxalsäure ist ein pflanzliches Gift – für den Menschen können bereits Gramm-Mengen tödlich sein.[5] Als Kalzium-, Magnesium- oder Kaliumsalze sind die Oxalate allgegenwärtig und aus dem Zellstoffwechsel der Lebewesen nicht wegzudenken – bis hin zu den meisten Pilzen und Bakterien. Im Gegensatz zur Ameisensäure entfaltet die Oxalsäure ihre Wirkung nicht in dem Zwischenbereich zwischen dem Mineralisch-Physischen und dem Ätherisch-Lebendigen. Sie hat ihre Aufgabe in der Lebenswelt der Pflanzen – aber als Giftsubstanz im Grenzgebiet zum astralischen Kräftebereich. Da Gifte auch in schwacher Dosierung immer lebensfeindlich sind, regen sie den Organismus dazu an, auf unterschiedlichen Wegen diese Gifte schnellstmöglich abzubauen oder in Verbindung mit anderen Substanzen unschädlich zu machen. Diese Abbauvorgänge dienen im Organismus der Tiere und der Menschen der Bewusstseinsbildung, die sich, wie mehrfach erwähnt, auf Abbauvorgänge stützt.[6]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Biochemisch handelt es sich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* bei der &#039;&#039;&#039;Ameisensäure&#039;&#039;&#039; um die einfachste Monocarbonsäure (Formica, HCOOH, ihre Salze heißen Formiate)  &lt;br /&gt;
* und bei der &#039;&#039;&#039;Oxal- bzw.&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Kleesäure&#039;&#039;&#039; um die einfachste Dicarbonsäure (Acidum oxalicum, HOOC-CO-CH2-COOH, ihre Salze heißen Oxalate).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Notwendige Verwandlung von Oxalsäure in Ameisensäure&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Rudolf Steiner hat erstaunlich oft über die Bedeutung der biochemischen Verwandlung von Oxal- in Ameisensäure gesprochen.[7] Den Prozess der Bildung von Oxalsäure, der hauptsächlich in den Verdauungsorganen stattfände, hielt er für eine notwendige Grundlage dafür, dass der Mensch überhaupt leben könne – grundlegend also dafür, dass die Ätherkräfte zur Wirksamkeit kommen können.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Ihre Umwandlung in Ameisensäure aber sei eine entsprechende Grundlage für das Wirksamwerden der astralischen Kräfte in der physisch-ätherischen Konstitution. In einem Ärztevortrag führt er weiter aus, dass man im Falle der Ameisensäure dahin kommen müsse zu erkennen, dass sie im Menschen, wie auch draußen in der Natur, die Aufgabe hat, gegenüber den Prozessen des Alterns, des Absterbens und des Vermoderns immer wieder weiteres Leben, weitere Entwicklung zu ermöglichen.[8] Auch führt er aus, dass &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;„die heutige Physiologie“&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt; diese Prozesse erst finden müsse.[9]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&amp;lt;sup&amp;gt;,&amp;lt;/sup&amp;gt;&amp;lt;nowiki&amp;gt; [10]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner und Wegman sahen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* in der &#039;&#039;&#039;Ameisensäure&#039;&#039;&#039; die Schlüsselsubstanz im Stoffwechsel des tierischen Organismus&lt;br /&gt;
* und in der &#039;&#039;&#039;Oxalsäure&#039;&#039;&#039; die Schlüsselsubstanz im pflanzlichen Zell-Metabolismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Organismus als Tätigkeitszusammenhang begriffen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;In Abs. 2 wird deutlich gemacht, wie entscheidend es für einen Organismus ist, eine Substanz nicht nur zu besitzen, sondern auch den Bildeprozess zum Aufbau dieser Substanz zu leisten. Im Tun liegt das Wesen des Organismus, nicht in seinen Substanzen. Der Organismus ist nicht ein Stoffzusammenhang, sondern ein Tätigkeitszusammenhang. Der Stoff trägt den Anreiz zur Tätigkeit in sich. Hat er diesen Anreiz verloren, so hat er für die Organisation keine weitere Bedeutung.[11]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter diesem Gesichtspunkt kann auch die jeweilige Aufgabe der Ameisensäure und der Kleesäure im menschlichen Organismus verstanden werden. Hier ‚dienen‘ diese Substanzen der Ich-Organisation: &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Die Ich-Organisation braucht diesen Übergang der organischen Substanz in den leblosen Zustand. Aber sie braucht eben den Vorgang des Überganges; nicht, was dann durch den Übergang entsteht. Ist nun das nach dem Leblosen hin sich Entwickelnde gebildet, so wird es im Innern des Organismus zur Last. Es muss entweder unmittelbar abgesondert werden oder aufgelöst, um mittelbar hinwegzukommen. Geschieht nun für etwas, das aufgelöst werden sollte, diese Auflösung nicht, so häuft es sich im Organismus an und kann die Grundlage für gichtische oder rheumatische Zustände bilden.“[12]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;In der Biologie werden die Phänomene dieses Übergangs zwischen Abbau und Aufbau im Falle der Gesundheit als metabolische Homöostase beschrieben, wobei deren ‚Regulator‘ ein noch nicht gefundener Faktor ist. Es wird aber das Erstaunen zum Ausdruck gebracht darüber, dass unabhängig davon, was und wieviel man gerade isst oder nicht und wieviel Oxalacetat man gerade mit der Nahrung aufgenommen hat oder nicht, die Substanzen im sogenannten Stoffwechsel-Pol der Zellen konstant gehalten werden. D.h. in den Zellen sind die Enzyme des Katabolismus (Abbau) und Anabolismus (Aufbau) normalerweise derart reguliert, dass ein Gleichgewicht gewahrt bleibt. Wird dieses Gleichgewicht jedoch gestört, bedeutet dies den Beginn krankhafter Prozesse.[13]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[14]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----&amp;lt;nowiki&amp;gt;[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, Ga 27, Kap. XVII.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[2] Rudolf Steiner, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Meditative Betrachtungen und Anleitungen zur Vertiefung der Heilkunst. Vorträge für Ärzte und Medizinstudierende,&#039;&#039; GA 316, S. 22.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[3] Siehe FN 1, S. 82.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[4] Der Kern eines Ameisenhaufens ist meist in alten Wurzelstöcken von Nadelhölzern oder Eichenstämmen angesiedelt; das Zusammenleben in der Ameisenkolonie ist ausgeprägt sozial. Eine Königin lebt bis zu 20 Jahre, Arbeitsameisen 5–6 Jahre. Sie entwickeln sich in klar definierten Temperaturbereichen (Ameisenpuppen brauchen 31°, Larven 28°, die Entwicklung der Eier nur 25°). Vgl. Jirikowski (2010), 105–107.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[5] Vgl. Wollrab (2014), 621.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[6] Vgl. Wolff (2013), 85, 263–269.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[7] Vgl. Rudolf Steiner, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Mysteriengestaltungen,&#039;&#039; GA 232, 13. Vortrag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[8] Vgl. FN 1, S. 22f.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;[9] Vgl. FN 11, S. 193–195.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[10] Dazu muss aus anthroposophisch-medizinischer Sicht gesagt werden, dass die geisteswissenschaftliche Biochemie, für die Hauschka und Wolff die Grundlagen erarbeitet haben (Vgl. Hauschka 2007, Wolff 2013), auf dem jeweils neuesten Stand der biochemischen Forschung weiter erarbeitet werden muss. Denn die Zusammenschau der Wesensglieder-Tätigkeiten als ganzheitliche Regulatoren und die immense Faktenfülle der molekulargenetischen Einsichten in das hochkomplexe Regelkreisgeschehen der Zellatmung ist für eine umfassende Integrativmedizin unverzichtbar.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[11] Siehe FN 1, S. 82.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[12] Ebenda.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[13]  Vgl. Sadava u. a. (2019), 265–271.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[14] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== HEILENDE VERBINDUNG VON MENSCH UND NATUR ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern stehen Mensch und Natur in einer heilsamen Verbindung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Naturstoffe zur Arzneimittelherstellung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Natur ist nicht nur Lebensraum und Existenzgrundlage des Menschen. Ihre Stoffe und Kräfte liegen auch einer Fülle von Arzneimitteln zugrunde. Anthroposophische Arzneimittel sollen dazu beitragen, dass der Organismus – wann immer sinnvoll und möglich – in die Lage versetzt wird, eine Krankheit aus eigener Kraft zu überwinden. Sie stärken die gesundenden Kräfte und sind also vor allem darauf orientiert, die Körperfunktionen wieder ins Gleichgewicht zu bringen und die Abwehrkräfte zu stärken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der anthroposophischen Arzneimittelherstellung werden mineralische, pflanzliche, metallische und tierische Ausgangsstoffe verwendet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gängige mineralische Substanzen sind u.a. Quarz, Schwefel oder Kalk.&lt;br /&gt;
* Bekannte Heilpflanzen sind z.B. Arnika, gelber Enzian oder Kamille.&lt;br /&gt;
* Als Metalle kommen häufig Gold, Silber, Kupfer, Eisen und Zinn in potenzierter Form zum Einsatz.&lt;br /&gt;
* Zu den tierischen Ausgangssubstanzen gehören z. B. Insektengifte von Biene, Ameise, Hornisse sowie Organextrakte von Säugetieren (aus Leber, Thymusdrüse, Nieren, Nerven u.a.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Reicher Arzneimittelschatz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Alle anthroposophischen Medikamente werden nach komplexen Vorgaben der von Rudolf Steiner und Ita Wegman begründeten anthroposophischen Medizin hergestellt.[1] Die meisten Ausgangsstoffe werden in hoher Verdünnung (homöopathisch potenziert) eingesetzt, nur sehr selten konzentriert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophische Arzneimittel enthalten häufig mehrere Inhaltsstoffe. Diese sind nicht nur kombiniert, sondern komponiert. Wie bei einem Orchester, so kommt es auch bei einem zusammengesetzten Arzneimittel darauf an, in welchen Anteilen die verschiedenen Einzelkomponenten gemischt sind. In dieser Art gemischt, ergeben sie eine andere Wirkung denn als Einzelbestandteile. So wie ein Orchester anders klingt als eine Violine allein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anthroposophische Arzneimittelschatz umfasst etwa 2000 Substanzen, Kombinationen und eine Vielzahl von Darreichungsformen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ampullen, Augentropfen, Dilutionen, Einreibungen (ölige), Emulsionen, flüssige Verdünnungen, Flüssigkeiten zur Inhalation, Flüssigkeiten zur äußeren Anwendung, Gelate, Globuli, Granulate, Injektionen, Kapseln, Lotionen, Metallspiegelfolien, Mischungen, Nasentropfen (ölige), Öle, Pasten, Pflaster, Puder, Pulver, Salben (fettarm), Salben, Sirup, Tabletten, Tees, Tinkturen zum äußeren Gebrauch, Triturationen, Tropfen, Vaginalglobuli, Vaginaltabletten, Verdünnungen (wässrige), Zäpfchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Der Mensch als umgekehrte Pflanze&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aus anthroposophischer Sicht gleicht der Mensch einer umgekehrten Pflanze:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* So wie der Mensch seine Nahrung – in Form von Nahrungsmitteln, aber auch als „seelische“ oder „geistige“ Nahrung in Form von Gedanken, Worten, Tatsachen aus Kunst und Wissenschaft, über den Kopf – aufnimmt, so versorgt sich die Pflanze über ihre Wurzeln mit den nötigen Nährstoffen.&lt;br /&gt;
* Umgekehrt verhält es sich mit der Fortpflanzungsregion. Diese ist bei der Pflanze oben, Luft und Licht gegenüber geöffnet, wohingegen sie beim Menschen nach unten und innen gelagert ist, zur Erde hin.&lt;br /&gt;
* Beiden gemeinsam ist, dass in der Mitte – bei der Pflanze über die Blätter, beim Menschen über die rhythmischen Funktionen von Atmung und Kreislauf – der Gasaustausch stattfindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Umgekehrte Wirkung der Pflanze auf den Menschen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
So wirken die Anwendungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* von &#039;&#039;Wurzeln&#039;&#039; unterstützend und heilend bei Erkrankungen der &#039;&#039;Kopf- und Nerven-Sinnesorganisation&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* Teeabkochungen und -zubereitungen aus &#039;&#039;Blättern&#039;&#039; bei Störungen der &#039;&#039;rhythmischen Funktionen&#039;&#039; (insbesondere von Herz und Lunge),&lt;br /&gt;
* Zubereitungen aus &#039;&#039;Früchten&#039;&#039; bei &#039;&#039;Stoffwechsel- und Verdauungsstörungen&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entsprechendes gilt für die Ernährung. Wer darauf achtet, dass der Anteil von Wurzeln, Blattgemüse, Früchten und Samen ausgewogen ist, sorgt für eine an den Bedürfnissen des ganzen Körpers orientierte Ernährung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim therapeutischen Einsatz von mineralischen, pflanzlichen und tierischen Substanzen gilt es, „die Weltaufgabe dieser Substanzen zu verstehen“. Steiner regte an zu erforschen, welche Aufgabe ein bestimmtes chemisches Element oder eine Stoffkombination wie Wasser, Salz, Asche, Gerbstoffe oder Pyrit im Haushalt der Natur innehat. Die Signatur dieser Aufgabe bzw. Tätigkeit sagt auch aus, welche Wirkung die betreffende Substanz im menschlichen Organismus entfalten kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Menschen als Mikrokosmos kennenzulernen im Kontext der großen Weltentwicklung mit ihren Prozessen und Stoffzusammenhängen – nach alter Tradition Makrokosmos genannt – ist der Schlüssel zum Verständnis der anthroposophischen Arzneitherapie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Artikel in der Deutschen Apothekerzeitung DAZ Nr. 39, 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Seiner und Ita Wegmann, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27, Dornach 1935.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ANTHROPOSOPHISCHE HEILMITTEL-ERKENNTNIS AM BEISPIEL VON ANTIMON ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welcher Blickwinkel ist grundlegend im Hinblick auf die anthroposophische Heilmittel-Erkenntnis?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern weist Antimon Ähnlichkeiten mit dem Ätherischen auf?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wird es, auch in Kombination mit Schwefel, therapeutisch eingesetzt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wirksamkeit von Substanzen im Kontext irdisch-menschlicher Kraftsysteme&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel XVI von &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039; geht es um anthroposophische Heilmittel-Erkenntnis. Die Grundlage davon ist der Blick auf das Verhalten bzw. die Wirksamkeit einer Substanz im Bereich der in Kapitel I geschilderten Kraftsysteme. Dabei geht es insbesondere um die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* von der Erde ausstrahlenden&lt;br /&gt;
* und in sie einstrahlenden Kräfte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„[...] es kommt darauf an, die Wirkungen zu beobachten, die sich aus dem Zusammenhange der inneren Kräftekonstitution einer Substanz im Verhältnis zu den Kräften ergeben, die von der Erde ausstrahlen oder in sie einstrahlen.“[2]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Antimon, Schwefel und die Austernschalenbildung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Diese Wirkungen werden am Beispiel des Antimons in seiner Beziehung zum Schwefel in Form des in der Natur vorkommenden Grauspießglanzes aufgezeigt (Sb2 S3, auch als Antimonit bzw. Stibnit bekannt), sowie an der Austernschalenbildung, die zum Verständnis der Typhusbehandlung beiträgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Antimon ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Antimon&#039;&#039; kam bereits in der ägyptischen Medizin zur Anwendung, nimmt bei Paracelsus eine zentrale Stellung ein und hat bis in die Gegenwart immer neue Einsatzmöglichkeiten erfahren. Chemisch ist es dem Arsen verwandt und eine Menge von 100 mg bis etwa 1200 mg kann bereits tödlich sein. Eine gute Übersicht über seine Verwendung – einschließlich in der Anthroposophischen Medizin – findet sich bei &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;Marxer[3]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039; Die Bezeichnungen Antimon und Stibium für das chemische Symbol Sb stammen von den lateinischen Wörtern &#039;&#039;antimonium&#039;&#039; und &#039;&#039;stibium&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt; ab, die schon im Altertum für den Grauspießglanz verwendet wurden.[4]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Schwefel ====&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ Schwefel ist eines der seltenen Minerale, die in kristallisierten polymorphen Formen in der Natur rein vorkommen und in der Struktur der orthorhombischen Raumgruppe Fddd die typisch gelbe α-Kristallform zeigen. Schwefel steht mit einem Anteil von geschätzt 0,048 Gew.-% an 15. Stelle unter den häufigsten Elementen der uns bekannten Erdkruste. Er wurde in Kometenschweifen nachgewiesen, ist auf der Erde zum einen vulkanischen Ursprungs und stammt zum anderen aus der Biosphäre von Bakterien, die aus schwefelhaltigen Mineralien Schwefel aufnehmen und Sedimente bilden sowie von Pflanze, Tier und Mensch, da er im Eiweißaufbau durch die beiden schwefelhaltigen Aminosäuren &#039;&#039;Cystin&#039;&#039; und &#039;&#039;Methionin&#039;&#039; festgebunden ist. Durch seinen niedrigen Schmelzpunkt und seine Fähigkeit zu sublimieren, verbindet er sich leicht über Luft und Wasser mit anderen Substanzen und realisiert so den alle Reiche der Natur verbindenden Schwefelkreislauf.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;Symptomatisch dafür ist auch eine ungewöhnliche mechanische Eigenschaft der Grausspießglanz-Kristalle: Sie zeigen eine auch an größeren Kristallen bei geringem Kraftaufwand fühlbare Biegsamkeit. Diese beruht auf einer geregelten innerkristallinen Gleitung, wie sie auch beim Eis und beim Steinsalz vorliegt – Substanzen, die für alle Lebewesen essenziell sind.[5]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Austernschale ====&lt;br /&gt;
Die Austernschale ist als komplexes Kalkmineral schützendes Außenskelett der Auster und damit ein Mineral, ausgeschieden aus dem Lebensprozess eines Tieres bzw. einer Muschel. In ihrer therapeutischen Verwendung ist sie insbesondere in der Homöopathie bekannt mit dem Arzneimittelbild &#039;&#039;Calcium carbonicum&#039;&#039;. Sie wird zu den Vielkönnern oder Polychresten gezählt (von gr: πολύς - viel und χρηστός  - brauchbar).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Hinweise auf die Verwandtschaft von Antimon mit dem Ätherischen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Zusammenwirken von Zentral- und Universalkräften ====&lt;br /&gt;
Dadurch, dass das Antimon sich leicht und stabil mit dem Schwefel zu den orthorhombisch geformten Grauspießglanz/Antimonit-Kristallen verbindet, kann es die Neigung des Schwefels, in der Welt des Lebendigen aktiv zu werden und dadurch auch im Sinne der auf die Erde einstrahlenden ätherischen Kräfte zu wirken, unterstützen. Unter diesem Aspekt ist die Art und Weise, wie das Antimon in seiner Verbindung mit dem Schwefel kristallisiert, charakteristisch. Es kristallisiert in prismatisch-nadeligen grauschwarzen Kristallen, von feinst ziseliert bis zentimeterstark, immer von einem Zentrum weg – wenn der Kristallisationsprozess nicht durch äußere Umstände gestört wird. Dabei erstrecken sich die Antimonit-Nadeln radial in die Peripherie, wobei die Länge der Kristalle durchaus auch 1 m überschreiten kann. Wo er nur kann, strebt Antimonit die büschelförmige Gestaltung an. Er gliedert sich damit in Linien, die von der Erde weg- und den Kräften entgegenstreben, die im Äther wirken. Durch diese Kristallisationsweise bringt das Antimon das Zusammenwirken der Zentral- und der Universalkräfte wie archetypisch zum Ausdruck.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Man bringt mit dem Antimon somit etwas in den menschlichen Organismus, das der Wirkung des Ätherleibes auf halbem Wege entgegenkommt.[6] Antimon kann dadurch im Körper die eiweißbildenden Kräfte zusammenhalten und so die Tätigkeit der Ich-Organisation im Eiweißaufbau unterstützen.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Feinfaserigkeit durch Seigern ====&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Auch dasjenige, was im Seigerprozess mit dem Antimon vor sich geht, weist auf die Äther-Verwandtschaft dieses Stoffes hin. ‚Seigern‘ kommt von dem gegenwärtig nicht mehr oft gebrauchten Wort etwas z.B. durch ein Sieb ‚durchseien‘. Unter ‚Seigerungen‘ versteht man daher Trennprozesse in gemischtem Schmelzgut. Es wird durch diesen Prozess feinfaserig.[7]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Niedriger Schmelzpunkt ====&lt;br /&gt;
Da das Antimon bereits bei 547° schmilzt, fließt es auf schräger Unterlage leicht aus dem Antimon haltigen Schmelzgut heraus, wo es dann bei Abkühlung zu 92–98 % reinem &#039;&#039;antimonium crudum&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt; kristallisiert.[8] Der niedrige Schmelzpunkt von 547° zeigt zudem die Nähe dieser mineralischen Substanz zum flüssigen Aggregatzustand, in dem die ätherischen Kräfte ihre Wirkung entfalten können.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor diesem Hintergrund heißt es in dem oben erwähnten Werk:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Alles dieses zeigt, dass im Antimon die Tendenz enthalten ist, in das Ätherelement in dem Augenblick leicht überzugehen, in dem dazu die Bedingungen auch nur in geringem Grade vorhanden sind. Dem geistigen Schauen gelten alle diese Einzelheiten nur als Andeutungen; denn dieses nimmt die Beziehung zwischen Ich-Tätigkeit und Antimon-Wirksamkeit unmittelbar so wahr, dass die Antimonprozesse, in den menschlichen Organismus gebracht, so wirken, wie die Ich-Organisation.“[9]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zwei Indikationen als Beispiele für den Einsatz von Antimon&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aus dem breiten Spektrum der therapeutischen Einsatzmöglichkeiten werden nun zwei Indikationsgebiete an die Schilderung des Arzneimittelbildes angeschlossen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;&#039;Blutgerinnungsstörungen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
# und &#039;&#039;&#039;Typhus abdominalis/Parathyphus&#039;&#039;&#039;, eine gefährliche bakterielle Infektionskrankheit des Magen-Darmtraktes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während eine Therapie mit &#039;&#039;Antimon&#039;&#039; oder &#039;&#039;Stibium metallicum praep.&#039;&#039; bei Blutungsneigung aus der Darstellung des Arzneimittelbildes unmittelbar hervorgeht, ist dies für den Thyphus nicht so ohne weiteres ersichtlich – zumal dieser ja heute erfolgreich antibiotisch behandelt werden kann (Sterblichkeitsrate unter 1 &amp;lt;nowiki&amp;gt;%) und die Impfung bei Einreise in betroffene Gebiete empfohlen wird.[10]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;Arzneimittelbild der Austernschale und Typhus&#039;&#039;] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was macht also eine Begleitbehandlung oder Alternativbehandlung zur Vermeidung des Einsatzes von Antibiotika sinnvoll?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um dies zu verstehen, braucht es – wie oben bereits angedeutet – zum Vergleich das Arzneimittelbild der Austernschale. Hier liegt ein Naturprozess vor, der etwas vollzieht, was für die Muschel richtig ist, für den Menschen aber zur Ursache typhöser Durchfall-Erkrankungen werden kann. Die Auster sondert in ihre Schale das kalkartig Mineralische ab:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Bei der Auster wird das Kalkartige abgesondert, um es der Eiweißwirkung nicht einzugliedern. Im menschlichen Organismus muss diese Eingliederung stattfinden. Die bloße Eiweißwirkung muss in eine solche umgewandelt werden, in der mitwirkt, was im Kalkartigen durch die Ich-Organisation an gestaltenden Kräften hervorgerufen werden kann. Das muss sich innerhalb der Blutbildung abspielen. Das Antimon wirkt der kalkausscheidenden Kraft entgegen und führt das Eiweiß, das seine Form bewahren will, durch seine Verwandtschaft mit dem Äther-Elemente in die Formlosigkeit hinüber, die für die Einflüsse des Kalkartigen oder Ähnlichem empfänglich ist.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;Beim Typhus ist es klar, dass der krankhafte Zustand in einer mangelnden Überführung der Eiweißsubstanz in gestaltungsfähige Blutsubstanz besteht. Die Form der Diarrhöen, die auftritt, zeigt, dass schon im Darm die Unfähigkeit zu dieser Umwandlung beginnt.“[11]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Heilung der konstitutionellen Dysfunktionalität&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[12]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039; heißt es&#039;&#039;,&#039;&#039; dass die Abwehrstoffe und Killerzellen eines guten Immunsystems im Blut zirkulieren, welches wiederum &#039;&#039;das&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt; Organ der Ich-Organisation ist.[13] Kann nun mithilfe einer Konstitutionsbehandlung, z.B. mit einem Antimonpräparat, und je nach Situation auch noch kombiniert mit anderen Heilmitteln, die Ich-Organisation und damit ihr Einfluss auf die Gestaltungskräfte im Blut gestärkt werden, so werden die Bakterien nicht nur beseitigt, wie es über eine antibiotische Therapie geschieht, sondern zugleich das Milieu saniert und damit künftigen Infektionen vorgebeugt. Das entspräche einer integrativen Therapie, die sich nicht nur auf die Beseitigung der Symptome konzentriert, sondern auf die Heilung der konstitutionellen Dysfunktionalität.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dem erwähnten Werk schreiben die Autoren: &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Wendet man bei typhösen Erscheinungen Antimonpräparate in entsprechender Zusammensetzung an, so erweisen sich diese als Heilmittel. Sie entkleiden die Eiweißsubstanz ihrer Eigenkräfte und machen sie geneigt, den Gestaltungskräften der Ich-Organisation sich einzufügen.“[14]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbstverständlich hat der primäre Fokus auf die Symptombeseitigung überall da seine Berechtigung, wo sie Leben rettet, weil die Abwehrkräfte des Körpers zu schwach sind für die notwendige Selbstregulation. Wo diese Möglichkeit jedoch gegeben ist, kann differenzierter vorgegangen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Wer Exaktheit nur in dem sieht, was die Chemie – auch die pharmazeutische – feststellt, der vernichtet die Möglichkeit, Anschauungen darüber zu gewinnen, was im Organismus bei Heilungsvorgängen geschieht.“[15]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[16]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----&amp;lt;nowiki&amp;gt;[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[2] Ebenda, S. 77.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[3] Vgl. Marxer (2000), siehe www.pharmazeutische-zeitung.de/titel-10- 2000; [6.1.2025].&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[4] Vgl. Holleman und Wiberg (2017), 940.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[5] Vgl. Wimmenauer (1992), 223.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[6] Siehe FN 1, S. 78.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[7] Ebenda.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[8] Vgl. Holleman und Wiberg (2017), 942.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[9] Siehe FN 1, S. 78f.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[10] Typhus ist weltweit verbreitet – besonders in warmen Ländern. Er wird durch kontaminierte Lebensmittel bzw. Trinkwasser übertragen und ist eine schwere Allgemeinerkrankung, die durch das Bakterium Salmonella typhi ausgelöst wird. Als Paratyphus bezeichnet man ein abgeschwächtes Krankheitsbild, dessen Erreger Salmonella Paratyphi A, B oder C ist. Übertragen wird die Infektion durch Trinkwasser oder Lebensmittel, die mit Fäkalien von infizierten Personen verunreinigt wurden. Leitsymptome sind hohes Fieber, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, langsamer Puls, trockener Husten, Bauchschmerzen, Milzvergrößerung und manchmal ein blasser, kleinfleckiger Ausschlag am Körper. Ein milder Verlauf ist möglich, doch manchmal kommt es zu schweren Komplikationen wie massiven Darmblutungen oder Abszessen in verschiedenen Organen. Durch den Einsatz von Antibiotika kann die Sterblichkeit auf unter 1% gesenkt werden. In Deutschland ist die Krankheit meldepflichtig – dem Bundesamt für Gesundheit werden pro Jahr zwischen 20 und 50 Fälle gemeldet. Wichtigste Mittel zur Vorbeugung sind Körperhygiene und Verzicht auf frische Salate und ungeschältes Obst – nach dem Ernährungsmotto: Cook it, peel it or forget it. Siehe www.bag.admin.ch/bag/de/home/krankheiten/krankheiten-im-ueberblick/typhus-abdominalis-paratyphus.html; [6.1.2025].&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[11] Siehe FN 1, S. 80.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[12] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“, GA 27.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[13] Siehe FN 3, Kapitel VI.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[14] Siehe FN 3, S. 80.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[15] Ebenda, S. 81.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[16] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ARZNEIMITTEL-SUBSTANZGRUPPEN UND WESENSGLIEDER ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Auf welchen Ebenen und worüber ist der Mensch mit der Natur innig verbunden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Naturanteile machen seine Konstitution aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wesensglieder und ihre Einbettung in die Natur&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Physischer Leib und Natur ====&lt;br /&gt;
Schon ein oberflächlicher Blick auf die Verbundenheit von Natur und Mensch zeigt, wie der Mensch die kristallinen Strukturen seines Körpers mit den Mineralien der ihn umgebenden Natur gemeinsam hat. Dieser sichtbare, mineralisch erscheinende Leib wird in der anthroposophischen Menschenkunde „Physischer Leib“ genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ätherleib und Natur] ====&lt;br /&gt;
Werden und Vergehen, Leben und Sterben hat der Mensch mit der Pflanzenwelt gemeinsam. Diese Gesetzmäßigkeiten in ihrem Zusammenhang nennt Steiner „Ätherleib“, weil ohne das blaue Himmelslicht (griechisch o aither) kein Leben auf der Erde möglich wäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Astralleib und Natur] ====&lt;br /&gt;
Atmung, Bewegung, Bewusstsein, Schmerz und Triebleben hat der Mensch mit den Tieren gemeinsam. Diese das Seelenleben konstituierenden Gesetze heißen in ihrer Gesamtheit „Astralleib“ von aster, lateinisch Stern. Die menschliche Seele fühlt sich der Sternenwelt mit ihren Rhythmen und Konstellationen verwandt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Rein menschliche Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Die Fähigkeit jedoch, lebenslang lernen und immer wieder neu und anders kulturschöpferisch tätig sein zu können, ist spezifisch menschlich. Daher gibt Steiner diesem die „Ich-Natur“ des Menschen möglich machenden Gesetzes-Zusammenhang den Namen „Ich-Organisation“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Da der Mensch durch diese vier verschiedenen Gesetzes-Zusammenhänge sein Wesen sowohl integriert als auch differenziert äußern kann, gab Steiner ihnen den Namen „Wesensglieder“.[1]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Arzneimittelwirkung auf die Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Substanzgruppen aus dem Mineral-, Pflanzen-, Tier- und Menschenreich haben einen therapeutischen Bezug zu diesen Wesensgliedern:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Menschliche Substanz wie Muttermilch und in Form einer Blutspende stützt und erhält den physischen Leib.&lt;br /&gt;
* Präparate aus dem Tierreich regen den Ätherleib zu verstärkter Tätigkeit an,&lt;br /&gt;
* pflanzliche Arzneimittel wirken regulierend auf den Astralleib&lt;br /&gt;
* und Metalle und Mineralien auf die Ich-Organisation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Potenzierungsstufen und Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Auch die Potenzierungsstufen der nach homöopathischem Verfahren hergestellten Arzneimittel haben ihren Bezug zu den Wesensgliedern:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D1 – D4:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;physischen Organismus&#039;&#039; und seines Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D5 – D8:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;ätherischen Organismus&#039;&#039; und seines Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D10 – D15:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;astralischen Organismus&#039;&#039; und seines Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D20 – D60:&#039;&#039;&#039; Anregung der &#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039; und ihres Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Bezug auf die Dreigliederung des menschlichen Organismus gilt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D1 – D6:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;Stoffwechsel-Systems&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D6 – D18:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;rhythmischen Systems&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D18 – D30:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;Nerven-Sinnessystems&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Der Arzneimittelschatz der Anthroposophischen Medizin umfasst dementsprechend Ausgangssubstanzen mineralischer, pflanzlicher und tierischer Herkunft, die nach besonderen Verfahren vor allem von den Arzneimittelfirmen Weleda und Wala hergestellt werden.[2] In Deutschland wurden sie aufgrund des Arzneimittelgesetzes von 1976 in der vom Bundesgesundheitsamt – später Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) – eingerichteten Kommission C für die Zulassung aufbereitet. Ein Teil dieser regulativ wirksamen Arzneimittel ist sehr gut für die Selbstmedikation geeignet.[3]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Artikel in der Deutschen Apothekerzeitung DAZ Nr. 39, 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----&amp;lt;nowiki&amp;gt;[1] Rudolf Steiner, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Theosophie, Einführung in übersinnliche Welterkenntnis und Menschenbestimmung,&#039;&#039; 2003 und ders. &#039;&#039;Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft&#039;&#039;. In: &#039;&#039;Lucifer-Gnosis&#039;&#039;. GA 34. Dornach 1987, 309-344.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[2] International Association of Anthroposophic Pharmacists IAAP. ­Anthroposophic Pharmaceutical Codex. Stuttgart, 2014.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[3] M. Glöckler, B. Emde, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Anthroposophische Medizin&#039;&#039;, in: &#039;&#039;Komplementärmedizin für die Kitteltasche. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation&#039;&#039;, Stuttgart 2009 und ders.: &#039;&#039;Anthroposophische Medizin&#039;&#039;, in: &#039;&#039;Komplementärmedizin für Kinder. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation&#039;&#039;, Stuttgart 2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ARZNEIMITTEL AUS DER NATUR UND WESENSGLIEDER ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen inneren Zusammenhang sieht die anthroposophische Pharmazeutik zwischen Arzneimitteln aus der Natur und den menschlichen Wesensgliedern?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Qualitäten zeichnen die Muttermilch aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern sind Schwangerschaft und Stillzeit Naturvorbilder auch für zukünftige Entwicklungsstadien?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Korrelation von Arzneimitteln und Wesensgliedern&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;In der Anthroposophischen Pharmazeutik sieht man eine grundlegende Korrelation von Arzneimitteln aus der Natur und den menschlichen Wesensgliedern:[1]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So haben &#039;&#039;&#039;Mineralien&#039;&#039;&#039; eine unmittelbare Beziehung zur &#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;: Sie unterstützen die Ich-Organisation bei der Beherrschung der physischen Verhältnisse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Heilmittel aus dem Pflanzenreich&#039;&#039;&#039; auf die &#039;&#039;astralische Organisation&#039;&#039;: Die astralische Organisation wirkt lähmend auf die ätherische – pflanzliche Arzneimittel können regulierend auf diese lähmende Wirkung Einfluss nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Organpräparate&#039;&#039;&#039; und tierische Arzneimittel auf die &#039;&#039;ätherische Organisation:&#039;&#039; Diese hat die Aufgabe, physisch-tierische Substanzen in den Lebenszusammenhang aufzunehmen, was durch astralische Impulse angeregt werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Menschliche Substanz&#039;&#039;&#039; (wie Blutkonserven und Muttermilch) wirkt unmittelbar auf den &#039;&#039;physischen Leib,&#039;&#039; sodass sich die anderen Wesensglieder wieder besser einschalten und betätigen können. Anders ausgedrückt: Menschliche Substanz steht der Ich-Organisation unmittelbar für ihre Aufgabe zur Verfügung, das Ganze des Organismus bis in das Physische hinein zu beherrschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Was Muttermilch vermag&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Studiert man die Besonderheiten rund um die Bildung von Muttermilch, so verrät dies viel über die innige Bindung zwischen Mutter und Kind durch alle vier Wesensglieder hindurch:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die Muttermilch ist nach dem aktuellen Bedürfnis des Säuglings zusammengesetzt und variiert so auch von Tag zu Tag;&lt;br /&gt;
* Stillen fördert die Rückbildung der Gebärmutter;&lt;br /&gt;
* gestillte Kinder haben weniger Infekte und überstehen sie leichter, weil die Muttermilch wichtige Abwehrstoffe der Mutter enthält;&lt;br /&gt;
* ausschließliches Stillen in den ersten sechs Monaten kann das Kind vor Allergien und Asthma schützen;&lt;br /&gt;
* Wachstum und Beweglichkeit von Magen und Darm werden unmittelbar angeregt;&lt;br /&gt;
* die Zusammensetzung der Muttermilch mit Bezug auf Kohlenhydrate, Fette, Eiweißgehalt und Mineralstoffe ist zugleich ein ‚Naturvorbild‘ für eine gesunde Ernährung;&lt;br /&gt;
* die Immuntoleranz, d.h. die Selbstregulation des Immunsystems entwickelt sich bei gestillten Säuglingen nachhaltig besser.&lt;br /&gt;
* &amp;lt;nowiki&amp;gt;Durch Stillen wird das Risiko des plötzlichen Kindstodes um ca. die Hälfte gesenkt und vieles mehr.[2]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Formelmilch gefütterte Säuglinge haben eine deutlich höhere Insulinkonzentration im Plasma, was mit der Entwicklung von Adipositas und einer möglichen Zunahme von Diabetes mellitus Typ 2 im Zusammenhang steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Abnabelungsstadien und physisch-seelisch-geistige Muttermilch&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Nach der &#039;&#039;&#039;physischen Abnabelung&#039;&#039;&#039; vom physischen Leib der Mutter als der ernährenden Umgebung während der Schwangerschaft, folgt die Stillperiode.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann folgt die langsame &#039;&#039;&#039;ätherische Abnabelung&#039;&#039;&#039; und das Sich-Emanzipieren auf ätherischer Ebene, das mit dem Ende der Nachahmungsperiode ausklingt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;&#039;seelisch-astralische Abnabelung&#039;&#039;&#039; findet im 2. Jahrsiebt statt und kulminiert mit der Pubertät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Arbeit des Ich jedoch an der Überwindung von allen möglichen Abhängigkeiten, die seine Autonomiebefähigung einschränken, stellt eine Art &#039;&#039;&#039;geistige Abnabelung&#039;&#039;&#039; dar. Diese zu bewerkstelligen bleibt eine lebenslange Herausforderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Rudolf Steiner spricht im pädagogischen Zusammenhang wiederholt über die Bedeutung der physischen Muttermilch für den gesunden Aufbau des physischen Leibes und die damit verbundene Stärkung der Ich-Organisation des Kindes. Für die Unterstützung der oben genannten weiteren Abnabelungsprozesse im Verlaufe der Schulzeit und Jugend, braucht es die ‚seelische‘ und zuletzt ‚geistige‘ Muttermilch, die dem Menschen in Form einer nährenden Entwicklungsumgebung und verständigen Entwicklungshelfern zukommen müssen.[3]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fallen solch hilfreiche Faktoren und Entwicklungsbegleiter weg oder können nur eingeschränkt wirken, ist dies oft mit körperlichen und oder seelischen gesundheitlichen Belastungen im weiteren Leben verbunden. Diesen so weit als möglich vorzubeugen, ist der Präventionsanspruch Anthroposophischer Medizin und Pädagogik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[4]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----&amp;lt;nowiki&amp;gt;[1] Warum das so ist, geht aus den Kapiteln I bis V aus &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27,&#039;&#039; hervor, in denen die Autoren, Rudolf Steiner und Ita Wegman, die Arbeit der Wesensglieder an den Substanzströmen schildern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[2] Vgl. Soldner und Stellmann (2018), 220–238; Glöckler u. a. (2024b), 372–392.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[3] Rudolf Steiner, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik,&#039;&#039; GA 293, Vortrag 2. September 1919.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[4] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== METALLE IN STOFFWECHSEL UND ANTHROPOSOPHISCHER THERAPIE ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen inneren Bezug haben die Metalle zum Menschen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielen sie beim menschlichen Stoffwechsel?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worauf kommt es der Anthroposophischen Metalltherapie an?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Metalle, Planeten und Evolution&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ganz allgemein gilt, dass die Metalle Blei, Zinn, Eisen, Gold, Kupfer, Quecksilber und Silber in potenzierter Form in der anthroposophischen Therapierichtung eine zentrale Stellung einnehmen. Die Namen der Metalle haben in vielen Sprachen zudem einen engen Bezug zu den Planeten. Gemäß Rudolf Steiners geisteswissenschaftlicher Forschung hat die Entstehung der Metalle im Weltall und ihre Beziehung zu den Planeten und der Erde eine gemeinsame Geschichte mit der Entwicklung des Menschen im Verlaufe der Evolution.[1] So hat eine frühere Anschauung das Skelett und die Milz dem Saturn/Blei zugeordnet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* das &#039;&#039;&#039;Skelett&#039;&#039;&#039; als Organ der Mineralisierung &lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Milz&#039;&#039;&#039; als ein immunologisch und damit für die ,Grenzbildung‘ wichtiges Organ, in dem die abbaufähigen Erythrozyten erkannt in den hepatolienalen Kreislauf eingespeist werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Metalle im Menschen&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Folgenden möchte ich näher auf das Vorkommen der Metalle im Menschen und ihre Wirkung auf den menschlichen Stoffwechsel eingehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Eisen ====&lt;br /&gt;
Eisen ist ein zentral wichtiges Spurenelement, von dem etwa 2 bis 4 g im menschlichen Organismus nachweisbar sind – zwei Drittel davon sind im Blut an den roten Farbstoff Hämoglobin gebunden, etwa ein Drittel in Leber, Milz, Darmschleimhaut und Knochenmark gespeichert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kupfer ====&lt;br /&gt;
Der Kupfergehalt im menschlichen Organismus beträgt etwa 0, 3 g und findet sich in vielen lebenswichtigen Enzymen, wie z.B. im Plasmaprotein Coeruloplasmin oder in Gestalt der kupferabhängigen Cytochromoxidase, die bei der zellulären Sauerstoffverwertung eine entscheidende Rolle spielt. Andere Enzyme helfen bei der Vernetzung bindegewebiger Strukturen oder bei der Entgiftung freier Radikale. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Zinn ====&lt;br /&gt;
Ob Zinn zu den essenziellen Spurenelementen zählt, ist noch umstritten – es wird in der Liste der möglichen Spurenelemente aufgeführt und die WHO empfiehlt eine Aufnahme von 2 mg pro Tag. Einigermaßen gesichert ist die Beteiligung von Zinn-Ionen an der Bildung von Gastrin, einem die Magentätigkeit (Pepsinogenausschüttung, Aktivität der Muskulatur der Magenwand) beeinflussenden Dünndarm-Hormon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Gold ====&lt;br /&gt;
Spuren von Gold gehen im Körper keinerlei Verbindungen ein und sind unschädlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Quecksilber, Silber und Blei ====&lt;br /&gt;
Quecksilber, Silber und Blei hingegen gelten als Gifte, auch wenn Spuren umweltbedingt über Wasser und Nahrung vom Organismus aufgenommen, abgelagert und ausgeschieden werden können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Blei in der Anthroposophischen Metalltherapie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Auch aufgrund ihrer evolutionären Beziehung zum Menschen haben die Metalle eine wichtige Stellung in der Therapie.[2] In der Anthroposophischen Metalltherapie kommt es primär auf die Prozesswirkung der Metalle an zur Anregung der zugehörigen Organtätigkeiten oder aber, wie beim Blei, auf den Prozess der Überwindung des Bleiprozesses im menschlichen Organismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stofflich aufgenommen wäre Blei ein Gift, in feiner homöopathischer Dosierung hingegen regt es den Organismus an, den sklerotisierenden Bleiprozess zu überwinden. Das Blei bildet im periodischen System der Elemente den Abschluss, bevor dann die folgenden Elemente solche sind, die radioaktive Zerfallserscheinungen zeigen. In Blei kommt das Substanzwirken so gesehen an ein Ende, es entspricht dem Todesprozess, den die Ich-Organisation braucht, damit die Substanzen nach dem Durchgang durch den mineralischen Nullpunkt in den Lebens- und Arbeitszusammenhang des von der Ich-Organisation beherrschten Organismus aufgenommen werden können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[3]&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Der übersinnliche Mensch, anthroposophisch erfaßt,&#039;&#039; GA 231; &#039;&#039;Eine okkulte Physiologie,&#039;&#039; GA 128.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ALLGEMEINES ZU DEN TYPISCHEN HEILMITTELN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was verstehen Rudolf Steiner und Ita Wegman unter typischen Heilmitteln?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie verhalten sie sich im Vergleich zu den üblichen Symptome bekämpfenden Medikamenten?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist das Neue daran?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Bestimmte Kompositionen von Arzneimitteln&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel XX von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; heißt es: &#039;&#039;„[…] und wenn Typisches im Krankheitszustande in Betracht kommt, so stellt unser Heilmittel dasjenige dar, was im Sinne der Schilderung unseres Buches zur Therapie führen muss. Von diesem Gesichtspunkte aus sollen einige unserer Heilmittel beschrieben werden.“[2]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese &#039;&#039;„Typischen Heilmittel“[3]&#039;&#039; haben mit der Heileurythmie gemeinsam, dass hier bestimmte Kompositionen von Arzneimitteln einem bestimmten typischen Krankheitsbild angepasst sind – so wie man in der Heileurythmie eine bestimmte Lautfolge dem Krankheitsprozess anpasst. &#039;&#039;Otto Wolff&#039;&#039; hat dies wiederholt in seinen schriftlichen und mündlich vorgetragenen Ausführungen zu diesen Kompositions-Präparaten so auf den Punkt gebracht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„&#039;&#039;Diese mögen äußerlich wie Mischungen aussehen, ihnen liegt aber eine Konzeption zugrunde, die nicht von speziellen Krankheiten, sondern von Grundprozessen des Menschen oder einzelner Organe ausgeht. Sie sind deshalb nicht gegen eine Krankheit gerichtet, sondern sprechen ein Organ urbildhaft in seinen Funktionen an. Man kann diesen Arzneimittel-Typus als Urheilmittel ansprechen. So bilden Heilmittel wie Cardiodoron, Kephalodoron (Biodoron), Hepatodoron, Digestodoron u.a. in sich jeweils ein Ganzes. Dabei wird gerade eine gewisse Gegensätzlichkeit von Pflanzen (z.B. im Cardiodoron, Hepatodoron) bzw. der Mineralien Schwefel und Kiesel (im Kephalodoron) durch einen pharmazeutischen Prozess oder eine Substanz (Eisen beim Kephalodoron) ins Gleichgewicht gebracht und zu einer höheren Einheit verbunden. Dadurch erst kann Kephalodoron ein Abbild des dreigliedrigen Menschen sein und eine harmonisierende Wirkung auf den Funktionszusammenhang seiner Funktionssysteme (Nerven-Sinnes-System, rhythmisches und Stoffwechselsystem) ausüben. Entsprechendes könnte auch für andere ‚Heilmittel für typische Krankheiten‘ ausgeführt werden, bei denen es sich zumeist darum handelt, durch harmonisierende Anregungen Gleichgewichtszustände aus ungleichmäßigem Zusammenwirken von Kräften der übersinnlichen Wesensglieder wiederherzustellen. Das Heilende ist im Grunde genommen der menschliche Organismus, d.h. der Ätherleib selber, wenn es gelingt, die entsprechenden Anregungen wirksam werden zu lassen.“[4]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ein neuer Behandlungsansatz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das ist insofern ein neuer Behandlungsansatz, als es dem symptomorientierten Therapieansatz, der sich unmittelbar gegen das betreffende Symptom richtet in Form von Antipyretika, Antihistaminika, Antibiotika, Antidepressiva etc. etwas an die Seite stellt, das unmittelbar die ordnende Kraft der Ich-Organisation und die gesundende Aufbauleistung der ätherischen Organisation anspricht. Dabei steht nicht die Symptombeseitigung im Vordergrund, sondern die Regulierung von den Prozessen, die die Symptome hervorgebracht haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer also erwartet, dass z.B. eine Tablette Kephalodoron unmittelbar den Kopfschmerz beseitigt, wie man das von einer Gabe Ibuprofen erwarten kann, sieht sich getäuscht. Nimmt er aber das Migränemittel im gesunden Intervall über längere Zeit, werden die Anfälle milder und merklich seltener werden und können bei günstigem Verlauf auch sistieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[5]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ebenda, S. 115.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Vgl. Wolff (1984), 65–73 und (2013); Basold u. a. (1995).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] F. Husemann und Wolff (1993–2003), S. 244.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DAS HEILMITTEL SKLERON/SCLERON GEGEN ARTERIOSKLEROSE ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Woraus setzt sich dieses Heilmittel zusammen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wirken seine einzelnen Bestandteile?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie hängen unsere Gestalt und unsere Organe mit dem Tierkreis und den Planeten zusammen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Rudolf Steiner zur Komposition von Skleron&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Komposition dieses Arzneimittels besteht aus potenziertem (D 12) metallischem Blei, Honig und Zucker. Alle drei Substanzen haben eine direkte Beziehung zur Ich-Organisation: &#039;&#039;„Blei wirkt wie die Ich-Organisation, nicht wie der Astralleib, abbauend. Der Honig überträgt die abbauende Wirkung des Astralleibes auf die Ich-Organisation. Und der Zucker versetzt die Ich-Organisation in die Lage, ihre spezifische Aufgabe zu erfüllen.“[1]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem Vortrag vom 16. November 1923[2] geht Rudolf Steiner ausführlich auf das Skleron und seine drei Bestandteile ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Blei ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Was in uns – wenn ich mich jetzt psychologisch ausdrücken darf –, aus der Wahrnehmung die Vorstellung macht mit Hilfe der menschlichen Organisation, das ist ein Vorgang im Inneren der Nerven-Sinnesorganisation, der jenen Vorgängen entspricht, die wir draußen im Blei finden. Daher können wir sagen: Wenn das, was durch das Auge in der Wahrnehmung aufgefaßt wird, nun weiter zurückgeht in das Nerven-Sinnessystem, dann muß ihm entgegenkommen ein Prozeß, der gleich ist dem Bleiprozeß. Nur dadurch kann der Mensch das, was er wahrnimmt, auch denken. Dadurch wird das Gehirn ein Denkorgan; sonst würde es auch ein Wahrnehmungsorgan sein. Auf diese Weise wird der Mensch verselbständigt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Damit habe ich hingedeutet auf etwas, was in der Kopforganisation charakteristisch ist. Ich sagte also: dasselbe, was sich draußen im Bleiprozeß abspielt, müsse sich in der Kopforganisation abspielen, damit der Denkprozeß im Menschen zustande kommen kann.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Nehmen wir nun einmal die Bleifunktion und bringen wir sie nun nicht in die Nervenorganisation – wenn der Mensch geboren wird, ist das Blei von der Natur selber da, ist die Bleifunktion da, ohne daß die Substanz des Bleies nachgewiesen werden kann –, sondern bringen wir die Bleifunktion jetzt in die Verdauungsorganisation und in das Weitere hinein; dafür sorgt schon das Leben, zum Beispiel manchmal bei den Bleivergiftungen. Wenn Sie nun beobachten in allen Erscheinungen, was das Blei im Stoffwechsel-Gliedmaßenmenschen bewirkt, so bekommen Sie ein Bild, das sich zwar in verschiedenen einzelnen Symptomen darstellt, das aber eigentlich doch am charakteristischsten zusammengefaßt wird etwa in dem Symptomkomplex von Dementia senilis oder der Arteriosclerosis cerebralis: Sie bekommen dann das Bild des im Alter zerfallenden menschlichen Organismus. Das heißt mit anderen Worten: Wenn ich denselben Prozeß, der mir im Gehirn meine Selbständigkeit als organisches Wesen sichert, auf den anderen Pol des Menschen in Anwendung bringe, auf das Verdauungssystem und auf das damit im Zusammenhange stehende Gliedmaßensystem, dann bekomme ich ein Krankheitsbild; was also im Stoffwechsel-Gliedmaßensystem ein Krankheitsprozeß ist, das ist für den Nerven-Sinnesmenschen eine notwendige organische Funktion. Wenn ich also die Sklerose als ein langsames Sterben auffasse, so muß ich auch sagen: in einer gewissen abgeschwächten Form muß sie fortwährend im Haupte des Menschen funktionieren, dort ist sie der normale Zustand.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;So also sind die drei Glieder der menschlichen Wesenheit voneinander verschieden: was in dem einen Glied, in der Nerven-Sinnesorganisation, der normale Zustand ist, das ist in dem anderen Gliede des menschlichen Organismus eine Krankheitserscheinung. Aber ich habe schon gestern gesagt: Wie müssen wir uns nun zur Therapie stellen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wir müssen das, was den Krankheitsprozeß ausmacht, und was astralischer Leib und Ich-Organisation versorgen müssen, wenn eben der Krankheitsprozeß ungestört wuchern kann, das müssen wir dem astralischen Leibe und der Ich-Organisation abnehmen. Was müssen wir also tun, wenn wir die Sklerose haben? Wir müssen uns ihr so nähern, daß wir dem menschlichen astralischen Leibe für das Verdauungs-Gliedmaßensystem das abnehmen, was er mit dem alternden, zerfallenden, sklerotisch werdenden Leibe zu tun hat. Und das können wir, wenn wir es dem Blei übergeben, dem Blei in einer gewissen Dosierung. Und dies hat dazu geführt, daß wir zu einem solchen Heilmittel gekommen sind, wie Sie es in unserem Verzeichnis als Heilmittel Nummer I angeführt finden, als das Heilmittel gegen Arteriosklerose. Es ist also von vornherein durch wirkliche Menschenerkenntnis klar, daß man durch die in entsprechender Weise in den Menschen hineingebrachte Bleifunktion substantiell der Sklerose beikommen kann; nur muß man jetzt das Blei zur Wirksamkeit bringen. Es ist nicht ohne weiteres gesagt, daß ich das Blei, wenn ich es in den Organismus eingeführt habe, damit auch wirklich zur Wirksamkeit gebracht habe. Da helfen einem dann die weiteren Glieder einer wirklichen Menschenerkenntnis.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Da hilft es einem dann, daß man im menschlichen Organismus unterscheiden kann die aufbauenden und die abbauenden Kräfte. Die letzteren sind zum Beispiel gerade in der Sklerose tätig, wo der menschliche Organismus zerfällt. Im Haupte, im Gehirn zerfällt fortwährend der menschliche Organismus, denn das Gehirn ist immerfort von einer leisen Sklerose erfüllt; das liegt in seiner Organisation. […]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Honig ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wir brauchen auch noch, wenn wir uralt geworden sind, plastisch wirkende Kräfte, Bildekräfte, die die Nahrung, die wir aufnehmen, überführen in die Formen des Organismus. Nun stellt sich heraus: Daß nichts mehr fördert diese plastisch wirkenden, diese Bildekräfte, daß nichts mehr fördert die Anähnlichung der aufgenommenen Stoffe an den menschlichen Organismus als ein oftmals recht schwacher Honiggenuß. Honig wirkt in der Tat auf den altgewordenen Menschen im Stoffwechsel-Gliedmaßenorganismus ganz ähnlich, wie für den Gehirnorganismus des Kindes – und besonders des Kindes – die Milch wirkt. Das weist uns darauf hin, daß im Honig eben besondere Bildekräfte sind, die wir nicht dadurch auffinden, daß wir den Honig einfach chemisch analysieren, sondern die wir nur finden, wenn wir tatsächlich in aller Lebendigkeit die Beziehungen erkennen, die der Mensch hat zu den übrigen Substanzen im Weltall. Und diese Bildefähigkeit des Honigs – denn für eine genauere Interpretation stellt sich heraus, daß der Honig den menschlichen Organismus so ergreift, daß vorzugsweise der astralische Leib seine Bildekräfte ausüben kann […].&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Zucker ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;[…] diese Wirkungen des Honigs kann man dann unterstützen durch einen Zusatz von Zucker, vorausgesetzt, daß der menschliche Organismus das sonst verträgt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Daher finden Sie, daß – in einer besonderen Weise ineinandergefügt, funktional ineinandergefügt – unser erstes Heilmittel gegen Sklerose ein Präparat darstellt aus Blei, Honig und Zucker. […] Dieses Präparat ist also so hergestellt, daß es, wenn es in den menschlichen Organismus eingeführt wird, dort übernimmt die sklerotisierenden Kräfte. Es nimmt die sklerotisierenden Kräfte dem astralischen Leib und der Ich-Organisation des Menschen ab; die werden dadurch wieder frei und können nun für die normale, gesunde Organisation des Menschen wirken. Was ich aber mit diesem Präparat in den menschlichen Organismus einführe, das ist das, was früher Ich und astralischer Leib tun mußten, die daher nicht frei waren und ihre Funktionen ableiteten auf den Krankheitsvorgang. Jetzt übergebe ich den Krankheitsvorgang meinem Präparat. Das besonders Wirksame ist dabei das Blei; es übernimmt die Sklerotisierung, denn es ist ja seine eigene Natur, sklerotisierend zu wirken. Aber ich muß erst die Wege suchen durch die Plastik des Organismus hindurch, durch die ich das Blei dahin bringe, wo es nötig ist: das geschieht durch die Zusammensetzung mit Honig und Zucker.“[3]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wirkung von Blei und Honig auf das Gedächtnis&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das &#039;&#039;&#039;Blei&#039;&#039;&#039; in mittlerer Potenz hat einen direkten Bezug zum rhythmischen System und damit auch zu den Blutgefäßen. Es unterstützt die Abbauwirkung der Ich-Organisation. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Honig&#039;&#039;&#039; besteht je nach Pflanzenart aus verschiedenen meist einfachen Zuckern wie Glukose (Traubenzucker), Fruktose (Fruchtzucker), aber auch Zweifachzuckern wie Sacharose (Haushaltszucker) und Maltose (Malzzucker) und anderen Mehrfachzuckern. Außerdem enthält er Pollen, Enzyme und freie Aminosäuren. Daher wird er langsamer und auf verschiedenen Stoffwechselwegen verdaut, und er hat eine Brückenfunktion zwischen der ätherischen, astralischen und Ich-Organisation und kann dadurch den Astralleib von seiner abbauenden Wirkung entlasten und diese an die Ich-Organisation abgeben.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Bei der Sklerose wird die Ich-Organisation zu schwach; sie baut selber nicht genügend ab. Deshalb tritt Abbau allein durch den Astralleib ein. Es fallen die Abbauprodukte aus dem Organismus heraus und liefern Verstärkungen derjenigen Organe, die in Salzsubstanzen bestehen. Blei in gehöriger Dosierung nimmt den Abbau wieder in die Ich-Organisation zurück. Die Abbauprodukte bleiben nicht als Verhärtungen im Körper, sondern werden ausgestoßen. Alle Heilung der Sklerose kann nur darin bestehen, dass man den salzbildenden Prozessen, die sonst im Körper bleiben, den Weg nach außen öffnet.“[5]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit ist auch deutlich, dass es sich bei dieser Skleroseform offensichtlich um den dementiellen Formenkreis handelt, deren Anfangszustände &#039;&#039;„sich darin äußern, dass die Schlagkraft des Denkens und die exakte Herrschaft über das Gedächtnis aufhören.“[6]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wichtig ist aber auch zu beachten, dass das Mittel der jeweiligen Situation angemessen dosiert werden muss. Denn die Ich-Organisation kann in ihrer Wirkung durch das Präparat verstärkt werden und damit ‚hypertrophieren‘, wodurch ihre abbauende Wirkung zu stark wird und durch den nachfolgenden Aufbau nicht genügend kompensiert werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[7]&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27, S. 116.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Anthroposophische Menschenerkenntnis und Medizin,&#039;&#039; GA 319, 114–118.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Im Unterschied zur allgegenwärtigen Glukose im Stoffwechsel, hat die Fruktose bei den höheren Organismen und dem Menschen mehr spezifische Aufgaben, wodurch sie im Organismus im sogenannten Pentosephosphatweg (Pentosephosphatzyklus) aus Glukose hergestellt wird – und zwar insbesondere in der Leber, im Fettgewebe, den Milchdrüsen und den Nebennieren. Die dabei entstehenden Zuckerphosphate sind Vorstufen wichtiger Biomoleküle, wie den Ribosezuckern in den Nukleinsäuren des Erbguts (DNA/RNA), sowie der Energieüberträger ATP, NAD+ , FAD und CoA. Mehrere Studien, u. a. eine Studie vom Deutschen Institut fürErnährungsforschung, belegen einen Zusammenhang zwischen vermehrter Fruktoseaufnahme und Adipositas. Fruktose steigert nicht nur die Lipogenese, sondern führt auch zu einem gesteigerten Hungergefühl, da kein Insulin ausgeschüttet wird, welches auch ein Sättigungshormon ist. Zudem führt eine fruktosereiche Ernährung zu einem Anstieg der Plasmalipide und zur Insulinresistenz. Fruktose wirkt also dauerhaft diabetogen und das stärker als Glukose. Insgesamt steigert Fruktose also die Inzidenz für das Auftreten eines metabolischen Syndroms, welches als das gemeinsame Auftreten von Adipositas, Dyslipoproteinämie, gestörter Glukosetoleranz und arterieller Hypertonie definiert ist. Andere Untersuchungen zeigen einen Zusammenhang zwischen Fruktoseaufnahme und nicht-alkoholischer Fettleber (Steatosis hepatis) auf, welche eine Vorstufe der Leberzirrhose ist. Auch das Risiko für Gicht wird vor allem durch mit Fruktose gesüßte Softdrinks stark erhöht, wie prospektive Studien mit mehreren tausend Patienten belegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ursache ist der Verbrauch von ATP beim Abbau von Fruktose. Es fällt IMP an, das über den Purinabbau die Konzentration der Harnsäure ansteigen lässt. Neusten Studien zu Folge steigt selbst das Risiko von Krebserkrankungen wie zum Beispiel des Pankreas-Karzinoms durch eine fruktoselastige Diät. Fruktose trägt zur Synthese von Nukleinsäuren bei, was die Proliferation von Krebszellen begünstigt. Aus diesen Gründen empfiehlt die Food and Agriculture Organization of the United States die tägliche Aufnahme an freien Zuckern wie Fruktose auf weniger als 10 % der Gesamtenergiemenge zu reduzieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vgl. www.lecturio.de/artikel/medizin/fructosestoff-wechsel/; [6.1.2025].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Siehe FN 1, S. 115f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Ebenda, S. 116.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DAS MIGRÄNE-MITTEL BIODORON ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wozu dienen laut Rudolf Steiner und Ita Wegmann die grauen Hirnzellen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und was ist Aufgabe der weißen Gehirnsubstanz?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist Migräne aus anthroposophischer Sicht?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Aufgaben der grauen und weißen Hirnsubstanz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Entgegen der landläufigen Meinung, dass die &#039;&#039;&#039;‚grauen Hirnzellen‘&#039;&#039;&#039; Träger der menschlichen Intelligenz sind, wird von Rudolf Steiner und Ita Wegman betont, dass diesen Zellen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* überwiegend Stoffwechsel- und Ernährungsfunktion zukommt, &lt;br /&gt;
* weitaus weniger Hinneigung zu den rhythmischen Funktionen&lt;br /&gt;
* und am wenigsten zu den Sinnesfunktionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der &#039;&#039;&#039;weißen Substanz&#039;&#039;&#039; hingegen – d.h. den Leitungsbahnen und Nervenfortsätzen – obliegt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die Funktion einer integrierenden, &#039;&#039;„die übrigen Sinne zusammenfassende[n] Sinnestätigkeit, in die das Ich und der Astralleib hineinwirken“[1]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Daneben hat sie auch Bezug zu den rhythmischen Funktionen des Körpers (Astralleib/Ätherleib),&lt;br /&gt;
* am wenigsten jedoch zum Stoffwechsel, in den vorzugsweise Ätherleib und physischer Leib hineinwirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Migräne aus anthroposophischer Sicht&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aus anthroposophischer Sicht beruht die Migräne auf einer &#039;&#039;‚zurückgestoßenen Tätigkeit der Ich-Organisation‘&#039;&#039;, wodurch die Wahrnehmungsfunktion des zentralen Gehirns eingeschränkt wird zugunsten einer verstärkten Stoffwechselaktivität. Therapeutisch bedarf es also:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* einer &#039;&#039;Anregung der Nerven/Sinnestätigkeit&#039;&#039;: Dies wird &#039;&#039;&#039;durch die Kieselsäure&#039;&#039;&#039; in Form von Quarz erreicht;&lt;br /&gt;
* einer &#039;&#039;Umorientierung der rhythmischen Tätigkeit&#039;&#039; von ihrer Stoffwechsellastigkeit weg und hin zu einer stärkeren Verbindung mit dem Atemrhythmus: Das geschieht &#039;&#039;&#039;durch den Schwefel&#039;&#039;&#039;, der die rhythmische Funktionsordnung mehr dem Atemrhythmus zuneigen lässt;&lt;br /&gt;
* einer &#039;&#039;Eindämmung der rein vitalen Stoffwechseltätigkeit&#039;&#039; und der Unterstützung von deren Regulation durch die Ich-Organisation: Das kann &#039;&#039;&#039;durch das Eisen&#039;&#039;&#039; erreicht werden. Eisen leitet den Verdauungsvorgang hinüber in den Blutrhythmus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch mit diesem Arzneimittel liegen inzwischen jahrzehntelange positive Erfahrungen vor.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[3]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27, S. 117.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Einige Referenzen seien hier genannt: Sommer (1999), 289–292; Schirmer (1998), 348–355; Kohlhase (1998); Zwiauer (1989), 14–15; Hassauer (1988), 142–149; Noll (1963), 225–239.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== PYRIT, EIN MITTEL GEGEN TRACHEITIS UND BRONCHITIS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was verursacht Tracheitis und Bronchitis?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern machen Eisen und Schwefel Pyrit zum idealen Heilmittel dafür?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wieso macht es Sinn, heilend auf das Verhältnis von Puls und Atemfrequenz einzuwirken?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ursprung von Tracheitis und Bronchitis&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die meist durch Viren verursachte Entzündung der Luftröhre (Tracheitis), meist auch verbunden mit Schnupfen und im Übergang zum Lungengewebe mit Bronchitis, ist weit verbreitet, insbesondere in der kalten Jahreszeit oder bei einer stärkeren Belastung der Luft z.B. mit Feinstaub. Dahinter verbirgt sich aber die Frage, wieso der eine Mensch anfällig dafür ist und ein anderer unter denselben Bedingungen lebt und keine Tracheitis oder Bronchitis bekommt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der anthroposophisch orientierten Diagnostik zeigt sich der Ursprung der Tracheitis und Bronchitis in einer rhythmischen Dysfunktionalität zwischen Blutzirkulation und Atmung. Rudolf Steiner und Ita Wegman beschreiben es folgendermaßen: &#039;&#039;„Man müsste eigentlich nicht Pyrit sagen, sondern Pyritprozess. Dieser Prozess, der im Mineral Pyrit wie in Erstarrung festgehalten ist, entspricht dem, was aus dem Zusammenwirken des Eisenprozesses und des Schwefelprozesses entstehen kann.&#039;&#039; &#039;&#039;Das Eisen regt, wie schon in dem vorigen Abschnitte gezeigt ist, die Blutzirkulation an, der Schwefel vermittelt die Verbindung zwischen Blutzirkulation und Atmung. Gerade da, wo Blutzirkulation und Atmung in ein Verhältnis treten, liegt der Ursprung der Tracheitis und der Bronchitis, sowie auch gewisser Formen des Stotterns.“&#039;&#039;[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Schwefel als Vermittler&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Um zu verstehen, wieso hier der Schwefel die Vermittlung herstellen kann zwischen der Blutzirkulation und der Atmung, wenn er sich mit dem Eisen verbindet, sind Ausführungen Rudolf Steiners hilfreich, die er am 1. April 1920 den Ärzten und am 11. Juni 1924 den Landwirten gegenüber bezüglich des Schwefels machte: &#039;&#039;„Sie wissen, daß im Sinne der gegenwärtigen Chemie die hauptsächlichsten Bestandteile des Eiweißes sind die vier wichtigsten Stoffe in der Natur: Kohlenstoff, Sauerstoff, Stickstoff, Wasserstoff, und daß dazu kommt Sulfur oder Schwefel als, ich möchte sagen, durchhomöopathisierend dasjenige, was die anderen vier Stoffe tun.“[2]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Denn der Schwefel ist gerade dasjenige innerhalb des Eiweißes, was den Vermittler darstellt zwischen dem überall in der Welt ausgebreiteten Geistigen, zwischen der Gestaltungskraft des Geistigen und dem Physischen. Und man kann schon sagen, wer eigentlich in der materiellen Welt die Spuren verfolgen will, die der Geist zieht, der muß die Tätigkeit des Schwefels verfolgen. Wenn auch diese Tätigkeit nicht so offen liegt wie diejenige anderer Stoffe, so ist sie darum doch gewiß von der allergrößten Bedeutung, weil auf dem Wege des Schwefels der Geist in das Physische der Natur hereinwirkt, Schwefel ist geradezu der Träger des Geistigen. Er hat seinen alten Namen Sulfur, der ja verwandt ist mit dem Namen Phosphor; er hat seinen alten Namen, weil man in älteren Zeiten in dem Licht, in dem sich ausbreitenden Licht, dem sonnenhaften Lichte sah auch das sich ausbreitende Geistige. Und man nannte deshalb diese Stoffe, die mit dem Hereinwirken des Lichts in die Materie zu tun haben, wie Schwefel und Phosphor, die Lichtträger.“[3]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verhältnis von Pulsschlag und Atmung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dieser Bezug des Schwefels zum Weltengeist, zum Welten-Ich – d.h. zu den Kräften im Weltenall, die an der Evolution Anteil haben, die zum Menschen hinführt, so dass dieser ein Ich-begabtes Wesen werden kann – dieser Bezug hat auch eine rhythmische Komponente, die unmittelbar mit der Atmung zusammenhängt. Der Schwefel entfaltet seine vermittelnde Funktion, indem er &#039;&#039;„den physischen Leib geneigt macht, die Wirkungen des Ätherischen aufzunehmen“.[4]&#039;&#039; Diese Belebung in Verbindung mit dem Eisenprozess im Blut stärkt die körpereigene Abwehr in dem Grenzgebiet zwischen Zirkulation und Atmung. Dabei ist interessant, dass im besten Erholungsschlaf auf einen Atemzug vier Pulsschläge kommen – oder seltener andere ganzzahlige Verhältnisse. Das Verhältnis 1 : 4 stellt den idealen Zusammenhang von Atem- und Pulsrhythmus dar, was auch für die Sprachtherapie von essentieller Bedeutung ist.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da bestimmte Formen des Stotterns damit zusammenhängen, dass die betreffenden Kinder oder Erwachsenen schneller denken als sie sprechen können und dadurch auch der Atemrhythmus gestört wird, kann ein funktionell beeinflussbares Stottern mit einer Pyrit-Therapie in Verbindung mit Sprachtherapie geheilt werden. Wobei sich in der unterstützenden Sprachtherapie der Hexameter-Rhythmus bewährt hat, dem das Verhältnis von 1 : 4 zugrunde liegt. Statistisch gesehen stellt sich dieser Rhythmus bei den meisten Menschen während der Nacht über eine gewisse Zeit ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Heart-Rate-Variability als Diagnose-Tool&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Inzwischen gib es auch eine breite Forschung zur sogenannten Heart-Rate-Variability, die zeigt, dass je mehr der Puls-Atemquotient von ganzzahligen Verhältnissen abweicht, dies Hinweise gibt auf vegetative Störungen bis hin zu manifesten Organerkrankungen.[6]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inwieweit sich dieses rhythmisch-musikalische Verhältnis 1 : 4 auch bis in die Bildung der Organe der rhythmischen Funktionsordnung von Herz-Kreislaufsystem und Atmung während der Embryonalentwicklung nachweisen lässt, ist empirisch noch nicht erforscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; heißt es zusammenfassend: &#039;&#039;„Dieser Prozess zwischen Blutzirkulation und Atmung, der zugleich der Prozess ist, aus dem die entsprechenden Organe im Embryonalleben gebildet werden und im weiteren Leben sich immer wieder erneuern, kann von der dem Körper zugeführten Eisenschwefelsubstanz übernommen werden, wenn er im Organismus nicht normal verläuft. […] Der Eisenprozess wird von dem Stoffwechsel bis in die Blutzirkulation geführt. Der Schwefelprozess tritt von der Blutzirkulation in den Atmungsvorgang über.“[7]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[8]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27, S. 118.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaft und Medizin,&#039;&#039; GA 312, S. 222.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft. Landwirtschaftlicher Kursus,&#039;&#039; GA 327, 52.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Vgl. auch Glöckler (2016a), 16–18.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. von Bonin u. a. (2020).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Vgl. Moser u. a. (2017) und (1994); Cysarz (2018).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Siehe FN 1.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== WIRKSAMKEIT EINES HEILMITTELS VERMITTELN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie vermittelt der Arzt seinem Patienten, welches Heilmittel er braucht?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist dabei zu beachten, worauf kommt es an?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wirksamkeit der Gedanken und Gefühle miteinbeziehen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ideal wäre es, mit dem Patienten über ein Heilmittel in einer Art zu sprechen, dass etwas von der Wirksamkeit desselben auf den Patienten überspringt und dieser sich freut, dass er dieses Mittel bekommt, ja, dass er dankbar dafür ist. Der Patient sollte es mit dem Gefühl nehmen, er habe etwas besonders Gutes bekommen. Denn Freude und Dankbarkeit wirken therapeutisch – sie sind nicht „Placebo“, sondern real und wirksam. Wir müssen begreifen, dass das, &#039;&#039;was&#039;&#039; und &#039;&#039;wie&#039;&#039; wir über eine Sache denken, viel mehr als nichts ist: Was jemand weiß, ist etwas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ätherleib als Träger der zeitlichen und „ewigen“ Lebenskräfte entfaltet diese Doppelwirksamkeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ihm verdankt unser Körper einerseits &#039;&#039;&#039;Leben, Regeneration, Wachstum&#039;&#039;&#039; und die individuelle Lebenszeit&lt;br /&gt;
* Andererseits verdankt der Mensch ihm sein &#039;&#039;&#039;Gedankenleben&#039;&#039;&#039;, je älter er wird, umso mehr, das sich aus all den ätherischen Kräften speist, die der Körper nicht mehr „verkörpert“ halten kann (und muss) und die er damit in die „außerkörperliche Wirksamkeit“ entlässt. Die Gedanken können über den Tod des Menschen hinaus weiterleben und ihn tragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Medikamente wirken auf beide Aspekte des Lebens – sprich: Auch was ich über etwas denke, bewirkt etwas. Wenn ich die Arnikawirkung denke, wirkt sie bereits, denn Gedanken wirken immer, sind ein reales Wirkprinzip. &#039;&#039;„Hab Sonne im Herzen, ob&#039;s stürmt oder schneit“&#039;&#039;. Wenn ich die Sonne meditiere, habe ich Licht und Wärme im Herzen, selbst wenn ich Bauchweh habe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Denken vermindert Heilkraft, positive Gefühle verstärken sie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Indem ich denke, nehme ich der ätherischen Wirksamkeit im Körper aber auch etwas weg, weil es dieselben Kräfte sind, die dem Körper zur Gesundheit verhelfen. D.h, der Körper ist am gesündesten, wenn man nicht denkt, also im Schlaf, weil da die gesamten ätherischen Kräfte (auch diejenigen, die tagsüber außerkörperlich dem Denken dienen) in den physischen Leib einziehen und an seiner Regeneration arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am besten ist es, wenn der Patient über ein Heilmittel gerade so viel weiß, dass er sich freut und ihm ein bisschen warm wird bei dem Gedanken, dass er es jetzt einnehmen darf. Denn diese positiven Gefühle teilen sich auch dem Körper mit und beeinflussen den Stoffwechsel positiv. Positive Gefühle führen dem Ätherleib vom Seelischen her positive Kräfte zu, wie dies gesunde Ernährung vom Physischen her tut. Zuviel Nachdenken über die Wirkung mindert diese jedoch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch weniger zuträglich ist es, wenn ein Patient nicht so recht weiß, wie ein Mittel wirkt, oder Angst bekommt, wenn er den Beipackzettel liest. Dann fühlt er sich verunsichert – weswegen 40 Prozent der Medikamente in den Müll und nicht in den Magen der Patienten wandern. Wieder zuhause entscheiden sie, dass es ihnen eigentlich gar nicht so schlecht geht und nehmen das verordnete Medikament lieber nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur Anthroposophischen Medizin, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Offenborn</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Anthroposophische_Heilmittel&amp;diff=1278</id>
		<title>Anthroposophische Heilmittel</title>
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		<updated>2026-01-30T11:47:51Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Offenborn: Neuen Text eingefügt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= Anthroposophische Heilmittel - von Michaela Glöckler =&lt;br /&gt;
Auszüge aus Büchern und Vorträgen von [[Michaela Glöckler]]; Erstveröffentlichung auf https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== SUBSTANZ-ERKENNTNIS ALS GRUNDLAGE FÜR HEILMITTEL-ERKENNTNIS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was meint Rudolf Steiner mit der Weltenaufgabe der Substanzen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was wird anhand der Beispiele Ameisensäure und Oxalsäure im Hinblick auf ihre Wirkung im Zellstoffwechsel aufgezeigt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern muss der Organismus als Tätigkeitszusammenhang begriffen werden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Weltenaufgabe der Substanzen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel XVII von &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039; liegt der Fokus auf einer konsequent prozessorientierten Substanz-Erkenntnis, über die Rudolf Steiner im Ärztekurs für die jungen Mediziner schreibt, dass es die Aufgabe des Arztes sei, &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„die Weltenaufgaben der Substanzen zu erkennen“.[2]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;„Grundlegendes…“&#039;&#039; formulieren die Autoren es so: &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Wer die Wirkung von Heilmitteln beurteilen will, muss ein Auge haben für die Kräftewirkungen, die sich im menschlichen Organismus ergeben, wenn eine Substanz, die außer demselben gewisse Wirkungen zeigt, in irgendeiner Art in ihn eingeführt wird.“[3]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039; Etwas von dieser ‚Weltenaufgabe‘ wird dort anhand der Ameisensäure und der Kleesäure aufgezeigt und damit auf die Bedeutung dieser Blickrichtung für bestimmte Prozesse im menschlichen Zellstoffwechsel hingewiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Beispiel: Aufgabe der Ameisensäure ====&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Ameisensäure wird vom Menschen mit der Nahrung in der Regel nicht aufgenommen. Sie wird im Tierreich gebildet und als Abwehrstoff, insbesondere der Insekten, ausgeschieden – selten auch bei Pflanzen, wie z.B. in den Brennhaaren der Brennnesseln. Ihre ‚Weltaufgabe‘ ist inzwischen gut erforscht: Die rote Waldameise ist für die Gesunderhaltung der Wälder unentbehrlich. Sie steht daher auch unter Naturschutz, seitdem man ihre Bedeutung für die ‚Lebensgemeinschaft Wald‘ erkannt hat. Um einen Ameisenbau herum vernichtet jedes Volk pro Tag zehntausende Schädlinge bzw. deren Larven und Raupen (wie z.B. Borkenkäfer- und Blattwespenlarven) sowie Kadaver und Pilzmyzel in morschem Holz. So hilft die Ameisensäure dem Mikrobiom des Bodens, die verwesenden Pflanzenreste und das modernde Holz zu verarbeiten. Auch verbreiten Ameisen auf ihren Wegen tausende von Samen und tragen so zur Vielfalt im Wald bei sowie zur Verbesserung der Bodenbeschaffenheit. Instrument für ihre wertvollen reinigenden Tätigkeiten ist die Ameisensäure mit ihrer aggressiven Toxizität.[4]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Beispiel: Aufgabe der Oxalsäure ====&lt;br /&gt;
Die Oxal- bzw. Kleesäure hingegen findet sich in allen Pflanzen und den meisten Bakterien und in unterschiedlichen Mengen in vielen Nahrungsmitteln wie z.B. in schwarzem Tee, Mangold oder Rhabarber. Nach der Aufnahme muss sie dann im Organismus zu ausscheidungsfähigen Endprodukten abgebaut werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Ein ‚Zuviel‘ führt zusammen mit Calcium im Darm zu schwer löslichen Salzen (Oxalaten), was Anlass geben kann für die Bildung von Blasen- und Nierensteinen. Oxalsäure ist ein pflanzliches Gift – für den Menschen können bereits Gramm-Mengen tödlich sein.[5] Als Kalzium-, Magnesium- oder Kaliumsalze sind die Oxalate allgegenwärtig und aus dem Zellstoffwechsel der Lebewesen nicht wegzudenken – bis hin zu den meisten Pilzen und Bakterien. Im Gegensatz zur Ameisensäure entfaltet die Oxalsäure ihre Wirkung nicht in dem Zwischenbereich zwischen dem Mineralisch-Physischen und dem Ätherisch-Lebendigen. Sie hat ihre Aufgabe in der Lebenswelt der Pflanzen – aber als Giftsubstanz im Grenzgebiet zum astralischen Kräftebereich. Da Gifte auch in schwacher Dosierung immer lebensfeindlich sind, regen sie den Organismus dazu an, auf unterschiedlichen Wegen diese Gifte schnellstmöglich abzubauen oder in Verbindung mit anderen Substanzen unschädlich zu machen. Diese Abbauvorgänge dienen im Organismus der Tiere und der Menschen der Bewusstseinsbildung, die sich, wie mehrfach erwähnt, auf Abbauvorgänge stützt.[6]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Biochemisch handelt es sich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* bei der &#039;&#039;&#039;Ameisensäure&#039;&#039;&#039; um die einfachste Monocarbonsäure (Formica, HCOOH, ihre Salze heißen Formiate)  &lt;br /&gt;
* und bei der &#039;&#039;&#039;Oxal- bzw.&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Kleesäure&#039;&#039;&#039; um die einfachste Dicarbonsäure (Acidum oxalicum, HOOC-CO-CH2-COOH, ihre Salze heißen Oxalate).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Notwendige Verwandlung von Oxalsäure in Ameisensäure&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Rudolf Steiner hat erstaunlich oft über die Bedeutung der biochemischen Verwandlung von Oxal- in Ameisensäure gesprochen.[7] Den Prozess der Bildung von Oxalsäure, der hauptsächlich in den Verdauungsorganen stattfände, hielt er für eine notwendige Grundlage dafür, dass der Mensch überhaupt leben könne – grundlegend also dafür, dass die Ätherkräfte zur Wirksamkeit kommen können.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Ihre Umwandlung in Ameisensäure aber sei eine entsprechende Grundlage für das Wirksamwerden der astralischen Kräfte in der physisch-ätherischen Konstitution. In einem Ärztevortrag führt er weiter aus, dass man im Falle der Ameisensäure dahin kommen müsse zu erkennen, dass sie im Menschen, wie auch draußen in der Natur, die Aufgabe hat, gegenüber den Prozessen des Alterns, des Absterbens und des Vermoderns immer wieder weiteres Leben, weitere Entwicklung zu ermöglichen.[8] Auch führt er aus, dass &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;„die heutige Physiologie“&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt; diese Prozesse erst finden müsse.[9]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&amp;lt;sup&amp;gt;,&amp;lt;/sup&amp;gt;&amp;lt;nowiki&amp;gt; [10]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner und Wegman sahen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* in der &#039;&#039;&#039;Ameisensäure&#039;&#039;&#039; die Schlüsselsubstanz im Stoffwechsel des tierischen Organismus&lt;br /&gt;
* und in der &#039;&#039;&#039;Oxalsäure&#039;&#039;&#039; die Schlüsselsubstanz im pflanzlichen Zell-Metabolismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Organismus als Tätigkeitszusammenhang begriffen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;In Abs. 2 wird deutlich gemacht, wie entscheidend es für einen Organismus ist, eine Substanz nicht nur zu besitzen, sondern auch den Bildeprozess zum Aufbau dieser Substanz zu leisten. Im Tun liegt das Wesen des Organismus, nicht in seinen Substanzen. Der Organismus ist nicht ein Stoffzusammenhang, sondern ein Tätigkeitszusammenhang. Der Stoff trägt den Anreiz zur Tätigkeit in sich. Hat er diesen Anreiz verloren, so hat er für die Organisation keine weitere Bedeutung.[11]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter diesem Gesichtspunkt kann auch die jeweilige Aufgabe der Ameisensäure und der Kleesäure im menschlichen Organismus verstanden werden. Hier ‚dienen‘ diese Substanzen der Ich-Organisation: &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Die Ich-Organisation braucht diesen Übergang der organischen Substanz in den leblosen Zustand. Aber sie braucht eben den Vorgang des Überganges; nicht, was dann durch den Übergang entsteht. Ist nun das nach dem Leblosen hin sich Entwickelnde gebildet, so wird es im Innern des Organismus zur Last. Es muss entweder unmittelbar abgesondert werden oder aufgelöst, um mittelbar hinwegzukommen. Geschieht nun für etwas, das aufgelöst werden sollte, diese Auflösung nicht, so häuft es sich im Organismus an und kann die Grundlage für gichtische oder rheumatische Zustände bilden.“[12]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;In der Biologie werden die Phänomene dieses Übergangs zwischen Abbau und Aufbau im Falle der Gesundheit als metabolische Homöostase beschrieben, wobei deren ‚Regulator‘ ein noch nicht gefundener Faktor ist. Es wird aber das Erstaunen zum Ausdruck gebracht darüber, dass unabhängig davon, was und wieviel man gerade isst oder nicht und wieviel Oxalacetat man gerade mit der Nahrung aufgenommen hat oder nicht, die Substanzen im sogenannten Stoffwechsel-Pol der Zellen konstant gehalten werden. D.h. in den Zellen sind die Enzyme des Katabolismus (Abbau) und Anabolismus (Aufbau) normalerweise derart reguliert, dass ein Gleichgewicht gewahrt bleibt. Wird dieses Gleichgewicht jedoch gestört, bedeutet dies den Beginn krankhafter Prozesse.[13]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[14]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----&amp;lt;nowiki&amp;gt;[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, Ga 27, Kap. XVII.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[2] Rudolf Steiner, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Meditative Betrachtungen und Anleitungen zur Vertiefung der Heilkunst. Vorträge für Ärzte und Medizinstudierende,&#039;&#039; GA 316, S. 22.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[3] Siehe FN 1, S. 82.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[4] Der Kern eines Ameisenhaufens ist meist in alten Wurzelstöcken von Nadelhölzern oder Eichenstämmen angesiedelt; das Zusammenleben in der Ameisenkolonie ist ausgeprägt sozial. Eine Königin lebt bis zu 20 Jahre, Arbeitsameisen 5–6 Jahre. Sie entwickeln sich in klar definierten Temperaturbereichen (Ameisenpuppen brauchen 31°, Larven 28°, die Entwicklung der Eier nur 25°). Vgl. Jirikowski (2010), 105–107.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[5] Vgl. Wollrab (2014), 621.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[6] Vgl. Wolff (2013), 85, 263–269.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[7] Vgl. Rudolf Steiner, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Mysteriengestaltungen,&#039;&#039; GA 232, 13. Vortrag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[8] Vgl. FN 1, S. 22f.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;[9] Vgl. FN 11, S. 193–195.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[10] Dazu muss aus anthroposophisch-medizinischer Sicht gesagt werden, dass die geisteswissenschaftliche Biochemie, für die Hauschka und Wolff die Grundlagen erarbeitet haben (Vgl. Hauschka 2007, Wolff 2013), auf dem jeweils neuesten Stand der biochemischen Forschung weiter erarbeitet werden muss. Denn die Zusammenschau der Wesensglieder-Tätigkeiten als ganzheitliche Regulatoren und die immense Faktenfülle der molekulargenetischen Einsichten in das hochkomplexe Regelkreisgeschehen der Zellatmung ist für eine umfassende Integrativmedizin unverzichtbar.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[11] Siehe FN 1, S. 82.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[12] Ebenda.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[13]  Vgl. Sadava u. a. (2019), 265–271.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[14] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== HEILENDE VERBINDUNG VON MENSCH UND NATUR ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern stehen Mensch und Natur in einer heilsamen Verbindung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Naturstoffe zur Arzneimittelherstellung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Natur ist nicht nur Lebensraum und Existenzgrundlage des Menschen. Ihre Stoffe und Kräfte liegen auch einer Fülle von Arzneimitteln zugrunde. Anthroposophische Arzneimittel sollen dazu beitragen, dass der Organismus – wann immer sinnvoll und möglich – in die Lage versetzt wird, eine Krankheit aus eigener Kraft zu überwinden. Sie stärken die gesundenden Kräfte und sind also vor allem darauf orientiert, die Körperfunktionen wieder ins Gleichgewicht zu bringen und die Abwehrkräfte zu stärken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der anthroposophischen Arzneimittelherstellung werden mineralische, pflanzliche, metallische und tierische Ausgangsstoffe verwendet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gängige mineralische Substanzen sind u.a. Quarz, Schwefel oder Kalk.&lt;br /&gt;
* Bekannte Heilpflanzen sind z.B. Arnika, gelber Enzian oder Kamille.&lt;br /&gt;
* Als Metalle kommen häufig Gold, Silber, Kupfer, Eisen und Zinn in potenzierter Form zum Einsatz.&lt;br /&gt;
* Zu den tierischen Ausgangssubstanzen gehören z. B. Insektengifte von Biene, Ameise, Hornisse sowie Organextrakte von Säugetieren (aus Leber, Thymusdrüse, Nieren, Nerven u.a.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Reicher Arzneimittelschatz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Alle anthroposophischen Medikamente werden nach komplexen Vorgaben der von Rudolf Steiner und Ita Wegman begründeten anthroposophischen Medizin hergestellt.[1] Die meisten Ausgangsstoffe werden in hoher Verdünnung (homöopathisch potenziert) eingesetzt, nur sehr selten konzentriert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophische Arzneimittel enthalten häufig mehrere Inhaltsstoffe. Diese sind nicht nur kombiniert, sondern komponiert. Wie bei einem Orchester, so kommt es auch bei einem zusammengesetzten Arzneimittel darauf an, in welchen Anteilen die verschiedenen Einzelkomponenten gemischt sind. In dieser Art gemischt, ergeben sie eine andere Wirkung denn als Einzelbestandteile. So wie ein Orchester anders klingt als eine Violine allein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anthroposophische Arzneimittelschatz umfasst etwa 2000 Substanzen, Kombinationen und eine Vielzahl von Darreichungsformen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ampullen, Augentropfen, Dilutionen, Einreibungen (ölige), Emulsionen, flüssige Verdünnungen, Flüssigkeiten zur Inhalation, Flüssigkeiten zur äußeren Anwendung, Gelate, Globuli, Granulate, Injektionen, Kapseln, Lotionen, Metallspiegelfolien, Mischungen, Nasentropfen (ölige), Öle, Pasten, Pflaster, Puder, Pulver, Salben (fettarm), Salben, Sirup, Tabletten, Tees, Tinkturen zum äußeren Gebrauch, Triturationen, Tropfen, Vaginalglobuli, Vaginaltabletten, Verdünnungen (wässrige), Zäpfchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Der Mensch als umgekehrte Pflanze&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aus anthroposophischer Sicht gleicht der Mensch einer umgekehrten Pflanze:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* So wie der Mensch seine Nahrung – in Form von Nahrungsmitteln, aber auch als „seelische“ oder „geistige“ Nahrung in Form von Gedanken, Worten, Tatsachen aus Kunst und Wissenschaft, über den Kopf – aufnimmt, so versorgt sich die Pflanze über ihre Wurzeln mit den nötigen Nährstoffen.&lt;br /&gt;
* Umgekehrt verhält es sich mit der Fortpflanzungsregion. Diese ist bei der Pflanze oben, Luft und Licht gegenüber geöffnet, wohingegen sie beim Menschen nach unten und innen gelagert ist, zur Erde hin.&lt;br /&gt;
* Beiden gemeinsam ist, dass in der Mitte – bei der Pflanze über die Blätter, beim Menschen über die rhythmischen Funktionen von Atmung und Kreislauf – der Gasaustausch stattfindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Umgekehrte Wirkung der Pflanze auf den Menschen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
So wirken die Anwendungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* von &#039;&#039;Wurzeln&#039;&#039; unterstützend und heilend bei Erkrankungen der &#039;&#039;Kopf- und Nerven-Sinnesorganisation&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* Teeabkochungen und -zubereitungen aus &#039;&#039;Blättern&#039;&#039; bei Störungen der &#039;&#039;rhythmischen Funktionen&#039;&#039; (insbesondere von Herz und Lunge),&lt;br /&gt;
* Zubereitungen aus &#039;&#039;Früchten&#039;&#039; bei &#039;&#039;Stoffwechsel- und Verdauungsstörungen&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entsprechendes gilt für die Ernährung. Wer darauf achtet, dass der Anteil von Wurzeln, Blattgemüse, Früchten und Samen ausgewogen ist, sorgt für eine an den Bedürfnissen des ganzen Körpers orientierte Ernährung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim therapeutischen Einsatz von mineralischen, pflanzlichen und tierischen Substanzen gilt es, „die Weltaufgabe dieser Substanzen zu verstehen“. Steiner regte an zu erforschen, welche Aufgabe ein bestimmtes chemisches Element oder eine Stoffkombination wie Wasser, Salz, Asche, Gerbstoffe oder Pyrit im Haushalt der Natur innehat. Die Signatur dieser Aufgabe bzw. Tätigkeit sagt auch aus, welche Wirkung die betreffende Substanz im menschlichen Organismus entfalten kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Menschen als Mikrokosmos kennenzulernen im Kontext der großen Weltentwicklung mit ihren Prozessen und Stoffzusammenhängen – nach alter Tradition Makrokosmos genannt – ist der Schlüssel zum Verständnis der anthroposophischen Arzneitherapie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Artikel in der Deutschen Apothekerzeitung DAZ Nr. 39, 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Seiner und Ita Wegmann, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27, Dornach 1935.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ANTHROPOSOPHISCHE HEILMITTEL-ERKENNTNIS AM BEISPIEL VON ANTIMON ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welcher Blickwinkel ist grundlegend im Hinblick auf die anthroposophische Heilmittel-Erkenntnis?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern weist Antimon Ähnlichkeiten mit dem Ätherischen auf?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wird es, auch in Kombination mit Schwefel, therapeutisch eingesetzt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wirksamkeit von Substanzen im Kontext irdisch-menschlicher Kraftsysteme&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel XVI von &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039; geht es um anthroposophische Heilmittel-Erkenntnis. Die Grundlage davon ist der Blick auf das Verhalten bzw. die Wirksamkeit einer Substanz im Bereich der in Kapitel I geschilderten Kraftsysteme. Dabei geht es insbesondere um die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* von der Erde ausstrahlenden&lt;br /&gt;
* und in sie einstrahlenden Kräfte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„[...] es kommt darauf an, die Wirkungen zu beobachten, die sich aus dem Zusammenhange der inneren Kräftekonstitution einer Substanz im Verhältnis zu den Kräften ergeben, die von der Erde ausstrahlen oder in sie einstrahlen.“[2]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Antimon, Schwefel und die Austernschalenbildung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Diese Wirkungen werden am Beispiel des Antimons in seiner Beziehung zum Schwefel in Form des in der Natur vorkommenden Grauspießglanzes aufgezeigt (Sb2 S3, auch als Antimonit bzw. Stibnit bekannt), sowie an der Austernschalenbildung, die zum Verständnis der Typhusbehandlung beiträgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Antimon ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Antimon&#039;&#039; kam bereits in der ägyptischen Medizin zur Anwendung, nimmt bei Paracelsus eine zentrale Stellung ein und hat bis in die Gegenwart immer neue Einsatzmöglichkeiten erfahren. Chemisch ist es dem Arsen verwandt und eine Menge von 100 mg bis etwa 1200 mg kann bereits tödlich sein. Eine gute Übersicht über seine Verwendung – einschließlich in der Anthroposophischen Medizin – findet sich bei &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;Marxer[3]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039; Die Bezeichnungen Antimon und Stibium für das chemische Symbol Sb stammen von den lateinischen Wörtern &#039;&#039;antimonium&#039;&#039; und &#039;&#039;stibium&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt; ab, die schon im Altertum für den Grauspießglanz verwendet wurden.[4]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Schwefel ====&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ Schwefel ist eines der seltenen Minerale, die in kristallisierten polymorphen Formen in der Natur rein vorkommen und in der Struktur der orthorhombischen Raumgruppe Fddd die typisch gelbe α-Kristallform zeigen. Schwefel steht mit einem Anteil von geschätzt 0,048 Gew.-% an 15. Stelle unter den häufigsten Elementen der uns bekannten Erdkruste. Er wurde in Kometenschweifen nachgewiesen, ist auf der Erde zum einen vulkanischen Ursprungs und stammt zum anderen aus der Biosphäre von Bakterien, die aus schwefelhaltigen Mineralien Schwefel aufnehmen und Sedimente bilden sowie von Pflanze, Tier und Mensch, da er im Eiweißaufbau durch die beiden schwefelhaltigen Aminosäuren &#039;&#039;Cystin&#039;&#039; und &#039;&#039;Methionin&#039;&#039; festgebunden ist. Durch seinen niedrigen Schmelzpunkt und seine Fähigkeit zu sublimieren, verbindet er sich leicht über Luft und Wasser mit anderen Substanzen und realisiert so den alle Reiche der Natur verbindenden Schwefelkreislauf.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;Symptomatisch dafür ist auch eine ungewöhnliche mechanische Eigenschaft der Grausspießglanz-Kristalle: Sie zeigen eine auch an größeren Kristallen bei geringem Kraftaufwand fühlbare Biegsamkeit. Diese beruht auf einer geregelten innerkristallinen Gleitung, wie sie auch beim Eis und beim Steinsalz vorliegt – Substanzen, die für alle Lebewesen essenziell sind.[5]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Austernschale ====&lt;br /&gt;
Die Austernschale ist als komplexes Kalkmineral schützendes Außenskelett der Auster und damit ein Mineral, ausgeschieden aus dem Lebensprozess eines Tieres bzw. einer Muschel. In ihrer therapeutischen Verwendung ist sie insbesondere in der Homöopathie bekannt mit dem Arzneimittelbild &#039;&#039;Calcium carbonicum&#039;&#039;. Sie wird zu den Vielkönnern oder Polychresten gezählt (von gr: πολύς - viel und χρηστός  - brauchbar).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Hinweise auf die Verwandtschaft von Antimon mit dem Ätherischen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Zusammenwirken von Zentral- und Universalkräften ====&lt;br /&gt;
Dadurch, dass das Antimon sich leicht und stabil mit dem Schwefel zu den orthorhombisch geformten Grauspießglanz/Antimonit-Kristallen verbindet, kann es die Neigung des Schwefels, in der Welt des Lebendigen aktiv zu werden und dadurch auch im Sinne der auf die Erde einstrahlenden ätherischen Kräfte zu wirken, unterstützen. Unter diesem Aspekt ist die Art und Weise, wie das Antimon in seiner Verbindung mit dem Schwefel kristallisiert, charakteristisch. Es kristallisiert in prismatisch-nadeligen grauschwarzen Kristallen, von feinst ziseliert bis zentimeterstark, immer von einem Zentrum weg – wenn der Kristallisationsprozess nicht durch äußere Umstände gestört wird. Dabei erstrecken sich die Antimonit-Nadeln radial in die Peripherie, wobei die Länge der Kristalle durchaus auch 1 m überschreiten kann. Wo er nur kann, strebt Antimonit die büschelförmige Gestaltung an. Er gliedert sich damit in Linien, die von der Erde weg- und den Kräften entgegenstreben, die im Äther wirken. Durch diese Kristallisationsweise bringt das Antimon das Zusammenwirken der Zentral- und der Universalkräfte wie archetypisch zum Ausdruck.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Man bringt mit dem Antimon somit etwas in den menschlichen Organismus, das der Wirkung des Ätherleibes auf halbem Wege entgegenkommt.[6] Antimon kann dadurch im Körper die eiweißbildenden Kräfte zusammenhalten und so die Tätigkeit der Ich-Organisation im Eiweißaufbau unterstützen.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Feinfaserigkeit durch Seigern ====&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Auch dasjenige, was im Seigerprozess mit dem Antimon vor sich geht, weist auf die Äther-Verwandtschaft dieses Stoffes hin. ‚Seigern‘ kommt von dem gegenwärtig nicht mehr oft gebrauchten Wort etwas z.B. durch ein Sieb ‚durchseien‘. Unter ‚Seigerungen‘ versteht man daher Trennprozesse in gemischtem Schmelzgut. Es wird durch diesen Prozess feinfaserig.[7]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Niedriger Schmelzpunkt ====&lt;br /&gt;
Da das Antimon bereits bei 547° schmilzt, fließt es auf schräger Unterlage leicht aus dem Antimon haltigen Schmelzgut heraus, wo es dann bei Abkühlung zu 92–98 % reinem &#039;&#039;antimonium crudum&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt; kristallisiert.[8] Der niedrige Schmelzpunkt von 547° zeigt zudem die Nähe dieser mineralischen Substanz zum flüssigen Aggregatzustand, in dem die ätherischen Kräfte ihre Wirkung entfalten können.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor diesem Hintergrund heißt es in dem oben erwähnten Werk:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Alles dieses zeigt, dass im Antimon die Tendenz enthalten ist, in das Ätherelement in dem Augenblick leicht überzugehen, in dem dazu die Bedingungen auch nur in geringem Grade vorhanden sind. Dem geistigen Schauen gelten alle diese Einzelheiten nur als Andeutungen; denn dieses nimmt die Beziehung zwischen Ich-Tätigkeit und Antimon-Wirksamkeit unmittelbar so wahr, dass die Antimonprozesse, in den menschlichen Organismus gebracht, so wirken, wie die Ich-Organisation.“[9]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zwei Indikationen als Beispiele für den Einsatz von Antimon&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aus dem breiten Spektrum der therapeutischen Einsatzmöglichkeiten werden nun zwei Indikationsgebiete an die Schilderung des Arzneimittelbildes angeschlossen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;&#039;Blutgerinnungsstörungen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
# und &#039;&#039;&#039;Typhus abdominalis/Parathyphus&#039;&#039;&#039;, eine gefährliche bakterielle Infektionskrankheit des Magen-Darmtraktes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während eine Therapie mit &#039;&#039;Antimon&#039;&#039; oder &#039;&#039;Stibium metallicum praep.&#039;&#039; bei Blutungsneigung aus der Darstellung des Arzneimittelbildes unmittelbar hervorgeht, ist dies für den Thyphus nicht so ohne weiteres ersichtlich – zumal dieser ja heute erfolgreich antibiotisch behandelt werden kann (Sterblichkeitsrate unter 1 &amp;lt;nowiki&amp;gt;%) und die Impfung bei Einreise in betroffene Gebiete empfohlen wird.[10]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;Arzneimittelbild der Austernschale und Typhus&#039;&#039;] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was macht also eine Begleitbehandlung oder Alternativbehandlung zur Vermeidung des Einsatzes von Antibiotika sinnvoll?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um dies zu verstehen, braucht es – wie oben bereits angedeutet – zum Vergleich das Arzneimittelbild der Austernschale. Hier liegt ein Naturprozess vor, der etwas vollzieht, was für die Muschel richtig ist, für den Menschen aber zur Ursache typhöser Durchfall-Erkrankungen werden kann. Die Auster sondert in ihre Schale das kalkartig Mineralische ab:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Bei der Auster wird das Kalkartige abgesondert, um es der Eiweißwirkung nicht einzugliedern. Im menschlichen Organismus muss diese Eingliederung stattfinden. Die bloße Eiweißwirkung muss in eine solche umgewandelt werden, in der mitwirkt, was im Kalkartigen durch die Ich-Organisation an gestaltenden Kräften hervorgerufen werden kann. Das muss sich innerhalb der Blutbildung abspielen. Das Antimon wirkt der kalkausscheidenden Kraft entgegen und führt das Eiweiß, das seine Form bewahren will, durch seine Verwandtschaft mit dem Äther-Elemente in die Formlosigkeit hinüber, die für die Einflüsse des Kalkartigen oder Ähnlichem empfänglich ist.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;Beim Typhus ist es klar, dass der krankhafte Zustand in einer mangelnden Überführung der Eiweißsubstanz in gestaltungsfähige Blutsubstanz besteht. Die Form der Diarrhöen, die auftritt, zeigt, dass schon im Darm die Unfähigkeit zu dieser Umwandlung beginnt.“[11]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Heilung der konstitutionellen Dysfunktionalität&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[12]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039; heißt es&#039;&#039;,&#039;&#039; dass die Abwehrstoffe und Killerzellen eines guten Immunsystems im Blut zirkulieren, welches wiederum &#039;&#039;das&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt; Organ der Ich-Organisation ist.[13] Kann nun mithilfe einer Konstitutionsbehandlung, z.B. mit einem Antimonpräparat, und je nach Situation auch noch kombiniert mit anderen Heilmitteln, die Ich-Organisation und damit ihr Einfluss auf die Gestaltungskräfte im Blut gestärkt werden, so werden die Bakterien nicht nur beseitigt, wie es über eine antibiotische Therapie geschieht, sondern zugleich das Milieu saniert und damit künftigen Infektionen vorgebeugt. Das entspräche einer integrativen Therapie, die sich nicht nur auf die Beseitigung der Symptome konzentriert, sondern auf die Heilung der konstitutionellen Dysfunktionalität.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dem erwähnten Werk schreiben die Autoren: &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Wendet man bei typhösen Erscheinungen Antimonpräparate in entsprechender Zusammensetzung an, so erweisen sich diese als Heilmittel. Sie entkleiden die Eiweißsubstanz ihrer Eigenkräfte und machen sie geneigt, den Gestaltungskräften der Ich-Organisation sich einzufügen.“[14]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbstverständlich hat der primäre Fokus auf die Symptombeseitigung überall da seine Berechtigung, wo sie Leben rettet, weil die Abwehrkräfte des Körpers zu schwach sind für die notwendige Selbstregulation. Wo diese Möglichkeit jedoch gegeben ist, kann differenzierter vorgegangen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Wer Exaktheit nur in dem sieht, was die Chemie – auch die pharmazeutische – feststellt, der vernichtet die Möglichkeit, Anschauungen darüber zu gewinnen, was im Organismus bei Heilungsvorgängen geschieht.“[15]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[16]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----&amp;lt;nowiki&amp;gt;[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[2] Ebenda, S. 77.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[3] Vgl. Marxer (2000), siehe www.pharmazeutische-zeitung.de/titel-10- 2000; [6.1.2025].&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[4] Vgl. Holleman und Wiberg (2017), 940.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[5] Vgl. Wimmenauer (1992), 223.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[6] Siehe FN 1, S. 78.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[7] Ebenda.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[8] Vgl. Holleman und Wiberg (2017), 942.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[9] Siehe FN 1, S. 78f.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[10] Typhus ist weltweit verbreitet – besonders in warmen Ländern. Er wird durch kontaminierte Lebensmittel bzw. Trinkwasser übertragen und ist eine schwere Allgemeinerkrankung, die durch das Bakterium Salmonella typhi ausgelöst wird. Als Paratyphus bezeichnet man ein abgeschwächtes Krankheitsbild, dessen Erreger Salmonella Paratyphi A, B oder C ist. Übertragen wird die Infektion durch Trinkwasser oder Lebensmittel, die mit Fäkalien von infizierten Personen verunreinigt wurden. Leitsymptome sind hohes Fieber, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, langsamer Puls, trockener Husten, Bauchschmerzen, Milzvergrößerung und manchmal ein blasser, kleinfleckiger Ausschlag am Körper. Ein milder Verlauf ist möglich, doch manchmal kommt es zu schweren Komplikationen wie massiven Darmblutungen oder Abszessen in verschiedenen Organen. Durch den Einsatz von Antibiotika kann die Sterblichkeit auf unter 1% gesenkt werden. In Deutschland ist die Krankheit meldepflichtig – dem Bundesamt für Gesundheit werden pro Jahr zwischen 20 und 50 Fälle gemeldet. Wichtigste Mittel zur Vorbeugung sind Körperhygiene und Verzicht auf frische Salate und ungeschältes Obst – nach dem Ernährungsmotto: Cook it, peel it or forget it. Siehe www.bag.admin.ch/bag/de/home/krankheiten/krankheiten-im-ueberblick/typhus-abdominalis-paratyphus.html; [6.1.2025].&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[11] Siehe FN 1, S. 80.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[12] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“, GA 27.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[13] Siehe FN 3, Kapitel VI.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[14] Siehe FN 3, S. 80.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[15] Ebenda, S. 81.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[16] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ARZNEIMITTEL-SUBSTANZGRUPPEN UND WESENSGLIEDER ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Auf welchen Ebenen und worüber ist der Mensch mit der Natur innig verbunden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Naturanteile machen seine Konstitution aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wesensglieder und ihre Einbettung in die Natur&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Physischer Leib und Natur ====&lt;br /&gt;
Schon ein oberflächlicher Blick auf die Verbundenheit von Natur und Mensch zeigt, wie der Mensch die kristallinen Strukturen seines Körpers mit den Mineralien der ihn umgebenden Natur gemeinsam hat. Dieser sichtbare, mineralisch erscheinende Leib wird in der anthroposophischen Menschenkunde „Physischer Leib“ genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ätherleib und Natur] ====&lt;br /&gt;
Werden und Vergehen, Leben und Sterben hat der Mensch mit der Pflanzenwelt gemeinsam. Diese Gesetzmäßigkeiten in ihrem Zusammenhang nennt Steiner „Ätherleib“, weil ohne das blaue Himmelslicht (griechisch o aither) kein Leben auf der Erde möglich wäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Astralleib und Natur] ====&lt;br /&gt;
Atmung, Bewegung, Bewusstsein, Schmerz und Triebleben hat der Mensch mit den Tieren gemeinsam. Diese das Seelenleben konstituierenden Gesetze heißen in ihrer Gesamtheit „Astralleib“ von aster, lateinisch Stern. Die menschliche Seele fühlt sich der Sternenwelt mit ihren Rhythmen und Konstellationen verwandt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Rein menschliche Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Die Fähigkeit jedoch, lebenslang lernen und immer wieder neu und anders kulturschöpferisch tätig sein zu können, ist spezifisch menschlich. Daher gibt Steiner diesem die „Ich-Natur“ des Menschen möglich machenden Gesetzes-Zusammenhang den Namen „Ich-Organisation“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Da der Mensch durch diese vier verschiedenen Gesetzes-Zusammenhänge sein Wesen sowohl integriert als auch differenziert äußern kann, gab Steiner ihnen den Namen „Wesensglieder“.[1]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Arzneimittelwirkung auf die Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Substanzgruppen aus dem Mineral-, Pflanzen-, Tier- und Menschenreich haben einen therapeutischen Bezug zu diesen Wesensgliedern:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Menschliche Substanz wie Muttermilch und in Form einer Blutspende stützt und erhält den physischen Leib.&lt;br /&gt;
* Präparate aus dem Tierreich regen den Ätherleib zu verstärkter Tätigkeit an,&lt;br /&gt;
* pflanzliche Arzneimittel wirken regulierend auf den Astralleib&lt;br /&gt;
* und Metalle und Mineralien auf die Ich-Organisation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Potenzierungsstufen und Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Auch die Potenzierungsstufen der nach homöopathischem Verfahren hergestellten Arzneimittel haben ihren Bezug zu den Wesensgliedern:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D1 – D4:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;physischen Organismus&#039;&#039; und seines Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D5 – D8:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;ätherischen Organismus&#039;&#039; und seines Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D10 – D15:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;astralischen Organismus&#039;&#039; und seines Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D20 – D60:&#039;&#039;&#039; Anregung der &#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039; und ihres Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Bezug auf die Dreigliederung des menschlichen Organismus gilt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D1 – D6:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;Stoffwechsel-Systems&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D6 – D18:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;rhythmischen Systems&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D18 – D30:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;Nerven-Sinnessystems&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Der Arzneimittelschatz der Anthroposophischen Medizin umfasst dementsprechend Ausgangssubstanzen mineralischer, pflanzlicher und tierischer Herkunft, die nach besonderen Verfahren vor allem von den Arzneimittelfirmen Weleda und Wala hergestellt werden.[2] In Deutschland wurden sie aufgrund des Arzneimittelgesetzes von 1976 in der vom Bundesgesundheitsamt – später Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) – eingerichteten Kommission C für die Zulassung aufbereitet. Ein Teil dieser regulativ wirksamen Arzneimittel ist sehr gut für die Selbstmedikation geeignet.[3]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Artikel in der Deutschen Apothekerzeitung DAZ Nr. 39, 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----&amp;lt;nowiki&amp;gt;[1] Rudolf Steiner, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Theosophie, Einführung in übersinnliche Welterkenntnis und Menschenbestimmung,&#039;&#039; 2003 und ders. &#039;&#039;Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft&#039;&#039;. In: &#039;&#039;Lucifer-Gnosis&#039;&#039;. GA 34. Dornach 1987, 309-344.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[2] International Association of Anthroposophic Pharmacists IAAP. ­Anthroposophic Pharmaceutical Codex. Stuttgart, 2014.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[3] M. Glöckler, B. Emde, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Anthroposophische Medizin&#039;&#039;, in: &#039;&#039;Komplementärmedizin für die Kitteltasche. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation&#039;&#039;, Stuttgart 2009 und ders.: &#039;&#039;Anthroposophische Medizin&#039;&#039;, in: &#039;&#039;Komplementärmedizin für Kinder. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation&#039;&#039;, Stuttgart 2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ARZNEIMITTEL AUS DER NATUR UND WESENSGLIEDER ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen inneren Zusammenhang sieht die anthroposophische Pharmazeutik zwischen Arzneimitteln aus der Natur und den menschlichen Wesensgliedern?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Qualitäten zeichnen die Muttermilch aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern sind Schwangerschaft und Stillzeit Naturvorbilder auch für zukünftige Entwicklungsstadien?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Korrelation von Arzneimitteln und Wesensgliedern&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;In der Anthroposophischen Pharmazeutik sieht man eine grundlegende Korrelation von Arzneimitteln aus der Natur und den menschlichen Wesensgliedern:[1]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So haben &#039;&#039;&#039;Mineralien&#039;&#039;&#039; eine unmittelbare Beziehung zur &#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;: Sie unterstützen die Ich-Organisation bei der Beherrschung der physischen Verhältnisse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Heilmittel aus dem Pflanzenreich&#039;&#039;&#039; auf die &#039;&#039;astralische Organisation&#039;&#039;: Die astralische Organisation wirkt lähmend auf die ätherische – pflanzliche Arzneimittel können regulierend auf diese lähmende Wirkung Einfluss nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Organpräparate&#039;&#039;&#039; und tierische Arzneimittel auf die &#039;&#039;ätherische Organisation:&#039;&#039; Diese hat die Aufgabe, physisch-tierische Substanzen in den Lebenszusammenhang aufzunehmen, was durch astralische Impulse angeregt werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Menschliche Substanz&#039;&#039;&#039; (wie Blutkonserven und Muttermilch) wirkt unmittelbar auf den &#039;&#039;physischen Leib,&#039;&#039; sodass sich die anderen Wesensglieder wieder besser einschalten und betätigen können. Anders ausgedrückt: Menschliche Substanz steht der Ich-Organisation unmittelbar für ihre Aufgabe zur Verfügung, das Ganze des Organismus bis in das Physische hinein zu beherrschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Was Muttermilch vermag&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Studiert man die Besonderheiten rund um die Bildung von Muttermilch, so verrät dies viel über die innige Bindung zwischen Mutter und Kind durch alle vier Wesensglieder hindurch:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die Muttermilch ist nach dem aktuellen Bedürfnis des Säuglings zusammengesetzt und variiert so auch von Tag zu Tag;&lt;br /&gt;
* Stillen fördert die Rückbildung der Gebärmutter;&lt;br /&gt;
* gestillte Kinder haben weniger Infekte und überstehen sie leichter, weil die Muttermilch wichtige Abwehrstoffe der Mutter enthält;&lt;br /&gt;
* ausschließliches Stillen in den ersten sechs Monaten kann das Kind vor Allergien und Asthma schützen;&lt;br /&gt;
* Wachstum und Beweglichkeit von Magen und Darm werden unmittelbar angeregt;&lt;br /&gt;
* die Zusammensetzung der Muttermilch mit Bezug auf Kohlenhydrate, Fette, Eiweißgehalt und Mineralstoffe ist zugleich ein ‚Naturvorbild‘ für eine gesunde Ernährung;&lt;br /&gt;
* die Immuntoleranz, d.h. die Selbstregulation des Immunsystems entwickelt sich bei gestillten Säuglingen nachhaltig besser.&lt;br /&gt;
* &amp;lt;nowiki&amp;gt;Durch Stillen wird das Risiko des plötzlichen Kindstodes um ca. die Hälfte gesenkt und vieles mehr.[2]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Formelmilch gefütterte Säuglinge haben eine deutlich höhere Insulinkonzentration im Plasma, was mit der Entwicklung von Adipositas und einer möglichen Zunahme von Diabetes mellitus Typ 2 im Zusammenhang steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Abnabelungsstadien und physisch-seelisch-geistige Muttermilch&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Nach der &#039;&#039;&#039;physischen Abnabelung&#039;&#039;&#039; vom physischen Leib der Mutter als der ernährenden Umgebung während der Schwangerschaft, folgt die Stillperiode.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann folgt die langsame &#039;&#039;&#039;ätherische Abnabelung&#039;&#039;&#039; und das Sich-Emanzipieren auf ätherischer Ebene, das mit dem Ende der Nachahmungsperiode ausklingt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;&#039;seelisch-astralische Abnabelung&#039;&#039;&#039; findet im 2. Jahrsiebt statt und kulminiert mit der Pubertät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Arbeit des Ich jedoch an der Überwindung von allen möglichen Abhängigkeiten, die seine Autonomiebefähigung einschränken, stellt eine Art &#039;&#039;&#039;geistige Abnabelung&#039;&#039;&#039; dar. Diese zu bewerkstelligen bleibt eine lebenslange Herausforderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Rudolf Steiner spricht im pädagogischen Zusammenhang wiederholt über die Bedeutung der physischen Muttermilch für den gesunden Aufbau des physischen Leibes und die damit verbundene Stärkung der Ich-Organisation des Kindes. Für die Unterstützung der oben genannten weiteren Abnabelungsprozesse im Verlaufe der Schulzeit und Jugend, braucht es die ‚seelische‘ und zuletzt ‚geistige‘ Muttermilch, die dem Menschen in Form einer nährenden Entwicklungsumgebung und verständigen Entwicklungshelfern zukommen müssen.[3]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fallen solch hilfreiche Faktoren und Entwicklungsbegleiter weg oder können nur eingeschränkt wirken, ist dies oft mit körperlichen und oder seelischen gesundheitlichen Belastungen im weiteren Leben verbunden. Diesen so weit als möglich vorzubeugen, ist der Präventionsanspruch Anthroposophischer Medizin und Pädagogik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[4]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----&amp;lt;nowiki&amp;gt;[1] Warum das so ist, geht aus den Kapiteln I bis V aus &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27,&#039;&#039; hervor, in denen die Autoren, Rudolf Steiner und Ita Wegman, die Arbeit der Wesensglieder an den Substanzströmen schildern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[2] Vgl. Soldner und Stellmann (2018), 220–238; Glöckler u. a. (2024b), 372–392.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[3] Rudolf Steiner, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik,&#039;&#039; GA 293, Vortrag 2. September 1919.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[4] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== METALLE IN STOFFWECHSEL UND ANTHROPOSOPHISCHER THERAPIE ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen inneren Bezug haben die Metalle zum Menschen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielen sie beim menschlichen Stoffwechsel?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worauf kommt es der Anthroposophischen Metalltherapie an?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Metalle, Planeten und Evolution&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ganz allgemein gilt, dass die Metalle Blei, Zinn, Eisen, Gold, Kupfer, Quecksilber und Silber in potenzierter Form in der anthroposophischen Therapierichtung eine zentrale Stellung einnehmen. Die Namen der Metalle haben in vielen Sprachen zudem einen engen Bezug zu den Planeten. Gemäß Rudolf Steiners geisteswissenschaftlicher Forschung hat die Entstehung der Metalle im Weltall und ihre Beziehung zu den Planeten und der Erde eine gemeinsame Geschichte mit der Entwicklung des Menschen im Verlaufe der Evolution.[1] So hat eine frühere Anschauung das Skelett und die Milz dem Saturn/Blei zugeordnet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* das &#039;&#039;&#039;Skelett&#039;&#039;&#039; als Organ der Mineralisierung &lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Milz&#039;&#039;&#039; als ein immunologisch und damit für die ,Grenzbildung‘ wichtiges Organ, in dem die abbaufähigen Erythrozyten erkannt in den hepatolienalen Kreislauf eingespeist werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Metalle im Menschen&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Folgenden möchte ich näher auf das Vorkommen der Metalle im Menschen und ihre Wirkung auf den menschlichen Stoffwechsel eingehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Eisen ====&lt;br /&gt;
Eisen ist ein zentral wichtiges Spurenelement, von dem etwa 2 bis 4 g im menschlichen Organismus nachweisbar sind – zwei Drittel davon sind im Blut an den roten Farbstoff Hämoglobin gebunden, etwa ein Drittel in Leber, Milz, Darmschleimhaut und Knochenmark gespeichert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kupfer ====&lt;br /&gt;
Der Kupfergehalt im menschlichen Organismus beträgt etwa 0, 3 g und findet sich in vielen lebenswichtigen Enzymen, wie z.B. im Plasmaprotein Coeruloplasmin oder in Gestalt der kupferabhängigen Cytochromoxidase, die bei der zellulären Sauerstoffverwertung eine entscheidende Rolle spielt. Andere Enzyme helfen bei der Vernetzung bindegewebiger Strukturen oder bei der Entgiftung freier Radikale. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Zinn ====&lt;br /&gt;
Ob Zinn zu den essenziellen Spurenelementen zählt, ist noch umstritten – es wird in der Liste der möglichen Spurenelemente aufgeführt und die WHO empfiehlt eine Aufnahme von 2 mg pro Tag. Einigermaßen gesichert ist die Beteiligung von Zinn-Ionen an der Bildung von Gastrin, einem die Magentätigkeit (Pepsinogenausschüttung, Aktivität der Muskulatur der Magenwand) beeinflussenden Dünndarm-Hormon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Gold ====&lt;br /&gt;
Spuren von Gold gehen im Körper keinerlei Verbindungen ein und sind unschädlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Quecksilber, Silber und Blei ====&lt;br /&gt;
Quecksilber, Silber und Blei hingegen gelten als Gifte, auch wenn Spuren umweltbedingt über Wasser und Nahrung vom Organismus aufgenommen, abgelagert und ausgeschieden werden können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Blei in der Anthroposophischen Metalltherapie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Auch aufgrund ihrer evolutionären Beziehung zum Menschen haben die Metalle eine wichtige Stellung in der Therapie.[2] In der Anthroposophischen Metalltherapie kommt es primär auf die Prozesswirkung der Metalle an zur Anregung der zugehörigen Organtätigkeiten oder aber, wie beim Blei, auf den Prozess der Überwindung des Bleiprozesses im menschlichen Organismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stofflich aufgenommen wäre Blei ein Gift, in feiner homöopathischer Dosierung hingegen regt es den Organismus an, den sklerotisierenden Bleiprozess zu überwinden. Das Blei bildet im periodischen System der Elemente den Abschluss, bevor dann die folgenden Elemente solche sind, die radioaktive Zerfallserscheinungen zeigen. In Blei kommt das Substanzwirken so gesehen an ein Ende, es entspricht dem Todesprozess, den die Ich-Organisation braucht, damit die Substanzen nach dem Durchgang durch den mineralischen Nullpunkt in den Lebens- und Arbeitszusammenhang des von der Ich-Organisation beherrschten Organismus aufgenommen werden können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[3]&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Der übersinnliche Mensch, anthroposophisch erfaßt,&#039;&#039; GA 231; &#039;&#039;Eine okkulte Physiologie,&#039;&#039; GA 128.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ALLGEMEINES ZU DEN TYPISCHEN HEILMITTELN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was verstehen Rudolf Steiner und Ita Wegman unter typischen Heilmitteln?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie verhalten sie sich im Vergleich zu den üblichen Symptome bekämpfenden Medikamenten?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist das Neue daran?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Bestimmte Kompositionen von Arzneimitteln&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel XX von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; heißt es: &#039;&#039;„[…] und wenn Typisches im Krankheitszustande in Betracht kommt, so stellt unser Heilmittel dasjenige dar, was im Sinne der Schilderung unseres Buches zur Therapie führen muss. Von diesem Gesichtspunkte aus sollen einige unserer Heilmittel beschrieben werden.“[2]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese &#039;&#039;„Typischen Heilmittel“[3]&#039;&#039; haben mit der Heileurythmie gemeinsam, dass hier bestimmte Kompositionen von Arzneimitteln einem bestimmten typischen Krankheitsbild angepasst sind – so wie man in der Heileurythmie eine bestimmte Lautfolge dem Krankheitsprozess anpasst. &#039;&#039;Otto Wolff&#039;&#039; hat dies wiederholt in seinen schriftlichen und mündlich vorgetragenen Ausführungen zu diesen Kompositions-Präparaten so auf den Punkt gebracht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„&#039;&#039;Diese mögen äußerlich wie Mischungen aussehen, ihnen liegt aber eine Konzeption zugrunde, die nicht von speziellen Krankheiten, sondern von Grundprozessen des Menschen oder einzelner Organe ausgeht. Sie sind deshalb nicht gegen eine Krankheit gerichtet, sondern sprechen ein Organ urbildhaft in seinen Funktionen an. Man kann diesen Arzneimittel-Typus als Urheilmittel ansprechen. So bilden Heilmittel wie Cardiodoron, Kephalodoron (Biodoron), Hepatodoron, Digestodoron u.a. in sich jeweils ein Ganzes. Dabei wird gerade eine gewisse Gegensätzlichkeit von Pflanzen (z.B. im Cardiodoron, Hepatodoron) bzw. der Mineralien Schwefel und Kiesel (im Kephalodoron) durch einen pharmazeutischen Prozess oder eine Substanz (Eisen beim Kephalodoron) ins Gleichgewicht gebracht und zu einer höheren Einheit verbunden. Dadurch erst kann Kephalodoron ein Abbild des dreigliedrigen Menschen sein und eine harmonisierende Wirkung auf den Funktionszusammenhang seiner Funktionssysteme (Nerven-Sinnes-System, rhythmisches und Stoffwechselsystem) ausüben. Entsprechendes könnte auch für andere ‚Heilmittel für typische Krankheiten‘ ausgeführt werden, bei denen es sich zumeist darum handelt, durch harmonisierende Anregungen Gleichgewichtszustände aus ungleichmäßigem Zusammenwirken von Kräften der übersinnlichen Wesensglieder wiederherzustellen. Das Heilende ist im Grunde genommen der menschliche Organismus, d.h. der Ätherleib selber, wenn es gelingt, die entsprechenden Anregungen wirksam werden zu lassen.“[4]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ein neuer Behandlungsansatz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das ist insofern ein neuer Behandlungsansatz, als es dem symptomorientierten Therapieansatz, der sich unmittelbar gegen das betreffende Symptom richtet in Form von Antipyretika, Antihistaminika, Antibiotika, Antidepressiva etc. etwas an die Seite stellt, das unmittelbar die ordnende Kraft der Ich-Organisation und die gesundende Aufbauleistung der ätherischen Organisation anspricht. Dabei steht nicht die Symptombeseitigung im Vordergrund, sondern die Regulierung von den Prozessen, die die Symptome hervorgebracht haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer also erwartet, dass z.B. eine Tablette Kephalodoron unmittelbar den Kopfschmerz beseitigt, wie man das von einer Gabe Ibuprofen erwarten kann, sieht sich getäuscht. Nimmt er aber das Migränemittel im gesunden Intervall über längere Zeit, werden die Anfälle milder und merklich seltener werden und können bei günstigem Verlauf auch sistieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[5]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ebenda, S. 115.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Vgl. Wolff (1984), 65–73 und (2013); Basold u. a. (1995).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] F. Husemann und Wolff (1993–2003), S. 244.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DAS HEILMITTEL SKLERON/SCLERON GEGEN ARTERIOSKLEROSE ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Woraus setzt sich dieses Heilmittel zusammen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wirken seine einzelnen Bestandteile?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie hängen unsere Gestalt und unsere Organe mit dem Tierkreis und den Planeten zusammen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Rudolf Steiner zur Komposition von Skleron&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Komposition dieses Arzneimittels besteht aus potenziertem (D 12) metallischem Blei, Honig und Zucker. Alle drei Substanzen haben eine direkte Beziehung zur Ich-Organisation: &#039;&#039;„Blei wirkt wie die Ich-Organisation, nicht wie der Astralleib, abbauend. Der Honig überträgt die abbauende Wirkung des Astralleibes auf die Ich-Organisation. Und der Zucker versetzt die Ich-Organisation in die Lage, ihre spezifische Aufgabe zu erfüllen.“[1]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem Vortrag vom 16. November 1923[2] geht Rudolf Steiner ausführlich auf das Skleron und seine drei Bestandteile ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Blei ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Was in uns – wenn ich mich jetzt psychologisch ausdrücken darf –, aus der Wahrnehmung die Vorstellung macht mit Hilfe der menschlichen Organisation, das ist ein Vorgang im Inneren der Nerven-Sinnesorganisation, der jenen Vorgängen entspricht, die wir draußen im Blei finden. Daher können wir sagen: Wenn das, was durch das Auge in der Wahrnehmung aufgefaßt wird, nun weiter zurückgeht in das Nerven-Sinnessystem, dann muß ihm entgegenkommen ein Prozeß, der gleich ist dem Bleiprozeß. Nur dadurch kann der Mensch das, was er wahrnimmt, auch denken. Dadurch wird das Gehirn ein Denkorgan; sonst würde es auch ein Wahrnehmungsorgan sein. Auf diese Weise wird der Mensch verselbständigt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Damit habe ich hingedeutet auf etwas, was in der Kopforganisation charakteristisch ist. Ich sagte also: dasselbe, was sich draußen im Bleiprozeß abspielt, müsse sich in der Kopforganisation abspielen, damit der Denkprozeß im Menschen zustande kommen kann.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Nehmen wir nun einmal die Bleifunktion und bringen wir sie nun nicht in die Nervenorganisation – wenn der Mensch geboren wird, ist das Blei von der Natur selber da, ist die Bleifunktion da, ohne daß die Substanz des Bleies nachgewiesen werden kann –, sondern bringen wir die Bleifunktion jetzt in die Verdauungsorganisation und in das Weitere hinein; dafür sorgt schon das Leben, zum Beispiel manchmal bei den Bleivergiftungen. Wenn Sie nun beobachten in allen Erscheinungen, was das Blei im Stoffwechsel-Gliedmaßenmenschen bewirkt, so bekommen Sie ein Bild, das sich zwar in verschiedenen einzelnen Symptomen darstellt, das aber eigentlich doch am charakteristischsten zusammengefaßt wird etwa in dem Symptomkomplex von Dementia senilis oder der Arteriosclerosis cerebralis: Sie bekommen dann das Bild des im Alter zerfallenden menschlichen Organismus. Das heißt mit anderen Worten: Wenn ich denselben Prozeß, der mir im Gehirn meine Selbständigkeit als organisches Wesen sichert, auf den anderen Pol des Menschen in Anwendung bringe, auf das Verdauungssystem und auf das damit im Zusammenhange stehende Gliedmaßensystem, dann bekomme ich ein Krankheitsbild; was also im Stoffwechsel-Gliedmaßensystem ein Krankheitsprozeß ist, das ist für den Nerven-Sinnesmenschen eine notwendige organische Funktion. Wenn ich also die Sklerose als ein langsames Sterben auffasse, so muß ich auch sagen: in einer gewissen abgeschwächten Form muß sie fortwährend im Haupte des Menschen funktionieren, dort ist sie der normale Zustand.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;So also sind die drei Glieder der menschlichen Wesenheit voneinander verschieden: was in dem einen Glied, in der Nerven-Sinnesorganisation, der normale Zustand ist, das ist in dem anderen Gliede des menschlichen Organismus eine Krankheitserscheinung. Aber ich habe schon gestern gesagt: Wie müssen wir uns nun zur Therapie stellen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wir müssen das, was den Krankheitsprozeß ausmacht, und was astralischer Leib und Ich-Organisation versorgen müssen, wenn eben der Krankheitsprozeß ungestört wuchern kann, das müssen wir dem astralischen Leibe und der Ich-Organisation abnehmen. Was müssen wir also tun, wenn wir die Sklerose haben? Wir müssen uns ihr so nähern, daß wir dem menschlichen astralischen Leibe für das Verdauungs-Gliedmaßensystem das abnehmen, was er mit dem alternden, zerfallenden, sklerotisch werdenden Leibe zu tun hat. Und das können wir, wenn wir es dem Blei übergeben, dem Blei in einer gewissen Dosierung. Und dies hat dazu geführt, daß wir zu einem solchen Heilmittel gekommen sind, wie Sie es in unserem Verzeichnis als Heilmittel Nummer I angeführt finden, als das Heilmittel gegen Arteriosklerose. Es ist also von vornherein durch wirkliche Menschenerkenntnis klar, daß man durch die in entsprechender Weise in den Menschen hineingebrachte Bleifunktion substantiell der Sklerose beikommen kann; nur muß man jetzt das Blei zur Wirksamkeit bringen. Es ist nicht ohne weiteres gesagt, daß ich das Blei, wenn ich es in den Organismus eingeführt habe, damit auch wirklich zur Wirksamkeit gebracht habe. Da helfen einem dann die weiteren Glieder einer wirklichen Menschenerkenntnis.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Da hilft es einem dann, daß man im menschlichen Organismus unterscheiden kann die aufbauenden und die abbauenden Kräfte. Die letzteren sind zum Beispiel gerade in der Sklerose tätig, wo der menschliche Organismus zerfällt. Im Haupte, im Gehirn zerfällt fortwährend der menschliche Organismus, denn das Gehirn ist immerfort von einer leisen Sklerose erfüllt; das liegt in seiner Organisation. […]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Honig ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wir brauchen auch noch, wenn wir uralt geworden sind, plastisch wirkende Kräfte, Bildekräfte, die die Nahrung, die wir aufnehmen, überführen in die Formen des Organismus. Nun stellt sich heraus: Daß nichts mehr fördert diese plastisch wirkenden, diese Bildekräfte, daß nichts mehr fördert die Anähnlichung der aufgenommenen Stoffe an den menschlichen Organismus als ein oftmals recht schwacher Honiggenuß. Honig wirkt in der Tat auf den altgewordenen Menschen im Stoffwechsel-Gliedmaßenorganismus ganz ähnlich, wie für den Gehirnorganismus des Kindes – und besonders des Kindes – die Milch wirkt. Das weist uns darauf hin, daß im Honig eben besondere Bildekräfte sind, die wir nicht dadurch auffinden, daß wir den Honig einfach chemisch analysieren, sondern die wir nur finden, wenn wir tatsächlich in aller Lebendigkeit die Beziehungen erkennen, die der Mensch hat zu den übrigen Substanzen im Weltall. Und diese Bildefähigkeit des Honigs – denn für eine genauere Interpretation stellt sich heraus, daß der Honig den menschlichen Organismus so ergreift, daß vorzugsweise der astralische Leib seine Bildekräfte ausüben kann […].&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Zucker ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;[…] diese Wirkungen des Honigs kann man dann unterstützen durch einen Zusatz von Zucker, vorausgesetzt, daß der menschliche Organismus das sonst verträgt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Daher finden Sie, daß – in einer besonderen Weise ineinandergefügt, funktional ineinandergefügt – unser erstes Heilmittel gegen Sklerose ein Präparat darstellt aus Blei, Honig und Zucker. […] Dieses Präparat ist also so hergestellt, daß es, wenn es in den menschlichen Organismus eingeführt wird, dort übernimmt die sklerotisierenden Kräfte. Es nimmt die sklerotisierenden Kräfte dem astralischen Leib und der Ich-Organisation des Menschen ab; die werden dadurch wieder frei und können nun für die normale, gesunde Organisation des Menschen wirken. Was ich aber mit diesem Präparat in den menschlichen Organismus einführe, das ist das, was früher Ich und astralischer Leib tun mußten, die daher nicht frei waren und ihre Funktionen ableiteten auf den Krankheitsvorgang. Jetzt übergebe ich den Krankheitsvorgang meinem Präparat. Das besonders Wirksame ist dabei das Blei; es übernimmt die Sklerotisierung, denn es ist ja seine eigene Natur, sklerotisierend zu wirken. Aber ich muß erst die Wege suchen durch die Plastik des Organismus hindurch, durch die ich das Blei dahin bringe, wo es nötig ist: das geschieht durch die Zusammensetzung mit Honig und Zucker.“[3]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wirkung von Blei und Honig auf das Gedächtnis&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das &#039;&#039;&#039;Blei&#039;&#039;&#039; in mittlerer Potenz hat einen direkten Bezug zum rhythmischen System und damit auch zu den Blutgefäßen. Es unterstützt die Abbauwirkung der Ich-Organisation. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Honig&#039;&#039;&#039; besteht je nach Pflanzenart aus verschiedenen meist einfachen Zuckern wie Glukose (Traubenzucker), Fruktose (Fruchtzucker), aber auch Zweifachzuckern wie Sacharose (Haushaltszucker) und Maltose (Malzzucker) und anderen Mehrfachzuckern. Außerdem enthält er Pollen, Enzyme und freie Aminosäuren. Daher wird er langsamer und auf verschiedenen Stoffwechselwegen verdaut, und er hat eine Brückenfunktion zwischen der ätherischen, astralischen und Ich-Organisation und kann dadurch den Astralleib von seiner abbauenden Wirkung entlasten und diese an die Ich-Organisation abgeben.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Bei der Sklerose wird die Ich-Organisation zu schwach; sie baut selber nicht genügend ab. Deshalb tritt Abbau allein durch den Astralleib ein. Es fallen die Abbauprodukte aus dem Organismus heraus und liefern Verstärkungen derjenigen Organe, die in Salzsubstanzen bestehen. Blei in gehöriger Dosierung nimmt den Abbau wieder in die Ich-Organisation zurück. Die Abbauprodukte bleiben nicht als Verhärtungen im Körper, sondern werden ausgestoßen. Alle Heilung der Sklerose kann nur darin bestehen, dass man den salzbildenden Prozessen, die sonst im Körper bleiben, den Weg nach außen öffnet.“[5]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit ist auch deutlich, dass es sich bei dieser Skleroseform offensichtlich um den dementiellen Formenkreis handelt, deren Anfangszustände &#039;&#039;„sich darin äußern, dass die Schlagkraft des Denkens und die exakte Herrschaft über das Gedächtnis aufhören.“[6]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wichtig ist aber auch zu beachten, dass das Mittel der jeweiligen Situation angemessen dosiert werden muss. Denn die Ich-Organisation kann in ihrer Wirkung durch das Präparat verstärkt werden und damit ‚hypertrophieren‘, wodurch ihre abbauende Wirkung zu stark wird und durch den nachfolgenden Aufbau nicht genügend kompensiert werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[7]&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27, S. 116.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Anthroposophische Menschenerkenntnis und Medizin,&#039;&#039; GA 319, 114–118.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Im Unterschied zur allgegenwärtigen Glukose im Stoffwechsel, hat die Fruktose bei den höheren Organismen und dem Menschen mehr spezifische Aufgaben, wodurch sie im Organismus im sogenannten Pentosephosphatweg (Pentosephosphatzyklus) aus Glukose hergestellt wird – und zwar insbesondere in der Leber, im Fettgewebe, den Milchdrüsen und den Nebennieren. Die dabei entstehenden Zuckerphosphate sind Vorstufen wichtiger Biomoleküle, wie den Ribosezuckern in den Nukleinsäuren des Erbguts (DNA/RNA), sowie der Energieüberträger ATP, NAD+ , FAD und CoA. Mehrere Studien, u. a. eine Studie vom Deutschen Institut fürErnährungsforschung, belegen einen Zusammenhang zwischen vermehrter Fruktoseaufnahme und Adipositas. Fruktose steigert nicht nur die Lipogenese, sondern führt auch zu einem gesteigerten Hungergefühl, da kein Insulin ausgeschüttet wird, welches auch ein Sättigungshormon ist. Zudem führt eine fruktosereiche Ernährung zu einem Anstieg der Plasmalipide und zur Insulinresistenz. Fruktose wirkt also dauerhaft diabetogen und das stärker als Glukose. Insgesamt steigert Fruktose also die Inzidenz für das Auftreten eines metabolischen Syndroms, welches als das gemeinsame Auftreten von Adipositas, Dyslipoproteinämie, gestörter Glukosetoleranz und arterieller Hypertonie definiert ist. Andere Untersuchungen zeigen einen Zusammenhang zwischen Fruktoseaufnahme und nicht-alkoholischer Fettleber (Steatosis hepatis) auf, welche eine Vorstufe der Leberzirrhose ist. Auch das Risiko für Gicht wird vor allem durch mit Fruktose gesüßte Softdrinks stark erhöht, wie prospektive Studien mit mehreren tausend Patienten belegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ursache ist der Verbrauch von ATP beim Abbau von Fruktose. Es fällt IMP an, das über den Purinabbau die Konzentration der Harnsäure ansteigen lässt. Neusten Studien zu Folge steigt selbst das Risiko von Krebserkrankungen wie zum Beispiel des Pankreas-Karzinoms durch eine fruktoselastige Diät. Fruktose trägt zur Synthese von Nukleinsäuren bei, was die Proliferation von Krebszellen begünstigt. Aus diesen Gründen empfiehlt die Food and Agriculture Organization of the United States die tägliche Aufnahme an freien Zuckern wie Fruktose auf weniger als 10 % der Gesamtenergiemenge zu reduzieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vgl. www.lecturio.de/artikel/medizin/fructosestoff-wechsel/; [6.1.2025].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Siehe FN 1, S. 115f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Ebenda, S. 116.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DAS MIGRÄNE-MITTEL BIODORON ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wozu dienen laut Rudolf Steiner und Ita Wegmann die grauen Hirnzellen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und was ist Aufgabe der weißen Gehirnsubstanz?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist Migräne aus anthroposophischer Sicht?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Aufgaben der grauen und weißen Hirnsubstanz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Entgegen der landläufigen Meinung, dass die &#039;&#039;&#039;‚grauen Hirnzellen‘&#039;&#039;&#039; Träger der menschlichen Intelligenz sind, wird von Rudolf Steiner und Ita Wegman betont, dass diesen Zellen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* überwiegend Stoffwechsel- und Ernährungsfunktion zukommt, &lt;br /&gt;
* weitaus weniger Hinneigung zu den rhythmischen Funktionen&lt;br /&gt;
* und am wenigsten zu den Sinnesfunktionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der &#039;&#039;&#039;weißen Substanz&#039;&#039;&#039; hingegen – d.h. den Leitungsbahnen und Nervenfortsätzen – obliegt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die Funktion einer integrierenden, &#039;&#039;„die übrigen Sinne zusammenfassende[n] Sinnestätigkeit, in die das Ich und der Astralleib hineinwirken“[1]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Daneben hat sie auch Bezug zu den rhythmischen Funktionen des Körpers (Astralleib/Ätherleib),&lt;br /&gt;
* am wenigsten jedoch zum Stoffwechsel, in den vorzugsweise Ätherleib und physischer Leib hineinwirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Migräne aus anthroposophischer Sicht&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aus anthroposophischer Sicht beruht die Migräne auf einer &#039;&#039;‚zurückgestoßenen Tätigkeit der Ich-Organisation‘&#039;&#039;, wodurch die Wahrnehmungsfunktion des zentralen Gehirns eingeschränkt wird zugunsten einer verstärkten Stoffwechselaktivität. Therapeutisch bedarf es also:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* einer &#039;&#039;Anregung der Nerven/Sinnestätigkeit&#039;&#039;: Dies wird &#039;&#039;&#039;durch die Kieselsäure&#039;&#039;&#039; in Form von Quarz erreicht;&lt;br /&gt;
* einer &#039;&#039;Umorientierung der rhythmischen Tätigkeit&#039;&#039; von ihrer Stoffwechsellastigkeit weg und hin zu einer stärkeren Verbindung mit dem Atemrhythmus: Das geschieht &#039;&#039;&#039;durch den Schwefel&#039;&#039;&#039;, der die rhythmische Funktionsordnung mehr dem Atemrhythmus zuneigen lässt;&lt;br /&gt;
* einer &#039;&#039;Eindämmung der rein vitalen Stoffwechseltätigkeit&#039;&#039; und der Unterstützung von deren Regulation durch die Ich-Organisation: Das kann &#039;&#039;&#039;durch das Eisen&#039;&#039;&#039; erreicht werden. Eisen leitet den Verdauungsvorgang hinüber in den Blutrhythmus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch mit diesem Arzneimittel liegen inzwischen jahrzehntelange positive Erfahrungen vor.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[3]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27, S. 117.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Einige Referenzen seien hier genannt: Sommer (1999), 289–292; Schirmer (1998), 348–355; Kohlhase (1998); Zwiauer (1989), 14–15; Hassauer (1988), 142–149; Noll (1963), 225–239.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== WIRKSAMKEIT EINES HEILMITTELS VERMITTELN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie vermittelt der Arzt seinem Patienten, welches Heilmittel er braucht?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist dabei zu beachten, worauf kommt es an?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wirksamkeit der Gedanken und Gefühle miteinbeziehen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ideal wäre es, mit dem Patienten über ein Heilmittel in einer Art zu sprechen, dass etwas von der Wirksamkeit desselben auf den Patienten überspringt und dieser sich freut, dass er dieses Mittel bekommt, ja, dass er dankbar dafür ist. Der Patient sollte es mit dem Gefühl nehmen, er habe etwas besonders Gutes bekommen. Denn Freude und Dankbarkeit wirken therapeutisch – sie sind nicht „Placebo“, sondern real und wirksam. Wir müssen begreifen, dass das, &#039;&#039;was&#039;&#039; und &#039;&#039;wie&#039;&#039; wir über eine Sache denken, viel mehr als nichts ist: Was jemand weiß, ist etwas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ätherleib als Träger der zeitlichen und „ewigen“ Lebenskräfte entfaltet diese Doppelwirksamkeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ihm verdankt unser Körper einerseits &#039;&#039;&#039;Leben, Regeneration, Wachstum&#039;&#039;&#039; und die individuelle Lebenszeit&lt;br /&gt;
* Andererseits verdankt der Mensch ihm sein &#039;&#039;&#039;Gedankenleben&#039;&#039;&#039;, je älter er wird, umso mehr, das sich aus all den ätherischen Kräften speist, die der Körper nicht mehr „verkörpert“ halten kann (und muss) und die er damit in die „außerkörperliche Wirksamkeit“ entlässt. Die Gedanken können über den Tod des Menschen hinaus weiterleben und ihn tragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Medikamente wirken auf beide Aspekte des Lebens – sprich: Auch was ich über etwas denke, bewirkt etwas. Wenn ich die Arnikawirkung denke, wirkt sie bereits, denn Gedanken wirken immer, sind ein reales Wirkprinzip. &#039;&#039;„Hab Sonne im Herzen, ob&#039;s stürmt oder schneit“&#039;&#039;. Wenn ich die Sonne meditiere, habe ich Licht und Wärme im Herzen, selbst wenn ich Bauchweh habe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Denken vermindert Heilkraft, positive Gefühle verstärken sie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Indem ich denke, nehme ich der ätherischen Wirksamkeit im Körper aber auch etwas weg, weil es dieselben Kräfte sind, die dem Körper zur Gesundheit verhelfen. D.h, der Körper ist am gesündesten, wenn man nicht denkt, also im Schlaf, weil da die gesamten ätherischen Kräfte (auch diejenigen, die tagsüber außerkörperlich dem Denken dienen) in den physischen Leib einziehen und an seiner Regeneration arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am besten ist es, wenn der Patient über ein Heilmittel gerade so viel weiß, dass er sich freut und ihm ein bisschen warm wird bei dem Gedanken, dass er es jetzt einnehmen darf. Denn diese positiven Gefühle teilen sich auch dem Körper mit und beeinflussen den Stoffwechsel positiv. Positive Gefühle führen dem Ätherleib vom Seelischen her positive Kräfte zu, wie dies gesunde Ernährung vom Physischen her tut. Zuviel Nachdenken über die Wirkung mindert diese jedoch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch weniger zuträglich ist es, wenn ein Patient nicht so recht weiß, wie ein Mittel wirkt, oder Angst bekommt, wenn er den Beipackzettel liest. Dann fühlt er sich verunsichert – weswegen 40 Prozent der Medikamente in den Müll und nicht in den Magen der Patienten wandern. Wieder zuhause entscheiden sie, dass es ihnen eigentlich gar nicht so schlecht geht und nehmen das verordnete Medikament lieber nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur Anthroposophischen Medizin, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Offenborn</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Anthroposophische_Heilmittel&amp;diff=1277</id>
		<title>Anthroposophische Heilmittel</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Anthroposophische_Heilmittel&amp;diff=1277"/>
		<updated>2026-01-29T14:02:55Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Offenborn: Neuen Text eingefügt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= Anthroposophische Heilmittel - von Michaela Glöckler =&lt;br /&gt;
Auszüge aus Büchern und Vorträgen von [[Michaela Glöckler]]; Erstveröffentlichung auf https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== SUBSTANZ-ERKENNTNIS ALS GRUNDLAGE FÜR HEILMITTEL-ERKENNTNIS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was meint Rudolf Steiner mit der Weltenaufgabe der Substanzen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was wird anhand der Beispiele Ameisensäure und Oxalsäure im Hinblick auf ihre Wirkung im Zellstoffwechsel aufgezeigt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern muss der Organismus als Tätigkeitszusammenhang begriffen werden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Weltenaufgabe der Substanzen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel XVII von &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039; liegt der Fokus auf einer konsequent prozessorientierten Substanz-Erkenntnis, über die Rudolf Steiner im Ärztekurs für die jungen Mediziner schreibt, dass es die Aufgabe des Arztes sei, &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„die Weltenaufgaben der Substanzen zu erkennen“.[2]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;„Grundlegendes…“&#039;&#039; formulieren die Autoren es so: &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Wer die Wirkung von Heilmitteln beurteilen will, muss ein Auge haben für die Kräftewirkungen, die sich im menschlichen Organismus ergeben, wenn eine Substanz, die außer demselben gewisse Wirkungen zeigt, in irgendeiner Art in ihn eingeführt wird.“[3]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039; Etwas von dieser ‚Weltenaufgabe‘ wird dort anhand der Ameisensäure und der Kleesäure aufgezeigt und damit auf die Bedeutung dieser Blickrichtung für bestimmte Prozesse im menschlichen Zellstoffwechsel hingewiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Beispiel: Aufgabe der Ameisensäure ====&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Ameisensäure wird vom Menschen mit der Nahrung in der Regel nicht aufgenommen. Sie wird im Tierreich gebildet und als Abwehrstoff, insbesondere der Insekten, ausgeschieden – selten auch bei Pflanzen, wie z.B. in den Brennhaaren der Brennnesseln. Ihre ‚Weltaufgabe‘ ist inzwischen gut erforscht: Die rote Waldameise ist für die Gesunderhaltung der Wälder unentbehrlich. Sie steht daher auch unter Naturschutz, seitdem man ihre Bedeutung für die ‚Lebensgemeinschaft Wald‘ erkannt hat. Um einen Ameisenbau herum vernichtet jedes Volk pro Tag zehntausende Schädlinge bzw. deren Larven und Raupen (wie z.B. Borkenkäfer- und Blattwespenlarven) sowie Kadaver und Pilzmyzel in morschem Holz. So hilft die Ameisensäure dem Mikrobiom des Bodens, die verwesenden Pflanzenreste und das modernde Holz zu verarbeiten. Auch verbreiten Ameisen auf ihren Wegen tausende von Samen und tragen so zur Vielfalt im Wald bei sowie zur Verbesserung der Bodenbeschaffenheit. Instrument für ihre wertvollen reinigenden Tätigkeiten ist die Ameisensäure mit ihrer aggressiven Toxizität.[4]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Beispiel: Aufgabe der Oxalsäure ====&lt;br /&gt;
Die Oxal- bzw. Kleesäure hingegen findet sich in allen Pflanzen und den meisten Bakterien und in unterschiedlichen Mengen in vielen Nahrungsmitteln wie z.B. in schwarzem Tee, Mangold oder Rhabarber. Nach der Aufnahme muss sie dann im Organismus zu ausscheidungsfähigen Endprodukten abgebaut werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Ein ‚Zuviel‘ führt zusammen mit Calcium im Darm zu schwer löslichen Salzen (Oxalaten), was Anlass geben kann für die Bildung von Blasen- und Nierensteinen. Oxalsäure ist ein pflanzliches Gift – für den Menschen können bereits Gramm-Mengen tödlich sein.[5] Als Kalzium-, Magnesium- oder Kaliumsalze sind die Oxalate allgegenwärtig und aus dem Zellstoffwechsel der Lebewesen nicht wegzudenken – bis hin zu den meisten Pilzen und Bakterien. Im Gegensatz zur Ameisensäure entfaltet die Oxalsäure ihre Wirkung nicht in dem Zwischenbereich zwischen dem Mineralisch-Physischen und dem Ätherisch-Lebendigen. Sie hat ihre Aufgabe in der Lebenswelt der Pflanzen – aber als Giftsubstanz im Grenzgebiet zum astralischen Kräftebereich. Da Gifte auch in schwacher Dosierung immer lebensfeindlich sind, regen sie den Organismus dazu an, auf unterschiedlichen Wegen diese Gifte schnellstmöglich abzubauen oder in Verbindung mit anderen Substanzen unschädlich zu machen. Diese Abbauvorgänge dienen im Organismus der Tiere und der Menschen der Bewusstseinsbildung, die sich, wie mehrfach erwähnt, auf Abbauvorgänge stützt.[6]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Biochemisch handelt es sich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* bei der &#039;&#039;&#039;Ameisensäure&#039;&#039;&#039; um die einfachste Monocarbonsäure (Formica, HCOOH, ihre Salze heißen Formiate)  &lt;br /&gt;
* und bei der &#039;&#039;&#039;Oxal- bzw.&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Kleesäure&#039;&#039;&#039; um die einfachste Dicarbonsäure (Acidum oxalicum, HOOC-CO-CH2-COOH, ihre Salze heißen Oxalate).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Notwendige Verwandlung von Oxalsäure in Ameisensäure&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Rudolf Steiner hat erstaunlich oft über die Bedeutung der biochemischen Verwandlung von Oxal- in Ameisensäure gesprochen.[7] Den Prozess der Bildung von Oxalsäure, der hauptsächlich in den Verdauungsorganen stattfände, hielt er für eine notwendige Grundlage dafür, dass der Mensch überhaupt leben könne – grundlegend also dafür, dass die Ätherkräfte zur Wirksamkeit kommen können.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Ihre Umwandlung in Ameisensäure aber sei eine entsprechende Grundlage für das Wirksamwerden der astralischen Kräfte in der physisch-ätherischen Konstitution. In einem Ärztevortrag führt er weiter aus, dass man im Falle der Ameisensäure dahin kommen müsse zu erkennen, dass sie im Menschen, wie auch draußen in der Natur, die Aufgabe hat, gegenüber den Prozessen des Alterns, des Absterbens und des Vermoderns immer wieder weiteres Leben, weitere Entwicklung zu ermöglichen.[8] Auch führt er aus, dass &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;„die heutige Physiologie“&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt; diese Prozesse erst finden müsse.[9]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&amp;lt;sup&amp;gt;,&amp;lt;/sup&amp;gt;&amp;lt;nowiki&amp;gt; [10]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner und Wegman sahen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* in der &#039;&#039;&#039;Ameisensäure&#039;&#039;&#039; die Schlüsselsubstanz im Stoffwechsel des tierischen Organismus&lt;br /&gt;
* und in der &#039;&#039;&#039;Oxalsäure&#039;&#039;&#039; die Schlüsselsubstanz im pflanzlichen Zell-Metabolismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Organismus als Tätigkeitszusammenhang begriffen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;In Abs. 2 wird deutlich gemacht, wie entscheidend es für einen Organismus ist, eine Substanz nicht nur zu besitzen, sondern auch den Bildeprozess zum Aufbau dieser Substanz zu leisten. Im Tun liegt das Wesen des Organismus, nicht in seinen Substanzen. Der Organismus ist nicht ein Stoffzusammenhang, sondern ein Tätigkeitszusammenhang. Der Stoff trägt den Anreiz zur Tätigkeit in sich. Hat er diesen Anreiz verloren, so hat er für die Organisation keine weitere Bedeutung.[11]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter diesem Gesichtspunkt kann auch die jeweilige Aufgabe der Ameisensäure und der Kleesäure im menschlichen Organismus verstanden werden. Hier ‚dienen‘ diese Substanzen der Ich-Organisation: &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Die Ich-Organisation braucht diesen Übergang der organischen Substanz in den leblosen Zustand. Aber sie braucht eben den Vorgang des Überganges; nicht, was dann durch den Übergang entsteht. Ist nun das nach dem Leblosen hin sich Entwickelnde gebildet, so wird es im Innern des Organismus zur Last. Es muss entweder unmittelbar abgesondert werden oder aufgelöst, um mittelbar hinwegzukommen. Geschieht nun für etwas, das aufgelöst werden sollte, diese Auflösung nicht, so häuft es sich im Organismus an und kann die Grundlage für gichtische oder rheumatische Zustände bilden.“[12]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;In der Biologie werden die Phänomene dieses Übergangs zwischen Abbau und Aufbau im Falle der Gesundheit als metabolische Homöostase beschrieben, wobei deren ‚Regulator‘ ein noch nicht gefundener Faktor ist. Es wird aber das Erstaunen zum Ausdruck gebracht darüber, dass unabhängig davon, was und wieviel man gerade isst oder nicht und wieviel Oxalacetat man gerade mit der Nahrung aufgenommen hat oder nicht, die Substanzen im sogenannten Stoffwechsel-Pol der Zellen konstant gehalten werden. D.h. in den Zellen sind die Enzyme des Katabolismus (Abbau) und Anabolismus (Aufbau) normalerweise derart reguliert, dass ein Gleichgewicht gewahrt bleibt. Wird dieses Gleichgewicht jedoch gestört, bedeutet dies den Beginn krankhafter Prozesse.[13]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[14]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----&amp;lt;nowiki&amp;gt;[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, Ga 27, Kap. XVII.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[2] Rudolf Steiner, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Meditative Betrachtungen und Anleitungen zur Vertiefung der Heilkunst. Vorträge für Ärzte und Medizinstudierende,&#039;&#039; GA 316, S. 22.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[3] Siehe FN 1, S. 82.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[4] Der Kern eines Ameisenhaufens ist meist in alten Wurzelstöcken von Nadelhölzern oder Eichenstämmen angesiedelt; das Zusammenleben in der Ameisenkolonie ist ausgeprägt sozial. Eine Königin lebt bis zu 20 Jahre, Arbeitsameisen 5–6 Jahre. Sie entwickeln sich in klar definierten Temperaturbereichen (Ameisenpuppen brauchen 31°, Larven 28°, die Entwicklung der Eier nur 25°). Vgl. Jirikowski (2010), 105–107.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[5] Vgl. Wollrab (2014), 621.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[6] Vgl. Wolff (2013), 85, 263–269.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[7] Vgl. Rudolf Steiner, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Mysteriengestaltungen,&#039;&#039; GA 232, 13. Vortrag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[8] Vgl. FN 1, S. 22f.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;[9] Vgl. FN 11, S. 193–195.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[10] Dazu muss aus anthroposophisch-medizinischer Sicht gesagt werden, dass die geisteswissenschaftliche Biochemie, für die Hauschka und Wolff die Grundlagen erarbeitet haben (Vgl. Hauschka 2007, Wolff 2013), auf dem jeweils neuesten Stand der biochemischen Forschung weiter erarbeitet werden muss. Denn die Zusammenschau der Wesensglieder-Tätigkeiten als ganzheitliche Regulatoren und die immense Faktenfülle der molekulargenetischen Einsichten in das hochkomplexe Regelkreisgeschehen der Zellatmung ist für eine umfassende Integrativmedizin unverzichtbar.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[11] Siehe FN 1, S. 82.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[12] Ebenda.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[13]  Vgl. Sadava u. a. (2019), 265–271.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[14] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== HEILENDE VERBINDUNG VON MENSCH UND NATUR ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern stehen Mensch und Natur in einer heilsamen Verbindung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Naturstoffe zur Arzneimittelherstellung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Natur ist nicht nur Lebensraum und Existenzgrundlage des Menschen. Ihre Stoffe und Kräfte liegen auch einer Fülle von Arzneimitteln zugrunde. Anthroposophische Arzneimittel sollen dazu beitragen, dass der Organismus – wann immer sinnvoll und möglich – in die Lage versetzt wird, eine Krankheit aus eigener Kraft zu überwinden. Sie stärken die gesundenden Kräfte und sind also vor allem darauf orientiert, die Körperfunktionen wieder ins Gleichgewicht zu bringen und die Abwehrkräfte zu stärken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der anthroposophischen Arzneimittelherstellung werden mineralische, pflanzliche, metallische und tierische Ausgangsstoffe verwendet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gängige mineralische Substanzen sind u.a. Quarz, Schwefel oder Kalk.&lt;br /&gt;
* Bekannte Heilpflanzen sind z.B. Arnika, gelber Enzian oder Kamille.&lt;br /&gt;
* Als Metalle kommen häufig Gold, Silber, Kupfer, Eisen und Zinn in potenzierter Form zum Einsatz.&lt;br /&gt;
* Zu den tierischen Ausgangssubstanzen gehören z. B. Insektengifte von Biene, Ameise, Hornisse sowie Organextrakte von Säugetieren (aus Leber, Thymusdrüse, Nieren, Nerven u.a.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Reicher Arzneimittelschatz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Alle anthroposophischen Medikamente werden nach komplexen Vorgaben der von Rudolf Steiner und Ita Wegman begründeten anthroposophischen Medizin hergestellt.[1] Die meisten Ausgangsstoffe werden in hoher Verdünnung (homöopathisch potenziert) eingesetzt, nur sehr selten konzentriert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophische Arzneimittel enthalten häufig mehrere Inhaltsstoffe. Diese sind nicht nur kombiniert, sondern komponiert. Wie bei einem Orchester, so kommt es auch bei einem zusammengesetzten Arzneimittel darauf an, in welchen Anteilen die verschiedenen Einzelkomponenten gemischt sind. In dieser Art gemischt, ergeben sie eine andere Wirkung denn als Einzelbestandteile. So wie ein Orchester anders klingt als eine Violine allein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anthroposophische Arzneimittelschatz umfasst etwa 2000 Substanzen, Kombinationen und eine Vielzahl von Darreichungsformen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ampullen, Augentropfen, Dilutionen, Einreibungen (ölige), Emulsionen, flüssige Verdünnungen, Flüssigkeiten zur Inhalation, Flüssigkeiten zur äußeren Anwendung, Gelate, Globuli, Granulate, Injektionen, Kapseln, Lotionen, Metallspiegelfolien, Mischungen, Nasentropfen (ölige), Öle, Pasten, Pflaster, Puder, Pulver, Salben (fettarm), Salben, Sirup, Tabletten, Tees, Tinkturen zum äußeren Gebrauch, Triturationen, Tropfen, Vaginalglobuli, Vaginaltabletten, Verdünnungen (wässrige), Zäpfchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Der Mensch als umgekehrte Pflanze&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aus anthroposophischer Sicht gleicht der Mensch einer umgekehrten Pflanze:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* So wie der Mensch seine Nahrung – in Form von Nahrungsmitteln, aber auch als „seelische“ oder „geistige“ Nahrung in Form von Gedanken, Worten, Tatsachen aus Kunst und Wissenschaft, über den Kopf – aufnimmt, so versorgt sich die Pflanze über ihre Wurzeln mit den nötigen Nährstoffen.&lt;br /&gt;
* Umgekehrt verhält es sich mit der Fortpflanzungsregion. Diese ist bei der Pflanze oben, Luft und Licht gegenüber geöffnet, wohingegen sie beim Menschen nach unten und innen gelagert ist, zur Erde hin.&lt;br /&gt;
* Beiden gemeinsam ist, dass in der Mitte – bei der Pflanze über die Blätter, beim Menschen über die rhythmischen Funktionen von Atmung und Kreislauf – der Gasaustausch stattfindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Umgekehrte Wirkung der Pflanze auf den Menschen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
So wirken die Anwendungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* von &#039;&#039;Wurzeln&#039;&#039; unterstützend und heilend bei Erkrankungen der &#039;&#039;Kopf- und Nerven-Sinnesorganisation&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* Teeabkochungen und -zubereitungen aus &#039;&#039;Blättern&#039;&#039; bei Störungen der &#039;&#039;rhythmischen Funktionen&#039;&#039; (insbesondere von Herz und Lunge),&lt;br /&gt;
* Zubereitungen aus &#039;&#039;Früchten&#039;&#039; bei &#039;&#039;Stoffwechsel- und Verdauungsstörungen&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entsprechendes gilt für die Ernährung. Wer darauf achtet, dass der Anteil von Wurzeln, Blattgemüse, Früchten und Samen ausgewogen ist, sorgt für eine an den Bedürfnissen des ganzen Körpers orientierte Ernährung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim therapeutischen Einsatz von mineralischen, pflanzlichen und tierischen Substanzen gilt es, „die Weltaufgabe dieser Substanzen zu verstehen“. Steiner regte an zu erforschen, welche Aufgabe ein bestimmtes chemisches Element oder eine Stoffkombination wie Wasser, Salz, Asche, Gerbstoffe oder Pyrit im Haushalt der Natur innehat. Die Signatur dieser Aufgabe bzw. Tätigkeit sagt auch aus, welche Wirkung die betreffende Substanz im menschlichen Organismus entfalten kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Menschen als Mikrokosmos kennenzulernen im Kontext der großen Weltentwicklung mit ihren Prozessen und Stoffzusammenhängen – nach alter Tradition Makrokosmos genannt – ist der Schlüssel zum Verständnis der anthroposophischen Arzneitherapie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Artikel in der Deutschen Apothekerzeitung DAZ Nr. 39, 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Seiner und Ita Wegmann, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27, Dornach 1935.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ANTHROPOSOPHISCHE HEILMITTEL-ERKENNTNIS AM BEISPIEL VON ANTIMON ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welcher Blickwinkel ist grundlegend im Hinblick auf die anthroposophische Heilmittel-Erkenntnis?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern weist Antimon Ähnlichkeiten mit dem Ätherischen auf?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wird es, auch in Kombination mit Schwefel, therapeutisch eingesetzt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wirksamkeit von Substanzen im Kontext irdisch-menschlicher Kraftsysteme&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel XVI von &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039; geht es um anthroposophische Heilmittel-Erkenntnis. Die Grundlage davon ist der Blick auf das Verhalten bzw. die Wirksamkeit einer Substanz im Bereich der in Kapitel I geschilderten Kraftsysteme. Dabei geht es insbesondere um die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* von der Erde ausstrahlenden&lt;br /&gt;
* und in sie einstrahlenden Kräfte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„[...] es kommt darauf an, die Wirkungen zu beobachten, die sich aus dem Zusammenhange der inneren Kräftekonstitution einer Substanz im Verhältnis zu den Kräften ergeben, die von der Erde ausstrahlen oder in sie einstrahlen.“[2]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Antimon, Schwefel und die Austernschalenbildung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Diese Wirkungen werden am Beispiel des Antimons in seiner Beziehung zum Schwefel in Form des in der Natur vorkommenden Grauspießglanzes aufgezeigt (Sb2 S3, auch als Antimonit bzw. Stibnit bekannt), sowie an der Austernschalenbildung, die zum Verständnis der Typhusbehandlung beiträgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Antimon ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Antimon&#039;&#039; kam bereits in der ägyptischen Medizin zur Anwendung, nimmt bei Paracelsus eine zentrale Stellung ein und hat bis in die Gegenwart immer neue Einsatzmöglichkeiten erfahren. Chemisch ist es dem Arsen verwandt und eine Menge von 100 mg bis etwa 1200 mg kann bereits tödlich sein. Eine gute Übersicht über seine Verwendung – einschließlich in der Anthroposophischen Medizin – findet sich bei &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;Marxer[3]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039; Die Bezeichnungen Antimon und Stibium für das chemische Symbol Sb stammen von den lateinischen Wörtern &#039;&#039;antimonium&#039;&#039; und &#039;&#039;stibium&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt; ab, die schon im Altertum für den Grauspießglanz verwendet wurden.[4]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Schwefel ====&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ Schwefel ist eines der seltenen Minerale, die in kristallisierten polymorphen Formen in der Natur rein vorkommen und in der Struktur der orthorhombischen Raumgruppe Fddd die typisch gelbe α-Kristallform zeigen. Schwefel steht mit einem Anteil von geschätzt 0,048 Gew.-% an 15. Stelle unter den häufigsten Elementen der uns bekannten Erdkruste. Er wurde in Kometenschweifen nachgewiesen, ist auf der Erde zum einen vulkanischen Ursprungs und stammt zum anderen aus der Biosphäre von Bakterien, die aus schwefelhaltigen Mineralien Schwefel aufnehmen und Sedimente bilden sowie von Pflanze, Tier und Mensch, da er im Eiweißaufbau durch die beiden schwefelhaltigen Aminosäuren &#039;&#039;Cystin&#039;&#039; und &#039;&#039;Methionin&#039;&#039; festgebunden ist. Durch seinen niedrigen Schmelzpunkt und seine Fähigkeit zu sublimieren, verbindet er sich leicht über Luft und Wasser mit anderen Substanzen und realisiert so den alle Reiche der Natur verbindenden Schwefelkreislauf.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;Symptomatisch dafür ist auch eine ungewöhnliche mechanische Eigenschaft der Grausspießglanz-Kristalle: Sie zeigen eine auch an größeren Kristallen bei geringem Kraftaufwand fühlbare Biegsamkeit. Diese beruht auf einer geregelten innerkristallinen Gleitung, wie sie auch beim Eis und beim Steinsalz vorliegt – Substanzen, die für alle Lebewesen essenziell sind.[5]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Austernschale ====&lt;br /&gt;
Die Austernschale ist als komplexes Kalkmineral schützendes Außenskelett der Auster und damit ein Mineral, ausgeschieden aus dem Lebensprozess eines Tieres bzw. einer Muschel. In ihrer therapeutischen Verwendung ist sie insbesondere in der Homöopathie bekannt mit dem Arzneimittelbild &#039;&#039;Calcium carbonicum&#039;&#039;. Sie wird zu den Vielkönnern oder Polychresten gezählt (von gr: πολύς - viel und χρηστός  - brauchbar).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Hinweise auf die Verwandtschaft von Antimon mit dem Ätherischen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Zusammenwirken von Zentral- und Universalkräften ====&lt;br /&gt;
Dadurch, dass das Antimon sich leicht und stabil mit dem Schwefel zu den orthorhombisch geformten Grauspießglanz/Antimonit-Kristallen verbindet, kann es die Neigung des Schwefels, in der Welt des Lebendigen aktiv zu werden und dadurch auch im Sinne der auf die Erde einstrahlenden ätherischen Kräfte zu wirken, unterstützen. Unter diesem Aspekt ist die Art und Weise, wie das Antimon in seiner Verbindung mit dem Schwefel kristallisiert, charakteristisch. Es kristallisiert in prismatisch-nadeligen grauschwarzen Kristallen, von feinst ziseliert bis zentimeterstark, immer von einem Zentrum weg – wenn der Kristallisationsprozess nicht durch äußere Umstände gestört wird. Dabei erstrecken sich die Antimonit-Nadeln radial in die Peripherie, wobei die Länge der Kristalle durchaus auch 1 m überschreiten kann. Wo er nur kann, strebt Antimonit die büschelförmige Gestaltung an. Er gliedert sich damit in Linien, die von der Erde weg- und den Kräften entgegenstreben, die im Äther wirken. Durch diese Kristallisationsweise bringt das Antimon das Zusammenwirken der Zentral- und der Universalkräfte wie archetypisch zum Ausdruck.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Man bringt mit dem Antimon somit etwas in den menschlichen Organismus, das der Wirkung des Ätherleibes auf halbem Wege entgegenkommt.[6] Antimon kann dadurch im Körper die eiweißbildenden Kräfte zusammenhalten und so die Tätigkeit der Ich-Organisation im Eiweißaufbau unterstützen.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Feinfaserigkeit durch Seigern ====&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Auch dasjenige, was im Seigerprozess mit dem Antimon vor sich geht, weist auf die Äther-Verwandtschaft dieses Stoffes hin. ‚Seigern‘ kommt von dem gegenwärtig nicht mehr oft gebrauchten Wort etwas z.B. durch ein Sieb ‚durchseien‘. Unter ‚Seigerungen‘ versteht man daher Trennprozesse in gemischtem Schmelzgut. Es wird durch diesen Prozess feinfaserig.[7]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Niedriger Schmelzpunkt ====&lt;br /&gt;
Da das Antimon bereits bei 547° schmilzt, fließt es auf schräger Unterlage leicht aus dem Antimon haltigen Schmelzgut heraus, wo es dann bei Abkühlung zu 92–98 % reinem &#039;&#039;antimonium crudum&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt; kristallisiert.[8] Der niedrige Schmelzpunkt von 547° zeigt zudem die Nähe dieser mineralischen Substanz zum flüssigen Aggregatzustand, in dem die ätherischen Kräfte ihre Wirkung entfalten können.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor diesem Hintergrund heißt es in dem oben erwähnten Werk:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Alles dieses zeigt, dass im Antimon die Tendenz enthalten ist, in das Ätherelement in dem Augenblick leicht überzugehen, in dem dazu die Bedingungen auch nur in geringem Grade vorhanden sind. Dem geistigen Schauen gelten alle diese Einzelheiten nur als Andeutungen; denn dieses nimmt die Beziehung zwischen Ich-Tätigkeit und Antimon-Wirksamkeit unmittelbar so wahr, dass die Antimonprozesse, in den menschlichen Organismus gebracht, so wirken, wie die Ich-Organisation.“[9]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zwei Indikationen als Beispiele für den Einsatz von Antimon&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aus dem breiten Spektrum der therapeutischen Einsatzmöglichkeiten werden nun zwei Indikationsgebiete an die Schilderung des Arzneimittelbildes angeschlossen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;&#039;Blutgerinnungsstörungen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
# und &#039;&#039;&#039;Typhus abdominalis/Parathyphus&#039;&#039;&#039;, eine gefährliche bakterielle Infektionskrankheit des Magen-Darmtraktes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während eine Therapie mit &#039;&#039;Antimon&#039;&#039; oder &#039;&#039;Stibium metallicum praep.&#039;&#039; bei Blutungsneigung aus der Darstellung des Arzneimittelbildes unmittelbar hervorgeht, ist dies für den Thyphus nicht so ohne weiteres ersichtlich – zumal dieser ja heute erfolgreich antibiotisch behandelt werden kann (Sterblichkeitsrate unter 1 &amp;lt;nowiki&amp;gt;%) und die Impfung bei Einreise in betroffene Gebiete empfohlen wird.[10]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;Arzneimittelbild der Austernschale und Typhus&#039;&#039;] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was macht also eine Begleitbehandlung oder Alternativbehandlung zur Vermeidung des Einsatzes von Antibiotika sinnvoll?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um dies zu verstehen, braucht es – wie oben bereits angedeutet – zum Vergleich das Arzneimittelbild der Austernschale. Hier liegt ein Naturprozess vor, der etwas vollzieht, was für die Muschel richtig ist, für den Menschen aber zur Ursache typhöser Durchfall-Erkrankungen werden kann. Die Auster sondert in ihre Schale das kalkartig Mineralische ab:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Bei der Auster wird das Kalkartige abgesondert, um es der Eiweißwirkung nicht einzugliedern. Im menschlichen Organismus muss diese Eingliederung stattfinden. Die bloße Eiweißwirkung muss in eine solche umgewandelt werden, in der mitwirkt, was im Kalkartigen durch die Ich-Organisation an gestaltenden Kräften hervorgerufen werden kann. Das muss sich innerhalb der Blutbildung abspielen. Das Antimon wirkt der kalkausscheidenden Kraft entgegen und führt das Eiweiß, das seine Form bewahren will, durch seine Verwandtschaft mit dem Äther-Elemente in die Formlosigkeit hinüber, die für die Einflüsse des Kalkartigen oder Ähnlichem empfänglich ist.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;Beim Typhus ist es klar, dass der krankhafte Zustand in einer mangelnden Überführung der Eiweißsubstanz in gestaltungsfähige Blutsubstanz besteht. Die Form der Diarrhöen, die auftritt, zeigt, dass schon im Darm die Unfähigkeit zu dieser Umwandlung beginnt.“[11]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Heilung der konstitutionellen Dysfunktionalität&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[12]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039; heißt es&#039;&#039;,&#039;&#039; dass die Abwehrstoffe und Killerzellen eines guten Immunsystems im Blut zirkulieren, welches wiederum &#039;&#039;das&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt; Organ der Ich-Organisation ist.[13] Kann nun mithilfe einer Konstitutionsbehandlung, z.B. mit einem Antimonpräparat, und je nach Situation auch noch kombiniert mit anderen Heilmitteln, die Ich-Organisation und damit ihr Einfluss auf die Gestaltungskräfte im Blut gestärkt werden, so werden die Bakterien nicht nur beseitigt, wie es über eine antibiotische Therapie geschieht, sondern zugleich das Milieu saniert und damit künftigen Infektionen vorgebeugt. Das entspräche einer integrativen Therapie, die sich nicht nur auf die Beseitigung der Symptome konzentriert, sondern auf die Heilung der konstitutionellen Dysfunktionalität.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dem erwähnten Werk schreiben die Autoren: &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Wendet man bei typhösen Erscheinungen Antimonpräparate in entsprechender Zusammensetzung an, so erweisen sich diese als Heilmittel. Sie entkleiden die Eiweißsubstanz ihrer Eigenkräfte und machen sie geneigt, den Gestaltungskräften der Ich-Organisation sich einzufügen.“[14]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbstverständlich hat der primäre Fokus auf die Symptombeseitigung überall da seine Berechtigung, wo sie Leben rettet, weil die Abwehrkräfte des Körpers zu schwach sind für die notwendige Selbstregulation. Wo diese Möglichkeit jedoch gegeben ist, kann differenzierter vorgegangen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Wer Exaktheit nur in dem sieht, was die Chemie – auch die pharmazeutische – feststellt, der vernichtet die Möglichkeit, Anschauungen darüber zu gewinnen, was im Organismus bei Heilungsvorgängen geschieht.“[15]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[16]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----&amp;lt;nowiki&amp;gt;[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[2] Ebenda, S. 77.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[3] Vgl. Marxer (2000), siehe www.pharmazeutische-zeitung.de/titel-10- 2000; [6.1.2025].&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[4] Vgl. Holleman und Wiberg (2017), 940.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[5] Vgl. Wimmenauer (1992), 223.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[6] Siehe FN 1, S. 78.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[7] Ebenda.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[8] Vgl. Holleman und Wiberg (2017), 942.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[9] Siehe FN 1, S. 78f.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[10] Typhus ist weltweit verbreitet – besonders in warmen Ländern. Er wird durch kontaminierte Lebensmittel bzw. Trinkwasser übertragen und ist eine schwere Allgemeinerkrankung, die durch das Bakterium Salmonella typhi ausgelöst wird. Als Paratyphus bezeichnet man ein abgeschwächtes Krankheitsbild, dessen Erreger Salmonella Paratyphi A, B oder C ist. Übertragen wird die Infektion durch Trinkwasser oder Lebensmittel, die mit Fäkalien von infizierten Personen verunreinigt wurden. Leitsymptome sind hohes Fieber, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, langsamer Puls, trockener Husten, Bauchschmerzen, Milzvergrößerung und manchmal ein blasser, kleinfleckiger Ausschlag am Körper. Ein milder Verlauf ist möglich, doch manchmal kommt es zu schweren Komplikationen wie massiven Darmblutungen oder Abszessen in verschiedenen Organen. Durch den Einsatz von Antibiotika kann die Sterblichkeit auf unter 1% gesenkt werden. In Deutschland ist die Krankheit meldepflichtig – dem Bundesamt für Gesundheit werden pro Jahr zwischen 20 und 50 Fälle gemeldet. Wichtigste Mittel zur Vorbeugung sind Körperhygiene und Verzicht auf frische Salate und ungeschältes Obst – nach dem Ernährungsmotto: Cook it, peel it or forget it. Siehe www.bag.admin.ch/bag/de/home/krankheiten/krankheiten-im-ueberblick/typhus-abdominalis-paratyphus.html; [6.1.2025].&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[11] Siehe FN 1, S. 80.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[12] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“, GA 27.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[13] Siehe FN 3, Kapitel VI.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[14] Siehe FN 3, S. 80.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[15] Ebenda, S. 81.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[16] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ARZNEIMITTEL-SUBSTANZGRUPPEN UND WESENSGLIEDER ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Auf welchen Ebenen und worüber ist der Mensch mit der Natur innig verbunden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Naturanteile machen seine Konstitution aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wesensglieder und ihre Einbettung in die Natur&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Physischer Leib und Natur ====&lt;br /&gt;
Schon ein oberflächlicher Blick auf die Verbundenheit von Natur und Mensch zeigt, wie der Mensch die kristallinen Strukturen seines Körpers mit den Mineralien der ihn umgebenden Natur gemeinsam hat. Dieser sichtbare, mineralisch erscheinende Leib wird in der anthroposophischen Menschenkunde „Physischer Leib“ genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ätherleib und Natur] ====&lt;br /&gt;
Werden und Vergehen, Leben und Sterben hat der Mensch mit der Pflanzenwelt gemeinsam. Diese Gesetzmäßigkeiten in ihrem Zusammenhang nennt Steiner „Ätherleib“, weil ohne das blaue Himmelslicht (griechisch o aither) kein Leben auf der Erde möglich wäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Astralleib und Natur] ====&lt;br /&gt;
Atmung, Bewegung, Bewusstsein, Schmerz und Triebleben hat der Mensch mit den Tieren gemeinsam. Diese das Seelenleben konstituierenden Gesetze heißen in ihrer Gesamtheit „Astralleib“ von aster, lateinisch Stern. Die menschliche Seele fühlt sich der Sternenwelt mit ihren Rhythmen und Konstellationen verwandt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Rein menschliche Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Die Fähigkeit jedoch, lebenslang lernen und immer wieder neu und anders kulturschöpferisch tätig sein zu können, ist spezifisch menschlich. Daher gibt Steiner diesem die „Ich-Natur“ des Menschen möglich machenden Gesetzes-Zusammenhang den Namen „Ich-Organisation“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Da der Mensch durch diese vier verschiedenen Gesetzes-Zusammenhänge sein Wesen sowohl integriert als auch differenziert äußern kann, gab Steiner ihnen den Namen „Wesensglieder“.[1]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Arzneimittelwirkung auf die Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Substanzgruppen aus dem Mineral-, Pflanzen-, Tier- und Menschenreich haben einen therapeutischen Bezug zu diesen Wesensgliedern:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Menschliche Substanz wie Muttermilch und in Form einer Blutspende stützt und erhält den physischen Leib.&lt;br /&gt;
* Präparate aus dem Tierreich regen den Ätherleib zu verstärkter Tätigkeit an,&lt;br /&gt;
* pflanzliche Arzneimittel wirken regulierend auf den Astralleib&lt;br /&gt;
* und Metalle und Mineralien auf die Ich-Organisation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Potenzierungsstufen und Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Auch die Potenzierungsstufen der nach homöopathischem Verfahren hergestellten Arzneimittel haben ihren Bezug zu den Wesensgliedern:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D1 – D4:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;physischen Organismus&#039;&#039; und seines Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D5 – D8:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;ätherischen Organismus&#039;&#039; und seines Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D10 – D15:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;astralischen Organismus&#039;&#039; und seines Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D20 – D60:&#039;&#039;&#039; Anregung der &#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039; und ihres Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Bezug auf die Dreigliederung des menschlichen Organismus gilt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D1 – D6:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;Stoffwechsel-Systems&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D6 – D18:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;rhythmischen Systems&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D18 – D30:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;Nerven-Sinnessystems&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Der Arzneimittelschatz der Anthroposophischen Medizin umfasst dementsprechend Ausgangssubstanzen mineralischer, pflanzlicher und tierischer Herkunft, die nach besonderen Verfahren vor allem von den Arzneimittelfirmen Weleda und Wala hergestellt werden.[2] In Deutschland wurden sie aufgrund des Arzneimittelgesetzes von 1976 in der vom Bundesgesundheitsamt – später Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) – eingerichteten Kommission C für die Zulassung aufbereitet. Ein Teil dieser regulativ wirksamen Arzneimittel ist sehr gut für die Selbstmedikation geeignet.[3]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Artikel in der Deutschen Apothekerzeitung DAZ Nr. 39, 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----&amp;lt;nowiki&amp;gt;[1] Rudolf Steiner, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Theosophie, Einführung in übersinnliche Welterkenntnis und Menschenbestimmung,&#039;&#039; 2003 und ders. &#039;&#039;Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft&#039;&#039;. In: &#039;&#039;Lucifer-Gnosis&#039;&#039;. GA 34. Dornach 1987, 309-344.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[2] International Association of Anthroposophic Pharmacists IAAP. ­Anthroposophic Pharmaceutical Codex. Stuttgart, 2014.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[3] M. Glöckler, B. Emde, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Anthroposophische Medizin&#039;&#039;, in: &#039;&#039;Komplementärmedizin für die Kitteltasche. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation&#039;&#039;, Stuttgart 2009 und ders.: &#039;&#039;Anthroposophische Medizin&#039;&#039;, in: &#039;&#039;Komplementärmedizin für Kinder. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation&#039;&#039;, Stuttgart 2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ARZNEIMITTEL AUS DER NATUR UND WESENSGLIEDER ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen inneren Zusammenhang sieht die anthroposophische Pharmazeutik zwischen Arzneimitteln aus der Natur und den menschlichen Wesensgliedern?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Qualitäten zeichnen die Muttermilch aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern sind Schwangerschaft und Stillzeit Naturvorbilder auch für zukünftige Entwicklungsstadien?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Korrelation von Arzneimitteln und Wesensgliedern&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;In der Anthroposophischen Pharmazeutik sieht man eine grundlegende Korrelation von Arzneimitteln aus der Natur und den menschlichen Wesensgliedern:[1]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So haben &#039;&#039;&#039;Mineralien&#039;&#039;&#039; eine unmittelbare Beziehung zur &#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;: Sie unterstützen die Ich-Organisation bei der Beherrschung der physischen Verhältnisse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Heilmittel aus dem Pflanzenreich&#039;&#039;&#039; auf die &#039;&#039;astralische Organisation&#039;&#039;: Die astralische Organisation wirkt lähmend auf die ätherische – pflanzliche Arzneimittel können regulierend auf diese lähmende Wirkung Einfluss nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Organpräparate&#039;&#039;&#039; und tierische Arzneimittel auf die &#039;&#039;ätherische Organisation:&#039;&#039; Diese hat die Aufgabe, physisch-tierische Substanzen in den Lebenszusammenhang aufzunehmen, was durch astralische Impulse angeregt werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Menschliche Substanz&#039;&#039;&#039; (wie Blutkonserven und Muttermilch) wirkt unmittelbar auf den &#039;&#039;physischen Leib,&#039;&#039; sodass sich die anderen Wesensglieder wieder besser einschalten und betätigen können. Anders ausgedrückt: Menschliche Substanz steht der Ich-Organisation unmittelbar für ihre Aufgabe zur Verfügung, das Ganze des Organismus bis in das Physische hinein zu beherrschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Was Muttermilch vermag&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Studiert man die Besonderheiten rund um die Bildung von Muttermilch, so verrät dies viel über die innige Bindung zwischen Mutter und Kind durch alle vier Wesensglieder hindurch:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die Muttermilch ist nach dem aktuellen Bedürfnis des Säuglings zusammengesetzt und variiert so auch von Tag zu Tag;&lt;br /&gt;
* Stillen fördert die Rückbildung der Gebärmutter;&lt;br /&gt;
* gestillte Kinder haben weniger Infekte und überstehen sie leichter, weil die Muttermilch wichtige Abwehrstoffe der Mutter enthält;&lt;br /&gt;
* ausschließliches Stillen in den ersten sechs Monaten kann das Kind vor Allergien und Asthma schützen;&lt;br /&gt;
* Wachstum und Beweglichkeit von Magen und Darm werden unmittelbar angeregt;&lt;br /&gt;
* die Zusammensetzung der Muttermilch mit Bezug auf Kohlenhydrate, Fette, Eiweißgehalt und Mineralstoffe ist zugleich ein ‚Naturvorbild‘ für eine gesunde Ernährung;&lt;br /&gt;
* die Immuntoleranz, d.h. die Selbstregulation des Immunsystems entwickelt sich bei gestillten Säuglingen nachhaltig besser.&lt;br /&gt;
* &amp;lt;nowiki&amp;gt;Durch Stillen wird das Risiko des plötzlichen Kindstodes um ca. die Hälfte gesenkt und vieles mehr.[2]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Formelmilch gefütterte Säuglinge haben eine deutlich höhere Insulinkonzentration im Plasma, was mit der Entwicklung von Adipositas und einer möglichen Zunahme von Diabetes mellitus Typ 2 im Zusammenhang steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Abnabelungsstadien und physisch-seelisch-geistige Muttermilch&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Nach der &#039;&#039;&#039;physischen Abnabelung&#039;&#039;&#039; vom physischen Leib der Mutter als der ernährenden Umgebung während der Schwangerschaft, folgt die Stillperiode.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann folgt die langsame &#039;&#039;&#039;ätherische Abnabelung&#039;&#039;&#039; und das Sich-Emanzipieren auf ätherischer Ebene, das mit dem Ende der Nachahmungsperiode ausklingt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;&#039;seelisch-astralische Abnabelung&#039;&#039;&#039; findet im 2. Jahrsiebt statt und kulminiert mit der Pubertät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Arbeit des Ich jedoch an der Überwindung von allen möglichen Abhängigkeiten, die seine Autonomiebefähigung einschränken, stellt eine Art &#039;&#039;&#039;geistige Abnabelung&#039;&#039;&#039; dar. Diese zu bewerkstelligen bleibt eine lebenslange Herausforderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Rudolf Steiner spricht im pädagogischen Zusammenhang wiederholt über die Bedeutung der physischen Muttermilch für den gesunden Aufbau des physischen Leibes und die damit verbundene Stärkung der Ich-Organisation des Kindes. Für die Unterstützung der oben genannten weiteren Abnabelungsprozesse im Verlaufe der Schulzeit und Jugend, braucht es die ‚seelische‘ und zuletzt ‚geistige‘ Muttermilch, die dem Menschen in Form einer nährenden Entwicklungsumgebung und verständigen Entwicklungshelfern zukommen müssen.[3]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fallen solch hilfreiche Faktoren und Entwicklungsbegleiter weg oder können nur eingeschränkt wirken, ist dies oft mit körperlichen und oder seelischen gesundheitlichen Belastungen im weiteren Leben verbunden. Diesen so weit als möglich vorzubeugen, ist der Präventionsanspruch Anthroposophischer Medizin und Pädagogik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[4]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----&amp;lt;nowiki&amp;gt;[1] Warum das so ist, geht aus den Kapiteln I bis V aus &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27,&#039;&#039; hervor, in denen die Autoren, Rudolf Steiner und Ita Wegman, die Arbeit der Wesensglieder an den Substanzströmen schildern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[2] Vgl. Soldner und Stellmann (2018), 220–238; Glöckler u. a. (2024b), 372–392.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[3] Rudolf Steiner, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik,&#039;&#039; GA 293, Vortrag 2. September 1919.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[4] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== METALLE IN STOFFWECHSEL UND ANTHROPOSOPHISCHER THERAPIE ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen inneren Bezug haben die Metalle zum Menschen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielen sie beim menschlichen Stoffwechsel?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worauf kommt es der Anthroposophischen Metalltherapie an?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Metalle, Planeten und Evolution&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ganz allgemein gilt, dass die Metalle Blei, Zinn, Eisen, Gold, Kupfer, Quecksilber und Silber in potenzierter Form in der anthroposophischen Therapierichtung eine zentrale Stellung einnehmen. Die Namen der Metalle haben in vielen Sprachen zudem einen engen Bezug zu den Planeten. Gemäß Rudolf Steiners geisteswissenschaftlicher Forschung hat die Entstehung der Metalle im Weltall und ihre Beziehung zu den Planeten und der Erde eine gemeinsame Geschichte mit der Entwicklung des Menschen im Verlaufe der Evolution.[1] So hat eine frühere Anschauung das Skelett und die Milz dem Saturn/Blei zugeordnet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* das &#039;&#039;&#039;Skelett&#039;&#039;&#039; als Organ der Mineralisierung &lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Milz&#039;&#039;&#039; als ein immunologisch und damit für die ,Grenzbildung‘ wichtiges Organ, in dem die abbaufähigen Erythrozyten erkannt in den hepatolienalen Kreislauf eingespeist werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Metalle im Menschen&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Folgenden möchte ich näher auf das Vorkommen der Metalle im Menschen und ihre Wirkung auf den menschlichen Stoffwechsel eingehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Eisen ====&lt;br /&gt;
Eisen ist ein zentral wichtiges Spurenelement, von dem etwa 2 bis 4 g im menschlichen Organismus nachweisbar sind – zwei Drittel davon sind im Blut an den roten Farbstoff Hämoglobin gebunden, etwa ein Drittel in Leber, Milz, Darmschleimhaut und Knochenmark gespeichert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kupfer ====&lt;br /&gt;
Der Kupfergehalt im menschlichen Organismus beträgt etwa 0, 3 g und findet sich in vielen lebenswichtigen Enzymen, wie z.B. im Plasmaprotein Coeruloplasmin oder in Gestalt der kupferabhängigen Cytochromoxidase, die bei der zellulären Sauerstoffverwertung eine entscheidende Rolle spielt. Andere Enzyme helfen bei der Vernetzung bindegewebiger Strukturen oder bei der Entgiftung freier Radikale. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Zinn ====&lt;br /&gt;
Ob Zinn zu den essenziellen Spurenelementen zählt, ist noch umstritten – es wird in der Liste der möglichen Spurenelemente aufgeführt und die WHO empfiehlt eine Aufnahme von 2 mg pro Tag. Einigermaßen gesichert ist die Beteiligung von Zinn-Ionen an der Bildung von Gastrin, einem die Magentätigkeit (Pepsinogenausschüttung, Aktivität der Muskulatur der Magenwand) beeinflussenden Dünndarm-Hormon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Gold ====&lt;br /&gt;
Spuren von Gold gehen im Körper keinerlei Verbindungen ein und sind unschädlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Quecksilber, Silber und Blei ====&lt;br /&gt;
Quecksilber, Silber und Blei hingegen gelten als Gifte, auch wenn Spuren umweltbedingt über Wasser und Nahrung vom Organismus aufgenommen, abgelagert und ausgeschieden werden können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Blei in der Anthroposophischen Metalltherapie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Auch aufgrund ihrer evolutionären Beziehung zum Menschen haben die Metalle eine wichtige Stellung in der Therapie.[2] In der Anthroposophischen Metalltherapie kommt es primär auf die Prozesswirkung der Metalle an zur Anregung der zugehörigen Organtätigkeiten oder aber, wie beim Blei, auf den Prozess der Überwindung des Bleiprozesses im menschlichen Organismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stofflich aufgenommen wäre Blei ein Gift, in feiner homöopathischer Dosierung hingegen regt es den Organismus an, den sklerotisierenden Bleiprozess zu überwinden. Das Blei bildet im periodischen System der Elemente den Abschluss, bevor dann die folgenden Elemente solche sind, die radioaktive Zerfallserscheinungen zeigen. In Blei kommt das Substanzwirken so gesehen an ein Ende, es entspricht dem Todesprozess, den die Ich-Organisation braucht, damit die Substanzen nach dem Durchgang durch den mineralischen Nullpunkt in den Lebens- und Arbeitszusammenhang des von der Ich-Organisation beherrschten Organismus aufgenommen werden können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[3]&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Der übersinnliche Mensch, anthroposophisch erfaßt,&#039;&#039; GA 231; &#039;&#039;Eine okkulte Physiologie,&#039;&#039; GA 128.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ALLGEMEINES ZU DEN TYPISCHEN HEILMITTELN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was verstehen Rudolf Steiner und Ita Wegman unter typischen Heilmitteln?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie verhalten sie sich im Vergleich zu den üblichen Symptome bekämpfenden Medikamenten?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist das Neue daran?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Bestimmte Kompositionen von Arzneimitteln&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel XX von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; heißt es: &#039;&#039;„[…] und wenn Typisches im Krankheitszustande in Betracht kommt, so stellt unser Heilmittel dasjenige dar, was im Sinne der Schilderung unseres Buches zur Therapie führen muss. Von diesem Gesichtspunkte aus sollen einige unserer Heilmittel beschrieben werden.“[2]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese &#039;&#039;„Typischen Heilmittel“[3]&#039;&#039; haben mit der Heileurythmie gemeinsam, dass hier bestimmte Kompositionen von Arzneimitteln einem bestimmten typischen Krankheitsbild angepasst sind – so wie man in der Heileurythmie eine bestimmte Lautfolge dem Krankheitsprozess anpasst. &#039;&#039;Otto Wolff&#039;&#039; hat dies wiederholt in seinen schriftlichen und mündlich vorgetragenen Ausführungen zu diesen Kompositions-Präparaten so auf den Punkt gebracht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„&#039;&#039;Diese mögen äußerlich wie Mischungen aussehen, ihnen liegt aber eine Konzeption zugrunde, die nicht von speziellen Krankheiten, sondern von Grundprozessen des Menschen oder einzelner Organe ausgeht. Sie sind deshalb nicht gegen eine Krankheit gerichtet, sondern sprechen ein Organ urbildhaft in seinen Funktionen an. Man kann diesen Arzneimittel-Typus als Urheilmittel ansprechen. So bilden Heilmittel wie Cardiodoron, Kephalodoron (Biodoron), Hepatodoron, Digestodoron u.a. in sich jeweils ein Ganzes. Dabei wird gerade eine gewisse Gegensätzlichkeit von Pflanzen (z.B. im Cardiodoron, Hepatodoron) bzw. der Mineralien Schwefel und Kiesel (im Kephalodoron) durch einen pharmazeutischen Prozess oder eine Substanz (Eisen beim Kephalodoron) ins Gleichgewicht gebracht und zu einer höheren Einheit verbunden. Dadurch erst kann Kephalodoron ein Abbild des dreigliedrigen Menschen sein und eine harmonisierende Wirkung auf den Funktionszusammenhang seiner Funktionssysteme (Nerven-Sinnes-System, rhythmisches und Stoffwechselsystem) ausüben. Entsprechendes könnte auch für andere ‚Heilmittel für typische Krankheiten‘ ausgeführt werden, bei denen es sich zumeist darum handelt, durch harmonisierende Anregungen Gleichgewichtszustände aus ungleichmäßigem Zusammenwirken von Kräften der übersinnlichen Wesensglieder wiederherzustellen. Das Heilende ist im Grunde genommen der menschliche Organismus, d.h. der Ätherleib selber, wenn es gelingt, die entsprechenden Anregungen wirksam werden zu lassen.“[4]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ein neuer Behandlungsansatz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das ist insofern ein neuer Behandlungsansatz, als es dem symptomorientierten Therapieansatz, der sich unmittelbar gegen das betreffende Symptom richtet in Form von Antipyretika, Antihistaminika, Antibiotika, Antidepressiva etc. etwas an die Seite stellt, das unmittelbar die ordnende Kraft der Ich-Organisation und die gesundende Aufbauleistung der ätherischen Organisation anspricht. Dabei steht nicht die Symptombeseitigung im Vordergrund, sondern die Regulierung von den Prozessen, die die Symptome hervorgebracht haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer also erwartet, dass z.B. eine Tablette Kephalodoron unmittelbar den Kopfschmerz beseitigt, wie man das von einer Gabe Ibuprofen erwarten kann, sieht sich getäuscht. Nimmt er aber das Migränemittel im gesunden Intervall über längere Zeit, werden die Anfälle milder und merklich seltener werden und können bei günstigem Verlauf auch sistieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[5]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ebenda, S. 115.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Vgl. Wolff (1984), 65–73 und (2013); Basold u. a. (1995).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] F. Husemann und Wolff (1993–2003), S. 244.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DAS HEILMITTEL SKLERON/SCLERON GEGEN ARTERIOSKLEROSE ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Woraus setzt sich dieses Heilmittel zusammen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wirken seine einzelnen Bestandteile?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie hängen unsere Gestalt und unsere Organe mit dem Tierkreis und den Planeten zusammen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Rudolf Steiner zur Komposition von Skleron&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Komposition dieses Arzneimittels besteht aus potenziertem (D 12) metallischem Blei, Honig und Zucker. Alle drei Substanzen haben eine direkte Beziehung zur Ich-Organisation: &#039;&#039;„Blei wirkt wie die Ich-Organisation, nicht wie der Astralleib, abbauend. Der Honig überträgt die abbauende Wirkung des Astralleibes auf die Ich-Organisation. Und der Zucker versetzt die Ich-Organisation in die Lage, ihre spezifische Aufgabe zu erfüllen.“[1]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem Vortrag vom 16. November 1923[2] geht Rudolf Steiner ausführlich auf das Skleron und seine drei Bestandteile ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Blei ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Was in uns – wenn ich mich jetzt psychologisch ausdrücken darf –, aus der Wahrnehmung die Vorstellung macht mit Hilfe der menschlichen Organisation, das ist ein Vorgang im Inneren der Nerven-Sinnesorganisation, der jenen Vorgängen entspricht, die wir draußen im Blei finden. Daher können wir sagen: Wenn das, was durch das Auge in der Wahrnehmung aufgefaßt wird, nun weiter zurückgeht in das Nerven-Sinnessystem, dann muß ihm entgegenkommen ein Prozeß, der gleich ist dem Bleiprozeß. Nur dadurch kann der Mensch das, was er wahrnimmt, auch denken. Dadurch wird das Gehirn ein Denkorgan; sonst würde es auch ein Wahrnehmungsorgan sein. Auf diese Weise wird der Mensch verselbständigt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Damit habe ich hingedeutet auf etwas, was in der Kopforganisation charakteristisch ist. Ich sagte also: dasselbe, was sich draußen im Bleiprozeß abspielt, müsse sich in der Kopforganisation abspielen, damit der Denkprozeß im Menschen zustande kommen kann.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Nehmen wir nun einmal die Bleifunktion und bringen wir sie nun nicht in die Nervenorganisation – wenn der Mensch geboren wird, ist das Blei von der Natur selber da, ist die Bleifunktion da, ohne daß die Substanz des Bleies nachgewiesen werden kann –, sondern bringen wir die Bleifunktion jetzt in die Verdauungsorganisation und in das Weitere hinein; dafür sorgt schon das Leben, zum Beispiel manchmal bei den Bleivergiftungen. Wenn Sie nun beobachten in allen Erscheinungen, was das Blei im Stoffwechsel-Gliedmaßenmenschen bewirkt, so bekommen Sie ein Bild, das sich zwar in verschiedenen einzelnen Symptomen darstellt, das aber eigentlich doch am charakteristischsten zusammengefaßt wird etwa in dem Symptomkomplex von Dementia senilis oder der Arteriosclerosis cerebralis: Sie bekommen dann das Bild des im Alter zerfallenden menschlichen Organismus. Das heißt mit anderen Worten: Wenn ich denselben Prozeß, der mir im Gehirn meine Selbständigkeit als organisches Wesen sichert, auf den anderen Pol des Menschen in Anwendung bringe, auf das Verdauungssystem und auf das damit im Zusammenhange stehende Gliedmaßensystem, dann bekomme ich ein Krankheitsbild; was also im Stoffwechsel-Gliedmaßensystem ein Krankheitsprozeß ist, das ist für den Nerven-Sinnesmenschen eine notwendige organische Funktion. Wenn ich also die Sklerose als ein langsames Sterben auffasse, so muß ich auch sagen: in einer gewissen abgeschwächten Form muß sie fortwährend im Haupte des Menschen funktionieren, dort ist sie der normale Zustand.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;So also sind die drei Glieder der menschlichen Wesenheit voneinander verschieden: was in dem einen Glied, in der Nerven-Sinnesorganisation, der normale Zustand ist, das ist in dem anderen Gliede des menschlichen Organismus eine Krankheitserscheinung. Aber ich habe schon gestern gesagt: Wie müssen wir uns nun zur Therapie stellen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wir müssen das, was den Krankheitsprozeß ausmacht, und was astralischer Leib und Ich-Organisation versorgen müssen, wenn eben der Krankheitsprozeß ungestört wuchern kann, das müssen wir dem astralischen Leibe und der Ich-Organisation abnehmen. Was müssen wir also tun, wenn wir die Sklerose haben? Wir müssen uns ihr so nähern, daß wir dem menschlichen astralischen Leibe für das Verdauungs-Gliedmaßensystem das abnehmen, was er mit dem alternden, zerfallenden, sklerotisch werdenden Leibe zu tun hat. Und das können wir, wenn wir es dem Blei übergeben, dem Blei in einer gewissen Dosierung. Und dies hat dazu geführt, daß wir zu einem solchen Heilmittel gekommen sind, wie Sie es in unserem Verzeichnis als Heilmittel Nummer I angeführt finden, als das Heilmittel gegen Arteriosklerose. Es ist also von vornherein durch wirkliche Menschenerkenntnis klar, daß man durch die in entsprechender Weise in den Menschen hineingebrachte Bleifunktion substantiell der Sklerose beikommen kann; nur muß man jetzt das Blei zur Wirksamkeit bringen. Es ist nicht ohne weiteres gesagt, daß ich das Blei, wenn ich es in den Organismus eingeführt habe, damit auch wirklich zur Wirksamkeit gebracht habe. Da helfen einem dann die weiteren Glieder einer wirklichen Menschenerkenntnis.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Da hilft es einem dann, daß man im menschlichen Organismus unterscheiden kann die aufbauenden und die abbauenden Kräfte. Die letzteren sind zum Beispiel gerade in der Sklerose tätig, wo der menschliche Organismus zerfällt. Im Haupte, im Gehirn zerfällt fortwährend der menschliche Organismus, denn das Gehirn ist immerfort von einer leisen Sklerose erfüllt; das liegt in seiner Organisation. […]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Honig ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wir brauchen auch noch, wenn wir uralt geworden sind, plastisch wirkende Kräfte, Bildekräfte, die die Nahrung, die wir aufnehmen, überführen in die Formen des Organismus. Nun stellt sich heraus: Daß nichts mehr fördert diese plastisch wirkenden, diese Bildekräfte, daß nichts mehr fördert die Anähnlichung der aufgenommenen Stoffe an den menschlichen Organismus als ein oftmals recht schwacher Honiggenuß. Honig wirkt in der Tat auf den altgewordenen Menschen im Stoffwechsel-Gliedmaßenorganismus ganz ähnlich, wie für den Gehirnorganismus des Kindes – und besonders des Kindes – die Milch wirkt. Das weist uns darauf hin, daß im Honig eben besondere Bildekräfte sind, die wir nicht dadurch auffinden, daß wir den Honig einfach chemisch analysieren, sondern die wir nur finden, wenn wir tatsächlich in aller Lebendigkeit die Beziehungen erkennen, die der Mensch hat zu den übrigen Substanzen im Weltall. Und diese Bildefähigkeit des Honigs – denn für eine genauere Interpretation stellt sich heraus, daß der Honig den menschlichen Organismus so ergreift, daß vorzugsweise der astralische Leib seine Bildekräfte ausüben kann […].&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Zucker ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;[…] diese Wirkungen des Honigs kann man dann unterstützen durch einen Zusatz von Zucker, vorausgesetzt, daß der menschliche Organismus das sonst verträgt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Daher finden Sie, daß – in einer besonderen Weise ineinandergefügt, funktional ineinandergefügt – unser erstes Heilmittel gegen Sklerose ein Präparat darstellt aus Blei, Honig und Zucker. […] Dieses Präparat ist also so hergestellt, daß es, wenn es in den menschlichen Organismus eingeführt wird, dort übernimmt die sklerotisierenden Kräfte. Es nimmt die sklerotisierenden Kräfte dem astralischen Leib und der Ich-Organisation des Menschen ab; die werden dadurch wieder frei und können nun für die normale, gesunde Organisation des Menschen wirken. Was ich aber mit diesem Präparat in den menschlichen Organismus einführe, das ist das, was früher Ich und astralischer Leib tun mußten, die daher nicht frei waren und ihre Funktionen ableiteten auf den Krankheitsvorgang. Jetzt übergebe ich den Krankheitsvorgang meinem Präparat. Das besonders Wirksame ist dabei das Blei; es übernimmt die Sklerotisierung, denn es ist ja seine eigene Natur, sklerotisierend zu wirken. Aber ich muß erst die Wege suchen durch die Plastik des Organismus hindurch, durch die ich das Blei dahin bringe, wo es nötig ist: das geschieht durch die Zusammensetzung mit Honig und Zucker.“[3]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wirkung von Blei und Honig auf das Gedächtnis&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das &#039;&#039;&#039;Blei&#039;&#039;&#039; in mittlerer Potenz hat einen direkten Bezug zum rhythmischen System und damit auch zu den Blutgefäßen. Es unterstützt die Abbauwirkung der Ich-Organisation. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Honig&#039;&#039;&#039; besteht je nach Pflanzenart aus verschiedenen meist einfachen Zuckern wie Glukose (Traubenzucker), Fruktose (Fruchtzucker), aber auch Zweifachzuckern wie Sacharose (Haushaltszucker) und Maltose (Malzzucker) und anderen Mehrfachzuckern. Außerdem enthält er Pollen, Enzyme und freie Aminosäuren. Daher wird er langsamer und auf verschiedenen Stoffwechselwegen verdaut, und er hat eine Brückenfunktion zwischen der ätherischen, astralischen und Ich-Organisation und kann dadurch den Astralleib von seiner abbauenden Wirkung entlasten und diese an die Ich-Organisation abgeben.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Bei der Sklerose wird die Ich-Organisation zu schwach; sie baut selber nicht genügend ab. Deshalb tritt Abbau allein durch den Astralleib ein. Es fallen die Abbauprodukte aus dem Organismus heraus und liefern Verstärkungen derjenigen Organe, die in Salzsubstanzen bestehen. Blei in gehöriger Dosierung nimmt den Abbau wieder in die Ich-Organisation zurück. Die Abbauprodukte bleiben nicht als Verhärtungen im Körper, sondern werden ausgestoßen. Alle Heilung der Sklerose kann nur darin bestehen, dass man den salzbildenden Prozessen, die sonst im Körper bleiben, den Weg nach außen öffnet.“[5]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit ist auch deutlich, dass es sich bei dieser Skleroseform offensichtlich um den dementiellen Formenkreis handelt, deren Anfangszustände &#039;&#039;„sich darin äußern, dass die Schlagkraft des Denkens und die exakte Herrschaft über das Gedächtnis aufhören.“[6]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wichtig ist aber auch zu beachten, dass das Mittel der jeweiligen Situation angemessen dosiert werden muss. Denn die Ich-Organisation kann in ihrer Wirkung durch das Präparat verstärkt werden und damit ‚hypertrophieren‘, wodurch ihre abbauende Wirkung zu stark wird und durch den nachfolgenden Aufbau nicht genügend kompensiert werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[7]&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27, S. 116.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Anthroposophische Menschenerkenntnis und Medizin,&#039;&#039; GA 319, 114–118.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Im Unterschied zur allgegenwärtigen Glukose im Stoffwechsel, hat die Fruktose bei den höheren Organismen und dem Menschen mehr spezifische Aufgaben, wodurch sie im Organismus im sogenannten Pentosephosphatweg (Pentosephosphatzyklus) aus Glukose hergestellt wird – und zwar insbesondere in der Leber, im Fettgewebe, den Milchdrüsen und den Nebennieren. Die dabei entstehenden Zuckerphosphate sind Vorstufen wichtiger Biomoleküle, wie den Ribosezuckern in den Nukleinsäuren des Erbguts (DNA/RNA), sowie der Energieüberträger ATP, NAD+ , FAD und CoA. Mehrere Studien, u. a. eine Studie vom Deutschen Institut fürErnährungsforschung, belegen einen Zusammenhang zwischen vermehrter Fruktoseaufnahme und Adipositas. Fruktose steigert nicht nur die Lipogenese, sondern führt auch zu einem gesteigerten Hungergefühl, da kein Insulin ausgeschüttet wird, welches auch ein Sättigungshormon ist. Zudem führt eine fruktosereiche Ernährung zu einem Anstieg der Plasmalipide und zur Insulinresistenz. Fruktose wirkt also dauerhaft diabetogen und das stärker als Glukose. Insgesamt steigert Fruktose also die Inzidenz für das Auftreten eines metabolischen Syndroms, welches als das gemeinsame Auftreten von Adipositas, Dyslipoproteinämie, gestörter Glukosetoleranz und arterieller Hypertonie definiert ist. Andere Untersuchungen zeigen einen Zusammenhang zwischen Fruktoseaufnahme und nicht-alkoholischer Fettleber (Steatosis hepatis) auf, welche eine Vorstufe der Leberzirrhose ist. Auch das Risiko für Gicht wird vor allem durch mit Fruktose gesüßte Softdrinks stark erhöht, wie prospektive Studien mit mehreren tausend Patienten belegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ursache ist der Verbrauch von ATP beim Abbau von Fruktose. Es fällt IMP an, das über den Purinabbau die Konzentration der Harnsäure ansteigen lässt. Neusten Studien zu Folge steigt selbst das Risiko von Krebserkrankungen wie zum Beispiel des Pankreas-Karzinoms durch eine fruktoselastige Diät. Fruktose trägt zur Synthese von Nukleinsäuren bei, was die Proliferation von Krebszellen begünstigt. Aus diesen Gründen empfiehlt die Food and Agriculture Organization of the United States die tägliche Aufnahme an freien Zuckern wie Fruktose auf weniger als 10 % der Gesamtenergiemenge zu reduzieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vgl. www.lecturio.de/artikel/medizin/fructosestoff-wechsel/; [6.1.2025].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Siehe FN 1, S. 115f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Ebenda, S. 116.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== WIRKSAMKEIT EINES HEILMITTELS VERMITTELN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie vermittelt der Arzt seinem Patienten, welches Heilmittel er braucht?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist dabei zu beachten, worauf kommt es an?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wirksamkeit der Gedanken und Gefühle miteinbeziehen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ideal wäre es, mit dem Patienten über ein Heilmittel in einer Art zu sprechen, dass etwas von der Wirksamkeit desselben auf den Patienten überspringt und dieser sich freut, dass er dieses Mittel bekommt, ja, dass er dankbar dafür ist. Der Patient sollte es mit dem Gefühl nehmen, er habe etwas besonders Gutes bekommen. Denn Freude und Dankbarkeit wirken therapeutisch – sie sind nicht „Placebo“, sondern real und wirksam. Wir müssen begreifen, dass das, &#039;&#039;was&#039;&#039; und &#039;&#039;wie&#039;&#039; wir über eine Sache denken, viel mehr als nichts ist: Was jemand weiß, ist etwas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ätherleib als Träger der zeitlichen und „ewigen“ Lebenskräfte entfaltet diese Doppelwirksamkeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ihm verdankt unser Körper einerseits &#039;&#039;&#039;Leben, Regeneration, Wachstum&#039;&#039;&#039; und die individuelle Lebenszeit&lt;br /&gt;
* Andererseits verdankt der Mensch ihm sein &#039;&#039;&#039;Gedankenleben&#039;&#039;&#039;, je älter er wird, umso mehr, das sich aus all den ätherischen Kräften speist, die der Körper nicht mehr „verkörpert“ halten kann (und muss) und die er damit in die „außerkörperliche Wirksamkeit“ entlässt. Die Gedanken können über den Tod des Menschen hinaus weiterleben und ihn tragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Medikamente wirken auf beide Aspekte des Lebens – sprich: Auch was ich über etwas denke, bewirkt etwas. Wenn ich die Arnikawirkung denke, wirkt sie bereits, denn Gedanken wirken immer, sind ein reales Wirkprinzip. &#039;&#039;„Hab Sonne im Herzen, ob&#039;s stürmt oder schneit“&#039;&#039;. Wenn ich die Sonne meditiere, habe ich Licht und Wärme im Herzen, selbst wenn ich Bauchweh habe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Denken vermindert Heilkraft, positive Gefühle verstärken sie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Indem ich denke, nehme ich der ätherischen Wirksamkeit im Körper aber auch etwas weg, weil es dieselben Kräfte sind, die dem Körper zur Gesundheit verhelfen. D.h, der Körper ist am gesündesten, wenn man nicht denkt, also im Schlaf, weil da die gesamten ätherischen Kräfte (auch diejenigen, die tagsüber außerkörperlich dem Denken dienen) in den physischen Leib einziehen und an seiner Regeneration arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am besten ist es, wenn der Patient über ein Heilmittel gerade so viel weiß, dass er sich freut und ihm ein bisschen warm wird bei dem Gedanken, dass er es jetzt einnehmen darf. Denn diese positiven Gefühle teilen sich auch dem Körper mit und beeinflussen den Stoffwechsel positiv. Positive Gefühle führen dem Ätherleib vom Seelischen her positive Kräfte zu, wie dies gesunde Ernährung vom Physischen her tut. Zuviel Nachdenken über die Wirkung mindert diese jedoch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch weniger zuträglich ist es, wenn ein Patient nicht so recht weiß, wie ein Mittel wirkt, oder Angst bekommt, wenn er den Beipackzettel liest. Dann fühlt er sich verunsichert – weswegen 40 Prozent der Medikamente in den Müll und nicht in den Magen der Patienten wandern. Wieder zuhause entscheiden sie, dass es ihnen eigentlich gar nicht so schlecht geht und nehmen das verordnete Medikament lieber nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur Anthroposophischen Medizin, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Offenborn</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Anthroposophische_Heilmittel&amp;diff=1276</id>
		<title>Anthroposophische Heilmittel</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Anthroposophische_Heilmittel&amp;diff=1276"/>
		<updated>2026-01-29T12:48:45Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Offenborn: Neuen Text eingefügt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= Anthroposophische Heilmittel - von Michaela Glöckler =&lt;br /&gt;
Auszüge aus Büchern und Vorträgen von [[Michaela Glöckler]]; Erstveröffentlichung auf https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== SUBSTANZ-ERKENNTNIS ALS GRUNDLAGE FÜR HEILMITTEL-ERKENNTNIS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was meint Rudolf Steiner mit der Weltenaufgabe der Substanzen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was wird anhand der Beispiele Ameisensäure und Oxalsäure im Hinblick auf ihre Wirkung im Zellstoffwechsel aufgezeigt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern muss der Organismus als Tätigkeitszusammenhang begriffen werden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Weltenaufgabe der Substanzen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel XVII von &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039; liegt der Fokus auf einer konsequent prozessorientierten Substanz-Erkenntnis, über die Rudolf Steiner im Ärztekurs für die jungen Mediziner schreibt, dass es die Aufgabe des Arztes sei, &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„die Weltenaufgaben der Substanzen zu erkennen“.[2]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;„Grundlegendes…“&#039;&#039; formulieren die Autoren es so: &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Wer die Wirkung von Heilmitteln beurteilen will, muss ein Auge haben für die Kräftewirkungen, die sich im menschlichen Organismus ergeben, wenn eine Substanz, die außer demselben gewisse Wirkungen zeigt, in irgendeiner Art in ihn eingeführt wird.“[3]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039; Etwas von dieser ‚Weltenaufgabe‘ wird dort anhand der Ameisensäure und der Kleesäure aufgezeigt und damit auf die Bedeutung dieser Blickrichtung für bestimmte Prozesse im menschlichen Zellstoffwechsel hingewiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Beispiel: Aufgabe der Ameisensäure ====&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Ameisensäure wird vom Menschen mit der Nahrung in der Regel nicht aufgenommen. Sie wird im Tierreich gebildet und als Abwehrstoff, insbesondere der Insekten, ausgeschieden – selten auch bei Pflanzen, wie z.B. in den Brennhaaren der Brennnesseln. Ihre ‚Weltaufgabe‘ ist inzwischen gut erforscht: Die rote Waldameise ist für die Gesunderhaltung der Wälder unentbehrlich. Sie steht daher auch unter Naturschutz, seitdem man ihre Bedeutung für die ‚Lebensgemeinschaft Wald‘ erkannt hat. Um einen Ameisenbau herum vernichtet jedes Volk pro Tag zehntausende Schädlinge bzw. deren Larven und Raupen (wie z.B. Borkenkäfer- und Blattwespenlarven) sowie Kadaver und Pilzmyzel in morschem Holz. So hilft die Ameisensäure dem Mikrobiom des Bodens, die verwesenden Pflanzenreste und das modernde Holz zu verarbeiten. Auch verbreiten Ameisen auf ihren Wegen tausende von Samen und tragen so zur Vielfalt im Wald bei sowie zur Verbesserung der Bodenbeschaffenheit. Instrument für ihre wertvollen reinigenden Tätigkeiten ist die Ameisensäure mit ihrer aggressiven Toxizität.[4]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Beispiel: Aufgabe der Oxalsäure ====&lt;br /&gt;
Die Oxal- bzw. Kleesäure hingegen findet sich in allen Pflanzen und den meisten Bakterien und in unterschiedlichen Mengen in vielen Nahrungsmitteln wie z.B. in schwarzem Tee, Mangold oder Rhabarber. Nach der Aufnahme muss sie dann im Organismus zu ausscheidungsfähigen Endprodukten abgebaut werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Ein ‚Zuviel‘ führt zusammen mit Calcium im Darm zu schwer löslichen Salzen (Oxalaten), was Anlass geben kann für die Bildung von Blasen- und Nierensteinen. Oxalsäure ist ein pflanzliches Gift – für den Menschen können bereits Gramm-Mengen tödlich sein.[5] Als Kalzium-, Magnesium- oder Kaliumsalze sind die Oxalate allgegenwärtig und aus dem Zellstoffwechsel der Lebewesen nicht wegzudenken – bis hin zu den meisten Pilzen und Bakterien. Im Gegensatz zur Ameisensäure entfaltet die Oxalsäure ihre Wirkung nicht in dem Zwischenbereich zwischen dem Mineralisch-Physischen und dem Ätherisch-Lebendigen. Sie hat ihre Aufgabe in der Lebenswelt der Pflanzen – aber als Giftsubstanz im Grenzgebiet zum astralischen Kräftebereich. Da Gifte auch in schwacher Dosierung immer lebensfeindlich sind, regen sie den Organismus dazu an, auf unterschiedlichen Wegen diese Gifte schnellstmöglich abzubauen oder in Verbindung mit anderen Substanzen unschädlich zu machen. Diese Abbauvorgänge dienen im Organismus der Tiere und der Menschen der Bewusstseinsbildung, die sich, wie mehrfach erwähnt, auf Abbauvorgänge stützt.[6]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Biochemisch handelt es sich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* bei der &#039;&#039;&#039;Ameisensäure&#039;&#039;&#039; um die einfachste Monocarbonsäure (Formica, HCOOH, ihre Salze heißen Formiate)  &lt;br /&gt;
* und bei der &#039;&#039;&#039;Oxal- bzw.&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Kleesäure&#039;&#039;&#039; um die einfachste Dicarbonsäure (Acidum oxalicum, HOOC-CO-CH2-COOH, ihre Salze heißen Oxalate).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Notwendige Verwandlung von Oxalsäure in Ameisensäure&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Rudolf Steiner hat erstaunlich oft über die Bedeutung der biochemischen Verwandlung von Oxal- in Ameisensäure gesprochen.[7] Den Prozess der Bildung von Oxalsäure, der hauptsächlich in den Verdauungsorganen stattfände, hielt er für eine notwendige Grundlage dafür, dass der Mensch überhaupt leben könne – grundlegend also dafür, dass die Ätherkräfte zur Wirksamkeit kommen können.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Ihre Umwandlung in Ameisensäure aber sei eine entsprechende Grundlage für das Wirksamwerden der astralischen Kräfte in der physisch-ätherischen Konstitution. In einem Ärztevortrag führt er weiter aus, dass man im Falle der Ameisensäure dahin kommen müsse zu erkennen, dass sie im Menschen, wie auch draußen in der Natur, die Aufgabe hat, gegenüber den Prozessen des Alterns, des Absterbens und des Vermoderns immer wieder weiteres Leben, weitere Entwicklung zu ermöglichen.[8] Auch führt er aus, dass &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;„die heutige Physiologie“&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt; diese Prozesse erst finden müsse.[9]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&amp;lt;sup&amp;gt;,&amp;lt;/sup&amp;gt;&amp;lt;nowiki&amp;gt; [10]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner und Wegman sahen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* in der &#039;&#039;&#039;Ameisensäure&#039;&#039;&#039; die Schlüsselsubstanz im Stoffwechsel des tierischen Organismus&lt;br /&gt;
* und in der &#039;&#039;&#039;Oxalsäure&#039;&#039;&#039; die Schlüsselsubstanz im pflanzlichen Zell-Metabolismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Organismus als Tätigkeitszusammenhang begriffen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;In Abs. 2 wird deutlich gemacht, wie entscheidend es für einen Organismus ist, eine Substanz nicht nur zu besitzen, sondern auch den Bildeprozess zum Aufbau dieser Substanz zu leisten. Im Tun liegt das Wesen des Organismus, nicht in seinen Substanzen. Der Organismus ist nicht ein Stoffzusammenhang, sondern ein Tätigkeitszusammenhang. Der Stoff trägt den Anreiz zur Tätigkeit in sich. Hat er diesen Anreiz verloren, so hat er für die Organisation keine weitere Bedeutung.[11]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter diesem Gesichtspunkt kann auch die jeweilige Aufgabe der Ameisensäure und der Kleesäure im menschlichen Organismus verstanden werden. Hier ‚dienen‘ diese Substanzen der Ich-Organisation: &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Die Ich-Organisation braucht diesen Übergang der organischen Substanz in den leblosen Zustand. Aber sie braucht eben den Vorgang des Überganges; nicht, was dann durch den Übergang entsteht. Ist nun das nach dem Leblosen hin sich Entwickelnde gebildet, so wird es im Innern des Organismus zur Last. Es muss entweder unmittelbar abgesondert werden oder aufgelöst, um mittelbar hinwegzukommen. Geschieht nun für etwas, das aufgelöst werden sollte, diese Auflösung nicht, so häuft es sich im Organismus an und kann die Grundlage für gichtische oder rheumatische Zustände bilden.“[12]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;In der Biologie werden die Phänomene dieses Übergangs zwischen Abbau und Aufbau im Falle der Gesundheit als metabolische Homöostase beschrieben, wobei deren ‚Regulator‘ ein noch nicht gefundener Faktor ist. Es wird aber das Erstaunen zum Ausdruck gebracht darüber, dass unabhängig davon, was und wieviel man gerade isst oder nicht und wieviel Oxalacetat man gerade mit der Nahrung aufgenommen hat oder nicht, die Substanzen im sogenannten Stoffwechsel-Pol der Zellen konstant gehalten werden. D.h. in den Zellen sind die Enzyme des Katabolismus (Abbau) und Anabolismus (Aufbau) normalerweise derart reguliert, dass ein Gleichgewicht gewahrt bleibt. Wird dieses Gleichgewicht jedoch gestört, bedeutet dies den Beginn krankhafter Prozesse.[13]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[14]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----&amp;lt;nowiki&amp;gt;[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, Ga 27, Kap. XVII.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[2] Rudolf Steiner, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Meditative Betrachtungen und Anleitungen zur Vertiefung der Heilkunst. Vorträge für Ärzte und Medizinstudierende,&#039;&#039; GA 316, S. 22.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[3] Siehe FN 1, S. 82.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[4] Der Kern eines Ameisenhaufens ist meist in alten Wurzelstöcken von Nadelhölzern oder Eichenstämmen angesiedelt; das Zusammenleben in der Ameisenkolonie ist ausgeprägt sozial. Eine Königin lebt bis zu 20 Jahre, Arbeitsameisen 5–6 Jahre. Sie entwickeln sich in klar definierten Temperaturbereichen (Ameisenpuppen brauchen 31°, Larven 28°, die Entwicklung der Eier nur 25°). Vgl. Jirikowski (2010), 105–107.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[5] Vgl. Wollrab (2014), 621.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[6] Vgl. Wolff (2013), 85, 263–269.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[7] Vgl. Rudolf Steiner, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Mysteriengestaltungen,&#039;&#039; GA 232, 13. Vortrag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[8] Vgl. FN 1, S. 22f.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;[9] Vgl. FN 11, S. 193–195.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[10] Dazu muss aus anthroposophisch-medizinischer Sicht gesagt werden, dass die geisteswissenschaftliche Biochemie, für die Hauschka und Wolff die Grundlagen erarbeitet haben (Vgl. Hauschka 2007, Wolff 2013), auf dem jeweils neuesten Stand der biochemischen Forschung weiter erarbeitet werden muss. Denn die Zusammenschau der Wesensglieder-Tätigkeiten als ganzheitliche Regulatoren und die immense Faktenfülle der molekulargenetischen Einsichten in das hochkomplexe Regelkreisgeschehen der Zellatmung ist für eine umfassende Integrativmedizin unverzichtbar.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[11] Siehe FN 1, S. 82.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[12] Ebenda.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[13]  Vgl. Sadava u. a. (2019), 265–271.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[14] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== HEILENDE VERBINDUNG VON MENSCH UND NATUR ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern stehen Mensch und Natur in einer heilsamen Verbindung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Naturstoffe zur Arzneimittelherstellung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Natur ist nicht nur Lebensraum und Existenzgrundlage des Menschen. Ihre Stoffe und Kräfte liegen auch einer Fülle von Arzneimitteln zugrunde. Anthroposophische Arzneimittel sollen dazu beitragen, dass der Organismus – wann immer sinnvoll und möglich – in die Lage versetzt wird, eine Krankheit aus eigener Kraft zu überwinden. Sie stärken die gesundenden Kräfte und sind also vor allem darauf orientiert, die Körperfunktionen wieder ins Gleichgewicht zu bringen und die Abwehrkräfte zu stärken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der anthroposophischen Arzneimittelherstellung werden mineralische, pflanzliche, metallische und tierische Ausgangsstoffe verwendet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gängige mineralische Substanzen sind u.a. Quarz, Schwefel oder Kalk.&lt;br /&gt;
* Bekannte Heilpflanzen sind z.B. Arnika, gelber Enzian oder Kamille.&lt;br /&gt;
* Als Metalle kommen häufig Gold, Silber, Kupfer, Eisen und Zinn in potenzierter Form zum Einsatz.&lt;br /&gt;
* Zu den tierischen Ausgangssubstanzen gehören z. B. Insektengifte von Biene, Ameise, Hornisse sowie Organextrakte von Säugetieren (aus Leber, Thymusdrüse, Nieren, Nerven u.a.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Reicher Arzneimittelschatz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Alle anthroposophischen Medikamente werden nach komplexen Vorgaben der von Rudolf Steiner und Ita Wegman begründeten anthroposophischen Medizin hergestellt.[1] Die meisten Ausgangsstoffe werden in hoher Verdünnung (homöopathisch potenziert) eingesetzt, nur sehr selten konzentriert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophische Arzneimittel enthalten häufig mehrere Inhaltsstoffe. Diese sind nicht nur kombiniert, sondern komponiert. Wie bei einem Orchester, so kommt es auch bei einem zusammengesetzten Arzneimittel darauf an, in welchen Anteilen die verschiedenen Einzelkomponenten gemischt sind. In dieser Art gemischt, ergeben sie eine andere Wirkung denn als Einzelbestandteile. So wie ein Orchester anders klingt als eine Violine allein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anthroposophische Arzneimittelschatz umfasst etwa 2000 Substanzen, Kombinationen und eine Vielzahl von Darreichungsformen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ampullen, Augentropfen, Dilutionen, Einreibungen (ölige), Emulsionen, flüssige Verdünnungen, Flüssigkeiten zur Inhalation, Flüssigkeiten zur äußeren Anwendung, Gelate, Globuli, Granulate, Injektionen, Kapseln, Lotionen, Metallspiegelfolien, Mischungen, Nasentropfen (ölige), Öle, Pasten, Pflaster, Puder, Pulver, Salben (fettarm), Salben, Sirup, Tabletten, Tees, Tinkturen zum äußeren Gebrauch, Triturationen, Tropfen, Vaginalglobuli, Vaginaltabletten, Verdünnungen (wässrige), Zäpfchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Der Mensch als umgekehrte Pflanze&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aus anthroposophischer Sicht gleicht der Mensch einer umgekehrten Pflanze:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* So wie der Mensch seine Nahrung – in Form von Nahrungsmitteln, aber auch als „seelische“ oder „geistige“ Nahrung in Form von Gedanken, Worten, Tatsachen aus Kunst und Wissenschaft, über den Kopf – aufnimmt, so versorgt sich die Pflanze über ihre Wurzeln mit den nötigen Nährstoffen.&lt;br /&gt;
* Umgekehrt verhält es sich mit der Fortpflanzungsregion. Diese ist bei der Pflanze oben, Luft und Licht gegenüber geöffnet, wohingegen sie beim Menschen nach unten und innen gelagert ist, zur Erde hin.&lt;br /&gt;
* Beiden gemeinsam ist, dass in der Mitte – bei der Pflanze über die Blätter, beim Menschen über die rhythmischen Funktionen von Atmung und Kreislauf – der Gasaustausch stattfindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Umgekehrte Wirkung der Pflanze auf den Menschen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
So wirken die Anwendungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* von &#039;&#039;Wurzeln&#039;&#039; unterstützend und heilend bei Erkrankungen der &#039;&#039;Kopf- und Nerven-Sinnesorganisation&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* Teeabkochungen und -zubereitungen aus &#039;&#039;Blättern&#039;&#039; bei Störungen der &#039;&#039;rhythmischen Funktionen&#039;&#039; (insbesondere von Herz und Lunge),&lt;br /&gt;
* Zubereitungen aus &#039;&#039;Früchten&#039;&#039; bei &#039;&#039;Stoffwechsel- und Verdauungsstörungen&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entsprechendes gilt für die Ernährung. Wer darauf achtet, dass der Anteil von Wurzeln, Blattgemüse, Früchten und Samen ausgewogen ist, sorgt für eine an den Bedürfnissen des ganzen Körpers orientierte Ernährung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim therapeutischen Einsatz von mineralischen, pflanzlichen und tierischen Substanzen gilt es, „die Weltaufgabe dieser Substanzen zu verstehen“. Steiner regte an zu erforschen, welche Aufgabe ein bestimmtes chemisches Element oder eine Stoffkombination wie Wasser, Salz, Asche, Gerbstoffe oder Pyrit im Haushalt der Natur innehat. Die Signatur dieser Aufgabe bzw. Tätigkeit sagt auch aus, welche Wirkung die betreffende Substanz im menschlichen Organismus entfalten kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Menschen als Mikrokosmos kennenzulernen im Kontext der großen Weltentwicklung mit ihren Prozessen und Stoffzusammenhängen – nach alter Tradition Makrokosmos genannt – ist der Schlüssel zum Verständnis der anthroposophischen Arzneitherapie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Artikel in der Deutschen Apothekerzeitung DAZ Nr. 39, 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Seiner und Ita Wegmann, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27, Dornach 1935.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ANTHROPOSOPHISCHE HEILMITTEL-ERKENNTNIS AM BEISPIEL VON ANTIMON ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welcher Blickwinkel ist grundlegend im Hinblick auf die anthroposophische Heilmittel-Erkenntnis?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern weist Antimon Ähnlichkeiten mit dem Ätherischen auf?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wird es, auch in Kombination mit Schwefel, therapeutisch eingesetzt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wirksamkeit von Substanzen im Kontext irdisch-menschlicher Kraftsysteme&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel XVI von &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039; geht es um anthroposophische Heilmittel-Erkenntnis. Die Grundlage davon ist der Blick auf das Verhalten bzw. die Wirksamkeit einer Substanz im Bereich der in Kapitel I geschilderten Kraftsysteme. Dabei geht es insbesondere um die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* von der Erde ausstrahlenden&lt;br /&gt;
* und in sie einstrahlenden Kräfte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„[...] es kommt darauf an, die Wirkungen zu beobachten, die sich aus dem Zusammenhange der inneren Kräftekonstitution einer Substanz im Verhältnis zu den Kräften ergeben, die von der Erde ausstrahlen oder in sie einstrahlen.“[2]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Antimon, Schwefel und die Austernschalenbildung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Diese Wirkungen werden am Beispiel des Antimons in seiner Beziehung zum Schwefel in Form des in der Natur vorkommenden Grauspießglanzes aufgezeigt (Sb2 S3, auch als Antimonit bzw. Stibnit bekannt), sowie an der Austernschalenbildung, die zum Verständnis der Typhusbehandlung beiträgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Antimon ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Antimon&#039;&#039; kam bereits in der ägyptischen Medizin zur Anwendung, nimmt bei Paracelsus eine zentrale Stellung ein und hat bis in die Gegenwart immer neue Einsatzmöglichkeiten erfahren. Chemisch ist es dem Arsen verwandt und eine Menge von 100 mg bis etwa 1200 mg kann bereits tödlich sein. Eine gute Übersicht über seine Verwendung – einschließlich in der Anthroposophischen Medizin – findet sich bei &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;Marxer[3]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039; Die Bezeichnungen Antimon und Stibium für das chemische Symbol Sb stammen von den lateinischen Wörtern &#039;&#039;antimonium&#039;&#039; und &#039;&#039;stibium&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt; ab, die schon im Altertum für den Grauspießglanz verwendet wurden.[4]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Schwefel ====&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ Schwefel ist eines der seltenen Minerale, die in kristallisierten polymorphen Formen in der Natur rein vorkommen und in der Struktur der orthorhombischen Raumgruppe Fddd die typisch gelbe α-Kristallform zeigen. Schwefel steht mit einem Anteil von geschätzt 0,048 Gew.-% an 15. Stelle unter den häufigsten Elementen der uns bekannten Erdkruste. Er wurde in Kometenschweifen nachgewiesen, ist auf der Erde zum einen vulkanischen Ursprungs und stammt zum anderen aus der Biosphäre von Bakterien, die aus schwefelhaltigen Mineralien Schwefel aufnehmen und Sedimente bilden sowie von Pflanze, Tier und Mensch, da er im Eiweißaufbau durch die beiden schwefelhaltigen Aminosäuren &#039;&#039;Cystin&#039;&#039; und &#039;&#039;Methionin&#039;&#039; festgebunden ist. Durch seinen niedrigen Schmelzpunkt und seine Fähigkeit zu sublimieren, verbindet er sich leicht über Luft und Wasser mit anderen Substanzen und realisiert so den alle Reiche der Natur verbindenden Schwefelkreislauf.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;Symptomatisch dafür ist auch eine ungewöhnliche mechanische Eigenschaft der Grausspießglanz-Kristalle: Sie zeigen eine auch an größeren Kristallen bei geringem Kraftaufwand fühlbare Biegsamkeit. Diese beruht auf einer geregelten innerkristallinen Gleitung, wie sie auch beim Eis und beim Steinsalz vorliegt – Substanzen, die für alle Lebewesen essenziell sind.[5]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Austernschale ====&lt;br /&gt;
Die Austernschale ist als komplexes Kalkmineral schützendes Außenskelett der Auster und damit ein Mineral, ausgeschieden aus dem Lebensprozess eines Tieres bzw. einer Muschel. In ihrer therapeutischen Verwendung ist sie insbesondere in der Homöopathie bekannt mit dem Arzneimittelbild &#039;&#039;Calcium carbonicum&#039;&#039;. Sie wird zu den Vielkönnern oder Polychresten gezählt (von gr: πολύς - viel und χρηστός  - brauchbar).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Hinweise auf die Verwandtschaft von Antimon mit dem Ätherischen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Zusammenwirken von Zentral- und Universalkräften ====&lt;br /&gt;
Dadurch, dass das Antimon sich leicht und stabil mit dem Schwefel zu den orthorhombisch geformten Grauspießglanz/Antimonit-Kristallen verbindet, kann es die Neigung des Schwefels, in der Welt des Lebendigen aktiv zu werden und dadurch auch im Sinne der auf die Erde einstrahlenden ätherischen Kräfte zu wirken, unterstützen. Unter diesem Aspekt ist die Art und Weise, wie das Antimon in seiner Verbindung mit dem Schwefel kristallisiert, charakteristisch. Es kristallisiert in prismatisch-nadeligen grauschwarzen Kristallen, von feinst ziseliert bis zentimeterstark, immer von einem Zentrum weg – wenn der Kristallisationsprozess nicht durch äußere Umstände gestört wird. Dabei erstrecken sich die Antimonit-Nadeln radial in die Peripherie, wobei die Länge der Kristalle durchaus auch 1 m überschreiten kann. Wo er nur kann, strebt Antimonit die büschelförmige Gestaltung an. Er gliedert sich damit in Linien, die von der Erde weg- und den Kräften entgegenstreben, die im Äther wirken. Durch diese Kristallisationsweise bringt das Antimon das Zusammenwirken der Zentral- und der Universalkräfte wie archetypisch zum Ausdruck.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Man bringt mit dem Antimon somit etwas in den menschlichen Organismus, das der Wirkung des Ätherleibes auf halbem Wege entgegenkommt.[6] Antimon kann dadurch im Körper die eiweißbildenden Kräfte zusammenhalten und so die Tätigkeit der Ich-Organisation im Eiweißaufbau unterstützen.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Feinfaserigkeit durch Seigern ====&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Auch dasjenige, was im Seigerprozess mit dem Antimon vor sich geht, weist auf die Äther-Verwandtschaft dieses Stoffes hin. ‚Seigern‘ kommt von dem gegenwärtig nicht mehr oft gebrauchten Wort etwas z.B. durch ein Sieb ‚durchseien‘. Unter ‚Seigerungen‘ versteht man daher Trennprozesse in gemischtem Schmelzgut. Es wird durch diesen Prozess feinfaserig.[7]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Niedriger Schmelzpunkt ====&lt;br /&gt;
Da das Antimon bereits bei 547° schmilzt, fließt es auf schräger Unterlage leicht aus dem Antimon haltigen Schmelzgut heraus, wo es dann bei Abkühlung zu 92–98 % reinem &#039;&#039;antimonium crudum&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt; kristallisiert.[8] Der niedrige Schmelzpunkt von 547° zeigt zudem die Nähe dieser mineralischen Substanz zum flüssigen Aggregatzustand, in dem die ätherischen Kräfte ihre Wirkung entfalten können.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor diesem Hintergrund heißt es in dem oben erwähnten Werk:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Alles dieses zeigt, dass im Antimon die Tendenz enthalten ist, in das Ätherelement in dem Augenblick leicht überzugehen, in dem dazu die Bedingungen auch nur in geringem Grade vorhanden sind. Dem geistigen Schauen gelten alle diese Einzelheiten nur als Andeutungen; denn dieses nimmt die Beziehung zwischen Ich-Tätigkeit und Antimon-Wirksamkeit unmittelbar so wahr, dass die Antimonprozesse, in den menschlichen Organismus gebracht, so wirken, wie die Ich-Organisation.“[9]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zwei Indikationen als Beispiele für den Einsatz von Antimon&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aus dem breiten Spektrum der therapeutischen Einsatzmöglichkeiten werden nun zwei Indikationsgebiete an die Schilderung des Arzneimittelbildes angeschlossen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;&#039;Blutgerinnungsstörungen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
# und &#039;&#039;&#039;Typhus abdominalis/Parathyphus&#039;&#039;&#039;, eine gefährliche bakterielle Infektionskrankheit des Magen-Darmtraktes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während eine Therapie mit &#039;&#039;Antimon&#039;&#039; oder &#039;&#039;Stibium metallicum praep.&#039;&#039; bei Blutungsneigung aus der Darstellung des Arzneimittelbildes unmittelbar hervorgeht, ist dies für den Thyphus nicht so ohne weiteres ersichtlich – zumal dieser ja heute erfolgreich antibiotisch behandelt werden kann (Sterblichkeitsrate unter 1 &amp;lt;nowiki&amp;gt;%) und die Impfung bei Einreise in betroffene Gebiete empfohlen wird.[10]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;Arzneimittelbild der Austernschale und Typhus&#039;&#039;] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was macht also eine Begleitbehandlung oder Alternativbehandlung zur Vermeidung des Einsatzes von Antibiotika sinnvoll?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um dies zu verstehen, braucht es – wie oben bereits angedeutet – zum Vergleich das Arzneimittelbild der Austernschale. Hier liegt ein Naturprozess vor, der etwas vollzieht, was für die Muschel richtig ist, für den Menschen aber zur Ursache typhöser Durchfall-Erkrankungen werden kann. Die Auster sondert in ihre Schale das kalkartig Mineralische ab:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Bei der Auster wird das Kalkartige abgesondert, um es der Eiweißwirkung nicht einzugliedern. Im menschlichen Organismus muss diese Eingliederung stattfinden. Die bloße Eiweißwirkung muss in eine solche umgewandelt werden, in der mitwirkt, was im Kalkartigen durch die Ich-Organisation an gestaltenden Kräften hervorgerufen werden kann. Das muss sich innerhalb der Blutbildung abspielen. Das Antimon wirkt der kalkausscheidenden Kraft entgegen und führt das Eiweiß, das seine Form bewahren will, durch seine Verwandtschaft mit dem Äther-Elemente in die Formlosigkeit hinüber, die für die Einflüsse des Kalkartigen oder Ähnlichem empfänglich ist.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;Beim Typhus ist es klar, dass der krankhafte Zustand in einer mangelnden Überführung der Eiweißsubstanz in gestaltungsfähige Blutsubstanz besteht. Die Form der Diarrhöen, die auftritt, zeigt, dass schon im Darm die Unfähigkeit zu dieser Umwandlung beginnt.“[11]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Heilung der konstitutionellen Dysfunktionalität&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[12]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039; heißt es&#039;&#039;,&#039;&#039; dass die Abwehrstoffe und Killerzellen eines guten Immunsystems im Blut zirkulieren, welches wiederum &#039;&#039;das&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt; Organ der Ich-Organisation ist.[13] Kann nun mithilfe einer Konstitutionsbehandlung, z.B. mit einem Antimonpräparat, und je nach Situation auch noch kombiniert mit anderen Heilmitteln, die Ich-Organisation und damit ihr Einfluss auf die Gestaltungskräfte im Blut gestärkt werden, so werden die Bakterien nicht nur beseitigt, wie es über eine antibiotische Therapie geschieht, sondern zugleich das Milieu saniert und damit künftigen Infektionen vorgebeugt. Das entspräche einer integrativen Therapie, die sich nicht nur auf die Beseitigung der Symptome konzentriert, sondern auf die Heilung der konstitutionellen Dysfunktionalität.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dem erwähnten Werk schreiben die Autoren: &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Wendet man bei typhösen Erscheinungen Antimonpräparate in entsprechender Zusammensetzung an, so erweisen sich diese als Heilmittel. Sie entkleiden die Eiweißsubstanz ihrer Eigenkräfte und machen sie geneigt, den Gestaltungskräften der Ich-Organisation sich einzufügen.“[14]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbstverständlich hat der primäre Fokus auf die Symptombeseitigung überall da seine Berechtigung, wo sie Leben rettet, weil die Abwehrkräfte des Körpers zu schwach sind für die notwendige Selbstregulation. Wo diese Möglichkeit jedoch gegeben ist, kann differenzierter vorgegangen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Wer Exaktheit nur in dem sieht, was die Chemie – auch die pharmazeutische – feststellt, der vernichtet die Möglichkeit, Anschauungen darüber zu gewinnen, was im Organismus bei Heilungsvorgängen geschieht.“[15]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[16]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----&amp;lt;nowiki&amp;gt;[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[2] Ebenda, S. 77.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[3] Vgl. Marxer (2000), siehe www.pharmazeutische-zeitung.de/titel-10- 2000; [6.1.2025].&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[4] Vgl. Holleman und Wiberg (2017), 940.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[5] Vgl. Wimmenauer (1992), 223.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[6] Siehe FN 1, S. 78.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[7] Ebenda.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[8] Vgl. Holleman und Wiberg (2017), 942.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[9] Siehe FN 1, S. 78f.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[10] Typhus ist weltweit verbreitet – besonders in warmen Ländern. Er wird durch kontaminierte Lebensmittel bzw. Trinkwasser übertragen und ist eine schwere Allgemeinerkrankung, die durch das Bakterium Salmonella typhi ausgelöst wird. Als Paratyphus bezeichnet man ein abgeschwächtes Krankheitsbild, dessen Erreger Salmonella Paratyphi A, B oder C ist. Übertragen wird die Infektion durch Trinkwasser oder Lebensmittel, die mit Fäkalien von infizierten Personen verunreinigt wurden. Leitsymptome sind hohes Fieber, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, langsamer Puls, trockener Husten, Bauchschmerzen, Milzvergrößerung und manchmal ein blasser, kleinfleckiger Ausschlag am Körper. Ein milder Verlauf ist möglich, doch manchmal kommt es zu schweren Komplikationen wie massiven Darmblutungen oder Abszessen in verschiedenen Organen. Durch den Einsatz von Antibiotika kann die Sterblichkeit auf unter 1% gesenkt werden. In Deutschland ist die Krankheit meldepflichtig – dem Bundesamt für Gesundheit werden pro Jahr zwischen 20 und 50 Fälle gemeldet. Wichtigste Mittel zur Vorbeugung sind Körperhygiene und Verzicht auf frische Salate und ungeschältes Obst – nach dem Ernährungsmotto: Cook it, peel it or forget it. Siehe www.bag.admin.ch/bag/de/home/krankheiten/krankheiten-im-ueberblick/typhus-abdominalis-paratyphus.html; [6.1.2025].&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[11] Siehe FN 1, S. 80.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[12] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“, GA 27.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[13] Siehe FN 3, Kapitel VI.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[14] Siehe FN 3, S. 80.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[15] Ebenda, S. 81.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[16] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ARZNEIMITTEL-SUBSTANZGRUPPEN UND WESENSGLIEDER ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Auf welchen Ebenen und worüber ist der Mensch mit der Natur innig verbunden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Naturanteile machen seine Konstitution aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wesensglieder und ihre Einbettung in die Natur&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Physischer Leib und Natur ====&lt;br /&gt;
Schon ein oberflächlicher Blick auf die Verbundenheit von Natur und Mensch zeigt, wie der Mensch die kristallinen Strukturen seines Körpers mit den Mineralien der ihn umgebenden Natur gemeinsam hat. Dieser sichtbare, mineralisch erscheinende Leib wird in der anthroposophischen Menschenkunde „Physischer Leib“ genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ätherleib und Natur] ====&lt;br /&gt;
Werden und Vergehen, Leben und Sterben hat der Mensch mit der Pflanzenwelt gemeinsam. Diese Gesetzmäßigkeiten in ihrem Zusammenhang nennt Steiner „Ätherleib“, weil ohne das blaue Himmelslicht (griechisch o aither) kein Leben auf der Erde möglich wäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Astralleib und Natur] ====&lt;br /&gt;
Atmung, Bewegung, Bewusstsein, Schmerz und Triebleben hat der Mensch mit den Tieren gemeinsam. Diese das Seelenleben konstituierenden Gesetze heißen in ihrer Gesamtheit „Astralleib“ von aster, lateinisch Stern. Die menschliche Seele fühlt sich der Sternenwelt mit ihren Rhythmen und Konstellationen verwandt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Rein menschliche Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Die Fähigkeit jedoch, lebenslang lernen und immer wieder neu und anders kulturschöpferisch tätig sein zu können, ist spezifisch menschlich. Daher gibt Steiner diesem die „Ich-Natur“ des Menschen möglich machenden Gesetzes-Zusammenhang den Namen „Ich-Organisation“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Da der Mensch durch diese vier verschiedenen Gesetzes-Zusammenhänge sein Wesen sowohl integriert als auch differenziert äußern kann, gab Steiner ihnen den Namen „Wesensglieder“.[1]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Arzneimittelwirkung auf die Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Substanzgruppen aus dem Mineral-, Pflanzen-, Tier- und Menschenreich haben einen therapeutischen Bezug zu diesen Wesensgliedern:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Menschliche Substanz wie Muttermilch und in Form einer Blutspende stützt und erhält den physischen Leib.&lt;br /&gt;
* Präparate aus dem Tierreich regen den Ätherleib zu verstärkter Tätigkeit an,&lt;br /&gt;
* pflanzliche Arzneimittel wirken regulierend auf den Astralleib&lt;br /&gt;
* und Metalle und Mineralien auf die Ich-Organisation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Potenzierungsstufen und Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Auch die Potenzierungsstufen der nach homöopathischem Verfahren hergestellten Arzneimittel haben ihren Bezug zu den Wesensgliedern:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D1 – D4:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;physischen Organismus&#039;&#039; und seines Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D5 – D8:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;ätherischen Organismus&#039;&#039; und seines Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D10 – D15:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;astralischen Organismus&#039;&#039; und seines Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D20 – D60:&#039;&#039;&#039; Anregung der &#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039; und ihres Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Bezug auf die Dreigliederung des menschlichen Organismus gilt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D1 – D6:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;Stoffwechsel-Systems&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D6 – D18:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;rhythmischen Systems&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D18 – D30:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;Nerven-Sinnessystems&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Der Arzneimittelschatz der Anthroposophischen Medizin umfasst dementsprechend Ausgangssubstanzen mineralischer, pflanzlicher und tierischer Herkunft, die nach besonderen Verfahren vor allem von den Arzneimittelfirmen Weleda und Wala hergestellt werden.[2] In Deutschland wurden sie aufgrund des Arzneimittelgesetzes von 1976 in der vom Bundesgesundheitsamt – später Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) – eingerichteten Kommission C für die Zulassung aufbereitet. Ein Teil dieser regulativ wirksamen Arzneimittel ist sehr gut für die Selbstmedikation geeignet.[3]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Artikel in der Deutschen Apothekerzeitung DAZ Nr. 39, 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----&amp;lt;nowiki&amp;gt;[1] Rudolf Steiner, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Theosophie, Einführung in übersinnliche Welterkenntnis und Menschenbestimmung,&#039;&#039; 2003 und ders. &#039;&#039;Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft&#039;&#039;. In: &#039;&#039;Lucifer-Gnosis&#039;&#039;. GA 34. Dornach 1987, 309-344.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[2] International Association of Anthroposophic Pharmacists IAAP. ­Anthroposophic Pharmaceutical Codex. Stuttgart, 2014.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[3] M. Glöckler, B. Emde, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Anthroposophische Medizin&#039;&#039;, in: &#039;&#039;Komplementärmedizin für die Kitteltasche. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation&#039;&#039;, Stuttgart 2009 und ders.: &#039;&#039;Anthroposophische Medizin&#039;&#039;, in: &#039;&#039;Komplementärmedizin für Kinder. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation&#039;&#039;, Stuttgart 2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ARZNEIMITTEL AUS DER NATUR UND WESENSGLIEDER ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen inneren Zusammenhang sieht die anthroposophische Pharmazeutik zwischen Arzneimitteln aus der Natur und den menschlichen Wesensgliedern?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Qualitäten zeichnen die Muttermilch aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern sind Schwangerschaft und Stillzeit Naturvorbilder auch für zukünftige Entwicklungsstadien?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Korrelation von Arzneimitteln und Wesensgliedern&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;In der Anthroposophischen Pharmazeutik sieht man eine grundlegende Korrelation von Arzneimitteln aus der Natur und den menschlichen Wesensgliedern:[1]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So haben &#039;&#039;&#039;Mineralien&#039;&#039;&#039; eine unmittelbare Beziehung zur &#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;: Sie unterstützen die Ich-Organisation bei der Beherrschung der physischen Verhältnisse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Heilmittel aus dem Pflanzenreich&#039;&#039;&#039; auf die &#039;&#039;astralische Organisation&#039;&#039;: Die astralische Organisation wirkt lähmend auf die ätherische – pflanzliche Arzneimittel können regulierend auf diese lähmende Wirkung Einfluss nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Organpräparate&#039;&#039;&#039; und tierische Arzneimittel auf die &#039;&#039;ätherische Organisation:&#039;&#039; Diese hat die Aufgabe, physisch-tierische Substanzen in den Lebenszusammenhang aufzunehmen, was durch astralische Impulse angeregt werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Menschliche Substanz&#039;&#039;&#039; (wie Blutkonserven und Muttermilch) wirkt unmittelbar auf den &#039;&#039;physischen Leib,&#039;&#039; sodass sich die anderen Wesensglieder wieder besser einschalten und betätigen können. Anders ausgedrückt: Menschliche Substanz steht der Ich-Organisation unmittelbar für ihre Aufgabe zur Verfügung, das Ganze des Organismus bis in das Physische hinein zu beherrschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Was Muttermilch vermag&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Studiert man die Besonderheiten rund um die Bildung von Muttermilch, so verrät dies viel über die innige Bindung zwischen Mutter und Kind durch alle vier Wesensglieder hindurch:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die Muttermilch ist nach dem aktuellen Bedürfnis des Säuglings zusammengesetzt und variiert so auch von Tag zu Tag;&lt;br /&gt;
* Stillen fördert die Rückbildung der Gebärmutter;&lt;br /&gt;
* gestillte Kinder haben weniger Infekte und überstehen sie leichter, weil die Muttermilch wichtige Abwehrstoffe der Mutter enthält;&lt;br /&gt;
* ausschließliches Stillen in den ersten sechs Monaten kann das Kind vor Allergien und Asthma schützen;&lt;br /&gt;
* Wachstum und Beweglichkeit von Magen und Darm werden unmittelbar angeregt;&lt;br /&gt;
* die Zusammensetzung der Muttermilch mit Bezug auf Kohlenhydrate, Fette, Eiweißgehalt und Mineralstoffe ist zugleich ein ‚Naturvorbild‘ für eine gesunde Ernährung;&lt;br /&gt;
* die Immuntoleranz, d.h. die Selbstregulation des Immunsystems entwickelt sich bei gestillten Säuglingen nachhaltig besser.&lt;br /&gt;
* &amp;lt;nowiki&amp;gt;Durch Stillen wird das Risiko des plötzlichen Kindstodes um ca. die Hälfte gesenkt und vieles mehr.[2]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Formelmilch gefütterte Säuglinge haben eine deutlich höhere Insulinkonzentration im Plasma, was mit der Entwicklung von Adipositas und einer möglichen Zunahme von Diabetes mellitus Typ 2 im Zusammenhang steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Abnabelungsstadien und physisch-seelisch-geistige Muttermilch&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Nach der &#039;&#039;&#039;physischen Abnabelung&#039;&#039;&#039; vom physischen Leib der Mutter als der ernährenden Umgebung während der Schwangerschaft, folgt die Stillperiode.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann folgt die langsame &#039;&#039;&#039;ätherische Abnabelung&#039;&#039;&#039; und das Sich-Emanzipieren auf ätherischer Ebene, das mit dem Ende der Nachahmungsperiode ausklingt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;&#039;seelisch-astralische Abnabelung&#039;&#039;&#039; findet im 2. Jahrsiebt statt und kulminiert mit der Pubertät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Arbeit des Ich jedoch an der Überwindung von allen möglichen Abhängigkeiten, die seine Autonomiebefähigung einschränken, stellt eine Art &#039;&#039;&#039;geistige Abnabelung&#039;&#039;&#039; dar. Diese zu bewerkstelligen bleibt eine lebenslange Herausforderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Rudolf Steiner spricht im pädagogischen Zusammenhang wiederholt über die Bedeutung der physischen Muttermilch für den gesunden Aufbau des physischen Leibes und die damit verbundene Stärkung der Ich-Organisation des Kindes. Für die Unterstützung der oben genannten weiteren Abnabelungsprozesse im Verlaufe der Schulzeit und Jugend, braucht es die ‚seelische‘ und zuletzt ‚geistige‘ Muttermilch, die dem Menschen in Form einer nährenden Entwicklungsumgebung und verständigen Entwicklungshelfern zukommen müssen.[3]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fallen solch hilfreiche Faktoren und Entwicklungsbegleiter weg oder können nur eingeschränkt wirken, ist dies oft mit körperlichen und oder seelischen gesundheitlichen Belastungen im weiteren Leben verbunden. Diesen so weit als möglich vorzubeugen, ist der Präventionsanspruch Anthroposophischer Medizin und Pädagogik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[4]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----&amp;lt;nowiki&amp;gt;[1] Warum das so ist, geht aus den Kapiteln I bis V aus &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27,&#039;&#039; hervor, in denen die Autoren, Rudolf Steiner und Ita Wegman, die Arbeit der Wesensglieder an den Substanzströmen schildern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[2] Vgl. Soldner und Stellmann (2018), 220–238; Glöckler u. a. (2024b), 372–392.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[3] Rudolf Steiner, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik,&#039;&#039; GA 293, Vortrag 2. September 1919.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[4] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ALLGEMEINES ZU DEN TYPISCHEN HEILMITTELN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was verstehen Rudolf Steiner und Ita Wegman unter typischen Heilmitteln?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie verhalten sie sich im Vergleich zu den üblichen Symptome bekämpfenden Medikamenten?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist das Neue daran?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Bestimmte Kompositionen von Arzneimitteln&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel XX von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; heißt es: &#039;&#039;„[…] und wenn Typisches im Krankheitszustande in Betracht kommt, so stellt unser Heilmittel dasjenige dar, was im Sinne der Schilderung unseres Buches zur Therapie führen muss. Von diesem Gesichtspunkte aus sollen einige unserer Heilmittel beschrieben werden.“[2]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese &#039;&#039;„Typischen Heilmittel“[3]&#039;&#039; haben mit der Heileurythmie gemeinsam, dass hier bestimmte Kompositionen von Arzneimitteln einem bestimmten typischen Krankheitsbild angepasst sind – so wie man in der Heileurythmie eine bestimmte Lautfolge dem Krankheitsprozess anpasst. &#039;&#039;Otto Wolff&#039;&#039; hat dies wiederholt in seinen schriftlichen und mündlich vorgetragenen Ausführungen zu diesen Kompositions-Präparaten so auf den Punkt gebracht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„&#039;&#039;Diese mögen äußerlich wie Mischungen aussehen, ihnen liegt aber eine Konzeption zugrunde, die nicht von speziellen Krankheiten, sondern von Grundprozessen des Menschen oder einzelner Organe ausgeht. Sie sind deshalb nicht gegen eine Krankheit gerichtet, sondern sprechen ein Organ urbildhaft in seinen Funktionen an. Man kann diesen Arzneimittel-Typus als Urheilmittel ansprechen. So bilden Heilmittel wie Cardiodoron, Kephalodoron (Biodoron), Hepatodoron, Digestodoron u.a. in sich jeweils ein Ganzes. Dabei wird gerade eine gewisse Gegensätzlichkeit von Pflanzen (z.B. im Cardiodoron, Hepatodoron) bzw. der Mineralien Schwefel und Kiesel (im Kephalodoron) durch einen pharmazeutischen Prozess oder eine Substanz (Eisen beim Kephalodoron) ins Gleichgewicht gebracht und zu einer höheren Einheit verbunden. Dadurch erst kann Kephalodoron ein Abbild des dreigliedrigen Menschen sein und eine harmonisierende Wirkung auf den Funktionszusammenhang seiner Funktionssysteme (Nerven-Sinnes-System, rhythmisches und Stoffwechselsystem) ausüben. Entsprechendes könnte auch für andere ‚Heilmittel für typische Krankheiten‘ ausgeführt werden, bei denen es sich zumeist darum handelt, durch harmonisierende Anregungen Gleichgewichtszustände aus ungleichmäßigem Zusammenwirken von Kräften der übersinnlichen Wesensglieder wiederherzustellen. Das Heilende ist im Grunde genommen der menschliche Organismus, d.h. der Ätherleib selber, wenn es gelingt, die entsprechenden Anregungen wirksam werden zu lassen.“[4]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ein neuer Behandlungsansatz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das ist insofern ein neuer Behandlungsansatz, als es dem symptomorientierten Therapieansatz, der sich unmittelbar gegen das betreffende Symptom richtet in Form von Antipyretika, Antihistaminika, Antibiotika, Antidepressiva etc. etwas an die Seite stellt, das unmittelbar die ordnende Kraft der Ich-Organisation und die gesundende Aufbauleistung der ätherischen Organisation anspricht. Dabei steht nicht die Symptombeseitigung im Vordergrund, sondern die Regulierung von den Prozessen, die die Symptome hervorgebracht haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer also erwartet, dass z.B. eine Tablette Kephalodoron unmittelbar den Kopfschmerz beseitigt, wie man das von einer Gabe Ibuprofen erwarten kann, sieht sich getäuscht. Nimmt er aber das Migränemittel im gesunden Intervall über längere Zeit, werden die Anfälle milder und merklich seltener werden und können bei günstigem Verlauf auch sistieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[5]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ebenda, S. 115.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Vgl. Wolff (1984), 65–73 und (2013); Basold u. a. (1995).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] F. Husemann und Wolff (1993–2003), S. 244.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DAS HEILMITTEL SKLERON/SCLERON GEGEN ARTERIOSKLEROSE ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Woraus setzt sich dieses Heilmittel zusammen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wirken seine einzelnen Bestandteile?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie hängen unsere Gestalt und unsere Organe mit dem Tierkreis und den Planeten zusammen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Rudolf Steiner zur Komposition von Skleron&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Komposition dieses Arzneimittels besteht aus potenziertem (D 12) metallischem Blei, Honig und Zucker. Alle drei Substanzen haben eine direkte Beziehung zur Ich-Organisation: &#039;&#039;„Blei wirkt wie die Ich-Organisation, nicht wie der Astralleib, abbauend. Der Honig überträgt die abbauende Wirkung des Astralleibes auf die Ich-Organisation. Und der Zucker versetzt die Ich-Organisation in die Lage, ihre spezifische Aufgabe zu erfüllen.“[1]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem Vortrag vom 16. November 1923[2] geht Rudolf Steiner ausführlich auf das Skleron und seine drei Bestandteile ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Blei ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Was in uns – wenn ich mich jetzt psychologisch ausdrücken darf –, aus der Wahrnehmung die Vorstellung macht mit Hilfe der menschlichen Organisation, das ist ein Vorgang im Inneren der Nerven-Sinnesorganisation, der jenen Vorgängen entspricht, die wir draußen im Blei finden. Daher können wir sagen: Wenn das, was durch das Auge in der Wahrnehmung aufgefaßt wird, nun weiter zurückgeht in das Nerven-Sinnessystem, dann muß ihm entgegenkommen ein Prozeß, der gleich ist dem Bleiprozeß. Nur dadurch kann der Mensch das, was er wahrnimmt, auch denken. Dadurch wird das Gehirn ein Denkorgan; sonst würde es auch ein Wahrnehmungsorgan sein. Auf diese Weise wird der Mensch verselbständigt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Damit habe ich hingedeutet auf etwas, was in der Kopforganisation charakteristisch ist. Ich sagte also: dasselbe, was sich draußen im Bleiprozeß abspielt, müsse sich in der Kopforganisation abspielen, damit der Denkprozeß im Menschen zustande kommen kann.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Nehmen wir nun einmal die Bleifunktion und bringen wir sie nun nicht in die Nervenorganisation – wenn der Mensch geboren wird, ist das Blei von der Natur selber da, ist die Bleifunktion da, ohne daß die Substanz des Bleies nachgewiesen werden kann –, sondern bringen wir die Bleifunktion jetzt in die Verdauungsorganisation und in das Weitere hinein; dafür sorgt schon das Leben, zum Beispiel manchmal bei den Bleivergiftungen. Wenn Sie nun beobachten in allen Erscheinungen, was das Blei im Stoffwechsel-Gliedmaßenmenschen bewirkt, so bekommen Sie ein Bild, das sich zwar in verschiedenen einzelnen Symptomen darstellt, das aber eigentlich doch am charakteristischsten zusammengefaßt wird etwa in dem Symptomkomplex von Dementia senilis oder der Arteriosclerosis cerebralis: Sie bekommen dann das Bild des im Alter zerfallenden menschlichen Organismus. Das heißt mit anderen Worten: Wenn ich denselben Prozeß, der mir im Gehirn meine Selbständigkeit als organisches Wesen sichert, auf den anderen Pol des Menschen in Anwendung bringe, auf das Verdauungssystem und auf das damit im Zusammenhange stehende Gliedmaßensystem, dann bekomme ich ein Krankheitsbild; was also im Stoffwechsel-Gliedmaßensystem ein Krankheitsprozeß ist, das ist für den Nerven-Sinnesmenschen eine notwendige organische Funktion. Wenn ich also die Sklerose als ein langsames Sterben auffasse, so muß ich auch sagen: in einer gewissen abgeschwächten Form muß sie fortwährend im Haupte des Menschen funktionieren, dort ist sie der normale Zustand.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;So also sind die drei Glieder der menschlichen Wesenheit voneinander verschieden: was in dem einen Glied, in der Nerven-Sinnesorganisation, der normale Zustand ist, das ist in dem anderen Gliede des menschlichen Organismus eine Krankheitserscheinung. Aber ich habe schon gestern gesagt: Wie müssen wir uns nun zur Therapie stellen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wir müssen das, was den Krankheitsprozeß ausmacht, und was astralischer Leib und Ich-Organisation versorgen müssen, wenn eben der Krankheitsprozeß ungestört wuchern kann, das müssen wir dem astralischen Leibe und der Ich-Organisation abnehmen. Was müssen wir also tun, wenn wir die Sklerose haben? Wir müssen uns ihr so nähern, daß wir dem menschlichen astralischen Leibe für das Verdauungs-Gliedmaßensystem das abnehmen, was er mit dem alternden, zerfallenden, sklerotisch werdenden Leibe zu tun hat. Und das können wir, wenn wir es dem Blei übergeben, dem Blei in einer gewissen Dosierung. Und dies hat dazu geführt, daß wir zu einem solchen Heilmittel gekommen sind, wie Sie es in unserem Verzeichnis als Heilmittel Nummer I angeführt finden, als das Heilmittel gegen Arteriosklerose. Es ist also von vornherein durch wirkliche Menschenerkenntnis klar, daß man durch die in entsprechender Weise in den Menschen hineingebrachte Bleifunktion substantiell der Sklerose beikommen kann; nur muß man jetzt das Blei zur Wirksamkeit bringen. Es ist nicht ohne weiteres gesagt, daß ich das Blei, wenn ich es in den Organismus eingeführt habe, damit auch wirklich zur Wirksamkeit gebracht habe. Da helfen einem dann die weiteren Glieder einer wirklichen Menschenerkenntnis.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Da hilft es einem dann, daß man im menschlichen Organismus unterscheiden kann die aufbauenden und die abbauenden Kräfte. Die letzteren sind zum Beispiel gerade in der Sklerose tätig, wo der menschliche Organismus zerfällt. Im Haupte, im Gehirn zerfällt fortwährend der menschliche Organismus, denn das Gehirn ist immerfort von einer leisen Sklerose erfüllt; das liegt in seiner Organisation. […]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Honig ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wir brauchen auch noch, wenn wir uralt geworden sind, plastisch wirkende Kräfte, Bildekräfte, die die Nahrung, die wir aufnehmen, überführen in die Formen des Organismus. Nun stellt sich heraus: Daß nichts mehr fördert diese plastisch wirkenden, diese Bildekräfte, daß nichts mehr fördert die Anähnlichung der aufgenommenen Stoffe an den menschlichen Organismus als ein oftmals recht schwacher Honiggenuß. Honig wirkt in der Tat auf den altgewordenen Menschen im Stoffwechsel-Gliedmaßenorganismus ganz ähnlich, wie für den Gehirnorganismus des Kindes – und besonders des Kindes – die Milch wirkt. Das weist uns darauf hin, daß im Honig eben besondere Bildekräfte sind, die wir nicht dadurch auffinden, daß wir den Honig einfach chemisch analysieren, sondern die wir nur finden, wenn wir tatsächlich in aller Lebendigkeit die Beziehungen erkennen, die der Mensch hat zu den übrigen Substanzen im Weltall. Und diese Bildefähigkeit des Honigs – denn für eine genauere Interpretation stellt sich heraus, daß der Honig den menschlichen Organismus so ergreift, daß vorzugsweise der astralische Leib seine Bildekräfte ausüben kann […].&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Zucker ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;[…] diese Wirkungen des Honigs kann man dann unterstützen durch einen Zusatz von Zucker, vorausgesetzt, daß der menschliche Organismus das sonst verträgt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Daher finden Sie, daß – in einer besonderen Weise ineinandergefügt, funktional ineinandergefügt – unser erstes Heilmittel gegen Sklerose ein Präparat darstellt aus Blei, Honig und Zucker. […] Dieses Präparat ist also so hergestellt, daß es, wenn es in den menschlichen Organismus eingeführt wird, dort übernimmt die sklerotisierenden Kräfte. Es nimmt die sklerotisierenden Kräfte dem astralischen Leib und der Ich-Organisation des Menschen ab; die werden dadurch wieder frei und können nun für die normale, gesunde Organisation des Menschen wirken. Was ich aber mit diesem Präparat in den menschlichen Organismus einführe, das ist das, was früher Ich und astralischer Leib tun mußten, die daher nicht frei waren und ihre Funktionen ableiteten auf den Krankheitsvorgang. Jetzt übergebe ich den Krankheitsvorgang meinem Präparat. Das besonders Wirksame ist dabei das Blei; es übernimmt die Sklerotisierung, denn es ist ja seine eigene Natur, sklerotisierend zu wirken. Aber ich muß erst die Wege suchen durch die Plastik des Organismus hindurch, durch die ich das Blei dahin bringe, wo es nötig ist: das geschieht durch die Zusammensetzung mit Honig und Zucker.“[3]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wirkung von Blei und Honig auf das Gedächtnis&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das &#039;&#039;&#039;Blei&#039;&#039;&#039; in mittlerer Potenz hat einen direkten Bezug zum rhythmischen System und damit auch zu den Blutgefäßen. Es unterstützt die Abbauwirkung der Ich-Organisation. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Honig&#039;&#039;&#039; besteht je nach Pflanzenart aus verschiedenen meist einfachen Zuckern wie Glukose (Traubenzucker), Fruktose (Fruchtzucker), aber auch Zweifachzuckern wie Sacharose (Haushaltszucker) und Maltose (Malzzucker) und anderen Mehrfachzuckern. Außerdem enthält er Pollen, Enzyme und freie Aminosäuren. Daher wird er langsamer und auf verschiedenen Stoffwechselwegen verdaut, und er hat eine Brückenfunktion zwischen der ätherischen, astralischen und Ich-Organisation und kann dadurch den Astralleib von seiner abbauenden Wirkung entlasten und diese an die Ich-Organisation abgeben.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Bei der Sklerose wird die Ich-Organisation zu schwach; sie baut selber nicht genügend ab. Deshalb tritt Abbau allein durch den Astralleib ein. Es fallen die Abbauprodukte aus dem Organismus heraus und liefern Verstärkungen derjenigen Organe, die in Salzsubstanzen bestehen. Blei in gehöriger Dosierung nimmt den Abbau wieder in die Ich-Organisation zurück. Die Abbauprodukte bleiben nicht als Verhärtungen im Körper, sondern werden ausgestoßen. Alle Heilung der Sklerose kann nur darin bestehen, dass man den salzbildenden Prozessen, die sonst im Körper bleiben, den Weg nach außen öffnet.“[5]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit ist auch deutlich, dass es sich bei dieser Skleroseform offensichtlich um den dementiellen Formenkreis handelt, deren Anfangszustände &#039;&#039;„sich darin äußern, dass die Schlagkraft des Denkens und die exakte Herrschaft über das Gedächtnis aufhören.“[6]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wichtig ist aber auch zu beachten, dass das Mittel der jeweiligen Situation angemessen dosiert werden muss. Denn die Ich-Organisation kann in ihrer Wirkung durch das Präparat verstärkt werden und damit ‚hypertrophieren‘, wodurch ihre abbauende Wirkung zu stark wird und durch den nachfolgenden Aufbau nicht genügend kompensiert werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[7]&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27, S. 116.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Anthroposophische Menschenerkenntnis und Medizin,&#039;&#039; GA 319, 114–118.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Im Unterschied zur allgegenwärtigen Glukose im Stoffwechsel, hat die Fruktose bei den höheren Organismen und dem Menschen mehr spezifische Aufgaben, wodurch sie im Organismus im sogenannten Pentosephosphatweg (Pentosephosphatzyklus) aus Glukose hergestellt wird – und zwar insbesondere in der Leber, im Fettgewebe, den Milchdrüsen und den Nebennieren. Die dabei entstehenden Zuckerphosphate sind Vorstufen wichtiger Biomoleküle, wie den Ribosezuckern in den Nukleinsäuren des Erbguts (DNA/RNA), sowie der Energieüberträger ATP, NAD+ , FAD und CoA. Mehrere Studien, u. a. eine Studie vom Deutschen Institut fürErnährungsforschung, belegen einen Zusammenhang zwischen vermehrter Fruktoseaufnahme und Adipositas. Fruktose steigert nicht nur die Lipogenese, sondern führt auch zu einem gesteigerten Hungergefühl, da kein Insulin ausgeschüttet wird, welches auch ein Sättigungshormon ist. Zudem führt eine fruktosereiche Ernährung zu einem Anstieg der Plasmalipide und zur Insulinresistenz. Fruktose wirkt also dauerhaft diabetogen und das stärker als Glukose. Insgesamt steigert Fruktose also die Inzidenz für das Auftreten eines metabolischen Syndroms, welches als das gemeinsame Auftreten von Adipositas, Dyslipoproteinämie, gestörter Glukosetoleranz und arterieller Hypertonie definiert ist. Andere Untersuchungen zeigen einen Zusammenhang zwischen Fruktoseaufnahme und nicht-alkoholischer Fettleber (Steatosis hepatis) auf, welche eine Vorstufe der Leberzirrhose ist. Auch das Risiko für Gicht wird vor allem durch mit Fruktose gesüßte Softdrinks stark erhöht, wie prospektive Studien mit mehreren tausend Patienten belegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ursache ist der Verbrauch von ATP beim Abbau von Fruktose. Es fällt IMP an, das über den Purinabbau die Konzentration der Harnsäure ansteigen lässt. Neusten Studien zu Folge steigt selbst das Risiko von Krebserkrankungen wie zum Beispiel des Pankreas-Karzinoms durch eine fruktoselastige Diät. Fruktose trägt zur Synthese von Nukleinsäuren bei, was die Proliferation von Krebszellen begünstigt. Aus diesen Gründen empfiehlt die Food and Agriculture Organization of the United States die tägliche Aufnahme an freien Zuckern wie Fruktose auf weniger als 10 % der Gesamtenergiemenge zu reduzieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vgl. www.lecturio.de/artikel/medizin/fructosestoff-wechsel/; [6.1.2025].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Siehe FN 1, S. 115f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Ebenda, S. 116.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== WIRKSAMKEIT EINES HEILMITTELS VERMITTELN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie vermittelt der Arzt seinem Patienten, welches Heilmittel er braucht?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist dabei zu beachten, worauf kommt es an?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wirksamkeit der Gedanken und Gefühle miteinbeziehen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ideal wäre es, mit dem Patienten über ein Heilmittel in einer Art zu sprechen, dass etwas von der Wirksamkeit desselben auf den Patienten überspringt und dieser sich freut, dass er dieses Mittel bekommt, ja, dass er dankbar dafür ist. Der Patient sollte es mit dem Gefühl nehmen, er habe etwas besonders Gutes bekommen. Denn Freude und Dankbarkeit wirken therapeutisch – sie sind nicht „Placebo“, sondern real und wirksam. Wir müssen begreifen, dass das, &#039;&#039;was&#039;&#039; und &#039;&#039;wie&#039;&#039; wir über eine Sache denken, viel mehr als nichts ist: Was jemand weiß, ist etwas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ätherleib als Träger der zeitlichen und „ewigen“ Lebenskräfte entfaltet diese Doppelwirksamkeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ihm verdankt unser Körper einerseits &#039;&#039;&#039;Leben, Regeneration, Wachstum&#039;&#039;&#039; und die individuelle Lebenszeit&lt;br /&gt;
* Andererseits verdankt der Mensch ihm sein &#039;&#039;&#039;Gedankenleben&#039;&#039;&#039;, je älter er wird, umso mehr, das sich aus all den ätherischen Kräften speist, die der Körper nicht mehr „verkörpert“ halten kann (und muss) und die er damit in die „außerkörperliche Wirksamkeit“ entlässt. Die Gedanken können über den Tod des Menschen hinaus weiterleben und ihn tragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Medikamente wirken auf beide Aspekte des Lebens – sprich: Auch was ich über etwas denke, bewirkt etwas. Wenn ich die Arnikawirkung denke, wirkt sie bereits, denn Gedanken wirken immer, sind ein reales Wirkprinzip. &#039;&#039;„Hab Sonne im Herzen, ob&#039;s stürmt oder schneit“&#039;&#039;. Wenn ich die Sonne meditiere, habe ich Licht und Wärme im Herzen, selbst wenn ich Bauchweh habe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Denken vermindert Heilkraft, positive Gefühle verstärken sie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Indem ich denke, nehme ich der ätherischen Wirksamkeit im Körper aber auch etwas weg, weil es dieselben Kräfte sind, die dem Körper zur Gesundheit verhelfen. D.h, der Körper ist am gesündesten, wenn man nicht denkt, also im Schlaf, weil da die gesamten ätherischen Kräfte (auch diejenigen, die tagsüber außerkörperlich dem Denken dienen) in den physischen Leib einziehen und an seiner Regeneration arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am besten ist es, wenn der Patient über ein Heilmittel gerade so viel weiß, dass er sich freut und ihm ein bisschen warm wird bei dem Gedanken, dass er es jetzt einnehmen darf. Denn diese positiven Gefühle teilen sich auch dem Körper mit und beeinflussen den Stoffwechsel positiv. Positive Gefühle führen dem Ätherleib vom Seelischen her positive Kräfte zu, wie dies gesunde Ernährung vom Physischen her tut. Zuviel Nachdenken über die Wirkung mindert diese jedoch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch weniger zuträglich ist es, wenn ein Patient nicht so recht weiß, wie ein Mittel wirkt, oder Angst bekommt, wenn er den Beipackzettel liest. Dann fühlt er sich verunsichert – weswegen 40 Prozent der Medikamente in den Müll und nicht in den Magen der Patienten wandern. Wieder zuhause entscheiden sie, dass es ihnen eigentlich gar nicht so schlecht geht und nehmen das verordnete Medikament lieber nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur Anthroposophischen Medizin, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Offenborn</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Anthroposophische_Heilmittel&amp;diff=1275</id>
		<title>Anthroposophische Heilmittel</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Anthroposophische_Heilmittel&amp;diff=1275"/>
		<updated>2026-01-29T11:52:12Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Offenborn: Neuen Text eingefügt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= Anthroposophische Heilmittel - von Michaela Glöckler =&lt;br /&gt;
Auszüge aus Büchern und Vorträgen von [[Michaela Glöckler]]; Erstveröffentlichung auf https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== SUBSTANZ-ERKENNTNIS ALS GRUNDLAGE FÜR HEILMITTEL-ERKENNTNIS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was meint Rudolf Steiner mit der Weltenaufgabe der Substanzen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was wird anhand der Beispiele Ameisensäure und Oxalsäure im Hinblick auf ihre Wirkung im Zellstoffwechsel aufgezeigt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern muss der Organismus als Tätigkeitszusammenhang begriffen werden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Weltenaufgabe der Substanzen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel XVII von &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039; liegt der Fokus auf einer konsequent prozessorientierten Substanz-Erkenntnis, über die Rudolf Steiner im Ärztekurs für die jungen Mediziner schreibt, dass es die Aufgabe des Arztes sei, &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„die Weltenaufgaben der Substanzen zu erkennen“.[2]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;„Grundlegendes…“&#039;&#039; formulieren die Autoren es so: &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Wer die Wirkung von Heilmitteln beurteilen will, muss ein Auge haben für die Kräftewirkungen, die sich im menschlichen Organismus ergeben, wenn eine Substanz, die außer demselben gewisse Wirkungen zeigt, in irgendeiner Art in ihn eingeführt wird.“[3]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039; Etwas von dieser ‚Weltenaufgabe‘ wird dort anhand der Ameisensäure und der Kleesäure aufgezeigt und damit auf die Bedeutung dieser Blickrichtung für bestimmte Prozesse im menschlichen Zellstoffwechsel hingewiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Beispiel: Aufgabe der Ameisensäure ====&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Ameisensäure wird vom Menschen mit der Nahrung in der Regel nicht aufgenommen. Sie wird im Tierreich gebildet und als Abwehrstoff, insbesondere der Insekten, ausgeschieden – selten auch bei Pflanzen, wie z.B. in den Brennhaaren der Brennnesseln. Ihre ‚Weltaufgabe‘ ist inzwischen gut erforscht: Die rote Waldameise ist für die Gesunderhaltung der Wälder unentbehrlich. Sie steht daher auch unter Naturschutz, seitdem man ihre Bedeutung für die ‚Lebensgemeinschaft Wald‘ erkannt hat. Um einen Ameisenbau herum vernichtet jedes Volk pro Tag zehntausende Schädlinge bzw. deren Larven und Raupen (wie z.B. Borkenkäfer- und Blattwespenlarven) sowie Kadaver und Pilzmyzel in morschem Holz. So hilft die Ameisensäure dem Mikrobiom des Bodens, die verwesenden Pflanzenreste und das modernde Holz zu verarbeiten. Auch verbreiten Ameisen auf ihren Wegen tausende von Samen und tragen so zur Vielfalt im Wald bei sowie zur Verbesserung der Bodenbeschaffenheit. Instrument für ihre wertvollen reinigenden Tätigkeiten ist die Ameisensäure mit ihrer aggressiven Toxizität.[4]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Beispiel: Aufgabe der Oxalsäure ====&lt;br /&gt;
Die Oxal- bzw. Kleesäure hingegen findet sich in allen Pflanzen und den meisten Bakterien und in unterschiedlichen Mengen in vielen Nahrungsmitteln wie z.B. in schwarzem Tee, Mangold oder Rhabarber. Nach der Aufnahme muss sie dann im Organismus zu ausscheidungsfähigen Endprodukten abgebaut werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Ein ‚Zuviel‘ führt zusammen mit Calcium im Darm zu schwer löslichen Salzen (Oxalaten), was Anlass geben kann für die Bildung von Blasen- und Nierensteinen. Oxalsäure ist ein pflanzliches Gift – für den Menschen können bereits Gramm-Mengen tödlich sein.[5] Als Kalzium-, Magnesium- oder Kaliumsalze sind die Oxalate allgegenwärtig und aus dem Zellstoffwechsel der Lebewesen nicht wegzudenken – bis hin zu den meisten Pilzen und Bakterien. Im Gegensatz zur Ameisensäure entfaltet die Oxalsäure ihre Wirkung nicht in dem Zwischenbereich zwischen dem Mineralisch-Physischen und dem Ätherisch-Lebendigen. Sie hat ihre Aufgabe in der Lebenswelt der Pflanzen – aber als Giftsubstanz im Grenzgebiet zum astralischen Kräftebereich. Da Gifte auch in schwacher Dosierung immer lebensfeindlich sind, regen sie den Organismus dazu an, auf unterschiedlichen Wegen diese Gifte schnellstmöglich abzubauen oder in Verbindung mit anderen Substanzen unschädlich zu machen. Diese Abbauvorgänge dienen im Organismus der Tiere und der Menschen der Bewusstseinsbildung, die sich, wie mehrfach erwähnt, auf Abbauvorgänge stützt.[6]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Biochemisch handelt es sich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* bei der &#039;&#039;&#039;Ameisensäure&#039;&#039;&#039; um die einfachste Monocarbonsäure (Formica, HCOOH, ihre Salze heißen Formiate)  &lt;br /&gt;
* und bei der &#039;&#039;&#039;Oxal- bzw.&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Kleesäure&#039;&#039;&#039; um die einfachste Dicarbonsäure (Acidum oxalicum, HOOC-CO-CH2-COOH, ihre Salze heißen Oxalate).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Notwendige Verwandlung von Oxalsäure in Ameisensäure&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Rudolf Steiner hat erstaunlich oft über die Bedeutung der biochemischen Verwandlung von Oxal- in Ameisensäure gesprochen.[7] Den Prozess der Bildung von Oxalsäure, der hauptsächlich in den Verdauungsorganen stattfände, hielt er für eine notwendige Grundlage dafür, dass der Mensch überhaupt leben könne – grundlegend also dafür, dass die Ätherkräfte zur Wirksamkeit kommen können.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Ihre Umwandlung in Ameisensäure aber sei eine entsprechende Grundlage für das Wirksamwerden der astralischen Kräfte in der physisch-ätherischen Konstitution. In einem Ärztevortrag führt er weiter aus, dass man im Falle der Ameisensäure dahin kommen müsse zu erkennen, dass sie im Menschen, wie auch draußen in der Natur, die Aufgabe hat, gegenüber den Prozessen des Alterns, des Absterbens und des Vermoderns immer wieder weiteres Leben, weitere Entwicklung zu ermöglichen.[8] Auch führt er aus, dass &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;„die heutige Physiologie“&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt; diese Prozesse erst finden müsse.[9]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&amp;lt;sup&amp;gt;,&amp;lt;/sup&amp;gt;&amp;lt;nowiki&amp;gt; [10]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner und Wegman sahen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* in der &#039;&#039;&#039;Ameisensäure&#039;&#039;&#039; die Schlüsselsubstanz im Stoffwechsel des tierischen Organismus&lt;br /&gt;
* und in der &#039;&#039;&#039;Oxalsäure&#039;&#039;&#039; die Schlüsselsubstanz im pflanzlichen Zell-Metabolismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Organismus als Tätigkeitszusammenhang begriffen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;In Abs. 2 wird deutlich gemacht, wie entscheidend es für einen Organismus ist, eine Substanz nicht nur zu besitzen, sondern auch den Bildeprozess zum Aufbau dieser Substanz zu leisten. Im Tun liegt das Wesen des Organismus, nicht in seinen Substanzen. Der Organismus ist nicht ein Stoffzusammenhang, sondern ein Tätigkeitszusammenhang. Der Stoff trägt den Anreiz zur Tätigkeit in sich. Hat er diesen Anreiz verloren, so hat er für die Organisation keine weitere Bedeutung.[11]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter diesem Gesichtspunkt kann auch die jeweilige Aufgabe der Ameisensäure und der Kleesäure im menschlichen Organismus verstanden werden. Hier ‚dienen‘ diese Substanzen der Ich-Organisation: &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Die Ich-Organisation braucht diesen Übergang der organischen Substanz in den leblosen Zustand. Aber sie braucht eben den Vorgang des Überganges; nicht, was dann durch den Übergang entsteht. Ist nun das nach dem Leblosen hin sich Entwickelnde gebildet, so wird es im Innern des Organismus zur Last. Es muss entweder unmittelbar abgesondert werden oder aufgelöst, um mittelbar hinwegzukommen. Geschieht nun für etwas, das aufgelöst werden sollte, diese Auflösung nicht, so häuft es sich im Organismus an und kann die Grundlage für gichtische oder rheumatische Zustände bilden.“[12]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;In der Biologie werden die Phänomene dieses Übergangs zwischen Abbau und Aufbau im Falle der Gesundheit als metabolische Homöostase beschrieben, wobei deren ‚Regulator‘ ein noch nicht gefundener Faktor ist. Es wird aber das Erstaunen zum Ausdruck gebracht darüber, dass unabhängig davon, was und wieviel man gerade isst oder nicht und wieviel Oxalacetat man gerade mit der Nahrung aufgenommen hat oder nicht, die Substanzen im sogenannten Stoffwechsel-Pol der Zellen konstant gehalten werden. D.h. in den Zellen sind die Enzyme des Katabolismus (Abbau) und Anabolismus (Aufbau) normalerweise derart reguliert, dass ein Gleichgewicht gewahrt bleibt. Wird dieses Gleichgewicht jedoch gestört, bedeutet dies den Beginn krankhafter Prozesse.[13]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[14]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----&amp;lt;nowiki&amp;gt;[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, Ga 27, Kap. XVII.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[2] Rudolf Steiner, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Meditative Betrachtungen und Anleitungen zur Vertiefung der Heilkunst. Vorträge für Ärzte und Medizinstudierende,&#039;&#039; GA 316, S. 22.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[3] Siehe FN 1, S. 82.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[4] Der Kern eines Ameisenhaufens ist meist in alten Wurzelstöcken von Nadelhölzern oder Eichenstämmen angesiedelt; das Zusammenleben in der Ameisenkolonie ist ausgeprägt sozial. Eine Königin lebt bis zu 20 Jahre, Arbeitsameisen 5–6 Jahre. Sie entwickeln sich in klar definierten Temperaturbereichen (Ameisenpuppen brauchen 31°, Larven 28°, die Entwicklung der Eier nur 25°). Vgl. Jirikowski (2010), 105–107.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[5] Vgl. Wollrab (2014), 621.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[6] Vgl. Wolff (2013), 85, 263–269.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[7] Vgl. Rudolf Steiner, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Mysteriengestaltungen,&#039;&#039; GA 232, 13. Vortrag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[8] Vgl. FN 1, S. 22f.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;[9] Vgl. FN 11, S. 193–195.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[10] Dazu muss aus anthroposophisch-medizinischer Sicht gesagt werden, dass die geisteswissenschaftliche Biochemie, für die Hauschka und Wolff die Grundlagen erarbeitet haben (Vgl. Hauschka 2007, Wolff 2013), auf dem jeweils neuesten Stand der biochemischen Forschung weiter erarbeitet werden muss. Denn die Zusammenschau der Wesensglieder-Tätigkeiten als ganzheitliche Regulatoren und die immense Faktenfülle der molekulargenetischen Einsichten in das hochkomplexe Regelkreisgeschehen der Zellatmung ist für eine umfassende Integrativmedizin unverzichtbar.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[11] Siehe FN 1, S. 82.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[12] Ebenda.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[13]  Vgl. Sadava u. a. (2019), 265–271.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[14] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== HEILENDE VERBINDUNG VON MENSCH UND NATUR ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern stehen Mensch und Natur in einer heilsamen Verbindung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Naturstoffe zur Arzneimittelherstellung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Natur ist nicht nur Lebensraum und Existenzgrundlage des Menschen. Ihre Stoffe und Kräfte liegen auch einer Fülle von Arzneimitteln zugrunde. Anthroposophische Arzneimittel sollen dazu beitragen, dass der Organismus – wann immer sinnvoll und möglich – in die Lage versetzt wird, eine Krankheit aus eigener Kraft zu überwinden. Sie stärken die gesundenden Kräfte und sind also vor allem darauf orientiert, die Körperfunktionen wieder ins Gleichgewicht zu bringen und die Abwehrkräfte zu stärken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der anthroposophischen Arzneimittelherstellung werden mineralische, pflanzliche, metallische und tierische Ausgangsstoffe verwendet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gängige mineralische Substanzen sind u.a. Quarz, Schwefel oder Kalk.&lt;br /&gt;
* Bekannte Heilpflanzen sind z.B. Arnika, gelber Enzian oder Kamille.&lt;br /&gt;
* Als Metalle kommen häufig Gold, Silber, Kupfer, Eisen und Zinn in potenzierter Form zum Einsatz.&lt;br /&gt;
* Zu den tierischen Ausgangssubstanzen gehören z. B. Insektengifte von Biene, Ameise, Hornisse sowie Organextrakte von Säugetieren (aus Leber, Thymusdrüse, Nieren, Nerven u.a.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Reicher Arzneimittelschatz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Alle anthroposophischen Medikamente werden nach komplexen Vorgaben der von Rudolf Steiner und Ita Wegman begründeten anthroposophischen Medizin hergestellt.[1] Die meisten Ausgangsstoffe werden in hoher Verdünnung (homöopathisch potenziert) eingesetzt, nur sehr selten konzentriert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophische Arzneimittel enthalten häufig mehrere Inhaltsstoffe. Diese sind nicht nur kombiniert, sondern komponiert. Wie bei einem Orchester, so kommt es auch bei einem zusammengesetzten Arzneimittel darauf an, in welchen Anteilen die verschiedenen Einzelkomponenten gemischt sind. In dieser Art gemischt, ergeben sie eine andere Wirkung denn als Einzelbestandteile. So wie ein Orchester anders klingt als eine Violine allein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anthroposophische Arzneimittelschatz umfasst etwa 2000 Substanzen, Kombinationen und eine Vielzahl von Darreichungsformen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ampullen, Augentropfen, Dilutionen, Einreibungen (ölige), Emulsionen, flüssige Verdünnungen, Flüssigkeiten zur Inhalation, Flüssigkeiten zur äußeren Anwendung, Gelate, Globuli, Granulate, Injektionen, Kapseln, Lotionen, Metallspiegelfolien, Mischungen, Nasentropfen (ölige), Öle, Pasten, Pflaster, Puder, Pulver, Salben (fettarm), Salben, Sirup, Tabletten, Tees, Tinkturen zum äußeren Gebrauch, Triturationen, Tropfen, Vaginalglobuli, Vaginaltabletten, Verdünnungen (wässrige), Zäpfchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Der Mensch als umgekehrte Pflanze&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aus anthroposophischer Sicht gleicht der Mensch einer umgekehrten Pflanze:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* So wie der Mensch seine Nahrung – in Form von Nahrungsmitteln, aber auch als „seelische“ oder „geistige“ Nahrung in Form von Gedanken, Worten, Tatsachen aus Kunst und Wissenschaft, über den Kopf – aufnimmt, so versorgt sich die Pflanze über ihre Wurzeln mit den nötigen Nährstoffen.&lt;br /&gt;
* Umgekehrt verhält es sich mit der Fortpflanzungsregion. Diese ist bei der Pflanze oben, Luft und Licht gegenüber geöffnet, wohingegen sie beim Menschen nach unten und innen gelagert ist, zur Erde hin.&lt;br /&gt;
* Beiden gemeinsam ist, dass in der Mitte – bei der Pflanze über die Blätter, beim Menschen über die rhythmischen Funktionen von Atmung und Kreislauf – der Gasaustausch stattfindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Umgekehrte Wirkung der Pflanze auf den Menschen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
So wirken die Anwendungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* von &#039;&#039;Wurzeln&#039;&#039; unterstützend und heilend bei Erkrankungen der &#039;&#039;Kopf- und Nerven-Sinnesorganisation&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* Teeabkochungen und -zubereitungen aus &#039;&#039;Blättern&#039;&#039; bei Störungen der &#039;&#039;rhythmischen Funktionen&#039;&#039; (insbesondere von Herz und Lunge),&lt;br /&gt;
* Zubereitungen aus &#039;&#039;Früchten&#039;&#039; bei &#039;&#039;Stoffwechsel- und Verdauungsstörungen&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entsprechendes gilt für die Ernährung. Wer darauf achtet, dass der Anteil von Wurzeln, Blattgemüse, Früchten und Samen ausgewogen ist, sorgt für eine an den Bedürfnissen des ganzen Körpers orientierte Ernährung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim therapeutischen Einsatz von mineralischen, pflanzlichen und tierischen Substanzen gilt es, „die Weltaufgabe dieser Substanzen zu verstehen“. Steiner regte an zu erforschen, welche Aufgabe ein bestimmtes chemisches Element oder eine Stoffkombination wie Wasser, Salz, Asche, Gerbstoffe oder Pyrit im Haushalt der Natur innehat. Die Signatur dieser Aufgabe bzw. Tätigkeit sagt auch aus, welche Wirkung die betreffende Substanz im menschlichen Organismus entfalten kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Menschen als Mikrokosmos kennenzulernen im Kontext der großen Weltentwicklung mit ihren Prozessen und Stoffzusammenhängen – nach alter Tradition Makrokosmos genannt – ist der Schlüssel zum Verständnis der anthroposophischen Arzneitherapie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Artikel in der Deutschen Apothekerzeitung DAZ Nr. 39, 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Seiner und Ita Wegmann, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27, Dornach 1935.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ANTHROPOSOPHISCHE HEILMITTEL-ERKENNTNIS AM BEISPIEL VON ANTIMON ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welcher Blickwinkel ist grundlegend im Hinblick auf die anthroposophische Heilmittel-Erkenntnis?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern weist Antimon Ähnlichkeiten mit dem Ätherischen auf?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wird es, auch in Kombination mit Schwefel, therapeutisch eingesetzt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wirksamkeit von Substanzen im Kontext irdisch-menschlicher Kraftsysteme&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel XVI von &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039; geht es um anthroposophische Heilmittel-Erkenntnis. Die Grundlage davon ist der Blick auf das Verhalten bzw. die Wirksamkeit einer Substanz im Bereich der in Kapitel I geschilderten Kraftsysteme. Dabei geht es insbesondere um die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* von der Erde ausstrahlenden&lt;br /&gt;
* und in sie einstrahlenden Kräfte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„[...] es kommt darauf an, die Wirkungen zu beobachten, die sich aus dem Zusammenhange der inneren Kräftekonstitution einer Substanz im Verhältnis zu den Kräften ergeben, die von der Erde ausstrahlen oder in sie einstrahlen.“[2]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Antimon, Schwefel und die Austernschalenbildung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Diese Wirkungen werden am Beispiel des Antimons in seiner Beziehung zum Schwefel in Form des in der Natur vorkommenden Grauspießglanzes aufgezeigt (Sb2 S3, auch als Antimonit bzw. Stibnit bekannt), sowie an der Austernschalenbildung, die zum Verständnis der Typhusbehandlung beiträgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Antimon ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Antimon&#039;&#039; kam bereits in der ägyptischen Medizin zur Anwendung, nimmt bei Paracelsus eine zentrale Stellung ein und hat bis in die Gegenwart immer neue Einsatzmöglichkeiten erfahren. Chemisch ist es dem Arsen verwandt und eine Menge von 100 mg bis etwa 1200 mg kann bereits tödlich sein. Eine gute Übersicht über seine Verwendung – einschließlich in der Anthroposophischen Medizin – findet sich bei &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;Marxer[3]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039; Die Bezeichnungen Antimon und Stibium für das chemische Symbol Sb stammen von den lateinischen Wörtern &#039;&#039;antimonium&#039;&#039; und &#039;&#039;stibium&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt; ab, die schon im Altertum für den Grauspießglanz verwendet wurden.[4]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Schwefel ====&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ Schwefel ist eines der seltenen Minerale, die in kristallisierten polymorphen Formen in der Natur rein vorkommen und in der Struktur der orthorhombischen Raumgruppe Fddd die typisch gelbe α-Kristallform zeigen. Schwefel steht mit einem Anteil von geschätzt 0,048 Gew.-% an 15. Stelle unter den häufigsten Elementen der uns bekannten Erdkruste. Er wurde in Kometenschweifen nachgewiesen, ist auf der Erde zum einen vulkanischen Ursprungs und stammt zum anderen aus der Biosphäre von Bakterien, die aus schwefelhaltigen Mineralien Schwefel aufnehmen und Sedimente bilden sowie von Pflanze, Tier und Mensch, da er im Eiweißaufbau durch die beiden schwefelhaltigen Aminosäuren &#039;&#039;Cystin&#039;&#039; und &#039;&#039;Methionin&#039;&#039; festgebunden ist. Durch seinen niedrigen Schmelzpunkt und seine Fähigkeit zu sublimieren, verbindet er sich leicht über Luft und Wasser mit anderen Substanzen und realisiert so den alle Reiche der Natur verbindenden Schwefelkreislauf.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;Symptomatisch dafür ist auch eine ungewöhnliche mechanische Eigenschaft der Grausspießglanz-Kristalle: Sie zeigen eine auch an größeren Kristallen bei geringem Kraftaufwand fühlbare Biegsamkeit. Diese beruht auf einer geregelten innerkristallinen Gleitung, wie sie auch beim Eis und beim Steinsalz vorliegt – Substanzen, die für alle Lebewesen essenziell sind.[5]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Austernschale ====&lt;br /&gt;
Die Austernschale ist als komplexes Kalkmineral schützendes Außenskelett der Auster und damit ein Mineral, ausgeschieden aus dem Lebensprozess eines Tieres bzw. einer Muschel. In ihrer therapeutischen Verwendung ist sie insbesondere in der Homöopathie bekannt mit dem Arzneimittelbild &#039;&#039;Calcium carbonicum&#039;&#039;. Sie wird zu den Vielkönnern oder Polychresten gezählt (von gr: πολύς - viel und χρηστός  - brauchbar).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Hinweise auf die Verwandtschaft von Antimon mit dem Ätherischen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Zusammenwirken von Zentral- und Universalkräften ====&lt;br /&gt;
Dadurch, dass das Antimon sich leicht und stabil mit dem Schwefel zu den orthorhombisch geformten Grauspießglanz/Antimonit-Kristallen verbindet, kann es die Neigung des Schwefels, in der Welt des Lebendigen aktiv zu werden und dadurch auch im Sinne der auf die Erde einstrahlenden ätherischen Kräfte zu wirken, unterstützen. Unter diesem Aspekt ist die Art und Weise, wie das Antimon in seiner Verbindung mit dem Schwefel kristallisiert, charakteristisch. Es kristallisiert in prismatisch-nadeligen grauschwarzen Kristallen, von feinst ziseliert bis zentimeterstark, immer von einem Zentrum weg – wenn der Kristallisationsprozess nicht durch äußere Umstände gestört wird. Dabei erstrecken sich die Antimonit-Nadeln radial in die Peripherie, wobei die Länge der Kristalle durchaus auch 1 m überschreiten kann. Wo er nur kann, strebt Antimonit die büschelförmige Gestaltung an. Er gliedert sich damit in Linien, die von der Erde weg- und den Kräften entgegenstreben, die im Äther wirken. Durch diese Kristallisationsweise bringt das Antimon das Zusammenwirken der Zentral- und der Universalkräfte wie archetypisch zum Ausdruck.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Man bringt mit dem Antimon somit etwas in den menschlichen Organismus, das der Wirkung des Ätherleibes auf halbem Wege entgegenkommt.[6] Antimon kann dadurch im Körper die eiweißbildenden Kräfte zusammenhalten und so die Tätigkeit der Ich-Organisation im Eiweißaufbau unterstützen.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Feinfaserigkeit durch Seigern ====&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Auch dasjenige, was im Seigerprozess mit dem Antimon vor sich geht, weist auf die Äther-Verwandtschaft dieses Stoffes hin. ‚Seigern‘ kommt von dem gegenwärtig nicht mehr oft gebrauchten Wort etwas z.B. durch ein Sieb ‚durchseien‘. Unter ‚Seigerungen‘ versteht man daher Trennprozesse in gemischtem Schmelzgut. Es wird durch diesen Prozess feinfaserig.[7]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Niedriger Schmelzpunkt ====&lt;br /&gt;
Da das Antimon bereits bei 547° schmilzt, fließt es auf schräger Unterlage leicht aus dem Antimon haltigen Schmelzgut heraus, wo es dann bei Abkühlung zu 92–98 % reinem &#039;&#039;antimonium crudum&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt; kristallisiert.[8] Der niedrige Schmelzpunkt von 547° zeigt zudem die Nähe dieser mineralischen Substanz zum flüssigen Aggregatzustand, in dem die ätherischen Kräfte ihre Wirkung entfalten können.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor diesem Hintergrund heißt es in dem oben erwähnten Werk:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Alles dieses zeigt, dass im Antimon die Tendenz enthalten ist, in das Ätherelement in dem Augenblick leicht überzugehen, in dem dazu die Bedingungen auch nur in geringem Grade vorhanden sind. Dem geistigen Schauen gelten alle diese Einzelheiten nur als Andeutungen; denn dieses nimmt die Beziehung zwischen Ich-Tätigkeit und Antimon-Wirksamkeit unmittelbar so wahr, dass die Antimonprozesse, in den menschlichen Organismus gebracht, so wirken, wie die Ich-Organisation.“[9]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zwei Indikationen als Beispiele für den Einsatz von Antimon&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aus dem breiten Spektrum der therapeutischen Einsatzmöglichkeiten werden nun zwei Indikationsgebiete an die Schilderung des Arzneimittelbildes angeschlossen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;&#039;Blutgerinnungsstörungen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
# und &#039;&#039;&#039;Typhus abdominalis/Parathyphus&#039;&#039;&#039;, eine gefährliche bakterielle Infektionskrankheit des Magen-Darmtraktes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während eine Therapie mit &#039;&#039;Antimon&#039;&#039; oder &#039;&#039;Stibium metallicum praep.&#039;&#039; bei Blutungsneigung aus der Darstellung des Arzneimittelbildes unmittelbar hervorgeht, ist dies für den Thyphus nicht so ohne weiteres ersichtlich – zumal dieser ja heute erfolgreich antibiotisch behandelt werden kann (Sterblichkeitsrate unter 1 &amp;lt;nowiki&amp;gt;%) und die Impfung bei Einreise in betroffene Gebiete empfohlen wird.[10]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;Arzneimittelbild der Austernschale und Typhus&#039;&#039;] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was macht also eine Begleitbehandlung oder Alternativbehandlung zur Vermeidung des Einsatzes von Antibiotika sinnvoll?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um dies zu verstehen, braucht es – wie oben bereits angedeutet – zum Vergleich das Arzneimittelbild der Austernschale. Hier liegt ein Naturprozess vor, der etwas vollzieht, was für die Muschel richtig ist, für den Menschen aber zur Ursache typhöser Durchfall-Erkrankungen werden kann. Die Auster sondert in ihre Schale das kalkartig Mineralische ab:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Bei der Auster wird das Kalkartige abgesondert, um es der Eiweißwirkung nicht einzugliedern. Im menschlichen Organismus muss diese Eingliederung stattfinden. Die bloße Eiweißwirkung muss in eine solche umgewandelt werden, in der mitwirkt, was im Kalkartigen durch die Ich-Organisation an gestaltenden Kräften hervorgerufen werden kann. Das muss sich innerhalb der Blutbildung abspielen. Das Antimon wirkt der kalkausscheidenden Kraft entgegen und führt das Eiweiß, das seine Form bewahren will, durch seine Verwandtschaft mit dem Äther-Elemente in die Formlosigkeit hinüber, die für die Einflüsse des Kalkartigen oder Ähnlichem empfänglich ist.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;Beim Typhus ist es klar, dass der krankhafte Zustand in einer mangelnden Überführung der Eiweißsubstanz in gestaltungsfähige Blutsubstanz besteht. Die Form der Diarrhöen, die auftritt, zeigt, dass schon im Darm die Unfähigkeit zu dieser Umwandlung beginnt.“[11]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Heilung der konstitutionellen Dysfunktionalität&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[12]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039; heißt es&#039;&#039;,&#039;&#039; dass die Abwehrstoffe und Killerzellen eines guten Immunsystems im Blut zirkulieren, welches wiederum &#039;&#039;das&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt; Organ der Ich-Organisation ist.[13] Kann nun mithilfe einer Konstitutionsbehandlung, z.B. mit einem Antimonpräparat, und je nach Situation auch noch kombiniert mit anderen Heilmitteln, die Ich-Organisation und damit ihr Einfluss auf die Gestaltungskräfte im Blut gestärkt werden, so werden die Bakterien nicht nur beseitigt, wie es über eine antibiotische Therapie geschieht, sondern zugleich das Milieu saniert und damit künftigen Infektionen vorgebeugt. Das entspräche einer integrativen Therapie, die sich nicht nur auf die Beseitigung der Symptome konzentriert, sondern auf die Heilung der konstitutionellen Dysfunktionalität.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dem erwähnten Werk schreiben die Autoren: &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Wendet man bei typhösen Erscheinungen Antimonpräparate in entsprechender Zusammensetzung an, so erweisen sich diese als Heilmittel. Sie entkleiden die Eiweißsubstanz ihrer Eigenkräfte und machen sie geneigt, den Gestaltungskräften der Ich-Organisation sich einzufügen.“[14]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbstverständlich hat der primäre Fokus auf die Symptombeseitigung überall da seine Berechtigung, wo sie Leben rettet, weil die Abwehrkräfte des Körpers zu schwach sind für die notwendige Selbstregulation. Wo diese Möglichkeit jedoch gegeben ist, kann differenzierter vorgegangen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Wer Exaktheit nur in dem sieht, was die Chemie – auch die pharmazeutische – feststellt, der vernichtet die Möglichkeit, Anschauungen darüber zu gewinnen, was im Organismus bei Heilungsvorgängen geschieht.“[15]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[16]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----&amp;lt;nowiki&amp;gt;[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[2] Ebenda, S. 77.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[3] Vgl. Marxer (2000), siehe www.pharmazeutische-zeitung.de/titel-10- 2000; [6.1.2025].&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[4] Vgl. Holleman und Wiberg (2017), 940.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[5] Vgl. Wimmenauer (1992), 223.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[6] Siehe FN 1, S. 78.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[7] Ebenda.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[8] Vgl. Holleman und Wiberg (2017), 942.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[9] Siehe FN 1, S. 78f.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[10] Typhus ist weltweit verbreitet – besonders in warmen Ländern. Er wird durch kontaminierte Lebensmittel bzw. Trinkwasser übertragen und ist eine schwere Allgemeinerkrankung, die durch das Bakterium Salmonella typhi ausgelöst wird. Als Paratyphus bezeichnet man ein abgeschwächtes Krankheitsbild, dessen Erreger Salmonella Paratyphi A, B oder C ist. Übertragen wird die Infektion durch Trinkwasser oder Lebensmittel, die mit Fäkalien von infizierten Personen verunreinigt wurden. Leitsymptome sind hohes Fieber, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, langsamer Puls, trockener Husten, Bauchschmerzen, Milzvergrößerung und manchmal ein blasser, kleinfleckiger Ausschlag am Körper. Ein milder Verlauf ist möglich, doch manchmal kommt es zu schweren Komplikationen wie massiven Darmblutungen oder Abszessen in verschiedenen Organen. Durch den Einsatz von Antibiotika kann die Sterblichkeit auf unter 1% gesenkt werden. In Deutschland ist die Krankheit meldepflichtig – dem Bundesamt für Gesundheit werden pro Jahr zwischen 20 und 50 Fälle gemeldet. Wichtigste Mittel zur Vorbeugung sind Körperhygiene und Verzicht auf frische Salate und ungeschältes Obst – nach dem Ernährungsmotto: Cook it, peel it or forget it. Siehe www.bag.admin.ch/bag/de/home/krankheiten/krankheiten-im-ueberblick/typhus-abdominalis-paratyphus.html; [6.1.2025].&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[11] Siehe FN 1, S. 80.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[12] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“, GA 27.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[13] Siehe FN 3, Kapitel VI.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[14] Siehe FN 3, S. 80.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[15] Ebenda, S. 81.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[16] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ARZNEIMITTEL-SUBSTANZGRUPPEN UND WESENSGLIEDER ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Auf welchen Ebenen und worüber ist der Mensch mit der Natur innig verbunden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Naturanteile machen seine Konstitution aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wesensglieder und ihre Einbettung in die Natur&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Physischer Leib und Natur ====&lt;br /&gt;
Schon ein oberflächlicher Blick auf die Verbundenheit von Natur und Mensch zeigt, wie der Mensch die kristallinen Strukturen seines Körpers mit den Mineralien der ihn umgebenden Natur gemeinsam hat. Dieser sichtbare, mineralisch erscheinende Leib wird in der anthroposophischen Menschenkunde „Physischer Leib“ genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ätherleib und Natur] ====&lt;br /&gt;
Werden und Vergehen, Leben und Sterben hat der Mensch mit der Pflanzenwelt gemeinsam. Diese Gesetzmäßigkeiten in ihrem Zusammenhang nennt Steiner „Ätherleib“, weil ohne das blaue Himmelslicht (griechisch o aither) kein Leben auf der Erde möglich wäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Astralleib und Natur] ====&lt;br /&gt;
Atmung, Bewegung, Bewusstsein, Schmerz und Triebleben hat der Mensch mit den Tieren gemeinsam. Diese das Seelenleben konstituierenden Gesetze heißen in ihrer Gesamtheit „Astralleib“ von aster, lateinisch Stern. Die menschliche Seele fühlt sich der Sternenwelt mit ihren Rhythmen und Konstellationen verwandt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Rein menschliche Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Die Fähigkeit jedoch, lebenslang lernen und immer wieder neu und anders kulturschöpferisch tätig sein zu können, ist spezifisch menschlich. Daher gibt Steiner diesem die „Ich-Natur“ des Menschen möglich machenden Gesetzes-Zusammenhang den Namen „Ich-Organisation“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Da der Mensch durch diese vier verschiedenen Gesetzes-Zusammenhänge sein Wesen sowohl integriert als auch differenziert äußern kann, gab Steiner ihnen den Namen „Wesensglieder“.[1]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Arzneimittelwirkung auf die Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Substanzgruppen aus dem Mineral-, Pflanzen-, Tier- und Menschenreich haben einen therapeutischen Bezug zu diesen Wesensgliedern:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Menschliche Substanz wie Muttermilch und in Form einer Blutspende stützt und erhält den physischen Leib.&lt;br /&gt;
* Präparate aus dem Tierreich regen den Ätherleib zu verstärkter Tätigkeit an,&lt;br /&gt;
* pflanzliche Arzneimittel wirken regulierend auf den Astralleib&lt;br /&gt;
* und Metalle und Mineralien auf die Ich-Organisation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Potenzierungsstufen und Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Auch die Potenzierungsstufen der nach homöopathischem Verfahren hergestellten Arzneimittel haben ihren Bezug zu den Wesensgliedern:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D1 – D4:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;physischen Organismus&#039;&#039; und seines Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D5 – D8:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;ätherischen Organismus&#039;&#039; und seines Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D10 – D15:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;astralischen Organismus&#039;&#039; und seines Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D20 – D60:&#039;&#039;&#039; Anregung der &#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039; und ihres Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Bezug auf die Dreigliederung des menschlichen Organismus gilt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D1 – D6:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;Stoffwechsel-Systems&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D6 – D18:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;rhythmischen Systems&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D18 – D30:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;Nerven-Sinnessystems&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Der Arzneimittelschatz der Anthroposophischen Medizin umfasst dementsprechend Ausgangssubstanzen mineralischer, pflanzlicher und tierischer Herkunft, die nach besonderen Verfahren vor allem von den Arzneimittelfirmen Weleda und Wala hergestellt werden.[2] In Deutschland wurden sie aufgrund des Arzneimittelgesetzes von 1976 in der vom Bundesgesundheitsamt – später Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) – eingerichteten Kommission C für die Zulassung aufbereitet. Ein Teil dieser regulativ wirksamen Arzneimittel ist sehr gut für die Selbstmedikation geeignet.[3]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Artikel in der Deutschen Apothekerzeitung DAZ Nr. 39, 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----&amp;lt;nowiki&amp;gt;[1] Rudolf Steiner, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Theosophie, Einführung in übersinnliche Welterkenntnis und Menschenbestimmung,&#039;&#039; 2003 und ders. &#039;&#039;Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft&#039;&#039;. In: &#039;&#039;Lucifer-Gnosis&#039;&#039;. GA 34. Dornach 1987, 309-344.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[2] International Association of Anthroposophic Pharmacists IAAP. ­Anthroposophic Pharmaceutical Codex. Stuttgart, 2014.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[3] M. Glöckler, B. Emde, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Anthroposophische Medizin&#039;&#039;, in: &#039;&#039;Komplementärmedizin für die Kitteltasche. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation&#039;&#039;, Stuttgart 2009 und ders.: &#039;&#039;Anthroposophische Medizin&#039;&#039;, in: &#039;&#039;Komplementärmedizin für Kinder. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation&#039;&#039;, Stuttgart 2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ARZNEIMITTEL AUS DER NATUR UND WESENSGLIEDER ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen inneren Zusammenhang sieht die anthroposophische Pharmazeutik zwischen Arzneimitteln aus der Natur und den menschlichen Wesensgliedern?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Qualitäten zeichnen die Muttermilch aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern sind Schwangerschaft und Stillzeit Naturvorbilder auch für zukünftige Entwicklungsstadien?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Korrelation von Arzneimitteln und Wesensgliedern&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;In der Anthroposophischen Pharmazeutik sieht man eine grundlegende Korrelation von Arzneimitteln aus der Natur und den menschlichen Wesensgliedern:[1]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So haben &#039;&#039;&#039;Mineralien&#039;&#039;&#039; eine unmittelbare Beziehung zur &#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;: Sie unterstützen die Ich-Organisation bei der Beherrschung der physischen Verhältnisse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Heilmittel aus dem Pflanzenreich&#039;&#039;&#039; auf die &#039;&#039;astralische Organisation&#039;&#039;: Die astralische Organisation wirkt lähmend auf die ätherische – pflanzliche Arzneimittel können regulierend auf diese lähmende Wirkung Einfluss nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Organpräparate&#039;&#039;&#039; und tierische Arzneimittel auf die &#039;&#039;ätherische Organisation:&#039;&#039; Diese hat die Aufgabe, physisch-tierische Substanzen in den Lebenszusammenhang aufzunehmen, was durch astralische Impulse angeregt werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Menschliche Substanz&#039;&#039;&#039; (wie Blutkonserven und Muttermilch) wirkt unmittelbar auf den &#039;&#039;physischen Leib,&#039;&#039; sodass sich die anderen Wesensglieder wieder besser einschalten und betätigen können. Anders ausgedrückt: Menschliche Substanz steht der Ich-Organisation unmittelbar für ihre Aufgabe zur Verfügung, das Ganze des Organismus bis in das Physische hinein zu beherrschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Was Muttermilch vermag&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Studiert man die Besonderheiten rund um die Bildung von Muttermilch, so verrät dies viel über die innige Bindung zwischen Mutter und Kind durch alle vier Wesensglieder hindurch:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die Muttermilch ist nach dem aktuellen Bedürfnis des Säuglings zusammengesetzt und variiert so auch von Tag zu Tag;&lt;br /&gt;
* Stillen fördert die Rückbildung der Gebärmutter;&lt;br /&gt;
* gestillte Kinder haben weniger Infekte und überstehen sie leichter, weil die Muttermilch wichtige Abwehrstoffe der Mutter enthält;&lt;br /&gt;
* ausschließliches Stillen in den ersten sechs Monaten kann das Kind vor Allergien und Asthma schützen;&lt;br /&gt;
* Wachstum und Beweglichkeit von Magen und Darm werden unmittelbar angeregt;&lt;br /&gt;
* die Zusammensetzung der Muttermilch mit Bezug auf Kohlenhydrate, Fette, Eiweißgehalt und Mineralstoffe ist zugleich ein ‚Naturvorbild‘ für eine gesunde Ernährung;&lt;br /&gt;
* die Immuntoleranz, d.h. die Selbstregulation des Immunsystems entwickelt sich bei gestillten Säuglingen nachhaltig besser.&lt;br /&gt;
* &amp;lt;nowiki&amp;gt;Durch Stillen wird das Risiko des plötzlichen Kindstodes um ca. die Hälfte gesenkt und vieles mehr.[2]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Formelmilch gefütterte Säuglinge haben eine deutlich höhere Insulinkonzentration im Plasma, was mit der Entwicklung von Adipositas und einer möglichen Zunahme von Diabetes mellitus Typ 2 im Zusammenhang steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Abnabelungsstadien und physisch-seelisch-geistige Muttermilch&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Nach der &#039;&#039;&#039;physischen Abnabelung&#039;&#039;&#039; vom physischen Leib der Mutter als der ernährenden Umgebung während der Schwangerschaft, folgt die Stillperiode.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann folgt die langsame &#039;&#039;&#039;ätherische Abnabelung&#039;&#039;&#039; und das Sich-Emanzipieren auf ätherischer Ebene, das mit dem Ende der Nachahmungsperiode ausklingt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;&#039;seelisch-astralische Abnabelung&#039;&#039;&#039; findet im 2. Jahrsiebt statt und kulminiert mit der Pubertät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Arbeit des Ich jedoch an der Überwindung von allen möglichen Abhängigkeiten, die seine Autonomiebefähigung einschränken, stellt eine Art &#039;&#039;&#039;geistige Abnabelung&#039;&#039;&#039; dar. Diese zu bewerkstelligen bleibt eine lebenslange Herausforderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Rudolf Steiner spricht im pädagogischen Zusammenhang wiederholt über die Bedeutung der physischen Muttermilch für den gesunden Aufbau des physischen Leibes und die damit verbundene Stärkung der Ich-Organisation des Kindes. Für die Unterstützung der oben genannten weiteren Abnabelungsprozesse im Verlaufe der Schulzeit und Jugend, braucht es die ‚seelische‘ und zuletzt ‚geistige‘ Muttermilch, die dem Menschen in Form einer nährenden Entwicklungsumgebung und verständigen Entwicklungshelfern zukommen müssen.[3]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fallen solch hilfreiche Faktoren und Entwicklungsbegleiter weg oder können nur eingeschränkt wirken, ist dies oft mit körperlichen und oder seelischen gesundheitlichen Belastungen im weiteren Leben verbunden. Diesen so weit als möglich vorzubeugen, ist der Präventionsanspruch Anthroposophischer Medizin und Pädagogik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[4]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----&amp;lt;nowiki&amp;gt;[1] Warum das so ist, geht aus den Kapiteln I bis V aus &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27,&#039;&#039; hervor, in denen die Autoren, Rudolf Steiner und Ita Wegman, die Arbeit der Wesensglieder an den Substanzströmen schildern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[2] Vgl. Soldner und Stellmann (2018), 220–238; Glöckler u. a. (2024b), 372–392.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[3] Rudolf Steiner, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik,&#039;&#039; GA 293, Vortrag 2. September 1919.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[4] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ALLGEMEINES ZU DEN TYPISCHEN HEILMITTELN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was verstehen Rudolf Steiner und Ita Wegman unter typischen Heilmitteln?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie verhalten sie sich im Vergleich zu den üblichen Symptome bekämpfenden Medikamenten?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist das Neue daran?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Bestimmte Kompositionen von Arzneimitteln&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel XX von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; heißt es: &#039;&#039;„[…] und wenn Typisches im Krankheitszustande in Betracht kommt, so stellt unser Heilmittel dasjenige dar, was im Sinne der Schilderung unseres Buches zur Therapie führen muss. Von diesem Gesichtspunkte aus sollen einige unserer Heilmittel beschrieben werden.“[2]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese &#039;&#039;„Typischen Heilmittel“[3]&#039;&#039; haben mit der Heileurythmie gemeinsam, dass hier bestimmte Kompositionen von Arzneimitteln einem bestimmten typischen Krankheitsbild angepasst sind – so wie man in der Heileurythmie eine bestimmte Lautfolge dem Krankheitsprozess anpasst. &#039;&#039;Otto Wolff&#039;&#039; hat dies wiederholt in seinen schriftlichen und mündlich vorgetragenen Ausführungen zu diesen Kompositions-Präparaten so auf den Punkt gebracht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„&#039;&#039;Diese mögen äußerlich wie Mischungen aussehen, ihnen liegt aber eine Konzeption zugrunde, die nicht von speziellen Krankheiten, sondern von Grundprozessen des Menschen oder einzelner Organe ausgeht. Sie sind deshalb nicht gegen eine Krankheit gerichtet, sondern sprechen ein Organ urbildhaft in seinen Funktionen an. Man kann diesen Arzneimittel-Typus als Urheilmittel ansprechen. So bilden Heilmittel wie Cardiodoron, Kephalodoron (Biodoron), Hepatodoron, Digestodoron u.a. in sich jeweils ein Ganzes. Dabei wird gerade eine gewisse Gegensätzlichkeit von Pflanzen (z.B. im Cardiodoron, Hepatodoron) bzw. der Mineralien Schwefel und Kiesel (im Kephalodoron) durch einen pharmazeutischen Prozess oder eine Substanz (Eisen beim Kephalodoron) ins Gleichgewicht gebracht und zu einer höheren Einheit verbunden. Dadurch erst kann Kephalodoron ein Abbild des dreigliedrigen Menschen sein und eine harmonisierende Wirkung auf den Funktionszusammenhang seiner Funktionssysteme (Nerven-Sinnes-System, rhythmisches und Stoffwechselsystem) ausüben. Entsprechendes könnte auch für andere ‚Heilmittel für typische Krankheiten‘ ausgeführt werden, bei denen es sich zumeist darum handelt, durch harmonisierende Anregungen Gleichgewichtszustände aus ungleichmäßigem Zusammenwirken von Kräften der übersinnlichen Wesensglieder wiederherzustellen. Das Heilende ist im Grunde genommen der menschliche Organismus, d.h. der Ätherleib selber, wenn es gelingt, die entsprechenden Anregungen wirksam werden zu lassen.“[4]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ein neuer Behandlungsansatz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das ist insofern ein neuer Behandlungsansatz, als es dem symptomorientierten Therapieansatz, der sich unmittelbar gegen das betreffende Symptom richtet in Form von Antipyretika, Antihistaminika, Antibiotika, Antidepressiva etc. etwas an die Seite stellt, das unmittelbar die ordnende Kraft der Ich-Organisation und die gesundende Aufbauleistung der ätherischen Organisation anspricht. Dabei steht nicht die Symptombeseitigung im Vordergrund, sondern die Regulierung von den Prozessen, die die Symptome hervorgebracht haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer also erwartet, dass z.B. eine Tablette Kephalodoron unmittelbar den Kopfschmerz beseitigt, wie man das von einer Gabe Ibuprofen erwarten kann, sieht sich getäuscht. Nimmt er aber das Migränemittel im gesunden Intervall über längere Zeit, werden die Anfälle milder und merklich seltener werden und können bei günstigem Verlauf auch sistieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[5]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ebenda, S. 115.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Vgl. Wolff (1984), 65–73 und (2013); Basold u. a. (1995).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] F. Husemann und Wolff (1993–2003), S. 244.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== WIRKSAMKEIT EINES HEILMITTELS VERMITTELN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie vermittelt der Arzt seinem Patienten, welches Heilmittel er braucht?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist dabei zu beachten, worauf kommt es an?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wirksamkeit der Gedanken und Gefühle miteinbeziehen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ideal wäre es, mit dem Patienten über ein Heilmittel in einer Art zu sprechen, dass etwas von der Wirksamkeit desselben auf den Patienten überspringt und dieser sich freut, dass er dieses Mittel bekommt, ja, dass er dankbar dafür ist. Der Patient sollte es mit dem Gefühl nehmen, er habe etwas besonders Gutes bekommen. Denn Freude und Dankbarkeit wirken therapeutisch – sie sind nicht „Placebo“, sondern real und wirksam. Wir müssen begreifen, dass das, &#039;&#039;was&#039;&#039; und &#039;&#039;wie&#039;&#039; wir über eine Sache denken, viel mehr als nichts ist: Was jemand weiß, ist etwas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ätherleib als Träger der zeitlichen und „ewigen“ Lebenskräfte entfaltet diese Doppelwirksamkeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ihm verdankt unser Körper einerseits &#039;&#039;&#039;Leben, Regeneration, Wachstum&#039;&#039;&#039; und die individuelle Lebenszeit&lt;br /&gt;
* Andererseits verdankt der Mensch ihm sein &#039;&#039;&#039;Gedankenleben&#039;&#039;&#039;, je älter er wird, umso mehr, das sich aus all den ätherischen Kräften speist, die der Körper nicht mehr „verkörpert“ halten kann (und muss) und die er damit in die „außerkörperliche Wirksamkeit“ entlässt. Die Gedanken können über den Tod des Menschen hinaus weiterleben und ihn tragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Medikamente wirken auf beide Aspekte des Lebens – sprich: Auch was ich über etwas denke, bewirkt etwas. Wenn ich die Arnikawirkung denke, wirkt sie bereits, denn Gedanken wirken immer, sind ein reales Wirkprinzip. &#039;&#039;„Hab Sonne im Herzen, ob&#039;s stürmt oder schneit“&#039;&#039;. Wenn ich die Sonne meditiere, habe ich Licht und Wärme im Herzen, selbst wenn ich Bauchweh habe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Denken vermindert Heilkraft, positive Gefühle verstärken sie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Indem ich denke, nehme ich der ätherischen Wirksamkeit im Körper aber auch etwas weg, weil es dieselben Kräfte sind, die dem Körper zur Gesundheit verhelfen. D.h, der Körper ist am gesündesten, wenn man nicht denkt, also im Schlaf, weil da die gesamten ätherischen Kräfte (auch diejenigen, die tagsüber außerkörperlich dem Denken dienen) in den physischen Leib einziehen und an seiner Regeneration arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am besten ist es, wenn der Patient über ein Heilmittel gerade so viel weiß, dass er sich freut und ihm ein bisschen warm wird bei dem Gedanken, dass er es jetzt einnehmen darf. Denn diese positiven Gefühle teilen sich auch dem Körper mit und beeinflussen den Stoffwechsel positiv. Positive Gefühle führen dem Ätherleib vom Seelischen her positive Kräfte zu, wie dies gesunde Ernährung vom Physischen her tut. Zuviel Nachdenken über die Wirkung mindert diese jedoch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch weniger zuträglich ist es, wenn ein Patient nicht so recht weiß, wie ein Mittel wirkt, oder Angst bekommt, wenn er den Beipackzettel liest. Dann fühlt er sich verunsichert – weswegen 40 Prozent der Medikamente in den Müll und nicht in den Magen der Patienten wandern. Wieder zuhause entscheiden sie, dass es ihnen eigentlich gar nicht so schlecht geht und nehmen das verordnete Medikament lieber nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur Anthroposophischen Medizin, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Offenborn</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Anthroposophische_Medizin&amp;diff=1274</id>
		<title>Anthroposophische Medizin</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Anthroposophische_Medizin&amp;diff=1274"/>
		<updated>2026-01-29T11:51:12Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Offenborn: Text verschoben&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= Anthroposophische Medizin – von Michaela Glöckler =&lt;br /&gt;
Auszüge aus Büchern und Vorträgen von [[Michaela Glöckler]]; Erstveröffentlichung auf https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== HUMANMEDIZIN DER ZUKUNFT ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was war Rudolf Steiners Vision einer Humanmedizin der Zukunft?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Herausforderungen müssen zu ihrer Verwirklichung gemeistert werden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Berücksichtigung der Individualität und Würde&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiners letztes Werk, &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“,[1]&#039;&#039; das er gemeinsam mit Ita Wegman verfasste, gibt einen klaren Ausblick auf eine Humanmedizin der Zukunft, in der sich die Erkenntnisse der naturwissenschaftlich-empirischen Forschung mit denen der anthroposophischen Geistesforschung zur Heilkunst verbinden können. Wäre der Mensch eine Maschine, so ließen sich Körper, Seele und Geist reparieren und steuern, sobald der Mechanismus durchschaut ist. Auch wenn dieses Paradigma immer noch hoch im Kurs steht: Die tägliche Erfahrung zeigt, dass dem nicht so ist. Jedes Individuum, jede menschliche Biografie ist einmalig und bedarf der individuellen (Selbst-)Erkenntnis, Pflege und Gestaltung. Nicht umsonst gibt es den schönen Begriff der Lebenskunst dafür, wenn diese individuellen Gestaltungsprozesse graduell gelingen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wird das Menschenbild auf die rein naturwissenschaftliche Ebene reduziert und Seele und Geist – hypothetisch – zu Ergebnissen von molekulargenetisch und biochemisch steuerbaren Prozessen gemacht, verliert der Begriff menschlicher Würde seinen Inhalt. Denn Wert und Inhalt erhält dieser Begriff durch die Möglichkeit der Entwicklung von Freiheit, Selbstverantwortung und einer Kultur des Gewissens, wie sie der Frühromantiker &#039;&#039;Novalis&#039;&#039; im zweiten Teil seines &#039;&#039;„Heinrich von Ofterdingen&#039;&#039;“ so prägnant beschrieben hat und wie sie auch der Anthroposophie zugrunde liegt.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine solche Kultur lässt sich nicht von außen steuern, wohl aber kann sie sich entwickeln, wenn dies von vielen einzelnen Menschen individuell eingesehen und gewollt wird – wenngleich sie heute noch vielfach als „Torheit“ angesehen wird. Rudolf Steiner sagte dazu: &#039;&#039;„Aber was oft die Vernunft der kommenden Zeiten ist, das ist für die vorhergehenden Torheit.“[3]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verbindung von Materialismus und Spiritualität&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
So ging es Steiner auch dezidiert nicht um ein Entweder-Oder bezüglich Materialismus und Spiritualität, sondern um ein wirklichkeitsgemäßes Sowohl-als-auch:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Der Materialismus ist die Weltanschauung, die den Menschen betrachtet, insofern er hervorgegangen ist aus den Substanzen und Kräften dieser Erde. Und wenn auch mancher betont, der Mensch bestehe nicht bloß aus den Substanzen und Kräften dieser Erde, so haben wir doch keine Wissenschaft, die sich mit dem am Menschen beschäftigt, was nicht aus den Substanzen und Kräften dieser Erde kommt. Deshalb ist heute die Behauptung von vielen, die es von ihrem Standpunkt aus gut meinen, daß irgendwie das Ewige in dem Menschen dennoch verstanden werden könne, eine nicht ganz ehrliche. […] Und viele, die heute den Materialismus widerlegen wollen, wissen eigentlich nicht, was sie tun; denn sie ahnen nicht, welche ungeheure Bedeutung die Detailkenntnisse haben, die der Materialismus gebracht hat. Und sie ahnen nicht, was für eine Konsequenz für das Ganze der Menschenerkenntnis der Materialismus gebracht hat“.[4]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Es ist die Tragik des Materialismus, daß er nichts von der Materie weiß, wie sie in Wirklichkeit in den verschiedenen Gebieten des Daseins wirkt. [...] Er weiß gar nichts über die Wirkung der Materie, weil man darüber erst etwas erfährt, wenn man die in der Materie wirksame Geistigkeit, die die Kräfte darstellen, ins Auge fassen kann.[5]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von dieser &#039;&#039;„in der Materie wirksamen Geistigkeit“&#039;&#039; ist in &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst[6]&#039;&#039; die Rede – so wie sie aus Sicht der Anthroposophie im Weltall, der Natur und im Menschen anzutreffen ist. Diese ‚Kräfte‘ und ihre Gesetzmäßigkeiten ebenso zu studieren wie die Naturgesetze, ist und bleibt lebenslang Aufgabe und Herausforderung für jeden anthroposophischen Arzt. Das Ziel dieses Weges – der sich gesund entwickelnde Mensch – ist dabei ein inspirierendes Ideal für Forschung, Entwicklung und tägliche Arbeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Integrativ-medizinischer Ansatz der AM&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin (AM) ist inzwischen auf allen Kontinenten vertreten in Form von Arztpraxen, Therapiezentren mit vielfältigen Behandlungsangeboten, Pflegeeinrichtungen, Krankenhäuser, Akutversorgungs- und Rehabilitationszentren, private medizinische Kliniken und multidisziplinäre Ambulanzen.[7] Diese weltweite Präsenz bestätigt den integrativ-medizinischen Ansatz, der weit über eine bloße „tolerante Kooperation“ von verschiedenen komplementären Modalitäten hinausgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Angebot der Anthroposophischen Medizin umfasst: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* konventionelle Methoden &lt;br /&gt;
* spezifische anthroposophische Arzneimittel,&lt;br /&gt;
* Pflegetechniken und äußerliche Anwendungen,&lt;br /&gt;
* künstlerische Therapien,&lt;br /&gt;
* Beratung zu gesunder Lebensführung und Ernährung,&lt;br /&gt;
* Körperarbeit,&lt;br /&gt;
* therapeutische Eurythmie&lt;br /&gt;
* und Meditationspraktiken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin (AM) wird in Steiners letztem Werk als auf einer stringenten anthropologisch-philosophischen Methode basierend dargestellt, die die Wirkprinzipien aller spirituellen, psychosomatischen und naturwissenschaftlich fundierten Heilmethoden umfasst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[8]&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Zu Novalis siehe auch Kap. V sowie GA 59, 236–268 und Glöckler (2023c).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Siehe FN 1, S. 46.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Der übersinnliche Mensch, anthroposophisch erfasst&#039;&#039;, GA 231, 58f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Anthroposophie — Eine Zusammenfassung nach einundzwanzig Jahren. Zugleich eine Anleitung zu ihrer Vertretung vor der Welt&#039;&#039;, GA 234, 86.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Siehe FN 1, Kapitel 12.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] www.ivaa.info/anthroposophic-medicine/care-settings/.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ITA WEGMAN UND DIE ENTWICKLUNG DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kam es zur Begründung der Anthroposophischen Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie entwickelte sich die Zusammenarbeit von Ita Wegmann und Rudolf Steiner?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Schicksalhafte Zusammenarbeit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin verdanken wir der Zusammenarbeit von Rudolf Steiner und &#039;&#039;Ita Wegman&#039;&#039;. Wegman bekam von Rudolf Steiner den Anstoß, nach ihrer Ausbildung in Schwedischer Massage auch noch Medizin zu studieren. Dafür musste sie jedoch das Abitur nachholen, was für die bereits Siebenundzwanzigjährige eine große Herausforderung war. In der Zeit der Prüfungsvorbereitung schrieb sie Rudolf Steiner einen bewegenden Brief, ob er nicht etwas wüsste, das ihr helfen würde, sich besser zu konzentrieren. Leider ist uns die Antwort nicht bekannt. Jedenfalls ging alles gut, und sie begann auf Anraten &#039;&#039;Marie Steiners&#039;&#039; ihr Studium in Zürich. Deren Begründung für die Ortswahl war: &#039;&#039;„Unsere ganze Bewegung kommt ja doch einmal in die Schweiz.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu diesem Zeitpunkt war jedoch noch keine Rede davon – die Zentren der anthroposophischen Arbeit waren München und Berlin. So vollzog sich die Verbindung von anthroposophischer Geisteswissenschaft und materialistischer Schulmedizin, die bis heute für die Weiterbildung zum Anthroposophischen Arzt unerlässlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1907, bei der Spaltung der theosophischen Gesellschaft, stellte sich Ita Wegman klar auf die Seite Rudolf Steiners und der Anthroposophie. Das war nicht selbstverständlich. Denn seit ihrem 18. Lebensjahr hatte sie sich dem Gedankengut der Theosophie gewidmet als Mitglied der Theosophischen Gesellschaft. Doch nach dem schicksalhaften Zusammentreffen mit Rudolf Steiner in Berlin war sie seine persönliche Schülerin geworden.[1] Ita Wegman engagierte sich dann mit anderen dafür, dass Rudolf Steiner oft in die Schweiz kam, um Vorträge zu halten. Wenn sie zu viel reiste, um auch in anderen Städten und in Deutschland seine Vorträge hören zu können – sie war auch 1911 in Prag bei dem Vortragszyklus über die okkulte Physiologie – ermahnte Rudolf Steiner sie, dass sie auch studieren müsste, um ihr Medizinstudium abzuschließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fruchtbare Konsequenzen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wegman war quasi der Prototyp eines anthroposophischen Arztes: nicht primär der Homöopathie oder einer spirituell-komplementärmedizinischen Richtung verbunden, sondern akademisch ausgebildet an einer renommierten Universität. Ihre fachärztliche Weiterbildung zur Gynäkologin absolvierte sie am Spital Liestal ganz in der Nähe von Dornach&#039;&#039;&#039;.&#039;&#039;&#039; Anschließend ließ sie sich in Basel als Allgemeinärztin nieder. 1921 entschloss sie sich, ein klinisch-therapeutisches Institut in Arlesheim zu eröffnen. Zu ihrer großen Freude sagte Rudolf Steiner zu, dort mit ihr zusammenzuarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist Ita Wegman eng mit der Geschichte der anthroposophisch-medizinischen Bewegung verbunden: Die Zusammenarbeit mit Rudolf Steiner reichte von der Beratung beim Abitur und beim Studium über die parallelen Studien der Mainstream-Medizin und der Anthroposophie bis hin zur Begründung der ersten Klinik und der gemeinsamen Behandlung vieler Patienten, wovon hunderte dokumentierter Krankengeschichten zeugen. Zuletzt, in seiner Krankheitszeit vor seinem Tode, begleitete sie Rudolf Steiner zusammen mit Ludwig Noll als seine Ärztin. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Krönung dieser Zusammenarbeit war jedoch die im Herbst 1923 begonnene Arbeit an dem ‚Medizinischen Buch’, das nach dem Tode Rudolf Steiners unter dem Titel &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[2]&#039;&#039; herauskam und dessen 18. Kapitel der Heileurythmie gewidmet ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Parzifal-Frage als entscheidender Impuls&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ita Wegman war es auch, die Rudolf Steiner im Sommer 1923 die für die gesamte anthroposophische Bewegung entscheidende Frage nach der Erneuerung der Mysterien gestellt hatte. Als dieser nach dem Brand des ersten Goetheanum und dem Versagen der Anthroposophischen Gesellschaft mit der Frage lebte, ob er einen Orden gründen und sich aus der Anthroposophischen Gesellschaft zurückziehen sollte, sagte sie zu ihm: &#039;&#039;„Aber Herr Doktor, Sie können doch die Gesellschaft nicht alleine lassen!“&#039;&#039; Im Sommer 1923 dann, in England, wurde ihr das zentrale Anliegen ihres Lebens bewusst, welches sie Rudolf Steiner gegenüber etwa so formulierte: &#039;&#039;„Ich möchte gerne eine Medizin haben, wie es sie zu den Zeiten der alten Mysterien gab – nur in christlicher Form.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Bernard Lievegoed&#039;&#039; hat wiederholt erzählt, wie Rudolf Steiner zu &#039;&#039;Zeylmans van Emmichhofen&#039;&#039; gesagt hätte, dass diese Frage Ita Wegmans für ihn „die Parzival-Frage“ gewesen wäre, die ihn veranlasst hätte, die Weihnachtstagung von 1923/24 zur Neubegründung der Anthroposophischen Gesellschaft abzuhalten. Ohne diese Frage wären die Neubegründung der Gesellschaft und die öffentliche Begründung der Hochschule für Geisteswissenschaft durch Rudolf Steiner gar nicht möglich gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Vom Wesen der Heileurythmie als Herzorgan der Anthroposophischen Medizin“,  1. Weltkonferenz für Heileurythmie am Goetheanum, 30. Mai 2008&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Peter Selg hat in seinem Buch zum Münchner Kongress 1907 dieses Schicksalsmoment neu dokumentiert und zugänglich gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ENTWICKLUNG UND DERZEITIGER STAND DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie hat sich die anthroposophische Medizin seit ihrer Entstehung entwickelt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;In welchen philosophischen und ethischen Prinzipien hat sie ihre Wurzeln?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Historische Entwicklung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von dem österreichischen Philosophen &#039;&#039;Dr. Rudolf Steiner&#039;&#039; (1861-1925) und der Ärztin &#039;&#039;Dr. med. Ita Wegman&#039;&#039; (1876-1943) in Zusammenarbeit mit weiteren Ärzten entwickelt. Die Grundlagen dieser Medizin wurden 1920-1924 im Rahmen von Kursen vermittelt, die Steiner auf Einladung von Ärzten und Medizinstudenten hielt, die nach einem Menschenbild suchten, das sich sowohl auf die Naturwissenschaft als auch auf die anthroposophische Geisteswissenschaft beruft. Ihr Anliegen war von vornherein nicht alternativ-medizinisch, sondern integrativ, d.h. es orientierte sich an der Wirklichkeit des Menschen selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inzwischen gibt es die Anthroposophische Medizin in über 80 Ländern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Europa sind einige größere Akutkliniken entstanden. Hinzu kommen Sanatorien, Reha-Einrichtungen und zahlreiche Arztpraxen aus nahezu allen Fachrichtungen sowie weltweit über 400 Institutionen für Menschen mit Behinderungen. In den letzten dreißig Jahren kamen neu Einrichtungen für die Altenpflege und die Suchtbehandlung dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophische Ärzte arbeiten auch in Kooperation mit Pädagogen als Schulärzte sowie in der medizinischen Forschung und in der Arzneimittelherstellung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ambulanten Bereich haben sich aus der interdisziplinären Zusammenarbeit von Ärzten, Krankenschwestern, Kunsttherapeuten, Physiotherapeuten u.a. vielerorts so genannte „Therapeutika&amp;quot; entwickelt, d.h. ein neuer Typ von Gemeinschaftspraxen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Erkenntnistheoretische Wurzeln&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Erkenntnistheoretisch und ethisch wurzelt die Anthroposophie in der Philosophie und Kunstauffassung des deutschen Idealismus, wie sie insbesondere von &#039;&#039;Goethe&#039;&#039; (1749-1832), &#039;&#039;Schiller&#039;&#039; (1759-1805), &#039;&#039;J. G. Fichte&#039;&#039; (1762-1814), &#039;&#039;Novalis&#039;&#039; (1772-1801) und &#039;&#039;Schelling&#039;&#039; (1775-1854) vertreten wurden. So trägt Steiners erkenntnistheoretisches Frühwerk (1884) den Titel: &#039;&#039;„Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung“.[1]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Suche nach einer im Geist gegründeten Anschauung vom Menschen, die sich selber stützen kann im Erarbeiten einer inneren und äußeren Evidenz, sowie der Wille zu Entwicklung von Autonomie und Verantwortung prägen die ethische Grundhaltung anthroposophischer Ärzte und Therapeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Weiterbildung zum anthroposophischen Arzt ist durch eine international vereinbarte Zertifizierung geregelt. Der anthroposophische Arzt hat die Verpflichtung, die Ergebnisse aus Steiners Geistesforschung selbständig nachzuvollziehen und anhand der eigenen Lebens- und Berufserfahrung zu überprüfen und weiterzuentwickeln. Werden Mitteilungen Steiners unreflektiert übernommen, besteht die Gefahr der Ideologisierung und Dogmatisierung, was der Anthroposophischen Medizin schadet bzw. ihrer Entwicklung im Wege steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Haltung der Mitverantwortung fördern&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Heinrich Schipperges&#039;&#039; führt in seinem Buch &#039;&#039;„Moderne Medizin im Spiegel der Geschichte“[2]&#039;&#039; aus, dass die gegenwärtige Medizin nach einer Phase des unaufhörlichen Fortschritts und trotz aller großartigen Leistungen zunehmend in eine bedrohliche Krise geraten ist. Genau genommen ist diese Krise jedoch die medizinische Spielart der Menschheitskrisen von heute: ökologische Katastrophen, Armut, Hunger, Genozid, Bildungsnotstand, Energiekrise u.a. Diesen Krisen ist gemeinsam, dass ihre Ursache in einem Menschen- und Naturverständnis liegt, das keinen inneren geistigen Zusammenhang zu den Naturerscheinungen und dem Menschen herstellt. Wird dieser Zusammenhang bewusst erlebt, führt er zu einem starken Gefühl der Solidarität mit dem gesamten Evolutionszusammenhang von Erde, Natur und Mensch. Diese mitfühlende Verantwortlichkeit für alles Lebendige möchte die Anthroposophische Medizin fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung,&#039;&#039; GA 2.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Heinrich Schipperges, &#039;&#039;Moderne Medizin im Spiegel der Geschichte,&#039;&#039; Stuttgart 1970.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== WARUM ANTHROPOSOPHIE IN DER MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wozu braucht es Anthroposophie?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern handelt es sich bei der Anthroposophischen Medizin um eine „Weltanschauungsmedizin“?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sind die grundlegenden Aspekte der Anthroposophischen Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Medizin als Ausdruck einer bestimmten Sicht auf Mensch, Natur und Umwelt&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophie (Anthropos = Mensch, Sophia = Weisheit, Wissenschaft) gilt bis heute als nicht leicht zugänglich. Auch wenn viele anthroposophische Initiativen auf den Gebieten der Heilpädagogik und Pädagogik, der Landwirtschaft und Medizin bekannt sind, bleibt das, was als integratives Welt- und Menschenbild der Anthroposophie dahintersteht, meist vage. Man weiß nicht so recht, ob es sich dabei um eine Philosophie handelt, eine Art Religion oder um eine diffizile oder auch „eklektische“ Weltanschauung. Man fragt angesichts der Vielfalt anthroposophischer Einrichtungen und Initiativen auch, ob der anthroposophische „Überbau“ dafür überhaupt nötig sei, ob man ähnlich Gutes nicht auch ohne diesen leisten könne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jedes medizinische System ist Ausdruck einer bestimmten Sicht auf Mensch, Natur und Umwelt und insofern eine „Weltanschauung“. Das gilt auch für den naturwissenschaftlichen Materialismus, für Idealismus, Realismus und andere philosophische oder geistige Orientierungen. Wer glaubt, keine Weltanschauung zu haben, hat seinen eigenen Standpunkt und, was diesen stützt, noch nicht reflektiert &#039;&#039;–&#039;&#039; was eines der Haupthindernisse ist, die „Normalität“ der Anthroposophischen Medizin anzuerkennen. Eine individuell erarbeitete Weltanschauung wie die Anthroposophie ist jedoch klar abzugrenzen von der familiären oder traditionellen Zugehörigkeit zu einer Glaubensgemeinschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Anthroposophie als Verständnishilfe&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Jedem ganzheitlichen medizinischen System – ob nun traditionell chinesische, ayurvedische oder homöopathische Medizin – liegt ein spirituelles Menschen- und Weltbild zugrunde, das die gemeinsame Evolution von Mensch, Erde und Weltall beschreibt. Neu ist bei der anthroposophischen Medizin nur, dass Steiner sich auf keine dieser alten Traditionen beruft, sondern einen Erkenntnisweg beschreibt, auf dem jeder &#039;&#039;selber&#039;&#039; die Möglichkeit entwickeln kann, sich mit seinem Wahrnehmungs- und Denkvermögen an die spirituellen Quellen anzuschließen.[1] Durch eigene Beobachtung, Empathie und situationsgerechtes Denken zu den nötigen Einsichten für Diagnose und Therapie zu kommen ist das Arbeitsideal – nicht nur eine traditionelle Heilweise oder Technik zu lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich war viele Jahre in verschiedenen asiatischen Ländern und auch weltweit mit einem Ausbildungsprogramm für Anthroposophische Medizin unterwegs. Es hat mich anfangs gewundert, dass Chinesen, Japaner, Taiwanesen, Inder, Indonesier, Philippiner sich für Anthroposophische Medizin interessieren. Als Motive nannten sie das Menschenbild der Anthroposophie, das ihnen hilft, die Brücke zu bilden zwischen dem heutigen Denken und den alten überlieferten Bildern und Werten ihrer Heilverfahren, die zwar gute Ergebnisse liefern, aber für den modernen Menschen oft nicht genau aufschlüsseln können, wie sie wirken. Die Anthroposophie half ihnen, ihre eigenen Medizinsysteme und ihre Wirkungsweisen besser zu verstehen. In Indien gab es ayurvedische Ärzte, die keine Zertifikate für Anthroposophische Medizin wollten, sondern zu uns kamen, um bessere Ayurveda-Ärzte zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Grundlegende Aspekte Anthroposophischer Medizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wer der Anthroposophie begegnet, trifft auf vier Aspekte, die je nachdem alle vier oder auch nur der eine oder andere das Interesse wecken und zum weiteren Studium anregen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Philosophischer Aspekt ====&lt;br /&gt;
Das philosophische Fundament der Anthroposophie schließt an die Erkenntnisweise Goethes an sowie an den deutschen Idealismus mit dessen Idealen von Freiheit und Würde, Wahrheit und Liebe.[2] Rudolf Steiner benannte sogar seine Anthroposophische Hochschule in Dornach nach Goethe: Goetheanum.[3] Das zeugt von der großen Wertschätzung, die er diesem Genie mitteleuropäischer Geistes- und Kulturgeschichte zeitlebens entgegenbrachte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für manche Menschen ist Philosophie nicht wichtig, man möchte gute Ideen für seine Arbeit und sein Leben haben und keine Zeit mit intellektuellen Grübeleien verlieren. Es gibt aber auch Menschen, die nur deshalb Anthroposophen werden, weil sie hier eine Erkenntnistheorie und deren philosophische Begründung finden, durch die sie sich selbst und ihren Zusammenhang mit der Welt besser verstehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Philosophie ist die Kunst des eigenständigen Denkens. Steiner formuliert diese „erkenntnis-künstlerische“ Herausforderung in seinem philosophischen Hauptwerk, „Die Philosophie der Freiheit“, so: &#039;&#039;„Man muss sich der Idee erlebend gegenüberstellen können; sonst gerät man unter ihre Knechtschaft.“[4]&#039;&#039; Das heißt, wer Gedanken und Ideen anderer übernimmt und nicht eigenständig bedenkt und bewertet, gerät in Abhängigkeit der Autoritäten, von denen diese Gedanken stammen. Mit Hilfe dieses Ansatzes, selbst hinzuschauen, zu fragen, zu bedenken, zu verstehen, ist jeder Student der Anthroposophie angeregt, seine eigene Philosophie zu reflektieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Aspekt der Selbstschulung ====&lt;br /&gt;
Anthroposophie beinhaltet einen Weg der Selbstschulung, welcher zu seelischer Weiterentwicklung, Selbsterkenntnis und Willensstärkung führt.[5] Es gibt heute viele Menschen, die auf der Suche nach einem interreligiösen Weg spiritueller Selbsterfahrung sind. Sie wollen sich nicht einer bestimmten Glaubensgemeinschaft oder einer bestimmten spirituellen Gruppierung anschließen. Sie suchen einen allgemein-menschlichen Weg für ihre innere Entwicklung. Einige davon finden diese Möglichkeit in der Anthroposophie und ihren Organisationen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Anthroposophische Gesellschaft international organisiert und offen für alle wissenschaftlichen, religiösen und künstlerischen Überzeugungen ist, findet man Vertreter der verschiedensten spirituellen Orientierungen. Angehörige der christlichen Konfessionen, des Buddhismus, Daoismus, Shintoismus, der Hindi-Religion, der Zarathustra-Spiritua­lität, des Judentums sowie einzelne Vertreter des Islam und viele ohne eine bestimmte spirituelle Ausrichtung können hier mehr über ihre eigene spirituelle Identität lernen, indem sie zusätzlich den Weg der Selbstschulung der Anthroposophie gehen. Was sie in dieser Gesellschaft verbindet, ist der Entwicklungsgedanke in der Anthroposophie sowie das Bestreben, das gesellschaftliche Leben menschlicher und zukunftsfähiger zu machen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Biologe &#039;&#039;Bernd Rosslenbroich&#039;&#039; wies in einer naturwissenschaftlichen Studie das Autonomieprinzip als Grundlage der gesamten Evolution nach, deren Gipfel die menschliche Entwicklung sei.[6] Dieses Autonomieprinzip liegt auch der anthroposophischen Selbstschulung zugrunde. Autonomie konstruktiv leben zu lernen ist nicht leicht. Scheitern und immer wieder neu Ansetzen gehören ebenso dazu wie die stille innere Ausrichtung des eigenen Lebens und Arbeitens an den Idealen von Freiheit und Würde, Ehrlichkeit und Liebe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Aspekt der Geisteswissenschaft ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wo aber ist der „Geist“ als Fundament dieser anthroposophisch-geisteswissenschaftlichen Weltsicht zu finden?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Selbständiges Denken als Ausdruck von Geist&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Die Antwort ist schlicht: das menschliche Denken. Normalerweise kennt jeder den Zustand des Gedanken-Habens, Wissens, Sich-Informierens oder sich in anerkannten bzw. vorgegebenen Denkmustern zu bewegen und diese wiedergeben zu können. Wer jedoch von der eigenen Denktätigkeit ausgeht, entdeckt auch denjenigen, der denkt, in seinem Denken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der idealistische Philosoph &#039;&#039;Johann Gottlieb Fichte[7]&#039;&#039; wies seine Studenten auf die zentral wichtige spirituelle Selbsterfahrung im Denken hin. Er führte mit ihnen die folgende Übung durch: Er fragte sie, ob sie die Wand des Hörsaals sähen. Dann sagte er: &#039;&#039;„Schließen Sie die Augen und denken Sie die Wand.“&#039;&#039; Und dann kam die alles entscheidende Aufforderung: &#039;&#039;„Und jetzt denken Sie den, der die Wand gedacht hat...“[8]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer das durchführt, kann in seinem Denken das eigene Selbst als reinen Tätigkeitsquell, als innere Aktivitätsbereitschaft, als Ich, als eigenständiges Wollen bemerken als rein energetische spirituelle Selbsterfahrung im Denken. Damit hat er einen sicheren Ausgangspunkt gewonnen, sich seine eigene Weltsicht zu erarbeiten. Er steht jetzt geistig auf eigenen Füßen und ist in der Lage, sein Denken immer perspektivenreicher auszubilden. Je mehr er versteht, desto mehr sieht er von der Welt. Und je mehr ihn die Welt interessiert und zum Nachdenken anregt, desto differenzierter und klarer wird sein Denken. Sich selbst und die Welt zu verstehen und dadurch zu einer authentischen Selbst- und Weltsicht zu kommen, ist die Weltanschauung der Anthroposophie. Seinen Zeitgenossen zu zeigen, dass sie &#039;&#039;„durch das Denken zur Wirklichkeit des Geistes kommen“&#039;&#039; können, war ein zentrales Anliegen Rudolf Steiners. Das eigene Ich als geistig reales Wesen im Denken erleben zu können, erschließt zugleich die spirituelle Dimension des Begriffs der menschlichen Würde als autonome und geistbewusste Kompetenz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner formulierte diesen Tatbestand gegen Ende seines Lebens noch einmal so: &#039;&#039;„Anthroposophie ist ein Erkenntnisweg, der das Geistige im Menschenwesen zum Geistigen im Weltall führen möchte“.[9]&#039;&#039; Grundlage dafür ist die Gedankenarbeit eines jeden einzelnen Menschen. Hannah Arendt nannte diese Selbsterfahrung im Titel ihres gleichnamigen Buches „Denken ohne Geländer“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Aspekt der Zusammenarbeit ====&lt;br /&gt;
Da Anthroposophie auf das sich zur Autonomie entwickelnde Individuum baut, findet man gerade unter Anthroposophen einen ausgeprägten Meinungs- und Standpunktepluralismus bis hin zur gern zitierten „Streitkultur“. Auch ist die Geschichte der Anthroposophischen Gesellschaft von eindrücklichen Krisen und Konflikten geprägt, die von dem Ringen um individuelle und soziale Kompetenz zeugen, einem Bemühen, das alles andere als einfach ist. Umso erfreulicher ist es, dass sich diese Gesellschaft bis heute nicht in verschiedene Gruppierungen gespalten hat, sondern der Wille zum gegenseitigen Verstehen und zur Entwicklung von Toleranz gegenüber anders Denkenden stets überwogen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von dem Dichter und Anthroposophen &#039;&#039;Christian Morgenstern&#039;&#039; (1871 - 1914) stammt ein Gedicht, das dieses Spannungsverhältnis zwischen der notwendigen Individualisierung einerseits und der Befähigung zur Gemeinschaftsbildung andererseits meisterlich zum Ausdruck bringt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Die zur Wahrheit wandern, wandern allein,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;keiner kann dem andern Wegbruder sein.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Eine Spanne gehn wir, scheint es, im Chor ...&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;bis zuletzt sich, sehn wir, jeder verlor.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Selbst der Liebste ringet irgendwo fern;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;doch wer&#039;s ganz vollbringet, siegt sich zum Stern,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;schafft, sein selbst Durchchrister, Neugottesgrund –&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;und ihn grüßt Geschwister Ewiger Bund.[10]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier wird in künstlerischer Form zum Ausdruck gebracht, dass größtmöglicher Individualismus und „Gemeinschaft im Geist“ sich nicht widersprechen müssen. Vielmehr erscheinen die Ideale der Französischen Revolution – der Freiheit des Individuums, der Gleichheit und der brüderlichen Solidarität – so erst in ihrem wahren Licht: Denn wenn man weiß, dass jeder „auf dem Weg ist“, wächst der Respekt vor der Einmaligkeit und Würde des anderen. Und gleichzeitig erlebt man, wie uns dieser Tatbestand des Werdens „gleich“ macht. Da wir aber sowohl „gleich“ als auch „individuell sehr verschieden“ sind, sind wir Menschen immer wieder auf gegenseitige brüderliche Hilfe angewiesen. Wir gewähren sie, wenn wir die Bedürfnisse des anderen sehen, respektieren und, wo möglich, erfüllen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Mathias Girke , PF Matthiessen (Hrsg.), &#039;&#039;Medizin und Menschenbild&#039;&#039;, Bad Homburg 2015.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung mit besonderer Rücksicht auf Schiller.&#039;&#039; GA 2. Dornach 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] www.goetheanum.org&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Philosophie der Freiheit&#039;&#039;, GA 4, Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1995.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Dargelegt in Steiners Selbstschulungsbuch &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?,&#039;&#039; GA 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Bernd Rosslenbroich, &#039;&#039;On the Origin of Autonomy. A New Look at the Major Transitions in Evolution&#039;&#039;, Hei-delberg, New York, Springer 2014.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Johann Gottlieb Fichte, Philosoph (1762 - 1814).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Überliefert von Steffens, einem Naturforscher und Zeitgenossen Fichtes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Anthroposophischer Leitsatz 1&#039;&#039;, 17. Februar 1924. In: Anthroposophische Leitsätze. GA 26, S. 6 (1989).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Christian Morgenstern, &#039;&#039;Wir fanden einen Pfad,&#039;&#039; Basel, Zbinden Verlag. 5. Aufl. 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ANTHROPOSOPHISCHES UND NATURWISSENSCHAFTLICHES KRANKHEITSVERSTÄNDNIS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ist Anthroposophische Medizin eine Glaubenssache?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann man in der Medizin konstruktiv mit unterschiedlichen Sichtweisen auf Krankheit umgehen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Anthroposophisches Krankheitsverständnis&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Um auf diese Fragen eingehen zu können, möchte ich vorab das Krankheitsverständnis aus der Anthroposophie heraus und das Schulmedizinische Krankheitsverständnis charakterisieren. Sie stehen nicht im Widerspruch zueinander, zumindest nicht aus Sicht der Anthroposophischen Medizin. Letztere versteht sich als eine Erweiterung der rein naturwissenschaftlichen Medizin, nicht als Gegensatz dazu. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Die Aufgabe ist, nun wirklich darauf zu kommen, welcher Unterschied besteht zwischen den Prozessen im menschlichen Organismus, die wir als Krankheitsprozesse bezeichnen und die doch im Grunde genommen ganz normale Naturprozesse sind, nur eben durch bestimmte Ursachen hervorgerufen sein müssen, und denjenigen Prozessen, die wir gewöhnlich als die gesunden bezeichnen und die die alltäglichen sind. Dieser durchgreifende Unterschied muss gefunden werden. Er wird nicht gefunden werden, wenn man nicht eingehen kann auf eine Betrachtungsweise des Menschen, die zum menschlichen Wesen wirklich führt.&amp;quot;&#039;&#039;[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Krankheit aus Sicht der naturwissenschaftlichen Medizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der naturwissenschaftlichen Medizin liegt der Fokus bei der Erforschung von Krankheitsursachen im Bereich des Netzwerkes molekulargenetischer Interaktionen. Dort wird nach Mutationen und „Fehlern&amp;quot; im Metabolismus gesucht. Damit ist aber das Kausalproblem nur von der Makro- auf die Mikroebene verlagert. Denn auch hier ist zu fragen, woher es kommt, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt beispielsweise eine Genmutation auftritt und ein Prozess, der bisher gesund ablief, nun mit einem Mal „verkehrt&amp;quot; bzw. Krankheit begünstigend stattfindet. Wenn der sogenannte Pathomechanismus aufgeklärt ist und die Ursache einer „Spontanmutation&amp;quot;, einem &#039;&#039;„inborn error of metabolism&amp;quot;&#039;&#039; oder einer exogenen Schädigung zugeschrieben wird, so ist damit dem Kranken noch nicht geholfen, der verstehen will, was seine Krankheit mit ihm, seiner Entwicklung und seinem Schicksal zu tun hat – oder der sich dafür interessiert, welche Einflüsse sein bewusstes oder unterbewusstes Seelenleben auf die Lebensfunktionen seiner Organe oder auf die Stabilität seines Immunsystems hat. Auch ist es letztlich unbefriedigend, sich als Mensch in die verschiedenen Forschungs- und Fachdisziplinen aufgeteilt zu sehen, ohne „das geistige Band&amp;quot; im Sinne &#039;&#039;Goethes&#039;&#039; zu haben, das die Zusammenschau der unterschiedlichen Sichtweisen ermöglicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Unterschiedliche Sichtweisen integrieren&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Paracelsus&#039;&#039;, der Integrationsmediziner am Beginn der Neuzeit, hat bereits eindrücklich auf dieses Dilemma hingewiesen.[2] Plastisch schildert er eine medizinische Szene aus dem damaligen Alltag: Sechs Ärzte sind um einen eben verstorbenen Cholerapatienten versammelt und sprechen darüber, was in seinem Falle wohl die Todesursache gewesen sein mag. Diese Szene sei hier in freier Form wiedergegeben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Erste&#039;&#039;&#039; sagt: &#039;&#039;„Für mich ist klar, dass er durch die Infektion mit dem Cholerabazillus gestorben ist. Der Krankheitserreger wurde mit dem Wasser aufgenommen, hat sich im Organismus ausgebreitet und die Krankheil hervorgerufen, die jetzt zum Tode geführt hat&amp;quot;.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Das finde ich merkwürdig&amp;quot;,&#039;&#039; sagt &#039;&#039;&#039;der Zweite&#039;&#039;&#039;. &#039;&#039;„Es sterben doch längst nicht alle Kranken, die sich mit dem Cholerabazillus angesteckt haben. Ich sehe die Todesursache vielmehr in der Tatsache, dass die Selbstheilungskräfte des Verstorbenen nicht stark genug waren, um die Infektion zu überwinden. Hätte er über mehr Widerstandskraft verfügt, so lebte er noch.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da lächelt &#039;&#039;&#039;der dritte Kollege&#039;&#039;&#039; und fragt: &#039;&#039;„Habt ihr denn nicht sein Horoskop gelesen? Da konnte man lesen, dass dieser Mensch durch die ganze Konfiguration seiner seelischen Veranlagung und seines inneren Schicksals zum Tod in dieser Zeit prädestiniert war. Sein Tod war vorherbestimmt.&amp;quot;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Das leuchtet mir nicht ein&amp;quot;,&#039;&#039; sagt &#039;&#039;&#039;der Vierte&#039;&#039;&#039;. &#039;&#039;„Wie viele Menschen leben unter derselben oder sehr ähnlichen Sternkonstellationen und kommen anders damit zurecht, gehen durchaus optimistischer mit der Herausforderung um, die ihre jeweilige Sternkonstellation für sie bedeutet. Meine Diagnose ist, dass er im Kern seiner ganzen Persönlichkeit, in seinem Ich, schwach war. Er hatte große Angst vor der Cholera, und nichts ist ein besserer Nährboden für Infektionen als Ängstlichkeit und Furcht. Ich habe viel schwächere Patienten die Krankheit überwinden sehen, weil sie mutiger waren und das Vertrauen nicht verloren.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Mir kommt das alles töricht vor&amp;quot;,&#039;&#039; schaltet sich jetzt &#039;&#039;&#039;der Fünfte&#039;&#039;&#039; in die Debatte ein: &#039;&#039;„Krankheit und Leid ist doch eine Geißel Gottes, ein Flagellum. Hätte Gott die Überwindung der Krankheit zugelassen, so hätte er diesem Betroffenen zur rechten Zeit den Arzt oder sonst eine Hilfe geschickt.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun blicken alle auf &#039;&#039;&#039;den Sechsten&#039;&#039;&#039;, der interessiert zugehört hat und fragen: „Wer von uns hat recht?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der bemerkt: &#039;&#039;„Jeder von euch hat recht. Jeder hat aber auch unrecht. Das Unrecht entsteht dadurch, dass jeder einzelne von euch nur an seine Sicht der Dinge glaubt und die Ansichten der anderen verneint oder missachtet. Das komplizierte Pentagramm Mensch muss individuell gelesen werden, um den jeweiligen Anteil an der Krankheitsursache herauszufinden. Ein solch differenziertes Lesen ist aber auch nötig, um die verschiedenen Wege kennen zu lernen, die zur Gesundheit, sprich: zur Überwindung der Krankheit führen.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Szene aus dem Werk des Paracelsus wird hier angeführt, um deutlich zu machen, dass ein tiefgreifendes Verständnis von Krankheitsursachen und Heilungsmöglichkeiten die verschiedenen Ebenen menschlicher Existenz und Lebensverwirklichung mitberücksichtigen muss. Das kann letztlich nur ein interdisziplinär-integrativer Ansatz leisten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaft und Medizin&#039;&#039;, GA 312.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Elise Wolfram und Paracelsus, &#039;&#039;Die okkulten Ursachen der Krankheiten. Volumen Paramirum&#039;&#039;, Unv. Nachdruck der Ausgabe von 1912, 4. Aufl. Dornach 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== SCHULMEDIZIN, ANTHROPOSOPHISCHE MEDIZIN UND ÄLTERE GANZHEITLICHE ANSÄTZE ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie steht die Anthroposophische Medizin zur Schulmedizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und wie ist ihr Verhältnis zu anderen alternativen Ansätzen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verhältnis der&#039;&#039; &#039;&#039;Anthroposophischen Medizin zur Schulmedizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Frage lässt sich kurz mit Nein beantworten. &#039;&#039;Rudolf Steiner&#039;&#039; (1861-1925) und &#039;&#039;Ita Wegman&#039;&#039; (1876-1943), die Begründer der Anthroposophischen Medizin, bemerken hierzu:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Nicht um eine Opposition gegen die mit den anerkannten wissenschaftlichen Methoden der Gegenwart arbeitende Medizin handelt es sich. Diese wird von uns in ihren Prinzipien voll anerkannt. Und wir haben die Meinung, dass das von uns Gegebene nur derjenige in der ärztlichen Kunst verwenden soll, der im Sinne dieser Prinzipien vollgültig Arzt sein kann.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Allein wir fügen zu dem, was man mit den heute anerkannten wissenschaftlichen Methoden über den Menschen wissen kann, noch weitere Erkenntnisse hinzu, die durch andere Methoden gefunden werden, und sehen uns daher gezwungen, aus dieser&#039;&#039; erweiterten &#039;&#039;Welt- und Menschenerkenntnis auch für eine Erweiterung der ärztlichen Kunst zu arbeiten.&amp;quot;[1]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die reguläre akademische Aus- und Weiterbildung ist ebenso Voraussetzung dafür, sich Anthroposophischer Arzt nennen zu können, wie das Studium der anthroposophischen Geisteswissenschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Salutogenetischer Ansatz bevorzugt&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Anthroposophischen Medizin liegt ein Konzept ganzheitlicher, integrativer Medizin zugrunde, die den Menschen (griechisch: anthropos) mit all seinen Erkenntnis- und Erlebnisformen (griechisch: sophia, wörtlich: Weisheit) in den Mittelpunkt stellt. Für die Praxis heißt dies, dass symptomatisch wirkende Arzneimittel, wie zum Beispiel Antipyretika, Antiphlogistika, Antihypertensiva, Antihistaminika oder die Substitution fehlender, körpereigener Stoffe, oder aber Analgetika und Psychopharmaka selbstverständlich da zur Anwendung kommen, wo die speziellen Medikamente und Therapieverfahren der anthroposophischen Therapierichtung nicht (mehr) hinreichen, die erforderliche Selbstregulation und Heilung zu stimulieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Hinblick auf das therapeutische Vorgehen wird der salutogenetische Ansatz bevorzugt, also die Anregung körpereigener, physiologischer Prozessantworten. Diese sind immer individuell. Therapieschemata haben zwar einen wesentlichen, Orientierung gebenden Stellenwert. In praxi gehen die Medikationen jedoch oft darüber hinaus, da sich die Behandlung am Einzelfall orientiert. Anthroposophische Ärzte schätzen die schulmedizinische Behandlung als Akut- und Notfallmedizin hoch, möchten jedoch nicht bei deren Grenzen und Einseitigkeiten stehen bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verhältnis zu älteren ganzheitlichen medizinischen Konzepten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Jedem ganzheitlichen medizinischen System – ob es sich nun um traditionell chinesische, ayurvedische oder homöopathische Medizin handelt – liegt ein spirituelles Weltbild zugrunde, das mehr oder weniger konkret die gemeinsame Evolution von Mensch, Erde und Weltall beschreibt. Rudolf Steiner bemerkt dazu im Hinblick auf seinen Ansatz[2]: &#039;&#039;„Ich möchte nicht versäumen, Sie darauf aufmerksam zu machen, dass dasjenige, was ich hier vortrage, nicht entlehnt ist älteren medizinischen Schriften, sondern auf durchaus gegenwärtiger geisteswissenschaftlicher Forschung beruht. Nur muss versucht werden, zuweilen in der Terminologie auf die ältere Literatur zurückzugreifen, weil ja die neuere Literatur eine Terminologie nach dieser Richtung hin noch nicht ausgebildet hat. Aber derjenige, der glauben würde, dass irgendetwas hier vorgetragen wird, was nur älteren Schriften entnommen ist, der würde sich eben sehr irren.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese von Steiner entwickelte neue Art der geistigen Forschung ermöglicht als anthroposophische Erkenntnismethodik und dank ihrer Forschungsergebnisse auch neue Einsichten in die ganzheitlichen Konzepte und spirituellen Traditionen der Medizin. Daher gibt es unter ihren Vertretern immer auch „Anthroposophen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Seiner und Ita Wegmann, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst. Dornach 1935, S. 9.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaft und Medizin&#039;&#039;, GA 312. Sechster Vortrag, Dornach, 26. März 1920. S. 118 (Ausgabe 1999).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== CHARAKTERISTIKA EINER SPIRITUELLEN MEDIZIN LAUT RUDOLF STEINER ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen Prinzipien folgt die von Rudolf Steiner und Ita Wegman beschriebene spirituelle Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wodurch äußert sich ihr allgemein-menschlicher Ansatz?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wodurch zeichnen sich eine spirituelle Chemie und Physik aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist unter Kulturtherapie zu verstehen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Krankheit aus zwei Blickwinkeln sehen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In dem Werk über Anthroposophische Medizin &#039;&#039;„Grundlegendes zu einer Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; von Rudolf Steiner und Ita Wegman werden unter anderem auch die Grundlagen einer spirituellen Medizin beschrieben.[1] Bereits die Überschrift des ersten Kapitels lässt dies anklingen, indem da von &#039;&#039;„wahrer Menschenwesen-Erkenntnis“&#039;&#039; die Rede ist. Die Wortwahl erinnert an die Initiationspraktiken der antiken Mysterien, wo es in allen Einweihungsgraden um wahre irdisch-kosmische Selbst- und Welterkenntnis ging. Doch konkret im Alltag: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Erwartet nicht jeder Kranke vom Arzt, dass dieser die Ursache seines Problems durchschaut und die notwendigen Maßnahmen einleitet?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Dass er die Wahrheit über seinen Zustand bestmöglich herausfindet?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher die Forderung der Autoren, der Wahrheit des Krankheitsgeschehens von zwei Seiten aus näherzukommen, indem die schulmedizinischen Diagnosefaktoren mit der geisteswissenschaftlichen Betrachtung verbunden werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Christuserkenntnis&#039;&#039; als &#039;&#039;zentrales Element&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;‚Wes Geistes Kind‘ aber ist diese Forderung?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“[2]&#039;&#039; wird der Christus als ‚großer Hüter der Schwelle‘ auf dem Erkenntnisweg dargestellt, der dem Schüler den Sinn der Erdenentwicklung, des Todes und der Wiedergeburt enthüllt. In der &#039;&#039;„Geheimwissenschaft im Umriß“[3]&#039;&#039; wird der Christus auch namentlich genannt und seine zentrale Bedeutung innerhalb der Schöpfung und für die Entwicklung der Menschheit geschildert.[4] In beiden Werken begegnet man einer zentralen Bezugnahme auf die Wesenheit des Christus in einer weder religiös noch konfessionell tingierten Weise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verfolgt man diesen Wesensbezug zu Christus im Steiner‘schen Vortragswerk, oder auch nur in der Schrift &#039;&#039;„Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit“&#039;&#039;,[5] so zeigt sich, dass für Steiner diejenige geistige Realität, die er mit dem historischen Christus identifiziert, in allen Aspekten und Dimensionen menschlichen Lebens und Entwickelns eine zentrale Rolle spielt – ganz im Sinne der johanneischen Aussage: &#039;&#039;„Durch es [das Wort] sind alle Dinge geworden, und nichts von allem Entstandenem ist anders als durch das Wort geworden.“[6]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Anthroposophisches Menschenbild und Schulungsweg&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Steinersche Christologie versteht sich als Weg zur Christuserkenntnis. Dieser Weg ist von seinem Selbstverständnis her unabhängig von traditionellen Glaubensüberzeugungen und religiösen Bekenntnissen. Es geht bei ihm im tiefsten Sinne um ‚wahre Menschenwesen-Erkenntnis‘, um das ecce homo. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die anthroposophische Menschenkunde befasst sich mit diesem allgemeinmenschlichen, rein geistigen Wesensgefüge des gesunden Menschenurbildes, das der uns bekannten Schöpfung innewohnt. Sie versucht verständlich zu machen, warum und wie in dieser Schöpfung alles mit allem geistig und physisch zusammenhängt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher kann sich ein japanischer Shintu-Priester in seiner spirituellen und wissenschaftlichen Praxis ebenso von dem anthroposophischen Erkenntnisweg und Menschenbild anregen und bereichern lassen wie ein buddhistischer Mönch, ein Brahmane oder ein Angehöriger des jüdischen oder muslimischen Glaubens oder ein materialistischer Naturwissenschaftler. Denn Christliche Spiritualität ist zugleich allgemeinmenschliche Spiritualität und die Spiritualität in den Naturerscheinungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Dienender Charakter der Substanz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ein weiteres wichtiges Merkmal der von Rudolf Steiner beschriebenen spirituellen Medizin ist ihr selbstlos dienendes Prinzip. Das Substanzverständnis der Anthroposophie, wie es im Grundlagenwerk der Anthroposophischen Medizin &#039;&#039;„Grundlegendes zur Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; erörtert wird,[7] beruht auf dieser Grundlage. So werden im 1. Kapitel die Substanzen in ihrem selbstlos dienenden Charakter gezeigt, wie sie sich den vier Kräftebereichen von Mineral-, Pflanzen-, Tier- und Menschenwelt unterordnen, wodurch sie zu deren jeweiliger Manifestation beitragen und dadurch alle Naturerscheinungen in die Sichtbarkeit bringen.[8]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erdensubstanz – im christlichen Bekenntnis symbolisiert durch Brot und Wein – ist nach diesem Verständnis nicht nur die physische Grundlage für die Erd- und Menschheits-entwicklung. Vielmehr zeigt sich ihr zutiefst christlicher Charakter daran, dass sie dient: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* im mineralischen Zustand den Todesprozessen,&lt;br /&gt;
* in der Pflanzenwelt den Lebensprozessen,&lt;br /&gt;
* in der tierischen Natur den seelischen Äußerungen und der Bewegungsfähigkeit.&lt;br /&gt;
* Im Menschen aber wird sie „Geist tragend“.[9]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor diesem Hintergrund sind dann Sätze in dem genannten Werk wie der folgende zu verstehen: &#039;&#039;„[…] dann wird man durch Einfügung eines Erdenstoffes in den menschlichen Organismus oder durch Behandlung mit einer Erdentätigkeit bewirken können, dass die höheren Glieder der Menschenwesenheit sich ungehindert entfalten können, oder auch, dass die Erdenstofflichkeit an dem Zugefügten die nötige Unterstützung findet, um auf den Weg zu kommen, auf dem sie Grundlage wird für irdisches Wirken des Geistigen.“[10]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Spirituelle Chemie und Physik der Zukunft&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der Schrift &#039;&#039;„Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit“[11]&#039;&#039; – präzisiert Rudolf Steiner diesen Aspekt auch noch im Hinblick auf die Entwicklung der Substantialität der Erde: &#039;&#039;„Künftig werden Chemiker und Physiker kommen, welche Chemie und Physik nicht so lehren, wie man sie heute lehrt [...] sondern welche lehren werden: ‚Die Materie ist aufgebaut in dem Sinne, wie der Christus sie nach und nach angeordnet hat!‘ – Man wird den Christus bis in die Gesetze der Chemie und Physik hinein finden. Eine spirituelle Chemie, eine spirituelle Physik ist das, was in der Zukunft kommen wird. Heute erscheint das ganz gewiß vielen Leuten als eine Träumerei oder Schlimmeres.&#039;&#039; &#039;&#039;Aber was oft die Vernunft der kommenden Zeiten ist, das ist für die vorhergehenden Torheit.“[12]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese selbstlos dienende Haltung wird von den in der anthroposophischen Pharmazie und Medizin Tätigen auf dem anthroposophischen Schulungsweg geübt und prägt den spirituellen Charakter dieser Bereiche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Heilsam wirken durch umfassende Kulturtherapie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin kann als Kulmination von Steiners Grundanliegen, heilsam zu wirken, gesehen werden. Alles, was er geschrieben und getan hat, stand und steht im Dienst einer umfassenden Kulturtherapie, die heilsam auf die zeitgeistigen pathologischen Tendenzen einwirken sollten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Rudolf Steiner unter Kulturpathologie verstand, stellte er im ersten Vortrag des Gründungskurses für die Waldorfpädagogik im August 1919 so dar: &#039;&#039;„Vergessen Sie nicht, indem Sie sich Ihrer Aufgabe widmen, daß die ganze heutige Kultur, bis in die Sphäre des Geistigen hinein, gestellt ist auf den Egoismus der Menschheit. [. . .] Wir leben in der Zeit, in der dieser Appell an den menschlichen Egoismus in allen Sphären bekämpft werden muß, wenn die Menschen nicht auf dem&#039;&#039; &#039;&#039;absteigenden Wege der Kultur, auf dem sie heute gehen, immer mehr und mehr abwärts gehen sollen.“[13]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; In Philosophie und Geistesleben ====&lt;br /&gt;
Im philosophischen Werk Steiners wird die Grundlage zur Kulturtherapie in Form eines tiefgreifenden Autonomieverständnisses gelegt. Freiheit und Liebe, die zur Selbstlosigkeit fähig sind, stehen dabei als menschliche Entwicklungsziele an zentraler Stelle. Sie sind Ausdruck menschlicher Würde und geistiger Gesundheit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; In der Pädagogik ====&lt;br /&gt;
Entsprechend wird im Zusammenhang von Steiners Darstellungen zur &#039;&#039;„Allgemeinen Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik“[14]&#039;&#039; eine ‚Physiologie und Psychologie der Freiheit‘ veranlagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; In der Kunst als Therapie ====&lt;br /&gt;
Und auch die künstlerische Tätigkeit versteht Steiner nicht als ästhetischen Selbstzweck. Sie hat Bewusstsein weckenden Charakter und mündet in allen Bereichen in therapeutische Wirksamkeit, wie in EH am Beispiel der Heileurythmie in Kapitel XVIII gezeigt wird. Der Leiter der Kolisko-Akademie, &#039;&#039;Armin Husemann&#039;&#039;, hat diesem Impuls einer therapeutisch ausgerichteten &#039;&#039;„Menschenwissenschaft durch Kunst“&#039;&#039; sein Lebenswerk gewidmet.[15]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[16]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?,&#039;&#039; GA 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Geheimwissenschaft im Umriss&#039;&#039;, GA 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Ebenda, Seite 219–225, 251–256 sowie 351–353.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit,&#039;&#039; GA 15.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Neues Testament, &#039;&#039;Johannes Kap. 1, 3.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen&#039;&#039;, GA 27, Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Christian Morgenstern (1871–1914) hat diesem dienenden Geschehen sein Gedicht &#039;&#039;Fußwaschung&#039;&#039; gewidmet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. Harlan, (2008).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Siehe FN1, S. 12.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit,&#039;&#039; GA 15.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Ebenda, S. 46.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik&#039;&#039;, GA 293, 26 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik&#039;&#039;, GA 293.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[15] Vgl. A. Husemann (2007 und 2024).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[16] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ANSPRUCH UND AUFGABE DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen Anspruch hat die Anthroposophische Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worin sieht sie ihre Aufgabe?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was war laut Rudolf Steiner das entscheidend Neue?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Bemühen der Anthroposophischen Medizin&#039;&#039; &#039;&#039;um mehr Menschlichkeit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin ist ein Kind des 20. Jahrhunderts. Sie hat den Anspruch, naturwissenschaftliche, philosophische und spirituelle Erkenntnisse und deren therapeutische Anwendungen in ein ganzheitliches Konzept zu integrieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als eigenständige medizinische Bewegung hat sie jedoch erst gut 80 Jahre Entwicklung hinter sich, weswegen sie noch nicht so breit im allgemeinen Bewusstsein verankert ist wie beispielsweise die Homöopathie. Darüber hinaus ist die Bezeichnung „Anthroposophische Medizin“ etwas schwer verständlich. Der Begriff „Homöopathie“ hat sich aus dem prinzipiellen Gegensatz zur gängigen „Allopathie“ gebildet. Er orientiert sich am Simile-Prinzip. „Anthroposophisch&amp;quot; heißt hingegen in der schlichtesten Übersetzung aus dem Griechischen einfach nur „menschlich&amp;quot;. Entsprechend hat sich die Anthroposophische Medizin zur Aufgabe gesetzt, im Umgang mit Krankheit und Gesundheit in Theorie und Praxis das Bewusstsein und die Entwicklung von mehr Menschlichkeit ins Zentrum allen Bemühens zu stellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wesensglieder-Diagnostik als neue Perspektive&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner war es wichtig, die Wesensglieder-Diagnostik und die sich daran anschließende Therapiefindung als das entscheidend Neue zu sehen, das durch die Anthroposophie in den gegenwärtigen Medizinbetrieb hereinkommen kann. Es ging ihm nicht primär darum, neue und womöglich wirksamere Medikamente zu finden für dieses und jenes. Vielmehr wollte er vermitteln, dass die Medizin durch ein Menschenbild bereichert werden kann, das befähigt, den Menschen primär als geistiges Wesen zu begreifen und ihn dadurch in Gesundheit und Krankheit neu zu sehen und behandeln zu lernen.[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Kapitel I von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; heißt es: &#039;&#039;„Der Mensch ist, was er ist, durch Leib, Ätherleib, Seele (astralischer Leib) und Ich (Geist).&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Er muss als Gesunder aus diesen Gliedern heraus angeschaut;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;er muss als Kranker in dem gestörten Gleichgewicht dieser Glieder wahrgenommen;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;es müssen zu seiner Gesundheit Heilmittel gefunden werden, die das gestörte Gleichgewicht wieder herstellen.“[2]&amp;lt;sup&amp;gt;,&amp;lt;/sup&amp;gt; [3]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anthroposophisch-medizinische Therapieansatz kann zudem sowohl alternativ als auch kombiniert mit schulmedizinischer Behandlung zur Anwendung kommen und erfreuliche Besserungen erzielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Erkrankung und Heilung als Kreisprozess verstehen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Methodisch kommt es Rudolf Steiner und Ita Wegman also darauf an, den Prozess der Erkrankung und den Prozess der Heilung als einen einzigen Kreisprozess zu verstehen, in dem der Organismus von Heilmitteln und Krankheitsdiät unterstützt werden muss, um wieder in den „Zustand der Gesundheit“ versetzt zu werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Die Erkrankung beginnt mit einer Irregularität in der Zusammensetzung des menschlichen Organismus mit Bezug auf seine in diesem Buch beschriebenen Teile. Sie ist an einem bestimmten Punkte angekommen, wenn man den Kranken in Behandlung bekommt. Man hat nun dafür zu sorgen, dass alle Vorgänge, die sich seit dem Beginn der Krankheit im menschlichen Organismus abgespielt haben, wieder zurückverlaufen, so dass man zuletzt bei dem Zustande der Gesundheit anlangt, in dem der Organismus vorher war. […] Die Heilmittel müssen daher so beschaffen sein, dass sie nicht nur den Krankheitsprozess zurücklaufen lassen, sondern auch die sich herabstimmende Vitalität wieder unterstützen. Einen Teil der letzteren Wirkung wird man der Krankheitsdiät überlassen müssen. Doch ist in der Regel bei ernsteren Krankheitsfällen der Organismus nicht gestimmt, in der Verarbeitung der Nahrungsmittel genügend Vitalität zu entwickeln. Es wird daher notwendig sein, auch die eigentliche Therapie so einzurichten, dass der Organismus in dieser Beziehung seine Unterstützung findet. […] Im Krankheitsverlaufe ist nicht nur der lokalisierte Krankheitsprozess, sondern die Gesamtveränderung des Organismus zu berücksichtigen und diese in den rückläufigen Prozess einzubeziehen. Wie das im Einzelnen zu denken ist, werden bestimmte Fälle, die wir nun charakterisieren wollen, zeigen.“&#039;&#039;[4] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;An der Heilung des erkrankten Planeten mitwirken&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Ruf nach einer menschengemäßen Medizin steht mit vielen Bestrebungen der letzten Jahrzehnte im Konsens.  So schreibt der berühmte  amerikanische Kardiologe &#039;&#039;Bernard Lown&#039;&#039; im Vorwort seines Medizin-Bestsellers &#039;&#039;„Die verlorene Kunst des Heilens&amp;quot;:[1]„Dieses Buch möge als ein  Kompass dienen (...), indem es eine Medizin beschreibt, in welcher der Mensch im Mittelpunkt aller wissenschaftlichen Dienstleistungen steht – nämlich ein modernes Gesundheitswesen mit einem menschlichen Gesicht.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lown nennt die heutigen großen Probleme beim Namen: Die ungerechte Weltordnung, die bewirkt, dass sich auch im neuen Jahrhundert die Kluft zwischen den armen Entwicklungsländern und den reichen Industrienationen immer schneller vertieft und viel zu viele der sieben Milliarden Menschen auf der Welt in einer quälenden, erbarmungslosen und erniedrigenden Armut leben. Er fordert von den Ärzten, aktiv beim Aufarbeiten der sozialen Missstände mitzuwirken sowie bei der Heilung unseres erkrankten Planeten. Das Wort des deutschen Pathologen &#039;&#039;Rudolf Virchow&#039;&#039; ist ihm Vorbild, dass Politik eine „Medizin im Großen&amp;quot; ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie aber wird eine medizinische Denkweise und Methode erarbeitet, die solches leisten kann?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztlich kann doch nur ein neues Denken über die alten, unerbittlich wachsenden Probleme dazu führen, diese nachhaltig zu lösen. Anthroposophische Medizin möchte in aller Konsequenz dazu beitragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Physiologisch-Therapeutisches auf Grundlage der Geisteswissenschaft. Zur Therapie und Hygiene,&#039;&#039; GA 314, S. 29 und S. 226 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, S. 12.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Formatierung Katharina Offenborn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe FN 2, S. 89f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Bernard Lown, &#039;&#039;Die verlorene Kunst des Heilens,&#039;&#039; Berlin 2002.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== GESUNDHEITSWISSENSCHAFTLICHER ANSATZ DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Bereiche umfasst der gesundheitswissenschaftliche Ansatz der Anthroposophischen Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht dabei um drei Bereiche:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Um den Bereich des Ätherisch-Lebendigen und die hier agierenden &#039;&#039;&#039;Rhythmen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
# Um das Zusammenspiel der Wesensglieder im so genannten &#039;&#039;&#039;dreigliedrigen Organismus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
# Um eine dem Menschengeist gemäße &#039;&#039;&#039;Erziehung und Selbsterziehung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;AD 1. ZUR RHYTHMUSFORSCHUNG&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gunther Hildebrandt&#039;&#039;, einer der führenden Rhythmus-Forscher im 20. Jahrhundert, hat sein Lebenswerk als Physiologe der systematischen Erarbeitung der rhythmischen Funktionen und deren adaptiven, erholsamen und stabilisierenden Wirkungen gewidmet.[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hatte in einer Vortragsnachschrift von Steiner gelesen, dass die rhythmische Organisation des Menschen ihren Ausdruck findet im Rhythmus der Blutzirkulation und dem Atemrhythmus und dass dieser Zusammenhang zu wenig beachtet wird. Beim erwachsenen Menschen haben diese beiden Rhythmen das Verhältnis 4:1. Das ist natürlich nur ein approximativer Durchschnittswert, der allerdings in seinen Abweichungen Auskunft gibt über Gesundheit und Krankheit des individuellen menschlichen Organismus. Diesen Hinweisen Steiners ist Hildebrandt mit den Methoden der Chronobiologie und der Rhythmusforschung nachgegangen. Anhand seiner Resultate konnte er belegen, wie sehr die anthroposophische Geisteswissenschaft mit der akademischen Naturwissenschaft übereinstimmt und dass sich neue Möglichkeiten des Verstehens erschließen, wenn man beide methodisch ernst nimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Rhythmusforschung am Beispiel Schlaf&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Hildebrandt konnte nachweisen, dass die Schlaferholung als zentral koordinierter Prozess nicht allein aus biochemischen und physiologischen Gesichtspunkten heraus erklärbar ist, sondern dass Selbstordnungsprinzipien am Geschehen beteiligt sind, die eine rhythmische Zeitstruktur haben und prozessual in Richtung Heilung oder Krankheit stimulierbar sind. Er konnte in vielfach bestätigten Befunden nachweisen, dass im Verlauf des Nachtschlafes die ganzzahlige Frequenzabstimmung zwischen Herz- und Atemrhythmus des gesunden Organismus bei jedem Menschen wieder hergestellt wird, und zwar unabhängig von der Richtung der am Tage aufgetretenen Abweichungen. Dasselbe konnte Hildebrandt auch hinsichtlich der ganzzahligen Frequenzabstimmungen von Atem- und Blutdruckrhythmus sowie von Blutdruckrhythmus und Minutenrhythmus der peripheren Durchblutung nachweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Arbeitsrhythmen der Wesensglieder und autochrone Biorhythmen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Des Weiteren konnte Hildebrandt zeigen, dass die von Steiner erforschten basalen Arbeitsrhythmen der Wesensglieder tatsächlich den evidenten, adaptiven und autochronen Biorhythmen des Menschen entsprechen. Auch konnte er belegen, dass diese hygiogenetischen Prozesse in der Regel reaktiv ausgelöst werden und ihre Zeitstruktur nicht von den Eigenrhythmen der Wesensglieder bestimmt werden, sondern reaktiv von deren harmonischen Frequenzmultiplen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Jahresrhythmen unter Einfluss des physischen Leibes ====&lt;br /&gt;
Regenerative und adaptive Rhythmen des physischen Leibes hängen mit dem Jahreslauf der Sonne sowie der annualen Rhythmik zusammen. Die heteronomen trophisch-plastischen Wachstumsprozesse mit der submultiplen Periodendauer des Jahresrhythmus werden überwiegend von den Einflüssen bestimmt, die der physische Leib auf die hygiogenetische Aktivität des Ätherleibes hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; 7-Tage-Rhythmus bestimmt vom Ätherleib ====&lt;br /&gt;
Regenerative und adaptive Rhythmen des ätherischen Leibes entsprechen dem Monatsrhythmus sowie der lunaren Rhythmik. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Monatsrhythmus bestimmt vom Astralleib ====&lt;br /&gt;
Adaptive und regenerative Rhythmen des Astralleibes von 7 Tagen entsprechen dem Wochenrhythmus, der zirkaheptanen Rhythmik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Rhythmisches Zusammenspiel von Ätherleib und Astralleib&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Die eigentlichen heilenden Prozesse, die sich als normgerichtete Regenerationsvorgänge äußern und eine funktionelle Normalisierung herbeiführen, werden im Zusammenwirken von Ätherleib und astralischem Leib zeitlich gegliedert. Ausdruck dieses Zusammenwirkens ist die Tatsache, dass der spontane Eigenrhythmus des Astralleibes mit 7 Tagen Periodendauer zugleich eine Submultiple des ätherischen Monatsrhythmus darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Eigenrhythmen der beiden Wesensglieder stehen bemerkenswerterweise auch im doppel-oktavischen harmonischen Verhältnis von 4:1. Das vielfach nachgewiesene Vorherrschen der zirkadianen Septanperiodik bei den spontanen und therapeutisch angestoßenen Selbstheilungsprozessen kann daher so gedeutet werden, dass der Astralleib mit seinem Eigenrhythmus den hygiogenetischen Prozessen eine Zeitstruktur vorgibt, der sich der Ätherleib durch Ausbildung einer submultiplen Periodik optimal einpasst.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; 24-Stunden-Rhythmen unter Führung der Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Adaptive und regenerative Rhythmen der Ich-Organisation entsprechen dem 24 Stunden-Rhythmus, der zirkadianen Rhythmik. Seine Forschungsergebnisse zusammenfassend führt Hildebrandt aus, dass die verschiedenen, stoffwechselbedingten Erholungsprozesse mit einer Periodendauer unter 24 Stunden, die dem Bestand und der Gesunderhaltung des Organismus dienen, der zeitlichen Führung seitens der Ich-Organisation unterliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;AD 2. ZUR FUNKTIONELLEN DREIGLIEDERUNG&#039;&#039; &#039;&#039;DES MENSCHLICHEN ORGANISMUS&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Gedanke der funktionellen Dreigliederung des menschlichen Organismus geht auf eine dreißigjährige Forschung Steiners zurück, die er erstmals 1917 publizierte.[3] Der Anatom und Morphologe Johannes W. Rohen griff diese Anregung in seinen Lehrbüchern für die Medizinstudenten auf.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Sichtweise des menschlichen Organismus verknüpft drei Aspekte miteinander:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Sie macht den polaren Bau des menschlichen Organismus funktionell und morphologisch transparent.&lt;br /&gt;
# Sie liefert eine pathologisch und therapeutisch relevante Erklärung des Leib-Seele-Problems.&lt;br /&gt;
# Sie führt nicht nur zu einer neuen Sicht auf die Entstehung von Krankheit, sondern auch zu einem Konzept für die Entstehung von Gesundheit (Salutogenese, Hygiogenese).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Polarität und ausgleichende Prozesse&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Morphologisch betrachtet sind die Rundheit der Schädelform und die radiale Form der Gliedmaßen echte Polaritäten. Entsprechend polar stehen auch die bewussten, im Kopf zentrierten Denk- und Sinnestätigkeiten den unterhalb des Zwerchfells lokalisierten unbewussten metabolischen Auf- und Abbauvorgängen gegenüber. Dazwischen entfalten sich die rhythmischen Transport- und Verteilungssysteme, wie sie von den Atmungsorganen und dem Herzen als Mittelpunkt des Kreislaufsystems ausgehen. Diese dreiteilige morphologische Grundgliederung bezeichnet Steiner mit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Nerven-Sinnes-System NSS&#039;&#039;&#039;: überwiegend im Kopf zentrierte &#039;&#039;„obere Organisation&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Rhythmisches System RS&#039;&#039;&#039;: überwiegend im Thorax lokalisierte &#039;&#039;„mittl. Organisation&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Stoffwechselsystem&#039;&#039;&#039;: überwiegend im Abdomen lokalisierte &#039;&#039;„untere Organisation&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Dreigliederung entspricht bereits die Polarität von Ektoderm und Entoderm und den sich aus dem Zusammenspiel beider ergebenden sekundären mesodermalen Strukturen in der Embryonalentwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Dreigliederung findet sich auch in der Formation des Skelettes wieder: Wirbelsäule und Brustkorb haben einen rhythmisch gegliederten Aufbau (Wirbel, Rippen), im Gegensatz zur radialen Form der Extremitäten und der sphärischen des Kopfes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die zeitlich-prozessuale und damit auch die physiologisch-biochemische Betrachtung ist jedoch das jeweils spezifisches Zusammenwirken der vier Wesensglieder in den drei Regionen des Körpers entscheidend:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbstverständlich gehört der Nervenzell-Stoffwechsel den Stoffwechselfunktionen an und umgekehrt ist das vegetative Nervensystem, das wahrnehmend und regulierend auf das gesamte Stoffwechselgeschehen einwirkt, Bestandteil des Nervensinnessystems.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entsprechend ist das rhythmische System mit seinen Funktionsleistungen auch im Nervensinnes-System und beim Stoffwechsel wirksam. Es stellt mit den kurzwelligen Rhythmen der elektrochemischen Hirnpotentiale im Sekundenbereich und den langwelligen Eigenrhythmen der Stoffwechselorgane (z.B. Magen / Darmmotilität) im Stundenbereich die gesamte rhythmische Funktionsordnung im dreigliedrigen Organismus dar. Bei der Dreigliederung handelt es sich also nicht um eine Dreiteilung, sondern um eine funktionelle Gliederung, die sich gleichzeitig räumlich im polaren Aufbau des Körpers abbildet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zusammenspiel der Wesensglieder im dreigliedrigen Organismus&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Werden die Funktionen des Nerven-Sinnes- und des Stoffwechselsystems mithilfe des rhythmischen Systems nicht genügend aufeinander abgestimmt, so tritt Krankheit auf:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Derjenige wird den menschlichen Organismus in seinem gesunden und kranken Zustand – oder besser gesagt: in seinem Gesund-Sein und seinem Gesund-Werden – nicht eigentlich verstehen können, der nicht berücksichtigt, dass die so genannten normalen Funktionen im Grunde nur Metamorphosen sind, auch derjenigen, die wir hervorrufen müssen, um pathologischen Zuständen zu begegnen&amp;quot;&#039;&#039;.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hildebrandt machte darauf aufmerksam, dass diese Aussage Steiners im Prinzip dem so genannten ersten Hauptsatz der Naturheilkunde entspricht, wie er zum Beispiel von Groote formuliert wurde: &#039;&#039;„Das, was den Gesunden gesund erhält, ist auch geeignet, den Kranken wieder gesund zu machen&amp;quot;&#039;&#039;.[6]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Inkarnierende und exkarnierende Wesensgliedertätigkeit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das Steinersche Paradigma von der Metamorphose der „inkarnierenden&amp;quot; Wesensgliedertätigkeit in die „exkarnierende&amp;quot;, die das seelisch-geistige Leben ermöglicht, ist einerseits Grundlage für ein neues Verständnis des Leib-Seele-Zusammenhangs. Es bietet aber auch bisher nicht dagewesene Möglichkeiten, die Fachgebiete der Erziehungswissenschaften und Medizin in ihrem Zusammenhang zu verstehen und für die Weiterentwicklung von Therapie und Pädagogik zu nutzen. Denken, Fühlen und Wollen als seelisch-erfahrbare Qualitäten werden in ihrem Leibbezug durchschaubar:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Der &#039;&#039;&#039;Ätherleib&#039;&#039;&#039; kann damit als &#039;&#039;Träger des Gedankenlebens&#039;&#039; erkannt werden,&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;&#039;Astralleib&#039;&#039;&#039; als &#039;&#039;Träger des Gefühlslebens&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* und die &#039;&#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;&#039; als &#039;&#039;Träger des Wollens bzw. Tuns&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die inkarnierende Wesensgliedertätigkeit ermöglicht Selbsterfahrung und ist somit die Grundlage von Selbstbewusstsein im Leib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die exkarnierende Wesensgliedertätigkeit, deren Medium das Denken ist, das „Leben im Geiste&amp;quot;, ist Grundlage für die Entwicklung eines bewussten, vom Leib emanzipierten, persönlichen Innenlebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die inkarnierende und die exkarnierende Wesensgliedertätigkeit hängen eng zusammen im Kontext der Entwicklung des Menschen. So entwickelt sich z.B. unser Denken erst aus der schrittweisen Emanzipation des Ätherleibes – von der leibgerichteten Tätigkeit hin zur leibfreien, rein gedanklichen Tätigkeit.[7] Wird die gesunde Inkarnation des Ätherleibes durch die Erziehung nicht unterstützt, sondern behindert durch kognitives Frühtraining und die Förderung abstrakten Denkens, emanzipiert sich der Ätherleib zu früh und ein Mangel an Vitalität in der zweiten Lebenshälfte ist die Folge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Alles hat seine Zeit&amp;quot; ist daher die Grundlage der Waldorfpädagogik und ihres altersspezifischen Lehrplans.[8](besser nicht in kursiv).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entwicklungsgerechte Förderung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Organsysteme des menschlichen Organismus bedürfen einer entwicklungsgerechten, altersspezifischen Förderung, um sich gesund aufbauen und genügend ausreifen zu können. Nur dadurch kann die Inkarnation aller Wesensglieder optimal gewährleistet werden. Damit wird auch die physiologische Lockerung der Wesensglieder im letzten Lebensdrittel auf möglichst gesunderhaltende Art und Weise vorbereitet. Jeder alternde Organismus hat zwar die Disposition zu chronischen Erkrankungen des älteren Menschen, ob es jedoch zum Ausbruch einer entsprechenden Krankheit kommt bzw. welchen Schweregrad sie erreicht, ist bis zu einem gewissen Grad abhängig davon, wie das Kind oder der Jugendliche die Zeit der Inkarnation der Wesensglieder durchlaufen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiteres Kriterium ist die Frage, ob in der Lebensmitte durch geistige Aktivität Lebensfragen und Konflikte so verarbeitet wurden, dass die zur Gesunderhaltung von Leib und Seele nötige Übereinstimmung mit sich und dem Schicksal hergestellt werden konnte. Aaron Antonovsky spricht von der Notwendigkeit, ein „Kohärenzgefühl“ sich und seinen Lebensumständen gegenüber zu erwerben.[9]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;AD 3.&#039;&#039; &#039;&#039;ERZIEHUNG UND SELBSTERZIEHUNG ALS QUELLE SALUTOGENER KOMPETENZ&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die von Rudolf Steiner konsequent verfolgte These einer Erziehung zur Freiheit und einer Lehre von der Gesundheit, basierend auf der Auseinandersetzung mit den Herausforderungen des Lebens auf geistiger, seelischer und körperlicher Ebene, erfährt auf vielfältige Weise Bestätigung durch:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Hygiogenese&#039;&#039;&#039; (Hildebrandt 1985),&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Salutogenese&#039;&#039;&#039; (Antonovsky 1997)&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Resilienzforschung&#039;&#039;&#039; (Opp/Fingerle/Freytag 1999)&lt;br /&gt;
* sowie die &#039;&#039;&#039;Erforschung der seelischen Gesundheit&#039;&#039;&#039; durch die humanistische Psychologie (Maslow 1981).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Erforschung der seelischen Gesundheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Maslow fand bei seinen Untersuchungen zur seelischen Gesundheit heraus, dass Menschen mit einer gesunden seelischen Gesamtverfassung sach- und nicht ich-bezogen handeln, dass sie tolerant und wahrhaftig sind, sich herzlich freuen, staunen und Dinge und Menschen bewundern können, dass sie Gefühle der Devotion aufbringen. Ihnen ist gemeinsam, dass sie auf die eine oder andere Art auf eine spirituelle Höhepunkt-Erfahrung, die so genannte Peak-Experience, zurückschauen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Maslow konnte zeigen, in wie hohem Maße die Arbeit an der eigenen Persönlichkeit und die persönliche Reife Einfluss auf den körperlichen Gesundheitszustand haben.[10]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Salutogenese – die Lehre von der Gesundheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Antonovsky entwickelte in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts seine Theorie der Salutogenese. Er untersuchte die Bedingungen für das Entstehen von Gesundheit und wählte als Kernbegriff den „Sense of Coherence“ – das Kohärenzgefühl. Die Entstehung von Kohärenzgefühls unterliegt drei Vorbedingungen: Die Welt muss als&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* verstehbar&lt;br /&gt;
* sinnhaft&lt;br /&gt;
* handhabbar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
erlebt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder in der Gesundheitsforschung Tätige kommt früher oder später zu der Überzeugung, dass Gesundheit ein labiler Zustand ist, der vom Individuum aktiv erhalten werden muss. Diese Auffassung steht im Gegensatz zum konventionellen, pathogenetischen Postulat, dass ein gesunder Organismus sich in „normaler&amp;quot;, geordneter Homöostase befindet, die durch eine Krankheit aus dem Gleichgewicht gebracht wird. Antonovsky stellt dem entgegen, dass es den geordneten Zustand der Homöostase nicht gibt, dass Gesundheit vielmehr das ständige Ringen mit heterostatischen Zuständen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er schreibt: &#039;&#039;„Zu jedem Zeitpunkt kann mindestens ein Drittel, möglicherweise mehr als die Hälfte der Bevölkerung in den Industrienationen aufgrund des einleuchtenden Parameters eines pathologischen Merkmals als krank bezeichnet werden. Das zeigt, dass Krankheit keine relativ seltene Abweichung irgendeiner Norm, sondern ein ubiquitäres Phänomen ist&amp;quot;&#039;&#039;.[11]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit ist so gesehen nicht die Abwesenheit von Krankheit, sondern die Beherrschung und Kompensierung vorhandener Krankheitstendenzen. Für diese gesundheitswissenschaftliche Sicht bietet das Konzept der Wesensglieder und ihr differenziertes Zusammenwirken im dreigliedrigen Organismus das notwendige theoretische und praxisrelevante Instrumentarium. Hinzu kommt, dass das Wesensgliederkonzept bisher das einzige Konzept ist, das dem denkenden Begreifen den Leib-Seele-Geist-Zusammenhang voll erschließen kann und die These von der „Blackbox&amp;quot; begründet hinterfragt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Amelung, W. / Hildebrandt, G. (Hrsg.), Balneologie und medizinische Klimatologie, Berlin 1985.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Gunther Hildebrandt, &#039;&#039;Physiologische Grundlagen der Hygiogenese&#039;&#039;, in: Peter Heusser (Hrsg.), &#039;&#039;Akademische Forschung in der anthroposophischen Medizin&#039;&#039;. Beispiel Hygiogenese: Natur- und geisteswissenschaftliche Zugänge zur Selbstheilungskraft des Menschen, Bern 1999.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Von Seelenrätseln&#039;&#039;, GA 21.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Johannes W. Rohen, &#039;&#039;Morphologie des menschlichen Organismus. Versuch einer goetheanischen Gestaltlehre des Menschen,&#039;&#039; Stuttgart 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Anthroposophische Grundlagen für ein erneuertes christlich-religiöses Wirken&#039;&#039;, GA 342, Dornach 1993.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] L. R. Groote, K. E. Rothschuh, &#039;&#039;Der Arzt im Angesicht von Leben, Krankheit und Tod&#039;&#039;, hrsg. von K. E. Rothschuh, Stuttgart 1961.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkt der Geisteswissenschaft&#039;&#039; in: &#039;&#039;Lucifer - Gnosis&#039;&#039;. 1903-1908, Dornach 1987;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M. Glöckler, &#039;&#039;Gesundheit und Schule. Schulärztliche Tätigkeit an Waldorf- und Rudolf-Steiner- Schulen.&#039;&#039; Dornach 1998.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Tobias Richter, &#039;&#039;Lehrplan&#039;&#039;, Stuttgart 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Aaron Antonovsky, &#039;&#039;Salutogenese. Zur Entmystifizierung der Gesundheit&#039;&#039;, Tübingen 1987.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Abraham Maslow, &#039;&#039;Motivation und Persönlichkeit&#039;&#039;, Hamburg 1981.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Siehe Fußnote 9.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== METHODISCHE GRUNDLAGEN DES ANTHROPOSOPHISCHEN ANSATZES ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worin wurzelt die Methodik des anthroposophischen Ansatzes?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wurzeln des anthroposophischen Ansatzes&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der anthroposophische Ansatz hat seine Wurzeln in der abendländischen Philosophie und der Erkenntnisdramatik des 20. Jahrhunderts. Er bemüht sich um ein spirituelles Verständnis von Mensch und Welt über die Weiterentwicklung des Denkens zu einer unmittelbaren geistigen Anschauung, von Steiner „Imagination“ genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Anthroposophische Medizin ====&lt;br /&gt;
Anthroposophische Medizin hat zum Ziel, sich am Menschen selbst zu orientieren und seinem Heilbedarf auf die jeweils bestmögliche Art zu entsprechen. So greift der konsequent integrativ-medizinische Ansatz nicht nur die verschiedenen Erkenntnis-, Erfahrungs- und Daseinsebenen des Menschen auf, sondern verfügt auch über eine Diversität methodischer Zugänge. Im Sinne des Goethe‘schen Paradigmas bedeutet das, die Art der Betrachtung von der Art des zu Betrachtenden abhängig zu machen. Da der Mensch selbst ein so vielschichtiges und kompliziertes Wesen ist, bedarf es zu seiner Erforschung und Beschreibung die dem jeweiligen Objekt der Erkenntnis angemessene Methode. Allerdings müssen die so erforschten Einzelaspekte dann untereinander vernetzt und konzeptionell so verknüpft werden, dass eine Ganzheit entsteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Die Medizin des 21. Jahrhunderts muss wieder neu den Menschen entdecken, der immer mehr in ultrastrukturelle Teile zerbricht, weil ihr eine auf die Ganzheit gerichtete Erkenntnismethode – die intuitive – fehlt“.&#039;&#039;[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Menschen in seiner Totalität zu erfassen, ist ohne Intuition und Empathie nicht möglich. Diese Ganzheit dann aber je nach Fragestellung und Blickwinkel methodisch und inhaltlich zu gliedern und auch deduktiv zugänglich zu machen, bedarf eines differenzierten Erkenntnisansatzes, wie er in den methodischen Grundlagen der anthroposophischen Geisteswissenschaft vorliegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Anthroposophische Geisteswissenschaft ====&lt;br /&gt;
Anthroposophische Geisteswissenschaft vermittelt keine „fertige&amp;quot; Weltanschauung. Vielmehr lehrt sie, sich eine eigene Weltsicht zu erarbeiten, indem sie bei der Ausbildung des „Selber-Denkens&amp;quot; ansetzt. Mit Hilfe dieses Ansatzes kann jeder Fragen aufgreifen, die ihn im Zusammenhang mit der eigenen Religion oder spirituellen Heilweise interessieren. So gibt es nicht nur Schulmediziner, sondern auch Homöopathen und Vertreter anderer Therapierichtungen, die sich zu anthroposophischen Ärzten weiterbilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Anthroposophische Arzneimittel ====&lt;br /&gt;
Aufgrund des integrativ-medizinischen Ansatzes können die Arzneimittel der anthroposo­phischen Therapierichtung weder methodisch noch von den Stoffgruppen her klar abgegrenzt werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Beispiel wird eine Vielzahl von Arzneimitteln aus natürlichen Rohstoffen hergestellt, ohne dass Anthroposophische Medizin deshalb identisch mit der Naturheilkunde wäre. Es werden über 250 Heilpflanzen verarbeitet, dennoch ist Anthroposophische Medizin keine Phytotherapie. Denn im gesamten Arzneimittelschatz haben gerade die aus natürlichen mineralischen Rohstoffen hergestellten Präparate eine besondere Bedeutung. Schließlich ist Anthroposophische Medizin auch nicht mit der Homöopathie identisch, obwohl sie mit ihr – in modifizierter Form – die Technik des Potenzierens und die Potenzbezeichnung für sehr viele mineralische, pflanzliche und einige tierische Arzneimittel gemeinsam hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch liegt eine größere Anzahl von Präparaten in konzentriert-stofflicher Form vor, allen voran die Präparate aus der weißbeerigen Mistel zur Krebsbehandlung oder das gern gebrauchte Mittel zur Kreislaufregulation Cardiodoron®. Dennoch ist die anthroposophische Therapierichtung nicht zu der allopathischen zu rechnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Volker Fintelmann, &#039;&#039;Intuitive Medizin,&#039;&#039; Hippokrates Verlag, Stuttgart: 1. Aufl. 1987, 5. Aufl. 2007.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== NOTWENDIGER PARADIGMENWECHSEL IN DER MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Warum bedarf die Schulmedizin einer Ergänzung durch eine ganzheitliche Sicht auf den Menschen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern kann die Anthroposophische Medizin zu einem Paradigmenwechsel beitragen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Notwendige Demokratisierung des Gesundheitswesens&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das naturwissenschaftliche medizinische System orientiert sich an der Pathologie. Aus wirtschaftlicher Perspektive folgt daraus: Je mehr Diagnostik und Therapie betrieben werden, umso so mehr Umsatz kann gemacht werden. Anders ausgedrückt: Mit der Krankheit Geld zu verdienen, fördert das Krankheitswesen. Würde man jedoch mit Prävention und Gesundheitsstrategien Umsätze machen und dafür in eine Gesundheitskasse einzahlen, würde dies entschieden zur Volksgesundheit beitragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner forderte bereits 1920 eine &#039;&#039;„Demokratisierung des Gesundheitswesens“.[1]&#039;&#039; Ärzte, Apotheker, Hersteller und Verbraucher sind gefragt, gemeinsam und in Partnerschaft mit den Patienten bzw. Vertretern der Zivilgesellschaft Mitverantwortung für die Gestaltung des Gesundheitswesens zu übernehmen und für die hierzu erforderliche Methodenvielfalt und Therapiefreiheit einzutreten.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Auf Prävention fokussieren&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Paradigmenwechsel könnte sich allem voran darin äußern, dass man der Gesundheitsforschung höchste Priorität gibt. Dies erfordert aber eine ganzheitliche Sicht auf den Menschen, weil Gesundheit nicht auf molekularer Ebene entsteht, sondern das komplexe Ergebnis des Zusammenwirkens geistiger, seelischer, ökologischer und körperlicher Vorgänge ist. Es gehört aber auch eine „physiologische Denkweise dazu“, die dies vermitteln kann. Diese bietet die Anthroposophische Medizin. Als Kinderärztin erlebte ich in der Praxis immer wieder mit Freude, wie lebens- und entwicklungsfreundlich diese physiologische Denkweise und das integrative Menschenbild der Anthroposophischen Medizin sind. Hierzu drei Beispiele:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== •  Vitamin D ====&lt;br /&gt;
Als das Vitamin D entdeckt wurde, reiste der anthroposophische Kinderarzt &#039;&#039;Wilhelm zur Linden&#039;&#039; von Kongress zu Kongress und informierte seine Kollegen, dass die Dosen, die sie den Kindern verabreichten – Vigantolstöße genannt – viel zu hoch und unphysiologisch wären und den Kindern nicht nur nützen, sondern auch schaden würden. Seine Warnungen blieben über Jahre ungehört – bis Studien und Beobachtungen in der Praxis endlich zeigten, wie recht er hatte.[3] Doch bis dahin hatten unzählige Kinder bereits Schaden genommen. Man hätte das durch eine gesunde Denkweise vermeiden können. denn später machte schließlich genau das, was zur Linden ganz zu Anfang schon empfohlen hatte: Man gab kleine, der Physiologie angenäherte Dosen, wie der Körper sie selbst bilden könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;•  &#039;&#039;&#039;Fieberbehandlung ====&lt;br /&gt;
Ein weiteres Beispiel betrifft die Fieberbehandlung. Als ich mein Kinderärzte-Staatsexamen machte, mussten wir noch ankreuzen, dass Fieber eine Krankheit ist, die fiebersenkend, antipyretisch behandelt werden müsse, sonst wäre die Antwort falsch gewesen. Für das Facharzt-Examen besorgte ich mir dann die neueste Auflage der Kinderheilkunde von Professor Simonis. Dort las ich, nur der unerfahrene Kinderarzt würde bei jedem Fieber ein fiebersenkendes Mittel verordnen. Der erfahrene wisse, dass Fieber immunstimulierend wirkt und entscheidend zur Krankheitsbekämpfung beiträgt. Fieber sei ein natürliches Virostatikum und Antibiotikum. Bakterien und Viren sterben zwischen 39° und 40°. Man müsse das Fieber nur intelligent begleiten. Das belegen mittlerweile auch andere Studien weltweit.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Teil bis heute wurden und werden viele Kinder aber „falsch“ behandelt, obwohl man eigentlich weiß, dass es nicht gut ist! Und das nur, weil man im Medizinstudium nicht lernt, mit dem Organismus und im Sinne seiner Funktionen zu denken und zu fühlen und ihn in seinem Sosein optimal zu unterstützen. Selbstverständlich gibt man ein Antipyretikum, wenn man das Fieber nicht beherrschen kann. Aber das ist nur in wenigen Fällen nötig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== •  Antibiotika ====&lt;br /&gt;
Noch in meiner Facharztprüfung Anfang der Achtziger musste ich die Schulmeinung wiedergeben, dass jede Mittelohrentzündung/Otitis Media breitbandantibiotisch behandelt werden müsse, jede! Mit großen Hochglanzprospekten wurden die Forschungen dazu vorgestellt. Dieselben Firmen der Pharmaindustrie hatten jedoch Mitte der Neunziger Jahre plötzlich großes Interesse daran, genau das Gegenteil zu beweisen: Damals hatte die Antibiotikaresistenz bestimmter Krankheitserreger so zugenommen, dass es für die Firmen teurer war, neue Antibiotika zu entwickeln, als die Einbußen durch Nichtbehandeln hinzunehmen. So „durfte“ man jetzt vernünftig behandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophische Ärzte haben jedenfalls – ebenso wie ihre Kollegen in Homöopathie und Komplementärmedizin – durch ihren nicht routinemäßigen, sondern individuell abgewogenen Einsatz von fiebersenkenden Mitteln und Antibiotika seit langem einen nachahmenswerten Beitrag geleistet, der heute so viel diskutierten Antibiotika-Resistenzentwicklung entgegenzuwirken.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner sagte, die Ärzte der Zukunft werden Lehrer in Gesundheitswissenschaft sein und die Lehrer der Zukunft werden Präventionsärzte für die Heranwachsenden sein.[6] Das ist ein Konzept, an dem es sich zu arbeiten lohnt, für das ich mich zunehmend begeistern kann, weil es genau der Beitrag ist, den die Medizin der Gegenwart für ihren Paradigmenwechsel braucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Was ist Anthroposophische Medizin?, Verlag am Goetheanum 2017&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Hygiene als soziale Frage. In: Physiologisch-Therapeutisches auf Grundlage der Geisteswissenschaft.&#039;&#039; GA 314. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1989, S. 221 - 261.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Mehr dazu unter: www.eliant.eu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Eine ausführliche Darstellung der Vitamin-D-Schäden findet sich bei M.S. Seelig, &#039;&#039;Vitamin D and cardiovascular, renal and brain damage in infancy and childhood.&#039;&#039; Ann. New York Acad. Sci. 1969, 147:539 - 582.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Ilene Claudius, Larry J. Baraff, &#039;&#039;Pediatric emergencies associated with fever.&#039;&#039; Emergency Medicine Clinics of North America 28: S. 67 - 84, 2010.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Hamre, Harald J. / Glockmann, Anja / Schwarz, Reinhard / Riley, David S. / Baars, Eric W. / Kiene, Helmut / Kienle, Gunver S.: Antibiotic Use in Children with Acute Respiratory or Ear Infections: Prospective Observational Comparison of Anthroposophic and Conventional Treatment under Routine Primary Care Conditions. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine 2014: &amp;lt;nowiki&amp;gt;http://dx.doi.org/10.1155/2014/243801&amp;lt;/nowiki&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Siehe auch: &#039;&#039;Waldorfpädagogik und Anthroposophische Medizin&#039;&#039;. Schwerpunktheft „Der Merkurstab“ 4:2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FÜNF URSACHEN FÜR KRANKHEIT UND FÜNF WEGE ZUR HEILUNG ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Ursachen für Erkrankung gibt es laut Paracelsus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und welche Wege der Heilung sieht die Anthroposophische Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fünf Ursachen für Krankheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Schon &#039;&#039;Paracelsus[1]&#039;&#039; hat gesagt, der Mensch sei ein fünfgliedriges Pentagramm.[2] Entsprechend gibt es fünf Wege, gesund bzw. krank zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesen Gedanken habe ich versucht, in die Anthroposophische Medizin und in die heutige Zeit zu übertragen. Ich stelle also Paracelsus’ Beispiel mit den Worten des einundzwanzigsten Jahrhunderts dar:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Physischer Standpunkt ====&lt;br /&gt;
Der erste Arzt vertritt den physischen Standpunkt: &#039;&#039;„Das ist doch klar: Der Patient ist durch den Cholerabazillus infiziert worden und letztlich an nicht mehr beherrschbaren Komplikationen verstorben.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ätherischer Standpunkt ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Eines wundert mich“,&#039;&#039; sagt der Zweite, &#039;&#039;„wenn gesichert ist, dass der Patient an einem Bazillus gestorben ist, warum sind dann nicht alle gestorben, die sich angesteckt haben? Denn die meisten meiner Patienten sind nicht gestorben. Also ist klar, dass der Patient gestorben ist, weil seine Selbstregulation versagt hat. Deshalb konnten auch die Komplikationen nicht beherrscht werden. Die Krankheitsursache liegt eindeutig im Ätherischen. Seine Abwehr war zu schwach, er hatte ein Immundefizit. Der Patient ist an seiner immunologischen Inkompetenz gestorben.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Astralischer Standpunkt ====&lt;br /&gt;
Der dritte Arzt spricht vom Aspekt des Astralleibes her: &#039;&#039;„Liebe Kollegen, Immunkompetenz und Bazillenwirkung sind nicht das Ende der Medizin! Ich kann euch sagen, woran es liegt, dass das Immunsystem eines Menschen dekompensiert: Habt ihr noch nie etwas von der Psychoneuroimmunologie gehört? Meine Forschungsergebnisse belegen, dass positive Gefühle das Immunsystem stärken. Negative Gefühle lassen das Immunsystem früher oder später insuffizient werden. Die Ursache für den Choleratod liegt also in den negativen Gefühlen des Patienten. Er war bitter, kritisch, nörgelig – enttäuscht über sein Leben. Ihr habt ihn doch gekannt! Er war seelisch nicht besonders konstruktiv. Das hält doch kein Mensch auf Dauer aus. Der Cholerabazillus war nur der Effektor. Der Patient war eigentlich schon am Ende. Die Todesursache liegt also im Seelischen.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Standpunkt der Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Schließlich meldet sich ein Vierter und beleuchtet das Ganze vom Aspekt der Ich-Organisation her: &#039;&#039;„Ich könnte allem folgen, was ihr sagt, aber mich wundert, dass ihr meint, das wären die wirklichen Ursachen. Meine Erfahrung ist, dass es vom eigenen Identitätsbewusstsein abhängt, ob jemand bereit ist, an seinen negativen Gefühlen zu arbeiten. In meiner medizinischen Erfahrung habe ich gelernt, Patienten zu motivieren, an ihren negativen Gefühlen zu arbeiten und diese zu überwinden. Dadurch entwickeln sie immunologische Kompetenzen. Selbstüberwindung und die Bereitschaft, aus dem Negativen etwas Positives zu gewinnen, habe ich als das stärkste Wirkprinzip entdeckt. Diejenigen, die keine Lust am Lernen, an der Verwandlung, die keine Lust haben, auch das Negative als zum Leben gehörig zu betrachten, sondern sich immer nur darüber beklagen, werden früher oder später krank. Keine Seele hält es aus, wenn in ihr ein lahmes, inaktives Ich wohnt. Also sage ich: Der Patient ist daran gestorben, dass er sich zu wenig mit sich und seinem Leben identifizieren konnte.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Schicksalsstandpunkt ====&lt;br /&gt;
Der fünfte Arzt sagt: &#039;&#039;„Ich habe das Horoskop des Patienten konsultiert – das stand auf Krise. Man muss zwar bis zuletzt alles tun, was möglich ist – aber gegen das Schicksal und Gottes Ratschluss sind wir ohnmächtig.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun sind alle gespannt, was Paracelsus selber dazu sagen werde. Er überrascht seine Kollegen, indem er sagt: &#039;&#039;„De quinte entibus. Liebe Kollegen, es gibt fünf Wege zur Krankheit und entsprechend auch zur Heilung. Deswegen habt ihr alle fünf recht.“ Ein guter Arzt hat all dies im Auge und greift da an, wo er seiner ärztlichen Intuition gemäß die größten Heilungschancen sieht. Erzwingen können wir nichts, aber wir können bis zuletzt um das Leben des Patienten ringen und für seine Heilung kämpfen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fünf Wege zur Heilung in der Anthroposophischen Medizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Auf der physischen Ebene: ====&lt;br /&gt;
Einsatz der Möglichkeiten der Schulmedizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Auf der ätherisch-prozessualen Ebene: ====&lt;br /&gt;
Prozessorientiert-wirksame Arzneimittel, Diät und Lebensstiländerungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Auf der astralen Ebene: ====&lt;br /&gt;
Neben dem therapeutischen Gespräch ist die Verordnung einer künstlerischen Therapie äußerst hilfreich. Darin können sich auch Kranke ausdrücken, die (noch) nicht bereit sind, über ihre Probleme zu sprechen. Auch Biographie-Arbeit hat sich bewährt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Auf der Ich-Ebene: ====&lt;br /&gt;
Wichtig ist die Beachtung der Identitätsfrage. Manchmal muss man hier das Hauptaugenmerk darauf richten und bei Selbstwertfragen oder Identitätsproblemen Wege zu Selbstschulung nennen. Oft hilft auch die Empfehlung der Lektüre von Steiners Buch zur Selbstschulung &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“[3]&#039;&#039; oder aber eine erneute Suche nach religiöser Sinnfindung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Auf der Ebene der spirituellen Orientierung: ====&lt;br /&gt;
Die Erarbeitung einer sinnstiftenden Weltanschauung ist das tragende Fundament einer gesunden Lebensführung. Hier ist jeder einzelne gefragt, das für ihn Stimmige zu suchen und die entsprechenden Gesichtspunkte im Leben anzuwenden und zu beherzigen. Der Arzt kann auf Grund seiner Lebenserfahrung und Empathie helfender Begleiter sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur Anthroposophischen Medizin, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Philippus Theophrastus Aureolus Bombastus von Hohenheim, getauft als Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, (* vermutlich 1493 in Egg, Kanton Schwyz; † 24. September 1541 in Salzburg) war ein Arzt, Alchemist, Astrologe, Mystiker, Laientheologe und Philosoph. Paracelsus hinterließ zahlreiche deutschsprachige Aufzeichnungen und Bücher medizinischen, astrologischen, philosophischen und theologischen Inhalts, die größtenteils erst nach seinem Tod gedruckt wurden. (wikipedia)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Paracelsus, &#039;&#039;Opus paramirum und De quinte entibus&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?&#039;&#039; GA 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== WIRKFAKTOREN IN DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wirkt Medizin generell?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Faktoren spielen dabei eine Rolle?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wie Anthroposophische Medizin wirkt&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Wirksamkeit der Anthroposophischen Medizin setzt sich aus verschiedenen Faktoren zusammen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Stoffliche Qualität ====&lt;br /&gt;
Schwefel wirkt anders als Phosphor oder anderes. Dieses Enzym hat diese Wirkung und ein anderes Hormon eine andere. Wenn ich ein bestimmtes Mittel gebe, muss ich das berücksichtigen. Das ist die rein stoffliche Wirkung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Pharmazeutisch-moralische Qualität ====&lt;br /&gt;
Es gibt verschiedene Stufen der ethisch-moralischen Zusatzwirkung. Wenn ein Pharmazeut seine Produkte mit Liebe herstellt, ist der Stoff nicht nur Träger seiner Eigenwirkung, sondern die positive Absicht, helfen zu wollen, überträgt sich vom Pharmazeuten auf das Produkt. Das ist eine pharmazeutische Qualität, die er moralisch beeinflussen kann. Das hat nicht nur mit Produktreinheit zu tun, ob unsauber oder sauber gearbeitet wird, sondern mit der moralischen Integrität dessen, der das Produkt herstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Ärztliche Qualität ====&lt;br /&gt;
Ärztliche Qualität entsteht, wenn ein Arzt ein Medikament aufgrund guter Überlegungen mit seinen eigenen Gedanken durchsetzt, mit seiner Liebe zum Patienten, mit seinem Willen, ihm zu helfen. Wenn er das Rezept aus dieser Gesinnung heraus dem Patienten gibt, geht diese innere Einstellung auf den Patienten über. Die Schulmedizin nennt das ‚Placebo-Effekt’, die ‚Droge Arzt’. Aber es gibt keinen Placebo-Effekt, es gibt nur Wirkungen, die man nicht versteht! Der Begriff des Placebos ist ein unwissenschaftlicher Lückenbüßer, den man auch so kennzeichnen müsste. Man muss verstehen, warum welches Placebo wie wirkt! Gute Gedanken sind wirksam:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ist es nichts, wenn einer einem anderen „alles Gute“ wünscht?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es macht einen Unterschied, wenn jemand lügt und dem anderen in Wirklichkeit nicht alles Gute wünscht!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich jemandem Gutes wünsche bzw. wenn ich als protestantischer Christ die Fürbitten mache oder als Katholik bete, hat das doch eine Wirkung! Ich mache das doch nicht zur Selbstbefriedigung, um mir zu zeigen, wie moralisch einwandfrei ich bin oder um dem Pfarrer zu gefallen! Ich mache es, weil ich davon überzeugt bin, dass Gedanken wirksam sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt destruktive Gedanken und positive Gedanken, die nicht nur auf mein Immunsystem, sondern auch auf die Immunsysteme meiner Mitwelt wirken. Hass auf andere Leute ist destruktiv, nicht nur für mich, sondern auch für die Anderen. Das sind astrale Attacken, die Verletzungen seelischer Art erzeugen können. Auch wenn sie unbewusst sind, wirken sie. Sensible Leute spüren genau, wenn Menschen sie hassen oder sie vernichten, betrügen oder mobben wollen. Es braucht nicht real zu passieren, man spürt bereits die Intention als etwas Destruktives. Solche Wirkungen sind kein Placebo-Effekt, sondern geistig-seelisch genau zu beschreiben und kommen entweder aus dem Denken, dem Fühlen oder der Intention von Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Ärztliche Intention als Zusatzwirkung&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Als Arzt gebe ich meine Intention dem Medikament mit. Rudolf Steiner sagt, der Arzt müsse seinem Arzneimittel eine „Aura“ mitgeben, eine Widmung. Wenn ich zum Beispiel Schwefel oder Phosphor oder Arnika verordne, denke ich in diesem Moment an diesen Menschen, an seine Lebenssituation und widme die Wirkung des betreffenden Mittels dieser Situation. Es ist eine weiter imponderable Zusatzwirkung zur normalen Arnika-Essenz im Fläschchen, wenn ich es einem älteren Menschen, der auf der Intensivstation liegt, als Umschlag verordne. Für diesen Menschen habe ich ganz andere Gedanken als für jemand anderen. Meine Gedanken sind Teil dieser individuellen Therapie. Auch eine Standardtherapie verordne ich individuell, weil jeder Mensch anders ist. Es gibt keine zwei gleichen Situationen, auch wenn ich vielfach dieselben bewährten Arzneimittel verwendet habe. Das ist die ärztliche Wirkkomponente.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Der Wille zur Gesundung ====&lt;br /&gt;
Die vierte Komponente betrifft den Eigenanteil des Patienten. Patienten wollen heute genau wissen: „Wofür ist das?“, „Wogegen ist das?“ Wenn sie dann den Beipackzettel lesen, bekommen sie oft Angst. Inzwischen gibt es auch anthroposophische Beipackzettel, auf denen beispielsweise steht: An Kindern nicht erprobt, bitte nicht unter 12 Jahren anwenden. Da bekommen Eltern Angst vor Arnika D6, weil es nicht erprobt ist, und halten es für gefährlich. Dadurch kann sich die positive Wirkung des Arzneimittels nicht voll entfalten. Oder die Mittel wirken nicht recht, weil der Patient eigentlich nicht wirklich gesund werden will. In diesem Fall braucht und will er seine Krankheit. Ein Patient, der nicht gesund werden will, muss erst einmal lernen, wieder gesund werden zu &#039;&#039;wollen&#039;&#039;. Er sucht noch die Flucht in die Krankheit, weil er diesen Schutzraum offenbar braucht. Das ist im Moment seine Identität. Ein Patient, der nicht gesund werden will, für den die Krankheit seine aktuell aushaltbare Gesundheit ist, verkraftet das Leben nicht. Er braucht eine andere Behandlung, als „auf Teufel-komm-raus“ gesund gemacht zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Ärzte haben keine Zeit für eine gründliche Anamnese. Sie behandeln oft auch Menschen, die von Arzt zu Arzt gehen und in Wirklichkeit gar nicht gesund werden wollen. Man hätte schon in der Erstbegegnung eine Biografiearbeit dazwischenschalten oder sagen müssen: „Ich glaube, Sie sind wirklich krank. In ihrer jetzigen Situation würde ich ihnen raten, dass Sie sich für den Prozess des Gesundwerdens genügend Zeit nehmen. Lassen Sie sich im Moment von Ihrem Job beurlauben. Ich gebe Ihnen ein Zeugnis und wir nehmen uns einen ganz langsamen Weg zur Gesundheit vor, damit Sie so werden, wie Sie werden wollen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein anderes therapeutisches Ziel, als jemanden so schnell wie möglich symptomfrei zu bekommen, damit er wieder funktioniert. Wirkliche Heilung kann erst erfolgen, wenn der „Gesund-mache-Wille“ des Arztes sich mit dem „Gesund-werde-Willen“ des Kranken verbinden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Gnade ====&lt;br /&gt;
Das fünfte Therapieprinzip heißt schlicht Gnade. Man kann nicht gegen das Schicksal angehen. Manchmal ist das Schicksal des Kranken so, dass man trotz aller erdenklichen Mühe nicht helfen kann. Das fünfte Prinzip wurzelt in der Überzeugung, dass das Leben nicht in der ärztlichen Kompetenz, sondern in der Hand Gottes liegt. Wenn der Krebs erneut ausbricht, gehe ich mit dem Patienten anders um als zu Beginn einer Krebserkrankung. Jetzt ist größtmögliche Ehrlichkeit gefragt. z.B. das Eingeständnis: &#039;&#039;„Wenn nicht ein Wunder geschieht, könnte es diesmal der Anfang vom Ende sein. Überlege, ob Du Deinem Leben eine vollkommen andere Wendung geben willst und kannst. Jetzt hast Du nichts mehr zu verlieren, Du kannst nur noch gewinnen. Schau mal, ob Du Dich von allem, was Dich zwingt, freimachen kannst und frage Dich, was Du mit deinem letzten Lebensabschnitt wirklich machen willst. Folge nur Dir selbst!“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann passieren manchmal ungeahnte Wunder. Manchmal braucht es diese Todesnähe, bis ein Patient wirklich zu sich kommt und weiß, was für ihn im Leben zählt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Beispiel einer terminalen Krebserkrankung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ich hörte von einem Patienten mit terminalem Krebs. Der Arzt hatte ihm maximal drei Monate gegeben. Er trennte sich daraufhin von all seinem Hab und Gut, verkaufte sein Haus und ging auf Weltreise. Er wollte nun endlich umsetzen, wofür er sich sein Leben lang keine Zeit genommen hatte. Nach seiner Heimkehr wollte er den Rest seines Geldes verschenken und sich auf das Sterben vorbereiten. Als er zurückkam, war der Krebs jedoch weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geschichte hat mir ein Kollege erzählt, der meinte, so etwas wäre eigentlich nicht möglich. Ebenso sah es die Uni-Klinik, in der er behandelt wurde. In der Schulmedizin nennt man das ‚Spontanheilung’. ‚Placebo-Effekt’ und ‚Spontanheilungen’ sind Begriffe, die zeigen, dass man sich in der Schulmedizin nicht mit Wirkfaktoren auseinandersetzen möchte, die etwas differenzierter sind und Spiritualität mit einbeziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur Anthroposophischen Medizin, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ICH-WESEN UND WESEN DER HEILWIRKUNGEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worauf basieren die Phänomene ‚Selbstheilung und ‚Selbstregulation‘?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie korrespondieren das Ich-Wesen des Menschen und das Wesen der Heilwirkungen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern ist der Mensch direkt für den Fortgang der Evolution verantwortlich?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ich-Organisation und Selbstregulation&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel VII von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; wird das Wesen der Heilwirkungen in unmittelbarer Anknüpfung an das bisher über die physiologischen Prozesse und deren Steuerung durch die Wesensglieder Dargestellte beleuchtet. In Kap. V beispielsweise wurde erklärt, inwiefern die Entwicklungspotentiale der natürlichen Evolution mit der Entstehung der ‚defizitären‘ menschlichen Konstitution an ihr Ende kommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Kap. VII nun gehen die Autoren auf eine weitere Besonderheit des Menschen ein – seine „systemimmanente Offenheit“, die eine Voraussetzung für die Entwicklung des seelisch-geistigen Potential ist: &#039;&#039;„Die menschliche Gesamtorganisation ist nicht ein in sich abgeschlossenes System von ineinandergreifenden Vorgängen. Wäre sie das, sie könnte nicht der Träger des Seelischen und Geistigen sein.“[2]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Phänomene ‚Selbstregulation‘ und ‚Selbstheilungskräfte‘ weisen auf die vielen inzwischen bekannten Einflussfaktoren, wie der Mensch die eigene Gesundheit körperlich, seelisch und geistig selbst beeinflussen kann.[3] Die auch von einzelnen Krankenkassen bereits beachtete Präventionsforschung sowie die daraus resultierenden Präventionsprogramme sind dadurch inspiriert. Aus anthroposophischer Sicht ist es letztlich die Ich-Organisation, die für Art und Umfang der Selbstregulation verantwortlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Das Wesen der Heilwirkungen in Mensch und Substanz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das im Titel von Kapitel VII angesprochene ‚Wesen der Heilwirkungen‘ bezieht sich zum einen auf das Ich-Wesen des Menschen selbst und zum anderen auf das Wesenhafte der Substanzbildung durch die Abbau- und Aufbauvorgänge, für deren Qualität die Ich-Organisation ebenfalls verantwortlich ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Begrifflichkeit ‚Substanz‘ hat im Lateinischen die Konnotation des sub, d.h. des ‚darunter‘ liegenden Materiellen. Im Griechischen hat das Wort ουσια noch die Doppelbedeutung von ‚Wesen‘ und ‚Substanz‘:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* D.h. die im Nervensystem zerfallende Substanz &#039;&#039;&#039;entlässt geistige Formkraft&#039;&#039;&#039;, geistig Wesenhaftes. Hier wird die Ich-Organisation zum Träger des bewussten Geisteslebens.&lt;br /&gt;
* Im Gewebeaufbau aus dem Blut hingegen &#039;&#039;&#039;werden gestaltende Formkräfte aufgenommen&#039;&#039;&#039;. Hier wird die im unbewussten Körperleben schaffende Ich-Organisation im Substanzstrom von Blutgewebe und Muttermilch wie getragen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Dreifache Entfremdung der Substanz im Menschen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im Kapitel I war das Schicksal der Substanz im menschlichen Organismus als ein dreifacher Entfremdungsprozess geschildert worden. Diese Begrifflichkeit mag zunächst erstaunen, ist aber sehr präzise gemeint. Im Zuge des Verdauungsprozesses wird die Nahrungssubstanz aus dem Lebenszusammenhang von Pflanze und Tier heraus in den abgebauten mineralischen Zustand versetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# In der &#039;&#039;&#039;Neubelebung&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;durch den Ätherleib&#039;&#039; des Menschen geschieht ein erster Entfremdungsschritt. &lt;br /&gt;
# In dem darauffolgenden Prozess der &#039;&#039;&#039;Durchseelung&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;durch den Astralleib&#039;&#039; wird die Substanz weiter ihrem mineralischen Zustand entfremdet.&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;Durch die Arbeit der Ich-Organisation&#039;&#039; an der Substanz erreicht sie ihre höchste Entfremdungsstufe vom Physisch-Mineralischen, indem sie &#039;&#039;&#039;Geist tragend&#039;&#039;&#039; wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Dienst der Ich-Organisation kommt die Substanz sozusagen wieder aus der Fremde ‚nach Hause‘, indem sie erneut zum Wärmezustand vergeistigt wird und nicht mehr stofflich fassbar ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Selbstheilungskräfte (aus dem Blut) aktivieren lernen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel VII werden die Selbstheilungskräfte nicht mit Blick auf ihre Funktion als körperliche Schutz- und Abwehrmechanismen des Immunsystems geschildert. Vielmehr werden sie als diejenigen Kräfte dargestellt, die dem Blut innewohnen, das den dreigliedrigen Organismus versorgt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* einerseits in Form der &#039;&#039;&#039;weißen Blutzellen&#039;&#039;&#039;, die für die körperliche Abwehr verantwortlich sind, &lt;br /&gt;
* insbesondere aber auch in Form der &#039;&#039;&#039;Tätigkeit der roten Blutkörperchen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* und der &#039;&#039;&#039;übrigen Bestandteile des Blutes&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Blut als Ganzes ist als Instrument der Ich-Organisation Träger der Selbstheilungskräfte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fortgang der Evolution wird maßgeblich von der Art und Weise mitbestimmt werden, wie der Mensch seine von der Natur emanzipierten ‚außerkörperlich‘ wirksamen seelisch-geistigen Potentiale handhabt – zum Segen oder Schaden seiner Mitwelt und seiner selbst. So trägt auch die Art des Umgangs mit dem eigenen Gedanken-, Gefühls- und Willenspotenzial zur Stärkung oder zur Schwächung der Regulationsfähigkeit der Ich-Organisation bei, was sich langfristig auf die gesamte weitere Entwicklung des betreffenden Menschen auswirkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist interessant, dass Rudolf Steiner und Ita Wegman in diesem Kapitel, das den Selbstheilungskräften gewidmet ist, &#039;&#039;„Stockungen im Unterleibe“[4]&#039;&#039; als Beispiel für die unzureichende Heilwirkung des Organismus anführen. Sehr oft sind Verstopfungssymptome und Darm-Koliken Ernährungs- und lebensstilbedingte Verdauungsstörungen, d.h. Probleme, deren Lösung in der Selbstverantwortung liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[5]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27, Kap. VII.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Siehe FN 1, S. 38.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Esch (2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe FN 1, S. 40.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== EIGENE ERFAHRUNGEN BEIM ARZTSTUDIUM ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was wirkt auf den Menschen konstruktiv bindend?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was unterstützt einen Menschen in seiner Entwicklung?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was bedeutet es eigentlich zu helfen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Womit helfe ich und was macht mich sicher, dass ich dabei nicht ein neues Problem schaffe?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fragen als Motivation fürs Medizinstudium&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ich komme ursprünglich aus der Pädagogik und habe gemerkt, wie stark mein Einfluss als Erzieher auf das Kind ist, wie stark das Vorbild wirkt, weil die Schüler alles sehr umweltoffen nachahmen, auch noch in der Oberstufe. Der Einfluss reicht bis ins Gesundheitliche hinein. Ich erlebte daran, welch riesige Verantwortung man hat durch die Art, wie man als Mensch auf andere wirkt. Ich habe mich zum Medizinstudium entschlossen, weil ich herausfinden wollte, wie es zu dieser Wirkung kommt. In dem Zusammenhang bewegten mich die oben genannten Fragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angespornt von der Begeisterung die Antworten zu finden, begann ich mein Studium. Ich war damals 25 Jahre alt, eine Spätberufene also, und hatte das Glück, die Anthroposophie parallel zum Studium studieren zu können. Ich habe sozusagen als angehende Anthroposophin Medizin studiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich fühle mich sicher und gewiss, wenn es mir gelingt, ein anatomisches Substrat, ein Ergebnis, z.B. Phasen der Embryonalentwicklung, wirklich zu verstehen: etwas denken zu können und das, was ich denke, in dem, was ich sehe, als evident wiederzuerkennen; mein Denken und meine Wahrnehmung als kongruent zu erleben; wenn das, was ich denke, auch passiert oder ich es sehe. Dazu gehört auch, das, was ich sehe, zu verstehen, dass es mir nicht ein dunkles Rätsel bleibt; ein Evidenzerlebnis zu haben. Ich hatte durch die Anthroposophie die Möglichkeit, die Medizin sensibel zu hinterfragen und mir Evidenzerlebnisse zu erarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vieles lernt man, ohne es zu verstehen. Man hat etwas festgestellt und soll es anschließend wissen. Bei uns stand über allen Examensfragen: &#039;&#039;„Der Student soll wissen, dass…“&#039;&#039; und dann kamen die Multiple-Choice-Angebote, aus denen man das Richtige heraussuchen musste. Es ist nervtötend, wenn nur Wissen abgefragt wird und kein Verständnis. Nur in den mündlichen Prüfungen ging es manchmal um echtes Verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Stoffwechsel und Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In den ersten vier Vorträgen im &#039;&#039;„Landwirtschaftlichen Kurs“[1]&#039;&#039; spricht Steiner über die spirituelle Bedeutung von Phosphor, Schwefel, Stickstoff, Sauerstoff und Wasserstoff. Die ganze Eiweißchemie bzw. Biochemie unseres Körpers beruht auf diesen Elementen. So konnte ich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;&#039; mit dem &#039;&#039;Phosphor&#039;&#039; in Zusammenhang bringen,&lt;br /&gt;
* den &#039;&#039;&#039;Astralleib&#039;&#039;&#039; mit dem &#039;&#039;Stickstoff&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* den &#039;&#039;Sauerstoff&#039;&#039; mit dem Leben, dem &#039;&#039;&#039;Ätherischen&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* den &#039;&#039;Schwefel&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;zwischen dem physischen Leib und dem Ätherleib wirksam&#039;&#039;&#039; sehen – denn „er macht den physischen Leib geneigt, die Wirkungen des Ätherischen aufzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht hier um die Erkenntnis, wie die vier Wesensglieder im Stoffwechsel aktiv sind, wobei diese vier Hauptelemente wie Tore sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wasserstoff hat eine Sonderposition. Er gehört wesentlich zum Wärmeorganismus und ist sogar &#039;&#039;das&#039;&#039; Zentralelement des Wärmeorganismus. Er ist das leichteste Element, das von sich aus zur Sonne geht, der Gravitation nicht unterliegt, weil es zu leicht ist. Wenn es nicht regnen würde, würde der Wasserstoff die Erde verlassen und sich in der Sonne sammeln. Aber durch Regen, Blitze und Donner, diese enormen energetischen Entladungen, kommt es zur Knallgasverbindung, durch die der Wasserstoff wieder an den Sauerstoff gebunden wird und so wieder auf die Erde kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wissen als etwas Vorläufiges begreifen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ich habe mir in dem Zusammenhang nie die Frage gestellt, ob etwas richtig oder falsch ist, sondern ob es mir zugänglich ist oder nicht. Wenn ich etwas verstanden hatte, war es für mich gewiss.[2] Wenn anschließend jemand erklärte, dass dies nur ein Vorgipfel wäre und die wahre Wirklichkeit noch tiefer läge, noch etwas komplizierter sei, war ich auch dafür offen. Das vorherige Endergebnis gilt dann eben als vorläufig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und man muss auch nicht von Anfang an alles wissen. Ich habe manchen Patienten damit glücklich gemacht, dass ich sagte: &#039;&#039;„Wir beginnen erst einmal mit diesem Therapieansatz – ich werde mich aber noch mit Kollegen beraten, was in Ihrem Fall das Beste ist.“&#039;&#039; Wirkliches Wissen hat Prozesscharakter und kongruiert mit der wachsenden Lebenserfahrung, die durch die Menschen, mit denen wir zusammenleben und -arbeiten, bereichert wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur AM, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft (Landwirtschaftlicher Kurs), Acht Vorträge&#039;&#039;, Koberwitz bei Breslau, 07.06 – 16.06.1924.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Dazu siehe auch: Glöckler, Michaela: &#039;&#039;Einblicke in die anthroposophisch-medizinische Forschung und die Arbeit der Medizinischen Sektion&#039;&#039;. In: Christiane Haid, Constanza Kaliks, Seija Zimmermann (Hg.): &#039;&#039;Goetheanum - Freie Hochschule für Geisteswissenschaft. Geschichte und Forschung der Sektionen.&#039;&#039; Verlag am Goetheanum, Dornach 2017: Rudolf Steiner betonte wiederholt, dass es sich bei seinen Schilderungen und Sichtweisen um ein Wissen handle, das von ihm selbst erarbeitet wurde und als Wissen oder Erkenntnis und nicht als Glaubensinhalt vorgebracht werde. Daher möge man das von ihm Dargestellte als anregende Idee, als Arbeitshypothese nehmen und selbst prüfen, ob es der eigenen Lebenserfahrung und Erkenntnissuche standhalten und dem Leben dienen könne. Auch hoffte er, dass der akademisch geschulte Leser seiner Schriften die Anstrengung unternehmen würde, seine auf meditativen Wegen errungenen Einsichten mit Hilfe empirischer Forschungsmethoden nachzuweisen. Damit führte Steiner in den wissenschaftlichen Diskurs das Prinzip der internen bzw. inneren Evidenz ein: Was man - gestützt auf Erfahrung und Einsicht - als richtig erkannt hat, empfindet man als „innerlich evident“. Es bedarf dann aber auch noch der externen Evidenz, damit man anhand reproduzierbarer Fakten die Legitimität des als richtig Erkannten aufzeigen kann. Beide Evidenzen zusammen ergeben eine umfassende Erkenntnis von Mensch und Welt und die Möglichkeit, sich ein ganzheitliches Menschen- und Weltverständnis zu erarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE FÜNF FUNKTIONSBEREICHE IN DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Funktionsbereiche deckt die Anthroposophische Medizin ab?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Funktionsbereiche des Lebens&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Unser aller Leben spielt sich auf unterschiedlichen Ebenen ab, die ich hier Funktionsbereiche nennen möchte. Im Folgenden werde ich sie genauer beschreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Physischer Funktionsbereich: Leben im Raum ====&lt;br /&gt;
Alles Physische findet im Raum statt und gründet auf räumlich fassbare Strukturen. Der physische Leib des Menschen ist umso gesünder, je besser er an sein Milieu, die jeweilige Umwelt angepasst ist. Vieles an unserer Umwelt macht uns über Wasser, Ernährung und Luft krank, aber auch – wenn es passend wirkt – gesund. Physisch sind wir offene Systeme. Auch was wir über die Sinne aufnehmen, prägen wir uns ein, prägt uns. Alles Schöne wirkt aufbauend, alles Unschöne schwächt. Alles wirkt, egal ob wir sofort krank werden oder nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier ist die Domäne der Schulmedizin. Anthroposophische Ärzte sind zunächst alle auch Schulmediziner, das ist unsere Grundlage. Diagnostische Fragen zum Physischen lauten beispielsweise:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Sind Medikamente nötig, die am Ort des aktuellen Geschehens unmittelbar angreifen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ist eine Umgebungsveränderung vonnöten?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Muss in einem bestimmten Bereich Sinnesschulung nachgeholt bzw. verstärkt werden?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wären Achtsamkeitsübungen bzw. irgendetwas, das die physische Resonanz mit dem Umfeld verbessert, hilfreich?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ätherischer Funktionsbereich: Leben als Prozess ====&lt;br /&gt;
Auch im Ätherischen sind wir offene Systeme. Mit ätherischer Kraft bezeichnet man in der Anthroposophischen Medizin, was man in der orientalischen Tradition Chi oder Lebenskraft nennt. Das Ätherische umfasst alles Prozessuale, das eine Zeitstruktur und Rhythmus hat. Im aristotelischen Sinne befinden wir uns damit in der Kategorie der Zeit. Alles Ätherische ist prozessual, lebendig, zyklisch, miteinander zusammenhängend, voneinander abhängig. Selbst­­­regulation, Selbstheilungsprozesse, Regeneration, Wachstum, Gestaltung haben hier ihren Wirkort. Die anthroposophischen Arzneimittel, die alle prozessorientiert sind, setzen hier an. Viele werden auch mit homöopathischen Verfahren hergestellt. Alle Prozesse, die uns kränken und gesunden lassen, verlaufen im Zeitlichen. So können sich Verstöße gegen gesunde Lebensrhythmen, z.B. unregelmäßige Ernährung, negativ auswirken, sofern die Selbstregulation dies nicht kompensieren kann. Auch die Lebensgewohnheiten, die Art wie man seine Zeit strukturiert oder eben nicht strukturiert, – wie chaotisch oder geordnet man lebt – beeinflusst diesen Wirkbereich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn im Leben herrscht Ordnung, es ist ein geordneter Kosmos. Es wird durch die Sonne, die circadiane 24-Stunden-Rhythmik, durch den Wochenrhythmus und den lunaren Monatsrhythmus beeinflusst. Mit dieser „Bio-Kosmologie“ befasst sich die Rhythmusforschung. Die Sonne ist 150 Millionen Kilometer von uns entfernt. Wenn wir aber Sonnenbrand haben, haben wir ihn hier auf unserer Haut. Unser gesamter Knochenstoffwechsel hängt von der Sonne ab, auch die gesamte chlorophyllproduzierende Pflanzenwelt. Wir sind sonnengetragene Wesen, wir leben in diesem Sonnenraum. Es gibt kein Leben ohne Wasser und Sonne. Die Griechen nannten den durchsonnten blauen Himmel den Äther. Daher auch der Begriff „ätherische Organisation“ für diesen Funktionsbereich. Das Leben auf der Erde muss viel umfassender gedacht werden, als wir das gewöhnlich tun, wenn wir vom Leben sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diagnostische Fragen zum Ätherischen zielen daher auf die Lebensgewohnheiten ab: Ernährung, Schlaf, Work-Life-Balance, aber auch Rituale, Gewohnheiten, religiöse oder meditative Hilfsmittel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Astraler Funktionsbereich: seelisches Erleben in Beziehung zu sich und anderen ====&lt;br /&gt;
Hier geht es um das Gefühlsleben, um die unbewusste und bewusste Beziehungsgestaltung. Alles, was in einer Beziehung stattfindet, was im Gefühl und Bewusstsein lebt, geht über Raum und Zeit hinaus in die „Innerlichkeit“ und erhält durch die Erinnerbarkeit Dauer. Die Beziehung zu sich selbst und den Menschen und Dingen im Umfeld ist ein reicher Kosmos, ein komplexes Netzwerk, ist so etwas wie eine Sternenkonstellation. Das Wort „Aster“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet Stern. Mit diesem Begriff möchte Rudolf Steiner nicht nur an die seelischen Sternkonstellationen erinnern, denen wir angehören, sondern auch an die himmlische Heimat der Seele und deren Verwandtschaft mit der Sternenwelt, die auch in den astrologischen Traditionen zum Ausdruck kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beziehungen können sich wandeln, wir können unser Verhältnis zu ihnen ändern. Wenn sie kaputt gehen, tut es so weh, dass man früher oder später wieder daran arbeiten wird. Unter dem Gesichtspunkt der Reinkarnation gibt es noch einen weiteren Aspekt, der das Ringen um eine positive Entwicklung in unseren Beziehungen in seiner Bedeutsamkeit unterstreicht. Christian Morgenstern drückt dies in einem seiner Gedichte so aus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wir müssen immer wieder uns begegnen&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;und immer wieder durch einander leiden,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;bis eines Tages wir dies alles segnen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;An diesem Tage wird das Leiden weichen,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;das Leiden, welches Selbstsucht zeugte,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;das Leiden wenigstens, das Blindheit zeugte,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;das uns wie blinden Wald im Sturme beugte.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Dann werden wir in neues Ziel und Leben&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;wie Flüsse in ein Meer zusammenfließen,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;und kein Getrenntsein wird uns mehr verdrießen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Dann endlich wird das „... suchet nicht das Ihre“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wahrheit geworden sein in unsern Seelen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und wie an Kraft wird&#039;s uns an Glück nicht fehlen.[1]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diagnostische Fragen zu der astralen Wirkrichtung betreffen biographische Zusammenhänge und damit verbundene Krankheitsursachen. Oft können Biographiearbeit, künstlerische Therapien, Bewegungstherapien und Körperarbeit helfen, das Bewusstsein für sich selbst und die Menschen im eigenen Schicksalsfeld zu harmonisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Funktionsbereich der Ich-Organisation: als Individuum leben ====&lt;br /&gt;
Hier haben wir es mit dem Bereich zu tun, den Goethe „die Dauer im Wechsel“ nannte. Die Ich-Organisation ist gegenüber dem ewigen Wesen des Menschen, seinem spirituellen Kern, offen. Sie umfasst alle Gesetzmäßigkeiten, die mich vor mir selbst und vor anderen persönlich legitimieren, die nur die eigene Individualität betreffen, für die ich mir selbst die Arbeitsrichtung vorgeben kann. Von der eigenen Ich-Verfassung, vom Selbstwert-Gefühl und der Art der Identitätsbildung hängt es ab, wie lange man z.B. negative Gefühle zulässt oder wieviel Stresstoleranz man besitzt. Wer sein Leben, sein Schicksal, mit allen Hoch- und Tiefpunkten, als seinen persönlichen Entwicklungsweg sehen kann, findet in jeder Lebenslage Motive für das, was gerade hier und jetzt gelernt oder getan werden könnte und kann innere Ruhe und die Übereinstimmung mit sich bewahren. Die Resilienzforschung hat viele wertvolle Beweise dafür geliefert, in welch hohem Maße die Art des Umgangs mit sich selbst und der gewählte Lebensstil den Gesundheitszustand von Leib und Seele beeinflussen.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was muss geschehen, damit ein Mensch wieder zu einer positiven Identität und Lebenseinstellung findet, auch wenn seine Umstände traurig oder widrig sein mögen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Anregung für die innere Schulung, für sein Selbstmanagement, für seine Identität kann ich ihm vermitteln, damit er freudig und&#039;&#039; &#039;&#039;wahrhaft als Ich erleben kann?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fragen dieser Art bewegen den Arzt – aber auch Fragen der Prävention&#039;&#039;: Was kann in den Erziehungsjahren geleistet werden, nicht nur für eine gesunde körperliche Entwicklung, sondern auch für die seelische und insbesondere die geistige, Identität stiftende Entwicklung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Funktionsbereich der spirituellen Orientierung: Weltentwicklung bejahen ====&lt;br /&gt;
Hier treten wir aus unserem individuell Menschlichen völlig heraus. Der Kopf ist das Beziehungsorgan, das uns mit der ganzen Welt verbindet, ist unser offenes, rein zur unsichtbaren Welt der Gedanken, den Sinneseindrücken, Vorstellungen sowie dem Bewusstsein hin orientiertes Gebilde. Paracelsus[3] nannte diese Perspektive, die Art, wie wir mit den unsichtbaren Kräften des Denkens, Fühlens und Wollens umgehen, die Quinta Essentia. Die vier anderen „Essenzen“ haben mit den Aggregatzuständen fest, flüssig, gasförmig und Wärme zu tun, die alle noch physisch fassbar sind. Die Quinta Essentia jedoch ist rein spirituell, rein geistig. Sie wird uns zunehmend bewusst durch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* seelisch-geistige Verwandlungsprozesse dank meditativer Schulung,&lt;br /&gt;
* Verfeinerung der Gedanken,&lt;br /&gt;
* Gefühls- und Willenskultur der Achtsamkeit.&lt;br /&gt;
* Die Tugenden und verbindlichen Lebenswerte gehören ebenso in diesen Bereich, &lt;br /&gt;
* aber auch wie ich meine Beziehungen ordne, wie ich meine Identität erlebe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn wie ich mein äußeres und mein biografisch-zeitliches Leben veranlage, hängt letztlich davon ab, wie ich über mich und andere, über die Welt und Gott denke. Eine echte spirituelle Orientierung ist die stärkste salutogenetische Perspektive. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Erlösende menschheitliche Perspektive&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Meine Erfahrung ist, dass es heute immer mehr Menschen gibt, die von einer basalen Trauer und Sorge erfüllt sind in Bezug auf das Weltgeschehen und die Menschheitsentwicklung. Sie sind nicht krank oder deprimiert durch eine schlechte Lebensweise oder Drogen, auch nicht aufgrund negativer Beziehungen. Sie erleben sich vielmehr dadurch beeinträchtigt, dass sie den Eindruck haben, es geht mit der Menschheits- und Erdenentwicklung nicht gut voran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um dem konstruktiv begegnen zu können, braucht es eine große, umfassende, menschheitliche Perspektive, die aufzeigt, dass die Menschheit zwar heute eine besondere Krise durchmacht, verursacht durch den Zerfall von Werten und eine enge materialistisch-ökonomische Weltsicht. Es gilt jedoch zu verstehen, dass nur der Durchgang durch eine Periode des Verlustes spiritueller Perspektiven und humaner Entwicklungsbedingungen das Individuum aus allen kollektiven – auch der religiösen – Bindungen zu befreien vermag, damit es auf dieser Basis neu und selbstständig sein Verhältnis zum weiteren Verlauf der Geschichte zu bestimmen in der Lage ist. Nur ein echtes Verständnis dieser Entwicklungszusammenhänge kann dem sonst unweigerlich eintretenden Kulturpessimismus vorbeugen bzw. kann ihn heilen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anthroposophische Arzt wird seinen Patienten anamnestisch mit Bezug auf diese fünf Funktionsbereiche hin anschauen und womöglich befragen. Am Ende muss er intuitiv entscheiden, wie er den besten Zugang zu dem betreffenden Patienten finden kann, um den notwendigen Gesundungsprozess anzuregen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Mehr hierzu in: Was ist Anthroposophische Medizin? Verlag am Goetheanum, 2017&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Christian Morgenstern, &#039;&#039;Stuttg. Ausgabe, Band 2 Lyrik 1906 – 1914&#039;&#039;, Urachhaus Verlag, Stuttgart 1992, S. 217.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Siehe z.B. Fröhlich-Gildhoff, Klaus / Rönnau-Böse, Maike: &#039;&#039;Resilienz&#039;&#039;. Ernst Reinhardt Verlag, München 2015.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Philippus Theophrastus Aureolus Bombastus von Hohenheim, getauft als Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, (* vermutlich 1493 in Egg, Kanton Schwyz; † 24. September 1541 in Salzburg) war ein Arzt, Alchemist, Astrologe, Mystiker, Laientheologe und Philosoph. Paracelsus hinterließ zahlreiche deutschsprachige Aufzeichnungen und Bücher medizinischen, astrologischen, philosophischen und theologischen Inhalts, die größtenteils erst nach seinem Tod gedruckt wurden (wikipedia).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE WESENSGLIEDER UND IHRE DIAGNOSTIK ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was versteht die Anthroposophische Medizin unter Wesensgliedern?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie lassen sie sich beschreiben?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wesensglieder als Zusammenhänge von Gesetzmäßigkeiten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das Wissen von Körper, Leben, Seele und Geist ist so alt wie die Menschheit. Rudolf Steiners Beitrag besteht jedoch darin, eine neue Zugangsweise zu diesen vier Erfahrungsfeldern aufgezeigt zu haben. Er verwendete für die von ihm in Medizin und Pädagogik eingeführte Terminologie die Worte „Leib“ bzw. „Organisation“.[1] Diese Termini machen nicht nur den Zusammenhang zwischen den Reichen der Natur und den Aggregatzuständen der Materie deutlich, sondern stehen auch für die differenzierte Ganzheit des Menschenwesens nach Geist (Ich-Organisation), Seele (astralische Organisation), Leben (ätherische Organisation) und Körper (physische Organisation). Sie zeigen die komplexen Zusammenhänge von Gesetzmäßigkeiten, durch die sich der Mensch erkennen, erleben, ausdrücken und betätigen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Anthroposophischen Medizin wird also nicht nur die naturwissenschaftliche Beschreibung von Aufbau und Funktion des menschlichen Körpers berücksichtigt, sondern auch die Wirkung der sogenannten Wesensglieder auf den Körper, die von der zugehörigen Gesetzmäßigkeit bestimmt werden und so in das Körpergeschehen eingreifen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Diagnostik der Wesensglieder ermöglicht ein differenziertes Erfassen des Inkarnationszustands des Menschen in Gesundheit und Krankheit, woraus sich der jeweils passende therapeutische Ansatz ableiten lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Physischer Leib – fest ====&lt;br /&gt;
Der physische Leib wird von Stoffen und Kräften im festen Aggregatzustand aufgebaut – sie machen die sinnlich beobachtbare Beschaffenheit des Körpers im Raum aus (griechisch &#039;&#039;physis&#039;&#039; = Körperbildung, Gestalt). Der ganzheitlich-systemische Begriff des Physischen umfasst den gesamten Bereich des Mineralisch-Anorganischen: Dazu gehören die Gesetze der Gravitation, der Mechanik, aber auch die Zerfalls- und Sterbeprozesse von Strukturen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was erkannt werden kann, wenn man dem menschlichen Organismus Stoffe, Gewebe und Partikel entnimmt und analysiert, gehört in das Gebiet des Physischen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ätherleib - flüssig ====&lt;br /&gt;
Der &#039;&#039;Ätherleib&#039;&#039; umfasst die Gesamtheit der Lebensprozesse. Diese sind an den flüssigen Aggregatzustand gebunden und liegen allen Vorgängen zugrunde, die chemische und physikalische Prozesse zu biochemischen und physiologischen Prozessen steigern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wort „Äther“ kommt aus dem Griechischen und heißt Himmel. Damit schließt das Ätherische auch den durchsonnten, blauen Himmelsraum ein, ohne den Leben auf der Erde nicht möglich wäre. Insbesondere die Pflanzenwelt wird davon bestimmt: Das zeigt sich z.B. in der sonnenvermittelten Fotosynthese, die Grundlage der Lebenstätigkeit aller Pflanzen ist. Doch auch ihre Biorhythmen haben ihre Zeitgeber in der Solar- und Lunarperiodik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Astralleib – gasförmig, luftig ====&lt;br /&gt;
Die Kräfte und Gesetzmäßigkeiten, die Bewegung, Bewusstsein und seelischen Ausdruck ermöglichen, bezeichnete Steiner mit &#039;&#039;Astralleib&#039;&#039;, lateinisch „aster“ (Stern). Das Weltall mit seinen Sternkonstellationen ist ein Bild davon: Jeder Planet, jeder Fixstern ist anders als der andere und doch stehen alle in konkreten, sich stets wandelnden Beziehungen zueinander, Konstellationen genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Physiologisch gesehen sind die Bewegungs-, Sprach- und Gefühlsäußerungen an das Vorhandensein von Luft gebunden. Der Astralleib kann nur über den Gaszustand der Materie in das Körpergeschehen eingreifen und ist auch im Hinblick auf seine Wirkungsweise von den Gesetzen bestimmt, die dem Gaszustand eigen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ich-Organisation - Wärme ====&lt;br /&gt;
Für den Gesetzeszusammenhang, der es der selbstbewussten Persönlichkeit erlaubt, sich zu erleben und auszudrücken, wählte Steiner den Begriff &#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;. Diese ist an die Gesetze der Thermodynamik, der Wärme, gebunden. Jeder Mensch erlebt sein Ich und die Persönlichkeitsäußerungen des Anderen in Form von jeweils zum Ausdruck kommenden Wärmedifferenzen bzw. als Wärme- und Kälteausstrahlung. Die kritische Temperatur des jeweiligen Elementes entscheidet, in welchem spezifischen Aggregatzustand die Materie erscheint. Das dem gesunden Körperleben des Menschen zugrundeliegende Wärmeoptimum liegt bei 37°. Es wird durch eine komplizierte Temperaturregulation im Rahmen definierter tages- und jahresrhythmischer Schwankungen konstant gehalten. Auch hängt es jeweils vom geistigen Wärmezustand (Begeisterung) ab, ob und wofür ein Mensch seine Kraft im Leben einsetzt und wie er seine Persönlichkeit zentriert und beherrscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Berechtigte Annahme komplexer Ordnungsprinzipien&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Mit der systemischen Begrifflichkeit der Wesensglieder ist einerseits die Brücke geschlagen zur aristotelischen Elementenlehre, die die Aggregatzustände konsequent mit den Naturreichen (Mineral, Pflanze, Tier, Mensch) verbindet. Andererseits kann dadurch auch ein konkreter Bezug hergestellt werden zur heutigen Faktenfülle naturwissenschaftlicher Forschungen als Grundlage für ein ganzheitliches Bild des Menschen, der sich in Körper, Seele und Geist gliedert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiners Vorgehensweise, übergeordnete Begriffe zu bilden, wird untermauert von Annahmen aus der Systemforschung, die längst von höheren, vernetzten Formgebern und Prozessgestaltern ausgeht, die sie entweder entdeckt oder hypothetisch angenommen hat: Man verwendet den Begriff „Feld“[2] oder spricht von „intraorganischen Ordnungsmustern“ aus der mathematisch-geometrischen Symmetrie und Asymmetrie, die sich nicht mithilfe der darwinistischen Paradigmen von Selektion, Mutation und Anpassung erklären lassen.[3] Auch die Frage nach der Symmetrie als einem universalen Kausalprinzip gehört hierher. All diese Überlegungen und Forschungen besagen, dass es letztlich Gedanken, Gesetze, übergreifende Gesetzeszusammenhänge sind, die sich in den Ordnungen und Wandlungen der Evolution abbilden bzw. diese vorantreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant sind in diesem Zusammenhang auch die derzeit oft gebrauchten Begriffe der Autoregulation, Selbstregulation oder Selbstheilung. Die Wesensgliederdiagnostik kann diese Begriffe mit einem differenzierten Inhalt füllen und dieses Selbst (griechisch: autos) in seinen körperlichen, seelischen und geistigen Ausdrucks- und Funktionsweisen beschreiben.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen.&#039;&#039; GA 37, Rudolf Steiner Verlag, Dornach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rupert Sheldrake, &#039;&#039;The presence of the past. Morphic resonance and the habits of nature.&#039;&#039;  Hammersmith, UK 1988.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Antonio Lima-de-Faria, &#039;&#039;Evolution without Selection. Form and Function by Autoevolution.&#039;&#039; New York 1988.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Werner Hahn/ Peter Weibel (Hrsg.), &#039;&#039;Evolutionäre Symmetrietheorie. Selbstorganisation und dynamische Systeme.&#039;&#039; Stuttgart 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== PARAMETER DER WESENSGLIEDER-DIAGNOSTIK ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen Parametern folgt die Wesensglieder-Diagnostik?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wesensglieder als Gesetzeszusammenhänge des Menschseins&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der phänomenologischen Philosophie und Psychologie ist man gewohnt, den Körper „Leib“ zu nennen. Man meint damit das individuell Geformte bzw. das „Gefäß&amp;quot;, das von allen Funktionen und Seelenerlebnissen ein Aus- und Abdruck ist. Rudolf Steiner verwendet als Bezeichnung für die Wesensglieder je nach Kontext die Ausdrücke „Leib“, „Organisation“ und „Organismus“ oder „Gesetzeszusammenhang“. In der Diagnostik wird der körperliche Ausdruck der Wesensglieder im Einzelnen beschrieben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Physischer Leib ====&lt;br /&gt;
Zu den Beurteilungsgrößen des physischen Leibes gehören neben Körpergröße und Körpergewicht die chemische Analyse (Labordiagnostik) sowie die Ausformung der einzelnen Organe, der konstitutionelle Habitus, und inwiefern dieser durchlässig ist für die Vorgänge des Lebens, der Seele und des Geistes – d.h. für den „Inkarnationszustand&amp;quot; des betreffenden Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ätherleib ====&lt;br /&gt;
Zur Diagnostik des ätherischen Organismus gehört neben dem Erfassen der aktuellen Gesamtvitalität und der Vitalität der einzelnen Organe auch die Beurteilung von Wachstum, Entwicklung und Regenerationsfähigkeit sowie des Säure-Basen-Verhältnisses, des Wasser- und Elektrolythaushaltes und des Zusammenspiels der Biorhythmen, aber auch die Erfassung der Art der Gedankenführung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Astralleib ====&lt;br /&gt;
Die Wirkungsweise des Astralleibes wird einerseits am Bewegungsspiel der Muskulatur und ihres Tonus abgelesen, andererseits aus der Art des Sprechens und der Atemführung sowie des Instinkt-Begierde-Verhaltens erschlossen. Empfindungsleben, „Sensibilität&amp;quot; und das Spektrum der Gefühlsäußerungen geben Aufschluss über seinen aktuellen Zustand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Stärke oder Schwäche der Ich-Organisation können am Zusammenspiel aller Funktionen und Wesensgliedertätigkeiten abgelesen werden. Jede Form von Integrations- und Kontrollverlust zeigt eine Schwächung oder Störungen im Bereich dieses Wesensgliedes an. An dieser Stelle ist es wichtig zu bemerken, dass die Ich-Organisation zwar dem geistigen Wesen Mensch, d.h. seinem Ich, die körperliche – und damit vergängliche –Möglichkeit zur Inkarnation bietet, mit dieser jedoch nicht identisch ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Faktenfülle durch Wesensgliederdiagnostik&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Des Öfteren wird gefragt, warum die Wesensglieder-Diagnostik nötig ist, welche zusätzlichen Informationen sie über das hinaus bieten kann, was eine sorgfältige und umfassende klinische Diagnostik ohnehin leistet. Dazu ist zu sagen, dass das sehr umfassende Studium des jeweiligen Wesensgliedes und der damit zusammenhängenden Gesetzmäßigkeit zusätzliche Informationen liefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die in der Tabelle unten angeführten Parameter implizieren eine große Faktenfülle und eröffnen durch ihre Zusammenschau neue Einsichtsmöglichkeiten in die menschliche Natur, vor allem auf den direkten Zusammenhang der seelisch-geistigen Funktionen mit den physiologisch-anatomischen Strukturen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;Wesensglied&#039;&#039;&#039; und  Naturgesetzlichkeit&lt;br /&gt;
|Selbsterleben und &lt;br /&gt;
kreative Handhabbarkeit&lt;br /&gt;
|Morphologie &lt;br /&gt;
Physiologie&lt;br /&gt;
|Physische Symptomatik&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;&#039;Wärmeorganismus&lt;br /&gt;
Thermodynamischer&lt;br /&gt;
Gesetzeszusammenhang&lt;br /&gt;
|Selbstbewusste &lt;br /&gt;
Gedankentätigkeit,&lt;br /&gt;
Intentionalität,&lt;br /&gt;
Initiative,&lt;br /&gt;
Dicht- und Sprachkunst&lt;br /&gt;
|Integrationsprozesse Gesamtgestalt&lt;br /&gt;
|Individuelle Wärmeverteilung „Ausstrahlung&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;Astralleib&#039;&#039;&#039;Luftorganismus&lt;br /&gt;
Aerodynamischer&lt;br /&gt;
Gesetzeszusammenhang&lt;br /&gt;
|Bewusstsein, Gefühl, Impulsivität, Bewegung&lt;br /&gt;
Musik und Gesang&lt;br /&gt;
|Atmung&lt;br /&gt;
Katabole Stoffwechselvorgänge&lt;br /&gt;
Heterostase&lt;br /&gt;
Differenzierung&lt;br /&gt;
Proportionen&lt;br /&gt;
|Muskeltonus&lt;br /&gt;
(Anspannung und Lösung)&lt;br /&gt;
Lufthaushalt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;Ätherleib&#039;&#039;&#039;Wasserorganismus &lt;br /&gt;
Hydrodynamischer&lt;br /&gt;
Gesetzeszusammenhang&lt;br /&gt;
|Auftrieb&lt;br /&gt;
Schwerelosigkeit Zeitprozesse&lt;br /&gt;
plastisches Gestalten&lt;br /&gt;
|Anabole Stoffwechselvorgänge&lt;br /&gt;
Synthese&lt;br /&gt;
Homöostase&lt;br /&gt;
Proliferation&lt;br /&gt;
|Turgor&lt;br /&gt;
Wasserhaushalt&lt;br /&gt;
Inkarnat&lt;br /&gt;
Hautdurchblutung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;Physischer Leib&#039;&#039;&#039;Feste Organisation&lt;br /&gt;
Gravitation&lt;br /&gt;
Gesetzeszusammenhänge der Festkörperphysik und Mechanik&lt;br /&gt;
|Egoität&lt;br /&gt;
Schwerpunkt erleben architektonisches Gestalten&lt;br /&gt;
|Ablagerungsprozesse&lt;br /&gt;
Strukturierungsprozesse&lt;br /&gt;
Form-Zusammenhalt&lt;br /&gt;
|Dichte&lt;br /&gt;
Gewicht&lt;br /&gt;
Laborparameter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tab. 1.1 Diagnostische Parameter im Funktionsbereich der Wesensglieder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FORSCHUNG UND WEITERENTWICKLUNG IN DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;In welche Richtungen wird in der Anthroposophischen Medizin geforscht?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Möglichkeiten der Evaluation gibt es?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Forschung und Evaluation&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aufgrund ihres natur- und geisteswissenschaftlichen Menschenbildes hat die anthroposophisch-medizinische Forschung zwei Arbeitsrichtungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Eine, die sich den derzeit vorgegebenen akademischen Standards anpasst und Unbedenklichkeit und &#039;&#039;&#039;Wirksamkeit anthroposophischer Arzneimittel&#039;&#039;&#039; untersucht. &lt;br /&gt;
# Und eine andere, die nach den &#039;&#039;&#039;geistigen Ursachen von Krankheit&#039;&#039;&#039; und den &#039;&#039;&#039;heilenden Möglichkeiten der Natur&#039;&#039;&#039; mit ihren Substanzen und Prozessen fragt. &lt;br /&gt;
# Zu jeder seriösen Forschung gehören auch effektive &#039;&#039;&#039;Möglichkeiten der Evaluation&#039;&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophische Medizin ist nicht nur historisch jung, sondern auch in ständiger Weiterentwicklung begriffen. Ihre weltweiten Arbeitszusammenhänge in Forschung, Ausbildung und Praxis werden in der Medizinischen Sektion am Goetheanum in der Schweiz koordiniert.[1] Dort findet sich auch eine Übersicht über die aktuelle Literatur, die Forschungsinstitute und Kliniken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ad 1. Studiendesigns für anthroposophische Arzneimittel ====&lt;br /&gt;
Gegenwärtig wird an Studiendesigns gearbeitet, die der Herkunft, Herstellung und Anwendung anthroposophischer Arzneimittel gerecht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Freiburger Arzt und Wissenschaftler &#039;&#039;Helmut Kiene&#039;&#039; ist die im Juli 2000 erschienene komplementäre Methodenlehre der klinischen Forschung zu verdanken, in der er eine Cognition-based Medicine der Evidence-based Medicine gegenüberstellt.[2] Diese Methodenlehre erstreckt sich auf folgende Evidenzbereiche:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wirksamkeitsnachweis&lt;br /&gt;
* Effektivitätsbeurteilung&lt;br /&gt;
* Therapievergleich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im „Freiburger Institut für angewandte Erkenntnistheorie und medizinische Methodologie“ wird derzeit an den praktischen Konsequenzen für ein neues Studiendesign gearbeitet, das sich auf hohem akademischem Niveau auf die individuelle Einzelfallanalyse stützt. Der Arbeit des Instituts entstammt auch die im Jahre 2003 erschienene umfassende Monographie zur Mistel in der Onkologie.[3] Mit diesem Buch liegt erstmals ein Werk vor, das den Stand der Forschung in Bezug auf die Misteltherapie bei onkologischen Erkrankungen für Mediziner, Wissenschaft­ler und Allgemeininteressierte verfügbar macht. Es leistet damit einen Beitrag zur wissenschaftlichen Diskussion wichtiger medizinischer Grundsatzthemen, aber auch zum Dialog der Denkstile. Es ist ein Beispiel einer gelungenen Synthese von naturwissenschaftlichem und geisteswissenschaftlichem Ansatz auf der Höhe der derzeit gültigen akademischen Standards.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ad 2. Grundlagenforschung zu Krankheit und Heilung ====&lt;br /&gt;
Die Grundlagenforschung befasst sich mit der Erarbeitung von Korrespondenzen zwischen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;&#039;Wesensgliedertätigkeit&#039;&#039;&#039; im Menschen,&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;&#039;Krankheitssymptomatik&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* bestimmten &#039;&#039;&#039;Prozessen in der Natur&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* und der &#039;&#039;&#039;Wirkung von Substanzen&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht darum, Naturprozesse aufzufinden und zu beschreiben, die für den jeweiligen Krankheitsfall die Selbstheilung anregen, einseitigen Funktionen entgegenwirken oder zu schwache Funktionen unterstützen können. Je genauer das therapeutische Ziel aufgrund der Erforschung des evolutiven Zusammenhanges von Mensch und Natur festgelegt werden kann, umso sicherer tritt in der Regel auch die erwünschte Wirkung beim Patienten ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Arzneimittelschatz der heute verfügbaren Anthroposophika entstammt der Zusammenarbeit von Ärzten, Pharmazeuten und Herstellern. Seit vielen Jahren fassen Anthroposophische Ärztinnen und Ärzte ihre Erfahrungen und Erkenntnisse zum Einsatz der Anthroposophischen Arzneimittel in einem Vademecum zusammen, das Fachkreisen zugänglich ist und ständig erweitert wird. Ideen zur Heilmittelfindung entstehen jeweils anhand konkreter Fragestellungen zum Patienten bzw. zu seiner Krankheitssituation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Ausgangsstoffe für die Arzneimittelherstellung mit Bezug auf Sicherheit und Unbedenklichkeit in der Regel schon bekannt sind, ist präklinische Forschung im Sinne von In-vitro- oder Tierversuchen nicht nötig. Wenn neue, noch nicht monographierte Naturstoffe Verwendung finden, unterliegen sie selbstverständlich dem allgemein üblichen Prozedere zur Feststellung von Wirksamkeit und Unbedenklichkeit der entsprechenden Substanz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von einem anthroposophischen Arzneimittel wird erwartet, dass es körperliche oder seelische Beschwerden mildern oder verschwinden lassen bzw. eine Krankheit verzögern, heilen oder womöglich auch verhindern kann. Da sich diese Art der Heilmittelfindung und -anwendung in der Regel am individuellen Patienten orientiert, sind Forschungs- und Evaluationsmethoden erforderlich, die diesem Umstand Rechnung tragen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ad 3. Projekte zur Evaluation der Anthroposophischen Medizin ====&lt;br /&gt;
Im Berliner Forschungsinstitut am Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe wurde mit einem Projekt zur Evaluation Anthroposophischer Medizin begonnen – dem EvaMed-Projekt. Ziel ist die Schaffung einer wissenschaftlich fundierten Datenbasis als Grundlage für den Nachweis zur Unbedenklichkeit und Wirksamkeit von Anthroposophika. Mittels informationstechnologisch gestützter Netzwerke wird Outcome- und Versorgungsforschung innerhalb der Anthroposophischen Medizin betrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der medizinischen Fakultät der Universität Witten-Herdecke wurde 2003 der Stiftungslehrstuhl für Medizintheorie und Komplementärmedizin unter &#039;&#039;Prof. Dr. Peter Matthiessen&#039;&#039; eingerichtet, zu dessen Aufgaben neben Forschung und Lehre auch die Implementierung eines Begleitstudienganges für Anthroposophische Medizin gehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Bern/Schweiz wurde bereits 1994 die „Kollegiale Instanz für Komplementärmedizin“ (KIKOM) eingerichtet und der Schweizer Arzt &#039;&#039;Dr. med. Peter Heusser&#039;&#039; mit der Dozentur für Anthroposophische Medizin beauftragt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Siehe unter: www.medsektion-goetheanum.org&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Helmut Kiene, &#039;&#039;Komplementäre Methodenlehre der klinischen Forschung: Cognition-based Medicine,&#039;&#039; Heidelberg – Berlin 2001.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Gunver S. Kienle/ Helmut Kiene, &#039;&#039;Mistel in der Onkologie: Fakten und konzeptionelle Grundlagen&#039;&#039;, Schattauer 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== AKTUALITÄT DER FORSCHUNGEN RUDOLF STEINERS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche von Rudolf Steiner vorausgesehenen Entwicklungen in der Medizin sind inzwischen Stand der Wissenschaft?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Von Steiner vorausgesehene medizinische Entwicklungen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Bezug auf die Medizin kann man feststellen, dass viele Aussagen in Bezug auf zukünftige medizinische Entwicklungen und Ergebnisse, die Rudolf Steiner vorausgesehen hat, mit denen er ganz selbstverständlich umging, wenn er über Medizin sprach, heute zum Allgemeingut der Wissenschaft gehören. Ich möchte im Folgenden zu jeder Ebene der menschlichen Konstitution Beispiele nennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Erbgut und Immunsystem – physische Ebene ====&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner sprach vor Heilpädagogen, Lehrern, Ärzten davon, dass das sich inkarnierende Kind selbst mit der Auswahl von Vater und Mutter und dem damit verbundenen Erbgut zu tun hat, und dass die sich inkarnierende Individualität selbst daran beteiligt ist, das Erbgut möglichst so zu mischen, wie es zu ihrem Inkarnationswillen passt. Er sagte auch, dass die sogenannten Kinderkrankheiten und fieberhaften Infekte, die während der ersten 8 – 9 Lebensjahre normalerweise gehäuft auftreten, der Individualität die Möglichkeit geben, den ererbten Leib sukzessive umzugestalten und an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genau diese Zusammenhänge wurden in den letzten Jahren im Rahmen der Epigenetik erforscht. Kein wissenschaftlich gebildeter Mensch glaubt mehr, dass das Erbgut ein geschlossenes System ist, das eine Marschroute vorgibt. Das Erbgut ist ein offenes System, das durch individuelle spirituelle Arbeit beeinflusst werden kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das führt heute zu völlig neuen Forschungsfragen auf dem Gebiet der &#039;&#039;„Mind-Body-Medicine“&#039;&#039;. Man erforscht dort die Wirkung von Medikation auf die neuronalen Verschaltungen, auf den Kreislauf usw. und merkt, dass die Medikation auch immunstimulierend wirkt, bzw. dass das Immunsystem dadurch verändert wird. Das Immunsystem wiederum ist das Schlüsselsystem, welches das Erbgut aktiviert und dafür sorgt, dass bestimmte Gene blockiert werden und nicht mehr funktionieren bzw. neue gezündet werden und anfangen zu funktionieren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir brauchen beide Ansätze, wenn wir eine wirklich humane menschliche Medizin schaffen wollen: Die Naturwissenschaft allein reicht nicht. Erst ergänzt um Erkenntnisse aus der Geisteswissenschaft wird Medizin wirklich menschengerecht. Denn es dauert viel zu lange, wenn erst jahrelang Nachweise von der Schädlichkeit einer Maßnahme erbracht werden müssen, bevor diese verboten wird, wie es der naturwissenschaftlichen Methodik entspricht. Dann kommt das Gute immer zu spät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Rudolf Steiners Forschungsmethode der Verifizierung&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Die Geisteswissenschaft macht methodisch das Umgekehrte. Sie macht aufgrund tiefer gehender Einblicke und Kenntnisse der menschlichen Konstitution Angaben über zu erwartende Ergebnisse einer Maßnahme. Man ist als Arzt und Therapeut immer frei, sich für das, was man für das Richtige hält, zu entscheiden. Das bedeutet, dass man für gut und richtig erkannte Maßnahmen und Methoden anwendet, auf diesem Wege verifiziert und anschließend dokumentiert, wie der Gedanke zum Tun und letztlich zu einem guten Ergebnis führte, wobei auftauchende Probleme reflektiert werden. Man erklärt z.B. genau, warum man eine Hypothese etwas modifizierte, um das gewünschte gute Ergebnis zu erzielen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das war die von Rudolf Steiner praktizierte Forschungsmethode: Aus profunder Menschenkenntnis und physiologischem Verständnis heraus eine Hypothese zu bilden und anschließend in der Praxis zu verifizieren, ob der hypothetisch angenommene Erfolg tatsächlich eintritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diesem Wege wurde in der anthroposophischen Medizin ein System für individuelle Einzelfalldokumentation auf hohem akademischem Niveau erarbeitet.[1] Es ist extrem viel Arbeit, diese Zusammenhänge so nachzuweisen, dass sie vor dem empirisch orientierten Denken der heutigen Zeit Bestand haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Rhythmusforschung – ätherische Ebene ====&lt;br /&gt;
Ein ähnlich begeisterndes Feld ist die Rhythmusforschung auf der ätherischen Ebene. Rudolf Steiner wurde nicht müde zu sagen: &#039;&#039;„Rhythmus trägt Leben“&#039;&#039;.[2] Beachtet und pflegt die Rhythmen – im meditativen Leben, in der Pädagogik, in der Medizin – und bedenkt, wann man was wie machen sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jedes Wesensglied hat seinen eigenen Rhythmus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039; folgt dem &#039;&#039;&#039;24-Stunden-Rhythmus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;Astralleib&#039;&#039; dem &#039;&#039;&#039;Wochenrhythmus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;Ätherleib&#039;&#039; dem &#039;&#039;&#039;Monatsrhythmus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;physische Leib&#039;&#039; dem &#039;&#039;&#039;Jahresrhythmus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir diese Rhythmen in unserem Lebensalltag beachten, verfügen wir über robuste Gesundheit – das ist heute alles durch die moderne Rhythmusforschung bestätigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Bindungs- und Beziehungsforschung – astrale Ebene ====&lt;br /&gt;
Auf seelischem Gebiet ist die Bindungs- und Beziehungsforschung angesiedelt. Heute ist klar nachgewiesen, was Rudolf Steiner immer wieder im paracelsischen Sinne betonte: dass die einzig wahre Arznei die Liebe ist. Was in der Arzt-Patienten-Beziehung als professionelle Liebe, als Hingabe an den Patienten wirkt, entspricht der Liebesqualität, die auch Lehrer- und Schülerseelen verbindet. Die Frage Steiners – &#039;&#039;„Kinder, habt ihr eure Lehrer lieb?“&#039;&#039; – war keine rhetorische Frage. Steiner scheute nicht davor zurück, ein Kind in die Parallelklasse zu schicken, wenn es seinen Lehrer nicht lieben konnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das findet in der heutigen Bindungsforschung seine Bestätigung: Eine Beziehung wirkt gesundend,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* wenn sie &#039;&#039;&#039;ehrlich&#039;&#039;&#039; ist, &lt;br /&gt;
* wenn sie von &#039;&#039;&#039;liebvollem Interesse für den anderen&#039;&#039;&#039; geprägt ist,&lt;br /&gt;
* wenn sie von &#039;&#039;&#039;Respekt vor der Autonomie des anderen&#039;&#039;&#039; getragen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind die drei christlichen Grundwerte – Wahrheit, Liebe, Freiheit – von denen wir in der Esoterik nicht müde werden zu sprechen. Alle esoterischen Übungen dienen der Entwicklung dieser Art von Menschlichkeit: dass es wahrhaftiger, liebvoller, freilassender, respektvoller wird im sozialen Miteinander. Dass das gegenseitige Verstehen gefördert wird, das Erwachen aneinander, das zum Verständnis führt. Nichts anderes wird helfen angesichts der Not und des Elends auf der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Traumatherapie – geistige Ebene ====&lt;br /&gt;
Auch auf geistigem Felde gibt es spannende Erkenntnisse. Es gibt heute sehr viele Verfahren, insbesondere auf dem Gebiet der Traumatherapie, die erkannt haben, dass ein schweres Trauma, ein schwerer Angriff auf Leib und Seele, nur als Initiation aufgefasst sinnstiftend verarbeitet werden kann. Es gibt keinen anderen Weg, der wirklich greift. Man kann gewisse Symptome zwar mit psychisch wirksamen Drogen dämpfen. Das ist aber keine Heilung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein schweres Trauma zu verarbeiten, ist ein langwieriger Prozess. Der erste Schritt besteht darin, das Trauma als Schwellenerlebnis in Bezug auf die geistige Welt zu erkennen. In der Folge gilt es dieses Erlebnis fruchtbar zu machen, indem man die Kräfte durchschauen lernt, die einen bedrücken und sie als luziferische und ahrimanische Gewalten unterscheiden lernt. Das gelingt erst vollends, wenn man auch die guten menschlichen Kräfte aufzufinden vermag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich möchte an dieser Stelle eine schlichte Herzmeditation vorlesen. In Rudolf Steiners Notizbuch stehen undatiert folgende Worte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich denke an mein Herz.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Es belebet mich.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Es erwärmet mich.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich vertraue fest auf das ewige Selbst,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;das in mir wirket,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;das mich trägt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Tragekraft an der Schwelle zu erkennen, ist für die eigene Identitätsfindung unerlässlich: dass man in sich die Instanz aufspürt, die angesichts der Vergänglichkeit und Zerbrechlichkeit des Leibes, unvergänglich und unzerbrechlich ist und einen über alle Abgründe des Lebens hinwegträgt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Initiationsweg ist für die anthroposophische Psychotherapie etwas Selbstverständliches. Wir können gar nicht über Entwicklung sprechen, wenn wir uns nicht auch mit all den Mühen auseinandersetzen, die der Entwicklung entgegenstehen. Deswegen fordert Rudolf Steiner in seinem Buch &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; im 1. Kapitel,[3] dass wir zwei Bücher studieren: Wenn wir das ernst nehmen, dürften wir gar nicht weiterlesen, ohne diese beiden Bücher studiert zu haben. Das eine ist &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der Höheren Welten?“,[4]&#039;&#039; das andere die &#039;&#039;„Geheimwissenschaft im Umriss“[5]&#039;&#039; – die Weltentwicklung und der Mensch. Ohne ein Wissen über die dort geschilderten Zusammenhänge und Entwicklungszyklen ist Anthroposophische Medizin nicht vollständig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man also bei uns in die Werkstatt blickt, sieht es sehr tätig und sehr optimistisch aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag auf der Welterziehertagung, Dornach 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Im „Freiburger Institut für angewandte Erkenntnistheorie und medizinische Methodologie“ wird derzeit an den praktischen Konsequenzen für ein neues Studiendesign gearbeitet, das sich auf hohem akademischem Niveau auf die individuelle Einzelfallanalyse stützt. Diese Methode wird in dem Werk von Helmut Keine beschrieben, &#039;&#039;Komplementäre Methodenlehre der klinischen Forschung: Cognition-based Medicine,&#039;&#039; Heidelberg – Berlin 2001.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://www.drhauschka.de/kosmos/werte/im-rhythmus/&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst.&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?&#039;&#039; GA 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Geheimwissenschaft im Umriss.&#039;&#039; GA 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== HEILSAMES ZUSAMMENSPIEL VON THERAPEUT UND PATIENT ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie geht man mit leidenden Patienten angemessen um?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie muss die eigene Seelenstimmung sein, dass sie den anderen da abholt, wo er ist?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielt der Patient bei seiner Heilung?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Professioneller Umgang mit dem Leiden anderer&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dem Leiden eines anderen Menschen in der richtigen Haltung zu begegnen, erfordert Fingerspitzengefühl und Professionalität. Wenn jemand z.B. deprimiert ist, helfen Sie ihm nicht, wenn Sie sagen: &#039;&#039;„Mir ging es auch schon einmal schlecht oder jetzt tun wir Ihnen hiermit etwas Gutes – Sie werden schon sehen, dass Sie sich dann wieder besser fühlen.“&#039;&#039; Ihm aus der eigenen Gesundheit heraus gut zuzureden ist laienhaft und wäre die falsche Herangehensweise. Das machen bereits die Nachbarn und Freunde – es wird endlos auf ihn eingeredet und am Ende geht es ihm nur noch schlechter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jemand, der deprimiert ist, muss dort abgeholt werden, wo er steht – das muss auch ein guter Psychotherapeut lernen. D.h. man muss den Betreffenden zunächst in seinem Leid bestätigen und Mitgefühl zeigen. Dann fühlt er sich ernst genommen und kann sich entspannen. Wenn jemand nicht reden will, wenn er nur ernst schaut, sollte man ruhig und sachlich mit ihm umgehen. Man darf schon ein feines Lächeln zeigen, aber kein provozierend aufmunterndes Verhalten an den Tag legen. Das wäre schon viel zu viel. Vor allem sollte man wach und präsent sein, sodass der andere spürt, man ist für ihn oder sie da. Das tut jedem gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Seele als Wahrnehmungsorgan für den anderen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner forderte in Bezug auf die Pflege – und eine therapeutische Anwendung ist auch eine pflegerische Maßnahme – dass die pflegenden Fachleute die Launen des Patienten studieren. Das bedeutet nun nicht, dass man sich über ihn erhebt und ihn nicht ernst nimmt, dass man sich als der große Analyst aufspielt und sein „schlechtes Benehmen“ verurteilt. Das ist alles nicht gemeint. Es geht vielmehr um ein hoch differenziertes, professionelles, seelisches Wahrnehmungsvermögen und um die Fähigkeit, sich so anzupassen an die Zustände eines anderen, dass man in der Lage ist, Seelenstimmung des Anderen in wahrzunehmen. Um das zu können, muss ich meine eigene Seele zum Wahrnehmungsorgan machen für den anderen – was ich nur kann, wenn ich die menschlichen Seelenzustände gut kenne. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der &#039;&#039;Theosophie&#039;&#039;[1], einem sehr empfehlenswerten Buch für Anfänger in der Anthroposophie, sagt Rudolf Steiner, man könne lernen, seine Sympathien und Antipathien zu einem Wahrnehmungsorgan umzubilden für die Seelenstimmungen eines anderen Menschen. Wenn mir also ein Verhalten unsympathisch ist und ich Antipathie empfinde, erfahre ich dadurch ganz objektiv etwas über mich &#039;&#039;und&#039;&#039; den anderen. Antipathie ist nicht zum Ärgern da – sie soll der Wahrnehmung und dem Erkennen dienen. Das Gleiche gilt für die Sympathie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entwicklungsgedanke macht Mut&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Als ich noch Medizinstudentin war, kurz vor meiner Promotion, machte ich ein Praktikum auf einer Rheumastation. Ich hatte dort mit einer älteren Frau zu tun, Mitte 60, um die ich mich als junge, unerfahrene Medizinerin enorm bemüht hatte, so wie man das als junger Mensch macht. Ich habe die Frau noch heute vor mir – denn die ersten Patienten vergisst man sein Leben lang nicht. Sie sagte plötzlich: &#039;&#039;„Ich weiß überhaupt nicht, warum Sie sich mit mir solche Mühe geben. Das lohnt sich doch alles gar nicht mehr.“&#039;&#039; Ich erschrak und wusste in dem Moment nicht, wie ich darauf reagieren sollte. Diesen Schreck hat sie natürlich auch wahrgenommen. Ich konnte nur sagen: &#039;&#039;„Sie machen mich sprachlos. Ich weiß nicht, was ich Ihnen antworten soll.“&#039;&#039; Nach einer Weile fielen mir ein paar wichtige anthroposophische Argumente ein: dass jeder Tag in der Entwicklung zählt und dass doch auch ein gesunder Mensch nicht weiß, ob er am nächsten Tag noch lebt oder einen Autounfall erleidet usw.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lebensmüdigkeit ist ein Zeichen dafür, dass jemand den Entwicklungsgedanken noch nicht kennenlernen durfte, dass ihm dieses kostbarste Geheimnis noch verschlossen ist. Dann sollte man sich Zeit nehmen, egal welches Alter der Betreffende hat, und ihm oder ihr den Entwicklungsgedanken nahebringen. Die schönsten Gelegenheiten dazu ergeben sich noch kurz vor dem Tod. Ein tiefes Verständnis für Entwicklung kann dazu beitragen, dass jemand mit dem festen Willen über die Schwelle geht, es im nächsten Leben von vornherein anders anzugehen, die Zeit für Entwicklung zu nützen, aus dem Wissen heraus, wozu sie dient und wohin die Reise geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ganzheitlicher Blick auf den Menschen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Therapeutische Anwendungen wirken völlig anders, wenn ein Patient aktiv mitarbeitet, wenn er das Gefühl hat, dass jeder Tag zählt und sich die Qualität seines restlichen Lebens dadurch verbessern kann und er in der Zeit, die ihm bleibt, vielleicht doch noch das eine oder andere tun, denken oder erleben kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn auch bei der sogenannten Physiotherapie, bei der es primär um den physischen Leib zu gehen scheint, darf man die anderen Ebenen und Aspekte nicht vergessen bzw. außer Acht lassen. Auch sie beeinflussen das Körpergeschehen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die Lebenskräfte &lt;br /&gt;
* die seelische Integrität&lt;br /&gt;
* die geistige Identität&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* das Entwicklungspotential&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wichtigste ist der letzte Aspekt: den Menschen als in Entwicklung begriffenes Wesen zu sehen, das an die Vergangenheit angeschlossen und auf die Zukunft hin ausgerichtet ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne das Wissen des Therapeuten um diese Ganzheit können Anwendungen nicht wirklich gut wirken. Andererseits können sie eine enorme Verstärkung erfahren, wenn der Therapeut die anthroposophische Seelenkunde kennt und auch die Bereitschaft aufbringt, sich selbst auf professionelle Weise seelisch und geistig weiterzuentwickeln. Dann wird sich der ganzheitliche Blick auf den Menschen dem Patienten atmosphärisch mitteilen und die Heilung begünstigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag anlässlich des Jubiläums des 100. Geburtstags von Werner Junge, Okt. 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Theosophie&#039;&#039;, GA 9.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE FÜNF EBENEN DES MENSCHSEINS IM MEDIZINISCHEN SYSTEM ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Ebenen des Menschseins gibt es?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welches medizinische System setzt auf welcher Ebene an?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verschiedene medizinische Systeme&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wir Menschen sind komplexe Wesen, die auf unterschiedlichen Ebenen angesprochen werden können. Jedes medizinische System setzt auf einer oder mehreren dieser Ebenen an. Im Folgenden möchte ich die einzelnen Systeme kurz umreißen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;&#039;Homöopathie&#039;&#039;&#039; ist eine alternativmedizinische Behandlungsmethode, die auf den ab 1796 veröffentlichten Vorstellungen des deutschen Arztes Samuel Hahnemann beruht. Die wichtigste Grundannahme ist das Ähnlichkeitsprinzip: &#039;&#039;„Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden“ (similia similibus curentur)&#039;&#039;. Danach solle ein homöopathisches Arzneimittel so ausgewählt werden, dass die Inhaltsstoffe der Grundsubstanz unverdünnt an Gesunden ähnliche Krankheitserscheinungen (Symptome) hervorrufen könnten wie die, an denen der Kranke leidet, wobei auch der „gemüthliche und geistige Charakter“ des Patienten berücksichtigt werden solle (vgl. wikipedia).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter &#039;&#039;&#039;Spagyrik&#039;&#039;&#039; (aus dem Griechischen spao „(heraus)ziehen, trennen“ und ageiro „vereinigen, zusammenführen“) werden verschiedene Heilsysteme zusammengefasst. Das therapeutische Ziel ist die positive Beeinflussung der „Lebenskraft“ und damit die Aktivierung der Selbstheilungskräfte. Grundlage bilden die antike Naturphilosophie (z.B. die „Elementenlehre“), die Signaturenlehre und die Humoralpathologie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit &#039;&#039;&#039;Psychosomatik&#039;&#039;&#039; wird in der Medizin die Betrachtungsweise und Lehre bezeichnet, in der die psychischen Fähigkeiten und Reaktionsweisen von Menschen in Gesundheit und Krankheit in ihrer Eigenart und Verflechtung mit körperlichen Vorgängen und sozialen Lebensbedingungen in Betracht gezogen werden. Ihre Erforschung und Umsetzung in der Krankenbehandlung erfolgt in der Psychosomatischen Medizin (vgl. wikipedia).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Psychotherapie&#039;&#039;&#039; wurde früher die Lehre von der Heilung der erkrankten Seele genannt, um sie von einer Psychologie als Lehre von der gesunden Seele und einer Psychiatrie als Lehre von der erkrankten Seele abzugrenzen. Heute wird die psychotherapeutische Behandlung bzw. Heilung im Zusammenhang mit Körper und Seele eines ganzheitlich gesehenen Menschen verstanden und erklärt. Davon zu unterscheiden ist die beratende Psychologie, die sich mit allgemeinen Problemen der Lebensführung befasst (vgl. wikipedia).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit &#039;&#039;&#039;Körpertherapie&#039;&#039;&#039; werden Behandlungsmethoden zur Verbesserung von Körperhaltung, Bewegungsabläufen sowie zur direkten oder indirekten Unterstützung von Körperfunktionen bezeichnet. Je nach Methode werden spezielle manuelle Techniken, Massagearten, Bäder bzw. Anleitungen zur Schulung von Haltungen und Bewegungen angewendet. Fast alle Körpertherapiemethoden betonen die Bedeutung psychosomatischer Wechselwirkungen und gehen davon aus, dass die Körpertherapie positive psychische Veränderungen bewirkt (vgl. wikipedia).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Integrativer Ansatz der Anthroposophischen Medizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin versucht alle gemeinsam in den Blick zu nehmen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Physische Eben&lt;br /&gt;
# Ätherische Ebene&lt;br /&gt;
# Astrale Ebene&lt;br /&gt;
# Identitäts-, Ich-Organisations-Ebene&lt;br /&gt;
# Geistige Orientierung, Weltanschauung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Physische Ebene und Medizin ====&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;Schulmedizin&#039;&#039; baut ganz auf der Erkenntnis des Physischen auf. Kliniken werden entsprechend zunehmend zu Technik-Zentren. Dass der Mensch sich dabei oft nicht menschlich behandelt fühlt, zeigt deutlich, dass das nicht genügt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ätherische Ebene und Medizin ====&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;Homöopathie&#039;&#039; und &#039;&#039;Spagyrik&#039;&#039; z.B. weiß man, dass alles Leben prozessual verläuft, dass alle Substanzen aus Prozessen hervorgehen und dass alle Wirksamkeit zeitabhängig ist, im Guten wie im Schlechten. Daraus ergeben sich viele weitere Therapieverfahren, die prozessorientiert sind, sich auch mit den Lebensgewohnheiten und -rhythmen befassen und mit dem Geheimnis von Entwicklung im therapeutischen Prozess arbeiten. Wenn man lernt sein Leben den Ätherkräften oder Lebenskräften gemäß zu gestalten, wird sich das gesundend auswirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Astrale Ebene und Medizin ====&lt;br /&gt;
Auf der Gefühlsebene geht es um unsere ungemein verwundbare Seele mit ihrer Gefühlswelt, deren Wirkung auf den Körper nicht unterschätzt werden darf. Hier setzen die &#039;&#039;Psychosomatik,&#039;&#039; alle &#039;&#039;Psychotherapieverfahren&#039;&#039; sowie auch diverse &#039;&#039;Körpertherapien&#039;&#039; an. Die Anthroposophische Medizin stellt sich die zentrale Frage:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie können wir einen Kranken, der leidet, so begleiten, dass er sich trotzdem als Teil einer wohlwollenden Schöpfung und damit als ein wichtiger Teil des Ganzen fühlt?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manchmal ist das Gefühlsleben so erstarrt und verkapselt, dass man es nicht mehr über Worte oder über ein Medikament erreichen kann. Wenn man so jemandem dann ein warmes Bad bereitet – wobei es auf genau die richtige Temperatur ankommt – und dieses Bad Düfte verströmt, die der Betreffende noch nie so richtig wahrgenommen hat, können der starke Wärmereiz, der Duft, die menschliche Nähe dazu führen, dass sich dieser Mensch im eigenen Körper wieder wohl und angenommen fühlt. Das ist nicht zu unterschätzen. Auch die Umgebung, in der das Bad stattfindet, ist entscheidend: Ob es dort nur öde, kalte Fliesen gibt oder ob die Wände angenehme Farben haben, ob dort ein Bild hängt usw. Man kann auch in der Sterbebegleitung Bäder miteinbeziehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Identität und Medizin ====&lt;br /&gt;
Das gilt auch für das Identitätserleben: Es hängt von der &#039;&#039;Art der Ansprache und Ausrichtung der Therapie&#039;&#039; auf die Bedürfnisse eines Patienten ab, ob er sich als Mensch, als Individualität, wahrgenommen fühlt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Weltanschauung und Medizin ====&lt;br /&gt;
Essentiell für die Gesundung ist aber auch eine &#039;&#039;geistige Ausrichtung bzw. Lebensanschauun&#039;&#039;g, die die Möglichkeit der Entwicklung impliziert. Viele Weltanschauungen heute sind so, dass sie von einem perfekten Selbstbild ausgehen, also von einem fertigen Ergebnis: Man will rasch mit der Ausbildung fertig sein, damit man mit möglichst wenig Aufwand viel Geld verdienen und daneben noch Spaß am Leben haben kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine menschengemäße Weltanschauung dagegen impliziert, dass man sich auf allen Ebenen, egal ob beruflich oder privat, nach demselben Entwicklungsziel ausrichtet. Die Arbeitszeit wird genauso als Entwicklungszeit gesehen wie die private Zeit: Alles ist Lebenszeit, ist Entwicklungszeit, bildet zusammen die eigene Biographie. Um das so sehen und wertschätzen zu können, braucht man eine entwicklungsorientierte Weltanschauung, die einem hilft, die unterschiedlichen Bereiche und Aspekte so zu verbinden, dass man jeden Augenblick zur Entwicklung nützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag anlässlich des Jubiläums des 100. Geburtstags von Werner Junge, Okt. 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FÜNF QUELLEN FÜR KRÄNKUNG UND HEILUNG ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen Zusammenhang gibt es zwischen kränkenden und heilenden Einflüssen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wie Kränkung und Heilung zusammenhängen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ich möchte als Ärztin den Zusammenhang zwischen heilenden, therapeutischen Impulsen und Krankheitsimpulsen erläutern – sie stammen beide aus denselben fünf Quellen, die uns unser Leben lang beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Quelle auf dem physischen Plan – Karma-Impuls ====&lt;br /&gt;
Dazu gehört alles, was uns Menschen auf dem physischen Plan begegnet und zustößt: Unendlich viel Kränkendes wirkt von Kind an von außen aus der Umwelt auf uns ein, nicht nur in ökologischer, sondern auch in beruflicher und privater Hinsicht, was oft besonders quälend ist. Das heißt, aus der uns umgebenden Umwelt treffen uns unser Leben lang zahlreiche negative Attacken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann jedoch durch eine bewusste Gestaltung der schicksalhaften äußeren Umstände, z.B. indem man gut überlegt, wie, wann und wo man sich auf Begegnungen einlässt, Kränkungen minimieren. Und man kann Kräfte im Inneren aufrufen, um mit solchen Kränkungen von außen besser zurechtzukommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Quelle auf dem ätherischen Plan – Gralsimpuls ====&lt;br /&gt;
Auf dieser Ebene können Gewohnheiten kränkend wirken sowie alles Hässliche, das uns über die Sinne und über unser Denken begegnet, alles, was mit Rhythmen zu tun hat, denen wir folgen oder nicht folgen. Dazu gehören auch unsere Charaktereigenschaften, denen wir mehr oder weniger ausgeliefert sind, mit denen wir mehr oder weniger ringen. Dazu gehört aber auch alles, was die Zeitgestalt unserer Biografie ausmacht: der Tagesablauf, die zeitliche Gestaltung der Woche, des Monats und des Jahres.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir unser Leben den Ätherkräften oder Lebenskräften gemäß gestalten lernen, wird sich das gesundend auf uns auswirken, dann kann aus dieser Quelle Gesundheit geschöpft werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Quelle auf dem astralen Plan – Sophia-Impuls ====&lt;br /&gt;
Hier sind seelische Beziehungen oft die Ursache für Kränkungen, besonders wenn sie sich auf der Gefühlsebene abspielen. Gefühle sind laut Rudolf Steiner Vorboten von Gesundungs- bzw. Kränkungstendenzen. Zu den Jungmedizinern[1] sagte er, der Arzt der Zukunft wäre in der Lage, den Gesundheitszustand seiner Patienten durch eine feine Beobachtung ihres Gefühlslebens zu diagnostizieren. Er würde ihre Gefühle anschauen und Gesundheits- und Krankheitsdispositionen benennen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Mensch weiß aus der Beobachtung seiner selbst und anderer, dass er krankheitsgefährdet ist, wenn er Mühe hat, seine Gefühle so auszubalancieren, wie er es normalerweise vermag. Wenn Kinder schlecht gelaunt sind, ist das für die Mutter meist ein deutliches Zeichen, dass sie etwas „ausbrüten“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Schwierige Gefühlskontrolle&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Wenn man anfängt sich zu schulen, z.B. indem man mit &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“&#039;&#039;[2] zu arbeiten beginnt, merkt man, wie ungehobelt und unerzogen das eigene Gefühlsleben noch ist. Mit dem Denken und dem Wollen zu arbeiten, ist relativ leicht. Das Gefühlsleben ist am schwersten zugänglich, weswegen bei den Nebenübungen die Gefühle erst an dritter Stelle genannt werden: Zuerst wird die Gedankenkontrolle geübt, dann die Willens- und Handlungskontrolle und erst als Drittes, Letztes, Schwierigstes im Seelenleben die Gefühlskontrolle. Man muss im Denken und Wollen quasi bereits Tritt gefasst haben, bevor man sich an diese sensible Mitte wagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Quelle auf der Ich-Ebene – Michael-Impuls ====&lt;br /&gt;
Mit der Ebene des Wortes sind wir beim Kern, beim Ich-Impuls, dem Michael-Impuls, angelangt. Man hat den Eindruck, diese Inspirationsquelle für Gesundheit und Krankheit war Rudolf Steiner besonders nahe. Sie betrifft ja die Ich-Ebene, auf der wir uns alle selbst am nächsten sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wirkt das Ich nun kränkend?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann es heilend wirken?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Paracelsus[3] nennt das Ich den „Indwendig-Arzt“. Für Albert Steffen[4] war offensichtlich: Das niedere Selbst kränkt, das Höhere Selbst heilt. So versuchte er auch in seinen Dramen das Niederste, aus dem heraus seine Figuren handelten und Verbrechen begingen, immer wieder in Zwiesprache zu bringen mit dem Hohen, dessen verzerrtes Abbild das Niedere ist, sodass die tiefe Selbstkränkung, wenn die niedere Natur siegt, durch das heilsame Einwirken des höheren Menschen ausgeglichen werden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Quelle auf dem menschheitlichen Plan – Christusimpuls ====&lt;br /&gt;
Die fünfte Quelle der Kränkung, die menschheitliche Situation im Sozialen, in der wir uns heute alle befinden, hat mit den rasanten Veränderungen der heutigen Zeit zu tun. Wenn man Menschen fragt, was sie am meisten kränkt oder womit sie am wenigsten zurechtkommen, sagen die meisten der durchschnittlichen und normal gesunden Menschen, dass sie an den immer schwerer zu durchschauenden menschheitlichen Krisen, Konflikten und Problemen der heutigen Zeit leiden. Das zu kompensieren, in alledem froh und lebensbejahend zu bleiben, sich angesichts dieser schwierigen Zeitverhältnisse aufrecht zu halten, macht dem Menschen heute viel mehr Mühe, als persönliche Probleme zu kompensieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese fünfte Krankheitsquelle kann nur durch eine menschheitlich weitblickende Perspektive zur Gesundheitsquelle verwandelt werden. Denn man läuft Gefahr am Augenblick zu verzweifeln, wenn man Krisen und Konflikte nicht in einem viel größeren Zusammenhang sehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag „Das Therapeutische in der Dichtung von Albert Steffen“ anlässlich der Steffen-Ausstellung am Goetheanum, Neujahr 2010&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Jungmedizinerkurs&#039;&#039;, GA 316.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?&#039;&#039;, GA 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Philippus Theophrastus Aureolus Bombastus von Hohenheim, getauft als Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, (* vermutlich 1493 in Egg, Kanton Schwyz; † 24. September 1541 in Salzburg) war ein Arzt, Alchemist, Astrologe, Mystiker, Laientheologe und Philosoph. Paracelsus hinterließ zahlreiche deutschsprachige Aufzeichnungen und Bücher medizinischen, astrologischen, philosophischen und theologischen Inhalts, die größtenteils erst nach seinem Tod gedruckt wurden. (wikipedia)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Albert Steffen (* 10. Dezember 1884 in Wynau; † 13. Juli 1963 in Dornach) war ein Schweizer Schriftsteller und Anthroposoph. Nach dem Tode Rudolf Steiners war Steffen ab 1925 dessen Nachfolger als Vorsitzender der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft. (wikipedia)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FÖRDERUNG VON PATIENTENKOMPETENZ ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist unter Patientenkompetenz zu verstehen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielt der Patient im Gesundheitssystem?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sind seine Möglichkeiten, ja Aufgaben in Bezug auf die nötigen Reformen des Gesundheitswesens?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Notwendige Demokratisierung des Gesundheitswesens&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Bereits 1920 hat Rudolf Steiner in einem seiner öffentlichen Vorträge die „Demokratisierung des Gesundheitswesens“ gefordert.[1] Ärzte, Apotheker, Hersteller und Verbraucher seien herausgefordert, gemeinsam und in Partnerschaft mit den Patienten bzw. Bürgern Mitverantwortung für die Gestaltung des Gesundheitswesens zu übernehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Zielsetzung fühlt sich die Anthroposophische Medizin bis heute verpflichtet. So werden der Gesundheitsaufklärung und Prävention, aber auch der Hilfestellung für eine vertretbare Selbstmedikation viel Aufmerksamkeit geschenkt.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinzu kommt ein großes Engagement für eine gesundheitsfördernde Erziehung und Umgebungsgestaltung einschließlich gesunder Ernährung und nachhaltiger biologischer und biologisch-dynamischer Landwirtschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Mündiger Patient als Regulator&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die inzwischen chronisch gewordene Diskussion um die Reform des Gesundheitswesens zeigt zudem deutlich, dass selbst die besten Ideen für eine Neustrukturierung des Gesundheitswesens zu keiner befriedigenden Kostenregulierung führen können, wenn sich nicht der mündige Patient mit als Regulator empfindet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gehört heute zur Patientenkompetenz, sich selbst auch Gedanken zur Gesundheitsvorsorge sowie zu bestimmten diagnostischen und therapeutischen Verfahren zu machen und letztlich zu bestimmen, was geschehen soll. Auch ist schon lange evident, in welch hohem Maß der Patient de facto für seine Gesundheit Verantwortung trägt. Spätestens anlässlich einer Operation wird ihm bewusst, dass der Arzt zwar über die damit verbundenen Risiken aufklärt und sein Bestes tut, er selbst jedoch mit den Risiken und Folgen zu leben hat und folglich Entscheidungsträger sein muss. Es ist keine Frage, dass medizinische Grundkenntnisse heute zur notwendigen Allgemeinbildung gehören und das menschliche Selbstverständnis in Gesundheit und Krankheit mit­prägen. Apotheker und Ärzte werden daher zunehmend in ihrer Lehr- und Berufskompetenz gefordert, um die erforderliche Hilfe zur Selbsthilfe leisten zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Artikel in der Deutschen Apothekerzeitung DAZ Nr. 39, 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Hygiene als soziale Frage, in: Physiologisch-Therapeutisches auf Grundlage der Geisteswissenschaft&#039;&#039;, GA 314. Dornach 1989, S. 221-261.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] M. Glöckler, B. Emde, &#039;&#039;Anthroposophische Medizin, in: Komplementärmedizin für die Kitteltasche. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation,&#039;&#039; Stuttgart 2009 und ders.: &#039;&#039;Anthroposophische Medizin, In: Komplementärmedizin für Kinder. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation&#039;&#039;, Stuttgart 2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ANTHROPOSOPHISCHE PSYCHOTHERAPIE ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist das Besondere an der anthroposophisch inspirierten Psychotherapie?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welches Licht wirft der Karma-Gedanke auf seelisch-geistige Probleme?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Lektüre zur anthroposophischen Psychotherapie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im Hinblick auf diese Schicksalsdramatik des Menschseins sind die &#039;&#039;Mysteriendramen[1]&#039;&#039; von Rudolf Steiner ein ganz zentrales Werk. Wenn mich Biografiearbeiter, Psychologen und Ärzte, die sich für Seelenkunde interessieren, fragen: &#039;&#039;„Wie kann man sich in das Gebiet des Seelischen aus Sicht der Anthroposophie einarbeiten?“,&#039;&#039; empfehle ich gerne die pädagogischen Vorträge von Rudolf Steiner über die drei Jahrsiebte,[2] aber auch das Studium von &#039;&#039;„Grundlegendes…“[3],&#039;&#039; begleitet von der Lektüre der Karmavorträge.[4] Diese Werke sind das Fundament einer vom Schicksalsgedanken inspirierten anthroposophischen Psychotherapie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich möchte im Folgenden in aller Kürze ein paar Gesetze nennen, wie sie uns Rudolf Steiner aus seiner Forschung mitgeteilt hat – zum Überprüfen, zum Umgang damit, zum Überlegen, ob sie hilfreich sind für Ihre Arbeit. Wir können diese Forschungsergebnisse z.B. auch als Arbeitshypothese nehmen bei unserem täglichen Tun. Wenn sie sich als fruchtbar erweisen, können Sie diesen Weg weiterverfolgen, wenn nicht, greifen Sie zu anderen Werkzeugen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Karmische Ursache für seelische Erkrankungen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Auf die Frage, worin die Ursache für seelische Erkrankungen läge, antwortete Rudolf Steiner in den &#039;&#039;„Offenbarungen des Karma“[5]&#039;&#039; und in der &#039;&#039;„Akasha-Chronik“[6]:&#039;&#039; &#039;&#039;„Die Ursache für seelische Erkrankungen liegt in einem mangelnden Interesse am anderen Menschen in einem früheren Erdenleben“&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier geht es nicht darum, durch welche Faktoren es zu diesem mangelnden Interesse kam, es ist rein phänomenal betrachtet, hat mit Schuld und Unschuld nichts zu tun. Fakt ist demnach: Ein Mensch, der in seinem Erdendasein kein warmes Interesse für andere Menschen entwickeln konnte – und sei es nur für &#039;&#039;einen&#039;&#039; Menschen – dem fehlt im nachtodlichen Leben, wenn das Menscheninnere, das Seelische, Außenwelt wird, die Orientierung. Er ist dann nicht in der Lage, sich an diesem neuen Äußeren so zu orientieren, dass er sich einen neuen Körper aufbauen kann, der beim Heranwachsen ein gesundes Seelenleben ermöglicht, wenn die Wesensgliederkräfte frei werden. Das möchte ich im Folgenden kurz näher erläutern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Wesensglieder und ihre leibgebundenen und leibfreien Kompetenzen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Zum&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Physischen Leib&#039;&#039; gehört unser physischer Körper, die Sinnesorgane und die daraus resultierende Gnade der Wahrnehmung.&lt;br /&gt;
* Zum &#039;&#039;&#039;Ätherleib&#039;&#039;&#039; gehören die unbewussten leibgebundenen Lebens- Wachstums- und Regenerationsprozesse und das leibfreie Denkvermögen.&lt;br /&gt;
* Zum &#039;&#039;&#039;Astralleib&#039;&#039;&#039; gehören die leiblichen Differenzierungsprozesse, die Bewegungskompetenz und das Fühlen als leibfreie seelisch regsame Kompetenz.&lt;br /&gt;
* Zur &#039;&#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;&#039; gehören die leiblichen Integrationsprozesse, die Erlangung der richtigen Proportionen beim körperlichen Wachstum und die leibfreie Fähigkeit in Ganzheiten zu denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kind gewinnt im &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;1. Jahrsiebt&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; mithilfe der &#039;&#039;ätherischen Wachstumskräfte&#039;&#039; bis zum Zahnwechsel an &#039;&#039;Größe&#039;&#039;. Die Kräfte, die ihre Arbeit getan haben, werden sukzessive leibfrei und stehen zunehmend dem DENKEN zur Verfügung. Das Freiwerden der ätherischen Kräfte aus dem Körper kulminiert in der &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Schulreife&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;. Dieser Höhepunkt wird auch &#039;&#039;&#039;Geburt des Ätherleibes&#039;&#039;&#039; genannt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;2. Jahrsiebt&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; reifen zusätzlich die &#039;&#039;seelischen Kompetenzen&#039;&#039; heran, indem die &#039;&#039;astralen Kräfte&#039;&#039; zuerst den &#039;&#039;Leib durchdifferenzieren&#039;&#039; und, wenn sie ihre Arbeit getan haben, sukzessive leibfrei werden und das FÜHLEN ermöglichen. Die Kulmination des Freiwerdens der astralen Kräfte aus dem Körper zur &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Geschlechtsreife&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; wird auch &#039;&#039;&#039;Geburt des Astralleibes&#039;&#039;&#039; genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;3. Jahrsiebt&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; reifen die &#039;&#039;geistigen Kompetenzen&#039;&#039; heran, indem die &#039;&#039;Integrations-Kräfte&#039;&#039; der Ich-Organisation den heranwachsenden Körper in eine &#039;&#039;stimmige Ganzheit&#039;&#039; verwandeln und anschließend als WOLLEN zur Verfügung stehen. Wenn der Jugendliche ausgewachsen ist, kulminiert dieser Prozess in der &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Mündigkeit&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; bzw. selbstverantwortlicher Handlungsfähigkeit und wird auch &#039;&#039;&#039;Geburt des Ich&#039;&#039;&#039; genannt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entsprechung von Lebensprozess und seelisch-geistiger Kompetenz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Alle leibfreien Kompetenzen sind verwandelte Lebenstätigkeit des Organismus: So wie wir dank der unbewussten Lebenskräfte die Nahrung zerkleinern und aufspalten (= analytisch) und anschließend zu menschlicher Substanz zusammensetzen (= synthetisch) – dieser Prozess wird Stoffwechsel genannt – so denken wir entsprechend mit den leibfrei gewordenen bewussten Ätherkräften auch analytisch und synthetisch. Das ist nur ein Beispiel für die Entsprechung von leibgebundener Lebenskraft und leibfreier Kompetenz im Denken, Fühlen und Wollen. Man kann sagen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Denken&#039;&#039;&#039; ist metamorphosierte &#039;&#039;leibfreie Wachstumskraft&#039;&#039; (Ätherleib).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Fühlen&#039;&#039;&#039; ist metamorphosierte &#039;&#039;leibfreie Astralität&#039;&#039; (Astralleib).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wollen&#039;&#039;&#039; ist leibfreie zur Verfügung stehende &#039;&#039;Ich-Tätigkeit&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem bisher Gesagten, wollte ich den innigen Zusammenhang zwischen leiblicher Konstitution und seelisch-geistiger Disposition deutlich machen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das heißt, es hängt von der Qualität der Organe und dem Ablauf der leiblichen Prozesse ab, ob die daraus hervorgegangenen seelischen Kräfte sich frei handhaben lassen oder ob sie den Menschen überfluten, attackieren und bezwingen – was sich dann als psychisches Störungsbild zeigen kann. Ist Letzteres der Fall, bedeutet das, dass die Ich-Kompetenz, die in das Erdeninstrument des Leibes hereinleuchten und sich ihm über die Ich-Organisation mitteilen möchte, sich an den Organen nicht richtig zu spiegeln vermag und sich auch nicht im Seelischen beheimaten kann, weil die aus dem Leib hervorgegangene Seelenkonfiguration es nicht oder nur eingeschränkt zulässt. Die Qualität des seelischen Erlebens hängt also immer auch von Art und Qualität der Leibbildung ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ringen mit Schwäche bringt zukünftige Stärke&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dazu ein Beispiel: Möglicherweise leidet man darunter, dass man seelisch nicht richtig in Beziehung kommen kann zu anderen Menschen. Man erlebt sich als in sich selbst gefangen – was laut Rudolf Steiner als karmische Ursache das fehlende Interesse an anderen hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesem großen Schmerz folgt jedoch im Nachtodlichen die große Befreiung, weil man so sehr mit den Beziehungen und mit sich selbst gerungen hat, dass man für die kommende Inkarnation ein besonders geeignetes Erdeninstrument bilden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit anderen Worten: Wenn wir interessiert und ehrlich miteinander umgehen, bauen wir damit gesunde Seelenkräfte für das nächste Leben auf. Unser Bemühen ist nicht nur für dieses Leben wichtig und gut und erleichtert uns das Leben und die Arbeit. Das Interesse an anderen Menschen und am sozialen Miteinander ist zugleich die Vorbereitung für eine besonders gesunde und starke Seele im nächsten Leben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag an der Jahreskonferenz der Med. Sekt. am Goetheanum zum Thema Anthroposophische Psychiatrie, Dornach 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Vier Mysteriendramen&#039;&#039;, 1910-13, GA 14.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft&#039;&#039;, in: &#039;&#039;Luzifer-Gnosis&#039;&#039;. GA 34. Dornach 1987.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Offenbarungen des Karma&#039;&#039;, GA 120.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Aus der Akasha-Chronik&#039;&#039;, GA 11.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FRAGEN ZUM THEMA ANTHROPOSOPHISCHE MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;FRAGE:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Wie ist es, wenn man in Asien über Anthroposophische Medizin spricht?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;ANTWORT:&#039;&#039;&#039; In Asien ist Spiritualität in der Medizin viel selbstverständlicher als in Europa.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu ein konkretes Beispiel: In Indien praktiziert man Ayurveda. Wenn man dort das Anthroposophische Menschenbild erklärt, erkennt man, dass es 1:1 dasselbe ist wie das Ayurvedische. Der einzige Unterschied besteht darin, dass das ayurvedische Menschenbild und Gesundheitsverständnis in Worten und Begriffen dargestellt sind, die es nicht erlauben, eine direkte Verständnisbrücke zur naturwissenschaftlichen Medizin zu bauen. Das aber kann die Terminologie der Anthroposophischen Medizin leisten. Daher interessieren sich die Kursteilnehmer für die Anthroposophische Medizin, weil sie dadurch ihr eigenes System besser verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ging es auch einer Freundin von mir – sie ist Inderin –, die durch die Anthroposophische Medizin ihre Hindu-Spiritualität neu entdeckte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir begleiten z.B. Kollegen, die Ayurveda-Ärzte bleiben wollen, indem wir sagen: Ihr könnt anthroposophischer Ayurveda-Arzt werden. Und so haben wir dort schon anthroposophische Homöopathen zertifiziert, anthroposophische Ayurveda-Ärzte sind in Ausbildung und Schulmediziner können „normale“ anthroposophische Ärzte werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;FRAGE:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Mich interessiert, wie man die Anthroposophie, die ja stark mit dem Christentum zusammenhängt, mit anderen Religionen verbinden kann.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;ANTWORT:&#039;&#039;&#039; Das Wesentliche am Christentum ist das rein Menschliche, von dem man in jeder Kultur sprechen kann. Für den Buddhistischen Kulturkreis wird es von Buddha verkörpert, der im Herzen und in der Aura lebt, in der Gerechtigkeit, in der Wahrheit, in der Liebe, in all den Werten, deren Pflege Menschlichkeit fördern. Nur ein Wert findet sich bevorzugt und eigentlich nur im Christentum und wird dort konsequent berücksichtigt: Wert und Würde der menschlichen Freiheit, so wie sie bei Johannes im 8. Kap. veranlagt ist: &#039;&#039;„Ihr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen“&#039;&#039;.[1] Da der Christus aber von sich selber sagt: &#039;&#039;„Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“&#039;&#039;, ist klar, dass er nicht die Freiheit verkörpert, aber uns zu freien Wesen machen möchte, zu seinen Freunden – &#039;&#039;„denn ein Knecht weiß nicht, was sein Herr tut“.&#039;&#039;&#039;[2]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Da die Anthroposophie auf dem Weg der „Philosophie der Freiheit“[3] von Steiner beruht, geht es bei allem um diesen zentralen christlichen Wert, auch wenn man den Namen des Christus nur nennt, wenn es passt oder gefragt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;FRAGE:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Sie hatten von dem Paradigmenwechsel vom pathogenetischen Krankheitsbild zum integrativ-salutogenetischen gesprochen und gemeint, dass das gut machbar wäre. Ich wollte Sie bitten, noch näher darauf einzugehen, weil wir uns auch im Rahmen des Studiums sehr viele Gedanken dazu machen und uns fragen, wie es gerade in der konkreten Umsetzung in einem normalen Krankenhaus möglich wäre, so einen Paradigmenwechsel vorzuleben&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;ANTWORT:&#039;&#039;&#039; Das ist in der Praxis zugegebenermaßen sehr schwer. Deswegen braucht es Netzwerke von vielen Medizinern, die sich gegenseitig immer wieder motivieren, Mut zusprechen, Tricks verraten, was man tatsächlich machen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meiner Erfahrung nach gibt es zwei Felder, bei denen man unmittelbar ansetzen kann, auch im kommunalen Krankenhaus: Man kann präventiv-medizinisch beraten, bei der Erziehung und Selbsterziehung ansetzen. -  Wir Ärzte müssen uns schon deshalb intensiv mit Pädagogik auseinandersetzen, weil fast alle Eltern Fragen zu diesem Thema haben. Da kann man viel tun. Dazu gehören auch Selbsterziehung und Meditation und alle Themen, die innere Entwicklungsarbeit betreffen. Auch hier kann man sofort ansetzen. Beides wirkt bereits in hohem Maße salutogenetisch und hilft, ein anderes Verständnis von Krankheit und Gesundheit zu bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem kann man schulmedizinische Präparate viel sorgfältiger indizieren als üblich – das Einverständnis des Patienten vorausgesetzt. Nicht aus Sicherheitsgründen bei jeder Krankheit „Gürtel und Hosenträger“ zum Einsatz bringen, bildlich gesprochen. Auch erlebe ich, dass in der Onkologie gerade Krebspatienten fragen: Gibt es nicht noch etwas anderes? Dann kann man von den Mistelpräparaten erzählen, auch im öffentlichen Krankenhaus. Wenn Patienten fragen, sollte man ehrlich antworten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner sprach von der Demokratisierung des Gesundheitswesens.[4] Patienten, Leistungserbringer, Krankenversicherungen, Kommunalpolitiker – sie gehören an einen Tisch und sollten auf Augenhöhe beraten, wie ein gerechtes Gesundheitswesen aussehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Schweiz, in der es eine Basis-Demokratie gibt, haben wir es nur durch Volksabstimmung geschafft, die Komplementärmedizin in die Bundesverfassung aufzunehmen. TCM (trad. Chinesische Med.), Homöopathie, Phytomedizin und Anthroposophische Medizin müssen von den Kassen über die Grundversicherung erstattet werden, weil diese Verfahren jetzt Bestandteil der Bundesverfassung sind, also praktisch Grundgesetz. Auch in Deutschland könnte es eine solche Volksbewegung geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir das schaffen würden, auf einem ähnlichen Wege eine demokratische Gesundheitsbewegung auf die Beine zu stellen, die verlangt, dass das Grundgesetz uns die freie Therapiewahl garantiert, dass man Ärzte und medizinische Verfahren selbst wählen darf und die Krankenkassen das bis zu einem gewissen Grad erstatten müssen, wären wir einen Riesenschritt weiter. Ohne den gegenseitigen Ansporn einer guten Vernetzung wird es aber nicht gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe kürzlich bei einer Tagung zur Organtransplantation Pim van Lommel getroffen. Er hielt einen schönen Vortrag über außerkörperliche Erfahrungen seiner kardiologischen Patienten, über das „ewige Bewusstsein“. Am Ende forderte er auch den Paradigmenwechsel, Spiritualität als Realität anzuerkennen, weil die außerkörperliche Erfahrung wahr ist und in die Medizin integriert werden muss. Ich fragte ihn, wie er sich das vorstellt. Er sagte, er erwarte nichts mehr von der Wissenschaft, sondern alles von der Zivilgesellschaft. Dort wäre noch gesunder Menschenverstand vorhanden. Die Wissenschaft sei „eingekauft“ und viel zu fremdbestimmt durch Gelder aus der Wirtschaft, von denen sie abhängig ist. Von der Seite könne man den Paradigmenwechsel nicht erwarten. Solange man viel Geld verdient mit der Krankheit, wird man nicht freiwillig einen Paradigmenwechsel anstreben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;FRAGE:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Ich fand sehr interessant, dass das Menschenbild in der Anthroposophischen Medizin sich auch vergleichen lässt mit dem Menschenbild anderer Ausrichtungen. Sie sprachen von einer transzendenten Ebene im Körper, die nach dem Tode den Körper verlässt. Gibt es dazu ein Konzept in der AM, das besagt, was mit dieser Ebene nach dem Tode passiert?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;ANTWORT:&#039;&#039;&#039; Ich schreibe einige Werke von Rudolf Steiner dazu auf: GA ist die Abkürzung für das Wort Gesamtausgabe, die 358 Bände umfasst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GA 27 ist das Grundlagenwerk für die Medizin,[5] in dem das neue Gesundheits-Paradigma beschrieben wird. Dort wird auch charakterisiert, wie es zu dem „ewigen Bewusstsein“ kommt und wie es funktioniert: Wir denken mit der Lebenstätigkeit – den ätherischen Kräften, die unser Körper nicht (mehr) für Wachstum und Regeneration braucht. Warum ist Beten, Spiritualität gesund? Weil es die Lebenskräfte sind, die wir dabei betätigen – was natürlich gesundend zurückwirkt auf den Körper. Körperleben und Gedankenleben (Geistesleben) sind nicht getrennt. Beim Altern nimmt das Geistesleben zu und das Körperleben ab, das unterscheidet sie, aber sie bleiben bis zum Tod immer verbunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Studium des Nachtodlichen würde ich euch raten, folgende Werke zu studieren: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
·      &#039;&#039;„Inneres Wesen des Menschen und Leben zwischen Tod und neuer Geburt“,&#039;&#039; GA 153.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
·      Dann gibt es noch einen sehr schönen Zyklus: &#039;&#039;„Der Tod als Lebenswandlung“,&#039;&#039; GA 182,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
·      und auch &#039;&#039;„Das Leben zwischen dem Tode und der neuen Geburt im Verhältnis zu den kosmischen Tatsachen“&#039;&#039;, GA 141.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
·      Mein Lieblingsbuch ist GA 10, &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten“&#039;&#039;, das Schulungsbuch für die Selbstentwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn das habe ich bemerkt: Wenn man keine echte Freude an der Selbstentwicklung hat, ist man auch nicht wirklich motiviert, andere in ihrer Entwicklung zu unterstützen. Man muss Experte werden in Sachen Entwicklung. Dazu gehört auch das Thema Unvollkommenheit, Spaß am Lernen – und nicht zu meinen, man dürfe keine Fehler machen. Durch meine kinder- und schulärztliche Tätigkeit bin ich zum Fehler-Apostel geworden. Jeder muss seine Fehler machen dürfen, weil man nur so authentisch wird. Angesichts von Fehlern sollten wir uns gegenseitig auf die Lektion hinweisen, die dadurch gelernt werden kann. Nur so können wir ein ungestörtes Verhältnis zu Fehlern entwickeln. Dieses Buch ist dabei eine große Hilfe. Es beschreibt die Entwicklung von Alpha zu Omega. Auch wenn Patienten weiterentwickelt sind als wir und Fragen bezüglich des inneren Weges haben, hilft es den Weg als Ganzes zu kennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur Anthroposophischen Medizin, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] &#039;&#039;Neues Testament, Johannes&#039;&#039; 8, 32.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ebenda, 15, 15.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Philosophie der Freiheit,&#039;&#039; GA 4, Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1995.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Hygiene als soziale Frage. In: Physiologisch-Therapeutisches auf Grundlage der Geisteswissenschaft.&#039;&#039; GA 314. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1989, S. 221 - 261.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner/Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen&#039;&#039;, GA 27 (1991).&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Offenborn</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Anthroposophische_Heilmittel&amp;diff=1273</id>
		<title>Anthroposophische Heilmittel</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Anthroposophische_Heilmittel&amp;diff=1273"/>
		<updated>2026-01-29T09:26:57Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Offenborn: Neue Texte eingefügt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= Anthroposophische Heilmittel - von Michaela Glöckler =&lt;br /&gt;
Auszüge aus Büchern und Vorträgen von [[Michaela Glöckler]]; Erstveröffentlichung auf https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== SUBSTANZ-ERKENNTNIS ALS GRUNDLAGE FÜR HEILMITTEL-ERKENNTNIS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was meint Rudolf Steiner mit der Weltenaufgabe der Substanzen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was wird anhand der Beispiele Ameisensäure und Oxalsäure im Hinblick auf ihre Wirkung im Zellstoffwechsel aufgezeigt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern muss der Organismus als Tätigkeitszusammenhang begriffen werden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Weltenaufgabe der Substanzen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel XVII von &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039; liegt der Fokus auf einer konsequent prozessorientierten Substanz-Erkenntnis, über die Rudolf Steiner im Ärztekurs für die jungen Mediziner schreibt, dass es die Aufgabe des Arztes sei, &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„die Weltenaufgaben der Substanzen zu erkennen“.[2]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;„Grundlegendes…“&#039;&#039; formulieren die Autoren es so: &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Wer die Wirkung von Heilmitteln beurteilen will, muss ein Auge haben für die Kräftewirkungen, die sich im menschlichen Organismus ergeben, wenn eine Substanz, die außer demselben gewisse Wirkungen zeigt, in irgendeiner Art in ihn eingeführt wird.“[3]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039; Etwas von dieser ‚Weltenaufgabe‘ wird dort anhand der Ameisensäure und der Kleesäure aufgezeigt und damit auf die Bedeutung dieser Blickrichtung für bestimmte Prozesse im menschlichen Zellstoffwechsel hingewiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Beispiel: Aufgabe der Ameisensäure ====&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Ameisensäure wird vom Menschen mit der Nahrung in der Regel nicht aufgenommen. Sie wird im Tierreich gebildet und als Abwehrstoff, insbesondere der Insekten, ausgeschieden – selten auch bei Pflanzen, wie z.B. in den Brennhaaren der Brennnesseln. Ihre ‚Weltaufgabe‘ ist inzwischen gut erforscht: Die rote Waldameise ist für die Gesunderhaltung der Wälder unentbehrlich. Sie steht daher auch unter Naturschutz, seitdem man ihre Bedeutung für die ‚Lebensgemeinschaft Wald‘ erkannt hat. Um einen Ameisenbau herum vernichtet jedes Volk pro Tag zehntausende Schädlinge bzw. deren Larven und Raupen (wie z.B. Borkenkäfer- und Blattwespenlarven) sowie Kadaver und Pilzmyzel in morschem Holz. So hilft die Ameisensäure dem Mikrobiom des Bodens, die verwesenden Pflanzenreste und das modernde Holz zu verarbeiten. Auch verbreiten Ameisen auf ihren Wegen tausende von Samen und tragen so zur Vielfalt im Wald bei sowie zur Verbesserung der Bodenbeschaffenheit. Instrument für ihre wertvollen reinigenden Tätigkeiten ist die Ameisensäure mit ihrer aggressiven Toxizität.[4]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Beispiel: Aufgabe der Oxalsäure ====&lt;br /&gt;
Die Oxal- bzw. Kleesäure hingegen findet sich in allen Pflanzen und den meisten Bakterien und in unterschiedlichen Mengen in vielen Nahrungsmitteln wie z.B. in schwarzem Tee, Mangold oder Rhabarber. Nach der Aufnahme muss sie dann im Organismus zu ausscheidungsfähigen Endprodukten abgebaut werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Ein ‚Zuviel‘ führt zusammen mit Calcium im Darm zu schwer löslichen Salzen (Oxalaten), was Anlass geben kann für die Bildung von Blasen- und Nierensteinen. Oxalsäure ist ein pflanzliches Gift – für den Menschen können bereits Gramm-Mengen tödlich sein.[5] Als Kalzium-, Magnesium- oder Kaliumsalze sind die Oxalate allgegenwärtig und aus dem Zellstoffwechsel der Lebewesen nicht wegzudenken – bis hin zu den meisten Pilzen und Bakterien. Im Gegensatz zur Ameisensäure entfaltet die Oxalsäure ihre Wirkung nicht in dem Zwischenbereich zwischen dem Mineralisch-Physischen und dem Ätherisch-Lebendigen. Sie hat ihre Aufgabe in der Lebenswelt der Pflanzen – aber als Giftsubstanz im Grenzgebiet zum astralischen Kräftebereich. Da Gifte auch in schwacher Dosierung immer lebensfeindlich sind, regen sie den Organismus dazu an, auf unterschiedlichen Wegen diese Gifte schnellstmöglich abzubauen oder in Verbindung mit anderen Substanzen unschädlich zu machen. Diese Abbauvorgänge dienen im Organismus der Tiere und der Menschen der Bewusstseinsbildung, die sich, wie mehrfach erwähnt, auf Abbauvorgänge stützt.[6]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Biochemisch handelt es sich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* bei der &#039;&#039;&#039;Ameisensäure&#039;&#039;&#039; um die einfachste Monocarbonsäure (Formica, HCOOH, ihre Salze heißen Formiate)  &lt;br /&gt;
* und bei der &#039;&#039;&#039;Oxal- bzw.&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Kleesäure&#039;&#039;&#039; um die einfachste Dicarbonsäure (Acidum oxalicum, HOOC-CO-CH2-COOH, ihre Salze heißen Oxalate).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Notwendige Verwandlung von Oxalsäure in Ameisensäure&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Rudolf Steiner hat erstaunlich oft über die Bedeutung der biochemischen Verwandlung von Oxal- in Ameisensäure gesprochen.[7] Den Prozess der Bildung von Oxalsäure, der hauptsächlich in den Verdauungsorganen stattfände, hielt er für eine notwendige Grundlage dafür, dass der Mensch überhaupt leben könne – grundlegend also dafür, dass die Ätherkräfte zur Wirksamkeit kommen können.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Ihre Umwandlung in Ameisensäure aber sei eine entsprechende Grundlage für das Wirksamwerden der astralischen Kräfte in der physisch-ätherischen Konstitution. In einem Ärztevortrag führt er weiter aus, dass man im Falle der Ameisensäure dahin kommen müsse zu erkennen, dass sie im Menschen, wie auch draußen in der Natur, die Aufgabe hat, gegenüber den Prozessen des Alterns, des Absterbens und des Vermoderns immer wieder weiteres Leben, weitere Entwicklung zu ermöglichen.[8] Auch führt er aus, dass &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;„die heutige Physiologie“&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt; diese Prozesse erst finden müsse.[9]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&amp;lt;sup&amp;gt;,&amp;lt;/sup&amp;gt;&amp;lt;nowiki&amp;gt; [10]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner und Wegman sahen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* in der &#039;&#039;&#039;Ameisensäure&#039;&#039;&#039; die Schlüsselsubstanz im Stoffwechsel des tierischen Organismus&lt;br /&gt;
* und in der &#039;&#039;&#039;Oxalsäure&#039;&#039;&#039; die Schlüsselsubstanz im pflanzlichen Zell-Metabolismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Organismus als Tätigkeitszusammenhang begriffen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;In Abs. 2 wird deutlich gemacht, wie entscheidend es für einen Organismus ist, eine Substanz nicht nur zu besitzen, sondern auch den Bildeprozess zum Aufbau dieser Substanz zu leisten. Im Tun liegt das Wesen des Organismus, nicht in seinen Substanzen. Der Organismus ist nicht ein Stoffzusammenhang, sondern ein Tätigkeitszusammenhang. Der Stoff trägt den Anreiz zur Tätigkeit in sich. Hat er diesen Anreiz verloren, so hat er für die Organisation keine weitere Bedeutung.[11]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter diesem Gesichtspunkt kann auch die jeweilige Aufgabe der Ameisensäure und der Kleesäure im menschlichen Organismus verstanden werden. Hier ‚dienen‘ diese Substanzen der Ich-Organisation: &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Die Ich-Organisation braucht diesen Übergang der organischen Substanz in den leblosen Zustand. Aber sie braucht eben den Vorgang des Überganges; nicht, was dann durch den Übergang entsteht. Ist nun das nach dem Leblosen hin sich Entwickelnde gebildet, so wird es im Innern des Organismus zur Last. Es muss entweder unmittelbar abgesondert werden oder aufgelöst, um mittelbar hinwegzukommen. Geschieht nun für etwas, das aufgelöst werden sollte, diese Auflösung nicht, so häuft es sich im Organismus an und kann die Grundlage für gichtische oder rheumatische Zustände bilden.“[12]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;In der Biologie werden die Phänomene dieses Übergangs zwischen Abbau und Aufbau im Falle der Gesundheit als metabolische Homöostase beschrieben, wobei deren ‚Regulator‘ ein noch nicht gefundener Faktor ist. Es wird aber das Erstaunen zum Ausdruck gebracht darüber, dass unabhängig davon, was und wieviel man gerade isst oder nicht und wieviel Oxalacetat man gerade mit der Nahrung aufgenommen hat oder nicht, die Substanzen im sogenannten Stoffwechsel-Pol der Zellen konstant gehalten werden. D.h. in den Zellen sind die Enzyme des Katabolismus (Abbau) und Anabolismus (Aufbau) normalerweise derart reguliert, dass ein Gleichgewicht gewahrt bleibt. Wird dieses Gleichgewicht jedoch gestört, bedeutet dies den Beginn krankhafter Prozesse.[13]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[14]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----&amp;lt;nowiki&amp;gt;[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, Ga 27, Kap. XVII.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[2] Rudolf Steiner, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Meditative Betrachtungen und Anleitungen zur Vertiefung der Heilkunst. Vorträge für Ärzte und Medizinstudierende,&#039;&#039; GA 316, S. 22.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[3] Siehe FN 1, S. 82.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[4] Der Kern eines Ameisenhaufens ist meist in alten Wurzelstöcken von Nadelhölzern oder Eichenstämmen angesiedelt; das Zusammenleben in der Ameisenkolonie ist ausgeprägt sozial. Eine Königin lebt bis zu 20 Jahre, Arbeitsameisen 5–6 Jahre. Sie entwickeln sich in klar definierten Temperaturbereichen (Ameisenpuppen brauchen 31°, Larven 28°, die Entwicklung der Eier nur 25°). Vgl. Jirikowski (2010), 105–107.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[5] Vgl. Wollrab (2014), 621.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[6] Vgl. Wolff (2013), 85, 263–269.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[7] Vgl. Rudolf Steiner, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Mysteriengestaltungen,&#039;&#039; GA 232, 13. Vortrag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[8] Vgl. FN 1, S. 22f.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;[9] Vgl. FN 11, S. 193–195.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[10] Dazu muss aus anthroposophisch-medizinischer Sicht gesagt werden, dass die geisteswissenschaftliche Biochemie, für die Hauschka und Wolff die Grundlagen erarbeitet haben (Vgl. Hauschka 2007, Wolff 2013), auf dem jeweils neuesten Stand der biochemischen Forschung weiter erarbeitet werden muss. Denn die Zusammenschau der Wesensglieder-Tätigkeiten als ganzheitliche Regulatoren und die immense Faktenfülle der molekulargenetischen Einsichten in das hochkomplexe Regelkreisgeschehen der Zellatmung ist für eine umfassende Integrativmedizin unverzichtbar.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[11] Siehe FN 1, S. 82.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[12] Ebenda.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[13]  Vgl. Sadava u. a. (2019), 265–271.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[14] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ANTHROPOSOPHISCHE HEILMITTEL-ERKENNTNIS AM BEISPIEL VON ANTIMON ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welcher Blickwinkel ist grundlegend im Hinblick auf die anthroposophische Heilmittel-Erkenntnis?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern weist Antimon Ähnlichkeiten mit dem Ätherischen auf?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wird es, auch in Kombination mit Schwefel, therapeutisch eingesetzt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wirksamkeit von Substanzen im Kontext irdisch-menschlicher Kraftsysteme&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel XVI von &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039; geht es um anthroposophische Heilmittel-Erkenntnis. Die Grundlage davon ist der Blick auf das Verhalten bzw. die Wirksamkeit einer Substanz im Bereich der in Kapitel I geschilderten Kraftsysteme. Dabei geht es insbesondere um die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* von der Erde ausstrahlenden&lt;br /&gt;
* und in sie einstrahlenden Kräfte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„[...] es kommt darauf an, die Wirkungen zu beobachten, die sich aus dem Zusammenhange der inneren Kräftekonstitution einer Substanz im Verhältnis zu den Kräften ergeben, die von der Erde ausstrahlen oder in sie einstrahlen.“[2]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Antimon, Schwefel und die Austernschalenbildung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Diese Wirkungen werden am Beispiel des Antimons in seiner Beziehung zum Schwefel in Form des in der Natur vorkommenden Grauspießglanzes aufgezeigt (Sb2 S3, auch als Antimonit bzw. Stibnit bekannt), sowie an der Austernschalenbildung, die zum Verständnis der Typhusbehandlung beiträgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Antimon ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Antimon&#039;&#039; kam bereits in der ägyptischen Medizin zur Anwendung, nimmt bei Paracelsus eine zentrale Stellung ein und hat bis in die Gegenwart immer neue Einsatzmöglichkeiten erfahren. Chemisch ist es dem Arsen verwandt und eine Menge von 100 mg bis etwa 1200 mg kann bereits tödlich sein. Eine gute Übersicht über seine Verwendung – einschließlich in der Anthroposophischen Medizin – findet sich bei &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;Marxer[3]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039; Die Bezeichnungen Antimon und Stibium für das chemische Symbol Sb stammen von den lateinischen Wörtern &#039;&#039;antimonium&#039;&#039; und &#039;&#039;stibium&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt; ab, die schon im Altertum für den Grauspießglanz verwendet wurden.[4]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Schwefel ====&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ Schwefel ist eines der seltenen Minerale, die in kristallisierten polymorphen Formen in der Natur rein vorkommen und in der Struktur der orthorhombischen Raumgruppe Fddd die typisch gelbe α-Kristallform zeigen. Schwefel steht mit einem Anteil von geschätzt 0,048 Gew.-% an 15. Stelle unter den häufigsten Elementen der uns bekannten Erdkruste. Er wurde in Kometenschweifen nachgewiesen, ist auf der Erde zum einen vulkanischen Ursprungs und stammt zum anderen aus der Biosphäre von Bakterien, die aus schwefelhaltigen Mineralien Schwefel aufnehmen und Sedimente bilden sowie von Pflanze, Tier und Mensch, da er im Eiweißaufbau durch die beiden schwefelhaltigen Aminosäuren &#039;&#039;Cystin&#039;&#039; und &#039;&#039;Methionin&#039;&#039; festgebunden ist. Durch seinen niedrigen Schmelzpunkt und seine Fähigkeit zu sublimieren, verbindet er sich leicht über Luft und Wasser mit anderen Substanzen und realisiert so den alle Reiche der Natur verbindenden Schwefelkreislauf.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;Symptomatisch dafür ist auch eine ungewöhnliche mechanische Eigenschaft der Grausspießglanz-Kristalle: Sie zeigen eine auch an größeren Kristallen bei geringem Kraftaufwand fühlbare Biegsamkeit. Diese beruht auf einer geregelten innerkristallinen Gleitung, wie sie auch beim Eis und beim Steinsalz vorliegt – Substanzen, die für alle Lebewesen essenziell sind.[5]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Austernschale ====&lt;br /&gt;
Die Austernschale ist als komplexes Kalkmineral schützendes Außenskelett der Auster und damit ein Mineral, ausgeschieden aus dem Lebensprozess eines Tieres bzw. einer Muschel. In ihrer therapeutischen Verwendung ist sie insbesondere in der Homöopathie bekannt mit dem Arzneimittelbild &#039;&#039;Calcium carbonicum&#039;&#039;. Sie wird zu den Vielkönnern oder Polychresten gezählt (von gr: πολύς - viel und χρηστός  - brauchbar).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Hinweise auf die Verwandtschaft von Antimon mit dem Ätherischen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Zusammenwirken von Zentral- und Universalkräften ====&lt;br /&gt;
Dadurch, dass das Antimon sich leicht und stabil mit dem Schwefel zu den orthorhombisch geformten Grauspießglanz/Antimonit-Kristallen verbindet, kann es die Neigung des Schwefels, in der Welt des Lebendigen aktiv zu werden und dadurch auch im Sinne der auf die Erde einstrahlenden ätherischen Kräfte zu wirken, unterstützen. Unter diesem Aspekt ist die Art und Weise, wie das Antimon in seiner Verbindung mit dem Schwefel kristallisiert, charakteristisch. Es kristallisiert in prismatisch-nadeligen grauschwarzen Kristallen, von feinst ziseliert bis zentimeterstark, immer von einem Zentrum weg – wenn der Kristallisationsprozess nicht durch äußere Umstände gestört wird. Dabei erstrecken sich die Antimonit-Nadeln radial in die Peripherie, wobei die Länge der Kristalle durchaus auch 1 m überschreiten kann. Wo er nur kann, strebt Antimonit die büschelförmige Gestaltung an. Er gliedert sich damit in Linien, die von der Erde weg- und den Kräften entgegenstreben, die im Äther wirken. Durch diese Kristallisationsweise bringt das Antimon das Zusammenwirken der Zentral- und der Universalkräfte wie archetypisch zum Ausdruck.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Man bringt mit dem Antimon somit etwas in den menschlichen Organismus, das der Wirkung des Ätherleibes auf halbem Wege entgegenkommt.[6] Antimon kann dadurch im Körper die eiweißbildenden Kräfte zusammenhalten und so die Tätigkeit der Ich-Organisation im Eiweißaufbau unterstützen.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Feinfaserigkeit durch Seigern ====&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Auch dasjenige, was im Seigerprozess mit dem Antimon vor sich geht, weist auf die Äther-Verwandtschaft dieses Stoffes hin. ‚Seigern‘ kommt von dem gegenwärtig nicht mehr oft gebrauchten Wort etwas z.B. durch ein Sieb ‚durchseien‘. Unter ‚Seigerungen‘ versteht man daher Trennprozesse in gemischtem Schmelzgut. Es wird durch diesen Prozess feinfaserig.[7]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Niedriger Schmelzpunkt ====&lt;br /&gt;
Da das Antimon bereits bei 547° schmilzt, fließt es auf schräger Unterlage leicht aus dem Antimon haltigen Schmelzgut heraus, wo es dann bei Abkühlung zu 92–98 % reinem &#039;&#039;antimonium crudum&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt; kristallisiert.[8] Der niedrige Schmelzpunkt von 547° zeigt zudem die Nähe dieser mineralischen Substanz zum flüssigen Aggregatzustand, in dem die ätherischen Kräfte ihre Wirkung entfalten können.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor diesem Hintergrund heißt es in dem oben erwähnten Werk:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Alles dieses zeigt, dass im Antimon die Tendenz enthalten ist, in das Ätherelement in dem Augenblick leicht überzugehen, in dem dazu die Bedingungen auch nur in geringem Grade vorhanden sind. Dem geistigen Schauen gelten alle diese Einzelheiten nur als Andeutungen; denn dieses nimmt die Beziehung zwischen Ich-Tätigkeit und Antimon-Wirksamkeit unmittelbar so wahr, dass die Antimonprozesse, in den menschlichen Organismus gebracht, so wirken, wie die Ich-Organisation.“[9]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zwei Indikationen als Beispiele für den Einsatz von Antimon&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aus dem breiten Spektrum der therapeutischen Einsatzmöglichkeiten werden nun zwei Indikationsgebiete an die Schilderung des Arzneimittelbildes angeschlossen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;&#039;Blutgerinnungsstörungen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
# und &#039;&#039;&#039;Typhus abdominalis/Parathyphus&#039;&#039;&#039;, eine gefährliche bakterielle Infektionskrankheit des Magen-Darmtraktes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während eine Therapie mit &#039;&#039;Antimon&#039;&#039; oder &#039;&#039;Stibium metallicum praep.&#039;&#039; bei Blutungsneigung aus der Darstellung des Arzneimittelbildes unmittelbar hervorgeht, ist dies für den Thyphus nicht so ohne weiteres ersichtlich – zumal dieser ja heute erfolgreich antibiotisch behandelt werden kann (Sterblichkeitsrate unter 1 &amp;lt;nowiki&amp;gt;%) und die Impfung bei Einreise in betroffene Gebiete empfohlen wird.[10]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;Arzneimittelbild der Austernschale und Typhus&#039;&#039;] ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was macht also eine Begleitbehandlung oder Alternativbehandlung zur Vermeidung des Einsatzes von Antibiotika sinnvoll?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um dies zu verstehen, braucht es – wie oben bereits angedeutet – zum Vergleich das Arzneimittelbild der Austernschale. Hier liegt ein Naturprozess vor, der etwas vollzieht, was für die Muschel richtig ist, für den Menschen aber zur Ursache typhöser Durchfall-Erkrankungen werden kann. Die Auster sondert in ihre Schale das kalkartig Mineralische ab:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Bei der Auster wird das Kalkartige abgesondert, um es der Eiweißwirkung nicht einzugliedern. Im menschlichen Organismus muss diese Eingliederung stattfinden. Die bloße Eiweißwirkung muss in eine solche umgewandelt werden, in der mitwirkt, was im Kalkartigen durch die Ich-Organisation an gestaltenden Kräften hervorgerufen werden kann. Das muss sich innerhalb der Blutbildung abspielen. Das Antimon wirkt der kalkausscheidenden Kraft entgegen und führt das Eiweiß, das seine Form bewahren will, durch seine Verwandtschaft mit dem Äther-Elemente in die Formlosigkeit hinüber, die für die Einflüsse des Kalkartigen oder Ähnlichem empfänglich ist.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;Beim Typhus ist es klar, dass der krankhafte Zustand in einer mangelnden Überführung der Eiweißsubstanz in gestaltungsfähige Blutsubstanz besteht. Die Form der Diarrhöen, die auftritt, zeigt, dass schon im Darm die Unfähigkeit zu dieser Umwandlung beginnt.“[11]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Heilung der konstitutionellen Dysfunktionalität&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[12]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039; heißt es&#039;&#039;,&#039;&#039; dass die Abwehrstoffe und Killerzellen eines guten Immunsystems im Blut zirkulieren, welches wiederum &#039;&#039;das&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt; Organ der Ich-Organisation ist.[13] Kann nun mithilfe einer Konstitutionsbehandlung, z.B. mit einem Antimonpräparat, und je nach Situation auch noch kombiniert mit anderen Heilmitteln, die Ich-Organisation und damit ihr Einfluss auf die Gestaltungskräfte im Blut gestärkt werden, so werden die Bakterien nicht nur beseitigt, wie es über eine antibiotische Therapie geschieht, sondern zugleich das Milieu saniert und damit künftigen Infektionen vorgebeugt. Das entspräche einer integrativen Therapie, die sich nicht nur auf die Beseitigung der Symptome konzentriert, sondern auf die Heilung der konstitutionellen Dysfunktionalität.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dem erwähnten Werk schreiben die Autoren: &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Wendet man bei typhösen Erscheinungen Antimonpräparate in entsprechender Zusammensetzung an, so erweisen sich diese als Heilmittel. Sie entkleiden die Eiweißsubstanz ihrer Eigenkräfte und machen sie geneigt, den Gestaltungskräften der Ich-Organisation sich einzufügen.“[14]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbstverständlich hat der primäre Fokus auf die Symptombeseitigung überall da seine Berechtigung, wo sie Leben rettet, weil die Abwehrkräfte des Körpers zu schwach sind für die notwendige Selbstregulation. Wo diese Möglichkeit jedoch gegeben ist, kann differenzierter vorgegangen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Wer Exaktheit nur in dem sieht, was die Chemie – auch die pharmazeutische – feststellt, der vernichtet die Möglichkeit, Anschauungen darüber zu gewinnen, was im Organismus bei Heilungsvorgängen geschieht.“[15]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[16]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----&amp;lt;nowiki&amp;gt;[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[2] Ebenda, S. 77.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[3] Vgl. Marxer (2000), siehe www.pharmazeutische-zeitung.de/titel-10- 2000; [6.1.2025].&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[4] Vgl. Holleman und Wiberg (2017), 940.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[5] Vgl. Wimmenauer (1992), 223.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[6] Siehe FN 1, S. 78.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[7] Ebenda.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[8] Vgl. Holleman und Wiberg (2017), 942.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[9] Siehe FN 1, S. 78f.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[10] Typhus ist weltweit verbreitet – besonders in warmen Ländern. Er wird durch kontaminierte Lebensmittel bzw. Trinkwasser übertragen und ist eine schwere Allgemeinerkrankung, die durch das Bakterium Salmonella typhi ausgelöst wird. Als Paratyphus bezeichnet man ein abgeschwächtes Krankheitsbild, dessen Erreger Salmonella Paratyphi A, B oder C ist. Übertragen wird die Infektion durch Trinkwasser oder Lebensmittel, die mit Fäkalien von infizierten Personen verunreinigt wurden. Leitsymptome sind hohes Fieber, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, langsamer Puls, trockener Husten, Bauchschmerzen, Milzvergrößerung und manchmal ein blasser, kleinfleckiger Ausschlag am Körper. Ein milder Verlauf ist möglich, doch manchmal kommt es zu schweren Komplikationen wie massiven Darmblutungen oder Abszessen in verschiedenen Organen. Durch den Einsatz von Antibiotika kann die Sterblichkeit auf unter 1% gesenkt werden. In Deutschland ist die Krankheit meldepflichtig – dem Bundesamt für Gesundheit werden pro Jahr zwischen 20 und 50 Fälle gemeldet. Wichtigste Mittel zur Vorbeugung sind Körperhygiene und Verzicht auf frische Salate und ungeschältes Obst – nach dem Ernährungsmotto: Cook it, peel it or forget it. Siehe www.bag.admin.ch/bag/de/home/krankheiten/krankheiten-im-ueberblick/typhus-abdominalis-paratyphus.html; [6.1.2025].&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[11] Siehe FN 1, S. 80.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[12] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“, GA 27.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[13] Siehe FN 3, Kapitel VI.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[14] Siehe FN 3, S. 80.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[15] Ebenda, S. 81.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[16] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ARZNEIMITTEL-SUBSTANZGRUPPEN UND WESENSGLIEDER ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Auf welchen Ebenen und worüber ist der Mensch mit der Natur innig verbunden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Naturanteile machen seine Konstitution aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wesensglieder und ihre Einbettung in die Natur&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Physischer Leib und Natur ====&lt;br /&gt;
Schon ein oberflächlicher Blick auf die Verbundenheit von Natur und Mensch zeigt, wie der Mensch die kristallinen Strukturen seines Körpers mit den Mineralien der ihn umgebenden Natur gemeinsam hat. Dieser sichtbare, mineralisch erscheinende Leib wird in der anthroposophischen Menschenkunde „Physischer Leib“ genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ätherleib und Natur] ====&lt;br /&gt;
Werden und Vergehen, Leben und Sterben hat der Mensch mit der Pflanzenwelt gemeinsam. Diese Gesetzmäßigkeiten in ihrem Zusammenhang nennt Steiner „Ätherleib“, weil ohne das blaue Himmelslicht (griechisch o aither) kein Leben auf der Erde möglich wäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Astralleib und Natur] ====&lt;br /&gt;
Atmung, Bewegung, Bewusstsein, Schmerz und Triebleben hat der Mensch mit den Tieren gemeinsam. Diese das Seelenleben konstituierenden Gesetze heißen in ihrer Gesamtheit „Astralleib“ von aster, lateinisch Stern. Die menschliche Seele fühlt sich der Sternenwelt mit ihren Rhythmen und Konstellationen verwandt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Rein menschliche Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Die Fähigkeit jedoch, lebenslang lernen und immer wieder neu und anders kulturschöpferisch tätig sein zu können, ist spezifisch menschlich. Daher gibt Steiner diesem die „Ich-Natur“ des Menschen möglich machenden Gesetzes-Zusammenhang den Namen „Ich-Organisation“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Da der Mensch durch diese vier verschiedenen Gesetzes-Zusammenhänge sein Wesen sowohl integriert als auch differenziert äußern kann, gab Steiner ihnen den Namen „Wesensglieder“.[1]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Arzneimittelwirkung auf die Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Substanzgruppen aus dem Mineral-, Pflanzen-, Tier- und Menschenreich haben einen therapeutischen Bezug zu diesen Wesensgliedern:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Menschliche Substanz wie Muttermilch und in Form einer Blutspende stützt und erhält den physischen Leib.&lt;br /&gt;
* Präparate aus dem Tierreich regen den Ätherleib zu verstärkter Tätigkeit an,&lt;br /&gt;
* pflanzliche Arzneimittel wirken regulierend auf den Astralleib&lt;br /&gt;
* und Metalle und Mineralien auf die Ich-Organisation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Potenzierungsstufen und Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Auch die Potenzierungsstufen der nach homöopathischem Verfahren hergestellten Arzneimittel haben ihren Bezug zu den Wesensgliedern:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D1 – D4:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;physischen Organismus&#039;&#039; und seines Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D5 – D8:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;ätherischen Organismus&#039;&#039; und seines Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D10 – D15:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;astralischen Organismus&#039;&#039; und seines Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D20 – D60:&#039;&#039;&#039; Anregung der &#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039; und ihres Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Bezug auf die Dreigliederung des menschlichen Organismus gilt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D1 – D6:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;Stoffwechsel-Systems&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D6 – D18:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;rhythmischen Systems&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D18 – D30:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;Nerven-Sinnessystems&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Der Arzneimittelschatz der Anthroposophischen Medizin umfasst dementsprechend Ausgangssubstanzen mineralischer, pflanzlicher und tierischer Herkunft, die nach besonderen Verfahren vor allem von den Arzneimittelfirmen Weleda und Wala hergestellt werden.[2] In Deutschland wurden sie aufgrund des Arzneimittelgesetzes von 1976 in der vom Bundesgesundheitsamt – später Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) – eingerichteten Kommission C für die Zulassung aufbereitet. Ein Teil dieser regulativ wirksamen Arzneimittel ist sehr gut für die Selbstmedikation geeignet.[3]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Artikel in der Deutschen Apothekerzeitung DAZ Nr. 39, 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----&amp;lt;nowiki&amp;gt;[1] Rudolf Steiner, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Theosophie, Einführung in übersinnliche Welterkenntnis und Menschenbestimmung,&#039;&#039; 2003 und ders. &#039;&#039;Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft&#039;&#039;. In: &#039;&#039;Lucifer-Gnosis&#039;&#039;. GA 34. Dornach 1987, 309-344.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[2] International Association of Anthroposophic Pharmacists IAAP. ­Anthroposophic Pharmaceutical Codex. Stuttgart, 2014.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[3] M. Glöckler, B. Emde, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Anthroposophische Medizin&#039;&#039;, in: &#039;&#039;Komplementärmedizin für die Kitteltasche. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation&#039;&#039;, Stuttgart 2009 und ders.: &#039;&#039;Anthroposophische Medizin&#039;&#039;, in: &#039;&#039;Komplementärmedizin für Kinder. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation&#039;&#039;, Stuttgart 2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ARZNEIMITTEL AUS DER NATUR UND WESENSGLIEDER ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen inneren Zusammenhang sieht die anthroposophische Pharmazeutik zwischen Arzneimitteln aus der Natur und den menschlichen Wesensgliedern?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Qualitäten zeichnen die Muttermilch aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern sind Schwangerschaft und Stillzeit Naturvorbilder auch für zukünftige Entwicklungsstadien?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Korrelation von Arzneimitteln und Wesensgliedern&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;In der Anthroposophischen Pharmazeutik sieht man eine grundlegende Korrelation von Arzneimitteln aus der Natur und den menschlichen Wesensgliedern:[1]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So haben &#039;&#039;&#039;Mineralien&#039;&#039;&#039; eine unmittelbare Beziehung zur &#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;: Sie unterstützen die Ich-Organisation bei der Beherrschung der physischen Verhältnisse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Heilmittel aus dem Pflanzenreich&#039;&#039;&#039; auf die &#039;&#039;astralische Organisation&#039;&#039;: Die astralische Organisation wirkt lähmend auf die ätherische – pflanzliche Arzneimittel können regulierend auf diese lähmende Wirkung Einfluss nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Organpräparate&#039;&#039;&#039; und tierische Arzneimittel auf die &#039;&#039;ätherische Organisation:&#039;&#039; Diese hat die Aufgabe, physisch-tierische Substanzen in den Lebenszusammenhang aufzunehmen, was durch astralische Impulse angeregt werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Menschliche Substanz&#039;&#039;&#039; (wie Blutkonserven und Muttermilch) wirkt unmittelbar auf den &#039;&#039;physischen Leib,&#039;&#039; sodass sich die anderen Wesensglieder wieder besser einschalten und betätigen können. Anders ausgedrückt: Menschliche Substanz steht der Ich-Organisation unmittelbar für ihre Aufgabe zur Verfügung, das Ganze des Organismus bis in das Physische hinein zu beherrschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Was Muttermilch vermag&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Studiert man die Besonderheiten rund um die Bildung von Muttermilch, so verrät dies viel über die innige Bindung zwischen Mutter und Kind durch alle vier Wesensglieder hindurch:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die Muttermilch ist nach dem aktuellen Bedürfnis des Säuglings zusammengesetzt und variiert so auch von Tag zu Tag;&lt;br /&gt;
* Stillen fördert die Rückbildung der Gebärmutter;&lt;br /&gt;
* gestillte Kinder haben weniger Infekte und überstehen sie leichter, weil die Muttermilch wichtige Abwehrstoffe der Mutter enthält;&lt;br /&gt;
* ausschließliches Stillen in den ersten sechs Monaten kann das Kind vor Allergien und Asthma schützen;&lt;br /&gt;
* Wachstum und Beweglichkeit von Magen und Darm werden unmittelbar angeregt;&lt;br /&gt;
* die Zusammensetzung der Muttermilch mit Bezug auf Kohlenhydrate, Fette, Eiweißgehalt und Mineralstoffe ist zugleich ein ‚Naturvorbild‘ für eine gesunde Ernährung;&lt;br /&gt;
* die Immuntoleranz, d.h. die Selbstregulation des Immunsystems entwickelt sich bei gestillten Säuglingen nachhaltig besser.&lt;br /&gt;
* &amp;lt;nowiki&amp;gt;Durch Stillen wird das Risiko des plötzlichen Kindstodes um ca. die Hälfte gesenkt und vieles mehr.[2]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Formelmilch gefütterte Säuglinge haben eine deutlich höhere Insulinkonzentration im Plasma, was mit der Entwicklung von Adipositas und einer möglichen Zunahme von Diabetes mellitus Typ 2 im Zusammenhang steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Abnabelungsstadien und physisch-seelisch-geistige Muttermilch&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Nach der &#039;&#039;&#039;physischen Abnabelung&#039;&#039;&#039; vom physischen Leib der Mutter als der ernährenden Umgebung während der Schwangerschaft, folgt die Stillperiode.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann folgt die langsame &#039;&#039;&#039;ätherische Abnabelung&#039;&#039;&#039; und das Sich-Emanzipieren auf ätherischer Ebene, das mit dem Ende der Nachahmungsperiode ausklingt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;&#039;seelisch-astralische Abnabelung&#039;&#039;&#039; findet im 2. Jahrsiebt statt und kulminiert mit der Pubertät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Arbeit des Ich jedoch an der Überwindung von allen möglichen Abhängigkeiten, die seine Autonomiebefähigung einschränken, stellt eine Art &#039;&#039;&#039;geistige Abnabelung&#039;&#039;&#039; dar. Diese zu bewerkstelligen bleibt eine lebenslange Herausforderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;Rudolf Steiner spricht im pädagogischen Zusammenhang wiederholt über die Bedeutung der physischen Muttermilch für den gesunden Aufbau des physischen Leibes und die damit verbundene Stärkung der Ich-Organisation des Kindes. Für die Unterstützung der oben genannten weiteren Abnabelungsprozesse im Verlaufe der Schulzeit und Jugend, braucht es die ‚seelische‘ und zuletzt ‚geistige‘ Muttermilch, die dem Menschen in Form einer nährenden Entwicklungsumgebung und verständigen Entwicklungshelfern zukommen müssen.[3]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fallen solch hilfreiche Faktoren und Entwicklungsbegleiter weg oder können nur eingeschränkt wirken, ist dies oft mit körperlichen und oder seelischen gesundheitlichen Belastungen im weiteren Leben verbunden. Diesen so weit als möglich vorzubeugen, ist der Präventionsanspruch Anthroposophischer Medizin und Pädagogik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[4]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----&amp;lt;nowiki&amp;gt;[1] Warum das so ist, geht aus den Kapiteln I bis V aus &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27,&#039;&#039; hervor, in denen die Autoren, Rudolf Steiner und Ita Wegman, die Arbeit der Wesensglieder an den Substanzströmen schildern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[2] Vgl. Soldner und Stellmann (2018), 220–238; Glöckler u. a. (2024b), 372–392.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[3] Rudolf Steiner, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik,&#039;&#039; GA 293, Vortrag 2. September 1919.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;[4] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ALLGEMEINES ZU DEN TYPISCHEN HEILMITTELN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was verstehen Rudolf Steiner und Ita Wegman unter typischen Heilmitteln?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie verhalten sie sich im Vergleich zu den üblichen Symptome bekämpfenden Medikamenten?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist das Neue daran?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Bestimmte Kompositionen von Arzneimitteln&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel XX von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; heißt es: &#039;&#039;„[…] und wenn Typisches im Krankheitszustande in Betracht kommt, so stellt unser Heilmittel dasjenige dar, was im Sinne der Schilderung unseres Buches zur Therapie führen muss. Von diesem Gesichtspunkte aus sollen einige unserer Heilmittel beschrieben werden.“[2]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese &#039;&#039;„Typischen Heilmittel“[3]&#039;&#039; haben mit der Heileurythmie gemeinsam, dass hier bestimmte Kompositionen von Arzneimitteln einem bestimmten typischen Krankheitsbild angepasst sind – so wie man in der Heileurythmie eine bestimmte Lautfolge dem Krankheitsprozess anpasst. &#039;&#039;Otto Wolff&#039;&#039; hat dies wiederholt in seinen schriftlichen und mündlich vorgetragenen Ausführungen zu diesen Kompositions-Präparaten so auf den Punkt gebracht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„&#039;&#039;Diese mögen äußerlich wie Mischungen aussehen, ihnen liegt aber eine Konzeption zugrunde, die nicht von speziellen Krankheiten, sondern von Grundprozessen des Menschen oder einzelner Organe ausgeht. Sie sind deshalb nicht gegen eine Krankheit gerichtet, sondern sprechen ein Organ urbildhaft in seinen Funktionen an. Man kann diesen Arzneimittel-Typus als Urheilmittel ansprechen. So bilden Heilmittel wie Cardiodoron, Kephalodoron (Biodoron), Hepatodoron, Digestodoron u.a. in sich jeweils ein Ganzes. Dabei wird gerade eine gewisse Gegensätzlichkeit von Pflanzen (z.B. im Cardiodoron, Hepatodoron) bzw. der Mineralien Schwefel und Kiesel (im Kephalodoron) durch einen pharmazeutischen Prozess oder eine Substanz (Eisen beim Kephalodoron) ins Gleichgewicht gebracht und zu einer höheren Einheit verbunden. Dadurch erst kann Kephalodoron ein Abbild des dreigliedrigen Menschen sein und eine harmonisierende Wirkung auf den Funktionszusammenhang seiner Funktionssysteme (Nerven-Sinnes-System, rhythmisches und Stoffwechselsystem) ausüben. Entsprechendes könnte auch für andere ‚Heilmittel für typische Krankheiten‘ ausgeführt werden, bei denen es sich zumeist darum handelt, durch harmonisierende Anregungen Gleichgewichtszustände aus ungleichmäßigem Zusammenwirken von Kräften der übersinnlichen Wesensglieder wiederherzustellen. Das Heilende ist im Grunde genommen der menschliche Organismus, d.h. der Ätherleib selber, wenn es gelingt, die entsprechenden Anregungen wirksam werden zu lassen.“[4]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ein neuer Behandlungsansatz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das ist insofern ein neuer Behandlungsansatz, als es dem symptomorientierten Therapieansatz, der sich unmittelbar gegen das betreffende Symptom richtet in Form von Antipyretika, Antihistaminika, Antibiotika, Antidepressiva etc. etwas an die Seite stellt, das unmittelbar die ordnende Kraft der Ich-Organisation und die gesundende Aufbauleistung der ätherischen Organisation anspricht. Dabei steht nicht die Symptombeseitigung im Vordergrund, sondern die Regulierung von den Prozessen, die die Symptome hervorgebracht haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer also erwartet, dass z.B. eine Tablette Kephalodoron unmittelbar den Kopfschmerz beseitigt, wie man das von einer Gabe Ibuprofen erwarten kann, sieht sich getäuscht. Nimmt er aber das Migränemittel im gesunden Intervall über längere Zeit, werden die Anfälle milder und merklich seltener werden und können bei günstigem Verlauf auch sistieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[5]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ebenda, S. 115.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Vgl. Wolff (1984), 65–73 und (2013); Basold u. a. (1995).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] F. Husemann und Wolff (1993–2003), S. 244.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== WIRKSAMKEIT EINES HEILMITTELS VERMITTELN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie vermittelt der Arzt seinem Patienten, welches Heilmittel er braucht?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist dabei zu beachten, worauf kommt es an?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wirksamkeit der Gedanken und Gefühle miteinbeziehen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ideal wäre es, mit dem Patienten über ein Heilmittel in einer Art zu sprechen, dass etwas von der Wirksamkeit desselben auf den Patienten überspringt und dieser sich freut, dass er dieses Mittel bekommt, ja, dass er dankbar dafür ist. Der Patient sollte es mit dem Gefühl nehmen, er habe etwas besonders Gutes bekommen. Denn Freude und Dankbarkeit wirken therapeutisch – sie sind nicht „Placebo“, sondern real und wirksam. Wir müssen begreifen, dass das, &#039;&#039;was&#039;&#039; und &#039;&#039;wie&#039;&#039; wir über eine Sache denken, viel mehr als nichts ist: Was jemand weiß, ist etwas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ätherleib als Träger der zeitlichen und „ewigen“ Lebenskräfte entfaltet diese Doppelwirksamkeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ihm verdankt unser Körper einerseits &#039;&#039;&#039;Leben, Regeneration, Wachstum&#039;&#039;&#039; und die individuelle Lebenszeit&lt;br /&gt;
* Andererseits verdankt der Mensch ihm sein &#039;&#039;&#039;Gedankenleben&#039;&#039;&#039;, je älter er wird, umso mehr, das sich aus all den ätherischen Kräften speist, die der Körper nicht mehr „verkörpert“ halten kann (und muss) und die er damit in die „außerkörperliche Wirksamkeit“ entlässt. Die Gedanken können über den Tod des Menschen hinaus weiterleben und ihn tragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Medikamente wirken auf beide Aspekte des Lebens – sprich: Auch was ich über etwas denke, bewirkt etwas. Wenn ich die Arnikawirkung denke, wirkt sie bereits, denn Gedanken wirken immer, sind ein reales Wirkprinzip. &#039;&#039;„Hab Sonne im Herzen, ob&#039;s stürmt oder schneit“&#039;&#039;. Wenn ich die Sonne meditiere, habe ich Licht und Wärme im Herzen, selbst wenn ich Bauchweh habe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Denken vermindert Heilkraft, positive Gefühle verstärken sie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Indem ich denke, nehme ich der ätherischen Wirksamkeit im Körper aber auch etwas weg, weil es dieselben Kräfte sind, die dem Körper zur Gesundheit verhelfen. D.h, der Körper ist am gesündesten, wenn man nicht denkt, also im Schlaf, weil da die gesamten ätherischen Kräfte (auch diejenigen, die tagsüber außerkörperlich dem Denken dienen) in den physischen Leib einziehen und an seiner Regeneration arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am besten ist es, wenn der Patient über ein Heilmittel gerade so viel weiß, dass er sich freut und ihm ein bisschen warm wird bei dem Gedanken, dass er es jetzt einnehmen darf. Denn diese positiven Gefühle teilen sich auch dem Körper mit und beeinflussen den Stoffwechsel positiv. Positive Gefühle führen dem Ätherleib vom Seelischen her positive Kräfte zu, wie dies gesunde Ernährung vom Physischen her tut. Zuviel Nachdenken über die Wirkung mindert diese jedoch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch weniger zuträglich ist es, wenn ein Patient nicht so recht weiß, wie ein Mittel wirkt, oder Angst bekommt, wenn er den Beipackzettel liest. Dann fühlt er sich verunsichert – weswegen 40 Prozent der Medikamente in den Müll und nicht in den Magen der Patienten wandern. Wieder zuhause entscheiden sie, dass es ihnen eigentlich gar nicht so schlecht geht und nehmen das verordnete Medikament lieber nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur Anthroposophischen Medizin, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Offenborn</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Anthroposophische_Heilmittel&amp;diff=1272</id>
		<title>Anthroposophische Heilmittel</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Anthroposophische_Heilmittel&amp;diff=1272"/>
		<updated>2026-01-29T09:12:57Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Offenborn: /* Anthroposophische Heilmittel - von Michaela Glöckler */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= Anthroposophische Heilmittel - von Michaela Glöckler =&lt;br /&gt;
Auszüge aus Büchern und Vorträgen von [[Michaela Glöckler]]; Erstveröffentlichung auf https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ SUBSTANZ-ERKENNTNIS ALS GRUNDLAGE FÜR HEILMITTEL-ERKENNTNIS] ==&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;Was meint Rudolf Steiner mit der Weltenaufgabe der Substanzen?&#039;&#039;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;Was wird anhand der Beispiele Ameisensäure und Oxalsäure im Hinblick auf ihre Wirkung im Zellstoffwechsel aufgezeigt?&#039;&#039;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;Inwiefern muss der Organismus als Tätigkeitszusammenhang begriffen werden?&#039;&#039;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;Die Weltenaufgabe der Substanzen&#039;&#039;] ===&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ In Kapitel XVII von &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039; liegt der Fokus auf einer konsequent prozessorientierten Substanz-Erkenntnis, über die Rudolf Steiner im Ärztekurs für die jungen Mediziner schreibt, dass es die Aufgabe des Arztes sei, &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„die Weltenaufgaben der Substanzen zu erkennen“.[2]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ In &#039;&#039;„Grundlegendes…“&#039;&#039; formulieren die Autoren es so: &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Wer die Wirkung von Heilmitteln beurteilen will, muss ein Auge haben für die Kräftewirkungen, die sich im menschlichen Organismus ergeben, wenn eine Substanz, die außer demselben gewisse Wirkungen zeigt, in irgendeiner Art in ihn eingeführt wird.“[3]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039; Etwas von dieser ‚Weltenaufgabe‘ wird dort anhand der Ameisensäure und der Kleesäure aufgezeigt und damit auf die Bedeutung dieser Blickrichtung für bestimmte Prozesse im menschlichen Zellstoffwechsel hingewiesen.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ 1. Beispiel: Aufgabe der Ameisensäure] ====&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;Ameisensäure wird vom Menschen mit der Nahrung in der Regel nicht aufgenommen. Sie wird im Tierreich gebildet und als Abwehrstoff, insbesondere der Insekten, ausgeschieden – selten auch bei Pflanzen, wie z.B. in den Brennhaaren der Brennnesseln. Ihre ‚Weltaufgabe‘ ist inzwischen gut erforscht: Die rote Waldameise ist für die Gesunderhaltung der Wälder unentbehrlich. Sie steht daher auch unter Naturschutz, seitdem man ihre Bedeutung für die ‚Lebensgemeinschaft Wald‘ erkannt hat. Um einen Ameisenbau herum vernichtet jedes Volk pro Tag zehntausende Schädlinge bzw. deren Larven und Raupen (wie z.B. Borkenkäfer- und Blattwespenlarven) sowie Kadaver und Pilzmyzel in morschem Holz. So hilft die Ameisensäure dem Mikrobiom des Bodens, die verwesenden Pflanzenreste und das modernde Holz zu verarbeiten. Auch verbreiten Ameisen auf ihren Wegen tausende von Samen und tragen so zur Vielfalt im Wald bei sowie zur Verbesserung der Bodenbeschaffenheit. Instrument für ihre wertvollen reinigenden Tätigkeiten ist die Ameisensäure mit ihrer aggressiven Toxizität.[4]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ 2. Beispiel: Aufgabe der Oxalsäure] ====&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ Die Oxal- bzw. Kleesäure hingegen findet sich in allen Pflanzen und den meisten Bakterien und in unterschiedlichen Mengen in vielen Nahrungsmitteln wie z.B. in schwarzem Tee, Mangold oder Rhabarber. Nach der Aufnahme muss sie dann im Organismus zu ausscheidungsfähigen Endprodukten abgebaut werden.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;Ein ‚Zuviel‘ führt zusammen mit Calcium im Darm zu schwer löslichen Salzen (Oxalaten), was Anlass geben kann für die Bildung von Blasen- und Nierensteinen. Oxalsäure ist ein pflanzliches Gift – für den Menschen können bereits Gramm-Mengen tödlich sein.[5] Als Kalzium-, Magnesium- oder Kaliumsalze sind die Oxalate allgegenwärtig und aus dem Zellstoffwechsel der Lebewesen nicht wegzudenken – bis hin zu den meisten Pilzen und Bakterien. Im Gegensatz zur Ameisensäure entfaltet die Oxalsäure ihre Wirkung nicht in dem Zwischenbereich zwischen dem Mineralisch-Physischen und dem Ätherisch-Lebendigen. Sie hat ihre Aufgabe in der Lebenswelt der Pflanzen – aber als Giftsubstanz im Grenzgebiet zum astralischen Kräftebereich. Da Gifte auch in schwacher Dosierung immer lebensfeindlich sind, regen sie den Organismus dazu an, auf unterschiedlichen Wegen diese Gifte schnellstmöglich abzubauen oder in Verbindung mit anderen Substanzen unschädlich zu machen. Diese Abbauvorgänge dienen im Organismus der Tiere und der Menschen der Bewusstseinsbildung, die sich, wie mehrfach erwähnt, auf Abbauvorgänge stützt.[6]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ Biochemisch handelt es sich]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ bei der &#039;&#039;&#039;Ameisensäure&#039;&#039;&#039; um die einfachste Monocarbonsäure (Formica, HCOOH, ihre Salze heißen Formiate)  ]&lt;br /&gt;
* [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ und bei der &#039;&#039;&#039;Oxal- bzw.&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Kleesäure&#039;&#039;&#039; um die einfachste Dicarbonsäure (Acidum oxalicum, HOOC-CO-CH2-COOH, ihre Salze heißen Oxalate).]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;Notwendige Verwandlung von Oxalsäure in Ameisensäure&#039;&#039;] ===&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;Rudolf Steiner hat erstaunlich oft über die Bedeutung der biochemischen Verwandlung von Oxal- in Ameisensäure gesprochen.[7] Den Prozess der Bildung von Oxalsäure, der hauptsächlich in den Verdauungsorganen stattfände, hielt er für eine notwendige Grundlage dafür, dass der Mensch überhaupt leben könne – grundlegend also dafür, dass die Ätherkräfte zur Wirksamkeit kommen können.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;Ihre Umwandlung in Ameisensäure aber sei eine entsprechende Grundlage für das Wirksamwerden der astralischen Kräfte in der physisch-ätherischen Konstitution. In einem Ärztevortrag führt er weiter aus, dass man im Falle der Ameisensäure dahin kommen müsse zu erkennen, dass sie im Menschen, wie auch draußen in der Natur, die Aufgabe hat, gegenüber den Prozessen des Alterns, des Absterbens und des Vermoderns immer wieder weiteres Leben, weitere Entwicklung zu ermöglichen.[8] Auch führt er aus, dass &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;„die heutige Physiologie“&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt; diese Prozesse erst finden müsse.[9]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&amp;lt;sup&amp;gt;,&amp;lt;/sup&amp;gt;&amp;lt;nowiki&amp;gt; [10]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ Steiner und Wegman sahen]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ in der &#039;&#039;&#039;Ameisensäure&#039;&#039;&#039; die Schlüsselsubstanz im Stoffwechsel des tierischen Organismus]&lt;br /&gt;
* [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ und in der &#039;&#039;&#039;Oxalsäure&#039;&#039;&#039; die Schlüsselsubstanz im pflanzlichen Zell-Metabolismus.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;Organismus als Tätigkeitszusammenhang begriffen&#039;&#039;] ===&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;In Abs. 2 wird deutlich gemacht, wie entscheidend es für einen Organismus ist, eine Substanz nicht nur zu besitzen, sondern auch den Bildeprozess zum Aufbau dieser Substanz zu leisten. Im Tun liegt das Wesen des Organismus, nicht in seinen Substanzen. Der Organismus ist nicht ein Stoffzusammenhang, sondern ein Tätigkeitszusammenhang. Der Stoff trägt den Anreiz zur Tätigkeit in sich. Hat er diesen Anreiz verloren, so hat er für die Organisation keine weitere Bedeutung.[11]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ Unter diesem Gesichtspunkt kann auch die jeweilige Aufgabe der Ameisensäure und der Kleesäure im menschlichen Organismus verstanden werden. Hier ‚dienen‘ diese Substanzen der Ich-Organisation: &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Die Ich-Organisation braucht diesen Übergang der organischen Substanz in den leblosen Zustand. Aber sie braucht eben den Vorgang des Überganges; nicht, was dann durch den Übergang entsteht. Ist nun das nach dem Leblosen hin sich Entwickelnde gebildet, so wird es im Innern des Organismus zur Last. Es muss entweder unmittelbar abgesondert werden oder aufgelöst, um mittelbar hinwegzukommen. Geschieht nun für etwas, das aufgelöst werden sollte, diese Auflösung nicht, so häuft es sich im Organismus an und kann die Grundlage für gichtische oder rheumatische Zustände bilden.“[12]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;In der Biologie werden die Phänomene dieses Übergangs zwischen Abbau und Aufbau im Falle der Gesundheit als metabolische Homöostase beschrieben, wobei deren ‚Regulator‘ ein noch nicht gefundener Faktor ist. Es wird aber das Erstaunen zum Ausdruck gebracht darüber, dass unabhängig davon, was und wieviel man gerade isst oder nicht und wieviel Oxalacetat man gerade mit der Nahrung aufgenommen hat oder nicht, die Substanzen im sogenannten Stoffwechsel-Pol der Zellen konstant gehalten werden. D.h. in den Zellen sind die Enzyme des Katabolismus (Abbau) und Anabolismus (Aufbau) normalerweise derart reguliert, dass ein Gleichgewicht gewahrt bleibt. Wird dieses Gleichgewicht jedoch gestört, bedeutet dies den Beginn krankhafter Prozesse.[13]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[14]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;]&lt;br /&gt;
----[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, Ga 27, Kap. XVII.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;[2] Rudolf Steiner, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Meditative Betrachtungen und Anleitungen zur Vertiefung der Heilkunst. Vorträge für Ärzte und Medizinstudierende,&#039;&#039; GA 316, S. 22.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;[3] Siehe FN 1, S. 82.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;[4] Der Kern eines Ameisenhaufens ist meist in alten Wurzelstöcken von Nadelhölzern oder Eichenstämmen angesiedelt; das Zusammenleben in der Ameisenkolonie ist ausgeprägt sozial. Eine Königin lebt bis zu 20 Jahre, Arbeitsameisen 5–6 Jahre. Sie entwickeln sich in klar definierten Temperaturbereichen (Ameisenpuppen brauchen 31°, Larven 28°, die Entwicklung der Eier nur 25°). Vgl. Jirikowski (2010), 105–107.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;[5] Vgl. Wollrab (2014), 621.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;[6] Vgl. Wolff (2013), 85, 263–269.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;[7] Vgl. Rudolf Steiner, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Mysteriengestaltungen,&#039;&#039; GA 232, 13. Vortrag.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;[8] Vgl. FN 1, S. 22f.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;[9] Vgl. FN 11, S. 193–195.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;[10] Dazu muss aus anthroposophisch-medizinischer Sicht gesagt werden, dass die geisteswissenschaftliche Biochemie, für die Hauschka und Wolff die Grundlagen erarbeitet haben (Vgl. Hauschka 2007, Wolff 2013), auf dem jeweils neuesten Stand der biochemischen Forschung weiter erarbeitet werden muss. Denn die Zusammenschau der Wesensglieder-Tätigkeiten als ganzheitliche Regulatoren und die immense Faktenfülle der molekulargenetischen Einsichten in das hochkomplexe Regelkreisgeschehen der Zellatmung ist für eine umfassende Integrativmedizin unverzichtbar.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;[11] Siehe FN 1, S. 82.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;[12] Ebenda.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;[13]  Vgl. Sadava u. a. (2019), 265–271.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;[14] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ ANTHROPOSOPHISCHE HEILMITTEL-ERKENNTNIS AM BEISPIEL VON ANTIMON] ==&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;Welcher Blickwinkel ist grundlegend im Hinblick auf die anthroposophische Heilmittel-Erkenntnis?&#039;&#039;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;Inwiefern weist Antimon Ähnlichkeiten mit dem Ätherischen auf?&#039;&#039;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;Wie wird es, auch in Kombination mit Schwefel, therapeutisch eingesetzt?&#039;&#039;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;Wirksamkeit von Substanzen im Kontext irdisch-menschlicher Kraftsysteme&#039;&#039;] ===&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ In Kapitel XVI von &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039; geht es um anthroposophische Heilmittel-Erkenntnis. Die Grundlage davon ist der Blick auf das Verhalten bzw. die Wirksamkeit einer Substanz im Bereich der in Kapitel I geschilderten Kraftsysteme. Dabei geht es insbesondere um die]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ von der Erde ausstrahlenden]&lt;br /&gt;
* [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ und in sie einstrahlenden Kräfte:]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„[...] es kommt darauf an, die Wirkungen zu beobachten, die sich aus dem Zusammenhange der inneren Kräftekonstitution einer Substanz im Verhältnis zu den Kräften ergeben, die von der Erde ausstrahlen oder in sie einstrahlen.“[2]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;Antimon, Schwefel und die Austernschalenbildung&#039;&#039;] ===&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ Diese Wirkungen werden am Beispiel des Antimons in seiner Beziehung zum Schwefel in Form des in der Natur vorkommenden Grauspießglanzes aufgezeigt (Sb2 S3, auch als Antimonit bzw. Stibnit bekannt), sowie an der Austernschalenbildung, die zum Verständnis der Typhusbehandlung beiträgt.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Antimon] ====&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;Antimon&#039;&#039; kam bereits in der ägyptischen Medizin zur Anwendung, nimmt bei Paracelsus eine zentrale Stellung ein und hat bis in die Gegenwart immer neue Einsatzmöglichkeiten erfahren. Chemisch ist es dem Arsen verwandt und eine Menge von 100 mg bis etwa 1200 mg kann bereits tödlich sein. Eine gute Übersicht über seine Verwendung – einschließlich in der Anthroposophischen Medizin – findet sich bei &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;Marxer[3]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039; Die Bezeichnungen Antimon und Stibium für das chemische Symbol Sb stammen von den lateinischen Wörtern &#039;&#039;antimonium&#039;&#039; und &#039;&#039;stibium&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt; ab, die schon im Altertum für den Grauspießglanz verwendet wurden.[4]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Schwefel] ====&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ Schwefel ist eines der seltenen Minerale, die in kristallisierten polymorphen Formen in der Natur rein vorkommen und in der Struktur der orthorhombischen Raumgruppe Fddd die typisch gelbe α-Kristallform zeigen. Schwefel steht mit einem Anteil von geschätzt 0,048 Gew.-% an 15. Stelle unter den häufigsten Elementen der uns bekannten Erdkruste. Er wurde in Kometenschweifen nachgewiesen, ist auf der Erde zum einen vulkanischen Ursprungs und stammt zum anderen aus der Biosphäre von Bakterien, die aus schwefelhaltigen Mineralien Schwefel aufnehmen und Sedimente bilden sowie von Pflanze, Tier und Mensch, da er im Eiweißaufbau durch die beiden schwefelhaltigen Aminosäuren &#039;&#039;Cystin&#039;&#039; und &#039;&#039;Methionin&#039;&#039; festgebunden ist. Durch seinen niedrigen Schmelzpunkt und seine Fähigkeit zu sublimieren, verbindet er sich leicht über Luft und Wasser mit anderen Substanzen und realisiert so den alle Reiche der Natur verbindenden Schwefelkreislauf.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;Symptomatisch dafür ist auch eine ungewöhnliche mechanische Eigenschaft der Grausspießglanz-Kristalle: Sie zeigen eine auch an größeren Kristallen bei geringem Kraftaufwand fühlbare Biegsamkeit. Diese beruht auf einer geregelten innerkristallinen Gleitung, wie sie auch beim Eis und beim Steinsalz vorliegt – Substanzen, die für alle Lebewesen essenziell sind.[5]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Austernschale] ====&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ Die Austernschale ist als komplexes Kalkmineral schützendes Außenskelett der Auster und damit ein Mineral, ausgeschieden aus dem Lebensprozess eines Tieres bzw. einer Muschel. In ihrer therapeutischen Verwendung ist sie insbesondere in der Homöopathie bekannt mit dem Arzneimittelbild &#039;&#039;Calcium carbonicum&#039;&#039;. Sie wird zu den Vielkönnern oder Polychresten gezählt (von gr: πολύς - viel und χρηστός  - brauchbar).]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;Hinweise auf die Verwandtschaft von Antimon mit dem Ätherischen&#039;&#039;] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ 1. Zusammenwirken von Zentral- und Universalkräften] ====&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ Dadurch, dass das Antimon sich leicht und stabil mit dem Schwefel zu den orthorhombisch geformten Grauspießglanz/Antimonit-Kristallen verbindet, kann es die Neigung des Schwefels, in der Welt des Lebendigen aktiv zu werden und dadurch auch im Sinne der auf die Erde einstrahlenden ätherischen Kräfte zu wirken, unterstützen. Unter diesem Aspekt ist die Art und Weise, wie das Antimon in seiner Verbindung mit dem Schwefel kristallisiert, charakteristisch. Es kristallisiert in prismatisch-nadeligen grauschwarzen Kristallen, von feinst ziseliert bis zentimeterstark, immer von einem Zentrum weg – wenn der Kristallisationsprozess nicht durch äußere Umstände gestört wird. Dabei erstrecken sich die Antimonit-Nadeln radial in die Peripherie, wobei die Länge der Kristalle durchaus auch 1 m überschreiten kann. Wo er nur kann, strebt Antimonit die büschelförmige Gestaltung an. Er gliedert sich damit in Linien, die von der Erde weg- und den Kräften entgegenstreben, die im Äther wirken. Durch diese Kristallisationsweise bringt das Antimon das Zusammenwirken der Zentral- und der Universalkräfte wie archetypisch zum Ausdruck.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;Man bringt mit dem Antimon somit etwas in den menschlichen Organismus, das der Wirkung des Ätherleibes auf halbem Wege entgegenkommt.[6] Antimon kann dadurch im Körper die eiweißbildenden Kräfte zusammenhalten und so die Tätigkeit der Ich-Organisation im Eiweißaufbau unterstützen.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ 2. Feinfaserigkeit durch Seigern] ====&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;Auch dasjenige, was im Seigerprozess mit dem Antimon vor sich geht, weist auf die Äther-Verwandtschaft dieses Stoffes hin. ‚Seigern‘ kommt von dem gegenwärtig nicht mehr oft gebrauchten Wort etwas z.B. durch ein Sieb ‚durchseien‘. Unter ‚Seigerungen‘ versteht man daher Trennprozesse in gemischtem Schmelzgut. Es wird durch diesen Prozess feinfaserig.[7]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ 3. Niedriger Schmelzpunkt] ====&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ Da das Antimon bereits bei 547° schmilzt, fließt es auf schräger Unterlage leicht aus dem Antimon haltigen Schmelzgut heraus, wo es dann bei Abkühlung zu 92–98 % reinem &#039;&#039;antimonium crudum&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt; kristallisiert.[8] Der niedrige Schmelzpunkt von 547° zeigt zudem die Nähe dieser mineralischen Substanz zum flüssigen Aggregatzustand, in dem die ätherischen Kräfte ihre Wirkung entfalten können.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ Vor diesem Hintergrund heißt es in dem oben erwähnten Werk:]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Alles dieses zeigt, dass im Antimon die Tendenz enthalten ist, in das Ätherelement in dem Augenblick leicht überzugehen, in dem dazu die Bedingungen auch nur in geringem Grade vorhanden sind. Dem geistigen Schauen gelten alle diese Einzelheiten nur als Andeutungen; denn dieses nimmt die Beziehung zwischen Ich-Tätigkeit und Antimon-Wirksamkeit unmittelbar so wahr, dass die Antimonprozesse, in den menschlichen Organismus gebracht, so wirken, wie die Ich-Organisation.“[9]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;Zwei Indikationen als Beispiele für den Einsatz von Antimon&#039;&#039;] ===&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ Aus dem breiten Spektrum der therapeutischen Einsatzmöglichkeiten werden nun zwei Indikationsgebiete an die Schilderung des Arzneimittelbildes angeschlossen:]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;&#039;Blutgerinnungsstörungen&#039;&#039;&#039;]&lt;br /&gt;
# [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ und &#039;&#039;&#039;Typhus abdominalis/Parathyphus&#039;&#039;&#039;, eine gefährliche bakterielle Infektionskrankheit des Magen-Darmtraktes.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ Während eine Therapie mit &#039;&#039;Antimon&#039;&#039; oder &#039;&#039;Stibium metallicum praep.&#039;&#039; bei Blutungsneigung aus der Darstellung des Arzneimittelbildes unmittelbar hervorgeht, ist dies für den Thyphus nicht so ohne weiteres ersichtlich – zumal dieser ja heute erfolgreich antibiotisch behandelt werden kann (Sterblichkeitsrate unter 1 &amp;lt;nowiki&amp;gt;%) und die Impfung bei Einreise in betroffene Gebiete empfohlen wird.[10]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;Arzneimittelbild der Austernschale und Typhus&#039;&#039;] ===&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;Was macht also eine Begleitbehandlung oder Alternativbehandlung zur Vermeidung des Einsatzes von Antibiotika sinnvoll?&#039;&#039;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ Um dies zu verstehen, braucht es – wie oben bereits angedeutet – zum Vergleich das Arzneimittelbild der Austernschale. Hier liegt ein Naturprozess vor, der etwas vollzieht, was für die Muschel richtig ist, für den Menschen aber zur Ursache typhöser Durchfall-Erkrankungen werden kann. Die Auster sondert in ihre Schale das kalkartig Mineralische ab:]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;„Bei der Auster wird das Kalkartige abgesondert, um es der Eiweißwirkung nicht einzugliedern. Im menschlichen Organismus muss diese Eingliederung stattfinden. Die bloße Eiweißwirkung muss in eine solche umgewandelt werden, in der mitwirkt, was im Kalkartigen durch die Ich-Organisation an gestaltenden Kräften hervorgerufen werden kann. Das muss sich innerhalb der Blutbildung abspielen. Das Antimon wirkt der kalkausscheidenden Kraft entgegen und führt das Eiweiß, das seine Form bewahren will, durch seine Verwandtschaft mit dem Äther-Elemente in die Formlosigkeit hinüber, die für die Einflüsse des Kalkartigen oder Ähnlichem empfänglich ist.&#039;&#039;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;Beim Typhus ist es klar, dass der krankhafte Zustand in einer mangelnden Überführung der Eiweißsubstanz in gestaltungsfähige Blutsubstanz besteht. Die Form der Diarrhöen, die auftritt, zeigt, dass schon im Darm die Unfähigkeit zu dieser Umwandlung beginnt.“[11]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;Heilung der konstitutionellen Dysfunktionalität&#039;&#039;] ===&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ In &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[12]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039; heißt es&#039;&#039;,&#039;&#039; dass die Abwehrstoffe und Killerzellen eines guten Immunsystems im Blut zirkulieren, welches wiederum &#039;&#039;das&#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt; Organ der Ich-Organisation ist.[13] Kann nun mithilfe einer Konstitutionsbehandlung, z.B. mit einem Antimonpräparat, und je nach Situation auch noch kombiniert mit anderen Heilmitteln, die Ich-Organisation und damit ihr Einfluss auf die Gestaltungskräfte im Blut gestärkt werden, so werden die Bakterien nicht nur beseitigt, wie es über eine antibiotische Therapie geschieht, sondern zugleich das Milieu saniert und damit künftigen Infektionen vorgebeugt. Das entspräche einer integrativen Therapie, die sich nicht nur auf die Beseitigung der Symptome konzentriert, sondern auf die Heilung der konstitutionellen Dysfunktionalität.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ In dem erwähnten Werk schreiben die Autoren: &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Wendet man bei typhösen Erscheinungen Antimonpräparate in entsprechender Zusammensetzung an, so erweisen sich diese als Heilmittel. Sie entkleiden die Eiweißsubstanz ihrer Eigenkräfte und machen sie geneigt, den Gestaltungskräften der Ich-Organisation sich einzufügen.“[14]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ Selbstverständlich hat der primäre Fokus auf die Symptombeseitigung überall da seine Berechtigung, wo sie Leben rettet, weil die Abwehrkräfte des Körpers zu schwach sind für die notwendige Selbstregulation. Wo diese Möglichkeit jedoch gegeben ist, kann differenzierter vorgegangen werden.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;„Wer Exaktheit nur in dem sieht, was die Chemie – auch die pharmazeutische – feststellt, der vernichtet die Möglichkeit, Anschauungen darüber zu gewinnen, was im Organismus bei Heilungsvorgängen geschieht.“[15]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[16]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;]&lt;br /&gt;
----[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27,]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;[2] Ebenda, S. 77.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;[3] Vgl. Marxer (2000), siehe www.pharmazeutische-zeitung.de/titel-10- 2000; [6.1.2025].&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;[4] Vgl. Holleman und Wiberg (2017), 940.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;[5] Vgl. Wimmenauer (1992), 223.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;[6] Siehe FN 1, S. 78.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;[7] Ebenda.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;[8] Vgl. Holleman und Wiberg (2017), 942.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;[9] Siehe FN 1, S. 78f.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;[10] Typhus ist weltweit verbreitet – besonders in warmen Ländern. Er wird durch kontaminierte Lebensmittel bzw. Trinkwasser übertragen und ist eine schwere Allgemeinerkrankung, die durch das Bakterium Salmonella typhi ausgelöst wird. Als Paratyphus bezeichnet man ein abgeschwächtes Krankheitsbild, dessen Erreger Salmonella Paratyphi A, B oder C ist. Übertragen wird die Infektion durch Trinkwasser oder Lebensmittel, die mit Fäkalien von infizierten Personen verunreinigt wurden. Leitsymptome sind hohes Fieber, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, langsamer Puls, trockener Husten, Bauchschmerzen, Milzvergrößerung und manchmal ein blasser, kleinfleckiger Ausschlag am Körper. Ein milder Verlauf ist möglich, doch manchmal kommt es zu schweren Komplikationen wie massiven Darmblutungen oder Abszessen in verschiedenen Organen. Durch den Einsatz von Antibiotika kann die Sterblichkeit auf unter 1% gesenkt werden. In Deutschland ist die Krankheit meldepflichtig – dem Bundesamt für Gesundheit werden pro Jahr zwischen 20 und 50 Fälle gemeldet. Wichtigste Mittel zur Vorbeugung sind Körperhygiene und Verzicht auf frische Salate und ungeschältes Obst – nach dem Ernährungsmotto: Cook it, peel it or forget it. Siehe www.bag.admin.ch/bag/de/home/krankheiten/krankheiten-im-ueberblick/typhus-abdominalis-paratyphus.html; [6.1.2025].&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;[11] Siehe FN 1, S. 80.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;[12] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“, GA 27.&#039;&#039;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;[13] Siehe FN 3, Kapitel VI.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;[14] Siehe FN 3, S. 80.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;[15] Ebenda, S. 81.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;[16] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ ARZNEIMITTEL-SUBSTANZGRUPPEN UND WESENSGLIEDER] ==&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;Auf welchen Ebenen und worüber ist der Mensch mit der Natur innig verbunden?&#039;&#039;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;Welche Naturanteile machen seine Konstitution aus?&#039;&#039;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;Wesensglieder und ihre Einbettung in die Natur&#039;&#039;] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Physischer Leib und Natur] ====&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ Schon ein oberflächlicher Blick auf die Verbundenheit von Natur und Mensch zeigt, wie der Mensch die kristallinen Strukturen seines Körpers mit den Mineralien der ihn umgebenden Natur gemeinsam hat. Dieser sichtbare, mineralisch erscheinende Leib wird in der anthroposophischen Menschenkunde „Physischer Leib“ genannt.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ätherleib und Natur] ====&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ Werden und Vergehen, Leben und Sterben hat der Mensch mit der Pflanzenwelt gemeinsam. Diese Gesetzmäßigkeiten in ihrem Zusammenhang nennt Steiner „Ätherleib“, weil ohne das blaue Himmelslicht (griechisch o aither) kein Leben auf der Erde möglich wäre.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Astralleib und Natur] ====&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ Atmung, Bewegung, Bewusstsein, Schmerz und Triebleben hat der Mensch mit den Tieren gemeinsam. Diese das Seelenleben konstituierenden Gesetze heißen in ihrer Gesamtheit „Astralleib“ von aster, lateinisch Stern. Die menschliche Seele fühlt sich der Sternenwelt mit ihren Rhythmen und Konstellationen verwandt.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Rein menschliche Ich-Organisation] ====&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ Die Fähigkeit jedoch, lebenslang lernen und immer wieder neu und anders kulturschöpferisch tätig sein zu können, ist spezifisch menschlich. Daher gibt Steiner diesem die „Ich-Natur“ des Menschen möglich machenden Gesetzes-Zusammenhang den Namen „Ich-Organisation“.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;Da der Mensch durch diese vier verschiedenen Gesetzes-Zusammenhänge sein Wesen sowohl integriert als auch differenziert äußern kann, gab Steiner ihnen den Namen „Wesensglieder“.[1]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;Arzneimittelwirkung auf die Wesensglieder&#039;&#039;] ===&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ Die Substanzgruppen aus dem Mineral-, Pflanzen-, Tier- und Menschenreich haben einen therapeutischen Bezug zu diesen Wesensgliedern:]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ Menschliche Substanz wie Muttermilch und in Form einer Blutspende stützt und erhält den physischen Leib.]&lt;br /&gt;
* [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ Präparate aus dem Tierreich regen den Ätherleib zu verstärkter Tätigkeit an,]&lt;br /&gt;
* [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ pflanzliche Arzneimittel wirken regulierend auf den Astralleib]&lt;br /&gt;
* [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ und Metalle und Mineralien auf die Ich-Organisation.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;Potenzierungsstufen und Wesensglieder&#039;&#039;] ===&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ Auch die Potenzierungsstufen der nach homöopathischem Verfahren hergestellten Arzneimittel haben ihren Bezug zu den Wesensgliedern:]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;&#039;D1 – D4:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;physischen Organismus&#039;&#039; und seines Kräftezusammenhangs]&lt;br /&gt;
* [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;&#039;D5 – D8:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;ätherischen Organismus&#039;&#039; und seines Kräftezusammenhangs]&lt;br /&gt;
* [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;&#039;D10 – D15:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;astralischen Organismus&#039;&#039; und seines Kräftezusammenhangs]&lt;br /&gt;
* [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;&#039;D20 – D60:&#039;&#039;&#039; Anregung der &#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039; und ihres Kräftezusammenhangs]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ In Bezug auf die Dreigliederung des menschlichen Organismus gilt:]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;&#039;D1 – D6:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;Stoffwechsel-Systems&#039;&#039;]&lt;br /&gt;
* [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;&#039;D6 – D18:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;rhythmischen Systems&#039;&#039;]&lt;br /&gt;
* [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;&#039;D18 – D30:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;Nerven-Sinnessystems&#039;&#039;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;Der Arzneimittelschatz der Anthroposophischen Medizin umfasst dementsprechend Ausgangssubstanzen mineralischer, pflanzlicher und tierischer Herkunft, die nach besonderen Verfahren vor allem von den Arzneimittelfirmen Weleda und Wala hergestellt werden.[2] In Deutschland wurden sie aufgrund des Arzneimittelgesetzes von 1976 in der vom Bundesgesundheitsamt – später Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) – eingerichteten Kommission C für die Zulassung aufbereitet. Ein Teil dieser regulativ wirksamen Arzneimittel ist sehr gut für die Selbstmedikation geeignet.[3]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;Vgl. Artikel in der Deutschen Apothekerzeitung DAZ Nr. 39, 2015&#039;&#039;]&lt;br /&gt;
----[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;[1] Rudolf Steiner, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Theosophie, Einführung in übersinnliche Welterkenntnis und Menschenbestimmung,&#039;&#039; 2003 und ders. &#039;&#039;Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft&#039;&#039;. In: &#039;&#039;Lucifer-Gnosis&#039;&#039;. GA 34. Dornach 1987, 309-344.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;[2] International Association of Anthroposophic Pharmacists IAAP. ­Anthroposophic Pharmaceutical Codex. Stuttgart, 2014.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;[3] M. Glöckler, B. Emde, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Anthroposophische Medizin&#039;&#039;, in: &#039;&#039;Komplementärmedizin für die Kitteltasche. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation&#039;&#039;, Stuttgart 2009 und ders.: &#039;&#039;Anthroposophische Medizin&#039;&#039;, in: &#039;&#039;Komplementärmedizin für Kinder. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation&#039;&#039;, Stuttgart 2012.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ ARZNEIMITTEL AUS DER NATUR UND WESENSGLIEDER] ==&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;Welchen inneren Zusammenhang sieht die anthroposophische Pharmazeutik zwischen Arzneimitteln aus der Natur und den menschlichen Wesensgliedern?&#039;&#039;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;Welche Qualitäten zeichnen die Muttermilch aus?&#039;&#039;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;Inwiefern sind Schwangerschaft und Stillzeit Naturvorbilder auch für zukünftige Entwicklungsstadien?&#039;&#039;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;Korrelation von Arzneimitteln und Wesensgliedern&#039;&#039;] ===&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;In der Anthroposophischen Pharmazeutik sieht man eine grundlegende Korrelation von Arzneimitteln aus der Natur und den menschlichen Wesensgliedern:[1]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ So haben &#039;&#039;&#039;Mineralien&#039;&#039;&#039; eine unmittelbare Beziehung zur &#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;: Sie unterstützen die Ich-Organisation bei der Beherrschung der physischen Verhältnisse.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;&#039;Heilmittel aus dem Pflanzenreich&#039;&#039;&#039; auf die &#039;&#039;astralische Organisation&#039;&#039;: Die astralische Organisation wirkt lähmend auf die ätherische – pflanzliche Arzneimittel können regulierend auf diese lähmende Wirkung Einfluss nehmen.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;&#039;Organpräparate&#039;&#039;&#039; und tierische Arzneimittel auf die &#039;&#039;ätherische Organisation:&#039;&#039; Diese hat die Aufgabe, physisch-tierische Substanzen in den Lebenszusammenhang aufzunehmen, was durch astralische Impulse angeregt werden kann.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;&#039;Menschliche Substanz&#039;&#039;&#039; (wie Blutkonserven und Muttermilch) wirkt unmittelbar auf den &#039;&#039;physischen Leib,&#039;&#039; sodass sich die anderen Wesensglieder wieder besser einschalten und betätigen können. Anders ausgedrückt: Menschliche Substanz steht der Ich-Organisation unmittelbar für ihre Aufgabe zur Verfügung, das Ganze des Organismus bis in das Physische hinein zu beherrschen.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;Was Muttermilch vermag&#039;&#039;] ===&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ Studiert man die Besonderheiten rund um die Bildung von Muttermilch, so verrät dies viel über die innige Bindung zwischen Mutter und Kind durch alle vier Wesensglieder hindurch:]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ die Muttermilch ist nach dem aktuellen Bedürfnis des Säuglings zusammengesetzt und variiert so auch von Tag zu Tag;]&lt;br /&gt;
* [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ Stillen fördert die Rückbildung der Gebärmutter;]&lt;br /&gt;
* [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ gestillte Kinder haben weniger Infekte und überstehen sie leichter, weil die Muttermilch wichtige Abwehrstoffe der Mutter enthält;]&lt;br /&gt;
* [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ ausschließliches Stillen in den ersten sechs Monaten kann das Kind vor Allergien und Asthma schützen;]&lt;br /&gt;
* [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ Wachstum und Beweglichkeit von Magen und Darm werden unmittelbar angeregt;]&lt;br /&gt;
* [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ die Zusammensetzung der Muttermilch mit Bezug auf Kohlenhydrate, Fette, Eiweißgehalt und Mineralstoffe ist zugleich ein ‚Naturvorbild‘ für eine gesunde Ernährung;]&lt;br /&gt;
* [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ die Immuntoleranz, d.h. die Selbstregulation des Immunsystems entwickelt sich bei gestillten Säuglingen nachhaltig besser.]&lt;br /&gt;
* [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;Durch Stillen wird das Risiko des plötzlichen Kindstodes um ca. die Hälfte gesenkt und vieles mehr.[2]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ Mit Formelmilch gefütterte Säuglinge haben eine deutlich höhere Insulinkonzentration im Plasma, was mit der Entwicklung von Adipositas und einer möglichen Zunahme von Diabetes mellitus Typ 2 im Zusammenhang steht.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;Abnabelungsstadien und physisch-seelisch-geistige Muttermilch&#039;&#039;] ===&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ Nach der &#039;&#039;&#039;physischen Abnabelung&#039;&#039;&#039; vom physischen Leib der Mutter als der ernährenden Umgebung während der Schwangerschaft, folgt die Stillperiode.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ Dann folgt die langsame &#039;&#039;&#039;ätherische Abnabelung&#039;&#039;&#039; und das Sich-Emanzipieren auf ätherischer Ebene, das mit dem Ende der Nachahmungsperiode ausklingt.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ Die &#039;&#039;&#039;seelisch-astralische Abnabelung&#039;&#039;&#039; findet im 2. Jahrsiebt statt und kulminiert mit der Pubertät.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ Die Arbeit des Ich jedoch an der Überwindung von allen möglichen Abhängigkeiten, die seine Autonomiebefähigung einschränken, stellt eine Art &#039;&#039;&#039;geistige Abnabelung&#039;&#039;&#039; dar. Diese zu bewerkstelligen bleibt eine lebenslange Herausforderung.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;Rudolf Steiner spricht im pädagogischen Zusammenhang wiederholt über die Bedeutung der physischen Muttermilch für den gesunden Aufbau des physischen Leibes und die damit verbundene Stärkung der Ich-Organisation des Kindes. Für die Unterstützung der oben genannten weiteren Abnabelungsprozesse im Verlaufe der Schulzeit und Jugend, braucht es die ‚seelische‘ und zuletzt ‚geistige‘ Muttermilch, die dem Menschen in Form einer nährenden Entwicklungsumgebung und verständigen Entwicklungshelfern zukommen müssen.[3]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ Fallen solch hilfreiche Faktoren und Entwicklungsbegleiter weg oder können nur eingeschränkt wirken, ist dies oft mit körperlichen und oder seelischen gesundheitlichen Belastungen im weiteren Leben verbunden. Diesen so weit als möglich vorzubeugen, ist der Präventionsanspruch Anthroposophischer Medizin und Pädagogik.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;&amp;lt;nowiki&amp;gt;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[4]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;]&lt;br /&gt;
----[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;[1] Warum das so ist, geht aus den Kapiteln I bis V aus &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27,&#039;&#039; hervor, in denen die Autoren, Rudolf Steiner und Ita Wegman, die Arbeit der Wesensglieder an den Substanzströmen schildern.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;[2] Vgl. Soldner und Stellmann (2018), 220–238; Glöckler u. a. (2024b), 372–392.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;[3] Rudolf Steiner, &amp;lt;/nowiki&amp;gt;&#039;&#039;Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik,&#039;&#039; GA 293, Vortrag 2. September 1919.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &amp;lt;nowiki&amp;gt;[4] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ WIRKSAMKEIT EINES HEILMITTELS VERMITTELN] ==&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;Wie vermittelt der Arzt seinem Patienten, welches Heilmittel er braucht?&#039;&#039;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;Was ist dabei zu beachten, worauf kommt es an?&#039;&#039;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;Wirksamkeit der Gedanken und Gefühle miteinbeziehen&#039;&#039;] ===&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ Ideal wäre es, mit dem Patienten über ein Heilmittel in einer Art zu sprechen, dass etwas von der Wirksamkeit desselben auf den Patienten überspringt und dieser sich freut, dass er dieses Mittel bekommt, ja, dass er dankbar dafür ist. Der Patient sollte es mit dem Gefühl nehmen, er habe etwas besonders Gutes bekommen. Denn Freude und Dankbarkeit wirken therapeutisch – sie sind nicht „Placebo“, sondern real und wirksam. Wir müssen begreifen, dass das, &#039;&#039;was&#039;&#039; und &#039;&#039;wie&#039;&#039; wir über eine Sache denken, viel mehr als nichts ist: Was jemand weiß, ist etwas.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ Der Ätherleib als Träger der zeitlichen und „ewigen“ Lebenskräfte entfaltet diese Doppelwirksamkeit:]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ Ihm verdankt unser Körper einerseits &#039;&#039;&#039;Leben, Regeneration, Wachstum&#039;&#039;&#039; und die individuelle Lebenszeit]&lt;br /&gt;
* [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ Andererseits verdankt der Mensch ihm sein &#039;&#039;&#039;Gedankenleben&#039;&#039;&#039;, je älter er wird, umso mehr, das sich aus all den ätherischen Kräften speist, die der Körper nicht mehr „verkörpert“ halten kann (und muss) und die er damit in die „außerkörperliche Wirksamkeit“ entlässt. Die Gedanken können über den Tod des Menschen hinaus weiterleben und ihn tragen.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ Medikamente wirken auf beide Aspekte des Lebens – sprich: Auch was ich über etwas denke, bewirkt etwas. Wenn ich die Arnikawirkung denke, wirkt sie bereits, denn Gedanken wirken immer, sind ein reales Wirkprinzip. &#039;&#039;„Hab Sonne im Herzen, ob&#039;s stürmt oder schneit“&#039;&#039;. Wenn ich die Sonne meditiere, habe ich Licht und Wärme im Herzen, selbst wenn ich Bauchweh habe.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;Denken vermindert Heilkraft, positive Gefühle verstärken sie&#039;&#039;] ===&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ Indem ich denke, nehme ich der ätherischen Wirksamkeit im Körper aber auch etwas weg, weil es dieselben Kräfte sind, die dem Körper zur Gesundheit verhelfen. D.h, der Körper ist am gesündesten, wenn man nicht denkt, also im Schlaf, weil da die gesamten ätherischen Kräfte (auch diejenigen, die tagsüber außerkörperlich dem Denken dienen) in den physischen Leib einziehen und an seiner Regeneration arbeiten.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ Am besten ist es, wenn der Patient über ein Heilmittel gerade so viel weiß, dass er sich freut und ihm ein bisschen warm wird bei dem Gedanken, dass er es jetzt einnehmen darf. Denn diese positiven Gefühle teilen sich auch dem Körper mit und beeinflussen den Stoffwechsel positiv. Positive Gefühle führen dem Ätherleib vom Seelischen her positive Kräfte zu, wie dies gesunde Ernährung vom Physischen her tut. Zuviel Nachdenken über die Wirkung mindert diese jedoch.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ Noch weniger zuträglich ist es, wenn ein Patient nicht so recht weiß, wie ein Mittel wirkt, oder Angst bekommt, wenn er den Beipackzettel liest. Dann fühlt er sich verunsichert – weswegen 40 Prozent der Medikamente in den Müll und nicht in den Magen der Patienten wandern. Wieder zuhause entscheiden sie, dass es ihnen eigentlich gar nicht so schlecht geht und nehmen das verordnete Medikament lieber nicht.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/ &#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur Anthroposophischen Medizin, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039;]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Offenborn</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Anthroposophische_Medizin&amp;diff=1271</id>
		<title>Anthroposophische Medizin</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Anthroposophische_Medizin&amp;diff=1271"/>
		<updated>2026-01-29T09:12:15Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Offenborn: Texte verschoben&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= Anthroposophische Medizin – von Michaela Glöckler =&lt;br /&gt;
Auszüge aus Büchern und Vorträgen von [[Michaela Glöckler]]; Erstveröffentlichung auf https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== HUMANMEDIZIN DER ZUKUNFT ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was war Rudolf Steiners Vision einer Humanmedizin der Zukunft?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Herausforderungen müssen zu ihrer Verwirklichung gemeistert werden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Berücksichtigung der Individualität und Würde&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiners letztes Werk, &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“,[1]&#039;&#039; das er gemeinsam mit Ita Wegman verfasste, gibt einen klaren Ausblick auf eine Humanmedizin der Zukunft, in der sich die Erkenntnisse der naturwissenschaftlich-empirischen Forschung mit denen der anthroposophischen Geistesforschung zur Heilkunst verbinden können. Wäre der Mensch eine Maschine, so ließen sich Körper, Seele und Geist reparieren und steuern, sobald der Mechanismus durchschaut ist. Auch wenn dieses Paradigma immer noch hoch im Kurs steht: Die tägliche Erfahrung zeigt, dass dem nicht so ist. Jedes Individuum, jede menschliche Biografie ist einmalig und bedarf der individuellen (Selbst-)Erkenntnis, Pflege und Gestaltung. Nicht umsonst gibt es den schönen Begriff der Lebenskunst dafür, wenn diese individuellen Gestaltungsprozesse graduell gelingen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wird das Menschenbild auf die rein naturwissenschaftliche Ebene reduziert und Seele und Geist – hypothetisch – zu Ergebnissen von molekulargenetisch und biochemisch steuerbaren Prozessen gemacht, verliert der Begriff menschlicher Würde seinen Inhalt. Denn Wert und Inhalt erhält dieser Begriff durch die Möglichkeit der Entwicklung von Freiheit, Selbstverantwortung und einer Kultur des Gewissens, wie sie der Frühromantiker &#039;&#039;Novalis&#039;&#039; im zweiten Teil seines &#039;&#039;„Heinrich von Ofterdingen&#039;&#039;“ so prägnant beschrieben hat und wie sie auch der Anthroposophie zugrunde liegt.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine solche Kultur lässt sich nicht von außen steuern, wohl aber kann sie sich entwickeln, wenn dies von vielen einzelnen Menschen individuell eingesehen und gewollt wird – wenngleich sie heute noch vielfach als „Torheit“ angesehen wird. Rudolf Steiner sagte dazu: &#039;&#039;„Aber was oft die Vernunft der kommenden Zeiten ist, das ist für die vorhergehenden Torheit.“[3]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verbindung von Materialismus und Spiritualität&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
So ging es Steiner auch dezidiert nicht um ein Entweder-Oder bezüglich Materialismus und Spiritualität, sondern um ein wirklichkeitsgemäßes Sowohl-als-auch:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Der Materialismus ist die Weltanschauung, die den Menschen betrachtet, insofern er hervorgegangen ist aus den Substanzen und Kräften dieser Erde. Und wenn auch mancher betont, der Mensch bestehe nicht bloß aus den Substanzen und Kräften dieser Erde, so haben wir doch keine Wissenschaft, die sich mit dem am Menschen beschäftigt, was nicht aus den Substanzen und Kräften dieser Erde kommt. Deshalb ist heute die Behauptung von vielen, die es von ihrem Standpunkt aus gut meinen, daß irgendwie das Ewige in dem Menschen dennoch verstanden werden könne, eine nicht ganz ehrliche. […] Und viele, die heute den Materialismus widerlegen wollen, wissen eigentlich nicht, was sie tun; denn sie ahnen nicht, welche ungeheure Bedeutung die Detailkenntnisse haben, die der Materialismus gebracht hat. Und sie ahnen nicht, was für eine Konsequenz für das Ganze der Menschenerkenntnis der Materialismus gebracht hat“.[4]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Es ist die Tragik des Materialismus, daß er nichts von der Materie weiß, wie sie in Wirklichkeit in den verschiedenen Gebieten des Daseins wirkt. [...] Er weiß gar nichts über die Wirkung der Materie, weil man darüber erst etwas erfährt, wenn man die in der Materie wirksame Geistigkeit, die die Kräfte darstellen, ins Auge fassen kann.[5]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von dieser &#039;&#039;„in der Materie wirksamen Geistigkeit“&#039;&#039; ist in &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst[6]&#039;&#039; die Rede – so wie sie aus Sicht der Anthroposophie im Weltall, der Natur und im Menschen anzutreffen ist. Diese ‚Kräfte‘ und ihre Gesetzmäßigkeiten ebenso zu studieren wie die Naturgesetze, ist und bleibt lebenslang Aufgabe und Herausforderung für jeden anthroposophischen Arzt. Das Ziel dieses Weges – der sich gesund entwickelnde Mensch – ist dabei ein inspirierendes Ideal für Forschung, Entwicklung und tägliche Arbeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Integrativ-medizinischer Ansatz der AM&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin (AM) ist inzwischen auf allen Kontinenten vertreten in Form von Arztpraxen, Therapiezentren mit vielfältigen Behandlungsangeboten, Pflegeeinrichtungen, Krankenhäuser, Akutversorgungs- und Rehabilitationszentren, private medizinische Kliniken und multidisziplinäre Ambulanzen.[7] Diese weltweite Präsenz bestätigt den integrativ-medizinischen Ansatz, der weit über eine bloße „tolerante Kooperation“ von verschiedenen komplementären Modalitäten hinausgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Angebot der Anthroposophischen Medizin umfasst: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* konventionelle Methoden &lt;br /&gt;
* spezifische anthroposophische Arzneimittel,&lt;br /&gt;
* Pflegetechniken und äußerliche Anwendungen,&lt;br /&gt;
* künstlerische Therapien,&lt;br /&gt;
* Beratung zu gesunder Lebensführung und Ernährung,&lt;br /&gt;
* Körperarbeit,&lt;br /&gt;
* therapeutische Eurythmie&lt;br /&gt;
* und Meditationspraktiken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin (AM) wird in Steiners letztem Werk als auf einer stringenten anthropologisch-philosophischen Methode basierend dargestellt, die die Wirkprinzipien aller spirituellen, psychosomatischen und naturwissenschaftlich fundierten Heilmethoden umfasst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[8]&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Zu Novalis siehe auch Kap. V sowie GA 59, 236–268 und Glöckler (2023c).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Siehe FN 1, S. 46.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Der übersinnliche Mensch, anthroposophisch erfasst&#039;&#039;, GA 231, 58f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Anthroposophie — Eine Zusammenfassung nach einundzwanzig Jahren. Zugleich eine Anleitung zu ihrer Vertretung vor der Welt&#039;&#039;, GA 234, 86.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Siehe FN 1, Kapitel 12.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] www.ivaa.info/anthroposophic-medicine/care-settings/.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ITA WEGMAN UND DIE ENTWICKLUNG DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kam es zur Begründung der Anthroposophischen Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie entwickelte sich die Zusammenarbeit von Ita Wegmann und Rudolf Steiner?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Schicksalhafte Zusammenarbeit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin verdanken wir der Zusammenarbeit von Rudolf Steiner und &#039;&#039;Ita Wegman&#039;&#039;. Wegman bekam von Rudolf Steiner den Anstoß, nach ihrer Ausbildung in Schwedischer Massage auch noch Medizin zu studieren. Dafür musste sie jedoch das Abitur nachholen, was für die bereits Siebenundzwanzigjährige eine große Herausforderung war. In der Zeit der Prüfungsvorbereitung schrieb sie Rudolf Steiner einen bewegenden Brief, ob er nicht etwas wüsste, das ihr helfen würde, sich besser zu konzentrieren. Leider ist uns die Antwort nicht bekannt. Jedenfalls ging alles gut, und sie begann auf Anraten &#039;&#039;Marie Steiners&#039;&#039; ihr Studium in Zürich. Deren Begründung für die Ortswahl war: &#039;&#039;„Unsere ganze Bewegung kommt ja doch einmal in die Schweiz.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu diesem Zeitpunkt war jedoch noch keine Rede davon – die Zentren der anthroposophischen Arbeit waren München und Berlin. So vollzog sich die Verbindung von anthroposophischer Geisteswissenschaft und materialistischer Schulmedizin, die bis heute für die Weiterbildung zum Anthroposophischen Arzt unerlässlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1907, bei der Spaltung der theosophischen Gesellschaft, stellte sich Ita Wegman klar auf die Seite Rudolf Steiners und der Anthroposophie. Das war nicht selbstverständlich. Denn seit ihrem 18. Lebensjahr hatte sie sich dem Gedankengut der Theosophie gewidmet als Mitglied der Theosophischen Gesellschaft. Doch nach dem schicksalhaften Zusammentreffen mit Rudolf Steiner in Berlin war sie seine persönliche Schülerin geworden.[1] Ita Wegman engagierte sich dann mit anderen dafür, dass Rudolf Steiner oft in die Schweiz kam, um Vorträge zu halten. Wenn sie zu viel reiste, um auch in anderen Städten und in Deutschland seine Vorträge hören zu können – sie war auch 1911 in Prag bei dem Vortragszyklus über die okkulte Physiologie – ermahnte Rudolf Steiner sie, dass sie auch studieren müsste, um ihr Medizinstudium abzuschließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fruchtbare Konsequenzen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wegman war quasi der Prototyp eines anthroposophischen Arztes: nicht primär der Homöopathie oder einer spirituell-komplementärmedizinischen Richtung verbunden, sondern akademisch ausgebildet an einer renommierten Universität. Ihre fachärztliche Weiterbildung zur Gynäkologin absolvierte sie am Spital Liestal ganz in der Nähe von Dornach&#039;&#039;&#039;.&#039;&#039;&#039; Anschließend ließ sie sich in Basel als Allgemeinärztin nieder. 1921 entschloss sie sich, ein klinisch-therapeutisches Institut in Arlesheim zu eröffnen. Zu ihrer großen Freude sagte Rudolf Steiner zu, dort mit ihr zusammenzuarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist Ita Wegman eng mit der Geschichte der anthroposophisch-medizinischen Bewegung verbunden: Die Zusammenarbeit mit Rudolf Steiner reichte von der Beratung beim Abitur und beim Studium über die parallelen Studien der Mainstream-Medizin und der Anthroposophie bis hin zur Begründung der ersten Klinik und der gemeinsamen Behandlung vieler Patienten, wovon hunderte dokumentierter Krankengeschichten zeugen. Zuletzt, in seiner Krankheitszeit vor seinem Tode, begleitete sie Rudolf Steiner zusammen mit Ludwig Noll als seine Ärztin. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Krönung dieser Zusammenarbeit war jedoch die im Herbst 1923 begonnene Arbeit an dem ‚Medizinischen Buch’, das nach dem Tode Rudolf Steiners unter dem Titel &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[2]&#039;&#039; herauskam und dessen 18. Kapitel der Heileurythmie gewidmet ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Parzifal-Frage als entscheidender Impuls&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ita Wegman war es auch, die Rudolf Steiner im Sommer 1923 die für die gesamte anthroposophische Bewegung entscheidende Frage nach der Erneuerung der Mysterien gestellt hatte. Als dieser nach dem Brand des ersten Goetheanum und dem Versagen der Anthroposophischen Gesellschaft mit der Frage lebte, ob er einen Orden gründen und sich aus der Anthroposophischen Gesellschaft zurückziehen sollte, sagte sie zu ihm: &#039;&#039;„Aber Herr Doktor, Sie können doch die Gesellschaft nicht alleine lassen!“&#039;&#039; Im Sommer 1923 dann, in England, wurde ihr das zentrale Anliegen ihres Lebens bewusst, welches sie Rudolf Steiner gegenüber etwa so formulierte: &#039;&#039;„Ich möchte gerne eine Medizin haben, wie es sie zu den Zeiten der alten Mysterien gab – nur in christlicher Form.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Bernard Lievegoed&#039;&#039; hat wiederholt erzählt, wie Rudolf Steiner zu &#039;&#039;Zeylmans van Emmichhofen&#039;&#039; gesagt hätte, dass diese Frage Ita Wegmans für ihn „die Parzival-Frage“ gewesen wäre, die ihn veranlasst hätte, die Weihnachtstagung von 1923/24 zur Neubegründung der Anthroposophischen Gesellschaft abzuhalten. Ohne diese Frage wären die Neubegründung der Gesellschaft und die öffentliche Begründung der Hochschule für Geisteswissenschaft durch Rudolf Steiner gar nicht möglich gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Vom Wesen der Heileurythmie als Herzorgan der Anthroposophischen Medizin“,  1. Weltkonferenz für Heileurythmie am Goetheanum, 30. Mai 2008&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Peter Selg hat in seinem Buch zum Münchner Kongress 1907 dieses Schicksalsmoment neu dokumentiert und zugänglich gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ENTWICKLUNG UND DERZEITIGER STAND DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie hat sich die anthroposophische Medizin seit ihrer Entstehung entwickelt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;In welchen philosophischen und ethischen Prinzipien hat sie ihre Wurzeln?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Historische Entwicklung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von dem österreichischen Philosophen &#039;&#039;Dr. Rudolf Steiner&#039;&#039; (1861-1925) und der Ärztin &#039;&#039;Dr. med. Ita Wegman&#039;&#039; (1876-1943) in Zusammenarbeit mit weiteren Ärzten entwickelt. Die Grundlagen dieser Medizin wurden 1920-1924 im Rahmen von Kursen vermittelt, die Steiner auf Einladung von Ärzten und Medizinstudenten hielt, die nach einem Menschenbild suchten, das sich sowohl auf die Naturwissenschaft als auch auf die anthroposophische Geisteswissenschaft beruft. Ihr Anliegen war von vornherein nicht alternativ-medizinisch, sondern integrativ, d.h. es orientierte sich an der Wirklichkeit des Menschen selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inzwischen gibt es die Anthroposophische Medizin in über 80 Ländern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Europa sind einige größere Akutkliniken entstanden. Hinzu kommen Sanatorien, Reha-Einrichtungen und zahlreiche Arztpraxen aus nahezu allen Fachrichtungen sowie weltweit über 400 Institutionen für Menschen mit Behinderungen. In den letzten dreißig Jahren kamen neu Einrichtungen für die Altenpflege und die Suchtbehandlung dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophische Ärzte arbeiten auch in Kooperation mit Pädagogen als Schulärzte sowie in der medizinischen Forschung und in der Arzneimittelherstellung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ambulanten Bereich haben sich aus der interdisziplinären Zusammenarbeit von Ärzten, Krankenschwestern, Kunsttherapeuten, Physiotherapeuten u.a. vielerorts so genannte „Therapeutika&amp;quot; entwickelt, d.h. ein neuer Typ von Gemeinschaftspraxen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Erkenntnistheoretische Wurzeln&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Erkenntnistheoretisch und ethisch wurzelt die Anthroposophie in der Philosophie und Kunstauffassung des deutschen Idealismus, wie sie insbesondere von &#039;&#039;Goethe&#039;&#039; (1749-1832), &#039;&#039;Schiller&#039;&#039; (1759-1805), &#039;&#039;J. G. Fichte&#039;&#039; (1762-1814), &#039;&#039;Novalis&#039;&#039; (1772-1801) und &#039;&#039;Schelling&#039;&#039; (1775-1854) vertreten wurden. So trägt Steiners erkenntnistheoretisches Frühwerk (1884) den Titel: &#039;&#039;„Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung“.[1]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Suche nach einer im Geist gegründeten Anschauung vom Menschen, die sich selber stützen kann im Erarbeiten einer inneren und äußeren Evidenz, sowie der Wille zu Entwicklung von Autonomie und Verantwortung prägen die ethische Grundhaltung anthroposophischer Ärzte und Therapeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Weiterbildung zum anthroposophischen Arzt ist durch eine international vereinbarte Zertifizierung geregelt. Der anthroposophische Arzt hat die Verpflichtung, die Ergebnisse aus Steiners Geistesforschung selbständig nachzuvollziehen und anhand der eigenen Lebens- und Berufserfahrung zu überprüfen und weiterzuentwickeln. Werden Mitteilungen Steiners unreflektiert übernommen, besteht die Gefahr der Ideologisierung und Dogmatisierung, was der Anthroposophischen Medizin schadet bzw. ihrer Entwicklung im Wege steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Haltung der Mitverantwortung fördern&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Heinrich Schipperges&#039;&#039; führt in seinem Buch &#039;&#039;„Moderne Medizin im Spiegel der Geschichte“[2]&#039;&#039; aus, dass die gegenwärtige Medizin nach einer Phase des unaufhörlichen Fortschritts und trotz aller großartigen Leistungen zunehmend in eine bedrohliche Krise geraten ist. Genau genommen ist diese Krise jedoch die medizinische Spielart der Menschheitskrisen von heute: ökologische Katastrophen, Armut, Hunger, Genozid, Bildungsnotstand, Energiekrise u.a. Diesen Krisen ist gemeinsam, dass ihre Ursache in einem Menschen- und Naturverständnis liegt, das keinen inneren geistigen Zusammenhang zu den Naturerscheinungen und dem Menschen herstellt. Wird dieser Zusammenhang bewusst erlebt, führt er zu einem starken Gefühl der Solidarität mit dem gesamten Evolutionszusammenhang von Erde, Natur und Mensch. Diese mitfühlende Verantwortlichkeit für alles Lebendige möchte die Anthroposophische Medizin fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung,&#039;&#039; GA 2.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Heinrich Schipperges, &#039;&#039;Moderne Medizin im Spiegel der Geschichte,&#039;&#039; Stuttgart 1970.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== WARUM ANTHROPOSOPHIE IN DER MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wozu braucht es Anthroposophie?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern handelt es sich bei der Anthroposophischen Medizin um eine „Weltanschauungsmedizin“?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sind die grundlegenden Aspekte der Anthroposophischen Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Medizin als Ausdruck einer bestimmten Sicht auf Mensch, Natur und Umwelt&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophie (Anthropos = Mensch, Sophia = Weisheit, Wissenschaft) gilt bis heute als nicht leicht zugänglich. Auch wenn viele anthroposophische Initiativen auf den Gebieten der Heilpädagogik und Pädagogik, der Landwirtschaft und Medizin bekannt sind, bleibt das, was als integratives Welt- und Menschenbild der Anthroposophie dahintersteht, meist vage. Man weiß nicht so recht, ob es sich dabei um eine Philosophie handelt, eine Art Religion oder um eine diffizile oder auch „eklektische“ Weltanschauung. Man fragt angesichts der Vielfalt anthroposophischer Einrichtungen und Initiativen auch, ob der anthroposophische „Überbau“ dafür überhaupt nötig sei, ob man ähnlich Gutes nicht auch ohne diesen leisten könne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jedes medizinische System ist Ausdruck einer bestimmten Sicht auf Mensch, Natur und Umwelt und insofern eine „Weltanschauung“. Das gilt auch für den naturwissenschaftlichen Materialismus, für Idealismus, Realismus und andere philosophische oder geistige Orientierungen. Wer glaubt, keine Weltanschauung zu haben, hat seinen eigenen Standpunkt und, was diesen stützt, noch nicht reflektiert &#039;&#039;–&#039;&#039; was eines der Haupthindernisse ist, die „Normalität“ der Anthroposophischen Medizin anzuerkennen. Eine individuell erarbeitete Weltanschauung wie die Anthroposophie ist jedoch klar abzugrenzen von der familiären oder traditionellen Zugehörigkeit zu einer Glaubensgemeinschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Anthroposophie als Verständnishilfe&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Jedem ganzheitlichen medizinischen System – ob nun traditionell chinesische, ayurvedische oder homöopathische Medizin – liegt ein spirituelles Menschen- und Weltbild zugrunde, das die gemeinsame Evolution von Mensch, Erde und Weltall beschreibt. Neu ist bei der anthroposophischen Medizin nur, dass Steiner sich auf keine dieser alten Traditionen beruft, sondern einen Erkenntnisweg beschreibt, auf dem jeder &#039;&#039;selber&#039;&#039; die Möglichkeit entwickeln kann, sich mit seinem Wahrnehmungs- und Denkvermögen an die spirituellen Quellen anzuschließen.[1] Durch eigene Beobachtung, Empathie und situationsgerechtes Denken zu den nötigen Einsichten für Diagnose und Therapie zu kommen ist das Arbeitsideal – nicht nur eine traditionelle Heilweise oder Technik zu lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich war viele Jahre in verschiedenen asiatischen Ländern und auch weltweit mit einem Ausbildungsprogramm für Anthroposophische Medizin unterwegs. Es hat mich anfangs gewundert, dass Chinesen, Japaner, Taiwanesen, Inder, Indonesier, Philippiner sich für Anthroposophische Medizin interessieren. Als Motive nannten sie das Menschenbild der Anthroposophie, das ihnen hilft, die Brücke zu bilden zwischen dem heutigen Denken und den alten überlieferten Bildern und Werten ihrer Heilverfahren, die zwar gute Ergebnisse liefern, aber für den modernen Menschen oft nicht genau aufschlüsseln können, wie sie wirken. Die Anthroposophie half ihnen, ihre eigenen Medizinsysteme und ihre Wirkungsweisen besser zu verstehen. In Indien gab es ayurvedische Ärzte, die keine Zertifikate für Anthroposophische Medizin wollten, sondern zu uns kamen, um bessere Ayurveda-Ärzte zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Grundlegende Aspekte Anthroposophischer Medizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wer der Anthroposophie begegnet, trifft auf vier Aspekte, die je nachdem alle vier oder auch nur der eine oder andere das Interesse wecken und zum weiteren Studium anregen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Philosophischer Aspekt ====&lt;br /&gt;
Das philosophische Fundament der Anthroposophie schließt an die Erkenntnisweise Goethes an sowie an den deutschen Idealismus mit dessen Idealen von Freiheit und Würde, Wahrheit und Liebe.[2] Rudolf Steiner benannte sogar seine Anthroposophische Hochschule in Dornach nach Goethe: Goetheanum.[3] Das zeugt von der großen Wertschätzung, die er diesem Genie mitteleuropäischer Geistes- und Kulturgeschichte zeitlebens entgegenbrachte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für manche Menschen ist Philosophie nicht wichtig, man möchte gute Ideen für seine Arbeit und sein Leben haben und keine Zeit mit intellektuellen Grübeleien verlieren. Es gibt aber auch Menschen, die nur deshalb Anthroposophen werden, weil sie hier eine Erkenntnistheorie und deren philosophische Begründung finden, durch die sie sich selbst und ihren Zusammenhang mit der Welt besser verstehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Philosophie ist die Kunst des eigenständigen Denkens. Steiner formuliert diese „erkenntnis-künstlerische“ Herausforderung in seinem philosophischen Hauptwerk, „Die Philosophie der Freiheit“, so: &#039;&#039;„Man muss sich der Idee erlebend gegenüberstellen können; sonst gerät man unter ihre Knechtschaft.“[4]&#039;&#039; Das heißt, wer Gedanken und Ideen anderer übernimmt und nicht eigenständig bedenkt und bewertet, gerät in Abhängigkeit der Autoritäten, von denen diese Gedanken stammen. Mit Hilfe dieses Ansatzes, selbst hinzuschauen, zu fragen, zu bedenken, zu verstehen, ist jeder Student der Anthroposophie angeregt, seine eigene Philosophie zu reflektieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Aspekt der Selbstschulung ====&lt;br /&gt;
Anthroposophie beinhaltet einen Weg der Selbstschulung, welcher zu seelischer Weiterentwicklung, Selbsterkenntnis und Willensstärkung führt.[5] Es gibt heute viele Menschen, die auf der Suche nach einem interreligiösen Weg spiritueller Selbsterfahrung sind. Sie wollen sich nicht einer bestimmten Glaubensgemeinschaft oder einer bestimmten spirituellen Gruppierung anschließen. Sie suchen einen allgemein-menschlichen Weg für ihre innere Entwicklung. Einige davon finden diese Möglichkeit in der Anthroposophie und ihren Organisationen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Anthroposophische Gesellschaft international organisiert und offen für alle wissenschaftlichen, religiösen und künstlerischen Überzeugungen ist, findet man Vertreter der verschiedensten spirituellen Orientierungen. Angehörige der christlichen Konfessionen, des Buddhismus, Daoismus, Shintoismus, der Hindi-Religion, der Zarathustra-Spiritua­lität, des Judentums sowie einzelne Vertreter des Islam und viele ohne eine bestimmte spirituelle Ausrichtung können hier mehr über ihre eigene spirituelle Identität lernen, indem sie zusätzlich den Weg der Selbstschulung der Anthroposophie gehen. Was sie in dieser Gesellschaft verbindet, ist der Entwicklungsgedanke in der Anthroposophie sowie das Bestreben, das gesellschaftliche Leben menschlicher und zukunftsfähiger zu machen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Biologe &#039;&#039;Bernd Rosslenbroich&#039;&#039; wies in einer naturwissenschaftlichen Studie das Autonomieprinzip als Grundlage der gesamten Evolution nach, deren Gipfel die menschliche Entwicklung sei.[6] Dieses Autonomieprinzip liegt auch der anthroposophischen Selbstschulung zugrunde. Autonomie konstruktiv leben zu lernen ist nicht leicht. Scheitern und immer wieder neu Ansetzen gehören ebenso dazu wie die stille innere Ausrichtung des eigenen Lebens und Arbeitens an den Idealen von Freiheit und Würde, Ehrlichkeit und Liebe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Aspekt der Geisteswissenschaft ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wo aber ist der „Geist“ als Fundament dieser anthroposophisch-geisteswissenschaftlichen Weltsicht zu finden?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Selbständiges Denken als Ausdruck von Geist&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Die Antwort ist schlicht: das menschliche Denken. Normalerweise kennt jeder den Zustand des Gedanken-Habens, Wissens, Sich-Informierens oder sich in anerkannten bzw. vorgegebenen Denkmustern zu bewegen und diese wiedergeben zu können. Wer jedoch von der eigenen Denktätigkeit ausgeht, entdeckt auch denjenigen, der denkt, in seinem Denken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der idealistische Philosoph &#039;&#039;Johann Gottlieb Fichte[7]&#039;&#039; wies seine Studenten auf die zentral wichtige spirituelle Selbsterfahrung im Denken hin. Er führte mit ihnen die folgende Übung durch: Er fragte sie, ob sie die Wand des Hörsaals sähen. Dann sagte er: &#039;&#039;„Schließen Sie die Augen und denken Sie die Wand.“&#039;&#039; Und dann kam die alles entscheidende Aufforderung: &#039;&#039;„Und jetzt denken Sie den, der die Wand gedacht hat...“[8]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer das durchführt, kann in seinem Denken das eigene Selbst als reinen Tätigkeitsquell, als innere Aktivitätsbereitschaft, als Ich, als eigenständiges Wollen bemerken als rein energetische spirituelle Selbsterfahrung im Denken. Damit hat er einen sicheren Ausgangspunkt gewonnen, sich seine eigene Weltsicht zu erarbeiten. Er steht jetzt geistig auf eigenen Füßen und ist in der Lage, sein Denken immer perspektivenreicher auszubilden. Je mehr er versteht, desto mehr sieht er von der Welt. Und je mehr ihn die Welt interessiert und zum Nachdenken anregt, desto differenzierter und klarer wird sein Denken. Sich selbst und die Welt zu verstehen und dadurch zu einer authentischen Selbst- und Weltsicht zu kommen, ist die Weltanschauung der Anthroposophie. Seinen Zeitgenossen zu zeigen, dass sie &#039;&#039;„durch das Denken zur Wirklichkeit des Geistes kommen“&#039;&#039; können, war ein zentrales Anliegen Rudolf Steiners. Das eigene Ich als geistig reales Wesen im Denken erleben zu können, erschließt zugleich die spirituelle Dimension des Begriffs der menschlichen Würde als autonome und geistbewusste Kompetenz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner formulierte diesen Tatbestand gegen Ende seines Lebens noch einmal so: &#039;&#039;„Anthroposophie ist ein Erkenntnisweg, der das Geistige im Menschenwesen zum Geistigen im Weltall führen möchte“.[9]&#039;&#039; Grundlage dafür ist die Gedankenarbeit eines jeden einzelnen Menschen. Hannah Arendt nannte diese Selbsterfahrung im Titel ihres gleichnamigen Buches „Denken ohne Geländer“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Aspekt der Zusammenarbeit ====&lt;br /&gt;
Da Anthroposophie auf das sich zur Autonomie entwickelnde Individuum baut, findet man gerade unter Anthroposophen einen ausgeprägten Meinungs- und Standpunktepluralismus bis hin zur gern zitierten „Streitkultur“. Auch ist die Geschichte der Anthroposophischen Gesellschaft von eindrücklichen Krisen und Konflikten geprägt, die von dem Ringen um individuelle und soziale Kompetenz zeugen, einem Bemühen, das alles andere als einfach ist. Umso erfreulicher ist es, dass sich diese Gesellschaft bis heute nicht in verschiedene Gruppierungen gespalten hat, sondern der Wille zum gegenseitigen Verstehen und zur Entwicklung von Toleranz gegenüber anders Denkenden stets überwogen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von dem Dichter und Anthroposophen &#039;&#039;Christian Morgenstern&#039;&#039; (1871 - 1914) stammt ein Gedicht, das dieses Spannungsverhältnis zwischen der notwendigen Individualisierung einerseits und der Befähigung zur Gemeinschaftsbildung andererseits meisterlich zum Ausdruck bringt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Die zur Wahrheit wandern, wandern allein,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;keiner kann dem andern Wegbruder sein.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Eine Spanne gehn wir, scheint es, im Chor ...&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;bis zuletzt sich, sehn wir, jeder verlor.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Selbst der Liebste ringet irgendwo fern;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;doch wer&#039;s ganz vollbringet, siegt sich zum Stern,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;schafft, sein selbst Durchchrister, Neugottesgrund –&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;und ihn grüßt Geschwister Ewiger Bund.[10]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier wird in künstlerischer Form zum Ausdruck gebracht, dass größtmöglicher Individualismus und „Gemeinschaft im Geist“ sich nicht widersprechen müssen. Vielmehr erscheinen die Ideale der Französischen Revolution – der Freiheit des Individuums, der Gleichheit und der brüderlichen Solidarität – so erst in ihrem wahren Licht: Denn wenn man weiß, dass jeder „auf dem Weg ist“, wächst der Respekt vor der Einmaligkeit und Würde des anderen. Und gleichzeitig erlebt man, wie uns dieser Tatbestand des Werdens „gleich“ macht. Da wir aber sowohl „gleich“ als auch „individuell sehr verschieden“ sind, sind wir Menschen immer wieder auf gegenseitige brüderliche Hilfe angewiesen. Wir gewähren sie, wenn wir die Bedürfnisse des anderen sehen, respektieren und, wo möglich, erfüllen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Mathias Girke , PF Matthiessen (Hrsg.), &#039;&#039;Medizin und Menschenbild&#039;&#039;, Bad Homburg 2015.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung mit besonderer Rücksicht auf Schiller.&#039;&#039; GA 2. Dornach 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] www.goetheanum.org&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Philosophie der Freiheit&#039;&#039;, GA 4, Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1995.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Dargelegt in Steiners Selbstschulungsbuch &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?,&#039;&#039; GA 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Bernd Rosslenbroich, &#039;&#039;On the Origin of Autonomy. A New Look at the Major Transitions in Evolution&#039;&#039;, Hei-delberg, New York, Springer 2014.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Johann Gottlieb Fichte, Philosoph (1762 - 1814).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Überliefert von Steffens, einem Naturforscher und Zeitgenossen Fichtes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Anthroposophischer Leitsatz 1&#039;&#039;, 17. Februar 1924. In: Anthroposophische Leitsätze. GA 26, S. 6 (1989).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Christian Morgenstern, &#039;&#039;Wir fanden einen Pfad,&#039;&#039; Basel, Zbinden Verlag. 5. Aufl. 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ANTHROPOSOPHISCHES UND NATURWISSENSCHAFTLICHES KRANKHEITSVERSTÄNDNIS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ist Anthroposophische Medizin eine Glaubenssache?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann man in der Medizin konstruktiv mit unterschiedlichen Sichtweisen auf Krankheit umgehen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Anthroposophisches Krankheitsverständnis&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Um auf diese Fragen eingehen zu können, möchte ich vorab das Krankheitsverständnis aus der Anthroposophie heraus und das Schulmedizinische Krankheitsverständnis charakterisieren. Sie stehen nicht im Widerspruch zueinander, zumindest nicht aus Sicht der Anthroposophischen Medizin. Letztere versteht sich als eine Erweiterung der rein naturwissenschaftlichen Medizin, nicht als Gegensatz dazu. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Die Aufgabe ist, nun wirklich darauf zu kommen, welcher Unterschied besteht zwischen den Prozessen im menschlichen Organismus, die wir als Krankheitsprozesse bezeichnen und die doch im Grunde genommen ganz normale Naturprozesse sind, nur eben durch bestimmte Ursachen hervorgerufen sein müssen, und denjenigen Prozessen, die wir gewöhnlich als die gesunden bezeichnen und die die alltäglichen sind. Dieser durchgreifende Unterschied muss gefunden werden. Er wird nicht gefunden werden, wenn man nicht eingehen kann auf eine Betrachtungsweise des Menschen, die zum menschlichen Wesen wirklich führt.&amp;quot;&#039;&#039;[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Krankheit aus Sicht der naturwissenschaftlichen Medizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der naturwissenschaftlichen Medizin liegt der Fokus bei der Erforschung von Krankheitsursachen im Bereich des Netzwerkes molekulargenetischer Interaktionen. Dort wird nach Mutationen und „Fehlern&amp;quot; im Metabolismus gesucht. Damit ist aber das Kausalproblem nur von der Makro- auf die Mikroebene verlagert. Denn auch hier ist zu fragen, woher es kommt, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt beispielsweise eine Genmutation auftritt und ein Prozess, der bisher gesund ablief, nun mit einem Mal „verkehrt&amp;quot; bzw. Krankheit begünstigend stattfindet. Wenn der sogenannte Pathomechanismus aufgeklärt ist und die Ursache einer „Spontanmutation&amp;quot;, einem &#039;&#039;„inborn error of metabolism&amp;quot;&#039;&#039; oder einer exogenen Schädigung zugeschrieben wird, so ist damit dem Kranken noch nicht geholfen, der verstehen will, was seine Krankheit mit ihm, seiner Entwicklung und seinem Schicksal zu tun hat – oder der sich dafür interessiert, welche Einflüsse sein bewusstes oder unterbewusstes Seelenleben auf die Lebensfunktionen seiner Organe oder auf die Stabilität seines Immunsystems hat. Auch ist es letztlich unbefriedigend, sich als Mensch in die verschiedenen Forschungs- und Fachdisziplinen aufgeteilt zu sehen, ohne „das geistige Band&amp;quot; im Sinne &#039;&#039;Goethes&#039;&#039; zu haben, das die Zusammenschau der unterschiedlichen Sichtweisen ermöglicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Unterschiedliche Sichtweisen integrieren&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Paracelsus&#039;&#039;, der Integrationsmediziner am Beginn der Neuzeit, hat bereits eindrücklich auf dieses Dilemma hingewiesen.[2] Plastisch schildert er eine medizinische Szene aus dem damaligen Alltag: Sechs Ärzte sind um einen eben verstorbenen Cholerapatienten versammelt und sprechen darüber, was in seinem Falle wohl die Todesursache gewesen sein mag. Diese Szene sei hier in freier Form wiedergegeben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Erste&#039;&#039;&#039; sagt: &#039;&#039;„Für mich ist klar, dass er durch die Infektion mit dem Cholerabazillus gestorben ist. Der Krankheitserreger wurde mit dem Wasser aufgenommen, hat sich im Organismus ausgebreitet und die Krankheil hervorgerufen, die jetzt zum Tode geführt hat&amp;quot;.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Das finde ich merkwürdig&amp;quot;,&#039;&#039; sagt &#039;&#039;&#039;der Zweite&#039;&#039;&#039;. &#039;&#039;„Es sterben doch längst nicht alle Kranken, die sich mit dem Cholerabazillus angesteckt haben. Ich sehe die Todesursache vielmehr in der Tatsache, dass die Selbstheilungskräfte des Verstorbenen nicht stark genug waren, um die Infektion zu überwinden. Hätte er über mehr Widerstandskraft verfügt, so lebte er noch.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da lächelt &#039;&#039;&#039;der dritte Kollege&#039;&#039;&#039; und fragt: &#039;&#039;„Habt ihr denn nicht sein Horoskop gelesen? Da konnte man lesen, dass dieser Mensch durch die ganze Konfiguration seiner seelischen Veranlagung und seines inneren Schicksals zum Tod in dieser Zeit prädestiniert war. Sein Tod war vorherbestimmt.&amp;quot;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Das leuchtet mir nicht ein&amp;quot;,&#039;&#039; sagt &#039;&#039;&#039;der Vierte&#039;&#039;&#039;. &#039;&#039;„Wie viele Menschen leben unter derselben oder sehr ähnlichen Sternkonstellationen und kommen anders damit zurecht, gehen durchaus optimistischer mit der Herausforderung um, die ihre jeweilige Sternkonstellation für sie bedeutet. Meine Diagnose ist, dass er im Kern seiner ganzen Persönlichkeit, in seinem Ich, schwach war. Er hatte große Angst vor der Cholera, und nichts ist ein besserer Nährboden für Infektionen als Ängstlichkeit und Furcht. Ich habe viel schwächere Patienten die Krankheit überwinden sehen, weil sie mutiger waren und das Vertrauen nicht verloren.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Mir kommt das alles töricht vor&amp;quot;,&#039;&#039; schaltet sich jetzt &#039;&#039;&#039;der Fünfte&#039;&#039;&#039; in die Debatte ein: &#039;&#039;„Krankheit und Leid ist doch eine Geißel Gottes, ein Flagellum. Hätte Gott die Überwindung der Krankheit zugelassen, so hätte er diesem Betroffenen zur rechten Zeit den Arzt oder sonst eine Hilfe geschickt.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun blicken alle auf &#039;&#039;&#039;den Sechsten&#039;&#039;&#039;, der interessiert zugehört hat und fragen: „Wer von uns hat recht?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der bemerkt: &#039;&#039;„Jeder von euch hat recht. Jeder hat aber auch unrecht. Das Unrecht entsteht dadurch, dass jeder einzelne von euch nur an seine Sicht der Dinge glaubt und die Ansichten der anderen verneint oder missachtet. Das komplizierte Pentagramm Mensch muss individuell gelesen werden, um den jeweiligen Anteil an der Krankheitsursache herauszufinden. Ein solch differenziertes Lesen ist aber auch nötig, um die verschiedenen Wege kennen zu lernen, die zur Gesundheit, sprich: zur Überwindung der Krankheit führen.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Szene aus dem Werk des Paracelsus wird hier angeführt, um deutlich zu machen, dass ein tiefgreifendes Verständnis von Krankheitsursachen und Heilungsmöglichkeiten die verschiedenen Ebenen menschlicher Existenz und Lebensverwirklichung mitberücksichtigen muss. Das kann letztlich nur ein interdisziplinär-integrativer Ansatz leisten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaft und Medizin&#039;&#039;, GA 312.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Elise Wolfram und Paracelsus, &#039;&#039;Die okkulten Ursachen der Krankheiten. Volumen Paramirum&#039;&#039;, Unv. Nachdruck der Ausgabe von 1912, 4. Aufl. Dornach 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== SCHULMEDIZIN, ANTHROPOSOPHISCHE MEDIZIN UND ÄLTERE GANZHEITLICHE ANSÄTZE ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie steht die Anthroposophische Medizin zur Schulmedizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und wie ist ihr Verhältnis zu anderen alternativen Ansätzen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verhältnis der&#039;&#039; &#039;&#039;Anthroposophischen Medizin zur Schulmedizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Frage lässt sich kurz mit Nein beantworten. &#039;&#039;Rudolf Steiner&#039;&#039; (1861-1925) und &#039;&#039;Ita Wegman&#039;&#039; (1876-1943), die Begründer der Anthroposophischen Medizin, bemerken hierzu:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Nicht um eine Opposition gegen die mit den anerkannten wissenschaftlichen Methoden der Gegenwart arbeitende Medizin handelt es sich. Diese wird von uns in ihren Prinzipien voll anerkannt. Und wir haben die Meinung, dass das von uns Gegebene nur derjenige in der ärztlichen Kunst verwenden soll, der im Sinne dieser Prinzipien vollgültig Arzt sein kann.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Allein wir fügen zu dem, was man mit den heute anerkannten wissenschaftlichen Methoden über den Menschen wissen kann, noch weitere Erkenntnisse hinzu, die durch andere Methoden gefunden werden, und sehen uns daher gezwungen, aus dieser&#039;&#039; erweiterten &#039;&#039;Welt- und Menschenerkenntnis auch für eine Erweiterung der ärztlichen Kunst zu arbeiten.&amp;quot;[1]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die reguläre akademische Aus- und Weiterbildung ist ebenso Voraussetzung dafür, sich Anthroposophischer Arzt nennen zu können, wie das Studium der anthroposophischen Geisteswissenschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Salutogenetischer Ansatz bevorzugt&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Anthroposophischen Medizin liegt ein Konzept ganzheitlicher, integrativer Medizin zugrunde, die den Menschen (griechisch: anthropos) mit all seinen Erkenntnis- und Erlebnisformen (griechisch: sophia, wörtlich: Weisheit) in den Mittelpunkt stellt. Für die Praxis heißt dies, dass symptomatisch wirkende Arzneimittel, wie zum Beispiel Antipyretika, Antiphlogistika, Antihypertensiva, Antihistaminika oder die Substitution fehlender, körpereigener Stoffe, oder aber Analgetika und Psychopharmaka selbstverständlich da zur Anwendung kommen, wo die speziellen Medikamente und Therapieverfahren der anthroposophischen Therapierichtung nicht (mehr) hinreichen, die erforderliche Selbstregulation und Heilung zu stimulieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Hinblick auf das therapeutische Vorgehen wird der salutogenetische Ansatz bevorzugt, also die Anregung körpereigener, physiologischer Prozessantworten. Diese sind immer individuell. Therapieschemata haben zwar einen wesentlichen, Orientierung gebenden Stellenwert. In praxi gehen die Medikationen jedoch oft darüber hinaus, da sich die Behandlung am Einzelfall orientiert. Anthroposophische Ärzte schätzen die schulmedizinische Behandlung als Akut- und Notfallmedizin hoch, möchten jedoch nicht bei deren Grenzen und Einseitigkeiten stehen bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verhältnis zu älteren ganzheitlichen medizinischen Konzepten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Jedem ganzheitlichen medizinischen System – ob es sich nun um traditionell chinesische, ayurvedische oder homöopathische Medizin handelt – liegt ein spirituelles Weltbild zugrunde, das mehr oder weniger konkret die gemeinsame Evolution von Mensch, Erde und Weltall beschreibt. Rudolf Steiner bemerkt dazu im Hinblick auf seinen Ansatz[2]: &#039;&#039;„Ich möchte nicht versäumen, Sie darauf aufmerksam zu machen, dass dasjenige, was ich hier vortrage, nicht entlehnt ist älteren medizinischen Schriften, sondern auf durchaus gegenwärtiger geisteswissenschaftlicher Forschung beruht. Nur muss versucht werden, zuweilen in der Terminologie auf die ältere Literatur zurückzugreifen, weil ja die neuere Literatur eine Terminologie nach dieser Richtung hin noch nicht ausgebildet hat. Aber derjenige, der glauben würde, dass irgendetwas hier vorgetragen wird, was nur älteren Schriften entnommen ist, der würde sich eben sehr irren.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese von Steiner entwickelte neue Art der geistigen Forschung ermöglicht als anthroposophische Erkenntnismethodik und dank ihrer Forschungsergebnisse auch neue Einsichten in die ganzheitlichen Konzepte und spirituellen Traditionen der Medizin. Daher gibt es unter ihren Vertretern immer auch „Anthroposophen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Seiner und Ita Wegmann, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst. Dornach 1935, S. 9.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaft und Medizin&#039;&#039;, GA 312. Sechster Vortrag, Dornach, 26. März 1920. S. 118 (Ausgabe 1999).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== CHARAKTERISTIKA EINER SPIRITUELLEN MEDIZIN LAUT RUDOLF STEINER ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen Prinzipien folgt die von Rudolf Steiner und Ita Wegman beschriebene spirituelle Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wodurch äußert sich ihr allgemein-menschlicher Ansatz?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wodurch zeichnen sich eine spirituelle Chemie und Physik aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist unter Kulturtherapie zu verstehen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Krankheit aus zwei Blickwinkeln sehen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In dem Werk über Anthroposophische Medizin &#039;&#039;„Grundlegendes zu einer Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; von Rudolf Steiner und Ita Wegman werden unter anderem auch die Grundlagen einer spirituellen Medizin beschrieben.[1] Bereits die Überschrift des ersten Kapitels lässt dies anklingen, indem da von &#039;&#039;„wahrer Menschenwesen-Erkenntnis“&#039;&#039; die Rede ist. Die Wortwahl erinnert an die Initiationspraktiken der antiken Mysterien, wo es in allen Einweihungsgraden um wahre irdisch-kosmische Selbst- und Welterkenntnis ging. Doch konkret im Alltag: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Erwartet nicht jeder Kranke vom Arzt, dass dieser die Ursache seines Problems durchschaut und die notwendigen Maßnahmen einleitet?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Dass er die Wahrheit über seinen Zustand bestmöglich herausfindet?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher die Forderung der Autoren, der Wahrheit des Krankheitsgeschehens von zwei Seiten aus näherzukommen, indem die schulmedizinischen Diagnosefaktoren mit der geisteswissenschaftlichen Betrachtung verbunden werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Christuserkenntnis&#039;&#039; als &#039;&#039;zentrales Element&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;‚Wes Geistes Kind‘ aber ist diese Forderung?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“[2]&#039;&#039; wird der Christus als ‚großer Hüter der Schwelle‘ auf dem Erkenntnisweg dargestellt, der dem Schüler den Sinn der Erdenentwicklung, des Todes und der Wiedergeburt enthüllt. In der &#039;&#039;„Geheimwissenschaft im Umriß“[3]&#039;&#039; wird der Christus auch namentlich genannt und seine zentrale Bedeutung innerhalb der Schöpfung und für die Entwicklung der Menschheit geschildert.[4] In beiden Werken begegnet man einer zentralen Bezugnahme auf die Wesenheit des Christus in einer weder religiös noch konfessionell tingierten Weise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verfolgt man diesen Wesensbezug zu Christus im Steiner‘schen Vortragswerk, oder auch nur in der Schrift &#039;&#039;„Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit“&#039;&#039;,[5] so zeigt sich, dass für Steiner diejenige geistige Realität, die er mit dem historischen Christus identifiziert, in allen Aspekten und Dimensionen menschlichen Lebens und Entwickelns eine zentrale Rolle spielt – ganz im Sinne der johanneischen Aussage: &#039;&#039;„Durch es [das Wort] sind alle Dinge geworden, und nichts von allem Entstandenem ist anders als durch das Wort geworden.“[6]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Anthroposophisches Menschenbild und Schulungsweg&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Steinersche Christologie versteht sich als Weg zur Christuserkenntnis. Dieser Weg ist von seinem Selbstverständnis her unabhängig von traditionellen Glaubensüberzeugungen und religiösen Bekenntnissen. Es geht bei ihm im tiefsten Sinne um ‚wahre Menschenwesen-Erkenntnis‘, um das ecce homo. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die anthroposophische Menschenkunde befasst sich mit diesem allgemeinmenschlichen, rein geistigen Wesensgefüge des gesunden Menschenurbildes, das der uns bekannten Schöpfung innewohnt. Sie versucht verständlich zu machen, warum und wie in dieser Schöpfung alles mit allem geistig und physisch zusammenhängt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher kann sich ein japanischer Shintu-Priester in seiner spirituellen und wissenschaftlichen Praxis ebenso von dem anthroposophischen Erkenntnisweg und Menschenbild anregen und bereichern lassen wie ein buddhistischer Mönch, ein Brahmane oder ein Angehöriger des jüdischen oder muslimischen Glaubens oder ein materialistischer Naturwissenschaftler. Denn Christliche Spiritualität ist zugleich allgemeinmenschliche Spiritualität und die Spiritualität in den Naturerscheinungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Dienender Charakter der Substanz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ein weiteres wichtiges Merkmal der von Rudolf Steiner beschriebenen spirituellen Medizin ist ihr selbstlos dienendes Prinzip. Das Substanzverständnis der Anthroposophie, wie es im Grundlagenwerk der Anthroposophischen Medizin &#039;&#039;„Grundlegendes zur Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; erörtert wird,[7] beruht auf dieser Grundlage. So werden im 1. Kapitel die Substanzen in ihrem selbstlos dienenden Charakter gezeigt, wie sie sich den vier Kräftebereichen von Mineral-, Pflanzen-, Tier- und Menschenwelt unterordnen, wodurch sie zu deren jeweiliger Manifestation beitragen und dadurch alle Naturerscheinungen in die Sichtbarkeit bringen.[8]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erdensubstanz – im christlichen Bekenntnis symbolisiert durch Brot und Wein – ist nach diesem Verständnis nicht nur die physische Grundlage für die Erd- und Menschheits-entwicklung. Vielmehr zeigt sich ihr zutiefst christlicher Charakter daran, dass sie dient: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* im mineralischen Zustand den Todesprozessen,&lt;br /&gt;
* in der Pflanzenwelt den Lebensprozessen,&lt;br /&gt;
* in der tierischen Natur den seelischen Äußerungen und der Bewegungsfähigkeit.&lt;br /&gt;
* Im Menschen aber wird sie „Geist tragend“.[9]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor diesem Hintergrund sind dann Sätze in dem genannten Werk wie der folgende zu verstehen: &#039;&#039;„[…] dann wird man durch Einfügung eines Erdenstoffes in den menschlichen Organismus oder durch Behandlung mit einer Erdentätigkeit bewirken können, dass die höheren Glieder der Menschenwesenheit sich ungehindert entfalten können, oder auch, dass die Erdenstofflichkeit an dem Zugefügten die nötige Unterstützung findet, um auf den Weg zu kommen, auf dem sie Grundlage wird für irdisches Wirken des Geistigen.“[10]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Spirituelle Chemie und Physik der Zukunft&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der Schrift &#039;&#039;„Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit“[11]&#039;&#039; – präzisiert Rudolf Steiner diesen Aspekt auch noch im Hinblick auf die Entwicklung der Substantialität der Erde: &#039;&#039;„Künftig werden Chemiker und Physiker kommen, welche Chemie und Physik nicht so lehren, wie man sie heute lehrt [...] sondern welche lehren werden: ‚Die Materie ist aufgebaut in dem Sinne, wie der Christus sie nach und nach angeordnet hat!‘ – Man wird den Christus bis in die Gesetze der Chemie und Physik hinein finden. Eine spirituelle Chemie, eine spirituelle Physik ist das, was in der Zukunft kommen wird. Heute erscheint das ganz gewiß vielen Leuten als eine Träumerei oder Schlimmeres.&#039;&#039; &#039;&#039;Aber was oft die Vernunft der kommenden Zeiten ist, das ist für die vorhergehenden Torheit.“[12]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese selbstlos dienende Haltung wird von den in der anthroposophischen Pharmazie und Medizin Tätigen auf dem anthroposophischen Schulungsweg geübt und prägt den spirituellen Charakter dieser Bereiche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Heilsam wirken durch umfassende Kulturtherapie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin kann als Kulmination von Steiners Grundanliegen, heilsam zu wirken, gesehen werden. Alles, was er geschrieben und getan hat, stand und steht im Dienst einer umfassenden Kulturtherapie, die heilsam auf die zeitgeistigen pathologischen Tendenzen einwirken sollten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Rudolf Steiner unter Kulturpathologie verstand, stellte er im ersten Vortrag des Gründungskurses für die Waldorfpädagogik im August 1919 so dar: &#039;&#039;„Vergessen Sie nicht, indem Sie sich Ihrer Aufgabe widmen, daß die ganze heutige Kultur, bis in die Sphäre des Geistigen hinein, gestellt ist auf den Egoismus der Menschheit. [. . .] Wir leben in der Zeit, in der dieser Appell an den menschlichen Egoismus in allen Sphären bekämpft werden muß, wenn die Menschen nicht auf dem&#039;&#039; &#039;&#039;absteigenden Wege der Kultur, auf dem sie heute gehen, immer mehr und mehr abwärts gehen sollen.“[13]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; In Philosophie und Geistesleben ====&lt;br /&gt;
Im philosophischen Werk Steiners wird die Grundlage zur Kulturtherapie in Form eines tiefgreifenden Autonomieverständnisses gelegt. Freiheit und Liebe, die zur Selbstlosigkeit fähig sind, stehen dabei als menschliche Entwicklungsziele an zentraler Stelle. Sie sind Ausdruck menschlicher Würde und geistiger Gesundheit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; In der Pädagogik ====&lt;br /&gt;
Entsprechend wird im Zusammenhang von Steiners Darstellungen zur &#039;&#039;„Allgemeinen Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik“[14]&#039;&#039; eine ‚Physiologie und Psychologie der Freiheit‘ veranlagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; In der Kunst als Therapie ====&lt;br /&gt;
Und auch die künstlerische Tätigkeit versteht Steiner nicht als ästhetischen Selbstzweck. Sie hat Bewusstsein weckenden Charakter und mündet in allen Bereichen in therapeutische Wirksamkeit, wie in EH am Beispiel der Heileurythmie in Kapitel XVIII gezeigt wird. Der Leiter der Kolisko-Akademie, &#039;&#039;Armin Husemann&#039;&#039;, hat diesem Impuls einer therapeutisch ausgerichteten &#039;&#039;„Menschenwissenschaft durch Kunst“&#039;&#039; sein Lebenswerk gewidmet.[15]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[16]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?,&#039;&#039; GA 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Geheimwissenschaft im Umriss&#039;&#039;, GA 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Ebenda, Seite 219–225, 251–256 sowie 351–353.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit,&#039;&#039; GA 15.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Neues Testament, &#039;&#039;Johannes Kap. 1, 3.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen&#039;&#039;, GA 27, Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Christian Morgenstern (1871–1914) hat diesem dienenden Geschehen sein Gedicht &#039;&#039;Fußwaschung&#039;&#039; gewidmet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. Harlan, (2008).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Siehe FN1, S. 12.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit,&#039;&#039; GA 15.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Ebenda, S. 46.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik&#039;&#039;, GA 293, 26 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik&#039;&#039;, GA 293.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[15] Vgl. A. Husemann (2007 und 2024).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[16] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ANSPRUCH UND AUFGABE DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen Anspruch hat die Anthroposophische Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worin sieht sie ihre Aufgabe?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was war laut Rudolf Steiner das entscheidend Neue?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Bemühen der Anthroposophischen Medizin&#039;&#039; &#039;&#039;um mehr Menschlichkeit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin ist ein Kind des 20. Jahrhunderts. Sie hat den Anspruch, naturwissenschaftliche, philosophische und spirituelle Erkenntnisse und deren therapeutische Anwendungen in ein ganzheitliches Konzept zu integrieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als eigenständige medizinische Bewegung hat sie jedoch erst gut 80 Jahre Entwicklung hinter sich, weswegen sie noch nicht so breit im allgemeinen Bewusstsein verankert ist wie beispielsweise die Homöopathie. Darüber hinaus ist die Bezeichnung „Anthroposophische Medizin“ etwas schwer verständlich. Der Begriff „Homöopathie“ hat sich aus dem prinzipiellen Gegensatz zur gängigen „Allopathie“ gebildet. Er orientiert sich am Simile-Prinzip. „Anthroposophisch&amp;quot; heißt hingegen in der schlichtesten Übersetzung aus dem Griechischen einfach nur „menschlich&amp;quot;. Entsprechend hat sich die Anthroposophische Medizin zur Aufgabe gesetzt, im Umgang mit Krankheit und Gesundheit in Theorie und Praxis das Bewusstsein und die Entwicklung von mehr Menschlichkeit ins Zentrum allen Bemühens zu stellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wesensglieder-Diagnostik als neue Perspektive&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner war es wichtig, die Wesensglieder-Diagnostik und die sich daran anschließende Therapiefindung als das entscheidend Neue zu sehen, das durch die Anthroposophie in den gegenwärtigen Medizinbetrieb hereinkommen kann. Es ging ihm nicht primär darum, neue und womöglich wirksamere Medikamente zu finden für dieses und jenes. Vielmehr wollte er vermitteln, dass die Medizin durch ein Menschenbild bereichert werden kann, das befähigt, den Menschen primär als geistiges Wesen zu begreifen und ihn dadurch in Gesundheit und Krankheit neu zu sehen und behandeln zu lernen.[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Kapitel I von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; heißt es: &#039;&#039;„Der Mensch ist, was er ist, durch Leib, Ätherleib, Seele (astralischer Leib) und Ich (Geist).&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Er muss als Gesunder aus diesen Gliedern heraus angeschaut;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;er muss als Kranker in dem gestörten Gleichgewicht dieser Glieder wahrgenommen;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;es müssen zu seiner Gesundheit Heilmittel gefunden werden, die das gestörte Gleichgewicht wieder herstellen.“[2]&amp;lt;sup&amp;gt;,&amp;lt;/sup&amp;gt; [3]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anthroposophisch-medizinische Therapieansatz kann zudem sowohl alternativ als auch kombiniert mit schulmedizinischer Behandlung zur Anwendung kommen und erfreuliche Besserungen erzielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Erkrankung und Heilung als Kreisprozess verstehen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Methodisch kommt es Rudolf Steiner und Ita Wegman also darauf an, den Prozess der Erkrankung und den Prozess der Heilung als einen einzigen Kreisprozess zu verstehen, in dem der Organismus von Heilmitteln und Krankheitsdiät unterstützt werden muss, um wieder in den „Zustand der Gesundheit“ versetzt zu werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Die Erkrankung beginnt mit einer Irregularität in der Zusammensetzung des menschlichen Organismus mit Bezug auf seine in diesem Buch beschriebenen Teile. Sie ist an einem bestimmten Punkte angekommen, wenn man den Kranken in Behandlung bekommt. Man hat nun dafür zu sorgen, dass alle Vorgänge, die sich seit dem Beginn der Krankheit im menschlichen Organismus abgespielt haben, wieder zurückverlaufen, so dass man zuletzt bei dem Zustande der Gesundheit anlangt, in dem der Organismus vorher war. […] Die Heilmittel müssen daher so beschaffen sein, dass sie nicht nur den Krankheitsprozess zurücklaufen lassen, sondern auch die sich herabstimmende Vitalität wieder unterstützen. Einen Teil der letzteren Wirkung wird man der Krankheitsdiät überlassen müssen. Doch ist in der Regel bei ernsteren Krankheitsfällen der Organismus nicht gestimmt, in der Verarbeitung der Nahrungsmittel genügend Vitalität zu entwickeln. Es wird daher notwendig sein, auch die eigentliche Therapie so einzurichten, dass der Organismus in dieser Beziehung seine Unterstützung findet. […] Im Krankheitsverlaufe ist nicht nur der lokalisierte Krankheitsprozess, sondern die Gesamtveränderung des Organismus zu berücksichtigen und diese in den rückläufigen Prozess einzubeziehen. Wie das im Einzelnen zu denken ist, werden bestimmte Fälle, die wir nun charakterisieren wollen, zeigen.“&#039;&#039;[4] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;An der Heilung des erkrankten Planeten mitwirken&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Ruf nach einer menschengemäßen Medizin steht mit vielen Bestrebungen der letzten Jahrzehnte im Konsens.  So schreibt der berühmte  amerikanische Kardiologe &#039;&#039;Bernard Lown&#039;&#039; im Vorwort seines Medizin-Bestsellers &#039;&#039;„Die verlorene Kunst des Heilens&amp;quot;:[1]„Dieses Buch möge als ein  Kompass dienen (...), indem es eine Medizin beschreibt, in welcher der Mensch im Mittelpunkt aller wissenschaftlichen Dienstleistungen steht – nämlich ein modernes Gesundheitswesen mit einem menschlichen Gesicht.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lown nennt die heutigen großen Probleme beim Namen: Die ungerechte Weltordnung, die bewirkt, dass sich auch im neuen Jahrhundert die Kluft zwischen den armen Entwicklungsländern und den reichen Industrienationen immer schneller vertieft und viel zu viele der sieben Milliarden Menschen auf der Welt in einer quälenden, erbarmungslosen und erniedrigenden Armut leben. Er fordert von den Ärzten, aktiv beim Aufarbeiten der sozialen Missstände mitzuwirken sowie bei der Heilung unseres erkrankten Planeten. Das Wort des deutschen Pathologen &#039;&#039;Rudolf Virchow&#039;&#039; ist ihm Vorbild, dass Politik eine „Medizin im Großen&amp;quot; ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie aber wird eine medizinische Denkweise und Methode erarbeitet, die solches leisten kann?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztlich kann doch nur ein neues Denken über die alten, unerbittlich wachsenden Probleme dazu führen, diese nachhaltig zu lösen. Anthroposophische Medizin möchte in aller Konsequenz dazu beitragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Physiologisch-Therapeutisches auf Grundlage der Geisteswissenschaft. Zur Therapie und Hygiene,&#039;&#039; GA 314, S. 29 und S. 226 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, S. 12.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Formatierung Katharina Offenborn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe FN 2, S. 89f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Bernard Lown, &#039;&#039;Die verlorene Kunst des Heilens,&#039;&#039; Berlin 2002.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== GESUNDHEITSWISSENSCHAFTLICHER ANSATZ DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Bereiche umfasst der gesundheitswissenschaftliche Ansatz der Anthroposophischen Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht dabei um drei Bereiche:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Um den Bereich des Ätherisch-Lebendigen und die hier agierenden &#039;&#039;&#039;Rhythmen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
# Um das Zusammenspiel der Wesensglieder im so genannten &#039;&#039;&#039;dreigliedrigen Organismus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
# Um eine dem Menschengeist gemäße &#039;&#039;&#039;Erziehung und Selbsterziehung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;AD 1. ZUR RHYTHMUSFORSCHUNG&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gunther Hildebrandt&#039;&#039;, einer der führenden Rhythmus-Forscher im 20. Jahrhundert, hat sein Lebenswerk als Physiologe der systematischen Erarbeitung der rhythmischen Funktionen und deren adaptiven, erholsamen und stabilisierenden Wirkungen gewidmet.[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hatte in einer Vortragsnachschrift von Steiner gelesen, dass die rhythmische Organisation des Menschen ihren Ausdruck findet im Rhythmus der Blutzirkulation und dem Atemrhythmus und dass dieser Zusammenhang zu wenig beachtet wird. Beim erwachsenen Menschen haben diese beiden Rhythmen das Verhältnis 4:1. Das ist natürlich nur ein approximativer Durchschnittswert, der allerdings in seinen Abweichungen Auskunft gibt über Gesundheit und Krankheit des individuellen menschlichen Organismus. Diesen Hinweisen Steiners ist Hildebrandt mit den Methoden der Chronobiologie und der Rhythmusforschung nachgegangen. Anhand seiner Resultate konnte er belegen, wie sehr die anthroposophische Geisteswissenschaft mit der akademischen Naturwissenschaft übereinstimmt und dass sich neue Möglichkeiten des Verstehens erschließen, wenn man beide methodisch ernst nimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Rhythmusforschung am Beispiel Schlaf&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Hildebrandt konnte nachweisen, dass die Schlaferholung als zentral koordinierter Prozess nicht allein aus biochemischen und physiologischen Gesichtspunkten heraus erklärbar ist, sondern dass Selbstordnungsprinzipien am Geschehen beteiligt sind, die eine rhythmische Zeitstruktur haben und prozessual in Richtung Heilung oder Krankheit stimulierbar sind. Er konnte in vielfach bestätigten Befunden nachweisen, dass im Verlauf des Nachtschlafes die ganzzahlige Frequenzabstimmung zwischen Herz- und Atemrhythmus des gesunden Organismus bei jedem Menschen wieder hergestellt wird, und zwar unabhängig von der Richtung der am Tage aufgetretenen Abweichungen. Dasselbe konnte Hildebrandt auch hinsichtlich der ganzzahligen Frequenzabstimmungen von Atem- und Blutdruckrhythmus sowie von Blutdruckrhythmus und Minutenrhythmus der peripheren Durchblutung nachweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Arbeitsrhythmen der Wesensglieder und autochrone Biorhythmen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Des Weiteren konnte Hildebrandt zeigen, dass die von Steiner erforschten basalen Arbeitsrhythmen der Wesensglieder tatsächlich den evidenten, adaptiven und autochronen Biorhythmen des Menschen entsprechen. Auch konnte er belegen, dass diese hygiogenetischen Prozesse in der Regel reaktiv ausgelöst werden und ihre Zeitstruktur nicht von den Eigenrhythmen der Wesensglieder bestimmt werden, sondern reaktiv von deren harmonischen Frequenzmultiplen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Jahresrhythmen unter Einfluss des physischen Leibes ====&lt;br /&gt;
Regenerative und adaptive Rhythmen des physischen Leibes hängen mit dem Jahreslauf der Sonne sowie der annualen Rhythmik zusammen. Die heteronomen trophisch-plastischen Wachstumsprozesse mit der submultiplen Periodendauer des Jahresrhythmus werden überwiegend von den Einflüssen bestimmt, die der physische Leib auf die hygiogenetische Aktivität des Ätherleibes hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; 7-Tage-Rhythmus bestimmt vom Ätherleib ====&lt;br /&gt;
Regenerative und adaptive Rhythmen des ätherischen Leibes entsprechen dem Monatsrhythmus sowie der lunaren Rhythmik. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Monatsrhythmus bestimmt vom Astralleib ====&lt;br /&gt;
Adaptive und regenerative Rhythmen des Astralleibes von 7 Tagen entsprechen dem Wochenrhythmus, der zirkaheptanen Rhythmik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Rhythmisches Zusammenspiel von Ätherleib und Astralleib&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Die eigentlichen heilenden Prozesse, die sich als normgerichtete Regenerationsvorgänge äußern und eine funktionelle Normalisierung herbeiführen, werden im Zusammenwirken von Ätherleib und astralischem Leib zeitlich gegliedert. Ausdruck dieses Zusammenwirkens ist die Tatsache, dass der spontane Eigenrhythmus des Astralleibes mit 7 Tagen Periodendauer zugleich eine Submultiple des ätherischen Monatsrhythmus darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Eigenrhythmen der beiden Wesensglieder stehen bemerkenswerterweise auch im doppel-oktavischen harmonischen Verhältnis von 4:1. Das vielfach nachgewiesene Vorherrschen der zirkadianen Septanperiodik bei den spontanen und therapeutisch angestoßenen Selbstheilungsprozessen kann daher so gedeutet werden, dass der Astralleib mit seinem Eigenrhythmus den hygiogenetischen Prozessen eine Zeitstruktur vorgibt, der sich der Ätherleib durch Ausbildung einer submultiplen Periodik optimal einpasst.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; 24-Stunden-Rhythmen unter Führung der Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Adaptive und regenerative Rhythmen der Ich-Organisation entsprechen dem 24 Stunden-Rhythmus, der zirkadianen Rhythmik. Seine Forschungsergebnisse zusammenfassend führt Hildebrandt aus, dass die verschiedenen, stoffwechselbedingten Erholungsprozesse mit einer Periodendauer unter 24 Stunden, die dem Bestand und der Gesunderhaltung des Organismus dienen, der zeitlichen Führung seitens der Ich-Organisation unterliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;AD 2. ZUR FUNKTIONELLEN DREIGLIEDERUNG&#039;&#039; &#039;&#039;DES MENSCHLICHEN ORGANISMUS&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Gedanke der funktionellen Dreigliederung des menschlichen Organismus geht auf eine dreißigjährige Forschung Steiners zurück, die er erstmals 1917 publizierte.[3] Der Anatom und Morphologe Johannes W. Rohen griff diese Anregung in seinen Lehrbüchern für die Medizinstudenten auf.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Sichtweise des menschlichen Organismus verknüpft drei Aspekte miteinander:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Sie macht den polaren Bau des menschlichen Organismus funktionell und morphologisch transparent.&lt;br /&gt;
# Sie liefert eine pathologisch und therapeutisch relevante Erklärung des Leib-Seele-Problems.&lt;br /&gt;
# Sie führt nicht nur zu einer neuen Sicht auf die Entstehung von Krankheit, sondern auch zu einem Konzept für die Entstehung von Gesundheit (Salutogenese, Hygiogenese).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Polarität und ausgleichende Prozesse&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Morphologisch betrachtet sind die Rundheit der Schädelform und die radiale Form der Gliedmaßen echte Polaritäten. Entsprechend polar stehen auch die bewussten, im Kopf zentrierten Denk- und Sinnestätigkeiten den unterhalb des Zwerchfells lokalisierten unbewussten metabolischen Auf- und Abbauvorgängen gegenüber. Dazwischen entfalten sich die rhythmischen Transport- und Verteilungssysteme, wie sie von den Atmungsorganen und dem Herzen als Mittelpunkt des Kreislaufsystems ausgehen. Diese dreiteilige morphologische Grundgliederung bezeichnet Steiner mit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Nerven-Sinnes-System NSS&#039;&#039;&#039;: überwiegend im Kopf zentrierte &#039;&#039;„obere Organisation&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Rhythmisches System RS&#039;&#039;&#039;: überwiegend im Thorax lokalisierte &#039;&#039;„mittl. Organisation&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Stoffwechselsystem&#039;&#039;&#039;: überwiegend im Abdomen lokalisierte &#039;&#039;„untere Organisation&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Dreigliederung entspricht bereits die Polarität von Ektoderm und Entoderm und den sich aus dem Zusammenspiel beider ergebenden sekundären mesodermalen Strukturen in der Embryonalentwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Dreigliederung findet sich auch in der Formation des Skelettes wieder: Wirbelsäule und Brustkorb haben einen rhythmisch gegliederten Aufbau (Wirbel, Rippen), im Gegensatz zur radialen Form der Extremitäten und der sphärischen des Kopfes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die zeitlich-prozessuale und damit auch die physiologisch-biochemische Betrachtung ist jedoch das jeweils spezifisches Zusammenwirken der vier Wesensglieder in den drei Regionen des Körpers entscheidend:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbstverständlich gehört der Nervenzell-Stoffwechsel den Stoffwechselfunktionen an und umgekehrt ist das vegetative Nervensystem, das wahrnehmend und regulierend auf das gesamte Stoffwechselgeschehen einwirkt, Bestandteil des Nervensinnessystems.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entsprechend ist das rhythmische System mit seinen Funktionsleistungen auch im Nervensinnes-System und beim Stoffwechsel wirksam. Es stellt mit den kurzwelligen Rhythmen der elektrochemischen Hirnpotentiale im Sekundenbereich und den langwelligen Eigenrhythmen der Stoffwechselorgane (z.B. Magen / Darmmotilität) im Stundenbereich die gesamte rhythmische Funktionsordnung im dreigliedrigen Organismus dar. Bei der Dreigliederung handelt es sich also nicht um eine Dreiteilung, sondern um eine funktionelle Gliederung, die sich gleichzeitig räumlich im polaren Aufbau des Körpers abbildet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zusammenspiel der Wesensglieder im dreigliedrigen Organismus&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Werden die Funktionen des Nerven-Sinnes- und des Stoffwechselsystems mithilfe des rhythmischen Systems nicht genügend aufeinander abgestimmt, so tritt Krankheit auf:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Derjenige wird den menschlichen Organismus in seinem gesunden und kranken Zustand – oder besser gesagt: in seinem Gesund-Sein und seinem Gesund-Werden – nicht eigentlich verstehen können, der nicht berücksichtigt, dass die so genannten normalen Funktionen im Grunde nur Metamorphosen sind, auch derjenigen, die wir hervorrufen müssen, um pathologischen Zuständen zu begegnen&amp;quot;&#039;&#039;.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hildebrandt machte darauf aufmerksam, dass diese Aussage Steiners im Prinzip dem so genannten ersten Hauptsatz der Naturheilkunde entspricht, wie er zum Beispiel von Groote formuliert wurde: &#039;&#039;„Das, was den Gesunden gesund erhält, ist auch geeignet, den Kranken wieder gesund zu machen&amp;quot;&#039;&#039;.[6]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Inkarnierende und exkarnierende Wesensgliedertätigkeit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das Steinersche Paradigma von der Metamorphose der „inkarnierenden&amp;quot; Wesensgliedertätigkeit in die „exkarnierende&amp;quot;, die das seelisch-geistige Leben ermöglicht, ist einerseits Grundlage für ein neues Verständnis des Leib-Seele-Zusammenhangs. Es bietet aber auch bisher nicht dagewesene Möglichkeiten, die Fachgebiete der Erziehungswissenschaften und Medizin in ihrem Zusammenhang zu verstehen und für die Weiterentwicklung von Therapie und Pädagogik zu nutzen. Denken, Fühlen und Wollen als seelisch-erfahrbare Qualitäten werden in ihrem Leibbezug durchschaubar:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Der &#039;&#039;&#039;Ätherleib&#039;&#039;&#039; kann damit als &#039;&#039;Träger des Gedankenlebens&#039;&#039; erkannt werden,&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;&#039;Astralleib&#039;&#039;&#039; als &#039;&#039;Träger des Gefühlslebens&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* und die &#039;&#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;&#039; als &#039;&#039;Träger des Wollens bzw. Tuns&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die inkarnierende Wesensgliedertätigkeit ermöglicht Selbsterfahrung und ist somit die Grundlage von Selbstbewusstsein im Leib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die exkarnierende Wesensgliedertätigkeit, deren Medium das Denken ist, das „Leben im Geiste&amp;quot;, ist Grundlage für die Entwicklung eines bewussten, vom Leib emanzipierten, persönlichen Innenlebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die inkarnierende und die exkarnierende Wesensgliedertätigkeit hängen eng zusammen im Kontext der Entwicklung des Menschen. So entwickelt sich z.B. unser Denken erst aus der schrittweisen Emanzipation des Ätherleibes – von der leibgerichteten Tätigkeit hin zur leibfreien, rein gedanklichen Tätigkeit.[7] Wird die gesunde Inkarnation des Ätherleibes durch die Erziehung nicht unterstützt, sondern behindert durch kognitives Frühtraining und die Förderung abstrakten Denkens, emanzipiert sich der Ätherleib zu früh und ein Mangel an Vitalität in der zweiten Lebenshälfte ist die Folge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Alles hat seine Zeit&amp;quot; ist daher die Grundlage der Waldorfpädagogik und ihres altersspezifischen Lehrplans.[8](besser nicht in kursiv).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entwicklungsgerechte Förderung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Organsysteme des menschlichen Organismus bedürfen einer entwicklungsgerechten, altersspezifischen Förderung, um sich gesund aufbauen und genügend ausreifen zu können. Nur dadurch kann die Inkarnation aller Wesensglieder optimal gewährleistet werden. Damit wird auch die physiologische Lockerung der Wesensglieder im letzten Lebensdrittel auf möglichst gesunderhaltende Art und Weise vorbereitet. Jeder alternde Organismus hat zwar die Disposition zu chronischen Erkrankungen des älteren Menschen, ob es jedoch zum Ausbruch einer entsprechenden Krankheit kommt bzw. welchen Schweregrad sie erreicht, ist bis zu einem gewissen Grad abhängig davon, wie das Kind oder der Jugendliche die Zeit der Inkarnation der Wesensglieder durchlaufen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiteres Kriterium ist die Frage, ob in der Lebensmitte durch geistige Aktivität Lebensfragen und Konflikte so verarbeitet wurden, dass die zur Gesunderhaltung von Leib und Seele nötige Übereinstimmung mit sich und dem Schicksal hergestellt werden konnte. Aaron Antonovsky spricht von der Notwendigkeit, ein „Kohärenzgefühl“ sich und seinen Lebensumständen gegenüber zu erwerben.[9]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;AD 3.&#039;&#039; &#039;&#039;ERZIEHUNG UND SELBSTERZIEHUNG ALS QUELLE SALUTOGENER KOMPETENZ&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die von Rudolf Steiner konsequent verfolgte These einer Erziehung zur Freiheit und einer Lehre von der Gesundheit, basierend auf der Auseinandersetzung mit den Herausforderungen des Lebens auf geistiger, seelischer und körperlicher Ebene, erfährt auf vielfältige Weise Bestätigung durch:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Hygiogenese&#039;&#039;&#039; (Hildebrandt 1985),&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Salutogenese&#039;&#039;&#039; (Antonovsky 1997)&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Resilienzforschung&#039;&#039;&#039; (Opp/Fingerle/Freytag 1999)&lt;br /&gt;
* sowie die &#039;&#039;&#039;Erforschung der seelischen Gesundheit&#039;&#039;&#039; durch die humanistische Psychologie (Maslow 1981).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Erforschung der seelischen Gesundheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Maslow fand bei seinen Untersuchungen zur seelischen Gesundheit heraus, dass Menschen mit einer gesunden seelischen Gesamtverfassung sach- und nicht ich-bezogen handeln, dass sie tolerant und wahrhaftig sind, sich herzlich freuen, staunen und Dinge und Menschen bewundern können, dass sie Gefühle der Devotion aufbringen. Ihnen ist gemeinsam, dass sie auf die eine oder andere Art auf eine spirituelle Höhepunkt-Erfahrung, die so genannte Peak-Experience, zurückschauen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Maslow konnte zeigen, in wie hohem Maße die Arbeit an der eigenen Persönlichkeit und die persönliche Reife Einfluss auf den körperlichen Gesundheitszustand haben.[10]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Salutogenese – die Lehre von der Gesundheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Antonovsky entwickelte in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts seine Theorie der Salutogenese. Er untersuchte die Bedingungen für das Entstehen von Gesundheit und wählte als Kernbegriff den „Sense of Coherence“ – das Kohärenzgefühl. Die Entstehung von Kohärenzgefühls unterliegt drei Vorbedingungen: Die Welt muss als&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* verstehbar&lt;br /&gt;
* sinnhaft&lt;br /&gt;
* handhabbar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
erlebt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder in der Gesundheitsforschung Tätige kommt früher oder später zu der Überzeugung, dass Gesundheit ein labiler Zustand ist, der vom Individuum aktiv erhalten werden muss. Diese Auffassung steht im Gegensatz zum konventionellen, pathogenetischen Postulat, dass ein gesunder Organismus sich in „normaler&amp;quot;, geordneter Homöostase befindet, die durch eine Krankheit aus dem Gleichgewicht gebracht wird. Antonovsky stellt dem entgegen, dass es den geordneten Zustand der Homöostase nicht gibt, dass Gesundheit vielmehr das ständige Ringen mit heterostatischen Zuständen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er schreibt: &#039;&#039;„Zu jedem Zeitpunkt kann mindestens ein Drittel, möglicherweise mehr als die Hälfte der Bevölkerung in den Industrienationen aufgrund des einleuchtenden Parameters eines pathologischen Merkmals als krank bezeichnet werden. Das zeigt, dass Krankheit keine relativ seltene Abweichung irgendeiner Norm, sondern ein ubiquitäres Phänomen ist&amp;quot;&#039;&#039;.[11]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit ist so gesehen nicht die Abwesenheit von Krankheit, sondern die Beherrschung und Kompensierung vorhandener Krankheitstendenzen. Für diese gesundheitswissenschaftliche Sicht bietet das Konzept der Wesensglieder und ihr differenziertes Zusammenwirken im dreigliedrigen Organismus das notwendige theoretische und praxisrelevante Instrumentarium. Hinzu kommt, dass das Wesensgliederkonzept bisher das einzige Konzept ist, das dem denkenden Begreifen den Leib-Seele-Geist-Zusammenhang voll erschließen kann und die These von der „Blackbox&amp;quot; begründet hinterfragt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Amelung, W. / Hildebrandt, G. (Hrsg.), Balneologie und medizinische Klimatologie, Berlin 1985.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Gunther Hildebrandt, &#039;&#039;Physiologische Grundlagen der Hygiogenese&#039;&#039;, in: Peter Heusser (Hrsg.), &#039;&#039;Akademische Forschung in der anthroposophischen Medizin&#039;&#039;. Beispiel Hygiogenese: Natur- und geisteswissenschaftliche Zugänge zur Selbstheilungskraft des Menschen, Bern 1999.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Von Seelenrätseln&#039;&#039;, GA 21.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Johannes W. Rohen, &#039;&#039;Morphologie des menschlichen Organismus. Versuch einer goetheanischen Gestaltlehre des Menschen,&#039;&#039; Stuttgart 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Anthroposophische Grundlagen für ein erneuertes christlich-religiöses Wirken&#039;&#039;, GA 342, Dornach 1993.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] L. R. Groote, K. E. Rothschuh, &#039;&#039;Der Arzt im Angesicht von Leben, Krankheit und Tod&#039;&#039;, hrsg. von K. E. Rothschuh, Stuttgart 1961.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkt der Geisteswissenschaft&#039;&#039; in: &#039;&#039;Lucifer - Gnosis&#039;&#039;. 1903-1908, Dornach 1987;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M. Glöckler, &#039;&#039;Gesundheit und Schule. Schulärztliche Tätigkeit an Waldorf- und Rudolf-Steiner- Schulen.&#039;&#039; Dornach 1998.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Tobias Richter, &#039;&#039;Lehrplan&#039;&#039;, Stuttgart 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Aaron Antonovsky, &#039;&#039;Salutogenese. Zur Entmystifizierung der Gesundheit&#039;&#039;, Tübingen 1987.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Abraham Maslow, &#039;&#039;Motivation und Persönlichkeit&#039;&#039;, Hamburg 1981.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Siehe Fußnote 9.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== METHODISCHE GRUNDLAGEN DES ANTHROPOSOPHISCHEN ANSATZES ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worin wurzelt die Methodik des anthroposophischen Ansatzes?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wurzeln des anthroposophischen Ansatzes&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der anthroposophische Ansatz hat seine Wurzeln in der abendländischen Philosophie und der Erkenntnisdramatik des 20. Jahrhunderts. Er bemüht sich um ein spirituelles Verständnis von Mensch und Welt über die Weiterentwicklung des Denkens zu einer unmittelbaren geistigen Anschauung, von Steiner „Imagination“ genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Anthroposophische Medizin ====&lt;br /&gt;
Anthroposophische Medizin hat zum Ziel, sich am Menschen selbst zu orientieren und seinem Heilbedarf auf die jeweils bestmögliche Art zu entsprechen. So greift der konsequent integrativ-medizinische Ansatz nicht nur die verschiedenen Erkenntnis-, Erfahrungs- und Daseinsebenen des Menschen auf, sondern verfügt auch über eine Diversität methodischer Zugänge. Im Sinne des Goethe‘schen Paradigmas bedeutet das, die Art der Betrachtung von der Art des zu Betrachtenden abhängig zu machen. Da der Mensch selbst ein so vielschichtiges und kompliziertes Wesen ist, bedarf es zu seiner Erforschung und Beschreibung die dem jeweiligen Objekt der Erkenntnis angemessene Methode. Allerdings müssen die so erforschten Einzelaspekte dann untereinander vernetzt und konzeptionell so verknüpft werden, dass eine Ganzheit entsteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Die Medizin des 21. Jahrhunderts muss wieder neu den Menschen entdecken, der immer mehr in ultrastrukturelle Teile zerbricht, weil ihr eine auf die Ganzheit gerichtete Erkenntnismethode – die intuitive – fehlt“.&#039;&#039;[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Menschen in seiner Totalität zu erfassen, ist ohne Intuition und Empathie nicht möglich. Diese Ganzheit dann aber je nach Fragestellung und Blickwinkel methodisch und inhaltlich zu gliedern und auch deduktiv zugänglich zu machen, bedarf eines differenzierten Erkenntnisansatzes, wie er in den methodischen Grundlagen der anthroposophischen Geisteswissenschaft vorliegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Anthroposophische Geisteswissenschaft ====&lt;br /&gt;
Anthroposophische Geisteswissenschaft vermittelt keine „fertige&amp;quot; Weltanschauung. Vielmehr lehrt sie, sich eine eigene Weltsicht zu erarbeiten, indem sie bei der Ausbildung des „Selber-Denkens&amp;quot; ansetzt. Mit Hilfe dieses Ansatzes kann jeder Fragen aufgreifen, die ihn im Zusammenhang mit der eigenen Religion oder spirituellen Heilweise interessieren. So gibt es nicht nur Schulmediziner, sondern auch Homöopathen und Vertreter anderer Therapierichtungen, die sich zu anthroposophischen Ärzten weiterbilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Anthroposophische Arzneimittel ====&lt;br /&gt;
Aufgrund des integrativ-medizinischen Ansatzes können die Arzneimittel der anthroposo­phischen Therapierichtung weder methodisch noch von den Stoffgruppen her klar abgegrenzt werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Beispiel wird eine Vielzahl von Arzneimitteln aus natürlichen Rohstoffen hergestellt, ohne dass Anthroposophische Medizin deshalb identisch mit der Naturheilkunde wäre. Es werden über 250 Heilpflanzen verarbeitet, dennoch ist Anthroposophische Medizin keine Phytotherapie. Denn im gesamten Arzneimittelschatz haben gerade die aus natürlichen mineralischen Rohstoffen hergestellten Präparate eine besondere Bedeutung. Schließlich ist Anthroposophische Medizin auch nicht mit der Homöopathie identisch, obwohl sie mit ihr – in modifizierter Form – die Technik des Potenzierens und die Potenzbezeichnung für sehr viele mineralische, pflanzliche und einige tierische Arzneimittel gemeinsam hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch liegt eine größere Anzahl von Präparaten in konzentriert-stofflicher Form vor, allen voran die Präparate aus der weißbeerigen Mistel zur Krebsbehandlung oder das gern gebrauchte Mittel zur Kreislaufregulation Cardiodoron®. Dennoch ist die anthroposophische Therapierichtung nicht zu der allopathischen zu rechnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Volker Fintelmann, &#039;&#039;Intuitive Medizin,&#039;&#039; Hippokrates Verlag, Stuttgart: 1. Aufl. 1987, 5. Aufl. 2007.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== NOTWENDIGER PARADIGMENWECHSEL IN DER MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Warum bedarf die Schulmedizin einer Ergänzung durch eine ganzheitliche Sicht auf den Menschen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern kann die Anthroposophische Medizin zu einem Paradigmenwechsel beitragen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Notwendige Demokratisierung des Gesundheitswesens&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das naturwissenschaftliche medizinische System orientiert sich an der Pathologie. Aus wirtschaftlicher Perspektive folgt daraus: Je mehr Diagnostik und Therapie betrieben werden, umso so mehr Umsatz kann gemacht werden. Anders ausgedrückt: Mit der Krankheit Geld zu verdienen, fördert das Krankheitswesen. Würde man jedoch mit Prävention und Gesundheitsstrategien Umsätze machen und dafür in eine Gesundheitskasse einzahlen, würde dies entschieden zur Volksgesundheit beitragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner forderte bereits 1920 eine &#039;&#039;„Demokratisierung des Gesundheitswesens“.[1]&#039;&#039; Ärzte, Apotheker, Hersteller und Verbraucher sind gefragt, gemeinsam und in Partnerschaft mit den Patienten bzw. Vertretern der Zivilgesellschaft Mitverantwortung für die Gestaltung des Gesundheitswesens zu übernehmen und für die hierzu erforderliche Methodenvielfalt und Therapiefreiheit einzutreten.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Auf Prävention fokussieren&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Paradigmenwechsel könnte sich allem voran darin äußern, dass man der Gesundheitsforschung höchste Priorität gibt. Dies erfordert aber eine ganzheitliche Sicht auf den Menschen, weil Gesundheit nicht auf molekularer Ebene entsteht, sondern das komplexe Ergebnis des Zusammenwirkens geistiger, seelischer, ökologischer und körperlicher Vorgänge ist. Es gehört aber auch eine „physiologische Denkweise dazu“, die dies vermitteln kann. Diese bietet die Anthroposophische Medizin. Als Kinderärztin erlebte ich in der Praxis immer wieder mit Freude, wie lebens- und entwicklungsfreundlich diese physiologische Denkweise und das integrative Menschenbild der Anthroposophischen Medizin sind. Hierzu drei Beispiele:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== •  Vitamin D ====&lt;br /&gt;
Als das Vitamin D entdeckt wurde, reiste der anthroposophische Kinderarzt &#039;&#039;Wilhelm zur Linden&#039;&#039; von Kongress zu Kongress und informierte seine Kollegen, dass die Dosen, die sie den Kindern verabreichten – Vigantolstöße genannt – viel zu hoch und unphysiologisch wären und den Kindern nicht nur nützen, sondern auch schaden würden. Seine Warnungen blieben über Jahre ungehört – bis Studien und Beobachtungen in der Praxis endlich zeigten, wie recht er hatte.[3] Doch bis dahin hatten unzählige Kinder bereits Schaden genommen. Man hätte das durch eine gesunde Denkweise vermeiden können. denn später machte schließlich genau das, was zur Linden ganz zu Anfang schon empfohlen hatte: Man gab kleine, der Physiologie angenäherte Dosen, wie der Körper sie selbst bilden könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;•  &#039;&#039;&#039;Fieberbehandlung ====&lt;br /&gt;
Ein weiteres Beispiel betrifft die Fieberbehandlung. Als ich mein Kinderärzte-Staatsexamen machte, mussten wir noch ankreuzen, dass Fieber eine Krankheit ist, die fiebersenkend, antipyretisch behandelt werden müsse, sonst wäre die Antwort falsch gewesen. Für das Facharzt-Examen besorgte ich mir dann die neueste Auflage der Kinderheilkunde von Professor Simonis. Dort las ich, nur der unerfahrene Kinderarzt würde bei jedem Fieber ein fiebersenkendes Mittel verordnen. Der erfahrene wisse, dass Fieber immunstimulierend wirkt und entscheidend zur Krankheitsbekämpfung beiträgt. Fieber sei ein natürliches Virostatikum und Antibiotikum. Bakterien und Viren sterben zwischen 39° und 40°. Man müsse das Fieber nur intelligent begleiten. Das belegen mittlerweile auch andere Studien weltweit.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Teil bis heute wurden und werden viele Kinder aber „falsch“ behandelt, obwohl man eigentlich weiß, dass es nicht gut ist! Und das nur, weil man im Medizinstudium nicht lernt, mit dem Organismus und im Sinne seiner Funktionen zu denken und zu fühlen und ihn in seinem Sosein optimal zu unterstützen. Selbstverständlich gibt man ein Antipyretikum, wenn man das Fieber nicht beherrschen kann. Aber das ist nur in wenigen Fällen nötig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== •  Antibiotika ====&lt;br /&gt;
Noch in meiner Facharztprüfung Anfang der Achtziger musste ich die Schulmeinung wiedergeben, dass jede Mittelohrentzündung/Otitis Media breitbandantibiotisch behandelt werden müsse, jede! Mit großen Hochglanzprospekten wurden die Forschungen dazu vorgestellt. Dieselben Firmen der Pharmaindustrie hatten jedoch Mitte der Neunziger Jahre plötzlich großes Interesse daran, genau das Gegenteil zu beweisen: Damals hatte die Antibiotikaresistenz bestimmter Krankheitserreger so zugenommen, dass es für die Firmen teurer war, neue Antibiotika zu entwickeln, als die Einbußen durch Nichtbehandeln hinzunehmen. So „durfte“ man jetzt vernünftig behandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophische Ärzte haben jedenfalls – ebenso wie ihre Kollegen in Homöopathie und Komplementärmedizin – durch ihren nicht routinemäßigen, sondern individuell abgewogenen Einsatz von fiebersenkenden Mitteln und Antibiotika seit langem einen nachahmenswerten Beitrag geleistet, der heute so viel diskutierten Antibiotika-Resistenzentwicklung entgegenzuwirken.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner sagte, die Ärzte der Zukunft werden Lehrer in Gesundheitswissenschaft sein und die Lehrer der Zukunft werden Präventionsärzte für die Heranwachsenden sein.[6] Das ist ein Konzept, an dem es sich zu arbeiten lohnt, für das ich mich zunehmend begeistern kann, weil es genau der Beitrag ist, den die Medizin der Gegenwart für ihren Paradigmenwechsel braucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Was ist Anthroposophische Medizin?, Verlag am Goetheanum 2017&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Hygiene als soziale Frage. In: Physiologisch-Therapeutisches auf Grundlage der Geisteswissenschaft.&#039;&#039; GA 314. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1989, S. 221 - 261.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Mehr dazu unter: www.eliant.eu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Eine ausführliche Darstellung der Vitamin-D-Schäden findet sich bei M.S. Seelig, &#039;&#039;Vitamin D and cardiovascular, renal and brain damage in infancy and childhood.&#039;&#039; Ann. New York Acad. Sci. 1969, 147:539 - 582.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Ilene Claudius, Larry J. Baraff, &#039;&#039;Pediatric emergencies associated with fever.&#039;&#039; Emergency Medicine Clinics of North America 28: S. 67 - 84, 2010.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Hamre, Harald J. / Glockmann, Anja / Schwarz, Reinhard / Riley, David S. / Baars, Eric W. / Kiene, Helmut / Kienle, Gunver S.: Antibiotic Use in Children with Acute Respiratory or Ear Infections: Prospective Observational Comparison of Anthroposophic and Conventional Treatment under Routine Primary Care Conditions. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine 2014: &amp;lt;nowiki&amp;gt;http://dx.doi.org/10.1155/2014/243801&amp;lt;/nowiki&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Siehe auch: &#039;&#039;Waldorfpädagogik und Anthroposophische Medizin&#039;&#039;. Schwerpunktheft „Der Merkurstab“ 4:2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FÜNF URSACHEN FÜR KRANKHEIT UND FÜNF WEGE ZUR HEILUNG ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Ursachen für Erkrankung gibt es laut Paracelsus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und welche Wege der Heilung sieht die Anthroposophische Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fünf Ursachen für Krankheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Schon &#039;&#039;Paracelsus[1]&#039;&#039; hat gesagt, der Mensch sei ein fünfgliedriges Pentagramm.[2] Entsprechend gibt es fünf Wege, gesund bzw. krank zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesen Gedanken habe ich versucht, in die Anthroposophische Medizin und in die heutige Zeit zu übertragen. Ich stelle also Paracelsus’ Beispiel mit den Worten des einundzwanzigsten Jahrhunderts dar:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Physischer Standpunkt ====&lt;br /&gt;
Der erste Arzt vertritt den physischen Standpunkt: &#039;&#039;„Das ist doch klar: Der Patient ist durch den Cholerabazillus infiziert worden und letztlich an nicht mehr beherrschbaren Komplikationen verstorben.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ätherischer Standpunkt ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Eines wundert mich“,&#039;&#039; sagt der Zweite, &#039;&#039;„wenn gesichert ist, dass der Patient an einem Bazillus gestorben ist, warum sind dann nicht alle gestorben, die sich angesteckt haben? Denn die meisten meiner Patienten sind nicht gestorben. Also ist klar, dass der Patient gestorben ist, weil seine Selbstregulation versagt hat. Deshalb konnten auch die Komplikationen nicht beherrscht werden. Die Krankheitsursache liegt eindeutig im Ätherischen. Seine Abwehr war zu schwach, er hatte ein Immundefizit. Der Patient ist an seiner immunologischen Inkompetenz gestorben.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Astralischer Standpunkt ====&lt;br /&gt;
Der dritte Arzt spricht vom Aspekt des Astralleibes her: &#039;&#039;„Liebe Kollegen, Immunkompetenz und Bazillenwirkung sind nicht das Ende der Medizin! Ich kann euch sagen, woran es liegt, dass das Immunsystem eines Menschen dekompensiert: Habt ihr noch nie etwas von der Psychoneuroimmunologie gehört? Meine Forschungsergebnisse belegen, dass positive Gefühle das Immunsystem stärken. Negative Gefühle lassen das Immunsystem früher oder später insuffizient werden. Die Ursache für den Choleratod liegt also in den negativen Gefühlen des Patienten. Er war bitter, kritisch, nörgelig – enttäuscht über sein Leben. Ihr habt ihn doch gekannt! Er war seelisch nicht besonders konstruktiv. Das hält doch kein Mensch auf Dauer aus. Der Cholerabazillus war nur der Effektor. Der Patient war eigentlich schon am Ende. Die Todesursache liegt also im Seelischen.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Standpunkt der Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Schließlich meldet sich ein Vierter und beleuchtet das Ganze vom Aspekt der Ich-Organisation her: &#039;&#039;„Ich könnte allem folgen, was ihr sagt, aber mich wundert, dass ihr meint, das wären die wirklichen Ursachen. Meine Erfahrung ist, dass es vom eigenen Identitätsbewusstsein abhängt, ob jemand bereit ist, an seinen negativen Gefühlen zu arbeiten. In meiner medizinischen Erfahrung habe ich gelernt, Patienten zu motivieren, an ihren negativen Gefühlen zu arbeiten und diese zu überwinden. Dadurch entwickeln sie immunologische Kompetenzen. Selbstüberwindung und die Bereitschaft, aus dem Negativen etwas Positives zu gewinnen, habe ich als das stärkste Wirkprinzip entdeckt. Diejenigen, die keine Lust am Lernen, an der Verwandlung, die keine Lust haben, auch das Negative als zum Leben gehörig zu betrachten, sondern sich immer nur darüber beklagen, werden früher oder später krank. Keine Seele hält es aus, wenn in ihr ein lahmes, inaktives Ich wohnt. Also sage ich: Der Patient ist daran gestorben, dass er sich zu wenig mit sich und seinem Leben identifizieren konnte.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Schicksalsstandpunkt ====&lt;br /&gt;
Der fünfte Arzt sagt: &#039;&#039;„Ich habe das Horoskop des Patienten konsultiert – das stand auf Krise. Man muss zwar bis zuletzt alles tun, was möglich ist – aber gegen das Schicksal und Gottes Ratschluss sind wir ohnmächtig.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun sind alle gespannt, was Paracelsus selber dazu sagen werde. Er überrascht seine Kollegen, indem er sagt: &#039;&#039;„De quinte entibus. Liebe Kollegen, es gibt fünf Wege zur Krankheit und entsprechend auch zur Heilung. Deswegen habt ihr alle fünf recht.“ Ein guter Arzt hat all dies im Auge und greift da an, wo er seiner ärztlichen Intuition gemäß die größten Heilungschancen sieht. Erzwingen können wir nichts, aber wir können bis zuletzt um das Leben des Patienten ringen und für seine Heilung kämpfen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fünf Wege zur Heilung in der Anthroposophischen Medizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Auf der physischen Ebene: ====&lt;br /&gt;
Einsatz der Möglichkeiten der Schulmedizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Auf der ätherisch-prozessualen Ebene: ====&lt;br /&gt;
Prozessorientiert-wirksame Arzneimittel, Diät und Lebensstiländerungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Auf der astralen Ebene: ====&lt;br /&gt;
Neben dem therapeutischen Gespräch ist die Verordnung einer künstlerischen Therapie äußerst hilfreich. Darin können sich auch Kranke ausdrücken, die (noch) nicht bereit sind, über ihre Probleme zu sprechen. Auch Biographie-Arbeit hat sich bewährt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Auf der Ich-Ebene: ====&lt;br /&gt;
Wichtig ist die Beachtung der Identitätsfrage. Manchmal muss man hier das Hauptaugenmerk darauf richten und bei Selbstwertfragen oder Identitätsproblemen Wege zu Selbstschulung nennen. Oft hilft auch die Empfehlung der Lektüre von Steiners Buch zur Selbstschulung &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“[3]&#039;&#039; oder aber eine erneute Suche nach religiöser Sinnfindung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Auf der Ebene der spirituellen Orientierung: ====&lt;br /&gt;
Die Erarbeitung einer sinnstiftenden Weltanschauung ist das tragende Fundament einer gesunden Lebensführung. Hier ist jeder einzelne gefragt, das für ihn Stimmige zu suchen und die entsprechenden Gesichtspunkte im Leben anzuwenden und zu beherzigen. Der Arzt kann auf Grund seiner Lebenserfahrung und Empathie helfender Begleiter sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur Anthroposophischen Medizin, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Philippus Theophrastus Aureolus Bombastus von Hohenheim, getauft als Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, (* vermutlich 1493 in Egg, Kanton Schwyz; † 24. September 1541 in Salzburg) war ein Arzt, Alchemist, Astrologe, Mystiker, Laientheologe und Philosoph. Paracelsus hinterließ zahlreiche deutschsprachige Aufzeichnungen und Bücher medizinischen, astrologischen, philosophischen und theologischen Inhalts, die größtenteils erst nach seinem Tod gedruckt wurden. (wikipedia)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Paracelsus, &#039;&#039;Opus paramirum und De quinte entibus&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?&#039;&#039; GA 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== WIRKFAKTOREN IN DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wirkt Medizin generell?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Faktoren spielen dabei eine Rolle?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wie Anthroposophische Medizin wirkt&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Wirksamkeit der Anthroposophischen Medizin setzt sich aus verschiedenen Faktoren zusammen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Stoffliche Qualität ====&lt;br /&gt;
Schwefel wirkt anders als Phosphor oder anderes. Dieses Enzym hat diese Wirkung und ein anderes Hormon eine andere. Wenn ich ein bestimmtes Mittel gebe, muss ich das berücksichtigen. Das ist die rein stoffliche Wirkung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Pharmazeutisch-moralische Qualität ====&lt;br /&gt;
Es gibt verschiedene Stufen der ethisch-moralischen Zusatzwirkung. Wenn ein Pharmazeut seine Produkte mit Liebe herstellt, ist der Stoff nicht nur Träger seiner Eigenwirkung, sondern die positive Absicht, helfen zu wollen, überträgt sich vom Pharmazeuten auf das Produkt. Das ist eine pharmazeutische Qualität, die er moralisch beeinflussen kann. Das hat nicht nur mit Produktreinheit zu tun, ob unsauber oder sauber gearbeitet wird, sondern mit der moralischen Integrität dessen, der das Produkt herstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Ärztliche Qualität ====&lt;br /&gt;
Ärztliche Qualität entsteht, wenn ein Arzt ein Medikament aufgrund guter Überlegungen mit seinen eigenen Gedanken durchsetzt, mit seiner Liebe zum Patienten, mit seinem Willen, ihm zu helfen. Wenn er das Rezept aus dieser Gesinnung heraus dem Patienten gibt, geht diese innere Einstellung auf den Patienten über. Die Schulmedizin nennt das ‚Placebo-Effekt’, die ‚Droge Arzt’. Aber es gibt keinen Placebo-Effekt, es gibt nur Wirkungen, die man nicht versteht! Der Begriff des Placebos ist ein unwissenschaftlicher Lückenbüßer, den man auch so kennzeichnen müsste. Man muss verstehen, warum welches Placebo wie wirkt! Gute Gedanken sind wirksam:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ist es nichts, wenn einer einem anderen „alles Gute“ wünscht?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es macht einen Unterschied, wenn jemand lügt und dem anderen in Wirklichkeit nicht alles Gute wünscht!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich jemandem Gutes wünsche bzw. wenn ich als protestantischer Christ die Fürbitten mache oder als Katholik bete, hat das doch eine Wirkung! Ich mache das doch nicht zur Selbstbefriedigung, um mir zu zeigen, wie moralisch einwandfrei ich bin oder um dem Pfarrer zu gefallen! Ich mache es, weil ich davon überzeugt bin, dass Gedanken wirksam sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt destruktive Gedanken und positive Gedanken, die nicht nur auf mein Immunsystem, sondern auch auf die Immunsysteme meiner Mitwelt wirken. Hass auf andere Leute ist destruktiv, nicht nur für mich, sondern auch für die Anderen. Das sind astrale Attacken, die Verletzungen seelischer Art erzeugen können. Auch wenn sie unbewusst sind, wirken sie. Sensible Leute spüren genau, wenn Menschen sie hassen oder sie vernichten, betrügen oder mobben wollen. Es braucht nicht real zu passieren, man spürt bereits die Intention als etwas Destruktives. Solche Wirkungen sind kein Placebo-Effekt, sondern geistig-seelisch genau zu beschreiben und kommen entweder aus dem Denken, dem Fühlen oder der Intention von Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Ärztliche Intention als Zusatzwirkung&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Als Arzt gebe ich meine Intention dem Medikament mit. Rudolf Steiner sagt, der Arzt müsse seinem Arzneimittel eine „Aura“ mitgeben, eine Widmung. Wenn ich zum Beispiel Schwefel oder Phosphor oder Arnika verordne, denke ich in diesem Moment an diesen Menschen, an seine Lebenssituation und widme die Wirkung des betreffenden Mittels dieser Situation. Es ist eine weiter imponderable Zusatzwirkung zur normalen Arnika-Essenz im Fläschchen, wenn ich es einem älteren Menschen, der auf der Intensivstation liegt, als Umschlag verordne. Für diesen Menschen habe ich ganz andere Gedanken als für jemand anderen. Meine Gedanken sind Teil dieser individuellen Therapie. Auch eine Standardtherapie verordne ich individuell, weil jeder Mensch anders ist. Es gibt keine zwei gleichen Situationen, auch wenn ich vielfach dieselben bewährten Arzneimittel verwendet habe. Das ist die ärztliche Wirkkomponente.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Der Wille zur Gesundung ====&lt;br /&gt;
Die vierte Komponente betrifft den Eigenanteil des Patienten. Patienten wollen heute genau wissen: „Wofür ist das?“, „Wogegen ist das?“ Wenn sie dann den Beipackzettel lesen, bekommen sie oft Angst. Inzwischen gibt es auch anthroposophische Beipackzettel, auf denen beispielsweise steht: An Kindern nicht erprobt, bitte nicht unter 12 Jahren anwenden. Da bekommen Eltern Angst vor Arnika D6, weil es nicht erprobt ist, und halten es für gefährlich. Dadurch kann sich die positive Wirkung des Arzneimittels nicht voll entfalten. Oder die Mittel wirken nicht recht, weil der Patient eigentlich nicht wirklich gesund werden will. In diesem Fall braucht und will er seine Krankheit. Ein Patient, der nicht gesund werden will, muss erst einmal lernen, wieder gesund werden zu &#039;&#039;wollen&#039;&#039;. Er sucht noch die Flucht in die Krankheit, weil er diesen Schutzraum offenbar braucht. Das ist im Moment seine Identität. Ein Patient, der nicht gesund werden will, für den die Krankheit seine aktuell aushaltbare Gesundheit ist, verkraftet das Leben nicht. Er braucht eine andere Behandlung, als „auf Teufel-komm-raus“ gesund gemacht zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Ärzte haben keine Zeit für eine gründliche Anamnese. Sie behandeln oft auch Menschen, die von Arzt zu Arzt gehen und in Wirklichkeit gar nicht gesund werden wollen. Man hätte schon in der Erstbegegnung eine Biografiearbeit dazwischenschalten oder sagen müssen: „Ich glaube, Sie sind wirklich krank. In ihrer jetzigen Situation würde ich ihnen raten, dass Sie sich für den Prozess des Gesundwerdens genügend Zeit nehmen. Lassen Sie sich im Moment von Ihrem Job beurlauben. Ich gebe Ihnen ein Zeugnis und wir nehmen uns einen ganz langsamen Weg zur Gesundheit vor, damit Sie so werden, wie Sie werden wollen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein anderes therapeutisches Ziel, als jemanden so schnell wie möglich symptomfrei zu bekommen, damit er wieder funktioniert. Wirkliche Heilung kann erst erfolgen, wenn der „Gesund-mache-Wille“ des Arztes sich mit dem „Gesund-werde-Willen“ des Kranken verbinden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Gnade ====&lt;br /&gt;
Das fünfte Therapieprinzip heißt schlicht Gnade. Man kann nicht gegen das Schicksal angehen. Manchmal ist das Schicksal des Kranken so, dass man trotz aller erdenklichen Mühe nicht helfen kann. Das fünfte Prinzip wurzelt in der Überzeugung, dass das Leben nicht in der ärztlichen Kompetenz, sondern in der Hand Gottes liegt. Wenn der Krebs erneut ausbricht, gehe ich mit dem Patienten anders um als zu Beginn einer Krebserkrankung. Jetzt ist größtmögliche Ehrlichkeit gefragt. z.B. das Eingeständnis: &#039;&#039;„Wenn nicht ein Wunder geschieht, könnte es diesmal der Anfang vom Ende sein. Überlege, ob Du Deinem Leben eine vollkommen andere Wendung geben willst und kannst. Jetzt hast Du nichts mehr zu verlieren, Du kannst nur noch gewinnen. Schau mal, ob Du Dich von allem, was Dich zwingt, freimachen kannst und frage Dich, was Du mit deinem letzten Lebensabschnitt wirklich machen willst. Folge nur Dir selbst!“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann passieren manchmal ungeahnte Wunder. Manchmal braucht es diese Todesnähe, bis ein Patient wirklich zu sich kommt und weiß, was für ihn im Leben zählt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Beispiel einer terminalen Krebserkrankung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ich hörte von einem Patienten mit terminalem Krebs. Der Arzt hatte ihm maximal drei Monate gegeben. Er trennte sich daraufhin von all seinem Hab und Gut, verkaufte sein Haus und ging auf Weltreise. Er wollte nun endlich umsetzen, wofür er sich sein Leben lang keine Zeit genommen hatte. Nach seiner Heimkehr wollte er den Rest seines Geldes verschenken und sich auf das Sterben vorbereiten. Als er zurückkam, war der Krebs jedoch weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geschichte hat mir ein Kollege erzählt, der meinte, so etwas wäre eigentlich nicht möglich. Ebenso sah es die Uni-Klinik, in der er behandelt wurde. In der Schulmedizin nennt man das ‚Spontanheilung’. ‚Placebo-Effekt’ und ‚Spontanheilungen’ sind Begriffe, die zeigen, dass man sich in der Schulmedizin nicht mit Wirkfaktoren auseinandersetzen möchte, die etwas differenzierter sind und Spiritualität mit einbeziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur Anthroposophischen Medizin, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ICH-WESEN UND WESEN DER HEILWIRKUNGEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worauf basieren die Phänomene ‚Selbstheilung und ‚Selbstregulation‘?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie korrespondieren das Ich-Wesen des Menschen und das Wesen der Heilwirkungen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern ist der Mensch direkt für den Fortgang der Evolution verantwortlich?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ich-Organisation und Selbstregulation&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel VII von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; wird das Wesen der Heilwirkungen in unmittelbarer Anknüpfung an das bisher über die physiologischen Prozesse und deren Steuerung durch die Wesensglieder Dargestellte beleuchtet. In Kap. V beispielsweise wurde erklärt, inwiefern die Entwicklungspotentiale der natürlichen Evolution mit der Entstehung der ‚defizitären‘ menschlichen Konstitution an ihr Ende kommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Kap. VII nun gehen die Autoren auf eine weitere Besonderheit des Menschen ein – seine „systemimmanente Offenheit“, die eine Voraussetzung für die Entwicklung des seelisch-geistigen Potential ist: &#039;&#039;„Die menschliche Gesamtorganisation ist nicht ein in sich abgeschlossenes System von ineinandergreifenden Vorgängen. Wäre sie das, sie könnte nicht der Träger des Seelischen und Geistigen sein.“[2]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Phänomene ‚Selbstregulation‘ und ‚Selbstheilungskräfte‘ weisen auf die vielen inzwischen bekannten Einflussfaktoren, wie der Mensch die eigene Gesundheit körperlich, seelisch und geistig selbst beeinflussen kann.[3] Die auch von einzelnen Krankenkassen bereits beachtete Präventionsforschung sowie die daraus resultierenden Präventionsprogramme sind dadurch inspiriert. Aus anthroposophischer Sicht ist es letztlich die Ich-Organisation, die für Art und Umfang der Selbstregulation verantwortlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Das Wesen der Heilwirkungen in Mensch und Substanz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das im Titel von Kapitel VII angesprochene ‚Wesen der Heilwirkungen‘ bezieht sich zum einen auf das Ich-Wesen des Menschen selbst und zum anderen auf das Wesenhafte der Substanzbildung durch die Abbau- und Aufbauvorgänge, für deren Qualität die Ich-Organisation ebenfalls verantwortlich ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Begrifflichkeit ‚Substanz‘ hat im Lateinischen die Konnotation des sub, d.h. des ‚darunter‘ liegenden Materiellen. Im Griechischen hat das Wort ουσια noch die Doppelbedeutung von ‚Wesen‘ und ‚Substanz‘:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* D.h. die im Nervensystem zerfallende Substanz &#039;&#039;&#039;entlässt geistige Formkraft&#039;&#039;&#039;, geistig Wesenhaftes. Hier wird die Ich-Organisation zum Träger des bewussten Geisteslebens.&lt;br /&gt;
* Im Gewebeaufbau aus dem Blut hingegen &#039;&#039;&#039;werden gestaltende Formkräfte aufgenommen&#039;&#039;&#039;. Hier wird die im unbewussten Körperleben schaffende Ich-Organisation im Substanzstrom von Blutgewebe und Muttermilch wie getragen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Dreifache Entfremdung der Substanz im Menschen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im Kapitel I war das Schicksal der Substanz im menschlichen Organismus als ein dreifacher Entfremdungsprozess geschildert worden. Diese Begrifflichkeit mag zunächst erstaunen, ist aber sehr präzise gemeint. Im Zuge des Verdauungsprozesses wird die Nahrungssubstanz aus dem Lebenszusammenhang von Pflanze und Tier heraus in den abgebauten mineralischen Zustand versetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# In der &#039;&#039;&#039;Neubelebung&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;durch den Ätherleib&#039;&#039; des Menschen geschieht ein erster Entfremdungsschritt. &lt;br /&gt;
# In dem darauffolgenden Prozess der &#039;&#039;&#039;Durchseelung&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;durch den Astralleib&#039;&#039; wird die Substanz weiter ihrem mineralischen Zustand entfremdet.&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;Durch die Arbeit der Ich-Organisation&#039;&#039; an der Substanz erreicht sie ihre höchste Entfremdungsstufe vom Physisch-Mineralischen, indem sie &#039;&#039;&#039;Geist tragend&#039;&#039;&#039; wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Dienst der Ich-Organisation kommt die Substanz sozusagen wieder aus der Fremde ‚nach Hause‘, indem sie erneut zum Wärmezustand vergeistigt wird und nicht mehr stofflich fassbar ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Selbstheilungskräfte (aus dem Blut) aktivieren lernen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel VII werden die Selbstheilungskräfte nicht mit Blick auf ihre Funktion als körperliche Schutz- und Abwehrmechanismen des Immunsystems geschildert. Vielmehr werden sie als diejenigen Kräfte dargestellt, die dem Blut innewohnen, das den dreigliedrigen Organismus versorgt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* einerseits in Form der &#039;&#039;&#039;weißen Blutzellen&#039;&#039;&#039;, die für die körperliche Abwehr verantwortlich sind, &lt;br /&gt;
* insbesondere aber auch in Form der &#039;&#039;&#039;Tätigkeit der roten Blutkörperchen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* und der &#039;&#039;&#039;übrigen Bestandteile des Blutes&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Blut als Ganzes ist als Instrument der Ich-Organisation Träger der Selbstheilungskräfte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fortgang der Evolution wird maßgeblich von der Art und Weise mitbestimmt werden, wie der Mensch seine von der Natur emanzipierten ‚außerkörperlich‘ wirksamen seelisch-geistigen Potentiale handhabt – zum Segen oder Schaden seiner Mitwelt und seiner selbst. So trägt auch die Art des Umgangs mit dem eigenen Gedanken-, Gefühls- und Willenspotenzial zur Stärkung oder zur Schwächung der Regulationsfähigkeit der Ich-Organisation bei, was sich langfristig auf die gesamte weitere Entwicklung des betreffenden Menschen auswirkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist interessant, dass Rudolf Steiner und Ita Wegman in diesem Kapitel, das den Selbstheilungskräften gewidmet ist, &#039;&#039;„Stockungen im Unterleibe“[4]&#039;&#039; als Beispiel für die unzureichende Heilwirkung des Organismus anführen. Sehr oft sind Verstopfungssymptome und Darm-Koliken Ernährungs- und lebensstilbedingte Verdauungsstörungen, d.h. Probleme, deren Lösung in der Selbstverantwortung liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[5]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27, Kap. VII.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Siehe FN 1, S. 38.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Esch (2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe FN 1, S. 40.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== HEILENDE VERBINDUNG VON MENSCH UND NATUR ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern stehen Mensch und Natur in einer heilsamen Verbindung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Naturstoffe zur Arzneimittelherstellung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Natur ist nicht nur Lebensraum und Existenzgrundlage des Menschen. Ihre Stoffe und Kräfte liegen auch einer Fülle von Arzneimitteln zugrunde. Anthroposophische Arzneimittel sollen dazu beitragen, dass der Organismus – wann immer sinnvoll und möglich – in die Lage versetzt wird, eine Krankheit aus eigener Kraft zu überwinden. Sie stärken die gesundenden Kräfte und sind also vor allem darauf orientiert, die Körperfunktionen wieder ins Gleichgewicht zu bringen und die Abwehrkräfte zu stärken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der anthroposophischen Arzneimittelherstellung werden mineralische, pflanzliche, metallische und tierische Ausgangsstoffe verwendet: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gängige mineralische Substanzen sind u.a. Quarz, Schwefel oder Kalk.&lt;br /&gt;
* Bekannte Heilpflanzen sind z.B. Arnika, gelber Enzian oder Kamille.&lt;br /&gt;
* Als Metalle kommen häufig Gold, Silber, Kupfer, Eisen und Zinn in potenzierter Form zum Einsatz.&lt;br /&gt;
* Zu den tierischen Ausgangssubstanzen gehören z. B. Insektengifte von Biene, Ameise, Hornisse sowie Organextrakte von Säugetieren (aus Leber, Thymusdrüse, Nieren, Nerven u.a.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Reicher Arzneimittelschatz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Alle anthroposophischen Medikamente werden nach komplexen Vorgaben der von Rudolf Steiner und Ita Wegman begründeten anthroposophischen Medizin hergestellt.[1] Die meisten Ausgangsstoffe werden in hoher Verdünnung (homöopathisch potenziert) eingesetzt, nur sehr selten konzentriert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophische Arzneimittel enthalten häufig mehrere Inhaltsstoffe. Diese sind nicht nur kombiniert, sondern komponiert. Wie bei einem Orchester, so kommt es auch bei einem zusammengesetzten Arzneimittel darauf an, in welchen Anteilen die verschiedenen Einzelkomponenten gemischt sind. In dieser Art gemischt, ergeben sie eine andere Wirkung denn als Einzelbestandteile. So wie ein Orchester anders klingt als eine Violine allein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anthroposophische Arzneimittelschatz umfasst etwa 2000 Substanzen, Kombinationen und eine Vielzahl von Darreichungsformen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ampullen, Augentropfen, Dilutionen, Einreibungen (ölige), Emulsionen, flüssige Verdünnungen, Flüssigkeiten zur Inhalation, Flüssigkeiten zur äußeren Anwendung, Gelate, Globuli, Granulate, Injektionen, Kapseln, Lotionen, Metallspiegelfolien, Mischungen, Nasentropfen (ölige), Öle, Pasten, Pflaster, Puder, Pulver, Salben (fettarm), Salben, Sirup, Tabletten, Tees, Tinkturen zum äußeren Gebrauch, Triturationen, Tropfen, Vaginalglobuli, Vaginaltabletten, Verdünnungen (wässrige), Zäpfchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Der Mensch als umgekehrte Pflanze&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aus anthroposophischer Sicht gleicht der Mensch einer umgekehrten Pflanze: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* So wie der Mensch seine Nahrung – in Form von Nahrungsmitteln, aber auch als „seelische“ oder „geistige“ Nahrung in Form von Gedanken, Worten, Tatsachen aus Kunst und Wissenschaft, über den Kopf – aufnimmt, so versorgt sich die Pflanze über ihre Wurzeln mit den nötigen Nährstoffen.&lt;br /&gt;
* Umgekehrt verhält es sich mit der Fortpflanzungsregion. Diese ist bei der Pflanze oben, Luft und Licht gegenüber geöffnet, wohingegen sie beim Menschen nach unten und innen gelagert ist, zur Erde hin.&lt;br /&gt;
* Beiden gemeinsam ist, dass in der Mitte – bei der Pflanze über die Blätter, beim Menschen über die rhythmischen Funktionen von Atmung und Kreislauf – der Gasaustausch stattfindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Umgekehrte Wirkung der Pflanze auf den Menschen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
So wirken die Anwendungen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* von &#039;&#039;Wurzeln&#039;&#039; unterstützend und heilend bei Erkrankungen der &#039;&#039;Kopf- und Nerven-Sinnesorganisation&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* Teeabkochungen und -zubereitungen aus &#039;&#039;Blättern&#039;&#039; bei Störungen der &#039;&#039;rhythmischen Funktionen&#039;&#039; (insbesondere von Herz und Lunge),&lt;br /&gt;
* Zubereitungen aus &#039;&#039;Früchten&#039;&#039; bei &#039;&#039;Stoffwechsel- und Verdauungsstörungen&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entsprechendes gilt für die Ernährung. Wer darauf achtet, dass der Anteil von Wurzeln, Blattgemüse, Früchten und Samen ausgewogen ist, sorgt für eine an den Bedürfnissen des ganzen Körpers orientierte Ernährung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim therapeutischen Einsatz von mineralischen, pflanzlichen und tierischen Substanzen gilt es, „die Weltaufgabe dieser Substanzen zu verstehen“. Steiner regte an zu erforschen, welche Aufgabe ein bestimmtes chemisches Element oder eine Stoffkombination wie Wasser, Salz, Asche, Gerbstoffe oder Pyrit im Haushalt der Natur innehat. Die Signatur dieser Aufgabe bzw. Tätigkeit sagt auch aus, welche Wirkung die betreffende Substanz im menschlichen Organismus entfalten kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Menschen als Mikrokosmos kennenzulernen im Kontext der großen Weltentwicklung mit ihren Prozessen und Stoffzusammenhängen – nach alter Tradition Makrokosmos genannt – ist der Schlüssel zum Verständnis der anthroposophischen Arzneitherapie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Artikel in der Deutschen Apothekerzeitung DAZ Nr. 39, 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Seiner und Ita Wegmann, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27, Dornach 1935.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== EIGENE ERFAHRUNGEN BEIM ARZTSTUDIUM ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was wirkt auf den Menschen konstruktiv bindend?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was unterstützt einen Menschen in seiner Entwicklung?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was bedeutet es eigentlich zu helfen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Womit helfe ich und was macht mich sicher, dass ich dabei nicht ein neues Problem schaffe?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fragen als Motivation fürs Medizinstudium&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ich komme ursprünglich aus der Pädagogik und habe gemerkt, wie stark mein Einfluss als Erzieher auf das Kind ist, wie stark das Vorbild wirkt, weil die Schüler alles sehr umweltoffen nachahmen, auch noch in der Oberstufe. Der Einfluss reicht bis ins Gesundheitliche hinein. Ich erlebte daran, welch riesige Verantwortung man hat durch die Art, wie man als Mensch auf andere wirkt. Ich habe mich zum Medizinstudium entschlossen, weil ich herausfinden wollte, wie es zu dieser Wirkung kommt. In dem Zusammenhang bewegten mich die oben genannten Fragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angespornt von der Begeisterung die Antworten zu finden, begann ich mein Studium. Ich war damals 25 Jahre alt, eine Spätberufene also, und hatte das Glück, die Anthroposophie parallel zum Studium studieren zu können. Ich habe sozusagen als angehende Anthroposophin Medizin studiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich fühle mich sicher und gewiss, wenn es mir gelingt, ein anatomisches Substrat, ein Ergebnis, z.B. Phasen der Embryonalentwicklung, wirklich zu verstehen: etwas denken zu können und das, was ich denke, in dem, was ich sehe, als evident wiederzuerkennen; mein Denken und meine Wahrnehmung als kongruent zu erleben; wenn das, was ich denke, auch passiert oder ich es sehe. Dazu gehört auch, das, was ich sehe, zu verstehen, dass es mir nicht ein dunkles Rätsel bleibt; ein Evidenzerlebnis zu haben. Ich hatte durch die Anthroposophie die Möglichkeit, die Medizin sensibel zu hinterfragen und mir Evidenzerlebnisse zu erarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vieles lernt man, ohne es zu verstehen. Man hat etwas festgestellt und soll es anschließend wissen. Bei uns stand über allen Examensfragen: &#039;&#039;„Der Student soll wissen, dass…“&#039;&#039; und dann kamen die Multiple-Choice-Angebote, aus denen man das Richtige heraussuchen musste. Es ist nervtötend, wenn nur Wissen abgefragt wird und kein Verständnis. Nur in den mündlichen Prüfungen ging es manchmal um echtes Verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Stoffwechsel und Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In den ersten vier Vorträgen im &#039;&#039;„Landwirtschaftlichen Kurs“[1]&#039;&#039; spricht Steiner über die spirituelle Bedeutung von Phosphor, Schwefel, Stickstoff, Sauerstoff und Wasserstoff. Die ganze Eiweißchemie bzw. Biochemie unseres Körpers beruht auf diesen Elementen. So konnte ich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;&#039; mit dem &#039;&#039;Phosphor&#039;&#039; in Zusammenhang bringen,&lt;br /&gt;
* den &#039;&#039;&#039;Astralleib&#039;&#039;&#039; mit dem &#039;&#039;Stickstoff&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* den &#039;&#039;Sauerstoff&#039;&#039; mit dem Leben, dem &#039;&#039;&#039;Ätherischen&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* den &#039;&#039;Schwefel&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;zwischen dem physischen Leib und dem Ätherleib wirksam&#039;&#039;&#039; sehen – denn „er macht den physischen Leib geneigt, die Wirkungen des Ätherischen aufzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht hier um die Erkenntnis, wie die vier Wesensglieder im Stoffwechsel aktiv sind, wobei diese vier Hauptelemente wie Tore sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wasserstoff hat eine Sonderposition. Er gehört wesentlich zum Wärmeorganismus und ist sogar &#039;&#039;das&#039;&#039; Zentralelement des Wärmeorganismus. Er ist das leichteste Element, das von sich aus zur Sonne geht, der Gravitation nicht unterliegt, weil es zu leicht ist. Wenn es nicht regnen würde, würde der Wasserstoff die Erde verlassen und sich in der Sonne sammeln. Aber durch Regen, Blitze und Donner, diese enormen energetischen Entladungen, kommt es zur Knallgasverbindung, durch die der Wasserstoff wieder an den Sauerstoff gebunden wird und so wieder auf die Erde kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wissen als etwas Vorläufiges begreifen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ich habe mir in dem Zusammenhang nie die Frage gestellt, ob etwas richtig oder falsch ist, sondern ob es mir zugänglich ist oder nicht. Wenn ich etwas verstanden hatte, war es für mich gewiss.[2] Wenn anschließend jemand erklärte, dass dies nur ein Vorgipfel wäre und die wahre Wirklichkeit noch tiefer läge, noch etwas komplizierter sei, war ich auch dafür offen. Das vorherige Endergebnis gilt dann eben als vorläufig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und man muss auch nicht von Anfang an alles wissen. Ich habe manchen Patienten damit glücklich gemacht, dass ich sagte: &#039;&#039;„Wir beginnen erst einmal mit diesem Therapieansatz – ich werde mich aber noch mit Kollegen beraten, was in Ihrem Fall das Beste ist.“&#039;&#039; Wirkliches Wissen hat Prozesscharakter und kongruiert mit der wachsenden Lebenserfahrung, die durch die Menschen, mit denen wir zusammenleben und -arbeiten, bereichert wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur AM, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft (Landwirtschaftlicher Kurs), Acht Vorträge&#039;&#039;, Koberwitz bei Breslau, 07.06 – 16.06.1924.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Dazu siehe auch: Glöckler, Michaela: &#039;&#039;Einblicke in die anthroposophisch-medizinische Forschung und die Arbeit der Medizinischen Sektion&#039;&#039;. In: Christiane Haid, Constanza Kaliks, Seija Zimmermann (Hg.): &#039;&#039;Goetheanum - Freie Hochschule für Geisteswissenschaft. Geschichte und Forschung der Sektionen.&#039;&#039; Verlag am Goetheanum, Dornach 2017: Rudolf Steiner betonte wiederholt, dass es sich bei seinen Schilderungen und Sichtweisen um ein Wissen handle, das von ihm selbst erarbeitet wurde und als Wissen oder Erkenntnis und nicht als Glaubensinhalt vorgebracht werde. Daher möge man das von ihm Dargestellte als anregende Idee, als Arbeitshypothese nehmen und selbst prüfen, ob es der eigenen Lebenserfahrung und Erkenntnissuche standhalten und dem Leben dienen könne. Auch hoffte er, dass der akademisch geschulte Leser seiner Schriften die Anstrengung unternehmen würde, seine auf meditativen Wegen errungenen Einsichten mit Hilfe empirischer Forschungsmethoden nachzuweisen. Damit führte Steiner in den wissenschaftlichen Diskurs das Prinzip der internen bzw. inneren Evidenz ein: Was man - gestützt auf Erfahrung und Einsicht - als richtig erkannt hat, empfindet man als „innerlich evident“. Es bedarf dann aber auch noch der externen Evidenz, damit man anhand reproduzierbarer Fakten die Legitimität des als richtig Erkannten aufzeigen kann. Beide Evidenzen zusammen ergeben eine umfassende Erkenntnis von Mensch und Welt und die Möglichkeit, sich ein ganzheitliches Menschen- und Weltverständnis zu erarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE FÜNF FUNKTIONSBEREICHE IN DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Funktionsbereiche deckt die Anthroposophische Medizin ab?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Funktionsbereiche des Lebens&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Unser aller Leben spielt sich auf unterschiedlichen Ebenen ab, die ich hier Funktionsbereiche nennen möchte. Im Folgenden werde ich sie genauer beschreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Physischer Funktionsbereich: Leben im Raum ====&lt;br /&gt;
Alles Physische findet im Raum statt und gründet auf räumlich fassbare Strukturen. Der physische Leib des Menschen ist umso gesünder, je besser er an sein Milieu, die jeweilige Umwelt angepasst ist. Vieles an unserer Umwelt macht uns über Wasser, Ernährung und Luft krank, aber auch – wenn es passend wirkt – gesund. Physisch sind wir offene Systeme. Auch was wir über die Sinne aufnehmen, prägen wir uns ein, prägt uns. Alles Schöne wirkt aufbauend, alles Unschöne schwächt. Alles wirkt, egal ob wir sofort krank werden oder nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier ist die Domäne der Schulmedizin. Anthroposophische Ärzte sind zunächst alle auch Schulmediziner, das ist unsere Grundlage. Diagnostische Fragen zum Physischen lauten beispielsweise:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Sind Medikamente nötig, die am Ort des aktuellen Geschehens unmittelbar angreifen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ist eine Umgebungsveränderung vonnöten?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Muss in einem bestimmten Bereich Sinnesschulung nachgeholt bzw. verstärkt werden?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wären Achtsamkeitsübungen bzw. irgendetwas, das die physische Resonanz mit dem Umfeld verbessert, hilfreich?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ätherischer Funktionsbereich: Leben als Prozess ====&lt;br /&gt;
Auch im Ätherischen sind wir offene Systeme. Mit ätherischer Kraft bezeichnet man in der Anthroposophischen Medizin, was man in der orientalischen Tradition Chi oder Lebenskraft nennt. Das Ätherische umfasst alles Prozessuale, das eine Zeitstruktur und Rhythmus hat. Im aristotelischen Sinne befinden wir uns damit in der Kategorie der Zeit. Alles Ätherische ist prozessual, lebendig, zyklisch, miteinander zusammenhängend, voneinander abhängig. Selbst­­­regulation, Selbstheilungsprozesse, Regeneration, Wachstum, Gestaltung haben hier ihren Wirkort. Die anthroposophischen Arzneimittel, die alle prozessorientiert sind, setzen hier an. Viele werden auch mit homöopathischen Verfahren hergestellt. Alle Prozesse, die uns kränken und gesunden lassen, verlaufen im Zeitlichen. So können sich Verstöße gegen gesunde Lebensrhythmen, z.B. unregelmäßige Ernährung, negativ auswirken, sofern die Selbstregulation dies nicht kompensieren kann. Auch die Lebensgewohnheiten, die Art wie man seine Zeit strukturiert oder eben nicht strukturiert, – wie chaotisch oder geordnet man lebt – beeinflusst diesen Wirkbereich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn im Leben herrscht Ordnung, es ist ein geordneter Kosmos. Es wird durch die Sonne, die circadiane 24-Stunden-Rhythmik, durch den Wochenrhythmus und den lunaren Monatsrhythmus beeinflusst. Mit dieser „Bio-Kosmologie“ befasst sich die Rhythmusforschung. Die Sonne ist 150 Millionen Kilometer von uns entfernt. Wenn wir aber Sonnenbrand haben, haben wir ihn hier auf unserer Haut. Unser gesamter Knochenstoffwechsel hängt von der Sonne ab, auch die gesamte chlorophyllproduzierende Pflanzenwelt. Wir sind sonnengetragene Wesen, wir leben in diesem Sonnenraum. Es gibt kein Leben ohne Wasser und Sonne. Die Griechen nannten den durchsonnten blauen Himmel den Äther. Daher auch der Begriff „ätherische Organisation“ für diesen Funktionsbereich. Das Leben auf der Erde muss viel umfassender gedacht werden, als wir das gewöhnlich tun, wenn wir vom Leben sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diagnostische Fragen zum Ätherischen zielen daher auf die Lebensgewohnheiten ab: Ernährung, Schlaf, Work-Life-Balance, aber auch Rituale, Gewohnheiten, religiöse oder meditative Hilfsmittel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Astraler Funktionsbereich: seelisches Erleben in Beziehung zu sich und anderen ====&lt;br /&gt;
Hier geht es um das Gefühlsleben, um die unbewusste und bewusste Beziehungsgestaltung. Alles, was in einer Beziehung stattfindet, was im Gefühl und Bewusstsein lebt, geht über Raum und Zeit hinaus in die „Innerlichkeit“ und erhält durch die Erinnerbarkeit Dauer. Die Beziehung zu sich selbst und den Menschen und Dingen im Umfeld ist ein reicher Kosmos, ein komplexes Netzwerk, ist so etwas wie eine Sternenkonstellation. Das Wort „Aster“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet Stern. Mit diesem Begriff möchte Rudolf Steiner nicht nur an die seelischen Sternkonstellationen erinnern, denen wir angehören, sondern auch an die himmlische Heimat der Seele und deren Verwandtschaft mit der Sternenwelt, die auch in den astrologischen Traditionen zum Ausdruck kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beziehungen können sich wandeln, wir können unser Verhältnis zu ihnen ändern. Wenn sie kaputt gehen, tut es so weh, dass man früher oder später wieder daran arbeiten wird. Unter dem Gesichtspunkt der Reinkarnation gibt es noch einen weiteren Aspekt, der das Ringen um eine positive Entwicklung in unseren Beziehungen in seiner Bedeutsamkeit unterstreicht. Christian Morgenstern drückt dies in einem seiner Gedichte so aus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wir müssen immer wieder uns begegnen&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;und immer wieder durch einander leiden,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;bis eines Tages wir dies alles segnen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;An diesem Tage wird das Leiden weichen,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;das Leiden, welches Selbstsucht zeugte,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;das Leiden wenigstens, das Blindheit zeugte,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;das uns wie blinden Wald im Sturme beugte.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Dann werden wir in neues Ziel und Leben&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;wie Flüsse in ein Meer zusammenfließen,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;und kein Getrenntsein wird uns mehr verdrießen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Dann endlich wird das „... suchet nicht das Ihre“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wahrheit geworden sein in unsern Seelen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und wie an Kraft wird&#039;s uns an Glück nicht fehlen.[1]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diagnostische Fragen zu der astralen Wirkrichtung betreffen biographische Zusammenhänge und damit verbundene Krankheitsursachen. Oft können Biographiearbeit, künstlerische Therapien, Bewegungstherapien und Körperarbeit helfen, das Bewusstsein für sich selbst und die Menschen im eigenen Schicksalsfeld zu harmonisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Funktionsbereich der Ich-Organisation: als Individuum leben ====&lt;br /&gt;
Hier haben wir es mit dem Bereich zu tun, den Goethe „die Dauer im Wechsel“ nannte. Die Ich-Organisation ist gegenüber dem ewigen Wesen des Menschen, seinem spirituellen Kern, offen. Sie umfasst alle Gesetzmäßigkeiten, die mich vor mir selbst und vor anderen persönlich legitimieren, die nur die eigene Individualität betreffen, für die ich mir selbst die Arbeitsrichtung vorgeben kann. Von der eigenen Ich-Verfassung, vom Selbstwert-Gefühl und der Art der Identitätsbildung hängt es ab, wie lange man z.B. negative Gefühle zulässt oder wieviel Stresstoleranz man besitzt. Wer sein Leben, sein Schicksal, mit allen Hoch- und Tiefpunkten, als seinen persönlichen Entwicklungsweg sehen kann, findet in jeder Lebenslage Motive für das, was gerade hier und jetzt gelernt oder getan werden könnte und kann innere Ruhe und die Übereinstimmung mit sich bewahren. Die Resilienzforschung hat viele wertvolle Beweise dafür geliefert, in welch hohem Maße die Art des Umgangs mit sich selbst und der gewählte Lebensstil den Gesundheitszustand von Leib und Seele beeinflussen.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was muss geschehen, damit ein Mensch wieder zu einer positiven Identität und Lebenseinstellung findet, auch wenn seine Umstände traurig oder widrig sein mögen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Anregung für die innere Schulung, für sein Selbstmanagement, für seine Identität kann ich ihm vermitteln, damit er freudig und&#039;&#039; &#039;&#039;wahrhaft als Ich erleben kann?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fragen dieser Art bewegen den Arzt – aber auch Fragen der Prävention&#039;&#039;: Was kann in den Erziehungsjahren geleistet werden, nicht nur für eine gesunde körperliche Entwicklung, sondern auch für die seelische und insbesondere die geistige, Identität stiftende Entwicklung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Funktionsbereich der spirituellen Orientierung: Weltentwicklung bejahen ====&lt;br /&gt;
Hier treten wir aus unserem individuell Menschlichen völlig heraus. Der Kopf ist das Beziehungsorgan, das uns mit der ganzen Welt verbindet, ist unser offenes, rein zur unsichtbaren Welt der Gedanken, den Sinneseindrücken, Vorstellungen sowie dem Bewusstsein hin orientiertes Gebilde. Paracelsus[3] nannte diese Perspektive, die Art, wie wir mit den unsichtbaren Kräften des Denkens, Fühlens und Wollens umgehen, die Quinta Essentia. Die vier anderen „Essenzen“ haben mit den Aggregatzuständen fest, flüssig, gasförmig und Wärme zu tun, die alle noch physisch fassbar sind. Die Quinta Essentia jedoch ist rein spirituell, rein geistig. Sie wird uns zunehmend bewusst durch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* seelisch-geistige Verwandlungsprozesse dank meditativer Schulung,&lt;br /&gt;
* Verfeinerung der Gedanken,&lt;br /&gt;
* Gefühls- und Willenskultur der Achtsamkeit.&lt;br /&gt;
* Die Tugenden und verbindlichen Lebenswerte gehören ebenso in diesen Bereich, &lt;br /&gt;
* aber auch wie ich meine Beziehungen ordne, wie ich meine Identität erlebe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn wie ich mein äußeres und mein biografisch-zeitliches Leben veranlage, hängt letztlich davon ab, wie ich über mich und andere, über die Welt und Gott denke. Eine echte spirituelle Orientierung ist die stärkste salutogenetische Perspektive. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Erlösende menschheitliche Perspektive&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Meine Erfahrung ist, dass es heute immer mehr Menschen gibt, die von einer basalen Trauer und Sorge erfüllt sind in Bezug auf das Weltgeschehen und die Menschheitsentwicklung. Sie sind nicht krank oder deprimiert durch eine schlechte Lebensweise oder Drogen, auch nicht aufgrund negativer Beziehungen. Sie erleben sich vielmehr dadurch beeinträchtigt, dass sie den Eindruck haben, es geht mit der Menschheits- und Erdenentwicklung nicht gut voran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um dem konstruktiv begegnen zu können, braucht es eine große, umfassende, menschheitliche Perspektive, die aufzeigt, dass die Menschheit zwar heute eine besondere Krise durchmacht, verursacht durch den Zerfall von Werten und eine enge materialistisch-ökonomische Weltsicht. Es gilt jedoch zu verstehen, dass nur der Durchgang durch eine Periode des Verlustes spiritueller Perspektiven und humaner Entwicklungsbedingungen das Individuum aus allen kollektiven – auch der religiösen – Bindungen zu befreien vermag, damit es auf dieser Basis neu und selbstständig sein Verhältnis zum weiteren Verlauf der Geschichte zu bestimmen in der Lage ist. Nur ein echtes Verständnis dieser Entwicklungszusammenhänge kann dem sonst unweigerlich eintretenden Kulturpessimismus vorbeugen bzw. kann ihn heilen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anthroposophische Arzt wird seinen Patienten anamnestisch mit Bezug auf diese fünf Funktionsbereiche hin anschauen und womöglich befragen. Am Ende muss er intuitiv entscheiden, wie er den besten Zugang zu dem betreffenden Patienten finden kann, um den notwendigen Gesundungsprozess anzuregen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Mehr hierzu in: Was ist Anthroposophische Medizin? Verlag am Goetheanum, 2017&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Christian Morgenstern, &#039;&#039;Stuttg. Ausgabe, Band 2 Lyrik 1906 – 1914&#039;&#039;, Urachhaus Verlag, Stuttgart 1992, S. 217.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Siehe z.B. Fröhlich-Gildhoff, Klaus / Rönnau-Böse, Maike: &#039;&#039;Resilienz&#039;&#039;. Ernst Reinhardt Verlag, München 2015.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Philippus Theophrastus Aureolus Bombastus von Hohenheim, getauft als Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, (* vermutlich 1493 in Egg, Kanton Schwyz; † 24. September 1541 in Salzburg) war ein Arzt, Alchemist, Astrologe, Mystiker, Laientheologe und Philosoph. Paracelsus hinterließ zahlreiche deutschsprachige Aufzeichnungen und Bücher medizinischen, astrologischen, philosophischen und theologischen Inhalts, die größtenteils erst nach seinem Tod gedruckt wurden (wikipedia).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE WESENSGLIEDER UND IHRE DIAGNOSTIK ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was versteht die Anthroposophische Medizin unter Wesensgliedern?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie lassen sie sich beschreiben?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wesensglieder als Zusammenhänge von Gesetzmäßigkeiten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das Wissen von Körper, Leben, Seele und Geist ist so alt wie die Menschheit. Rudolf Steiners Beitrag besteht jedoch darin, eine neue Zugangsweise zu diesen vier Erfahrungsfeldern aufgezeigt zu haben. Er verwendete für die von ihm in Medizin und Pädagogik eingeführte Terminologie die Worte „Leib“ bzw. „Organisation“.[1] Diese Termini machen nicht nur den Zusammenhang zwischen den Reichen der Natur und den Aggregatzuständen der Materie deutlich, sondern stehen auch für die differenzierte Ganzheit des Menschenwesens nach Geist (Ich-Organisation), Seele (astralische Organisation), Leben (ätherische Organisation) und Körper (physische Organisation). Sie zeigen die komplexen Zusammenhänge von Gesetzmäßigkeiten, durch die sich der Mensch erkennen, erleben, ausdrücken und betätigen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Anthroposophischen Medizin wird also nicht nur die naturwissenschaftliche Beschreibung von Aufbau und Funktion des menschlichen Körpers berücksichtigt, sondern auch die Wirkung der sogenannten Wesensglieder auf den Körper, die von der zugehörigen Gesetzmäßigkeit bestimmt werden und so in das Körpergeschehen eingreifen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Diagnostik der Wesensglieder ermöglicht ein differenziertes Erfassen des Inkarnationszustands des Menschen in Gesundheit und Krankheit, woraus sich der jeweils passende therapeutische Ansatz ableiten lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Physischer Leib – fest ====&lt;br /&gt;
Der physische Leib wird von Stoffen und Kräften im festen Aggregatzustand aufgebaut – sie machen die sinnlich beobachtbare Beschaffenheit des Körpers im Raum aus (griechisch &#039;&#039;physis&#039;&#039; = Körperbildung, Gestalt). Der ganzheitlich-systemische Begriff des Physischen umfasst den gesamten Bereich des Mineralisch-Anorganischen: Dazu gehören die Gesetze der Gravitation, der Mechanik, aber auch die Zerfalls- und Sterbeprozesse von Strukturen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was erkannt werden kann, wenn man dem menschlichen Organismus Stoffe, Gewebe und Partikel entnimmt und analysiert, gehört in das Gebiet des Physischen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ätherleib - flüssig ====&lt;br /&gt;
Der &#039;&#039;Ätherleib&#039;&#039; umfasst die Gesamtheit der Lebensprozesse. Diese sind an den flüssigen Aggregatzustand gebunden und liegen allen Vorgängen zugrunde, die chemische und physikalische Prozesse zu biochemischen und physiologischen Prozessen steigern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wort „Äther“ kommt aus dem Griechischen und heißt Himmel. Damit schließt das Ätherische auch den durchsonnten, blauen Himmelsraum ein, ohne den Leben auf der Erde nicht möglich wäre. Insbesondere die Pflanzenwelt wird davon bestimmt: Das zeigt sich z.B. in der sonnenvermittelten Fotosynthese, die Grundlage der Lebenstätigkeit aller Pflanzen ist. Doch auch ihre Biorhythmen haben ihre Zeitgeber in der Solar- und Lunarperiodik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Astralleib – gasförmig, luftig ====&lt;br /&gt;
Die Kräfte und Gesetzmäßigkeiten, die Bewegung, Bewusstsein und seelischen Ausdruck ermöglichen, bezeichnete Steiner mit &#039;&#039;Astralleib&#039;&#039;, lateinisch „aster“ (Stern). Das Weltall mit seinen Sternkonstellationen ist ein Bild davon: Jeder Planet, jeder Fixstern ist anders als der andere und doch stehen alle in konkreten, sich stets wandelnden Beziehungen zueinander, Konstellationen genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Physiologisch gesehen sind die Bewegungs-, Sprach- und Gefühlsäußerungen an das Vorhandensein von Luft gebunden. Der Astralleib kann nur über den Gaszustand der Materie in das Körpergeschehen eingreifen und ist auch im Hinblick auf seine Wirkungsweise von den Gesetzen bestimmt, die dem Gaszustand eigen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ich-Organisation - Wärme ====&lt;br /&gt;
Für den Gesetzeszusammenhang, der es der selbstbewussten Persönlichkeit erlaubt, sich zu erleben und auszudrücken, wählte Steiner den Begriff &#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;. Diese ist an die Gesetze der Thermodynamik, der Wärme, gebunden. Jeder Mensch erlebt sein Ich und die Persönlichkeitsäußerungen des Anderen in Form von jeweils zum Ausdruck kommenden Wärmedifferenzen bzw. als Wärme- und Kälteausstrahlung. Die kritische Temperatur des jeweiligen Elementes entscheidet, in welchem spezifischen Aggregatzustand die Materie erscheint. Das dem gesunden Körperleben des Menschen zugrundeliegende Wärmeoptimum liegt bei 37°. Es wird durch eine komplizierte Temperaturregulation im Rahmen definierter tages- und jahresrhythmischer Schwankungen konstant gehalten. Auch hängt es jeweils vom geistigen Wärmezustand (Begeisterung) ab, ob und wofür ein Mensch seine Kraft im Leben einsetzt und wie er seine Persönlichkeit zentriert und beherrscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Berechtigte Annahme komplexer Ordnungsprinzipien&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Mit der systemischen Begrifflichkeit der Wesensglieder ist einerseits die Brücke geschlagen zur aristotelischen Elementenlehre, die die Aggregatzustände konsequent mit den Naturreichen (Mineral, Pflanze, Tier, Mensch) verbindet. Andererseits kann dadurch auch ein konkreter Bezug hergestellt werden zur heutigen Faktenfülle naturwissenschaftlicher Forschungen als Grundlage für ein ganzheitliches Bild des Menschen, der sich in Körper, Seele und Geist gliedert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiners Vorgehensweise, übergeordnete Begriffe zu bilden, wird untermauert von Annahmen aus der Systemforschung, die längst von höheren, vernetzten Formgebern und Prozessgestaltern ausgeht, die sie entweder entdeckt oder hypothetisch angenommen hat: Man verwendet den Begriff „Feld“[2] oder spricht von „intraorganischen Ordnungsmustern“ aus der mathematisch-geometrischen Symmetrie und Asymmetrie, die sich nicht mithilfe der darwinistischen Paradigmen von Selektion, Mutation und Anpassung erklären lassen.[3] Auch die Frage nach der Symmetrie als einem universalen Kausalprinzip gehört hierher. All diese Überlegungen und Forschungen besagen, dass es letztlich Gedanken, Gesetze, übergreifende Gesetzeszusammenhänge sind, die sich in den Ordnungen und Wandlungen der Evolution abbilden bzw. diese vorantreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant sind in diesem Zusammenhang auch die derzeit oft gebrauchten Begriffe der Autoregulation, Selbstregulation oder Selbstheilung. Die Wesensgliederdiagnostik kann diese Begriffe mit einem differenzierten Inhalt füllen und dieses Selbst (griechisch: autos) in seinen körperlichen, seelischen und geistigen Ausdrucks- und Funktionsweisen beschreiben.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen.&#039;&#039; GA 37, Rudolf Steiner Verlag, Dornach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rupert Sheldrake, &#039;&#039;The presence of the past. Morphic resonance and the habits of nature.&#039;&#039;  Hammersmith, UK 1988.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Antonio Lima-de-Faria, &#039;&#039;Evolution without Selection. Form and Function by Autoevolution.&#039;&#039; New York 1988.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Werner Hahn/ Peter Weibel (Hrsg.), &#039;&#039;Evolutionäre Symmetrietheorie. Selbstorganisation und dynamische Systeme.&#039;&#039; Stuttgart 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== PARAMETER DER WESENSGLIEDER-DIAGNOSTIK ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen Parametern folgt die Wesensglieder-Diagnostik?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wesensglieder als Gesetzeszusammenhänge des Menschseins&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der phänomenologischen Philosophie und Psychologie ist man gewohnt, den Körper „Leib“ zu nennen. Man meint damit das individuell Geformte bzw. das „Gefäß&amp;quot;, das von allen Funktionen und Seelenerlebnissen ein Aus- und Abdruck ist. Rudolf Steiner verwendet als Bezeichnung für die Wesensglieder je nach Kontext die Ausdrücke „Leib“, „Organisation“ und „Organismus“ oder „Gesetzeszusammenhang“. In der Diagnostik wird der körperliche Ausdruck der Wesensglieder im Einzelnen beschrieben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Physischer Leib ====&lt;br /&gt;
Zu den Beurteilungsgrößen des physischen Leibes gehören neben Körpergröße und Körpergewicht die chemische Analyse (Labordiagnostik) sowie die Ausformung der einzelnen Organe, der konstitutionelle Habitus, und inwiefern dieser durchlässig ist für die Vorgänge des Lebens, der Seele und des Geistes – d.h. für den „Inkarnationszustand&amp;quot; des betreffenden Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ätherleib ====&lt;br /&gt;
Zur Diagnostik des ätherischen Organismus gehört neben dem Erfassen der aktuellen Gesamtvitalität und der Vitalität der einzelnen Organe auch die Beurteilung von Wachstum, Entwicklung und Regenerationsfähigkeit sowie des Säure-Basen-Verhältnisses, des Wasser- und Elektrolythaushaltes und des Zusammenspiels der Biorhythmen, aber auch die Erfassung der Art der Gedankenführung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Astralleib ====&lt;br /&gt;
Die Wirkungsweise des Astralleibes wird einerseits am Bewegungsspiel der Muskulatur und ihres Tonus abgelesen, andererseits aus der Art des Sprechens und der Atemführung sowie des Instinkt-Begierde-Verhaltens erschlossen. Empfindungsleben, „Sensibilität&amp;quot; und das Spektrum der Gefühlsäußerungen geben Aufschluss über seinen aktuellen Zustand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Stärke oder Schwäche der Ich-Organisation können am Zusammenspiel aller Funktionen und Wesensgliedertätigkeiten abgelesen werden. Jede Form von Integrations- und Kontrollverlust zeigt eine Schwächung oder Störungen im Bereich dieses Wesensgliedes an. An dieser Stelle ist es wichtig zu bemerken, dass die Ich-Organisation zwar dem geistigen Wesen Mensch, d.h. seinem Ich, die körperliche – und damit vergängliche –Möglichkeit zur Inkarnation bietet, mit dieser jedoch nicht identisch ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Faktenfülle durch Wesensgliederdiagnostik&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Des Öfteren wird gefragt, warum die Wesensglieder-Diagnostik nötig ist, welche zusätzlichen Informationen sie über das hinaus bieten kann, was eine sorgfältige und umfassende klinische Diagnostik ohnehin leistet. Dazu ist zu sagen, dass das sehr umfassende Studium des jeweiligen Wesensgliedes und der damit zusammenhängenden Gesetzmäßigkeit zusätzliche Informationen liefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die in der Tabelle unten angeführten Parameter implizieren eine große Faktenfülle und eröffnen durch ihre Zusammenschau neue Einsichtsmöglichkeiten in die menschliche Natur, vor allem auf den direkten Zusammenhang der seelisch-geistigen Funktionen mit den physiologisch-anatomischen Strukturen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;Wesensglied&#039;&#039;&#039; und  Naturgesetzlichkeit&lt;br /&gt;
|Selbsterleben und &lt;br /&gt;
kreative Handhabbarkeit&lt;br /&gt;
|Morphologie &lt;br /&gt;
Physiologie&lt;br /&gt;
|Physische Symptomatik&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;&#039;Wärmeorganismus&lt;br /&gt;
Thermodynamischer&lt;br /&gt;
Gesetzeszusammenhang&lt;br /&gt;
|Selbstbewusste &lt;br /&gt;
Gedankentätigkeit,&lt;br /&gt;
Intentionalität,&lt;br /&gt;
Initiative,&lt;br /&gt;
Dicht- und Sprachkunst&lt;br /&gt;
|Integrationsprozesse Gesamtgestalt&lt;br /&gt;
|Individuelle Wärmeverteilung „Ausstrahlung&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;Astralleib&#039;&#039;&#039;Luftorganismus&lt;br /&gt;
Aerodynamischer&lt;br /&gt;
Gesetzeszusammenhang&lt;br /&gt;
|Bewusstsein, Gefühl, Impulsivität, Bewegung&lt;br /&gt;
Musik und Gesang&lt;br /&gt;
|Atmung&lt;br /&gt;
Katabole Stoffwechselvorgänge&lt;br /&gt;
Heterostase&lt;br /&gt;
Differenzierung&lt;br /&gt;
Proportionen&lt;br /&gt;
|Muskeltonus&lt;br /&gt;
(Anspannung und Lösung)&lt;br /&gt;
Lufthaushalt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;Ätherleib&#039;&#039;&#039;Wasserorganismus &lt;br /&gt;
Hydrodynamischer&lt;br /&gt;
Gesetzeszusammenhang&lt;br /&gt;
|Auftrieb&lt;br /&gt;
Schwerelosigkeit Zeitprozesse&lt;br /&gt;
plastisches Gestalten&lt;br /&gt;
|Anabole Stoffwechselvorgänge&lt;br /&gt;
Synthese&lt;br /&gt;
Homöostase&lt;br /&gt;
Proliferation&lt;br /&gt;
|Turgor&lt;br /&gt;
Wasserhaushalt&lt;br /&gt;
Inkarnat&lt;br /&gt;
Hautdurchblutung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;Physischer Leib&#039;&#039;&#039;Feste Organisation&lt;br /&gt;
Gravitation&lt;br /&gt;
Gesetzeszusammenhänge der Festkörperphysik und Mechanik&lt;br /&gt;
|Egoität&lt;br /&gt;
Schwerpunkt erleben architektonisches Gestalten&lt;br /&gt;
|Ablagerungsprozesse&lt;br /&gt;
Strukturierungsprozesse&lt;br /&gt;
Form-Zusammenhalt&lt;br /&gt;
|Dichte&lt;br /&gt;
Gewicht&lt;br /&gt;
Laborparameter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tab. 1.1 Diagnostische Parameter im Funktionsbereich der Wesensglieder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FORSCHUNG UND WEITERENTWICKLUNG IN DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;In welche Richtungen wird in der Anthroposophischen Medizin geforscht?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Möglichkeiten der Evaluation gibt es?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Forschung und Evaluation&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aufgrund ihres natur- und geisteswissenschaftlichen Menschenbildes hat die anthroposophisch-medizinische Forschung zwei Arbeitsrichtungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Eine, die sich den derzeit vorgegebenen akademischen Standards anpasst und Unbedenklichkeit und &#039;&#039;&#039;Wirksamkeit anthroposophischer Arzneimittel&#039;&#039;&#039; untersucht. &lt;br /&gt;
# Und eine andere, die nach den &#039;&#039;&#039;geistigen Ursachen von Krankheit&#039;&#039;&#039; und den &#039;&#039;&#039;heilenden Möglichkeiten der Natur&#039;&#039;&#039; mit ihren Substanzen und Prozessen fragt. &lt;br /&gt;
# Zu jeder seriösen Forschung gehören auch effektive &#039;&#039;&#039;Möglichkeiten der Evaluation&#039;&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophische Medizin ist nicht nur historisch jung, sondern auch in ständiger Weiterentwicklung begriffen. Ihre weltweiten Arbeitszusammenhänge in Forschung, Ausbildung und Praxis werden in der Medizinischen Sektion am Goetheanum in der Schweiz koordiniert.[1] Dort findet sich auch eine Übersicht über die aktuelle Literatur, die Forschungsinstitute und Kliniken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ad 1. Studiendesigns für anthroposophische Arzneimittel ====&lt;br /&gt;
Gegenwärtig wird an Studiendesigns gearbeitet, die der Herkunft, Herstellung und Anwendung anthroposophischer Arzneimittel gerecht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Freiburger Arzt und Wissenschaftler &#039;&#039;Helmut Kiene&#039;&#039; ist die im Juli 2000 erschienene komplementäre Methodenlehre der klinischen Forschung zu verdanken, in der er eine Cognition-based Medicine der Evidence-based Medicine gegenüberstellt.[2] Diese Methodenlehre erstreckt sich auf folgende Evidenzbereiche:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wirksamkeitsnachweis&lt;br /&gt;
* Effektivitätsbeurteilung&lt;br /&gt;
* Therapievergleich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im „Freiburger Institut für angewandte Erkenntnistheorie und medizinische Methodologie“ wird derzeit an den praktischen Konsequenzen für ein neues Studiendesign gearbeitet, das sich auf hohem akademischem Niveau auf die individuelle Einzelfallanalyse stützt. Der Arbeit des Instituts entstammt auch die im Jahre 2003 erschienene umfassende Monographie zur Mistel in der Onkologie.[3] Mit diesem Buch liegt erstmals ein Werk vor, das den Stand der Forschung in Bezug auf die Misteltherapie bei onkologischen Erkrankungen für Mediziner, Wissenschaft­ler und Allgemeininteressierte verfügbar macht. Es leistet damit einen Beitrag zur wissenschaftlichen Diskussion wichtiger medizinischer Grundsatzthemen, aber auch zum Dialog der Denkstile. Es ist ein Beispiel einer gelungenen Synthese von naturwissenschaftlichem und geisteswissenschaftlichem Ansatz auf der Höhe der derzeit gültigen akademischen Standards.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ad 2. Grundlagenforschung zu Krankheit und Heilung ====&lt;br /&gt;
Die Grundlagenforschung befasst sich mit der Erarbeitung von Korrespondenzen zwischen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;&#039;Wesensgliedertätigkeit&#039;&#039;&#039; im Menschen,&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;&#039;Krankheitssymptomatik&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* bestimmten &#039;&#039;&#039;Prozessen in der Natur&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* und der &#039;&#039;&#039;Wirkung von Substanzen&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht darum, Naturprozesse aufzufinden und zu beschreiben, die für den jeweiligen Krankheitsfall die Selbstheilung anregen, einseitigen Funktionen entgegenwirken oder zu schwache Funktionen unterstützen können. Je genauer das therapeutische Ziel aufgrund der Erforschung des evolutiven Zusammenhanges von Mensch und Natur festgelegt werden kann, umso sicherer tritt in der Regel auch die erwünschte Wirkung beim Patienten ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Arzneimittelschatz der heute verfügbaren Anthroposophika entstammt der Zusammenarbeit von Ärzten, Pharmazeuten und Herstellern. Seit vielen Jahren fassen Anthroposophische Ärztinnen und Ärzte ihre Erfahrungen und Erkenntnisse zum Einsatz der Anthroposophischen Arzneimittel in einem Vademecum zusammen, das Fachkreisen zugänglich ist und ständig erweitert wird. Ideen zur Heilmittelfindung entstehen jeweils anhand konkreter Fragestellungen zum Patienten bzw. zu seiner Krankheitssituation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Ausgangsstoffe für die Arzneimittelherstellung mit Bezug auf Sicherheit und Unbedenklichkeit in der Regel schon bekannt sind, ist präklinische Forschung im Sinne von In-vitro- oder Tierversuchen nicht nötig. Wenn neue, noch nicht monographierte Naturstoffe Verwendung finden, unterliegen sie selbstverständlich dem allgemein üblichen Prozedere zur Feststellung von Wirksamkeit und Unbedenklichkeit der entsprechenden Substanz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von einem anthroposophischen Arzneimittel wird erwartet, dass es körperliche oder seelische Beschwerden mildern oder verschwinden lassen bzw. eine Krankheit verzögern, heilen oder womöglich auch verhindern kann. Da sich diese Art der Heilmittelfindung und -anwendung in der Regel am individuellen Patienten orientiert, sind Forschungs- und Evaluationsmethoden erforderlich, die diesem Umstand Rechnung tragen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ad 3. Projekte zur Evaluation der Anthroposophischen Medizin ====&lt;br /&gt;
Im Berliner Forschungsinstitut am Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe wurde mit einem Projekt zur Evaluation Anthroposophischer Medizin begonnen – dem EvaMed-Projekt. Ziel ist die Schaffung einer wissenschaftlich fundierten Datenbasis als Grundlage für den Nachweis zur Unbedenklichkeit und Wirksamkeit von Anthroposophika. Mittels informationstechnologisch gestützter Netzwerke wird Outcome- und Versorgungsforschung innerhalb der Anthroposophischen Medizin betrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der medizinischen Fakultät der Universität Witten-Herdecke wurde 2003 der Stiftungslehrstuhl für Medizintheorie und Komplementärmedizin unter &#039;&#039;Prof. Dr. Peter Matthiessen&#039;&#039; eingerichtet, zu dessen Aufgaben neben Forschung und Lehre auch die Implementierung eines Begleitstudienganges für Anthroposophische Medizin gehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Bern/Schweiz wurde bereits 1994 die „Kollegiale Instanz für Komplementärmedizin“ (KIKOM) eingerichtet und der Schweizer Arzt &#039;&#039;Dr. med. Peter Heusser&#039;&#039; mit der Dozentur für Anthroposophische Medizin beauftragt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Siehe unter: www.medsektion-goetheanum.org&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Helmut Kiene, &#039;&#039;Komplementäre Methodenlehre der klinischen Forschung: Cognition-based Medicine,&#039;&#039; Heidelberg – Berlin 2001.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Gunver S. Kienle/ Helmut Kiene, &#039;&#039;Mistel in der Onkologie: Fakten und konzeptionelle Grundlagen&#039;&#039;, Schattauer 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== AKTUALITÄT DER FORSCHUNGEN RUDOLF STEINERS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche von Rudolf Steiner vorausgesehenen Entwicklungen in der Medizin sind inzwischen Stand der Wissenschaft?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Von Steiner vorausgesehene medizinische Entwicklungen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Bezug auf die Medizin kann man feststellen, dass viele Aussagen in Bezug auf zukünftige medizinische Entwicklungen und Ergebnisse, die Rudolf Steiner vorausgesehen hat, mit denen er ganz selbstverständlich umging, wenn er über Medizin sprach, heute zum Allgemeingut der Wissenschaft gehören. Ich möchte im Folgenden zu jeder Ebene der menschlichen Konstitution Beispiele nennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Erbgut und Immunsystem – physische Ebene ====&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner sprach vor Heilpädagogen, Lehrern, Ärzten davon, dass das sich inkarnierende Kind selbst mit der Auswahl von Vater und Mutter und dem damit verbundenen Erbgut zu tun hat, und dass die sich inkarnierende Individualität selbst daran beteiligt ist, das Erbgut möglichst so zu mischen, wie es zu ihrem Inkarnationswillen passt. Er sagte auch, dass die sogenannten Kinderkrankheiten und fieberhaften Infekte, die während der ersten 8 – 9 Lebensjahre normalerweise gehäuft auftreten, der Individualität die Möglichkeit geben, den ererbten Leib sukzessive umzugestalten und an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genau diese Zusammenhänge wurden in den letzten Jahren im Rahmen der Epigenetik erforscht. Kein wissenschaftlich gebildeter Mensch glaubt mehr, dass das Erbgut ein geschlossenes System ist, das eine Marschroute vorgibt. Das Erbgut ist ein offenes System, das durch individuelle spirituelle Arbeit beeinflusst werden kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das führt heute zu völlig neuen Forschungsfragen auf dem Gebiet der &#039;&#039;„Mind-Body-Medicine“&#039;&#039;. Man erforscht dort die Wirkung von Medikation auf die neuronalen Verschaltungen, auf den Kreislauf usw. und merkt, dass die Medikation auch immunstimulierend wirkt, bzw. dass das Immunsystem dadurch verändert wird. Das Immunsystem wiederum ist das Schlüsselsystem, welches das Erbgut aktiviert und dafür sorgt, dass bestimmte Gene blockiert werden und nicht mehr funktionieren bzw. neue gezündet werden und anfangen zu funktionieren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir brauchen beide Ansätze, wenn wir eine wirklich humane menschliche Medizin schaffen wollen: Die Naturwissenschaft allein reicht nicht. Erst ergänzt um Erkenntnisse aus der Geisteswissenschaft wird Medizin wirklich menschengerecht. Denn es dauert viel zu lange, wenn erst jahrelang Nachweise von der Schädlichkeit einer Maßnahme erbracht werden müssen, bevor diese verboten wird, wie es der naturwissenschaftlichen Methodik entspricht. Dann kommt das Gute immer zu spät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Rudolf Steiners Forschungsmethode der Verifizierung&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Die Geisteswissenschaft macht methodisch das Umgekehrte. Sie macht aufgrund tiefer gehender Einblicke und Kenntnisse der menschlichen Konstitution Angaben über zu erwartende Ergebnisse einer Maßnahme. Man ist als Arzt und Therapeut immer frei, sich für das, was man für das Richtige hält, zu entscheiden. Das bedeutet, dass man für gut und richtig erkannte Maßnahmen und Methoden anwendet, auf diesem Wege verifiziert und anschließend dokumentiert, wie der Gedanke zum Tun und letztlich zu einem guten Ergebnis führte, wobei auftauchende Probleme reflektiert werden. Man erklärt z.B. genau, warum man eine Hypothese etwas modifizierte, um das gewünschte gute Ergebnis zu erzielen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das war die von Rudolf Steiner praktizierte Forschungsmethode: Aus profunder Menschenkenntnis und physiologischem Verständnis heraus eine Hypothese zu bilden und anschließend in der Praxis zu verifizieren, ob der hypothetisch angenommene Erfolg tatsächlich eintritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diesem Wege wurde in der anthroposophischen Medizin ein System für individuelle Einzelfalldokumentation auf hohem akademischem Niveau erarbeitet.[1] Es ist extrem viel Arbeit, diese Zusammenhänge so nachzuweisen, dass sie vor dem empirisch orientierten Denken der heutigen Zeit Bestand haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Rhythmusforschung – ätherische Ebene ====&lt;br /&gt;
Ein ähnlich begeisterndes Feld ist die Rhythmusforschung auf der ätherischen Ebene. Rudolf Steiner wurde nicht müde zu sagen: &#039;&#039;„Rhythmus trägt Leben“&#039;&#039;.[2] Beachtet und pflegt die Rhythmen – im meditativen Leben, in der Pädagogik, in der Medizin – und bedenkt, wann man was wie machen sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jedes Wesensglied hat seinen eigenen Rhythmus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039; folgt dem &#039;&#039;&#039;24-Stunden-Rhythmus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;Astralleib&#039;&#039; dem &#039;&#039;&#039;Wochenrhythmus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;Ätherleib&#039;&#039; dem &#039;&#039;&#039;Monatsrhythmus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;physische Leib&#039;&#039; dem &#039;&#039;&#039;Jahresrhythmus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir diese Rhythmen in unserem Lebensalltag beachten, verfügen wir über robuste Gesundheit – das ist heute alles durch die moderne Rhythmusforschung bestätigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Bindungs- und Beziehungsforschung – astrale Ebene ====&lt;br /&gt;
Auf seelischem Gebiet ist die Bindungs- und Beziehungsforschung angesiedelt. Heute ist klar nachgewiesen, was Rudolf Steiner immer wieder im paracelsischen Sinne betonte: dass die einzig wahre Arznei die Liebe ist. Was in der Arzt-Patienten-Beziehung als professionelle Liebe, als Hingabe an den Patienten wirkt, entspricht der Liebesqualität, die auch Lehrer- und Schülerseelen verbindet. Die Frage Steiners – &#039;&#039;„Kinder, habt ihr eure Lehrer lieb?“&#039;&#039; – war keine rhetorische Frage. Steiner scheute nicht davor zurück, ein Kind in die Parallelklasse zu schicken, wenn es seinen Lehrer nicht lieben konnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das findet in der heutigen Bindungsforschung seine Bestätigung: Eine Beziehung wirkt gesundend,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* wenn sie &#039;&#039;&#039;ehrlich&#039;&#039;&#039; ist, &lt;br /&gt;
* wenn sie von &#039;&#039;&#039;liebvollem Interesse für den anderen&#039;&#039;&#039; geprägt ist,&lt;br /&gt;
* wenn sie von &#039;&#039;&#039;Respekt vor der Autonomie des anderen&#039;&#039;&#039; getragen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind die drei christlichen Grundwerte – Wahrheit, Liebe, Freiheit – von denen wir in der Esoterik nicht müde werden zu sprechen. Alle esoterischen Übungen dienen der Entwicklung dieser Art von Menschlichkeit: dass es wahrhaftiger, liebvoller, freilassender, respektvoller wird im sozialen Miteinander. Dass das gegenseitige Verstehen gefördert wird, das Erwachen aneinander, das zum Verständnis führt. Nichts anderes wird helfen angesichts der Not und des Elends auf der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Traumatherapie – geistige Ebene ====&lt;br /&gt;
Auch auf geistigem Felde gibt es spannende Erkenntnisse. Es gibt heute sehr viele Verfahren, insbesondere auf dem Gebiet der Traumatherapie, die erkannt haben, dass ein schweres Trauma, ein schwerer Angriff auf Leib und Seele, nur als Initiation aufgefasst sinnstiftend verarbeitet werden kann. Es gibt keinen anderen Weg, der wirklich greift. Man kann gewisse Symptome zwar mit psychisch wirksamen Drogen dämpfen. Das ist aber keine Heilung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein schweres Trauma zu verarbeiten, ist ein langwieriger Prozess. Der erste Schritt besteht darin, das Trauma als Schwellenerlebnis in Bezug auf die geistige Welt zu erkennen. In der Folge gilt es dieses Erlebnis fruchtbar zu machen, indem man die Kräfte durchschauen lernt, die einen bedrücken und sie als luziferische und ahrimanische Gewalten unterscheiden lernt. Das gelingt erst vollends, wenn man auch die guten menschlichen Kräfte aufzufinden vermag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich möchte an dieser Stelle eine schlichte Herzmeditation vorlesen. In Rudolf Steiners Notizbuch stehen undatiert folgende Worte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich denke an mein Herz.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Es belebet mich.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Es erwärmet mich.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich vertraue fest auf das ewige Selbst,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;das in mir wirket,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;das mich trägt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Tragekraft an der Schwelle zu erkennen, ist für die eigene Identitätsfindung unerlässlich: dass man in sich die Instanz aufspürt, die angesichts der Vergänglichkeit und Zerbrechlichkeit des Leibes, unvergänglich und unzerbrechlich ist und einen über alle Abgründe des Lebens hinwegträgt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Initiationsweg ist für die anthroposophische Psychotherapie etwas Selbstverständliches. Wir können gar nicht über Entwicklung sprechen, wenn wir uns nicht auch mit all den Mühen auseinandersetzen, die der Entwicklung entgegenstehen. Deswegen fordert Rudolf Steiner in seinem Buch &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; im 1. Kapitel,[3] dass wir zwei Bücher studieren: Wenn wir das ernst nehmen, dürften wir gar nicht weiterlesen, ohne diese beiden Bücher studiert zu haben. Das eine ist &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der Höheren Welten?“,[4]&#039;&#039; das andere die &#039;&#039;„Geheimwissenschaft im Umriss“[5]&#039;&#039; – die Weltentwicklung und der Mensch. Ohne ein Wissen über die dort geschilderten Zusammenhänge und Entwicklungszyklen ist Anthroposophische Medizin nicht vollständig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man also bei uns in die Werkstatt blickt, sieht es sehr tätig und sehr optimistisch aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag auf der Welterziehertagung, Dornach 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Im „Freiburger Institut für angewandte Erkenntnistheorie und medizinische Methodologie“ wird derzeit an den praktischen Konsequenzen für ein neues Studiendesign gearbeitet, das sich auf hohem akademischem Niveau auf die individuelle Einzelfallanalyse stützt. Diese Methode wird in dem Werk von Helmut Keine beschrieben, &#039;&#039;Komplementäre Methodenlehre der klinischen Forschung: Cognition-based Medicine,&#039;&#039; Heidelberg – Berlin 2001.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://www.drhauschka.de/kosmos/werte/im-rhythmus/&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst.&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?&#039;&#039; GA 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Geheimwissenschaft im Umriss.&#039;&#039; GA 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== HEILSAMES ZUSAMMENSPIEL VON THERAPEUT UND PATIENT ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie geht man mit leidenden Patienten angemessen um?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie muss die eigene Seelenstimmung sein, dass sie den anderen da abholt, wo er ist?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielt der Patient bei seiner Heilung?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Professioneller Umgang mit dem Leiden anderer&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dem Leiden eines anderen Menschen in der richtigen Haltung zu begegnen, erfordert Fingerspitzengefühl und Professionalität. Wenn jemand z.B. deprimiert ist, helfen Sie ihm nicht, wenn Sie sagen: &#039;&#039;„Mir ging es auch schon einmal schlecht oder jetzt tun wir Ihnen hiermit etwas Gutes – Sie werden schon sehen, dass Sie sich dann wieder besser fühlen.“&#039;&#039; Ihm aus der eigenen Gesundheit heraus gut zuzureden ist laienhaft und wäre die falsche Herangehensweise. Das machen bereits die Nachbarn und Freunde – es wird endlos auf ihn eingeredet und am Ende geht es ihm nur noch schlechter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jemand, der deprimiert ist, muss dort abgeholt werden, wo er steht – das muss auch ein guter Psychotherapeut lernen. D.h. man muss den Betreffenden zunächst in seinem Leid bestätigen und Mitgefühl zeigen. Dann fühlt er sich ernst genommen und kann sich entspannen. Wenn jemand nicht reden will, wenn er nur ernst schaut, sollte man ruhig und sachlich mit ihm umgehen. Man darf schon ein feines Lächeln zeigen, aber kein provozierend aufmunterndes Verhalten an den Tag legen. Das wäre schon viel zu viel. Vor allem sollte man wach und präsent sein, sodass der andere spürt, man ist für ihn oder sie da. Das tut jedem gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Seele als Wahrnehmungsorgan für den anderen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner forderte in Bezug auf die Pflege – und eine therapeutische Anwendung ist auch eine pflegerische Maßnahme – dass die pflegenden Fachleute die Launen des Patienten studieren. Das bedeutet nun nicht, dass man sich über ihn erhebt und ihn nicht ernst nimmt, dass man sich als der große Analyst aufspielt und sein „schlechtes Benehmen“ verurteilt. Das ist alles nicht gemeint. Es geht vielmehr um ein hoch differenziertes, professionelles, seelisches Wahrnehmungsvermögen und um die Fähigkeit, sich so anzupassen an die Zustände eines anderen, dass man in der Lage ist, Seelenstimmung des Anderen in wahrzunehmen. Um das zu können, muss ich meine eigene Seele zum Wahrnehmungsorgan machen für den anderen – was ich nur kann, wenn ich die menschlichen Seelenzustände gut kenne. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der &#039;&#039;Theosophie&#039;&#039;[1], einem sehr empfehlenswerten Buch für Anfänger in der Anthroposophie, sagt Rudolf Steiner, man könne lernen, seine Sympathien und Antipathien zu einem Wahrnehmungsorgan umzubilden für die Seelenstimmungen eines anderen Menschen. Wenn mir also ein Verhalten unsympathisch ist und ich Antipathie empfinde, erfahre ich dadurch ganz objektiv etwas über mich &#039;&#039;und&#039;&#039; den anderen. Antipathie ist nicht zum Ärgern da – sie soll der Wahrnehmung und dem Erkennen dienen. Das Gleiche gilt für die Sympathie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entwicklungsgedanke macht Mut&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Als ich noch Medizinstudentin war, kurz vor meiner Promotion, machte ich ein Praktikum auf einer Rheumastation. Ich hatte dort mit einer älteren Frau zu tun, Mitte 60, um die ich mich als junge, unerfahrene Medizinerin enorm bemüht hatte, so wie man das als junger Mensch macht. Ich habe die Frau noch heute vor mir – denn die ersten Patienten vergisst man sein Leben lang nicht. Sie sagte plötzlich: &#039;&#039;„Ich weiß überhaupt nicht, warum Sie sich mit mir solche Mühe geben. Das lohnt sich doch alles gar nicht mehr.“&#039;&#039; Ich erschrak und wusste in dem Moment nicht, wie ich darauf reagieren sollte. Diesen Schreck hat sie natürlich auch wahrgenommen. Ich konnte nur sagen: &#039;&#039;„Sie machen mich sprachlos. Ich weiß nicht, was ich Ihnen antworten soll.“&#039;&#039; Nach einer Weile fielen mir ein paar wichtige anthroposophische Argumente ein: dass jeder Tag in der Entwicklung zählt und dass doch auch ein gesunder Mensch nicht weiß, ob er am nächsten Tag noch lebt oder einen Autounfall erleidet usw.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lebensmüdigkeit ist ein Zeichen dafür, dass jemand den Entwicklungsgedanken noch nicht kennenlernen durfte, dass ihm dieses kostbarste Geheimnis noch verschlossen ist. Dann sollte man sich Zeit nehmen, egal welches Alter der Betreffende hat, und ihm oder ihr den Entwicklungsgedanken nahebringen. Die schönsten Gelegenheiten dazu ergeben sich noch kurz vor dem Tod. Ein tiefes Verständnis für Entwicklung kann dazu beitragen, dass jemand mit dem festen Willen über die Schwelle geht, es im nächsten Leben von vornherein anders anzugehen, die Zeit für Entwicklung zu nützen, aus dem Wissen heraus, wozu sie dient und wohin die Reise geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ganzheitlicher Blick auf den Menschen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Therapeutische Anwendungen wirken völlig anders, wenn ein Patient aktiv mitarbeitet, wenn er das Gefühl hat, dass jeder Tag zählt und sich die Qualität seines restlichen Lebens dadurch verbessern kann und er in der Zeit, die ihm bleibt, vielleicht doch noch das eine oder andere tun, denken oder erleben kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn auch bei der sogenannten Physiotherapie, bei der es primär um den physischen Leib zu gehen scheint, darf man die anderen Ebenen und Aspekte nicht vergessen bzw. außer Acht lassen. Auch sie beeinflussen das Körpergeschehen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die Lebenskräfte &lt;br /&gt;
* die seelische Integrität&lt;br /&gt;
* die geistige Identität&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* das Entwicklungspotential&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wichtigste ist der letzte Aspekt: den Menschen als in Entwicklung begriffenes Wesen zu sehen, das an die Vergangenheit angeschlossen und auf die Zukunft hin ausgerichtet ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne das Wissen des Therapeuten um diese Ganzheit können Anwendungen nicht wirklich gut wirken. Andererseits können sie eine enorme Verstärkung erfahren, wenn der Therapeut die anthroposophische Seelenkunde kennt und auch die Bereitschaft aufbringt, sich selbst auf professionelle Weise seelisch und geistig weiterzuentwickeln. Dann wird sich der ganzheitliche Blick auf den Menschen dem Patienten atmosphärisch mitteilen und die Heilung begünstigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag anlässlich des Jubiläums des 100. Geburtstags von Werner Junge, Okt. 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Theosophie&#039;&#039;, GA 9.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE FÜNF EBENEN DES MENSCHSEINS IM MEDIZINISCHEN SYSTEM ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Ebenen des Menschseins gibt es?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welches medizinische System setzt auf welcher Ebene an?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verschiedene medizinische Systeme&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wir Menschen sind komplexe Wesen, die auf unterschiedlichen Ebenen angesprochen werden können. Jedes medizinische System setzt auf einer oder mehreren dieser Ebenen an. Im Folgenden möchte ich die einzelnen Systeme kurz umreißen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;&#039;Homöopathie&#039;&#039;&#039; ist eine alternativmedizinische Behandlungsmethode, die auf den ab 1796 veröffentlichten Vorstellungen des deutschen Arztes Samuel Hahnemann beruht. Die wichtigste Grundannahme ist das Ähnlichkeitsprinzip: &#039;&#039;„Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden“ (similia similibus curentur)&#039;&#039;. Danach solle ein homöopathisches Arzneimittel so ausgewählt werden, dass die Inhaltsstoffe der Grundsubstanz unverdünnt an Gesunden ähnliche Krankheitserscheinungen (Symptome) hervorrufen könnten wie die, an denen der Kranke leidet, wobei auch der „gemüthliche und geistige Charakter“ des Patienten berücksichtigt werden solle (vgl. wikipedia).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter &#039;&#039;&#039;Spagyrik&#039;&#039;&#039; (aus dem Griechischen spao „(heraus)ziehen, trennen“ und ageiro „vereinigen, zusammenführen“) werden verschiedene Heilsysteme zusammengefasst. Das therapeutische Ziel ist die positive Beeinflussung der „Lebenskraft“ und damit die Aktivierung der Selbstheilungskräfte. Grundlage bilden die antike Naturphilosophie (z.B. die „Elementenlehre“), die Signaturenlehre und die Humoralpathologie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit &#039;&#039;&#039;Psychosomatik&#039;&#039;&#039; wird in der Medizin die Betrachtungsweise und Lehre bezeichnet, in der die psychischen Fähigkeiten und Reaktionsweisen von Menschen in Gesundheit und Krankheit in ihrer Eigenart und Verflechtung mit körperlichen Vorgängen und sozialen Lebensbedingungen in Betracht gezogen werden. Ihre Erforschung und Umsetzung in der Krankenbehandlung erfolgt in der Psychosomatischen Medizin (vgl. wikipedia).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Psychotherapie&#039;&#039;&#039; wurde früher die Lehre von der Heilung der erkrankten Seele genannt, um sie von einer Psychologie als Lehre von der gesunden Seele und einer Psychiatrie als Lehre von der erkrankten Seele abzugrenzen. Heute wird die psychotherapeutische Behandlung bzw. Heilung im Zusammenhang mit Körper und Seele eines ganzheitlich gesehenen Menschen verstanden und erklärt. Davon zu unterscheiden ist die beratende Psychologie, die sich mit allgemeinen Problemen der Lebensführung befasst (vgl. wikipedia).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit &#039;&#039;&#039;Körpertherapie&#039;&#039;&#039; werden Behandlungsmethoden zur Verbesserung von Körperhaltung, Bewegungsabläufen sowie zur direkten oder indirekten Unterstützung von Körperfunktionen bezeichnet. Je nach Methode werden spezielle manuelle Techniken, Massagearten, Bäder bzw. Anleitungen zur Schulung von Haltungen und Bewegungen angewendet. Fast alle Körpertherapiemethoden betonen die Bedeutung psychosomatischer Wechselwirkungen und gehen davon aus, dass die Körpertherapie positive psychische Veränderungen bewirkt (vgl. wikipedia).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Integrativer Ansatz der Anthroposophischen Medizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin versucht alle gemeinsam in den Blick zu nehmen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Physische Eben&lt;br /&gt;
# Ätherische Ebene&lt;br /&gt;
# Astrale Ebene&lt;br /&gt;
# Identitäts-, Ich-Organisations-Ebene&lt;br /&gt;
# Geistige Orientierung, Weltanschauung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Physische Ebene und Medizin ====&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;Schulmedizin&#039;&#039; baut ganz auf der Erkenntnis des Physischen auf. Kliniken werden entsprechend zunehmend zu Technik-Zentren. Dass der Mensch sich dabei oft nicht menschlich behandelt fühlt, zeigt deutlich, dass das nicht genügt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ätherische Ebene und Medizin ====&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;Homöopathie&#039;&#039; und &#039;&#039;Spagyrik&#039;&#039; z.B. weiß man, dass alles Leben prozessual verläuft, dass alle Substanzen aus Prozessen hervorgehen und dass alle Wirksamkeit zeitabhängig ist, im Guten wie im Schlechten. Daraus ergeben sich viele weitere Therapieverfahren, die prozessorientiert sind, sich auch mit den Lebensgewohnheiten und -rhythmen befassen und mit dem Geheimnis von Entwicklung im therapeutischen Prozess arbeiten. Wenn man lernt sein Leben den Ätherkräften oder Lebenskräften gemäß zu gestalten, wird sich das gesundend auswirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Astrale Ebene und Medizin ====&lt;br /&gt;
Auf der Gefühlsebene geht es um unsere ungemein verwundbare Seele mit ihrer Gefühlswelt, deren Wirkung auf den Körper nicht unterschätzt werden darf. Hier setzen die &#039;&#039;Psychosomatik,&#039;&#039; alle &#039;&#039;Psychotherapieverfahren&#039;&#039; sowie auch diverse &#039;&#039;Körpertherapien&#039;&#039; an. Die Anthroposophische Medizin stellt sich die zentrale Frage:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie können wir einen Kranken, der leidet, so begleiten, dass er sich trotzdem als Teil einer wohlwollenden Schöpfung und damit als ein wichtiger Teil des Ganzen fühlt?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manchmal ist das Gefühlsleben so erstarrt und verkapselt, dass man es nicht mehr über Worte oder über ein Medikament erreichen kann. Wenn man so jemandem dann ein warmes Bad bereitet – wobei es auf genau die richtige Temperatur ankommt – und dieses Bad Düfte verströmt, die der Betreffende noch nie so richtig wahrgenommen hat, können der starke Wärmereiz, der Duft, die menschliche Nähe dazu führen, dass sich dieser Mensch im eigenen Körper wieder wohl und angenommen fühlt. Das ist nicht zu unterschätzen. Auch die Umgebung, in der das Bad stattfindet, ist entscheidend: Ob es dort nur öde, kalte Fliesen gibt oder ob die Wände angenehme Farben haben, ob dort ein Bild hängt usw. Man kann auch in der Sterbebegleitung Bäder miteinbeziehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Identität und Medizin ====&lt;br /&gt;
Das gilt auch für das Identitätserleben: Es hängt von der &#039;&#039;Art der Ansprache und Ausrichtung der Therapie&#039;&#039; auf die Bedürfnisse eines Patienten ab, ob er sich als Mensch, als Individualität, wahrgenommen fühlt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Weltanschauung und Medizin ====&lt;br /&gt;
Essentiell für die Gesundung ist aber auch eine &#039;&#039;geistige Ausrichtung bzw. Lebensanschauun&#039;&#039;g, die die Möglichkeit der Entwicklung impliziert. Viele Weltanschauungen heute sind so, dass sie von einem perfekten Selbstbild ausgehen, also von einem fertigen Ergebnis: Man will rasch mit der Ausbildung fertig sein, damit man mit möglichst wenig Aufwand viel Geld verdienen und daneben noch Spaß am Leben haben kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine menschengemäße Weltanschauung dagegen impliziert, dass man sich auf allen Ebenen, egal ob beruflich oder privat, nach demselben Entwicklungsziel ausrichtet. Die Arbeitszeit wird genauso als Entwicklungszeit gesehen wie die private Zeit: Alles ist Lebenszeit, ist Entwicklungszeit, bildet zusammen die eigene Biographie. Um das so sehen und wertschätzen zu können, braucht man eine entwicklungsorientierte Weltanschauung, die einem hilft, die unterschiedlichen Bereiche und Aspekte so zu verbinden, dass man jeden Augenblick zur Entwicklung nützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag anlässlich des Jubiläums des 100. Geburtstags von Werner Junge, Okt. 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FÜNF QUELLEN FÜR KRÄNKUNG UND HEILUNG ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen Zusammenhang gibt es zwischen kränkenden und heilenden Einflüssen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wie Kränkung und Heilung zusammenhängen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ich möchte als Ärztin den Zusammenhang zwischen heilenden, therapeutischen Impulsen und Krankheitsimpulsen erläutern – sie stammen beide aus denselben fünf Quellen, die uns unser Leben lang beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Quelle auf dem physischen Plan – Karma-Impuls ====&lt;br /&gt;
Dazu gehört alles, was uns Menschen auf dem physischen Plan begegnet und zustößt: Unendlich viel Kränkendes wirkt von Kind an von außen aus der Umwelt auf uns ein, nicht nur in ökologischer, sondern auch in beruflicher und privater Hinsicht, was oft besonders quälend ist. Das heißt, aus der uns umgebenden Umwelt treffen uns unser Leben lang zahlreiche negative Attacken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann jedoch durch eine bewusste Gestaltung der schicksalhaften äußeren Umstände, z.B. indem man gut überlegt, wie, wann und wo man sich auf Begegnungen einlässt, Kränkungen minimieren. Und man kann Kräfte im Inneren aufrufen, um mit solchen Kränkungen von außen besser zurechtzukommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Quelle auf dem ätherischen Plan – Gralsimpuls ====&lt;br /&gt;
Auf dieser Ebene können Gewohnheiten kränkend wirken sowie alles Hässliche, das uns über die Sinne und über unser Denken begegnet, alles, was mit Rhythmen zu tun hat, denen wir folgen oder nicht folgen. Dazu gehören auch unsere Charaktereigenschaften, denen wir mehr oder weniger ausgeliefert sind, mit denen wir mehr oder weniger ringen. Dazu gehört aber auch alles, was die Zeitgestalt unserer Biografie ausmacht: der Tagesablauf, die zeitliche Gestaltung der Woche, des Monats und des Jahres.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir unser Leben den Ätherkräften oder Lebenskräften gemäß gestalten lernen, wird sich das gesundend auf uns auswirken, dann kann aus dieser Quelle Gesundheit geschöpft werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Quelle auf dem astralen Plan – Sophia-Impuls ====&lt;br /&gt;
Hier sind seelische Beziehungen oft die Ursache für Kränkungen, besonders wenn sie sich auf der Gefühlsebene abspielen. Gefühle sind laut Rudolf Steiner Vorboten von Gesundungs- bzw. Kränkungstendenzen. Zu den Jungmedizinern[1] sagte er, der Arzt der Zukunft wäre in der Lage, den Gesundheitszustand seiner Patienten durch eine feine Beobachtung ihres Gefühlslebens zu diagnostizieren. Er würde ihre Gefühle anschauen und Gesundheits- und Krankheitsdispositionen benennen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Mensch weiß aus der Beobachtung seiner selbst und anderer, dass er krankheitsgefährdet ist, wenn er Mühe hat, seine Gefühle so auszubalancieren, wie er es normalerweise vermag. Wenn Kinder schlecht gelaunt sind, ist das für die Mutter meist ein deutliches Zeichen, dass sie etwas „ausbrüten“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Schwierige Gefühlskontrolle&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Wenn man anfängt sich zu schulen, z.B. indem man mit &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“&#039;&#039;[2] zu arbeiten beginnt, merkt man, wie ungehobelt und unerzogen das eigene Gefühlsleben noch ist. Mit dem Denken und dem Wollen zu arbeiten, ist relativ leicht. Das Gefühlsleben ist am schwersten zugänglich, weswegen bei den Nebenübungen die Gefühle erst an dritter Stelle genannt werden: Zuerst wird die Gedankenkontrolle geübt, dann die Willens- und Handlungskontrolle und erst als Drittes, Letztes, Schwierigstes im Seelenleben die Gefühlskontrolle. Man muss im Denken und Wollen quasi bereits Tritt gefasst haben, bevor man sich an diese sensible Mitte wagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Quelle auf der Ich-Ebene – Michael-Impuls ====&lt;br /&gt;
Mit der Ebene des Wortes sind wir beim Kern, beim Ich-Impuls, dem Michael-Impuls, angelangt. Man hat den Eindruck, diese Inspirationsquelle für Gesundheit und Krankheit war Rudolf Steiner besonders nahe. Sie betrifft ja die Ich-Ebene, auf der wir uns alle selbst am nächsten sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wirkt das Ich nun kränkend?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann es heilend wirken?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Paracelsus[3] nennt das Ich den „Indwendig-Arzt“. Für Albert Steffen[4] war offensichtlich: Das niedere Selbst kränkt, das Höhere Selbst heilt. So versuchte er auch in seinen Dramen das Niederste, aus dem heraus seine Figuren handelten und Verbrechen begingen, immer wieder in Zwiesprache zu bringen mit dem Hohen, dessen verzerrtes Abbild das Niedere ist, sodass die tiefe Selbstkränkung, wenn die niedere Natur siegt, durch das heilsame Einwirken des höheren Menschen ausgeglichen werden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Quelle auf dem menschheitlichen Plan – Christusimpuls ====&lt;br /&gt;
Die fünfte Quelle der Kränkung, die menschheitliche Situation im Sozialen, in der wir uns heute alle befinden, hat mit den rasanten Veränderungen der heutigen Zeit zu tun. Wenn man Menschen fragt, was sie am meisten kränkt oder womit sie am wenigsten zurechtkommen, sagen die meisten der durchschnittlichen und normal gesunden Menschen, dass sie an den immer schwerer zu durchschauenden menschheitlichen Krisen, Konflikten und Problemen der heutigen Zeit leiden. Das zu kompensieren, in alledem froh und lebensbejahend zu bleiben, sich angesichts dieser schwierigen Zeitverhältnisse aufrecht zu halten, macht dem Menschen heute viel mehr Mühe, als persönliche Probleme zu kompensieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese fünfte Krankheitsquelle kann nur durch eine menschheitlich weitblickende Perspektive zur Gesundheitsquelle verwandelt werden. Denn man läuft Gefahr am Augenblick zu verzweifeln, wenn man Krisen und Konflikte nicht in einem viel größeren Zusammenhang sehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag „Das Therapeutische in der Dichtung von Albert Steffen“ anlässlich der Steffen-Ausstellung am Goetheanum, Neujahr 2010&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Jungmedizinerkurs&#039;&#039;, GA 316.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?&#039;&#039;, GA 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Philippus Theophrastus Aureolus Bombastus von Hohenheim, getauft als Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, (* vermutlich 1493 in Egg, Kanton Schwyz; † 24. September 1541 in Salzburg) war ein Arzt, Alchemist, Astrologe, Mystiker, Laientheologe und Philosoph. Paracelsus hinterließ zahlreiche deutschsprachige Aufzeichnungen und Bücher medizinischen, astrologischen, philosophischen und theologischen Inhalts, die größtenteils erst nach seinem Tod gedruckt wurden. (wikipedia)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Albert Steffen (* 10. Dezember 1884 in Wynau; † 13. Juli 1963 in Dornach) war ein Schweizer Schriftsteller und Anthroposoph. Nach dem Tode Rudolf Steiners war Steffen ab 1925 dessen Nachfolger als Vorsitzender der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft. (wikipedia)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FÖRDERUNG VON PATIENTENKOMPETENZ ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist unter Patientenkompetenz zu verstehen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielt der Patient im Gesundheitssystem?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sind seine Möglichkeiten, ja Aufgaben in Bezug auf die nötigen Reformen des Gesundheitswesens?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Notwendige Demokratisierung des Gesundheitswesens&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Bereits 1920 hat Rudolf Steiner in einem seiner öffentlichen Vorträge die „Demokratisierung des Gesundheitswesens“ gefordert.[1] Ärzte, Apotheker, Hersteller und Verbraucher seien herausgefordert, gemeinsam und in Partnerschaft mit den Patienten bzw. Bürgern Mitverantwortung für die Gestaltung des Gesundheitswesens zu übernehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Zielsetzung fühlt sich die Anthroposophische Medizin bis heute verpflichtet. So werden der Gesundheitsaufklärung und Prävention, aber auch der Hilfestellung für eine vertretbare Selbstmedikation viel Aufmerksamkeit geschenkt.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinzu kommt ein großes Engagement für eine gesundheitsfördernde Erziehung und Umgebungsgestaltung einschließlich gesunder Ernährung und nachhaltiger biologischer und biologisch-dynamischer Landwirtschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Mündiger Patient als Regulator&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die inzwischen chronisch gewordene Diskussion um die Reform des Gesundheitswesens zeigt zudem deutlich, dass selbst die besten Ideen für eine Neustrukturierung des Gesundheitswesens zu keiner befriedigenden Kostenregulierung führen können, wenn sich nicht der mündige Patient mit als Regulator empfindet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gehört heute zur Patientenkompetenz, sich selbst auch Gedanken zur Gesundheitsvorsorge sowie zu bestimmten diagnostischen und therapeutischen Verfahren zu machen und letztlich zu bestimmen, was geschehen soll. Auch ist schon lange evident, in welch hohem Maß der Patient de facto für seine Gesundheit Verantwortung trägt. Spätestens anlässlich einer Operation wird ihm bewusst, dass der Arzt zwar über die damit verbundenen Risiken aufklärt und sein Bestes tut, er selbst jedoch mit den Risiken und Folgen zu leben hat und folglich Entscheidungsträger sein muss. Es ist keine Frage, dass medizinische Grundkenntnisse heute zur notwendigen Allgemeinbildung gehören und das menschliche Selbstverständnis in Gesundheit und Krankheit mit­prägen. Apotheker und Ärzte werden daher zunehmend in ihrer Lehr- und Berufskompetenz gefordert, um die erforderliche Hilfe zur Selbsthilfe leisten zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Artikel in der Deutschen Apothekerzeitung DAZ Nr. 39, 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Hygiene als soziale Frage, in: Physiologisch-Therapeutisches auf Grundlage der Geisteswissenschaft&#039;&#039;, GA 314. Dornach 1989, S. 221-261.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] M. Glöckler, B. Emde, &#039;&#039;Anthroposophische Medizin, in: Komplementärmedizin für die Kitteltasche. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation,&#039;&#039; Stuttgart 2009 und ders.: &#039;&#039;Anthroposophische Medizin, In: Komplementärmedizin für Kinder. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation&#039;&#039;, Stuttgart 2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ANTHROPOSOPHISCHE PSYCHOTHERAPIE ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist das Besondere an der anthroposophisch inspirierten Psychotherapie?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welches Licht wirft der Karma-Gedanke auf seelisch-geistige Probleme?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Lektüre zur anthroposophischen Psychotherapie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im Hinblick auf diese Schicksalsdramatik des Menschseins sind die &#039;&#039;Mysteriendramen[1]&#039;&#039; von Rudolf Steiner ein ganz zentrales Werk. Wenn mich Biografiearbeiter, Psychologen und Ärzte, die sich für Seelenkunde interessieren, fragen: &#039;&#039;„Wie kann man sich in das Gebiet des Seelischen aus Sicht der Anthroposophie einarbeiten?“,&#039;&#039; empfehle ich gerne die pädagogischen Vorträge von Rudolf Steiner über die drei Jahrsiebte,[2] aber auch das Studium von &#039;&#039;„Grundlegendes…“[3],&#039;&#039; begleitet von der Lektüre der Karmavorträge.[4] Diese Werke sind das Fundament einer vom Schicksalsgedanken inspirierten anthroposophischen Psychotherapie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich möchte im Folgenden in aller Kürze ein paar Gesetze nennen, wie sie uns Rudolf Steiner aus seiner Forschung mitgeteilt hat – zum Überprüfen, zum Umgang damit, zum Überlegen, ob sie hilfreich sind für Ihre Arbeit. Wir können diese Forschungsergebnisse z.B. auch als Arbeitshypothese nehmen bei unserem täglichen Tun. Wenn sie sich als fruchtbar erweisen, können Sie diesen Weg weiterverfolgen, wenn nicht, greifen Sie zu anderen Werkzeugen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Karmische Ursache für seelische Erkrankungen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Auf die Frage, worin die Ursache für seelische Erkrankungen läge, antwortete Rudolf Steiner in den &#039;&#039;„Offenbarungen des Karma“[5]&#039;&#039; und in der &#039;&#039;„Akasha-Chronik“[6]:&#039;&#039; &#039;&#039;„Die Ursache für seelische Erkrankungen liegt in einem mangelnden Interesse am anderen Menschen in einem früheren Erdenleben“&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier geht es nicht darum, durch welche Faktoren es zu diesem mangelnden Interesse kam, es ist rein phänomenal betrachtet, hat mit Schuld und Unschuld nichts zu tun. Fakt ist demnach: Ein Mensch, der in seinem Erdendasein kein warmes Interesse für andere Menschen entwickeln konnte – und sei es nur für &#039;&#039;einen&#039;&#039; Menschen – dem fehlt im nachtodlichen Leben, wenn das Menscheninnere, das Seelische, Außenwelt wird, die Orientierung. Er ist dann nicht in der Lage, sich an diesem neuen Äußeren so zu orientieren, dass er sich einen neuen Körper aufbauen kann, der beim Heranwachsen ein gesundes Seelenleben ermöglicht, wenn die Wesensgliederkräfte frei werden. Das möchte ich im Folgenden kurz näher erläutern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Wesensglieder und ihre leibgebundenen und leibfreien Kompetenzen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Zum&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Physischen Leib&#039;&#039; gehört unser physischer Körper, die Sinnesorgane und die daraus resultierende Gnade der Wahrnehmung.&lt;br /&gt;
* Zum &#039;&#039;&#039;Ätherleib&#039;&#039;&#039; gehören die unbewussten leibgebundenen Lebens- Wachstums- und Regenerationsprozesse und das leibfreie Denkvermögen.&lt;br /&gt;
* Zum &#039;&#039;&#039;Astralleib&#039;&#039;&#039; gehören die leiblichen Differenzierungsprozesse, die Bewegungskompetenz und das Fühlen als leibfreie seelisch regsame Kompetenz.&lt;br /&gt;
* Zur &#039;&#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;&#039; gehören die leiblichen Integrationsprozesse, die Erlangung der richtigen Proportionen beim körperlichen Wachstum und die leibfreie Fähigkeit in Ganzheiten zu denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kind gewinnt im &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;1. Jahrsiebt&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; mithilfe der &#039;&#039;ätherischen Wachstumskräfte&#039;&#039; bis zum Zahnwechsel an &#039;&#039;Größe&#039;&#039;. Die Kräfte, die ihre Arbeit getan haben, werden sukzessive leibfrei und stehen zunehmend dem DENKEN zur Verfügung. Das Freiwerden der ätherischen Kräfte aus dem Körper kulminiert in der &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Schulreife&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;. Dieser Höhepunkt wird auch &#039;&#039;&#039;Geburt des Ätherleibes&#039;&#039;&#039; genannt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;2. Jahrsiebt&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; reifen zusätzlich die &#039;&#039;seelischen Kompetenzen&#039;&#039; heran, indem die &#039;&#039;astralen Kräfte&#039;&#039; zuerst den &#039;&#039;Leib durchdifferenzieren&#039;&#039; und, wenn sie ihre Arbeit getan haben, sukzessive leibfrei werden und das FÜHLEN ermöglichen. Die Kulmination des Freiwerdens der astralen Kräfte aus dem Körper zur &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Geschlechtsreife&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; wird auch &#039;&#039;&#039;Geburt des Astralleibes&#039;&#039;&#039; genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;3. Jahrsiebt&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; reifen die &#039;&#039;geistigen Kompetenzen&#039;&#039; heran, indem die &#039;&#039;Integrations-Kräfte&#039;&#039; der Ich-Organisation den heranwachsenden Körper in eine &#039;&#039;stimmige Ganzheit&#039;&#039; verwandeln und anschließend als WOLLEN zur Verfügung stehen. Wenn der Jugendliche ausgewachsen ist, kulminiert dieser Prozess in der &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Mündigkeit&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; bzw. selbstverantwortlicher Handlungsfähigkeit und wird auch &#039;&#039;&#039;Geburt des Ich&#039;&#039;&#039; genannt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entsprechung von Lebensprozess und seelisch-geistiger Kompetenz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Alle leibfreien Kompetenzen sind verwandelte Lebenstätigkeit des Organismus: So wie wir dank der unbewussten Lebenskräfte die Nahrung zerkleinern und aufspalten (= analytisch) und anschließend zu menschlicher Substanz zusammensetzen (= synthetisch) – dieser Prozess wird Stoffwechsel genannt – so denken wir entsprechend mit den leibfrei gewordenen bewussten Ätherkräften auch analytisch und synthetisch. Das ist nur ein Beispiel für die Entsprechung von leibgebundener Lebenskraft und leibfreier Kompetenz im Denken, Fühlen und Wollen. Man kann sagen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Denken&#039;&#039;&#039; ist metamorphosierte &#039;&#039;leibfreie Wachstumskraft&#039;&#039; (Ätherleib).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Fühlen&#039;&#039;&#039; ist metamorphosierte &#039;&#039;leibfreie Astralität&#039;&#039; (Astralleib).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wollen&#039;&#039;&#039; ist leibfreie zur Verfügung stehende &#039;&#039;Ich-Tätigkeit&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem bisher Gesagten, wollte ich den innigen Zusammenhang zwischen leiblicher Konstitution und seelisch-geistiger Disposition deutlich machen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das heißt, es hängt von der Qualität der Organe und dem Ablauf der leiblichen Prozesse ab, ob die daraus hervorgegangenen seelischen Kräfte sich frei handhaben lassen oder ob sie den Menschen überfluten, attackieren und bezwingen – was sich dann als psychisches Störungsbild zeigen kann. Ist Letzteres der Fall, bedeutet das, dass die Ich-Kompetenz, die in das Erdeninstrument des Leibes hereinleuchten und sich ihm über die Ich-Organisation mitteilen möchte, sich an den Organen nicht richtig zu spiegeln vermag und sich auch nicht im Seelischen beheimaten kann, weil die aus dem Leib hervorgegangene Seelenkonfiguration es nicht oder nur eingeschränkt zulässt. Die Qualität des seelischen Erlebens hängt also immer auch von Art und Qualität der Leibbildung ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ringen mit Schwäche bringt zukünftige Stärke&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dazu ein Beispiel: Möglicherweise leidet man darunter, dass man seelisch nicht richtig in Beziehung kommen kann zu anderen Menschen. Man erlebt sich als in sich selbst gefangen – was laut Rudolf Steiner als karmische Ursache das fehlende Interesse an anderen hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesem großen Schmerz folgt jedoch im Nachtodlichen die große Befreiung, weil man so sehr mit den Beziehungen und mit sich selbst gerungen hat, dass man für die kommende Inkarnation ein besonders geeignetes Erdeninstrument bilden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit anderen Worten: Wenn wir interessiert und ehrlich miteinander umgehen, bauen wir damit gesunde Seelenkräfte für das nächste Leben auf. Unser Bemühen ist nicht nur für dieses Leben wichtig und gut und erleichtert uns das Leben und die Arbeit. Das Interesse an anderen Menschen und am sozialen Miteinander ist zugleich die Vorbereitung für eine besonders gesunde und starke Seele im nächsten Leben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag an der Jahreskonferenz der Med. Sekt. am Goetheanum zum Thema Anthroposophische Psychiatrie, Dornach 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Vier Mysteriendramen&#039;&#039;, 1910-13, GA 14.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft&#039;&#039;, in: &#039;&#039;Luzifer-Gnosis&#039;&#039;. GA 34. Dornach 1987.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Offenbarungen des Karma&#039;&#039;, GA 120.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Aus der Akasha-Chronik&#039;&#039;, GA 11.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FRAGEN ZUM THEMA ANTHROPOSOPHISCHE MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;FRAGE:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Wie ist es, wenn man in Asien über Anthroposophische Medizin spricht?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;ANTWORT:&#039;&#039;&#039; In Asien ist Spiritualität in der Medizin viel selbstverständlicher als in Europa.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu ein konkretes Beispiel: In Indien praktiziert man Ayurveda. Wenn man dort das Anthroposophische Menschenbild erklärt, erkennt man, dass es 1:1 dasselbe ist wie das Ayurvedische. Der einzige Unterschied besteht darin, dass das ayurvedische Menschenbild und Gesundheitsverständnis in Worten und Begriffen dargestellt sind, die es nicht erlauben, eine direkte Verständnisbrücke zur naturwissenschaftlichen Medizin zu bauen. Das aber kann die Terminologie der Anthroposophischen Medizin leisten. Daher interessieren sich die Kursteilnehmer für die Anthroposophische Medizin, weil sie dadurch ihr eigenes System besser verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ging es auch einer Freundin von mir – sie ist Inderin –, die durch die Anthroposophische Medizin ihre Hindu-Spiritualität neu entdeckte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir begleiten z.B. Kollegen, die Ayurveda-Ärzte bleiben wollen, indem wir sagen: Ihr könnt anthroposophischer Ayurveda-Arzt werden. Und so haben wir dort schon anthroposophische Homöopathen zertifiziert, anthroposophische Ayurveda-Ärzte sind in Ausbildung und Schulmediziner können „normale“ anthroposophische Ärzte werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;FRAGE:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Mich interessiert, wie man die Anthroposophie, die ja stark mit dem Christentum zusammenhängt, mit anderen Religionen verbinden kann.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;ANTWORT:&#039;&#039;&#039; Das Wesentliche am Christentum ist das rein Menschliche, von dem man in jeder Kultur sprechen kann. Für den Buddhistischen Kulturkreis wird es von Buddha verkörpert, der im Herzen und in der Aura lebt, in der Gerechtigkeit, in der Wahrheit, in der Liebe, in all den Werten, deren Pflege Menschlichkeit fördern. Nur ein Wert findet sich bevorzugt und eigentlich nur im Christentum und wird dort konsequent berücksichtigt: Wert und Würde der menschlichen Freiheit, so wie sie bei Johannes im 8. Kap. veranlagt ist: &#039;&#039;„Ihr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen“&#039;&#039;.[1] Da der Christus aber von sich selber sagt: &#039;&#039;„Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“&#039;&#039;, ist klar, dass er nicht die Freiheit verkörpert, aber uns zu freien Wesen machen möchte, zu seinen Freunden – &#039;&#039;„denn ein Knecht weiß nicht, was sein Herr tut“.&#039;&#039;&#039;[2]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Da die Anthroposophie auf dem Weg der „Philosophie der Freiheit“[3] von Steiner beruht, geht es bei allem um diesen zentralen christlichen Wert, auch wenn man den Namen des Christus nur nennt, wenn es passt oder gefragt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;FRAGE:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Sie hatten von dem Paradigmenwechsel vom pathogenetischen Krankheitsbild zum integrativ-salutogenetischen gesprochen und gemeint, dass das gut machbar wäre. Ich wollte Sie bitten, noch näher darauf einzugehen, weil wir uns auch im Rahmen des Studiums sehr viele Gedanken dazu machen und uns fragen, wie es gerade in der konkreten Umsetzung in einem normalen Krankenhaus möglich wäre, so einen Paradigmenwechsel vorzuleben&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;ANTWORT:&#039;&#039;&#039; Das ist in der Praxis zugegebenermaßen sehr schwer. Deswegen braucht es Netzwerke von vielen Medizinern, die sich gegenseitig immer wieder motivieren, Mut zusprechen, Tricks verraten, was man tatsächlich machen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meiner Erfahrung nach gibt es zwei Felder, bei denen man unmittelbar ansetzen kann, auch im kommunalen Krankenhaus: Man kann präventiv-medizinisch beraten, bei der Erziehung und Selbsterziehung ansetzen. -  Wir Ärzte müssen uns schon deshalb intensiv mit Pädagogik auseinandersetzen, weil fast alle Eltern Fragen zu diesem Thema haben. Da kann man viel tun. Dazu gehören auch Selbsterziehung und Meditation und alle Themen, die innere Entwicklungsarbeit betreffen. Auch hier kann man sofort ansetzen. Beides wirkt bereits in hohem Maße salutogenetisch und hilft, ein anderes Verständnis von Krankheit und Gesundheit zu bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem kann man schulmedizinische Präparate viel sorgfältiger indizieren als üblich – das Einverständnis des Patienten vorausgesetzt. Nicht aus Sicherheitsgründen bei jeder Krankheit „Gürtel und Hosenträger“ zum Einsatz bringen, bildlich gesprochen. Auch erlebe ich, dass in der Onkologie gerade Krebspatienten fragen: Gibt es nicht noch etwas anderes? Dann kann man von den Mistelpräparaten erzählen, auch im öffentlichen Krankenhaus. Wenn Patienten fragen, sollte man ehrlich antworten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner sprach von der Demokratisierung des Gesundheitswesens.[4] Patienten, Leistungserbringer, Krankenversicherungen, Kommunalpolitiker – sie gehören an einen Tisch und sollten auf Augenhöhe beraten, wie ein gerechtes Gesundheitswesen aussehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Schweiz, in der es eine Basis-Demokratie gibt, haben wir es nur durch Volksabstimmung geschafft, die Komplementärmedizin in die Bundesverfassung aufzunehmen. TCM (trad. Chinesische Med.), Homöopathie, Phytomedizin und Anthroposophische Medizin müssen von den Kassen über die Grundversicherung erstattet werden, weil diese Verfahren jetzt Bestandteil der Bundesverfassung sind, also praktisch Grundgesetz. Auch in Deutschland könnte es eine solche Volksbewegung geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir das schaffen würden, auf einem ähnlichen Wege eine demokratische Gesundheitsbewegung auf die Beine zu stellen, die verlangt, dass das Grundgesetz uns die freie Therapiewahl garantiert, dass man Ärzte und medizinische Verfahren selbst wählen darf und die Krankenkassen das bis zu einem gewissen Grad erstatten müssen, wären wir einen Riesenschritt weiter. Ohne den gegenseitigen Ansporn einer guten Vernetzung wird es aber nicht gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe kürzlich bei einer Tagung zur Organtransplantation Pim van Lommel getroffen. Er hielt einen schönen Vortrag über außerkörperliche Erfahrungen seiner kardiologischen Patienten, über das „ewige Bewusstsein“. Am Ende forderte er auch den Paradigmenwechsel, Spiritualität als Realität anzuerkennen, weil die außerkörperliche Erfahrung wahr ist und in die Medizin integriert werden muss. Ich fragte ihn, wie er sich das vorstellt. Er sagte, er erwarte nichts mehr von der Wissenschaft, sondern alles von der Zivilgesellschaft. Dort wäre noch gesunder Menschenverstand vorhanden. Die Wissenschaft sei „eingekauft“ und viel zu fremdbestimmt durch Gelder aus der Wirtschaft, von denen sie abhängig ist. Von der Seite könne man den Paradigmenwechsel nicht erwarten. Solange man viel Geld verdient mit der Krankheit, wird man nicht freiwillig einen Paradigmenwechsel anstreben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;FRAGE:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Ich fand sehr interessant, dass das Menschenbild in der Anthroposophischen Medizin sich auch vergleichen lässt mit dem Menschenbild anderer Ausrichtungen. Sie sprachen von einer transzendenten Ebene im Körper, die nach dem Tode den Körper verlässt. Gibt es dazu ein Konzept in der AM, das besagt, was mit dieser Ebene nach dem Tode passiert?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;ANTWORT:&#039;&#039;&#039; Ich schreibe einige Werke von Rudolf Steiner dazu auf: GA ist die Abkürzung für das Wort Gesamtausgabe, die 358 Bände umfasst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GA 27 ist das Grundlagenwerk für die Medizin,[5] in dem das neue Gesundheits-Paradigma beschrieben wird. Dort wird auch charakterisiert, wie es zu dem „ewigen Bewusstsein“ kommt und wie es funktioniert: Wir denken mit der Lebenstätigkeit – den ätherischen Kräften, die unser Körper nicht (mehr) für Wachstum und Regeneration braucht. Warum ist Beten, Spiritualität gesund? Weil es die Lebenskräfte sind, die wir dabei betätigen – was natürlich gesundend zurückwirkt auf den Körper. Körperleben und Gedankenleben (Geistesleben) sind nicht getrennt. Beim Altern nimmt das Geistesleben zu und das Körperleben ab, das unterscheidet sie, aber sie bleiben bis zum Tod immer verbunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Studium des Nachtodlichen würde ich euch raten, folgende Werke zu studieren: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
·      &#039;&#039;„Inneres Wesen des Menschen und Leben zwischen Tod und neuer Geburt“,&#039;&#039; GA 153.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
·      Dann gibt es noch einen sehr schönen Zyklus: &#039;&#039;„Der Tod als Lebenswandlung“,&#039;&#039; GA 182,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
·      und auch &#039;&#039;„Das Leben zwischen dem Tode und der neuen Geburt im Verhältnis zu den kosmischen Tatsachen“&#039;&#039;, GA 141.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
·      Mein Lieblingsbuch ist GA 10, &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten“&#039;&#039;, das Schulungsbuch für die Selbstentwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn das habe ich bemerkt: Wenn man keine echte Freude an der Selbstentwicklung hat, ist man auch nicht wirklich motiviert, andere in ihrer Entwicklung zu unterstützen. Man muss Experte werden in Sachen Entwicklung. Dazu gehört auch das Thema Unvollkommenheit, Spaß am Lernen – und nicht zu meinen, man dürfe keine Fehler machen. Durch meine kinder- und schulärztliche Tätigkeit bin ich zum Fehler-Apostel geworden. Jeder muss seine Fehler machen dürfen, weil man nur so authentisch wird. Angesichts von Fehlern sollten wir uns gegenseitig auf die Lektion hinweisen, die dadurch gelernt werden kann. Nur so können wir ein ungestörtes Verhältnis zu Fehlern entwickeln. Dieses Buch ist dabei eine große Hilfe. Es beschreibt die Entwicklung von Alpha zu Omega. Auch wenn Patienten weiterentwickelt sind als wir und Fragen bezüglich des inneren Weges haben, hilft es den Weg als Ganzes zu kennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur Anthroposophischen Medizin, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] &#039;&#039;Neues Testament, Johannes&#039;&#039; 8, 32.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ebenda, 15, 15.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Philosophie der Freiheit,&#039;&#039; GA 4, Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1995.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Hygiene als soziale Frage. In: Physiologisch-Therapeutisches auf Grundlage der Geisteswissenschaft.&#039;&#039; GA 314. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1989, S. 221 - 261.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner/Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen&#039;&#039;, GA 27 (1991).&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Offenborn</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Heileurythmie&amp;diff=1267</id>
		<title>Heileurythmie</title>
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		<updated>2026-01-19T15:12:05Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Offenborn: /* Verhältnis von Makrokosmos und Mikrokosmos erfassen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= Heileurythmie – von Michaela Glöckler =&lt;br /&gt;
Auszüge aus Büchern und Vorträgen von [[Michaela Glöckler]]; Erstveröffentlichung auf https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ENTWICKLUNG UND WIRKWEISE DER HEIL-EURYTHMIE ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Verbindungen gibt es zwischen den Lauten unserer Sprache und dem Kosmos?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern können Bewegungen heilsam wirken?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie und wann entwickelte sich die Heileurythmie?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verhältnis von Makrokosmos und Mikrokosmos erfassen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der Zeit vom 19. Oktober bis 11. November 1923 – die Arbeit &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; hatte bereits begonnen – hielt Rudolf Steiner in Dornach Vorträge mit dem Titel: &#039;&#039;„Der Mensch als Zusammenklang des schaffenden, bildenden und gestaltenden Weltenwortes“.[2]&#039;&#039; Sein Anliegen war, dass das doch eher abstrakte Konzept, dass der Mensch gegenüber dem Makrokosmos ein Mikrokosmos ist, und alle Gesetzmäßigkeiten der Welt in sich birgt, möglichst konkret erfasst würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Verhältnis von Makrokosmos und Mikrokosmos wird in der Eurythmie dadurch weiter konkretisiert, dass &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;Bewegungen für die&#039;&#039; &#039;&#039;Konsonanten&#039;&#039; in Beziehung gesetzt werden zu den &#039;&#039;&#039;Fixsterngruppen&#039;&#039;&#039; und ihren Formen, wie sie im Tierkreis zum Ausdruck kommen. &lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;Vokalgesten&#039;&#039; hingegen korrelieren mit den Planetenbewegungen und dem Charakter der einzelnen &#039;&#039;&#039;Planeten&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
* Hinzu kommt, dass auch die &#039;&#039;&#039;Tierkreisbilder&#039;&#039;&#039; selbst in &#039;&#039;spezifischen eurythmischen Gesten&#039;&#039; zum Ausdruck gebracht werden&lt;br /&gt;
* ebenso wie den &#039;&#039;&#039;Planetenbewegungen&#039;&#039;&#039; als solchen &#039;&#039;eigene Gesten&#039;&#039; zugeordnet werden.[3]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Bewegungsangaben für die eurythmische Kunst werden durch viele Vorträge zur Kosmologie ergänzt, die Rudolf Steiner in den Jahren der Entstehung und Entwicklung der Eurythmie hielt.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1923 folgte vom 15. bis 18. November in den Haag der Vortragszyklus: &#039;&#039;„Der übersinnliche Mensch anthroposophisch erfasst“.[5]&#039;&#039; Auch dort kam Rudolf Steiner auf die Eurythmie zu sprechen und darauf, wie wenig die Menschen gegenwärtig noch fühlen, wie sie eigentlich beim Aussprechen von Vokalen ihr Gefühl für das, was sie sagen wollen, zum Ausdruck bringen, in den Konsonanten hingegen das jeweils konkret Sachliche, worum es geht: &#039;&#039;„Das Innere der Menschenseele bedeutet Vokale, Konsonanten bedeuten immer Formen.“[6]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Von der Eurythmie zur Heil-Eurythmie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Entwicklung von der Eurythmie zur Heil-Eurythmie vollzog sich in drei Schritten, auch zeitlich gesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Neue Bewegungskunst ====&lt;br /&gt;
Die Entwicklung der Eurythmie begann im Jahr 1912. Zunächst ging es dabei um eine neue Bewegungskunst.[7]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Pädagogische Eurythmie ====&lt;br /&gt;
Nach dem Ersten Weltkrieg und mit der Begründung der Waldorfschule durch &#039;&#039;Emil Molt (1876–1936)[8]&#039;&#039; kam die pädagogische Eurythmie hinzu, für die Rudolf Steiner als pädagogischer Leiter der Waldorfschule dann einen Lehrplan für die Klassen 1–12 entwarf und auch für den Vorschulbereich Hinweise gab, wie hier mit den Kindern eurythmisiert werden kann.[9]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Heil-Eurythmie bzw. Eurythmie-Therapie ====&lt;br /&gt;
1921 entwickelte er – angeregt durch die an der Waldorfschule tätigen Eurythmistinnen – die therapeutische bzw. Heil-Eurythmie, heute auch Eurythmie-Therapie genannt. Diese neue Therapieform stellte er dann im Ärztekurs von 1921 dar, wobei die beiden Schuleurythmistinnen die Übungen demonstrierten. Dabei betonte er wiederholt, dass die Heileurythmie nicht ohne ärztliche Indikation und Begleitung durchgeführt werden sollte.[10]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wie Bewegungen zustande kommen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Alle Bewegungen beruhen auf der inneren Wesenheit der Menschen-Organisation. Aus dieser fließt in den ersten Jahren des menschlichen Lebens die Sprache. So wie sich nun der Laut in der Sprache der Konstitution des Menschen entringt, so können bei einer wirklichen Erkenntnis dieser Konstitution Bewegungen aus dem Menschen und aus den Menschengruppen herausgeholt werden, die eine wirkliche sichtbare Sprache oder ein sichtbarer Gesang sind.“[11]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Eurythmie und Heileurythmie werden nach Steiners Auffassung alle vier Wesensglieder zum Zusammenwirken aufgerufen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Bewegung muss aktiv gewollt sein – d.h. &#039;&#039;&#039;vom Ich aus&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;bewusst gestaltet&#039;&#039;&#039; werden.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Die astralische Organisation&#039;&#039;&#039; als Träger von Bewusstsein und Bewegung gibt dazu die Möglichkeit der Umsetzung.&lt;br /&gt;
* Die Bewegungsformen hingegen sind den &#039;&#039;&#039;Bildebewegungen des Ätherischen&#039;&#039;&#039; angepasst.&lt;br /&gt;
* Diese wiederum können &#039;&#039;&#039;im physischen Organismus&#039;&#039;&#039; Formbildung, Regeneration und Regulierungsprozesse anregen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei spielt auch die funktionelle Dreigliederung des Organismus eine wichtige Rolle, da die Sprachlaute mit ihren Bewegungsformen einen jeweils spezifischen Bezug zu &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* den Nerven/Sinnesprozessen, &lt;br /&gt;
* den rhythmischen Vorgängen von Herz und Lunge&lt;br /&gt;
* und den Verdauungsprozessen im Stoffwechsel haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da alle Bewegungsformen jedoch solche sind, die der Ätherleib seiner Natur nach als Wachstums- und Regenerationsbewegungen realisiert, kann man auch sagen, dass Ich-Organisation, astralische Organisation und die physische Organisation sich hier heilend in den Dienst der ätherischen Organisation stellen, diese in ihren Hauptfunktionen in Form von Wachstum und Regeneration zu stärken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Bedeutung der Bildebewegungen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Elke Neukirch&#039;&#039; hat in einer aussagekräftigen Studie Steiners Differenzierung der pädagogisch-hygienischen, hygienisch-eurythmischen und hygienisch-therapeutischen Arbeit zur Darstellung gebracht.[12] Studiert man die Bewegungsformen der Sprach-, Laut- und Ton-Eurythmie, und bringt diese Bewegungsformen in Verbindung mit den Bildebewegungen im Verlauf der Embryonalentwicklung, so versteht man unmittelbar einen Kernsatz aus den Vorträgen über Heileurythmie, dass nämlich jede Form eine &#039;&#039;„zur Ruhe gekommene Bewegung“&#039;&#039; sei.[13] Während die embryonalen Bildeprozesse Fließbewegungen zeigen, Aus- und Einstülpungen, Verzweigungen, aufeinander zulaufende Wachstumsbewegungen, Differenzierungsprozesse, Induktionsvorgänge und Integrationsprozesse, zeigen die definitiven anatomischen Formen die zur Ruhe gekommenen Bewegungen an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Göttinger Anatom und Embryologen &#039;&#039;Erich Blechschmidt (1904–1992)&#039;&#039; ist es zu verdanken, dass man diese – von ihm ‚Bildebewegungen‘ genannten – Phänomene heute im Großformat studieren kann im Anatomischen Institut in Göttingen, wo er stark vergrößerte Modelle der verschiedenen embryonalen Entwicklungsstadien herstellen ließ – bis heute eine vielbesuchte Dauerausstellung.[14]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;AD 1. Grundelemente der (künstlerischen) Eurythmie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Während in der Gymnastik Bewegungen geübt und gepflegt werden, die sich aus der Statik und Dynamik des physischen Leibes ergeben, bedarf die eurythmische Bewegung des eingehenden Studiums der ätherischen Bildebewegungen, denen sich der physische Leib dann anzupassen hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der künstlerischen Eurythmie kann in Form ‚sichtbarer Sprache und sichtbaren Gesanges‘ Dichtkunst und Musik zur Darstellung kommen. Zudem gibt es auch Ausdrucksformen für charakteristische Körperhaltungen und seelische Ausdrucksweisen.[15]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jedem eurythmischen Laut sind in dem Zusammenhang drei Farbqualitäten zugeordnet, wodurch sich der seelische Ausdruck der Bewegungen weiter nuancieren lässt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Es gibt eine Farbe für die &#039;&#039;&#039;Bewegung&#039;&#039;&#039; als solche, sie wird durch die Farbe des Eurythmiekleides zum Ausdruck gebracht. &lt;br /&gt;
* Der Schleier, der über das Kleid geworfen wird und auch die Arme bedeckt, hat die Farbe der zugehörigen &#039;&#039;&#039;Gefühlsqualität&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
* Der &#039;&#039;&#039;willenshafte Charakter&#039;&#039;&#039;, der Impetus, mit dem die Bewegungsform des Lautes gemacht wird, hat wiederum eine andere Farbnuance.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer Eurythmie studiert, weiß, wie lange es dauert, bis diese verschiedenen Seelenstimmungen von Bewegung, Gefühl und Charakter eines Lautes so stark empfunden werden können, dass sie über den Bewegungsausdruck auch für den Zuschauer sichtbar werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammen mit der Bildhauerin &#039;&#039;Edith Maryon (1872–1924)&#039;&#039; gestaltete Rudolf Steiner Eurythmie-Figuren für die Hauptkonsonanten und Vokale sowie die Seelengesten und die Dur- und Mollstimmung, die diesen farbigen Dreiklang zeigen und das Studium erleichtern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;AD 2. Pädagogische Eurythmie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der pädagogischen Eurythmie steht die Kunst im Dienst der altersgerechten körperlichen und seelischen Entwicklung: &#039;&#039;„Bei der Eurhythmie strömt sich der ganze Mensch, nach Körper, Seele und Geist in Bewegung aus. Das fühlt der heranwachsende Mensch, und er erlebt diese eurhythmischen Übungen mit ganz derselben Natürlichkeit als eine Äußerung der menschlichen Natur, wie er in jüngeren Jahren das Sprechenlernen erlebt.“[16]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;AD 3. Heileurythmie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Werden die Bewegungs-Gebärden der Kunst- und pädagogischen Eurhythmie modifiziert, so dass sie aus der kranken Wesenheit des Menschen so fließen, wie die anderen aus der gesunden, so entsteht die Heil-Eurhythmie.“[17]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Liegen Krankheitsprozesse vor, so entstehen abweichende Bildebewegungen, verstärkte, geschwächte, gestaute oder fahrige Bewegungsmuster. Praktizierende der Heileurythmie mit ausreichender Erfahrung gewinnen bereits aus dem Gangbild, aus der Art, wie der betreffende Mensch aufrecht steht und sich spontan bewegt klare Anhaltspunkte dafür, welche physiologischen Prozesse mithilfe der Heileurythmie zu regulieren sind. Dabei werden dann die indizierten Vokale, Konsonanten oder auch Ton- und Intervallbewegungen intensiv wiederholt und dadurch eine regulierende Rückwirkung auf den Stoffwechsel-Bewegungsorganismus des betreffenden Menschen ausgeübt.[18]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sieht, wie hier äußerlich Ausgeführtes sich gesundend in die Organe hinein fortsetzt, wenn einer Organerkrankung die bewegte Gebärde genau angepasst ist. &#039;&#039;„Weil diese Art, durch Bewegung in dem Menschen zu wirken, auf Körper, Seele und Geist geht, wirkt sie in intensiverer Art in das Innere des kranken Menschen hinein, als alle andere Bewegungs-Therapie.“[19]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Es sind auch die praktischen Erfolge der Heil-Eurhythmie solche, dass man sie durchaus als ein segensreiches Glied unserer hier dargestellten therapeutischen Denkweise ansprechen kann.“[20]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[21]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Der Mensch als Zusammenklang des schaffenden, bildenden und gestaltenden Weltenwortes,&#039;&#039; GA 230.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Eurythmie als sichtbare Sprache (Laut-Eurythmie-Kurs),&#039;&#039; GA 279.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Der übersinnliche Mensch, anthroposophisch erfaßt,&#039;&#039; GA 231.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, GA 133, 201, 202, 207, 208, 209, 219.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Siehe FN 3, S. 120.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Entstehung und Entwickelung der Eurythmie,&#039;&#039; GA 277a, &#039;&#039;Eurythmie als sichtbarer Gesang (Ton-Eurythmie-Kurs)&#039;&#039;, GA 278, und &#039;&#039;Eurythmie als sichtbare Sprache (Laut-Eurythmie-Kurs), GA&#039;&#039; 279).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Vgl. Esterl (2012).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Lucifer-Gnosis. Grundlegende Aufsätze zur Anthroposophie und Berichte aus den Zeitschriften „Luzifer“ und „Lucifer-Gnosis“&#039;&#039;, GA 34 und &#039;&#039;Die Methodik des Lehrens und die Lebensbedingungen des Erziehens,&#039;&#039; GA 308 sowie Stockmeyer (2017) und Stein-von Baditz (2021), 32–35. (Letztere beiden sind online verfügbar unter: www.forschung-waldorf.de/publikationen/detail/ueber- die-paedagogische-eurythmie-fuer-unterrichtende-1/); [6.1.2025].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Siehe FN 1, S. 88.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Siehe FN 1, S. 86.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Vgl. Neukirch (2016).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Eurythmie als sichtbare Sprache (Laut-Eurythmie-Kurs)&#039;&#039;. GA 279, 210.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] Siehe Humanembryologische Dokumentationssammlung Blechschmidt: www.anatomie.uni-goettingen.de/de/humanembryologie.html.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[15] Vgl. Rudolf Steiner zur Rolle von Schleier und Gewand in der eurythmischen Kunst in &#039;&#039;Eurythmie als sichtbare Sprache (Laut-Eurythmie-Kurs),&#039;&#039; GA 279, 131f. u. 298.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[16] Siehe FN 1, S. 87.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[17] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[18] Inzwischen liegt eine gediegene Grundlagenliteratur zu Heileurythmie vor: Kirchner-Bockholt (2010); Kingeter und Schapink (2023); Armstrong (2016); H.-B. und E. von Laue (2016); Keller-Roth (2021); Barfod und Hachtel (2023).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[19] Siehe FN 1, S. 88.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[20] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[21] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== HEILEURYTHMIE – HERZ DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern kann Heileurythmie als das Herz der medizinischen Bewegung gesehen werden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Heileurythmie und Bildebewegungen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ein Grund, warum ich den Eindruck habe, dass die Heileurythmie das Herz der Anthroposophischen Medizin ist, hängt mit dem heutigen Medizinstudium zusammen: Das Medizinstudium ist durch und durch dem Geist der heutigen Zeit verpflichtet – einem Wissenschaftsverständnis rein materialistischer Art. Der Medizinstudent wird enorm belastet von all dem Wissen, das er im Grunde nicht versteht, nicht verstehen kann. Rudolf Steiner sagt über die Anthroposophie: &#039;&#039;„So sollen wir auf dem Wege der Anthroposophie ausgehen lernen von der Erkenntnis, uns erheben zur Kunst und endigen in religiöser Innigkeit.“ [1]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Belebende, das die Wissenschaft erlöst und verwandelt in echtes Verstehen, in intimes Begreifen, kann man ohne Eurythmie nicht kennen lernen. Warum? Weil Eurythmie das System der embryonalen Bildebewegungen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bildebewegungen des menschlichen Organismus kann ich nachahmen, indem ich Eurythmie mache. Ich kann sie aber in einem ersten Schritt auch nur denken: Ich kann einen Winkel, einen Punkt, eine Linie denken. Und dann kann ich das, was ich gedacht habe – Anthroposophie beginnt in allen Bereichen mit Wissen, mit dem Denken – auch tun, mit meiner ganzen Gestalt ausführen und erkenne: Mein Wille ist realisierter Gedanke. Ich trage wirklich die Schöpferkräfte dieser Welt in mir, nicht nur in meinem Denken als leibfreie ätherische Kompetenz, als ‚ewiges Leben&#039;, sondern eben auch als ‚vergängliches Leben&#039;, als Prozess, als Bildebewegung, als Geschehen, als Substanzprozess. Je mehr ich von diesen Prozessen erlebe, erfahre und verwirkliche, umso mehr sehe ich sie auch um mich herum und in anderen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Gründe für Ausübung von Eurythmie in den Ausbildungen für Ärzte&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im Rahmen unserer Ärzteausbildungen haben wir folgende Gründe für die Ausübung von Eurythmie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die Schönheit von Eurythmie erlebbar zu machen &lt;br /&gt;
* den Ärzten auf diesem Wege einen Zugang zur Heileurythmie zu eröffnen&lt;br /&gt;
* Wahrnehmungsschulung durch Eurythmie anzubieten: Wer Eurythmie macht, lernt mit dem Herzen zu sehen, etwas sensibel zu verfolgen, z.B. einen Prozess an einer Pflanze. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr könnt Euch kaum vorstellen, was für ein Augenöffner es ist, wenn man mit einer Gruppe von Ärzten, die das noch nie gemacht haben, in der allerersten Stunde der Ausbildung die geometrischen Grundformen übt – den Winkel, den Punkt, die Linie, den Kreis und die Parallelen, die sich im Unendlichen schneiden. Nachdem das eine Stunde lang geübt wurde, geht der Arzt hinaus in die Natur und sieht, wie Gott dort ‚geometrisiert’. Wie die Bäume unterschiedliche Gesten machen. Und dass es viele Punkte gibt, von denen ausgehend sich etwas ausdehnt – es fällt einem wie Schuppen von den Augen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Prozesshaftigkeit wiederentdecken&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Jede Form ist eine zur Ruhe gekommene Bewegung&amp;quot;,[2]&#039;&#039; sagt Rudolf Steiner. Mit diesem zur Erfahrung gewordenen Wissen kann ich alles, was sich gefügt und verfestigt hat, ebenso das, was sich kosmisch fügt, anschauen, auch eine Diagnose, und dabei die Prozesshaftigkeit, den Prozess der Menschengestaltung, empfinden. Von Heileurythmie und Eurythmie im Allgemeinen sagt Rudolf Steiner, dass sie den Willen wieder hereinbringen in die Menschheitsentwicklung. Sie bedeuten eine unermessliche Willensstärkung und Willenserziehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite fördert Eurythmie das Denken mit dem Herzen, das mir offenbart, dass alles, was ich weiß, alles Gefügte und Geformte, ehemaliger Prozess ist und sich wieder verwandeln kann in Prozess, in Geschehen, in Metamorphose, in Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All das lernen wir im Medizinstudium nicht. Das müssten wir aber wissen, um Erkrankungs- und Gesundungsprozesse zu verstehen. Eurythmie hilft dem Arzt überhaupt erst Arzt zu werden. Denn ohne eine differenzierte Wahrnehmung des ätherischen Organismus kann man Anthroposophische Medizin gar nicht wirklich anwenden. Die eigene Erfahrung mit der Eurythmie und Heileurythmie ist der beste Weg, um die ätherischen Kräfte zu erfassen und handhaben zu lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Herzenskultur als Medizin erkennen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das Zentrum allen Ätherwirkens ist das Herz. Eurythmie ist nicht nur Willenserziehung, Willensoffenbarung und Leibergreifung, sondern auch reine Herzenssprache und Herzensoffenbarung. Das liegt nicht nur daran, dass die Eurythmie ihren Bildegesetzen nach dem Herzens-Lungen-Schlag entstammt. Es liegt vor allem daran, dass alles Künstlerisch-Prozesshafte mit dem Herzen gemacht werden muss. Man kann nicht ausdrucksvoll oder prozessorientiert Eurythmie machen, wenn man nicht mit dem Herzen dabei ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was aber, wenn man nicht gelernt hat auf das eigene Herz zu hören, weil man nicht mit den eigenen Ängsten umgehen kann?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wenn man immer Angst hat, etwas falsch zu machen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angst wird den Ärzten heutzutage antrainiert – immer auf der sicheren Seite zu sein. Dieses Angsttraining ist geradezu eine Gegenschule zu dem Wissen und der Tatsache, dass die einzig wahre Arznei Liebe ist. Angesichts dieser ahrimanischen Gegenschule der heutigen Zeit brauchen Ärzte die Heileurythmie und die Geisteswissenschaft, um das Liebesprinzip, die Herzenskultur, die einzig gesundende Arznei, wieder handhaben zu lernen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Medizin und Heileurythmie brauchen einander&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das ist der Grund, warum es auch selbstverständlich ist, dass die Heileurythmie die Entwicklungsgeschichte der medizinischen Bewegung mit ihrer Hauptrepräsentantin &#039;&#039;Ita Wegman&#039;&#039; konsequent begleitet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das moderne Arzttum braucht Eurythmie, um sich öffnen zu können für das, was wirklich heilt, und um den kranken Organismus prozesshaft verstehen zu lernen. Dazu brauchen Ärzte auch das Gespräch mit den HeileurythmistInnen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Tatsache des gegenseitigen Brauchens wird immer evidenter: Die HeileurythmistInnen müssen sich dazu durchringen, die Erkenntnisseite ihrer Therapie etwas mehr zu pflegen und die Ärzte müssen sich dazu bewegen lassen, von ihrem Wissensthron herunterzusteigen auf die Herzensebene. Sie müssen das, was sie wissen, auch wirklich verstehen wollen, indem sie es für sich in Prozess und Geschehen übersetzen und künstlerisch durchempfinden lernen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag „Vom Wesen der Heileurythmie als Herzorgan der Anthroposophischen Medizin“, Dornach, 1. Weltkonferenz für Heileurythmie, 30. Mai 2008&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Anthroposophische Gemeinschaftsbildung&#039;&#039;, GA 257, 1. Vortrag, 23.01.1923.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Eurythmie als sichtbare Sprache&#039;&#039;, GA 279, 10. Vortrag, 10.07.1924.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ENTWICKLUNG DER HEILEURYTHMIE ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie hat sich die Heileurythmie im Rahmen der anthroposophisch-medizinischen Bewegung entwickelt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Bereiche umfasst sie?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Aus der pädagogisch-therapeutischen Praxis entstanden&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Heileurythmie, die therapeutische Eurythmie, arbeitet hochspezifisch, akkurat und genau. Rudolf Steiner setzte sie sehr bescheiden ein in den Vorträgen für die Ärzte und sagte, man werde nicht alles damit behandeln können, aber doch sehr vieles.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das erste pädagogisch-medizinisch-anthroposophische Werk wurde von Rudolf Steiner 1907 herausgegeben, &#039;&#039;„Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkt der Geisteswissenschaft“.[1]&#039;&#039; Fast auf jeder Seite wird von „gesunder Entwicklung“ gesprochen, von „Gesundheit“, von der „Überwindung von Krankheitstendenzen“. Prävention in Form von Erziehung, später ergänzt durch Selbstschulung und Selbsterziehung, der Königsweg der Medizin – ist bereits über 100 Jahre alt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rahmen ihrer Tätigkeit in der Waldorfschule fragte &#039;&#039;Elisabeth Baumann&#039;&#039;, die zusammen mit &#039;&#039;Karl Schubert&#039;&#039; die Hilfsklasse betreute, Rudolf Steiner immer wieder um Rat im Zusammenhang mit schwierigen Kindern und bat um spezielle therapeutische und eurythmische Übungen. Sie bekam bereitwillig Antworten – die Heileurythmie entstand so aus der pädagogischen Praxis heraus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Erna van Deventer-Wolfram&#039;&#039; verfolgte später die Angaben zur therapeutischen Eurythmie zurück bis ins Jahr 1915 und davor: Von Anfang an ist das Werden der Eurythmie begleitet von Abwandlungen für deren therapeutische Anwendung. Und immer werden auch Laienkurse angeboten und entwickelt sich das pädagogisch-didaktische Element. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Prophylaktisches und heilend-erzieherisches Element&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das prophylaktische und das heilend-erzieherische Element begleiten die Entwicklung der Anthroposophischen Medizin in ihrer zweiten Etappe. Es ist kein Zufall, dass Ostern 1921 der &#039;&#039;Heileurythmiekurs[2]&#039;&#039; gegeben wird – integriert in den zweiten Kurs für Ärzte. Es ist das Jahr, in dem im Juni die heutige Ita-Wegman-Klinik und in Stuttgart von &#039;&#039;Otto Palmer&#039;&#039; die Stuttgarter Klinik begründet wurden. Das markiert den Schritt in der Entwicklung der Anthroposophischen Medizin, durch den nun – seit 1920, dem ersten Medizinerkurs – die Krankheitslehre entwickelt wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammen mit der Wissenschaft von der Krankheit wird auch die Heileurythmie als neue Therapieform systematisch entwickelt. Sie wird so vollständig dargestellt, dass Rudolf Steiner ein Jahr später, als er nochmals gebeten wurde, über Heileurythmie zu sprechen, sinngemäß sagte: &#039;&#039;Eigentlich habe ich bereits alles gesagt.[3]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich kenne das von keinem anderen Zusammenhang, dass Rudolf Steiner schlicht darauf hinweist, er hätte schon alles zu einem bestimmten Thema gesagt. In diesen Vorträgen ist eigentlich alles drin, auch wenn wir bei der Arbeit damit ständig Neues entdecken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Tonheileurythmie und weitere Entwicklungen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ich bin besonders glücklich darüber, dass im Rahmen unserer 1. Weltkonferenz für Heileurythmie auch die Tonheileurythmie vorgestellt wurde, über die Rudolf Steiner im Heileurythmiekurs nicht spricht, sondern sie in einem anderen Vortragszyklus ausführt. Es gehört zu meinen ganz großen Hoffnungen, dass durch die Demonstration der Qualität ‚Tonheileurythmie&#039; die Botschaft in 32 Länder hinausgeht und sich dieser ‚Bazillus’ Tonheileurythmie in Form einer ansteckenden Gesundheit fortpflanzt und überall ansiedelt. Denn natürlich gehört zu dem vollständigen Keim, in dem bereits alles enthalten ist, auch das Rhythmisch-Musikalische. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Heileurythmie ist noch nach vielen Richtungen hin weiterzuentwickeln: In den Qualitäten der Farbe, der Form, der Musik, der Fülle der Rhythmen usw. liegen noch ungehobene Schätze verborgen. Auch diese historischen Zusammenhänge weisen darauf hin, dass die Heileurythmie, diese zutiefst menschliche Eurythmie, wie der Urgrund oder Urzugang zu einem spirituellen Verständnis der menschlichen Organisation ist. Ohne dieses Verständnis, lässt sich die Anthroposophische Medizin nicht denken und praktizieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heileurythmie ist das Herzstück. Sie selbst ist der reine Ausdruck von Herzlichkeit: Herzlichkeit im Umgang mit der Welt, Herzlichkeit im Umgang mit den Menschen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag „Vom Wesen der Heileurythmie als Herzorgan der Anthroposophischen Medizin“, Dornach, 1. Weltkonferenz für Heileurythmie, 30. Mai 2008&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Erkenntnis des Übersinnlichen in unserer Zeit und deren Bedeutung für das heutige Leben,&#039;&#039; GA 55, 6. Vortrag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner&#039;&#039;, Heileurythmiekurs&#039;&#039;, GA 315.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Ebenda, 8. Vortrag vom 28.10.1922.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== MENSCHLICHE EURYTHMIE UND KEHLKOPF ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was bedeutet ‚menschliche Eurythmie‘?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Das Besondere an Kehlkopf und Gehör&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im ersten Vortrag des &#039;&#039;Heileurythmiekurses[1]&#039;&#039; finden wir nicht nur die Begriffe &#039;&#039;‚hygienisch-therapeutische Eurythmie&#039;&amp;lt;nowiki/&amp;gt;&#039;&#039;, &#039;&#039;‚didaktisch-pädagogische Eurythmie&#039;&amp;lt;nowiki/&amp;gt;&#039;&#039;, und &#039;&#039;‚künstlerische Eurythmie‘&#039;&#039;, sondern auch den Begriff der &#039;&#039;‚menschlichen Eurythmie&#039;&#039;&#039;. Diese ‚menschliche Eurythmie’ entwickelt Rudolf Steiner am Kehlkopf. Sie ist jenseits von Kunst, Pädagogik und Therapie beheimatet – sie ist noch etwas viel Ursprünglicheres, Allgemeineres: Das rein Menschliche eurythmisiert im Kehlkopf, dem umgewendeten Hinterhaupt mit der Gehörregion.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Vortrag &#039;&#039;„Geisteswissenschaftliche Gesichtspunkte zur Therapie&amp;quot;,[2]&#039;&#039; der dem &#039;&#039;Heileurythmiekurs&#039;&#039; vorgelagert ist, schildert Rudolf Steiner, warum die Kehlkopf- und Gehörregion so besonders sind: Es ist genau dieser Bereich, in dem der physische Leib am allermeisten er selbst ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Entwicklungsschritte des physischen Erdeninstrumentes&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch hat sich dort ein physisches Erdeninstrument geschaffen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Die Gehörpartie ist wie eine Erinnerung an den Saturnzustand, als der Mensch noch wie ein Ohr war und seinen eigenen Herzschlag hörte. &lt;br /&gt;
# Aus dieser Hör-Tätigkeit bildete sich dann das Wärmeorgan, das auf- und absteigt und pulsiert in den Wärmeformen des alten Saturn.&lt;br /&gt;
# Heute ist es physisch verdichtet und ganz ausgestaltet als unser Herz, das Zentralorgan des Menschen.&lt;br /&gt;
# Die Metamorphose der am stärksten ausgeprägten physischen Form, der Hinterhauptpartie, findet sich in umgewendeter Weise im Kehldeckel wieder. &lt;br /&gt;
# An ihn schließen sich Kiefer und Sprechwerkzeuge an und die dort wunderbar eingebauten Stimmbänder mitsamt den Stellknorpeln, diesen feinen, gliedmaßenähnlichen Gebilden. Alles, was wir in Worten artikulieren, wird dort in genau umgekehrter Form, rückwärts gewendet, aktiv ausgeführt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Vokalismus des Kehlkopfs&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im Kehlkopf finden wir – neben dem konsonantischen Aspekt, der sich in den feinen Bewegungen der Stellknorpel und den Spannungszuständen unserer Stimmbänder offenbart – die Vokale archetypisch eingezeichnet, quasi in das Herz dieses &#039;zweiten Menschen&#039; eingeschrieben: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* das &#039;&#039;&#039;A&#039;&#039;&#039; in der Form des Kehldeckels, &lt;br /&gt;
* das &#039;&#039;&#039;O&#039;&#039;&#039; in den schönen Ringknorpeln um die Trachea herum, unserer Luftröhre, &lt;br /&gt;
* dann die Parallelität des &#039;&#039;&#039;U&#039;&#039;&#039; im gesamten Aufbau des Kehlkopfes und seiner Anhangsorgane,&lt;br /&gt;
* aber auch physiologisch-anatomisch in den kreuz- bzw. &#039;&#039;&#039;E&#039;&#039;&#039;-förmigen Muskelzügen &lt;br /&gt;
* und schließlich das &#039;&#039;&#039;I&#039;&#039;&#039; im vertikal stehenden Kehlkopf selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Kehlkopf finden wir alle Vokale anatomisch-physiologisch eingezeichnet. Daran können wir merken: In der Eurythmie wird nur sichtbar gemacht, was uns als Körpergeometrie bereits ‚eingestaltet’ ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag „Vom Wesen der Heileurythmie als Herzorgan der Anthroposophischen Medizin“, Dornach, 1. Weltkonferenz für Heileurythmie, 30. Mai 2008&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Heileurythmiekurs,&#039;&#039; GA 315.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaft und Medizin,&#039;&#039; GA 312, 1. Vortrag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== HEILEURYTHMIE BEIM KLEINKIND ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen unmittelbaren Bezug hat Heileurythmie zur Entwicklung des Kleinkinds?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Bedeutung haben hier die Vokale?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Vokale und Inkarnationsbewegungen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In einer befreundeten Familie wurden zwei Kinder adoptiert: ein Säugling direkt nach der Geburt, dessen Mutter drogenabhängig war, und ein Kind, das schon einige Monate alt war. Bei beiden wurde von Anfang an Heileurythmie gemacht, jeden Morgen und jeden Abend – vor allem Vokale. Denn Vokale entsprechen den Inkarnationsbewegungen des Kindes im ersten Lebensjahr:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Das „I“ als Bewegung ====&lt;br /&gt;
Die erste eigenaktive Bewegung direkt nach der Geburt, wenn der auf dem Bauch liegende Säugling den Kopf hebt und die Nackenmuskulatur streckt, entspricht dem „I”. Manchmal ist der Kopf so schwer, dass er bei diesem ersten Heben richtig wackelt. Im Laufe der Wochen und Monate kommt allmählich Spannung in die Muskulatur – das „I”.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer Eurythmie machen will, lässt sich zuerst ganz locker hängen und richtet sich dann langsam auf, bis er den Kopf ganz aus der Schwere befreit hat. Diese entscheidende „I”-Gebärde, die der Eurythmisierende zuletzt ausführt, ist beim Säugling die erste: Er ergreift seinen Leib zuerst in der Kopfregion. Was Kinder später mit Freude wiederholen, dieses Recken des Kopfes, wenn sie sagen können – Hier bin ich! – das haben sie als Erstes gelernt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Das „E“ als Bewegung ====&lt;br /&gt;
Sobald der Blick Gegenstände zu fixieren beginnt und die Sehachsen sich kreuzen, wird der nächste Laut errungen: Jetzt beginnt das Spiel mit den Fingern, die Selbstberührung, das gezielte Greifen – das „E”. Die Bewegungen des Kindes pendeln zwischen „E” und „I”, wobei das „I” immer gerichteter wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Das „A“ als Bewegung ====&lt;br /&gt;
Allmählich öffnen und schließen sich auch die Arme; es dauert aber eine ganze Weile bis sie wirklich gerichtet geöffnet werden können – was dem „A” entspricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Das „O“ als Bewegung ====&lt;br /&gt;
Nach dem „E” ist das „O” an der Reihe, z.B. beim Umarmen der Puppe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Das „U“ als Bewegung ====&lt;br /&gt;
Als Letztes wird mit der Parallelstellung der Beine das „U” errungen: Die Streckung der Beine ist mit sechs Monaten möglich; bis zum freien Stand im „U” dauert es meist noch ein halbes Jahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Was Vokal- und Konsonantenübungen bewirken&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Vokal- und Konsonanten-Eurythmie ist ein hilfreiches Instrument, wenn man täglich damit arbeitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Vokalübungen&#039;&#039;&#039; sind die Inkarnationshelfer des Ich par excellence. Durch sie „verselbsten” wir uns. Ein Erwachsener kann sein schwaches Selbstgefühl durch vokalisierende Eurythmie stärken. Mit Vokalübungen tun Sie den Kindern, aber auch sich selbst etwas Gutes – sie bringen ein Wohlgefühl in den Körper.&lt;br /&gt;
* Mit Hilfe von &#039;&#039;&#039;Konsonantenübungen&#039;&#039;&#039;, die im Stehen ausgeführt werden, kann das Gedächtnis verbessert und die Ausformung des Leibes unterstützt werden, können bei Kindern Fehlentwicklungen und Deformationen aufgelöst, kann anstelle dessen die richtige Form entwickelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich beobachtete in der oben erwähnten Familie, wie sich die beiden Kinder trotz ihrer problematischen Vorgeschichte gesund entwickelten. Es war sehr schön, es selbst zu beobachten und davon zu hören. Ich führe diese positive Entwicklung auf die Persönlichkeit der Kinder, der Eltern, aber auch auf die Wirkung der Eurythmie, der bewussten, aktiven Handhabung des Ätherleibes, zurück. Dem Kind wird mit der Eurythmie etwas Gesundendes, Heilendes angeboten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Qualitäten der Vokale als Inkarnationshilfe&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In einem Säuglingsraum wird manchmal Eurythmie gemacht, damit die Kraft der archetypischen ätherischen Leibergreifungsbewegungen auf die nachahmungsbereiten Kinder wirken kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Wirkungen müssen wir selbst auch kennenlernen. Eurythmie entspringt der Bewegungsfreude, der Geschlossenheit des Ich, dem inneren Wesen der Laute: Wir können&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Bewunderung und Verehrung beim &#039;&#039;&#039;A&#039;&#039;&#039; empfinden&lt;br /&gt;
* Ehrfurcht beim &#039;&#039;&#039;E&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Selbstbehauptung beim &#039;&#039;&#039;I&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* liebevolles Umgreifen und Geschlossenheit beim &#039;&#039;&#039;O&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* „Ich suche mich im Geiste” beim &#039;&#039;&#039;U&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Qualitäten rufen das Wesen des Kindes herein in den Leib und erfüllen die Seele über die Bewegung mit Freude.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Die Würde des kleinen Kindes“, 3. Vortrag, Kongressband Nr. 2, gelbes Heft&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== HEILEURYTHMIE ALS KÖRPERMEDITATION ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist unter Körpermeditation zu verstehen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Meditative Aspekte der Heileurythmie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Heileurythmie hat einen rein meditativen Aspekt, aber auch den einer Körpermeditation. Denn jede Übung, die wir machen, können wir ebenso nur in Gedanken vollziehen. Wir können, wenn wir uns physisch nicht mehr gut bewegen können, dennoch die ätherischen Gliedmaßen bewegen. Das kann so stark wirken, dass man die Leibfreiheit seines aus dem kranken Organismus schon etwas herausgehenden Wesensgliedergefüges erlebt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Variante 1 ====&lt;br /&gt;
Einige HeileurythmistInnen, &#039;&#039;Isabella de Jaager&#039;&#039; gehörte dazu, haben immer auch Meditationsübungen gegeben. Es sind Atemübungen, die aus der alten Esoterik stammten, wie z.B. die folgende:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Die höchste Kraft des Geistes zieht mit dem Atem in mich ein.&#039;&#039;“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diesen Satz, den man still und langsam für sich denkt, atmet man ruhig und entspannt ein.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Alle Kraft ruht in mir.&#039;&#039;“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diesen Gedanken und dessen Realisierung wird der Atem angehalten und ganz zur Ruhe gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Von mir geht aus alles Gute, dessen ich fähig bin.&#039;&#039;“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ruhiges Ausatmen, gefolgt von einer weiteren Ruhepause vor Beginn der nächsten übenden Einatmung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu solch einer Meditationsübung sollte man sich entspannt und innerlich still hinlegen, man kann sie auch gut im Bett machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Variante 2 ====&lt;br /&gt;
Eine andere Möglichkeit der Durchführung nach &#039;&#039;Isabella de Jaager&#039;&#039; ist folgende: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bevor man eine Übung macht, sollte man zunächst an die Körperstelle denken, dann sich ganz zart die heilende Bewegung vorstellen und daraufhin erst anfangen sich zu bewegen. Die Intensität der Bewegung kann man im Laufe der Übung steigern und immer weiter steigern und ausgestalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende der Bewegungssequenz sollte man wieder ruhig liegen und denken – &#039;&#039;„Ich habe bewegt“&#039;&#039; – und sich dabei vorstellen, wie die Durchblutungssteigerung langsam wieder abnimmt und wie das, was man getan hat, von der bewegten Körperstelle aufgenommen und auch an andere Organe weitergegeben wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag „Vom Wesen der Heileurythmie als Herzorgan der Anthroposophischen Medizin“, Dornach, 1. Weltkonferenz für Heileurythmie, 30. Mai 2008&#039;&#039;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Offenborn</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Entwicklung&amp;diff=1266</id>
		<title>Entwicklung</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Entwicklung&amp;diff=1266"/>
		<updated>2026-01-17T18:30:20Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Offenborn: /* · Um das 15. Jahr: Geburt der Differenzierungskraft der Gefühle (AL) */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= Entwicklung – von Michaela Glöckler =&lt;br /&gt;
Auszüge aus Büchern und Vorträgen von [[Michaela Glöckler]]; Erstveröffentlichung auf https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== EMBRYONALE ENTWICKLUNGSSTADIEN UND -GESTEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche signifikanten Entwicklungsstadien durchläuft der Embryo?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Entwicklungsgesten lassen sich aus den einzelnen Stadien ablesen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entwicklungsstadien des Embryos&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In den ersten Tagen nach der Zeugung muss sich der Embryo, das sich inkarnierende Kind, das nur als kleiner Zellhaufen sichtbar ist, erst einmal selbst seinen Umkreis, die Plazenta und alle anderen embryonalen Hüllen schaffen. Das ist seine Hauptarbeit. Wenn das geschafft ist, fängt der kleine Mensch an sich zu regen und zu leben. Es empfiehlt sich sehr, möglichst naturnahe Bilder der embryonalen Entwicklungsstadien im Internet oder in guten Embryologie-Büchern anzusehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Folgenden nur ein paar kurze Anmerkungen zu embryonalen Entwicklungsstadien:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* In der &#039;&#039;&#039;ersten Woche&#039;&#039;&#039; kommt es zum sogenannten &#039;&#039;Morula-Stadium&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
* In der &#039;&#039;&#039;zweiten Woche&#039;&#039;&#039; bildet sich der &#039;&#039;Embryoblast&#039;&#039; in seiner allerersten Veranlagung als zweiblättrige Keimscheibe in dieser wunderschönen Ausformung, die dann bald dreiblättrig wird. &lt;br /&gt;
* In der &#039;&#039;&#039;vierten Woche&#039;&#039;&#039; veranlagt sich bereits die &#039;&#039;Gesamtgestalt&#039;&#039; im Zentrum der embryonalen Hüllen.&lt;br /&gt;
* Aus der dreiblättrigen Keimanlage von Ektoderm, Entoderm und dem sich dazwischen bildenden Mesoderm differenzieren sich &#039;&#039;&#039;in den nächsten Wochen&#039;&#039;&#039; alle Körperorgane.&lt;br /&gt;
* In der &#039;&#039;&#039;achten Woche&#039;&#039;&#039; ist das &#039;&#039;Nervensystem&#039;&#039; bereits das differenzierteste Organsystem, über das wir als Menschen verfügen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entwicklungsgesten und Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Entwicklungsgesten hängen eng mit den Wesensgliedern, die sie vollziehen zusammen. Wir unterscheiden drei grundverschiedene Gesten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Wachstum (Proliferation) unter der Regie des ÄL ====&lt;br /&gt;
Der Ätherleib ist der große Materialbeschaffer, der Wachstumsspezialist, der Zellen bildet und unter der Regie des AL ausgestaltet.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Differenzierung unter der Regie des AL ====&lt;br /&gt;
Es ist wichtig sich ins Gedächtnis zu rufen, dass Leben eben auch die Differenzierung von ein und demselben Grundmaterial bedeutet. Das vollbringt der Astralleib (AL). Er bringt Differenzierung in alles Leben (Ätherische), sodass es sich individuell und spezifisch ausprägen kann: Gehirn und Magen leben beide, aber sie tun es auf sehr unterschiedliche Art und Weise. Der Astralleib ist seinem Wesen nach musikalisch, weil in der Musik alles vom Intervall, vom Dazwischen, von der Differenzierung in feine Nuancen lebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Integration unter der Regie der Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Die Ich-Organisation ist die integrierende Instanz, sie schafft aus allem eine Ganzheit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Embryonalentwicklung kann man am besten beobachten, wie diese unterschiedlichen Kompetenzen der Wesensglieder zum Tragen kommen, während sich die Organe bilden, differenzieren und ihren Platz im Ganzen finden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag „Der Lebenssinn In Diagnostik Und Therapie“, gehalten am 8. Januar 2016 an der Kunsttherapietagung&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== BILDEIMPULSE DER WESENSGLIEDER FÜR DIE EMBRYONALENTWICKLUNG ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Impulse geben welche Wesensglieder für die Embryonalentwicklung&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Organbildungen verdanken wir den drei Keimblättern?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern drückt sich die Ich-Organisation auf dreifache Weise im Gesamtorganismus aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Prägung der drei Keimblätter&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Absätze 5–8 von Kapitel VI aus &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; sind dem Zusammenwirken der dem Blut und den Nerven zugrunde liegenden Bildeimpulse gewidmet. Aus dem Zusammenwirken von Blut und Nerv ergeben sich – so die Autoren – alle Bildeimpulse für die Embryonalentwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die dreifach unterschiedliche Art des Zusammenwirkens entstehen drei verschiedene Gebiete, von denen die Bildeimpulse für den Gesamtorganismus ausgehen. Diese drei verschiedenen Gebiete sind die Prägeorte für die Bildung der aus der Embryologie bekannten drei Keimblätter:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Ektoderm&#039;&#039;&#039; (äußeres Keimblatt) – oberes Gebiet, &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Mesoderm&#039;&#039;&#039; (mittleres Keimblatt) – mittleres Gebiet,&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Entoderm&#039;&#039;&#039; (inneres Keimblatt) – unteres Gebiet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;@ Vom Entoderm ausgehende Organbildungen – Verdauung und Atmung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im Verdauungsgebiet arbeiten vorzugsweise die ätherisch organisierten Nerven mit der Blutsubstanz zusammen, deren Tätigkeit der Ich-Organisation unterliegt. Diese Art des Zusammenwirkens bildet während der Embryonalentwicklung den Ausgangspunkt für die Organbildungen, die vom Entoderm ausgehen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Epithel- und Drüsen des Magen-Darm-Traktes, &lt;br /&gt;
* Leber,&lt;br /&gt;
* Pankreas,&lt;br /&gt;
* Harnblase&lt;br /&gt;
* Epithel und Drüsen der Trachea, Bronchien und Lungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;@ Vom Mesoderm ausgehende Organbildungen – Organe der Beweglichkeit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Vom mittleren Keimblatt gehen die Organbildungen aus, bei denen die Nervenorgane, die von der astralischen Organisation beeinflusst sind, zusammenwirken mit Blutvorgängen, die ebenfalls von dieser astralischen Organisation und in ihrem oberen Teil von der ätherischen abhängig sind:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Skelettmuskulatur, &lt;br /&gt;
* Bindegewebe&lt;br /&gt;
* Knochen (mit Ausnahme des Schädels),&lt;br /&gt;
* sowie das Urogenitalsystem samt Niere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind die Organe, &#039;&#039;„welche die äussere und innere Beweglichkeit vermitteln“.[2]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;@ Vom Ektoderm ausgehende Organbildungen – Stützorgane&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im oberen – ektodermalen – Gebiet liegen die Ausgangspunkte für die Knochenbildung und für alles andere, &#039;&#039;„das dem menschlichen Körper als Stützorgane dient“.[3]&#039;&#039; Hier wirken die unter dem innerlich organisierenden Ich stehenden Nerven zusammen mit den Blutvorgängen, die eine starke Neigung haben, ins leblos Mineralische überzugehen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Haut, Haare, Nägel, &lt;br /&gt;
* Zahnschmelz,&lt;br /&gt;
* Innenohr,&lt;br /&gt;
* Augenlinse&lt;br /&gt;
* Hirnnerven und das Zentralnervensystem mit Epiphyse und Hypophysenhinterlappen,&lt;br /&gt;
* die Knochen des Kopfes,&lt;br /&gt;
* deren Muskeln&lt;br /&gt;
* und zugehöriges Bindegewebe.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Räumliche und funktionelle Dreigliederung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dass es sich dabei nicht nur in räumlicher Hinsicht um drei Gebiete handelt, sondern auch um eine funktionelle Dreigliederung (unter der Regie der Ich-Organisation), geht aus Abs. 6 hervor: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Der mineralische Anteil der Knochen&#039;&#039; wird dem &#039;&#039;&#039;obersten Gebiet (Ektoderm)&#039;&#039;&#039; zugehörig betrachtet,&lt;br /&gt;
* wohingegen &#039;&#039;die organischen Knochenstrukturen&#039;&#039; den Impulsen des &#039;&#039;&#039;mittleren Gebietes (Mesoderm)&#039;&#039;&#039; unterstellt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ich-Organisation prägt in der Skelettbildung ihre Signatur der Gesamtgestalt auf – das Skelett ist ihr Abbild. Träger der geistigen Ich-Tätigkeit ist hingegen das Gehirn, dem &#039;&#039;„die organisierende Kraft des Ich nur leise zugrunde liegt“&#039;&#039;&#039;[5]&#039;&#039;&#039;,&#039;&#039; weswegen sie sich überwiegend leibfrei ‚von außen‘ betätigen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Während die Ich-Organisation sich durch die Knochenbildung im &#039;&#039;&#039;Skelett&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;ein Abbild im Physischen&#039;&#039; schafft, &lt;br /&gt;
* kann sie sich dank der &#039;&#039;&#039;Gehirnphysiologie&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;rein geistig&#039;&#039; betätigen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;In der Blutsubstanz&#039;&#039; und in allem, was durch sie bewirkt wird, ist sie unmittelbar &#039;&#039;&#039;substanzbildend und regulierend&#039;&#039;&#039; tätig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war Rudolf Steiners Entdeckung, dass der embryonale Kreislauf einer der besten Beweise für die autonome Bewegung des Blutes ist,[6] was inzwischen durch die embryologische Forschung mit hochauflösender Videomikroskopie bestätigt werden konnte.[7]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[8]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27, S. 35.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Vgl. Moore (2013), 533–559.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Siehe FN 1, S. 36.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Philosophie des Thomas von Aquino,&#039;&#039; GA 74, S. 93.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Vgl. Forouhar u. a. (2006), 751–753.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== STADIEN DER MENSCHLICHEN ENTWICKLUNG IN JUGEND UND ALTER ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche großen Entwicklungsabschnitte gibt es im menschlichen Leben?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Reifezyklen in Jahrsiebten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Nach der Geburt steht zunächst die Entwicklung des Nervensystems im Vordergrund. Dann folgen die Organe der rhythmischen Funktionsordnung und schließlich die volle Ausreifung von Skelett und Stoffwechselorganen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== - Evolution im 1. Jahrsiebt ====&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;Grundreifung der Sinnesfunktionen&#039;&#039; und etwa 90% der Kapazitäten des Zentralnervensystems erreichen schon in den ersten 9 Lebensjahren die volle Funktionstüchtigkeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ohr ist mit etwa vier Jahren voll funktionstüchtig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Auge braucht acht Jahre, bis es in allen Feinheiten ausgereift ist: in Bezug auf die Perspektive, das Farbensehen, auf feinsten Abstufungen der Wahrnehmung und die Verknüpfung mit den anderen Sinnen. Das ist ein langer Reifungsprozess.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== - Evolution im 2. Jahrsiebt ====&lt;br /&gt;
Bis zur Pubertät reifen die &#039;&#039;rhythmischen Funktionssysteme&#039;&#039;, insbesondere von Herz und Kreislauf. Bei einem Zwölfjährigen haben wir noch ein Kinder-EKG, einen schnelleren Herzrhythmus und eine schnellere Atmung, als es der Erwachsene hat.  Die Ausreifung der Frequenzabstimmung zwischen Atem- und Herzrhythmus sind im Alter von 15-16 Lebensjahren abgeschlossen, dann hat sich die ruhigere, langsame Atmung des Erwachsenen entwickelt. Es dauert also länger, bis diese Organe „erwachsen“ sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== - Evolution im 3. Jahrsiebt ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Skelett und Stoffwechsel&#039;&#039; brauchen am längsten, bis sie vollkommen ausgereift sind und die Stabilisierung der Stoffwechselvorgänge und des Hormonhaushaltes erreicht wird. Vom spirituellen Gesichtspunkt her würden wir sagen: bis der Mensch „vollständig inkarniert“ ist. Das dauert im Durchschnitt zwischen achtzehn und zweiundzwanzig Jahren. Die Ausreifung des Skelettsystems zur Erwachsenenform geschieht bis zum 23. Lebensjahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== &#039;&#039;Involutionsphasen in Jahrzehnten&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
Interessant ist nun, dass sich in der zweiten Lebenshälfte diese drei Organsysteme in umgekehrter Reihenfolge wieder zurückbilden, was wir den Prozess des Alterns nennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;&#039;Zwischen 40 und 50&#039;&#039;&#039; mit dem Klimakterium tritt bei der Frau die Menopause ein. Die Involution der Stoffwechselprozesse beginnt. Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises und Stoffwechselstörungen wie Diabetes Typ 2 haben laut Statistik ihre höchste Inzidenz (Zeitpunkt des Eintretens) in diesem Alter. Gelenkverschleiß zeigt sich, Rückenprobleme werden spürbar; Gallen- und Nierensteine.&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;&#039;Zwischen 50 und 60&#039;&#039;&#039;  treten in einem großen Schub die typischen pulmonalen und cardio-vaskulären Erkrankungen auf wie Bluthochdruck, Rhythmusstörungen, bei Disposition der erste Infarkt. Später oder früher wäre es schon nicht mehr so typisch. Das betrifft auch die Chronifizierung von Lungenerkrankungen, die hier einsetzt. All diese Erkrankungen haben in diesem Alter statistisch gesehen eine erste große Inzidenzphase. Wir sprechen dabei von Exkarnationsproblemen. Der Mensch kommt im Hinblick auf seine Vitalität, seine Seelenverfassung und seinen ganzen biografischen Entwurf in eine Krise. Er muss körperliche Einbußen hinnehmen. Und – was man ja bei chronischen Krankheiten immer erlebt – er spürt hautnah die Vergänglichkeit und Endlichkeit seines Lebens.&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;&#039;Zwischen 60 und 70&#039;&#039;&#039; hingegen zeigen sich gehäuft Degenerationserscheinungen an den Sinnesorganen und dem Zentralnervensystem.     Gott sei Dank sind die Gehirn- und Sinnesleistungen die letzten Funktionen, die schrittweise nachlassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die menschliche Entwicklung vollzieht sich nicht linear, sondern spiegelbildlich an der biologischen Lebensmitte (ca. 35 Jahre). Rudolf Steiner sagt: Die Involutionsphasen spiegeln die Inkarnations- oder Evolutionsphasen.[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraus lässt sich ersehen, dass die Art und Weise, wie die Entwicklung durch Kindheit und Jugend sich vollzogen hat, bestimmend ist für den Schweregrad der Ausprägung chronischer Erkrankungen und Verschleißerscheinungen im Alter. So gesehen ist primäre Prävention und Krankheitsvorbeugung in allererster Linie eine Erziehungsfrage. Denn je harmonischer die Reifung in Kindheit und Jugend – umso weniger Krankheitsneigungen treten in der Zeit der „Exkarnation“ auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. 1. Kapitel, „Gesundheit durch Erziehung“, Persephone, Kongressband, derzeit vergriffen&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== WIE DIE LEBENSKRÄFTE IN KINDHEIT UND ALTER ZUSAMMENHÄNGEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kommt es, dass man gerade heute so viele müde und verhärmte alte Menschen trifft, wo es doch laut der anthroposophischen Menschenkunde mit der geisti­gen Kraft aufwärts gehen sollte?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie hängt der Inkarnationsprozess in der ersten Lebenshälfte mit dem Exkarnationsprozess in der zweiten Lebenshälfte zusammen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Alterungsprozess am Beispiel einer Patientin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Diese Frage soll am Beispiel einer Patientin er­läutert werden, deren Alterungsprozess ich, nachdem sie das 75. Lebensjahr überschritten hatte, nah begleitete. Sie war ein geistig sehr aktiver Mensch gewesen. Dennoch entwickelte sie sich in den letzten Le­bensjahren zunehmend in eine gewisse geistige Starre, die es ihr erschwerte, den Kontakt mit anderen Menschen zu pflegen. Sie wurde ängstlich und argwöhnisch, und man sah, wie die Verhärtungs- und Sklerotisierungsprozesse des Alters überhandnah­men und ihr bewusstes Gedankenleben stark beeinflussten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie hatte bereits als junges Mädchen die Anthroposophie kennengelernt und seither unablässig an ihrer inneren Entwicklung gearbeitet, und sie war auch sehr erfolgreich und tüchtig in ihrem Beruf. Nach dem frühen Tod ihres Mannes war sie ganz auf sich selbst angewiesen. In ihrer frühen Kindheit hatte sie sehr unter einem extrem strengen Vater zu leiden gehabt und musste als Älteste von mehreren Geschwistern viel zu Hause helfen, oft bis in die Nacht hinein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie ist für mich ein typisches Beispiel dafür, wie gerade in der frühen Kindheit, in der sich das Nervensystem aufbaut, Schäden veranlagt werden können, die sich in starken Abbauerscheinungen im späteren Alter widerspiegeln. Den schwächenden Einflüssen ihrer schweren Kindheit und Jugend und den dadurch schon im frühen Alter zu erwartenden Erkrankungen hatte sie durch ihr sehr aktives Innenleben entgegenzuwirken vermocht, sodass die Verhärtungsprozesse erst viel später in Erscheinung traten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Aufgaben einer zu­kunftsorientierten Erziehung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aus dem Wissen um den Zusammenhang zwischen der Art, wie ein Mensch in seinem Körper inkarniert und zwischen der Art, wie er sich wieder davon löst, möchte ich konkrete Hinweise geben, wie wir bereits in der Pädagogik einen positiven Einfluss auf den Alterungsprozess nehmen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Bewusste Pflege der Lebenskräfte der Kinder ====&lt;br /&gt;
Eine der wichtigsten Aufgaben einer zu­kunftsorientierten Erziehung, die nicht nur den Augenblick, sondern die ganze Biographie im Auge hat, besteht darin, die Lebenskräfte der Kinder bewusst so zu pflegen, dass solchen Alterungsvorgängen vor­gebeugt wird. Durch Selbsterziehung und die intensive Pflege des eigenen Seelenlebens kann der Erwachsene selbst Gesundheit bis ins hohe Alter veranlagen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Grund dafür, dass so viele Menschen im Alter bedauerliche Zustände erleben, liegt zum einen in den unzureichenden Entwicklungs- und Erziehungsbedin­gungen unserer Zeit und zum anderen in der mangelhaften selbstbestimmten Aktivierung der seelischen und geistigen schöpferischen Kräfte, die in einer durch den Materialismus geprägten Kultur zu wenig Pflege er­fahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst wenn in der Kindheit die Wachstumskräfte durch zu frühes intellektuelles Trai­ning in Denkkräfte umgewandelt wurden, gibt es Möglichkeiten, den zu erwartenden Schäden im späteren Leben vorzubeugen. Korrekturmöglichkeiten liegen immer in demjenigen, was für ein bestimmtes Lebensalter an der Reihe ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Versäumtes nachholen über altersgemäße Aktivitäten ====&lt;br /&gt;
Dazu ein Beispiel: Hat ein achtjähriges Kind den größten Teil seiner Kindheit vor dem Fernsehap­parat verbracht und ist deshalb motorisch ungeschickt, neigt zudem zu stereotypen Bewegungen, wiederholt ständig bestimmte Formulierungen, ist unfähig zu konzentrierter Gedankentätigkeit, so macht es keinen Sinn, mit einem solchen Kind die versäumte motorische, sprachliche und kognitive Kleinkind-Entwicklung nur nachholen zu wollen. Das ist gar nicht möglich! Man muss sich vielmehr fragen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was braucht ein gesunder Achtjähriger?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Altersgemäße Aktivitäten wären:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Spaziergänge in der Natur &lt;br /&gt;
* Bewegungsspiele im Freien &lt;br /&gt;
* Lösen einfacher Rätsel &lt;br /&gt;
* gemeinsames Auswendiglernen von Gedichten &lt;br /&gt;
* Zeichnen von einfachen Formen mit der Hand, mit dem Fuß, mit immer wieder neuen Farben &lt;br /&gt;
* Malen von Bildern zu vorgelesenen Geschichten &lt;br /&gt;
* einfache musikalische Übungen an einem Instrument und in Form von Singen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über all das wird das Kind in seiner altersent­sprechenden Lerndisposition gefordert – aber nicht nur das: Über diese gemeinsamen Aktivitäten entsteht eine Beziehung zwischen Lehrer und Kind, die es dann auch erlaubt, dass manches aus der Kleinkindentwicklung in veränderter Form auf einer anderen Ebene nachgeholt werden kann. In einem solchen Fall sollte man sich zusätzlich mit erfah­renen Heilpädagogen, Ergo- und Physiotherapeuten unterhalten bzw. mit einem Kinderpsychiater austauschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Nachholmöglichkeiten im Erwachsenenalter&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Jeder Mensch kann natürlich auch noch im Erwachsenenalter an sich ar­beiten. Denn &#039;&#039;jedes&#039;&#039; Alter hat seine altersspezifische Lerndisposition, die es uns ermöglicht, bis zu einem gewissen Grad Versäumtes nach­zuholen und damit vom Seelisch-Geistigen aus im Sinne einer „geistigen Ernährung“ heilsam auf den Leib zurückzuwirken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Künstlerisches Üben ====&lt;br /&gt;
Hat man beispielsweise eine Erziehung genossen, die ganz im Zeichen der Frühintellektualisierung stand, so ist es eine große Hilfe, wenn man sich im späteren Leben künstlerisch betätigt. Optimal wäre es, regelmäßig an eurythmischen Laienkursen teilzu­nehmen, denn keine Kunst appelliert so zentral an die Aufbaukräfte des Organismus und führt zu einer Stärkung der gesamten Vitalität wie die Eurythmie. Die eurythmischen Bewegungen entsprechen den Ent­wicklungsbewegungen des menschlichen Körpers, die schon vom Embryo als Wachstumsbewegungen durchgeführt werden. Das zeigen Ultraschall-Filmaufnahmen, die während der Schwangerschaft gemacht worden sind. Die Em­bryonen und Feten vollführen die Grundbewegun­gen, die wir aus der Sprach- und Toneurythmie kennen. Doch hilft natürlich jede künstlerische Tä­tigkeit, die schöpferischen Kräfte – speziell des Gefühls und Willenslebens – zu aktivieren, da Kunst nicht auf Verstandesleistungen beruht, sondern durch regel­mäßiges Üben und Wiederholen (Willensanstrengungen) und durch ästhetisches Beurteilungsvermögen zustande kommt. Genau hinzuspüren, ob etwas schon gelungen ist oder nicht, regt wiederum das Gefühlsleben an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kontrolle der Kritikbereitschaft ====&lt;br /&gt;
Auch ist es eine gute Übung für früh intellektualisierte Menschen, sich in Be­zug auf ihre Kritikbereitschaft zu kontrollieren. Denn meist neigen sie dazu, unablässig Situationen, Men­schen und Vorgänge um sich herum zu beurteilen. Wer dies bei sich entdeckt und darauf zu verzichten beginnt, wird bemerken, dass seine Vi­talität zunimmt. Zudem werden die Aufbaukräfte des Organismus dadurch unter­stützt. Denn alles kritische Beurteilen birgt eine destruk­tive Tendenz, egal, ob das Urteil positiv oder negativ ausfällt. Be­urteilungen dienen dazu etwas &#039;&#039;fest zu stellen&#039;&#039; und beruhen somit auf einem unproduktiven Gedankenleben: &#039;&#039;„Wie konnte der nur, er müsste doch eigentlich wissen...“,&#039;&#039; oder &#039;&#039;„Das finde ich ausgezeichnet, das hätte ich auch so gemacht, wenn ich in seiner Situation gewesen wäre – allerdings hätte er...“&#039;&#039; usw. Solche Feststellungen werden um ihrer selbst willen gemacht und ziehen keine Taten nach sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz anders die Urteile, die durch sorgfältiges Abwägen zu Entscheidungen und damit auch zu Willenshandlungen führen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rahmen der Selbsterziehung gibt es eine Fülle von Möglichkei­ten, in der Kindheit veranlagte Erziehungsschäden im späteren Le­ben auszugleichen und damit zur Harmonisierung der kör­perlichen und geistigen Kräfte beizutragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Kapitel „Zusammenhänge der menschlichen Denktätigkeit“, Elternsprechstunde, Verlag Urachhaus, Stuttgart&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wege und Ziele des geistigen Menschen&#039;&#039;, GA 125.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ALTERUNGSPROZESS IN BEZUG ZUR ENTWICKLUNG IN KINDHEIT UND JUGEND ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche großen Entwicklungsabschnitte gibt es im menschlichen Leben?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie hängen Evolution und Involution miteinander zusammen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Auswirkungen hat die Entwicklung in der Jugend auf den Alterungsprozess?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Einander spiegelnde Evolutions- und Involutionsphasen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Altwerden ist keine Krankheit, genauso wenig wie Schwanger-Sein. In beiden Fällen kann es jedoch sein, dass Komplikationen und Schwierigkeiten auftreten, die dann behandelt wer­den müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner sagt: Die Involutionsphasen im Alter spiegeln die Evolutionsphasen von Kindheit und Jugend:[1] Was zuletzt herangereift ist, bildet sich zuerst zurück, der Abbau der Organsysteme vollzieht sich spiegelbildlich zu ihrer Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Evolution im 3. Jahrsiebt und Involution zwischen 40 und 50 Jahren ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Evolution im Zuge der Inkarnation  &#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Zwischen &#039;&#039;&#039;vierzehn und einundzwanzig&#039;&#039;&#039; Jahren reift das &#039;&#039;Stoffwechsel-Gliedmaßensystem&#039;&#039; aus. Skelett und Stoffwechsel brauchen also am längsten, bis sie vollkommen ausgereift sind und eine Stabilisierung des Hormonhaushaltes erreicht wird. Das dauert manchmal bis zum 23. Lebensjahr. Vom spirituellen Gesichtspunkt her würden wir sagen: Es dauert 21 bis 23 Jahre, bis der Mensch „vollständig inkarniert“ ist und sein Ich den Leib vollkommen ergriffen hat. Im 3. Jahrsiebt erwacht dank der aus der Ich-Organisation freiwerdenden Kräfte auch das eigenständige Denken am Umkreis. Jetzt geht es darum, dass der Jugendliche lernt, Idealismus zu entwickeln und zu lernen, sich geistig eigenständig ganz neu zu orien­tieren, sich aufzurichten, beweglich zu werden, das Instrument des Leibes von innen bewusst zu ergreifen. Wem das nicht gelingt, der ist prädisponiert für Erkrankungen, die die Erdenschwere und -belastung spürbar machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Involution im Zuge der Exkarnation&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Das zuletzt herangereifte Stoffwechsel-Gliedmaßensystem sowie das hormonelle System bilden sich &#039;&#039;&#039;zwischen 40 und 50&#039;&#039;&#039; als Erste wieder zurück: Das Klimakterium setzt ein und führt zur Menopause, die eine totale hormonelle Umschaltung bei der Frau bedeutet. Beginnend beim Knochenbau und Hormonhaushalt devitalisiert sich der Organismus, d.h. die Regenerationskraft lässt nach. Wer dafür disponiert ist, hat Probleme mit dem Rücken, der Schulter, dem Nacken, bekommt Diabetes Typ II, Gallen- und Nieren­pro­bleme, metabolische Syndrome und rheumatische Erkrankungen. Das heißt, es kommt zu chronischen Erkrankungen des Stoffwechsel-Gliedmaßensystems. Das ganze System tritt in die Involutionsphase ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frauen sind von den damit einhergehenden Prozessen stärker betroffen als Männer. Körperlich gesehen findet jedoch bei beiden Geschlechtern ein altersbedingter Devitalisie­rungs­prozess statt. Stärker betroffen sind auch Menschen mit einer bestimmten Krank­heits­disposition, aber auch diejenigen, die sich nicht optimal inkarnieren konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gedanklich erwacht jedoch in der Regel ein neuer Idealismus, Lebensformen und Werte werden hinterfragt, man möchte sich beruflich verändern oder auf andere Weise „neu beginnen“, will endlich wirklich das eigene Leben leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Evolution im 2. Jahrsiebt und     Involution zwischen 50 und 60 Jahren ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Evolution im Zuge der Inkarnation  &#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Nach dem ersten Jahrsiebt bis zur Pubertät&#039;&#039;&#039; reifen die &#039;&#039;rhythmischen Funktionssysteme&#039;&#039;, insbesondere von Atmung und Kreislauf. Bei einem Zwölfjährigen haben wir noch ein Kinder-EKG, einen schnelleren Herzrhythmus und eine schnellere Atmung, als es der Erwachsene hat. Erst mit fünf­zehn Jahren reift das Kreislaufsystem zur Erwachsen­enkompetenz heran und die Atmungs­organe bilden einen ruhigeren, langsamen Erwachsenenrhythmus aus. Dann ist auch die Frequenz­abstimmung zwischen Atem- und Herzrhythmus abgeschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wichtigste Stimulation bzw. Unterstützung der Reifung besteht darin, das Gefühls­leben zu kultivieren. Denn nichts regt Atem und Herzschlag besser an als das Pendeln zwischen den Polen tiefer Gefühle. Die Pflege tiefer Gefühle ist demnach &#039;&#039;die&#039;&#039; Prävention gegen vaskuläre Demenz, vor allem wenn eine familiäre Disposition vorliegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Involution im Zuge der Exkarnation&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zwischen 50 und 60&#039;&#039;&#039; stehen laut Statistik kardiovaskuläre Erkrankungen und die Chro­ni­fizierung von Lungenerkrankungen im Vordergrund, das heißt, die Abbauerscheinungen greifen auf &#039;&#039;das rhythmische System&#039;&#039;, auf Herz und Lunge, über: Es kommt zu Bluthochdruck, Rhythmusstörungen, zu koronaren Herzkrankheiten, bei einer entsprechenden Dispo­si­tion tritt der erste Infarkt auf. Viele haben in ihrem Bekanntenkreis jemanden in diesem Alter, der an COPT, Angina Pectoris oder Herzrhythmusstörungen leidet. In jedem Fall lässt die Atemkapazität spürbar nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All diese Erkrankungen haben in diesem Alter statistisch gesehen eine erste große Inzidenzphase und sind Ausdruck von Exkarnationsproblemen. Der Mensch kommt im Hin­blick auf seine Vitalität, seine Seelenverfassung und seinen ganzen biografischen Ent­wurf in eine Krise. Er muss körperliche Einbußen hinnehmen. Und – was man ja bei chro­nischen Krankheiten immer erlebt – er spürt hautnah die Vergänglichkeit und End­lich­keit seines Lebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gedanklich hingegen stellt sich ein objektiveres, reifes Urteilsvermögen ein, die Fähigkeit, Gegensätze vermitteln und bewusst abwägen zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Evolution im 1. Jahrsiebt und Involution zwischen 60 und 70 Jahren ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Evolution im Zuge der Inkarnation  &#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Die Grundreifung der &#039;&#039;Sinnesfunktionen und etwa 90% der Kapazitäten des Zentral­nervensystems&#039;&#039; erreichen schon &#039;&#039;&#039;in den ersten neun Lebensjahren&#039;&#039;&#039; die volle Funktions­tüchtigkeit: Das Ohr ist mit etwa vier Jahren voll funktionstüchtig. Das Auge braucht acht Jahre, bis es in allen Feinheiten ausgereift ist: in Bezug auf die Perspektive, das Farbensehen, auf feinsten Abstufungen der Wahrnehmung und die Verknüpfung mit den anderen Sinnen. Das ist ein langer Reifungsprozess. Wir unterstützen diesen Prozess interessanterweise nicht dadurch, dass wir dem Zwei­jährigen Kopfrechnen beizubringen versuchen, sondern durch intensive Sinnespflege und Tatsachenlogik – durch sinnvolle Tätigkeiten, sinnvolle Zusammenhänge, sinnvolles Sprechen, gedankenvolle Unter­haltung. Aber auch künstlerische Tätigkeiten und Ein­drücke sind äußerst förderlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn die Stimulation durch Sinnvolles und Künstlerisches in einer Biographie fehlt oder das Denken ganz materialistisch einseitig erzogen wird und die Sinneserfahrungen kor­rumpiert und verfälscht werden von Fernsehen und Computer, sind die Betroffenen prädisponiert dafür, im Alter verstärkt Probleme mit ihrem Nervensinnessystem zu bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Involution im Zuge der Exkarnation&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Gott sei Dank lassen die Gehirn- und Sinnesleistungen &#039;&#039;&#039;zwischen 60 und 70 Jahren&#039;&#039;&#039; erst ganz zuletzt schrittweise nach: Jetzt treten gehäuft Degenerationserscheinungen am &#039;&#039;Nervensinnessystem&#039;&#039;, an den Sinnesorganen und dem Zentralnervensystem auf. Unser Gedächtnis und unsere Seh- und Hörkraft lassen nach, das heißt, dass die Regenerationsfähigkeit des Sinnes-und Nervensystems rapide &#039;&#039;a&#039;&#039;bnimmt. Wir werden langsamer, brauchen Unterstützung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Umso erstaunlicher ist es, dass mit dieser Lebensphase normalerweise keine geistige Leistungsminderung parallel geht. Auch wenn zusammen mit den Sinnesorganen das Gehirn ebenfalls nachweislich altert und messbar an Substanz verliert, kann dieser Vorgang dennoch mit geistiger Frische, neuen Perspektiven und Sichtweisen einhergehen. Nicht nur, dass die Plastizität und Kompensationsfähigkeit des Nervensystems bis ins hohe Alter erhalten bleiben - es werden auch weitere Bildekräfte frei, die aus den Abbauvorgängen dieser Organsysteme stammen. Dadurch treten neue Vorstellungsmöglichkeiten auf und eine größere Fähigkeit zu gedanklicher Überschau, selbst wenn einen das Kurzzeitgedächtnis manchmal etwas im Stich lässt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur im Falle einer Demenzerkrankung, die aber grade kein gesundes Altern darstellt, sondern eine Erkrankung des Nervensystems, ist dies natürlich anders. Dennoch muss man auch in diesem Krankheitsfall davon ausgehen, dass die körperunabhängigen Gedanken-, Gefühls- und Willenskräfte der so Erkrankten durchaus da sind. Nur ist die gesunde Gehirnfunktion nicht mehr vorhanden als Grundlage für ein selbstbewusst geführtes und geordnetes Vorstellen von Gedanken, Gefühlen und Willensimpulsen. Umso wichtiger ist es, neue Kommunikationsformen zu entwickeln, indem man mit diesem real vorhandenen Geistigen rechnet und der Betroffene dies spüren kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Die Involutionsphase von 70 Jahren aufwärts ====&lt;br /&gt;
Das Bibelwort „&#039;&#039;Unser Leben währet 70 Jahre“&#039;&#039; entspricht der Rhythmik zwischen Inkarnation und Exkarnation. Dann folgt eine Gnadenzeit, die sich durch eine gewisse Stabilität auszeichnet. Menschen, die bis zum Alter von 70 Jahren keine Anzeichen aufweisen für eines der genannten chronischen Probleme, werden zwar schwächer, bleiben dabei aber oft geistig frisch, sie bauen nicht wirklich ab vor dem Tod. Das erlebte ich oft in der Praxis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Bedingungen für Gesundheit bis ins hohe Alter&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wir sehen also: Wenn sich in Kindheit und Jugend die „Inkarnation“ des Menschen so vollzieht, dass Körper, Seele und Geist altersgerecht gefordert werden, so ist dies die beste Vorbedingung dafür, dass auch die „Exkarnation“ harmonisch und ohne größere gesundheitliche Einbrüche vonstattengeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine gesundheitsfördernde Erziehung, wie sie u.a. das Konzept der Waldorfpädagogik vorsieht, wirkt als primäre Krankheitsprävention für die zweite Lebenshälfte. Die Art und Weise, wie Entwicklung in Kindheit und Jugend sich vollzogen hat, bestimmt über den Schweregrad und die Ausprägung chronischer Erkrankungen und Verschleißerschei­nungen im Alter: Je harmonischer ein Mensch in Kindheit und Jugend im Zuge der Inkarnation heranreifen kann, umso weniger Krankheitsneigungen zeigt er im Zuge der Exkarnation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch auch Erziehung und Selbsterziehung, lebenslange Freude am Lernen sowie an der Entwicklung neuer Fähigkeiten bedingen Gesundheit bis ins hohe Alter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diesem Gebiet müsste noch viel geforscht werden. Wir benötigen sehr gut abgestimmte Therapiekonzepte, die regenerierende und die Inkarnation fördernde Möglichkeiten in konkrete Behandlungsansätze umwandeln, je nachdem, welche Symptomatik vorherrscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vgl. &#039;&#039;Vortrag „Schicksalswürde und spirituelles Begreifen der Demenz“, gehalten am Internationalen Pflegekongress in Dornach am 9. Mai 2008&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wege und Ziele des geistigen Menschen. Lebensfragen im Lichte der Geisteswissenschaft&#039;&#039;.GA 125, Dornach 1992, S. 55.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== VOM PUNKTBEWUSSTSEIN ZU PERIPHERER KOMPETENZ ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wann ist ein Mensch ganz Mensch?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Kompetenzen machen den Menschen aus und wann erwirbt er sie?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Macht der Verlust kognitiver Kompetenzen das Leben nicht mehr lebenswert? &#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Das Erklimmen des physiologischen Leistungsplateaus&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Am Lebensanfang, wenn Kinder klein und unerfahren sind und alle möglichen Dumm­heiten machen, fällt es uns nicht schwer, sie als werdende Wesen zu begreifen. Selbst wenn sie noch überhaupt keinen Durchblick haben und sich den vernünftigsten Dingen widersetzen, würde niemand von „Demenz junior“ oder „präcox“ sprechen. Wir Erwach­senen vertrauen darauf, dass sich alles finden wird, wir haben Geduld…&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ein Kind elf oder zwölf ist, denkt man, man wäre aus dem Gröbsten draußen, doch jetzt fangen die Probleme erst richtig an. Und spätestens ab dem vierzehnten Lebensjahr wird das Erwach­senwerden zu einer riesigen Herausforderung. Und wenn man meint, die Schulzeit geschafft zu haben, beginnt es mit der Wahl von Beruf und Studium wieder schwieriger zu werden. Klappt dieses oder jenes nicht, sind immer neue Herausforderungen zu meistern. Heute leben Kinder mit 28 oder 29 Jahren oft noch zu Hause, stehen noch nicht gänzlich auf eigenen Beinen. Dennoch erwarten wir, dass der junge Erwachsene jetzt selbständig wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erfahrung zeigt, dass sich in der Lebensmitte, zwischen 30 und 40, zunehmend ein Gleich­gewicht zwischen unseren seelisch-geistigen Kräften, unserer Bewusst­seins­kompetenz und unserer physischen Kraft einstellt, auch „physiologisches Leistungs­plateau“ genannt. Da sind wir körperlich und seelisch im besten Zustand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Mit 40 erst gescheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dennoch haben wir hier in Schwaben ein schönes Sprichwort: &#039;&#039;„Die Schwaben werden mit 40 erst gescheit.“&#039;&#039; Wenn die Kurve sich langsam dem Ende zuneigt, tut sich erst das auf, was man „Sozialkompetenz“ nennt, was man in Schwaben unter „Gescheitheit“ versteht: dass man das Leben nicht nur auf sich bezogen begreift, sondern dass man sich auch vom Umkreis her begreift – als jemanden, der agiert, zugleich aber auch als jemanden, mit dem andere zurechtkommen müssen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Man begreift sich einerseits als &#039;&#039;&#039;individuelles Wesen&#039;&#039;&#039;, das die Welt vom eigenen Standpunkt aus betrachtet&lt;br /&gt;
* Gleichzeitig erlebt man sich aber auch als &#039;&#039;&#039;soziales Wesen&#039;&#039;&#039; mit einem Umkreis, das von diesem wahrgenommen und „ertragen“ wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese beiden Sichtweisen decken sich, wenn es gut geht, erst etwa mit 40 Jahren. Erst dann erwacht auch der Sinn für das eigene soziale Wesen und die damit verbundene Ver­antwortung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Von der Selbstbezogenheit zur Umkreisbezogenheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Diese Entwicklung hängt mit dem Aufbau unserer Konstitution zusammen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Der Kind-Mensch ist ein auf sich als Zentrum hin orientierter Mensch, der seinen Standpunkt, seinen     Blickwinkel, seine akustischen Eindrücke als zentral erlebt. Er hat ein &#039;&#039;&#039;extremes Punktbewusstsein&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
* Der Erwachsene, der für andere tätig ist, der für andere etwas tut, auf den etwas zukommt, auf den andere Menschen     reagieren müssen, braucht eine große „peri­phere Kompetenz“, ist als     tätiger „Gliedmaßen-Mensch“ gefragt. Er hat ein &#039;&#039;&#039;ausge­prägtes Umkreisbewusstsein&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu ein Beispiel: Die älteste Frau, die ich zurzeit kenne, ist 106 Jahre alt. Sie ist völlig fit und sagte mir, sie hätte noch eine Aufgabe: Sie würde die jungen Pflegenden auf der Pflegestation motivieren und ihnen den Sinn des Lebens nahebringen, weil sie heute ja solche Probleme hätten. Das gibt es auch: 106 Jahre und kein bisschen dement. Natür­lich braucht sie Gehhilfen, bewegt sich ganz vorsichtig und muss viel liegen. Man merkt, Seele und Geist können sich kaum mehr in diesem Körper halten, sind aber noch voll präsent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Rückzug des zentral orientierten Menschen in der Demenz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Tritt zu einem bestimmten Zeitpunkt Altersdemenz auf, ist es gleichgültig, ob es sich um eine vaskuläre, eine neurogene oder eine primär metabolisch veranlagte Demenz handelt – das macht nur medizinisch einen großen Unterschied. Von der Symptomatik her wird ein totaler Rückzug des zentral orientierten Menschen erlebbar. Der peripher orientierte Mensch ist dafür umso wacher, umso sensibler, umso empfänglicher. Es ist keineswegs gerechtfertigt zu sagen, dass unser Leben, wenn das Punktbewusstsein nachlässt und der Ego-trip nicht mehr dominiert, nur ein „Leben zweiter Klasse“ ist oder sogar, dass es gar nicht mehr „lebenswert“ ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die anthroposophische Menschenkunde kann im Hinblick auf diese Zusammenhänge wertvolle Orientierung geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vgl. &#039;&#039;Vortrag „Schicksalswürde und spirituelles Begreifen der Demenz“, Filderstadt, 19.2.2010&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ENTWICKLUNGSPHASEN UND PÄDAGOGIK ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie lässt sich die Notwendigkeit altersgerechter Pädagogik erklären?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Zu welchen Entwicklungsphasen gehören welche pädagogischen Angebote?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Vorschulzeit und erste Schuljahre bis ca. 9. Lebensjahr&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Differenziertes Ausreifen des Nervensystems und der sensomotorischen Koordination (d.h. die Verknüpfung von Sinnesfunktionen mit der muskulären Tätigkeit) brauchen vielseitiges Üben und Betätigen. Koordinierte körperliche Bewegung und Freude am Entdecken der Sinneswelt – mit Hilfe aller Sinne – ist die natürliche Begabung der Kinder dieses Alters. Sie wissen instinktiv, dass ihnen das gut tut. So gilt es, Bewegungs- und Spielräume zu schaffen, in denen sie sich geschickt und altersentsprechend bewegen und betätigen können. Diesem Prinzip folgt der Waldorflehrplan von der Kinderkrippe an bis zum 9. Lebensjahr konsequent. In jedem Unterricht ist das Bewegungselement in irgendeiner Weise mit integriert, nicht nur in den so genannten Bewegungsfächern, deren Lehrplan insbesondere sensomotorisch wertvoll veranlagt ist. Denn alle Bewegungen – einschließlich dem kindgerechten Spiel- und Turnunterricht – werden in diesem Alter noch eng verknüpft mit Sinneserlebnissen praktiziert und oft begleitet durch musikalisch-rhythmische Übungen in Form von Sing-, Sprach- und Bewegungsspielen. Durch die musikalisch-rhythmischen Tätigkeiten wird auch die zur Sozialisation notwendige Fähigkeit des Zuhörens mit veranlagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch sind es ausschließlich entwicklungsphysiologische und psychologische Gründe, die ein striktes PC- und Multimediaverbot für Kindergärten und Grundschulen zum Ideal der Waldorferziehung machen. Was jetzt weltweit propagiert wird und einen hohen wirtschaftlichen Gewinn verspricht, „one Laptop per child&amp;quot; (der Mini-Bildschirm mit Flash-Speicher, WLAN und dem Betriebssystem Linux), um insbesondere Kindern der 3. Welt Anschluss an das digitale Zeitalter zu geben, ist eine gute Idee zum falschen Zeitpunkt. Und zwar nicht nur, weil die so genannten Entwicklungsländer sauberes Wasser, medizinische Grundversorgung und „richtige Schulen&amp;quot; brauchen, sondern weil jede Stunde vor dem Bildschirm das Aufsteigen eigener, nicht manipulierter innerer Bilder behindert und die Kinder am In-Bewegung-Sein hindert. Die Gehirnaktivität wird dadurch eingeschränkt, die sensomotorische Integration gestört – ganz unabhängig von dem Inhalt der Informationen und dem Problem, diese nicht eigenständig verarbeiten zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Zu empfehlen sind: ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Anregung von Initiative durch eigenes Tun und „Vorbild-Sein&amp;quot;&lt;br /&gt;
* Spielmaterial, das die Eigenaktivität fördert: einfache Gegenstände und Materialien, die der Phantasie Raum lassen und zu vielen Gestaltungsmöglichkeiten anregen&lt;br /&gt;
* Aktivierung und Pflege der Sinne durch entsprechend ausgestattete Spielräume&lt;br /&gt;
* Veranlagen guter Gewohnheiten durch regelmäßiges Tun, kleine Rituale am Morgen, beim Essen, am Abend vor dem Schlafengehen&lt;br /&gt;
* Rhythmische Gestaltung des Tages-, Wochen-, Monats- und Jahreslaufes&lt;br /&gt;
* Momente ungeteilter Aufmerksamkeit für das Kind: z.B. beim Aufstehen und Zubettgehen und dann hin und wieder während des Tages, in denen eine Begegnung, ein Sich-Wahrnehmen stattfinden kann.&lt;br /&gt;
* Ein „nonverbaler&amp;quot; Erziehungsstil: Nicht das Wort, sondern die Handlung, das Vorbild zeigt, worum es geht. Nur so erlebt sich das Kind frei gelassen. Denn es ahmt aus eigenem &#039;&#039;Antrieb&#039;&#039; nach.&lt;br /&gt;
* Möglichkeiten, der Natur zu begegnen&lt;br /&gt;
* Vermeiden von Multimedia-Angeboten und technischem Spielzeug&lt;br /&gt;
* Auch wenn der Tag sonst mit vielen Pflichten angespannt verläuft – das Kind im Bewusstsein haben, es „in Gedanken tragen, mitnehmen&amp;quot;. Diese innere Tätigkeit hilft, dass der äußere Kontakt beim Wiedersehen schnell wieder da ist. Wichtig ist, die Nähe und Zugewandheit in der Beziehung zu pflegen und diese nicht abhängig zu machen von Wohlverhalten und schulischer Leistung.&lt;br /&gt;
* Freude und Dankbarkeit zeigen&lt;br /&gt;
* Klare Grenzen setzen und „leben&amp;quot;. Das gibt Sicherheit und Orientierung.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;...bis zum 14./15. Jahr&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Jetzt wird vor allem wichtig, was Ausbildung und Entwicklung der rhythmischen Funktionen fördert: Das sind Empfindungen und Gefühle. Nie atmen wir tiefer durch, als wenn wir uns wohl fühlen, nie schlägt das Herz gesünder, als wenn sich die Kinder freuen oder mit Eifer tätig sind. Zwischen dem 9. und 15. Lebensjahr zielt die gesamte Pädagogik und Didaktik darauf hin, das prozessual-künstlerische, aber auch ästhetische Element in allen Unterrichtsfächern zu berücksichtigen. Was beim Geräteturnen im Sport exakter und vollendeter Bewegungsablauf ist, den es einzuüben gilt, das sind im Geschichtsunterricht Gespräche und Unterrichtsfragen, in denen Ereignisse von mehreren Seiten so betrachtet werden, dass sich für den Schüler ein sinn­volles Ganzes ergibt, eine Art ästhetischer Zustand, „durch den er mit sich und der Welt übereinzustimmen lernt.&amp;quot; Im naturwissenschaftlichen Unterricht sind es insbesondere die Experimente: Der Schüler beobachtet exakt und dokumentiert die sich darin zeigenden Gesetzmäßigkeiten übersichtlich und „schön&amp;quot;. Er lernt ihren Wirkradius verstehen und sie handhaben. Auch mathe­matische Gesetze haben ihre Schönheit, weil sie „stimmen&amp;quot; und konstituierend sind, nicht nur in Technik und Wissenschaft, sondern auch im Leben. So werden die Schüler vertraut gemacht mit den Eigentümlichkeiten und „Stimmigkeiten&amp;quot; der Welt und der menschlichen Kultur. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in diesen Lebensjahren empfiehlt sich noch Zurückhaltung in Bezug auf das digitale Zeitalter. Nur das sollte an Maschinen delegiert werden, was man im Prinzip auch selbst beherrscht und durchschaut. Selber Kopfrechnen, Theaterspielen, Musizieren, Tanzen, Erlebnisfahrten und Entdeckungen machen, lernen, wie man „live&amp;quot; Beziehungen pflegt – das sollte jetzt im Vordergrund stehen. Was zu Hause oft schon viel zu früh als Konzessionen an die Multimedia-Industrie zugelassen wird, sollte in der Schule umso mehr dazu motivieren, Leben &#039;&#039;und&#039;&#039; Realität an die Stelle von Technik und Virtualität zu setzen. Manchmal hilft auch der einfache Gedanke, Eltern und Schüler für diesen „Verzicht auf Zeit&amp;quot; zu mobilisieren, dass die Erfinder der Computer in ihrer eigenen Kindheit ohne diese Spielmöglichkeiten aufgewachsen sind. Um Neues zu finden, braucht man Kreativität und nicht Konditionierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Zu empfehlen sind: ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gesprächskultur – das Kind, den Jugendlichen teilnehmen lassen an interessanten Gesprächen Erwachsener. Mit inneren Fragen leben: Wann war unser letztes Gespräch? Wann hatte ich Zeit, Interesse? Habe ich das Anerkennenswerte bemerkt, lobe ich genug oder bringe ich eher zum Ausdruck, was mich stört?&lt;br /&gt;
* Moderne Führungsstrukturen sprechen gern von „Fehlerkultur&amp;quot;. Wer aus seinen Fehlern lernt, entwickelt sich nachhaltig – entsprechend auch ein Team zusammenarbeitender Menschen. Wie gehe ich mit Fehlern und Fehlverhalten in der Schule um? Wie helfe ich aus Fehlern zu lernen und diese nicht (nur) schlimm zu finden?&lt;br /&gt;
* Klare Führung in Grundsatzfragen im Tagesablauf unter Einbeziehung der Wünsche der Kinder. Verabredungen treffen und klar vereinbaren, wie sie überwacht werden.&lt;br /&gt;
* Künstlerische Betätigung, insbesondere Erlernen eines Musikinstrumentes&lt;br /&gt;
* Kontrollierter Multimediagebrauch und wo immer möglich das Aufarbeiten des Gesehenen und Erlebten im Gespräch. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;... bis zum 21./22. Jahr&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Vom 13., 14., 15. Lebensjahr an bis zum 19., 20., 21. Lebensjahr erhebt sich die Frage, auf welche Weise mit pädagogischen Mitteln unterstützt werden kann, was jetzt physiologisch an Entwicklungsprozessen im Vordergrund steht: die Ausreifung des Skelettsystems bis zur Erwachsenengröße und die hormonelle Umstellung und Ausreifung des intermediären Stoffwechsels nach der Pubertät. Zunächst könnte man meinen, Stoffwechsel und Skelett brauchen primär körperliche Betätigung – das ist natürlich richtig, jedoch nicht genug. Vielmehr gibt es eine andere Fähigkeit, die kontinuierlich, sozusagen von innen her, den Menschen erwärmt, anregt, aber vor allem auch aufrichtet und erfüllt: Es sind die zielorientierten Ideen, Interessen, Gesichtspunkte und Motivationen, die befeuern, die begeistern. Man sieht es den Jugendlichen unmittelbar am Gang und Bewegungsspiel an, an der Körperhaltung und Mimik, ob sie Gedanken hegen, durch die sie sich innerlich angeregt, motiviert, „aufgerichtet&amp;quot; fühlen oder ob sie Gedankenöde erleben und infolgedessen Lustlosigkeit und Desinteresse. Die Sprachweisheit bringt dies klar zum Ausdruck, wenn das Wort „Aufrichtigkeit&amp;quot; gerade diese doppelte Bedeutung hat: einmal „ehrlich, aufrichtig, wahrheitsorientiert&amp;quot; und zum anderen „körperlich aufgerichtet, gerade&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Oberstufe kommt den Erziehungsmaximen von Nachahmung und Vorbild, von Stimmigkeit und Schönheit untergeordnete Bedeutung zu. Jetzt geht es um Gewissensbildung, Wahrhaftigkeit und Freiheit. Wie muss ich unterrichten, damit der Jugendliche selber zu den Einsichten kommt, die in diesem Unterrichtsfach Sinn machen? Wie schafft man es, dass der Jugendliche nicht nacherzählt, was man selber vorgedacht hat, sondern dass man ihm Gesichtspunkte gibt, Bedingungen schildert, anhand derer er selbst die Lösung einer bestimmten Frage herausfinden kann?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Zu empfehlen sind: ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Fragekultur entwickeln, zum „selber Denken&amp;quot; anregen&lt;br /&gt;
* Freund und Begleiter sein, Interesse haben für das, was den Jugendlichen interessiert&lt;br /&gt;
* Wachsendes Freiheitsbewusstsein und Selbstständigkeit respektieren, eigene Erwartungen zurückstellen&lt;br /&gt;
* „Familienrat&amp;quot; halten. Verabredungen gemeinsam treffen, deren Erfolg/Misserfolg analysieren und das weitere Vorgehen beraten&lt;br /&gt;
* Sich über das „ganz andere&amp;quot; freuen lernen, verstehen wollen, was den Jugendlichen bewegt&lt;br /&gt;
* Vertrauen riskieren und signalisieren: Ich stehe zu dir, egal was kommt – und bin gespannt, wie dein Leben sich entwickeln wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Jegliche Erziehung ist Selbsterziehung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Unterricht als Selbstfindungsprozess zu begreifen, Erziehung in allen Phasen als Selbsterziehung – darauf kommt es an, erst selber nachahmen, dann selber die Stimmigkeit erleben, wenn verschiedene Zusammenhänge und Verständnismöglichkeiten erläutert werden, und schließlich selber verstehen, herausfinden, was gefragt ist – das ist der Grundnerv einer entwicklungsphysiologisch basierten Erziehung. Denn so wie das Kind es selber ist, welches sich entwickelt, so sollte es auch stets das Erleben haben, dies oder das habe ich selbst beobachtet, selbst gesehen, selbst gelernt. „Selbermachen&amp;quot; macht schon dem kleinen Kind weit mehr Freude, als alles Mögliche abgenommen zu bekommen, von demjenigen der es „besser&amp;quot; kann. Entwicklungsphysiologische Erziehung regt die Eigentätigkeit an, begreift den Erziehungsauftrag so, wie ihn Rudolf Steiner in seinem &#039;&#039;Baseler Lehrerkurs&#039;&#039; charakterisiert:[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jede Erziehung ist Selbsterziehung, und wir sind eigentlich als Lehrer und Erzieher nur die Umgebung des sich selbst erziehenden Kindes. Wir müssen die günstigste Umgebung abgeben, damit an uns das Kind sich so erzieht, wie es sich durch sein inneres Schicksal erziehen muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer so zu sich kommt, ist dann auch im späteren Leben innerlich aktiv genug, um sich nicht zu langweilen. Er kann Technik sinnvoll nutzen, ohne dadurch bequem und unproduktiv-unzufrieden zu werden. Er ist weitgehend geschützt vor dem Abhängig-Werden von Drogen u.a. Er hat die Chance, selbstbestimmt zu leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. 1. Kapitel, „Gesundheit durch Erziehung“, Persephone, Kongressband, Verlag am Goetheanum, Dornach 2006, derzeit vergriffen&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1]  Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Erneuerung der pädagogisch-didaktischen Kunst durch Geisteswissenschaft.&#039;&#039; GA 301. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== MEHRERE GEBURTEN IM LAUFE DES LEBENS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was meint Rudolf Steiner mit den Geburten im Laufe des Lebens?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern sind diese Geburten als Metamorphosen von leibgebundenen Wesensglieder-tätigkeiten aufzufassen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Pädagogischen Konsequenzen sollte das Wissen um diese Entwicklungsgesetze haben?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Geburten als Metamorphosen verstanden&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner hat bereits 1907 an verschiedenen Orten Vorträge über die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkt der Geisteswissenschaft gehalten und diese aufgrund von vielen Nachfragen zu einer schriftlichen Abhandlung umgewandelt und publiziert.[1] Dort beschreibt er die kindliche Entwicklung in ihrem zeitlichen Verlauf, was er später dann auch mit Bezug auf die gesamte Biografie vielfach fortgesetzt hat. So führt er 1908 in Holland aus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„[…] vom theosophischen Standpunkt sprechen wir nicht nur von einer Geburt, sondern von mehreren Geburten, und diese Sprache von mehreren Geburten macht uns den Lebenslauf des Menschen voll verständlich.“[2]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Geburten sind die Metamorphosen der leibgebunden Wesensgliedertätigkeiten in die Seelenkräfte des Denkens, Fühlens und Wollens gemeint. Für die seelisch freie Tätigkeit wird ‚geboren‘, was vorher unbemerkt im Körper tätig war. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Um das 7. Jahr: Geburt der Formkraft der Gedanken (ÄL) ====&lt;br /&gt;
Über die um das siebte Jahr herum freiwerdende Formkraft der Gedanken schreibt er:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„[...] denn bis zum Zahnwechseljahr werden alle Formen, worin sich der physische Leib gestalten muss, ausgebildet. Und was bis zu dieser Zeit am Leibe nicht in Form veranlagt ist, an groben und feinen Formen, das ist für das ganze menschliche Leben verloren. Größer wird der Mensch, er wächst, aber die Formen, welche größer werden, sind im Feinsten bis da veranlagt. Daher muss man gerade in dieser Zeit, wo man nicht auf den Ätherleib einzuwirken hat, alles tun, um die Formen so gut wie möglich zu machen.“[3]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die das Kind umgebende schützende Ätherhülle aus der entsprechenden Erdgegend, wo die Verkörperung stattfindet, wird nach dem Zahnwechsel &#039;&#039;‚weggeschoben‘.[4]&#039;&#039; Damit hat sich die ätherische Organisation ätherisch emanzipiert, so wie es die physische Organisation des Kindes nach Durchtrennung der Nabelschnur vom mütterlichen Organismus getan hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Konsequenzen für die Vorschulpädagogik&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Darauf gründet sich die anthroposophische Vorschulpädagogik. Sie vermeidet – unter dem oben geschilderten Gesichtspunkt der Geburt der ätherischen Kompetenz – eine zu frühe intellektuelle Bildung, für die das Vorschulkind noch nicht reif ist. Der pädagogische Schwerpunkt liegt auf der Förderung der sensomotorischen Intelligenz, die in der Nachahmungsfähigkeit zum Ausdruck kommt und durch Eigentätigkeit an der Durchformung des Körpers arbeitet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher ist eine Umgebungsgestaltung mit guten Vorbildern für die Eigentätigkeit die beste Förderung von Gehirnreifung und Intelligenz. Wichtige Instrumente dafür sind neben sinnvollen Handlungsweisen im häuslichen Alltagsgeschehen insbesondere auch künstlerisch-kreative Tätigkeiten, das Pflegen guter Gewohnheiten, einschließlich kleiner Rituale wie Singen und/oder Beten vor den Mahlzeiten, ein Tagesrückblick am Abend in liebevoller Atmosphäre.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Um das 15. Jahr: Geburt der Differenzierungskraft der Gefühle (AL) ====&lt;br /&gt;
Zwischen dem Zahnwechsel und der Geschlechtsreife ist gemäß der anthroposophischen Entwicklungsperspektive die astralische Organisation noch von einer schützenden Hülle umgeben, die um das 15. Lebensjahr definitiv abgestreift wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese schützende astralische Hülle wird durch die menschlichen Beziehungen im sozialen Zusammenhang und Schicksalsumkreis gebildet, in den sich das Kind herein verkörpert hat und von denen sich der Jugendliche im Zuge der Pubertätsentwicklung emanzipiert. Die seelische Reifung in diesem Alter und ihr Einfluss auf die physisch-ätherische Konstitution verläuft dann am gesündesten, wenn das Kind bzw. der Jugendliche sich an Erwachsenen orientieren kann, die es liebt und im guten Sinne des Wortes als Autoritäten schätzt. Ohne eine solche Liebe zur Persönlichkeit nahestehender Menschen, kann sich nach Rudolf Steiners Auffassung auch die eigene Liebesfähigkeit und Empathie für die Mitwelt nicht gesund entfalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Konsequenzen für die Pädagogik im 2. Jahrsiebt&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Daher ist es in der anthroposophischen Pädagogik entscheidend, dass die Kinder und Jugendlichen ihre Lehrerinnen und Lehrer gernhaben, anstatt Angst vor ihnen zu haben oder sie abzulehnen. Wenn die Lehrer den Unterricht für dieses 2. Jahrsiebt künstlerisch-charakterisierend und lebendig-spannend gestalten, wird dadurch das in Entwicklung begriffene Gefühlsleben unmittelbar angesprochen und seine Differenzierung gefördert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Um das 20. Jahr: Geburt der Differenzierungskraft der Gefühle (AL) ====&lt;br /&gt;
Etwa um das 20. Lebensjahr &#039;&#039;„wird das eigentliche Ich im Menschen, das bis jetzt in seiner Hülle war, erst vollständig geboren. Und damit tritt der Mensch im freien Verkehr in die Welt, damit ist er zu einem Wesen geworden, das sich in absolut freien Verkehr mit der Außenwelt stellt.“&#039;&#039;&#039;[6]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist der Astralleib mit dem 2. Jahrsiebt leibfrei und damit geboren geworden, so ist die Zeit reif für die Ausbildung des selbstständigen Urteils, dessen Untergrund ein differenziertes Gefühlsleben ist. Das kann einem insbesondere am jugendlichen Idealismus klar werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Der Mensch ist in dieser Zeit noch nicht geeignet, die äußere Welt in einer objektiven Weise zu betrachten. Aber dasjenige, das auf die Welt zutritt, ist von schöner, idealer Art. [Auch diese Art will heraus, und hier handelt es sich darum, wie diese Art, insofern sie als Idealismus herauskommt, als Hoffnung dem Leben entgegentreten wird.] Diese Hoffnung und dieser Idealismus zeigen sich in ihrer wahren Gestalt zwischen 14, 15 und 21 bis 22 Jahren. In dieser Zeit zeigt sich alles, was herauswill, auch wenn es in Widerspruch ist mit der Realität. Es sind alles Erinnerungen von früherem Leben, mit den neuen, frischen Kräften des Astralleibs.“[7]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Konsequenzen für die Pädagogik im 3. Jahrsiebt&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Hier findet Rudolf Steiner eindringliche Worte, die zeigen, wie wenig die Schulen diesen pädagogischen Forderungen gerecht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wehe, wehe den Menschen, denen man die Hoffnungsideale, denen man die Erwartungsideale in dieser Zeit trübe macht […]; Es kommt nicht darauf an, ob die Ideale zu erreichen sind, sondern es handelt sich um die Kräfte, die darin liegen. Diese sind die günstigen Lebenskräfte, die, falls sie gut erzogen werden, unseren Astralleib für das Leben sicher und fest machen. […] es gibt nichts Schlimmeres, als wenn man für diese Zeit nicht sorgt, dass der Idealismus sich entwickeln kann, wenn man diesem Idealismus entgegentritt mit einem Philistertum, das versuchen will, den Idealismus zu brechen.“[8]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Weitere Entwicklungsschritte durch Rückzug der Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Weiter schildert Rudolf Steiner die sich daran anschließende Möglichkeit der Selbsterziehung, die sich durch alle Hüllen hindurch bis zum 35. Jahr in Form von seelischer und körperlicher Selbstbeherrschung niederschlägt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Jahrsiebt beginnt sich die &#039;&#039;&#039;astralische Organisation&#039;&#039;&#039; aus der physisch-ätherischen Organisation zu lösen, wodurch diese in sich steifer wird. Auf der anderen Seite wird das ‚seelisch freie‘ Leben und Erleben reicher und intensiver. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab dem 42. Jahr beginnen sich die &#039;&#039;&#039;ätherischen Kräfte&#039;&#039;&#039; aus der physischen Organisation zurückzuziehen (Klimakterium), wodurch das Gedanken- und Erinnerungsleben eine Verstärkung erfährt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Danach bildet sich die &#039;&#039;&#039;physische Organisation&#039;&#039;&#039; weiter zurück und der definitive Alterungsprozess setzt ein – aber die Fähigkeit geistiger Überschau wächst dadurch. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese knappe Übersicht mag andeuten, wie nach anthroposophischer Anschauung in jedem Lebensalter die Wesensglieder unterschiedlich mit Bezug auf die körperliche und seelisch-geistige Konstitution tätig sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[9]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Lucifer-Gnosis. Grundlegende Aufsätze zur Anthroposophie und Berichte aus den Zeitschriften „Luzifer“ und „Lucifer-Gnosis“,&#039;&#039; GA 34.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Das Prinzip der spirituellen Ökonomie im Zusammenhang mit Wiederverkörperungsfragen. Ein Aspekt der geistigen Führung der Menschheit,&#039;&#039; GA 111, 143.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Ebenda, S. 143 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. Glöckler (2023a und 2016b).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Ebenda, S. 152.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Das Prinzip der spirituellen Ökonomie im Zusammenhang mit Wiederverkörperungsfragen. Ein Aspekt der geistigen Führung der Menschheit,&#039;&#039; GA 111, 151f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== MEHRERE GEBURTEN IM LAUFE DES LEBENS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was meint Rudolf Steiner mit den Geburten im Laufe des Lebens?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern sind diese Geburten als Metamorphosen von leibgebundenen Wesensgliedertätigkeiten aufzufassen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Pädagogischen Konsequenzen sollte das Wissen um diese Entwicklungsgesetze haben?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Geburten als Metamorphosen verstanden&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner hat bereits 1907 an verschiedenen Orten Vorträge über die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkt der Geisteswissenschaft gehalten und diese aufgrund von vielen Nachfragen zu einer schriftlichen Abhandlung umgewandelt und publiziert.[1] Dort beschreibt er die kindliche Entwicklung in ihrem zeitlichen Verlauf, was er später dann auch mit Bezug auf die gesamte Biografie vielfach fortgesetzt hat. So führt er 1908 in Holland aus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„[…] vom theosophischen Standpunkt sprechen wir nicht nur von einer Geburt, sondern von mehreren Geburten, und diese Sprache von mehreren Geburten macht uns den Lebenslauf des Menschen voll verständlich.“[2]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Geburten sind die Metamorphosen der leibgebunden Wesensgliedertätigkeiten in die Seelenkräfte des Denkens, Fühlens und Wollens gemeint. Für die seelisch freie Tätigkeit wird ‚geboren‘, was vorher unbemerkt im Körper tätig war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Um das 7. Jahr: Geburt der Formkraft der Gedanken (ÄL) ====&lt;br /&gt;
Über die um das siebte Jahr herum freiwerdende Formkraft der Gedanken schreibt er:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„[...] denn bis zum Zahnwechseljahr werden alle Formen, worin sich der physische Leib gestalten muss, ausgebildet. Und was bis zu dieser Zeit am Leibe nicht in Form veranlagt ist, an groben und feinen Formen, das ist für das ganze menschliche Leben verloren. Größer wird der Mensch, er wächst, aber die Formen, welche größer werden, sind im Feinsten bis da veranlagt. Daher muss man gerade in dieser Zeit, wo man nicht auf den Ätherleib einzuwirken hat, alles tun, um die Formen so gut wie möglich zu machen.“[3]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die das Kind umgebende schützende Ätherhülle aus der entsprechenden Erdgegend, wo die Verkörperung stattfindet, wird nach dem Zahnwechsel ‚weggeschoben‘.[4] Damit hat sich die ätherische Organisation ätherisch emanzipiert, so wie es die physische Organisation des Kindes nach Durchtrennung der Nabelschnur vom mütterlichen Organismus getan hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Konsequenzen für die Vorschulpädagogik&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Darauf gründet sich die anthroposophische Vorschulpädagogik. Diese vermeidet – unter dem oben geschilderten Gesichtspunkt der Geburt der ätherischen Kompetenz – eine zu frühe intellektuelle Bildung, für die das Vorschulkind noch nicht reif ist. Der pädagogische Schwerpunkt liegt auf der Förderung der sensomotorischen Intelligenz, die in der Nachahmungsfähigkeit zum Ausdruck kommt und durch Eigentätigkeit an der Durchformung des Körpers arbeitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher ist eine Umgebungsgestaltung mit guten Vorbildern für die Eigentätigkeit die beste Förderung von Gehirnreifung und Intelligenz. Wichtige Instrumente dafür sind neben sinnvollen Handlungsweisen im häuslichen Alltagsgeschehen insbesondere auch künstlerisch-kreative Tätigkeiten, das Pflegen guter Gewohnheiten, einschließlich kleiner Rituale wie Singen und/oder Beten vor den Mahlzeiten, ein Tagesrückblick am Abend in liebevoller Atmosphäre.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Um das 15. Jahr: Geburt der Differenzierungskraft der Gefühle (AL) ====&lt;br /&gt;
Zwischen dem Zahnwechsel und der Geschlechtsreife ist gemäß der anthroposophischen Entwicklungsperspektive die astralische Organisation noch von einer schützenden Hülle umgeben, die um das 15. Lebensjahr definitiv abgestreift wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese schützende astralische Hülle wird durch die menschlichen Beziehungen im sozialen Zusammenhang und Schicksalsumkreis gebildet, in den sich das Kind hinein verkörpert hat und von denen sich der Jugendliche im Zuge der Pubertätsentwicklung emanzipiert. Die seelische Reifung in diesem Alter und ihr Einfluss auf die physisch-ätherische Konstitution verläuft dann am gesündesten, wenn das Kind bzw. der Jugendliche sich an Erwachsenen orientieren kann, die es liebt und im guten Sinne des Wortes als Autoritäten schätzt. Ohne eine solche Liebe zur Persönlichkeit nahestehender Menschen, kann sich nach Rudolf Steiners Auffassung auch die eigene Liebefähigkeit und Empathie für die Mitwelt nicht gesund entfalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Konsequenzen für die Pädagogik im 2. Jahrsiebt&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Daher ist es in der anthroposophischen Pädagogik entscheidend, dass die Kinder und Jugendlichen ihre Lehrerinnen und Lehrer gernhaben, anstatt Angst vor ihnen zu haben oder sie abzulehnen. Wenn die Lehrer den Unterricht für dieses 2. Jahrsiebt künstlerisch-charakterisierend und lebendig-spannend gestalten, wird dadurch das in Entwicklung begriffene Gefühlsleben unmittelbar angesprochen und seine Differenzierung gefördert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Um das 20. Jahr: Geburt der Differenzierungskraft der Gefühle (AL) ====&lt;br /&gt;
Etwa um das 20. Lebensjahr &#039;&#039;„wird das eigentliche Ich im Menschen, das bis jetzt in seiner Hülle war, erst vollständig geboren. Und damit tritt der Mensch im freien Verkehr in die Welt, damit ist er zu einem Wesen geworden, das sich in absolut freien Verkehr mit der Außenwelt stellt.“&#039;&#039;&#039;[6]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist der Astralleib mit dem 2. Jahrsiebt leibfrei und damit geboren geworden, so ist die Zeit reif für die Ausbildung des selbstständigen Urteils, dessen Untergrund ein differenziertes Gefühlsleben ist. Das kann einem insbesondere am jugendlichen Idealismus klar werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Der Mensch ist in dieser Zeit noch nicht geeignet, die äußere Welt in einer objektiven Weise zu betrachten. Aber dasjenige, das auf die Welt zutritt, ist von schöner, idealer Art. [Auch diese Art will heraus, und hier handelt es sich darum, wie diese Art, insofern sie als Idealismus herauskommt, als Hoffnung dem Leben entgegentreten wird.] Diese Hoffnung und dieser Idealismus zeigen sich in ihrer wahren Gestalt zwischen 14, 15 und 21 bis 22 Jahren. In dieser Zeit zeigt sich alles, was herauswill, auch wenn es in Widerspruch ist mit der Realität. Es sind alles Erinnerungen von früherem Leben, mit den neuen, frischen Kräften des Astralleibs.“[7]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Konsequenzen für die Pädagogik im 3. Jahrsiebt&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Hier findet Rudolf Steiner eindringliche Worte, die zeigen, wie wenig die Schulen diesen pädagogischen Forderungen gerecht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wehe, wehe den Menschen, denen man die Hoffnungsideale, denen man die Erwartungsideale in dieser Zeit trübe macht […]; Es kommt nicht darauf an, ob die Ideale zu erreichen sind, sondern es handelt sich um die Kräfte, die darin liegen. Diese sind die günstigen Lebenskräfte, die, falls sie gut erzogen werden, unseren Astralleib für das Leben sicher und fest machen. […] es gibt nichts Schlimmeres, als wenn man für diese Zeit nicht sorgt, dass der Idealismus sich entwickeln kann, wenn man diesem Idealismus entgegentritt mit einem Philistertum, das versuchen will, den Idealismus zu brechen.“[8]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Weitere Entwicklungsschritte durch Rückzug der Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Weiter schildert Steiner die sich daran anschließende Möglichkeit der Selbsterziehung, die sich durch alle Hüllen hindurch bis zum 35. Jahr in Form von seelischer und körperlicher Selbstbeherrschung niederschlägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Jahrsiebt beginnt sich die &#039;&#039;&#039;astralische Organisation&#039;&#039;&#039; aus der physisch-ätherischen Organisation zu lösen, wodurch diese in sich steifer wird. Auf der anderen Seite wird das ‚seelisch freie‘ Leben und Erleben reicher und intensiver.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab dem 42. Jahr beginnen sich die &#039;&#039;&#039;ätherischen Kräfte&#039;&#039;&#039; aus der physischen Organisation zurückzuziehen (Klimakterium), wodurch das Gedanken- und Erinnerungsleben eine Verstärkung erfährt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Danach bildet sich die &#039;&#039;&#039;physische Organisation&#039;&#039;&#039; weiter zurück und der definitive Alterungsprozess setzt ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese knappe Übersicht mag andeuten, wie nach anthroposophischer Anschauung in jedem Lebensalter die Wesensglieder unterschiedlich mit Bezug auf die körperliche und seelisch-geistige Konstitution tätig sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[9]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Lucifer-Gnosis. Grundlegende Aufsätze zur Anthroposophie und Berichte aus den Zeitschriften „Luzifer“ und „Lucifer-Gnosis“,&#039;&#039; GA 34.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Das Prinzip der spirituellen Ökonomie im Zusammenhang mit Wiederverkörperungsfragen. Ein Aspekt der geistigen Führung der Menschheit,&#039;&#039; GA 111, 143.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Ebenda, S. 143 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. Glöckler (2023a und 2016b).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Ebenda, S. 152.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Das Prinzip der spirituellen Ökonomie im Zusammenhang mit Wiederverkörperungsfragen. Ein Aspekt der geistigen Führung der Menschheit,&#039;&#039; GA 111, 151f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ENTWICKLUNG UND LERNEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern hängen die Entwicklungsphase und die Lernfähigkeit eines Kindes zusammen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Lerngebiete und -inhalte eignen sich für welche Entwicklungsräume?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Bedeutung von altersentsprechendem Lernen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Es ist von größter Bedeutung, dass sich die Pädagogik an den altersentsprechenden Ent­wicklungsschritten orientiert und die Lerninhalte darauf abstimmt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Jahrsiebt – Die Welt ist gut ====&lt;br /&gt;
Entsprechend wird man in der Kindergartenzeit das Denken nicht mit Urteilen und Argumenten belasten, sondern vielmehr die Kinder nachahmend im gemeinsamen Alltag mitleben lassen und ihnen die Möglichkeit geben, körperliche Geschick­lichkeit zu erwerben und ihre Sinne gut auszubilden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das nötige &#039;&#039;&#039;Entwicklungsvertrauen&#039;&#039;&#039; rufen in dieser Zeit die Worte &#039;&#039;„die Welt ist gut“&#039;&#039; hervor. Sie sind deshalb das Entwicklungsmotiv der Waldorfpädagogik für das erste Jahrsiebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Jahrsiebt – Die Welt ist schön ====&lt;br /&gt;
In der Grundschulzeit hingegen wird man alles daransetzen, das ästhetische Urteilsver­mögen, insbesondere durch künstlerisch gestalteten Unterricht, zu pflegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nötige &#039;&#039;&#039;Entwicklungslust&#039;&#039;&#039; rufen in dieser Zeit die Worte &#039;&#039;„die Welt ist schön“&#039;&#039; hervor. Sie sind deshalb das Entwicklungsmotiv der Waldorfpädagogik für das zweite Jahrsiebt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Jahrsiebt – Die Welt ist wahr ====&lt;br /&gt;
Erst nach der Pubertät im Oberstufenunterricht wird das eigenständige kritische Denken gefördert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das nötige &#039;&#039;&#039;Entwicklungsideal&#039;&#039;&#039; rufen in dieser Zeit die Worte &#039;&#039;„die Welt ist wahr“&#039;&#039; hervor. Sie sind deshalb das Entwicklungsmotiv der Waldorfpädagogik für das dritte Jahrsiebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn sich körperliche und gedankliche Entwicklung altersgerecht und sinnvoll aufeinander abgestimmt vollziehen kann, ist die wichtigste Grundlage gelegt für die Gesundheit der zweiten Le­benshälfte. Wenn dies jedoch nicht möglich war, so können Krankheitsdispositionen für die zweite Lebenshälfte veranlagt werden. Die Veranlagung zu Stoffwechselstörungen und rheumatischen Krank­heiten, zu Erkrankungen der Atemwege und des Herz-Kreislaufsy­stems sowie zum Altersschwachsinn wird gefördert oder gemildert, je nachdem, wie der Wachstumsprozess begleitet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Identität von Wachstums- und Gedankenkräften&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wer über längere Zeit mit dem Konzept der Identität von Wachstums- und Gedankenkräften arbeitet, für den werden eine Fülle von Tatsachen verständlich, die für das menschliche Leben Bedeutung haben. Es wird verständlich, warum beispielsweise in der Pubertät, wo noch einmal ein deutlicher Wachstumsschub er­folgt, ein sogenannter „Leistungsknick“ zu verzeichnen ist: Wenn der Körper überwiegend mit Wachstum beschäftigt ist, kann er zur selben Zeit nicht geistige Hochlei­stungen vollbringen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gilt auch für Zeiten von Krankheit, insbe­sondere, wenn sie mit Fieber verbunden ist. Hier sollte alles getan werden, um den Wachstums- und Regenerationskräften die volle Ruhe für ihre Arbeit am Leib des Kindes zu geben. Es wird auch verständlich, warum in der zweiten Lebenshälfte, wenn ein Mensch gesund alt wird, das geistige Wachstum weitergehen kann, obgleich der Körper in seine natürliche Involutionsphase, das heißt in den Altersabbau aller Organe eintritt: Die nachlassende Regenerations­kraft des Körpers führt zu einer Stärkung der Gedankenkraft, vor­ausgesetzt, dass der Mensch gelernt hat, diese aus dem Leib freiwer­denden Gedankenkräfte schöpferisch zu verwenden. Das ist allerdings eine Frage der Erziehung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Altersgerechtes Lernen und Gesundheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wer von Jugend auf gewöhnt ist, in altersge­rechter Beanspruchung seiner geistigen Möglichkeiten tätig zu sein, für den wird sich die geistige Entwicklung wie selbstverständlich fortsetzen durch das ganze Leben hindurch. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bleiben diese Wachstumskräfte jedoch im halbbewussten Bereich zwischen Leib und be­wusstem Gedankenleben gleichsam stecken, weil sie nicht in das be­wusste Gedankenleben integriert werden, so können auch sie eines Tages zu Krankheitstendenzen, insbesondere zu krankhaften Wachstumswucherungen führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Kapitel „Zusammenhänge der menschlichen Denktätigkeit“, Elternsprechstunde, Verlag Urachhaus, Stuttgart&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ENTWICKLUNGSAUFGABEN DES ERWACHSENEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Entwicklungsaufgaben hat der Mensch, wenn er erwachsen geworden ist?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Themen haben die mittleren (4. bis 7.) Jahrsiebte?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die mittleren Jahrsiebte und ihre Aufgaben&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== · 4. Jahrsiebt – Selbsterfahrung durch Welterfahrung ====&lt;br /&gt;
Nach dem eigentlichen Erwachsen-Werden &#039;&#039;&#039;mit 21 Jahren&#039;&#039;&#039; sind die jungen Menschen auf der Suche nach Welterfahrung, um sich darin selbst zu erfahren. Sie wollen nicht länger gelenkt werden, wollen selbst Lenker sein. Und das bedeutet wirkliche Arbeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== · 5. Jahrsiebt – Verantwortung im Sozialen übernehmen ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im Alter von 28 bis 35 Jahren&#039;&#039;&#039; ist der Mensch Meister des eigenen Körpers geworden. Der nächste große Schritt ist nun, Verantwortung im Sozialen zu übernehmen. Das Ich muss zuerst das Astralische durchwirken und dann das Ätherische.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== · 6. Jahrsiebt – die physische Welt meistern ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Mit 35 bis 42 Jahren&#039;&#039;&#039; hat das Ich die Aufgabe, das Physische zu meistern in der realen Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== · 7. Jahrsiebt – neues Bewusstsein durch Selbsterziehung ====&lt;br /&gt;
Wer die physischen Gesetze zunehmend versteht und meistert, wird &#039;&#039;&#039;ab 42 Jahren&#039;&#039;&#039; weise: Er weiß um die eigene physische Kraft. Die sogenannte Midlife Crisis, die in diese Zeit fällt, betrifft vor allem diejenigen, denen es nicht gelang, das Physische, dazu gehört auch der physische Körper, wirklich zu meistern. Sie suchen dann oft nach einem Neubeginn im Physischen: nach einer neuen Familie, einem neuen Haus, einem neuen Job… Das ist eine kritische Zeit, in der die Menschen auf ihre eigene Begrenztheit gestoßen werden und merken, dass die Lebenszeit nicht ewig währt, dass man wissen muss, was man will. Sich Klarheit darüber zu verschaffen, was realistisch ist, macht weise. Ein wirklich realistisches Lebensziel wäre, ein neues Bewusstsein zu erlangen durch Selbsterziehung, indem man zu meistern lernt, was man hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== ·   Letztes Lebensdrittel – der Entwicklung dienen ====&lt;br /&gt;
Wem das gelingt, der kann &#039;&#039;&#039;im letzten Lebens&#039;&#039;&#039;drittel der Entwicklung von Mensch und Welt dienen. Viele Menschen heute sind zwar aufgewachsen, aber noch längst nicht erwachsen. Wenn wir mit Kindern zu tun haben, ist es sehr gut für sie, wenn wir sie an unserem Bemühen, erwachsen zu werden, teilhaben lassen. Denn sie wollen, dass wir zu erwachsenen Menschen werden. Unser Bemühen spornt sie an, es auch zu versuchen. Dann ist es nicht weiter schlimm, dass wir noch nicht ganz erwachsen sind, unser Bemühen reicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. IPMT-Schulung in China 2011&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ANTHROPOSOPHISCHE FRÜHFÖRDERUNG ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Warum ist es so wichtig, das Kind in seinen Eigenbewegungen zu unterstützen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Eigenbewegung des Kindes maximal unterstützen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wir haben bereits darüber gesprochen, was für eine Leistung es ist, aus der liegenden Position über die drehende, rollende, aktiv sich beugende und streckende und krabbelnde Bewegung schließlich in das Sich-Aufrichten zu kommen. Das Kind selbst bearbeitet, ergreift, bewegt und richtet diesen Leib auf. Diese Tatsache müssen wir heute als Bild in uns lebendig werden lassen, denn viele Maßnahmen aus Medizin und Frühförderung greifen von außen in die Willens- und Bewegungsfreiheit des Kindes ein. Ich rede jetzt nicht von den „Gehfrei-Geräten” und Kinderwippen, mit denen man Kindern, noch bevor sie selbst die Aufrechte errungen haben, auf unangemessene, pathologische Art das Sitzen oder Laufen ermöglicht. Das Kind bekommt einen Bewegungsspielraum, den es sich nicht selbst erarbeitet hat: Die Folge ist eine Schwächung des Selbsterlebens durch die Fremdbestimmung – dass es bewegt wird, anstatt sich selbst zu bewegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophische Frühförderer bemühen sich, die krankengymnastischen Techniken und Behandlungsverfahren, die sie in ihrer Ausbildung gelernt haben, so umzuwandeln, dass die Eigenbewegung des Kindes maximal unterstützt wird. Es geht darum Verfahren anzuwenden, die die natürliche Entwicklung unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Freude und Heiterkeit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Freude und Heiterkeit aber machen die Atmosphäre aus, in der die Inkarnation eines Kindes am besten gelingt. Rudolf Steiner sagt hierzu in seiner kleinen Schrift &#039;&#039;„Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft”:&#039;&#039;[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Zu den Kräften,&#039;&#039; &#039;&#039;welche bildsam auf die physischen Organe wirken, gehört also Freude an und mit der Umgebung. Heitere Mienen der Erzieher, und vor allem redliche, keine erzwungene Liebe. Solche Liebe, welche die physische Umgebung gleichsam warm durchströmt, brütet im wahren Sinne des Wortes die Formen der physischen Organe aus. Wenn die Nachahmung gesunder Vorbilder in solcher Atmosphäre der Liebe möglich ist, dann ist das Kind in seinem richtigen Elemente. Strenge sollte darauf gesehen werden, daß in der Umgebung des Kindes nichts geschieht, was das Kind nicht nachahmen dürfte. Man sollte nichts tun, wovon man dem Kinde sagen müsste, das darfst du nicht tun ...”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Die Würde des kleinen Kindes“, 3. Vortrag, Kongressband Nr. 2, gelbes Heft&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft&#039;&#039;. Rudolf Steiner Verlag, 1984.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== NORMALITÄT UND NORM IN DER KINDLICHEN ENTWICKLUNG ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gibt es eine allgemeingültige „normale“ kindliche Entwicklung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage nach dem so genannten „Normalen” wird immer wieder aufgeworfen werden. Aus kinderärztlicher Sicht würde ich sagen: Jeder ist so normal, wie er sein kann; man muss sich an der jeweils vorhandenen „Normalität” orientieren. Jeder Mensch setzt seine eigene Norm, ist sein eigener Maßstab. Man kann den anderen, nur weil er anders ist, nicht als „nicht normal” bezeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Jeder ist eine Welt für sich&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Schon im Säuglingsalter ist keiner dem andern gleich. Der Begriff „Norm” kommt aus der naturwissenschaftlichen Medizin, denn nur auf naturwissenschaftlicher Ebene kann man vergleichen, Normen setzen und Abweichungen davon bestimmen. Es gibt Normen für Gewicht, Körper-, Kragen- und Hutgröße, auch für den Zuckergehalt des Blutes am Morgen und am Abend, für die Temperatur und so fort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überall gibt es aber eine gewisse Bandbreite, sodass wir in der Medizin nicht von „Normwerten”, sondern von „Normbereichen” sprechen. Der Hämoglobingehalt des Blutes sollte sich beispielsweise zwischen 12, 6 und 16, 5 bewegen, er variiert aber je nach Geschlecht und Alter: Wenn man erkältet ist, sind die Normwerte anders, als wenn man nicht erkältet ist; im Alter von dreißig Jahren sind sie anders als mit sechs Jahren. Jede Norm braucht immer den Bezug zur individuellen Situation. Und jeder Mensch ist eine Welt für sich und setzt seine eigene Norm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraus folgt: Wenn wir Kinder so „normal” nehmen, wie sie sind, und ihnen erlauben, sich gemäß ihrer eigenen Norm, ihrem eigenen Schicksal und ihrem eigenen Vermögen zu entwickeln, arbeiten wir richtig im Sinne der kindlichen Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Die Würde des kleinen Kindes“, 2. Vortrag, Kongressband Nr. 2, gelbes Heft&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== REALITÄT DER GEISTESWISSENSCHAFTLICHEN BLICK­RICHTUNG ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Perspektive auf das Kind eröffnet die geisteswissenschaftliche Blickrichtung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern eröffnet sie eine wirklichkeitsgetreue Sicht auf das menschliche Wesen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fehlender geistiger Gesichtspunkt&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wir können grundsätzlich davon ausgehen, dass, wenn wir über Leib und Seele von Kindern und Erwachsenen sprechen, immer etwas Entscheidendes fehlt. Es sind Bilder, die etwas verbergen, weil der geistige Gesichtspunkt nicht erscheint. Meist gehen die Theorien davon aus, dass Erlebnisse in der frühen Kindheit ganz bestimmte Auswirkungen haben, die dann das Leben bestimmen; sie rechnen immer nur mit &#039;&#039;einem&#039;&#039; Erdenleben. Und auch die meist hypnotischen Rückführungstechniken bleiben beim rein Psychologischen stehen, ohne kontrollierendes geisteswissenschaftliches Bewusstsein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterhält man sich mit Menschen, die sich solchen Rückführungen unterzogen haben, oder liest man Bücher über Rebirthing, dann merkt man bald, dass sich bestimmte Motive ständig wiederholen, vor allem ganz bestimmte Situationen, in denen der Einzelne Opfer war: Holocaust, Folterung, Vergewaltigung, Spießrutenlaufen, Verbrannt-Werden usw., also ganz bestimmte Extremsituationen des Menschseins. Im Einzelfall kann das ja auch tatsächlich zutreffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Nötige wahrheitsgemäße Anschauung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aus der Geisteswissenschaft wissen wir, dass der Mensch im nachtodlichen Leben seinen Ätherleib und seinen Astralleib ablegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was aber heißt das?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während wir die Gedanken des Selbstbewusstseins, der Selbsterfahrung, des Wesentlichen und Wesenhaften mit uns nehmen, lassen wir die Gedanken des Bösen, des Widernatürlichen und Abgründigen zurück. Denn all das ist nicht Teil unseres Wesens, auch wenn wir es erlebt und erlitten haben. Es ist nicht wahr und schön und gut. Wir lassen es in der sublunaren Sphäre, der Sphäre zwischen Erde und Mond, zurück und sie bleiben in der Ätheraura der Erde und machen deren Schmerzenscharakter aus. In dieser Sphäre sind das Dämonische und das Böse zu Hause, die bösen Gedanken und Gefühle, die Hass-Impulse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn sich nun Menschenseelen auf dem Weg zur Wiedergeburt, zur Inkarnation, der Erde nahen, nehmen sie in dieser Sphäre viele Schrecknisse und Grausamkeiten, die auf der Erde geschehen sind, wahr. Diese Eindrücke werden in den sich bildenden Ätherleib mit aufgenommen und können wie Selbsterlebtes im Bewusstsein auftauchen. Es ist jedoch nicht eigenes Karma, das man dann schaut, sondern man empfindet die Verbindung mit dem Menschheitskarma, mit der Menschheitsschuld, an deren Auflösung man in diesem Leben mitarbeiten will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusätzlich zu den psychologisch-naturwissenschaftlichen Forschungsergebnissen über das Kind braucht es ein intensives Studium der Geisteswissenschaft, um die Phänomene des Kindseins und der kindlichen Entwicklung auch geisteswissenschaftlich beleuchten zu können. Sonst kommen wir nicht zu einer menschen- und wahrheitsgemäßen, allseitigen Anschauung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Die Würde des kleinen Kindes“, 2. Vortrag, Kongressband Nr. 2, gelbes Heft&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE SIXTINISCHE MADONNA ALS LEITBILD DER KINDLICHEN ENTWICKLUNG ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gibt es Leitbilder der kindlichen Entwicklung, die uns helfen können, bestimmte Fragen für die Praxis leichter zu beantworten?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sixtinische Madonna erscheint mir ein grundlegendes Leitbild der kindlichen Entwicklung zu sein. Sie ist eine Art Ur-Madonna, wie nur Raffael sie malen konnte, von dem der deutsche Maler Dürer sagte, er habe in seinen Madonnenbildern „den Himmel auf die Erde gebracht“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass sie weißhäutig ist, bedeutet nicht, dass sie nicht ebenso Urbild für farbige oder schwarze Menschen sein kann. Ich empfehle immer, dass man in farbigen Kindergärten eine farbige Madonna und daneben diese besondere Madonna von Raffael aufhängt, damit nicht das Missverständnis aufkommt, die weiße Madonna wäre „normaler” als die schwarze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die geistige Bedeutung der Farben&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Weiß als Farbe drückt im geisteswissenschaftlichen Sinn „Gottesnähe” aus, schwarz hingegen ist Bild für das entkörperte, rein geistige Dasein in der geistigen Welt. Weiß bedeutet Gottesnähe auf Erden, Schwarz ist die esoterische Farbe des Todes, der Spiritualität. Weiß spricht vom Ideal der Reinigung der Seele auf Erden, Schwarz ist Sinnbild der Ewigkeit. Die menschlichen Hautfarben lassen sich zwischen diesen beiden Polen von inkarnierter und exkarnierter Geistigkeit einordnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Madonna Raffaels ist auch deshalb ein Archetyp im esoterischen Sinn, weil ihr Kind weder weiß noch schwarz ist, sondern in der Farbe des Inkarnats gemalt wurde, d.h. dem Weiß wurde etwas Schwarz und Rot beigemischt; in Schwarz und Rot wirkt die Spiritualität (der geistigen Welt) nach, gleichzeitig drückt sich aber im Weiß Erdzugewandtheit und Inkarnationswilligkeit aus. Das gilt auch für all die kleinen Kinderköpfchen ringsum. Dieses Madonnenbild ist esoterisch bedeutsam, weil unter spirituellen Aspekten jede Farbe und jede Form stimmt und das Kind so auf dem Arm der Mutter sitzt, dass es wie heraustritt aus dem Chor der ungeborenen, inkarnationswilligen Seelen. Das ist ein Umstand, der jedes kleine Kind als Aura umgibt: dass sich noch viele andere Kinder, viele andere Schicksale im Umkreis befinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Komposition des Inkarnationsaugenblickes ===&lt;br /&gt;
Ein Neugeborenes ist unendlich reich an Nachklängen aus der geistigen Welt, an ätherischen Bindungen, hierarchischen Gedanken, aber auch an Karma und Schicksalsbeziehungen. Das wird wunderbar durch die Engel und die männliche Gestalt ausgedrückt, die sich außer der Madonna und dem Kind noch auf dem Bild befinden. Das ist der Archetyp der esoterisch-exoterischen Komposition des Inkarnationsaugenblickes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von der Sixtinischen Madonna geht eine starke, im besten Sinne erzieherische, in die Senkrechte bringende, haltende Kraft aus. Wenn wir mit diesem Bild vor Augen an die Arbeit in unseren Betreuungseinrichtungen gehen, können wir daraus die richtige Haltung und Kraft schöpfen, um die Kinder in guter Weise auf ihrem Weg zur Erde zu führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Die Würde des kleinen Kindes“, 2. Vortrag, Kongressband Nr. 2, gelbes Heft&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DAS AUTONOMIEPRINZIP IN DER MENSCHLICHEN EVOLUTION ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen Stellenwert hat das Autonomieprinzip in der menschlichen Entwicklung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was drückt es aus in Bezug auf die Aufgabe des Menschen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Der Mensch als anpassungsfähigstes Wesen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Bernd Rosslenbroich&#039;&#039; hat in seiner meisterhaften Studie zur Entwicklung von Mensch und Tier erstmals schlüssig anhand einer naturwissenschaftlichen Methodik dargelegt, dass der Evolution das Autonomieprinzip inhärent ist.[1] Das heißt, jeder Schritt in der Höherentwicklung der Arten stellt einen Zugewinn in der Befähigung zur Autonomie dar. Das kulminiert in der menschlichen Entwicklung. Der Mensch ist demnach das körperlich anpassungsfähigste Wesen. Er ist zudem frei im Hinblick auf den Umgang mit Wärme und Kälte, mit Nahrungsmitteln und Essenszeiten, mit der Schlaf- und Arbeitsmenge, mit der Work-Life-Balance, mit der Wahl seiner Partner und Freunde, mit Berufstätigkeit, Religionszugehörigkeit, Weltanschauung, mit der Frage, wie viele Sprachen er sprechen will, welche Hobbys er sich wählt, wie er liebt: ob er heiraten will oder in wechselnden Partnerschaften leben, ob er Kinder haben will oder nicht – um nur einige zu nennen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Dilemma ist, dass der Menschen im Prinzip frei ist, doch auf Schritt und Tritt erlebt, wo er &#039;&#039;noch nicht&#039;&#039; frei ist: Oft bemerkt man erst zu spät, dass man eine falsche Entscheidung getroffen hat, man wünscht sich, was man (noch) nicht hat und steht immer wieder neu vor der Tatsache, dass man zwar in vielem bereits autonom agieren kann, jedoch viele Freiheitsgrade noch nicht erschlossen sind und in diesem Leben (vielleicht) auch nicht zu erschließen sein werden. Das führt viele zur Anerkennung der Logik von Reinkarnation und Karma, ja der Notwendigkeit wiederholter Erdenleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Beteiligung des Menschen am Schicksalsgeschehen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wenn man das Leben nicht als einmalig oder zufällig betrachtet oder aber allein von einer göttlichen Macht gesteuert, eröffnet sich noch eine andere Dimension der menschlichen Entwicklung: die Beteiligung des Menschen am Schicksalsgeschehen. Je mehr sich ein Mensch seiner Mitgestaltungsmöglichkeiten bewusst ist, umso freier und verantwortungsbewusster kann er sein Leben in die Hand nehmen. Umso mehr erlebt er auch „die Ohnmacht Gottes“, der dem Menschen die Anlage zur Freiheit gegeben hat und diese in dem Maße respektiert, indem sie sich entwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Keiner muss mehr reagieren – das alte Karma-Prinzip „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ gehört der Vergangenheit an. Es führte die Menschen in die Individualisierung und Sonderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das neue Karmaprinzip, von dem in der Bergpredigt[2] die Rede ist, offenbart noch eine weitere Seite der Freiheit: dass man eigene und fremde Schuld durch die Kraft des höheren Ich verstehen, verzeihen und erlösen kann.  Diese Ich-Kraft, die allen Menschen gemeinsam ist, entwickelt sich am besten, wenn man sie im sozialen Leben übt als die Kraft selbstloser Hingabe angesichts der Sorgen und Nöte der Welt, in der man lebt, die Kraft geistiger Liebe. Voraussetzung dafür ist die bis zu einem gewissen Grad errungene Autonomie. Denn nur wer sich innerlich frei fühlt, vermag sich z.B. von berechtigter Wut einem Feinde gegenüber, der einem geschadet hat, zu lösen, ist darüber hinaus in der Lage verstehen zu wollen, um aus diesem Verständnis heraus auch verzeihen zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Folgen von Missbrauch von Liebe und Freiheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In seinem Werk über die &#039;&#039;Akasha-Chronik&#039;&#039; führt Rudolf Steiner aus, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* dass Gott der Evolution des Menschen zum Ausgleich für den &#039;&#039;&#039;Missbrauch der Liebefähigkeit&#039;&#039;&#039; Krankheit und Tod beigegeben hat.[3]&lt;br /&gt;
* Und dass der &#039;&#039;&#039;Missbrauch der Freiheitsfähigkeit&#039;&#039;&#039; hingegen über das Gesetz von Reinkarnation und Karma ausgeglichen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die beiden Widersachermächte oder Teufel Luzifer/Diabolos und Ahriman/Satanas ermöglichen den Missbrauch der Eigenschaften, die zu entwickeln der Mensch berufen ist. Ohne diese Möglichkeit der Abirrung könnte sich der Mensch nicht aus sich heraus authentisch für das Gute, das wahrhaft Menschliche, die menschlichen Entwicklungsziele, entscheiden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese werden u.a. in den Kernidealen des Christentums ausgedrückt: Wahrheit, Liebe, Freiheit. Ringen wir um die Verwirklichung dieser Ideale, erringen wir auch die Voraussetzungen für leibliche, seelische und geistige Gesundheit. Warum? Weil auch Gesundheit physiologisch gesehen auf diesen drei Qualitäten basiert: Im gesunden Organismus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* stimmt alles miteinander überein (Wahrheit)&lt;br /&gt;
* stehen die Abläufe in ständiger Resonanz und feinabgestimmter Wechselwirkung miteinander (Liebe)&lt;br /&gt;
* werden die Grenzen und die Integrität der einzelnen Organe und Funktionen respektiert (Freiheit).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Schicksalswirkungen im Lebenslauf auf Grundlage von Rudolf Steiners Karmaforschung“ Der Merkurstab 2015, Heft 6&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Bernd Rosslenbroich, &#039;&#039;On the Origin of Autonomy, A New Look at the Major Transitions in Evolution,&#039;&#039; Heidelberg, New York, Springer 2014.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Neues Testament, &#039;&#039;Matthäus&#039;&#039; Kap. 5 - 7.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Aus der Akasha-Chronik&#039;&#039;, GA 11, Dornach, Rudolf Steiner Verlag 1986. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ENTWICKLUNGSGEDANKE UND WIEDERVERKÖRPERUNG ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Perspektiven und Entwicklungsmöglichkeiten eröffnet der Gedanke der Wiederverkörperung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Viele Leben für Entwicklung nötig&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Gedanke der Wiederverkörperung ist so alt wie die Menschheit. Wer ein medita­tives Leben beginnt, bemerkt bald, wie viel es noch zu lernen und zu erfahren gilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wer kann sagen, er sei bereits ein voll entwickelter Mensch?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wer will schon von sich behaupten, dass er sein Entwicklungsziel erreicht hat und tatsächlich „am Ende“ ist?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst große Geister wie &#039;&#039;Goethe&#039;&#039; waren davon überzeugt, dass es nötig ist wiederzu­kommen, um weiter zu lernen. &#039;&#039;Emil Bock&#039;&#039; befasste sich mit Persönlichkeiten im (mittel)­europäischen Raum, die davon überzeugt waren, dass der Mensch nicht nur einmal lebt, und das Gesetz von Reinkarnation und Karma als für alle Menschen gültig erachteten.[1] Bock war der Überzeugung, dass jeder, der sich ernsthaft mit der Tatsache auseinander­setzt, dass man sich als Mensch nicht nur körperlich entwickelt, sondern auch seelisch und geistig, auf den Gedanken der Wiederverkörperung kommt: dass der Mensch viele Leben braucht, um nur annähernd das Ausmaß an Freiheit, Würde, Selbstachtung, Respekt, Verständnis, Mitleid und Liebe für andere zu erwerben, das einen wirklich „guten Menschen“ ausmacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Schicksal als Lernfeld begreifen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Jeder Mensch hat seine besondere Art zu sein und sich zu entwickeln – weil jeder sein eigenes Schicksal hat, auch wenn viele über Zeiten hinweg zusammenleben und innig befreundet sein können. Auch eineiige Zwillinge verbringen ihre Leben oft an getrennten Orten, in verschiedenen Berufen und selbstverständlich mit ver­schie­denen Lebens­partnern etc. Jeder Mensch hat sein eigenes Schicksal mit seiner eigenen Krankheits­disposition. Sich diesbezüglich eine Art geistiger Identifikationsmöglichkeit zu erarbeiten, erscheint mir in der heutigen Zeit besonders wichtig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter dem Aspekt wiederholter Erdenleben und fort­schreitender Bewusstseins­ent­wick­lung ändert sich auch das Verhältnis, das man zum eigenen Körper hat. Man ist durch ihn nicht mehr nur Mann oder Frau, Engländer, Schwarzafrikaner, Chinese oder Deutscher. Vielmehr begreift man ihn als Instrument der Weiterentwicklung. Man erlebt die eigene Identität immer mehr im rein Menschlichen und weniger im Mann- oder Frausein bzw. in der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Hautfarbe, einem Volkstum oder einer Religion. Der Körper ist das Erdeninstrument des Schicksals. Von seinen Begabungen und Behinderungen, seinem Aussehen und Geschlecht hängt es zu einem großen Teil ab, wie sich dieses gestaltet.[2] Man erlebt, wie vieles im eigenen Schicksal gerade von der besonderen Konstitution in diesem Leben abhängig ist und dass dieses Schicksal seinen eigenen Gesetzen folgt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Vertrauen in das eigene Schicksal entwickeln&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das erfuhr ich eindrücklich während meiner Zeit auf der Intensivstation. Der Laie denkt in der Regel, dass dort „Halbgötter in Weiß“ mithilfe von Schläuchen und Nadeln Leben erhalten. Das stimmt so nicht. Es trifft nicht einmal auf die Neu- und Frühgeborenen-Station zu: Ich habe dort Kinder sterben sehen, deren Tod niemand voraus­gesehen hätte und ich habe Kinder überleben sehen, bei denen niemand es für möglich gehalten hätte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In mehreren Fällen hatte sogar das ethische Komitee bereits entschieden, alle Apparate abzustellen und diese Kinder nur noch zu pflegen und zu ernähren, weil sie mehrfach behindert waren. Sie überlebten trotzdem, unter erschwerten Bedingungen ohne zusätz­liche Beatmung, bis die Eltern angesichts des Lebenswillens ihres Kindes bewusst und entschieden „Ja“ zu ihnen sagten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch diese Erfahrungen entwickelte ich als Ärztin ein ganz tiefes Vertrauen in das Schicksal der betreffenden Menschen – und damit rühren wir jetzt an eine andere Dimension: Es gibt Menschen, die früh sterben, als Kinder oder im frühen Erwach­senen­­alter. Und es gibt Menschen – deren gibt es heute viele –, die erst hochbetagt sterben. Es ist aber auch so, dass manche Kinder durch einen Unfall, den man nicht hatte vermeiden können, durch Bedingungen, die man geschaffen hat und die zu hinterfragen müßig ist, verletzt werden und lebenslang behindert bleiben. Dazu ein besonders anrührendes Beispiel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ein Ort der Weiterbildung für besondere Menschen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der Nähe von Nagano, in den Bergen Japans, liegt &#039;&#039;Suirin&#039;&#039;,[3] ein besonderer Ort für Studium und Weiterbildung, im traditionell japanischen Stil geführt, mit exzellenter biologischer Küche, angenehmen Räumen mit Holzverkleidung, mitten in der Natur. Etwa 100 Menschen können hier untergebracht und verpflegt werden. Das ganze Jahr über finden die verschiedensten Seminare, Kurse und wissenschaftlichen Kolloquien statt. Jetzt ist noch ein weiteres Haus geplant für das Zusammenleben mit alten Menschen. Die Mehrzahl der über 30 MitarbeiterInnen besteht aus Jugendlichen, die aufgrund von Anpas­sungsstörungen, psychischen Krankheiten und Behinderungen bis­her keine Arbeits­stelle finden konnten. Hier lernen sie nicht nur ein gesundes regel­mäßiges Leben kennen, sondern werden auch ausgebildet in Haushaltswirtschaft, Pflege und verschiedenen sozialen Diensten. Nach dieser mehrjährigen Ausbildungszeit können sie in der Regel ein selbständiges Leben aufnehmen. Die Anmeldelisten über­steigen weit die Möglichkeiten der Aufnahme. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Woher kam dieser Impuls, der sich im Laufe von 30 Jahren so erfolgreich entwickelt hat?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einem Elternpaar wurde vor 30 Jahren ein schwerstbehindertes Mädchen geboren, das weder gehen noch sprechen lernen konnte. Sie waren von Anfang an darauf angewiesen, sich rein emotional-intuitiv mit ihrer Tochter zu verständigen. Sie ent­schie­den sich für ein neues Leben mit ihrer Tochter, suchten einen besonders schönen, gesunden Lebensraum und begründeten – sozusagen um die Tochter herum – die eben skizzierte soziale Einrich­tung. Ohne sie wäre das Leben der Eltern in konven­tio­neller Weise weitergegangen – nie wären sie auf den Gedanken gekommen, einen Ort von Menschlichkeit und kultureller Vielfalt zu schaffen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So kann ein Erdenleben auch einmal ganz im Zeichen der Hilfsbedürftigkeit, im Em­pfan­­­gen, verbracht werden. Dadurch bekommen andere die Möglichkeit, unermess­lich viel zu lernen, insbesondere auf sozialem Felde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vom Sinn der … Krankheiten, in: Meditation in der Anthroposophischen Medizin, 1. Kap., Berlin 2016&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----&amp;lt;sup&amp;gt;[1]&amp;lt;/sup&amp;gt; Emil Bock, &#039;&#039;Wiederholte Erdenleben. Die Wiederverkörperungsidee der deutschen Geistesgeschichte&#039;&#039;, Verlag Urachhaus, Stuttgart 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;[2]&amp;lt;/sup&amp;gt; Michaela Glöckler, &#039;&#039;Begabung und Behinderung&#039;&#039;, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;[3]&amp;lt;/sup&amp;gt; Siehe &amp;lt;nowiki&amp;gt;http://www.suirin.com/English/welcome.html&amp;lt;/nowiki&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== MENSCHLICHE DEFIZITE KOMPENSIEREN DURCH ENTWICKLUNGSWILLEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern ist es wichtig, zwischen Tier und Mensch zu unterscheiden?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worin sind sie begründet?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worin liegt der Sinn des menschlichen Andersseins?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Herausforderungen und Aufgaben sind damit verbunden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verwischte Unterschiede neu erfassen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der prinzipielle Unterschied zwischen Mensch und Tier wurde als Folge der darwinistischen Evolutionstheorie in den letzten hundert Jahren zunehmend verwischt. Daher ist es wichtig, diesen Unterschied neu zu erfassen, wenn man den Menschen als Mensch und nicht als Tier verstehen möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Tier ist es zwar möglich, sich individuell seelisch zu äußern – keine zwei Hunde gleichen sich in Bezug auf ihr Verhalten vollständig, auch wenn sie dem gleichen Wurf angehören –, aber es ist dennoch keinem einzigen Hund möglich, sich nicht wie ein regulärer Hund zu benehmen. In der tierischen Entwicklung fehlt der Faktor „individuelle Entwicklung“, der mit &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Offenheit,&lt;br /&gt;
* Risikobereitschaft,&lt;br /&gt;
* Scheitern-Können,&lt;br /&gt;
* Aufgeben-Wollen einhergeht&lt;br /&gt;
* und der in die Unberechenbarkeit der spezifisch menschlichen Existenz führt&lt;br /&gt;
* mit der ganzen typisch menschlichen Selbstfindungsproblematik&lt;br /&gt;
* mitsamt ihren Identitätskrisen&lt;br /&gt;
* und dem Erreichen des Nullpunktes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht stellen wir Menschen uns deshalb gegenwärtig so gerne auf eine Stufe mit dem Tier, weil wir es insgeheim um seine fraglose Identität und um sein immer artgemäßes Verhalten beneiden. Die weisheitsvollen Gesetzmäßigkeiten der mineralischen Welt, der ätherischen Lebenszusammenhänge und der seelischen Verinnerlichungsmöglichkeiten kommen beim Tier zwar in jedem einzelnen Individuum auch individuell zum Ausdruck, jedoch immer in einer gewissen Vollkommenheit und Selbstverständlichkeit. Kindheit, Jugend und Erwachsenwerden des Tieres werden von artgemäßen Instinkten bestimmt und können naturgegeben ausgelebt werden. Gerade das ist dem Menschen nicht möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Lange Kindheit als Zeit für Entwicklung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Zoologe &#039;&#039;Friedrich Kipp&#039;&#039; ist in seinem Buch &#039;&#039;„Die Entwicklung des Menschen im Hinblick auf seine lange Jugendzeit“&#039;&#039; dem Unterschied zwischen Tier und Mensch evolutionsbiologisch nachgegangen.[1] Er zeigt auf, dass der Mensch eine im Vergleich zu den Säugetieren charakteristisch lange Kindheit und Jugend hat, mit einer ausgedehnten Spiel- und Lernphase, wodurch seine Fähigkeit, sich lebenslang ändern und anpassen zu können, entscheidend unterstützt wird. Das zeigt: Der Mensch ist auf Selbstentwicklung hin veranlagt. Körperlich hingegen behält er im Vergleich zu den Tieren eine unspezialisierte, embryonal-kindliche Form bei. Dies hat auch entsprechende Konsequenzen für die Erziehung: Kinder, die ausgiebig spielen und kreativ sein durften, bleiben in der Regel auch bis ins hohe Alter beweglich und schöpferisch. Je früher hingegen die Kinder in Kindergarten und Schule spezialisiert, konditioniert und verschult und damit festgelegt erscheinen, desto gefährdeter sind sie, später unschöpferisch, angepasst und früher alt und eher krank zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daran kann unmittelbar abgelesen werden, dass in den Menschen eine über das Tier hinausgehende, völlig andere Gesetzmäßigkeit hereinragen muss: Eine Gesetzmäßigkeit, durch die er gezwungen ist, die Verantwortung für seine Entwicklung selbst in die Hand zu nehmen, da er sie nicht seinen körpereigenen Instinkten überlassen kann. Die menschliche Entwicklung ist gekennzeichnet von einer größtmöglichen Offenheit und Verwundbarkeit. Alles, worauf das Tier sich weitestgehend verlassen kann – dass es die richtige Wahl der Nahrungsmittel trifft, dass es nicht zu viel und nicht zu wenig isst, dass es sich artgemäß fortpflanzt, dass sein Schlaf-Wachrhythmus geregelt ist, dass sein Sozialverhalten dem entspricht, was man von ihm erwartet –, all das ist beim Menschen nicht von Natur aus gegeben, sondern muss im Laufe des gesamten Lebens nicht nur errungen, sondern auch weiter ausgebildet, kultiviert und „vermenschlicht“ werden. Wie viele Arztbesuche würden entfallen, wenn es keine Ess-, Schlaf- und (sexuelle) Beziehungsprobleme gäbe!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon eine so einfache Überlegung macht deutlich, wie revolutionär, wie dramatisch und grundsätzlich der Unterschied zwischen Mensch und Tier ist. Wenn beim Tier die Geschlechtsreife eintritt, ist sein artgemäßes Verhalten bereits gesichert, und es lebt individuell und sozial in geregelten Bahnen. Beim Menschen hingegen ist die Geschlechtsreife dadurch gekennzeichnet, dass alle noch so gutgemeinten erzieherischen Bemühungen aus den früheren Jahren fruchtlos erscheinen. Eigenes, Unerwartetes macht sich geltend – das ist ein wahrhaft revolutionärer Vorgang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entwicklungsoffenheit als Herausforderung und Chance&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Mit diesem Eigenen, Unerwarteten, mit dieser Entwicklungsoffenheit hängt aber auch all das zusammen, was besonderen Begabungen und Behinderungen zugrunde liegt. Und nur der Mensch muss lernen, mit Begabungen und Behinderungen zu leben und mit ihnen umzugehen, nicht jedoch die ihm seelisch verwandten Tiere. Man hat Skelette von wasserköpfigen Kindern gefunden, die aus der Steinzeit stammten, und hat daraus geschlossen, dass die Fürsorge für behinderte Kinder so alt ist, wie Menschen Behinderungen wahrnehmen und pflegen konnten. Ein behindertes Tier in der freien Wildbahn wird sehr bald vom ökologischen System „verarbeitet“: es stirbt, weil es sich nicht ernähren und verteidigen kann – es wird aufgefressen, ihm kann nicht geholfen werden. So wird auch dafür gesorgt, dass schwerwiegende Behinderungen unter Tieren nicht weitervererbt werden können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was könnte ein Tier auch in der Auseinandersetzung mit einer Behinderung gewinnen? &#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da ihm das Selbstbewusstsein und die damit verbundene persönliche Betroffenheit fehlen, könnte es damit gar nichts anfangen. Es würde sinnlos leiden. Dem Tier ist es nicht gegeben, durch Leid und Schmerz Erfahrungen zu machen, die es in seiner Entwicklung weiterbringen. Denn es ist von Natur aus zur Vollkommenheit veranlagt. Das kann durch persönliche Anstrengung nicht noch weiter gesteigert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Leid und Schmerz als Lernhilfen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Gerade das ist beim Menschen grundsätzlich anders: Für ihn sind Leid und Schmerz Herausforderungen, denen er sich während seiner ganzen Entwicklung bewusst stellen muss und durch die er Erfahrungen machen kann und Einsichten gewinnen lernt, die durch nichts anderes zu gewinnen sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Natur zeigt sich das Geistige – wenn es durch menschliche Eingriffe nicht gestört wird – wirksam in den weisheitsvoll aufeinander abgestimmten Regelkreisen der ökologischen Zusammenhänge. Krankheit und Behinderung treten hier nur am Rande als flüchtige Erscheinungen auf, da kranke Pflanzen bald zugrunde gehen, ebenso wie geschwächte und geschädigte Tiere. Demgegenüber besitzt der Mensch die Möglichkeit, mit Krankheiten und Behinderungen unter Umständen jahrzehntelang zu leben und umzugehen. Doch nicht nur das. Bei ihm tritt als entscheidender Faktor etwas hinzu, das bei Pflanze und Tier nicht existiert: innere Krankheitsursachen. Pflanze und Tier erkranken, wenn die äußeren Lebensumstände ihrer Art nicht mehr entsprechen und wenn in irgendeiner Form nicht zu kompensierende Mangelerlebnisse auftreten, was Nahrung und Klima betrifft. Beim Menschen treten zu diesen schädigenden Einflüssen von außen als entscheidende, spezifisch menschliche Krankheitsursachen innere Ursachen hinzu. Die Kräfte, die beim Menschen als freie, seelisch-geistige Betätigungsmöglichkeiten in Erscheinung treten, entstammen ja Kraftzusammenhängen, die den Leib aufbauen und erhalten. Beim Tier offenbaren sich die entsprechenden Kräfte als leibgebundene instinktive Weisheit und artgerechtes Sozialverhalten. Irrtum und Missbrauch dieser Kräfte sind ausgeschlossen, indem sie der unbewussten Regelung durch das Naturgesetz unterliegen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ausgleich des Instinktdefizits durch Lernwillen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das ist beim Menschen anders. Er hat ein großes Instinktdefizit, einen Mangel an naturgegebener Weisheit, wie sie den Tieren angeboren ist. Dieses Kräftepotential steht stattdessen leibfrei dem Seelen- und Geistesleben zur Verfügung, d.h. der Mensch kann und muss durch aktive Lernprozesse ersetzen, was ihm an Instinkten fehlt. Andererseits hat er dadurch die Möglichkeit, diese vom Leib emanzipierten seelischen und geistigen Entwicklungspotentiale zu missbrauchen zur Zerstörung von sich und anderen. Hiermit gemeint sind nicht nur die Schädigungsmöglichkeiten, die mit falscher Ernährung, zu wenig Schlaf, einer ungesunden Lebensweise und mangelnder Hygiene zusammenhängen, sondern vor allem diejenigen Schädigungsmöglichkeiten, die durch ein unwahres Denken, ein destruktives Gefühlsleben und durch fehlgeleitete Willenshandlungen zustande kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist ein langer Entwicklungsweg, bis man reif ist für den freien Gebrauch dieser Seelen- und Geisteskräfte. Die damit verbundenen Lernprozesse sind dadurch störanfällig, dass sich der Mensch geistig, seelisch und auch an Leben und Leib „irren kann“. Darin liegt ein tiefer Sinn. Denn wenn er den zuletzt in Form von Krankheit und Behinderung organisch gewordenen „Irrtum“ erlebt, kann er sich dadurch weiterentwickeln. Auch liegt etwas Trostreiches in dem Gedanken, dass man Fehler und Irrtümer selber als solche erleben und damit die Voraussetzungen schaffen kann, sie selbstständig zurechtzurücken und zu verwandeln. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade dabei spielt der Umgang mit Begabung und Behinderung eine wesentliche Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verantwortung übernehmen für Entwicklung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Es wäre allerdings einseitig, aus dem Vorgebrachten den Schluss zu ziehen, hier tauche, nur mit neuen Begründungen, die alte Lehre wieder auf, dass Krankheit von Sünde und Fehlverhalten komme. Viel wesentlicher ist es, aus diesen Zusammenhängen die Frage abzuleiten: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Woher kommen Begabungen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Woher kommen angeborene Fähigkeiten, Genialität? &#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Könnten sie nicht gerade das Ergebnis durchgemachter Behinderungen und Krankheiten in einem früheren Erdenleben sein?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir leben heute in einer Zeit, in der die Menschen zunehmend empfinden, dass sie selbst für ihre Gesundheit und ihre Entwicklung Verantwortung übernehmen müssen. Dafür sorgt nicht nur der sich anbahnende wirtschaftliche Zusammenbruch der Gesundheits- und Sozialsysteme, sondern auch, dass der Mensch sich immer stärker als auf sich selbst gestellt erlebt. Angesichts der vielfältigen Folgen menschlichen Handelns in der Natur, der Umwelt und im Wirtschafts- und Sozialleben erkennen wir, dass wir es letztlich selber sind, von denen wir und unsere Umwelt abhängen. Wir sind viel mehr mit den Folgen unserer Taten konfrontiert; sie werden vom Einzelnen viel stärker erlebt als dies noch vor vierzig, fünfzig Jahren der Fall war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Zukunft wird entscheidend sein, dass möglichst viele Menschen sich ihrer Verantwortung bewusstwerden und aus dieser Einsicht heraus energisch an einer Vermenschlichung der kulturellen Verhältnisse arbeiten. Auch wenn noch nie so viele Menschen auf der Erde gelebt haben wie gegenwärtig, kann man andererseits auch sagen, dass die Defizite an Menschlichkeit nie so stark in Erscheinung getreten sind wie im letzten Jahrhundert mit seinen endlosen Kriegen, Zerstörungen und epidemischen Zuständen von Unzufriedenheit, Depression und Verzweiflung. Und so ist es kein Wunder, dass sich viele Menschen aufgrund dieser Tatsachen wie an einer Schwelle erleben, an der sie wachgerüttelt werden, sich selbst zu erkennen. Viele empfinden auch eine gewisse Sehnsucht, sich ihre Mitverantwortung für das Ganze bewusst zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Begabungen und Behinderungen“, 5. Und 6. Kapitel, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2004&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. dazu Friedrich A. Kipp, &#039;&#039;Die Evolution des Menschen im Hinblick auf seine lange Jugendzeit&#039;&#039;, Stuttgart 1991. Ferner Wolfgang Schad, &#039;&#039;Säugetiere und Mensch&#039;&#039;, Stuttgart 1971.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Offenborn</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Anthroposophische_Menschenkunde&amp;diff=1265</id>
		<title>Anthroposophische Menschenkunde</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Anthroposophische_Menschenkunde&amp;diff=1265"/>
		<updated>2026-01-17T18:17:29Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Offenborn: /* Fragen zur Kieselsäure als Nahrungsergänzungsmittel */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= Anthroposophische Menschenkunde – von Michaela Glöckler =&lt;br /&gt;
Auszüge aus Büchern und Vorträgen von [[Michaela Glöckler]]; Erstveröffentlichung auf https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE FÜNF EBENEN DES ANTHROPOSOPHISCHEN MENSCHENBILDES ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sind die fünf Ebenen des anthroposophischen Menschenbildes?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern sind sie jeweils Ausdruck des menschlichen Seins?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann man sie positiv und negativ beeinflussen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Erkenntnis vom Menschen als Grundlage&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Zentrales Anliegen der An­throposophischen Medizin ist die Erkenntnis vom Menschen als Grundlage aller medizinisch-therapeutischen Interventionen. „Anthropos“ heißt auf Griechisch der Mensch, „sophia“ heißt Wissen, Kunde, Weisheit, Erkenntnis. Das Menschenbild aus der Anthroposophie ist demnach gekennzeichnet von einem weisheitsvollen Blick auf den Menschen, der dessen Vielschichtigkeit Rechnung trägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So werden auch die Ursachen für Krankheiten unterschiedlichen Schichten oder Ebenen des Menschen zugeordnet: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Manche sind durch unzureichende Pflege und schlechte Behandlung des physischen Leibes verursacht.&lt;br /&gt;
* Andere sind der Nichtbeachtung der Lebensrhythmen geschuldet.&lt;br /&gt;
* Wieder andere haben mit belastenden Beziehungen zu tun.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die fünf Ebenen des Menschseins&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Diese unterschiedlichen Daseinsebenen, auf denen wir agieren, jeweils anamnestisch zu er­fragen, gehört zum Grundkonzept der anthroposophischen Medizin. Der Arzt versucht mit Hilfe des Patienten zu ergründen, auf welchen der menschlichen Seins-Ebenen ständige Selbst- bzw. Fremdkränkung vorliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Genetisch-physisch-körperliche Ebene ====&lt;br /&gt;
Diese Ebene umfasst die Genetik, die Umwelt sowie die Epigenetik. Steiner hat seinerzeit bereits von den Phänomenen der Epigenetik gesprochen, obwohl es das Wort noch gar nicht gab. Er betonte dabei, dass das Erbgut wandelbar sei, dass es keine fixe Größe darstelle – und sah auch voraus, dass man das noch herausfinden werde. Das konnte sich zu seiner Zeit, in der man dem genetischen Determinismus huldigte, niemand vorstellen. Er nannte drei Faktoren, die das Erbgut beeinflussen und verändern: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Immunstimulierung durch Fieber =====&lt;br /&gt;
Wir wissen heute aus der Immunologie, dass die Immunparameter durch Fieber stimuliert werden, dass bestimmte Genbezirke, die vor einem Fieberschub noch geblockt waren, nach dem Fieberschub reagieren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Organbildung durch Sinneseindrücke =====&lt;br /&gt;
Zur physischen Ebene gehören auch die Sinne mit den dazugehörigen Sinnesorganen, deren Bedeutung Steiner in der sogenannten Sinneslehre umfassend beschreibt. Er unterscheidet zwölf Sinnesbezirke, die wiederum in geistig, seelisch und leiblich orientierte Sinne unterteilt werden. Sie seien hier nur kurz erwähnt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====== &#039;&#039;Geistig orientierte Sinne:&#039;&#039; ======&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Man kann das Ich eines anderen als Kraftgefüge wahrnehmen über den Ich-Sinn, &lt;br /&gt;
* Gedanken über den Gedanken- oder Begriffssinn,&lt;br /&gt;
* Worte über den Wort- oder Lautsinn.&lt;br /&gt;
* und verfügen über einen Wärmesinn,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====== &#039;&#039;Seelisch orientierte Sinne:&#039;&#039; ======&lt;br /&gt;
Wir können hören, sehen, riechen, schmecken&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====== &#039;&#039;Leiblich orientierte Sinne:&#039;&#039; ======&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wir verfügen über einen Gleichgewichtssinn, &lt;br /&gt;
* einen (Eigen)bewegungssinn,&lt;br /&gt;
* einen Lebenssinn&lt;br /&gt;
* und einen Tastsinn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Sinne sind entscheidend an Aufbau und Funktion des menschlichen Körpers beteiligt. Denn über die kindliche Nachahmung wirkt das sinnlich Wahrgenommene bis in die Organbildung hinein. Steiner wusste damals noch nichts von den Spiegelneuronen, beschrieb sie aber in ihrer Funktion, indem er sagte, das Kind ahme alles nach und jede Nachahmung stelle eine physiologische Tätigkeit dar, durch die sich die Konstitution des Kindes ändere. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Individualität als Entscheidungsinstanz =====&lt;br /&gt;
Steiner war zudem fest davon überzeugt – und das wird heute von der Beziehungs- und Bindungsforschung bestätigt – dass die Individualität des Kindes selbst das Erbgut so „komponiert“, wie es für das Leben und die Entwicklung dieses Menschen stimmig ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 2000 wurde das sogenannte &#039;&#039;„Human genom project“&#039;&#039; veröffentlicht, eine 10jährige Arbeit zur Entschlüsselung des menschlichen Genoms. Von der Zeitschrift &#039;&#039;„nature“&#039;&#039; gab es einen Sonderband dazu, der die Richtigkeit von Steiners Annahmen aus schulmedizinischer Sicht bestätigte. Dort wurde im Editorial gesagt, dass das Erbgut viel simpler aufgebaut und viel weniger spezifisch sei, als man bisher dachte. Die große Enttäuschung sei jedoch, dass man das Entscheidende nicht gefunden habe: das Regulator-Gen, das für die Gesamtgestalt und für die Form der einzelnen Organe zuständig ist. Dort hieß es so schön: &#039;&#039;„Die Gene funktionieren wie ein gutes Orchester, nur kennen wir den Dirigenten nicht.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner sagte seinerzeit, die Individualität des Kindes wäre dieser Dirigent. Das wurde auch von der Resilienz- und Salutogenese-Forschung bestätigt: Unabhängig von Erbgut und Milieu hängt es letztlich immer von dem jeweiligen Menschen ab, ob ein ungünstiges Milieu ihm zum Schaden gereicht und er eine frühkindliche Störung entwickelt oder ob er dadurch stärker wird. Alles hängt von seiner mitgebrachten individuellen Kompetenz ab und davon, ob diese im Umfeld auf eine entsprechende Resonanz trifft. Man hat herausgefunden, dass nicht das Milieu oder die Gene die wichtigsten Schutzfaktoren gegen kränkende Einflüsse sind – und damit entscheidend für eine gesunde menschliche Entwicklung –, sondern die tragende Beziehung, die ein Kind zu mindestens einem Menschen aufbauen kann. Eine solcherart schützende Beziehung wird von Ehrlichkeit, liebevollem Interesse und Respekt vor der Integrität, der Autonomie und den Grenzen des anderen geprägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ätherisch-zeitliche Ebene ====&lt;br /&gt;
Die ätherische Ebene betrifft die Zeit und die Prozesse, die in der Zeit ablaufen. Es ist nicht egal, wann man etwas macht – es muss alles zu seiner Zeit geschehen. Man spricht in dem Zusammenhang auch von Entwicklungsfenstern. Hierher gehört der Begriff der altersentsprechenden Erziehung sowie die Berücksichtigung von Rhythmen wie gesunde Essens- und Schlafenszeiten. All das wird zusammengefasst unter dem Begriff Biorhythmik. Dieses Gebiet wird in der Waldorfpädagogik sehr ernst genommen: Welche Unterrichtsstunden worauf folgen, aber auch das Thema des altersentsprechenden Lehrplans gehören hierher – nicht vom Inhalt her gesehen, den er vermitteln soll, sondern im Sinne einer Lehrplan-Physiologie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Für welche körperlich-seelische Erfahrungswelt ist ein Kind mit 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10 Jahren empfänglich?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wann sollte was unterrichtet werden, damit das Kind altersentsprechend körperlich geschickt und seelisch geweckt wird und in ihm seinem Alter gemäße Fragen wachgerufen werden als „Nahrung“, die es in einem bestimmten Lebensalter braucht?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein komplexes Gebiet, weshalb es auch den Schularzt braucht, der Lehrer und Eltern im Bereich der primären Prävention dahingehend berät, wie sie die Erziehungsprozesse durch gesundende Zeitabläufe begleiten und unterstützen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Lebensrhythmen des Menschen&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner stellte einen Bezug zwischen den heute bekannten Rhythmen und dem Menschen her:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Das &#039;&#039;Ich&#039;&#039; lebt im &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;24-Stunden-Rhythmus&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;Seele&#039;&#039; im &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Wochenrhythmus&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;: Um etwas seelisch zu verarbeiten, braucht man mindestens eine Woche – das bekommt man nicht an einem Tag hin.&lt;br /&gt;
* Die Lebensorganisation wird auch &#039;&#039;Ätherleib&#039;&#039; genannt und folgt dem &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;4-Wochen-Rhythmus&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;, d.h., wenn man eine schlechte Gewohnheit ablegen und stattdessen eine gute verankern will, braucht man dafür vier Wochen. Gute Gewohnheiten haben einen stabilisierenden Einfluss auf den Ätherleib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begriff „Ätherleib“ ist ein von Steiner benützter Terminus, der auf das blaue Himmelslicht zurückgeht. Er sagt, alles Leben auf der Erde, wie z.B. die Chlorophyll-Assimilation von Licht, findet unter Einfluss des durchsonnten blauen Himmels der Atmosphäre statt. Sie ist die direkte Energiequelle des gesamten Lebens. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Seelisch-astrale Ebene ====&lt;br /&gt;
Die wesentlichen Beziehungs- bzw. seelischen Faktoren sind Ehrlichkeit, liebevolles Interesse, Respekt vor der Autonomie. Entscheidend ist dabei jeweils, dass man diese Qualitäten zu fühlen imstande ist. Denn die Seele umfasst primär die Gefühlsebene. Was man nicht fühlt, ist für den Betreffenden nicht real. Interesse wird erst zu Liebe, wenn man den anderen meint und nicht insgeheim etwas für sich selbst haben möchte. Das gilt auch für den Respekt vor der Freiheit, der Autonomie des anderen. Wer sich freilassend geliebt und verstanden, aber auch ehrlich behandelt fühlt, kann mit Goethe sagen: &#039;&#039;„Ich fühlte mich in Deinen Augen gut.“&#039;&#039;  Das schrieb er seiner Geliebten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die uns anvertrauten Kinder und Patienten sollten sich in unseren Augen gut fühlen und nicht mit distanziertem, gleichgültigem Blick von oben herab angeschaut werden. Es gibt so viel Zweifel, Spott, Zynismus, aber auch so viele Ängste, die eine gesunde Beziehung verstellen und das Gefühlsleben korrumpieren können. Das wieder freizulegen, ist ein wichtiger Teil unserer Arbeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Individuelle Ich-Ebene ====&lt;br /&gt;
Das Ich ist das entscheidende Zentrum dieses Menschenbildes. Wir benennen mit „ich“, was wir uns selber zusprechen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ein Kind erkennt schon mit &#039;&#039;&#039;drei Jahren&#039;&#039;&#039;: Ich bin. &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Ein Neunjähriges&#039;&#039;&#039; fühlt zum ersten Mal die Einsamkeit des Ich-Seins, fühlt sich plötzlich nicht mehr selbstverständlich zur Familie gehörig: Es fühlt zum ersten Mal das Alleinsein, das Ausgesetztsein, die Verwundbarkeit als Ich.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Mit 16&#039;&#039;&#039; fühlt man erstmals die Verantwortung für das eigene Ich, für das, was man denkt, was man will. Man sagt nicht mehr alles frei heraus, sondern prüft, ob etwas stimmt. Man fühlt sich jetzt für sich und das, was man tut, verantwortlich.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Zwischen 20 und 23&#039;&#039;&#039; – das sind statistische Mittelwerte – beginnt man ernsthaft die eigene Existenz, das eigene Ich selbst zu hinterfragen: Wozu all das? Will ich das überhaupt und wenn ja, warum? Sie suchen nach ihrer wahren Identität und wollen sie in allem selbst bestimmen: spirituell, seelisch, wertemäßig, beziehungsmäßig. Wer diese Themen für sich durcharbeitet, kann dann auch formulieren, was er unter diesem Ich versteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Wahrhaft Mensch werden&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Aus Sicht der Anthroposophie sind wir Menschen dazu aufgerufen immer menschlicher zu werden, uns als „Werdewesen“ zu begreifen. Der Mensch unterscheidet sich wesentlich von Mineralien, Tieren und Pflanzen, von allem, was die Natur bietet, durch ein Merkmal: durch seine Unvollkommenheit. In der Natur ist alles vollkommen, keines der uns umgebenden Naturwesen könnte schöner oder perfekter sein – es sei denn, es ist umweltbedingt geschädigt. In vielen Hochreligionen wurden Tiere aufgrund ihrer Vollkommenheit als Götter verehrt. Der Mensch empfindet sich dagegen unvollkommen: Kein Mensch würde von sich sagen, er wäre vollumfänglich Mensch. Jeder ist sich bewusst, dass er noch menschlicher sein könnte und sollte. Deshalb ist das Credo der Anthroposophie: Wahrhaft Mensch werden zu wollen: Zu lernen, die eigenen Werte zu bestimmen und daraus das eigene Leben menschenwürdig zu gestalten; und so auf die eigene Umwelt zurückzuwirken, dass Leben unterstützt und nicht gekränkt und bedroht wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Spirituelle Ebene – Quinta Essentia ====&lt;br /&gt;
Paracelsuns nannte diese fünfte Ebene die „Quinta Essentia“. Diese Ebene ist zentral für das anthroposophische Menschenbild: Unser Denken, Fühlen und Wollen sind nicht körperlicher Natur und auf den Körper beschränkt, sondern können von jedem, der sich nur ein wenig auf sich selbst besinnt, als außerkörperliche Kompetenzen erlebt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder erleben ihr Metabewusstsein oder Metagedächtnis zum ersten Mal mit 9 Jahren. Das hängt mit dem genannten Gefühlserlebnis zusammen. Sie sehen sich plötzlich wie von außen und fühlen sich ihrer Familie und ihrem Freundeskreis nicht mehr selbstverständlich zugehörig. Sie fragen plötzlich, warum sie in diesen Zusammenhängen leben. Natürlich reflektieren die Neunjährigen das noch nicht. Aber die 23-Jährigen tun es, sie stellen sich total infrage – und das kann man nur, wenn man sich als „außer sich“, also wie von außen, erleben kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist Rudolf Steiners ganz großer Verdienst, das Denken, Fühlen und Wollen als außerkörperliche Kompetenzen entdeckt zu haben: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* dass das Gehirn unsere Gedanken, Gefühle und Absichten nicht hervorbringt, sondern nur spiegelt,&lt;br /&gt;
* dass der Mensch eine gedankliche, gefühlsmäßige, intentionale Aura hat, einen mehr oder weniger „heiligen Schein“ von Gedanken, Gefühlen und Bestrebungen, die tatsächlich außerkörperlich sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darauf möchte ich im Folgenden genauer eingehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Drei Entwicklungsgesten und Denken, Fühlen und Wollen&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Aus der Embryologie kennen wir drei unterschiedliche evolutive Dynamiken:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# die &#039;&#039;&#039;Proliferation&#039;&#039;&#039;, das reine Wachstum,&lt;br /&gt;
# die &#039;&#039;&#039;Differenzierung&#039;&#039;&#039;, z.B. das Einsprossen der Nerven oder die Differenzierung in männlich und weiblich,&lt;br /&gt;
# die &#039;&#039;&#039;Integration&#039;&#039;&#039; aller Teile zu einem Gesamtbild. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie haben wesentlich mit dem Denken, Fühlen und Wollen zu tun. Steiner sagt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gedanken&#039;&#039;&#039; seien umgewandelte, leibfrei gewordene Wachstums- und Regenerationskräfte des Körpers (&#039;&#039;Proliferation&#039;&#039;), die dort nicht mehr gebraucht werden. Diese außerkörperliche Gedankenkompetenz ermögliche das geistige Wachstum des Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &#039;&#039;&#039;außerkörperliche Gefühlsvermögen&#039;&#039;&#039; bilde sich aus leibfrei gewordenen, umgewandelten &#039;&#039;Differenzierungskräften&#039;&#039;, die den Körper bis zur Pubertät durchgestaltet haben und nun im Fühlen Polarisierung – Sympathie, Antipathie, Harmonie, Disharmonie, das gesamte Spiel der Gefühle – ermöglichen. Es ist die Grundlage unserer Empathie-Fähigkeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entsprechendes gelte für die &#039;&#039;&#039;Ich-Kompetenz des freien Wollens&#039;&#039;&#039;, das als leibfrei gewordene &#039;&#039;Integrationskraft&#039;&#039; die Voraussetzung und Basis für Selbstbestimmung ist. Diese Willenskompetenz lässt uns die eigene Entwicklung im Sinne einer Übereinstimmung von Denken, Fühlen und Handeln selbst in die Hand nehmen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses real geistig-körperliche Konzept der Doppelnatur des Menschen bildet die Basis des anthroposophischen Menschenbildes. Diese Doppelnatur wird in dem schönen Gedicht von Juan Ramon Jimenez treffend beschrieben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich bin nicht ich.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich bin der, der an meiner Seite geht,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;ohne dass ich ihn erblicke,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;der sanftmütig schweigt, wenn ich rede,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;den ich oft suche,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;den ich oft vergesse,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;der verzeiht, wenn ich hasse,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;der umherschweift, wo ich nicht bin,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;der aufrecht bleibt, wenn ich sterbe.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====== &#039;&#039;Inkarnation…&#039;&#039; ======&lt;br /&gt;
Als Geste ausgedrückt: Wir Menschen kommen aus einer geistigen Welt. Leben, Seele und Geist verbinden sich bei der Zeugung mit einem physischen Keim und bauen ihn im Zuge der Embryonalentwicklung auf. Nach der Geburt müssen wir uns im Zuge der Inkarnation mit Erbgut und Milieu auseinandersetzen. Im Laufe des Wachsens und Reifens treten die nicht mehr benötigten Wachstumskräfte heraus aus dem Leib und werden zu Gedanken-, Gefühls- und Willenskräften, wodurch man lernen kann, sich geistig selbst zu finden und selbst zu bestimmen. Wir entwickeln ein individuelles Denken, Fühlen und Wollen – individuell deshalb, weil diese Kompetenz den Lebenskräften unseres eigenen Körpers entstammt. Je älter wir werden, desto mehr Kräfte verlassen den Körper.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====== &#039;&#039;… und Exkarnation&#039;&#039; ======&lt;br /&gt;
Wenn wir sterben, wird auch der letzte Rest an Lebenskräften leibfrei: Das spirituelle Kraftgefüge, das den Körper lebenslang unterhalten und zusammengehalten hat, tritt heraus und macht in der geistigen Welt eine Metamorphose durch, verwandelt seinen Seins-Zustand und geht als außerkörperliches Leben, Seele und Geist in die geistige Welt ein, während der Körper ziemlich rasch zerfällt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da wir nie in einem Erdenleben ganz Mensch werden können, geht dieser Prozess selbstverständlich weiter durch wiederholte Erdenleben – aber mit dem klaren Ziel, immer menschlicher zu werden, immer autonomer, immer ich-hafter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Bernd Rosslenbroich&#039;&#039; hat in seinem wunderbaren Buch[1] nachgewiesen, dass die gesamte Evolution Autonomie fördert, die im Menschen gipfelt, der unausgesetzt an seiner Befreiung arbeitet. Angesichts der vielen Krisen und Kriege spüren wir deutlich, wie unfrei der Mensch noch ist, wie viel Befreiungsarbeit noch vor uns liegt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag „Das anthroposophische Menschenbild“, 2014&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Bernd Rosslenbroich, &#039;&#039;On the Origin of Autonomy&#039;&#039;, &#039;&#039;A New Look at the Major Transitions in Evolution&#039;&#039;, Heidelberg, New York, Springer 2014.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE MENSCHLICHE KONSTITUTION ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was unterscheidet den Menschen wesentlich von der Pflanzen- und Tierwelt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist der tiefere Grund für die defizitäre Ausgestaltung des Menschen im Vergleich mit Pflanze und Tier?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielt dabei die Ich-Organisation?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Der Mensch aus Sicht von Kapitel V&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Nach der Betrachtung des pflanzlichen und des tierischen Organismus wird im fünften Kapitel von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039;die menschliche Konstitution näher ins Auge gefasst. Dabei lassen sich drei Hauptabschnitte unterscheiden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die beiden ersten Absätze&#039;&#039;&#039; sind dem Vergleich der menschlichen und tierischen Gestaltbildung gewidmet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Absätze 3–9&#039;&#039;&#039;, insbesondere aber Absatz 5, beschreiben diese Gestaltbildung etwas genauer im Hinblick auf den darin zum Ausdruck kommenden dreifachen Substanzstrom.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Absätze 10–13&#039;&#039;&#039; beziehen sich auf das unterschiedliche Verhalten der astralischen und Ich-Organisation im schlafenden und wachen Zustand, einschließlich der unterschiedlichen Rollen, die der Sauerstoff in diesen beiden Lebenszuständen spielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ich-Organisation behindert natürliche Vervollkommnung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dabei wird das für die Ich-Organisation charakteristische Merkmal zum zentralen Thema: dass die Ich-Organisation die Substanz- und Formkräfte im physischen, ätherischen und astralischen Bereich an der vollen Ausgestaltung der menschlichen Konstitution hindert. Die Tatsache dieser daraus resultierenden Unfertigkeit auf physischer, ätherischer und astraler Ebene unterscheidet den Menschen von Pflanzen und Tieren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn diese erscheinen vollkommen ausgestaltet – jedes nach seiner Art. Dieser fundamentale Unterschied zwischen Mensch und Tier fiel bereits Platon auf. Er erkannte, dass der Mensch sich von den anderen Naturwesen dadurch unterscheidet, dass er defizitär, also unvollkommen ist.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Determinationsdefizit als Garant für Freiheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der Renaissance wurde diese Einsicht nicht nur aufgegriffen, sondern geradezu zum Hauptmerkmal erhoben, das den Menschen vom Tier unterscheidet. Denn man erkannte in dem konstitutionseigenen Determinationsdefizit der menschlichen Natur auch dessen Vorteil, das spezifisch menschliche Privileg: die Befähigung zur Selbstdetermination, zur Freiheit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Giovanni Pico della Mirandola ====&lt;br /&gt;
So hat &#039;&#039;Giovanni Pico della Mirandola (1463–1494)&#039;&#039; in seinem berühmten Traktat &#039;&#039;„De hominis dignitate“ („Über die Würde des Menschen“)&#039;&#039; diesem Umstand ebenfalls positive Bedeutung zugemessen und sie nicht im Lichte der traditionellen christlich-biblischen Deutung als ‚Sünden-Fall‘ dargestellt. Pico lässt Gottvater als ‚obersten Künstler‘ sagen: &#039;&#039;„Weder haben wir dich himmlisch, noch irdisch, weder sterblich, noch unsterblich geschaffen, damit du wie dein eigener, in Ehre frei entscheidender schöpferischer Bildhauer dich selbst zu der Gestalt ausformst, die du bevorzugst. Du kannst zum Niedrigeren, zum Tierischen entarten; du kannst aber auch zum Höheren, zum Göttlichen wiedergeboren werden, wenn deine Seele es so beschließt.“[3]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Gotthold Ephraim Lessing ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gotthold Ephraim Lessing (1729–1781)&#039;&#039; schreibt am Ende seiner Ausführungen über &#039;&#039;„Das Christentum der Vernunft“ (1753):&#039;&#039; &#039;&#039;„Da in der Reihe der Wesen unmöglich ein Sprung stattfinden kann, so müssen auch solche Wesen existieren, welche sich ihrer Vollkommenheiten nicht deutlich genug bewusst sind.“[4]&#039;&#039; In Lessings theologischer Grundüberzeugung ist Gott nicht nur der Inbegriff der allumfassenden Vollkommenheit, sondern er hat auch Bewusstsein davon. Wenn er nun Wesen zulässt – wie die Menschen es sind – die kein deutliches Bewusstsein ihrer Vollkommenheit haben, so sind diese Wesen offenbar noch im Prozess ihrer – Gott gewollten – Schöpfung bzw. Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Einsicht inspirierte Lessing dann auch zu seinen bekannten Ausführungen über &#039;&#039;„Die Erziehung des Menschengeschlechts“&#039;&#039;, wo es heißt: &#039;&#039;„Eben die Bahn, auf welcher das Geschlecht zu seiner Vollkommenheit gelangt, muss jeder einzelne Mensch (der eine früher, der andere später) erst durchlaufen haben. – [...] In einem und demselben Leben durchlaufen haben? Kann er in eben demselben Leben ein sinnlicher Jude und ein geistiger Christ gewesen sein? Kann er in eben demselben Leben beide überholet haben?“[5]&#039;&#039; Zum Schluss gipfelt diese Betrachtung dann in dem Bekenntnis zum Gedanken der Wiederverkörperung, dem er die Einsicht in seine eigene Entwicklungsbedürftigkeit und seine Sehnsucht nach Höherentwicklung verdankt: &#039;&#039;„Warum sollte ich nicht so oft wiederkommen, als ich neue Kenntnisse, neue Fertigkeiten zu erlangen geschickt bin? Bringe ich auf einmal so viel weg, dass es der Mühe wiederzukommen etwa nicht lohnet? [...] Ist nicht die ganze Ewigkeit mein?“[6]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Novalis ====&lt;br /&gt;
Auch in der Philosophie des deutschen Idealismus und der Frühromantik, spielt der Tatbestand der Entwicklungsbedürftigkeit des Menschen aufgrund des Defizit-Erlebens eine entscheidende Rolle. So lässt &#039;&#039;Novalis (1772–1801)&#039;&#039; im zweiten Teil seines &#039;&#039;„Heinrich von Ofterdingen“&#039;&#039; den Arzt Sylvester seinem Besucher Heinrich, der nach den Ursachen von allen Schrecken, Schmerzen, aller Not und allem Übel im Weltall fragt und wann man dessen nicht mehr bedürfe, die Antwort geben: &#039;&#039;„Wenn es nur Eine Kraft gibt – die Kraft des Gewissens – Wenn die Natur züchtig und sittlich geworden ist. Es gibt nur Eine Ursache des Übels – die allgemeine Schwäche, und diese Schwäche ist nichts als geringe sittliche Empfänglichkeit und Mangel an Reiz der Freiheit.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Heinrich: Macht mir doch die Natur des Gewissens begreiflich.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Sylvester: Wenn ich das könnte, so wär ich Gott, denn indem man das Gewissen begreift, entsteht es.“[7]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verzicht auf naturgegebene Vollkommenheit zugunsten von Menschlichkeit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die physiologisch bedingte Unvollkommenheit des Menschen und der damit verbundene seelisch-geistige, d. h. charakterliche Entwicklungs-Bedarf wird in Kapitel V darauf zurückgeführt, dass die menschliche Konstitution von Natur aus auf keiner Ebene ihrer Manifestation perfekt ausgestaltet ist. Die Gestaltungskräfte werden durch den Einfluss der Ich-Organisation zurückgedrängt, &#039;&#039;„im Flusse erhalten“&#039;&#039; und, wo nötig, überwunden&#039;&#039;.[8]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Man kann dies einerseits als &#039;&#039;&#039;generellen Verzicht auf Spezialisierung&#039;&#039;&#039; ansehen und an Goethe denken, der der Ansicht war, dass das Tier durch seine Organe belehrt würde, indem sie sozusagen instinktsicher ‚alles richtig machen‘, der Mensch aber seine Organe belehren müsse.[9]&lt;br /&gt;
* Man kann es aber auch als einen &#039;&#039;&#039;Akt aktiven, willentlichen Zurückdrängens&#039;&#039;&#039; der mineralischen, pflanzlichen und tierischen Natur ansehen, um die eigene Menschlichkeit entwickeln zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seiner Studie &#039;&#039;„Die Evolution des Menschen in Hinblick auf seine lange Jugendzeit“[10]&#039;&#039; hat &#039;&#039;Friedrich Alexander Kipp (1908–1997)&#039;&#039; diesen Tatbestand eindrucksvoll belegt. &#039;&#039;Wolfgang Schad (1935–2022)&#039;&#039; hat der Evolution von Tier und Mensch von der fossilen Frühgeschichte bis in die Gegenwart sein Lebenswerk gewidmet.[11] Sein Schüler und Nachfolger als Direktor des Instituts für Evolutionsbiologie der UW/H, &#039;&#039;Bernd Rosslenbroich&#039;&#039;, hat diese Forschungen in seiner Habilitationsschrift über die &#039;&#039;„Entwicklung der Autonomie im Kontext der Evolution der Arten bis hin zum Menschen“&#039;&#039; zusammengefasst.[12]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser inzwischen auch naturwissenschaftlich gut belegte Tatbestand kann deutlich machen, dass letztlich keinem Menschen die Entwicklungsarbeit an der eigenen ‚Menschwerdung‘ abgenommen werden kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[13]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Als Beispiel hierfür sei der Dialog Protagoras genannt. Siehe Platon (2016), 645–663.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Della Mirandola (2022), 14.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Lessing (1998), 27&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Lessing (2001), 98.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Ebd., 99.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Novalis (2013), 273.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Vgl. FN 1, S. 28.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] &#039;&#039;„Das Thier wird durch seine Organe belehrt; der Mensch belehrt die seinigen und beherrscht sie.“&#039;&#039; WA II, 42, 258.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Kipp (1980).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Schad (2012). Während sich der Schimpansenkopf kurz nach der Geburt in Aufbau und Vertikalität kaum von dem eines Menschenkindes unterscheidet, so ist dies im Laufe der kommenden Wochen und Monate zunehmend der Fall. Der Gesichtsschädel rückt nach vorne, die Stirne flacht sich nach hinten ab und die adulte Form hat das Menschenähnliche weitgehend verloren. Entsprechend ist es mit Armen, Händen, Beinen und Füßen. Auch sie sehen zunächst in der frühen Embryonalentwicklung menschenähnlich aus und weisen die gegliederte Zehen- und Fingerbildung auf. Besonders berührend ist dies im Verlauf der Entwicklung des Vogelflügels. Hier differenziert sich aus der zunächst fünffingerigen ›Hand‹ am Ende des Arms sukzessive das verkrüppelte ‚Fingerskelett‘ heraus, das sich zwar zur perfekten Navigation der Flügel eignet – aber eben nur dafür. Die Hand des Menschen bleibt hingegen lebenslang im Verzichtsmodus auf jede Form der Spezialisierung. Sie steht nicht im Dienst einer durch die Natur gegebenen Steuerung, sondern braucht die Impulsgebung zum ‚Handeln durch bewusstes Denken und Fühlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Vgl. Rosslenbroich (2007) und Kümmell (2020).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== GEIST, SEELE, LEIB UND WESENSGLIEDER ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wirken die vier Wesensglieder im Kontext der menschlichen Dreigliederung von Körper, Seele und Geist?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wo betätigen sie sich leibgebunden, wo leibfrei?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche entscheidende Rolle hat dabei die Ich-Organisation inne?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Dreigliederung und Zusammenwirken der vier Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Ausführungen zur Dreigliedrigkeit der Organbildungen und des Nervensystems in Kapitel VI von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; erfahren eine aufschlussreiche Präzisierung durch eine Darstellung zu Beginn des &#039;&#039;„Ärztekurses“&#039;&#039; von 1921.[2] Sie sei hier angeführt, um die äußerst knapp gefassten Aussagen dazu in den Kapiteln V und VI verständlicher zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dort wird die von Rudolf Steiner schon 1917 entwickelte Dreigliederung in &#039;&#039;„Von Seelenrätseln“[3]&#039;&#039; daraufhin angeschaut, wie die vier Wesensglieder im Nerven-Sinnes-System, der rhythmischen Funktionsordnung von Kreislauf und Atmung sowie im Stoffwechsel-Gliedmaßen-System jeweils unterschiedlich zusammenarbeiten. Daraus ergibt sich auch der anthroposophisch-anthropologische Ansatz zum Verständnis von ‚Leib‘, ‚Seele‘ und ‚Geist‘:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Geist – rein leibfreie Tätigkeit von Denken, Fühlen und Wollen ====&lt;br /&gt;
Von Geist kann gesprochen werden, wenn man die leibfreie, rein geistige – nicht verkörperte – Tätigkeit von Denken (Ätherleib), Fühlen (Astralleib) und Wollen (Ich-Organisation) im Auge hat. Diese konstitutionelle Gegebenheit findet sich nur im Bereich des im Kopf zentrierten Nerven-Sinnes-Systems. Geist, so gesehen, bedeutet präzise: außerhalb des Leibes sein, d.h. rein geistig tätig. Die drei – gestützt auf das Nerven-Sinnes-System – außerkörperlich wirksamen Wesensglieder, Ätherleib, Astralleib und Ich-Organisation, sind so gesehen in ihrem Zusammenwirken ‚der Geist des Menschen‘.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Seele – Selbstwahrnehmung und Empathie, mal leibgebunden, mal leibfrei ====&lt;br /&gt;
Seele im engeren Sinn ist das Zusammenspiel des träumenden Gefühlslebens mit dem schlafbewussten Willensleben, wie es sich im rhythmischen System darlebt. Hier wirkt Ich-Organisation wie im Nerven-Sinnes-Bereich als Willensvermögen leibfrei von außen, der Astralleib hingegen verbindet sich rhythmisch durch die Ausatmung stärker mit der Ich-Organisation und bei der Einatmung mehr mit der schlafenden physisch-ätherischen Konstitution, in der das Ätherische leiblich gebunden bleibt und der Denktätigkeit nicht zur Verfügung stehen kann. Dadurch bleibt bei jeder Gefühlsregung einerseits der subjektive Selbstbezug bzw. die Selbstwahrnehmung des Fühlenden erhalten. Andererseits ist dadurch aber auch eine selbstlose ‚spirituelle Empathie‘ möglich, da der leibfreie Anteil des Astralleibes in Form des Gefühlslebens in der Ausatmung an die leibfrei bleibende Ich-Organisation gebunden ist. Dadurch ist – je nach Intention des Ich – auch ein emotionales von sich Absehen-Können möglich, ein sich in die Situation eines anderen Menschen oder eines Vorgangs in der Umwelt wirklich Hereinversetzen-Könnens: Echte Empathie, selbstloses Mitfühlen mit dem Anderen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Leib – Ort der sich unbewusst vollziehenden Leibbildung ====&lt;br /&gt;
Leib hingegen ist der Ort, an dem im gesunden Zustand alle vier Wesensglieder an der Substanz tätig und damit vollständig ‚verleiblicht‘ und damit auch leibbildend und leiberhaltend wirken: im Stoffwechselsystem und seinem Zentralorgan, dem Blut als Träger des schlafenden Willenslebens. Was hier als willentliche Gestaltungskraft lebt, ist dem Wachbewusstsein entzogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ich-Organisation als lenkende Instanz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Bei den Gliedmaßen jedoch ist die Ich-Organisation im Gegensatz zum Stoffwechsel – wie in Kapitel II beschrieben – weniger stark verleiblicht, weswegen ‚freie‘, d.h. vom autonomen Denken ‚außen‘ gesteuerte Bewegungen möglich sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kennt man das anthroposophische Konzept der Ich-Organisation, die sowohl über die intentionale Sinneswahrnehmung bestimmt, als auch im Bereich von Denken, Fühlen und Wollen prominent die Bewusstseinsvorgänge lenkt, lässt sich die enorme Komplexität dieser vielfältigen Einflussfaktoren auf Wahrnehmen und Bewegen konkreter ordnen und praktisch handhaben. Es können sich darüber hinaus weiterführende ‚integrierende‘ und vor allem auch interdisziplinäre Forschungsansätze ergeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[4]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27, S. 34.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaftliche Gesichtspunkte zur Therapie&#039;&#039;, GA 313.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Von Seelenrätseln. Anthropologie und Anthroposophie,&#039;&#039; GA 21.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DENKEN, FÜHLEN UND WOLLEN UND LEIB, SEELE UND GEIST ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist der Unterschied zwischen der Dreigliederung und der Viergliederung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie hängen Leib, Seele und Geist mit Denken, Fühlen und Wollen zusammen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielen dabei die sogenannten Wesensglieder des Menschen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Scheinbarer Gegensatz von Dreigliederung und Viergliederung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Gegensatz zwischen dem &#039;&#039;Konzept von Geist, Seele und Leib&#039;&#039; – &#039;&#039;&#039;Dreigliederung&#039;&#039;&#039; – und dem &#039;&#039;Konzept der vier Wesensglieder (physischer, ätherischer, astraler und Ich-Organismus)&#039;&#039; – &#039;&#039;&#039;Viergliederung&#039;&#039;&#039; – ist nur ein scheinbarer. Es gibt zwei Stellen, in denen Rudolf Steiner den Zusammenhang von Dreigliederung und Viergliederung genauer erklärt. Einmal beleuchtet Steiner mehr den erzieherischen Prozess und im anderen Fall steht mehr der Heilprozess im Zentrum: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Zu den &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Lehrern&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; spricht er von dem prozessorientierten &#039;&#039;zeitlichen Aspekt&#039;&#039; der Wesensglieder, von den sogenannten Geburten in Jahrsiebten[1].&lt;br /&gt;
* Mit den &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Ärzten&#039;&#039;[2]&#039;&#039;&#039; bespricht er mehr den &#039;&#039;räumlichen Aspekt&#039;&#039; der Wesensglieder: wie die­se auf jeder Ebene des dreigliedrigen Menschen unter­schied­lich zusammen­ar­bei­ten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wesensgliederwirken in Geist, Leib und Seele&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im Grunde greifen wir zu kurz und zeichnen ein unscharfes Bild, wenn wir den Menschen platt materialistisch in Körper, Seele und Geist einteilen. Rudolf Steiner selbst sagt dazu: &#039;&#039;„Wer irgendwelche vorgefassten Meinungen oder gar Hypothesen mit diesen drei Worten verbindet, wird die folgenden Auseinandersetzungen notwendig missverstehen müssen.“&#039;&#039;&#039;[3]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Diese Dreigliederung macht nur Sinn, wenn man davon ausgeht, dass &#039;&#039;alle&#039;&#039; Kräfte, auch der physische Leib, geistiger Natur sind. Unter diesem Vorbehalt möchte ich sie in aller Kürze skizzieren und auch darauf eingehen, wie die Wesensglieder in welchem Bereich wirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. GEIST ====&lt;br /&gt;
Mit Geist wird die von der Materie ganz losgelöste Gesetzlichkeit bezeichnet, also diejenigen geistigen Kräfte, die im Zuge der Ausreifung des physischen Körpers wieder leibfrei geworden sind, die sich quasi wieder exkarniert haben. Dieser wieder leibfrei gewordene Geist hat dieselben Qualitäten wie die inkarnierten ätherischen, astralen und Ich-Organisations-Kräfte, durch die der Leib entstanden ist – mit nur einem Unterschied: Die im Körper wirkenden geistigen Kräfte arbeiten im Sinne der Naturgesetze. Die leibfreien Kräfte des Denkens, Fühlens und Wollens sind auf die individuelle Führung durch das Menschen-Ich angewiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geist ist laut Rudolf Steiner nicht das Gegenteil von Materie, sondern das außerkör­perliche Erleben unserer Wesensglieder im Denken, Fühlen und Wollen. Im Geist erwachen wir als Menschen, die &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gedanken &#039;&#039;&#039;bilden&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Gedanken differenzieren, abwägen, &#039;&#039;&#039;beurteilen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* sich mit Gedanken verbinden, Gedanken &#039;&#039;&#039;realisieren wollen&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner sagt in dem Zusammenhang auch, wir müssten lernen im Denken hell und dunkel als Qualitäten zu fühlen. Erst wenn wir die Stimmigkeit, Wahrhaftigkeit bzw. Verlo­genheit und „Verbogenheit“ unserer Gedanken fühlen könnten, wenn wir fähig würden, fühlend zu erkennen, ob Gedanken gerade oder krumm sind, erst dann wären wir urteilsfähig und fähig zu michaelischem Denken. Unser Denken wird also von unserem leibfreien Denken, Fühlen und Wollen gleichermaßen ermöglicht und ist eine rein außerkörperliche, geistige Tätigkeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Der &#039;&#039;&#039;leibfreie Ätherleib&#039;&#039;&#039; liefert das &#039;&#039;Baumaterial für die Gedanken&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
* Der &#039;&#039;&#039;leibfreie Astralleib&#039;&#039;&#039; ist für das &#039;&#039;Fühlen der Qualität der Gedanken&#039;&#039; zuständig.&lt;br /&gt;
* Aus der &#039;&#039;&#039;leibfreien Ich-Organisation&#039;&#039;&#039; kommt unser &#039;&#039;Wille zum Denken&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dergestalt selbständig denken zu lernen, ist Ziel der gesamten Waldorfpädagogik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. LEIB ====&lt;br /&gt;
Leib ist der mit der Materie verbundene Gesetzeszusammenhang bzw. der Ort, an dem sich alle vier Wesensglieder inkarniert haben – der Leib ist demnach inkarnierter Geist: Ich-Organisation, Astralleib und Ätherleib beleben, beseelen und durchgeistigen die menschliche physische Gestalt mit Geist, Seele und Leben. Jesus spricht vom Tempel des Leibes, in dem der Geist wohnt. Der physische Organismus ist nun wiederum dreigegliedert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Zur funktionellen Dreigliederung&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner forschte 30 Jahre lang zur funktionellen Dreigliederung des physischen Organismus,[4] und wenn er in dem Zusammenhang auch vom oberen, mittleren und unteren Menschen spricht, geht es nicht um eine Dreiteilung, sondern eine Gliederung in drei ineinandergreifende Funktionssysteme. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Das Nerven-Sinnes-System (NSS) ======&lt;br /&gt;
Das Nerven-Sinnes-System (NSS) ist die physische Grundlage der bewussten Denk- und Sinnestätigkeiten und ist im oberen Bereich, dem Kopf mit den Sinnesorganen und dem Gehirn, zentriert. Alle Bewusstseinsvorgänge werden von Astralleib und Ich-Organisation gemeinsam ermöglicht. Die Sinnestätigkeiten vollziehen sich unter der Regie des Ich und unter starker Beteiligung des Ätherischen, das sich jedoch aus dem Nervensystem weitgehend lösen dürfe, sagt Steiner. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Das rhythmische System (RS) ======&lt;br /&gt;
Das rhythmische System (RS) befindet sich im mittleren Bereich, im Brustraum. Es lenkt die rhythmischen Transport- und Verteilungssysteme, wie sie von den Atmungsorganen und dem Herzen als Mittelpunkt des Kreislaufsystems ausgehen, und wird stark vom dauerhaft inkarnierten Anteil des Ätherleibes beeinflusst. Würde der Ätherleib auch dort herausgehen, würden wir krank. Der Astralleib pendelt hier zwischen Drinnen und Draußen, insofern als er bei jeder Einatmung ein Stück weit in den physischen Leib hineingeht und sich bei jeder Ausatmung wieder ein Stück weit herauslöst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Das Stoffwechsel-Gliedmaßen-System (STGS) ======&lt;br /&gt;
Das dritte Funktionssystem, das Stoffwechselgliedmaßensystem, umfasst zwei ganz unterschiedliche Bereiche:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum einen regelt das unterhalb des Zwerchfells hauptsächlich im Bauchraum lokalisierte &#039;&#039;&#039;Stoffwechselsystem&#039;&#039;&#039; die unbewussten metabolischen Auf- und Abbauvorgänge. Doch jede Zelle, von den Haarspitzen bis zu den Fußspitzen, wird vom Stoffwechsel aufgebaut und unterhalten. Wenn die vier Wesensglieder hier gut verbunden sind und harmonisch zusammenarbeiten, könne der Mensch laut Steiner nicht krank werden, dann sei er gesund inkarniert. Alle internistischen Erkrankungen hängen mit einer Lockerung von Astralleib und Ich-Organisation aus der physisch-ätherischen Konstitution zusammen. Dann gerät der Stoffwechsel durcheinander und erzeugt diverse Krankheitstendenzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem &#039;&#039;&#039;Gliedmaßensystem&#039;&#039;&#039; dagegen könne sich die Ich-Organisation immer mehr befreien und zum vollgültigen freien Willensvermögen des Menschen werden, zu reinem freien Willen, unabhängig von Denken und Fühlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wesensglieder sind also, wie oben bereits skizziert, in den drei Systemen jeweils in unterschiedlicher Weise aktiv:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* im Nervensinnessystem (NSS) neuro-sensoriell&lt;br /&gt;
* im rhythmischen System (RS) rhythmisch&lt;br /&gt;
* im Stoffwechselsystem (StS) metabolisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. SEELE ====&lt;br /&gt;
Seele ist der Ort der Vermittlung zwischen Leib und Geist, sodass der Mensch mithilfe des Leibes sein individuelles geistiges Wesen erleben kann. In der Seele findet die innerlich gefühlte Begegnung mit sich selbst und der Welt statt. Die Seele atmet und schwingt zwischen Innen und Außen, zwischen Leib und Geist. Unser Seelen- bzw. Gefühlsleben wird von der Zusammenarbeit von &#039;&#039;leibfreier Ich-Organisation&#039;&#039; und &#039;&#039;leibfreiem Astralleib&#039;&#039; ermöglicht, ihr verdanken wir die Fähigkeit, ein Gefühl für unser Ich und die Welt zu entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitgefühl bedeutet, dass wir ganz beim anderen sind. Aufgrund der Möglichkeit außerkörperlich zu sein, können wir Mitgefühl und Empathie empfinden, können wir bei der Sache und dem anderen sein und uns auf etwas außerhalb unserer selbst konzentrieren; und wir können die Achtsamkeit aufbringen, dort zu sein, wo wir etwas beobachten. Geistesgegenwart bedeutet: Ich bin dort, wo mein Bewusstsein ist. Ich bin nicht mein Leib. Rudolf Steiner formuliert es so: &#039;&#039;„Das Ich ist in der Gesetzmäßigkeit der Dinge.“&#039;&#039; Das Ich ist am Ort des Geschehens. Das Ich steckt nicht im Leib, sondern dort, wo es hinwill, bei den Dingen und Inhalten, für die es sich interessiert. Ich und Welt sind dann eins.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst- und Umweltgefühl sind deshalb immer gemischt, das heißt, wir fühlen uns selbst immer mit, wenn wir die Welt bzw. einen anderen Menschen fühlen. Der &#039;&#039;Astralleib&#039;&#039; gaukelt uns quasi nur vor, dass es ein Innen und ein Außen gibt, eine Dualität. Einen Gegensatz von Welt und Mensch. &#039;&#039;Das Ich&#039;&#039; hingegen sieht das alles im Zusammenhang, als Polarität, die erst zusammengenommen das Ganze erfasst und umfasst. Denn es erkennt, dass draußen dieselben Gesetze wie im eigenen Inneren walten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Wesensglieder und Denken, Fühlen und Wollen&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
In beiden anfangs genannten Werken – &#039;&#039;den Leitsätzen[5]&#039;&#039;, konkret im Leitsatz zur Lichtnatur des Menschen, aber auch im 2. Medizinervortrag &#039;&#039;„Geisteswissenschaftliche Gesichtspunkte zur Therapie“[6]&#039;&#039; – spricht Rudolf Steiner über das Denken, Fühlen und Wollen in der Form, dass er sagt, dass wir alle drei mit Bewusstsein, Gefühl und Willen durchdringen können und auch sollen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Denken ======&lt;br /&gt;
Unser Denkvermögen verdanken wir, wie oben bereits ausgeführt, der engen Zusammenarbeit von Ätherleib, Astralleib und Ich-Organisation in leibfreiem Zustand, die sich am Gehirn reflektieren als unsere Gedan­kenaura. Dadurch sei es uns laut Steiner möglich, unsere Gedanken auch zu fühlen und zu wollen. Von wirklichem Denken könne man also erst sprechen, wenn man selbst &#039;&#039;&#039;Gedanken hervorbringen und auch fühlen kann, was man denkt&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Fühlen ======&lt;br /&gt;
Dann sagt er, das &#039;&#039;&#039;leibfreie Fühlen&#039;&#039;&#039; käme dadurch zustande, dass Astralleib und Ich-Organisation verbunden sind und zusammenwirken. Zu fühlen ohne Beteiligung des Denkens wird uns ermöglicht durch eine Kombination aus Willen und Gefühl. Das reine Gefühl unterscheidet sich insofern vom Denken, als dabei die &#039;&#039;Beteiligung des Ätherleibes fehlt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andererseits bekommen wir nur über das Denken Zugriff auf das eigene Fühlen: Rudolf Steiner benennt in der Theosophie[7] den Gedanken „Vater des Gefühls“. So ist das Erlangen von Gefühlskontrolle Ziel einer der sechs Nebenübungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir müssen aber auch unsere &#039;&#039;&#039;Handlungen (Wollen) fühlen&#039;&#039;&#039; lernen, um die Konsequenzen daraus erspüren zu können und zu wahrhaft moralischem Tun fähig zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039;  Wollen, reiner freier Wille ======&lt;br /&gt;
Der Wille hat zwei Betätigungsrichtungen, nach innen und nach außen hin: Damit der Wille in der Welt wirken kann, braucht er einen belebten, beseelten, durchgeistigten, ich-durchdrungenen Leib. Rudolf Steiner sagt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* der physische Leib sei &#039;&#039;von außen gesehener Wille&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Wille von innen gesehen&#039;&#039; sei der Wille, selbst zu denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ich-Organisation steht einerseits &#039;&#039;&#039;im Dienst des Denkens&#039;&#039;&#039;, andererseits &#039;&#039;&#039;im Dienst des Fühlens&#039;&#039;&#039; in Form von Mitleid bzw. von Mitfühlen: Ich will mit dir fühlen. Ich will dir etwas Liebes tun. Doch nur wenn die Ich-Organisation, als dritte Möglichkeit, &#039;&#039;&#039;im Dienst des Willens&#039;&#039;&#039; steht, ist dieser ganz autonom, handelt es sich um reinen freien Willen. Rudolf Steiner sagt, dieser reine freie Wille sei extrem in Gefahr:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Das Ich könne sich zu tief „reinsetzen“ – damit ist vor allem gemeint, dass es ganz unten drinsitzt und dadurch nicht frei ist. Man hat den Eindruck, der Jugendliche ist total abhängig von seinem Körper.&lt;br /&gt;
* Oder aber das Ich ist „rausgeschockt“, wie das bei traumatisierten Kindern der Fall ist. Sie wollen gar nicht richtig hinein in ihren Körper, wirken pathologisch leicht. Mich wundert immer, wie wenig „kernig“ sie laufen, also nicht kraftdurchdrungen und präsent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Willens-Typen – der zu lose verbundene und der zu dichte – haben gemeinsam, dass der Wille wenig zugänglich ist. Deswegen sind beide Typen hoch suchtgefährdet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag „Das anthroposophische Menschenbild“, Schulärztetagung 2014&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Bildnatur des Menschen&#039;&#039;, in: &#039;&#039;Anthroposophische Leitsätze&#039;&#039;, GA 26. Dornach 1998.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaftliche Gesichtspunkte zur Therapie.&#039;&#039; Neun Vorträge vor Ärzten und Medizinstudierenden 1921, GA 313.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Theosophie&#039;&#039;, Kapitel: &#039;&#039;Das Wesen des Menschen&#039;&#039;, GA 9, Dornach 1961, S. 24f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Von Seelenrätseln&#039;&#039;. GA 21, Dornach 1983 , S. 150.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Siehe FN 1.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Siehe FN 2.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Theosophie,&#039;&#039; GA 09.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FRIEDEN MIT DEN DRACHENKRÄFTEN IM MENSCHEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wofür sind die Drachenkräfte ein Bild?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Gefahr bedeuten sie für den Menschen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann er Frieden mit ihnen finden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worauf beruht der unmittelbare Zusammenhang von Stoffwechsel und Denken?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Drachenkräfte und die menschliche Konstitution&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der Apokalypse heißt es, dass die Drachen auf die Erde gestürzt wurden.[1] Der Mensch, die menschliche Natur, ist der Ort auf der Erde, wo sie gelandet sind. Außerhalb der menschlichen Natur ist kein Drache zu finden – hätte der Mensch nicht eingegriffen, bestünde in der Natur immer noch ein wunderbares ökologisches Gleichgewicht. Rudolf Steiner sagte dazu sinngemäß: &#039;&#039;„In der Natur hat der Vatergott für Frieden gesorgt. Im Menschen muss der Mensch selbst Frieden stiften.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Merkurstab der Mediziner bildet als stehende, nach oben hin offene Acht die menschliche Grundkonstitution, die der Natur des Menschen zugrunde liegt, ab. Der unmittelbare Zusammenhang zwischen gesundem und krankem Denken und Stoffwechsel lässt sich anhand davon gut verdeutlichen, da beide Prozesse ätherischer und damit lemniskatisch-polarer Natur sind, die einander bedingen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Der untere Teil&#039;&#039; steht für den physischen &#039;&#039;&#039;Leib&#039;&#039;&#039; mit den unbewussten inneren Stoffwechselprozessen, wo die leibgebundenen Ätherkräfte wirken: Bild dafür ist der &#039;&#039;„Stoffwechseldrache“ im Darm&#039;&#039; mit seinen Windungen&#039;&#039;,&#039;&#039; der unsere Instinkte, Triebe und Begierden bestimmt.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Der obere Teil&#039;&#039; steht für den geistigen Menschen, den &#039;&#039;&#039;Geist&#039;&#039;&#039;, und das bewusste Gedankenleben, das stark nach außen gerichtet ist und wo die leibfreien Ätherkräfte wirken: Bild dafür ist der „Gedankendrachen“, der &#039;&#039;zweiköpfige Drache des Luziferisch-Ahrimanischen&#039;&#039; &#039;&#039;mit den Windungen des Gehirns&#039;&#039;, der uns das freie Gedankenleben ermöglicht.&lt;br /&gt;
* Am Umschlagpunkt zwischen beiden steht das zwischen Innen und Außen Vermittelnde der &#039;&#039;&#039;Seele&#039;&#039;&#039; mit ihren Gefühlsregungen, auf die wir nur bedingt bewussten Einfluss haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;In sich Frieden schaffen durch Selbstüberwindung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Beide Drachen können uns verführen und Unfrieden und Zerstörung anrichten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wir können unsere &#039;&#039;Gedankenfreiheit&#039;&#039;, auf der Freiheit an sich beruht, &#039;&#039;missbrauchen&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
* Wir können uns auch von unserem leibgebundenen Willen, unserem Instinkt-, Trieb- und Begierde-Leben &#039;&#039;überwältigen lassen&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Drachenkräfte können aber auch von unten und/oder oben unsere &#039;&#039;Gefühle in Aufruhr bringen&#039;&#039; und so destruktiv wirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit das nicht eintritt, indem etwas Gutes am falschen Platz geschieht und dadurch „böse“ wird und schädigende Auswirkungen hat, müssen wir im Laufe unserer menschlichen Entwicklung lernen, diese drei Bereiche vom Ich aus in der richtigen Art zu beherrschen und zu kultivieren und so für Gleichgewicht und Frieden sorgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== a) Den Drachen im Darm befrieden ====&lt;br /&gt;
Nehmen wir das Beispiel der Verdauung: Im unbewussten Stoffwechselleben gelingt uns das weitgehend durch eine gesunde rhythmische Art, mit den Lebensvorgängen, mit unseren Ess- und Schlafgewohnheiten sowie der Fortpflanzungsmöglichkeit umzugehen. Die Stoffwechselprozesse dienen dazu, unseren Leib gesund zu erhalten. Dazu gehören Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme sowie die Atmung. Alle Nahrung wird im Verdauungstrakt komplett zerstört, damit der Mensch sie verdauen und daraus menschliche Substanz aufbauen kann. Diese Zerstörungskräfte gehören zu dem Drachen, der in den Darmwindungen haust. Solange diese Drachenkräfte sich auf die Verdauungsarbeit beschränken, haben wir keine Probleme:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn die Natur muss in uns Mensch werden &#039;&#039;&#039;(= verdauen)&#039;&#039;&#039;, damit wir einen gesunden Körper, ein starkes biologisches Ego, aufbauen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== b) Den Drachen im Gehirn befrieden ====&lt;br /&gt;
Das Gedankenleben kann als eine Art umgekehrter Ernährungs- oder Verdauungsprozess angesehen werden. Denn wenn wir im Denken aktiv und geistig beweglich sind, wollen wir die Zusammenhänge der Welt wirklich verstehen. Dazu müssen wir aus uns herausgehen und zum anderen hingehen, müssen wir uns der Wahrheit der Dinge annähern, müssen sie uns zu eigen machen, uns ganz mit ihr verbinden. Erkennen ist so gesehen spirituelle Empathie, geistige Kommunion: Man identifiziert sich mit dem, was man verstehen will. Wenn ich z.B. denke 2 + 2 = 4, muss ich diesen Prozess mit- und nachvollziehen, sonst verstehe ich ihn nicht. Das bedeutet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch muss im Denken zur Welt werden &#039;&#039;&#039;(= erkennen)&#039;&#039;&#039;, wenn er zu wahrheitsgemäßen Erkenntnissen kommen will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Auswirkung falschen Denkens auf die Verdauung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wenn wir uns nun das Ganze umgekehrt vorstellen: Wenn es uns beim Denken, repräsentiert vom oberen Teil der Lemniskate, überhaupt nicht um Erkenntnis von Wahrheit, sondern nur um die Ansammlung von Informationen geht, um möglichst viel Input und Wissen, wenn wir uns quasi gedanklich „zumüllen“ und nicht gewillt sind, selber zu denken und zu urteilen bzw. wenn alle Gedanken nur um uns selbst kreisen, hat das unmittelbare Auswirkungen auf den anderen Bereich des Wirkens der Drachenkräfte, die Verdauung. Dann werden die Stoffwechselprozesse unseres Köpers aufgrund der polar arbeitenden Natur des Ätherleibes ebenfalls in entgegengesetzter Weise aktiv werden: Wir werden für Krankheitserreger offen sein und so eine Immunschwäche entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Umgekehrt haben unsere Ernährung und unsere Lebensgewohnheiten auch immense Auswirkungen darauf, ob unser Gedankenleben sich über das rein Materielle aufzuschwingen in der Lage ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Konsequenzen folgen einem ätherischen Gesetz, auf dem das spirituelle Krankheitsverständnis der Anthroposophischen Medizin gründet: Was sich in der einen Hälfte der Lemniskate nach innen richtet, wechselt im Kreuzungspunkt die Richtung und geht nach außen – und umgekehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Anregung und Auswirkung von destruktivem Potential&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Alle destruktiven Neigungen entspringen einerseits unserem Stoffwechsel, andererseits negativen Gedanken und Wahrnehmungsinhalten über die Sinne. Auch die egoistisch ausgelebte Sexualität gehört dazu: Destruktivität und Sexualität sind dann unlöslich miteinander verbunden. Das wird verstärkt von den Bildern, die besonders diese Bereiche ansprechen, wie es in der heutigen Spaßindustrie geschieht. Diese von oben und unten kommenden, fehlgeleiteten Kräfte regen das destruktive Potential im Menschen an und wirken sich auch kränkend auf das Seelische aus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir diese Zusammenhänge begreifen, können wir auch verstehen, warum so viele böse Neigungen und so viel Egoismus in die Seele einstrahlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Innerer Friede durch geistige Arbeit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Diese Einstrahlungen in unser Denken und Fühlen müssen fortwährend durch innere geistige Arbeit ausgeglichen, also geheilt und befriedet werden, indem man sich bis ins Gefühl mit der Wahrheitswelt verbindet. Wer sich mit edlen, guten, sinnvollen Zielen emotional verbindet, kann seinen Egoismus in den Dienst des Guten stellen. Rudolf Steiner formuliert es sinngemäß so: Der sich befreiende, auf sich selbst gestellte, autonome Mensch, der nicht ständig etwas für sich braucht, kann zur Verfügung stehen, kann seinen ganz individuellen Kulturbeitrag durch die Überwindung des Bösen &#039;&#039;in sich&#039;&#039; leisten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man erkennt den Freiheitsgrad von Menschen an ihrer Verfügbarkeit – das ist ein spirituelles Gesetz: Je freier ich bin, desto souveräner kann ich meine individuellen Fähigkeiten, anstatt sie auf Selbstoptimierung auszurichten, instrumentalisieren und für die Dinge einsetzen, die mir wesentlich sind. Ich entscheide dann selbst, wofür ich mich engagieren will und wo nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Ich im Netz. Was geschieht mit uns im Internet?“, Amthor Verlag, Heidenheim 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Neues Testament, &#039;&#039;Apokalypse 12, 9.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ZUR FUNKTIONELLEN DREIGLIEDERUNG DES MENSCHLICHEN ORGANISMUS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist unter der funktionellen Dreigliederung des menschlichen Organismus gemeint?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ergebnis von 30 Jahren Forschung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Gedanke der funktionellen Dreigliederung des menschlichen Organismus beruht auf dreißig Jahren Forschung Rudolf Steiners über den Leib-Seele-Zusammenhang, die er erstmals 1917 im Anhang seines Buches &#039;&#039;„Von Seelenrätseln“&#039;&#039; publizierte.[1] Er kam zu der Einsicht, dass die menschlichen Seelenfähigkeiten des Denkens, Fühlens und Wollens nicht vom Nervensystem &#039;&#039;erzeugt&#039;&#039; werden – im Gegenteil: Das Nervensystem wird durch sie aufgebaut und durch regelmäßige Nutzung erhalten. Er erkannte darüber hinaus, dass die genannten seelischen Grundfähigkeiten sich durch den ganzen Menschen ausdrücken, der schon von der dritten, vierten Woche der Embryonalentwicklung an eine dreigliedrige Gestalt aufweist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Dreigliederung und Denken, Fühlen und Wollen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Steiner fand heraus, dass sich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* nur das wachbewusste &#039;&#039;Denken und die Sinnesbeobachtung&#039;&#039; auf die Funktion des &#039;&#039;&#039;Nerven-Sinnes-Systems&#039;&#039;&#039; stützen. Dazu gehören auch die Vorstellungen, die wir uns von unseren Gefühls- und Willenserlebnissen machen.&lt;br /&gt;
* Das &#039;&#039;Gefühlsleben&#039;&#039; hingegen zeigte sich ihm in unmittelbarer funktioneller Resonanz mit der &#039;&#039;&#039;rhythmischen Funktionsordnung&#039;&#039;&#039; von Herz-Kreislaufsystem und Atmung.&lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;Willenstätigkeit&#039;&#039; wiederum sah er als Ausdruck der &#039;&#039;&#039;Stoffwechsel- und Gliedmaßentätigkeit&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Man muss nur die Physiologie des Atmungsrhythmus im rechten Lichte sehen, so wird man umfänglich zur Anerkennung des Satzes kommen: die Seele erlebt fühlend, indem sie sich dabei ähnlich auf den Atmungsrhythmus stützt wie im Vorstellen auf die Nervenvorgänge. - Und bezüglich des Wollens findet man, dass dieses sich in ähnlicher Art stützt auf Stoffwechselvorgänge. Wieder muss da in Betracht gezogen werden, was alles an Verzweigungen und Ausläufern der Stoffwechselvorgänge im ganzen Organismus in Betracht kommt. Wie dann, wenn etwas ‚vorgestellt‘ wird, sich ein Nervenvorgang abspielt, aufgrund dessen die Seele sich ihres Vorgestellten bewusstwird, wie ferner dann, wenn etwas ‚gefühlt‘ wird, eine Modifikation des Atmungsrhythmus verläuft, durch die der Seele ein Gefühl auflebt: so geht, wenn etwas ‚gewollt‘ wird, ein Stoffwechselvorgang vor sich, der die leibliche Grundlage ist für das als Wollen in der Seele Erlebte.“&#039;&#039;&#039;[2]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Begründung mit wissenschaftlichen Mitteln&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Erlanger Anatomie-Professor &#039;&#039;Dr. Johannes Rohen&#039;&#039; trug in seinen Lehrbüchern für Anatomie[3] dieser funktionellen dreigliedrigen anatomischen Ordnung Rechnung. &#039;&#039;Professor Dr. rer. nat. Wolfgang Schad&#039;&#039; arbeitete diesen Aspekt in einer konsequent durchgeführten Darstellung der Entwicklung der Wirbeltiere im Vergleich zum Menschen auf.[4] Rudolf Steiner war sich bewusst, dass seine Entdeckung der seelischen Dreigliederung in Verbindung mit der körperlich-physiologischen und deren naturwissenschaftliche Begründung einer umfangreichen Publikation bedurft hätte, die er während des Ersten Weltkrieges jedoch nicht leisten konnte. Er schreibt: &#039;&#039;„Ihre Begründung kann durchaus mit den heute vorhandenen wissenschaftlichen Mitteln gegeben werden. Dies würde der Gegenstand eines umfangreichen Buches sein, das in diesem Augenblicke zu schreiben, mir die Verhältnisse nicht gestatten.“&#039;&#039;&#039;[5]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Schad und Rohen haben diese umfangreiche Arbeit inzwischen weitgehend geleistet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was macht diese Sichtweise des menschlichen Organismus auch für den gesundheits-wissenschaftlichen Ansatz so wertvoll?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie verknüpft drei Aspekte miteinander:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Sie macht den polaren Bau des menschlichen Organismus funktionell und morphologisch transparent.&lt;br /&gt;
# Sie liefert eine pathologisch und therapeutisch relevante Erklärung des Leib-Seele-Zusammenhangs.&lt;br /&gt;
# Sie führt nicht nur zu einer neuen Sicht auf die Entstehung von Krankheit, sondern auch zu einem Konzept für die Entstehung und Erhaltung von Gesundheit (Salutogenese, Hygiogenese).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Polarität und ausgleichende Mitte&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Morphologisch betrachtet sind die Rundheit der Schädelform und die radiale Form der Gliedmaßen echte Polaritäten. Entsprechend polar stehen auch die bewussten, im Kopf zentrierten Denk- und Sinnestätigkeiten den unterhalb des Zwerchfells lokalisierten unbewussten metabolischen Auf- und Abbauvorgängen gegenüber. Dazwischen entfalten sich die rhythmischen Transport- und Verteilungssysteme, wie sie von den Atmungsorganen und dem Herzen als Mittelpunkt des Kreislaufsystems ausgehen. Diese dreiteilige morphologische Grundgliederung bezeichnet Steiner mit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Nerven-Sinnes-System&#039;&#039; (NSS): die überwiegend im Kopf zentrierte &#039;&#039;&#039;„obere Organisation&amp;quot;&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;rhythmisches System&#039;&#039; (RS): die überwiegend im Thorax lokalisierte &#039;&#039;&#039;„mittlere Organisation&amp;quot;&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Stoffwechsel-Gliedmaßensystem&#039;&#039; (STGS): die überwiegend im Abdomen lokalisierte &#039;&#039;&#039;„untere Organisation&amp;quot;&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Dreigliederung entspricht bereits die Polarität von Ektoderm und Entoderm und den sich aus dem Zusammenspiel beider ergebenden sekundären mesodermalen Strukturen in der Embryonalentwicklung. Sie findet sich aber auch in der Formation des Skelettes wieder: Wirbelsäule und Brustkorb haben einen rhythmisch gegliederten Aufbau (Wirbel, Rippen), im Gegensatz zur radialen Form der Extremitäten und der sphärischen des Kopfes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Beispiele sollen verdeutlichen, dass sich die funktionelle Gliederung nach drei Funktionsaspekten räumlich im polaren Aufbau des Körpers mit einer rhythmisch gestalteten Mitte abbilden.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Dreigliederung anstatt Dreiteilung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Bei der funktionellen Dreigliederung geht es nicht um eine Dreiteilung in drei streng abgegrenzte Körper-Regionen, sondern um das Ineinandergreifen drei unterschiedlicher Funktionsweisen, die sich in allen drei Bereichen wiederfinden lassen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Selbstverständlich gehört auch der &#039;&#039;Nervenzell-Stoffwechsel&#039;&#039; den &#039;&#039;&#039;Stoffwechsel-funktionen&#039;&#039;&#039; an. &lt;br /&gt;
* Umgekehrt ist das &#039;&#039;vegetative Nervensystem&#039;&#039;, das wahrnehmend und regulierend auf das gesamte Stoffwechselgeschehen einwirkt, Bestandteil des &#039;&#039;&#039;Nervensinnessystems&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
* Entsprechend ist das rhythmische System mit seinen Funktionsleistungen auch im Nervensinnes-System und beim Stoffwechsel wirksam: Die &#039;&#039;kurzwelligen Rhythmen der elektrochemischen Hirnpotentiale&#039;&#039; im Sekundenbereich und die &#039;&#039;langwelligen Eigenrhythmen der Stoffwechselorgane&#039;&#039; (z.B. Magen / Darmmotilität) im Stundenbereich sind Teil der &#039;&#039;&#039;rhythmischen Gesamtordnung&#039;&#039;&#039; im dreigliedrigen Organismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Beispiele sollen verdeutlichen, dass es sich bei der Dreigliederung nicht um eine Dreiteilung, sondern um eine funktionelle Gliederung nach drei Funktionsaspekten handelt, die sich gleichzeitig räumlich im polaren Aufbau des Körpers abbildet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Von Seelenrätseln&#039;&#039;. GA 21. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1983.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ebenda, S. 152 - 153.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] U.a.: Johannes W. Rohen, &#039;&#039;Morphologie des menschlichen Organismus. Versuch einer goetheanischen Gestaltlehre des Menschen,&#039;&#039; Stuttgart 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Wolfgang Schad, &#039;&#039;Säugetiere und Mensch. Zur Gestaltbiologie vom Gesichtspunkt der Dreigliederung&#039;&#039;. Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 1985.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Von Seelenrätseln&#039;&#039;. GA 21. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1983 , S. 150.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== BEGABUNGEN DES PHYSISCHEN LEIBES ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was verdanken wir dem physischen Leib?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wozu befähigt er uns?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Erleben der eigenen Egoität durch den Körper&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der physische Leib ist in Form, Funktion und Plastizität seiner Organe die Grundlage für jedwede Begabungsäußerung des Menschen. Seine Größe, seine Kraft, die Qualität der Sinneswahrnehmungen durch die Sinnesorgane – all das setzt Maßstäbe für bestimmte Entwicklungen und auch Grenzen für bestimmte Leistungsmöglichkeiten. Wer mit einem absoluten Gehör geboren wird, ist prädisponiert für eine musikalische Begabung, und wer einen kräftigen Muskelbau hat, ist zu physischer Kraftentfaltung oder zu sportlichen Höchstleistungen veranlagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt aber auch eine Reihe verborgener Qualitäten, die wir unserem physischen Leib verdanken, allen voran das Erlebnis unserer Egoität, unserer individuellen Persönlichkeit. Nur dadurch, dass wir in einem von der Umwelt abgegrenzten Leib tätig sind, können wir zu dem Erlebnis unserer Eigenheit kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn schon im Bereich des Ätherischen, das keine Raumstruktur mehr hat, sondern eine zyklisch arbeitende Zeitstruktur besitzt, ist die Abgrenzung und damit auch das Erleben der Eigenheit und Eigenständigkeit nicht mehr in der Weise gegeben wie im Physischen. Daher ist die Pflege der Integrität des physischen Leibes von so großer Bedeutung, insbesondere während der Vorschulzeit. Übergriffe im Physischen, ob nun in Form von übertriebener Zärtlichkeit, Gewalt oder aber als sexueller Missbrauch, stellen über seine vielfältig miteinander vernetzten Sinnesorgane immer zentrale Angriffe auf das Persönlichkeits- und Selbsterleben des Kindes dar und veranlagen im physischen Leib bleibende Kränkungen bzw. Störungen im Selbsterleben und der daraus erwachsenden Selbstachtung. Das Gefühl, Herr im eigenen Hause zu sein, ist die Basis eines gesunden Selbsterlebens im Physischen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Gesundes Denken durch gesunde Physis&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Doch auch ein klares Vorstellungsvermögen ist an die Intaktheit des physischen Gehirns und der Sinnesorgane gebunden. So wahr es ist, dass die Gedanken ihren Sitz im ätherischen Organismus haben, so wahr und selbstverständlich ist es auch, dass sie nur mithilfe des Gehirns und der daran angeschlossenen Sinnesorgane als Vorstellungen reflektiert werden können. Daher hat die Pflege der Sinnesfunktionen,[1] des Bewegungsspiels und der körperlichen Geschicklichkeit eine wichtige Bedeutung im Hinblick auf die Gehirnbildung und die Ausbildung eines gesunden Vorstellungslebens. Der physische Leib verdankt seine Ausformung nicht nur Vererbung und Umwelt, sondern auch dem Interesse und der Aufmerksamkeit, mit denen das Kind seiner Umwelt begegnet und Beziehungen zu bestimmten Menschen aufnimmt: Indem es sie nachahmt, wird sein Körper auf sinnvolle Weise tätig. Denn jede Form von körperlicher Tätigkeit stimuliert zugleich die physiologischen Abläufe und damit auch die Bildung der Organe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der physische Leib dient so&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* der Selbstwahrnehmung im Physischen, der Egoität im besten Sinne des Wortes&lt;br /&gt;
* dem Ätherleib als Grundlage für Reflexion und Vorstellungsvermögen&lt;br /&gt;
* dem Astralleib als Grundlage für sein Empfindungsleben&lt;br /&gt;
* dem „Ich“-Wesen des Menschen vermittelt er die Fülle an Wahrnehmungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Schädigung durch Fehlstimulation der Sinne&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die allgemeine Bewegungsarmut, technisches Spielzeug, durch das Kinder nur zu wenig Eigenbewegung anregt werden, das sie stattdessen zu Kontrolleuren sich raffiniert bewegender Spielzeuge macht, und nicht zuletzt der Fernseh- und Medienkonsum gehören zu den Faktoren, die den physischen Leib am schlimmsten schädigen. Kaum etwas wirkt verheerender als die umfassende Fehlstimulation der Sinne durch den Bildschirm:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Keine Farbe stimmt mit der der Wirklichkeit überein.&lt;br /&gt;
* Keine Proportion, kein Größenverhältnis entspricht einer normalen Sinnesbeobachtung, bei der sich alle Sinne – Auge, Ohr, Geschmack, Geruch usw. – aufeinander abstimmen und in ihrem Zusammenwirken zur Totalität eines bestimmten Sinneseindrucks beitragen.&lt;br /&gt;
* Nicht einmal das Auge hat die Möglichkeit, das räumliche Sehen zu üben, da alle Bilder zweidimensional auf der Fläche erscheinen. Die Augenmuskeln können sich dem Sinneseindruck nicht aktiv anpassen, indem sie sich, wie sonst beim Sehen, um den Gegenstand herum oder mit dem Gegenstand bewegen. Beim Fernsehen wird dem Auge diese Aktivität abgenommen: Das Bild auf dem Schirm bewegt sich, das Auge ist reglos und starr auf den Bildschirm gerichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man macht sich diesen Effekt in Augenkliniken zunutze, um die Augen bei Augenmuskeloperationen möglichst ruhigzustellen: Nichts wirkt effizienter, als einige Stunden fernzusehen. Denn selbst im Schlaf bewegen sich die Augäpfel in regelmäßigen Abständen hinter den geschlossenen Lidern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer die Inkarnation des Menschen-Ich im physischen Leib in umfassender Weise fördern möchte, sieht sich gezwungen – auch wenn dies gegenwärtig aus dem Rahmen üblicher Kulturgewohnheiten fällt –, den Bildschirm und technisches Spielzeug insbesondere aus dem Vorschulalter komplett zu verbannen und dem Kind die Auseinandersetzung mit der Umwelt so, wie sie wirklich ist, zu gönnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Folgen von Medienkonsum im Vorschulalter&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der Schule zeigen sich die Folgen einer Fehlerziehung auf diesem Gebiet in Form von&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Nachahmungsschwäche&lt;br /&gt;
* einer nicht genügend ausgebildeten Bewegungsorganisation&lt;br /&gt;
* Störungen in der Abstimmung der Sinnesfunktionen aufeinander&lt;br /&gt;
* Defiziten in der Sprachentwicklung&lt;br /&gt;
* Unfähigkeit, intentional mit gerichteter Aufmerksamkeit zuzuhören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn am Bildschirm nimmt man ständig mehr Informationen auf, als man verarbeiten kann, und man lernt auch nicht wiederzugeben, was man gehört und gesehen hat. Überdies werden Medien oft als Geräuschkulisse genommen, während man sich mit etwas ganz anderem beschäftigt. Entsprechend wird auch der Lehrer oft als Geräuschkulisse erlebt und behandelt – und nicht wie ein Mensch, dem man mit Interesse und Aufmerksamkeit begegnen sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der schlimmste Schaden für das spätere Leben erwächst jedoch aus der Inaktivität des eigenen Denkens: Das Gehirn bildet sich zu einem Instrument passiver Informationsaufnahme und -verarbeitung. Aktiv zu hinterfragen, sich auseinanderzusetzen, sich selbst Bilder von einer Sache zu machen, selbständig zu denken – dafür eignet es sich kaum noch. Das führt dazu, dass die Bereitschaft, selbst aktiv und kreativ zu werden, aber insbesondere der Wille, selbstständig zu denken, nachlassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ergebnis ist eine „Zuschauergesellschaft“, die zwar intelligent registriert, jedoch damit rechnet, dass es für jedes Problem einen Zuständigen gibt und Selbständigkeit und Mitverantwortung immer weniger gefragt sind. Demgemäß hört man immer wieder von erfolgreichen, kreativen Menschen, die im späteren Leben dankbar auf ihre fernsehfreie bzw. fernseharme Kindheit zurückblicken bzw. jetzt froh sind, dass sie in Kindheit und Jugend viel zupacken mussten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Übung macht den Meister&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Zudem zeigt die tägliche Erfahrung bei jedem sportlichen Training, dass der physische Leib nur durch Aktivität seine Funktionen ausbilden kann. Das Gleiche gilt auch für die feineren inneren Vorgänge im Leibe. Was nicht geübt wird, bleibt unentwickelt, was fehlstimuliert wird, bildet eine ungeordnete Veranlagung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je jünger der physische Leib ist, umso bildsamer und prägbarer und umso verwundbarer ist er. Erst mit zunehmendem Alter kann er kränkenden Einflüssen mehr Widerstandskraft entgegensetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wird die Sinneserziehung vernachlässigt und der Welt, den Menschen und den täglichen Begebenheiten keine liebevolle Aufmerksamkeit geschenkt, werden schwerwiegende Behinderungen der Selbst- und Welterfahrung veranlagt, die schon in der Schulzeit zu Desinteresse und Lernstörungen führen können. Diese Entwicklung gehört zu den wichtigsten Ursachen, warum der Drogenkonsum in unserer Zeit so zunimmt: Der Erlebnismangel und der damit verbundene Mangel an Selbsterfahrung durch nicht oder fehlausgebildete Sinnesfunktionen wird früher oder später als unerträglich empfunden – man sucht dann eine Ersatzbefriedigung in der durch die Drogen vermittelten Erlebnisintensität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Begabungen und Behinderungen“, 8. Kapitel, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2004&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Beiträge zur Rudolf Steiner Gesamtausgabe, Nr. 34: &#039;&#039;Aufzeichnungen Rudolf Steiners zur Sinneslehre.&#039;&#039; Dornach, Sommer 1971.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== BEGABUNGEN DES ÄTHERLEIBES ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sind die Begabungen des Ätherleibes?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Gesetzmäßigkeiten, die tote Materie am Leben erhalten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Laut Rudolf Steiner umfasst der Lebens- bzw. Ätherleib alle Gesetzmäßigkeiten, die in der Lage sind, tote Materie am Leben – im Lebenszusammenhang – zu erhalten.[1] Der Begriff „Leib“ steht für den Funktionszusammenhang des Lebendigen, Belebenden. Das Wort „Äther“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet „himmelblau“ bzw. „blauer Himmel“, „Firmament“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Wortkombination macht Sinn, weil das blaue Himmelslicht, der von der Sonne erhellte Himmelsraum, die Pflanzenwelt mit Energie versorgt, durch die sie Blattgrün, das Chlorophyll, bilden kann. So wie die Pflanze nur dank dieser Verbindung mit dem Kosmos und der Sonne leben kann, so verfügt auch der Mensch, dem die Pflanzenwelt als Nahrung dient, über einen in sich geschlossenen individualisierten Lebensorganismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Tätigkeit des Ätherleibes im menschlichen Organismus ist polar orientiert:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
·      Ein Teil dient am Lebensanfang vor allem dem Wachstum und später der Regeneration des physischen Leibes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
·      Der andere Teil löst sich von Anfang an im Laufe der Entwicklung bzw. später im Zuge des Alterungsprozesses in dem Maße aus der Leibgebundenheit heraus, in dem Wachstums- und Reifungsschritte vollendet wurden und diese Lebenskräfte nicht mehr für Wachstum oder Regeneration gebraucht werden: Sie verlassen den physischen Leib und ermöglichen ein sich lebenslang entwickelndes Gedankenleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Einflüsse auf den Ätherleib&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Diese bahnbrechende Einsicht in den Leib-Seele-Zusammenhang verdanken wir Rudolf Steiner: Er entdeckte die Doppelfunktion des Ätherischen und damit den Schlüssel, wieso und inwiefern das Gedanken- und Geistesleben des Menschen Einfluss hat auf die körperliche Gesundheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Was den Ätherleib stärkt ====&lt;br /&gt;
Gedächtnisschwächen sind Willensschwächen im Gedankenleben. Sie können positiv beeinflusst werden durch Aufmerksamkeitsübungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann z.B. allein oder mit einem Kind zusammen konzentriert ein Ding, einen Vorgang oder ein Lebewesen beobachten, es von allen Seiten betrachten und mit Hilfe der Sinne als Wahrnehmungsinhalt aufnehmen und einprägen. Oder man legt gemeinsam etwas an einen bestimmten Ort, den man sich genau anschaut und merkt – das stärkt die Erinnerungsfähigkeit daran, wo man etwas hingelegt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wichtiges Stärkungsmittel für den Ätherleib sind gute Gewohnheiten: regelmäßige Essens- und Schlafenszeiten, Wechsel von Arbeit und Spiel etc. Alles, was mit Rhythmus und Regelmäßigkeit zusammenhängt, ist ätherisches Gebiet – denn „Rhythmus trägt Leben“, wie Rudolf Steiner es dem Chemiker Rudolf Hauschka gegenüber ausdrückte.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher ist auch regelmäßiges Üben, wie es beim künstlerischen Tun üblich ist, so gesundend. Das gilt auch für regelmäßiges kontemplatives oder religiöses Üben wie Beten, abendliche Rückschau auf den Tag und das Üben von Qualitäten wie Dankbarkeit, Andacht, Ehrfurcht, Zufriedenheit, Friedensfähigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das Auf-sich-wirken-Lassen von „Ganzheiten“ – wie schöne Landschaften, Bildwerke, Musikstücke – stärkt den Lebenszusammenhang des Ätherleibes. Besonders wichtig ist jedoch ein soziales Klima der Wahrhaftigkeit. Denn im Kontext der sorgfältig aufeinander abgestimmten Lebensfunktionen zieht jede Störung der „Stimmigkeit“ und des aufeinander Abgestimmt-Seins funktionelle Störungen nach sich, die sich im Laufe der Zeit zunehmend bemerkbar machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht nur der lebendige Körper braucht Pflege. Auch der Gedankenorganismus bedarf der Pflege durch übereinstimmende Gedanken, Integrität, Transparenz und Wahrhaftigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Was den Ätherleib schwächt ====&lt;br /&gt;
Verlogenheit, Argwohn und Zweifel zehren an den ätherischen Kräften und untergraben den Lebenszusammenhang und das Zusammenstimmen der Lebensfunktionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inkohärentes Denken schädigt den physischen Leib während der Nacht, wenn der bei Tag leibfreie Ätherleib sich im Schlaf wieder mit dem leibgebundenen Anteil verbindet, um an der Regeneration des Leibes zu arbeiten. Dann teilen sich Schädigungen, die der tagsüber dem Denken dienende ätherische Organismus erfahren hat, unmittelbar dem physischen Leib mit. Am nächsten Morgen ist der Erfrischung eine leise Kränkung beigemischt. Setzen sich solche destruktiven Einflüsse über Jahre hinweg fort, kann das noch in diesem Erdenleben zur Ausbildung einer Krankheit führen. Wenn der Ätherleib über viel Überschusskraft verfügt, kommt es erst im nächsten Erdenleben zu Krankheitsdispositionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Pflege der ätherischen Kräfte und Monatstugenden&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Zur Pflege der ätherischen Kräfte des Erwachsenen kann die Arbeit an den sogenannten Monatstugenden eine große Hilfe sein.[3] Das stößt neue Gewohnheiten und eine Gesinnung der Wahrhaftigkeit, Liebe und Großzügigkeit an. Die Tugenden werden jeweils einen Monat lang geübt – denn der Vier-Wochen-Rhythmus stärkt die ätherischen Kräftezusammenhänge. Rudolf Steiner empfiehlt, diese Monatstugenden regelmäßig zu üben und darauf zu achten, wie sich dabei die jeweilige Tugend vertieft, aber auch verwandelt und zu einer &#039;&#039;neuen Tugend&#039;&#039; wird, die dann ganz das Ergebnis der eigenen Arbeit an der ersten ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Monatstugenden sind:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
April                &#039;&#039;&#039;Ehrfurcht&#039;&#039;&#039;                                           wird zu            Opferkraft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mai                 &#039;&#039;&#039;Inneres Gleichgewicht&#039;&#039;&#039;                      wird zu            Fortschritt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Juni                 &#039;&#039;&#039;Ausdauer&#039;&#039;&#039;                                           wird zu            Treue&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Juli                  &#039;&#039;&#039;Selbstlosigkeit&#039;&#039;&#039;                                   wird zu            Katharsis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
August            &#039;&#039;&#039;Mitleid&#039;&#039;&#039;                                               wird zu            Freiheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
September     &#039;&#039;&#039;Höflichkeit&#039;&#039;&#039;                                         wird zu            Herzenstakt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oktober          &#039;&#039;&#039;Zufriedenheit&#039;&#039;&#039;                                    wird zu            Gelassenheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
November      &#039;&#039;&#039;Geduld&#039;&#039;&#039;                                               wird zu            Einsicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dezember      &#039;&#039;&#039;Gedankenkontrolle  &#039;&#039;&#039;                         wird zu                                            Wahrheitsempfinden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Januar            &#039;&#039;&#039;Mut&#039;&#039;&#039;                                                    wird zu            Erlöserkraft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Februar          &#039;&#039;&#039;Diskretion&#039;&#039;&#039;                                          wird zu            Meditationskraft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
März               &#039;&#039;&#039;Großmut&#039;&#039;&#039;                                            wird zu            Liebe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das mag auf Anhieb etwas kompliziert klingen, hängt jedoch mit unserer Ich-Natur zusammen: Die erstgenannten Tugenden sind gleichsam in unserer allgemeinmenschlichen Konstitution veranlagt. Jeder Mensch kann die Ansätze dazu bei sich entdecken und darauf aufbauend mit dem Üben beginnen. Die &#039;&#039;zweitgenannten Tugenden&#039;&#039; ergeben sich erst aus der Arbeit an den erstgenannten. Das Bemerkenswerte ist, dass sie sich nur entwickeln, wenn man die erstgenannten Tugenden um ihrer selbst willen übt, aus Liebe dazu und zur Menschwerdung überhaupt – also nicht nur, um im Leben mehr Erfolg zu haben und „Charakterstärke“ zu besitzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Begabungen und Behinderungen“, 8. Kapitel, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2004&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Theosophie.&#039;&#039; GA 9.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] vgl. Rudolf Hauschka, &#039;&#039;Wetterleuchten einer Zeitenwende&#039;&#039;. Bad Boll 1997.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Anweisungen für eine esoterische Schulung&#039;&#039;. GA 245, vergriffen. Neu in: &#039;&#039;Seelenübungen mit Wort- und Sinnbildmeditationen.&#039;&#039; GA 267, Dornach 1997.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== EINFLUSS VON ÄL UND AL AUF DEN NATRIUM-KALIUM-GRADIENTEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie beeinflussen insbesondere der Ätherleib und der Astralleib in Ruhe und Erregung den Natrium-Kalium-Gradienten?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann der Mensch durch Ernährung und Lebensführung ausgleichend ein greifen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Wirkung hat die Heilpflanze Anagallis arvense?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zusammenspiel von Ätherleib und Astralleib auf zellulärer Ebene&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Otto Wolff&#039;&#039; hat in seiner &#039;&#039;„Biochemie“&#039;&#039; den Bezug von Kalium und Natrium zu Ätherleib und Astralleib herausgearbeitet.[1] Auf zellulärer Ebene zeigt sich das Zusammenspiel von Ätherleib und Astralleib an der Zellmembran:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Im Ruhezustand&#039;&#039;&#039; ist in der Zelle überwiegend Kalium vorhanden, im extrazellulären Milieu herrscht Natrium vor. Hier arbeitet der Ätherleib am &#039;&#039;Aufbau des Organismus&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Bei Erregung&#039;&#039;&#039; strömt Kalium aus und Natrium in die Zelle ein. Dabei dominiert der Astralleib. Dadurch wird die ätherische Aufbautätigkeit gegenüber der dominierenden astralischen, die &#039;&#039;abbauend&#039;&#039; ist, geschwächt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während das Kalium den Ätherleib darin unterstützt, das Wasser in lebendiger Zirkulation zu halten und damit auch eine die Diurese regulierende Wirkung hat, bewirkt ein erhöhter Natriumgehalt bei Mensch und Tier – z. B. in Form salzreicher Ernährung – Wassereinlagerung und hohen Blutdruck. Dauerstress und Bewegungsmangel, sowie eine gemüsearme – und damit kaliumarme Ernährung – fördern eine Verschiebung des Natrium-Kalium-Gradienten und den Überschuss an fixen Säurebildnern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Anagallis arvense (Ackergauchheil) als Heilpflanze&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In den letzten Absätzen von Kapitel VII von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[2]&#039;&#039; wird darauf hingewiesen, dass man dem ‚Naturvorbild‘ der Selbstheilung im gesunden Organismus auch Analogien für den Krankheitsfall entnehmen kann. In diesem Zusammenhang erwähnen Rudolf Steiner und Ita Wegman die Heilpflanze &#039;&#039;Anagallis arvense&#039;&#039;, mit ihren kleinen rot oder blau blühenden fünfzähligen Blütensternen. Sie ist eine in der Volksmedizin gut bekannte Gift- und Arzneipflanze mit diuretischer und narkotischer Wirkung bei Tier und Mensch. In hohen Dosen kann ihre Einnahme auch töten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Autoren berufen sich hier nicht auf die schon bekannten Inhaltstoffe, sondern auf das besondere Verhältnis, das in dieser Pflanze zwischen Kalium und Natrium gegeben ist, durch die – wenn es von außen zugeführt wird – die Ich-Organisation im Darmgebiet angeregt wird.[3] Diese Wirkung kann noch dadurch verstärkt werden, dass man nach dem Modell dieser Heilpflanze eine mineralische Komposition herstellt, indem man Kalium und Natrium mit Schwefel verbindet (Natrium- und Kaliumsulfuricum): &#039;&#039;„[...] Der Schwefel hat nämlich die Eigentümlichkeit, dass er dem Aufhalten des Eiweißzerfalles dient; er hält gewissermaßen die organisierenden Kräfte in der Eiweißsubstanz zusammen.“[4]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist interessant, dass Rudolf Steiner und Ita Wegman in diesem Kapitel, das den Selbstheilungskräften gewidmet ist, &#039;&#039;„Stockungen im Unterleibe“[5]&#039;&#039; als Beispiel für die unzureichende Heilwirkung des Organismus anführen. Sehr oft sind Verstopfungssymptome und Darm-Koliken Ernährungs- und lebensstilbedingte Verdauungsstörungen, d.h. Probleme, deren Lösung in der Selbstverantwortung der Betroffenen liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[6]&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. Wolff (2013) 293–297.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27, Kap. VII.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Kalium kommt reichlich in allen Pflanzenaschen (‚Pottasche‘ mit viel Kaliumcarbonat) vor und ist für die Wasseraufnahme in die Pflanze essentiell.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe FN 2, S. 41.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Siehe FN 2, S. 40.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== BEGABUNGEN DES ASTRALLEIBES ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Kompetenzen und Fähigkeiten verdanken wir dem Astralleib?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wirkt er auf die anderen Wesensglieder?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wirkung des Astralleibs auf die anderen Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dem Astralleib verdanken wir&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;im Physischen&#039;&#039; die Bewegungsfähigkeit und die Emotions- und Begierdenatur, die Mensch und Tier gemeinsam haben&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;im Ätherischen&#039;&#039; die Veranlagung unserer Triebnatur&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;im Astralischen&#039;&#039;, befreit vom Physischen und Ätherischen, als leibfreie, rein seelische Tätigkeit das Gefühlsleben der Seele&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;im ich-haft Geistigen&#039;&#039; die Möglichkeit der Bewusstseinsbildung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Einflüsse auf den Astralleib&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Was den Astralleib schwächt ====&lt;br /&gt;
Nichts schwächt den Astralleib mehr als selbstbezogenes Brüten in sich selbst wie unfruchtbare „Nabelschau“, aber auch gewohnheitsmäßiges Kritisieren anderer. Das hat zur Folge, dass „sich nichts mehr bewegt“, dass durch die Fixierung auf sich selbst oder ein Problem Stagnation statt Verwandlung herrscht. Auch das Verweilen bei Reuegefühlen und Gewissensbissen lähmt die Regsamkeit des Astralleibes. Führen Gewissensbisse allerdings dazu, den Menschen auf Fehler und Schwächen hinzuweisen, sind sie wertvoll. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Was den Astralleib stärkt ====&lt;br /&gt;
Interesse und Offenheit gegenüber Welt und Mensch stärken und pflegen den Astralleib. Wohlwollen und Zuversicht sind Kräfte, die den Astralleib beweglich halten, anregen und ihm helfen, mit den Sympathien und Antipathien – sprich, der wogenden Gefühlswelt des Astralischen – konstruktiv umzugehen, sodass der Mensch Vorlieben und Abneigungen nicht nur auslebt, sondern als Signale zu verstehen lernt, die ihm etwas über sich selbst und andere sagen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entscheidend ist jedoch, dass das Gefühlsleben von Gedanken durchzogen wird, also einen klaren „Anschluss“ an das denkende Erkennen bekommt und sich von seinem kindlichen Verhaftet-Sein an den Leib und das an ihn gebundene Wollen lösen lernt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim kleinen Kind ist es berechtigt, dass es seinen Trieben, Begierden und Neigungen unmittelbar und spontan folgt und diese erst am Vorbild der Erwachsenen durch die Nachahmungsfähigkeit erzogen und geformt werden. Im Erwachsenenalter hat dieses Sich-Ausleben keine Berechtigung mehr. Die orientierende Kraft der Nachahmung sollte im Verlauf des Erziehungsprozesses vom freien verantwortlichen Gebrauch des eigenen Willens ersetzt und das Gefühlsleben an das erwachende und immer selbstständiger werdende Denken angeschlossen worden sein. Misslingt dieser Anschluss an das Denken, wird das Gefühlsleben sekundär wieder an den Leib gebunden. Dann ist der Mensch seinen bedürfnisorientierten Emotionen ausgeliefert: Er muss ihnen folgen, auch wenn seine Vernunft dagegenspricht und ihn davon abhalten möchte. Damit ist die konstitutionelle Voraussetzung geschaffen, ein Triebtäter zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die sogenannten Nebenübungen – Gedanken-, Handlungs- und Gefühlskontrolle, Positivität und Unbefangenheit sowie deren Zusammenwirken – sind grundlegende Hilfen bei der Selbsterziehung des Erwachsenen, den Astralleib zu pflegen und unter die Herrschaft des Ich zu bringen.[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Begabungen und Behinderungen“, 8. Kapitel, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2004&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner&#039;&#039;, Die Geheimwissenschaft im Umriss.&#039;&#039; GA 13, Dornach I989, und &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?&#039;&#039;, GA 10, Dornach 1993.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Siehe auch Florin Lowndes, &#039;&#039;Die Belebung des Herzchakra&#039;&#039;. Stuttgart 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DER ASTRALLEIB ALS EMPFINDENDER ORGANISMUS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielt der Astralleib als empfindender Organismus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sind die typischen embryonalen Bildegesten des Astralischen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern ist unser astralisches Kräftesystem der Inspiration zugänglich?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Vom lebendigen zum empfindenden Organismus&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im Zentrum des IV. Kapitels von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; steht der ‚Astralleib‘ als Träger der menschlichen (und der tierischen) Empfindungen. Das Astralische ist ein ganzheitlich wirksames Kräftesystem, welches den lebendigen zum empfindenden Organismus umgestaltet und dadurch auch das Stoffwechselgeschehen grundlegend verändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Was in der &#039;&#039;&#039;ätherischen Organisation&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;unbewusstes Leben&#039;&#039; ist, und damit selbstlose Hingabe an die Kräfte der irdischen und kosmischen Umgebung, &lt;br /&gt;
* kann durch das &#039;&#039;&#039;Astralische&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;bewusstwerden&#039;&#039; und so zu einem individuellen Erleben, der Empfindung, führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Rätselhafte (Sinnes)empfindung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der gegenwärtigen naturwissenschaftlich orientierten Medizin wird die Empfindung primär neurophysiologisch und neuropsychologisch definiert. Auf dem Gebiet der Sinnesphysiologie gilt sie gemäß dem Reiz/Reaktionsprinzip als Elementarvorgang, als primär gegeben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Abweichung von diesem Trend sah &#039;&#039;Herbert Hensel&#039;&#039; die Sinnesphysiologie nicht nur als Eintrittstor in das Feld vielfältiger Phänomene im Bereich der Sinneswahrnehmungen an, sondern als eigenständiges Gebiet der Naturwissenschaft und als geeignet, neue Grundlagen für epistemologisches Denken zu bilden.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer sich mit der Wahrnehmung des Menschen befasst, wird in einen Bereich geführt, der vor und zwischen allen positiven Wissenschaften liegt. Die Sinneslehre als autonome Wissenschaft ist ein Niemandsland zwischen den etablierten Disziplinen. Gerade dadurch ist sie berufen, bei einer Neubesinnung auf die Grundlagen der Wissenschaften mitzuwirken und neue Erkenntniswege zu bahnen.[3]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Aus dem Physischen herausgehobene astralische Organisation&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel IV wird das astralische Kräftesystem (der Astralleib) in seinem Verhältnis zum Ätherischen und Physischen als aus diesen Kräftesystemen ‚herausgehoben‘ beschrieben.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am pflanzlichen Atmungsorgan – dem flächenhaften Blatt – zeigt sich im Laufe des Tag-Nacht-Rhythmus das Zusammenspiel der physischen und ätherischen Kräfte. Charakteristisch für die tierische und menschliche Organbildung sind dagegen die Prozesse der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Einstülpung, &lt;br /&gt;
* Organ-Abfaltung&lt;br /&gt;
* und Ausstülpung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie sind Bildegesten astralischer Natur und beginnen bereits in der frühen Embryonalentwicklung mit der sogenannten Gastrulation[5] und Neurulation[6]. Dadurch entstehen Innenräume und Berühr- und Begegnungsflächen, die für die weitere Zell- und Organdifferenzierung entscheidend sind. Wer dieses komplexe und großteils gleichzeitig verlaufende Organbildungsgeschehen ‚steuert‘, ist bisher nicht bekannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner und Ita Wegman beschreiben diesen aufeinander bezogenen Kräftebereich bereits in Kapitel I des genannten Werkes als den astralischen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;&#039;Pflanzensubstanz&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;überlässt sich ganz&#039;&#039; der Betätigung der aus- und einstrahlenden Außenkräfte des Ätherischen.&lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;&#039;tierische (und die menschliche) Substanzbildung&#039;&#039;&#039; zeigt dagegen, dass sie Wirkungen unterliegt, die sie &#039;&#039;von diesen Kräften unabhängig&#039;&#039; macht.[7]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Induktionsvorgänge im Zuge der Organbildung&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gut erforscht sind jedoch die sogenannten Induktionsvorgänge, d.h. man weiß, welche Gewebe zu welchem Zeitpunkt durch die gegenseitige Berührung das Auswandern bestimmter Zellen oder durch das Aussenden bestimmter Signalstoffe die Bildung eines Organs veranlagen, stimulieren oder vollenden helfen. Meist sind mehrere Faktoren dieser Art an der Organbildung beteiligt. Inzwischen gilt auch als gesichertes Wissen, dass die Induktionsprozesse vom umliegenden Gewebe, also von der Peripherie her, gesteuert werden und nicht zentral vom genetischen Apparat:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Gegenwärtig weisen die meisten Untersuchungsergebnisse darauf hin, dass weniger der genetische Apparat selbst, als vielmehr die unmittelbare Umgebung einschließlich der benachbarten Gewebe, diese Entscheidung, was sich wann differenziert und entwickelt, maßgeblich bestimmen. So erscheint die für die normale Funktion eines Organs notwendige hochdifferenzierte Struktur durch die exakte Koordination der Bildungsprozesse einzelner ihrer Bauelemente während der Embryonalentwicklung sowie durch die Interaktionen von Einzelfaktoren erreicht zu werden. Das induzierende Gewebe nennt man Induktor und das induzierte Gewebe Indukt. Dabei haben Experimente insbesondere bei der Bildung des Auges gezeigt, dass das Indukt sehr spezifisch sein muss, der Induktor jedoch deutlich unspezifischer sein kann; entscheidend ist jedoch der richtige Zeitpunkt in der Begegnung zwischen Induktor und Indukt für die Bildung eines gesunden Organs am richtigen Ort im Zusammenhang mit den zeitgleich sich bildenden Organen an anderen Orten. Drei Prozesse laufen so zeitlich präzise aufeinander abgestimmt ab: die Proliferation (Zellwachstum), die Differenzierung von Zellen und Organen, und die Induktion und damit auch Integration der einzelnen Bildungen in das Ganze.“[8]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Der Inspiration unmittelbar zugänglich&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die astralischen Kräfte sind der inspirierten Erkenntnis unmittelbar zugänglich: &#039;&#039;„Spricht man aber von ‚astralischer Welt‘, so geht man in Gemäßheit dessen, was das inspirierte Bewusstsein beobachtet, von den Wirkungen aus dem Weltumfang zu bestimmten Geist-Wesenheiten über, die in diesen Wirkungen sich offenbaren, wie in den von der Erde ausgehenden Kräften sich die Erdenstoffe offenbaren. Man spricht von aus den Weltenfernen wirkenden konkreten Geist-Wesenheiten, wie man beim sinnlichen Anblick des nächtlichen Himmels von Sternen und Sternbildern spricht. Daher der Ausdruck ‚astralische Welt‘.[9]&amp;lt;sup&amp;gt;,&amp;lt;/sup&amp;gt; [10]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ergänzend dazu heißt es in Kapitel IV: &#039;&#039;„Die ausstrahlenden Kräfte sind die irdischen, die einstrahlenden diejenigen des Welt-Umkreises der Erde; in den ‚astralischen‘ ist etwas vorhanden, das den beiden Kräftearten übergeordnet ist. Dies macht die Erde selbst erst zum Weltenkörper, zum ‚Stern‘ (astrum). Durch die physischen Kräfte sondert sie sich aus dem Weltall heraus, durch die ätherischen lässt sie dieses auf sich wirken; durch die ‚astralischen‘ Kräfte wird sie eine selbständige Individualität im Weltall.“[11]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ineinandergreifen von Physischem, Ätherischem und Astralischem&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In diesem Kontext wird verständlich, warum die Überschrift des IV. Kapitels &#039;&#039;„Vom Wesen des empfindenden Organismus“&#039;&#039; lautet. Tiere offenbaren eigenständig Wesenhaftes durch Empfindung, Bewegung, Intentionalität. Doch geht es den Autoren nicht nur darum, die unterschiedlichen Erscheinungsformen von Mineral, Pflanze und Tier dem Einfluss der verschiedenen Kräftewirkungen zuzuschreiben. Vielmehr ist der Blick wieder auf die Erdenstofflichkeit gerichtet, die sich unter dem Einfluss des dritten Kräftebereiches gegenüber der Pflanzensubstanz noch einmal grundlegend ändert und dadurch zum Träger der Empfindung werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Dominanz der astralischen Kräfte wird auch die Wirkungsweise der physischen und ätherischen Kräfte modifiziert. Beide Kräftebereiche sind den astralischen Kräften untergeordnet, wodurch es zu den Phänomenen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Tod&#039;&#039;&#039; (vorherrschende &#039;&#039;physische Kräfte&#039;&#039;),&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Schlaf&#039;&#039;&#039; (vorherrschende &#039;&#039;ätherische Kräfte&#039;&#039;),&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wachen&#039;&#039;&#039; (vorherrschende &#039;&#039;astralische Kräfte&#039;&#039;) kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während des Lebens wird der physische Leib des Tieres (und des Menschen) durch den Ätherleib daran gehindert, sich soweit mineralisierend und verhärtend zu betätigen, dass der Tod die Folge wäre. Entsprechend braucht der Ätherleib immer wieder Perioden, in denen er die Todesprozesse im physischen Leib kompensieren kann. Dafür muss er sich den astralischen Kräften so weit entziehen, dass Schlaf eintreten kann und der Astralleib für eine Zeit seiner Wirkmacht als Träger individuellen Bewusstseins und individueller Wesensäußerung enthoben wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Musikalische Natur des Astralischen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
So wie die ätherischen Kräfte plastisch-bildnerisch tätig sind, so sind die astralischen Kräfte im weitesten Sinne musikalischer Natur. Sie wirken über die Gesetze der Differenzierung, Intervallbildung, Polarisierung, der Dissonanz, Konsonanz und Resonanz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Sie finden sich in reiner Form in den Zahlengesetzen, die in Chemie und Biochemie beim Binden und Lösen der Stoffe walten. &lt;br /&gt;
* Aber auch – wie seit dem Altertum bekannt – in den Zahlengesetzen, die die Bewegungen der Sterne beherrschen, so wie dies von den Pythagoräern als Weltharmonik angesehen wurde und später dann von &#039;&#039;Kepler&#039;&#039; detaillierter ausgearbeitet worden ist.[12]&amp;lt;sup&amp;gt;,&amp;lt;/sup&amp;gt; [13] &lt;br /&gt;
* Dass Klänge eine differenzierende Wirkung auf Stoffe ausüben können, kann auch durch Experimente im Stil der Cladni’schen Klangfiguren anschaulich gemacht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[14]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27, Kap. IV.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Vgl. hierzu die Würdigung des Lebenswerkes von Herbert Hensel durch Gunther Hildebrandt (1983), 281f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Hensel (1989), 45–69. Herbert Hensel war nicht nur ein international renommierter Sinnesphysiologe, sondern auch Anthroposoph. Sein Urteil über Steiners Beitrag zur Wissenschaft ist auch im Kontext der EH hilfreich: „Die Bedeutung der Anthroposophie für die empirischen Wissenschaften liegt vor allem darin, daß sie Anregungen gibt und neue Fragestellungen aufwirft, die dann von der empirischen Forschung aufgegriffen und selbstständig bearbeitet werden können. Das bedeutet keine Beschränkung der geistigen Freiheit des Forschers, da er die Antworten auf die Fragen durch eigene Arbeit finden muß.“ Hensel (1989), 70–77.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Vgl. FN 1, S 24: &#039;&#039;„Man hat im tierischen Organismus einen Kräftebereich, der gegenüber dem von der Erde ausstrahlenden und in sie einstrahlenden unabhängig ist.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Gastrulation (von griech. gaster „Bauch eines Gefäßes“[1]) bezeichnet eine Phase der Embryogenese der vielzelligen Tiere, zu denen auch der Mensch gehört. Dabei stülpt sich die Blastula ein und es kommt zur Ausbildung der Keimblätter. (&amp;lt;nowiki&amp;gt;https://de.wikipedia.org/wiki/Gastrulation&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, ges. 29.11.2025).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Als Neurulation bezeichnet man die Bildung eines Neuralrohrs bei Chordatieren und damit auch beim Menschen. Das Neuralrohr ist die embryonale Anlage des späteren Zentralnervensystems (&amp;lt;nowiki&amp;gt;https://de.wikipedia.org/wiki/Neurulation&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, ges. 29.11.2025).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Vgl. FN 1, Kapitel IV, Abs. 3.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Vgl. Moore (2013), 15, 76, 559.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. FN 1, S. 8. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] ‚aster‘ heißt sowohl in der griechischen als auch in der lateinischen Sprache: Stern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Vgl. FN 1, S. 25.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Noch Goethe erwähnt „der Brudersphären Wettgesang“ zu Beginn des Faust im Prolog im Himmel. Siehe auch Livio (2023).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] Vgl. A. Husemann (2024).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== BEGABUNGEN DER ICH-ORGANISATION ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wodurch bemerken wir das Wirken der Ich-Organisation?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie können wir die Ich-Organisation in ihrem Wirken stärken?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ich-Organisation und Wärme&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Ich-Organisation stimmt im physischen Leib das Wirken aller Gesetzmäßigkeiten so aufeinander ab, dass dadurch eine bestimmte Persönlichkeit zur Erscheinung kommt. Ihre Hauptaufgabe besteht in der Integration in den Gesamtzusammenhang, in das Gesamtbild. Sie ist zuständig für die Gestaltung des Menschen hinsichtlich Form, Größe und Proportion und bedient sich dabei der Wärmeprozesse. So wie die Gesetzmäßigkeiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;des Physischen&#039;&#039;&#039; dem Aggregatzustand &#039;&#039;des Festen&#039;&#039; entsprechen,&lt;br /&gt;
* diejenigen &#039;&#039;&#039;des Ätherischen&#039;&#039;&#039; den Gesetzmäßigkeiten &#039;&#039;des Flüssigen&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* und die &#039;&#039;&#039;des Astralischen&#039;&#039;&#039; den Gesetzmäßigkeiten &#039;&#039;des Luftförmigen&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* so äußert sich &#039;&#039;&#039;die Ich-Organisation&#039;&#039;&#039; unmittelbar durch die Gesetzmäßigkeiten &#039;&#039;der Wärme.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztlich hängt es vom Wärmezustand des Organismus ab, in welcher Form eine Substanz vorliegt und wie schnell bzw. langsam sie sich mit anderen Substanzen verbindet oder sich von ihnen trennt. Die Arbeit der Ich-Organisation kann so an der Wärmewirkung abgelesen werden. Interessanterweise beschränkt sich dieser Wärmebildungs- und Verteilungsprozess im Menschen nie nur auf das Physische; die Wärme wird auch seelisch erlebt und wirkt geistig anregend. Umgekehrt wirkt eine im Seelisch-Geistigen „auflodernde“ Begeisterung bis ins körperliche Erleben hinein durchwärmend und positiv stimulierend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Sinneswelt hat die Wärme eine Brückenfunktion zwischen dem Physischen und dem Geistigen, die vergleichbar ist mit der Brückenfunktion des Denkens zwischen Materie und Geist. Wärme kann sowohl in physischer als auch in seelisch-geistiger Form auftreten und ist doch immer Wärme. Dadurch, dass dieses Wärmewesen von der Ich-Organisation individuell genützt wird, bekommt der geistig-physische Wesenszusammenhang sein persönliches Gepräge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Was die Ich-Organisation als Wärmeorganismus stärkt&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Durch die Ich-Organisation und ihre nicht materielle Wärmewirkung kann auch unser wahres höheres bzw. „besseres“ Selbst, unser ewiges Wesen hereinleuchten, ja sogar an&#039;&#039;wesend&#039;&#039; sein. Gestärkt wird die Ich-Organisation von positiven menschlichen Begegnungen. In der zwischen Menschen entstehenden seelisch-geistigen Wärme erlebt sich der Einzelne bestätigt und gefördert. Dabei sind ethische Werte und Lebensideale die besten Schulungsmittel:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wahrhaftigkeit im Umgang miteinander         &lt;br /&gt;
* Respekt vor der Freiheit und Würde des anderen&lt;br /&gt;
* Interesse an dessen Schicksal&lt;br /&gt;
* Anerkennen seiner Stärken&lt;br /&gt;
* Akzeptanz seiner Schwächen&lt;br /&gt;
* Vertrauen in seine weitere Entwicklung zum Guten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Der ewige Wesenskern&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das Ich, der ewige Wesenskern, lebt in der Kontinuität. Es geht durch viele Erdenleben und wird sich immer mehr seiner selbst bewusst; es stammt aus urferner Vergangenheit und schreitet weiter auf ein leuchtendes Entwicklungsziel zu. Qualitäten wie Zuverlässigkeit, Kontinuität, Belastbarkeit, Tragfähigkeit, Durchhaltevermögen usw., die im Leben und in menschlichen Beziehungen zum Tragen kommen, unterstützen die Ich-Organisation. Freundschaften, in denen gemeinsame Ziele oder Arbeitsaufgaben das Verbindende sind, erweisen sich als besondere Kraftquelle für das Ich wie auch die Arbeit an den Kernidealen des menschlichen Werdens: Wahrhaftigkeit, Liebefähigkeit, Freiheit für sich und die anderen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dank der Losgelöstheit des Gedankenorganismus vom physischen Leib hat das Ich als denkendes Wesen auch die Möglichkeit, von sich selbst abzusehen und anderes in den Mittelpunkt seines Interesses zu stellen. Das ist die Voraussetzung für Selbstlosigkeit, die sich das Ich auf dem Erkenntnisweg erarbeiten kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese wenigen Andeutungen können verständlich machen, warum in einer Zeit, in der menschliche Beziehungen so starken Belastungen ausgesetzt sind und vielfach im gegenseitigen Unverständnis und Sich-nicht-ertragen-Können auseinanderbrechen, auch die Ich-Kraft und das damit verbundene Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl eine immense Schwächung erfahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Begabungen und Behinderungen“, 8. Kapitel, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2004&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== BLUT, NERV UND WESENSGLIEDER[1] ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielen die Wesensglieder bei Bildung und Funktion von Blut- und Nervensystem?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welcher Regie folgen sie?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen inneren Zusammenhang haben Blut und Knochen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;A Blutbildung und die Rolle der Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das erste funktionsfähige Organsystem im werdenden Embryo ist das Herz-Kreislauf-System. Es entsteht aus dem konfluierenden Zusammenwachsen der ab der dritten Woche entstehenden Blutinseln im intra- und extraembryonalen Bindegewebe – auch der in Bildung begriffenen Plazenta – und stellt so die Ernährung des Embryos sicher. Diese Blutinseln bestehen aus Plasma (Wasser, Nährstoffe, Elektrolyte, Mineral- und Schutzstoffe) sowie aus weißen und roten Blutzellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner und Ita Wegman schildern im ersten Absatz von Kapitel VI von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[2]&#039;&#039; die Blutbildung in Fortsetzung der Nahrungsaufnahme. Dabei handelt es sich um einen konsekutiv-ganzheitlichen Blutbildungsprozess, bei dem die Wesensglieder nacheinander – unter der Gesamtregie der Ich-Organisation[3] – ihren Haupteinfluss geltend machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== • Physischer Leib und Verdauungssekretion ====&lt;br /&gt;
Diese ist eine bewusste durch die Sinnestätigkeit des Schmeckens, Riechens und Schluckens begleitete Tätigkeit. Die dadurch angeregte Mobilisierung von Speichel, Magen- und Pankreassekreten beeinflussen dann nachhaltig die weiteren – unbewussten – Verdauungsprozesse. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== • Astralleib und Blutbildung in den inneren Organen ====&lt;br /&gt;
Bei der weiteren Blutbildung im Bereich der inneren Organe tritt die Tätigkeit des astralischen Leibes in den Vordergrund. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== • Ätherleib und roter Blutfarbstoff ====&lt;br /&gt;
Beim Aufbau des roten Blutfarbstoffs für die Sauerstoffaufnahme hat der Ätherleib seine Haupttätigkeit. In diesem Zusammenhang ist interessant, dass die Chlorophylle, die bei der Pflanze durch die energetische Lichtaufnahme entstehen, in ihrer biochemischen Struktur den Häm-Molekülen im Farbstoff der roten Blutkörperchen sehr ähnlich sind. Anstelle des Eisenions als Zentralatom, das den Sauerstoff aus der Atemluft lose bindet und dem Blut seine rote Farbe gibt, steht im Chlorophyll das Magnesium-Ion im Zentrum.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== • Ausatmung von Kohlendioxid als Endpunkt der Blutbildung ====&lt;br /&gt;
Als letzter Akt des Blutbildungsprozesses wird dann die Ausatmung des Kohlendioxids genannt, die hauptsächlich über die Atemluft erfolgt. Dabei spielen die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) eine ebenso zentrale Rolle wie bei der Sauerstoffaufnahme. Sie können das aus den Abbauprozessen im Körper (sogenannte Zellatmung) stammende Kohlendioxid ebenso am Häm-Molekül binden wie den Sauerstoff aus der Luft. Die Menge der Aufnahme und Abgabe ist vom jeweiligen Partialdruck der Gase abhängig. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Regulierung des Kohlendioxidgehaltes des Blutes hat auch Einfluss auf die Funktion des Gehirns. Kohlenstoff ist ja die Gerüstsubstanz aller Lebewesen und Zentralelement der Biochemie – ganz gleich, ob es sich um Fette, Kohlenhydrate, Eiweiße, Vitamine oder Enzyme handelt. Sie alle haben ein Kohlenstoffgerüst. Entsprechend ist auch das Calciumcarbonat als Salz der Kohlensäure wesentlicher Gerüststoff für den Knochenbau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über diese fundamentalen Grundkenntnisse hinausgehend beschreiben die Autoren die notwendige Präsenz der Kohlensäure im Gehirn, um dort die für das Denken und Wahrnehmen nötige Neigung zu erzeugen, &#039;&#039;„ins Leblose, Unorganische überzugehen“[5].&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;B Bildung des dreigliedrigen Nervensystems und Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Bildung des Nervensystems verläuft im Gegensatz zu dem eben Dargestellten in dreifacher Weise verschieden. Das Nervensystem ist von vornherein – ebenfalls ab der dritten Embryonalwoche – dreigliedrig veranlagt und dient im reifen Zustand der Entfaltung von drei verschiedenen Bewusstseinszuständen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wachbewusstsein&#039;&#039;&#039; (Gehirn und Sinnesorgane),&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Traumbewusstsein&#039;&#039;&#039; (Rückenmark, Hirnstamm)&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Schlafbewusstsein&#039;&#039;&#039; (vegetatives Nervensystem).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Vegetatives Nervensystem und Ätherleib ====&lt;br /&gt;
Das vegetative Nervensystem dient dem Ätherleib zur unbewussten Wahrnehmung der Vorgänge im Organismus. Astralische und Ich-Organisation können hier nicht innerlich organisierend, sondern – so die Autoren – nur ‚von außen‘ auf dieses einwirken. Deswegen braucht das vegetative Nervensystem für seine Gesundheit ein positiv-harmonisch gestimmtes Gefühlsleben (Astralleib) und eine entsprechende Identität (Ich-Organisation). D.h. für die Gesunderhaltung des Vegetativums braucht es die im Sinne der heutigen Salutogenese[6] und der Mindful-Stress-Reduction-Techniken[7] der Gegenwart ein positives Kohärenzgefühl mit Bezug auf die jeweiligen Lebensereignisse. Rudolf Steiner und Ita Wegman betonen: &#039;&#039;„Affekte und Leidenschaften haben eine dauernde, bedeutsame Wirkung auf den Sympathikus. Kummer, Sorgen richten dieses Nervensystem allmählich zugrunde.“[8]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Rückenmark, Hirnstamm und Astralleib ====&lt;br /&gt;
Das Rückenmark mit seiner reflektorischen Tätigkeit dient dem Astralleib als Instrument des instinktiv-fühlenden Reagierens auf alles, was seelisch erlebt wird. 3. Gehirn, Sinne und Ich-Organisation Die 12 Gehirnnerven hingegen dienen primär der Ich-Organisation zur bewussten Wahrnehmung.[9] Menschliche Gesamtgestalt durch Zusammenwirken von AL und Ich So ist die Gesamtgestalt des Menschen ein Bild des Zusammenwirkens von astralischer und Ich-Organisation. In Abs. 6 wird dies so formuliert: &#039;&#039;„Man wird das Gehirn des Menschen nur begreifen, wenn man in ihm die knochenbildende Tendenz sehen kann, die im allerersten Entstehen unterbrochen wird. Und man durchschaut die Knochenbildung nur dann, wenn man in ihr eine völlig zu Ende gekommene Gehirn-Impulswirkung erkennt, die von außen, von den Impulsen des mittleren Organismus, durchzogen wird, wo astralisch bedingte Nervenorgane mit ätherisch bedingter Blutsubstanz zusammen tätig sind.“[10]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Das Blut, das im Inneren der platten Knochen gebildet wird, stellt das unmittelbar schöpferische &#039;&#039;&#039;Instrument der Ich-Organisation&#039;&#039;&#039; dar, das Skelett dagegen ihren im physischen Organismus zum Abschluss gekommenen äußeren Ausdruck. &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Instrument der astralischen Organisation&#039;&#039;&#039; hingegen ist das Nervensystem, das von der Ich-Organisation zum Träger des individuell-autonomen Selbstbewusstseins – im Unterschied zum Tier – umgebildet werden muss (‚herausgehoben‘, wie es in Kapitel V[11] hieß).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher muss beim Gehirn als Träger des menschlichen Wachbewusstseins die knochenbildende Tendenz – d.h. die Hinneigung zum Toten, Mineralischen, auf die sich physiologisch die Ich Organisation stützt,[12] – ‚leise‘ zugrunde liegen. In seinen Prager Vorträgen über &#039;&#039;„Okkulte Physiologie“&#039;&#039; von 1911 hatte Rudolf Steiner diesen Sachverhalt so formuliert: &#039;&#039;„Insofern unser Ich als bewußtes Ich auftritt, hat es zum Werkzeug das Blutsystem, insofern unser Ich vorgebildet ist als Form und Gestalt, liegt ihm zugrunde ein kosmisches Kraftsystem, das hindrängt zur festen Gestaltung, das sich am dichtesten zum Ausdruck bringt in unserem Knochensystem.“[13]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[14]&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Für dieses Kapitel verdanke ich Branko Furst – Associate Professor, Department of Anaestesiology, Albany Medical College, Albany/USA – wertvolle Hinweise (vgl. Furst [2014]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner und Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Vgl. FN 2, S. 33 u. 35: &#039;&#039;„Indem die Blutbildung in der Fortgestaltung der aufgenommenen Nahrungsstoffe erfolgt, steht der ganze Blutbildungsvorgang unter dem Einfluss der Ich-Organisation.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Vgl. Heldt und Piechulla (2014).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Siehe FN 2, S. 34.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Vgl. Antonovsky (1997); Wydler u. a. (2000). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Vgl. Dobos (2019).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] I: Riechen. II–IV: Sehen. V: Kauen. VI: Augenbewegung, Pupillenmotorik, Gesichtssensibilität. VII: Mimik, Gesichtsnerv. VIII: Hören, Gleichgewicht. IX: Zunge, Rachen, Schlucken. X: Hauptnerv des Parasympathikus, Regulation der inneren Organe. XI: Kopfdrehung, Schulterhebung. XII: Zungenbewegung. Sie sind entweder direkt bestimmten Hirnregionen (I und II) eigen oder entspringen aus umschriebenen Hirnnervenkernen, die spezialisierte Nervenzellansammlungen sind, die somatomotorische, somatosensible, sensorische bzw. vegetative Fasern enthalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Siehe FN 2, S. 35.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Von: FN 2.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Ebenda, S. 48.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Eine okkulte Physiologie,&#039;&#039; GA 128, S. 139 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== WÄRME, BLUT UND ICH-ORGANISATION ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern ist das Blut ein wesentliches Tätigkeitsfeld des inkarnierten Ich-Anteils, der Ich-Organisation?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern ist Wärme ein Ausdruck des Wirkens der Ich-Organisation?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche drei Ich-Anteile beschreibt Rudolf Steiner?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;A Wärme, Ich-Anteile und Blut&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Da Wärme ausstrahlend ist, immateriell, und folglich auch in sich keine Grenzen hat, bedarf es der Inkarnation dieser Wärmegesetzlichkeit in einen begrenzten Leib, damit sich dadurch ein abgegrenztes, autonomes Selbstbewusstsein bilden kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Diesen Anteil nennt Steiner &#039;&#039;&#039;Ich-Organisation.&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* Davon zu unterscheiden ist &#039;&#039;&#039;das ewige Ich&#039;&#039;&#039;, das von Erdenleben zu Erdenleben durch verschiedene Verkörperungen hindurch zunehmend Bewusstsein von seiner ewigen Natur bekommen kann, indem es sich gemäß seiner Schicksalsgegebenheiten immer wieder neu seine Wesensglieder bildet und seiner menschlichen Identität vergewissert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wärme steht an der Grenze zwischen dem Materiellen und dem Nichtmateriellen.[1] Zwischen dem rein geistigen ewigen Ich, das sich nach Steiner nicht inkarniert und dem materiell fassbaren Blutorgan, in dem die sich inkarnierende Ich-Organisation ganz und gar tätig ist, liegt die regulierende Wirkung der geistigen, seelischen und physischen Wärme. So wie sich nach anthroposophischem Verständnis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die physische Organisation auf den &#039;&#039;&#039;festen Aggregatzustand&#039;&#039;&#039; stützt, &lt;br /&gt;
* die ätherische auf den &#039;&#039;&#039;flüssigen&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* die astralische auf die &#039;&#039;&#039;Luft&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* so die Ich-Organisation auf die &#039;&#039;&#039;Wärme&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Blut kommt über das Eng- und Weitstellen der arteriellen Blutgefäße eine wichtige Rolle in der Wärmeregulation zu. In der und durch die Wärme ist die Ich-Organisation in der gesamten Konstitution tätig und sorgt im Blut dafür, dass das Blut &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* weder &#039;&#039;&#039;zu stark gerinnt&#039;&#039;&#039;, so dass Blutgerinnsel entstehen können, &lt;br /&gt;
* noch, dass es &#039;&#039;&#039;zu flüssig wird&#039;&#039;&#039;, wie dies bei der Bluterkrankheit (Hämophilie) oder sekundär bei Gerinnungsfaktormangel infolge der Verbrauchskoagulopathie (DIC) der Fall ist.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;B Dreifacher Ich-Begriff und Blutbildung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Anknüpfend an einen aristotelischen Denkansatz formuliert Steiner seinen Ich-Begriff: &#039;&#039;„Wenn wir das Ich im reinen Gedanken fassen, dann sind wir in einem Zentrum, wo das reine Denken zugleich essentiell sein materielles Wesen hervorbringt. Wenn Sie das Ich im Denken fassen, so ist ein dreifaches Ich vorhanden:&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;ein reines Ich&#039;&#039;&#039;, das zu den Universalen &#039;&#039;&#039;‚ante rem‘&#039;&#039;&#039; gehört,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;ein Ich, in dem Sie drinnen sind,&#039;&#039;&#039; das zu den Universalien &#039;&#039;&#039;‚in re‘&#039;&#039;&#039; gehört,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;und &#039;&#039;&#039;ein Ich, das Sie begreifen,&#039;&#039;&#039; das zu den Universalien &#039;&#039;&#039;‚post rem‘&#039;&#039;&#039; gehört.[3]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Aber noch etwas ganz Besonderes ist hier: für das Ich verhält es sich so, daß, wenn man sich zum wirklichen Erfassen des Ich aufschwingt, diese drei ‚Ichs‘ zusammenfallen. Das Ich lebt in sich, indem es seinen reinen Begriff hervorbringt und im Begriff als Realität leben kann. Für das Ich ist es nicht gleichgültig, was das reine Denken tut, denn das reine Denken ist der Schöpfer des Ich. Hier fällt der Begriff des Schöpferischen mit dem Materiellen zusammen, und man braucht nur einzusehen, daß wir in allen anderen Erkenntnisprozessen zunächst an eine Grenze stoßen, nur beim Ich nicht: dieses umfassen wir in seinem innersten Wesen, indem wir es im reinen Denken ergreifen [...] Es ist also in dem durch einen reinen Denkakt erfaßten und damit zugleich geschaffenen Ich etwas vorhanden, durch das wir die Grenze durchdringen, die für alles andere zwischen Form und Materie gesetzt werden muß.“[4]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Schritte der Blut- und Organbildung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der hier in dreifacher Weise gefasste Ich-Begriff findet sich in der Beschreibung der Blutbildung wieder, wie sie Rudolf Steiner und Ita Wegman im Kapitel VI von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[5]&#039;&#039; beschreiben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Nahrungsmittel („post rem“) werden aus der Umwelt aufgenommen &lt;br /&gt;
* und von den rein geistigen Wesensglieder-Formkräften („ante rem“) ergriffen,&lt;br /&gt;
* die den Umwandlungsprozess in einen neuen „in re“-Zusammenhang ermöglichen: das menschliche Blut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch wird es zum schöpferischen, organbildenden Instrument der Ich-Organisation. Dass vom Blut alle Organbildung ausgeht, zeigen die Phänomene der Organbildung während der Embryonalentwicklung. Indem Blutgefäße in ein bestimmtes Gewebe einsprossen und die für Wachstum und Entwicklung notwendigen Ernährungsprozesse ermöglichen, wird auch die Zellproliferation des betreffenden Organgewebes induziert. Durch die dann einsprossenden Nerven wird die Differenzierung zu den organspezifischen Zellen angestoßen. Begleitet werden diese beiden Prozesse jedoch stets durch einen dritten regulierenden Prozess, der für die adäquate Integration in den Gesamtorganismus sorgt.[6]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die astralische Organisation als Träger von Bewusstseinsprozessen, welche beim Menschen als selbstbewusster Wachzustand, Traum- und unbewusstes Schlafbewusstsein auftreten, erfordern eine dementsprechende dreigliedrige Organanlage des Nervensystems und damit auch des ganzen Organismus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[7]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Brücke zwischen der Weltgeistigkeit und dem Physischen des Menschen. Die Suche nach der neuen Isis, der göttlichen Sophia. Der Mensch in seinem Zusammenhang mit dem Kosmos, Band II.,&#039;&#039; GA 202, Vortrag vom 17.12.1920; Penter (2021), 333–348.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Vgl. Kuehn (2022), 36–42.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Formatierung und Hervorhebung von K. Offenborn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Philosophie und Anthroposophie. Gesammelte Aufsätze,&#039;&#039; GA 35, 102f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27, Kap. VI.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Vgl. Rohen und Lütjen-Drecoll (2022).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DAS BLUT ALS INSTRUMENT DES ICH ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern kann das Blut als Instrument des Ich bezeichnet werden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielt das Eisen für die Gesundung des Blutes?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie verhält sich das Blut zum Physischen und wie zum Ätherischen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Selbstheilungskräfte aus dem Blut&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel VII von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; werden die Selbstheilungskräfte nicht mit Blick auf ihre Funktion als körperliche Schutz- und Abwehrmechanismen des Immunsystems geschildert. Vielmehr werden sie als diejenigen Kräfte dargestellt, die dem Blut innewohnen, das den dreigliedrigen Organismus versorgt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* einerseits in Form der &#039;&#039;&#039;weißen Blutzellen&#039;&#039;&#039;, die für die körperliche Abwehr verantwortlich sind, &lt;br /&gt;
* insbesondere aber auch in Form der &#039;&#039;&#039;Tätigkeit der roten Blutkörperchen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* und der &#039;&#039;&#039;übrigen Bestandteile des Blutes&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Blut als Ganzes ist als Instrument der Ich-Organisation Träger der Selbstheilungskräfte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Warum das Blut Eisen braucht&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dieses Thema wird im dritten Vortrag des &#039;&#039;Ärzte-Kurses von 1920[2]&#039;&#039; eingehender erläutert. Dort wird die Frage: &#039;&#039;‚Warum braucht das Blut das Eisen?‘&#039;&#039; eine Kardinalfrage der ganzen medizinischen Wissenschaft genannt. Rudolf Steiner erläutert:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Das Blut braucht das Eisen nämlich. [...] Das Blut ist einfach durch seine eigene Wesenheit krank und muß fortwährend kuriert werden durch den Eisenzusatz. Das heißt, wir haben in dem Prozesse, der in unserem Blute sich vollzieht, einen fortwährenden Heilungsprozess in uns tragend. Will der Arzt durch der Natur Examen gehen [ein Ausdruck des Paracelsus], so muss er vor allen Dingen nicht einen schon abnormen Prozeß der Natur betrachten, sondern einen normalen Prozeß. Und der Blutprozeß ist sicher ein normaler, aber er ist zu gleicher Zeit ein solcher, wo fortwährend die Natur selbst heilen muß, wo fortwährend die Natur durch das zugesetzte Mineral, durch das Eisen heilen muss. So daß wir, wenn wir uns graphisch darstellen wollten dasjenige, was mit dem Blute geschieht, sagen müssen: Dasjenige, was das Blut durch seine eigene Konstitution ohne das Eisen hat, ist eine Kurve oder eine Linie die abwärts führt und die ankommen würde zuletzt bei der vollständigen Auflösung des Blutes, während dasjenige was das Eisen im Blute bewirkt, es fortwährend aufwärts führt, es fortwährend heilt. Wir haben in der Tat da einen Prozeß, der ein normaler ist und der zu gleicher Zeit ein solcher ist, der nachgebildet werden muss, wenn wir überhaupt an Heilungsprozesse denken wollen. Da können wir wirklich durch der Natur Examen gehen, denn da sehen wir, wie die Natur Prozesse vollführt, indem sie dasjenige, was außermenschlich ist, das Metall mit seinen Kräften, dem Menschlichen zuführt. Und wir sehen zu gleicher Zeit, wie dasjenige, was im Organismus unbedingt bleiben will, wie das Blut, [...] geheilt werden muß; dasjenige, was aus dem Organismus herausstrebt, wie die Milch, daß das nicht geheilt zu werden braucht, sondern daß das, wenn es Bildekräfte enthält, in gesunder Weise diese Bildekräfte in den anderen Organismus überführen kann. Das ist eine gewisse Polarität, und ich sage: eine gewisse, nicht eine ganze Polarität zwischen dem Blute und der Milch, die aber ins Auge gefasst werden muß, denn man kann daran eben sehr viel studieren.“[3]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Das Blut in seinem Verhältnis zum Physischen und zum Ätherischen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In den 2020 erschienenen Studienkommentaren zum medizinischen Werk Rudolf Steiners gehen die Herausgeber auch dieser Frage nach und suchen einer Beantwortung näherzukommen, wie diese Passage zu verstehen ist. Sie beziehen dabei auch die vorbereitenden Notizen Rudolf Steiners ein, die inzwischen in der Neuherausgabe zum 100-jährigen Jubiläum des Kurses in diesen integriert worden sind. Genauer notierte sich Steiner in seinen vorbereitenden Notizen: &#039;&#039;„Das Blut [...]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;hat abgestoßen die physischen Bildekräfte&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;und wirkt durch die an es gebundenen ätherischen.“&#039;&#039; [4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== @ Abstoßung physischer Bildekräfte ====&lt;br /&gt;
Unter Abstoßung physischer Bildekräfte im Blut kann zunächst an den Zellkernverlust der Erythrozyten – die immerhin ‚den Hauptbestandteil des Blutes‘ darstellen – gedacht werden. Denn mit der Abstoßung des zellulären Erbguts und der Mitochondrien während des Reifungsprozesses verliert der Erythrozyt insofern seine ‚äußere Bildungsfähigkeit‘, als eine Zellteilung d.h. Fortpflanzung bzw. ein kernvermittelter Stoffwechsel durch diese Abstoßung nicht mehr möglich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== @ Wirkung der ätherischen Kräfte im Flüssigen ====&lt;br /&gt;
Die Distanzierung des Blutes von den Kräften der physischen Gestaltbildung zeigt sich aber auch in der durchwegs flüssig-viskösen Form des Blutplasmas, die sich in der hohen Verformbarkeit der zellulären Elemente fortsetzt. An den flüssig-beweglichen Aggregatzustand ist zudem die Wirkung der lebendigen Bildekräfte gebunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Gerinnung des Blutes durch Berührung mit dem Physischen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Bei einer Berührung des Blutes mit der physischen Außenwelt kommt es bekanntlich unmittelbar zur Gerinnung, ein Phänomen, welches der Physiologe &#039;&#039;Thomas H. Huxley&#039;&#039; in dem von Steiner gut studierten Lehrbuch wie folgt anführt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Berührung mit nicht lebendem Stoffe beschleunigt die Gerinnung. Daher gerinnt das Blut, welches in eine Schüssel gelassen wird, zuerst da, wo es mit den Wänden der Schüssel in Berührung kommt; und ein Draht, in eine lebende Vene gesteckt, bedeckt sich mit Fibrin, trotzdem vollkommen flüssiges Blut ihn umgibt [...] Andererseits verzögert oder vermindert unmittelbare Berührung mit lebendigem Stoffe die Gerinnung des Blutes. So bleibt Blut sehr lange flüssig in einem Stück Vene, welches an beiden Enden zugebunden ist.“[5]&#039;&#039; [...] Diese Kardinalfrage, &#039;&#039;„was hinter der Erscheinung des Blutes verborgen liegt“&#039;&#039;[6], &#039;&#039;„was als geistige Wesenheit hinter dem Blut liegt“[7]&#039;&#039;, durchzieht das gesamte Vortragswerk Steiners bis in kulturelle, mythologische und religiöse Zusammenhänge.[8]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Blut als äußeres Werkzeug des Ich&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der &#039;&#039;„Okkulten Physiologie“&#039;&#039; lesen wir dazu: &#039;&#039;„Wie das Urbild zu seiner Offenbarung, zu seinem Abbild [...] müssen wir das Blut als äußeres Werkzeug für das Ich ansehen, für alles, was wir als unser innerstes Seelenzentrum, das Ich, bezeichnen.“[9]&#039;&#039; In seinem Vortrag &#039;&#039;„Blut ist ein ganz besonderer Saft“&#039;&#039; von 1906, in dem Rudolf Steiner an den gleichlautenden Ausspruch des Mephistopheles im Faust anknüpft, heißt es dazu:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Das Blut erfährt durch [...] Sauerstoffaufnahme eine Erneuerung. Dasjenige Blut, welches das menschliche Innere gleichsam dem hereinströmenden Sauerstoff anbietet, ist eine Art von Giftstoff für den Organismus, eine Art Vernichter und Zerstörer. Dieses blaurote Blut wird umgewandelt durch Aufnahme von Sauerstoff, durch eine Art Verbrennungsprozess, in rotes, lebensschaffendes Blut. Dieses Blut, das in alle Teile des Körpers dringt, in allen Teilen des Körpers die Ernährungsstoffe ablagert, hat die Aufgabe, die Stoffe der Außenwelt unmittelbar in sich aufzunehmen und auf dem kürzesten Wege zur Ernährung des Wesens zu verwenden. Der Mensch und die höheren Tiere haben nötig, erst diese Ernährungsstoffe in das Blut überzuführen, das Blut zu bilden, den Sauerstoff der Luft in das Blut aufzunehmen und den Körper durch das Blut aufzubauen und zu erhalten. [...] Im Blute ist also ein wirklicher Doppelgänger des Menschen vorhanden, der ihn fortwährend begleitet, aus dem er fortwährend seine neuen Kräfte schöpft und an den er dasjenige, was er nicht mehr braucht, abgibt. [...] Wie durch das Gehirn die Außenwelt verinnerlicht wird, so wird durch das Blut diese Innenwelt in dem Leib des Menschen zu einem äußeren Ausdruck umgeschaffen. [...] Im Blute liegt das Prinzip für die Ich-Werdung. Ein Ich kann nur da zum Ausdruck kommen, wo ein Wesen die Bilder, die es von der Außenwelt erzeugt, in sich selbst zu gestalten vermag. Ein Ich-Wesen muß fähig sein, die Außenwelt in sich aufzunehmen und innerhalb seiner selbst wieder zu erzeugen. Hätte der Mensch bloß Gehirn, so könnte er nur Bilder der Außenwelt in sich erzeugen und in sich erleben; er würde dann zu sich nur sagen können: die Außenwelt ist in mir als Spiegelbild noch einmal wiederholt; kann er aber diese Wiederholung der Außenwelt zu einer neuen Gestalt aufbauen, dann ist diese Gestalt nicht mehr bloß die Außenwelt: sie ist ‚Ich‘.“[10]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[11]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27, Kap. VII.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaft und Medizin,&#039;&#039; GA 312.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Siehe FN 2, S. 71f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Formatierung K. Offenborn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Huxley 1910, 75.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Erkenntnis des Übersinnlichen in unserer Zeit und deren Bedeutung für das heutige Leben,&#039;&#039; GA 55, S. 41.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Ebenda, S. 42.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Heusser u. a. (2020), 423–425.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Eine okkulte Physiologie,&#039;&#039; GA 128, S. 39.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Siehe FN 6, S. 43–57.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== KNOCHENBILDUNG UNTER DER FÜHRUNG DER ICH-ORGANISATION ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist die Rolle der Ich-Organisation im Rahmen der Wesensgliedertätigkeit?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Tätigkeiten obliegen der Ich-Organisation bei der Knochenbildung ab der Embryonalentwicklung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Warum ist ein gesundes Maß an Schlaf wichtig für uns?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Knochenbildung als Beispiel&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Am Beispiel der Knochenbildung – dem weitesten Weg, den ein Organ bzw. Organsystem bei seiner Bildung zu durchlaufen hat – schildern Rudolf Steiner und Ita Wegman in Kapitel XII von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; die Aufbau-Tätigkeit der Wesensglieder von der Embryonalentwicklung an.[2] Die Knochenbildung beginnt als ein multifokales embryonales Entwicklungsgeschehen, das im Skelett des Erwachsenen gipfelt, als der aufrechten Menschengestalt, dem physischen Abbild des Ich[3] oder im Sinne der Bibel in der Gottebenbildlichkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So komplex die Zusammenhänge auch sind, die in den 13 Absätzen von Kapitel XII beschrieben werden, so klar und systematisch erscheint der Aufbau. Zwanzigmal wird das Wort ‚Ich-Organisation‘ genannt, als die für den Grad des jeweils erforderlichen Aufbau- und Abbaugeschehens verantwortliche Instanz, der sich die Gesetzmäßigkeiten des physischen, ätherischen und astralischen Wirkbereichs unterordnen (müssen). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zehn „Tätigkeiten“ der Ich-Organisation bei der Knochenbildung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dabei werden zehn Prozessschritte in Betracht gezogen, die die Tätigkeit der Ich-Organisation kennzeichnen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Abscheiden unorganisch fester Substanz ====&lt;br /&gt;
Dieses Abscheiden des Festen aus dem halbflüssigen Zustand des embryonalen Ernährungsangebots und deren Eingliederung in den eigenen Ätherleib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Differenzierung der verschiedenen Organanlagen ====&lt;br /&gt;
Körpereigenes Eiweiß – Domäne des Ätherischen – wird zur Aufnahme von Luft und den damit verbundenen astralischen Gesetzmäßigkeiten gebracht. Der dadurch impulsierte Kohlenstoffmetabolismus ermöglicht die Differenzierung der verschiedenen Organanlagen aus der &#039;&#039;„noch undifferenzierten Organsubstanz“&#039;&#039;, wobei der Verzicht auf ‚perfekt-tierische Differenzierung‘ von der Ich-Organisation &#039;&#039;„gewissermaßen aufgesetzt“&#039;&#039; wird.[4] Man kann das Wort ‚aufsetzen‘ bildlich als ‚Krone aufsetzen‘ deuten – es steckt hier aber auch die Qualität des ‚sich Durchsetzens‘ darin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Differenzierte Handhabung von Wärme ====&lt;br /&gt;
Die Wirkmacht der Ich-Organisation beruht auf ihrer Herrschaft über den Wärmezustand, den sie differenziert handhaben kann: &#039;&#039;„Diese Ich-Organisation lebt ganz in Wärmezuständen. Sie holt aus der allgemeinen Astralwesenheit die einzelnen Organe heraus. Sie betätigt sich dabei an der allgemeinen, durch das Astralische herbeigeführten Substanz so, dass sie den Wärmezustand eines sich vorbereitenden Organs entweder erhöht oder vermindert.“&#039;&#039; [5] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Verminderung von Wärme ====&lt;br /&gt;
Verminderung von Wärme führt zur Aufnahme von Salzsubstanzen.[6]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Erhöhung von Wärme ====&lt;br /&gt;
Erhöhung von Wärme dient der Auflösung von Organischem.[7]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 6. Erkrankung als Regulationsmöglichkeit ====&lt;br /&gt;
Möglichkeiten zu erkranken, wenn der Organismus nicht genügend Wärme für ein Organgebiet zur Verfügung stellen kann, und dieses daher zu verhärten droht; oder, wenn ein Organ fertig ausgebildet ist, die Dynamik zwischen Organgebrauch und dessen Regeneration gestört ist.[8]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 7. Arteriosklerose als notwendiges „&#039;&#039;Austreiben der Ich-Organisation“&#039;&#039; ====&lt;br /&gt;
Das Krankheitsbild der Arteriosklerose ist die Folge eines solchen &#039;&#039;„Austreibens der Ich-Organisation“&#039;&#039; aus einem Organ, das nicht verhärten soll, sondern zwischen Flüssigem und Luftförmigen in den Prozessen der Auflösung gehalten werden muss.[9]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 8. Abkühlung zur Drosselung des Astralischen ====&lt;br /&gt;
Mögliche Gestaltmissbildungen treten auf, wenn es der Ich-Organisation nicht gelingt, den für dieses Organgebiet notwendigen Abkühlungsgrad zu erreichen. Dann setzen sich im astralischen Wirkbereich der eine oder andere mögliche Gestaltbildungsprozess durch. Als Beispiel werden rachitische Erkrankungen genannt, d.h. ganz generell Knochenstoffwechselstörungen, zu denen maßgeblich auch die Osteoporose gehört.[10]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 9. Integration von Ausscheidungsprodukten ====&lt;br /&gt;
Hier geht es um die Biochemie der exokrinen und endokrinen Drüsenerzeugnisse. Diese werden als differenzierte Absonderungs- und Ausscheidungsprodukte der astralischen Tätigkeit geschildert, die von der Ich-Organisation in das Ganze integriert und reguliert werden müssen im Sinne des &#039;&#039;„Nichts zu viel und nichts zu wenig“[11]&#039;&#039;– der Ur-Tugend des Maßhaltens, des Gleichgewichtwahrens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Verrichtung dieser Tätigkeiten liegt etwas, das der Organismus für seinen Bestand braucht. Diese Tätigkeit ist ebenso notwendig, wie diejenige, die Stoffe in den Organismus aufnimmt oder in ihm ablagert. Denn in dem gesunden Verhältnis der beiden Tätigkeiten liegt das Wesen der organischen Wirksamkeit.[12]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 10. Regulation von Harnsäure, die dem bewussten Denken dient ====&lt;br /&gt;
Der letzte Absatz widmet sich nochmals der Harnsäure. Sie steht als Ausscheidungsprodukt unter der Herrschaft des Astralleibes. Ihre Regulation hingegen – dass nicht zu viel und nicht zu wenig ausgeschieden wird – hängt von der Kompetenz der Ich-Organisation ab, insbesondere bei einer Substanz, die &#039;&#039;„bis zum Unorganischen getrieben“&#039;&#039; ist,[13] d.h. Kristalle bilden kann, wie die Harnsäure, die dem bewussten Denken dient.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Gesundes Schlafmaß als Aufgabe&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Daher ist der dem Ausscheidungsvorgang entgegengesetzte ‚Gegendruck‘ wichtig für die gesunde Regelung des Schlaf-Wach-Rhythmus. Dieser Gegendruck hat sein physiologisches Korrelat in der Rückresorption von 90 % der Harnsäure aus dem glomerulären Primärfiltrat der Nieren, wie in der Einleitung zu Kapitel XI erwähnt wurde. &#039;&#039;Otto Wolff&#039;&#039; weist in dem Zusammenhang auf zwei Experimente hin, die von anthroposophischen Ärzten durchgeführt wurden. Sie konnten einen Harnsäureanstieg im Urin feststellen nach einer bestimmten Zeit mathematischen Denkens.[14] Ein mögliches Zeichen für die verstärkte Denktätigkeit der Ich-Organisation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der zum Schluss angeführte Schlaf, als die Voraussetzung für die Erhaltung der Gesundheit, wird damit auch zu einer Aufgabe für den individuellen Menschen, sein Schlafmaß im Einklang mit den Erfordernissen seines wachen Tageslebens zu regeln. Mit langem und kurzem Schlaf ist hier nicht irgendeine statistisch zu empfehlende mittlere Schlafdauer gemeint, sondern die Fähigkeit des Organismus, sich rundum zu erholen.[15]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[16]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27, Kap. VII.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ähnliches gilt natürlich für die Entwicklung aller Organsysteme. Was Biologen und Biochemiker bis heute immer weiter im Detail erforschen – das Wesen der Organmatrix –, wird hier als die &#039;&#039;„allgemeinere Substanz“&#039;&#039; bezeichnet, &#039;&#039;„aus der heraus alle die einzelnen Organe des Körpers gebildet werden können“ (S. 60).&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Siehe FN 1, S. 59.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Ebenda, S. 60.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Siehe FN 1, Kap. XII, Abs. 6.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Ebenda, Abs. 7, 8.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Ebenda, Abs. 9.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Siehe FN 1, S. 61f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Ebenda, S. 62f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Ebenda, S. 63.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] Vgl. Wolff (2013), 284.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[15] Vgl. Girke (2017), 4–12; Fintelmann (2017), 18–25.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[16] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== BEDEUTUNG VON HARNSÄURE IN BLUT UND GEHIRN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was besagt die geisteswissenschaftliche Sicht auf die Harnsäure?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern unterscheidet sich ihr Aufbau bei Mensch und Tier?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche wichtigen Funktionen hat die Harnsäure in Blut und Gehirn?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Geisteswissenschaftliche Sicht auf den Aufbau von Harnsäure beim Menschen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel XI von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; werden neben ihrer Beteiligung an der Entstehung von Gicht weitere Rollen der Harnsäure beschrieben, die sie nur im menschlichen Organismus innehat. Denn im Gegensatz zum Menschen bauen die meisten Säugetiere die Purin-Nukleotide zu Allantoin ab, einer leicht löslichen Substanz, die noch dazu ein gutes Wundheilmittel ist und auch in der Heilpflanze Symphytum vorkommt.[2] Obwohl dieser Abbauweg Tieren problemlos möglich ist, wird das menschliche Purinabbauprodukt, die Harnsäure, vom menschlichen Organismus ‚mühsam‘ in der Leber aufgebaut – und nicht etwa auf einem möglichen einfacheren Weg aus dem ebenfalls in der Leber gebildeten Harnstoff. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus biologischer Sicht ist dies unverständlich – aus geisteswissenschaftlicher Sicht jedoch klar: Wenn es auf die Tätigkeiten im Organismus ankommt und nicht nur auf das Vorhandensein bestimmter Stoffe, dann ist offenbar der Aufbau der Harnsäure und die durch sie mögliche Kristallbildung, z. B. für die gesunde Hirnfunktion, wichtig; aber offenbar auch für eine feine Durchimprägnierung des ganzen Organismus mit dieser fein verteilten Harnsäure.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Anregung des AL durch Harnsäure&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[3]&#039;&#039; heißt es dazu: &#039;&#039;„Nun ist im Organismus der astralische Leib der Vermittler der Tätigkeit der Ich-Organisation für den ätherischen und physischen Leib. Diese muss in die Organe die leblosen Substanzen und Kräfte tragen. Nur durch diese Imprägnierung der Organe mit Unorganischem kann der Mensch das bewusste Wesen sein, das er ist. Organische Substanz und organische Kraft würden das menschliche Bewusstsein zum tierischen herabdämpfen. Der astralische Leib macht durch seine Tätigkeit die Organe geneigt, die unorganischen Einlagerungen der Ich-Organisation aufzunehmen. Er ist gewissermaßen für sie der Wegmacher.“[4]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die Strukturformeln von Koffein und Tein der Harnsäure sehr ähnlich sind – auch sie regen die astralische Organisation an und bewirken neben der Anregung des Bewusstseins auch eine Verstärkung der Urinausscheidung und eine Erhöhung des Blutdrucks. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der menschliche Astralleib arbeitet in gesunder Weise, wenn die Harnsäureausscheidung im Stoffwechselgebiet gelingt und die Imprägnierung mit Unorganischem ausgewogen ist. &#039;&#039;„Es wird wenig Harnsäure ausgeschieden, dafür umso mehr Unorganisches im Sinne der Ich-Organisation eingelagert.“[5]&#039;&#039; Ist das jedoch nicht der Fall, tritt seine Tätigkeit im Gehirn zurück&#039;&#039;.&#039;&#039; Die Harnsäure wird so gesehen zum Indikator dafür, &#039;&#039;„ob zwischen der Ich-Organisation und dem astralischen Leib in irgendeinem Organ oder Organsysteme das rechte Verhältnis besteht.“[6]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wichtige Funktionen von Harnsäure&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Rolle der Harnsäure im Blut – antioxidative Wirkung ====&lt;br /&gt;
Dem Harnsäuregehalt im Blut des Menschen wird &#039;&#039;„eine wichtige Rolle im antioxidativen, nicht-enzymatischen Schutzsystem zuerkannt, weil die chemische Struktur des Moleküls Harnsäure diese zu einem effizienten, wasserlöslichen Radikalfänger macht“.[7]&#039;&#039; Damit ist für die von Steiner beschriebene feine ‚Imprägnierung‘ des gesamten Organismus mit Harnsäure aus naturwissenschaftlicher Sicht ein interessanter Beleg gegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Rolle der Harnsäure im Gehirn – „funktionelles Denksubstrat“ ====&lt;br /&gt;
Inzwischen mehren sich auch Forschungsergebnisse, die den von Rudolf Steiner beschriebenen Zusammenhang von Harnsäurepräsenz im Gehirn und der Denktätigkeit nahelegen.[8] Hier bietet der neue Kontext, in den Rudolf Steiner die Harnsäure stellt, mögliche Anregungen für weitere Forschungsarbeiten. Denn bisher interessierte man sich mit Bezug auf die Denk- und Bewusstseinsvorgänge primär für die Biochemie der Neurotransmitter und die Funktion der verschiedenen Hirnareale – nicht jedoch für Salzbildungsprozesse und Mineralisierungsvorgänge im Nervensystem.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für das anthroposophische Verständnis kommt jedoch in Betracht, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* wo eine bestimmte Substanz im Organismus auftaucht, &lt;br /&gt;
* und ob sie auf dem Aufbau- oder Abbauwege ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn daran entscheidet sich, ob sie mehr dem Leben (Aufbau) oder dem Bewusstsein (Abbau) dient, was in salzartigen Ablagerungen zum Ausdruck kommt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Harnsäure als Denkhilfe&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wolff beschreibt die Bedeutung der Harnsäure so:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Diese liegt offensichtlich nicht auf physiologischem Feld, denn da kann sie nur hinderlich sein im Sinne des Auftretens von Gicht. Vielmehr muss sie mit einer spezifisch menschlichen Fähigkeit, über die das Tier nicht verfügt, zu tun haben – und das ist das Denken. [. . .] Dieses stützt sich auf den Kristallisationsvorgang; daher bezeichnet man es auch – wenn es gekonnt praktiziert wird – als glasklar. Die Folgerichtigkeit der Logik ist notwendigerweise mit irdischen Gesetzmäßigkeiten gekoppelt und deswegen zwingend. Es müssen also Erdenkräfte für diesen Vorgang zur Verfügung stehen. Dazu bedarf es einer Substanz, die aus dem Leben (Ätherleib) stammt und außerdem Bewusstseins-Elemente (Astralleib/Stickstoff) enthält und in den mineralischen Zustand übergehen kann. Diese Bedingungen erfüllt nur eine einzige Substanz, die Harnsäure. Der Zucker z.B. kann wohl kristallisieren, ist aber so leicht löslich, daß er innerhalb des Organismus nicht kristallisieren kann. Alle Eiweiße können zwar ebenfalls in den toten Zustand übergehen, dann aber verhärten sie (z.B. Haare, Nägel), ohne zu kristallisieren. (Dass die ‚Mikrokristalle‘ der Aminosäuren und Enzyme oder der Fette in diesem Sinne keine wirklichen Kristalle sind, wurde im entsprechenden Kapitel ausführlich dargestellt.) Somit kann man sagen: Harnsäure ist das funktionelle Denksubstrat.“[9]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man darf gespannt sein, was eine solche bisher noch nicht vollständig durch valide Forschung verifizierte Arbeitshypothese in Zukunft noch für das Verständnis von Denken und Bewusstsein liefern wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[10]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27, S. 51.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Vgl. Wolff (2013), 280 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27, S. 51.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe FN 1, S. 56.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Siehe FN 1, S. 57.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Löffler (2022), 474. Vgl. auch Cicha (2022).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Vgl. Cicha (2022), 10 und 110, Harnsäurewerte und Einfluss auf die Kognition: 69 Publikationen wurden ausgewertet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Wolff (2013), 282f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== SILIZIUM UND WAHRNEHMUNGSFÄHIGKEIT ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist laut Rudolf Steiner und Ita Wegman die Grundlage aller Wahrnehmungsfähigkeit im menschlichen Organismus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sagt das Zuviel oder Zuwenig von Silizium im Gewebe aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann therapeutisch damit umgegangen werden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Gegenseitige Wahrnehmungsfähigkeit in der Natur&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Heute weiß man, dass Pflanzen mithilfe ihrer Wurzeln über weite Entfernungen miteinander kommunizieren können und dass es ganze Biotope gibt, die sich gegenseitig unterstützen und in gewisser Weise auch voneinander abhängig sind. &#039;&#039;Alexander von Humboldt (1769–1859)&#039;&#039; war einer der ersten, dessen Forschungen und Hypothesen sich in den Sätzen zusammenfassen lassen: &#039;&#039;„Alles ist in Wechselwirkung. Nichts steht für sich allein, ein gemeinsames Band umschlingt die ganze organische Natur.“[1]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So mutet es nahezu selbstverständlich an, wenn gesagt wird, dass auch Zellen miteinander kommunizieren und dass außer den vielfach schon bekannten Rezeptoren für Hormone, Botenstoffe und sonstige Transmittersubstanzen immer mehr Resonanz- und Signalübertragungsmöglichkeiten entdeckt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner und Ita Wegman beschreiben in Kapitel XIV von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[2]&#039;&#039; ebenfalls diese gegenseitige Wahrnehmungsfähigkeit der Organe untereinander: &#039;&#039;„Aber es ist doch der ganze menschliche Organismus von sich gegenseitig beeinflussenden Wahrnehmungen durchzogen und muss es sein, damit alles in ihm gesund zusammenwirkt.“[3]&#039;&#039; Die Tatsache, dass jedes Organ &#039;&#039;„außer dem, dass es dieser oder jener Funktion im Organismus dient, noch Sinnesorgan“ ist,[4]&#039;&#039; sehen die Autoren als Voraussetzung für die Gesundheit des Organismus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Rolle von Silizium im menschlichen Gewebe&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Therapeutisches Denken kann dadurch gelernt werden, dass man sich angesichts einer Pathologie immer auch die Frage stellt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Organfunktion nimmt eine andere zu wenig oder zu stark wahr?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wo kommt es zu einer zu starken Wahrnehmung und damit verbunden zu einer verminderten Wahrnehmung an einem anderen Ort?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grundlage für diese Fähigkeit der adäquaten Abgrenzung einerseits und notwendigen Sensibilität bzw. Wahrnehmungsfähigkeit andererseits ist laut Steiner und Wegman die feinst verteilte Kieselsäure im gesamten Organismus. Fakt ist, dass Silizium in Form der biologisch aktiven Kieselsäure in nahezu jeder Zelle vorkommt. In höherer Konzentration ist es da vorhanden, wo es bindegewebige Strukturen gibt oder eine gewisse Durchsichtigkeit gefragt ist, wie z.B. beim Auge. Bemerkenswert ist in dem Zusammenhang, dass im embryonalen Bindegewebe und bei jungen Kindern der Siliziumgehalt im Gewebe am höchsten ist und im Laufe des Älterwerdens insgesamt abnimmt. Daher wird auch daran geforscht, inwiefern sich bestimmte Formen der Alzheimererkrankung durch rechtzeitige Intervention mit kieselsäurehaltigen Präparaten bessern lassen und inwiefern vorbeugende Maßnahmen angezeigt sind.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Insgesamt besitzt der Organismus 1–2g Silizium, welches damit – neben Eisen und Zink – eines der häufigsten sogenannten Spurenelemente ist.[6] Allerdings kennt man nur bei den beiden erstgenannten deren konkreten biochemisch-physiologischen Wirkmechanismus. Dieser wurde im Hinblick auf die Kieselsäure aus naturwissenschaftlicher Sicht noch nicht entdeckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Gesunde Wahrnehmungsfähigkeit und das richtige Maß&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Es ist der Kieselsäure-Organismus, auf dem die gegenseitige Empfindlichkeit der Organe beruht, die wiederum einer gesunden Lebenstätigkeit zugrunde liegen. Es geht dabei auch um das richtige Verhältnis von&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Innenwahrnehmung&#039;&#039;&#039;, die Seelen- und Geist-Entfaltung betreffend&lt;br /&gt;
* und von &#039;&#039;&#039;Außenwahrnehmung&#039;&#039;&#039; der Naturwirkungen.[7]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesunde Wahrnehmung hängt auch mit einer klaren Entscheidung für ‚Mein‘ und ‚Dein‘, sowie für ‚Ich‘ und ‚Welt‘ zusammen. Dazu gehört&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* einerseits die Fähigkeit, sich klar abzugrenzen,&lt;br /&gt;
* andererseits aber auch sensibel zu bleiben für das Fremde, Andere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese doppelte Fähigkeit ist für die körperliche, seelische und geistige Integrität gleichermaßen notwendig. Sie ist tatsächlich Voraussetzung und Grundlage für Gesundheit in jeder Hinsicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber auch für die Kieselsäure gilt, was in Kapitel XI über die Harnsäure gesagt wird: Sie darf nicht in zu reichem Maße vorliegen. Gut ist, was von der Ich-Organisation vollumfänglich genutzt werden kann. Überschüssige Kieselsäuremengen müssen mithilfe der astralischen Organisation über den Harn oder auf anderen Stoffwechselwegen ausgeschieden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fragen zur Kieselsäure als Nahrungsergänzungsmittel&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Hauptquelle für die Zufuhr von Kieselsäure ist pflanzliche Ernährung. Denn es ist die Kieselsäure, die den Pflanzen eine biegsame Struktur verleiht. Besonders hervorgehoben sei hier der Bambus im asiatischen Raum, der bis zu 30 m hoch werden kann und etwa zu 70 % aus Kieselsäureverbindungen besteht. Der heimische Ackerschachtelhalm weist nur bis zu 10% Kieselsäureverbindungen auf – dafür aber in einer besonderen Form, nämlich nicht als Kieselsäurekristalle, sondern in kolloidaler Opal-Struktur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man jedoch die Kieselsäure als Nahrungsergänzungsmittel einnimmt, sollte man dies immer im Zusammenhang mit einer Mahlzeit tun, da die Kieselsäure am besten aufgenommen wird, wenn sie fein verteilt in der Nahrung vorkommt. Wer nun aber meint, schütterem Haar, schlaffer Haut oder brüchigen Nägeln durch die Einnahme von Kieselsäure beizukommen, sieht sich in der Regel getäuscht. Es ist eben dies genau die Frage:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Genügt es, eine Substanz zu essen, von der man meint oder weiß, dass sie einem an einem bestimmten Ort fehlt oder muss man nicht viel eher danach fragen, wie bzw. auf welchen Wegen diese Substanz dorthin kommt, wo der Mangel herrscht, und wo vielleicht andernorts zu viel davon vorhanden ist?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und was muss man tun, damit hier eine Regulation stattfinden kann und grundsätzlich die Wahrnehmungsfähigkeit der Organe untereinander unterstützt wird, so dass ein ‚Zuviel‘ oder ‚Zuwenig‘ wahrgenommen und ausgeglichen werden kann?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um diese Fragen geht es in Kapitel XIV, sowie um entsprechende therapeutische Antworten. In Absatz 8–14 werden zudem verschiedene Symptome geschildert, an denen ärztlicherseits ein ‚Zuviel‘ oder ‚Zuwenig‘ erkannt werden und in welcher Form die Kieselsäure therapeutisch eingesetzt werden kann.[8] Dabei kommt auch hier einer Schwefelkur eine besondere Bedeutung zu, wie das schon in Kapitel XIII angeführt wurde, weil dadurch „&#039;&#039;die Verteilung der&#039;&#039; &#039;&#039;lokalisierten Kieselsäurewirkung auf den ganzen Organismus“[9]&#039;&#039; gefördert werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[10]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. A. von Humboldt (1803), 27r.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27, Kapitel XIV.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Ebenda, S. 70.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. Gillette-Guyonnet u. a. (2007), 119–124.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Vgl. Ternes (2013); Voronkov u. a. (2022).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Vgl. FN 2, S. 70.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Siehe auch die Ausarbeitungen und Indikationen im Vademecum, bei Anthromedics und im Archiv des Merkurstabs, die eine Fülle therapeutischer Erfahrungen beinhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. FN 2, S. 72.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== SINNES- UND TATENMENSCH ALS INSTRUMENTE DES ICH ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern sind die Sinne und die Gliedmaßen des Menschen Kontaktorgane?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann Schule die Kontaktfähigkeit ihrer Schüler verstärken?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie schult man die eigene Intuitionsfähigkeit?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zweifacher Kontakt mit der Umgebung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der physische Leib tritt auf zweierlei Art mit seiner Umgebung unmittelbar in Kontakt:  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Einmal über die &#039;&#039;&#039;Sinne(sorgane)&#039;&#039;&#039;, durch die die leibfreien Wesensglieder wie hi­naus­gehen und wahrnehmen. &lt;br /&gt;
* Zweitens dienen die &#039;&#039;&#039;Gliedmaßen&#039;&#039;&#039; als Instrumente der Kontaktaufnahme. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann auch sagen, die Kontaktaufnahme geschieht über die Anschauung und die Tat – insofern spreche ich von Sinnes- und Tatenmensch. Das ist aber nicht das Gleiche wie die Einteilung in Nervensinnessystem und Stoffwechsel-Gliedmaßensystem als Teile der Drei­gliederung. Der Sinnes- und der Tatenmensch werden hier als Instrumente des Ich betrachtet, durch das die Drei­glie­derung als Dreiheit in der Einheit verbunden bleibt. Wir fallen nicht pathologisch bzw. psy­chotisch in Denken, Fühlen und Wollen auseinander, sondern wir sind trotz all unserer unterschiedlichen Schwerpunkte in der La­ge, das System als Gesamtheit zusammenzuhalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Gestörter Kontakt zur Sinneswelt&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Setzt sich einer der drei Bereiche des dreigegliederten Organismus durch, so äußert sich das  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* entweder als &#039;&#039;&#039;Angst&#039;&#039;&#039;, die mit dem Bewusstsein assoziiert ist&lt;br /&gt;
* oder als &#039;&#039;&#039;Aggression und Wut,&#039;&#039;&#039; die mit dem Stoffwechsel assoziiert sind&lt;br /&gt;
* oder als &#039;&#039;&#039;Klammern&#039;&#039;&#039; an der Mama oder anderen Menschen aufgrund von Einsamkeit und Sich-vernachlässigt-Fühlen, Sich-allein-Fühlen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In allen drei Fällen haben die Betroffenen einen gravierend gestörten Kon­takt zur Um- und Mitwelt. Sie tun meist nur, was sie wollen, anstatt das, was sie sollen. Dieses Verhalten zeigt, dass das Verhältnis zur Welt wie auch zum eigenen Willen gestört ist. Das ist alles Ausdruck einer primären Ich-Inkar­nationsstörung, d.h. das Ich konnte sich nicht um das ganze System kümmern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Prävention und Therapie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Als Prävention und Therapie sind die Sinne über künstlerisches Üben bzw. anschaulichen, bildhaften, charakterisierenden, künstlerisch gestalteten Unterricht anzusprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Anschauung vertiefen und kultivieren (Sinnesmensch) ====&lt;br /&gt;
Bei Verhaltensstörungen und Schwierigkeiten in der Unterstufe, sagt Rudolf Steiner, solle der Lehrer eine sinnige Geschichte erzählen, in der er genau die Verhaltensstörungen der Kinder aufgreift und ins Bild bringt und so den Kindern vor Augen stellt, wodurch das völlig freie unschuldige Ich die Situation anschauen und daraus heilende, ordnende Botschaften empfangen kann, die es dann über das Denken, Fühlen und Wollen auf die anderen Wesensglieder überträgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch alles Kognitive soll über die Sinne vermittelt werden, weil über den Weg von der Eins (Ich-Aktivität) in die Drei (Denken, Fühlen und Wollen) die Zusammenhaltekraft unterstützt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Gliedmaßenmensch schulen (Tatenmensch) ====&lt;br /&gt;
Die zweite Hauptaufgabe besteht in der Schulung des leibfreien Willens durch eine Locke­rung der Ich-Organisation aus den Gliedmaßen insbesondere durch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gymnastik,&lt;br /&gt;
* Heileurythmie&lt;br /&gt;
* Eurythmie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner sagt, die gesamte Zukunftsentwicklung des Menschen hänge davon ab, dass sich die Ich-Organisation aus den Gliedmaßen herauszulösen und immer mehr mit der Umgebung zu verbinden lernt. Diese Willensverbindung mit dem anderen nennen wir In­tuition.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Intuition über Nacht&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Um mit den Schülern an den erforderlichen Fähigkeiten arbeiten zu können, um zu wis­sen, was sie brauchen, müssen Lehrer und Schularzt über therapeutische bzw. päda­gogische Intuition verfügen. Dieser leibfreie, tief unbewusste Willen hat nichts mit dem Astralleib zu tun (der ihn bewusst machen könnte). Er ist reine Ich-Kraft, reine Halte­kraft, reine geistige Präsenz. Wenn wir durch diese Kraft auch unserem Denken und Fühlen Orientierung geben – weil das Ich einheitlich gestaltend wirkt – dann kann dieser aus den Gliedmaßen gelöste freie Wille als Intuitionskraft einen wirklichen Kontakt herstellen zu den Kindern, Eltern und Lehrern – und die unmittelbaren Botschaften dieser Menschen aufnehmen. Rudolf Steiner sagt, wir könnten uns in diese Richtung entwickeln, wenn wir mit dem Gebet in die Nacht gehen: &#039;&#039;„Nicht mein, sondern dein Wille geschehe!“&#039;&#039;[1] Fragen wir zudem die Betreffenden im Geiste: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie muss ich mich verhalten, dass es besser wird mit dir?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was muss ich dir geben, was brauchst du von mir?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wird die Antwort am nächsten Morgen im Bewusstsein aufleuchten, weil sich das Ich über Nacht in den Kosmos hinausbegeben und mit den Engeln geredet hat. Wenn es sich da­nach wieder mit dem Körper verbindet, prägt sich die mitgebrachte intuitive Botschaft dem Denken ein. Man hat dann, wenn man Glück hat, einen Einfall, ein Bild und weiß plötz­lich, was zu tun ist, was für diesen Menschen und diese Situation richtig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles in diesem Zusammenhang kompliziert Erscheinende, auch das Rätsel, wie man an diese intuitive Schicht herankommt, wird verständlich, wenn man Dreigliederung und Viergliederung im Zusammenhang betrachtet. Wenn man versteht, wie Intuition men­schen­kundlich zustandekommt, kann man sie übend viel bewusster handhaben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag „Schulabsenz und die Gründe dafür“, Schulärztetagung 2014&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Neues Testament, &#039;&#039;Lukas&#039;&#039; 22, 42.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE METAMORPHOSE DER WACHSTUMSKRÄFTE IN GEDANKENKRÄFTE ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist unter der Metamorphose der Wachstumskräfte in Gedankenkräfte gemeint?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wann und wo vollzieht sich diese Verwandlung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Denkkräfte sind verfeinerte Wachstumskräfte&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Diese im Ätherleibe wirksamen Kräfte betätigen sich im Beginne des menschlichen Erdenlebens&#039;&#039; – &#039;&#039;am deutlichsten während der Embryonalzeit&#039;&#039; – &#039;&#039;als Gestaltungs- und Wachstumskräfte. Im Verlaufe des Erdenlebens emanzipiert sich ein Teil dieser Kräfte von der Betätigung in Gestaltung und Wachstum und wird Denkkräfte, eben jene Kräfte, die für das gewöhnliche Bewusstsein die schattenhafte Gedankenwelt hervorbringen.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Es ist von der allergrößten Bedeutung zu wissen, dass die gewöhnlichen Denkkräfte des Menschen die verfeinerten Gestaltungs- und Wachstumskräfte sind. Im Gestalten und Wachsen des menschlichen Organismus offenbart sich ein Geistiges. Denn dieses Geistige erscheint dann im Lebensverlaufe als die geistige Denkkraft.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und diese Denkkraft ist nur ein Teil der im Ätherischen webenden menschlichen Gestaltungs- und Wachstumskraft. Der andere Teil bleibt seiner im menschlichen Lebensbeginne innegehabten Aufgabe getreu. Nur weil der Mensch, wenn seine Gestaltung und sein Wachstum vorgerückt, das ist, bis zu einem gewissen Grade abgeschlossen sind, sich noch weiter entwickelt, kann das Ätherisch-Geistige, das im Organismus webt und lebt, im weiteren Leben als Denkkraft auftreten.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;So offenbart sich der imaginativen geistigen Anschauung die bildsame (plastische) Kraft als ein Ätherisch-Geistiges von der einen Seite, das von der anderen Seite als der Seelen-Inhalt des Denkens auftritt.“&#039;&#039;&#039;[1]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner beschreibt weiter, wie sich auch Astralleib und Ich-Organisation entsprechend der Metamorphose der Wachstumskräfte in Gedankenkräfte im Zuge von Wachstum und Entwicklung aus dem physischen Leib heraus „metamorphosieren“ und frei werden für die Seelentätigkeiten von Fühlen und Wollen. Sie tun dies „auf den Bahnen des Ätherischen“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ort der Herauslösung der Ätherkräfte&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;An welchem Ort aber kann diese Herauslösung stattfinden?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt nur ein Organ, in dem das strömende Blut als Träger der vier Ätherarten zum Stillstand kommt und der Ätherkraft dadurch die Möglichkeit gibt „zu sterben“, d.h. aus dem physischen Lebenszusammenhang herauszugehen: &#039;&#039;&#039;das Herz&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende der Diastole, in der sogenannten „Diastase“, tritt ein winziger Moment ein, in dem jede Fließeinheit des strömenden Blutes zum vollständigen Stillstand kommt, bevor die Austreibungsphase der systolischen Herzbewegung beginnt. Unser bewusstes Seelenleben wird sozusagen aus dem Herzensgrund heraus geboren,[2]&amp;lt;sup&amp;gt;, [3]&amp;lt;/sup&amp;gt; am Gehirn reflektiert und dann mehr oder weniger frei, bewusst und „herzlich“ gehandhabt. Das „Denken mit dem Herzen“ hat diesen besonderen physiologischen Bezug: Wenn das, was gedacht wird, „zu Herzen“ geht und von dort herzlich weiterwirkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Raphael und die Mysterien von Krankheit und Heilung“, Medizinische Sektion am Goetheanum 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen.&#039;&#039; GA 27, Dornach 1991, S. 12-13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Medizinische Sektion am Goetheanum (Hrsg.), &#039;&#039;Meditationen zur Herztätigkeit gegeben von Rudolf Steiner.&#039;&#039; Dornach 2014.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Christoph Rubens, Peter Selg (Hrsg.), &#039;&#039;Das menschliche Herz, Kardiologie in der Anthroposophischen Medizin,&#039;&#039; Arlesheim 2014.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== UNSER SEELENLEBEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist unter Seele zu verstehen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sind charakteristische Merkmale der menschlichen Seele?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Seele als Innenraum mit beweglichen Grenzen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Was unsere Seele ausmacht, können wir nur durch Beobachtung des eigenen Innenlebens erschließen. Unsere Seele ist gleichsam ein in sich geschlossener Innen­raum, in dem sich jeder für sich allein bewegt und der sich von dem aller anderen unterscheidet. So gesehen, ist die Seele der Lebensraum unserer Persönlich­keit. Er kann sich weiten oder eng werden, je nach unseren Lebensumständen und wie wir damit umgehen. Er kann in der Depression so zusam­menschrumpfen, dass wir nur noch uns selbst erleben und kein Interesse und keine Anteilnahme an der Welt mehr aufbringen können. Umgekehrt kann er im Zustand voller seelischer Gesundheit so weit werden wie die Welt. Wir können die Probleme um uns herum wahr- und ernstnehmen, und in uns seelisch bewegen. Der Seelenraum ist dann so weit, wie unser Bewusstsein reicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Mensch, der sich für viele und vieles interessiert, hat in der Re­gel keine Zeit, über ein ge­wisses Maß hinaus persönliche Probleme zu bewegen. Er kann es sich nicht lei­sten über Unangenehmes zu brüten, damit zu hadern, darüber unzufrieden zu sein. Er wird nicht allzu viel Energie ins Grübeln über die eigene Befindlichkeit investieren. Das geschieht aber umso mehr, je enger und selbstbezogener der eigene Seelenhorizont ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere Seele ist demnach immer in Bewegung und hat keine endgültigen Grenzen. Sie ist unser persönliches Erlebnisfeld, das von Gesundheit und Krankheit, von den jeweiligen Lebensum­ständen, sprich, von unserem Schicksal, stark geprägt wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Bewusstes Gestalten des Seelenraumes&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aber eines müssen wir uns klarmachen: Unsere Persönlichkeit braucht diesen seelischen Lebensraum. Unser Lebensglück hängt davon ab, ob wir lernen, diesen Raum bewusst selbst mitzugestalten und ihn nicht nur durch Einflüsse von außen bestimmen zu lassen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie ist ein solches Mitgestalten möglich?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Seelen­raum leben unsere Gedanken, Wünsche, Erinnerun­gen, Erfahrungen, unsere Lebensmotive, Gefühle und Wil­lensintentionen. Eine Fülle von Empfindungen, Gefühlen, Trieben und Absichten hängt mit unserem Körper zusammen. Wenn wir z.B. hungrig sind und Lust auf dieses und jenes haben, wonach unser Körper verlangt, wird ein großer Teil unseres Seelenlebens unmittelbar davon geprägt. D.h. sehr viele Seelenregungen entstammen Bedürfnissen, die wir eindeutig als leib­gebunden empfinden. Dazu gehört z.B. auch, dass, wenn wir einen schweren Durchfall haben, wir uns seelisch schlapp und lustlos fühlen. Oder dass wir, wenn wir sehr müde sind, uns plötz­lich nicht mehr so engagieren können, einfach weil wir nicht mehr dazu in der Lage sind, weil wir „kaputt“ sind. Derartige Er­fahrungen führen dazu, dass manche Menschen meinen, das Seelenleben an sich wäre leibge­bunden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beschäftigt man sich jedoch intensiver mit dem eigenen See­lenleben, merkt man, dass das nicht stimmt. Beim Tier ist die Leibge­bundenheit außerordentlich stark, weil die Verhaltensmuster innerhalb einer Gattung einander ähnlich sind und bleiben. Gerade das ist beim Menschen völlig anders: Er kann sich an jede neue Umgebung anpassen, kann immer neue Lernprozesse in Angriff nehmen. Wir Menschen haben nicht nur unbegrenzte Anpassungsmöglichkeiten an die Umgebung, sondern auch unbegrenzte Möglichkeiten uns zu distanzieren, uns innerlich abzugrenzen – auch von uns selbst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manche Menschen haben eine krumme Nase oder schielen und haben deswegen ihr ganzes Leben lang Komplexe. Sie schaffen es nicht, sich innerlich mit einer körperlichen Eigenheit abzufinden. Dann wiederum gibt es andere, die sich bis etwa Mitte zwanzig noch krause Locken wünschen oder auch beim Friseur machen lassen – bis sie sich mit ihrem So-Sein identifizieren können bzw. sich innerlich von dem äußeren Makel distanzieren. Gelingt es uns, eine ge­wisse Unabhängigkeit vom Körper zu gewinnen, quasi die eigene Körperbezogenheit in dieser Hinsicht zu verringern, dann gewinnen wir eine viel freiere Einstellung uns selbst und anderen Menschen gegenüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl.&#039;&#039; &#039;&#039;Vortrag, „Die männliche und weibliche Konstitution“, 1987&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== SEELENLEBEN, ERZIEHUNG UND KÖRPERBAU ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern wird unser Seelenleben von unserer Erziehung bzw. von unserem Körperbau bestimmt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worin liegt der Freiraum, das eigene Schicksal mitzugestalten?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Individuelle Möglichkeiten der Mitgestaltung     &#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wir Menschen haben nicht nur unbegrenzte Anpassungsmöglichkeiten &#039;&#039;an&#039;&#039; die Umgebung, sondern auch unbegrenzte Möglichkeiten uns zu distanzieren, uns innerlich abzugrenzen – auch von uns selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich hängt sehr viel von der Erziehung ab. Wem ständig eingeredet wurde, dass er zu dick ist oder dies und das nicht so ist, wie es sein sollte, wird ziemlich lange von einem solchen Trauma bestimmt werden. Ganz anders ein Mensch, dessen Blick früh auf wesentliche, über das Persönliche hinausgehende Dinge gelenkt worden ist, und der so angenommen wurde, wie er war. Im Krieg gab es oft Menschen, die um anderer willen lange Zeit Hunger ertragen konnten. Andere wiederum waren so verzweifelt oder selbstbezogen, dass sie ihr eigenes Kind aussetzten, um selber satt zu werden. In solchen Situationen treten gewaltige Unterschiede zutage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es hängt sehr stark von den eigenen Erfahrungen und Erlebnis­sen und vom persönlichen Entwicklungsstand ab, inwieweit das Seelenleben als vom Körper bestimmt oder als von ihm auf unterschiedliche Weise beeinflusst erlebt wird. Das ist auch richtig so – jeder Mensch hat das Recht auf sein eigenes Entwicklungstempo. Keinem kann ein Vorwurf dar­aus gemacht werden, dass er „noch nicht weiter ist“. Und die Tatsache, dass es Menschen gibt, die anders oder auch reifer sind als man selbst, sollte lediglich Ansporn sein, sich in dieser oder jener Richtung selber auf den Weg zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Schicksal mitgestalten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Sich über bestimmte Verhaltensweisen ande­rer moralisch zu entrüsten, bedeutet einen Rückschritt in der eigenen Entwicklung – und der Verurteilte wird dadurch auf seinem Weg nicht weitergebracht. Den Weg der Entwicklung muss jeder selber gehen. Dass wir einander dabei nur selten etwas abnehmen können, ist bisweilen schwer zu ertragen. Andererseits beruht unsere Freiheit gerade darauf, dass wir dazu aufgerufen sind, unser Schicksal mitzugestalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenfassend können wir sagen, der Leib begrenzt das Seelenleben in einer charakteristischen Weise:[1] In einem zarten Körper lebt es sich anders als in einem stämmigen oder schweren Körper. In einem Körper, der starken Trieben unterworfen ist, lebt es sich seelisch anders als in einem Körper, dessen Organ­funktionen in Harmonie miteinander stehen, sodass kein starker Triebdruck entsteht. Aber auch hier ist es so, dass der Mensch im Laufe seines Lebens sehr viel, bis ins Kör­perliche herein, aus eigener Kraft an sich selbst verändern kann, ja selbst bis in seine Organfunktionen hinein. Ein ganz großer Irrtum ist es zu meinen, so wie man ist, müsse man sein gan­zes Leben lang bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl.&#039;&#039; &#039;&#039;Vortrag, „Die männliche und weibliche Konstitution“, 1987&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Theosophie,&#039;&#039; aus Kapitel &#039;&#039;Leib. Seele und Geist,&#039;&#039; GA 9.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ZWÖLF SINNESFUNKTIONEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Möglichkeiten eröffnen uns die zwölf von Rudolf Steiner beschriebenen Sinnesfunktionen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zwölf Sinnesmodalitäten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der anthroposophischen Menschenkunde werden zwölf Sinnesmodalitäten beschrieben.[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.    Der &#039;&#039;&#039;Tastsinn&#039;&#039;&#039; vermittelt &#039;&#039;Selbsterleben an der Körpergrenze&#039;&#039; und Geborgenheit durch Berührung und Körperkontakt; aus beidem resultiert Existenzvertrauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.    Der &#039;&#039;&#039;Lebenssinn&#039;&#039;&#039; vermittelt &#039;&#039;Behaglichkeits- und Harmonieerleben&#039;&#039; und ein Empfinden dafür, ob die Vorgänge im eigenen Körper, aber auch diejenigen, die im Umkreis wahrgenommen werden, zusammenstimmen oder nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3.    Der &#039;&#039;&#039;Eigenbewegungssinn&#039;&#039;&#039; vermittelt die &#039;&#039;Wahrnehmung der eigenen Bewegung&#039;&#039;; daraus erwächst das Erlebnis von Freiheit und Selbstbeherrschung als Folge der freien Beherrschung des Bewegungsspiels.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4.    Der &#039;&#039;&#039;Gleichgewichtssinn&#039;&#039;&#039; vermittelt das &#039;&#039;Erleben der Lage im Raum&#039;&#039;, des jeweiligen Gleichgewichtszustands und der damit verbundenen Fähigkeit, den Gleichgewichtspunkt auch zu empfinden – was zum Erleben von innerer Ruhe führt. Die spätere Fähigkeit, innere Ruhe, seelisches Gleichgewicht zu üben, hat darin ihre Empfindungsgrundlage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5.    Der &#039;&#039;&#039;Geruchssinn&#039;&#039;&#039; vermittelt &#039;&#039;Verbundenheit mit den Duftstoffen&#039;&#039;, begleitet von starker Sympathie oder Antipathie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6.    Der &#039;&#039;&#039;Geschmackssinn&#039;&#039;&#039; vermittelt die &#039;&#039;Qualitäten süß, sauer, salzig, bitter&#039;&#039; und, zusammen mit dem Geruchssinn, von differenzierten Geschmackskompositionen, begleitet von starkem Sympathie- oder Antipathieerleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7.    Der &#039;&#039;&#039;Sehsinn&#039;&#039;&#039; vermittelt &#039;&#039;Licht- und Farberleben&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;8.    &#039;&#039;Der &#039;&#039;&#039;Wärmesinn&#039;&#039;&#039; vermittelt &#039;&#039;Wärme- und Kälteerleben.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9.    Der &#039;&#039;&#039;Hörsinn&#039;&#039;&#039; vermittelt &#039;&#039;Tonerlebnisse&#039;&#039; &#039;&#039;und erschließt das Erleben des seelischen Innenraums&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10.  Der &#039;&#039;&#039;Wortsinn&#039;&#039;&#039; vermittelt &#039;&#039;Gestalt- und Physiognomie-Erleben&#039;&#039;, bis hin zum Erfassen der Lautgestaltung eines Wortes und seiner Eigenbedeutung. Zum Beispiel sagt „Ljubow“ etwas anderes aus über das Wesen der Liebe als „Amour“, „Amore“ oder „Love“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
11.  Der &#039;&#039;&#039;Gedankensinn&#039;&#039;&#039; vermittelt unmittelbares &#039;&#039;Sinnerfassen eines Gedankens&#039;&#039; beziehungsweise eines Gedankenzusammenhanges.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
12.  Der &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Ich-Sinn&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; vermittelt die &#039;&#039;Wesenserfahrung eines anderen Ich&#039;&#039;. Er ermöglicht die Wahrnehmung der geistigen Kraftkonfiguration eines anderen Menschen und ein Erleben von dessen Wesensart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zweifaches Erleben über die Sinne&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Jede Sinneserfahrung beinhaltet immer ein zweifaches Erleben: das Erleben des Objektes – z.B. der Geruch einer Speise – und das Selbsterleben, Wohlgefühl oder Ekel, das dadurch ausgelöst wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Sinnesentwicklung und Leiberfahrung“ heißt das grundlegende Buch von Karl König, das er vor dem Hintergrund seiner therapeutischen Erfahrung als Arzt in der Heilpädagogik geschrieben hat.[2] Es hängt in hohem Maße vom Gebrauch der Sinne ab, insbesondere in den ersten Lebensjahren, ob sich die Leiberfahrung so gestaltet, dass der sich entwickelnde Mensch daran in umfassender Weise sich selbst erleben und „sich finden“ kann oder ob durch Defizite in der Sinneserfahrung diese Selbsterfahrung nur eingeschränkt möglich war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Begabungen und Behinderungen“, 8. Kapitel, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2004&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Anthroposophie. Ein Fragment aus dem Jahre 1910&#039;&#039;. GA 45, Dornach 1980, und Vortrag am 29. August 1919, in: &#039;&#039;Allgemeine Menschenkunde&#039;&#039; &#039;&#039;als Grundlage der Pädagogik.&#039;&#039; GA 293, Dornach 1992.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine ausführlichere Darstellung der zwölf menschlichen Sinnestätigkeiten und ihrer Pflege durch die Erziehung findet sich in Wolfgang Goebel / Michaela Glöckler: &#039;&#039;Kindersprechstunde.&#039;&#039; Stuttgart 1995.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Albert Soesman, &#039;&#039;Die zwölf Sinne –Tore der Seele.&#039;&#039; Stuttgart 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Karl König, &#039;&#039;Sinnesentwicklung und Leiberfahrung.&#039;&#039; Stuttgart 1997.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ATMUNG, KREISLAUF – GEFÜHLSLEBEN UND KUNST ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie hängen Gefühlsleben und Leibesentwicklung zusammen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Rhythmische Tätigkeit von Herz und Lungen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Blicken wir auf den Zusammenhang von Leib und Seele, so finden wir im Organismus zwei Organsysteme, die ein getreues Abbild der musikalisch-rhythmischen Qualität des Gefühlslebens sind: Atmung und Kreislauf. Herz und Lungen sind unentwegt von der Geburt bis zum Tod rhythmisch tätig. Sie vermitteln durch Spannung und Entspannung, Betätigung und Ruhe unausge­setzt zwischen Selbst und Welt (Atmung) sowie zwi­schen Körperzentrum und Körperperipherie (Herz).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher erstaunt es nicht, dass jede Sinnesempfindung und jedes Gefühl auf Atmung und Herzschlag einen unmittelbaren Einfluss haben. Eine aufregende Nachricht lässt uns tief Luft holen und das Herz schneller schlagen. Unter Anspan­nung wechseln flache, schnelle und tiefe Atemzüge auf unharmonische Weise einander ab. In der Aufre­gung kann das Herz bis zum Halse klopfen und vor Schreck stol­pern, ja sogar fast „stehenbleiben“. Umgekehrt kann ruhiges, geführtes Atmen (z.B. beim Zahnarzt oder bei der Geburt) die Angst nehmen und die Schmerzen erträglicher machen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Gefühlsleben hängt mit den differenzierenden Wachstumskräften zusammen. Die Differenzierung von Geweben und Organen während der Embryonalentwicklung beruht auf bestimmten Proportionen und Zahlenverhältnissen, die ihrerseits wieder musikalisch darstell­bar sind.[1] Im Zusammenspiel von Herz- und Atemrhythmus fin­det die musikalische Konstitution des menschlichen Organis­mus ihr Zentrum. Werden die differen­zierenden Kräfte nach der Ausreifung des mittleren Systems leibfrei, bilden sie die Grundlage für die seelische Fähigkeit des Fühlens. D.h. das Erwachen und Erleben von Gefühlen ist an diese Organe genauso gebunden wie die Bildung und das Bewusstwerden von Gedan­ken an das Nervensystem. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Voraussetzungen für ein gesundes Gefühlsleben&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner hat diese Tatsache nach 30jähriger Forschung erstmals 1917 in seinem Buch „Von Seelen­rätseln“ beschrieben.[2] Will man einem Kind eine gute Lebensgrundgestimmtheit mit auf den Weg geben, so müssen die heranreifenden rhythmischen Systeme von Atmung und Kreislauf in gesunder Weise angeregt und unterstützt werden: Ein gesundes soziales Klima im Umkreis des Kindes, wie z.B. ein harmonisches Familienleben, bildet die wichtigste Voraussetzung. Folgt der Tageslauf einem gesunden Rhythmus, in dem Arbeit und Ruhe sich sinn­voll abwechseln, so kann beim Kind ein Gefühl von Gebor­genheit und Sicherheit entstehen. Es erlebt sich eingebettet in sinnvolle Zusammenhänge und wiederkehrende Ereignisse, auf die es sich verlassen und freuen kann, und mit denen es auch rechnet. Auf diese Weise ent­steht eine stabile Grundlage, um späteren Stress-Situationen gewachsen zu sein. Denn auf der Basis einer harmonischen Grundgestimmtheit lassen sich extreme Situationen leichter aushalten und ausbalancieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Künstlerischer Ansatz als Unterstützung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Gelingt es, Kinder in der Schule gefühlsmäßig zu erreichen und in jeder Unterrichtsstunde mit Spannung und Lösung zu arbeiten, Freudiges und Ern­stes zum Erlebnis zu bringen, so wird vonseiten der Erziehung das Notwendige getan, um regulierend und stimulierend auf die Ent­wicklung von Atmung und Kreislauf einzuwirken. Wo dies in der Kindheit nicht möglich war, stellen sich dem Erwachsenen unter Umständen schwere Aufgaben für die Selbsterziehung. Nur bei wenigen Menschen werden heutzutage in Familie und Schule die Voraussetzungen für einen aus­geglichenen Gemütszustand geschaffen. Meist muss lebenslang selbst daran gearbeitet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die künstlerischen Therapien können dabei eine große Hilfe sein. Denn in der Kunst haben wir es mit denselben Gesetzmäßigkeiten zu tun, nach denen der Leib gebildet ist:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;&#039;Gesetze des Lebendigen&#039;&#039;&#039;, des Wachsens, Ge­staltens und Bildens finden wir in &#039;&#039;Plastik und Architektur&#039;&#039; wieder.&lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;&#039;Gesetze, die dem Gefühlsleben zugrundeliegen&#039;&#039;&#039;, in &#039;&#039;Malerei und Musik.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Und die &#039;&#039;&#039;Gesetze des Willenslebens&#039;&#039;&#039; in &#039;&#039;Sprache und Eurythmie&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Kapitel&#039;&#039; „&#039;&#039;Wie sind Leib, Seele und Geist in Gesundheit und Krankheit verbunden?&#039;&#039;“, &#039;&#039;Elternsprechstunde, Verlag Urachhaus, Stuttgart&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. Armin Husemann, &#039;&#039;Der musikalische Bau des Menschen&#039;&#039;, Stuttgart 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Von Seelenrätseln&#039;&#039;, GA 21.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE SIEBEN LEBENSPROZESSE ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was versteht Rudolf Steiner unter den sieben Lebensprozessen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann man jeden einzelnen charakterisieren?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie lassen sie sich auf soziale Prozesse anwenden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Lebensprozesse auf allen Ebenen des Menschseins         &#039;&#039;&#039;                 &#039;&#039;&#039;&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ein Einzeller kann alles, ist omnipotent. Auch eine gesunde befruchtete menschliche Eizelle ist omnipotent: Sie ist sensibel, beweglich, kann sich ernähren, zeigt alle sieben Lebensprozesse. Die nachfolgend charakterisierten Lebensprozesse haben ihre Gültigkeit auf allen Ebenen des körperlichen, seelischen und geistigen Lebens, aber auch für die verschiedenen sozialen Prozesse. Ein sozialer Konflikt zeigt immer an, dass mindestens einer der Lebensprozesse in seiner Funktion nachhaltig gestört ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Öffnung, Atmung ====&lt;br /&gt;
Am Anfang allen Lebens steht die Öffnung gegenüber der Umwelt. Etwas Totes braucht kein Milieu und keinen Umkreis, aus dem es und für den es lebt. Wenn etwas ins Leben kommt, schafft es sich den Umkreis, den es braucht. Totes kann liegen, wo es will, für Millionen von Jahren, das stört niemanden. Etwas Lebendiges kann nur existieren, wenn ein Umkreis vorhanden ist, mit dem ein Wechselspiel von Aufnehmen und Abgeben stattfindet. Das macht alles Leben verwundbar. Leben ist ein offenes System, ist in Entwicklung, ist prozessual, hat einen Anfang und ein Ende. Leben fängt also mit dem Sich-Öffnen an. Wenn Ei und Sperma sich begegnen, ist die Ei-Oberfläche für einen Moment offen für das Sperma, es kann hinein und dann ist sie wieder geschlossen. Damit beginnt das Leben. Zur Öffnung gegenüber dem Umkreis gehören auch die Öffnungen der Sinne, die Atmung, die Ernährung. Nur wo geistige und soziale Offenheit herrscht, menschliche Offenheit, kann Leben gedeihen. Wir können nicht auf Dauer zumachen, den Atem anhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Wärmung, Anpassung ====&lt;br /&gt;
Den zweiten Prozess nennt Rudolf Steiner Wärmung, das Anwärmen, warming-up. Es ist ein Prozess des Warmwerdens mit den Gegebenheiten. Gelingt die Anpassung nicht, das Warm-Werden mit dem Aufgenommenen, fühlt sich der Organismus belastet und kann erkranken. Z.B. erkältet man sich, wenn man die Atemluft nicht genügend anwärmen kann, bevor sie weiter in den Körper eindringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Ernährung ====&lt;br /&gt;
Wenn man mit dem Aufgenommenen warm geworden ist, fängt die Ernährungsarbeit an. Diese ist an Verwandlungsprozesse geknüpft. Ernährung bedeutet immer auch Zerstörung des Gewordenen, um dem Werdenden oder auch einem anderen Wesen in seinem Lebenszusammenhang zu dienen, damit es zu etwas Neuem werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Sonderung, Entscheidung, Ausscheidung ====&lt;br /&gt;
Wenn Ernährung stattgefunden hat, kommt der Punkt, an dem sich die Frage stellt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was muss behalten werden, was ist weiter zu gebrauchen, und was muss wieder ausgeschieden werden?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Entscheidung steht an, physiologisch gesehen die Ausscheidung. Sonderung ist im Seelischen die Entscheidung zwischen Ja oder Nein. Das ist ein ganz wichtiger Lebensprozess, vor allem im Sozialen – aber auch im Denken, wenn ich entscheiden muss, ob etwas für mich stimmt oder nicht, ob man in einer Art und Weise weitermachen soll oder nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Selbsterhaltung ====&lt;br /&gt;
Fünf ist die Zahl der Krise, da bleiben die Prozesse oft stecken. Denn der fünfte Prozess – Selbsterhaltung – ist im Grunde wunderschön: Jetzt hat man alles, was man braucht, man ist stark, keiner kann einen so schnell umschmeißen. Man ist abgesichert, hat Haus und Garten, ein Auto, Geld, eine Familie, eine Karriere. Eigentlich braucht man doch nichts mehr... und genau das verursacht die Krise. Man sollte sich fragen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Bin ich nur für mich und meinen Eigenbedarf da?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Genügt es, mich selbst zu versorgen, oder gibt es noch etwas anderes zu tun?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 6. Wachstum ====&lt;br /&gt;
Wachstum geschieht, wenn mehr gebildet wird, mehr angesammelt, als man für sich braucht. Das kann bis ins hohe Alter so gehen. So besteht z.B. der Patientenverband „Gesundheit aktiv“ zu fast 90 % aus Rentnern. Wir bekommen keinen jungen Nachwuchs, es ist ganz mühsam, noch Mitglieder zu werben. Doch diese rührenden Rentner, die zu 70 % wirklich kein Geld haben, spenden im Jahr 10 € oder 20 €. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überschusskraft zu haben bedeutet, dass man in der Lage ist zu schauen, wo man noch etwas unterstützen kann, wo man über sich hinauswachsen kann und der Mitwelt etwas mitgeben bzw. zurückgeben kann, um so seine Dankbarkeit und Lebensfreude zu zeigen. Wir können ja niemals für all das danken und all das zurückgeben, was wir im Laufe unseres Lebens bekommen haben. Da bleibt immer ein gewaltiger Rest an Geschenktem. Der Wachstumsprozess kann das ein bisschen ins Bewusstsein bringen, indem man überlegt, für wen oder für was man etwas übrighat, sodass anderes gefördert und entwickelt wird oder neu entstehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 7. Reproduktion ====&lt;br /&gt;
Der siebte Lebensprozess führt ganz in die Selbstlosigkeit: Reproduktion bedeutet unter diesem Aspekt, etwas vollkommen von sich abzulösen und gehen zu lassen. Physisches Urbild für den gesunden siebenten Lebensprozess ist das Durchschneiden der Nabelschnur. Der schmerzliche Schnitt bringt die Selbstüberwindung, die dafür nötig ist, ins Bewusstsein. Wenn man etwas aus sich heraussetzt, löst es sich los und man lässt es gehen – wie eine gute Mutter, die ihr Kind gehen lässt, ohne einen Vertrag mit ihm zu machen, wie viele Karten und Telefonanrufe kommen müssen, damit der junge Mensch – auch wenn er nicht mehr zuhause lebt – weiterhin ein gutes Kind bleiben kann. Man vermittelt ihm: „Du bist jetzt dein eigener Herr. Ich werden dir zwar noch helfen, bin aber nicht mehr der Bestimmer. Du hängst nicht mehr an meiner Nabelschnur.“ Das ist Reproduktion im Sinne des Zugestehens von Eigenwürde, des Ermöglichens von Eigenleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entartung der Lebensprozesse in zwei Richtungen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Alle Lebensprozesse können nach zwei Richtungen hin pathologisch entarten und aus dem gesunden Lebenszusammenhang aufgrund eines Zuviels oder Zuwenigs wie herausfallen. Gesundheit ist immer ein Sowohl-als-auch, ist ein labiles Gleichgewicht, ein ständiges Ringen – ist nie ein Entweder-Oder. Nimmt ein Pol überhand, wird etwas krankhaft. Der Mensch als Krisenwesen ist auf jeder Etappe seiner Entwicklung neu verwundbar und gefährdet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.    Eine &#039;&#039;&#039;Störung des Öffnungsprozesses&#039;&#039;&#039; liegt vor, wenn jemand zu offen bzw. zu verschlossen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.    Eine &#039;&#039;&#039;Störung des Anwärmungsprozesses&#039;&#039;&#039; liegt vor, wenn jemand sich zu stark anpasst bzw. sich gar nicht anpassen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3.    Eine &#039;&#039;&#039;Störung des Ernährungsprozesses&#039;&#039;&#039; liegt vor, wenn jemand zu viel bzw. zu wenig isst oder nimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4.    Eine &#039;&#039;&#039;Störung des Sonderungsprozesses&#039;&#039;&#039; liegt vor, wenn jemand immer alles wegwirft oder weggibt, aber auch, wenn man ein Messi[1] ist, nichts wegschmeißen kann und deshalb zwei Garagen voll mit Müll und Sachen hat, die einen sehr belasten, weil man gar keine Verwendung dafür hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5.    Eine &#039;&#039;&#039;Störung des Selbsterhaltungsprozesses&#039;&#039;&#039; liegt vor, wenn jemand nie mit sich zufrieden ist und immer das Gefühl hat, seine Leistung genüge nicht, wenn er nie echte Freude erleben kann über das, was er geschafft und erschaffen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6.    Eine &#039;&#039;&#039;Störung des Wachstumsprozesses&#039;&#039;&#039; liegt vor, wenn man keine Überschusskräfte entwickelt bzw. keine Dankbarkeit zu empfinden in der Lage ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7.    Eine &#039;&#039;&#039;Störung des Reproduktionsprozesses&#039;&#039;&#039; liegt vor, wenn jemand nicht in der Lage ist, etwas gehen zu lassen. Viele soziale Krankheiten rühren nur daher. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erleben wir die sieben Lebensprozesse in ihrer Pathologie, müssen wir sie z.B. im Rahmen der Therapie so handhaben, dass wir auf das gesunde Ideal blicken und entsprechend dem Ungesunden, Lebensfeindlichen gegenzusteuern versuchen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Lebensprozesse auf das Gedankenleben angewandt&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im Folgenden ein kleines konkretes Beispiel, das eigene Denken betreffend: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Jemand nimmt einen anthroposophischen Gedanken auf, &lt;br /&gt;
# arbeitet ihn durch, um damit warm zu werden,&lt;br /&gt;
# prüft, ob dieser Gedanke ihn ernährt oder nicht&lt;br /&gt;
# und sondert ihn aus, wenn er damit nichts anfangen kann.&lt;br /&gt;
# Wenn ja, macht er sich den Gedanken wirklich zu eigen und schaut, was er für das eigene Leben bedeutet. &lt;br /&gt;
# Mit der Zeit sammelt er Erfahrungen im Umgang damit, &lt;br /&gt;
# um schließlich herauszufinden, was er damit für die Welt tun kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophie möchte ja jeden individuellen Menschen ansprechen, der sich selbst zu verstehen versucht, der aber darüber hinaus auch das allen Gemeinsame, das Allgemein-Menschliche, erkennen möchte. Es geht eben um beides: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* um das Ganz-individuell-Werden &lt;br /&gt;
* und um das Über-sich-hinaus-Wachsen in das ganz Allgemeine.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag „Der Lebenssinn in Diagnostik und Therapie“, gehalten am 8. Januar 2016 an der Kunsttherapietagung&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Es gab auch einmal eine Tagung hier am Goetheanum über das Messi-Syndrom. Da zeigte sich, dass es in allen gesellschaftlichen Schichten und Weltanschauungen vorkommt. Es gibt auch Anthroposophen, die nichts wegschmeißen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== SCHWELLEN ZWISCHEN KÖRPER, SEELE UND GEIST ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Schwellen gibt es zwischen Körper, Seele und Geist?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Schwellen kennen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Es ist wichtig, die Schwellen zwischen dem Körper-, dem Seelen- und dem Geistesleben gut zu kennen. Physiologisch gesehen ist das Diaphragma, das Zwerchfell, eine solche Schwelle: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Alles,  was sich darunter befindet, hat mit unbewussten Vorgängen im Körper zu tun = &#039;&#039;&#039;Körperleben&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* Oberhalb des Zwerchfells kann der Mensch immerhin den Herzschlag und die Atmung     spüren, ist sich dieser Vorgänge ziemlich bewusst. Beide Systeme hängen eng mit dem &#039;&#039;&#039;Seelenleben&#039;&#039;&#039; zusammen.     &lt;br /&gt;
* In  seinem Denken, seinem Gedankenleben (= &#039;&#039;&#039;Geistesleben&#039;&#039;&#039;), ist man ganz be­wusst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Eine weitere Schwelle entdeckt man, wenn man begreift, dass die Gedanken sich nicht im Kopf befinden, sondern dass man sie &#039;&#039;um&#039;&#039; den Kopf herum wahrnehmen kann. Hellsichtige Menschen benützen das Wort &#039;&#039;&#039;„Aura“&#039;&#039;&#039; dafür. Gemäß der anthroposophischen Begrifflichkeit setzt sich die Aura aus unserem leibfreien Gedanken-, Gefühls- und Willenssystem zusammen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Meditativer Zugang zur Wärme“, Vortrag an der französischen Ärztetagung am Goetheanum, 13.03.2008&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== PHYSIOLOGIE DES EGOISMUS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern ist die Verdauung ein Bild für den Egoismus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Warum nennt Steiner die Verdauung als „Herd des Bösen“?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verdauung ist gesunder Egoismus&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Es gibt kein wahreres, stimmigeres Bild für den Egoismus als die Verdauung: Der physische Leib wird dadurch gebildet, dass die Natursubstanzen sich durch die Stoffwechseltätigkeit des Menschen verwandeln lassen in körpereigene Substanz. Der physische Leib des Menschen ist somit ein Ergebnis der verarbeiteten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* mineralischen&lt;br /&gt;
* tierischen&lt;br /&gt;
* pflanzlichen&lt;br /&gt;
* und, im Falle der Muttermilch, auch der menschlichen Welt. Denn auch die Muttermilch wird zerstört und in körpereigene Substanz umgewandelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das heißt, alle vier Naturreiche werden in einer Weise verarbeitet, dass jeder Mensch seinen eigenen Körper daraus aufbaut. Sprich: Eine gute Verdauung geht mit einer kompletten Zerstörung der Natur einher. Das ist reinster physiologischer Egoismus, den wir brauchen, um überhaupt leben zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verdauung als Herd des Bösen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Doch Rudolf Steiner nennt die Verdauung auch „Herd des Bösen“, denn in der Verdauung sind Kraft und Potential vorhanden, alles zu zerstören. Dem physiologischen Zerstörungsprozess des Verdauens verdankt der Mensch das instinktive Wissen, wie er die ganze Welt zerstören kann bzw. wie er perfide Waffen erfinden kann, die den „overkill“ umsetzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sprechen in der Medizin auch vom biologischen Ego mit all seinen Sensibilitäten, einemstraff organisierten System. Dazu gehört auch das Immunsystem mit seinen Immunbarrieren usw. Über die freiwerdenden Bildekräfte aus dem gesunden Ego-System der Verdauung, nachdem sie es gebildet haben, strahlt beim &#039;&#039;gesunden&#039;&#039; Kind Egoismus nun auch ins Seelische hinein, allerdings unbewusst, das wäre das Normale. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch Erlebnisse der Traumatisierung und Schädigung, durch jede Form der Ängstigung wird dieser normalerweise unbewusste Egoismus jedoch bewusst, weil sie das verwundbare Selbst angreifen. Dadurch wird der zunächst unbewusste Egoismus zunehmend verstärkt – mit leidvollen Auswirkungen für die betroffenen Kinder und ihr soziales Umfeld. Und auch für ihre Erzieher sind diese Kinder eine große Herausforderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob Erziehung zur Selbstlosigkeit gelingt oder nicht, hängt also von der Art ab, wie mit dem Kind vonseiten seiner Umwelt umgegangen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Ängste im Jugendalter und ihre Überwindung“,&#039;&#039; Vortrag auf der Schulärztetagung 2013&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== URSÄCHLICHER ZUSAMMENHANG VON ANGST UND DENKEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was hat das Denken mit Angst zu tun?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern sitzt uns Angst tatsächlich „in den Knochen“?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Angst als physiologisch-geistiges Phänomen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Unter jeder psychischen Krankheit liegt immer auch ein mehr oder weniger ausgeprägtes Angstpotential. Das liegt daran, dass unser Gefühlsleben angstdurchdrungen ist. Angst ist das Ergebnis einer „kosmischen Antipathie“, die unsere Knochen verdichtet,[1] die uns aber auch die Möglichkeit der Reflexion schenkt. Rudolf Steiner sagt in der &#039;&#039;„Allgemeinen Menschenkunde“&#039;&#039;[2]:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Das &#039;&#039;&#039;Gefühlsleben&#039;&#039;&#039; verdankt seine &#039;&#039;Sympathiefähigkeit&#039;&#039;, also alle positiven, sympathischen, offenen Gefühle, dem Willen, der Handlungsbereitschaft.&lt;br /&gt;
* Und es verdankt die &#039;&#039;Antipathie&#039;&#039;, also alle Angst, alles Zurückweisen, alle Impulse, anderes auf Distanz zu halten, dem &#039;&#039;&#039;Denken&#039;&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Denken und Reflexion als antipathische Vorgänge&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das Denkvermögen ist das Ergebnis der ätherischen Kräfte, mit denen der Mensch sich aus dem Makrokosmos herausgebildet hat, mit denen er den Körper bis hin zu den Knochen und Zähnen, dieser ganz dichten Materie, aufgebaut hat, und die, einmal leibfrei geworden, am Gehirn reflektiert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind allesamt rein antipathische Vorgänge:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* das Herausgesondert-Werden&lt;br /&gt;
* die Bildung von etwas Eigenem mit eigenen Grenzen&lt;br /&gt;
* das Freiwerden der grenzbildenden Kräfte aus dem Leib&lt;br /&gt;
* die Reflexion dieser Kräfte am Gehirn als unser Denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kompetenz zu reflektieren, zurückzuwerfen, Antipathie zu entwickeln usw. stellt eine grundlegende Bereitschaft der menschlichen Konstitution dar und ist ein völlig natürlicher funktionaler Prozess. Im seelischen Erleben treffen sich der &#039;&#039;sympathische Wille&#039;&#039; zuzupacken und das reflektierende &#039;&#039;antipathische Denken&#039;&#039; – das wird uns durch die Gefühlspolarität des Astralleibes bewusst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Hilfen im Umgang mit Angst im Schulalter&#039;&#039;“, Vortrag auf der Schulärztetagung 2013  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner sagt, der Großteil der Leibesangst säße im Knochen, weil er am stärksten mineralisiert sei. Er sagt sogar, Knochen bestünden aus kristallisierter Angst. Ahriman verdanken wir die mineralische Konstitution unseres Leibes und damit auch die Furcht. Denn die Kräfte, die unsere Organe bilden, treten später auch im Seelischen als Bildekräfte auf: Die organ- und auch knochenbildenden Kräfte strahlen quasi in das Seelische hinein. Das seelische Erleben von Angst ist also etwas ganz Natürliches und hat konstitutionelle Gründe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik.&#039;&#039; GA 293.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ZWISCHEN TIER UND MENSCH UNTERSCHEIDEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sind die wichtigsten Unterschiede zwischen Mensch und Tier?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worin sind sie begründet?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worin liegt der Sinn des menschlichen Andersseins?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Herausforderungen und Aufgaben sind damit verbunden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verwischten Unterschied neu erfassen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der prinzipielle Unterschied zwischen Mensch und Tier wurde als Folge der darwinistischen Evolutionstheorie in den letzten hundert Jahren zunehmend verwischt. Daher ist es wichtig, diesen Unterschied neu zu erfassen, wenn man den Menschen als einzigartiges „Wesen Mensch“ und nicht als Tier verstehen möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Tier ist es zwar möglich, sich individuell seelisch zu äußern – keine zwei Hunde gleichen sich in Bezug auf ihr Verhalten vollständig, auch wenn sie dem gleichen Wurf angehören –, aber es ist dennoch keinem einzigen Hund möglich, sich nicht wie ein regulärer Hund zu benehmen. In der tierischen Entwicklung fehlt der Faktor „individuelle Entwicklung“, der mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Offenheit&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Risikobereitschaft&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Scheitern-Können&#039;&#039;, was mit&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Aufgeben-Wollen&#039;&#039; einhergeht und in die&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Unberechenbarkeit&#039;&#039; der spezifisch menschlichen Existenz führt&lt;br /&gt;
* mit der ganzen typisch menschlichen &#039;&#039;Selbstfindungsproblematik&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* mitsamt ihren &#039;&#039;Identitätskrisen&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* und dem &#039;&#039;Erreichen des Nullpunktes&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus diesen menschlichen Schwächen erwächst, indem wir sie verstehen und überwinden, das enorme menschliche Potential, Mitschöpfer seiner Existenz zu sein. Das erfordert jedoch Entwicklungswillen, Arbeit an sich selbst, Selbstverantwortung und den Willen zur Freiheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht stellen wir Menschen uns deshalb gegenwärtig so gerne auf eine Stufe mit dem Tier, weil wir es insgeheim um seine fraglose Identität und um sein immer artgemäßes Verhalten beneiden. Die weisheitsvollen Gesetzmäßigkeiten der mineralischen Welt, der ätherischen Lebenszusammenhänge und der seelischen Verinnerlichungsmöglichkeiten kommen zwar in jedem einzelnen Tier-Individuum seinen Möglichkeiten gemäß auch individuell zum Ausdruck, immer auf instinktiv vollkommene und selbstverständliche Art und Weise. Kindheit, Jugend und Erwachsenwerden des Tieres werden von artgemäßen Instinkten bestimmt und können naturgegeben ausgelebt werden. Gerade diese instinktive Selbstverständlichkeit der Entwicklung, ist dem Menschen nicht gegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Lange Kindheit als Zeit für selbstbestimmte Entwicklung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Zoologe &#039;&#039;Friedrich Kipp&#039;&#039; ging in seinem Buch &#039;&#039;„Die Entwicklung des Menschen im Hinblick auf seine lange Jugendzeit“&#039;&#039; dem Unterschied zwischen Tier und Mensch evolutionsbiologisch nach.[1] Er zeigt auf, dass der Mensch eine im Vergleich zu den Säugetieren lange Kindheit und Jugend hat mit einer ausgedehnten Spiel- und Lernphase, wodurch seine Fähigkeit, sich lebenslang ändern und anpassen zu können, entscheidend unterstützt wird. Das zeigt: Der Mensch ist auf bewusste Selbstentwicklung hin veranlagt. Körperlich behält er im Vergleich zu den Tieren lange eine unspezialisierte, embryonal-kindliche Form bei. Dies hat zur Folge, dass Kinder, die sich ausgiebig bewegen und in hohem Ausmaß spielen und kreativ sein durften, in der Regel auch bis ins hohe Alter beweglich und schöpferisch bleiben. Je früher Kinder hingegen in Kindergarten und Schule konditioniert, verschult und damit festgelegt werden, umso größer ist die Gefahr, dass sie später wenig schöpferisch und sehr angepasst leben und früher alt und auch krank werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daran kann unmittelbar abgelesen werden, dass in den Menschen eine über das Tier hinausgehende, völlig andere Gesetzmäßigkeit hereinragen muss: Eine Gesetzmäßigkeit, durch die er gezwungen ist, die Verantwortung für seine Entwicklung selbst in die Hand zu nehmen, da er sie nicht seinen körpereigenen Instinkten überlassen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verwundbarkeit als Entwicklungsmerkmal&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die menschliche Entwicklung ist gekennzeichnet von einer größtmöglichen Offenheit und Verwundbarkeit. Alles, worauf das Tier sich weitestgehend verlassen kann, ist beim Menschen nicht von Natur aus gegeben: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* dass es die richtige Wahl der Nahrungsmittel trifft,&lt;br /&gt;
* dass es nicht zu viel und nicht zu wenig isst,&lt;br /&gt;
* dass es sich artgemäß fortpflanzt,&lt;br /&gt;
* dass sein Schlaf-Wachrhythmus geregelt ist,&lt;br /&gt;
* dass sein Sozialverhalten dem entspricht, was man von ihm erwartet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All das muss im Laufe des gesamten Lebens nicht nur errungen, sondern auch weiter ausgebildet, kultiviert und „vermenschlicht“ werden. Wie viele Arztbesuche würden entfallen, wenn es keine Ess-, Schlaf- und (sexuellen) Beziehungsprobleme gäbe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon eine so einfache Überlegung macht deutlich, wie revolutionär, wie dramatisch und grundsätzlich der Unterschied zwischen Mensch und Tier ist. Wenn beim Tier die Geschlechtsreife eintritt, ist sein artgemäßes Verhalten bereits gesichert, und es lebt individuell und sozial in geregelten Bahnen. Beim Menschen hingegen ist die Geschlechtsreife dadurch gekennzeichnet, dass alle noch so gutgemeinten erzieherischen Bemühungen aus den früheren Jahren fruchtlos erscheinen. Eigenes, Unerwartetes macht sich geltend – das ist ein wahrhaft revolutionärer Vorgang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entwicklungsoffenheit als Herausforderung und Chance&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Mit diesem Eigenen, Unerwarteten, mit dieser Entwicklungsoffenheit hängt aber auch all das zusammen, was besonderen Begabungen und Behinderungen zugrunde liegt. Und nur der Mensch muss lernen, mit Begabungen und Behinderungen zu leben und mit ihnen umzugehen, nicht jedoch die ihm seelisch verwandten Tiere. Man hat Skelette von wasserköpfigen Kindern gefunden, die aus der Steinzeit stammten, und hat daraus geschlossen, dass die Fürsorge für behinderte Kinder so alt ist, wie Menschen Behinderungen wahrnehmen und pflegen konnten. Ein behindertes Tier in der freien Wildbahn wird sehr bald vom ökologischen System „verarbeitet“: Es stirbt, weil es sich nicht ernähren und verteidigen kann – es wird aufgefressen, ihm kann nicht geholfen werden. So wird auch dafür gesorgt, dass schwerwiegende Behinderungen unter Tieren nicht weitervererbt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was könnte ein Tier auch in der Auseinandersetzung mit einer Behinderung gewinnen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da ihm das Selbstbewusstsein und die damit verbundene persönliche Betroffenheit fehlen, könnte es damit gar nichts anfangen. Es würde sinnlos leiden. Dem Tier ist es nicht gegeben, durch Leid und Schmerz Erfahrungen zu machen, die es in seiner Entwicklung weiterbringen. Denn es ist von Natur aus zur Vollkommenheit veranlagt. Das kann durch persönliche Anstrengung nicht noch weiter gesteigert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Leid und Schmerz als Lernhilfen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Gerade das ist beim Menschen grundsätzlich anders: Für ihn sind Leid und Schmerz Herausforderungen, denen er sich während seiner ganzen Entwicklung bewusst stellen muss und durch die er Erfahrungen machen kann und Einsichten gewinnen lernt, die durch nichts anderes zu gewinnen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Natur zeigt sich das Geistige – wenn es durch menschliche Eingriffe nicht gestört wird – wirksam in den weisheitsvoll aufeinander abgestimmten Regelkreisen der ökologischen Zusammenhänge. Krankheit und Behinderung treten hier nur am Rande als flüchtige Erscheinungen auf, da kranke Pflanzen bald zugrunde gehen, ebenso wie geschwächte und geschädigte Tiere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Pflanze und Tier erkranken, wenn die &#039;&#039;&#039;äußeren Lebensumstände&#039;&#039;&#039; ihrer Art nicht mehr entsprechen und wenn in irgendeiner Form nicht zu kompensierende Mangelerlebnisse auftreten, was Nahrung, Klima und – im Falle von Nutz- und Haustieren – deren nicht artgerechte Haltung betrifft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Demgegenüber besitzt der Mensch die Möglichkeit, mit Krankheiten und Behinderungen unter Umständen jahrzehntelang zu leben und umzugehen. Doch nicht nur das.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Beim Menschen treten zu diesen schädigenden Einflüssen von außen noch etwas hinzu: &#039;&#039;&#039;innere Krankheitsursachen&#039;&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kräfte, die beim Menschen als freie, seelisch-geistige Betätigungsmöglichkeiten in Erscheinung treten, entstammen ja Kraftzusammenhängen, die den Leib aufbauen und erhalten. Beim Tier offenbaren sich die entsprechenden Kräfte als leibgebundene instinktive Weisheit und artgerechtes Sozialverhalten. Irrtum und Missbrauch dieser Kräfte sind ausgeschlossen, indem sie der unbewussten Regelung durch das Naturgesetz unterliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ausgleich des Instinktdefizits durch Lernwillen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das ist beim Menschen anders. Er hat ein großes Instinktdefizit, einen Mangel an naturgegebener Weisheit, an automatisch regulierenden und stärkenden Kräften. Den Menschen stärkende Kräfte entspringen stattdessen dem Seelen- und Geistesleben, d.h. der Mensch kann und muss durch aktive Lernprozesse ersetzen, was ihm an Instinkten fehlt. Andererseits hat er dadurch die Möglichkeit, diese vom Leib emanzipierten seelischen und geistigen Entwicklungspotentiale zur Zerstörung von sich und anderen zu missbrauchen. Hiermit gemeint sind nicht nur &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die Schädigungsmöglichkeiten, die mit falscher Ernährung, zu wenig Schlaf, einer &#039;&#039;&#039;ungesunden Lebensweise&#039;&#039;&#039; und mangelnder Hygiene zusammenhängen,&lt;br /&gt;
* sondern vor allem diejenigen Schädigungsmöglichkeiten, die durch ein &#039;&#039;&#039;unwahres Denken, ein destruktives Gefühlsleben und durch fehlgeleitete Willenshandlungen&#039;&#039;&#039; zustande kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist ein langer Entwicklungsweg, bis man reif ist für den freien Gebrauch dieser Seelen- und Geisteskräfte. Die damit verbundenen Lernprozesse sind dadurch störanfällig, dass sich der Mensch geistig, seelisch und auch an Leben und Leib „irren kann“. Darin liegt ein tiefer Sinn. Denn wenn er den zuletzt in Form von Krankheit und Behinderung organisch gewordenen „Irrtum“ erlebt, kann er sich dadurch weiterentwickeln. Auch liegt etwas Trostreiches in dem Gedanken, dass man Fehler und Irrtümer selber als solche erleben und damit die Voraussetzungen schaffen kann, sie selbstständig zurechtzurücken und zu verwandeln. Unter diesem Gesichtspunkt erscheinen Begabung und Behinderung in einem völlig anderen Licht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verantwortung übernehmen für Entwicklung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Es wäre allerdings einseitig, aus dem Vorgebrachten den Schluss zu ziehen, hier tauche, nur mit neuen Begründungen, die alte Lehre wieder auf, dass Krankheit von Sünde und Fehlverhalten komme. Viel wesentlicher ist es, aus diesen Zusammenhängen die Frage abzuleiten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Woher kommen Begabungen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Woher kommen angeborene Fähigkeiten, Genialität?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Könnten sie nicht gerade das Ergebnis durchgemachter Behinderungen und Krankheiten in einem früheren Erdenleben sein?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir leben heute in einer Zeit, in der die Menschen zunehmend empfinden, dass sie selbst für ihre Gesundheit und ihre Entwicklung Verantwortung übernehmen müssen. Dafür sorgt nicht nur der sich anbahnende wirtschaftliche Zusammenbruch der Gesundheits- und Sozialsysteme, sondern auch, dass der Mensch sich immer stärker als auf sich selbst gestellt erlebt. Angesichts der vielfältigen Folgen menschlichen Handelns in der Natur, der Umwelt und im Wirtschafts- und Sozialleben erkennen wir, dass wir es letztlich selber sind, von denen wir und unsere Umwelt abhängen. Wir sind viel mehr mit den Folgen unserer Taten konfrontiert; sie werden vom Einzelnen viel stärker erlebt als dies noch vor vierzig, fünfzig Jahren der Fall war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Zukunft wird entscheidend sein, dass möglichst viele Menschen sich ihrer Verantwortung bewusstwerden und aus dieser Einsicht heraus energisch an einer Vermenschlichung der kulturellen Verhältnisse arbeiten. Auch wenn noch nie so viele Menschen auf der Erde gelebt haben wie gegenwärtig, kann man andererseits auch sagen, dass die Defizite an Menschlichkeit nie so stark in Erscheinung getreten sind wie im letzten Jahrhundert mit seinen endlosen Kriegen, Zerstörungen und epidemischen Zuständen von Unzufriedenheit, Depression und Verzweiflung. Und so ist es kein Wunder, dass sich viele Menschen aufgrund dieser Tatsachen wie an einer Schwelle erleben, an der sie wachgerüttelt werden, sich selbst zu erkennen. Viele empfinden auch eine gewisse Sehnsucht, sich ihre Mitverantwortung für das Ganze bewusst zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Begabungen und Behinderungen“, 5. Und 6. Kapitel, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2004&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. dazu Friedrich A. Kipp, &#039;&#039;Die Evolution des Menschen im Hinblick auf seine lange Jugendzeit&#039;&#039;, Stuttgart 1991, ferner: Wolfgang Schad, &#039;&#039;Säugetiere und Mensch&#039;&#039;, Stuttgart 1971.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Offenborn</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Anthroposophische_Menschenkunde&amp;diff=1264</id>
		<title>Anthroposophische Menschenkunde</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Anthroposophische_Menschenkunde&amp;diff=1264"/>
		<updated>2026-01-17T18:14:06Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Offenborn: /* Fragen zur Kieselsäure als Nahrungsergänzungsmittel */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= Anthroposophische Menschenkunde – von Michaela Glöckler =&lt;br /&gt;
Auszüge aus Büchern und Vorträgen von [[Michaela Glöckler]]; Erstveröffentlichung auf https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE FÜNF EBENEN DES ANTHROPOSOPHISCHEN MENSCHENBILDES ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sind die fünf Ebenen des anthroposophischen Menschenbildes?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern sind sie jeweils Ausdruck des menschlichen Seins?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann man sie positiv und negativ beeinflussen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Erkenntnis vom Menschen als Grundlage&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Zentrales Anliegen der An­throposophischen Medizin ist die Erkenntnis vom Menschen als Grundlage aller medizinisch-therapeutischen Interventionen. „Anthropos“ heißt auf Griechisch der Mensch, „sophia“ heißt Wissen, Kunde, Weisheit, Erkenntnis. Das Menschenbild aus der Anthroposophie ist demnach gekennzeichnet von einem weisheitsvollen Blick auf den Menschen, der dessen Vielschichtigkeit Rechnung trägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So werden auch die Ursachen für Krankheiten unterschiedlichen Schichten oder Ebenen des Menschen zugeordnet: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Manche sind durch unzureichende Pflege und schlechte Behandlung des physischen Leibes verursacht.&lt;br /&gt;
* Andere sind der Nichtbeachtung der Lebensrhythmen geschuldet.&lt;br /&gt;
* Wieder andere haben mit belastenden Beziehungen zu tun.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die fünf Ebenen des Menschseins&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Diese unterschiedlichen Daseinsebenen, auf denen wir agieren, jeweils anamnestisch zu er­fragen, gehört zum Grundkonzept der anthroposophischen Medizin. Der Arzt versucht mit Hilfe des Patienten zu ergründen, auf welchen der menschlichen Seins-Ebenen ständige Selbst- bzw. Fremdkränkung vorliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Genetisch-physisch-körperliche Ebene ====&lt;br /&gt;
Diese Ebene umfasst die Genetik, die Umwelt sowie die Epigenetik. Steiner hat seinerzeit bereits von den Phänomenen der Epigenetik gesprochen, obwohl es das Wort noch gar nicht gab. Er betonte dabei, dass das Erbgut wandelbar sei, dass es keine fixe Größe darstelle – und sah auch voraus, dass man das noch herausfinden werde. Das konnte sich zu seiner Zeit, in der man dem genetischen Determinismus huldigte, niemand vorstellen. Er nannte drei Faktoren, die das Erbgut beeinflussen und verändern: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Immunstimulierung durch Fieber =====&lt;br /&gt;
Wir wissen heute aus der Immunologie, dass die Immunparameter durch Fieber stimuliert werden, dass bestimmte Genbezirke, die vor einem Fieberschub noch geblockt waren, nach dem Fieberschub reagieren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Organbildung durch Sinneseindrücke =====&lt;br /&gt;
Zur physischen Ebene gehören auch die Sinne mit den dazugehörigen Sinnesorganen, deren Bedeutung Steiner in der sogenannten Sinneslehre umfassend beschreibt. Er unterscheidet zwölf Sinnesbezirke, die wiederum in geistig, seelisch und leiblich orientierte Sinne unterteilt werden. Sie seien hier nur kurz erwähnt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====== &#039;&#039;Geistig orientierte Sinne:&#039;&#039; ======&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Man kann das Ich eines anderen als Kraftgefüge wahrnehmen über den Ich-Sinn, &lt;br /&gt;
* Gedanken über den Gedanken- oder Begriffssinn,&lt;br /&gt;
* Worte über den Wort- oder Lautsinn.&lt;br /&gt;
* und verfügen über einen Wärmesinn,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====== &#039;&#039;Seelisch orientierte Sinne:&#039;&#039; ======&lt;br /&gt;
Wir können hören, sehen, riechen, schmecken&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====== &#039;&#039;Leiblich orientierte Sinne:&#039;&#039; ======&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wir verfügen über einen Gleichgewichtssinn, &lt;br /&gt;
* einen (Eigen)bewegungssinn,&lt;br /&gt;
* einen Lebenssinn&lt;br /&gt;
* und einen Tastsinn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Sinne sind entscheidend an Aufbau und Funktion des menschlichen Körpers beteiligt. Denn über die kindliche Nachahmung wirkt das sinnlich Wahrgenommene bis in die Organbildung hinein. Steiner wusste damals noch nichts von den Spiegelneuronen, beschrieb sie aber in ihrer Funktion, indem er sagte, das Kind ahme alles nach und jede Nachahmung stelle eine physiologische Tätigkeit dar, durch die sich die Konstitution des Kindes ändere. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Individualität als Entscheidungsinstanz =====&lt;br /&gt;
Steiner war zudem fest davon überzeugt – und das wird heute von der Beziehungs- und Bindungsforschung bestätigt – dass die Individualität des Kindes selbst das Erbgut so „komponiert“, wie es für das Leben und die Entwicklung dieses Menschen stimmig ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 2000 wurde das sogenannte &#039;&#039;„Human genom project“&#039;&#039; veröffentlicht, eine 10jährige Arbeit zur Entschlüsselung des menschlichen Genoms. Von der Zeitschrift &#039;&#039;„nature“&#039;&#039; gab es einen Sonderband dazu, der die Richtigkeit von Steiners Annahmen aus schulmedizinischer Sicht bestätigte. Dort wurde im Editorial gesagt, dass das Erbgut viel simpler aufgebaut und viel weniger spezifisch sei, als man bisher dachte. Die große Enttäuschung sei jedoch, dass man das Entscheidende nicht gefunden habe: das Regulator-Gen, das für die Gesamtgestalt und für die Form der einzelnen Organe zuständig ist. Dort hieß es so schön: &#039;&#039;„Die Gene funktionieren wie ein gutes Orchester, nur kennen wir den Dirigenten nicht.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner sagte seinerzeit, die Individualität des Kindes wäre dieser Dirigent. Das wurde auch von der Resilienz- und Salutogenese-Forschung bestätigt: Unabhängig von Erbgut und Milieu hängt es letztlich immer von dem jeweiligen Menschen ab, ob ein ungünstiges Milieu ihm zum Schaden gereicht und er eine frühkindliche Störung entwickelt oder ob er dadurch stärker wird. Alles hängt von seiner mitgebrachten individuellen Kompetenz ab und davon, ob diese im Umfeld auf eine entsprechende Resonanz trifft. Man hat herausgefunden, dass nicht das Milieu oder die Gene die wichtigsten Schutzfaktoren gegen kränkende Einflüsse sind – und damit entscheidend für eine gesunde menschliche Entwicklung –, sondern die tragende Beziehung, die ein Kind zu mindestens einem Menschen aufbauen kann. Eine solcherart schützende Beziehung wird von Ehrlichkeit, liebevollem Interesse und Respekt vor der Integrität, der Autonomie und den Grenzen des anderen geprägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ätherisch-zeitliche Ebene ====&lt;br /&gt;
Die ätherische Ebene betrifft die Zeit und die Prozesse, die in der Zeit ablaufen. Es ist nicht egal, wann man etwas macht – es muss alles zu seiner Zeit geschehen. Man spricht in dem Zusammenhang auch von Entwicklungsfenstern. Hierher gehört der Begriff der altersentsprechenden Erziehung sowie die Berücksichtigung von Rhythmen wie gesunde Essens- und Schlafenszeiten. All das wird zusammengefasst unter dem Begriff Biorhythmik. Dieses Gebiet wird in der Waldorfpädagogik sehr ernst genommen: Welche Unterrichtsstunden worauf folgen, aber auch das Thema des altersentsprechenden Lehrplans gehören hierher – nicht vom Inhalt her gesehen, den er vermitteln soll, sondern im Sinne einer Lehrplan-Physiologie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Für welche körperlich-seelische Erfahrungswelt ist ein Kind mit 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10 Jahren empfänglich?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wann sollte was unterrichtet werden, damit das Kind altersentsprechend körperlich geschickt und seelisch geweckt wird und in ihm seinem Alter gemäße Fragen wachgerufen werden als „Nahrung“, die es in einem bestimmten Lebensalter braucht?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein komplexes Gebiet, weshalb es auch den Schularzt braucht, der Lehrer und Eltern im Bereich der primären Prävention dahingehend berät, wie sie die Erziehungsprozesse durch gesundende Zeitabläufe begleiten und unterstützen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Lebensrhythmen des Menschen&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner stellte einen Bezug zwischen den heute bekannten Rhythmen und dem Menschen her:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Das &#039;&#039;Ich&#039;&#039; lebt im &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;24-Stunden-Rhythmus&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;Seele&#039;&#039; im &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Wochenrhythmus&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;: Um etwas seelisch zu verarbeiten, braucht man mindestens eine Woche – das bekommt man nicht an einem Tag hin.&lt;br /&gt;
* Die Lebensorganisation wird auch &#039;&#039;Ätherleib&#039;&#039; genannt und folgt dem &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;4-Wochen-Rhythmus&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;, d.h., wenn man eine schlechte Gewohnheit ablegen und stattdessen eine gute verankern will, braucht man dafür vier Wochen. Gute Gewohnheiten haben einen stabilisierenden Einfluss auf den Ätherleib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begriff „Ätherleib“ ist ein von Steiner benützter Terminus, der auf das blaue Himmelslicht zurückgeht. Er sagt, alles Leben auf der Erde, wie z.B. die Chlorophyll-Assimilation von Licht, findet unter Einfluss des durchsonnten blauen Himmels der Atmosphäre statt. Sie ist die direkte Energiequelle des gesamten Lebens. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Seelisch-astrale Ebene ====&lt;br /&gt;
Die wesentlichen Beziehungs- bzw. seelischen Faktoren sind Ehrlichkeit, liebevolles Interesse, Respekt vor der Autonomie. Entscheidend ist dabei jeweils, dass man diese Qualitäten zu fühlen imstande ist. Denn die Seele umfasst primär die Gefühlsebene. Was man nicht fühlt, ist für den Betreffenden nicht real. Interesse wird erst zu Liebe, wenn man den anderen meint und nicht insgeheim etwas für sich selbst haben möchte. Das gilt auch für den Respekt vor der Freiheit, der Autonomie des anderen. Wer sich freilassend geliebt und verstanden, aber auch ehrlich behandelt fühlt, kann mit Goethe sagen: &#039;&#039;„Ich fühlte mich in Deinen Augen gut.“&#039;&#039;  Das schrieb er seiner Geliebten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die uns anvertrauten Kinder und Patienten sollten sich in unseren Augen gut fühlen und nicht mit distanziertem, gleichgültigem Blick von oben herab angeschaut werden. Es gibt so viel Zweifel, Spott, Zynismus, aber auch so viele Ängste, die eine gesunde Beziehung verstellen und das Gefühlsleben korrumpieren können. Das wieder freizulegen, ist ein wichtiger Teil unserer Arbeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Individuelle Ich-Ebene ====&lt;br /&gt;
Das Ich ist das entscheidende Zentrum dieses Menschenbildes. Wir benennen mit „ich“, was wir uns selber zusprechen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ein Kind erkennt schon mit &#039;&#039;&#039;drei Jahren&#039;&#039;&#039;: Ich bin. &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Ein Neunjähriges&#039;&#039;&#039; fühlt zum ersten Mal die Einsamkeit des Ich-Seins, fühlt sich plötzlich nicht mehr selbstverständlich zur Familie gehörig: Es fühlt zum ersten Mal das Alleinsein, das Ausgesetztsein, die Verwundbarkeit als Ich.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Mit 16&#039;&#039;&#039; fühlt man erstmals die Verantwortung für das eigene Ich, für das, was man denkt, was man will. Man sagt nicht mehr alles frei heraus, sondern prüft, ob etwas stimmt. Man fühlt sich jetzt für sich und das, was man tut, verantwortlich.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Zwischen 20 und 23&#039;&#039;&#039; – das sind statistische Mittelwerte – beginnt man ernsthaft die eigene Existenz, das eigene Ich selbst zu hinterfragen: Wozu all das? Will ich das überhaupt und wenn ja, warum? Sie suchen nach ihrer wahren Identität und wollen sie in allem selbst bestimmen: spirituell, seelisch, wertemäßig, beziehungsmäßig. Wer diese Themen für sich durcharbeitet, kann dann auch formulieren, was er unter diesem Ich versteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Wahrhaft Mensch werden&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Aus Sicht der Anthroposophie sind wir Menschen dazu aufgerufen immer menschlicher zu werden, uns als „Werdewesen“ zu begreifen. Der Mensch unterscheidet sich wesentlich von Mineralien, Tieren und Pflanzen, von allem, was die Natur bietet, durch ein Merkmal: durch seine Unvollkommenheit. In der Natur ist alles vollkommen, keines der uns umgebenden Naturwesen könnte schöner oder perfekter sein – es sei denn, es ist umweltbedingt geschädigt. In vielen Hochreligionen wurden Tiere aufgrund ihrer Vollkommenheit als Götter verehrt. Der Mensch empfindet sich dagegen unvollkommen: Kein Mensch würde von sich sagen, er wäre vollumfänglich Mensch. Jeder ist sich bewusst, dass er noch menschlicher sein könnte und sollte. Deshalb ist das Credo der Anthroposophie: Wahrhaft Mensch werden zu wollen: Zu lernen, die eigenen Werte zu bestimmen und daraus das eigene Leben menschenwürdig zu gestalten; und so auf die eigene Umwelt zurückzuwirken, dass Leben unterstützt und nicht gekränkt und bedroht wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Spirituelle Ebene – Quinta Essentia ====&lt;br /&gt;
Paracelsuns nannte diese fünfte Ebene die „Quinta Essentia“. Diese Ebene ist zentral für das anthroposophische Menschenbild: Unser Denken, Fühlen und Wollen sind nicht körperlicher Natur und auf den Körper beschränkt, sondern können von jedem, der sich nur ein wenig auf sich selbst besinnt, als außerkörperliche Kompetenzen erlebt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder erleben ihr Metabewusstsein oder Metagedächtnis zum ersten Mal mit 9 Jahren. Das hängt mit dem genannten Gefühlserlebnis zusammen. Sie sehen sich plötzlich wie von außen und fühlen sich ihrer Familie und ihrem Freundeskreis nicht mehr selbstverständlich zugehörig. Sie fragen plötzlich, warum sie in diesen Zusammenhängen leben. Natürlich reflektieren die Neunjährigen das noch nicht. Aber die 23-Jährigen tun es, sie stellen sich total infrage – und das kann man nur, wenn man sich als „außer sich“, also wie von außen, erleben kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist Rudolf Steiners ganz großer Verdienst, das Denken, Fühlen und Wollen als außerkörperliche Kompetenzen entdeckt zu haben: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* dass das Gehirn unsere Gedanken, Gefühle und Absichten nicht hervorbringt, sondern nur spiegelt,&lt;br /&gt;
* dass der Mensch eine gedankliche, gefühlsmäßige, intentionale Aura hat, einen mehr oder weniger „heiligen Schein“ von Gedanken, Gefühlen und Bestrebungen, die tatsächlich außerkörperlich sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darauf möchte ich im Folgenden genauer eingehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Drei Entwicklungsgesten und Denken, Fühlen und Wollen&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Aus der Embryologie kennen wir drei unterschiedliche evolutive Dynamiken:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# die &#039;&#039;&#039;Proliferation&#039;&#039;&#039;, das reine Wachstum,&lt;br /&gt;
# die &#039;&#039;&#039;Differenzierung&#039;&#039;&#039;, z.B. das Einsprossen der Nerven oder die Differenzierung in männlich und weiblich,&lt;br /&gt;
# die &#039;&#039;&#039;Integration&#039;&#039;&#039; aller Teile zu einem Gesamtbild. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie haben wesentlich mit dem Denken, Fühlen und Wollen zu tun. Steiner sagt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gedanken&#039;&#039;&#039; seien umgewandelte, leibfrei gewordene Wachstums- und Regenerationskräfte des Körpers (&#039;&#039;Proliferation&#039;&#039;), die dort nicht mehr gebraucht werden. Diese außerkörperliche Gedankenkompetenz ermögliche das geistige Wachstum des Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &#039;&#039;&#039;außerkörperliche Gefühlsvermögen&#039;&#039;&#039; bilde sich aus leibfrei gewordenen, umgewandelten &#039;&#039;Differenzierungskräften&#039;&#039;, die den Körper bis zur Pubertät durchgestaltet haben und nun im Fühlen Polarisierung – Sympathie, Antipathie, Harmonie, Disharmonie, das gesamte Spiel der Gefühle – ermöglichen. Es ist die Grundlage unserer Empathie-Fähigkeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entsprechendes gelte für die &#039;&#039;&#039;Ich-Kompetenz des freien Wollens&#039;&#039;&#039;, das als leibfrei gewordene &#039;&#039;Integrationskraft&#039;&#039; die Voraussetzung und Basis für Selbstbestimmung ist. Diese Willenskompetenz lässt uns die eigene Entwicklung im Sinne einer Übereinstimmung von Denken, Fühlen und Handeln selbst in die Hand nehmen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses real geistig-körperliche Konzept der Doppelnatur des Menschen bildet die Basis des anthroposophischen Menschenbildes. Diese Doppelnatur wird in dem schönen Gedicht von Juan Ramon Jimenez treffend beschrieben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich bin nicht ich.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich bin der, der an meiner Seite geht,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;ohne dass ich ihn erblicke,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;der sanftmütig schweigt, wenn ich rede,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;den ich oft suche,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;den ich oft vergesse,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;der verzeiht, wenn ich hasse,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;der umherschweift, wo ich nicht bin,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;der aufrecht bleibt, wenn ich sterbe.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====== &#039;&#039;Inkarnation…&#039;&#039; ======&lt;br /&gt;
Als Geste ausgedrückt: Wir Menschen kommen aus einer geistigen Welt. Leben, Seele und Geist verbinden sich bei der Zeugung mit einem physischen Keim und bauen ihn im Zuge der Embryonalentwicklung auf. Nach der Geburt müssen wir uns im Zuge der Inkarnation mit Erbgut und Milieu auseinandersetzen. Im Laufe des Wachsens und Reifens treten die nicht mehr benötigten Wachstumskräfte heraus aus dem Leib und werden zu Gedanken-, Gefühls- und Willenskräften, wodurch man lernen kann, sich geistig selbst zu finden und selbst zu bestimmen. Wir entwickeln ein individuelles Denken, Fühlen und Wollen – individuell deshalb, weil diese Kompetenz den Lebenskräften unseres eigenen Körpers entstammt. Je älter wir werden, desto mehr Kräfte verlassen den Körper.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====== &#039;&#039;… und Exkarnation&#039;&#039; ======&lt;br /&gt;
Wenn wir sterben, wird auch der letzte Rest an Lebenskräften leibfrei: Das spirituelle Kraftgefüge, das den Körper lebenslang unterhalten und zusammengehalten hat, tritt heraus und macht in der geistigen Welt eine Metamorphose durch, verwandelt seinen Seins-Zustand und geht als außerkörperliches Leben, Seele und Geist in die geistige Welt ein, während der Körper ziemlich rasch zerfällt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da wir nie in einem Erdenleben ganz Mensch werden können, geht dieser Prozess selbstverständlich weiter durch wiederholte Erdenleben – aber mit dem klaren Ziel, immer menschlicher zu werden, immer autonomer, immer ich-hafter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Bernd Rosslenbroich&#039;&#039; hat in seinem wunderbaren Buch[1] nachgewiesen, dass die gesamte Evolution Autonomie fördert, die im Menschen gipfelt, der unausgesetzt an seiner Befreiung arbeitet. Angesichts der vielen Krisen und Kriege spüren wir deutlich, wie unfrei der Mensch noch ist, wie viel Befreiungsarbeit noch vor uns liegt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag „Das anthroposophische Menschenbild“, 2014&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Bernd Rosslenbroich, &#039;&#039;On the Origin of Autonomy&#039;&#039;, &#039;&#039;A New Look at the Major Transitions in Evolution&#039;&#039;, Heidelberg, New York, Springer 2014.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE MENSCHLICHE KONSTITUTION ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was unterscheidet den Menschen wesentlich von der Pflanzen- und Tierwelt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist der tiefere Grund für die defizitäre Ausgestaltung des Menschen im Vergleich mit Pflanze und Tier?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielt dabei die Ich-Organisation?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Der Mensch aus Sicht von Kapitel V&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Nach der Betrachtung des pflanzlichen und des tierischen Organismus wird im fünften Kapitel von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039;die menschliche Konstitution näher ins Auge gefasst. Dabei lassen sich drei Hauptabschnitte unterscheiden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die beiden ersten Absätze&#039;&#039;&#039; sind dem Vergleich der menschlichen und tierischen Gestaltbildung gewidmet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Absätze 3–9&#039;&#039;&#039;, insbesondere aber Absatz 5, beschreiben diese Gestaltbildung etwas genauer im Hinblick auf den darin zum Ausdruck kommenden dreifachen Substanzstrom.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Absätze 10–13&#039;&#039;&#039; beziehen sich auf das unterschiedliche Verhalten der astralischen und Ich-Organisation im schlafenden und wachen Zustand, einschließlich der unterschiedlichen Rollen, die der Sauerstoff in diesen beiden Lebenszuständen spielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ich-Organisation behindert natürliche Vervollkommnung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dabei wird das für die Ich-Organisation charakteristische Merkmal zum zentralen Thema: dass die Ich-Organisation die Substanz- und Formkräfte im physischen, ätherischen und astralischen Bereich an der vollen Ausgestaltung der menschlichen Konstitution hindert. Die Tatsache dieser daraus resultierenden Unfertigkeit auf physischer, ätherischer und astraler Ebene unterscheidet den Menschen von Pflanzen und Tieren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn diese erscheinen vollkommen ausgestaltet – jedes nach seiner Art. Dieser fundamentale Unterschied zwischen Mensch und Tier fiel bereits Platon auf. Er erkannte, dass der Mensch sich von den anderen Naturwesen dadurch unterscheidet, dass er defizitär, also unvollkommen ist.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Determinationsdefizit als Garant für Freiheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der Renaissance wurde diese Einsicht nicht nur aufgegriffen, sondern geradezu zum Hauptmerkmal erhoben, das den Menschen vom Tier unterscheidet. Denn man erkannte in dem konstitutionseigenen Determinationsdefizit der menschlichen Natur auch dessen Vorteil, das spezifisch menschliche Privileg: die Befähigung zur Selbstdetermination, zur Freiheit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Giovanni Pico della Mirandola ====&lt;br /&gt;
So hat &#039;&#039;Giovanni Pico della Mirandola (1463–1494)&#039;&#039; in seinem berühmten Traktat &#039;&#039;„De hominis dignitate“ („Über die Würde des Menschen“)&#039;&#039; diesem Umstand ebenfalls positive Bedeutung zugemessen und sie nicht im Lichte der traditionellen christlich-biblischen Deutung als ‚Sünden-Fall‘ dargestellt. Pico lässt Gottvater als ‚obersten Künstler‘ sagen: &#039;&#039;„Weder haben wir dich himmlisch, noch irdisch, weder sterblich, noch unsterblich geschaffen, damit du wie dein eigener, in Ehre frei entscheidender schöpferischer Bildhauer dich selbst zu der Gestalt ausformst, die du bevorzugst. Du kannst zum Niedrigeren, zum Tierischen entarten; du kannst aber auch zum Höheren, zum Göttlichen wiedergeboren werden, wenn deine Seele es so beschließt.“[3]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Gotthold Ephraim Lessing ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gotthold Ephraim Lessing (1729–1781)&#039;&#039; schreibt am Ende seiner Ausführungen über &#039;&#039;„Das Christentum der Vernunft“ (1753):&#039;&#039; &#039;&#039;„Da in der Reihe der Wesen unmöglich ein Sprung stattfinden kann, so müssen auch solche Wesen existieren, welche sich ihrer Vollkommenheiten nicht deutlich genug bewusst sind.“[4]&#039;&#039; In Lessings theologischer Grundüberzeugung ist Gott nicht nur der Inbegriff der allumfassenden Vollkommenheit, sondern er hat auch Bewusstsein davon. Wenn er nun Wesen zulässt – wie die Menschen es sind – die kein deutliches Bewusstsein ihrer Vollkommenheit haben, so sind diese Wesen offenbar noch im Prozess ihrer – Gott gewollten – Schöpfung bzw. Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Einsicht inspirierte Lessing dann auch zu seinen bekannten Ausführungen über &#039;&#039;„Die Erziehung des Menschengeschlechts“&#039;&#039;, wo es heißt: &#039;&#039;„Eben die Bahn, auf welcher das Geschlecht zu seiner Vollkommenheit gelangt, muss jeder einzelne Mensch (der eine früher, der andere später) erst durchlaufen haben. – [...] In einem und demselben Leben durchlaufen haben? Kann er in eben demselben Leben ein sinnlicher Jude und ein geistiger Christ gewesen sein? Kann er in eben demselben Leben beide überholet haben?“[5]&#039;&#039; Zum Schluss gipfelt diese Betrachtung dann in dem Bekenntnis zum Gedanken der Wiederverkörperung, dem er die Einsicht in seine eigene Entwicklungsbedürftigkeit und seine Sehnsucht nach Höherentwicklung verdankt: &#039;&#039;„Warum sollte ich nicht so oft wiederkommen, als ich neue Kenntnisse, neue Fertigkeiten zu erlangen geschickt bin? Bringe ich auf einmal so viel weg, dass es der Mühe wiederzukommen etwa nicht lohnet? [...] Ist nicht die ganze Ewigkeit mein?“[6]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Novalis ====&lt;br /&gt;
Auch in der Philosophie des deutschen Idealismus und der Frühromantik, spielt der Tatbestand der Entwicklungsbedürftigkeit des Menschen aufgrund des Defizit-Erlebens eine entscheidende Rolle. So lässt &#039;&#039;Novalis (1772–1801)&#039;&#039; im zweiten Teil seines &#039;&#039;„Heinrich von Ofterdingen“&#039;&#039; den Arzt Sylvester seinem Besucher Heinrich, der nach den Ursachen von allen Schrecken, Schmerzen, aller Not und allem Übel im Weltall fragt und wann man dessen nicht mehr bedürfe, die Antwort geben: &#039;&#039;„Wenn es nur Eine Kraft gibt – die Kraft des Gewissens – Wenn die Natur züchtig und sittlich geworden ist. Es gibt nur Eine Ursache des Übels – die allgemeine Schwäche, und diese Schwäche ist nichts als geringe sittliche Empfänglichkeit und Mangel an Reiz der Freiheit.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Heinrich: Macht mir doch die Natur des Gewissens begreiflich.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Sylvester: Wenn ich das könnte, so wär ich Gott, denn indem man das Gewissen begreift, entsteht es.“[7]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verzicht auf naturgegebene Vollkommenheit zugunsten von Menschlichkeit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die physiologisch bedingte Unvollkommenheit des Menschen und der damit verbundene seelisch-geistige, d. h. charakterliche Entwicklungs-Bedarf wird in Kapitel V darauf zurückgeführt, dass die menschliche Konstitution von Natur aus auf keiner Ebene ihrer Manifestation perfekt ausgestaltet ist. Die Gestaltungskräfte werden durch den Einfluss der Ich-Organisation zurückgedrängt, &#039;&#039;„im Flusse erhalten“&#039;&#039; und, wo nötig, überwunden&#039;&#039;.[8]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Man kann dies einerseits als &#039;&#039;&#039;generellen Verzicht auf Spezialisierung&#039;&#039;&#039; ansehen und an Goethe denken, der der Ansicht war, dass das Tier durch seine Organe belehrt würde, indem sie sozusagen instinktsicher ‚alles richtig machen‘, der Mensch aber seine Organe belehren müsse.[9]&lt;br /&gt;
* Man kann es aber auch als einen &#039;&#039;&#039;Akt aktiven, willentlichen Zurückdrängens&#039;&#039;&#039; der mineralischen, pflanzlichen und tierischen Natur ansehen, um die eigene Menschlichkeit entwickeln zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seiner Studie &#039;&#039;„Die Evolution des Menschen in Hinblick auf seine lange Jugendzeit“[10]&#039;&#039; hat &#039;&#039;Friedrich Alexander Kipp (1908–1997)&#039;&#039; diesen Tatbestand eindrucksvoll belegt. &#039;&#039;Wolfgang Schad (1935–2022)&#039;&#039; hat der Evolution von Tier und Mensch von der fossilen Frühgeschichte bis in die Gegenwart sein Lebenswerk gewidmet.[11] Sein Schüler und Nachfolger als Direktor des Instituts für Evolutionsbiologie der UW/H, &#039;&#039;Bernd Rosslenbroich&#039;&#039;, hat diese Forschungen in seiner Habilitationsschrift über die &#039;&#039;„Entwicklung der Autonomie im Kontext der Evolution der Arten bis hin zum Menschen“&#039;&#039; zusammengefasst.[12]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser inzwischen auch naturwissenschaftlich gut belegte Tatbestand kann deutlich machen, dass letztlich keinem Menschen die Entwicklungsarbeit an der eigenen ‚Menschwerdung‘ abgenommen werden kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[13]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Als Beispiel hierfür sei der Dialog Protagoras genannt. Siehe Platon (2016), 645–663.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Della Mirandola (2022), 14.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Lessing (1998), 27&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Lessing (2001), 98.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Ebd., 99.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Novalis (2013), 273.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Vgl. FN 1, S. 28.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] &#039;&#039;„Das Thier wird durch seine Organe belehrt; der Mensch belehrt die seinigen und beherrscht sie.“&#039;&#039; WA II, 42, 258.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Kipp (1980).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Schad (2012). Während sich der Schimpansenkopf kurz nach der Geburt in Aufbau und Vertikalität kaum von dem eines Menschenkindes unterscheidet, so ist dies im Laufe der kommenden Wochen und Monate zunehmend der Fall. Der Gesichtsschädel rückt nach vorne, die Stirne flacht sich nach hinten ab und die adulte Form hat das Menschenähnliche weitgehend verloren. Entsprechend ist es mit Armen, Händen, Beinen und Füßen. Auch sie sehen zunächst in der frühen Embryonalentwicklung menschenähnlich aus und weisen die gegliederte Zehen- und Fingerbildung auf. Besonders berührend ist dies im Verlauf der Entwicklung des Vogelflügels. Hier differenziert sich aus der zunächst fünffingerigen ›Hand‹ am Ende des Arms sukzessive das verkrüppelte ‚Fingerskelett‘ heraus, das sich zwar zur perfekten Navigation der Flügel eignet – aber eben nur dafür. Die Hand des Menschen bleibt hingegen lebenslang im Verzichtsmodus auf jede Form der Spezialisierung. Sie steht nicht im Dienst einer durch die Natur gegebenen Steuerung, sondern braucht die Impulsgebung zum ‚Handeln durch bewusstes Denken und Fühlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Vgl. Rosslenbroich (2007) und Kümmell (2020).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== GEIST, SEELE, LEIB UND WESENSGLIEDER ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wirken die vier Wesensglieder im Kontext der menschlichen Dreigliederung von Körper, Seele und Geist?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wo betätigen sie sich leibgebunden, wo leibfrei?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche entscheidende Rolle hat dabei die Ich-Organisation inne?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Dreigliederung und Zusammenwirken der vier Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Ausführungen zur Dreigliedrigkeit der Organbildungen und des Nervensystems in Kapitel VI von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; erfahren eine aufschlussreiche Präzisierung durch eine Darstellung zu Beginn des &#039;&#039;„Ärztekurses“&#039;&#039; von 1921.[2] Sie sei hier angeführt, um die äußerst knapp gefassten Aussagen dazu in den Kapiteln V und VI verständlicher zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dort wird die von Rudolf Steiner schon 1917 entwickelte Dreigliederung in &#039;&#039;„Von Seelenrätseln“[3]&#039;&#039; daraufhin angeschaut, wie die vier Wesensglieder im Nerven-Sinnes-System, der rhythmischen Funktionsordnung von Kreislauf und Atmung sowie im Stoffwechsel-Gliedmaßen-System jeweils unterschiedlich zusammenarbeiten. Daraus ergibt sich auch der anthroposophisch-anthropologische Ansatz zum Verständnis von ‚Leib‘, ‚Seele‘ und ‚Geist‘:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Geist – rein leibfreie Tätigkeit von Denken, Fühlen und Wollen ====&lt;br /&gt;
Von Geist kann gesprochen werden, wenn man die leibfreie, rein geistige – nicht verkörperte – Tätigkeit von Denken (Ätherleib), Fühlen (Astralleib) und Wollen (Ich-Organisation) im Auge hat. Diese konstitutionelle Gegebenheit findet sich nur im Bereich des im Kopf zentrierten Nerven-Sinnes-Systems. Geist, so gesehen, bedeutet präzise: außerhalb des Leibes sein, d.h. rein geistig tätig. Die drei – gestützt auf das Nerven-Sinnes-System – außerkörperlich wirksamen Wesensglieder, Ätherleib, Astralleib und Ich-Organisation, sind so gesehen in ihrem Zusammenwirken ‚der Geist des Menschen‘.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Seele – Selbstwahrnehmung und Empathie, mal leibgebunden, mal leibfrei ====&lt;br /&gt;
Seele im engeren Sinn ist das Zusammenspiel des träumenden Gefühlslebens mit dem schlafbewussten Willensleben, wie es sich im rhythmischen System darlebt. Hier wirkt Ich-Organisation wie im Nerven-Sinnes-Bereich als Willensvermögen leibfrei von außen, der Astralleib hingegen verbindet sich rhythmisch durch die Ausatmung stärker mit der Ich-Organisation und bei der Einatmung mehr mit der schlafenden physisch-ätherischen Konstitution, in der das Ätherische leiblich gebunden bleibt und der Denktätigkeit nicht zur Verfügung stehen kann. Dadurch bleibt bei jeder Gefühlsregung einerseits der subjektive Selbstbezug bzw. die Selbstwahrnehmung des Fühlenden erhalten. Andererseits ist dadurch aber auch eine selbstlose ‚spirituelle Empathie‘ möglich, da der leibfreie Anteil des Astralleibes in Form des Gefühlslebens in der Ausatmung an die leibfrei bleibende Ich-Organisation gebunden ist. Dadurch ist – je nach Intention des Ich – auch ein emotionales von sich Absehen-Können möglich, ein sich in die Situation eines anderen Menschen oder eines Vorgangs in der Umwelt wirklich Hereinversetzen-Könnens: Echte Empathie, selbstloses Mitfühlen mit dem Anderen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Leib – Ort der sich unbewusst vollziehenden Leibbildung ====&lt;br /&gt;
Leib hingegen ist der Ort, an dem im gesunden Zustand alle vier Wesensglieder an der Substanz tätig und damit vollständig ‚verleiblicht‘ und damit auch leibbildend und leiberhaltend wirken: im Stoffwechselsystem und seinem Zentralorgan, dem Blut als Träger des schlafenden Willenslebens. Was hier als willentliche Gestaltungskraft lebt, ist dem Wachbewusstsein entzogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ich-Organisation als lenkende Instanz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Bei den Gliedmaßen jedoch ist die Ich-Organisation im Gegensatz zum Stoffwechsel – wie in Kapitel II beschrieben – weniger stark verleiblicht, weswegen ‚freie‘, d.h. vom autonomen Denken ‚außen‘ gesteuerte Bewegungen möglich sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kennt man das anthroposophische Konzept der Ich-Organisation, die sowohl über die intentionale Sinneswahrnehmung bestimmt, als auch im Bereich von Denken, Fühlen und Wollen prominent die Bewusstseinsvorgänge lenkt, lässt sich die enorme Komplexität dieser vielfältigen Einflussfaktoren auf Wahrnehmen und Bewegen konkreter ordnen und praktisch handhaben. Es können sich darüber hinaus weiterführende ‚integrierende‘ und vor allem auch interdisziplinäre Forschungsansätze ergeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[4]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27, S. 34.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaftliche Gesichtspunkte zur Therapie&#039;&#039;, GA 313.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Von Seelenrätseln. Anthropologie und Anthroposophie,&#039;&#039; GA 21.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DENKEN, FÜHLEN UND WOLLEN UND LEIB, SEELE UND GEIST ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist der Unterschied zwischen der Dreigliederung und der Viergliederung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie hängen Leib, Seele und Geist mit Denken, Fühlen und Wollen zusammen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielen dabei die sogenannten Wesensglieder des Menschen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Scheinbarer Gegensatz von Dreigliederung und Viergliederung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Gegensatz zwischen dem &#039;&#039;Konzept von Geist, Seele und Leib&#039;&#039; – &#039;&#039;&#039;Dreigliederung&#039;&#039;&#039; – und dem &#039;&#039;Konzept der vier Wesensglieder (physischer, ätherischer, astraler und Ich-Organismus)&#039;&#039; – &#039;&#039;&#039;Viergliederung&#039;&#039;&#039; – ist nur ein scheinbarer. Es gibt zwei Stellen, in denen Rudolf Steiner den Zusammenhang von Dreigliederung und Viergliederung genauer erklärt. Einmal beleuchtet Steiner mehr den erzieherischen Prozess und im anderen Fall steht mehr der Heilprozess im Zentrum: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Zu den &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Lehrern&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; spricht er von dem prozessorientierten &#039;&#039;zeitlichen Aspekt&#039;&#039; der Wesensglieder, von den sogenannten Geburten in Jahrsiebten[1].&lt;br /&gt;
* Mit den &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Ärzten&#039;&#039;[2]&#039;&#039;&#039; bespricht er mehr den &#039;&#039;räumlichen Aspekt&#039;&#039; der Wesensglieder: wie die­se auf jeder Ebene des dreigliedrigen Menschen unter­schied­lich zusammen­ar­bei­ten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wesensgliederwirken in Geist, Leib und Seele&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im Grunde greifen wir zu kurz und zeichnen ein unscharfes Bild, wenn wir den Menschen platt materialistisch in Körper, Seele und Geist einteilen. Rudolf Steiner selbst sagt dazu: &#039;&#039;„Wer irgendwelche vorgefassten Meinungen oder gar Hypothesen mit diesen drei Worten verbindet, wird die folgenden Auseinandersetzungen notwendig missverstehen müssen.“&#039;&#039;&#039;[3]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Diese Dreigliederung macht nur Sinn, wenn man davon ausgeht, dass &#039;&#039;alle&#039;&#039; Kräfte, auch der physische Leib, geistiger Natur sind. Unter diesem Vorbehalt möchte ich sie in aller Kürze skizzieren und auch darauf eingehen, wie die Wesensglieder in welchem Bereich wirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. GEIST ====&lt;br /&gt;
Mit Geist wird die von der Materie ganz losgelöste Gesetzlichkeit bezeichnet, also diejenigen geistigen Kräfte, die im Zuge der Ausreifung des physischen Körpers wieder leibfrei geworden sind, die sich quasi wieder exkarniert haben. Dieser wieder leibfrei gewordene Geist hat dieselben Qualitäten wie die inkarnierten ätherischen, astralen und Ich-Organisations-Kräfte, durch die der Leib entstanden ist – mit nur einem Unterschied: Die im Körper wirkenden geistigen Kräfte arbeiten im Sinne der Naturgesetze. Die leibfreien Kräfte des Denkens, Fühlens und Wollens sind auf die individuelle Führung durch das Menschen-Ich angewiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geist ist laut Rudolf Steiner nicht das Gegenteil von Materie, sondern das außerkör­perliche Erleben unserer Wesensglieder im Denken, Fühlen und Wollen. Im Geist erwachen wir als Menschen, die &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gedanken &#039;&#039;&#039;bilden&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Gedanken differenzieren, abwägen, &#039;&#039;&#039;beurteilen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* sich mit Gedanken verbinden, Gedanken &#039;&#039;&#039;realisieren wollen&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner sagt in dem Zusammenhang auch, wir müssten lernen im Denken hell und dunkel als Qualitäten zu fühlen. Erst wenn wir die Stimmigkeit, Wahrhaftigkeit bzw. Verlo­genheit und „Verbogenheit“ unserer Gedanken fühlen könnten, wenn wir fähig würden, fühlend zu erkennen, ob Gedanken gerade oder krumm sind, erst dann wären wir urteilsfähig und fähig zu michaelischem Denken. Unser Denken wird also von unserem leibfreien Denken, Fühlen und Wollen gleichermaßen ermöglicht und ist eine rein außerkörperliche, geistige Tätigkeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Der &#039;&#039;&#039;leibfreie Ätherleib&#039;&#039;&#039; liefert das &#039;&#039;Baumaterial für die Gedanken&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
* Der &#039;&#039;&#039;leibfreie Astralleib&#039;&#039;&#039; ist für das &#039;&#039;Fühlen der Qualität der Gedanken&#039;&#039; zuständig.&lt;br /&gt;
* Aus der &#039;&#039;&#039;leibfreien Ich-Organisation&#039;&#039;&#039; kommt unser &#039;&#039;Wille zum Denken&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dergestalt selbständig denken zu lernen, ist Ziel der gesamten Waldorfpädagogik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. LEIB ====&lt;br /&gt;
Leib ist der mit der Materie verbundene Gesetzeszusammenhang bzw. der Ort, an dem sich alle vier Wesensglieder inkarniert haben – der Leib ist demnach inkarnierter Geist: Ich-Organisation, Astralleib und Ätherleib beleben, beseelen und durchgeistigen die menschliche physische Gestalt mit Geist, Seele und Leben. Jesus spricht vom Tempel des Leibes, in dem der Geist wohnt. Der physische Organismus ist nun wiederum dreigegliedert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Zur funktionellen Dreigliederung&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner forschte 30 Jahre lang zur funktionellen Dreigliederung des physischen Organismus,[4] und wenn er in dem Zusammenhang auch vom oberen, mittleren und unteren Menschen spricht, geht es nicht um eine Dreiteilung, sondern eine Gliederung in drei ineinandergreifende Funktionssysteme. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Das Nerven-Sinnes-System (NSS) ======&lt;br /&gt;
Das Nerven-Sinnes-System (NSS) ist die physische Grundlage der bewussten Denk- und Sinnestätigkeiten und ist im oberen Bereich, dem Kopf mit den Sinnesorganen und dem Gehirn, zentriert. Alle Bewusstseinsvorgänge werden von Astralleib und Ich-Organisation gemeinsam ermöglicht. Die Sinnestätigkeiten vollziehen sich unter der Regie des Ich und unter starker Beteiligung des Ätherischen, das sich jedoch aus dem Nervensystem weitgehend lösen dürfe, sagt Steiner. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Das rhythmische System (RS) ======&lt;br /&gt;
Das rhythmische System (RS) befindet sich im mittleren Bereich, im Brustraum. Es lenkt die rhythmischen Transport- und Verteilungssysteme, wie sie von den Atmungsorganen und dem Herzen als Mittelpunkt des Kreislaufsystems ausgehen, und wird stark vom dauerhaft inkarnierten Anteil des Ätherleibes beeinflusst. Würde der Ätherleib auch dort herausgehen, würden wir krank. Der Astralleib pendelt hier zwischen Drinnen und Draußen, insofern als er bei jeder Einatmung ein Stück weit in den physischen Leib hineingeht und sich bei jeder Ausatmung wieder ein Stück weit herauslöst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Das Stoffwechsel-Gliedmaßen-System (STGS) ======&lt;br /&gt;
Das dritte Funktionssystem, das Stoffwechselgliedmaßensystem, umfasst zwei ganz unterschiedliche Bereiche:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum einen regelt das unterhalb des Zwerchfells hauptsächlich im Bauchraum lokalisierte &#039;&#039;&#039;Stoffwechselsystem&#039;&#039;&#039; die unbewussten metabolischen Auf- und Abbauvorgänge. Doch jede Zelle, von den Haarspitzen bis zu den Fußspitzen, wird vom Stoffwechsel aufgebaut und unterhalten. Wenn die vier Wesensglieder hier gut verbunden sind und harmonisch zusammenarbeiten, könne der Mensch laut Steiner nicht krank werden, dann sei er gesund inkarniert. Alle internistischen Erkrankungen hängen mit einer Lockerung von Astralleib und Ich-Organisation aus der physisch-ätherischen Konstitution zusammen. Dann gerät der Stoffwechsel durcheinander und erzeugt diverse Krankheitstendenzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem &#039;&#039;&#039;Gliedmaßensystem&#039;&#039;&#039; dagegen könne sich die Ich-Organisation immer mehr befreien und zum vollgültigen freien Willensvermögen des Menschen werden, zu reinem freien Willen, unabhängig von Denken und Fühlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wesensglieder sind also, wie oben bereits skizziert, in den drei Systemen jeweils in unterschiedlicher Weise aktiv:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* im Nervensinnessystem (NSS) neuro-sensoriell&lt;br /&gt;
* im rhythmischen System (RS) rhythmisch&lt;br /&gt;
* im Stoffwechselsystem (StS) metabolisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. SEELE ====&lt;br /&gt;
Seele ist der Ort der Vermittlung zwischen Leib und Geist, sodass der Mensch mithilfe des Leibes sein individuelles geistiges Wesen erleben kann. In der Seele findet die innerlich gefühlte Begegnung mit sich selbst und der Welt statt. Die Seele atmet und schwingt zwischen Innen und Außen, zwischen Leib und Geist. Unser Seelen- bzw. Gefühlsleben wird von der Zusammenarbeit von &#039;&#039;leibfreier Ich-Organisation&#039;&#039; und &#039;&#039;leibfreiem Astralleib&#039;&#039; ermöglicht, ihr verdanken wir die Fähigkeit, ein Gefühl für unser Ich und die Welt zu entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitgefühl bedeutet, dass wir ganz beim anderen sind. Aufgrund der Möglichkeit außerkörperlich zu sein, können wir Mitgefühl und Empathie empfinden, können wir bei der Sache und dem anderen sein und uns auf etwas außerhalb unserer selbst konzentrieren; und wir können die Achtsamkeit aufbringen, dort zu sein, wo wir etwas beobachten. Geistesgegenwart bedeutet: Ich bin dort, wo mein Bewusstsein ist. Ich bin nicht mein Leib. Rudolf Steiner formuliert es so: &#039;&#039;„Das Ich ist in der Gesetzmäßigkeit der Dinge.“&#039;&#039; Das Ich ist am Ort des Geschehens. Das Ich steckt nicht im Leib, sondern dort, wo es hinwill, bei den Dingen und Inhalten, für die es sich interessiert. Ich und Welt sind dann eins.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst- und Umweltgefühl sind deshalb immer gemischt, das heißt, wir fühlen uns selbst immer mit, wenn wir die Welt bzw. einen anderen Menschen fühlen. Der &#039;&#039;Astralleib&#039;&#039; gaukelt uns quasi nur vor, dass es ein Innen und ein Außen gibt, eine Dualität. Einen Gegensatz von Welt und Mensch. &#039;&#039;Das Ich&#039;&#039; hingegen sieht das alles im Zusammenhang, als Polarität, die erst zusammengenommen das Ganze erfasst und umfasst. Denn es erkennt, dass draußen dieselben Gesetze wie im eigenen Inneren walten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Wesensglieder und Denken, Fühlen und Wollen&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
In beiden anfangs genannten Werken – &#039;&#039;den Leitsätzen[5]&#039;&#039;, konkret im Leitsatz zur Lichtnatur des Menschen, aber auch im 2. Medizinervortrag &#039;&#039;„Geisteswissenschaftliche Gesichtspunkte zur Therapie“[6]&#039;&#039; – spricht Rudolf Steiner über das Denken, Fühlen und Wollen in der Form, dass er sagt, dass wir alle drei mit Bewusstsein, Gefühl und Willen durchdringen können und auch sollen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Denken ======&lt;br /&gt;
Unser Denkvermögen verdanken wir, wie oben bereits ausgeführt, der engen Zusammenarbeit von Ätherleib, Astralleib und Ich-Organisation in leibfreiem Zustand, die sich am Gehirn reflektieren als unsere Gedan­kenaura. Dadurch sei es uns laut Steiner möglich, unsere Gedanken auch zu fühlen und zu wollen. Von wirklichem Denken könne man also erst sprechen, wenn man selbst &#039;&#039;&#039;Gedanken hervorbringen und auch fühlen kann, was man denkt&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Fühlen ======&lt;br /&gt;
Dann sagt er, das &#039;&#039;&#039;leibfreie Fühlen&#039;&#039;&#039; käme dadurch zustande, dass Astralleib und Ich-Organisation verbunden sind und zusammenwirken. Zu fühlen ohne Beteiligung des Denkens wird uns ermöglicht durch eine Kombination aus Willen und Gefühl. Das reine Gefühl unterscheidet sich insofern vom Denken, als dabei die &#039;&#039;Beteiligung des Ätherleibes fehlt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andererseits bekommen wir nur über das Denken Zugriff auf das eigene Fühlen: Rudolf Steiner benennt in der Theosophie[7] den Gedanken „Vater des Gefühls“. So ist das Erlangen von Gefühlskontrolle Ziel einer der sechs Nebenübungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir müssen aber auch unsere &#039;&#039;&#039;Handlungen (Wollen) fühlen&#039;&#039;&#039; lernen, um die Konsequenzen daraus erspüren zu können und zu wahrhaft moralischem Tun fähig zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039;  Wollen, reiner freier Wille ======&lt;br /&gt;
Der Wille hat zwei Betätigungsrichtungen, nach innen und nach außen hin: Damit der Wille in der Welt wirken kann, braucht er einen belebten, beseelten, durchgeistigten, ich-durchdrungenen Leib. Rudolf Steiner sagt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* der physische Leib sei &#039;&#039;von außen gesehener Wille&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Wille von innen gesehen&#039;&#039; sei der Wille, selbst zu denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ich-Organisation steht einerseits &#039;&#039;&#039;im Dienst des Denkens&#039;&#039;&#039;, andererseits &#039;&#039;&#039;im Dienst des Fühlens&#039;&#039;&#039; in Form von Mitleid bzw. von Mitfühlen: Ich will mit dir fühlen. Ich will dir etwas Liebes tun. Doch nur wenn die Ich-Organisation, als dritte Möglichkeit, &#039;&#039;&#039;im Dienst des Willens&#039;&#039;&#039; steht, ist dieser ganz autonom, handelt es sich um reinen freien Willen. Rudolf Steiner sagt, dieser reine freie Wille sei extrem in Gefahr:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Das Ich könne sich zu tief „reinsetzen“ – damit ist vor allem gemeint, dass es ganz unten drinsitzt und dadurch nicht frei ist. Man hat den Eindruck, der Jugendliche ist total abhängig von seinem Körper.&lt;br /&gt;
* Oder aber das Ich ist „rausgeschockt“, wie das bei traumatisierten Kindern der Fall ist. Sie wollen gar nicht richtig hinein in ihren Körper, wirken pathologisch leicht. Mich wundert immer, wie wenig „kernig“ sie laufen, also nicht kraftdurchdrungen und präsent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Willens-Typen – der zu lose verbundene und der zu dichte – haben gemeinsam, dass der Wille wenig zugänglich ist. Deswegen sind beide Typen hoch suchtgefährdet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag „Das anthroposophische Menschenbild“, Schulärztetagung 2014&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Bildnatur des Menschen&#039;&#039;, in: &#039;&#039;Anthroposophische Leitsätze&#039;&#039;, GA 26. Dornach 1998.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaftliche Gesichtspunkte zur Therapie.&#039;&#039; Neun Vorträge vor Ärzten und Medizinstudierenden 1921, GA 313.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Theosophie&#039;&#039;, Kapitel: &#039;&#039;Das Wesen des Menschen&#039;&#039;, GA 9, Dornach 1961, S. 24f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Von Seelenrätseln&#039;&#039;. GA 21, Dornach 1983 , S. 150.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Siehe FN 1.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Siehe FN 2.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Theosophie,&#039;&#039; GA 09.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FRIEDEN MIT DEN DRACHENKRÄFTEN IM MENSCHEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wofür sind die Drachenkräfte ein Bild?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Gefahr bedeuten sie für den Menschen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann er Frieden mit ihnen finden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worauf beruht der unmittelbare Zusammenhang von Stoffwechsel und Denken?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Drachenkräfte und die menschliche Konstitution&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der Apokalypse heißt es, dass die Drachen auf die Erde gestürzt wurden.[1] Der Mensch, die menschliche Natur, ist der Ort auf der Erde, wo sie gelandet sind. Außerhalb der menschlichen Natur ist kein Drache zu finden – hätte der Mensch nicht eingegriffen, bestünde in der Natur immer noch ein wunderbares ökologisches Gleichgewicht. Rudolf Steiner sagte dazu sinngemäß: &#039;&#039;„In der Natur hat der Vatergott für Frieden gesorgt. Im Menschen muss der Mensch selbst Frieden stiften.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Merkurstab der Mediziner bildet als stehende, nach oben hin offene Acht die menschliche Grundkonstitution, die der Natur des Menschen zugrunde liegt, ab. Der unmittelbare Zusammenhang zwischen gesundem und krankem Denken und Stoffwechsel lässt sich anhand davon gut verdeutlichen, da beide Prozesse ätherischer und damit lemniskatisch-polarer Natur sind, die einander bedingen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Der untere Teil&#039;&#039; steht für den physischen &#039;&#039;&#039;Leib&#039;&#039;&#039; mit den unbewussten inneren Stoffwechselprozessen, wo die leibgebundenen Ätherkräfte wirken: Bild dafür ist der &#039;&#039;„Stoffwechseldrache“ im Darm&#039;&#039; mit seinen Windungen&#039;&#039;,&#039;&#039; der unsere Instinkte, Triebe und Begierden bestimmt.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Der obere Teil&#039;&#039; steht für den geistigen Menschen, den &#039;&#039;&#039;Geist&#039;&#039;&#039;, und das bewusste Gedankenleben, das stark nach außen gerichtet ist und wo die leibfreien Ätherkräfte wirken: Bild dafür ist der „Gedankendrachen“, der &#039;&#039;zweiköpfige Drache des Luziferisch-Ahrimanischen&#039;&#039; &#039;&#039;mit den Windungen des Gehirns&#039;&#039;, der uns das freie Gedankenleben ermöglicht.&lt;br /&gt;
* Am Umschlagpunkt zwischen beiden steht das zwischen Innen und Außen Vermittelnde der &#039;&#039;&#039;Seele&#039;&#039;&#039; mit ihren Gefühlsregungen, auf die wir nur bedingt bewussten Einfluss haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;In sich Frieden schaffen durch Selbstüberwindung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Beide Drachen können uns verführen und Unfrieden und Zerstörung anrichten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wir können unsere &#039;&#039;Gedankenfreiheit&#039;&#039;, auf der Freiheit an sich beruht, &#039;&#039;missbrauchen&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
* Wir können uns auch von unserem leibgebundenen Willen, unserem Instinkt-, Trieb- und Begierde-Leben &#039;&#039;überwältigen lassen&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Drachenkräfte können aber auch von unten und/oder oben unsere &#039;&#039;Gefühle in Aufruhr bringen&#039;&#039; und so destruktiv wirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit das nicht eintritt, indem etwas Gutes am falschen Platz geschieht und dadurch „böse“ wird und schädigende Auswirkungen hat, müssen wir im Laufe unserer menschlichen Entwicklung lernen, diese drei Bereiche vom Ich aus in der richtigen Art zu beherrschen und zu kultivieren und so für Gleichgewicht und Frieden sorgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== a) Den Drachen im Darm befrieden ====&lt;br /&gt;
Nehmen wir das Beispiel der Verdauung: Im unbewussten Stoffwechselleben gelingt uns das weitgehend durch eine gesunde rhythmische Art, mit den Lebensvorgängen, mit unseren Ess- und Schlafgewohnheiten sowie der Fortpflanzungsmöglichkeit umzugehen. Die Stoffwechselprozesse dienen dazu, unseren Leib gesund zu erhalten. Dazu gehören Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme sowie die Atmung. Alle Nahrung wird im Verdauungstrakt komplett zerstört, damit der Mensch sie verdauen und daraus menschliche Substanz aufbauen kann. Diese Zerstörungskräfte gehören zu dem Drachen, der in den Darmwindungen haust. Solange diese Drachenkräfte sich auf die Verdauungsarbeit beschränken, haben wir keine Probleme:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn die Natur muss in uns Mensch werden &#039;&#039;&#039;(= verdauen)&#039;&#039;&#039;, damit wir einen gesunden Körper, ein starkes biologisches Ego, aufbauen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== b) Den Drachen im Gehirn befrieden ====&lt;br /&gt;
Das Gedankenleben kann als eine Art umgekehrter Ernährungs- oder Verdauungsprozess angesehen werden. Denn wenn wir im Denken aktiv und geistig beweglich sind, wollen wir die Zusammenhänge der Welt wirklich verstehen. Dazu müssen wir aus uns herausgehen und zum anderen hingehen, müssen wir uns der Wahrheit der Dinge annähern, müssen sie uns zu eigen machen, uns ganz mit ihr verbinden. Erkennen ist so gesehen spirituelle Empathie, geistige Kommunion: Man identifiziert sich mit dem, was man verstehen will. Wenn ich z.B. denke 2 + 2 = 4, muss ich diesen Prozess mit- und nachvollziehen, sonst verstehe ich ihn nicht. Das bedeutet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch muss im Denken zur Welt werden &#039;&#039;&#039;(= erkennen)&#039;&#039;&#039;, wenn er zu wahrheitsgemäßen Erkenntnissen kommen will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Auswirkung falschen Denkens auf die Verdauung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wenn wir uns nun das Ganze umgekehrt vorstellen: Wenn es uns beim Denken, repräsentiert vom oberen Teil der Lemniskate, überhaupt nicht um Erkenntnis von Wahrheit, sondern nur um die Ansammlung von Informationen geht, um möglichst viel Input und Wissen, wenn wir uns quasi gedanklich „zumüllen“ und nicht gewillt sind, selber zu denken und zu urteilen bzw. wenn alle Gedanken nur um uns selbst kreisen, hat das unmittelbare Auswirkungen auf den anderen Bereich des Wirkens der Drachenkräfte, die Verdauung. Dann werden die Stoffwechselprozesse unseres Köpers aufgrund der polar arbeitenden Natur des Ätherleibes ebenfalls in entgegengesetzter Weise aktiv werden: Wir werden für Krankheitserreger offen sein und so eine Immunschwäche entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Umgekehrt haben unsere Ernährung und unsere Lebensgewohnheiten auch immense Auswirkungen darauf, ob unser Gedankenleben sich über das rein Materielle aufzuschwingen in der Lage ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Konsequenzen folgen einem ätherischen Gesetz, auf dem das spirituelle Krankheitsverständnis der Anthroposophischen Medizin gründet: Was sich in der einen Hälfte der Lemniskate nach innen richtet, wechselt im Kreuzungspunkt die Richtung und geht nach außen – und umgekehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Anregung und Auswirkung von destruktivem Potential&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Alle destruktiven Neigungen entspringen einerseits unserem Stoffwechsel, andererseits negativen Gedanken und Wahrnehmungsinhalten über die Sinne. Auch die egoistisch ausgelebte Sexualität gehört dazu: Destruktivität und Sexualität sind dann unlöslich miteinander verbunden. Das wird verstärkt von den Bildern, die besonders diese Bereiche ansprechen, wie es in der heutigen Spaßindustrie geschieht. Diese von oben und unten kommenden, fehlgeleiteten Kräfte regen das destruktive Potential im Menschen an und wirken sich auch kränkend auf das Seelische aus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir diese Zusammenhänge begreifen, können wir auch verstehen, warum so viele böse Neigungen und so viel Egoismus in die Seele einstrahlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Innerer Friede durch geistige Arbeit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Diese Einstrahlungen in unser Denken und Fühlen müssen fortwährend durch innere geistige Arbeit ausgeglichen, also geheilt und befriedet werden, indem man sich bis ins Gefühl mit der Wahrheitswelt verbindet. Wer sich mit edlen, guten, sinnvollen Zielen emotional verbindet, kann seinen Egoismus in den Dienst des Guten stellen. Rudolf Steiner formuliert es sinngemäß so: Der sich befreiende, auf sich selbst gestellte, autonome Mensch, der nicht ständig etwas für sich braucht, kann zur Verfügung stehen, kann seinen ganz individuellen Kulturbeitrag durch die Überwindung des Bösen &#039;&#039;in sich&#039;&#039; leisten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man erkennt den Freiheitsgrad von Menschen an ihrer Verfügbarkeit – das ist ein spirituelles Gesetz: Je freier ich bin, desto souveräner kann ich meine individuellen Fähigkeiten, anstatt sie auf Selbstoptimierung auszurichten, instrumentalisieren und für die Dinge einsetzen, die mir wesentlich sind. Ich entscheide dann selbst, wofür ich mich engagieren will und wo nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Ich im Netz. Was geschieht mit uns im Internet?“, Amthor Verlag, Heidenheim 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Neues Testament, &#039;&#039;Apokalypse 12, 9.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ZUR FUNKTIONELLEN DREIGLIEDERUNG DES MENSCHLICHEN ORGANISMUS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist unter der funktionellen Dreigliederung des menschlichen Organismus gemeint?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ergebnis von 30 Jahren Forschung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Gedanke der funktionellen Dreigliederung des menschlichen Organismus beruht auf dreißig Jahren Forschung Rudolf Steiners über den Leib-Seele-Zusammenhang, die er erstmals 1917 im Anhang seines Buches &#039;&#039;„Von Seelenrätseln“&#039;&#039; publizierte.[1] Er kam zu der Einsicht, dass die menschlichen Seelenfähigkeiten des Denkens, Fühlens und Wollens nicht vom Nervensystem &#039;&#039;erzeugt&#039;&#039; werden – im Gegenteil: Das Nervensystem wird durch sie aufgebaut und durch regelmäßige Nutzung erhalten. Er erkannte darüber hinaus, dass die genannten seelischen Grundfähigkeiten sich durch den ganzen Menschen ausdrücken, der schon von der dritten, vierten Woche der Embryonalentwicklung an eine dreigliedrige Gestalt aufweist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Dreigliederung und Denken, Fühlen und Wollen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Steiner fand heraus, dass sich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* nur das wachbewusste &#039;&#039;Denken und die Sinnesbeobachtung&#039;&#039; auf die Funktion des &#039;&#039;&#039;Nerven-Sinnes-Systems&#039;&#039;&#039; stützen. Dazu gehören auch die Vorstellungen, die wir uns von unseren Gefühls- und Willenserlebnissen machen.&lt;br /&gt;
* Das &#039;&#039;Gefühlsleben&#039;&#039; hingegen zeigte sich ihm in unmittelbarer funktioneller Resonanz mit der &#039;&#039;&#039;rhythmischen Funktionsordnung&#039;&#039;&#039; von Herz-Kreislaufsystem und Atmung.&lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;Willenstätigkeit&#039;&#039; wiederum sah er als Ausdruck der &#039;&#039;&#039;Stoffwechsel- und Gliedmaßentätigkeit&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Man muss nur die Physiologie des Atmungsrhythmus im rechten Lichte sehen, so wird man umfänglich zur Anerkennung des Satzes kommen: die Seele erlebt fühlend, indem sie sich dabei ähnlich auf den Atmungsrhythmus stützt wie im Vorstellen auf die Nervenvorgänge. - Und bezüglich des Wollens findet man, dass dieses sich in ähnlicher Art stützt auf Stoffwechselvorgänge. Wieder muss da in Betracht gezogen werden, was alles an Verzweigungen und Ausläufern der Stoffwechselvorgänge im ganzen Organismus in Betracht kommt. Wie dann, wenn etwas ‚vorgestellt‘ wird, sich ein Nervenvorgang abspielt, aufgrund dessen die Seele sich ihres Vorgestellten bewusstwird, wie ferner dann, wenn etwas ‚gefühlt‘ wird, eine Modifikation des Atmungsrhythmus verläuft, durch die der Seele ein Gefühl auflebt: so geht, wenn etwas ‚gewollt‘ wird, ein Stoffwechselvorgang vor sich, der die leibliche Grundlage ist für das als Wollen in der Seele Erlebte.“&#039;&#039;&#039;[2]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Begründung mit wissenschaftlichen Mitteln&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Erlanger Anatomie-Professor &#039;&#039;Dr. Johannes Rohen&#039;&#039; trug in seinen Lehrbüchern für Anatomie[3] dieser funktionellen dreigliedrigen anatomischen Ordnung Rechnung. &#039;&#039;Professor Dr. rer. nat. Wolfgang Schad&#039;&#039; arbeitete diesen Aspekt in einer konsequent durchgeführten Darstellung der Entwicklung der Wirbeltiere im Vergleich zum Menschen auf.[4] Rudolf Steiner war sich bewusst, dass seine Entdeckung der seelischen Dreigliederung in Verbindung mit der körperlich-physiologischen und deren naturwissenschaftliche Begründung einer umfangreichen Publikation bedurft hätte, die er während des Ersten Weltkrieges jedoch nicht leisten konnte. Er schreibt: &#039;&#039;„Ihre Begründung kann durchaus mit den heute vorhandenen wissenschaftlichen Mitteln gegeben werden. Dies würde der Gegenstand eines umfangreichen Buches sein, das in diesem Augenblicke zu schreiben, mir die Verhältnisse nicht gestatten.“&#039;&#039;&#039;[5]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Schad und Rohen haben diese umfangreiche Arbeit inzwischen weitgehend geleistet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was macht diese Sichtweise des menschlichen Organismus auch für den gesundheits-wissenschaftlichen Ansatz so wertvoll?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie verknüpft drei Aspekte miteinander:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Sie macht den polaren Bau des menschlichen Organismus funktionell und morphologisch transparent.&lt;br /&gt;
# Sie liefert eine pathologisch und therapeutisch relevante Erklärung des Leib-Seele-Zusammenhangs.&lt;br /&gt;
# Sie führt nicht nur zu einer neuen Sicht auf die Entstehung von Krankheit, sondern auch zu einem Konzept für die Entstehung und Erhaltung von Gesundheit (Salutogenese, Hygiogenese).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Polarität und ausgleichende Mitte&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Morphologisch betrachtet sind die Rundheit der Schädelform und die radiale Form der Gliedmaßen echte Polaritäten. Entsprechend polar stehen auch die bewussten, im Kopf zentrierten Denk- und Sinnestätigkeiten den unterhalb des Zwerchfells lokalisierten unbewussten metabolischen Auf- und Abbauvorgängen gegenüber. Dazwischen entfalten sich die rhythmischen Transport- und Verteilungssysteme, wie sie von den Atmungsorganen und dem Herzen als Mittelpunkt des Kreislaufsystems ausgehen. Diese dreiteilige morphologische Grundgliederung bezeichnet Steiner mit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Nerven-Sinnes-System&#039;&#039; (NSS): die überwiegend im Kopf zentrierte &#039;&#039;&#039;„obere Organisation&amp;quot;&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;rhythmisches System&#039;&#039; (RS): die überwiegend im Thorax lokalisierte &#039;&#039;&#039;„mittlere Organisation&amp;quot;&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Stoffwechsel-Gliedmaßensystem&#039;&#039; (STGS): die überwiegend im Abdomen lokalisierte &#039;&#039;&#039;„untere Organisation&amp;quot;&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Dreigliederung entspricht bereits die Polarität von Ektoderm und Entoderm und den sich aus dem Zusammenspiel beider ergebenden sekundären mesodermalen Strukturen in der Embryonalentwicklung. Sie findet sich aber auch in der Formation des Skelettes wieder: Wirbelsäule und Brustkorb haben einen rhythmisch gegliederten Aufbau (Wirbel, Rippen), im Gegensatz zur radialen Form der Extremitäten und der sphärischen des Kopfes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Beispiele sollen verdeutlichen, dass sich die funktionelle Gliederung nach drei Funktionsaspekten räumlich im polaren Aufbau des Körpers mit einer rhythmisch gestalteten Mitte abbilden.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Dreigliederung anstatt Dreiteilung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Bei der funktionellen Dreigliederung geht es nicht um eine Dreiteilung in drei streng abgegrenzte Körper-Regionen, sondern um das Ineinandergreifen drei unterschiedlicher Funktionsweisen, die sich in allen drei Bereichen wiederfinden lassen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Selbstverständlich gehört auch der &#039;&#039;Nervenzell-Stoffwechsel&#039;&#039; den &#039;&#039;&#039;Stoffwechsel-funktionen&#039;&#039;&#039; an. &lt;br /&gt;
* Umgekehrt ist das &#039;&#039;vegetative Nervensystem&#039;&#039;, das wahrnehmend und regulierend auf das gesamte Stoffwechselgeschehen einwirkt, Bestandteil des &#039;&#039;&#039;Nervensinnessystems&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
* Entsprechend ist das rhythmische System mit seinen Funktionsleistungen auch im Nervensinnes-System und beim Stoffwechsel wirksam: Die &#039;&#039;kurzwelligen Rhythmen der elektrochemischen Hirnpotentiale&#039;&#039; im Sekundenbereich und die &#039;&#039;langwelligen Eigenrhythmen der Stoffwechselorgane&#039;&#039; (z.B. Magen / Darmmotilität) im Stundenbereich sind Teil der &#039;&#039;&#039;rhythmischen Gesamtordnung&#039;&#039;&#039; im dreigliedrigen Organismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Beispiele sollen verdeutlichen, dass es sich bei der Dreigliederung nicht um eine Dreiteilung, sondern um eine funktionelle Gliederung nach drei Funktionsaspekten handelt, die sich gleichzeitig räumlich im polaren Aufbau des Körpers abbildet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Von Seelenrätseln&#039;&#039;. GA 21. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1983.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ebenda, S. 152 - 153.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] U.a.: Johannes W. Rohen, &#039;&#039;Morphologie des menschlichen Organismus. Versuch einer goetheanischen Gestaltlehre des Menschen,&#039;&#039; Stuttgart 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Wolfgang Schad, &#039;&#039;Säugetiere und Mensch. Zur Gestaltbiologie vom Gesichtspunkt der Dreigliederung&#039;&#039;. Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 1985.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Von Seelenrätseln&#039;&#039;. GA 21. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1983 , S. 150.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== BEGABUNGEN DES PHYSISCHEN LEIBES ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was verdanken wir dem physischen Leib?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wozu befähigt er uns?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Erleben der eigenen Egoität durch den Körper&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der physische Leib ist in Form, Funktion und Plastizität seiner Organe die Grundlage für jedwede Begabungsäußerung des Menschen. Seine Größe, seine Kraft, die Qualität der Sinneswahrnehmungen durch die Sinnesorgane – all das setzt Maßstäbe für bestimmte Entwicklungen und auch Grenzen für bestimmte Leistungsmöglichkeiten. Wer mit einem absoluten Gehör geboren wird, ist prädisponiert für eine musikalische Begabung, und wer einen kräftigen Muskelbau hat, ist zu physischer Kraftentfaltung oder zu sportlichen Höchstleistungen veranlagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt aber auch eine Reihe verborgener Qualitäten, die wir unserem physischen Leib verdanken, allen voran das Erlebnis unserer Egoität, unserer individuellen Persönlichkeit. Nur dadurch, dass wir in einem von der Umwelt abgegrenzten Leib tätig sind, können wir zu dem Erlebnis unserer Eigenheit kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn schon im Bereich des Ätherischen, das keine Raumstruktur mehr hat, sondern eine zyklisch arbeitende Zeitstruktur besitzt, ist die Abgrenzung und damit auch das Erleben der Eigenheit und Eigenständigkeit nicht mehr in der Weise gegeben wie im Physischen. Daher ist die Pflege der Integrität des physischen Leibes von so großer Bedeutung, insbesondere während der Vorschulzeit. Übergriffe im Physischen, ob nun in Form von übertriebener Zärtlichkeit, Gewalt oder aber als sexueller Missbrauch, stellen über seine vielfältig miteinander vernetzten Sinnesorgane immer zentrale Angriffe auf das Persönlichkeits- und Selbsterleben des Kindes dar und veranlagen im physischen Leib bleibende Kränkungen bzw. Störungen im Selbsterleben und der daraus erwachsenden Selbstachtung. Das Gefühl, Herr im eigenen Hause zu sein, ist die Basis eines gesunden Selbsterlebens im Physischen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Gesundes Denken durch gesunde Physis&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Doch auch ein klares Vorstellungsvermögen ist an die Intaktheit des physischen Gehirns und der Sinnesorgane gebunden. So wahr es ist, dass die Gedanken ihren Sitz im ätherischen Organismus haben, so wahr und selbstverständlich ist es auch, dass sie nur mithilfe des Gehirns und der daran angeschlossenen Sinnesorgane als Vorstellungen reflektiert werden können. Daher hat die Pflege der Sinnesfunktionen,[1] des Bewegungsspiels und der körperlichen Geschicklichkeit eine wichtige Bedeutung im Hinblick auf die Gehirnbildung und die Ausbildung eines gesunden Vorstellungslebens. Der physische Leib verdankt seine Ausformung nicht nur Vererbung und Umwelt, sondern auch dem Interesse und der Aufmerksamkeit, mit denen das Kind seiner Umwelt begegnet und Beziehungen zu bestimmten Menschen aufnimmt: Indem es sie nachahmt, wird sein Körper auf sinnvolle Weise tätig. Denn jede Form von körperlicher Tätigkeit stimuliert zugleich die physiologischen Abläufe und damit auch die Bildung der Organe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der physische Leib dient so&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* der Selbstwahrnehmung im Physischen, der Egoität im besten Sinne des Wortes&lt;br /&gt;
* dem Ätherleib als Grundlage für Reflexion und Vorstellungsvermögen&lt;br /&gt;
* dem Astralleib als Grundlage für sein Empfindungsleben&lt;br /&gt;
* dem „Ich“-Wesen des Menschen vermittelt er die Fülle an Wahrnehmungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Schädigung durch Fehlstimulation der Sinne&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die allgemeine Bewegungsarmut, technisches Spielzeug, durch das Kinder nur zu wenig Eigenbewegung anregt werden, das sie stattdessen zu Kontrolleuren sich raffiniert bewegender Spielzeuge macht, und nicht zuletzt der Fernseh- und Medienkonsum gehören zu den Faktoren, die den physischen Leib am schlimmsten schädigen. Kaum etwas wirkt verheerender als die umfassende Fehlstimulation der Sinne durch den Bildschirm:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Keine Farbe stimmt mit der der Wirklichkeit überein.&lt;br /&gt;
* Keine Proportion, kein Größenverhältnis entspricht einer normalen Sinnesbeobachtung, bei der sich alle Sinne – Auge, Ohr, Geschmack, Geruch usw. – aufeinander abstimmen und in ihrem Zusammenwirken zur Totalität eines bestimmten Sinneseindrucks beitragen.&lt;br /&gt;
* Nicht einmal das Auge hat die Möglichkeit, das räumliche Sehen zu üben, da alle Bilder zweidimensional auf der Fläche erscheinen. Die Augenmuskeln können sich dem Sinneseindruck nicht aktiv anpassen, indem sie sich, wie sonst beim Sehen, um den Gegenstand herum oder mit dem Gegenstand bewegen. Beim Fernsehen wird dem Auge diese Aktivität abgenommen: Das Bild auf dem Schirm bewegt sich, das Auge ist reglos und starr auf den Bildschirm gerichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man macht sich diesen Effekt in Augenkliniken zunutze, um die Augen bei Augenmuskeloperationen möglichst ruhigzustellen: Nichts wirkt effizienter, als einige Stunden fernzusehen. Denn selbst im Schlaf bewegen sich die Augäpfel in regelmäßigen Abständen hinter den geschlossenen Lidern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer die Inkarnation des Menschen-Ich im physischen Leib in umfassender Weise fördern möchte, sieht sich gezwungen – auch wenn dies gegenwärtig aus dem Rahmen üblicher Kulturgewohnheiten fällt –, den Bildschirm und technisches Spielzeug insbesondere aus dem Vorschulalter komplett zu verbannen und dem Kind die Auseinandersetzung mit der Umwelt so, wie sie wirklich ist, zu gönnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Folgen von Medienkonsum im Vorschulalter&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der Schule zeigen sich die Folgen einer Fehlerziehung auf diesem Gebiet in Form von&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Nachahmungsschwäche&lt;br /&gt;
* einer nicht genügend ausgebildeten Bewegungsorganisation&lt;br /&gt;
* Störungen in der Abstimmung der Sinnesfunktionen aufeinander&lt;br /&gt;
* Defiziten in der Sprachentwicklung&lt;br /&gt;
* Unfähigkeit, intentional mit gerichteter Aufmerksamkeit zuzuhören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn am Bildschirm nimmt man ständig mehr Informationen auf, als man verarbeiten kann, und man lernt auch nicht wiederzugeben, was man gehört und gesehen hat. Überdies werden Medien oft als Geräuschkulisse genommen, während man sich mit etwas ganz anderem beschäftigt. Entsprechend wird auch der Lehrer oft als Geräuschkulisse erlebt und behandelt – und nicht wie ein Mensch, dem man mit Interesse und Aufmerksamkeit begegnen sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der schlimmste Schaden für das spätere Leben erwächst jedoch aus der Inaktivität des eigenen Denkens: Das Gehirn bildet sich zu einem Instrument passiver Informationsaufnahme und -verarbeitung. Aktiv zu hinterfragen, sich auseinanderzusetzen, sich selbst Bilder von einer Sache zu machen, selbständig zu denken – dafür eignet es sich kaum noch. Das führt dazu, dass die Bereitschaft, selbst aktiv und kreativ zu werden, aber insbesondere der Wille, selbstständig zu denken, nachlassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ergebnis ist eine „Zuschauergesellschaft“, die zwar intelligent registriert, jedoch damit rechnet, dass es für jedes Problem einen Zuständigen gibt und Selbständigkeit und Mitverantwortung immer weniger gefragt sind. Demgemäß hört man immer wieder von erfolgreichen, kreativen Menschen, die im späteren Leben dankbar auf ihre fernsehfreie bzw. fernseharme Kindheit zurückblicken bzw. jetzt froh sind, dass sie in Kindheit und Jugend viel zupacken mussten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Übung macht den Meister&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Zudem zeigt die tägliche Erfahrung bei jedem sportlichen Training, dass der physische Leib nur durch Aktivität seine Funktionen ausbilden kann. Das Gleiche gilt auch für die feineren inneren Vorgänge im Leibe. Was nicht geübt wird, bleibt unentwickelt, was fehlstimuliert wird, bildet eine ungeordnete Veranlagung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je jünger der physische Leib ist, umso bildsamer und prägbarer und umso verwundbarer ist er. Erst mit zunehmendem Alter kann er kränkenden Einflüssen mehr Widerstandskraft entgegensetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wird die Sinneserziehung vernachlässigt und der Welt, den Menschen und den täglichen Begebenheiten keine liebevolle Aufmerksamkeit geschenkt, werden schwerwiegende Behinderungen der Selbst- und Welterfahrung veranlagt, die schon in der Schulzeit zu Desinteresse und Lernstörungen führen können. Diese Entwicklung gehört zu den wichtigsten Ursachen, warum der Drogenkonsum in unserer Zeit so zunimmt: Der Erlebnismangel und der damit verbundene Mangel an Selbsterfahrung durch nicht oder fehlausgebildete Sinnesfunktionen wird früher oder später als unerträglich empfunden – man sucht dann eine Ersatzbefriedigung in der durch die Drogen vermittelten Erlebnisintensität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Begabungen und Behinderungen“, 8. Kapitel, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2004&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Beiträge zur Rudolf Steiner Gesamtausgabe, Nr. 34: &#039;&#039;Aufzeichnungen Rudolf Steiners zur Sinneslehre.&#039;&#039; Dornach, Sommer 1971.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== BEGABUNGEN DES ÄTHERLEIBES ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sind die Begabungen des Ätherleibes?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Gesetzmäßigkeiten, die tote Materie am Leben erhalten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Laut Rudolf Steiner umfasst der Lebens- bzw. Ätherleib alle Gesetzmäßigkeiten, die in der Lage sind, tote Materie am Leben – im Lebenszusammenhang – zu erhalten.[1] Der Begriff „Leib“ steht für den Funktionszusammenhang des Lebendigen, Belebenden. Das Wort „Äther“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet „himmelblau“ bzw. „blauer Himmel“, „Firmament“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Wortkombination macht Sinn, weil das blaue Himmelslicht, der von der Sonne erhellte Himmelsraum, die Pflanzenwelt mit Energie versorgt, durch die sie Blattgrün, das Chlorophyll, bilden kann. So wie die Pflanze nur dank dieser Verbindung mit dem Kosmos und der Sonne leben kann, so verfügt auch der Mensch, dem die Pflanzenwelt als Nahrung dient, über einen in sich geschlossenen individualisierten Lebensorganismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Tätigkeit des Ätherleibes im menschlichen Organismus ist polar orientiert:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
·      Ein Teil dient am Lebensanfang vor allem dem Wachstum und später der Regeneration des physischen Leibes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
·      Der andere Teil löst sich von Anfang an im Laufe der Entwicklung bzw. später im Zuge des Alterungsprozesses in dem Maße aus der Leibgebundenheit heraus, in dem Wachstums- und Reifungsschritte vollendet wurden und diese Lebenskräfte nicht mehr für Wachstum oder Regeneration gebraucht werden: Sie verlassen den physischen Leib und ermöglichen ein sich lebenslang entwickelndes Gedankenleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Einflüsse auf den Ätherleib&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Diese bahnbrechende Einsicht in den Leib-Seele-Zusammenhang verdanken wir Rudolf Steiner: Er entdeckte die Doppelfunktion des Ätherischen und damit den Schlüssel, wieso und inwiefern das Gedanken- und Geistesleben des Menschen Einfluss hat auf die körperliche Gesundheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Was den Ätherleib stärkt ====&lt;br /&gt;
Gedächtnisschwächen sind Willensschwächen im Gedankenleben. Sie können positiv beeinflusst werden durch Aufmerksamkeitsübungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann z.B. allein oder mit einem Kind zusammen konzentriert ein Ding, einen Vorgang oder ein Lebewesen beobachten, es von allen Seiten betrachten und mit Hilfe der Sinne als Wahrnehmungsinhalt aufnehmen und einprägen. Oder man legt gemeinsam etwas an einen bestimmten Ort, den man sich genau anschaut und merkt – das stärkt die Erinnerungsfähigkeit daran, wo man etwas hingelegt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wichtiges Stärkungsmittel für den Ätherleib sind gute Gewohnheiten: regelmäßige Essens- und Schlafenszeiten, Wechsel von Arbeit und Spiel etc. Alles, was mit Rhythmus und Regelmäßigkeit zusammenhängt, ist ätherisches Gebiet – denn „Rhythmus trägt Leben“, wie Rudolf Steiner es dem Chemiker Rudolf Hauschka gegenüber ausdrückte.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher ist auch regelmäßiges Üben, wie es beim künstlerischen Tun üblich ist, so gesundend. Das gilt auch für regelmäßiges kontemplatives oder religiöses Üben wie Beten, abendliche Rückschau auf den Tag und das Üben von Qualitäten wie Dankbarkeit, Andacht, Ehrfurcht, Zufriedenheit, Friedensfähigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das Auf-sich-wirken-Lassen von „Ganzheiten“ – wie schöne Landschaften, Bildwerke, Musikstücke – stärkt den Lebenszusammenhang des Ätherleibes. Besonders wichtig ist jedoch ein soziales Klima der Wahrhaftigkeit. Denn im Kontext der sorgfältig aufeinander abgestimmten Lebensfunktionen zieht jede Störung der „Stimmigkeit“ und des aufeinander Abgestimmt-Seins funktionelle Störungen nach sich, die sich im Laufe der Zeit zunehmend bemerkbar machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht nur der lebendige Körper braucht Pflege. Auch der Gedankenorganismus bedarf der Pflege durch übereinstimmende Gedanken, Integrität, Transparenz und Wahrhaftigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Was den Ätherleib schwächt ====&lt;br /&gt;
Verlogenheit, Argwohn und Zweifel zehren an den ätherischen Kräften und untergraben den Lebenszusammenhang und das Zusammenstimmen der Lebensfunktionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inkohärentes Denken schädigt den physischen Leib während der Nacht, wenn der bei Tag leibfreie Ätherleib sich im Schlaf wieder mit dem leibgebundenen Anteil verbindet, um an der Regeneration des Leibes zu arbeiten. Dann teilen sich Schädigungen, die der tagsüber dem Denken dienende ätherische Organismus erfahren hat, unmittelbar dem physischen Leib mit. Am nächsten Morgen ist der Erfrischung eine leise Kränkung beigemischt. Setzen sich solche destruktiven Einflüsse über Jahre hinweg fort, kann das noch in diesem Erdenleben zur Ausbildung einer Krankheit führen. Wenn der Ätherleib über viel Überschusskraft verfügt, kommt es erst im nächsten Erdenleben zu Krankheitsdispositionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Pflege der ätherischen Kräfte und Monatstugenden&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Zur Pflege der ätherischen Kräfte des Erwachsenen kann die Arbeit an den sogenannten Monatstugenden eine große Hilfe sein.[3] Das stößt neue Gewohnheiten und eine Gesinnung der Wahrhaftigkeit, Liebe und Großzügigkeit an. Die Tugenden werden jeweils einen Monat lang geübt – denn der Vier-Wochen-Rhythmus stärkt die ätherischen Kräftezusammenhänge. Rudolf Steiner empfiehlt, diese Monatstugenden regelmäßig zu üben und darauf zu achten, wie sich dabei die jeweilige Tugend vertieft, aber auch verwandelt und zu einer &#039;&#039;neuen Tugend&#039;&#039; wird, die dann ganz das Ergebnis der eigenen Arbeit an der ersten ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Monatstugenden sind:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
April                &#039;&#039;&#039;Ehrfurcht&#039;&#039;&#039;                                           wird zu            Opferkraft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mai                 &#039;&#039;&#039;Inneres Gleichgewicht&#039;&#039;&#039;                      wird zu            Fortschritt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Juni                 &#039;&#039;&#039;Ausdauer&#039;&#039;&#039;                                           wird zu            Treue&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Juli                  &#039;&#039;&#039;Selbstlosigkeit&#039;&#039;&#039;                                   wird zu            Katharsis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
August            &#039;&#039;&#039;Mitleid&#039;&#039;&#039;                                               wird zu            Freiheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
September     &#039;&#039;&#039;Höflichkeit&#039;&#039;&#039;                                         wird zu            Herzenstakt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oktober          &#039;&#039;&#039;Zufriedenheit&#039;&#039;&#039;                                    wird zu            Gelassenheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
November      &#039;&#039;&#039;Geduld&#039;&#039;&#039;                                               wird zu            Einsicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dezember      &#039;&#039;&#039;Gedankenkontrolle  &#039;&#039;&#039;                         wird zu                                            Wahrheitsempfinden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Januar            &#039;&#039;&#039;Mut&#039;&#039;&#039;                                                    wird zu            Erlöserkraft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Februar          &#039;&#039;&#039;Diskretion&#039;&#039;&#039;                                          wird zu            Meditationskraft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
März               &#039;&#039;&#039;Großmut&#039;&#039;&#039;                                            wird zu            Liebe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das mag auf Anhieb etwas kompliziert klingen, hängt jedoch mit unserer Ich-Natur zusammen: Die erstgenannten Tugenden sind gleichsam in unserer allgemeinmenschlichen Konstitution veranlagt. Jeder Mensch kann die Ansätze dazu bei sich entdecken und darauf aufbauend mit dem Üben beginnen. Die &#039;&#039;zweitgenannten Tugenden&#039;&#039; ergeben sich erst aus der Arbeit an den erstgenannten. Das Bemerkenswerte ist, dass sie sich nur entwickeln, wenn man die erstgenannten Tugenden um ihrer selbst willen übt, aus Liebe dazu und zur Menschwerdung überhaupt – also nicht nur, um im Leben mehr Erfolg zu haben und „Charakterstärke“ zu besitzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Begabungen und Behinderungen“, 8. Kapitel, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2004&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Theosophie.&#039;&#039; GA 9.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] vgl. Rudolf Hauschka, &#039;&#039;Wetterleuchten einer Zeitenwende&#039;&#039;. Bad Boll 1997.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Anweisungen für eine esoterische Schulung&#039;&#039;. GA 245, vergriffen. Neu in: &#039;&#039;Seelenübungen mit Wort- und Sinnbildmeditationen.&#039;&#039; GA 267, Dornach 1997.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== EINFLUSS VON ÄL UND AL AUF DEN NATRIUM-KALIUM-GRADIENTEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie beeinflussen insbesondere der Ätherleib und der Astralleib in Ruhe und Erregung den Natrium-Kalium-Gradienten?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann der Mensch durch Ernährung und Lebensführung ausgleichend ein greifen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Wirkung hat die Heilpflanze Anagallis arvense?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zusammenspiel von Ätherleib und Astralleib auf zellulärer Ebene&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Otto Wolff&#039;&#039; hat in seiner &#039;&#039;„Biochemie“&#039;&#039; den Bezug von Kalium und Natrium zu Ätherleib und Astralleib herausgearbeitet.[1] Auf zellulärer Ebene zeigt sich das Zusammenspiel von Ätherleib und Astralleib an der Zellmembran:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Im Ruhezustand&#039;&#039;&#039; ist in der Zelle überwiegend Kalium vorhanden, im extrazellulären Milieu herrscht Natrium vor. Hier arbeitet der Ätherleib am &#039;&#039;Aufbau des Organismus&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Bei Erregung&#039;&#039;&#039; strömt Kalium aus und Natrium in die Zelle ein. Dabei dominiert der Astralleib. Dadurch wird die ätherische Aufbautätigkeit gegenüber der dominierenden astralischen, die &#039;&#039;abbauend&#039;&#039; ist, geschwächt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während das Kalium den Ätherleib darin unterstützt, das Wasser in lebendiger Zirkulation zu halten und damit auch eine die Diurese regulierende Wirkung hat, bewirkt ein erhöhter Natriumgehalt bei Mensch und Tier – z. B. in Form salzreicher Ernährung – Wassereinlagerung und hohen Blutdruck. Dauerstress und Bewegungsmangel, sowie eine gemüsearme – und damit kaliumarme Ernährung – fördern eine Verschiebung des Natrium-Kalium-Gradienten und den Überschuss an fixen Säurebildnern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Anagallis arvense (Ackergauchheil) als Heilpflanze&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In den letzten Absätzen von Kapitel VII von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[2]&#039;&#039; wird darauf hingewiesen, dass man dem ‚Naturvorbild‘ der Selbstheilung im gesunden Organismus auch Analogien für den Krankheitsfall entnehmen kann. In diesem Zusammenhang erwähnen Rudolf Steiner und Ita Wegman die Heilpflanze &#039;&#039;Anagallis arvense&#039;&#039;, mit ihren kleinen rot oder blau blühenden fünfzähligen Blütensternen. Sie ist eine in der Volksmedizin gut bekannte Gift- und Arzneipflanze mit diuretischer und narkotischer Wirkung bei Tier und Mensch. In hohen Dosen kann ihre Einnahme auch töten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Autoren berufen sich hier nicht auf die schon bekannten Inhaltstoffe, sondern auf das besondere Verhältnis, das in dieser Pflanze zwischen Kalium und Natrium gegeben ist, durch die – wenn es von außen zugeführt wird – die Ich-Organisation im Darmgebiet angeregt wird.[3] Diese Wirkung kann noch dadurch verstärkt werden, dass man nach dem Modell dieser Heilpflanze eine mineralische Komposition herstellt, indem man Kalium und Natrium mit Schwefel verbindet (Natrium- und Kaliumsulfuricum): &#039;&#039;„[...] Der Schwefel hat nämlich die Eigentümlichkeit, dass er dem Aufhalten des Eiweißzerfalles dient; er hält gewissermaßen die organisierenden Kräfte in der Eiweißsubstanz zusammen.“[4]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist interessant, dass Rudolf Steiner und Ita Wegman in diesem Kapitel, das den Selbstheilungskräften gewidmet ist, &#039;&#039;„Stockungen im Unterleibe“[5]&#039;&#039; als Beispiel für die unzureichende Heilwirkung des Organismus anführen. Sehr oft sind Verstopfungssymptome und Darm-Koliken Ernährungs- und lebensstilbedingte Verdauungsstörungen, d.h. Probleme, deren Lösung in der Selbstverantwortung der Betroffenen liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[6]&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. Wolff (2013) 293–297.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27, Kap. VII.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Kalium kommt reichlich in allen Pflanzenaschen (‚Pottasche‘ mit viel Kaliumcarbonat) vor und ist für die Wasseraufnahme in die Pflanze essentiell.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe FN 2, S. 41.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Siehe FN 2, S. 40.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== BEGABUNGEN DES ASTRALLEIBES ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Kompetenzen und Fähigkeiten verdanken wir dem Astralleib?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wirkt er auf die anderen Wesensglieder?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wirkung des Astralleibs auf die anderen Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dem Astralleib verdanken wir&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;im Physischen&#039;&#039; die Bewegungsfähigkeit und die Emotions- und Begierdenatur, die Mensch und Tier gemeinsam haben&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;im Ätherischen&#039;&#039; die Veranlagung unserer Triebnatur&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;im Astralischen&#039;&#039;, befreit vom Physischen und Ätherischen, als leibfreie, rein seelische Tätigkeit das Gefühlsleben der Seele&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;im ich-haft Geistigen&#039;&#039; die Möglichkeit der Bewusstseinsbildung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Einflüsse auf den Astralleib&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Was den Astralleib schwächt ====&lt;br /&gt;
Nichts schwächt den Astralleib mehr als selbstbezogenes Brüten in sich selbst wie unfruchtbare „Nabelschau“, aber auch gewohnheitsmäßiges Kritisieren anderer. Das hat zur Folge, dass „sich nichts mehr bewegt“, dass durch die Fixierung auf sich selbst oder ein Problem Stagnation statt Verwandlung herrscht. Auch das Verweilen bei Reuegefühlen und Gewissensbissen lähmt die Regsamkeit des Astralleibes. Führen Gewissensbisse allerdings dazu, den Menschen auf Fehler und Schwächen hinzuweisen, sind sie wertvoll. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Was den Astralleib stärkt ====&lt;br /&gt;
Interesse und Offenheit gegenüber Welt und Mensch stärken und pflegen den Astralleib. Wohlwollen und Zuversicht sind Kräfte, die den Astralleib beweglich halten, anregen und ihm helfen, mit den Sympathien und Antipathien – sprich, der wogenden Gefühlswelt des Astralischen – konstruktiv umzugehen, sodass der Mensch Vorlieben und Abneigungen nicht nur auslebt, sondern als Signale zu verstehen lernt, die ihm etwas über sich selbst und andere sagen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entscheidend ist jedoch, dass das Gefühlsleben von Gedanken durchzogen wird, also einen klaren „Anschluss“ an das denkende Erkennen bekommt und sich von seinem kindlichen Verhaftet-Sein an den Leib und das an ihn gebundene Wollen lösen lernt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim kleinen Kind ist es berechtigt, dass es seinen Trieben, Begierden und Neigungen unmittelbar und spontan folgt und diese erst am Vorbild der Erwachsenen durch die Nachahmungsfähigkeit erzogen und geformt werden. Im Erwachsenenalter hat dieses Sich-Ausleben keine Berechtigung mehr. Die orientierende Kraft der Nachahmung sollte im Verlauf des Erziehungsprozesses vom freien verantwortlichen Gebrauch des eigenen Willens ersetzt und das Gefühlsleben an das erwachende und immer selbstständiger werdende Denken angeschlossen worden sein. Misslingt dieser Anschluss an das Denken, wird das Gefühlsleben sekundär wieder an den Leib gebunden. Dann ist der Mensch seinen bedürfnisorientierten Emotionen ausgeliefert: Er muss ihnen folgen, auch wenn seine Vernunft dagegenspricht und ihn davon abhalten möchte. Damit ist die konstitutionelle Voraussetzung geschaffen, ein Triebtäter zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die sogenannten Nebenübungen – Gedanken-, Handlungs- und Gefühlskontrolle, Positivität und Unbefangenheit sowie deren Zusammenwirken – sind grundlegende Hilfen bei der Selbsterziehung des Erwachsenen, den Astralleib zu pflegen und unter die Herrschaft des Ich zu bringen.[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Begabungen und Behinderungen“, 8. Kapitel, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2004&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner&#039;&#039;, Die Geheimwissenschaft im Umriss.&#039;&#039; GA 13, Dornach I989, und &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?&#039;&#039;, GA 10, Dornach 1993.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Siehe auch Florin Lowndes, &#039;&#039;Die Belebung des Herzchakra&#039;&#039;. Stuttgart 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DER ASTRALLEIB ALS EMPFINDENDER ORGANISMUS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielt der Astralleib als empfindender Organismus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sind die typischen embryonalen Bildegesten des Astralischen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern ist unser astralisches Kräftesystem der Inspiration zugänglich?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Vom lebendigen zum empfindenden Organismus&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im Zentrum des IV. Kapitels von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; steht der ‚Astralleib‘ als Träger der menschlichen (und der tierischen) Empfindungen. Das Astralische ist ein ganzheitlich wirksames Kräftesystem, welches den lebendigen zum empfindenden Organismus umgestaltet und dadurch auch das Stoffwechselgeschehen grundlegend verändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Was in der &#039;&#039;&#039;ätherischen Organisation&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;unbewusstes Leben&#039;&#039; ist, und damit selbstlose Hingabe an die Kräfte der irdischen und kosmischen Umgebung, &lt;br /&gt;
* kann durch das &#039;&#039;&#039;Astralische&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;bewusstwerden&#039;&#039; und so zu einem individuellen Erleben, der Empfindung, führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Rätselhafte (Sinnes)empfindung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der gegenwärtigen naturwissenschaftlich orientierten Medizin wird die Empfindung primär neurophysiologisch und neuropsychologisch definiert. Auf dem Gebiet der Sinnesphysiologie gilt sie gemäß dem Reiz/Reaktionsprinzip als Elementarvorgang, als primär gegeben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Abweichung von diesem Trend sah &#039;&#039;Herbert Hensel&#039;&#039; die Sinnesphysiologie nicht nur als Eintrittstor in das Feld vielfältiger Phänomene im Bereich der Sinneswahrnehmungen an, sondern als eigenständiges Gebiet der Naturwissenschaft und als geeignet, neue Grundlagen für epistemologisches Denken zu bilden.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer sich mit der Wahrnehmung des Menschen befasst, wird in einen Bereich geführt, der vor und zwischen allen positiven Wissenschaften liegt. Die Sinneslehre als autonome Wissenschaft ist ein Niemandsland zwischen den etablierten Disziplinen. Gerade dadurch ist sie berufen, bei einer Neubesinnung auf die Grundlagen der Wissenschaften mitzuwirken und neue Erkenntniswege zu bahnen.[3]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Aus dem Physischen herausgehobene astralische Organisation&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel IV wird das astralische Kräftesystem (der Astralleib) in seinem Verhältnis zum Ätherischen und Physischen als aus diesen Kräftesystemen ‚herausgehoben‘ beschrieben.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am pflanzlichen Atmungsorgan – dem flächenhaften Blatt – zeigt sich im Laufe des Tag-Nacht-Rhythmus das Zusammenspiel der physischen und ätherischen Kräfte. Charakteristisch für die tierische und menschliche Organbildung sind dagegen die Prozesse der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Einstülpung, &lt;br /&gt;
* Organ-Abfaltung&lt;br /&gt;
* und Ausstülpung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie sind Bildegesten astralischer Natur und beginnen bereits in der frühen Embryonalentwicklung mit der sogenannten Gastrulation[5] und Neurulation[6]. Dadurch entstehen Innenräume und Berühr- und Begegnungsflächen, die für die weitere Zell- und Organdifferenzierung entscheidend sind. Wer dieses komplexe und großteils gleichzeitig verlaufende Organbildungsgeschehen ‚steuert‘, ist bisher nicht bekannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner und Ita Wegman beschreiben diesen aufeinander bezogenen Kräftebereich bereits in Kapitel I des genannten Werkes als den astralischen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;&#039;Pflanzensubstanz&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;überlässt sich ganz&#039;&#039; der Betätigung der aus- und einstrahlenden Außenkräfte des Ätherischen.&lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;&#039;tierische (und die menschliche) Substanzbildung&#039;&#039;&#039; zeigt dagegen, dass sie Wirkungen unterliegt, die sie &#039;&#039;von diesen Kräften unabhängig&#039;&#039; macht.[7]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Induktionsvorgänge im Zuge der Organbildung&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gut erforscht sind jedoch die sogenannten Induktionsvorgänge, d.h. man weiß, welche Gewebe zu welchem Zeitpunkt durch die gegenseitige Berührung das Auswandern bestimmter Zellen oder durch das Aussenden bestimmter Signalstoffe die Bildung eines Organs veranlagen, stimulieren oder vollenden helfen. Meist sind mehrere Faktoren dieser Art an der Organbildung beteiligt. Inzwischen gilt auch als gesichertes Wissen, dass die Induktionsprozesse vom umliegenden Gewebe, also von der Peripherie her, gesteuert werden und nicht zentral vom genetischen Apparat:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Gegenwärtig weisen die meisten Untersuchungsergebnisse darauf hin, dass weniger der genetische Apparat selbst, als vielmehr die unmittelbare Umgebung einschließlich der benachbarten Gewebe, diese Entscheidung, was sich wann differenziert und entwickelt, maßgeblich bestimmen. So erscheint die für die normale Funktion eines Organs notwendige hochdifferenzierte Struktur durch die exakte Koordination der Bildungsprozesse einzelner ihrer Bauelemente während der Embryonalentwicklung sowie durch die Interaktionen von Einzelfaktoren erreicht zu werden. Das induzierende Gewebe nennt man Induktor und das induzierte Gewebe Indukt. Dabei haben Experimente insbesondere bei der Bildung des Auges gezeigt, dass das Indukt sehr spezifisch sein muss, der Induktor jedoch deutlich unspezifischer sein kann; entscheidend ist jedoch der richtige Zeitpunkt in der Begegnung zwischen Induktor und Indukt für die Bildung eines gesunden Organs am richtigen Ort im Zusammenhang mit den zeitgleich sich bildenden Organen an anderen Orten. Drei Prozesse laufen so zeitlich präzise aufeinander abgestimmt ab: die Proliferation (Zellwachstum), die Differenzierung von Zellen und Organen, und die Induktion und damit auch Integration der einzelnen Bildungen in das Ganze.“[8]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Der Inspiration unmittelbar zugänglich&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die astralischen Kräfte sind der inspirierten Erkenntnis unmittelbar zugänglich: &#039;&#039;„Spricht man aber von ‚astralischer Welt‘, so geht man in Gemäßheit dessen, was das inspirierte Bewusstsein beobachtet, von den Wirkungen aus dem Weltumfang zu bestimmten Geist-Wesenheiten über, die in diesen Wirkungen sich offenbaren, wie in den von der Erde ausgehenden Kräften sich die Erdenstoffe offenbaren. Man spricht von aus den Weltenfernen wirkenden konkreten Geist-Wesenheiten, wie man beim sinnlichen Anblick des nächtlichen Himmels von Sternen und Sternbildern spricht. Daher der Ausdruck ‚astralische Welt‘.[9]&amp;lt;sup&amp;gt;,&amp;lt;/sup&amp;gt; [10]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ergänzend dazu heißt es in Kapitel IV: &#039;&#039;„Die ausstrahlenden Kräfte sind die irdischen, die einstrahlenden diejenigen des Welt-Umkreises der Erde; in den ‚astralischen‘ ist etwas vorhanden, das den beiden Kräftearten übergeordnet ist. Dies macht die Erde selbst erst zum Weltenkörper, zum ‚Stern‘ (astrum). Durch die physischen Kräfte sondert sie sich aus dem Weltall heraus, durch die ätherischen lässt sie dieses auf sich wirken; durch die ‚astralischen‘ Kräfte wird sie eine selbständige Individualität im Weltall.“[11]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ineinandergreifen von Physischem, Ätherischem und Astralischem&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In diesem Kontext wird verständlich, warum die Überschrift des IV. Kapitels &#039;&#039;„Vom Wesen des empfindenden Organismus“&#039;&#039; lautet. Tiere offenbaren eigenständig Wesenhaftes durch Empfindung, Bewegung, Intentionalität. Doch geht es den Autoren nicht nur darum, die unterschiedlichen Erscheinungsformen von Mineral, Pflanze und Tier dem Einfluss der verschiedenen Kräftewirkungen zuzuschreiben. Vielmehr ist der Blick wieder auf die Erdenstofflichkeit gerichtet, die sich unter dem Einfluss des dritten Kräftebereiches gegenüber der Pflanzensubstanz noch einmal grundlegend ändert und dadurch zum Träger der Empfindung werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Dominanz der astralischen Kräfte wird auch die Wirkungsweise der physischen und ätherischen Kräfte modifiziert. Beide Kräftebereiche sind den astralischen Kräften untergeordnet, wodurch es zu den Phänomenen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Tod&#039;&#039;&#039; (vorherrschende &#039;&#039;physische Kräfte&#039;&#039;),&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Schlaf&#039;&#039;&#039; (vorherrschende &#039;&#039;ätherische Kräfte&#039;&#039;),&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wachen&#039;&#039;&#039; (vorherrschende &#039;&#039;astralische Kräfte&#039;&#039;) kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während des Lebens wird der physische Leib des Tieres (und des Menschen) durch den Ätherleib daran gehindert, sich soweit mineralisierend und verhärtend zu betätigen, dass der Tod die Folge wäre. Entsprechend braucht der Ätherleib immer wieder Perioden, in denen er die Todesprozesse im physischen Leib kompensieren kann. Dafür muss er sich den astralischen Kräften so weit entziehen, dass Schlaf eintreten kann und der Astralleib für eine Zeit seiner Wirkmacht als Träger individuellen Bewusstseins und individueller Wesensäußerung enthoben wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Musikalische Natur des Astralischen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
So wie die ätherischen Kräfte plastisch-bildnerisch tätig sind, so sind die astralischen Kräfte im weitesten Sinne musikalischer Natur. Sie wirken über die Gesetze der Differenzierung, Intervallbildung, Polarisierung, der Dissonanz, Konsonanz und Resonanz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Sie finden sich in reiner Form in den Zahlengesetzen, die in Chemie und Biochemie beim Binden und Lösen der Stoffe walten. &lt;br /&gt;
* Aber auch – wie seit dem Altertum bekannt – in den Zahlengesetzen, die die Bewegungen der Sterne beherrschen, so wie dies von den Pythagoräern als Weltharmonik angesehen wurde und später dann von &#039;&#039;Kepler&#039;&#039; detaillierter ausgearbeitet worden ist.[12]&amp;lt;sup&amp;gt;,&amp;lt;/sup&amp;gt; [13] &lt;br /&gt;
* Dass Klänge eine differenzierende Wirkung auf Stoffe ausüben können, kann auch durch Experimente im Stil der Cladni’schen Klangfiguren anschaulich gemacht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[14]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27, Kap. IV.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Vgl. hierzu die Würdigung des Lebenswerkes von Herbert Hensel durch Gunther Hildebrandt (1983), 281f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Hensel (1989), 45–69. Herbert Hensel war nicht nur ein international renommierter Sinnesphysiologe, sondern auch Anthroposoph. Sein Urteil über Steiners Beitrag zur Wissenschaft ist auch im Kontext der EH hilfreich: „Die Bedeutung der Anthroposophie für die empirischen Wissenschaften liegt vor allem darin, daß sie Anregungen gibt und neue Fragestellungen aufwirft, die dann von der empirischen Forschung aufgegriffen und selbstständig bearbeitet werden können. Das bedeutet keine Beschränkung der geistigen Freiheit des Forschers, da er die Antworten auf die Fragen durch eigene Arbeit finden muß.“ Hensel (1989), 70–77.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Vgl. FN 1, S 24: &#039;&#039;„Man hat im tierischen Organismus einen Kräftebereich, der gegenüber dem von der Erde ausstrahlenden und in sie einstrahlenden unabhängig ist.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Gastrulation (von griech. gaster „Bauch eines Gefäßes“[1]) bezeichnet eine Phase der Embryogenese der vielzelligen Tiere, zu denen auch der Mensch gehört. Dabei stülpt sich die Blastula ein und es kommt zur Ausbildung der Keimblätter. (&amp;lt;nowiki&amp;gt;https://de.wikipedia.org/wiki/Gastrulation&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, ges. 29.11.2025).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Als Neurulation bezeichnet man die Bildung eines Neuralrohrs bei Chordatieren und damit auch beim Menschen. Das Neuralrohr ist die embryonale Anlage des späteren Zentralnervensystems (&amp;lt;nowiki&amp;gt;https://de.wikipedia.org/wiki/Neurulation&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, ges. 29.11.2025).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Vgl. FN 1, Kapitel IV, Abs. 3.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Vgl. Moore (2013), 15, 76, 559.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. FN 1, S. 8. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] ‚aster‘ heißt sowohl in der griechischen als auch in der lateinischen Sprache: Stern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Vgl. FN 1, S. 25.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Noch Goethe erwähnt „der Brudersphären Wettgesang“ zu Beginn des Faust im Prolog im Himmel. Siehe auch Livio (2023).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] Vgl. A. Husemann (2024).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== BEGABUNGEN DER ICH-ORGANISATION ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wodurch bemerken wir das Wirken der Ich-Organisation?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie können wir die Ich-Organisation in ihrem Wirken stärken?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ich-Organisation und Wärme&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Ich-Organisation stimmt im physischen Leib das Wirken aller Gesetzmäßigkeiten so aufeinander ab, dass dadurch eine bestimmte Persönlichkeit zur Erscheinung kommt. Ihre Hauptaufgabe besteht in der Integration in den Gesamtzusammenhang, in das Gesamtbild. Sie ist zuständig für die Gestaltung des Menschen hinsichtlich Form, Größe und Proportion und bedient sich dabei der Wärmeprozesse. So wie die Gesetzmäßigkeiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;des Physischen&#039;&#039;&#039; dem Aggregatzustand &#039;&#039;des Festen&#039;&#039; entsprechen,&lt;br /&gt;
* diejenigen &#039;&#039;&#039;des Ätherischen&#039;&#039;&#039; den Gesetzmäßigkeiten &#039;&#039;des Flüssigen&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* und die &#039;&#039;&#039;des Astralischen&#039;&#039;&#039; den Gesetzmäßigkeiten &#039;&#039;des Luftförmigen&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* so äußert sich &#039;&#039;&#039;die Ich-Organisation&#039;&#039;&#039; unmittelbar durch die Gesetzmäßigkeiten &#039;&#039;der Wärme.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztlich hängt es vom Wärmezustand des Organismus ab, in welcher Form eine Substanz vorliegt und wie schnell bzw. langsam sie sich mit anderen Substanzen verbindet oder sich von ihnen trennt. Die Arbeit der Ich-Organisation kann so an der Wärmewirkung abgelesen werden. Interessanterweise beschränkt sich dieser Wärmebildungs- und Verteilungsprozess im Menschen nie nur auf das Physische; die Wärme wird auch seelisch erlebt und wirkt geistig anregend. Umgekehrt wirkt eine im Seelisch-Geistigen „auflodernde“ Begeisterung bis ins körperliche Erleben hinein durchwärmend und positiv stimulierend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Sinneswelt hat die Wärme eine Brückenfunktion zwischen dem Physischen und dem Geistigen, die vergleichbar ist mit der Brückenfunktion des Denkens zwischen Materie und Geist. Wärme kann sowohl in physischer als auch in seelisch-geistiger Form auftreten und ist doch immer Wärme. Dadurch, dass dieses Wärmewesen von der Ich-Organisation individuell genützt wird, bekommt der geistig-physische Wesenszusammenhang sein persönliches Gepräge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Was die Ich-Organisation als Wärmeorganismus stärkt&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Durch die Ich-Organisation und ihre nicht materielle Wärmewirkung kann auch unser wahres höheres bzw. „besseres“ Selbst, unser ewiges Wesen hereinleuchten, ja sogar an&#039;&#039;wesend&#039;&#039; sein. Gestärkt wird die Ich-Organisation von positiven menschlichen Begegnungen. In der zwischen Menschen entstehenden seelisch-geistigen Wärme erlebt sich der Einzelne bestätigt und gefördert. Dabei sind ethische Werte und Lebensideale die besten Schulungsmittel:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wahrhaftigkeit im Umgang miteinander         &lt;br /&gt;
* Respekt vor der Freiheit und Würde des anderen&lt;br /&gt;
* Interesse an dessen Schicksal&lt;br /&gt;
* Anerkennen seiner Stärken&lt;br /&gt;
* Akzeptanz seiner Schwächen&lt;br /&gt;
* Vertrauen in seine weitere Entwicklung zum Guten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Der ewige Wesenskern&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das Ich, der ewige Wesenskern, lebt in der Kontinuität. Es geht durch viele Erdenleben und wird sich immer mehr seiner selbst bewusst; es stammt aus urferner Vergangenheit und schreitet weiter auf ein leuchtendes Entwicklungsziel zu. Qualitäten wie Zuverlässigkeit, Kontinuität, Belastbarkeit, Tragfähigkeit, Durchhaltevermögen usw., die im Leben und in menschlichen Beziehungen zum Tragen kommen, unterstützen die Ich-Organisation. Freundschaften, in denen gemeinsame Ziele oder Arbeitsaufgaben das Verbindende sind, erweisen sich als besondere Kraftquelle für das Ich wie auch die Arbeit an den Kernidealen des menschlichen Werdens: Wahrhaftigkeit, Liebefähigkeit, Freiheit für sich und die anderen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dank der Losgelöstheit des Gedankenorganismus vom physischen Leib hat das Ich als denkendes Wesen auch die Möglichkeit, von sich selbst abzusehen und anderes in den Mittelpunkt seines Interesses zu stellen. Das ist die Voraussetzung für Selbstlosigkeit, die sich das Ich auf dem Erkenntnisweg erarbeiten kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese wenigen Andeutungen können verständlich machen, warum in einer Zeit, in der menschliche Beziehungen so starken Belastungen ausgesetzt sind und vielfach im gegenseitigen Unverständnis und Sich-nicht-ertragen-Können auseinanderbrechen, auch die Ich-Kraft und das damit verbundene Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl eine immense Schwächung erfahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Begabungen und Behinderungen“, 8. Kapitel, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2004&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== BLUT, NERV UND WESENSGLIEDER[1] ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielen die Wesensglieder bei Bildung und Funktion von Blut- und Nervensystem?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welcher Regie folgen sie?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen inneren Zusammenhang haben Blut und Knochen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;A Blutbildung und die Rolle der Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das erste funktionsfähige Organsystem im werdenden Embryo ist das Herz-Kreislauf-System. Es entsteht aus dem konfluierenden Zusammenwachsen der ab der dritten Woche entstehenden Blutinseln im intra- und extraembryonalen Bindegewebe – auch der in Bildung begriffenen Plazenta – und stellt so die Ernährung des Embryos sicher. Diese Blutinseln bestehen aus Plasma (Wasser, Nährstoffe, Elektrolyte, Mineral- und Schutzstoffe) sowie aus weißen und roten Blutzellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner und Ita Wegman schildern im ersten Absatz von Kapitel VI von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[2]&#039;&#039; die Blutbildung in Fortsetzung der Nahrungsaufnahme. Dabei handelt es sich um einen konsekutiv-ganzheitlichen Blutbildungsprozess, bei dem die Wesensglieder nacheinander – unter der Gesamtregie der Ich-Organisation[3] – ihren Haupteinfluss geltend machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== • Physischer Leib und Verdauungssekretion ====&lt;br /&gt;
Diese ist eine bewusste durch die Sinnestätigkeit des Schmeckens, Riechens und Schluckens begleitete Tätigkeit. Die dadurch angeregte Mobilisierung von Speichel, Magen- und Pankreassekreten beeinflussen dann nachhaltig die weiteren – unbewussten – Verdauungsprozesse. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== • Astralleib und Blutbildung in den inneren Organen ====&lt;br /&gt;
Bei der weiteren Blutbildung im Bereich der inneren Organe tritt die Tätigkeit des astralischen Leibes in den Vordergrund. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== • Ätherleib und roter Blutfarbstoff ====&lt;br /&gt;
Beim Aufbau des roten Blutfarbstoffs für die Sauerstoffaufnahme hat der Ätherleib seine Haupttätigkeit. In diesem Zusammenhang ist interessant, dass die Chlorophylle, die bei der Pflanze durch die energetische Lichtaufnahme entstehen, in ihrer biochemischen Struktur den Häm-Molekülen im Farbstoff der roten Blutkörperchen sehr ähnlich sind. Anstelle des Eisenions als Zentralatom, das den Sauerstoff aus der Atemluft lose bindet und dem Blut seine rote Farbe gibt, steht im Chlorophyll das Magnesium-Ion im Zentrum.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== • Ausatmung von Kohlendioxid als Endpunkt der Blutbildung ====&lt;br /&gt;
Als letzter Akt des Blutbildungsprozesses wird dann die Ausatmung des Kohlendioxids genannt, die hauptsächlich über die Atemluft erfolgt. Dabei spielen die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) eine ebenso zentrale Rolle wie bei der Sauerstoffaufnahme. Sie können das aus den Abbauprozessen im Körper (sogenannte Zellatmung) stammende Kohlendioxid ebenso am Häm-Molekül binden wie den Sauerstoff aus der Luft. Die Menge der Aufnahme und Abgabe ist vom jeweiligen Partialdruck der Gase abhängig. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Regulierung des Kohlendioxidgehaltes des Blutes hat auch Einfluss auf die Funktion des Gehirns. Kohlenstoff ist ja die Gerüstsubstanz aller Lebewesen und Zentralelement der Biochemie – ganz gleich, ob es sich um Fette, Kohlenhydrate, Eiweiße, Vitamine oder Enzyme handelt. Sie alle haben ein Kohlenstoffgerüst. Entsprechend ist auch das Calciumcarbonat als Salz der Kohlensäure wesentlicher Gerüststoff für den Knochenbau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über diese fundamentalen Grundkenntnisse hinausgehend beschreiben die Autoren die notwendige Präsenz der Kohlensäure im Gehirn, um dort die für das Denken und Wahrnehmen nötige Neigung zu erzeugen, &#039;&#039;„ins Leblose, Unorganische überzugehen“[5].&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;B Bildung des dreigliedrigen Nervensystems und Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Bildung des Nervensystems verläuft im Gegensatz zu dem eben Dargestellten in dreifacher Weise verschieden. Das Nervensystem ist von vornherein – ebenfalls ab der dritten Embryonalwoche – dreigliedrig veranlagt und dient im reifen Zustand der Entfaltung von drei verschiedenen Bewusstseinszuständen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wachbewusstsein&#039;&#039;&#039; (Gehirn und Sinnesorgane),&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Traumbewusstsein&#039;&#039;&#039; (Rückenmark, Hirnstamm)&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Schlafbewusstsein&#039;&#039;&#039; (vegetatives Nervensystem).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Vegetatives Nervensystem und Ätherleib ====&lt;br /&gt;
Das vegetative Nervensystem dient dem Ätherleib zur unbewussten Wahrnehmung der Vorgänge im Organismus. Astralische und Ich-Organisation können hier nicht innerlich organisierend, sondern – so die Autoren – nur ‚von außen‘ auf dieses einwirken. Deswegen braucht das vegetative Nervensystem für seine Gesundheit ein positiv-harmonisch gestimmtes Gefühlsleben (Astralleib) und eine entsprechende Identität (Ich-Organisation). D.h. für die Gesunderhaltung des Vegetativums braucht es die im Sinne der heutigen Salutogenese[6] und der Mindful-Stress-Reduction-Techniken[7] der Gegenwart ein positives Kohärenzgefühl mit Bezug auf die jeweiligen Lebensereignisse. Rudolf Steiner und Ita Wegman betonen: &#039;&#039;„Affekte und Leidenschaften haben eine dauernde, bedeutsame Wirkung auf den Sympathikus. Kummer, Sorgen richten dieses Nervensystem allmählich zugrunde.“[8]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Rückenmark, Hirnstamm und Astralleib ====&lt;br /&gt;
Das Rückenmark mit seiner reflektorischen Tätigkeit dient dem Astralleib als Instrument des instinktiv-fühlenden Reagierens auf alles, was seelisch erlebt wird. 3. Gehirn, Sinne und Ich-Organisation Die 12 Gehirnnerven hingegen dienen primär der Ich-Organisation zur bewussten Wahrnehmung.[9] Menschliche Gesamtgestalt durch Zusammenwirken von AL und Ich So ist die Gesamtgestalt des Menschen ein Bild des Zusammenwirkens von astralischer und Ich-Organisation. In Abs. 6 wird dies so formuliert: &#039;&#039;„Man wird das Gehirn des Menschen nur begreifen, wenn man in ihm die knochenbildende Tendenz sehen kann, die im allerersten Entstehen unterbrochen wird. Und man durchschaut die Knochenbildung nur dann, wenn man in ihr eine völlig zu Ende gekommene Gehirn-Impulswirkung erkennt, die von außen, von den Impulsen des mittleren Organismus, durchzogen wird, wo astralisch bedingte Nervenorgane mit ätherisch bedingter Blutsubstanz zusammen tätig sind.“[10]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Das Blut, das im Inneren der platten Knochen gebildet wird, stellt das unmittelbar schöpferische &#039;&#039;&#039;Instrument der Ich-Organisation&#039;&#039;&#039; dar, das Skelett dagegen ihren im physischen Organismus zum Abschluss gekommenen äußeren Ausdruck. &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Instrument der astralischen Organisation&#039;&#039;&#039; hingegen ist das Nervensystem, das von der Ich-Organisation zum Träger des individuell-autonomen Selbstbewusstseins – im Unterschied zum Tier – umgebildet werden muss (‚herausgehoben‘, wie es in Kapitel V[11] hieß).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher muss beim Gehirn als Träger des menschlichen Wachbewusstseins die knochenbildende Tendenz – d.h. die Hinneigung zum Toten, Mineralischen, auf die sich physiologisch die Ich Organisation stützt,[12] – ‚leise‘ zugrunde liegen. In seinen Prager Vorträgen über &#039;&#039;„Okkulte Physiologie“&#039;&#039; von 1911 hatte Rudolf Steiner diesen Sachverhalt so formuliert: &#039;&#039;„Insofern unser Ich als bewußtes Ich auftritt, hat es zum Werkzeug das Blutsystem, insofern unser Ich vorgebildet ist als Form und Gestalt, liegt ihm zugrunde ein kosmisches Kraftsystem, das hindrängt zur festen Gestaltung, das sich am dichtesten zum Ausdruck bringt in unserem Knochensystem.“[13]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[14]&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Für dieses Kapitel verdanke ich Branko Furst – Associate Professor, Department of Anaestesiology, Albany Medical College, Albany/USA – wertvolle Hinweise (vgl. Furst [2014]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner und Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Vgl. FN 2, S. 33 u. 35: &#039;&#039;„Indem die Blutbildung in der Fortgestaltung der aufgenommenen Nahrungsstoffe erfolgt, steht der ganze Blutbildungsvorgang unter dem Einfluss der Ich-Organisation.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Vgl. Heldt und Piechulla (2014).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Siehe FN 2, S. 34.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Vgl. Antonovsky (1997); Wydler u. a. (2000). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Vgl. Dobos (2019).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] I: Riechen. II–IV: Sehen. V: Kauen. VI: Augenbewegung, Pupillenmotorik, Gesichtssensibilität. VII: Mimik, Gesichtsnerv. VIII: Hören, Gleichgewicht. IX: Zunge, Rachen, Schlucken. X: Hauptnerv des Parasympathikus, Regulation der inneren Organe. XI: Kopfdrehung, Schulterhebung. XII: Zungenbewegung. Sie sind entweder direkt bestimmten Hirnregionen (I und II) eigen oder entspringen aus umschriebenen Hirnnervenkernen, die spezialisierte Nervenzellansammlungen sind, die somatomotorische, somatosensible, sensorische bzw. vegetative Fasern enthalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Siehe FN 2, S. 35.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Von: FN 2.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Ebenda, S. 48.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Eine okkulte Physiologie,&#039;&#039; GA 128, S. 139 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== WÄRME, BLUT UND ICH-ORGANISATION ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern ist das Blut ein wesentliches Tätigkeitsfeld des inkarnierten Ich-Anteils, der Ich-Organisation?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern ist Wärme ein Ausdruck des Wirkens der Ich-Organisation?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche drei Ich-Anteile beschreibt Rudolf Steiner?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;A Wärme, Ich-Anteile und Blut&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Da Wärme ausstrahlend ist, immateriell, und folglich auch in sich keine Grenzen hat, bedarf es der Inkarnation dieser Wärmegesetzlichkeit in einen begrenzten Leib, damit sich dadurch ein abgegrenztes, autonomes Selbstbewusstsein bilden kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Diesen Anteil nennt Steiner &#039;&#039;&#039;Ich-Organisation.&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* Davon zu unterscheiden ist &#039;&#039;&#039;das ewige Ich&#039;&#039;&#039;, das von Erdenleben zu Erdenleben durch verschiedene Verkörperungen hindurch zunehmend Bewusstsein von seiner ewigen Natur bekommen kann, indem es sich gemäß seiner Schicksalsgegebenheiten immer wieder neu seine Wesensglieder bildet und seiner menschlichen Identität vergewissert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wärme steht an der Grenze zwischen dem Materiellen und dem Nichtmateriellen.[1] Zwischen dem rein geistigen ewigen Ich, das sich nach Steiner nicht inkarniert und dem materiell fassbaren Blutorgan, in dem die sich inkarnierende Ich-Organisation ganz und gar tätig ist, liegt die regulierende Wirkung der geistigen, seelischen und physischen Wärme. So wie sich nach anthroposophischem Verständnis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die physische Organisation auf den &#039;&#039;&#039;festen Aggregatzustand&#039;&#039;&#039; stützt, &lt;br /&gt;
* die ätherische auf den &#039;&#039;&#039;flüssigen&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* die astralische auf die &#039;&#039;&#039;Luft&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* so die Ich-Organisation auf die &#039;&#039;&#039;Wärme&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Blut kommt über das Eng- und Weitstellen der arteriellen Blutgefäße eine wichtige Rolle in der Wärmeregulation zu. In der und durch die Wärme ist die Ich-Organisation in der gesamten Konstitution tätig und sorgt im Blut dafür, dass das Blut &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* weder &#039;&#039;&#039;zu stark gerinnt&#039;&#039;&#039;, so dass Blutgerinnsel entstehen können, &lt;br /&gt;
* noch, dass es &#039;&#039;&#039;zu flüssig wird&#039;&#039;&#039;, wie dies bei der Bluterkrankheit (Hämophilie) oder sekundär bei Gerinnungsfaktormangel infolge der Verbrauchskoagulopathie (DIC) der Fall ist.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;B Dreifacher Ich-Begriff und Blutbildung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Anknüpfend an einen aristotelischen Denkansatz formuliert Steiner seinen Ich-Begriff: &#039;&#039;„Wenn wir das Ich im reinen Gedanken fassen, dann sind wir in einem Zentrum, wo das reine Denken zugleich essentiell sein materielles Wesen hervorbringt. Wenn Sie das Ich im Denken fassen, so ist ein dreifaches Ich vorhanden:&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;ein reines Ich&#039;&#039;&#039;, das zu den Universalen &#039;&#039;&#039;‚ante rem‘&#039;&#039;&#039; gehört,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;ein Ich, in dem Sie drinnen sind,&#039;&#039;&#039; das zu den Universalien &#039;&#039;&#039;‚in re‘&#039;&#039;&#039; gehört,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;und &#039;&#039;&#039;ein Ich, das Sie begreifen,&#039;&#039;&#039; das zu den Universalien &#039;&#039;&#039;‚post rem‘&#039;&#039;&#039; gehört.[3]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Aber noch etwas ganz Besonderes ist hier: für das Ich verhält es sich so, daß, wenn man sich zum wirklichen Erfassen des Ich aufschwingt, diese drei ‚Ichs‘ zusammenfallen. Das Ich lebt in sich, indem es seinen reinen Begriff hervorbringt und im Begriff als Realität leben kann. Für das Ich ist es nicht gleichgültig, was das reine Denken tut, denn das reine Denken ist der Schöpfer des Ich. Hier fällt der Begriff des Schöpferischen mit dem Materiellen zusammen, und man braucht nur einzusehen, daß wir in allen anderen Erkenntnisprozessen zunächst an eine Grenze stoßen, nur beim Ich nicht: dieses umfassen wir in seinem innersten Wesen, indem wir es im reinen Denken ergreifen [...] Es ist also in dem durch einen reinen Denkakt erfaßten und damit zugleich geschaffenen Ich etwas vorhanden, durch das wir die Grenze durchdringen, die für alles andere zwischen Form und Materie gesetzt werden muß.“[4]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Schritte der Blut- und Organbildung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der hier in dreifacher Weise gefasste Ich-Begriff findet sich in der Beschreibung der Blutbildung wieder, wie sie Rudolf Steiner und Ita Wegman im Kapitel VI von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[5]&#039;&#039; beschreiben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Nahrungsmittel („post rem“) werden aus der Umwelt aufgenommen &lt;br /&gt;
* und von den rein geistigen Wesensglieder-Formkräften („ante rem“) ergriffen,&lt;br /&gt;
* die den Umwandlungsprozess in einen neuen „in re“-Zusammenhang ermöglichen: das menschliche Blut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch wird es zum schöpferischen, organbildenden Instrument der Ich-Organisation. Dass vom Blut alle Organbildung ausgeht, zeigen die Phänomene der Organbildung während der Embryonalentwicklung. Indem Blutgefäße in ein bestimmtes Gewebe einsprossen und die für Wachstum und Entwicklung notwendigen Ernährungsprozesse ermöglichen, wird auch die Zellproliferation des betreffenden Organgewebes induziert. Durch die dann einsprossenden Nerven wird die Differenzierung zu den organspezifischen Zellen angestoßen. Begleitet werden diese beiden Prozesse jedoch stets durch einen dritten regulierenden Prozess, der für die adäquate Integration in den Gesamtorganismus sorgt.[6]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die astralische Organisation als Träger von Bewusstseinsprozessen, welche beim Menschen als selbstbewusster Wachzustand, Traum- und unbewusstes Schlafbewusstsein auftreten, erfordern eine dementsprechende dreigliedrige Organanlage des Nervensystems und damit auch des ganzen Organismus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[7]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Brücke zwischen der Weltgeistigkeit und dem Physischen des Menschen. Die Suche nach der neuen Isis, der göttlichen Sophia. Der Mensch in seinem Zusammenhang mit dem Kosmos, Band II.,&#039;&#039; GA 202, Vortrag vom 17.12.1920; Penter (2021), 333–348.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Vgl. Kuehn (2022), 36–42.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Formatierung und Hervorhebung von K. Offenborn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Philosophie und Anthroposophie. Gesammelte Aufsätze,&#039;&#039; GA 35, 102f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27, Kap. VI.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Vgl. Rohen und Lütjen-Drecoll (2022).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DAS BLUT ALS INSTRUMENT DES ICH ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern kann das Blut als Instrument des Ich bezeichnet werden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielt das Eisen für die Gesundung des Blutes?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie verhält sich das Blut zum Physischen und wie zum Ätherischen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Selbstheilungskräfte aus dem Blut&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel VII von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; werden die Selbstheilungskräfte nicht mit Blick auf ihre Funktion als körperliche Schutz- und Abwehrmechanismen des Immunsystems geschildert. Vielmehr werden sie als diejenigen Kräfte dargestellt, die dem Blut innewohnen, das den dreigliedrigen Organismus versorgt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* einerseits in Form der &#039;&#039;&#039;weißen Blutzellen&#039;&#039;&#039;, die für die körperliche Abwehr verantwortlich sind, &lt;br /&gt;
* insbesondere aber auch in Form der &#039;&#039;&#039;Tätigkeit der roten Blutkörperchen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* und der &#039;&#039;&#039;übrigen Bestandteile des Blutes&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Blut als Ganzes ist als Instrument der Ich-Organisation Träger der Selbstheilungskräfte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Warum das Blut Eisen braucht&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dieses Thema wird im dritten Vortrag des &#039;&#039;Ärzte-Kurses von 1920[2]&#039;&#039; eingehender erläutert. Dort wird die Frage: &#039;&#039;‚Warum braucht das Blut das Eisen?‘&#039;&#039; eine Kardinalfrage der ganzen medizinischen Wissenschaft genannt. Rudolf Steiner erläutert:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Das Blut braucht das Eisen nämlich. [...] Das Blut ist einfach durch seine eigene Wesenheit krank und muß fortwährend kuriert werden durch den Eisenzusatz. Das heißt, wir haben in dem Prozesse, der in unserem Blute sich vollzieht, einen fortwährenden Heilungsprozess in uns tragend. Will der Arzt durch der Natur Examen gehen [ein Ausdruck des Paracelsus], so muss er vor allen Dingen nicht einen schon abnormen Prozeß der Natur betrachten, sondern einen normalen Prozeß. Und der Blutprozeß ist sicher ein normaler, aber er ist zu gleicher Zeit ein solcher, wo fortwährend die Natur selbst heilen muß, wo fortwährend die Natur durch das zugesetzte Mineral, durch das Eisen heilen muss. So daß wir, wenn wir uns graphisch darstellen wollten dasjenige, was mit dem Blute geschieht, sagen müssen: Dasjenige, was das Blut durch seine eigene Konstitution ohne das Eisen hat, ist eine Kurve oder eine Linie die abwärts führt und die ankommen würde zuletzt bei der vollständigen Auflösung des Blutes, während dasjenige was das Eisen im Blute bewirkt, es fortwährend aufwärts führt, es fortwährend heilt. Wir haben in der Tat da einen Prozeß, der ein normaler ist und der zu gleicher Zeit ein solcher ist, der nachgebildet werden muss, wenn wir überhaupt an Heilungsprozesse denken wollen. Da können wir wirklich durch der Natur Examen gehen, denn da sehen wir, wie die Natur Prozesse vollführt, indem sie dasjenige, was außermenschlich ist, das Metall mit seinen Kräften, dem Menschlichen zuführt. Und wir sehen zu gleicher Zeit, wie dasjenige, was im Organismus unbedingt bleiben will, wie das Blut, [...] geheilt werden muß; dasjenige, was aus dem Organismus herausstrebt, wie die Milch, daß das nicht geheilt zu werden braucht, sondern daß das, wenn es Bildekräfte enthält, in gesunder Weise diese Bildekräfte in den anderen Organismus überführen kann. Das ist eine gewisse Polarität, und ich sage: eine gewisse, nicht eine ganze Polarität zwischen dem Blute und der Milch, die aber ins Auge gefasst werden muß, denn man kann daran eben sehr viel studieren.“[3]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Das Blut in seinem Verhältnis zum Physischen und zum Ätherischen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In den 2020 erschienenen Studienkommentaren zum medizinischen Werk Rudolf Steiners gehen die Herausgeber auch dieser Frage nach und suchen einer Beantwortung näherzukommen, wie diese Passage zu verstehen ist. Sie beziehen dabei auch die vorbereitenden Notizen Rudolf Steiners ein, die inzwischen in der Neuherausgabe zum 100-jährigen Jubiläum des Kurses in diesen integriert worden sind. Genauer notierte sich Steiner in seinen vorbereitenden Notizen: &#039;&#039;„Das Blut [...]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;hat abgestoßen die physischen Bildekräfte&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;und wirkt durch die an es gebundenen ätherischen.“&#039;&#039; [4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== @ Abstoßung physischer Bildekräfte ====&lt;br /&gt;
Unter Abstoßung physischer Bildekräfte im Blut kann zunächst an den Zellkernverlust der Erythrozyten – die immerhin ‚den Hauptbestandteil des Blutes‘ darstellen – gedacht werden. Denn mit der Abstoßung des zellulären Erbguts und der Mitochondrien während des Reifungsprozesses verliert der Erythrozyt insofern seine ‚äußere Bildungsfähigkeit‘, als eine Zellteilung d.h. Fortpflanzung bzw. ein kernvermittelter Stoffwechsel durch diese Abstoßung nicht mehr möglich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== @ Wirkung der ätherischen Kräfte im Flüssigen ====&lt;br /&gt;
Die Distanzierung des Blutes von den Kräften der physischen Gestaltbildung zeigt sich aber auch in der durchwegs flüssig-viskösen Form des Blutplasmas, die sich in der hohen Verformbarkeit der zellulären Elemente fortsetzt. An den flüssig-beweglichen Aggregatzustand ist zudem die Wirkung der lebendigen Bildekräfte gebunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Gerinnung des Blutes durch Berührung mit dem Physischen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Bei einer Berührung des Blutes mit der physischen Außenwelt kommt es bekanntlich unmittelbar zur Gerinnung, ein Phänomen, welches der Physiologe &#039;&#039;Thomas H. Huxley&#039;&#039; in dem von Steiner gut studierten Lehrbuch wie folgt anführt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Berührung mit nicht lebendem Stoffe beschleunigt die Gerinnung. Daher gerinnt das Blut, welches in eine Schüssel gelassen wird, zuerst da, wo es mit den Wänden der Schüssel in Berührung kommt; und ein Draht, in eine lebende Vene gesteckt, bedeckt sich mit Fibrin, trotzdem vollkommen flüssiges Blut ihn umgibt [...] Andererseits verzögert oder vermindert unmittelbare Berührung mit lebendigem Stoffe die Gerinnung des Blutes. So bleibt Blut sehr lange flüssig in einem Stück Vene, welches an beiden Enden zugebunden ist.“[5]&#039;&#039; [...] Diese Kardinalfrage, &#039;&#039;„was hinter der Erscheinung des Blutes verborgen liegt“&#039;&#039;[6], &#039;&#039;„was als geistige Wesenheit hinter dem Blut liegt“[7]&#039;&#039;, durchzieht das gesamte Vortragswerk Steiners bis in kulturelle, mythologische und religiöse Zusammenhänge.[8]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Blut als äußeres Werkzeug des Ich&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der &#039;&#039;„Okkulten Physiologie“&#039;&#039; lesen wir dazu: &#039;&#039;„Wie das Urbild zu seiner Offenbarung, zu seinem Abbild [...] müssen wir das Blut als äußeres Werkzeug für das Ich ansehen, für alles, was wir als unser innerstes Seelenzentrum, das Ich, bezeichnen.“[9]&#039;&#039; In seinem Vortrag &#039;&#039;„Blut ist ein ganz besonderer Saft“&#039;&#039; von 1906, in dem Rudolf Steiner an den gleichlautenden Ausspruch des Mephistopheles im Faust anknüpft, heißt es dazu:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Das Blut erfährt durch [...] Sauerstoffaufnahme eine Erneuerung. Dasjenige Blut, welches das menschliche Innere gleichsam dem hereinströmenden Sauerstoff anbietet, ist eine Art von Giftstoff für den Organismus, eine Art Vernichter und Zerstörer. Dieses blaurote Blut wird umgewandelt durch Aufnahme von Sauerstoff, durch eine Art Verbrennungsprozess, in rotes, lebensschaffendes Blut. Dieses Blut, das in alle Teile des Körpers dringt, in allen Teilen des Körpers die Ernährungsstoffe ablagert, hat die Aufgabe, die Stoffe der Außenwelt unmittelbar in sich aufzunehmen und auf dem kürzesten Wege zur Ernährung des Wesens zu verwenden. Der Mensch und die höheren Tiere haben nötig, erst diese Ernährungsstoffe in das Blut überzuführen, das Blut zu bilden, den Sauerstoff der Luft in das Blut aufzunehmen und den Körper durch das Blut aufzubauen und zu erhalten. [...] Im Blute ist also ein wirklicher Doppelgänger des Menschen vorhanden, der ihn fortwährend begleitet, aus dem er fortwährend seine neuen Kräfte schöpft und an den er dasjenige, was er nicht mehr braucht, abgibt. [...] Wie durch das Gehirn die Außenwelt verinnerlicht wird, so wird durch das Blut diese Innenwelt in dem Leib des Menschen zu einem äußeren Ausdruck umgeschaffen. [...] Im Blute liegt das Prinzip für die Ich-Werdung. Ein Ich kann nur da zum Ausdruck kommen, wo ein Wesen die Bilder, die es von der Außenwelt erzeugt, in sich selbst zu gestalten vermag. Ein Ich-Wesen muß fähig sein, die Außenwelt in sich aufzunehmen und innerhalb seiner selbst wieder zu erzeugen. Hätte der Mensch bloß Gehirn, so könnte er nur Bilder der Außenwelt in sich erzeugen und in sich erleben; er würde dann zu sich nur sagen können: die Außenwelt ist in mir als Spiegelbild noch einmal wiederholt; kann er aber diese Wiederholung der Außenwelt zu einer neuen Gestalt aufbauen, dann ist diese Gestalt nicht mehr bloß die Außenwelt: sie ist ‚Ich‘.“[10]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[11]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27, Kap. VII.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaft und Medizin,&#039;&#039; GA 312.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Siehe FN 2, S. 71f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Formatierung K. Offenborn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Huxley 1910, 75.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Erkenntnis des Übersinnlichen in unserer Zeit und deren Bedeutung für das heutige Leben,&#039;&#039; GA 55, S. 41.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Ebenda, S. 42.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Heusser u. a. (2020), 423–425.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Eine okkulte Physiologie,&#039;&#039; GA 128, S. 39.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Siehe FN 6, S. 43–57.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== KNOCHENBILDUNG UNTER DER FÜHRUNG DER ICH-ORGANISATION ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist die Rolle der Ich-Organisation im Rahmen der Wesensgliedertätigkeit?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Tätigkeiten obliegen der Ich-Organisation bei der Knochenbildung ab der Embryonalentwicklung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Warum ist ein gesundes Maß an Schlaf wichtig für uns?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Knochenbildung als Beispiel&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Am Beispiel der Knochenbildung – dem weitesten Weg, den ein Organ bzw. Organsystem bei seiner Bildung zu durchlaufen hat – schildern Rudolf Steiner und Ita Wegman in Kapitel XII von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; die Aufbau-Tätigkeit der Wesensglieder von der Embryonalentwicklung an.[2] Die Knochenbildung beginnt als ein multifokales embryonales Entwicklungsgeschehen, das im Skelett des Erwachsenen gipfelt, als der aufrechten Menschengestalt, dem physischen Abbild des Ich[3] oder im Sinne der Bibel in der Gottebenbildlichkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So komplex die Zusammenhänge auch sind, die in den 13 Absätzen von Kapitel XII beschrieben werden, so klar und systematisch erscheint der Aufbau. Zwanzigmal wird das Wort ‚Ich-Organisation‘ genannt, als die für den Grad des jeweils erforderlichen Aufbau- und Abbaugeschehens verantwortliche Instanz, der sich die Gesetzmäßigkeiten des physischen, ätherischen und astralischen Wirkbereichs unterordnen (müssen). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zehn „Tätigkeiten“ der Ich-Organisation bei der Knochenbildung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dabei werden zehn Prozessschritte in Betracht gezogen, die die Tätigkeit der Ich-Organisation kennzeichnen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Abscheiden unorganisch fester Substanz ====&lt;br /&gt;
Dieses Abscheiden des Festen aus dem halbflüssigen Zustand des embryonalen Ernährungsangebots und deren Eingliederung in den eigenen Ätherleib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Differenzierung der verschiedenen Organanlagen ====&lt;br /&gt;
Körpereigenes Eiweiß – Domäne des Ätherischen – wird zur Aufnahme von Luft und den damit verbundenen astralischen Gesetzmäßigkeiten gebracht. Der dadurch impulsierte Kohlenstoffmetabolismus ermöglicht die Differenzierung der verschiedenen Organanlagen aus der &#039;&#039;„noch undifferenzierten Organsubstanz“&#039;&#039;, wobei der Verzicht auf ‚perfekt-tierische Differenzierung‘ von der Ich-Organisation &#039;&#039;„gewissermaßen aufgesetzt“&#039;&#039; wird.[4] Man kann das Wort ‚aufsetzen‘ bildlich als ‚Krone aufsetzen‘ deuten – es steckt hier aber auch die Qualität des ‚sich Durchsetzens‘ darin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Differenzierte Handhabung von Wärme ====&lt;br /&gt;
Die Wirkmacht der Ich-Organisation beruht auf ihrer Herrschaft über den Wärmezustand, den sie differenziert handhaben kann: &#039;&#039;„Diese Ich-Organisation lebt ganz in Wärmezuständen. Sie holt aus der allgemeinen Astralwesenheit die einzelnen Organe heraus. Sie betätigt sich dabei an der allgemeinen, durch das Astralische herbeigeführten Substanz so, dass sie den Wärmezustand eines sich vorbereitenden Organs entweder erhöht oder vermindert.“&#039;&#039; [5] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Verminderung von Wärme ====&lt;br /&gt;
Verminderung von Wärme führt zur Aufnahme von Salzsubstanzen.[6]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Erhöhung von Wärme ====&lt;br /&gt;
Erhöhung von Wärme dient der Auflösung von Organischem.[7]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 6. Erkrankung als Regulationsmöglichkeit ====&lt;br /&gt;
Möglichkeiten zu erkranken, wenn der Organismus nicht genügend Wärme für ein Organgebiet zur Verfügung stellen kann, und dieses daher zu verhärten droht; oder, wenn ein Organ fertig ausgebildet ist, die Dynamik zwischen Organgebrauch und dessen Regeneration gestört ist.[8]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 7. Arteriosklerose als notwendiges „&#039;&#039;Austreiben der Ich-Organisation“&#039;&#039; ====&lt;br /&gt;
Das Krankheitsbild der Arteriosklerose ist die Folge eines solchen &#039;&#039;„Austreibens der Ich-Organisation“&#039;&#039; aus einem Organ, das nicht verhärten soll, sondern zwischen Flüssigem und Luftförmigen in den Prozessen der Auflösung gehalten werden muss.[9]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 8. Abkühlung zur Drosselung des Astralischen ====&lt;br /&gt;
Mögliche Gestaltmissbildungen treten auf, wenn es der Ich-Organisation nicht gelingt, den für dieses Organgebiet notwendigen Abkühlungsgrad zu erreichen. Dann setzen sich im astralischen Wirkbereich der eine oder andere mögliche Gestaltbildungsprozess durch. Als Beispiel werden rachitische Erkrankungen genannt, d.h. ganz generell Knochenstoffwechselstörungen, zu denen maßgeblich auch die Osteoporose gehört.[10]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 9. Integration von Ausscheidungsprodukten ====&lt;br /&gt;
Hier geht es um die Biochemie der exokrinen und endokrinen Drüsenerzeugnisse. Diese werden als differenzierte Absonderungs- und Ausscheidungsprodukte der astralischen Tätigkeit geschildert, die von der Ich-Organisation in das Ganze integriert und reguliert werden müssen im Sinne des &#039;&#039;„Nichts zu viel und nichts zu wenig“[11]&#039;&#039;– der Ur-Tugend des Maßhaltens, des Gleichgewichtwahrens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Verrichtung dieser Tätigkeiten liegt etwas, das der Organismus für seinen Bestand braucht. Diese Tätigkeit ist ebenso notwendig, wie diejenige, die Stoffe in den Organismus aufnimmt oder in ihm ablagert. Denn in dem gesunden Verhältnis der beiden Tätigkeiten liegt das Wesen der organischen Wirksamkeit.[12]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 10. Regulation von Harnsäure, die dem bewussten Denken dient ====&lt;br /&gt;
Der letzte Absatz widmet sich nochmals der Harnsäure. Sie steht als Ausscheidungsprodukt unter der Herrschaft des Astralleibes. Ihre Regulation hingegen – dass nicht zu viel und nicht zu wenig ausgeschieden wird – hängt von der Kompetenz der Ich-Organisation ab, insbesondere bei einer Substanz, die &#039;&#039;„bis zum Unorganischen getrieben“&#039;&#039; ist,[13] d.h. Kristalle bilden kann, wie die Harnsäure, die dem bewussten Denken dient.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Gesundes Schlafmaß als Aufgabe&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Daher ist der dem Ausscheidungsvorgang entgegengesetzte ‚Gegendruck‘ wichtig für die gesunde Regelung des Schlaf-Wach-Rhythmus. Dieser Gegendruck hat sein physiologisches Korrelat in der Rückresorption von 90 % der Harnsäure aus dem glomerulären Primärfiltrat der Nieren, wie in der Einleitung zu Kapitel XI erwähnt wurde. &#039;&#039;Otto Wolff&#039;&#039; weist in dem Zusammenhang auf zwei Experimente hin, die von anthroposophischen Ärzten durchgeführt wurden. Sie konnten einen Harnsäureanstieg im Urin feststellen nach einer bestimmten Zeit mathematischen Denkens.[14] Ein mögliches Zeichen für die verstärkte Denktätigkeit der Ich-Organisation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der zum Schluss angeführte Schlaf, als die Voraussetzung für die Erhaltung der Gesundheit, wird damit auch zu einer Aufgabe für den individuellen Menschen, sein Schlafmaß im Einklang mit den Erfordernissen seines wachen Tageslebens zu regeln. Mit langem und kurzem Schlaf ist hier nicht irgendeine statistisch zu empfehlende mittlere Schlafdauer gemeint, sondern die Fähigkeit des Organismus, sich rundum zu erholen.[15]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[16]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27, Kap. VII.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ähnliches gilt natürlich für die Entwicklung aller Organsysteme. Was Biologen und Biochemiker bis heute immer weiter im Detail erforschen – das Wesen der Organmatrix –, wird hier als die &#039;&#039;„allgemeinere Substanz“&#039;&#039; bezeichnet, &#039;&#039;„aus der heraus alle die einzelnen Organe des Körpers gebildet werden können“ (S. 60).&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Siehe FN 1, S. 59.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Ebenda, S. 60.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Siehe FN 1, Kap. XII, Abs. 6.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Ebenda, Abs. 7, 8.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Ebenda, Abs. 9.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Siehe FN 1, S. 61f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Ebenda, S. 62f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Ebenda, S. 63.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] Vgl. Wolff (2013), 284.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[15] Vgl. Girke (2017), 4–12; Fintelmann (2017), 18–25.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[16] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== BEDEUTUNG VON HARNSÄURE IN BLUT UND GEHIRN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was besagt die geisteswissenschaftliche Sicht auf die Harnsäure?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern unterscheidet sich ihr Aufbau bei Mensch und Tier?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche wichtigen Funktionen hat die Harnsäure in Blut und Gehirn?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Geisteswissenschaftliche Sicht auf den Aufbau von Harnsäure beim Menschen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel XI von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; werden neben ihrer Beteiligung an der Entstehung von Gicht weitere Rollen der Harnsäure beschrieben, die sie nur im menschlichen Organismus innehat. Denn im Gegensatz zum Menschen bauen die meisten Säugetiere die Purin-Nukleotide zu Allantoin ab, einer leicht löslichen Substanz, die noch dazu ein gutes Wundheilmittel ist und auch in der Heilpflanze Symphytum vorkommt.[2] Obwohl dieser Abbauweg Tieren problemlos möglich ist, wird das menschliche Purinabbauprodukt, die Harnsäure, vom menschlichen Organismus ‚mühsam‘ in der Leber aufgebaut – und nicht etwa auf einem möglichen einfacheren Weg aus dem ebenfalls in der Leber gebildeten Harnstoff. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus biologischer Sicht ist dies unverständlich – aus geisteswissenschaftlicher Sicht jedoch klar: Wenn es auf die Tätigkeiten im Organismus ankommt und nicht nur auf das Vorhandensein bestimmter Stoffe, dann ist offenbar der Aufbau der Harnsäure und die durch sie mögliche Kristallbildung, z. B. für die gesunde Hirnfunktion, wichtig; aber offenbar auch für eine feine Durchimprägnierung des ganzen Organismus mit dieser fein verteilten Harnsäure.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Anregung des AL durch Harnsäure&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[3]&#039;&#039; heißt es dazu: &#039;&#039;„Nun ist im Organismus der astralische Leib der Vermittler der Tätigkeit der Ich-Organisation für den ätherischen und physischen Leib. Diese muss in die Organe die leblosen Substanzen und Kräfte tragen. Nur durch diese Imprägnierung der Organe mit Unorganischem kann der Mensch das bewusste Wesen sein, das er ist. Organische Substanz und organische Kraft würden das menschliche Bewusstsein zum tierischen herabdämpfen. Der astralische Leib macht durch seine Tätigkeit die Organe geneigt, die unorganischen Einlagerungen der Ich-Organisation aufzunehmen. Er ist gewissermaßen für sie der Wegmacher.“[4]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die Strukturformeln von Koffein und Tein der Harnsäure sehr ähnlich sind – auch sie regen die astralische Organisation an und bewirken neben der Anregung des Bewusstseins auch eine Verstärkung der Urinausscheidung und eine Erhöhung des Blutdrucks. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der menschliche Astralleib arbeitet in gesunder Weise, wenn die Harnsäureausscheidung im Stoffwechselgebiet gelingt und die Imprägnierung mit Unorganischem ausgewogen ist. &#039;&#039;„Es wird wenig Harnsäure ausgeschieden, dafür umso mehr Unorganisches im Sinne der Ich-Organisation eingelagert.“[5]&#039;&#039; Ist das jedoch nicht der Fall, tritt seine Tätigkeit im Gehirn zurück&#039;&#039;.&#039;&#039; Die Harnsäure wird so gesehen zum Indikator dafür, &#039;&#039;„ob zwischen der Ich-Organisation und dem astralischen Leib in irgendeinem Organ oder Organsysteme das rechte Verhältnis besteht.“[6]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wichtige Funktionen von Harnsäure&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Rolle der Harnsäure im Blut – antioxidative Wirkung ====&lt;br /&gt;
Dem Harnsäuregehalt im Blut des Menschen wird &#039;&#039;„eine wichtige Rolle im antioxidativen, nicht-enzymatischen Schutzsystem zuerkannt, weil die chemische Struktur des Moleküls Harnsäure diese zu einem effizienten, wasserlöslichen Radikalfänger macht“.[7]&#039;&#039; Damit ist für die von Steiner beschriebene feine ‚Imprägnierung‘ des gesamten Organismus mit Harnsäure aus naturwissenschaftlicher Sicht ein interessanter Beleg gegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Rolle der Harnsäure im Gehirn – „funktionelles Denksubstrat“ ====&lt;br /&gt;
Inzwischen mehren sich auch Forschungsergebnisse, die den von Rudolf Steiner beschriebenen Zusammenhang von Harnsäurepräsenz im Gehirn und der Denktätigkeit nahelegen.[8] Hier bietet der neue Kontext, in den Rudolf Steiner die Harnsäure stellt, mögliche Anregungen für weitere Forschungsarbeiten. Denn bisher interessierte man sich mit Bezug auf die Denk- und Bewusstseinsvorgänge primär für die Biochemie der Neurotransmitter und die Funktion der verschiedenen Hirnareale – nicht jedoch für Salzbildungsprozesse und Mineralisierungsvorgänge im Nervensystem.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für das anthroposophische Verständnis kommt jedoch in Betracht, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* wo eine bestimmte Substanz im Organismus auftaucht, &lt;br /&gt;
* und ob sie auf dem Aufbau- oder Abbauwege ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn daran entscheidet sich, ob sie mehr dem Leben (Aufbau) oder dem Bewusstsein (Abbau) dient, was in salzartigen Ablagerungen zum Ausdruck kommt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Harnsäure als Denkhilfe&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wolff beschreibt die Bedeutung der Harnsäure so:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Diese liegt offensichtlich nicht auf physiologischem Feld, denn da kann sie nur hinderlich sein im Sinne des Auftretens von Gicht. Vielmehr muss sie mit einer spezifisch menschlichen Fähigkeit, über die das Tier nicht verfügt, zu tun haben – und das ist das Denken. [. . .] Dieses stützt sich auf den Kristallisationsvorgang; daher bezeichnet man es auch – wenn es gekonnt praktiziert wird – als glasklar. Die Folgerichtigkeit der Logik ist notwendigerweise mit irdischen Gesetzmäßigkeiten gekoppelt und deswegen zwingend. Es müssen also Erdenkräfte für diesen Vorgang zur Verfügung stehen. Dazu bedarf es einer Substanz, die aus dem Leben (Ätherleib) stammt und außerdem Bewusstseins-Elemente (Astralleib/Stickstoff) enthält und in den mineralischen Zustand übergehen kann. Diese Bedingungen erfüllt nur eine einzige Substanz, die Harnsäure. Der Zucker z.B. kann wohl kristallisieren, ist aber so leicht löslich, daß er innerhalb des Organismus nicht kristallisieren kann. Alle Eiweiße können zwar ebenfalls in den toten Zustand übergehen, dann aber verhärten sie (z.B. Haare, Nägel), ohne zu kristallisieren. (Dass die ‚Mikrokristalle‘ der Aminosäuren und Enzyme oder der Fette in diesem Sinne keine wirklichen Kristalle sind, wurde im entsprechenden Kapitel ausführlich dargestellt.) Somit kann man sagen: Harnsäure ist das funktionelle Denksubstrat.“[9]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man darf gespannt sein, was eine solche bisher noch nicht vollständig durch valide Forschung verifizierte Arbeitshypothese in Zukunft noch für das Verständnis von Denken und Bewusstsein liefern wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[10]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27, S. 51.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Vgl. Wolff (2013), 280 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27, S. 51.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe FN 1, S. 56.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Siehe FN 1, S. 57.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Löffler (2022), 474. Vgl. auch Cicha (2022).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Vgl. Cicha (2022), 10 und 110, Harnsäurewerte und Einfluss auf die Kognition: 69 Publikationen wurden ausgewertet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Wolff (2013), 282f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== SILIZIUM UND WAHRNEHMUNGSFÄHIGKEIT ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist laut Rudolf Steiner und Ita Wegman die Grundlage aller Wahrnehmungsfähigkeit im menschlichen Organismus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sagt das Zuviel oder Zuwenig von Silizium im Gewebe aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann therapeutisch damit umgegangen werden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Gegenseitige Wahrnehmungsfähigkeit in der Natur&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Heute weiß man, dass Pflanzen mithilfe ihrer Wurzeln über weite Entfernungen miteinander kommunizieren können und dass es ganze Biotope gibt, die sich gegenseitig unterstützen und in gewisser Weise auch voneinander abhängig sind. &#039;&#039;Alexander von Humboldt (1769–1859)&#039;&#039; war einer der ersten, dessen Forschungen und Hypothesen sich in den Sätzen zusammenfassen lassen: &#039;&#039;„Alles ist in Wechselwirkung. Nichts steht für sich allein, ein gemeinsames Band umschlingt die ganze organische Natur.“[1]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So mutet es nahezu selbstverständlich an, wenn gesagt wird, dass auch Zellen miteinander kommunizieren und dass außer den vielfach schon bekannten Rezeptoren für Hormone, Botenstoffe und sonstige Transmittersubstanzen immer mehr Resonanz- und Signalübertragungsmöglichkeiten entdeckt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner und Ita Wegman beschreiben in Kapitel XIV von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[2]&#039;&#039; ebenfalls diese gegenseitige Wahrnehmungsfähigkeit der Organe untereinander: &#039;&#039;„Aber es ist doch der ganze menschliche Organismus von sich gegenseitig beeinflussenden Wahrnehmungen durchzogen und muss es sein, damit alles in ihm gesund zusammenwirkt.“[3]&#039;&#039; Die Tatsache, dass jedes Organ &#039;&#039;„außerdem, dass es dieser oder jener Funktion im Organismus dient, noch Sinnesorgan“ ist,[4]&#039;&#039; sehen die Autoren als Voraussetzung für die Gesundheit des Organismus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Rolle von Silizium im menschlichen Gewebe&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Therapeutisches Denken kann dadurch gelernt werden, dass man sich angesichts einer Pathologie immer auch die Frage stellt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Organfunktion nimmt eine andere zu wenig oder zu stark wahr?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wo kommt es zu einer zu starken Wahrnehmung und damit verbunden zu einer verminderten Wahrnehmung an einem anderen Ort?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grundlage für diese Fähigkeit der adäquaten Abgrenzung einerseits und notwendigen Sensibilität bzw. Wahrnehmungsfähigkeit andererseits ist laut Steiner und Wegman die feinst verteilte Kieselsäure im gesamten Organismus. Fakt ist, dass Silizium in Form der biologisch aktiven Kieselsäure in nahezu jeder Zelle vorkommt. In höherer Konzentration ist es da vorhanden, wo es bindegewebige Strukturen gibt oder eine gewisse Durchsichtigkeit gefragt ist, wie z.B. beim Auge. Bemerkenswert ist in dem Zusammenhang, dass im embryonalen Bindegewebe und bei jungen Kindern der Siliziumgehalt im Gewebe am höchsten ist und im Laufe des Älterwerdens insgesamt abnimmt. Daher wird auch daran geforscht, inwiefern sich bestimmte Formen der Alzheimererkrankung durch rechtzeitige Intervention mit kieselsäurehaltigen Präparaten bessern lassen und inwiefern vorbeugende Maßnahmen angezeigt sind.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Insgesamt besitzt der Organismus 1–2g Silizium, welches damit – neben Eisen und Zink – eines der häufigsten sogenannten Spurenelemente ist.[6] Allerdings kennt man nur bei den beiden erstgenannten deren konkreten biochemisch-physiologischen Wirkmechanismus. Dieser wurde im Hinblick auf die Kieselsäure aus naturwissenschaftlicher Sicht noch nicht entdeckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Gesunde Wahrnehmungsfähigkeit und das richtige Maß&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Es ist der Kieselsäure-Organismus, auf dem die gegenseitige Empfindlichkeit der Organe beruht, die wiederum einer gesunden Lebenstätigkeit zugrunde liegen. Es geht dabei auch um das richtige Verhältnis von&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Innenwahrnehmung&#039;&#039;&#039;, die Seelen- und Geist-Entfaltung betreffend&lt;br /&gt;
* und von &#039;&#039;&#039;Außenwahrnehmung&#039;&#039;&#039; der Naturwirkungen.[7]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesunde Wahrnehmung hängt auch mit einer klaren Entscheidung für ‚Mein‘ und ‚Dein‘, sowie für ‚Ich‘ und ‚Welt‘ zusammen. Dazu gehört&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* einerseits die Fähigkeit, sich klar abzugrenzen,&lt;br /&gt;
* andererseits aber auch sensibel zu bleiben für das Fremde, Andere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese doppelte Fähigkeit ist für die körperliche, seelische und geistige Integrität gleichermaßen notwendig. Sie ist tatsächlich Voraussetzung und Grundlage für Gesundheit in jeder Hinsicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber auch für die Kieselsäure gilt, was in Kapitel XI über die Harnsäure gesagt wird: Sie darf nicht in zu reichem Maße vorliegen. Gut ist, was von der Ich-Organisation vollumfänglich genutzt werden kann. Überschüssige Kieselsäuremengen müssen mithilfe der astralischen Organisation über den Harn oder auf anderen Stoffwechselwegen ausgeschieden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fragen zur Kieselsäure als Nahrungsergänzungsmittel&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Hauptquelle für die Zufuhr von Kieselsäure ist pflanzliche Ernährung. Denn es ist die Kieselsäure, die den Pflanzen eine biegsame Struktur verleiht. Besonders hervorgehoben sei hier der Bambus im asiatischen Raum, der bis zu 30 m hoch werden kann und etwa zu 70 % aus Kieselsäureverbindungen besteht. Der heimische Ackerschachtelhalm weist nur bis zu 10% Kieselsäureverbindungen auf – dafür aber in einer besonderen Form, nämlich nicht als Kieselsäurekristalle, sondern in kolloidaler Opal-Struktur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man jedoch die Kieselsäure als Nahrungsergänzungsmittel einnimmt, sollte man dies immer im Zusammenhang mit einer Mahlzeit tun, da die Kieselsäure am besten aufgenommen wird, wenn sie fein verteilt in der Nahrung vorkommt. Wer nun aber meint, schütterem Haar, schlaffer Haut oder brüchigen Nägeln durch die Einnahme von Kieselsäure beizukommen, sieht sich in der Regel getäuscht. Es ist eben dies genau die Frage:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Genügt es, eine Substanz zu essen, von der man meint oder weiß, dass sie einem an einem bestimmten Ort fehlt oder muss man nicht viel eher danach fragen, wie bzw. auf welchen Wegen diese Substanz dorthin kommt, wo der Mangel herrscht, und wo vielleicht andernorts zu viel davon vorhanden ist?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und was muss man tun, damit hier eine Regulation stattfinden kann und grundsätzlich die Wahrnehmungsfähigkeit der Organe untereinander unterstützt wird, so dass ein ‚Zuviel‘ oder ‚Zuwenig‘ wahrgenommen und ausgeglichen werden kann?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um diese Fragen geht es in Kapitel XIV, sowie um entsprechende therapeutische Antworten. In Absatz 8–14 werden zudem verschiedene Symptome geschildert, an denen ärztlicherseits ein ‚Zuviel‘ oder ‚Zuwenig‘ erkannt werden und in welcher Form die Kieselsäure therapeutisch eingesetzt werden kann.[8] Dabei kommt auch hier einer Schwefelkur eine besondere Bedeutung zu, wie das schon in Kapitel XIII angeführt wurde, weil dadurch „&#039;&#039;die Verteilung der&#039;&#039; &#039;&#039;lokalisierten Kieselsäurewirkung auf den ganzen Organismus“[9]&#039;&#039; gefördert werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[10]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. A. von Humboldt (1803), 27r.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27, Kapitel XIV.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Ebenda, S. 70.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. Gillette-Guyonnet u. a. (2007), 119–124.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Vgl. Ternes (2013); Voronkov u. a. (2022).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Vgl. FN 2, S. 70.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Siehe auch die Ausarbeitungen und Indikationen im Vademecum, bei Anthromedics und im Archiv des Merkurstabs, die eine Fülle therapeutischer Erfahrungen beinhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. FN 2, S. 72.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== SINNES- UND TATENMENSCH ALS INSTRUMENTE DES ICH ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern sind die Sinne und die Gliedmaßen des Menschen Kontaktorgane?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann Schule die Kontaktfähigkeit ihrer Schüler verstärken?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie schult man die eigene Intuitionsfähigkeit?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zweifacher Kontakt mit der Umgebung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der physische Leib tritt auf zweierlei Art mit seiner Umgebung unmittelbar in Kontakt:  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Einmal über die &#039;&#039;&#039;Sinne(sorgane)&#039;&#039;&#039;, durch die die leibfreien Wesensglieder wie hi­naus­gehen und wahrnehmen. &lt;br /&gt;
* Zweitens dienen die &#039;&#039;&#039;Gliedmaßen&#039;&#039;&#039; als Instrumente der Kontaktaufnahme. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann auch sagen, die Kontaktaufnahme geschieht über die Anschauung und die Tat – insofern spreche ich von Sinnes- und Tatenmensch. Das ist aber nicht das Gleiche wie die Einteilung in Nervensinnessystem und Stoffwechsel-Gliedmaßensystem als Teile der Drei­gliederung. Der Sinnes- und der Tatenmensch werden hier als Instrumente des Ich betrachtet, durch das die Drei­glie­derung als Dreiheit in der Einheit verbunden bleibt. Wir fallen nicht pathologisch bzw. psy­chotisch in Denken, Fühlen und Wollen auseinander, sondern wir sind trotz all unserer unterschiedlichen Schwerpunkte in der La­ge, das System als Gesamtheit zusammenzuhalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Gestörter Kontakt zur Sinneswelt&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Setzt sich einer der drei Bereiche des dreigegliederten Organismus durch, so äußert sich das  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* entweder als &#039;&#039;&#039;Angst&#039;&#039;&#039;, die mit dem Bewusstsein assoziiert ist&lt;br /&gt;
* oder als &#039;&#039;&#039;Aggression und Wut,&#039;&#039;&#039; die mit dem Stoffwechsel assoziiert sind&lt;br /&gt;
* oder als &#039;&#039;&#039;Klammern&#039;&#039;&#039; an der Mama oder anderen Menschen aufgrund von Einsamkeit und Sich-vernachlässigt-Fühlen, Sich-allein-Fühlen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In allen drei Fällen haben die Betroffenen einen gravierend gestörten Kon­takt zur Um- und Mitwelt. Sie tun meist nur, was sie wollen, anstatt das, was sie sollen. Dieses Verhalten zeigt, dass das Verhältnis zur Welt wie auch zum eigenen Willen gestört ist. Das ist alles Ausdruck einer primären Ich-Inkar­nationsstörung, d.h. das Ich konnte sich nicht um das ganze System kümmern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Prävention und Therapie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Als Prävention und Therapie sind die Sinne über künstlerisches Üben bzw. anschaulichen, bildhaften, charakterisierenden, künstlerisch gestalteten Unterricht anzusprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Anschauung vertiefen und kultivieren (Sinnesmensch) ====&lt;br /&gt;
Bei Verhaltensstörungen und Schwierigkeiten in der Unterstufe, sagt Rudolf Steiner, solle der Lehrer eine sinnige Geschichte erzählen, in der er genau die Verhaltensstörungen der Kinder aufgreift und ins Bild bringt und so den Kindern vor Augen stellt, wodurch das völlig freie unschuldige Ich die Situation anschauen und daraus heilende, ordnende Botschaften empfangen kann, die es dann über das Denken, Fühlen und Wollen auf die anderen Wesensglieder überträgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch alles Kognitive soll über die Sinne vermittelt werden, weil über den Weg von der Eins (Ich-Aktivität) in die Drei (Denken, Fühlen und Wollen) die Zusammenhaltekraft unterstützt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Gliedmaßenmensch schulen (Tatenmensch) ====&lt;br /&gt;
Die zweite Hauptaufgabe besteht in der Schulung des leibfreien Willens durch eine Locke­rung der Ich-Organisation aus den Gliedmaßen insbesondere durch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gymnastik,&lt;br /&gt;
* Heileurythmie&lt;br /&gt;
* Eurythmie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner sagt, die gesamte Zukunftsentwicklung des Menschen hänge davon ab, dass sich die Ich-Organisation aus den Gliedmaßen herauszulösen und immer mehr mit der Umgebung zu verbinden lernt. Diese Willensverbindung mit dem anderen nennen wir In­tuition.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Intuition über Nacht&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Um mit den Schülern an den erforderlichen Fähigkeiten arbeiten zu können, um zu wis­sen, was sie brauchen, müssen Lehrer und Schularzt über therapeutische bzw. päda­gogische Intuition verfügen. Dieser leibfreie, tief unbewusste Willen hat nichts mit dem Astralleib zu tun (der ihn bewusst machen könnte). Er ist reine Ich-Kraft, reine Halte­kraft, reine geistige Präsenz. Wenn wir durch diese Kraft auch unserem Denken und Fühlen Orientierung geben – weil das Ich einheitlich gestaltend wirkt – dann kann dieser aus den Gliedmaßen gelöste freie Wille als Intuitionskraft einen wirklichen Kontakt herstellen zu den Kindern, Eltern und Lehrern – und die unmittelbaren Botschaften dieser Menschen aufnehmen. Rudolf Steiner sagt, wir könnten uns in diese Richtung entwickeln, wenn wir mit dem Gebet in die Nacht gehen: &#039;&#039;„Nicht mein, sondern dein Wille geschehe!“&#039;&#039;[1] Fragen wir zudem die Betreffenden im Geiste: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie muss ich mich verhalten, dass es besser wird mit dir?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was muss ich dir geben, was brauchst du von mir?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wird die Antwort am nächsten Morgen im Bewusstsein aufleuchten, weil sich das Ich über Nacht in den Kosmos hinausbegeben und mit den Engeln geredet hat. Wenn es sich da­nach wieder mit dem Körper verbindet, prägt sich die mitgebrachte intuitive Botschaft dem Denken ein. Man hat dann, wenn man Glück hat, einen Einfall, ein Bild und weiß plötz­lich, was zu tun ist, was für diesen Menschen und diese Situation richtig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles in diesem Zusammenhang kompliziert Erscheinende, auch das Rätsel, wie man an diese intuitive Schicht herankommt, wird verständlich, wenn man Dreigliederung und Viergliederung im Zusammenhang betrachtet. Wenn man versteht, wie Intuition men­schen­kundlich zustandekommt, kann man sie übend viel bewusster handhaben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag „Schulabsenz und die Gründe dafür“, Schulärztetagung 2014&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Neues Testament, &#039;&#039;Lukas&#039;&#039; 22, 42.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE METAMORPHOSE DER WACHSTUMSKRÄFTE IN GEDANKENKRÄFTE ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist unter der Metamorphose der Wachstumskräfte in Gedankenkräfte gemeint?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wann und wo vollzieht sich diese Verwandlung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Denkkräfte sind verfeinerte Wachstumskräfte&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Diese im Ätherleibe wirksamen Kräfte betätigen sich im Beginne des menschlichen Erdenlebens&#039;&#039; – &#039;&#039;am deutlichsten während der Embryonalzeit&#039;&#039; – &#039;&#039;als Gestaltungs- und Wachstumskräfte. Im Verlaufe des Erdenlebens emanzipiert sich ein Teil dieser Kräfte von der Betätigung in Gestaltung und Wachstum und wird Denkkräfte, eben jene Kräfte, die für das gewöhnliche Bewusstsein die schattenhafte Gedankenwelt hervorbringen.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Es ist von der allergrößten Bedeutung zu wissen, dass die gewöhnlichen Denkkräfte des Menschen die verfeinerten Gestaltungs- und Wachstumskräfte sind. Im Gestalten und Wachsen des menschlichen Organismus offenbart sich ein Geistiges. Denn dieses Geistige erscheint dann im Lebensverlaufe als die geistige Denkkraft.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und diese Denkkraft ist nur ein Teil der im Ätherischen webenden menschlichen Gestaltungs- und Wachstumskraft. Der andere Teil bleibt seiner im menschlichen Lebensbeginne innegehabten Aufgabe getreu. Nur weil der Mensch, wenn seine Gestaltung und sein Wachstum vorgerückt, das ist, bis zu einem gewissen Grade abgeschlossen sind, sich noch weiter entwickelt, kann das Ätherisch-Geistige, das im Organismus webt und lebt, im weiteren Leben als Denkkraft auftreten.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;So offenbart sich der imaginativen geistigen Anschauung die bildsame (plastische) Kraft als ein Ätherisch-Geistiges von der einen Seite, das von der anderen Seite als der Seelen-Inhalt des Denkens auftritt.“&#039;&#039;&#039;[1]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner beschreibt weiter, wie sich auch Astralleib und Ich-Organisation entsprechend der Metamorphose der Wachstumskräfte in Gedankenkräfte im Zuge von Wachstum und Entwicklung aus dem physischen Leib heraus „metamorphosieren“ und frei werden für die Seelentätigkeiten von Fühlen und Wollen. Sie tun dies „auf den Bahnen des Ätherischen“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ort der Herauslösung der Ätherkräfte&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;An welchem Ort aber kann diese Herauslösung stattfinden?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt nur ein Organ, in dem das strömende Blut als Träger der vier Ätherarten zum Stillstand kommt und der Ätherkraft dadurch die Möglichkeit gibt „zu sterben“, d.h. aus dem physischen Lebenszusammenhang herauszugehen: &#039;&#039;&#039;das Herz&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende der Diastole, in der sogenannten „Diastase“, tritt ein winziger Moment ein, in dem jede Fließeinheit des strömenden Blutes zum vollständigen Stillstand kommt, bevor die Austreibungsphase der systolischen Herzbewegung beginnt. Unser bewusstes Seelenleben wird sozusagen aus dem Herzensgrund heraus geboren,[2]&amp;lt;sup&amp;gt;, [3]&amp;lt;/sup&amp;gt; am Gehirn reflektiert und dann mehr oder weniger frei, bewusst und „herzlich“ gehandhabt. Das „Denken mit dem Herzen“ hat diesen besonderen physiologischen Bezug: Wenn das, was gedacht wird, „zu Herzen“ geht und von dort herzlich weiterwirkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Raphael und die Mysterien von Krankheit und Heilung“, Medizinische Sektion am Goetheanum 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen.&#039;&#039; GA 27, Dornach 1991, S. 12-13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Medizinische Sektion am Goetheanum (Hrsg.), &#039;&#039;Meditationen zur Herztätigkeit gegeben von Rudolf Steiner.&#039;&#039; Dornach 2014.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Christoph Rubens, Peter Selg (Hrsg.), &#039;&#039;Das menschliche Herz, Kardiologie in der Anthroposophischen Medizin,&#039;&#039; Arlesheim 2014.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== UNSER SEELENLEBEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist unter Seele zu verstehen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sind charakteristische Merkmale der menschlichen Seele?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Seele als Innenraum mit beweglichen Grenzen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Was unsere Seele ausmacht, können wir nur durch Beobachtung des eigenen Innenlebens erschließen. Unsere Seele ist gleichsam ein in sich geschlossener Innen­raum, in dem sich jeder für sich allein bewegt und der sich von dem aller anderen unterscheidet. So gesehen, ist die Seele der Lebensraum unserer Persönlich­keit. Er kann sich weiten oder eng werden, je nach unseren Lebensumständen und wie wir damit umgehen. Er kann in der Depression so zusam­menschrumpfen, dass wir nur noch uns selbst erleben und kein Interesse und keine Anteilnahme an der Welt mehr aufbringen können. Umgekehrt kann er im Zustand voller seelischer Gesundheit so weit werden wie die Welt. Wir können die Probleme um uns herum wahr- und ernstnehmen, und in uns seelisch bewegen. Der Seelenraum ist dann so weit, wie unser Bewusstsein reicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Mensch, der sich für viele und vieles interessiert, hat in der Re­gel keine Zeit, über ein ge­wisses Maß hinaus persönliche Probleme zu bewegen. Er kann es sich nicht lei­sten über Unangenehmes zu brüten, damit zu hadern, darüber unzufrieden zu sein. Er wird nicht allzu viel Energie ins Grübeln über die eigene Befindlichkeit investieren. Das geschieht aber umso mehr, je enger und selbstbezogener der eigene Seelenhorizont ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere Seele ist demnach immer in Bewegung und hat keine endgültigen Grenzen. Sie ist unser persönliches Erlebnisfeld, das von Gesundheit und Krankheit, von den jeweiligen Lebensum­ständen, sprich, von unserem Schicksal, stark geprägt wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Bewusstes Gestalten des Seelenraumes&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aber eines müssen wir uns klarmachen: Unsere Persönlichkeit braucht diesen seelischen Lebensraum. Unser Lebensglück hängt davon ab, ob wir lernen, diesen Raum bewusst selbst mitzugestalten und ihn nicht nur durch Einflüsse von außen bestimmen zu lassen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie ist ein solches Mitgestalten möglich?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Seelen­raum leben unsere Gedanken, Wünsche, Erinnerun­gen, Erfahrungen, unsere Lebensmotive, Gefühle und Wil­lensintentionen. Eine Fülle von Empfindungen, Gefühlen, Trieben und Absichten hängt mit unserem Körper zusammen. Wenn wir z.B. hungrig sind und Lust auf dieses und jenes haben, wonach unser Körper verlangt, wird ein großer Teil unseres Seelenlebens unmittelbar davon geprägt. D.h. sehr viele Seelenregungen entstammen Bedürfnissen, die wir eindeutig als leib­gebunden empfinden. Dazu gehört z.B. auch, dass, wenn wir einen schweren Durchfall haben, wir uns seelisch schlapp und lustlos fühlen. Oder dass wir, wenn wir sehr müde sind, uns plötz­lich nicht mehr so engagieren können, einfach weil wir nicht mehr dazu in der Lage sind, weil wir „kaputt“ sind. Derartige Er­fahrungen führen dazu, dass manche Menschen meinen, das Seelenleben an sich wäre leibge­bunden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beschäftigt man sich jedoch intensiver mit dem eigenen See­lenleben, merkt man, dass das nicht stimmt. Beim Tier ist die Leibge­bundenheit außerordentlich stark, weil die Verhaltensmuster innerhalb einer Gattung einander ähnlich sind und bleiben. Gerade das ist beim Menschen völlig anders: Er kann sich an jede neue Umgebung anpassen, kann immer neue Lernprozesse in Angriff nehmen. Wir Menschen haben nicht nur unbegrenzte Anpassungsmöglichkeiten an die Umgebung, sondern auch unbegrenzte Möglichkeiten uns zu distanzieren, uns innerlich abzugrenzen – auch von uns selbst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manche Menschen haben eine krumme Nase oder schielen und haben deswegen ihr ganzes Leben lang Komplexe. Sie schaffen es nicht, sich innerlich mit einer körperlichen Eigenheit abzufinden. Dann wiederum gibt es andere, die sich bis etwa Mitte zwanzig noch krause Locken wünschen oder auch beim Friseur machen lassen – bis sie sich mit ihrem So-Sein identifizieren können bzw. sich innerlich von dem äußeren Makel distanzieren. Gelingt es uns, eine ge­wisse Unabhängigkeit vom Körper zu gewinnen, quasi die eigene Körperbezogenheit in dieser Hinsicht zu verringern, dann gewinnen wir eine viel freiere Einstellung uns selbst und anderen Menschen gegenüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl.&#039;&#039; &#039;&#039;Vortrag, „Die männliche und weibliche Konstitution“, 1987&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== SEELENLEBEN, ERZIEHUNG UND KÖRPERBAU ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern wird unser Seelenleben von unserer Erziehung bzw. von unserem Körperbau bestimmt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worin liegt der Freiraum, das eigene Schicksal mitzugestalten?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Individuelle Möglichkeiten der Mitgestaltung     &#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wir Menschen haben nicht nur unbegrenzte Anpassungsmöglichkeiten &#039;&#039;an&#039;&#039; die Umgebung, sondern auch unbegrenzte Möglichkeiten uns zu distanzieren, uns innerlich abzugrenzen – auch von uns selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich hängt sehr viel von der Erziehung ab. Wem ständig eingeredet wurde, dass er zu dick ist oder dies und das nicht so ist, wie es sein sollte, wird ziemlich lange von einem solchen Trauma bestimmt werden. Ganz anders ein Mensch, dessen Blick früh auf wesentliche, über das Persönliche hinausgehende Dinge gelenkt worden ist, und der so angenommen wurde, wie er war. Im Krieg gab es oft Menschen, die um anderer willen lange Zeit Hunger ertragen konnten. Andere wiederum waren so verzweifelt oder selbstbezogen, dass sie ihr eigenes Kind aussetzten, um selber satt zu werden. In solchen Situationen treten gewaltige Unterschiede zutage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es hängt sehr stark von den eigenen Erfahrungen und Erlebnis­sen und vom persönlichen Entwicklungsstand ab, inwieweit das Seelenleben als vom Körper bestimmt oder als von ihm auf unterschiedliche Weise beeinflusst erlebt wird. Das ist auch richtig so – jeder Mensch hat das Recht auf sein eigenes Entwicklungstempo. Keinem kann ein Vorwurf dar­aus gemacht werden, dass er „noch nicht weiter ist“. Und die Tatsache, dass es Menschen gibt, die anders oder auch reifer sind als man selbst, sollte lediglich Ansporn sein, sich in dieser oder jener Richtung selber auf den Weg zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Schicksal mitgestalten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Sich über bestimmte Verhaltensweisen ande­rer moralisch zu entrüsten, bedeutet einen Rückschritt in der eigenen Entwicklung – und der Verurteilte wird dadurch auf seinem Weg nicht weitergebracht. Den Weg der Entwicklung muss jeder selber gehen. Dass wir einander dabei nur selten etwas abnehmen können, ist bisweilen schwer zu ertragen. Andererseits beruht unsere Freiheit gerade darauf, dass wir dazu aufgerufen sind, unser Schicksal mitzugestalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenfassend können wir sagen, der Leib begrenzt das Seelenleben in einer charakteristischen Weise:[1] In einem zarten Körper lebt es sich anders als in einem stämmigen oder schweren Körper. In einem Körper, der starken Trieben unterworfen ist, lebt es sich seelisch anders als in einem Körper, dessen Organ­funktionen in Harmonie miteinander stehen, sodass kein starker Triebdruck entsteht. Aber auch hier ist es so, dass der Mensch im Laufe seines Lebens sehr viel, bis ins Kör­perliche herein, aus eigener Kraft an sich selbst verändern kann, ja selbst bis in seine Organfunktionen hinein. Ein ganz großer Irrtum ist es zu meinen, so wie man ist, müsse man sein gan­zes Leben lang bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl.&#039;&#039; &#039;&#039;Vortrag, „Die männliche und weibliche Konstitution“, 1987&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Theosophie,&#039;&#039; aus Kapitel &#039;&#039;Leib. Seele und Geist,&#039;&#039; GA 9.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ZWÖLF SINNESFUNKTIONEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Möglichkeiten eröffnen uns die zwölf von Rudolf Steiner beschriebenen Sinnesfunktionen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zwölf Sinnesmodalitäten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der anthroposophischen Menschenkunde werden zwölf Sinnesmodalitäten beschrieben.[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.    Der &#039;&#039;&#039;Tastsinn&#039;&#039;&#039; vermittelt &#039;&#039;Selbsterleben an der Körpergrenze&#039;&#039; und Geborgenheit durch Berührung und Körperkontakt; aus beidem resultiert Existenzvertrauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.    Der &#039;&#039;&#039;Lebenssinn&#039;&#039;&#039; vermittelt &#039;&#039;Behaglichkeits- und Harmonieerleben&#039;&#039; und ein Empfinden dafür, ob die Vorgänge im eigenen Körper, aber auch diejenigen, die im Umkreis wahrgenommen werden, zusammenstimmen oder nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3.    Der &#039;&#039;&#039;Eigenbewegungssinn&#039;&#039;&#039; vermittelt die &#039;&#039;Wahrnehmung der eigenen Bewegung&#039;&#039;; daraus erwächst das Erlebnis von Freiheit und Selbstbeherrschung als Folge der freien Beherrschung des Bewegungsspiels.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4.    Der &#039;&#039;&#039;Gleichgewichtssinn&#039;&#039;&#039; vermittelt das &#039;&#039;Erleben der Lage im Raum&#039;&#039;, des jeweiligen Gleichgewichtszustands und der damit verbundenen Fähigkeit, den Gleichgewichtspunkt auch zu empfinden – was zum Erleben von innerer Ruhe führt. Die spätere Fähigkeit, innere Ruhe, seelisches Gleichgewicht zu üben, hat darin ihre Empfindungsgrundlage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5.    Der &#039;&#039;&#039;Geruchssinn&#039;&#039;&#039; vermittelt &#039;&#039;Verbundenheit mit den Duftstoffen&#039;&#039;, begleitet von starker Sympathie oder Antipathie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6.    Der &#039;&#039;&#039;Geschmackssinn&#039;&#039;&#039; vermittelt die &#039;&#039;Qualitäten süß, sauer, salzig, bitter&#039;&#039; und, zusammen mit dem Geruchssinn, von differenzierten Geschmackskompositionen, begleitet von starkem Sympathie- oder Antipathieerleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7.    Der &#039;&#039;&#039;Sehsinn&#039;&#039;&#039; vermittelt &#039;&#039;Licht- und Farberleben&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;8.    &#039;&#039;Der &#039;&#039;&#039;Wärmesinn&#039;&#039;&#039; vermittelt &#039;&#039;Wärme- und Kälteerleben.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9.    Der &#039;&#039;&#039;Hörsinn&#039;&#039;&#039; vermittelt &#039;&#039;Tonerlebnisse&#039;&#039; &#039;&#039;und erschließt das Erleben des seelischen Innenraums&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10.  Der &#039;&#039;&#039;Wortsinn&#039;&#039;&#039; vermittelt &#039;&#039;Gestalt- und Physiognomie-Erleben&#039;&#039;, bis hin zum Erfassen der Lautgestaltung eines Wortes und seiner Eigenbedeutung. Zum Beispiel sagt „Ljubow“ etwas anderes aus über das Wesen der Liebe als „Amour“, „Amore“ oder „Love“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
11.  Der &#039;&#039;&#039;Gedankensinn&#039;&#039;&#039; vermittelt unmittelbares &#039;&#039;Sinnerfassen eines Gedankens&#039;&#039; beziehungsweise eines Gedankenzusammenhanges.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
12.  Der &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Ich-Sinn&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; vermittelt die &#039;&#039;Wesenserfahrung eines anderen Ich&#039;&#039;. Er ermöglicht die Wahrnehmung der geistigen Kraftkonfiguration eines anderen Menschen und ein Erleben von dessen Wesensart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zweifaches Erleben über die Sinne&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Jede Sinneserfahrung beinhaltet immer ein zweifaches Erleben: das Erleben des Objektes – z.B. der Geruch einer Speise – und das Selbsterleben, Wohlgefühl oder Ekel, das dadurch ausgelöst wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Sinnesentwicklung und Leiberfahrung“ heißt das grundlegende Buch von Karl König, das er vor dem Hintergrund seiner therapeutischen Erfahrung als Arzt in der Heilpädagogik geschrieben hat.[2] Es hängt in hohem Maße vom Gebrauch der Sinne ab, insbesondere in den ersten Lebensjahren, ob sich die Leiberfahrung so gestaltet, dass der sich entwickelnde Mensch daran in umfassender Weise sich selbst erleben und „sich finden“ kann oder ob durch Defizite in der Sinneserfahrung diese Selbsterfahrung nur eingeschränkt möglich war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Begabungen und Behinderungen“, 8. Kapitel, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2004&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Anthroposophie. Ein Fragment aus dem Jahre 1910&#039;&#039;. GA 45, Dornach 1980, und Vortrag am 29. August 1919, in: &#039;&#039;Allgemeine Menschenkunde&#039;&#039; &#039;&#039;als Grundlage der Pädagogik.&#039;&#039; GA 293, Dornach 1992.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine ausführlichere Darstellung der zwölf menschlichen Sinnestätigkeiten und ihrer Pflege durch die Erziehung findet sich in Wolfgang Goebel / Michaela Glöckler: &#039;&#039;Kindersprechstunde.&#039;&#039; Stuttgart 1995.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Albert Soesman, &#039;&#039;Die zwölf Sinne –Tore der Seele.&#039;&#039; Stuttgart 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Karl König, &#039;&#039;Sinnesentwicklung und Leiberfahrung.&#039;&#039; Stuttgart 1997.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ATMUNG, KREISLAUF – GEFÜHLSLEBEN UND KUNST ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie hängen Gefühlsleben und Leibesentwicklung zusammen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Rhythmische Tätigkeit von Herz und Lungen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Blicken wir auf den Zusammenhang von Leib und Seele, so finden wir im Organismus zwei Organsysteme, die ein getreues Abbild der musikalisch-rhythmischen Qualität des Gefühlslebens sind: Atmung und Kreislauf. Herz und Lungen sind unentwegt von der Geburt bis zum Tod rhythmisch tätig. Sie vermitteln durch Spannung und Entspannung, Betätigung und Ruhe unausge­setzt zwischen Selbst und Welt (Atmung) sowie zwi­schen Körperzentrum und Körperperipherie (Herz).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher erstaunt es nicht, dass jede Sinnesempfindung und jedes Gefühl auf Atmung und Herzschlag einen unmittelbaren Einfluss haben. Eine aufregende Nachricht lässt uns tief Luft holen und das Herz schneller schlagen. Unter Anspan­nung wechseln flache, schnelle und tiefe Atemzüge auf unharmonische Weise einander ab. In der Aufre­gung kann das Herz bis zum Halse klopfen und vor Schreck stol­pern, ja sogar fast „stehenbleiben“. Umgekehrt kann ruhiges, geführtes Atmen (z.B. beim Zahnarzt oder bei der Geburt) die Angst nehmen und die Schmerzen erträglicher machen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Gefühlsleben hängt mit den differenzierenden Wachstumskräften zusammen. Die Differenzierung von Geweben und Organen während der Embryonalentwicklung beruht auf bestimmten Proportionen und Zahlenverhältnissen, die ihrerseits wieder musikalisch darstell­bar sind.[1] Im Zusammenspiel von Herz- und Atemrhythmus fin­det die musikalische Konstitution des menschlichen Organis­mus ihr Zentrum. Werden die differen­zierenden Kräfte nach der Ausreifung des mittleren Systems leibfrei, bilden sie die Grundlage für die seelische Fähigkeit des Fühlens. D.h. das Erwachen und Erleben von Gefühlen ist an diese Organe genauso gebunden wie die Bildung und das Bewusstwerden von Gedan­ken an das Nervensystem. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Voraussetzungen für ein gesundes Gefühlsleben&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner hat diese Tatsache nach 30jähriger Forschung erstmals 1917 in seinem Buch „Von Seelen­rätseln“ beschrieben.[2] Will man einem Kind eine gute Lebensgrundgestimmtheit mit auf den Weg geben, so müssen die heranreifenden rhythmischen Systeme von Atmung und Kreislauf in gesunder Weise angeregt und unterstützt werden: Ein gesundes soziales Klima im Umkreis des Kindes, wie z.B. ein harmonisches Familienleben, bildet die wichtigste Voraussetzung. Folgt der Tageslauf einem gesunden Rhythmus, in dem Arbeit und Ruhe sich sinn­voll abwechseln, so kann beim Kind ein Gefühl von Gebor­genheit und Sicherheit entstehen. Es erlebt sich eingebettet in sinnvolle Zusammenhänge und wiederkehrende Ereignisse, auf die es sich verlassen und freuen kann, und mit denen es auch rechnet. Auf diese Weise ent­steht eine stabile Grundlage, um späteren Stress-Situationen gewachsen zu sein. Denn auf der Basis einer harmonischen Grundgestimmtheit lassen sich extreme Situationen leichter aushalten und ausbalancieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Künstlerischer Ansatz als Unterstützung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Gelingt es, Kinder in der Schule gefühlsmäßig zu erreichen und in jeder Unterrichtsstunde mit Spannung und Lösung zu arbeiten, Freudiges und Ern­stes zum Erlebnis zu bringen, so wird vonseiten der Erziehung das Notwendige getan, um regulierend und stimulierend auf die Ent­wicklung von Atmung und Kreislauf einzuwirken. Wo dies in der Kindheit nicht möglich war, stellen sich dem Erwachsenen unter Umständen schwere Aufgaben für die Selbsterziehung. Nur bei wenigen Menschen werden heutzutage in Familie und Schule die Voraussetzungen für einen aus­geglichenen Gemütszustand geschaffen. Meist muss lebenslang selbst daran gearbeitet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die künstlerischen Therapien können dabei eine große Hilfe sein. Denn in der Kunst haben wir es mit denselben Gesetzmäßigkeiten zu tun, nach denen der Leib gebildet ist:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;&#039;Gesetze des Lebendigen&#039;&#039;&#039;, des Wachsens, Ge­staltens und Bildens finden wir in &#039;&#039;Plastik und Architektur&#039;&#039; wieder.&lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;&#039;Gesetze, die dem Gefühlsleben zugrundeliegen&#039;&#039;&#039;, in &#039;&#039;Malerei und Musik.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Und die &#039;&#039;&#039;Gesetze des Willenslebens&#039;&#039;&#039; in &#039;&#039;Sprache und Eurythmie&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Kapitel&#039;&#039; „&#039;&#039;Wie sind Leib, Seele und Geist in Gesundheit und Krankheit verbunden?&#039;&#039;“, &#039;&#039;Elternsprechstunde, Verlag Urachhaus, Stuttgart&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. Armin Husemann, &#039;&#039;Der musikalische Bau des Menschen&#039;&#039;, Stuttgart 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Von Seelenrätseln&#039;&#039;, GA 21.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE SIEBEN LEBENSPROZESSE ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was versteht Rudolf Steiner unter den sieben Lebensprozessen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann man jeden einzelnen charakterisieren?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie lassen sie sich auf soziale Prozesse anwenden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Lebensprozesse auf allen Ebenen des Menschseins         &#039;&#039;&#039;                 &#039;&#039;&#039;&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ein Einzeller kann alles, ist omnipotent. Auch eine gesunde befruchtete menschliche Eizelle ist omnipotent: Sie ist sensibel, beweglich, kann sich ernähren, zeigt alle sieben Lebensprozesse. Die nachfolgend charakterisierten Lebensprozesse haben ihre Gültigkeit auf allen Ebenen des körperlichen, seelischen und geistigen Lebens, aber auch für die verschiedenen sozialen Prozesse. Ein sozialer Konflikt zeigt immer an, dass mindestens einer der Lebensprozesse in seiner Funktion nachhaltig gestört ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Öffnung, Atmung ====&lt;br /&gt;
Am Anfang allen Lebens steht die Öffnung gegenüber der Umwelt. Etwas Totes braucht kein Milieu und keinen Umkreis, aus dem es und für den es lebt. Wenn etwas ins Leben kommt, schafft es sich den Umkreis, den es braucht. Totes kann liegen, wo es will, für Millionen von Jahren, das stört niemanden. Etwas Lebendiges kann nur existieren, wenn ein Umkreis vorhanden ist, mit dem ein Wechselspiel von Aufnehmen und Abgeben stattfindet. Das macht alles Leben verwundbar. Leben ist ein offenes System, ist in Entwicklung, ist prozessual, hat einen Anfang und ein Ende. Leben fängt also mit dem Sich-Öffnen an. Wenn Ei und Sperma sich begegnen, ist die Ei-Oberfläche für einen Moment offen für das Sperma, es kann hinein und dann ist sie wieder geschlossen. Damit beginnt das Leben. Zur Öffnung gegenüber dem Umkreis gehören auch die Öffnungen der Sinne, die Atmung, die Ernährung. Nur wo geistige und soziale Offenheit herrscht, menschliche Offenheit, kann Leben gedeihen. Wir können nicht auf Dauer zumachen, den Atem anhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Wärmung, Anpassung ====&lt;br /&gt;
Den zweiten Prozess nennt Rudolf Steiner Wärmung, das Anwärmen, warming-up. Es ist ein Prozess des Warmwerdens mit den Gegebenheiten. Gelingt die Anpassung nicht, das Warm-Werden mit dem Aufgenommenen, fühlt sich der Organismus belastet und kann erkranken. Z.B. erkältet man sich, wenn man die Atemluft nicht genügend anwärmen kann, bevor sie weiter in den Körper eindringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Ernährung ====&lt;br /&gt;
Wenn man mit dem Aufgenommenen warm geworden ist, fängt die Ernährungsarbeit an. Diese ist an Verwandlungsprozesse geknüpft. Ernährung bedeutet immer auch Zerstörung des Gewordenen, um dem Werdenden oder auch einem anderen Wesen in seinem Lebenszusammenhang zu dienen, damit es zu etwas Neuem werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Sonderung, Entscheidung, Ausscheidung ====&lt;br /&gt;
Wenn Ernährung stattgefunden hat, kommt der Punkt, an dem sich die Frage stellt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was muss behalten werden, was ist weiter zu gebrauchen, und was muss wieder ausgeschieden werden?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Entscheidung steht an, physiologisch gesehen die Ausscheidung. Sonderung ist im Seelischen die Entscheidung zwischen Ja oder Nein. Das ist ein ganz wichtiger Lebensprozess, vor allem im Sozialen – aber auch im Denken, wenn ich entscheiden muss, ob etwas für mich stimmt oder nicht, ob man in einer Art und Weise weitermachen soll oder nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Selbsterhaltung ====&lt;br /&gt;
Fünf ist die Zahl der Krise, da bleiben die Prozesse oft stecken. Denn der fünfte Prozess – Selbsterhaltung – ist im Grunde wunderschön: Jetzt hat man alles, was man braucht, man ist stark, keiner kann einen so schnell umschmeißen. Man ist abgesichert, hat Haus und Garten, ein Auto, Geld, eine Familie, eine Karriere. Eigentlich braucht man doch nichts mehr... und genau das verursacht die Krise. Man sollte sich fragen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Bin ich nur für mich und meinen Eigenbedarf da?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Genügt es, mich selbst zu versorgen, oder gibt es noch etwas anderes zu tun?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 6. Wachstum ====&lt;br /&gt;
Wachstum geschieht, wenn mehr gebildet wird, mehr angesammelt, als man für sich braucht. Das kann bis ins hohe Alter so gehen. So besteht z.B. der Patientenverband „Gesundheit aktiv“ zu fast 90 % aus Rentnern. Wir bekommen keinen jungen Nachwuchs, es ist ganz mühsam, noch Mitglieder zu werben. Doch diese rührenden Rentner, die zu 70 % wirklich kein Geld haben, spenden im Jahr 10 € oder 20 €. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überschusskraft zu haben bedeutet, dass man in der Lage ist zu schauen, wo man noch etwas unterstützen kann, wo man über sich hinauswachsen kann und der Mitwelt etwas mitgeben bzw. zurückgeben kann, um so seine Dankbarkeit und Lebensfreude zu zeigen. Wir können ja niemals für all das danken und all das zurückgeben, was wir im Laufe unseres Lebens bekommen haben. Da bleibt immer ein gewaltiger Rest an Geschenktem. Der Wachstumsprozess kann das ein bisschen ins Bewusstsein bringen, indem man überlegt, für wen oder für was man etwas übrighat, sodass anderes gefördert und entwickelt wird oder neu entstehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 7. Reproduktion ====&lt;br /&gt;
Der siebte Lebensprozess führt ganz in die Selbstlosigkeit: Reproduktion bedeutet unter diesem Aspekt, etwas vollkommen von sich abzulösen und gehen zu lassen. Physisches Urbild für den gesunden siebenten Lebensprozess ist das Durchschneiden der Nabelschnur. Der schmerzliche Schnitt bringt die Selbstüberwindung, die dafür nötig ist, ins Bewusstsein. Wenn man etwas aus sich heraussetzt, löst es sich los und man lässt es gehen – wie eine gute Mutter, die ihr Kind gehen lässt, ohne einen Vertrag mit ihm zu machen, wie viele Karten und Telefonanrufe kommen müssen, damit der junge Mensch – auch wenn er nicht mehr zuhause lebt – weiterhin ein gutes Kind bleiben kann. Man vermittelt ihm: „Du bist jetzt dein eigener Herr. Ich werden dir zwar noch helfen, bin aber nicht mehr der Bestimmer. Du hängst nicht mehr an meiner Nabelschnur.“ Das ist Reproduktion im Sinne des Zugestehens von Eigenwürde, des Ermöglichens von Eigenleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entartung der Lebensprozesse in zwei Richtungen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Alle Lebensprozesse können nach zwei Richtungen hin pathologisch entarten und aus dem gesunden Lebenszusammenhang aufgrund eines Zuviels oder Zuwenigs wie herausfallen. Gesundheit ist immer ein Sowohl-als-auch, ist ein labiles Gleichgewicht, ein ständiges Ringen – ist nie ein Entweder-Oder. Nimmt ein Pol überhand, wird etwas krankhaft. Der Mensch als Krisenwesen ist auf jeder Etappe seiner Entwicklung neu verwundbar und gefährdet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.    Eine &#039;&#039;&#039;Störung des Öffnungsprozesses&#039;&#039;&#039; liegt vor, wenn jemand zu offen bzw. zu verschlossen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.    Eine &#039;&#039;&#039;Störung des Anwärmungsprozesses&#039;&#039;&#039; liegt vor, wenn jemand sich zu stark anpasst bzw. sich gar nicht anpassen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3.    Eine &#039;&#039;&#039;Störung des Ernährungsprozesses&#039;&#039;&#039; liegt vor, wenn jemand zu viel bzw. zu wenig isst oder nimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4.    Eine &#039;&#039;&#039;Störung des Sonderungsprozesses&#039;&#039;&#039; liegt vor, wenn jemand immer alles wegwirft oder weggibt, aber auch, wenn man ein Messi[1] ist, nichts wegschmeißen kann und deshalb zwei Garagen voll mit Müll und Sachen hat, die einen sehr belasten, weil man gar keine Verwendung dafür hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5.    Eine &#039;&#039;&#039;Störung des Selbsterhaltungsprozesses&#039;&#039;&#039; liegt vor, wenn jemand nie mit sich zufrieden ist und immer das Gefühl hat, seine Leistung genüge nicht, wenn er nie echte Freude erleben kann über das, was er geschafft und erschaffen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6.    Eine &#039;&#039;&#039;Störung des Wachstumsprozesses&#039;&#039;&#039; liegt vor, wenn man keine Überschusskräfte entwickelt bzw. keine Dankbarkeit zu empfinden in der Lage ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7.    Eine &#039;&#039;&#039;Störung des Reproduktionsprozesses&#039;&#039;&#039; liegt vor, wenn jemand nicht in der Lage ist, etwas gehen zu lassen. Viele soziale Krankheiten rühren nur daher. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erleben wir die sieben Lebensprozesse in ihrer Pathologie, müssen wir sie z.B. im Rahmen der Therapie so handhaben, dass wir auf das gesunde Ideal blicken und entsprechend dem Ungesunden, Lebensfeindlichen gegenzusteuern versuchen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Lebensprozesse auf das Gedankenleben angewandt&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im Folgenden ein kleines konkretes Beispiel, das eigene Denken betreffend: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Jemand nimmt einen anthroposophischen Gedanken auf, &lt;br /&gt;
# arbeitet ihn durch, um damit warm zu werden,&lt;br /&gt;
# prüft, ob dieser Gedanke ihn ernährt oder nicht&lt;br /&gt;
# und sondert ihn aus, wenn er damit nichts anfangen kann.&lt;br /&gt;
# Wenn ja, macht er sich den Gedanken wirklich zu eigen und schaut, was er für das eigene Leben bedeutet. &lt;br /&gt;
# Mit der Zeit sammelt er Erfahrungen im Umgang damit, &lt;br /&gt;
# um schließlich herauszufinden, was er damit für die Welt tun kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophie möchte ja jeden individuellen Menschen ansprechen, der sich selbst zu verstehen versucht, der aber darüber hinaus auch das allen Gemeinsame, das Allgemein-Menschliche, erkennen möchte. Es geht eben um beides: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* um das Ganz-individuell-Werden &lt;br /&gt;
* und um das Über-sich-hinaus-Wachsen in das ganz Allgemeine.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag „Der Lebenssinn in Diagnostik und Therapie“, gehalten am 8. Januar 2016 an der Kunsttherapietagung&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Es gab auch einmal eine Tagung hier am Goetheanum über das Messi-Syndrom. Da zeigte sich, dass es in allen gesellschaftlichen Schichten und Weltanschauungen vorkommt. Es gibt auch Anthroposophen, die nichts wegschmeißen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== SCHWELLEN ZWISCHEN KÖRPER, SEELE UND GEIST ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Schwellen gibt es zwischen Körper, Seele und Geist?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Schwellen kennen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Es ist wichtig, die Schwellen zwischen dem Körper-, dem Seelen- und dem Geistesleben gut zu kennen. Physiologisch gesehen ist das Diaphragma, das Zwerchfell, eine solche Schwelle: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Alles,  was sich darunter befindet, hat mit unbewussten Vorgängen im Körper zu tun = &#039;&#039;&#039;Körperleben&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* Oberhalb des Zwerchfells kann der Mensch immerhin den Herzschlag und die Atmung     spüren, ist sich dieser Vorgänge ziemlich bewusst. Beide Systeme hängen eng mit dem &#039;&#039;&#039;Seelenleben&#039;&#039;&#039; zusammen.     &lt;br /&gt;
* In  seinem Denken, seinem Gedankenleben (= &#039;&#039;&#039;Geistesleben&#039;&#039;&#039;), ist man ganz be­wusst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Eine weitere Schwelle entdeckt man, wenn man begreift, dass die Gedanken sich nicht im Kopf befinden, sondern dass man sie &#039;&#039;um&#039;&#039; den Kopf herum wahrnehmen kann. Hellsichtige Menschen benützen das Wort &#039;&#039;&#039;„Aura“&#039;&#039;&#039; dafür. Gemäß der anthroposophischen Begrifflichkeit setzt sich die Aura aus unserem leibfreien Gedanken-, Gefühls- und Willenssystem zusammen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Meditativer Zugang zur Wärme“, Vortrag an der französischen Ärztetagung am Goetheanum, 13.03.2008&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== PHYSIOLOGIE DES EGOISMUS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern ist die Verdauung ein Bild für den Egoismus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Warum nennt Steiner die Verdauung als „Herd des Bösen“?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verdauung ist gesunder Egoismus&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Es gibt kein wahreres, stimmigeres Bild für den Egoismus als die Verdauung: Der physische Leib wird dadurch gebildet, dass die Natursubstanzen sich durch die Stoffwechseltätigkeit des Menschen verwandeln lassen in körpereigene Substanz. Der physische Leib des Menschen ist somit ein Ergebnis der verarbeiteten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* mineralischen&lt;br /&gt;
* tierischen&lt;br /&gt;
* pflanzlichen&lt;br /&gt;
* und, im Falle der Muttermilch, auch der menschlichen Welt. Denn auch die Muttermilch wird zerstört und in körpereigene Substanz umgewandelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das heißt, alle vier Naturreiche werden in einer Weise verarbeitet, dass jeder Mensch seinen eigenen Körper daraus aufbaut. Sprich: Eine gute Verdauung geht mit einer kompletten Zerstörung der Natur einher. Das ist reinster physiologischer Egoismus, den wir brauchen, um überhaupt leben zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verdauung als Herd des Bösen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Doch Rudolf Steiner nennt die Verdauung auch „Herd des Bösen“, denn in der Verdauung sind Kraft und Potential vorhanden, alles zu zerstören. Dem physiologischen Zerstörungsprozess des Verdauens verdankt der Mensch das instinktive Wissen, wie er die ganze Welt zerstören kann bzw. wie er perfide Waffen erfinden kann, die den „overkill“ umsetzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sprechen in der Medizin auch vom biologischen Ego mit all seinen Sensibilitäten, einemstraff organisierten System. Dazu gehört auch das Immunsystem mit seinen Immunbarrieren usw. Über die freiwerdenden Bildekräfte aus dem gesunden Ego-System der Verdauung, nachdem sie es gebildet haben, strahlt beim &#039;&#039;gesunden&#039;&#039; Kind Egoismus nun auch ins Seelische hinein, allerdings unbewusst, das wäre das Normale. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch Erlebnisse der Traumatisierung und Schädigung, durch jede Form der Ängstigung wird dieser normalerweise unbewusste Egoismus jedoch bewusst, weil sie das verwundbare Selbst angreifen. Dadurch wird der zunächst unbewusste Egoismus zunehmend verstärkt – mit leidvollen Auswirkungen für die betroffenen Kinder und ihr soziales Umfeld. Und auch für ihre Erzieher sind diese Kinder eine große Herausforderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob Erziehung zur Selbstlosigkeit gelingt oder nicht, hängt also von der Art ab, wie mit dem Kind vonseiten seiner Umwelt umgegangen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Ängste im Jugendalter und ihre Überwindung“,&#039;&#039; Vortrag auf der Schulärztetagung 2013&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== URSÄCHLICHER ZUSAMMENHANG VON ANGST UND DENKEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was hat das Denken mit Angst zu tun?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern sitzt uns Angst tatsächlich „in den Knochen“?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Angst als physiologisch-geistiges Phänomen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Unter jeder psychischen Krankheit liegt immer auch ein mehr oder weniger ausgeprägtes Angstpotential. Das liegt daran, dass unser Gefühlsleben angstdurchdrungen ist. Angst ist das Ergebnis einer „kosmischen Antipathie“, die unsere Knochen verdichtet,[1] die uns aber auch die Möglichkeit der Reflexion schenkt. Rudolf Steiner sagt in der &#039;&#039;„Allgemeinen Menschenkunde“&#039;&#039;[2]:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Das &#039;&#039;&#039;Gefühlsleben&#039;&#039;&#039; verdankt seine &#039;&#039;Sympathiefähigkeit&#039;&#039;, also alle positiven, sympathischen, offenen Gefühle, dem Willen, der Handlungsbereitschaft.&lt;br /&gt;
* Und es verdankt die &#039;&#039;Antipathie&#039;&#039;, also alle Angst, alles Zurückweisen, alle Impulse, anderes auf Distanz zu halten, dem &#039;&#039;&#039;Denken&#039;&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Denken und Reflexion als antipathische Vorgänge&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das Denkvermögen ist das Ergebnis der ätherischen Kräfte, mit denen der Mensch sich aus dem Makrokosmos herausgebildet hat, mit denen er den Körper bis hin zu den Knochen und Zähnen, dieser ganz dichten Materie, aufgebaut hat, und die, einmal leibfrei geworden, am Gehirn reflektiert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind allesamt rein antipathische Vorgänge:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* das Herausgesondert-Werden&lt;br /&gt;
* die Bildung von etwas Eigenem mit eigenen Grenzen&lt;br /&gt;
* das Freiwerden der grenzbildenden Kräfte aus dem Leib&lt;br /&gt;
* die Reflexion dieser Kräfte am Gehirn als unser Denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kompetenz zu reflektieren, zurückzuwerfen, Antipathie zu entwickeln usw. stellt eine grundlegende Bereitschaft der menschlichen Konstitution dar und ist ein völlig natürlicher funktionaler Prozess. Im seelischen Erleben treffen sich der &#039;&#039;sympathische Wille&#039;&#039; zuzupacken und das reflektierende &#039;&#039;antipathische Denken&#039;&#039; – das wird uns durch die Gefühlspolarität des Astralleibes bewusst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Hilfen im Umgang mit Angst im Schulalter&#039;&#039;“, Vortrag auf der Schulärztetagung 2013  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner sagt, der Großteil der Leibesangst säße im Knochen, weil er am stärksten mineralisiert sei. Er sagt sogar, Knochen bestünden aus kristallisierter Angst. Ahriman verdanken wir die mineralische Konstitution unseres Leibes und damit auch die Furcht. Denn die Kräfte, die unsere Organe bilden, treten später auch im Seelischen als Bildekräfte auf: Die organ- und auch knochenbildenden Kräfte strahlen quasi in das Seelische hinein. Das seelische Erleben von Angst ist also etwas ganz Natürliches und hat konstitutionelle Gründe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik.&#039;&#039; GA 293.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ZWISCHEN TIER UND MENSCH UNTERSCHEIDEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sind die wichtigsten Unterschiede zwischen Mensch und Tier?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worin sind sie begründet?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worin liegt der Sinn des menschlichen Andersseins?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Herausforderungen und Aufgaben sind damit verbunden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verwischten Unterschied neu erfassen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der prinzipielle Unterschied zwischen Mensch und Tier wurde als Folge der darwinistischen Evolutionstheorie in den letzten hundert Jahren zunehmend verwischt. Daher ist es wichtig, diesen Unterschied neu zu erfassen, wenn man den Menschen als einzigartiges „Wesen Mensch“ und nicht als Tier verstehen möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Tier ist es zwar möglich, sich individuell seelisch zu äußern – keine zwei Hunde gleichen sich in Bezug auf ihr Verhalten vollständig, auch wenn sie dem gleichen Wurf angehören –, aber es ist dennoch keinem einzigen Hund möglich, sich nicht wie ein regulärer Hund zu benehmen. In der tierischen Entwicklung fehlt der Faktor „individuelle Entwicklung“, der mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Offenheit&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Risikobereitschaft&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Scheitern-Können&#039;&#039;, was mit&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Aufgeben-Wollen&#039;&#039; einhergeht und in die&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Unberechenbarkeit&#039;&#039; der spezifisch menschlichen Existenz führt&lt;br /&gt;
* mit der ganzen typisch menschlichen &#039;&#039;Selbstfindungsproblematik&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* mitsamt ihren &#039;&#039;Identitätskrisen&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* und dem &#039;&#039;Erreichen des Nullpunktes&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus diesen menschlichen Schwächen erwächst, indem wir sie verstehen und überwinden, das enorme menschliche Potential, Mitschöpfer seiner Existenz zu sein. Das erfordert jedoch Entwicklungswillen, Arbeit an sich selbst, Selbstverantwortung und den Willen zur Freiheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht stellen wir Menschen uns deshalb gegenwärtig so gerne auf eine Stufe mit dem Tier, weil wir es insgeheim um seine fraglose Identität und um sein immer artgemäßes Verhalten beneiden. Die weisheitsvollen Gesetzmäßigkeiten der mineralischen Welt, der ätherischen Lebenszusammenhänge und der seelischen Verinnerlichungsmöglichkeiten kommen zwar in jedem einzelnen Tier-Individuum seinen Möglichkeiten gemäß auch individuell zum Ausdruck, immer auf instinktiv vollkommene und selbstverständliche Art und Weise. Kindheit, Jugend und Erwachsenwerden des Tieres werden von artgemäßen Instinkten bestimmt und können naturgegeben ausgelebt werden. Gerade diese instinktive Selbstverständlichkeit der Entwicklung, ist dem Menschen nicht gegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Lange Kindheit als Zeit für selbstbestimmte Entwicklung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Zoologe &#039;&#039;Friedrich Kipp&#039;&#039; ging in seinem Buch &#039;&#039;„Die Entwicklung des Menschen im Hinblick auf seine lange Jugendzeit“&#039;&#039; dem Unterschied zwischen Tier und Mensch evolutionsbiologisch nach.[1] Er zeigt auf, dass der Mensch eine im Vergleich zu den Säugetieren lange Kindheit und Jugend hat mit einer ausgedehnten Spiel- und Lernphase, wodurch seine Fähigkeit, sich lebenslang ändern und anpassen zu können, entscheidend unterstützt wird. Das zeigt: Der Mensch ist auf bewusste Selbstentwicklung hin veranlagt. Körperlich behält er im Vergleich zu den Tieren lange eine unspezialisierte, embryonal-kindliche Form bei. Dies hat zur Folge, dass Kinder, die sich ausgiebig bewegen und in hohem Ausmaß spielen und kreativ sein durften, in der Regel auch bis ins hohe Alter beweglich und schöpferisch bleiben. Je früher Kinder hingegen in Kindergarten und Schule konditioniert, verschult und damit festgelegt werden, umso größer ist die Gefahr, dass sie später wenig schöpferisch und sehr angepasst leben und früher alt und auch krank werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daran kann unmittelbar abgelesen werden, dass in den Menschen eine über das Tier hinausgehende, völlig andere Gesetzmäßigkeit hereinragen muss: Eine Gesetzmäßigkeit, durch die er gezwungen ist, die Verantwortung für seine Entwicklung selbst in die Hand zu nehmen, da er sie nicht seinen körpereigenen Instinkten überlassen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verwundbarkeit als Entwicklungsmerkmal&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die menschliche Entwicklung ist gekennzeichnet von einer größtmöglichen Offenheit und Verwundbarkeit. Alles, worauf das Tier sich weitestgehend verlassen kann, ist beim Menschen nicht von Natur aus gegeben: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* dass es die richtige Wahl der Nahrungsmittel trifft,&lt;br /&gt;
* dass es nicht zu viel und nicht zu wenig isst,&lt;br /&gt;
* dass es sich artgemäß fortpflanzt,&lt;br /&gt;
* dass sein Schlaf-Wachrhythmus geregelt ist,&lt;br /&gt;
* dass sein Sozialverhalten dem entspricht, was man von ihm erwartet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All das muss im Laufe des gesamten Lebens nicht nur errungen, sondern auch weiter ausgebildet, kultiviert und „vermenschlicht“ werden. Wie viele Arztbesuche würden entfallen, wenn es keine Ess-, Schlaf- und (sexuellen) Beziehungsprobleme gäbe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon eine so einfache Überlegung macht deutlich, wie revolutionär, wie dramatisch und grundsätzlich der Unterschied zwischen Mensch und Tier ist. Wenn beim Tier die Geschlechtsreife eintritt, ist sein artgemäßes Verhalten bereits gesichert, und es lebt individuell und sozial in geregelten Bahnen. Beim Menschen hingegen ist die Geschlechtsreife dadurch gekennzeichnet, dass alle noch so gutgemeinten erzieherischen Bemühungen aus den früheren Jahren fruchtlos erscheinen. Eigenes, Unerwartetes macht sich geltend – das ist ein wahrhaft revolutionärer Vorgang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entwicklungsoffenheit als Herausforderung und Chance&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Mit diesem Eigenen, Unerwarteten, mit dieser Entwicklungsoffenheit hängt aber auch all das zusammen, was besonderen Begabungen und Behinderungen zugrunde liegt. Und nur der Mensch muss lernen, mit Begabungen und Behinderungen zu leben und mit ihnen umzugehen, nicht jedoch die ihm seelisch verwandten Tiere. Man hat Skelette von wasserköpfigen Kindern gefunden, die aus der Steinzeit stammten, und hat daraus geschlossen, dass die Fürsorge für behinderte Kinder so alt ist, wie Menschen Behinderungen wahrnehmen und pflegen konnten. Ein behindertes Tier in der freien Wildbahn wird sehr bald vom ökologischen System „verarbeitet“: Es stirbt, weil es sich nicht ernähren und verteidigen kann – es wird aufgefressen, ihm kann nicht geholfen werden. So wird auch dafür gesorgt, dass schwerwiegende Behinderungen unter Tieren nicht weitervererbt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was könnte ein Tier auch in der Auseinandersetzung mit einer Behinderung gewinnen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da ihm das Selbstbewusstsein und die damit verbundene persönliche Betroffenheit fehlen, könnte es damit gar nichts anfangen. Es würde sinnlos leiden. Dem Tier ist es nicht gegeben, durch Leid und Schmerz Erfahrungen zu machen, die es in seiner Entwicklung weiterbringen. Denn es ist von Natur aus zur Vollkommenheit veranlagt. Das kann durch persönliche Anstrengung nicht noch weiter gesteigert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Leid und Schmerz als Lernhilfen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Gerade das ist beim Menschen grundsätzlich anders: Für ihn sind Leid und Schmerz Herausforderungen, denen er sich während seiner ganzen Entwicklung bewusst stellen muss und durch die er Erfahrungen machen kann und Einsichten gewinnen lernt, die durch nichts anderes zu gewinnen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Natur zeigt sich das Geistige – wenn es durch menschliche Eingriffe nicht gestört wird – wirksam in den weisheitsvoll aufeinander abgestimmten Regelkreisen der ökologischen Zusammenhänge. Krankheit und Behinderung treten hier nur am Rande als flüchtige Erscheinungen auf, da kranke Pflanzen bald zugrunde gehen, ebenso wie geschwächte und geschädigte Tiere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Pflanze und Tier erkranken, wenn die &#039;&#039;&#039;äußeren Lebensumstände&#039;&#039;&#039; ihrer Art nicht mehr entsprechen und wenn in irgendeiner Form nicht zu kompensierende Mangelerlebnisse auftreten, was Nahrung, Klima und – im Falle von Nutz- und Haustieren – deren nicht artgerechte Haltung betrifft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Demgegenüber besitzt der Mensch die Möglichkeit, mit Krankheiten und Behinderungen unter Umständen jahrzehntelang zu leben und umzugehen. Doch nicht nur das.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Beim Menschen treten zu diesen schädigenden Einflüssen von außen noch etwas hinzu: &#039;&#039;&#039;innere Krankheitsursachen&#039;&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kräfte, die beim Menschen als freie, seelisch-geistige Betätigungsmöglichkeiten in Erscheinung treten, entstammen ja Kraftzusammenhängen, die den Leib aufbauen und erhalten. Beim Tier offenbaren sich die entsprechenden Kräfte als leibgebundene instinktive Weisheit und artgerechtes Sozialverhalten. Irrtum und Missbrauch dieser Kräfte sind ausgeschlossen, indem sie der unbewussten Regelung durch das Naturgesetz unterliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ausgleich des Instinktdefizits durch Lernwillen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das ist beim Menschen anders. Er hat ein großes Instinktdefizit, einen Mangel an naturgegebener Weisheit, an automatisch regulierenden und stärkenden Kräften. Den Menschen stärkende Kräfte entspringen stattdessen dem Seelen- und Geistesleben, d.h. der Mensch kann und muss durch aktive Lernprozesse ersetzen, was ihm an Instinkten fehlt. Andererseits hat er dadurch die Möglichkeit, diese vom Leib emanzipierten seelischen und geistigen Entwicklungspotentiale zur Zerstörung von sich und anderen zu missbrauchen. Hiermit gemeint sind nicht nur &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die Schädigungsmöglichkeiten, die mit falscher Ernährung, zu wenig Schlaf, einer &#039;&#039;&#039;ungesunden Lebensweise&#039;&#039;&#039; und mangelnder Hygiene zusammenhängen,&lt;br /&gt;
* sondern vor allem diejenigen Schädigungsmöglichkeiten, die durch ein &#039;&#039;&#039;unwahres Denken, ein destruktives Gefühlsleben und durch fehlgeleitete Willenshandlungen&#039;&#039;&#039; zustande kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist ein langer Entwicklungsweg, bis man reif ist für den freien Gebrauch dieser Seelen- und Geisteskräfte. Die damit verbundenen Lernprozesse sind dadurch störanfällig, dass sich der Mensch geistig, seelisch und auch an Leben und Leib „irren kann“. Darin liegt ein tiefer Sinn. Denn wenn er den zuletzt in Form von Krankheit und Behinderung organisch gewordenen „Irrtum“ erlebt, kann er sich dadurch weiterentwickeln. Auch liegt etwas Trostreiches in dem Gedanken, dass man Fehler und Irrtümer selber als solche erleben und damit die Voraussetzungen schaffen kann, sie selbstständig zurechtzurücken und zu verwandeln. Unter diesem Gesichtspunkt erscheinen Begabung und Behinderung in einem völlig anderen Licht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verantwortung übernehmen für Entwicklung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Es wäre allerdings einseitig, aus dem Vorgebrachten den Schluss zu ziehen, hier tauche, nur mit neuen Begründungen, die alte Lehre wieder auf, dass Krankheit von Sünde und Fehlverhalten komme. Viel wesentlicher ist es, aus diesen Zusammenhängen die Frage abzuleiten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Woher kommen Begabungen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Woher kommen angeborene Fähigkeiten, Genialität?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Könnten sie nicht gerade das Ergebnis durchgemachter Behinderungen und Krankheiten in einem früheren Erdenleben sein?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir leben heute in einer Zeit, in der die Menschen zunehmend empfinden, dass sie selbst für ihre Gesundheit und ihre Entwicklung Verantwortung übernehmen müssen. Dafür sorgt nicht nur der sich anbahnende wirtschaftliche Zusammenbruch der Gesundheits- und Sozialsysteme, sondern auch, dass der Mensch sich immer stärker als auf sich selbst gestellt erlebt. Angesichts der vielfältigen Folgen menschlichen Handelns in der Natur, der Umwelt und im Wirtschafts- und Sozialleben erkennen wir, dass wir es letztlich selber sind, von denen wir und unsere Umwelt abhängen. Wir sind viel mehr mit den Folgen unserer Taten konfrontiert; sie werden vom Einzelnen viel stärker erlebt als dies noch vor vierzig, fünfzig Jahren der Fall war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Zukunft wird entscheidend sein, dass möglichst viele Menschen sich ihrer Verantwortung bewusstwerden und aus dieser Einsicht heraus energisch an einer Vermenschlichung der kulturellen Verhältnisse arbeiten. Auch wenn noch nie so viele Menschen auf der Erde gelebt haben wie gegenwärtig, kann man andererseits auch sagen, dass die Defizite an Menschlichkeit nie so stark in Erscheinung getreten sind wie im letzten Jahrhundert mit seinen endlosen Kriegen, Zerstörungen und epidemischen Zuständen von Unzufriedenheit, Depression und Verzweiflung. Und so ist es kein Wunder, dass sich viele Menschen aufgrund dieser Tatsachen wie an einer Schwelle erleben, an der sie wachgerüttelt werden, sich selbst zu erkennen. Viele empfinden auch eine gewisse Sehnsucht, sich ihre Mitverantwortung für das Ganze bewusst zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Begabungen und Behinderungen“, 5. Und 6. Kapitel, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2004&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. dazu Friedrich A. Kipp, &#039;&#039;Die Evolution des Menschen im Hinblick auf seine lange Jugendzeit&#039;&#039;, Stuttgart 1991, ferner: Wolfgang Schad, &#039;&#039;Säugetiere und Mensch&#039;&#039;, Stuttgart 1971.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Offenborn</name></author>
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	<entry>
		<id>https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Anthroposophische_Menschenkunde&amp;diff=1263</id>
		<title>Anthroposophische Menschenkunde</title>
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		<updated>2026-01-17T18:06:34Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Offenborn: /* Anregung des AL durch Harnsäure */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= Anthroposophische Menschenkunde – von Michaela Glöckler =&lt;br /&gt;
Auszüge aus Büchern und Vorträgen von [[Michaela Glöckler]]; Erstveröffentlichung auf https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE FÜNF EBENEN DES ANTHROPOSOPHISCHEN MENSCHENBILDES ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sind die fünf Ebenen des anthroposophischen Menschenbildes?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern sind sie jeweils Ausdruck des menschlichen Seins?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann man sie positiv und negativ beeinflussen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Erkenntnis vom Menschen als Grundlage&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Zentrales Anliegen der An­throposophischen Medizin ist die Erkenntnis vom Menschen als Grundlage aller medizinisch-therapeutischen Interventionen. „Anthropos“ heißt auf Griechisch der Mensch, „sophia“ heißt Wissen, Kunde, Weisheit, Erkenntnis. Das Menschenbild aus der Anthroposophie ist demnach gekennzeichnet von einem weisheitsvollen Blick auf den Menschen, der dessen Vielschichtigkeit Rechnung trägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So werden auch die Ursachen für Krankheiten unterschiedlichen Schichten oder Ebenen des Menschen zugeordnet: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Manche sind durch unzureichende Pflege und schlechte Behandlung des physischen Leibes verursacht.&lt;br /&gt;
* Andere sind der Nichtbeachtung der Lebensrhythmen geschuldet.&lt;br /&gt;
* Wieder andere haben mit belastenden Beziehungen zu tun.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die fünf Ebenen des Menschseins&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Diese unterschiedlichen Daseinsebenen, auf denen wir agieren, jeweils anamnestisch zu er­fragen, gehört zum Grundkonzept der anthroposophischen Medizin. Der Arzt versucht mit Hilfe des Patienten zu ergründen, auf welchen der menschlichen Seins-Ebenen ständige Selbst- bzw. Fremdkränkung vorliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Genetisch-physisch-körperliche Ebene ====&lt;br /&gt;
Diese Ebene umfasst die Genetik, die Umwelt sowie die Epigenetik. Steiner hat seinerzeit bereits von den Phänomenen der Epigenetik gesprochen, obwohl es das Wort noch gar nicht gab. Er betonte dabei, dass das Erbgut wandelbar sei, dass es keine fixe Größe darstelle – und sah auch voraus, dass man das noch herausfinden werde. Das konnte sich zu seiner Zeit, in der man dem genetischen Determinismus huldigte, niemand vorstellen. Er nannte drei Faktoren, die das Erbgut beeinflussen und verändern: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Immunstimulierung durch Fieber =====&lt;br /&gt;
Wir wissen heute aus der Immunologie, dass die Immunparameter durch Fieber stimuliert werden, dass bestimmte Genbezirke, die vor einem Fieberschub noch geblockt waren, nach dem Fieberschub reagieren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Organbildung durch Sinneseindrücke =====&lt;br /&gt;
Zur physischen Ebene gehören auch die Sinne mit den dazugehörigen Sinnesorganen, deren Bedeutung Steiner in der sogenannten Sinneslehre umfassend beschreibt. Er unterscheidet zwölf Sinnesbezirke, die wiederum in geistig, seelisch und leiblich orientierte Sinne unterteilt werden. Sie seien hier nur kurz erwähnt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====== &#039;&#039;Geistig orientierte Sinne:&#039;&#039; ======&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Man kann das Ich eines anderen als Kraftgefüge wahrnehmen über den Ich-Sinn, &lt;br /&gt;
* Gedanken über den Gedanken- oder Begriffssinn,&lt;br /&gt;
* Worte über den Wort- oder Lautsinn.&lt;br /&gt;
* und verfügen über einen Wärmesinn,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====== &#039;&#039;Seelisch orientierte Sinne:&#039;&#039; ======&lt;br /&gt;
Wir können hören, sehen, riechen, schmecken&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====== &#039;&#039;Leiblich orientierte Sinne:&#039;&#039; ======&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wir verfügen über einen Gleichgewichtssinn, &lt;br /&gt;
* einen (Eigen)bewegungssinn,&lt;br /&gt;
* einen Lebenssinn&lt;br /&gt;
* und einen Tastsinn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Sinne sind entscheidend an Aufbau und Funktion des menschlichen Körpers beteiligt. Denn über die kindliche Nachahmung wirkt das sinnlich Wahrgenommene bis in die Organbildung hinein. Steiner wusste damals noch nichts von den Spiegelneuronen, beschrieb sie aber in ihrer Funktion, indem er sagte, das Kind ahme alles nach und jede Nachahmung stelle eine physiologische Tätigkeit dar, durch die sich die Konstitution des Kindes ändere. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Individualität als Entscheidungsinstanz =====&lt;br /&gt;
Steiner war zudem fest davon überzeugt – und das wird heute von der Beziehungs- und Bindungsforschung bestätigt – dass die Individualität des Kindes selbst das Erbgut so „komponiert“, wie es für das Leben und die Entwicklung dieses Menschen stimmig ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 2000 wurde das sogenannte &#039;&#039;„Human genom project“&#039;&#039; veröffentlicht, eine 10jährige Arbeit zur Entschlüsselung des menschlichen Genoms. Von der Zeitschrift &#039;&#039;„nature“&#039;&#039; gab es einen Sonderband dazu, der die Richtigkeit von Steiners Annahmen aus schulmedizinischer Sicht bestätigte. Dort wurde im Editorial gesagt, dass das Erbgut viel simpler aufgebaut und viel weniger spezifisch sei, als man bisher dachte. Die große Enttäuschung sei jedoch, dass man das Entscheidende nicht gefunden habe: das Regulator-Gen, das für die Gesamtgestalt und für die Form der einzelnen Organe zuständig ist. Dort hieß es so schön: &#039;&#039;„Die Gene funktionieren wie ein gutes Orchester, nur kennen wir den Dirigenten nicht.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner sagte seinerzeit, die Individualität des Kindes wäre dieser Dirigent. Das wurde auch von der Resilienz- und Salutogenese-Forschung bestätigt: Unabhängig von Erbgut und Milieu hängt es letztlich immer von dem jeweiligen Menschen ab, ob ein ungünstiges Milieu ihm zum Schaden gereicht und er eine frühkindliche Störung entwickelt oder ob er dadurch stärker wird. Alles hängt von seiner mitgebrachten individuellen Kompetenz ab und davon, ob diese im Umfeld auf eine entsprechende Resonanz trifft. Man hat herausgefunden, dass nicht das Milieu oder die Gene die wichtigsten Schutzfaktoren gegen kränkende Einflüsse sind – und damit entscheidend für eine gesunde menschliche Entwicklung –, sondern die tragende Beziehung, die ein Kind zu mindestens einem Menschen aufbauen kann. Eine solcherart schützende Beziehung wird von Ehrlichkeit, liebevollem Interesse und Respekt vor der Integrität, der Autonomie und den Grenzen des anderen geprägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ätherisch-zeitliche Ebene ====&lt;br /&gt;
Die ätherische Ebene betrifft die Zeit und die Prozesse, die in der Zeit ablaufen. Es ist nicht egal, wann man etwas macht – es muss alles zu seiner Zeit geschehen. Man spricht in dem Zusammenhang auch von Entwicklungsfenstern. Hierher gehört der Begriff der altersentsprechenden Erziehung sowie die Berücksichtigung von Rhythmen wie gesunde Essens- und Schlafenszeiten. All das wird zusammengefasst unter dem Begriff Biorhythmik. Dieses Gebiet wird in der Waldorfpädagogik sehr ernst genommen: Welche Unterrichtsstunden worauf folgen, aber auch das Thema des altersentsprechenden Lehrplans gehören hierher – nicht vom Inhalt her gesehen, den er vermitteln soll, sondern im Sinne einer Lehrplan-Physiologie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Für welche körperlich-seelische Erfahrungswelt ist ein Kind mit 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10 Jahren empfänglich?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wann sollte was unterrichtet werden, damit das Kind altersentsprechend körperlich geschickt und seelisch geweckt wird und in ihm seinem Alter gemäße Fragen wachgerufen werden als „Nahrung“, die es in einem bestimmten Lebensalter braucht?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein komplexes Gebiet, weshalb es auch den Schularzt braucht, der Lehrer und Eltern im Bereich der primären Prävention dahingehend berät, wie sie die Erziehungsprozesse durch gesundende Zeitabläufe begleiten und unterstützen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Lebensrhythmen des Menschen&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner stellte einen Bezug zwischen den heute bekannten Rhythmen und dem Menschen her:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Das &#039;&#039;Ich&#039;&#039; lebt im &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;24-Stunden-Rhythmus&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;Seele&#039;&#039; im &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Wochenrhythmus&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;: Um etwas seelisch zu verarbeiten, braucht man mindestens eine Woche – das bekommt man nicht an einem Tag hin.&lt;br /&gt;
* Die Lebensorganisation wird auch &#039;&#039;Ätherleib&#039;&#039; genannt und folgt dem &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;4-Wochen-Rhythmus&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;, d.h., wenn man eine schlechte Gewohnheit ablegen und stattdessen eine gute verankern will, braucht man dafür vier Wochen. Gute Gewohnheiten haben einen stabilisierenden Einfluss auf den Ätherleib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begriff „Ätherleib“ ist ein von Steiner benützter Terminus, der auf das blaue Himmelslicht zurückgeht. Er sagt, alles Leben auf der Erde, wie z.B. die Chlorophyll-Assimilation von Licht, findet unter Einfluss des durchsonnten blauen Himmels der Atmosphäre statt. Sie ist die direkte Energiequelle des gesamten Lebens. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Seelisch-astrale Ebene ====&lt;br /&gt;
Die wesentlichen Beziehungs- bzw. seelischen Faktoren sind Ehrlichkeit, liebevolles Interesse, Respekt vor der Autonomie. Entscheidend ist dabei jeweils, dass man diese Qualitäten zu fühlen imstande ist. Denn die Seele umfasst primär die Gefühlsebene. Was man nicht fühlt, ist für den Betreffenden nicht real. Interesse wird erst zu Liebe, wenn man den anderen meint und nicht insgeheim etwas für sich selbst haben möchte. Das gilt auch für den Respekt vor der Freiheit, der Autonomie des anderen. Wer sich freilassend geliebt und verstanden, aber auch ehrlich behandelt fühlt, kann mit Goethe sagen: &#039;&#039;„Ich fühlte mich in Deinen Augen gut.“&#039;&#039;  Das schrieb er seiner Geliebten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die uns anvertrauten Kinder und Patienten sollten sich in unseren Augen gut fühlen und nicht mit distanziertem, gleichgültigem Blick von oben herab angeschaut werden. Es gibt so viel Zweifel, Spott, Zynismus, aber auch so viele Ängste, die eine gesunde Beziehung verstellen und das Gefühlsleben korrumpieren können. Das wieder freizulegen, ist ein wichtiger Teil unserer Arbeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Individuelle Ich-Ebene ====&lt;br /&gt;
Das Ich ist das entscheidende Zentrum dieses Menschenbildes. Wir benennen mit „ich“, was wir uns selber zusprechen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ein Kind erkennt schon mit &#039;&#039;&#039;drei Jahren&#039;&#039;&#039;: Ich bin. &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Ein Neunjähriges&#039;&#039;&#039; fühlt zum ersten Mal die Einsamkeit des Ich-Seins, fühlt sich plötzlich nicht mehr selbstverständlich zur Familie gehörig: Es fühlt zum ersten Mal das Alleinsein, das Ausgesetztsein, die Verwundbarkeit als Ich.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Mit 16&#039;&#039;&#039; fühlt man erstmals die Verantwortung für das eigene Ich, für das, was man denkt, was man will. Man sagt nicht mehr alles frei heraus, sondern prüft, ob etwas stimmt. Man fühlt sich jetzt für sich und das, was man tut, verantwortlich.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Zwischen 20 und 23&#039;&#039;&#039; – das sind statistische Mittelwerte – beginnt man ernsthaft die eigene Existenz, das eigene Ich selbst zu hinterfragen: Wozu all das? Will ich das überhaupt und wenn ja, warum? Sie suchen nach ihrer wahren Identität und wollen sie in allem selbst bestimmen: spirituell, seelisch, wertemäßig, beziehungsmäßig. Wer diese Themen für sich durcharbeitet, kann dann auch formulieren, was er unter diesem Ich versteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Wahrhaft Mensch werden&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Aus Sicht der Anthroposophie sind wir Menschen dazu aufgerufen immer menschlicher zu werden, uns als „Werdewesen“ zu begreifen. Der Mensch unterscheidet sich wesentlich von Mineralien, Tieren und Pflanzen, von allem, was die Natur bietet, durch ein Merkmal: durch seine Unvollkommenheit. In der Natur ist alles vollkommen, keines der uns umgebenden Naturwesen könnte schöner oder perfekter sein – es sei denn, es ist umweltbedingt geschädigt. In vielen Hochreligionen wurden Tiere aufgrund ihrer Vollkommenheit als Götter verehrt. Der Mensch empfindet sich dagegen unvollkommen: Kein Mensch würde von sich sagen, er wäre vollumfänglich Mensch. Jeder ist sich bewusst, dass er noch menschlicher sein könnte und sollte. Deshalb ist das Credo der Anthroposophie: Wahrhaft Mensch werden zu wollen: Zu lernen, die eigenen Werte zu bestimmen und daraus das eigene Leben menschenwürdig zu gestalten; und so auf die eigene Umwelt zurückzuwirken, dass Leben unterstützt und nicht gekränkt und bedroht wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Spirituelle Ebene – Quinta Essentia ====&lt;br /&gt;
Paracelsuns nannte diese fünfte Ebene die „Quinta Essentia“. Diese Ebene ist zentral für das anthroposophische Menschenbild: Unser Denken, Fühlen und Wollen sind nicht körperlicher Natur und auf den Körper beschränkt, sondern können von jedem, der sich nur ein wenig auf sich selbst besinnt, als außerkörperliche Kompetenzen erlebt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder erleben ihr Metabewusstsein oder Metagedächtnis zum ersten Mal mit 9 Jahren. Das hängt mit dem genannten Gefühlserlebnis zusammen. Sie sehen sich plötzlich wie von außen und fühlen sich ihrer Familie und ihrem Freundeskreis nicht mehr selbstverständlich zugehörig. Sie fragen plötzlich, warum sie in diesen Zusammenhängen leben. Natürlich reflektieren die Neunjährigen das noch nicht. Aber die 23-Jährigen tun es, sie stellen sich total infrage – und das kann man nur, wenn man sich als „außer sich“, also wie von außen, erleben kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist Rudolf Steiners ganz großer Verdienst, das Denken, Fühlen und Wollen als außerkörperliche Kompetenzen entdeckt zu haben: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* dass das Gehirn unsere Gedanken, Gefühle und Absichten nicht hervorbringt, sondern nur spiegelt,&lt;br /&gt;
* dass der Mensch eine gedankliche, gefühlsmäßige, intentionale Aura hat, einen mehr oder weniger „heiligen Schein“ von Gedanken, Gefühlen und Bestrebungen, die tatsächlich außerkörperlich sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darauf möchte ich im Folgenden genauer eingehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Drei Entwicklungsgesten und Denken, Fühlen und Wollen&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Aus der Embryologie kennen wir drei unterschiedliche evolutive Dynamiken:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# die &#039;&#039;&#039;Proliferation&#039;&#039;&#039;, das reine Wachstum,&lt;br /&gt;
# die &#039;&#039;&#039;Differenzierung&#039;&#039;&#039;, z.B. das Einsprossen der Nerven oder die Differenzierung in männlich und weiblich,&lt;br /&gt;
# die &#039;&#039;&#039;Integration&#039;&#039;&#039; aller Teile zu einem Gesamtbild. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie haben wesentlich mit dem Denken, Fühlen und Wollen zu tun. Steiner sagt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gedanken&#039;&#039;&#039; seien umgewandelte, leibfrei gewordene Wachstums- und Regenerationskräfte des Körpers (&#039;&#039;Proliferation&#039;&#039;), die dort nicht mehr gebraucht werden. Diese außerkörperliche Gedankenkompetenz ermögliche das geistige Wachstum des Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &#039;&#039;&#039;außerkörperliche Gefühlsvermögen&#039;&#039;&#039; bilde sich aus leibfrei gewordenen, umgewandelten &#039;&#039;Differenzierungskräften&#039;&#039;, die den Körper bis zur Pubertät durchgestaltet haben und nun im Fühlen Polarisierung – Sympathie, Antipathie, Harmonie, Disharmonie, das gesamte Spiel der Gefühle – ermöglichen. Es ist die Grundlage unserer Empathie-Fähigkeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entsprechendes gelte für die &#039;&#039;&#039;Ich-Kompetenz des freien Wollens&#039;&#039;&#039;, das als leibfrei gewordene &#039;&#039;Integrationskraft&#039;&#039; die Voraussetzung und Basis für Selbstbestimmung ist. Diese Willenskompetenz lässt uns die eigene Entwicklung im Sinne einer Übereinstimmung von Denken, Fühlen und Handeln selbst in die Hand nehmen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses real geistig-körperliche Konzept der Doppelnatur des Menschen bildet die Basis des anthroposophischen Menschenbildes. Diese Doppelnatur wird in dem schönen Gedicht von Juan Ramon Jimenez treffend beschrieben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich bin nicht ich.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich bin der, der an meiner Seite geht,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;ohne dass ich ihn erblicke,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;der sanftmütig schweigt, wenn ich rede,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;den ich oft suche,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;den ich oft vergesse,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;der verzeiht, wenn ich hasse,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;der umherschweift, wo ich nicht bin,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;der aufrecht bleibt, wenn ich sterbe.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====== &#039;&#039;Inkarnation…&#039;&#039; ======&lt;br /&gt;
Als Geste ausgedrückt: Wir Menschen kommen aus einer geistigen Welt. Leben, Seele und Geist verbinden sich bei der Zeugung mit einem physischen Keim und bauen ihn im Zuge der Embryonalentwicklung auf. Nach der Geburt müssen wir uns im Zuge der Inkarnation mit Erbgut und Milieu auseinandersetzen. Im Laufe des Wachsens und Reifens treten die nicht mehr benötigten Wachstumskräfte heraus aus dem Leib und werden zu Gedanken-, Gefühls- und Willenskräften, wodurch man lernen kann, sich geistig selbst zu finden und selbst zu bestimmen. Wir entwickeln ein individuelles Denken, Fühlen und Wollen – individuell deshalb, weil diese Kompetenz den Lebenskräften unseres eigenen Körpers entstammt. Je älter wir werden, desto mehr Kräfte verlassen den Körper.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====== &#039;&#039;… und Exkarnation&#039;&#039; ======&lt;br /&gt;
Wenn wir sterben, wird auch der letzte Rest an Lebenskräften leibfrei: Das spirituelle Kraftgefüge, das den Körper lebenslang unterhalten und zusammengehalten hat, tritt heraus und macht in der geistigen Welt eine Metamorphose durch, verwandelt seinen Seins-Zustand und geht als außerkörperliches Leben, Seele und Geist in die geistige Welt ein, während der Körper ziemlich rasch zerfällt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da wir nie in einem Erdenleben ganz Mensch werden können, geht dieser Prozess selbstverständlich weiter durch wiederholte Erdenleben – aber mit dem klaren Ziel, immer menschlicher zu werden, immer autonomer, immer ich-hafter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Bernd Rosslenbroich&#039;&#039; hat in seinem wunderbaren Buch[1] nachgewiesen, dass die gesamte Evolution Autonomie fördert, die im Menschen gipfelt, der unausgesetzt an seiner Befreiung arbeitet. Angesichts der vielen Krisen und Kriege spüren wir deutlich, wie unfrei der Mensch noch ist, wie viel Befreiungsarbeit noch vor uns liegt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag „Das anthroposophische Menschenbild“, 2014&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Bernd Rosslenbroich, &#039;&#039;On the Origin of Autonomy&#039;&#039;, &#039;&#039;A New Look at the Major Transitions in Evolution&#039;&#039;, Heidelberg, New York, Springer 2014.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE MENSCHLICHE KONSTITUTION ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was unterscheidet den Menschen wesentlich von der Pflanzen- und Tierwelt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist der tiefere Grund für die defizitäre Ausgestaltung des Menschen im Vergleich mit Pflanze und Tier?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielt dabei die Ich-Organisation?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Der Mensch aus Sicht von Kapitel V&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Nach der Betrachtung des pflanzlichen und des tierischen Organismus wird im fünften Kapitel von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039;die menschliche Konstitution näher ins Auge gefasst. Dabei lassen sich drei Hauptabschnitte unterscheiden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die beiden ersten Absätze&#039;&#039;&#039; sind dem Vergleich der menschlichen und tierischen Gestaltbildung gewidmet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Absätze 3–9&#039;&#039;&#039;, insbesondere aber Absatz 5, beschreiben diese Gestaltbildung etwas genauer im Hinblick auf den darin zum Ausdruck kommenden dreifachen Substanzstrom.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Absätze 10–13&#039;&#039;&#039; beziehen sich auf das unterschiedliche Verhalten der astralischen und Ich-Organisation im schlafenden und wachen Zustand, einschließlich der unterschiedlichen Rollen, die der Sauerstoff in diesen beiden Lebenszuständen spielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ich-Organisation behindert natürliche Vervollkommnung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dabei wird das für die Ich-Organisation charakteristische Merkmal zum zentralen Thema: dass die Ich-Organisation die Substanz- und Formkräfte im physischen, ätherischen und astralischen Bereich an der vollen Ausgestaltung der menschlichen Konstitution hindert. Die Tatsache dieser daraus resultierenden Unfertigkeit auf physischer, ätherischer und astraler Ebene unterscheidet den Menschen von Pflanzen und Tieren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn diese erscheinen vollkommen ausgestaltet – jedes nach seiner Art. Dieser fundamentale Unterschied zwischen Mensch und Tier fiel bereits Platon auf. Er erkannte, dass der Mensch sich von den anderen Naturwesen dadurch unterscheidet, dass er defizitär, also unvollkommen ist.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Determinationsdefizit als Garant für Freiheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der Renaissance wurde diese Einsicht nicht nur aufgegriffen, sondern geradezu zum Hauptmerkmal erhoben, das den Menschen vom Tier unterscheidet. Denn man erkannte in dem konstitutionseigenen Determinationsdefizit der menschlichen Natur auch dessen Vorteil, das spezifisch menschliche Privileg: die Befähigung zur Selbstdetermination, zur Freiheit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Giovanni Pico della Mirandola ====&lt;br /&gt;
So hat &#039;&#039;Giovanni Pico della Mirandola (1463–1494)&#039;&#039; in seinem berühmten Traktat &#039;&#039;„De hominis dignitate“ („Über die Würde des Menschen“)&#039;&#039; diesem Umstand ebenfalls positive Bedeutung zugemessen und sie nicht im Lichte der traditionellen christlich-biblischen Deutung als ‚Sünden-Fall‘ dargestellt. Pico lässt Gottvater als ‚obersten Künstler‘ sagen: &#039;&#039;„Weder haben wir dich himmlisch, noch irdisch, weder sterblich, noch unsterblich geschaffen, damit du wie dein eigener, in Ehre frei entscheidender schöpferischer Bildhauer dich selbst zu der Gestalt ausformst, die du bevorzugst. Du kannst zum Niedrigeren, zum Tierischen entarten; du kannst aber auch zum Höheren, zum Göttlichen wiedergeboren werden, wenn deine Seele es so beschließt.“[3]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Gotthold Ephraim Lessing ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gotthold Ephraim Lessing (1729–1781)&#039;&#039; schreibt am Ende seiner Ausführungen über &#039;&#039;„Das Christentum der Vernunft“ (1753):&#039;&#039; &#039;&#039;„Da in der Reihe der Wesen unmöglich ein Sprung stattfinden kann, so müssen auch solche Wesen existieren, welche sich ihrer Vollkommenheiten nicht deutlich genug bewusst sind.“[4]&#039;&#039; In Lessings theologischer Grundüberzeugung ist Gott nicht nur der Inbegriff der allumfassenden Vollkommenheit, sondern er hat auch Bewusstsein davon. Wenn er nun Wesen zulässt – wie die Menschen es sind – die kein deutliches Bewusstsein ihrer Vollkommenheit haben, so sind diese Wesen offenbar noch im Prozess ihrer – Gott gewollten – Schöpfung bzw. Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Einsicht inspirierte Lessing dann auch zu seinen bekannten Ausführungen über &#039;&#039;„Die Erziehung des Menschengeschlechts“&#039;&#039;, wo es heißt: &#039;&#039;„Eben die Bahn, auf welcher das Geschlecht zu seiner Vollkommenheit gelangt, muss jeder einzelne Mensch (der eine früher, der andere später) erst durchlaufen haben. – [...] In einem und demselben Leben durchlaufen haben? Kann er in eben demselben Leben ein sinnlicher Jude und ein geistiger Christ gewesen sein? Kann er in eben demselben Leben beide überholet haben?“[5]&#039;&#039; Zum Schluss gipfelt diese Betrachtung dann in dem Bekenntnis zum Gedanken der Wiederverkörperung, dem er die Einsicht in seine eigene Entwicklungsbedürftigkeit und seine Sehnsucht nach Höherentwicklung verdankt: &#039;&#039;„Warum sollte ich nicht so oft wiederkommen, als ich neue Kenntnisse, neue Fertigkeiten zu erlangen geschickt bin? Bringe ich auf einmal so viel weg, dass es der Mühe wiederzukommen etwa nicht lohnet? [...] Ist nicht die ganze Ewigkeit mein?“[6]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Novalis ====&lt;br /&gt;
Auch in der Philosophie des deutschen Idealismus und der Frühromantik, spielt der Tatbestand der Entwicklungsbedürftigkeit des Menschen aufgrund des Defizit-Erlebens eine entscheidende Rolle. So lässt &#039;&#039;Novalis (1772–1801)&#039;&#039; im zweiten Teil seines &#039;&#039;„Heinrich von Ofterdingen“&#039;&#039; den Arzt Sylvester seinem Besucher Heinrich, der nach den Ursachen von allen Schrecken, Schmerzen, aller Not und allem Übel im Weltall fragt und wann man dessen nicht mehr bedürfe, die Antwort geben: &#039;&#039;„Wenn es nur Eine Kraft gibt – die Kraft des Gewissens – Wenn die Natur züchtig und sittlich geworden ist. Es gibt nur Eine Ursache des Übels – die allgemeine Schwäche, und diese Schwäche ist nichts als geringe sittliche Empfänglichkeit und Mangel an Reiz der Freiheit.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Heinrich: Macht mir doch die Natur des Gewissens begreiflich.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Sylvester: Wenn ich das könnte, so wär ich Gott, denn indem man das Gewissen begreift, entsteht es.“[7]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verzicht auf naturgegebene Vollkommenheit zugunsten von Menschlichkeit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die physiologisch bedingte Unvollkommenheit des Menschen und der damit verbundene seelisch-geistige, d. h. charakterliche Entwicklungs-Bedarf wird in Kapitel V darauf zurückgeführt, dass die menschliche Konstitution von Natur aus auf keiner Ebene ihrer Manifestation perfekt ausgestaltet ist. Die Gestaltungskräfte werden durch den Einfluss der Ich-Organisation zurückgedrängt, &#039;&#039;„im Flusse erhalten“&#039;&#039; und, wo nötig, überwunden&#039;&#039;.[8]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Man kann dies einerseits als &#039;&#039;&#039;generellen Verzicht auf Spezialisierung&#039;&#039;&#039; ansehen und an Goethe denken, der der Ansicht war, dass das Tier durch seine Organe belehrt würde, indem sie sozusagen instinktsicher ‚alles richtig machen‘, der Mensch aber seine Organe belehren müsse.[9]&lt;br /&gt;
* Man kann es aber auch als einen &#039;&#039;&#039;Akt aktiven, willentlichen Zurückdrängens&#039;&#039;&#039; der mineralischen, pflanzlichen und tierischen Natur ansehen, um die eigene Menschlichkeit entwickeln zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seiner Studie &#039;&#039;„Die Evolution des Menschen in Hinblick auf seine lange Jugendzeit“[10]&#039;&#039; hat &#039;&#039;Friedrich Alexander Kipp (1908–1997)&#039;&#039; diesen Tatbestand eindrucksvoll belegt. &#039;&#039;Wolfgang Schad (1935–2022)&#039;&#039; hat der Evolution von Tier und Mensch von der fossilen Frühgeschichte bis in die Gegenwart sein Lebenswerk gewidmet.[11] Sein Schüler und Nachfolger als Direktor des Instituts für Evolutionsbiologie der UW/H, &#039;&#039;Bernd Rosslenbroich&#039;&#039;, hat diese Forschungen in seiner Habilitationsschrift über die &#039;&#039;„Entwicklung der Autonomie im Kontext der Evolution der Arten bis hin zum Menschen“&#039;&#039; zusammengefasst.[12]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser inzwischen auch naturwissenschaftlich gut belegte Tatbestand kann deutlich machen, dass letztlich keinem Menschen die Entwicklungsarbeit an der eigenen ‚Menschwerdung‘ abgenommen werden kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[13]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Als Beispiel hierfür sei der Dialog Protagoras genannt. Siehe Platon (2016), 645–663.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Della Mirandola (2022), 14.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Lessing (1998), 27&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Lessing (2001), 98.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Ebd., 99.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Novalis (2013), 273.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Vgl. FN 1, S. 28.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] &#039;&#039;„Das Thier wird durch seine Organe belehrt; der Mensch belehrt die seinigen und beherrscht sie.“&#039;&#039; WA II, 42, 258.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Kipp (1980).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Schad (2012). Während sich der Schimpansenkopf kurz nach der Geburt in Aufbau und Vertikalität kaum von dem eines Menschenkindes unterscheidet, so ist dies im Laufe der kommenden Wochen und Monate zunehmend der Fall. Der Gesichtsschädel rückt nach vorne, die Stirne flacht sich nach hinten ab und die adulte Form hat das Menschenähnliche weitgehend verloren. Entsprechend ist es mit Armen, Händen, Beinen und Füßen. Auch sie sehen zunächst in der frühen Embryonalentwicklung menschenähnlich aus und weisen die gegliederte Zehen- und Fingerbildung auf. Besonders berührend ist dies im Verlauf der Entwicklung des Vogelflügels. Hier differenziert sich aus der zunächst fünffingerigen ›Hand‹ am Ende des Arms sukzessive das verkrüppelte ‚Fingerskelett‘ heraus, das sich zwar zur perfekten Navigation der Flügel eignet – aber eben nur dafür. Die Hand des Menschen bleibt hingegen lebenslang im Verzichtsmodus auf jede Form der Spezialisierung. Sie steht nicht im Dienst einer durch die Natur gegebenen Steuerung, sondern braucht die Impulsgebung zum ‚Handeln durch bewusstes Denken und Fühlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Vgl. Rosslenbroich (2007) und Kümmell (2020).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== GEIST, SEELE, LEIB UND WESENSGLIEDER ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wirken die vier Wesensglieder im Kontext der menschlichen Dreigliederung von Körper, Seele und Geist?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wo betätigen sie sich leibgebunden, wo leibfrei?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche entscheidende Rolle hat dabei die Ich-Organisation inne?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Dreigliederung und Zusammenwirken der vier Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Ausführungen zur Dreigliedrigkeit der Organbildungen und des Nervensystems in Kapitel VI von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; erfahren eine aufschlussreiche Präzisierung durch eine Darstellung zu Beginn des &#039;&#039;„Ärztekurses“&#039;&#039; von 1921.[2] Sie sei hier angeführt, um die äußerst knapp gefassten Aussagen dazu in den Kapiteln V und VI verständlicher zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dort wird die von Rudolf Steiner schon 1917 entwickelte Dreigliederung in &#039;&#039;„Von Seelenrätseln“[3]&#039;&#039; daraufhin angeschaut, wie die vier Wesensglieder im Nerven-Sinnes-System, der rhythmischen Funktionsordnung von Kreislauf und Atmung sowie im Stoffwechsel-Gliedmaßen-System jeweils unterschiedlich zusammenarbeiten. Daraus ergibt sich auch der anthroposophisch-anthropologische Ansatz zum Verständnis von ‚Leib‘, ‚Seele‘ und ‚Geist‘:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Geist – rein leibfreie Tätigkeit von Denken, Fühlen und Wollen ====&lt;br /&gt;
Von Geist kann gesprochen werden, wenn man die leibfreie, rein geistige – nicht verkörperte – Tätigkeit von Denken (Ätherleib), Fühlen (Astralleib) und Wollen (Ich-Organisation) im Auge hat. Diese konstitutionelle Gegebenheit findet sich nur im Bereich des im Kopf zentrierten Nerven-Sinnes-Systems. Geist, so gesehen, bedeutet präzise: außerhalb des Leibes sein, d.h. rein geistig tätig. Die drei – gestützt auf das Nerven-Sinnes-System – außerkörperlich wirksamen Wesensglieder, Ätherleib, Astralleib und Ich-Organisation, sind so gesehen in ihrem Zusammenwirken ‚der Geist des Menschen‘.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Seele – Selbstwahrnehmung und Empathie, mal leibgebunden, mal leibfrei ====&lt;br /&gt;
Seele im engeren Sinn ist das Zusammenspiel des träumenden Gefühlslebens mit dem schlafbewussten Willensleben, wie es sich im rhythmischen System darlebt. Hier wirkt Ich-Organisation wie im Nerven-Sinnes-Bereich als Willensvermögen leibfrei von außen, der Astralleib hingegen verbindet sich rhythmisch durch die Ausatmung stärker mit der Ich-Organisation und bei der Einatmung mehr mit der schlafenden physisch-ätherischen Konstitution, in der das Ätherische leiblich gebunden bleibt und der Denktätigkeit nicht zur Verfügung stehen kann. Dadurch bleibt bei jeder Gefühlsregung einerseits der subjektive Selbstbezug bzw. die Selbstwahrnehmung des Fühlenden erhalten. Andererseits ist dadurch aber auch eine selbstlose ‚spirituelle Empathie‘ möglich, da der leibfreie Anteil des Astralleibes in Form des Gefühlslebens in der Ausatmung an die leibfrei bleibende Ich-Organisation gebunden ist. Dadurch ist – je nach Intention des Ich – auch ein emotionales von sich Absehen-Können möglich, ein sich in die Situation eines anderen Menschen oder eines Vorgangs in der Umwelt wirklich Hereinversetzen-Könnens: Echte Empathie, selbstloses Mitfühlen mit dem Anderen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Leib – Ort der sich unbewusst vollziehenden Leibbildung ====&lt;br /&gt;
Leib hingegen ist der Ort, an dem im gesunden Zustand alle vier Wesensglieder an der Substanz tätig und damit vollständig ‚verleiblicht‘ und damit auch leibbildend und leiberhaltend wirken: im Stoffwechselsystem und seinem Zentralorgan, dem Blut als Träger des schlafenden Willenslebens. Was hier als willentliche Gestaltungskraft lebt, ist dem Wachbewusstsein entzogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ich-Organisation als lenkende Instanz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Bei den Gliedmaßen jedoch ist die Ich-Organisation im Gegensatz zum Stoffwechsel – wie in Kapitel II beschrieben – weniger stark verleiblicht, weswegen ‚freie‘, d.h. vom autonomen Denken ‚außen‘ gesteuerte Bewegungen möglich sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kennt man das anthroposophische Konzept der Ich-Organisation, die sowohl über die intentionale Sinneswahrnehmung bestimmt, als auch im Bereich von Denken, Fühlen und Wollen prominent die Bewusstseinsvorgänge lenkt, lässt sich die enorme Komplexität dieser vielfältigen Einflussfaktoren auf Wahrnehmen und Bewegen konkreter ordnen und praktisch handhaben. Es können sich darüber hinaus weiterführende ‚integrierende‘ und vor allem auch interdisziplinäre Forschungsansätze ergeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[4]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27, S. 34.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaftliche Gesichtspunkte zur Therapie&#039;&#039;, GA 313.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Von Seelenrätseln. Anthropologie und Anthroposophie,&#039;&#039; GA 21.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DENKEN, FÜHLEN UND WOLLEN UND LEIB, SEELE UND GEIST ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist der Unterschied zwischen der Dreigliederung und der Viergliederung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie hängen Leib, Seele und Geist mit Denken, Fühlen und Wollen zusammen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielen dabei die sogenannten Wesensglieder des Menschen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Scheinbarer Gegensatz von Dreigliederung und Viergliederung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Gegensatz zwischen dem &#039;&#039;Konzept von Geist, Seele und Leib&#039;&#039; – &#039;&#039;&#039;Dreigliederung&#039;&#039;&#039; – und dem &#039;&#039;Konzept der vier Wesensglieder (physischer, ätherischer, astraler und Ich-Organismus)&#039;&#039; – &#039;&#039;&#039;Viergliederung&#039;&#039;&#039; – ist nur ein scheinbarer. Es gibt zwei Stellen, in denen Rudolf Steiner den Zusammenhang von Dreigliederung und Viergliederung genauer erklärt. Einmal beleuchtet Steiner mehr den erzieherischen Prozess und im anderen Fall steht mehr der Heilprozess im Zentrum: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Zu den &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Lehrern&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; spricht er von dem prozessorientierten &#039;&#039;zeitlichen Aspekt&#039;&#039; der Wesensglieder, von den sogenannten Geburten in Jahrsiebten[1].&lt;br /&gt;
* Mit den &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Ärzten&#039;&#039;[2]&#039;&#039;&#039; bespricht er mehr den &#039;&#039;räumlichen Aspekt&#039;&#039; der Wesensglieder: wie die­se auf jeder Ebene des dreigliedrigen Menschen unter­schied­lich zusammen­ar­bei­ten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wesensgliederwirken in Geist, Leib und Seele&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im Grunde greifen wir zu kurz und zeichnen ein unscharfes Bild, wenn wir den Menschen platt materialistisch in Körper, Seele und Geist einteilen. Rudolf Steiner selbst sagt dazu: &#039;&#039;„Wer irgendwelche vorgefassten Meinungen oder gar Hypothesen mit diesen drei Worten verbindet, wird die folgenden Auseinandersetzungen notwendig missverstehen müssen.“&#039;&#039;&#039;[3]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Diese Dreigliederung macht nur Sinn, wenn man davon ausgeht, dass &#039;&#039;alle&#039;&#039; Kräfte, auch der physische Leib, geistiger Natur sind. Unter diesem Vorbehalt möchte ich sie in aller Kürze skizzieren und auch darauf eingehen, wie die Wesensglieder in welchem Bereich wirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. GEIST ====&lt;br /&gt;
Mit Geist wird die von der Materie ganz losgelöste Gesetzlichkeit bezeichnet, also diejenigen geistigen Kräfte, die im Zuge der Ausreifung des physischen Körpers wieder leibfrei geworden sind, die sich quasi wieder exkarniert haben. Dieser wieder leibfrei gewordene Geist hat dieselben Qualitäten wie die inkarnierten ätherischen, astralen und Ich-Organisations-Kräfte, durch die der Leib entstanden ist – mit nur einem Unterschied: Die im Körper wirkenden geistigen Kräfte arbeiten im Sinne der Naturgesetze. Die leibfreien Kräfte des Denkens, Fühlens und Wollens sind auf die individuelle Führung durch das Menschen-Ich angewiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geist ist laut Rudolf Steiner nicht das Gegenteil von Materie, sondern das außerkör­perliche Erleben unserer Wesensglieder im Denken, Fühlen und Wollen. Im Geist erwachen wir als Menschen, die &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gedanken &#039;&#039;&#039;bilden&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Gedanken differenzieren, abwägen, &#039;&#039;&#039;beurteilen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* sich mit Gedanken verbinden, Gedanken &#039;&#039;&#039;realisieren wollen&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner sagt in dem Zusammenhang auch, wir müssten lernen im Denken hell und dunkel als Qualitäten zu fühlen. Erst wenn wir die Stimmigkeit, Wahrhaftigkeit bzw. Verlo­genheit und „Verbogenheit“ unserer Gedanken fühlen könnten, wenn wir fähig würden, fühlend zu erkennen, ob Gedanken gerade oder krumm sind, erst dann wären wir urteilsfähig und fähig zu michaelischem Denken. Unser Denken wird also von unserem leibfreien Denken, Fühlen und Wollen gleichermaßen ermöglicht und ist eine rein außerkörperliche, geistige Tätigkeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Der &#039;&#039;&#039;leibfreie Ätherleib&#039;&#039;&#039; liefert das &#039;&#039;Baumaterial für die Gedanken&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
* Der &#039;&#039;&#039;leibfreie Astralleib&#039;&#039;&#039; ist für das &#039;&#039;Fühlen der Qualität der Gedanken&#039;&#039; zuständig.&lt;br /&gt;
* Aus der &#039;&#039;&#039;leibfreien Ich-Organisation&#039;&#039;&#039; kommt unser &#039;&#039;Wille zum Denken&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dergestalt selbständig denken zu lernen, ist Ziel der gesamten Waldorfpädagogik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. LEIB ====&lt;br /&gt;
Leib ist der mit der Materie verbundene Gesetzeszusammenhang bzw. der Ort, an dem sich alle vier Wesensglieder inkarniert haben – der Leib ist demnach inkarnierter Geist: Ich-Organisation, Astralleib und Ätherleib beleben, beseelen und durchgeistigen die menschliche physische Gestalt mit Geist, Seele und Leben. Jesus spricht vom Tempel des Leibes, in dem der Geist wohnt. Der physische Organismus ist nun wiederum dreigegliedert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Zur funktionellen Dreigliederung&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner forschte 30 Jahre lang zur funktionellen Dreigliederung des physischen Organismus,[4] und wenn er in dem Zusammenhang auch vom oberen, mittleren und unteren Menschen spricht, geht es nicht um eine Dreiteilung, sondern eine Gliederung in drei ineinandergreifende Funktionssysteme. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Das Nerven-Sinnes-System (NSS) ======&lt;br /&gt;
Das Nerven-Sinnes-System (NSS) ist die physische Grundlage der bewussten Denk- und Sinnestätigkeiten und ist im oberen Bereich, dem Kopf mit den Sinnesorganen und dem Gehirn, zentriert. Alle Bewusstseinsvorgänge werden von Astralleib und Ich-Organisation gemeinsam ermöglicht. Die Sinnestätigkeiten vollziehen sich unter der Regie des Ich und unter starker Beteiligung des Ätherischen, das sich jedoch aus dem Nervensystem weitgehend lösen dürfe, sagt Steiner. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Das rhythmische System (RS) ======&lt;br /&gt;
Das rhythmische System (RS) befindet sich im mittleren Bereich, im Brustraum. Es lenkt die rhythmischen Transport- und Verteilungssysteme, wie sie von den Atmungsorganen und dem Herzen als Mittelpunkt des Kreislaufsystems ausgehen, und wird stark vom dauerhaft inkarnierten Anteil des Ätherleibes beeinflusst. Würde der Ätherleib auch dort herausgehen, würden wir krank. Der Astralleib pendelt hier zwischen Drinnen und Draußen, insofern als er bei jeder Einatmung ein Stück weit in den physischen Leib hineingeht und sich bei jeder Ausatmung wieder ein Stück weit herauslöst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Das Stoffwechsel-Gliedmaßen-System (STGS) ======&lt;br /&gt;
Das dritte Funktionssystem, das Stoffwechselgliedmaßensystem, umfasst zwei ganz unterschiedliche Bereiche:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum einen regelt das unterhalb des Zwerchfells hauptsächlich im Bauchraum lokalisierte &#039;&#039;&#039;Stoffwechselsystem&#039;&#039;&#039; die unbewussten metabolischen Auf- und Abbauvorgänge. Doch jede Zelle, von den Haarspitzen bis zu den Fußspitzen, wird vom Stoffwechsel aufgebaut und unterhalten. Wenn die vier Wesensglieder hier gut verbunden sind und harmonisch zusammenarbeiten, könne der Mensch laut Steiner nicht krank werden, dann sei er gesund inkarniert. Alle internistischen Erkrankungen hängen mit einer Lockerung von Astralleib und Ich-Organisation aus der physisch-ätherischen Konstitution zusammen. Dann gerät der Stoffwechsel durcheinander und erzeugt diverse Krankheitstendenzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem &#039;&#039;&#039;Gliedmaßensystem&#039;&#039;&#039; dagegen könne sich die Ich-Organisation immer mehr befreien und zum vollgültigen freien Willensvermögen des Menschen werden, zu reinem freien Willen, unabhängig von Denken und Fühlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wesensglieder sind also, wie oben bereits skizziert, in den drei Systemen jeweils in unterschiedlicher Weise aktiv:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* im Nervensinnessystem (NSS) neuro-sensoriell&lt;br /&gt;
* im rhythmischen System (RS) rhythmisch&lt;br /&gt;
* im Stoffwechselsystem (StS) metabolisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. SEELE ====&lt;br /&gt;
Seele ist der Ort der Vermittlung zwischen Leib und Geist, sodass der Mensch mithilfe des Leibes sein individuelles geistiges Wesen erleben kann. In der Seele findet die innerlich gefühlte Begegnung mit sich selbst und der Welt statt. Die Seele atmet und schwingt zwischen Innen und Außen, zwischen Leib und Geist. Unser Seelen- bzw. Gefühlsleben wird von der Zusammenarbeit von &#039;&#039;leibfreier Ich-Organisation&#039;&#039; und &#039;&#039;leibfreiem Astralleib&#039;&#039; ermöglicht, ihr verdanken wir die Fähigkeit, ein Gefühl für unser Ich und die Welt zu entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitgefühl bedeutet, dass wir ganz beim anderen sind. Aufgrund der Möglichkeit außerkörperlich zu sein, können wir Mitgefühl und Empathie empfinden, können wir bei der Sache und dem anderen sein und uns auf etwas außerhalb unserer selbst konzentrieren; und wir können die Achtsamkeit aufbringen, dort zu sein, wo wir etwas beobachten. Geistesgegenwart bedeutet: Ich bin dort, wo mein Bewusstsein ist. Ich bin nicht mein Leib. Rudolf Steiner formuliert es so: &#039;&#039;„Das Ich ist in der Gesetzmäßigkeit der Dinge.“&#039;&#039; Das Ich ist am Ort des Geschehens. Das Ich steckt nicht im Leib, sondern dort, wo es hinwill, bei den Dingen und Inhalten, für die es sich interessiert. Ich und Welt sind dann eins.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst- und Umweltgefühl sind deshalb immer gemischt, das heißt, wir fühlen uns selbst immer mit, wenn wir die Welt bzw. einen anderen Menschen fühlen. Der &#039;&#039;Astralleib&#039;&#039; gaukelt uns quasi nur vor, dass es ein Innen und ein Außen gibt, eine Dualität. Einen Gegensatz von Welt und Mensch. &#039;&#039;Das Ich&#039;&#039; hingegen sieht das alles im Zusammenhang, als Polarität, die erst zusammengenommen das Ganze erfasst und umfasst. Denn es erkennt, dass draußen dieselben Gesetze wie im eigenen Inneren walten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Wesensglieder und Denken, Fühlen und Wollen&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
In beiden anfangs genannten Werken – &#039;&#039;den Leitsätzen[5]&#039;&#039;, konkret im Leitsatz zur Lichtnatur des Menschen, aber auch im 2. Medizinervortrag &#039;&#039;„Geisteswissenschaftliche Gesichtspunkte zur Therapie“[6]&#039;&#039; – spricht Rudolf Steiner über das Denken, Fühlen und Wollen in der Form, dass er sagt, dass wir alle drei mit Bewusstsein, Gefühl und Willen durchdringen können und auch sollen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Denken ======&lt;br /&gt;
Unser Denkvermögen verdanken wir, wie oben bereits ausgeführt, der engen Zusammenarbeit von Ätherleib, Astralleib und Ich-Organisation in leibfreiem Zustand, die sich am Gehirn reflektieren als unsere Gedan­kenaura. Dadurch sei es uns laut Steiner möglich, unsere Gedanken auch zu fühlen und zu wollen. Von wirklichem Denken könne man also erst sprechen, wenn man selbst &#039;&#039;&#039;Gedanken hervorbringen und auch fühlen kann, was man denkt&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Fühlen ======&lt;br /&gt;
Dann sagt er, das &#039;&#039;&#039;leibfreie Fühlen&#039;&#039;&#039; käme dadurch zustande, dass Astralleib und Ich-Organisation verbunden sind und zusammenwirken. Zu fühlen ohne Beteiligung des Denkens wird uns ermöglicht durch eine Kombination aus Willen und Gefühl. Das reine Gefühl unterscheidet sich insofern vom Denken, als dabei die &#039;&#039;Beteiligung des Ätherleibes fehlt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andererseits bekommen wir nur über das Denken Zugriff auf das eigene Fühlen: Rudolf Steiner benennt in der Theosophie[7] den Gedanken „Vater des Gefühls“. So ist das Erlangen von Gefühlskontrolle Ziel einer der sechs Nebenübungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir müssen aber auch unsere &#039;&#039;&#039;Handlungen (Wollen) fühlen&#039;&#039;&#039; lernen, um die Konsequenzen daraus erspüren zu können und zu wahrhaft moralischem Tun fähig zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039;  Wollen, reiner freier Wille ======&lt;br /&gt;
Der Wille hat zwei Betätigungsrichtungen, nach innen und nach außen hin: Damit der Wille in der Welt wirken kann, braucht er einen belebten, beseelten, durchgeistigten, ich-durchdrungenen Leib. Rudolf Steiner sagt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* der physische Leib sei &#039;&#039;von außen gesehener Wille&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Wille von innen gesehen&#039;&#039; sei der Wille, selbst zu denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ich-Organisation steht einerseits &#039;&#039;&#039;im Dienst des Denkens&#039;&#039;&#039;, andererseits &#039;&#039;&#039;im Dienst des Fühlens&#039;&#039;&#039; in Form von Mitleid bzw. von Mitfühlen: Ich will mit dir fühlen. Ich will dir etwas Liebes tun. Doch nur wenn die Ich-Organisation, als dritte Möglichkeit, &#039;&#039;&#039;im Dienst des Willens&#039;&#039;&#039; steht, ist dieser ganz autonom, handelt es sich um reinen freien Willen. Rudolf Steiner sagt, dieser reine freie Wille sei extrem in Gefahr:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Das Ich könne sich zu tief „reinsetzen“ – damit ist vor allem gemeint, dass es ganz unten drinsitzt und dadurch nicht frei ist. Man hat den Eindruck, der Jugendliche ist total abhängig von seinem Körper.&lt;br /&gt;
* Oder aber das Ich ist „rausgeschockt“, wie das bei traumatisierten Kindern der Fall ist. Sie wollen gar nicht richtig hinein in ihren Körper, wirken pathologisch leicht. Mich wundert immer, wie wenig „kernig“ sie laufen, also nicht kraftdurchdrungen und präsent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Willens-Typen – der zu lose verbundene und der zu dichte – haben gemeinsam, dass der Wille wenig zugänglich ist. Deswegen sind beide Typen hoch suchtgefährdet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag „Das anthroposophische Menschenbild“, Schulärztetagung 2014&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Bildnatur des Menschen&#039;&#039;, in: &#039;&#039;Anthroposophische Leitsätze&#039;&#039;, GA 26. Dornach 1998.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaftliche Gesichtspunkte zur Therapie.&#039;&#039; Neun Vorträge vor Ärzten und Medizinstudierenden 1921, GA 313.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Theosophie&#039;&#039;, Kapitel: &#039;&#039;Das Wesen des Menschen&#039;&#039;, GA 9, Dornach 1961, S. 24f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Von Seelenrätseln&#039;&#039;. GA 21, Dornach 1983 , S. 150.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Siehe FN 1.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Siehe FN 2.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Theosophie,&#039;&#039; GA 09.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FRIEDEN MIT DEN DRACHENKRÄFTEN IM MENSCHEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wofür sind die Drachenkräfte ein Bild?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Gefahr bedeuten sie für den Menschen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann er Frieden mit ihnen finden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worauf beruht der unmittelbare Zusammenhang von Stoffwechsel und Denken?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Drachenkräfte und die menschliche Konstitution&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der Apokalypse heißt es, dass die Drachen auf die Erde gestürzt wurden.[1] Der Mensch, die menschliche Natur, ist der Ort auf der Erde, wo sie gelandet sind. Außerhalb der menschlichen Natur ist kein Drache zu finden – hätte der Mensch nicht eingegriffen, bestünde in der Natur immer noch ein wunderbares ökologisches Gleichgewicht. Rudolf Steiner sagte dazu sinngemäß: &#039;&#039;„In der Natur hat der Vatergott für Frieden gesorgt. Im Menschen muss der Mensch selbst Frieden stiften.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Merkurstab der Mediziner bildet als stehende, nach oben hin offene Acht die menschliche Grundkonstitution, die der Natur des Menschen zugrunde liegt, ab. Der unmittelbare Zusammenhang zwischen gesundem und krankem Denken und Stoffwechsel lässt sich anhand davon gut verdeutlichen, da beide Prozesse ätherischer und damit lemniskatisch-polarer Natur sind, die einander bedingen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Der untere Teil&#039;&#039; steht für den physischen &#039;&#039;&#039;Leib&#039;&#039;&#039; mit den unbewussten inneren Stoffwechselprozessen, wo die leibgebundenen Ätherkräfte wirken: Bild dafür ist der &#039;&#039;„Stoffwechseldrache“ im Darm&#039;&#039; mit seinen Windungen&#039;&#039;,&#039;&#039; der unsere Instinkte, Triebe und Begierden bestimmt.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Der obere Teil&#039;&#039; steht für den geistigen Menschen, den &#039;&#039;&#039;Geist&#039;&#039;&#039;, und das bewusste Gedankenleben, das stark nach außen gerichtet ist und wo die leibfreien Ätherkräfte wirken: Bild dafür ist der „Gedankendrachen“, der &#039;&#039;zweiköpfige Drache des Luziferisch-Ahrimanischen&#039;&#039; &#039;&#039;mit den Windungen des Gehirns&#039;&#039;, der uns das freie Gedankenleben ermöglicht.&lt;br /&gt;
* Am Umschlagpunkt zwischen beiden steht das zwischen Innen und Außen Vermittelnde der &#039;&#039;&#039;Seele&#039;&#039;&#039; mit ihren Gefühlsregungen, auf die wir nur bedingt bewussten Einfluss haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;In sich Frieden schaffen durch Selbstüberwindung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Beide Drachen können uns verführen und Unfrieden und Zerstörung anrichten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wir können unsere &#039;&#039;Gedankenfreiheit&#039;&#039;, auf der Freiheit an sich beruht, &#039;&#039;missbrauchen&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
* Wir können uns auch von unserem leibgebundenen Willen, unserem Instinkt-, Trieb- und Begierde-Leben &#039;&#039;überwältigen lassen&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Drachenkräfte können aber auch von unten und/oder oben unsere &#039;&#039;Gefühle in Aufruhr bringen&#039;&#039; und so destruktiv wirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit das nicht eintritt, indem etwas Gutes am falschen Platz geschieht und dadurch „böse“ wird und schädigende Auswirkungen hat, müssen wir im Laufe unserer menschlichen Entwicklung lernen, diese drei Bereiche vom Ich aus in der richtigen Art zu beherrschen und zu kultivieren und so für Gleichgewicht und Frieden sorgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== a) Den Drachen im Darm befrieden ====&lt;br /&gt;
Nehmen wir das Beispiel der Verdauung: Im unbewussten Stoffwechselleben gelingt uns das weitgehend durch eine gesunde rhythmische Art, mit den Lebensvorgängen, mit unseren Ess- und Schlafgewohnheiten sowie der Fortpflanzungsmöglichkeit umzugehen. Die Stoffwechselprozesse dienen dazu, unseren Leib gesund zu erhalten. Dazu gehören Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme sowie die Atmung. Alle Nahrung wird im Verdauungstrakt komplett zerstört, damit der Mensch sie verdauen und daraus menschliche Substanz aufbauen kann. Diese Zerstörungskräfte gehören zu dem Drachen, der in den Darmwindungen haust. Solange diese Drachenkräfte sich auf die Verdauungsarbeit beschränken, haben wir keine Probleme:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn die Natur muss in uns Mensch werden &#039;&#039;&#039;(= verdauen)&#039;&#039;&#039;, damit wir einen gesunden Körper, ein starkes biologisches Ego, aufbauen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== b) Den Drachen im Gehirn befrieden ====&lt;br /&gt;
Das Gedankenleben kann als eine Art umgekehrter Ernährungs- oder Verdauungsprozess angesehen werden. Denn wenn wir im Denken aktiv und geistig beweglich sind, wollen wir die Zusammenhänge der Welt wirklich verstehen. Dazu müssen wir aus uns herausgehen und zum anderen hingehen, müssen wir uns der Wahrheit der Dinge annähern, müssen sie uns zu eigen machen, uns ganz mit ihr verbinden. Erkennen ist so gesehen spirituelle Empathie, geistige Kommunion: Man identifiziert sich mit dem, was man verstehen will. Wenn ich z.B. denke 2 + 2 = 4, muss ich diesen Prozess mit- und nachvollziehen, sonst verstehe ich ihn nicht. Das bedeutet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch muss im Denken zur Welt werden &#039;&#039;&#039;(= erkennen)&#039;&#039;&#039;, wenn er zu wahrheitsgemäßen Erkenntnissen kommen will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Auswirkung falschen Denkens auf die Verdauung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wenn wir uns nun das Ganze umgekehrt vorstellen: Wenn es uns beim Denken, repräsentiert vom oberen Teil der Lemniskate, überhaupt nicht um Erkenntnis von Wahrheit, sondern nur um die Ansammlung von Informationen geht, um möglichst viel Input und Wissen, wenn wir uns quasi gedanklich „zumüllen“ und nicht gewillt sind, selber zu denken und zu urteilen bzw. wenn alle Gedanken nur um uns selbst kreisen, hat das unmittelbare Auswirkungen auf den anderen Bereich des Wirkens der Drachenkräfte, die Verdauung. Dann werden die Stoffwechselprozesse unseres Köpers aufgrund der polar arbeitenden Natur des Ätherleibes ebenfalls in entgegengesetzter Weise aktiv werden: Wir werden für Krankheitserreger offen sein und so eine Immunschwäche entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Umgekehrt haben unsere Ernährung und unsere Lebensgewohnheiten auch immense Auswirkungen darauf, ob unser Gedankenleben sich über das rein Materielle aufzuschwingen in der Lage ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Konsequenzen folgen einem ätherischen Gesetz, auf dem das spirituelle Krankheitsverständnis der Anthroposophischen Medizin gründet: Was sich in der einen Hälfte der Lemniskate nach innen richtet, wechselt im Kreuzungspunkt die Richtung und geht nach außen – und umgekehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Anregung und Auswirkung von destruktivem Potential&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Alle destruktiven Neigungen entspringen einerseits unserem Stoffwechsel, andererseits negativen Gedanken und Wahrnehmungsinhalten über die Sinne. Auch die egoistisch ausgelebte Sexualität gehört dazu: Destruktivität und Sexualität sind dann unlöslich miteinander verbunden. Das wird verstärkt von den Bildern, die besonders diese Bereiche ansprechen, wie es in der heutigen Spaßindustrie geschieht. Diese von oben und unten kommenden, fehlgeleiteten Kräfte regen das destruktive Potential im Menschen an und wirken sich auch kränkend auf das Seelische aus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir diese Zusammenhänge begreifen, können wir auch verstehen, warum so viele böse Neigungen und so viel Egoismus in die Seele einstrahlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Innerer Friede durch geistige Arbeit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Diese Einstrahlungen in unser Denken und Fühlen müssen fortwährend durch innere geistige Arbeit ausgeglichen, also geheilt und befriedet werden, indem man sich bis ins Gefühl mit der Wahrheitswelt verbindet. Wer sich mit edlen, guten, sinnvollen Zielen emotional verbindet, kann seinen Egoismus in den Dienst des Guten stellen. Rudolf Steiner formuliert es sinngemäß so: Der sich befreiende, auf sich selbst gestellte, autonome Mensch, der nicht ständig etwas für sich braucht, kann zur Verfügung stehen, kann seinen ganz individuellen Kulturbeitrag durch die Überwindung des Bösen &#039;&#039;in sich&#039;&#039; leisten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man erkennt den Freiheitsgrad von Menschen an ihrer Verfügbarkeit – das ist ein spirituelles Gesetz: Je freier ich bin, desto souveräner kann ich meine individuellen Fähigkeiten, anstatt sie auf Selbstoptimierung auszurichten, instrumentalisieren und für die Dinge einsetzen, die mir wesentlich sind. Ich entscheide dann selbst, wofür ich mich engagieren will und wo nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Ich im Netz. Was geschieht mit uns im Internet?“, Amthor Verlag, Heidenheim 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Neues Testament, &#039;&#039;Apokalypse 12, 9.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ZUR FUNKTIONELLEN DREIGLIEDERUNG DES MENSCHLICHEN ORGANISMUS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist unter der funktionellen Dreigliederung des menschlichen Organismus gemeint?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ergebnis von 30 Jahren Forschung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Gedanke der funktionellen Dreigliederung des menschlichen Organismus beruht auf dreißig Jahren Forschung Rudolf Steiners über den Leib-Seele-Zusammenhang, die er erstmals 1917 im Anhang seines Buches &#039;&#039;„Von Seelenrätseln“&#039;&#039; publizierte.[1] Er kam zu der Einsicht, dass die menschlichen Seelenfähigkeiten des Denkens, Fühlens und Wollens nicht vom Nervensystem &#039;&#039;erzeugt&#039;&#039; werden – im Gegenteil: Das Nervensystem wird durch sie aufgebaut und durch regelmäßige Nutzung erhalten. Er erkannte darüber hinaus, dass die genannten seelischen Grundfähigkeiten sich durch den ganzen Menschen ausdrücken, der schon von der dritten, vierten Woche der Embryonalentwicklung an eine dreigliedrige Gestalt aufweist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Dreigliederung und Denken, Fühlen und Wollen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Steiner fand heraus, dass sich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* nur das wachbewusste &#039;&#039;Denken und die Sinnesbeobachtung&#039;&#039; auf die Funktion des &#039;&#039;&#039;Nerven-Sinnes-Systems&#039;&#039;&#039; stützen. Dazu gehören auch die Vorstellungen, die wir uns von unseren Gefühls- und Willenserlebnissen machen.&lt;br /&gt;
* Das &#039;&#039;Gefühlsleben&#039;&#039; hingegen zeigte sich ihm in unmittelbarer funktioneller Resonanz mit der &#039;&#039;&#039;rhythmischen Funktionsordnung&#039;&#039;&#039; von Herz-Kreislaufsystem und Atmung.&lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;Willenstätigkeit&#039;&#039; wiederum sah er als Ausdruck der &#039;&#039;&#039;Stoffwechsel- und Gliedmaßentätigkeit&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Man muss nur die Physiologie des Atmungsrhythmus im rechten Lichte sehen, so wird man umfänglich zur Anerkennung des Satzes kommen: die Seele erlebt fühlend, indem sie sich dabei ähnlich auf den Atmungsrhythmus stützt wie im Vorstellen auf die Nervenvorgänge. - Und bezüglich des Wollens findet man, dass dieses sich in ähnlicher Art stützt auf Stoffwechselvorgänge. Wieder muss da in Betracht gezogen werden, was alles an Verzweigungen und Ausläufern der Stoffwechselvorgänge im ganzen Organismus in Betracht kommt. Wie dann, wenn etwas ‚vorgestellt‘ wird, sich ein Nervenvorgang abspielt, aufgrund dessen die Seele sich ihres Vorgestellten bewusstwird, wie ferner dann, wenn etwas ‚gefühlt‘ wird, eine Modifikation des Atmungsrhythmus verläuft, durch die der Seele ein Gefühl auflebt: so geht, wenn etwas ‚gewollt‘ wird, ein Stoffwechselvorgang vor sich, der die leibliche Grundlage ist für das als Wollen in der Seele Erlebte.“&#039;&#039;&#039;[2]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Begründung mit wissenschaftlichen Mitteln&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Erlanger Anatomie-Professor &#039;&#039;Dr. Johannes Rohen&#039;&#039; trug in seinen Lehrbüchern für Anatomie[3] dieser funktionellen dreigliedrigen anatomischen Ordnung Rechnung. &#039;&#039;Professor Dr. rer. nat. Wolfgang Schad&#039;&#039; arbeitete diesen Aspekt in einer konsequent durchgeführten Darstellung der Entwicklung der Wirbeltiere im Vergleich zum Menschen auf.[4] Rudolf Steiner war sich bewusst, dass seine Entdeckung der seelischen Dreigliederung in Verbindung mit der körperlich-physiologischen und deren naturwissenschaftliche Begründung einer umfangreichen Publikation bedurft hätte, die er während des Ersten Weltkrieges jedoch nicht leisten konnte. Er schreibt: &#039;&#039;„Ihre Begründung kann durchaus mit den heute vorhandenen wissenschaftlichen Mitteln gegeben werden. Dies würde der Gegenstand eines umfangreichen Buches sein, das in diesem Augenblicke zu schreiben, mir die Verhältnisse nicht gestatten.“&#039;&#039;&#039;[5]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Schad und Rohen haben diese umfangreiche Arbeit inzwischen weitgehend geleistet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was macht diese Sichtweise des menschlichen Organismus auch für den gesundheits-wissenschaftlichen Ansatz so wertvoll?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie verknüpft drei Aspekte miteinander:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Sie macht den polaren Bau des menschlichen Organismus funktionell und morphologisch transparent.&lt;br /&gt;
# Sie liefert eine pathologisch und therapeutisch relevante Erklärung des Leib-Seele-Zusammenhangs.&lt;br /&gt;
# Sie führt nicht nur zu einer neuen Sicht auf die Entstehung von Krankheit, sondern auch zu einem Konzept für die Entstehung und Erhaltung von Gesundheit (Salutogenese, Hygiogenese).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Polarität und ausgleichende Mitte&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Morphologisch betrachtet sind die Rundheit der Schädelform und die radiale Form der Gliedmaßen echte Polaritäten. Entsprechend polar stehen auch die bewussten, im Kopf zentrierten Denk- und Sinnestätigkeiten den unterhalb des Zwerchfells lokalisierten unbewussten metabolischen Auf- und Abbauvorgängen gegenüber. Dazwischen entfalten sich die rhythmischen Transport- und Verteilungssysteme, wie sie von den Atmungsorganen und dem Herzen als Mittelpunkt des Kreislaufsystems ausgehen. Diese dreiteilige morphologische Grundgliederung bezeichnet Steiner mit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Nerven-Sinnes-System&#039;&#039; (NSS): die überwiegend im Kopf zentrierte &#039;&#039;&#039;„obere Organisation&amp;quot;&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;rhythmisches System&#039;&#039; (RS): die überwiegend im Thorax lokalisierte &#039;&#039;&#039;„mittlere Organisation&amp;quot;&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Stoffwechsel-Gliedmaßensystem&#039;&#039; (STGS): die überwiegend im Abdomen lokalisierte &#039;&#039;&#039;„untere Organisation&amp;quot;&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Dreigliederung entspricht bereits die Polarität von Ektoderm und Entoderm und den sich aus dem Zusammenspiel beider ergebenden sekundären mesodermalen Strukturen in der Embryonalentwicklung. Sie findet sich aber auch in der Formation des Skelettes wieder: Wirbelsäule und Brustkorb haben einen rhythmisch gegliederten Aufbau (Wirbel, Rippen), im Gegensatz zur radialen Form der Extremitäten und der sphärischen des Kopfes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Beispiele sollen verdeutlichen, dass sich die funktionelle Gliederung nach drei Funktionsaspekten räumlich im polaren Aufbau des Körpers mit einer rhythmisch gestalteten Mitte abbilden.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Dreigliederung anstatt Dreiteilung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Bei der funktionellen Dreigliederung geht es nicht um eine Dreiteilung in drei streng abgegrenzte Körper-Regionen, sondern um das Ineinandergreifen drei unterschiedlicher Funktionsweisen, die sich in allen drei Bereichen wiederfinden lassen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Selbstverständlich gehört auch der &#039;&#039;Nervenzell-Stoffwechsel&#039;&#039; den &#039;&#039;&#039;Stoffwechsel-funktionen&#039;&#039;&#039; an. &lt;br /&gt;
* Umgekehrt ist das &#039;&#039;vegetative Nervensystem&#039;&#039;, das wahrnehmend und regulierend auf das gesamte Stoffwechselgeschehen einwirkt, Bestandteil des &#039;&#039;&#039;Nervensinnessystems&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
* Entsprechend ist das rhythmische System mit seinen Funktionsleistungen auch im Nervensinnes-System und beim Stoffwechsel wirksam: Die &#039;&#039;kurzwelligen Rhythmen der elektrochemischen Hirnpotentiale&#039;&#039; im Sekundenbereich und die &#039;&#039;langwelligen Eigenrhythmen der Stoffwechselorgane&#039;&#039; (z.B. Magen / Darmmotilität) im Stundenbereich sind Teil der &#039;&#039;&#039;rhythmischen Gesamtordnung&#039;&#039;&#039; im dreigliedrigen Organismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Beispiele sollen verdeutlichen, dass es sich bei der Dreigliederung nicht um eine Dreiteilung, sondern um eine funktionelle Gliederung nach drei Funktionsaspekten handelt, die sich gleichzeitig räumlich im polaren Aufbau des Körpers abbildet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Von Seelenrätseln&#039;&#039;. GA 21. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1983.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ebenda, S. 152 - 153.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] U.a.: Johannes W. Rohen, &#039;&#039;Morphologie des menschlichen Organismus. Versuch einer goetheanischen Gestaltlehre des Menschen,&#039;&#039; Stuttgart 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Wolfgang Schad, &#039;&#039;Säugetiere und Mensch. Zur Gestaltbiologie vom Gesichtspunkt der Dreigliederung&#039;&#039;. Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 1985.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Von Seelenrätseln&#039;&#039;. GA 21. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1983 , S. 150.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== BEGABUNGEN DES PHYSISCHEN LEIBES ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was verdanken wir dem physischen Leib?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wozu befähigt er uns?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Erleben der eigenen Egoität durch den Körper&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der physische Leib ist in Form, Funktion und Plastizität seiner Organe die Grundlage für jedwede Begabungsäußerung des Menschen. Seine Größe, seine Kraft, die Qualität der Sinneswahrnehmungen durch die Sinnesorgane – all das setzt Maßstäbe für bestimmte Entwicklungen und auch Grenzen für bestimmte Leistungsmöglichkeiten. Wer mit einem absoluten Gehör geboren wird, ist prädisponiert für eine musikalische Begabung, und wer einen kräftigen Muskelbau hat, ist zu physischer Kraftentfaltung oder zu sportlichen Höchstleistungen veranlagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt aber auch eine Reihe verborgener Qualitäten, die wir unserem physischen Leib verdanken, allen voran das Erlebnis unserer Egoität, unserer individuellen Persönlichkeit. Nur dadurch, dass wir in einem von der Umwelt abgegrenzten Leib tätig sind, können wir zu dem Erlebnis unserer Eigenheit kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn schon im Bereich des Ätherischen, das keine Raumstruktur mehr hat, sondern eine zyklisch arbeitende Zeitstruktur besitzt, ist die Abgrenzung und damit auch das Erleben der Eigenheit und Eigenständigkeit nicht mehr in der Weise gegeben wie im Physischen. Daher ist die Pflege der Integrität des physischen Leibes von so großer Bedeutung, insbesondere während der Vorschulzeit. Übergriffe im Physischen, ob nun in Form von übertriebener Zärtlichkeit, Gewalt oder aber als sexueller Missbrauch, stellen über seine vielfältig miteinander vernetzten Sinnesorgane immer zentrale Angriffe auf das Persönlichkeits- und Selbsterleben des Kindes dar und veranlagen im physischen Leib bleibende Kränkungen bzw. Störungen im Selbsterleben und der daraus erwachsenden Selbstachtung. Das Gefühl, Herr im eigenen Hause zu sein, ist die Basis eines gesunden Selbsterlebens im Physischen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Gesundes Denken durch gesunde Physis&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Doch auch ein klares Vorstellungsvermögen ist an die Intaktheit des physischen Gehirns und der Sinnesorgane gebunden. So wahr es ist, dass die Gedanken ihren Sitz im ätherischen Organismus haben, so wahr und selbstverständlich ist es auch, dass sie nur mithilfe des Gehirns und der daran angeschlossenen Sinnesorgane als Vorstellungen reflektiert werden können. Daher hat die Pflege der Sinnesfunktionen,[1] des Bewegungsspiels und der körperlichen Geschicklichkeit eine wichtige Bedeutung im Hinblick auf die Gehirnbildung und die Ausbildung eines gesunden Vorstellungslebens. Der physische Leib verdankt seine Ausformung nicht nur Vererbung und Umwelt, sondern auch dem Interesse und der Aufmerksamkeit, mit denen das Kind seiner Umwelt begegnet und Beziehungen zu bestimmten Menschen aufnimmt: Indem es sie nachahmt, wird sein Körper auf sinnvolle Weise tätig. Denn jede Form von körperlicher Tätigkeit stimuliert zugleich die physiologischen Abläufe und damit auch die Bildung der Organe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der physische Leib dient so&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* der Selbstwahrnehmung im Physischen, der Egoität im besten Sinne des Wortes&lt;br /&gt;
* dem Ätherleib als Grundlage für Reflexion und Vorstellungsvermögen&lt;br /&gt;
* dem Astralleib als Grundlage für sein Empfindungsleben&lt;br /&gt;
* dem „Ich“-Wesen des Menschen vermittelt er die Fülle an Wahrnehmungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Schädigung durch Fehlstimulation der Sinne&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die allgemeine Bewegungsarmut, technisches Spielzeug, durch das Kinder nur zu wenig Eigenbewegung anregt werden, das sie stattdessen zu Kontrolleuren sich raffiniert bewegender Spielzeuge macht, und nicht zuletzt der Fernseh- und Medienkonsum gehören zu den Faktoren, die den physischen Leib am schlimmsten schädigen. Kaum etwas wirkt verheerender als die umfassende Fehlstimulation der Sinne durch den Bildschirm:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Keine Farbe stimmt mit der der Wirklichkeit überein.&lt;br /&gt;
* Keine Proportion, kein Größenverhältnis entspricht einer normalen Sinnesbeobachtung, bei der sich alle Sinne – Auge, Ohr, Geschmack, Geruch usw. – aufeinander abstimmen und in ihrem Zusammenwirken zur Totalität eines bestimmten Sinneseindrucks beitragen.&lt;br /&gt;
* Nicht einmal das Auge hat die Möglichkeit, das räumliche Sehen zu üben, da alle Bilder zweidimensional auf der Fläche erscheinen. Die Augenmuskeln können sich dem Sinneseindruck nicht aktiv anpassen, indem sie sich, wie sonst beim Sehen, um den Gegenstand herum oder mit dem Gegenstand bewegen. Beim Fernsehen wird dem Auge diese Aktivität abgenommen: Das Bild auf dem Schirm bewegt sich, das Auge ist reglos und starr auf den Bildschirm gerichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man macht sich diesen Effekt in Augenkliniken zunutze, um die Augen bei Augenmuskeloperationen möglichst ruhigzustellen: Nichts wirkt effizienter, als einige Stunden fernzusehen. Denn selbst im Schlaf bewegen sich die Augäpfel in regelmäßigen Abständen hinter den geschlossenen Lidern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer die Inkarnation des Menschen-Ich im physischen Leib in umfassender Weise fördern möchte, sieht sich gezwungen – auch wenn dies gegenwärtig aus dem Rahmen üblicher Kulturgewohnheiten fällt –, den Bildschirm und technisches Spielzeug insbesondere aus dem Vorschulalter komplett zu verbannen und dem Kind die Auseinandersetzung mit der Umwelt so, wie sie wirklich ist, zu gönnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Folgen von Medienkonsum im Vorschulalter&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der Schule zeigen sich die Folgen einer Fehlerziehung auf diesem Gebiet in Form von&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Nachahmungsschwäche&lt;br /&gt;
* einer nicht genügend ausgebildeten Bewegungsorganisation&lt;br /&gt;
* Störungen in der Abstimmung der Sinnesfunktionen aufeinander&lt;br /&gt;
* Defiziten in der Sprachentwicklung&lt;br /&gt;
* Unfähigkeit, intentional mit gerichteter Aufmerksamkeit zuzuhören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn am Bildschirm nimmt man ständig mehr Informationen auf, als man verarbeiten kann, und man lernt auch nicht wiederzugeben, was man gehört und gesehen hat. Überdies werden Medien oft als Geräuschkulisse genommen, während man sich mit etwas ganz anderem beschäftigt. Entsprechend wird auch der Lehrer oft als Geräuschkulisse erlebt und behandelt – und nicht wie ein Mensch, dem man mit Interesse und Aufmerksamkeit begegnen sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der schlimmste Schaden für das spätere Leben erwächst jedoch aus der Inaktivität des eigenen Denkens: Das Gehirn bildet sich zu einem Instrument passiver Informationsaufnahme und -verarbeitung. Aktiv zu hinterfragen, sich auseinanderzusetzen, sich selbst Bilder von einer Sache zu machen, selbständig zu denken – dafür eignet es sich kaum noch. Das führt dazu, dass die Bereitschaft, selbst aktiv und kreativ zu werden, aber insbesondere der Wille, selbstständig zu denken, nachlassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ergebnis ist eine „Zuschauergesellschaft“, die zwar intelligent registriert, jedoch damit rechnet, dass es für jedes Problem einen Zuständigen gibt und Selbständigkeit und Mitverantwortung immer weniger gefragt sind. Demgemäß hört man immer wieder von erfolgreichen, kreativen Menschen, die im späteren Leben dankbar auf ihre fernsehfreie bzw. fernseharme Kindheit zurückblicken bzw. jetzt froh sind, dass sie in Kindheit und Jugend viel zupacken mussten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Übung macht den Meister&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Zudem zeigt die tägliche Erfahrung bei jedem sportlichen Training, dass der physische Leib nur durch Aktivität seine Funktionen ausbilden kann. Das Gleiche gilt auch für die feineren inneren Vorgänge im Leibe. Was nicht geübt wird, bleibt unentwickelt, was fehlstimuliert wird, bildet eine ungeordnete Veranlagung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je jünger der physische Leib ist, umso bildsamer und prägbarer und umso verwundbarer ist er. Erst mit zunehmendem Alter kann er kränkenden Einflüssen mehr Widerstandskraft entgegensetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wird die Sinneserziehung vernachlässigt und der Welt, den Menschen und den täglichen Begebenheiten keine liebevolle Aufmerksamkeit geschenkt, werden schwerwiegende Behinderungen der Selbst- und Welterfahrung veranlagt, die schon in der Schulzeit zu Desinteresse und Lernstörungen führen können. Diese Entwicklung gehört zu den wichtigsten Ursachen, warum der Drogenkonsum in unserer Zeit so zunimmt: Der Erlebnismangel und der damit verbundene Mangel an Selbsterfahrung durch nicht oder fehlausgebildete Sinnesfunktionen wird früher oder später als unerträglich empfunden – man sucht dann eine Ersatzbefriedigung in der durch die Drogen vermittelten Erlebnisintensität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Begabungen und Behinderungen“, 8. Kapitel, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2004&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Beiträge zur Rudolf Steiner Gesamtausgabe, Nr. 34: &#039;&#039;Aufzeichnungen Rudolf Steiners zur Sinneslehre.&#039;&#039; Dornach, Sommer 1971.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== BEGABUNGEN DES ÄTHERLEIBES ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sind die Begabungen des Ätherleibes?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Gesetzmäßigkeiten, die tote Materie am Leben erhalten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Laut Rudolf Steiner umfasst der Lebens- bzw. Ätherleib alle Gesetzmäßigkeiten, die in der Lage sind, tote Materie am Leben – im Lebenszusammenhang – zu erhalten.[1] Der Begriff „Leib“ steht für den Funktionszusammenhang des Lebendigen, Belebenden. Das Wort „Äther“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet „himmelblau“ bzw. „blauer Himmel“, „Firmament“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Wortkombination macht Sinn, weil das blaue Himmelslicht, der von der Sonne erhellte Himmelsraum, die Pflanzenwelt mit Energie versorgt, durch die sie Blattgrün, das Chlorophyll, bilden kann. So wie die Pflanze nur dank dieser Verbindung mit dem Kosmos und der Sonne leben kann, so verfügt auch der Mensch, dem die Pflanzenwelt als Nahrung dient, über einen in sich geschlossenen individualisierten Lebensorganismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Tätigkeit des Ätherleibes im menschlichen Organismus ist polar orientiert:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
·      Ein Teil dient am Lebensanfang vor allem dem Wachstum und später der Regeneration des physischen Leibes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
·      Der andere Teil löst sich von Anfang an im Laufe der Entwicklung bzw. später im Zuge des Alterungsprozesses in dem Maße aus der Leibgebundenheit heraus, in dem Wachstums- und Reifungsschritte vollendet wurden und diese Lebenskräfte nicht mehr für Wachstum oder Regeneration gebraucht werden: Sie verlassen den physischen Leib und ermöglichen ein sich lebenslang entwickelndes Gedankenleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Einflüsse auf den Ätherleib&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Diese bahnbrechende Einsicht in den Leib-Seele-Zusammenhang verdanken wir Rudolf Steiner: Er entdeckte die Doppelfunktion des Ätherischen und damit den Schlüssel, wieso und inwiefern das Gedanken- und Geistesleben des Menschen Einfluss hat auf die körperliche Gesundheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Was den Ätherleib stärkt ====&lt;br /&gt;
Gedächtnisschwächen sind Willensschwächen im Gedankenleben. Sie können positiv beeinflusst werden durch Aufmerksamkeitsübungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann z.B. allein oder mit einem Kind zusammen konzentriert ein Ding, einen Vorgang oder ein Lebewesen beobachten, es von allen Seiten betrachten und mit Hilfe der Sinne als Wahrnehmungsinhalt aufnehmen und einprägen. Oder man legt gemeinsam etwas an einen bestimmten Ort, den man sich genau anschaut und merkt – das stärkt die Erinnerungsfähigkeit daran, wo man etwas hingelegt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wichtiges Stärkungsmittel für den Ätherleib sind gute Gewohnheiten: regelmäßige Essens- und Schlafenszeiten, Wechsel von Arbeit und Spiel etc. Alles, was mit Rhythmus und Regelmäßigkeit zusammenhängt, ist ätherisches Gebiet – denn „Rhythmus trägt Leben“, wie Rudolf Steiner es dem Chemiker Rudolf Hauschka gegenüber ausdrückte.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher ist auch regelmäßiges Üben, wie es beim künstlerischen Tun üblich ist, so gesundend. Das gilt auch für regelmäßiges kontemplatives oder religiöses Üben wie Beten, abendliche Rückschau auf den Tag und das Üben von Qualitäten wie Dankbarkeit, Andacht, Ehrfurcht, Zufriedenheit, Friedensfähigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das Auf-sich-wirken-Lassen von „Ganzheiten“ – wie schöne Landschaften, Bildwerke, Musikstücke – stärkt den Lebenszusammenhang des Ätherleibes. Besonders wichtig ist jedoch ein soziales Klima der Wahrhaftigkeit. Denn im Kontext der sorgfältig aufeinander abgestimmten Lebensfunktionen zieht jede Störung der „Stimmigkeit“ und des aufeinander Abgestimmt-Seins funktionelle Störungen nach sich, die sich im Laufe der Zeit zunehmend bemerkbar machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht nur der lebendige Körper braucht Pflege. Auch der Gedankenorganismus bedarf der Pflege durch übereinstimmende Gedanken, Integrität, Transparenz und Wahrhaftigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Was den Ätherleib schwächt ====&lt;br /&gt;
Verlogenheit, Argwohn und Zweifel zehren an den ätherischen Kräften und untergraben den Lebenszusammenhang und das Zusammenstimmen der Lebensfunktionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inkohärentes Denken schädigt den physischen Leib während der Nacht, wenn der bei Tag leibfreie Ätherleib sich im Schlaf wieder mit dem leibgebundenen Anteil verbindet, um an der Regeneration des Leibes zu arbeiten. Dann teilen sich Schädigungen, die der tagsüber dem Denken dienende ätherische Organismus erfahren hat, unmittelbar dem physischen Leib mit. Am nächsten Morgen ist der Erfrischung eine leise Kränkung beigemischt. Setzen sich solche destruktiven Einflüsse über Jahre hinweg fort, kann das noch in diesem Erdenleben zur Ausbildung einer Krankheit führen. Wenn der Ätherleib über viel Überschusskraft verfügt, kommt es erst im nächsten Erdenleben zu Krankheitsdispositionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Pflege der ätherischen Kräfte und Monatstugenden&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Zur Pflege der ätherischen Kräfte des Erwachsenen kann die Arbeit an den sogenannten Monatstugenden eine große Hilfe sein.[3] Das stößt neue Gewohnheiten und eine Gesinnung der Wahrhaftigkeit, Liebe und Großzügigkeit an. Die Tugenden werden jeweils einen Monat lang geübt – denn der Vier-Wochen-Rhythmus stärkt die ätherischen Kräftezusammenhänge. Rudolf Steiner empfiehlt, diese Monatstugenden regelmäßig zu üben und darauf zu achten, wie sich dabei die jeweilige Tugend vertieft, aber auch verwandelt und zu einer &#039;&#039;neuen Tugend&#039;&#039; wird, die dann ganz das Ergebnis der eigenen Arbeit an der ersten ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Monatstugenden sind:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
April                &#039;&#039;&#039;Ehrfurcht&#039;&#039;&#039;                                           wird zu            Opferkraft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mai                 &#039;&#039;&#039;Inneres Gleichgewicht&#039;&#039;&#039;                      wird zu            Fortschritt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Juni                 &#039;&#039;&#039;Ausdauer&#039;&#039;&#039;                                           wird zu            Treue&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Juli                  &#039;&#039;&#039;Selbstlosigkeit&#039;&#039;&#039;                                   wird zu            Katharsis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
August            &#039;&#039;&#039;Mitleid&#039;&#039;&#039;                                               wird zu            Freiheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
September     &#039;&#039;&#039;Höflichkeit&#039;&#039;&#039;                                         wird zu            Herzenstakt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oktober          &#039;&#039;&#039;Zufriedenheit&#039;&#039;&#039;                                    wird zu            Gelassenheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
November      &#039;&#039;&#039;Geduld&#039;&#039;&#039;                                               wird zu            Einsicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dezember      &#039;&#039;&#039;Gedankenkontrolle  &#039;&#039;&#039;                         wird zu                                            Wahrheitsempfinden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Januar            &#039;&#039;&#039;Mut&#039;&#039;&#039;                                                    wird zu            Erlöserkraft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Februar          &#039;&#039;&#039;Diskretion&#039;&#039;&#039;                                          wird zu            Meditationskraft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
März               &#039;&#039;&#039;Großmut&#039;&#039;&#039;                                            wird zu            Liebe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das mag auf Anhieb etwas kompliziert klingen, hängt jedoch mit unserer Ich-Natur zusammen: Die erstgenannten Tugenden sind gleichsam in unserer allgemeinmenschlichen Konstitution veranlagt. Jeder Mensch kann die Ansätze dazu bei sich entdecken und darauf aufbauend mit dem Üben beginnen. Die &#039;&#039;zweitgenannten Tugenden&#039;&#039; ergeben sich erst aus der Arbeit an den erstgenannten. Das Bemerkenswerte ist, dass sie sich nur entwickeln, wenn man die erstgenannten Tugenden um ihrer selbst willen übt, aus Liebe dazu und zur Menschwerdung überhaupt – also nicht nur, um im Leben mehr Erfolg zu haben und „Charakterstärke“ zu besitzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Begabungen und Behinderungen“, 8. Kapitel, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2004&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Theosophie.&#039;&#039; GA 9.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] vgl. Rudolf Hauschka, &#039;&#039;Wetterleuchten einer Zeitenwende&#039;&#039;. Bad Boll 1997.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Anweisungen für eine esoterische Schulung&#039;&#039;. GA 245, vergriffen. Neu in: &#039;&#039;Seelenübungen mit Wort- und Sinnbildmeditationen.&#039;&#039; GA 267, Dornach 1997.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== EINFLUSS VON ÄL UND AL AUF DEN NATRIUM-KALIUM-GRADIENTEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie beeinflussen insbesondere der Ätherleib und der Astralleib in Ruhe und Erregung den Natrium-Kalium-Gradienten?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann der Mensch durch Ernährung und Lebensführung ausgleichend ein greifen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Wirkung hat die Heilpflanze Anagallis arvense?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zusammenspiel von Ätherleib und Astralleib auf zellulärer Ebene&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Otto Wolff&#039;&#039; hat in seiner &#039;&#039;„Biochemie“&#039;&#039; den Bezug von Kalium und Natrium zu Ätherleib und Astralleib herausgearbeitet.[1] Auf zellulärer Ebene zeigt sich das Zusammenspiel von Ätherleib und Astralleib an der Zellmembran:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Im Ruhezustand&#039;&#039;&#039; ist in der Zelle überwiegend Kalium vorhanden, im extrazellulären Milieu herrscht Natrium vor. Hier arbeitet der Ätherleib am &#039;&#039;Aufbau des Organismus&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Bei Erregung&#039;&#039;&#039; strömt Kalium aus und Natrium in die Zelle ein. Dabei dominiert der Astralleib. Dadurch wird die ätherische Aufbautätigkeit gegenüber der dominierenden astralischen, die &#039;&#039;abbauend&#039;&#039; ist, geschwächt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während das Kalium den Ätherleib darin unterstützt, das Wasser in lebendiger Zirkulation zu halten und damit auch eine die Diurese regulierende Wirkung hat, bewirkt ein erhöhter Natriumgehalt bei Mensch und Tier – z. B. in Form salzreicher Ernährung – Wassereinlagerung und hohen Blutdruck. Dauerstress und Bewegungsmangel, sowie eine gemüsearme – und damit kaliumarme Ernährung – fördern eine Verschiebung des Natrium-Kalium-Gradienten und den Überschuss an fixen Säurebildnern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Anagallis arvense (Ackergauchheil) als Heilpflanze&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In den letzten Absätzen von Kapitel VII von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[2]&#039;&#039; wird darauf hingewiesen, dass man dem ‚Naturvorbild‘ der Selbstheilung im gesunden Organismus auch Analogien für den Krankheitsfall entnehmen kann. In diesem Zusammenhang erwähnen Rudolf Steiner und Ita Wegman die Heilpflanze &#039;&#039;Anagallis arvense&#039;&#039;, mit ihren kleinen rot oder blau blühenden fünfzähligen Blütensternen. Sie ist eine in der Volksmedizin gut bekannte Gift- und Arzneipflanze mit diuretischer und narkotischer Wirkung bei Tier und Mensch. In hohen Dosen kann ihre Einnahme auch töten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Autoren berufen sich hier nicht auf die schon bekannten Inhaltstoffe, sondern auf das besondere Verhältnis, das in dieser Pflanze zwischen Kalium und Natrium gegeben ist, durch die – wenn es von außen zugeführt wird – die Ich-Organisation im Darmgebiet angeregt wird.[3] Diese Wirkung kann noch dadurch verstärkt werden, dass man nach dem Modell dieser Heilpflanze eine mineralische Komposition herstellt, indem man Kalium und Natrium mit Schwefel verbindet (Natrium- und Kaliumsulfuricum): &#039;&#039;„[...] Der Schwefel hat nämlich die Eigentümlichkeit, dass er dem Aufhalten des Eiweißzerfalles dient; er hält gewissermaßen die organisierenden Kräfte in der Eiweißsubstanz zusammen.“[4]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist interessant, dass Rudolf Steiner und Ita Wegman in diesem Kapitel, das den Selbstheilungskräften gewidmet ist, &#039;&#039;„Stockungen im Unterleibe“[5]&#039;&#039; als Beispiel für die unzureichende Heilwirkung des Organismus anführen. Sehr oft sind Verstopfungssymptome und Darm-Koliken Ernährungs- und lebensstilbedingte Verdauungsstörungen, d.h. Probleme, deren Lösung in der Selbstverantwortung der Betroffenen liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[6]&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. Wolff (2013) 293–297.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27, Kap. VII.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Kalium kommt reichlich in allen Pflanzenaschen (‚Pottasche‘ mit viel Kaliumcarbonat) vor und ist für die Wasseraufnahme in die Pflanze essentiell.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe FN 2, S. 41.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Siehe FN 2, S. 40.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== BEGABUNGEN DES ASTRALLEIBES ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Kompetenzen und Fähigkeiten verdanken wir dem Astralleib?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wirkt er auf die anderen Wesensglieder?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wirkung des Astralleibs auf die anderen Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dem Astralleib verdanken wir&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;im Physischen&#039;&#039; die Bewegungsfähigkeit und die Emotions- und Begierdenatur, die Mensch und Tier gemeinsam haben&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;im Ätherischen&#039;&#039; die Veranlagung unserer Triebnatur&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;im Astralischen&#039;&#039;, befreit vom Physischen und Ätherischen, als leibfreie, rein seelische Tätigkeit das Gefühlsleben der Seele&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;im ich-haft Geistigen&#039;&#039; die Möglichkeit der Bewusstseinsbildung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Einflüsse auf den Astralleib&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Was den Astralleib schwächt ====&lt;br /&gt;
Nichts schwächt den Astralleib mehr als selbstbezogenes Brüten in sich selbst wie unfruchtbare „Nabelschau“, aber auch gewohnheitsmäßiges Kritisieren anderer. Das hat zur Folge, dass „sich nichts mehr bewegt“, dass durch die Fixierung auf sich selbst oder ein Problem Stagnation statt Verwandlung herrscht. Auch das Verweilen bei Reuegefühlen und Gewissensbissen lähmt die Regsamkeit des Astralleibes. Führen Gewissensbisse allerdings dazu, den Menschen auf Fehler und Schwächen hinzuweisen, sind sie wertvoll. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Was den Astralleib stärkt ====&lt;br /&gt;
Interesse und Offenheit gegenüber Welt und Mensch stärken und pflegen den Astralleib. Wohlwollen und Zuversicht sind Kräfte, die den Astralleib beweglich halten, anregen und ihm helfen, mit den Sympathien und Antipathien – sprich, der wogenden Gefühlswelt des Astralischen – konstruktiv umzugehen, sodass der Mensch Vorlieben und Abneigungen nicht nur auslebt, sondern als Signale zu verstehen lernt, die ihm etwas über sich selbst und andere sagen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entscheidend ist jedoch, dass das Gefühlsleben von Gedanken durchzogen wird, also einen klaren „Anschluss“ an das denkende Erkennen bekommt und sich von seinem kindlichen Verhaftet-Sein an den Leib und das an ihn gebundene Wollen lösen lernt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim kleinen Kind ist es berechtigt, dass es seinen Trieben, Begierden und Neigungen unmittelbar und spontan folgt und diese erst am Vorbild der Erwachsenen durch die Nachahmungsfähigkeit erzogen und geformt werden. Im Erwachsenenalter hat dieses Sich-Ausleben keine Berechtigung mehr. Die orientierende Kraft der Nachahmung sollte im Verlauf des Erziehungsprozesses vom freien verantwortlichen Gebrauch des eigenen Willens ersetzt und das Gefühlsleben an das erwachende und immer selbstständiger werdende Denken angeschlossen worden sein. Misslingt dieser Anschluss an das Denken, wird das Gefühlsleben sekundär wieder an den Leib gebunden. Dann ist der Mensch seinen bedürfnisorientierten Emotionen ausgeliefert: Er muss ihnen folgen, auch wenn seine Vernunft dagegenspricht und ihn davon abhalten möchte. Damit ist die konstitutionelle Voraussetzung geschaffen, ein Triebtäter zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die sogenannten Nebenübungen – Gedanken-, Handlungs- und Gefühlskontrolle, Positivität und Unbefangenheit sowie deren Zusammenwirken – sind grundlegende Hilfen bei der Selbsterziehung des Erwachsenen, den Astralleib zu pflegen und unter die Herrschaft des Ich zu bringen.[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Begabungen und Behinderungen“, 8. Kapitel, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2004&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner&#039;&#039;, Die Geheimwissenschaft im Umriss.&#039;&#039; GA 13, Dornach I989, und &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?&#039;&#039;, GA 10, Dornach 1993.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Siehe auch Florin Lowndes, &#039;&#039;Die Belebung des Herzchakra&#039;&#039;. Stuttgart 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DER ASTRALLEIB ALS EMPFINDENDER ORGANISMUS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielt der Astralleib als empfindender Organismus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sind die typischen embryonalen Bildegesten des Astralischen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern ist unser astralisches Kräftesystem der Inspiration zugänglich?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Vom lebendigen zum empfindenden Organismus&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im Zentrum des IV. Kapitels von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; steht der ‚Astralleib‘ als Träger der menschlichen (und der tierischen) Empfindungen. Das Astralische ist ein ganzheitlich wirksames Kräftesystem, welches den lebendigen zum empfindenden Organismus umgestaltet und dadurch auch das Stoffwechselgeschehen grundlegend verändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Was in der &#039;&#039;&#039;ätherischen Organisation&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;unbewusstes Leben&#039;&#039; ist, und damit selbstlose Hingabe an die Kräfte der irdischen und kosmischen Umgebung, &lt;br /&gt;
* kann durch das &#039;&#039;&#039;Astralische&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;bewusstwerden&#039;&#039; und so zu einem individuellen Erleben, der Empfindung, führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Rätselhafte (Sinnes)empfindung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der gegenwärtigen naturwissenschaftlich orientierten Medizin wird die Empfindung primär neurophysiologisch und neuropsychologisch definiert. Auf dem Gebiet der Sinnesphysiologie gilt sie gemäß dem Reiz/Reaktionsprinzip als Elementarvorgang, als primär gegeben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Abweichung von diesem Trend sah &#039;&#039;Herbert Hensel&#039;&#039; die Sinnesphysiologie nicht nur als Eintrittstor in das Feld vielfältiger Phänomene im Bereich der Sinneswahrnehmungen an, sondern als eigenständiges Gebiet der Naturwissenschaft und als geeignet, neue Grundlagen für epistemologisches Denken zu bilden.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer sich mit der Wahrnehmung des Menschen befasst, wird in einen Bereich geführt, der vor und zwischen allen positiven Wissenschaften liegt. Die Sinneslehre als autonome Wissenschaft ist ein Niemandsland zwischen den etablierten Disziplinen. Gerade dadurch ist sie berufen, bei einer Neubesinnung auf die Grundlagen der Wissenschaften mitzuwirken und neue Erkenntniswege zu bahnen.[3]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Aus dem Physischen herausgehobene astralische Organisation&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel IV wird das astralische Kräftesystem (der Astralleib) in seinem Verhältnis zum Ätherischen und Physischen als aus diesen Kräftesystemen ‚herausgehoben‘ beschrieben.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am pflanzlichen Atmungsorgan – dem flächenhaften Blatt – zeigt sich im Laufe des Tag-Nacht-Rhythmus das Zusammenspiel der physischen und ätherischen Kräfte. Charakteristisch für die tierische und menschliche Organbildung sind dagegen die Prozesse der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Einstülpung, &lt;br /&gt;
* Organ-Abfaltung&lt;br /&gt;
* und Ausstülpung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie sind Bildegesten astralischer Natur und beginnen bereits in der frühen Embryonalentwicklung mit der sogenannten Gastrulation[5] und Neurulation[6]. Dadurch entstehen Innenräume und Berühr- und Begegnungsflächen, die für die weitere Zell- und Organdifferenzierung entscheidend sind. Wer dieses komplexe und großteils gleichzeitig verlaufende Organbildungsgeschehen ‚steuert‘, ist bisher nicht bekannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner und Ita Wegman beschreiben diesen aufeinander bezogenen Kräftebereich bereits in Kapitel I des genannten Werkes als den astralischen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;&#039;Pflanzensubstanz&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;überlässt sich ganz&#039;&#039; der Betätigung der aus- und einstrahlenden Außenkräfte des Ätherischen.&lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;&#039;tierische (und die menschliche) Substanzbildung&#039;&#039;&#039; zeigt dagegen, dass sie Wirkungen unterliegt, die sie &#039;&#039;von diesen Kräften unabhängig&#039;&#039; macht.[7]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Induktionsvorgänge im Zuge der Organbildung&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gut erforscht sind jedoch die sogenannten Induktionsvorgänge, d.h. man weiß, welche Gewebe zu welchem Zeitpunkt durch die gegenseitige Berührung das Auswandern bestimmter Zellen oder durch das Aussenden bestimmter Signalstoffe die Bildung eines Organs veranlagen, stimulieren oder vollenden helfen. Meist sind mehrere Faktoren dieser Art an der Organbildung beteiligt. Inzwischen gilt auch als gesichertes Wissen, dass die Induktionsprozesse vom umliegenden Gewebe, also von der Peripherie her, gesteuert werden und nicht zentral vom genetischen Apparat:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Gegenwärtig weisen die meisten Untersuchungsergebnisse darauf hin, dass weniger der genetische Apparat selbst, als vielmehr die unmittelbare Umgebung einschließlich der benachbarten Gewebe, diese Entscheidung, was sich wann differenziert und entwickelt, maßgeblich bestimmen. So erscheint die für die normale Funktion eines Organs notwendige hochdifferenzierte Struktur durch die exakte Koordination der Bildungsprozesse einzelner ihrer Bauelemente während der Embryonalentwicklung sowie durch die Interaktionen von Einzelfaktoren erreicht zu werden. Das induzierende Gewebe nennt man Induktor und das induzierte Gewebe Indukt. Dabei haben Experimente insbesondere bei der Bildung des Auges gezeigt, dass das Indukt sehr spezifisch sein muss, der Induktor jedoch deutlich unspezifischer sein kann; entscheidend ist jedoch der richtige Zeitpunkt in der Begegnung zwischen Induktor und Indukt für die Bildung eines gesunden Organs am richtigen Ort im Zusammenhang mit den zeitgleich sich bildenden Organen an anderen Orten. Drei Prozesse laufen so zeitlich präzise aufeinander abgestimmt ab: die Proliferation (Zellwachstum), die Differenzierung von Zellen und Organen, und die Induktion und damit auch Integration der einzelnen Bildungen in das Ganze.“[8]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Der Inspiration unmittelbar zugänglich&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die astralischen Kräfte sind der inspirierten Erkenntnis unmittelbar zugänglich: &#039;&#039;„Spricht man aber von ‚astralischer Welt‘, so geht man in Gemäßheit dessen, was das inspirierte Bewusstsein beobachtet, von den Wirkungen aus dem Weltumfang zu bestimmten Geist-Wesenheiten über, die in diesen Wirkungen sich offenbaren, wie in den von der Erde ausgehenden Kräften sich die Erdenstoffe offenbaren. Man spricht von aus den Weltenfernen wirkenden konkreten Geist-Wesenheiten, wie man beim sinnlichen Anblick des nächtlichen Himmels von Sternen und Sternbildern spricht. Daher der Ausdruck ‚astralische Welt‘.[9]&amp;lt;sup&amp;gt;,&amp;lt;/sup&amp;gt; [10]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ergänzend dazu heißt es in Kapitel IV: &#039;&#039;„Die ausstrahlenden Kräfte sind die irdischen, die einstrahlenden diejenigen des Welt-Umkreises der Erde; in den ‚astralischen‘ ist etwas vorhanden, das den beiden Kräftearten übergeordnet ist. Dies macht die Erde selbst erst zum Weltenkörper, zum ‚Stern‘ (astrum). Durch die physischen Kräfte sondert sie sich aus dem Weltall heraus, durch die ätherischen lässt sie dieses auf sich wirken; durch die ‚astralischen‘ Kräfte wird sie eine selbständige Individualität im Weltall.“[11]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ineinandergreifen von Physischem, Ätherischem und Astralischem&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In diesem Kontext wird verständlich, warum die Überschrift des IV. Kapitels &#039;&#039;„Vom Wesen des empfindenden Organismus“&#039;&#039; lautet. Tiere offenbaren eigenständig Wesenhaftes durch Empfindung, Bewegung, Intentionalität. Doch geht es den Autoren nicht nur darum, die unterschiedlichen Erscheinungsformen von Mineral, Pflanze und Tier dem Einfluss der verschiedenen Kräftewirkungen zuzuschreiben. Vielmehr ist der Blick wieder auf die Erdenstofflichkeit gerichtet, die sich unter dem Einfluss des dritten Kräftebereiches gegenüber der Pflanzensubstanz noch einmal grundlegend ändert und dadurch zum Träger der Empfindung werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Dominanz der astralischen Kräfte wird auch die Wirkungsweise der physischen und ätherischen Kräfte modifiziert. Beide Kräftebereiche sind den astralischen Kräften untergeordnet, wodurch es zu den Phänomenen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Tod&#039;&#039;&#039; (vorherrschende &#039;&#039;physische Kräfte&#039;&#039;),&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Schlaf&#039;&#039;&#039; (vorherrschende &#039;&#039;ätherische Kräfte&#039;&#039;),&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wachen&#039;&#039;&#039; (vorherrschende &#039;&#039;astralische Kräfte&#039;&#039;) kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während des Lebens wird der physische Leib des Tieres (und des Menschen) durch den Ätherleib daran gehindert, sich soweit mineralisierend und verhärtend zu betätigen, dass der Tod die Folge wäre. Entsprechend braucht der Ätherleib immer wieder Perioden, in denen er die Todesprozesse im physischen Leib kompensieren kann. Dafür muss er sich den astralischen Kräften so weit entziehen, dass Schlaf eintreten kann und der Astralleib für eine Zeit seiner Wirkmacht als Träger individuellen Bewusstseins und individueller Wesensäußerung enthoben wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Musikalische Natur des Astralischen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
So wie die ätherischen Kräfte plastisch-bildnerisch tätig sind, so sind die astralischen Kräfte im weitesten Sinne musikalischer Natur. Sie wirken über die Gesetze der Differenzierung, Intervallbildung, Polarisierung, der Dissonanz, Konsonanz und Resonanz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Sie finden sich in reiner Form in den Zahlengesetzen, die in Chemie und Biochemie beim Binden und Lösen der Stoffe walten. &lt;br /&gt;
* Aber auch – wie seit dem Altertum bekannt – in den Zahlengesetzen, die die Bewegungen der Sterne beherrschen, so wie dies von den Pythagoräern als Weltharmonik angesehen wurde und später dann von &#039;&#039;Kepler&#039;&#039; detaillierter ausgearbeitet worden ist.[12]&amp;lt;sup&amp;gt;,&amp;lt;/sup&amp;gt; [13] &lt;br /&gt;
* Dass Klänge eine differenzierende Wirkung auf Stoffe ausüben können, kann auch durch Experimente im Stil der Cladni’schen Klangfiguren anschaulich gemacht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[14]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27, Kap. IV.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Vgl. hierzu die Würdigung des Lebenswerkes von Herbert Hensel durch Gunther Hildebrandt (1983), 281f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Hensel (1989), 45–69. Herbert Hensel war nicht nur ein international renommierter Sinnesphysiologe, sondern auch Anthroposoph. Sein Urteil über Steiners Beitrag zur Wissenschaft ist auch im Kontext der EH hilfreich: „Die Bedeutung der Anthroposophie für die empirischen Wissenschaften liegt vor allem darin, daß sie Anregungen gibt und neue Fragestellungen aufwirft, die dann von der empirischen Forschung aufgegriffen und selbstständig bearbeitet werden können. Das bedeutet keine Beschränkung der geistigen Freiheit des Forschers, da er die Antworten auf die Fragen durch eigene Arbeit finden muß.“ Hensel (1989), 70–77.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Vgl. FN 1, S 24: &#039;&#039;„Man hat im tierischen Organismus einen Kräftebereich, der gegenüber dem von der Erde ausstrahlenden und in sie einstrahlenden unabhängig ist.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Gastrulation (von griech. gaster „Bauch eines Gefäßes“[1]) bezeichnet eine Phase der Embryogenese der vielzelligen Tiere, zu denen auch der Mensch gehört. Dabei stülpt sich die Blastula ein und es kommt zur Ausbildung der Keimblätter. (&amp;lt;nowiki&amp;gt;https://de.wikipedia.org/wiki/Gastrulation&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, ges. 29.11.2025).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Als Neurulation bezeichnet man die Bildung eines Neuralrohrs bei Chordatieren und damit auch beim Menschen. Das Neuralrohr ist die embryonale Anlage des späteren Zentralnervensystems (&amp;lt;nowiki&amp;gt;https://de.wikipedia.org/wiki/Neurulation&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, ges. 29.11.2025).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Vgl. FN 1, Kapitel IV, Abs. 3.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Vgl. Moore (2013), 15, 76, 559.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. FN 1, S. 8. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] ‚aster‘ heißt sowohl in der griechischen als auch in der lateinischen Sprache: Stern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Vgl. FN 1, S. 25.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Noch Goethe erwähnt „der Brudersphären Wettgesang“ zu Beginn des Faust im Prolog im Himmel. Siehe auch Livio (2023).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] Vgl. A. Husemann (2024).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== BEGABUNGEN DER ICH-ORGANISATION ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wodurch bemerken wir das Wirken der Ich-Organisation?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie können wir die Ich-Organisation in ihrem Wirken stärken?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ich-Organisation und Wärme&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Ich-Organisation stimmt im physischen Leib das Wirken aller Gesetzmäßigkeiten so aufeinander ab, dass dadurch eine bestimmte Persönlichkeit zur Erscheinung kommt. Ihre Hauptaufgabe besteht in der Integration in den Gesamtzusammenhang, in das Gesamtbild. Sie ist zuständig für die Gestaltung des Menschen hinsichtlich Form, Größe und Proportion und bedient sich dabei der Wärmeprozesse. So wie die Gesetzmäßigkeiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;des Physischen&#039;&#039;&#039; dem Aggregatzustand &#039;&#039;des Festen&#039;&#039; entsprechen,&lt;br /&gt;
* diejenigen &#039;&#039;&#039;des Ätherischen&#039;&#039;&#039; den Gesetzmäßigkeiten &#039;&#039;des Flüssigen&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* und die &#039;&#039;&#039;des Astralischen&#039;&#039;&#039; den Gesetzmäßigkeiten &#039;&#039;des Luftförmigen&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* so äußert sich &#039;&#039;&#039;die Ich-Organisation&#039;&#039;&#039; unmittelbar durch die Gesetzmäßigkeiten &#039;&#039;der Wärme.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztlich hängt es vom Wärmezustand des Organismus ab, in welcher Form eine Substanz vorliegt und wie schnell bzw. langsam sie sich mit anderen Substanzen verbindet oder sich von ihnen trennt. Die Arbeit der Ich-Organisation kann so an der Wärmewirkung abgelesen werden. Interessanterweise beschränkt sich dieser Wärmebildungs- und Verteilungsprozess im Menschen nie nur auf das Physische; die Wärme wird auch seelisch erlebt und wirkt geistig anregend. Umgekehrt wirkt eine im Seelisch-Geistigen „auflodernde“ Begeisterung bis ins körperliche Erleben hinein durchwärmend und positiv stimulierend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Sinneswelt hat die Wärme eine Brückenfunktion zwischen dem Physischen und dem Geistigen, die vergleichbar ist mit der Brückenfunktion des Denkens zwischen Materie und Geist. Wärme kann sowohl in physischer als auch in seelisch-geistiger Form auftreten und ist doch immer Wärme. Dadurch, dass dieses Wärmewesen von der Ich-Organisation individuell genützt wird, bekommt der geistig-physische Wesenszusammenhang sein persönliches Gepräge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Was die Ich-Organisation als Wärmeorganismus stärkt&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Durch die Ich-Organisation und ihre nicht materielle Wärmewirkung kann auch unser wahres höheres bzw. „besseres“ Selbst, unser ewiges Wesen hereinleuchten, ja sogar an&#039;&#039;wesend&#039;&#039; sein. Gestärkt wird die Ich-Organisation von positiven menschlichen Begegnungen. In der zwischen Menschen entstehenden seelisch-geistigen Wärme erlebt sich der Einzelne bestätigt und gefördert. Dabei sind ethische Werte und Lebensideale die besten Schulungsmittel:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wahrhaftigkeit im Umgang miteinander         &lt;br /&gt;
* Respekt vor der Freiheit und Würde des anderen&lt;br /&gt;
* Interesse an dessen Schicksal&lt;br /&gt;
* Anerkennen seiner Stärken&lt;br /&gt;
* Akzeptanz seiner Schwächen&lt;br /&gt;
* Vertrauen in seine weitere Entwicklung zum Guten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Der ewige Wesenskern&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das Ich, der ewige Wesenskern, lebt in der Kontinuität. Es geht durch viele Erdenleben und wird sich immer mehr seiner selbst bewusst; es stammt aus urferner Vergangenheit und schreitet weiter auf ein leuchtendes Entwicklungsziel zu. Qualitäten wie Zuverlässigkeit, Kontinuität, Belastbarkeit, Tragfähigkeit, Durchhaltevermögen usw., die im Leben und in menschlichen Beziehungen zum Tragen kommen, unterstützen die Ich-Organisation. Freundschaften, in denen gemeinsame Ziele oder Arbeitsaufgaben das Verbindende sind, erweisen sich als besondere Kraftquelle für das Ich wie auch die Arbeit an den Kernidealen des menschlichen Werdens: Wahrhaftigkeit, Liebefähigkeit, Freiheit für sich und die anderen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dank der Losgelöstheit des Gedankenorganismus vom physischen Leib hat das Ich als denkendes Wesen auch die Möglichkeit, von sich selbst abzusehen und anderes in den Mittelpunkt seines Interesses zu stellen. Das ist die Voraussetzung für Selbstlosigkeit, die sich das Ich auf dem Erkenntnisweg erarbeiten kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese wenigen Andeutungen können verständlich machen, warum in einer Zeit, in der menschliche Beziehungen so starken Belastungen ausgesetzt sind und vielfach im gegenseitigen Unverständnis und Sich-nicht-ertragen-Können auseinanderbrechen, auch die Ich-Kraft und das damit verbundene Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl eine immense Schwächung erfahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Begabungen und Behinderungen“, 8. Kapitel, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2004&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== BLUT, NERV UND WESENSGLIEDER[1] ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielen die Wesensglieder bei Bildung und Funktion von Blut- und Nervensystem?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welcher Regie folgen sie?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen inneren Zusammenhang haben Blut und Knochen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;A Blutbildung und die Rolle der Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das erste funktionsfähige Organsystem im werdenden Embryo ist das Herz-Kreislauf-System. Es entsteht aus dem konfluierenden Zusammenwachsen der ab der dritten Woche entstehenden Blutinseln im intra- und extraembryonalen Bindegewebe – auch der in Bildung begriffenen Plazenta – und stellt so die Ernährung des Embryos sicher. Diese Blutinseln bestehen aus Plasma (Wasser, Nährstoffe, Elektrolyte, Mineral- und Schutzstoffe) sowie aus weißen und roten Blutzellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner und Ita Wegman schildern im ersten Absatz von Kapitel VI von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[2]&#039;&#039; die Blutbildung in Fortsetzung der Nahrungsaufnahme. Dabei handelt es sich um einen konsekutiv-ganzheitlichen Blutbildungsprozess, bei dem die Wesensglieder nacheinander – unter der Gesamtregie der Ich-Organisation[3] – ihren Haupteinfluss geltend machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== • Physischer Leib und Verdauungssekretion ====&lt;br /&gt;
Diese ist eine bewusste durch die Sinnestätigkeit des Schmeckens, Riechens und Schluckens begleitete Tätigkeit. Die dadurch angeregte Mobilisierung von Speichel, Magen- und Pankreassekreten beeinflussen dann nachhaltig die weiteren – unbewussten – Verdauungsprozesse. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== • Astralleib und Blutbildung in den inneren Organen ====&lt;br /&gt;
Bei der weiteren Blutbildung im Bereich der inneren Organe tritt die Tätigkeit des astralischen Leibes in den Vordergrund. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== • Ätherleib und roter Blutfarbstoff ====&lt;br /&gt;
Beim Aufbau des roten Blutfarbstoffs für die Sauerstoffaufnahme hat der Ätherleib seine Haupttätigkeit. In diesem Zusammenhang ist interessant, dass die Chlorophylle, die bei der Pflanze durch die energetische Lichtaufnahme entstehen, in ihrer biochemischen Struktur den Häm-Molekülen im Farbstoff der roten Blutkörperchen sehr ähnlich sind. Anstelle des Eisenions als Zentralatom, das den Sauerstoff aus der Atemluft lose bindet und dem Blut seine rote Farbe gibt, steht im Chlorophyll das Magnesium-Ion im Zentrum.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== • Ausatmung von Kohlendioxid als Endpunkt der Blutbildung ====&lt;br /&gt;
Als letzter Akt des Blutbildungsprozesses wird dann die Ausatmung des Kohlendioxids genannt, die hauptsächlich über die Atemluft erfolgt. Dabei spielen die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) eine ebenso zentrale Rolle wie bei der Sauerstoffaufnahme. Sie können das aus den Abbauprozessen im Körper (sogenannte Zellatmung) stammende Kohlendioxid ebenso am Häm-Molekül binden wie den Sauerstoff aus der Luft. Die Menge der Aufnahme und Abgabe ist vom jeweiligen Partialdruck der Gase abhängig. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Regulierung des Kohlendioxidgehaltes des Blutes hat auch Einfluss auf die Funktion des Gehirns. Kohlenstoff ist ja die Gerüstsubstanz aller Lebewesen und Zentralelement der Biochemie – ganz gleich, ob es sich um Fette, Kohlenhydrate, Eiweiße, Vitamine oder Enzyme handelt. Sie alle haben ein Kohlenstoffgerüst. Entsprechend ist auch das Calciumcarbonat als Salz der Kohlensäure wesentlicher Gerüststoff für den Knochenbau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über diese fundamentalen Grundkenntnisse hinausgehend beschreiben die Autoren die notwendige Präsenz der Kohlensäure im Gehirn, um dort die für das Denken und Wahrnehmen nötige Neigung zu erzeugen, &#039;&#039;„ins Leblose, Unorganische überzugehen“[5].&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;B Bildung des dreigliedrigen Nervensystems und Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Bildung des Nervensystems verläuft im Gegensatz zu dem eben Dargestellten in dreifacher Weise verschieden. Das Nervensystem ist von vornherein – ebenfalls ab der dritten Embryonalwoche – dreigliedrig veranlagt und dient im reifen Zustand der Entfaltung von drei verschiedenen Bewusstseinszuständen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wachbewusstsein&#039;&#039;&#039; (Gehirn und Sinnesorgane),&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Traumbewusstsein&#039;&#039;&#039; (Rückenmark, Hirnstamm)&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Schlafbewusstsein&#039;&#039;&#039; (vegetatives Nervensystem).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Vegetatives Nervensystem und Ätherleib ====&lt;br /&gt;
Das vegetative Nervensystem dient dem Ätherleib zur unbewussten Wahrnehmung der Vorgänge im Organismus. Astralische und Ich-Organisation können hier nicht innerlich organisierend, sondern – so die Autoren – nur ‚von außen‘ auf dieses einwirken. Deswegen braucht das vegetative Nervensystem für seine Gesundheit ein positiv-harmonisch gestimmtes Gefühlsleben (Astralleib) und eine entsprechende Identität (Ich-Organisation). D.h. für die Gesunderhaltung des Vegetativums braucht es die im Sinne der heutigen Salutogenese[6] und der Mindful-Stress-Reduction-Techniken[7] der Gegenwart ein positives Kohärenzgefühl mit Bezug auf die jeweiligen Lebensereignisse. Rudolf Steiner und Ita Wegman betonen: &#039;&#039;„Affekte und Leidenschaften haben eine dauernde, bedeutsame Wirkung auf den Sympathikus. Kummer, Sorgen richten dieses Nervensystem allmählich zugrunde.“[8]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Rückenmark, Hirnstamm und Astralleib ====&lt;br /&gt;
Das Rückenmark mit seiner reflektorischen Tätigkeit dient dem Astralleib als Instrument des instinktiv-fühlenden Reagierens auf alles, was seelisch erlebt wird. 3. Gehirn, Sinne und Ich-Organisation Die 12 Gehirnnerven hingegen dienen primär der Ich-Organisation zur bewussten Wahrnehmung.[9] Menschliche Gesamtgestalt durch Zusammenwirken von AL und Ich So ist die Gesamtgestalt des Menschen ein Bild des Zusammenwirkens von astralischer und Ich-Organisation. In Abs. 6 wird dies so formuliert: &#039;&#039;„Man wird das Gehirn des Menschen nur begreifen, wenn man in ihm die knochenbildende Tendenz sehen kann, die im allerersten Entstehen unterbrochen wird. Und man durchschaut die Knochenbildung nur dann, wenn man in ihr eine völlig zu Ende gekommene Gehirn-Impulswirkung erkennt, die von außen, von den Impulsen des mittleren Organismus, durchzogen wird, wo astralisch bedingte Nervenorgane mit ätherisch bedingter Blutsubstanz zusammen tätig sind.“[10]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Das Blut, das im Inneren der platten Knochen gebildet wird, stellt das unmittelbar schöpferische &#039;&#039;&#039;Instrument der Ich-Organisation&#039;&#039;&#039; dar, das Skelett dagegen ihren im physischen Organismus zum Abschluss gekommenen äußeren Ausdruck. &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Instrument der astralischen Organisation&#039;&#039;&#039; hingegen ist das Nervensystem, das von der Ich-Organisation zum Träger des individuell-autonomen Selbstbewusstseins – im Unterschied zum Tier – umgebildet werden muss (‚herausgehoben‘, wie es in Kapitel V[11] hieß).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher muss beim Gehirn als Träger des menschlichen Wachbewusstseins die knochenbildende Tendenz – d.h. die Hinneigung zum Toten, Mineralischen, auf die sich physiologisch die Ich Organisation stützt,[12] – ‚leise‘ zugrunde liegen. In seinen Prager Vorträgen über &#039;&#039;„Okkulte Physiologie“&#039;&#039; von 1911 hatte Rudolf Steiner diesen Sachverhalt so formuliert: &#039;&#039;„Insofern unser Ich als bewußtes Ich auftritt, hat es zum Werkzeug das Blutsystem, insofern unser Ich vorgebildet ist als Form und Gestalt, liegt ihm zugrunde ein kosmisches Kraftsystem, das hindrängt zur festen Gestaltung, das sich am dichtesten zum Ausdruck bringt in unserem Knochensystem.“[13]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[14]&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Für dieses Kapitel verdanke ich Branko Furst – Associate Professor, Department of Anaestesiology, Albany Medical College, Albany/USA – wertvolle Hinweise (vgl. Furst [2014]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner und Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Vgl. FN 2, S. 33 u. 35: &#039;&#039;„Indem die Blutbildung in der Fortgestaltung der aufgenommenen Nahrungsstoffe erfolgt, steht der ganze Blutbildungsvorgang unter dem Einfluss der Ich-Organisation.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Vgl. Heldt und Piechulla (2014).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Siehe FN 2, S. 34.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Vgl. Antonovsky (1997); Wydler u. a. (2000). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Vgl. Dobos (2019).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] I: Riechen. II–IV: Sehen. V: Kauen. VI: Augenbewegung, Pupillenmotorik, Gesichtssensibilität. VII: Mimik, Gesichtsnerv. VIII: Hören, Gleichgewicht. IX: Zunge, Rachen, Schlucken. X: Hauptnerv des Parasympathikus, Regulation der inneren Organe. XI: Kopfdrehung, Schulterhebung. XII: Zungenbewegung. Sie sind entweder direkt bestimmten Hirnregionen (I und II) eigen oder entspringen aus umschriebenen Hirnnervenkernen, die spezialisierte Nervenzellansammlungen sind, die somatomotorische, somatosensible, sensorische bzw. vegetative Fasern enthalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Siehe FN 2, S. 35.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Von: FN 2.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Ebenda, S. 48.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Eine okkulte Physiologie,&#039;&#039; GA 128, S. 139 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== WÄRME, BLUT UND ICH-ORGANISATION ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern ist das Blut ein wesentliches Tätigkeitsfeld des inkarnierten Ich-Anteils, der Ich-Organisation?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern ist Wärme ein Ausdruck des Wirkens der Ich-Organisation?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche drei Ich-Anteile beschreibt Rudolf Steiner?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;A Wärme, Ich-Anteile und Blut&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Da Wärme ausstrahlend ist, immateriell, und folglich auch in sich keine Grenzen hat, bedarf es der Inkarnation dieser Wärmegesetzlichkeit in einen begrenzten Leib, damit sich dadurch ein abgegrenztes, autonomes Selbstbewusstsein bilden kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Diesen Anteil nennt Steiner &#039;&#039;&#039;Ich-Organisation.&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* Davon zu unterscheiden ist &#039;&#039;&#039;das ewige Ich&#039;&#039;&#039;, das von Erdenleben zu Erdenleben durch verschiedene Verkörperungen hindurch zunehmend Bewusstsein von seiner ewigen Natur bekommen kann, indem es sich gemäß seiner Schicksalsgegebenheiten immer wieder neu seine Wesensglieder bildet und seiner menschlichen Identität vergewissert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wärme steht an der Grenze zwischen dem Materiellen und dem Nichtmateriellen.[1] Zwischen dem rein geistigen ewigen Ich, das sich nach Steiner nicht inkarniert und dem materiell fassbaren Blutorgan, in dem die sich inkarnierende Ich-Organisation ganz und gar tätig ist, liegt die regulierende Wirkung der geistigen, seelischen und physischen Wärme. So wie sich nach anthroposophischem Verständnis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die physische Organisation auf den &#039;&#039;&#039;festen Aggregatzustand&#039;&#039;&#039; stützt, &lt;br /&gt;
* die ätherische auf den &#039;&#039;&#039;flüssigen&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* die astralische auf die &#039;&#039;&#039;Luft&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* so die Ich-Organisation auf die &#039;&#039;&#039;Wärme&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Blut kommt über das Eng- und Weitstellen der arteriellen Blutgefäße eine wichtige Rolle in der Wärmeregulation zu. In der und durch die Wärme ist die Ich-Organisation in der gesamten Konstitution tätig und sorgt im Blut dafür, dass das Blut &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* weder &#039;&#039;&#039;zu stark gerinnt&#039;&#039;&#039;, so dass Blutgerinnsel entstehen können, &lt;br /&gt;
* noch, dass es &#039;&#039;&#039;zu flüssig wird&#039;&#039;&#039;, wie dies bei der Bluterkrankheit (Hämophilie) oder sekundär bei Gerinnungsfaktormangel infolge der Verbrauchskoagulopathie (DIC) der Fall ist.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;B Dreifacher Ich-Begriff und Blutbildung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Anknüpfend an einen aristotelischen Denkansatz formuliert Steiner seinen Ich-Begriff: &#039;&#039;„Wenn wir das Ich im reinen Gedanken fassen, dann sind wir in einem Zentrum, wo das reine Denken zugleich essentiell sein materielles Wesen hervorbringt. Wenn Sie das Ich im Denken fassen, so ist ein dreifaches Ich vorhanden:&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;ein reines Ich&#039;&#039;&#039;, das zu den Universalen &#039;&#039;&#039;‚ante rem‘&#039;&#039;&#039; gehört,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;ein Ich, in dem Sie drinnen sind,&#039;&#039;&#039; das zu den Universalien &#039;&#039;&#039;‚in re‘&#039;&#039;&#039; gehört,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;und &#039;&#039;&#039;ein Ich, das Sie begreifen,&#039;&#039;&#039; das zu den Universalien &#039;&#039;&#039;‚post rem‘&#039;&#039;&#039; gehört.[3]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Aber noch etwas ganz Besonderes ist hier: für das Ich verhält es sich so, daß, wenn man sich zum wirklichen Erfassen des Ich aufschwingt, diese drei ‚Ichs‘ zusammenfallen. Das Ich lebt in sich, indem es seinen reinen Begriff hervorbringt und im Begriff als Realität leben kann. Für das Ich ist es nicht gleichgültig, was das reine Denken tut, denn das reine Denken ist der Schöpfer des Ich. Hier fällt der Begriff des Schöpferischen mit dem Materiellen zusammen, und man braucht nur einzusehen, daß wir in allen anderen Erkenntnisprozessen zunächst an eine Grenze stoßen, nur beim Ich nicht: dieses umfassen wir in seinem innersten Wesen, indem wir es im reinen Denken ergreifen [...] Es ist also in dem durch einen reinen Denkakt erfaßten und damit zugleich geschaffenen Ich etwas vorhanden, durch das wir die Grenze durchdringen, die für alles andere zwischen Form und Materie gesetzt werden muß.“[4]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Schritte der Blut- und Organbildung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der hier in dreifacher Weise gefasste Ich-Begriff findet sich in der Beschreibung der Blutbildung wieder, wie sie Rudolf Steiner und Ita Wegman im Kapitel VI von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[5]&#039;&#039; beschreiben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Nahrungsmittel („post rem“) werden aus der Umwelt aufgenommen &lt;br /&gt;
* und von den rein geistigen Wesensglieder-Formkräften („ante rem“) ergriffen,&lt;br /&gt;
* die den Umwandlungsprozess in einen neuen „in re“-Zusammenhang ermöglichen: das menschliche Blut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch wird es zum schöpferischen, organbildenden Instrument der Ich-Organisation. Dass vom Blut alle Organbildung ausgeht, zeigen die Phänomene der Organbildung während der Embryonalentwicklung. Indem Blutgefäße in ein bestimmtes Gewebe einsprossen und die für Wachstum und Entwicklung notwendigen Ernährungsprozesse ermöglichen, wird auch die Zellproliferation des betreffenden Organgewebes induziert. Durch die dann einsprossenden Nerven wird die Differenzierung zu den organspezifischen Zellen angestoßen. Begleitet werden diese beiden Prozesse jedoch stets durch einen dritten regulierenden Prozess, der für die adäquate Integration in den Gesamtorganismus sorgt.[6]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die astralische Organisation als Träger von Bewusstseinsprozessen, welche beim Menschen als selbstbewusster Wachzustand, Traum- und unbewusstes Schlafbewusstsein auftreten, erfordern eine dementsprechende dreigliedrige Organanlage des Nervensystems und damit auch des ganzen Organismus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[7]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Brücke zwischen der Weltgeistigkeit und dem Physischen des Menschen. Die Suche nach der neuen Isis, der göttlichen Sophia. Der Mensch in seinem Zusammenhang mit dem Kosmos, Band II.,&#039;&#039; GA 202, Vortrag vom 17.12.1920; Penter (2021), 333–348.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Vgl. Kuehn (2022), 36–42.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Formatierung und Hervorhebung von K. Offenborn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Philosophie und Anthroposophie. Gesammelte Aufsätze,&#039;&#039; GA 35, 102f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27, Kap. VI.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Vgl. Rohen und Lütjen-Drecoll (2022).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DAS BLUT ALS INSTRUMENT DES ICH ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern kann das Blut als Instrument des Ich bezeichnet werden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielt das Eisen für die Gesundung des Blutes?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie verhält sich das Blut zum Physischen und wie zum Ätherischen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Selbstheilungskräfte aus dem Blut&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel VII von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; werden die Selbstheilungskräfte nicht mit Blick auf ihre Funktion als körperliche Schutz- und Abwehrmechanismen des Immunsystems geschildert. Vielmehr werden sie als diejenigen Kräfte dargestellt, die dem Blut innewohnen, das den dreigliedrigen Organismus versorgt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* einerseits in Form der &#039;&#039;&#039;weißen Blutzellen&#039;&#039;&#039;, die für die körperliche Abwehr verantwortlich sind, &lt;br /&gt;
* insbesondere aber auch in Form der &#039;&#039;&#039;Tätigkeit der roten Blutkörperchen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* und der &#039;&#039;&#039;übrigen Bestandteile des Blutes&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Blut als Ganzes ist als Instrument der Ich-Organisation Träger der Selbstheilungskräfte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Warum das Blut Eisen braucht&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dieses Thema wird im dritten Vortrag des &#039;&#039;Ärzte-Kurses von 1920[2]&#039;&#039; eingehender erläutert. Dort wird die Frage: &#039;&#039;‚Warum braucht das Blut das Eisen?‘&#039;&#039; eine Kardinalfrage der ganzen medizinischen Wissenschaft genannt. Rudolf Steiner erläutert:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Das Blut braucht das Eisen nämlich. [...] Das Blut ist einfach durch seine eigene Wesenheit krank und muß fortwährend kuriert werden durch den Eisenzusatz. Das heißt, wir haben in dem Prozesse, der in unserem Blute sich vollzieht, einen fortwährenden Heilungsprozess in uns tragend. Will der Arzt durch der Natur Examen gehen [ein Ausdruck des Paracelsus], so muss er vor allen Dingen nicht einen schon abnormen Prozeß der Natur betrachten, sondern einen normalen Prozeß. Und der Blutprozeß ist sicher ein normaler, aber er ist zu gleicher Zeit ein solcher, wo fortwährend die Natur selbst heilen muß, wo fortwährend die Natur durch das zugesetzte Mineral, durch das Eisen heilen muss. So daß wir, wenn wir uns graphisch darstellen wollten dasjenige, was mit dem Blute geschieht, sagen müssen: Dasjenige, was das Blut durch seine eigene Konstitution ohne das Eisen hat, ist eine Kurve oder eine Linie die abwärts führt und die ankommen würde zuletzt bei der vollständigen Auflösung des Blutes, während dasjenige was das Eisen im Blute bewirkt, es fortwährend aufwärts führt, es fortwährend heilt. Wir haben in der Tat da einen Prozeß, der ein normaler ist und der zu gleicher Zeit ein solcher ist, der nachgebildet werden muss, wenn wir überhaupt an Heilungsprozesse denken wollen. Da können wir wirklich durch der Natur Examen gehen, denn da sehen wir, wie die Natur Prozesse vollführt, indem sie dasjenige, was außermenschlich ist, das Metall mit seinen Kräften, dem Menschlichen zuführt. Und wir sehen zu gleicher Zeit, wie dasjenige, was im Organismus unbedingt bleiben will, wie das Blut, [...] geheilt werden muß; dasjenige, was aus dem Organismus herausstrebt, wie die Milch, daß das nicht geheilt zu werden braucht, sondern daß das, wenn es Bildekräfte enthält, in gesunder Weise diese Bildekräfte in den anderen Organismus überführen kann. Das ist eine gewisse Polarität, und ich sage: eine gewisse, nicht eine ganze Polarität zwischen dem Blute und der Milch, die aber ins Auge gefasst werden muß, denn man kann daran eben sehr viel studieren.“[3]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Das Blut in seinem Verhältnis zum Physischen und zum Ätherischen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In den 2020 erschienenen Studienkommentaren zum medizinischen Werk Rudolf Steiners gehen die Herausgeber auch dieser Frage nach und suchen einer Beantwortung näherzukommen, wie diese Passage zu verstehen ist. Sie beziehen dabei auch die vorbereitenden Notizen Rudolf Steiners ein, die inzwischen in der Neuherausgabe zum 100-jährigen Jubiläum des Kurses in diesen integriert worden sind. Genauer notierte sich Steiner in seinen vorbereitenden Notizen: &#039;&#039;„Das Blut [...]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;hat abgestoßen die physischen Bildekräfte&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;und wirkt durch die an es gebundenen ätherischen.“&#039;&#039; [4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== @ Abstoßung physischer Bildekräfte ====&lt;br /&gt;
Unter Abstoßung physischer Bildekräfte im Blut kann zunächst an den Zellkernverlust der Erythrozyten – die immerhin ‚den Hauptbestandteil des Blutes‘ darstellen – gedacht werden. Denn mit der Abstoßung des zellulären Erbguts und der Mitochondrien während des Reifungsprozesses verliert der Erythrozyt insofern seine ‚äußere Bildungsfähigkeit‘, als eine Zellteilung d.h. Fortpflanzung bzw. ein kernvermittelter Stoffwechsel durch diese Abstoßung nicht mehr möglich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== @ Wirkung der ätherischen Kräfte im Flüssigen ====&lt;br /&gt;
Die Distanzierung des Blutes von den Kräften der physischen Gestaltbildung zeigt sich aber auch in der durchwegs flüssig-viskösen Form des Blutplasmas, die sich in der hohen Verformbarkeit der zellulären Elemente fortsetzt. An den flüssig-beweglichen Aggregatzustand ist zudem die Wirkung der lebendigen Bildekräfte gebunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Gerinnung des Blutes durch Berührung mit dem Physischen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Bei einer Berührung des Blutes mit der physischen Außenwelt kommt es bekanntlich unmittelbar zur Gerinnung, ein Phänomen, welches der Physiologe &#039;&#039;Thomas H. Huxley&#039;&#039; in dem von Steiner gut studierten Lehrbuch wie folgt anführt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Berührung mit nicht lebendem Stoffe beschleunigt die Gerinnung. Daher gerinnt das Blut, welches in eine Schüssel gelassen wird, zuerst da, wo es mit den Wänden der Schüssel in Berührung kommt; und ein Draht, in eine lebende Vene gesteckt, bedeckt sich mit Fibrin, trotzdem vollkommen flüssiges Blut ihn umgibt [...] Andererseits verzögert oder vermindert unmittelbare Berührung mit lebendigem Stoffe die Gerinnung des Blutes. So bleibt Blut sehr lange flüssig in einem Stück Vene, welches an beiden Enden zugebunden ist.“[5]&#039;&#039; [...] Diese Kardinalfrage, &#039;&#039;„was hinter der Erscheinung des Blutes verborgen liegt“&#039;&#039;[6], &#039;&#039;„was als geistige Wesenheit hinter dem Blut liegt“[7]&#039;&#039;, durchzieht das gesamte Vortragswerk Steiners bis in kulturelle, mythologische und religiöse Zusammenhänge.[8]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Blut als äußeres Werkzeug des Ich&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der &#039;&#039;„Okkulten Physiologie“&#039;&#039; lesen wir dazu: &#039;&#039;„Wie das Urbild zu seiner Offenbarung, zu seinem Abbild [...] müssen wir das Blut als äußeres Werkzeug für das Ich ansehen, für alles, was wir als unser innerstes Seelenzentrum, das Ich, bezeichnen.“[9]&#039;&#039; In seinem Vortrag &#039;&#039;„Blut ist ein ganz besonderer Saft“&#039;&#039; von 1906, in dem Rudolf Steiner an den gleichlautenden Ausspruch des Mephistopheles im Faust anknüpft, heißt es dazu:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Das Blut erfährt durch [...] Sauerstoffaufnahme eine Erneuerung. Dasjenige Blut, welches das menschliche Innere gleichsam dem hereinströmenden Sauerstoff anbietet, ist eine Art von Giftstoff für den Organismus, eine Art Vernichter und Zerstörer. Dieses blaurote Blut wird umgewandelt durch Aufnahme von Sauerstoff, durch eine Art Verbrennungsprozess, in rotes, lebensschaffendes Blut. Dieses Blut, das in alle Teile des Körpers dringt, in allen Teilen des Körpers die Ernährungsstoffe ablagert, hat die Aufgabe, die Stoffe der Außenwelt unmittelbar in sich aufzunehmen und auf dem kürzesten Wege zur Ernährung des Wesens zu verwenden. Der Mensch und die höheren Tiere haben nötig, erst diese Ernährungsstoffe in das Blut überzuführen, das Blut zu bilden, den Sauerstoff der Luft in das Blut aufzunehmen und den Körper durch das Blut aufzubauen und zu erhalten. [...] Im Blute ist also ein wirklicher Doppelgänger des Menschen vorhanden, der ihn fortwährend begleitet, aus dem er fortwährend seine neuen Kräfte schöpft und an den er dasjenige, was er nicht mehr braucht, abgibt. [...] Wie durch das Gehirn die Außenwelt verinnerlicht wird, so wird durch das Blut diese Innenwelt in dem Leib des Menschen zu einem äußeren Ausdruck umgeschaffen. [...] Im Blute liegt das Prinzip für die Ich-Werdung. Ein Ich kann nur da zum Ausdruck kommen, wo ein Wesen die Bilder, die es von der Außenwelt erzeugt, in sich selbst zu gestalten vermag. Ein Ich-Wesen muß fähig sein, die Außenwelt in sich aufzunehmen und innerhalb seiner selbst wieder zu erzeugen. Hätte der Mensch bloß Gehirn, so könnte er nur Bilder der Außenwelt in sich erzeugen und in sich erleben; er würde dann zu sich nur sagen können: die Außenwelt ist in mir als Spiegelbild noch einmal wiederholt; kann er aber diese Wiederholung der Außenwelt zu einer neuen Gestalt aufbauen, dann ist diese Gestalt nicht mehr bloß die Außenwelt: sie ist ‚Ich‘.“[10]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[11]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27, Kap. VII.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaft und Medizin,&#039;&#039; GA 312.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Siehe FN 2, S. 71f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Formatierung K. Offenborn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Huxley 1910, 75.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Erkenntnis des Übersinnlichen in unserer Zeit und deren Bedeutung für das heutige Leben,&#039;&#039; GA 55, S. 41.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Ebenda, S. 42.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Heusser u. a. (2020), 423–425.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Eine okkulte Physiologie,&#039;&#039; GA 128, S. 39.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Siehe FN 6, S. 43–57.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== KNOCHENBILDUNG UNTER DER FÜHRUNG DER ICH-ORGANISATION ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist die Rolle der Ich-Organisation im Rahmen der Wesensgliedertätigkeit?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Tätigkeiten obliegen der Ich-Organisation bei der Knochenbildung ab der Embryonalentwicklung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Warum ist ein gesundes Maß an Schlaf wichtig für uns?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Knochenbildung als Beispiel&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Am Beispiel der Knochenbildung – dem weitesten Weg, den ein Organ bzw. Organsystem bei seiner Bildung zu durchlaufen hat – schildern Rudolf Steiner und Ita Wegman in Kapitel XII von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; die Aufbau-Tätigkeit der Wesensglieder von der Embryonalentwicklung an.[2] Die Knochenbildung beginnt als ein multifokales embryonales Entwicklungsgeschehen, das im Skelett des Erwachsenen gipfelt, als der aufrechten Menschengestalt, dem physischen Abbild des Ich[3] oder im Sinne der Bibel in der Gottebenbildlichkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So komplex die Zusammenhänge auch sind, die in den 13 Absätzen von Kapitel XII beschrieben werden, so klar und systematisch erscheint der Aufbau. Zwanzigmal wird das Wort ‚Ich-Organisation‘ genannt, als die für den Grad des jeweils erforderlichen Aufbau- und Abbaugeschehens verantwortliche Instanz, der sich die Gesetzmäßigkeiten des physischen, ätherischen und astralischen Wirkbereichs unterordnen (müssen). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zehn „Tätigkeiten“ der Ich-Organisation bei der Knochenbildung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dabei werden zehn Prozessschritte in Betracht gezogen, die die Tätigkeit der Ich-Organisation kennzeichnen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Abscheiden unorganisch fester Substanz ====&lt;br /&gt;
Dieses Abscheiden des Festen aus dem halbflüssigen Zustand des embryonalen Ernährungsangebots und deren Eingliederung in den eigenen Ätherleib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Differenzierung der verschiedenen Organanlagen ====&lt;br /&gt;
Körpereigenes Eiweiß – Domäne des Ätherischen – wird zur Aufnahme von Luft und den damit verbundenen astralischen Gesetzmäßigkeiten gebracht. Der dadurch impulsierte Kohlenstoffmetabolismus ermöglicht die Differenzierung der verschiedenen Organanlagen aus der &#039;&#039;„noch undifferenzierten Organsubstanz“&#039;&#039;, wobei der Verzicht auf ‚perfekt-tierische Differenzierung‘ von der Ich-Organisation &#039;&#039;„gewissermaßen aufgesetzt“&#039;&#039; wird.[4] Man kann das Wort ‚aufsetzen‘ bildlich als ‚Krone aufsetzen‘ deuten – es steckt hier aber auch die Qualität des ‚sich Durchsetzens‘ darin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Differenzierte Handhabung von Wärme ====&lt;br /&gt;
Die Wirkmacht der Ich-Organisation beruht auf ihrer Herrschaft über den Wärmezustand, den sie differenziert handhaben kann: &#039;&#039;„Diese Ich-Organisation lebt ganz in Wärmezuständen. Sie holt aus der allgemeinen Astralwesenheit die einzelnen Organe heraus. Sie betätigt sich dabei an der allgemeinen, durch das Astralische herbeigeführten Substanz so, dass sie den Wärmezustand eines sich vorbereitenden Organs entweder erhöht oder vermindert.“&#039;&#039; [5] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Verminderung von Wärme ====&lt;br /&gt;
Verminderung von Wärme führt zur Aufnahme von Salzsubstanzen.[6]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Erhöhung von Wärme ====&lt;br /&gt;
Erhöhung von Wärme dient der Auflösung von Organischem.[7]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 6. Erkrankung als Regulationsmöglichkeit ====&lt;br /&gt;
Möglichkeiten zu erkranken, wenn der Organismus nicht genügend Wärme für ein Organgebiet zur Verfügung stellen kann, und dieses daher zu verhärten droht; oder, wenn ein Organ fertig ausgebildet ist, die Dynamik zwischen Organgebrauch und dessen Regeneration gestört ist.[8]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 7. Arteriosklerose als notwendiges „&#039;&#039;Austreiben der Ich-Organisation“&#039;&#039; ====&lt;br /&gt;
Das Krankheitsbild der Arteriosklerose ist die Folge eines solchen &#039;&#039;„Austreibens der Ich-Organisation“&#039;&#039; aus einem Organ, das nicht verhärten soll, sondern zwischen Flüssigem und Luftförmigen in den Prozessen der Auflösung gehalten werden muss.[9]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 8. Abkühlung zur Drosselung des Astralischen ====&lt;br /&gt;
Mögliche Gestaltmissbildungen treten auf, wenn es der Ich-Organisation nicht gelingt, den für dieses Organgebiet notwendigen Abkühlungsgrad zu erreichen. Dann setzen sich im astralischen Wirkbereich der eine oder andere mögliche Gestaltbildungsprozess durch. Als Beispiel werden rachitische Erkrankungen genannt, d.h. ganz generell Knochenstoffwechselstörungen, zu denen maßgeblich auch die Osteoporose gehört.[10]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 9. Integration von Ausscheidungsprodukten ====&lt;br /&gt;
Hier geht es um die Biochemie der exokrinen und endokrinen Drüsenerzeugnisse. Diese werden als differenzierte Absonderungs- und Ausscheidungsprodukte der astralischen Tätigkeit geschildert, die von der Ich-Organisation in das Ganze integriert und reguliert werden müssen im Sinne des &#039;&#039;„Nichts zu viel und nichts zu wenig“[11]&#039;&#039;– der Ur-Tugend des Maßhaltens, des Gleichgewichtwahrens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Verrichtung dieser Tätigkeiten liegt etwas, das der Organismus für seinen Bestand braucht. Diese Tätigkeit ist ebenso notwendig, wie diejenige, die Stoffe in den Organismus aufnimmt oder in ihm ablagert. Denn in dem gesunden Verhältnis der beiden Tätigkeiten liegt das Wesen der organischen Wirksamkeit.[12]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 10. Regulation von Harnsäure, die dem bewussten Denken dient ====&lt;br /&gt;
Der letzte Absatz widmet sich nochmals der Harnsäure. Sie steht als Ausscheidungsprodukt unter der Herrschaft des Astralleibes. Ihre Regulation hingegen – dass nicht zu viel und nicht zu wenig ausgeschieden wird – hängt von der Kompetenz der Ich-Organisation ab, insbesondere bei einer Substanz, die &#039;&#039;„bis zum Unorganischen getrieben“&#039;&#039; ist,[13] d.h. Kristalle bilden kann, wie die Harnsäure, die dem bewussten Denken dient.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Gesundes Schlafmaß als Aufgabe&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Daher ist der dem Ausscheidungsvorgang entgegengesetzte ‚Gegendruck‘ wichtig für die gesunde Regelung des Schlaf-Wach-Rhythmus. Dieser Gegendruck hat sein physiologisches Korrelat in der Rückresorption von 90 % der Harnsäure aus dem glomerulären Primärfiltrat der Nieren, wie in der Einleitung zu Kapitel XI erwähnt wurde. &#039;&#039;Otto Wolff&#039;&#039; weist in dem Zusammenhang auf zwei Experimente hin, die von anthroposophischen Ärzten durchgeführt wurden. Sie konnten einen Harnsäureanstieg im Urin feststellen nach einer bestimmten Zeit mathematischen Denkens.[14] Ein mögliches Zeichen für die verstärkte Denktätigkeit der Ich-Organisation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der zum Schluss angeführte Schlaf, als die Voraussetzung für die Erhaltung der Gesundheit, wird damit auch zu einer Aufgabe für den individuellen Menschen, sein Schlafmaß im Einklang mit den Erfordernissen seines wachen Tageslebens zu regeln. Mit langem und kurzem Schlaf ist hier nicht irgendeine statistisch zu empfehlende mittlere Schlafdauer gemeint, sondern die Fähigkeit des Organismus, sich rundum zu erholen.[15]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[16]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27, Kap. VII.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ähnliches gilt natürlich für die Entwicklung aller Organsysteme. Was Biologen und Biochemiker bis heute immer weiter im Detail erforschen – das Wesen der Organmatrix –, wird hier als die &#039;&#039;„allgemeinere Substanz“&#039;&#039; bezeichnet, &#039;&#039;„aus der heraus alle die einzelnen Organe des Körpers gebildet werden können“ (S. 60).&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Siehe FN 1, S. 59.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Ebenda, S. 60.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Siehe FN 1, Kap. XII, Abs. 6.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Ebenda, Abs. 7, 8.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Ebenda, Abs. 9.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Siehe FN 1, S. 61f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Ebenda, S. 62f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Ebenda, S. 63.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] Vgl. Wolff (2013), 284.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[15] Vgl. Girke (2017), 4–12; Fintelmann (2017), 18–25.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[16] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== BEDEUTUNG VON HARNSÄURE IN BLUT UND GEHIRN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was besagt die geisteswissenschaftliche Sicht auf die Harnsäure?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern unterscheidet sich ihr Aufbau bei Mensch und Tier?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche wichtigen Funktionen hat die Harnsäure in Blut und Gehirn?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Geisteswissenschaftliche Sicht auf den Aufbau von Harnsäure beim Menschen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel XI von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; werden neben ihrer Beteiligung an der Entstehung von Gicht weitere Rollen der Harnsäure beschrieben, die sie nur im menschlichen Organismus innehat. Denn im Gegensatz zum Menschen bauen die meisten Säugetiere die Purin-Nukleotide zu Allantoin ab, einer leicht löslichen Substanz, die noch dazu ein gutes Wundheilmittel ist und auch in der Heilpflanze Symphytum vorkommt.[2] Obwohl dieser Abbauweg Tieren problemlos möglich ist, wird das menschliche Purinabbauprodukt, die Harnsäure, vom menschlichen Organismus ‚mühsam‘ in der Leber aufgebaut – und nicht etwa auf einem möglichen einfacheren Weg aus dem ebenfalls in der Leber gebildeten Harnstoff. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus biologischer Sicht ist dies unverständlich – aus geisteswissenschaftlicher Sicht jedoch klar: Wenn es auf die Tätigkeiten im Organismus ankommt und nicht nur auf das Vorhandensein bestimmter Stoffe, dann ist offenbar der Aufbau der Harnsäure und die durch sie mögliche Kristallbildung, z. B. für die gesunde Hirnfunktion, wichtig; aber offenbar auch für eine feine Durchimprägnierung des ganzen Organismus mit dieser fein verteilten Harnsäure.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Anregung des AL durch Harnsäure&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[3]&#039;&#039; heißt es dazu: &#039;&#039;„Nun ist im Organismus der astralische Leib der Vermittler der Tätigkeit der Ich-Organisation für den ätherischen und physischen Leib. Diese muss in die Organe die leblosen Substanzen und Kräfte tragen. Nur durch diese Imprägnierung der Organe mit Unorganischem kann der Mensch das bewusste Wesen sein, das er ist. Organische Substanz und organische Kraft würden das menschliche Bewusstsein zum tierischen herabdämpfen. Der astralische Leib macht durch seine Tätigkeit die Organe geneigt, die unorganischen Einlagerungen der Ich-Organisation aufzunehmen. Er ist gewissermaßen für sie der Wegmacher.“[4]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die Strukturformeln von Koffein und Tein der Harnsäure sehr ähnlich sind – auch sie regen die astralische Organisation an und bewirken neben der Anregung des Bewusstseins auch eine Verstärkung der Urinausscheidung und eine Erhöhung des Blutdrucks. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der menschliche Astralleib arbeitet in gesunder Weise, wenn die Harnsäureausscheidung im Stoffwechselgebiet gelingt und die Imprägnierung mit Unorganischem ausgewogen ist. &#039;&#039;„Es wird wenig Harnsäure ausgeschieden, dafür umso mehr Unorganisches im Sinne der Ich-Organisation eingelagert.“[5]&#039;&#039; Ist das jedoch nicht der Fall, tritt seine Tätigkeit im Gehirn zurück&#039;&#039;.&#039;&#039; Die Harnsäure wird so gesehen zum Indikator dafür, &#039;&#039;„ob zwischen der Ich-Organisation und dem astralischen Leib in irgendeinem Organ oder Organsysteme das rechte Verhältnis besteht.“[6]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wichtige Funktionen von Harnsäure&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Rolle der Harnsäure im Blut – antioxidative Wirkung ====&lt;br /&gt;
Dem Harnsäuregehalt im Blut des Menschen wird &#039;&#039;„eine wichtige Rolle im antioxidativen, nicht-enzymatischen Schutzsystem zuerkannt, weil die chemische Struktur des Moleküls Harnsäure diese zu einem effizienten, wasserlöslichen Radikalfänger macht“.[7]&#039;&#039; Damit ist für die von Steiner beschriebene feine ‚Imprägnierung‘ des gesamten Organismus mit Harnsäure aus naturwissenschaftlicher Sicht ein interessanter Beleg gegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Rolle der Harnsäure im Gehirn – „funktionelles Denksubstrat“ ====&lt;br /&gt;
Inzwischen mehren sich auch Forschungsergebnisse, die den von Rudolf Steiner beschriebenen Zusammenhang von Harnsäurepräsenz im Gehirn und der Denktätigkeit nahelegen.[8] Hier bietet der neue Kontext, in den Rudolf Steiner die Harnsäure stellt, mögliche Anregungen für weitere Forschungsarbeiten. Denn bisher interessierte man sich mit Bezug auf die Denk- und Bewusstseinsvorgänge primär für die Biochemie der Neurotransmitter und die Funktion der verschiedenen Hirnareale – nicht jedoch für Salzbildungsprozesse und Mineralisierungsvorgänge im Nervensystem.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für das anthroposophische Verständnis kommt jedoch in Betracht, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* wo eine bestimmte Substanz im Organismus auftaucht, &lt;br /&gt;
* und ob sie auf dem Aufbau- oder Abbauwege ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn daran entscheidet sich, ob sie mehr dem Leben (Aufbau) oder dem Bewusstsein (Abbau) dient, was in salzartigen Ablagerungen zum Ausdruck kommt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Harnsäure als Denkhilfe&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wolff beschreibt die Bedeutung der Harnsäure so:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Diese liegt offensichtlich nicht auf physiologischem Feld, denn da kann sie nur hinderlich sein im Sinne des Auftretens von Gicht. Vielmehr muss sie mit einer spezifisch menschlichen Fähigkeit, über die das Tier nicht verfügt, zu tun haben – und das ist das Denken. [. . .] Dieses stützt sich auf den Kristallisationsvorgang; daher bezeichnet man es auch – wenn es gekonnt praktiziert wird – als glasklar. Die Folgerichtigkeit der Logik ist notwendigerweise mit irdischen Gesetzmäßigkeiten gekoppelt und deswegen zwingend. Es müssen also Erdenkräfte für diesen Vorgang zur Verfügung stehen. Dazu bedarf es einer Substanz, die aus dem Leben (Ätherleib) stammt und außerdem Bewusstseins-Elemente (Astralleib/Stickstoff) enthält und in den mineralischen Zustand übergehen kann. Diese Bedingungen erfüllt nur eine einzige Substanz, die Harnsäure. Der Zucker z.B. kann wohl kristallisieren, ist aber so leicht löslich, daß er innerhalb des Organismus nicht kristallisieren kann. Alle Eiweiße können zwar ebenfalls in den toten Zustand übergehen, dann aber verhärten sie (z.B. Haare, Nägel), ohne zu kristallisieren. (Dass die ‚Mikrokristalle‘ der Aminosäuren und Enzyme oder der Fette in diesem Sinne keine wirklichen Kristalle sind, wurde im entsprechenden Kapitel ausführlich dargestellt.) Somit kann man sagen: Harnsäure ist das funktionelle Denksubstrat.“[9]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man darf gespannt sein, was eine solche bisher noch nicht vollständig durch valide Forschung verifizierte Arbeitshypothese in Zukunft noch für das Verständnis von Denken und Bewusstsein liefern wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[10]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27, S. 51.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Vgl. Wolff (2013), 280 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27, S. 51.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe FN 1, S. 56.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Siehe FN 1, S. 57.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Löffler (2022), 474. Vgl. auch Cicha (2022).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Vgl. Cicha (2022), 10 und 110, Harnsäurewerte und Einfluss auf die Kognition: 69 Publikationen wurden ausgewertet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Wolff (2013), 282f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== SILIZIUM UND WAHRNEHMUNGSFÄHIGKEIT ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist laut Rudolf Steiner und Ita Wegman die Grundlage aller Wahrnehmungsfähigkeit im menschlichen Organismus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sagt das Zuviel oder Zuwenig von Silizium im Gewebe aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann therapeutisch damit umgegangen werden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Gegenseitige Wahrnehmungsfähigkeit in der Natur&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Heute weiß man, dass Pflanzen mithilfe ihrer Wurzeln über weite Entfernungen miteinander kommunizieren können und dass es ganze Biotope gibt, die sich gegenseitig unterstützen und in gewisser Weise auch voneinander abhängig sind. &#039;&#039;Alexander von Humboldt (1769–1859)&#039;&#039; war einer der ersten, dessen Forschungen und Hypothesen sich in den Sätzen zusammenfassen lassen: &#039;&#039;„Alles ist in Wechselwirkung. Nichts steht für sich allein, ein gemeinsames Band umschlingt die ganze organische Natur.“[1]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So mutet es nahezu selbstverständlich an, wenn gesagt wird, dass auch Zellen miteinander kommunizieren und dass außer den vielfach schon bekannten Rezeptoren für Hormone, Botenstoffe und sonstige Transmittersubstanzen immer mehr Resonanz- und Signalübertragungsmöglichkeiten entdeckt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner und Ita Wegman beschreiben in Kapitel XIV von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[2]&#039;&#039; ebenfalls diese gegenseitige Wahrnehmungsfähigkeit der Organe untereinander: &#039;&#039;„Aber es ist doch der ganze menschliche Organismus von sich gegenseitig beeinflussenden Wahrnehmungen durchzogen und muss es sein, damit alles in ihm gesund zusammenwirkt.“[3]&#039;&#039; Die Tatsache, dass jedes Organ &#039;&#039;„außerdem, dass es dieser oder jener Funktion im Organismus dient, noch Sinnesorgan“ ist,[4]&#039;&#039; sehen die Autoren als Voraussetzung für die Gesundheit des Organismus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Rolle von Silizium im menschlichen Gewebe&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Therapeutisches Denken kann dadurch gelernt werden, dass man sich angesichts einer Pathologie immer auch die Frage stellt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Organfunktion nimmt eine andere zu wenig oder zu stark wahr?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wo kommt es zu einer zu starken Wahrnehmung und damit verbunden zu einer verminderten Wahrnehmung an einem anderen Ort?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grundlage für diese Fähigkeit der adäquaten Abgrenzung einerseits und notwendigen Sensibilität bzw. Wahrnehmungsfähigkeit andererseits ist laut Steiner und Wegman die feinst verteilte Kieselsäure im gesamten Organismus. Fakt ist, dass Silizium in Form der biologisch aktiven Kieselsäure in nahezu jeder Zelle vorkommt. In höherer Konzentration ist es da vorhanden, wo es bindegewebige Strukturen gibt oder eine gewisse Durchsichtigkeit gefragt ist, wie z.B. beim Auge. Bemerkenswert ist in dem Zusammenhang, dass im embryonalen Bindegewebe und bei jungen Kindern der Siliziumgehalt im Gewebe am höchsten ist und im Laufe des Älterwerdens insgesamt abnimmt. Daher wird auch daran geforscht, inwiefern sich bestimmte Formen der Alzheimererkrankung durch rechtzeitige Intervention mit kieselsäurehaltigen Präparaten bessern lassen und inwiefern vorbeugende Maßnahmen angezeigt sind.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Insgesamt besitzt der Organismus 1–2g Silizium, welches damit – neben Eisen und Zink – eines der häufigsten sogenannten Spurenelemente ist.[6] Allerdings kennt man nur bei den beiden erstgenannten deren konkreten biochemisch-physiologischen Wirkmechanismus. Dieser wurde im Hinblick auf die Kieselsäure aus naturwissenschaftlicher Sicht noch nicht entdeckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Gesunde Wahrnehmungsfähigkeit und das richtige Maß&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Es ist der Kieselsäure-Organismus, auf dem die gegenseitige Empfindlichkeit der Organe beruht, die wiederum einer gesunden Lebenstätigkeit zugrunde liegen. Es geht dabei auch um das richtige Verhältnis von&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Innenwahrnehmung&#039;&#039;&#039;, die Seelen- und Geist-Entfaltung betreffend&lt;br /&gt;
* und von &#039;&#039;&#039;Außenwahrnehmung&#039;&#039;&#039; der Naturwirkungen.[7]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesunde Wahrnehmung hängt auch mit einer klaren Entscheidung für ‚Mein‘ und ‚Dein‘, sowie für ‚Ich‘ und ‚Welt‘ zusammen. Dazu gehört&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* einerseits die Fähigkeit, sich klar abzugrenzen,&lt;br /&gt;
* andererseits aber auch sensibel zu bleiben für das Fremde, Andere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese doppelte Fähigkeit ist für die körperliche, seelische und geistige Integrität gleichermaßen notwendig. Sie ist tatsächlich Voraussetzung und Grundlage für Gesundheit in jeder Hinsicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber auch für die Kieselsäure gilt, was in Kapitel XI über die Harnsäure gesagt wird: Sie darf nicht in zu reichem Maße vorliegen. Gut ist, was von der Ich-Organisation vollumfänglich genutzt werden kann. Überschüssige Kieselsäuremengen müssen mithilfe der astralischen Organisation über den Harn oder auf anderen Stoffwechselwegen ausgeschieden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fragen zur Kieselsäure als Nahrungsergänzungsmittel&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Hauptquelle für die Zufuhr von Kieselsäure ist pflanzliche Ernährung. Denn es ist die Kieselsäure, die den Pflanzen eine biegsame Struktur verleiht. Besonders hervorgehoben sei hier der Bambus im asiatischen Raum, der bis zu 30 m hoch werden kann und etwa zu 70 % aus Kieselsäureverbindungen besteht. Der heimische Ackerschachtelhalm weist nur bis zu 10% Kieselsäureverbindungen auf – dafür aber in einer besonderen Form, nämlich nicht als Kieselsäurekristalle, sondern in kolloidaler Opal-Struktur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man jedoch die Kieselsäure als Nahrungsergänzungsmittel einnimmt, sollte man dies immer im Zusammenhang mit einer Mahlzeit tun, da die Kieselsäure am besten aufgenommen wird, wenn sie fein verteilt in der Nahrung vorkommt. Wer nun aber meint, schütterem Haar, schlaffer Haut oder brüchigen Nägeln durch die Einnahme von Kieselsäure beizukommen, sieht sich in der Regel getäuscht. Es ist eben dies genau die Frage:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Genügt es, eine Substanz zu essen, von der man meint oder weiß, dass sie einem an einem bestimmten Ort fehlt oder muss man nicht viel eher danach fragen, wie bzw. auf welchen Wegen diese Substanz dorthin kommt, wo der Mangel herrscht, und wo vielleicht andernorts zu viel davon vorhanden ist?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und was man tun muss, damit hier eine Regulation stattfinden kann und grundsätzlich die Wahrnehmungsfähigkeit der Organe untereinander unterstützt wird, so dass ein ‚Zuviel‘ oder ‚Zuwenig‘ wahrgenommen und ausgeglichen werden kann?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um diese Fragen geht es in Kapitel XIV, sowie um entsprechende therapeutische Antworten. In Absatz 8–14 werden zudem verschiedene Symptome geschildert, an denen ärztlicherseits ein ‚Zuviel‘ oder ‚Zuwenig‘ erkannt werden und in welcher Form die Kieselsäure therapeutisch eingesetzt werden kann.[8] Dabei kommt auch hier einer Schwefelkur eine besondere Bedeutung zu, wie das schon in Kapitel XIII angeführt wurde, weil dadurch „&#039;&#039;die Verteilung der&#039;&#039; &#039;&#039;lokalisierten Kieselsäurewirkung auf den ganzen Organismus“[9]&#039;&#039; gefördert werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[10]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. A. von Humboldt (1803), 27r.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27, Kapitel XIV.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Ebenda, S. 70.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. Gillette-Guyonnet u. a. (2007), 119–124.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Vgl. Ternes (2013); Voronkov u. a. (2022).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Vgl. FN 2, S. 70.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Siehe auch die Ausarbeitungen und Indikationen im Vademecum, bei Anthromedics und im Archiv des Merkurstabs, die eine Fülle therapeutischer Erfahrungen beinhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. FN 2, S. 72.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== SINNES- UND TATENMENSCH ALS INSTRUMENTE DES ICH ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern sind die Sinne und die Gliedmaßen des Menschen Kontaktorgane?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann Schule die Kontaktfähigkeit ihrer Schüler verstärken?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie schult man die eigene Intuitionsfähigkeit?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zweifacher Kontakt mit der Umgebung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der physische Leib tritt auf zweierlei Art mit seiner Umgebung unmittelbar in Kontakt:  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Einmal über die &#039;&#039;&#039;Sinne(sorgane)&#039;&#039;&#039;, durch die die leibfreien Wesensglieder wie hi­naus­gehen und wahrnehmen. &lt;br /&gt;
* Zweitens dienen die &#039;&#039;&#039;Gliedmaßen&#039;&#039;&#039; als Instrumente der Kontaktaufnahme. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann auch sagen, die Kontaktaufnahme geschieht über die Anschauung und die Tat – insofern spreche ich von Sinnes- und Tatenmensch. Das ist aber nicht das Gleiche wie die Einteilung in Nervensinnessystem und Stoffwechsel-Gliedmaßensystem als Teile der Drei­gliederung. Der Sinnes- und der Tatenmensch werden hier als Instrumente des Ich betrachtet, durch das die Drei­glie­derung als Dreiheit in der Einheit verbunden bleibt. Wir fallen nicht pathologisch bzw. psy­chotisch in Denken, Fühlen und Wollen auseinander, sondern wir sind trotz all unserer unterschiedlichen Schwerpunkte in der La­ge, das System als Gesamtheit zusammenzuhalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Gestörter Kontakt zur Sinneswelt&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Setzt sich einer der drei Bereiche des dreigegliederten Organismus durch, so äußert sich das  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* entweder als &#039;&#039;&#039;Angst&#039;&#039;&#039;, die mit dem Bewusstsein assoziiert ist&lt;br /&gt;
* oder als &#039;&#039;&#039;Aggression und Wut,&#039;&#039;&#039; die mit dem Stoffwechsel assoziiert sind&lt;br /&gt;
* oder als &#039;&#039;&#039;Klammern&#039;&#039;&#039; an der Mama oder anderen Menschen aufgrund von Einsamkeit und Sich-vernachlässigt-Fühlen, Sich-allein-Fühlen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In allen drei Fällen haben die Betroffenen einen gravierend gestörten Kon­takt zur Um- und Mitwelt. Sie tun meist nur, was sie wollen, anstatt das, was sie sollen. Dieses Verhalten zeigt, dass das Verhältnis zur Welt wie auch zum eigenen Willen gestört ist. Das ist alles Ausdruck einer primären Ich-Inkar­nationsstörung, d.h. das Ich konnte sich nicht um das ganze System kümmern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Prävention und Therapie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Als Prävention und Therapie sind die Sinne über künstlerisches Üben bzw. anschaulichen, bildhaften, charakterisierenden, künstlerisch gestalteten Unterricht anzusprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Anschauung vertiefen und kultivieren (Sinnesmensch) ====&lt;br /&gt;
Bei Verhaltensstörungen und Schwierigkeiten in der Unterstufe, sagt Rudolf Steiner, solle der Lehrer eine sinnige Geschichte erzählen, in der er genau die Verhaltensstörungen der Kinder aufgreift und ins Bild bringt und so den Kindern vor Augen stellt, wodurch das völlig freie unschuldige Ich die Situation anschauen und daraus heilende, ordnende Botschaften empfangen kann, die es dann über das Denken, Fühlen und Wollen auf die anderen Wesensglieder überträgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch alles Kognitive soll über die Sinne vermittelt werden, weil über den Weg von der Eins (Ich-Aktivität) in die Drei (Denken, Fühlen und Wollen) die Zusammenhaltekraft unterstützt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Gliedmaßenmensch schulen (Tatenmensch) ====&lt;br /&gt;
Die zweite Hauptaufgabe besteht in der Schulung des leibfreien Willens durch eine Locke­rung der Ich-Organisation aus den Gliedmaßen insbesondere durch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gymnastik,&lt;br /&gt;
* Heileurythmie&lt;br /&gt;
* Eurythmie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner sagt, die gesamte Zukunftsentwicklung des Menschen hänge davon ab, dass sich die Ich-Organisation aus den Gliedmaßen herauszulösen und immer mehr mit der Umgebung zu verbinden lernt. Diese Willensverbindung mit dem anderen nennen wir In­tuition.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Intuition über Nacht&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Um mit den Schülern an den erforderlichen Fähigkeiten arbeiten zu können, um zu wis­sen, was sie brauchen, müssen Lehrer und Schularzt über therapeutische bzw. päda­gogische Intuition verfügen. Dieser leibfreie, tief unbewusste Willen hat nichts mit dem Astralleib zu tun (der ihn bewusst machen könnte). Er ist reine Ich-Kraft, reine Halte­kraft, reine geistige Präsenz. Wenn wir durch diese Kraft auch unserem Denken und Fühlen Orientierung geben – weil das Ich einheitlich gestaltend wirkt – dann kann dieser aus den Gliedmaßen gelöste freie Wille als Intuitionskraft einen wirklichen Kontakt herstellen zu den Kindern, Eltern und Lehrern – und die unmittelbaren Botschaften dieser Menschen aufnehmen. Rudolf Steiner sagt, wir könnten uns in diese Richtung entwickeln, wenn wir mit dem Gebet in die Nacht gehen: &#039;&#039;„Nicht mein, sondern dein Wille geschehe!“&#039;&#039;[1] Fragen wir zudem die Betreffenden im Geiste: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie muss ich mich verhalten, dass es besser wird mit dir?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was muss ich dir geben, was brauchst du von mir?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wird die Antwort am nächsten Morgen im Bewusstsein aufleuchten, weil sich das Ich über Nacht in den Kosmos hinausbegeben und mit den Engeln geredet hat. Wenn es sich da­nach wieder mit dem Körper verbindet, prägt sich die mitgebrachte intuitive Botschaft dem Denken ein. Man hat dann, wenn man Glück hat, einen Einfall, ein Bild und weiß plötz­lich, was zu tun ist, was für diesen Menschen und diese Situation richtig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles in diesem Zusammenhang kompliziert Erscheinende, auch das Rätsel, wie man an diese intuitive Schicht herankommt, wird verständlich, wenn man Dreigliederung und Viergliederung im Zusammenhang betrachtet. Wenn man versteht, wie Intuition men­schen­kundlich zustandekommt, kann man sie übend viel bewusster handhaben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag „Schulabsenz und die Gründe dafür“, Schulärztetagung 2014&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Neues Testament, &#039;&#039;Lukas&#039;&#039; 22, 42.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE METAMORPHOSE DER WACHSTUMSKRÄFTE IN GEDANKENKRÄFTE ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist unter der Metamorphose der Wachstumskräfte in Gedankenkräfte gemeint?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wann und wo vollzieht sich diese Verwandlung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Denkkräfte sind verfeinerte Wachstumskräfte&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Diese im Ätherleibe wirksamen Kräfte betätigen sich im Beginne des menschlichen Erdenlebens&#039;&#039; – &#039;&#039;am deutlichsten während der Embryonalzeit&#039;&#039; – &#039;&#039;als Gestaltungs- und Wachstumskräfte. Im Verlaufe des Erdenlebens emanzipiert sich ein Teil dieser Kräfte von der Betätigung in Gestaltung und Wachstum und wird Denkkräfte, eben jene Kräfte, die für das gewöhnliche Bewusstsein die schattenhafte Gedankenwelt hervorbringen.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Es ist von der allergrößten Bedeutung zu wissen, dass die gewöhnlichen Denkkräfte des Menschen die verfeinerten Gestaltungs- und Wachstumskräfte sind. Im Gestalten und Wachsen des menschlichen Organismus offenbart sich ein Geistiges. Denn dieses Geistige erscheint dann im Lebensverlaufe als die geistige Denkkraft.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und diese Denkkraft ist nur ein Teil der im Ätherischen webenden menschlichen Gestaltungs- und Wachstumskraft. Der andere Teil bleibt seiner im menschlichen Lebensbeginne innegehabten Aufgabe getreu. Nur weil der Mensch, wenn seine Gestaltung und sein Wachstum vorgerückt, das ist, bis zu einem gewissen Grade abgeschlossen sind, sich noch weiter entwickelt, kann das Ätherisch-Geistige, das im Organismus webt und lebt, im weiteren Leben als Denkkraft auftreten.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;So offenbart sich der imaginativen geistigen Anschauung die bildsame (plastische) Kraft als ein Ätherisch-Geistiges von der einen Seite, das von der anderen Seite als der Seelen-Inhalt des Denkens auftritt.“&#039;&#039;&#039;[1]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner beschreibt weiter, wie sich auch Astralleib und Ich-Organisation entsprechend der Metamorphose der Wachstumskräfte in Gedankenkräfte im Zuge von Wachstum und Entwicklung aus dem physischen Leib heraus „metamorphosieren“ und frei werden für die Seelentätigkeiten von Fühlen und Wollen. Sie tun dies „auf den Bahnen des Ätherischen“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ort der Herauslösung der Ätherkräfte&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;An welchem Ort aber kann diese Herauslösung stattfinden?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt nur ein Organ, in dem das strömende Blut als Träger der vier Ätherarten zum Stillstand kommt und der Ätherkraft dadurch die Möglichkeit gibt „zu sterben“, d.h. aus dem physischen Lebenszusammenhang herauszugehen: &#039;&#039;&#039;das Herz&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende der Diastole, in der sogenannten „Diastase“, tritt ein winziger Moment ein, in dem jede Fließeinheit des strömenden Blutes zum vollständigen Stillstand kommt, bevor die Austreibungsphase der systolischen Herzbewegung beginnt. Unser bewusstes Seelenleben wird sozusagen aus dem Herzensgrund heraus geboren,[2]&amp;lt;sup&amp;gt;, [3]&amp;lt;/sup&amp;gt; am Gehirn reflektiert und dann mehr oder weniger frei, bewusst und „herzlich“ gehandhabt. Das „Denken mit dem Herzen“ hat diesen besonderen physiologischen Bezug: Wenn das, was gedacht wird, „zu Herzen“ geht und von dort herzlich weiterwirkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Raphael und die Mysterien von Krankheit und Heilung“, Medizinische Sektion am Goetheanum 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen.&#039;&#039; GA 27, Dornach 1991, S. 12-13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Medizinische Sektion am Goetheanum (Hrsg.), &#039;&#039;Meditationen zur Herztätigkeit gegeben von Rudolf Steiner.&#039;&#039; Dornach 2014.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Christoph Rubens, Peter Selg (Hrsg.), &#039;&#039;Das menschliche Herz, Kardiologie in der Anthroposophischen Medizin,&#039;&#039; Arlesheim 2014.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== UNSER SEELENLEBEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist unter Seele zu verstehen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sind charakteristische Merkmale der menschlichen Seele?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Seele als Innenraum mit beweglichen Grenzen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Was unsere Seele ausmacht, können wir nur durch Beobachtung des eigenen Innenlebens erschließen. Unsere Seele ist gleichsam ein in sich geschlossener Innen­raum, in dem sich jeder für sich allein bewegt und der sich von dem aller anderen unterscheidet. So gesehen, ist die Seele der Lebensraum unserer Persönlich­keit. Er kann sich weiten oder eng werden, je nach unseren Lebensumständen und wie wir damit umgehen. Er kann in der Depression so zusam­menschrumpfen, dass wir nur noch uns selbst erleben und kein Interesse und keine Anteilnahme an der Welt mehr aufbringen können. Umgekehrt kann er im Zustand voller seelischer Gesundheit so weit werden wie die Welt. Wir können die Probleme um uns herum wahr- und ernstnehmen, und in uns seelisch bewegen. Der Seelenraum ist dann so weit, wie unser Bewusstsein reicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Mensch, der sich für viele und vieles interessiert, hat in der Re­gel keine Zeit, über ein ge­wisses Maß hinaus persönliche Probleme zu bewegen. Er kann es sich nicht lei­sten über Unangenehmes zu brüten, damit zu hadern, darüber unzufrieden zu sein. Er wird nicht allzu viel Energie ins Grübeln über die eigene Befindlichkeit investieren. Das geschieht aber umso mehr, je enger und selbstbezogener der eigene Seelenhorizont ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere Seele ist demnach immer in Bewegung und hat keine endgültigen Grenzen. Sie ist unser persönliches Erlebnisfeld, das von Gesundheit und Krankheit, von den jeweiligen Lebensum­ständen, sprich, von unserem Schicksal, stark geprägt wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Bewusstes Gestalten des Seelenraumes&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aber eines müssen wir uns klarmachen: Unsere Persönlichkeit braucht diesen seelischen Lebensraum. Unser Lebensglück hängt davon ab, ob wir lernen, diesen Raum bewusst selbst mitzugestalten und ihn nicht nur durch Einflüsse von außen bestimmen zu lassen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie ist ein solches Mitgestalten möglich?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Seelen­raum leben unsere Gedanken, Wünsche, Erinnerun­gen, Erfahrungen, unsere Lebensmotive, Gefühle und Wil­lensintentionen. Eine Fülle von Empfindungen, Gefühlen, Trieben und Absichten hängt mit unserem Körper zusammen. Wenn wir z.B. hungrig sind und Lust auf dieses und jenes haben, wonach unser Körper verlangt, wird ein großer Teil unseres Seelenlebens unmittelbar davon geprägt. D.h. sehr viele Seelenregungen entstammen Bedürfnissen, die wir eindeutig als leib­gebunden empfinden. Dazu gehört z.B. auch, dass, wenn wir einen schweren Durchfall haben, wir uns seelisch schlapp und lustlos fühlen. Oder dass wir, wenn wir sehr müde sind, uns plötz­lich nicht mehr so engagieren können, einfach weil wir nicht mehr dazu in der Lage sind, weil wir „kaputt“ sind. Derartige Er­fahrungen führen dazu, dass manche Menschen meinen, das Seelenleben an sich wäre leibge­bunden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beschäftigt man sich jedoch intensiver mit dem eigenen See­lenleben, merkt man, dass das nicht stimmt. Beim Tier ist die Leibge­bundenheit außerordentlich stark, weil die Verhaltensmuster innerhalb einer Gattung einander ähnlich sind und bleiben. Gerade das ist beim Menschen völlig anders: Er kann sich an jede neue Umgebung anpassen, kann immer neue Lernprozesse in Angriff nehmen. Wir Menschen haben nicht nur unbegrenzte Anpassungsmöglichkeiten an die Umgebung, sondern auch unbegrenzte Möglichkeiten uns zu distanzieren, uns innerlich abzugrenzen – auch von uns selbst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manche Menschen haben eine krumme Nase oder schielen und haben deswegen ihr ganzes Leben lang Komplexe. Sie schaffen es nicht, sich innerlich mit einer körperlichen Eigenheit abzufinden. Dann wiederum gibt es andere, die sich bis etwa Mitte zwanzig noch krause Locken wünschen oder auch beim Friseur machen lassen – bis sie sich mit ihrem So-Sein identifizieren können bzw. sich innerlich von dem äußeren Makel distanzieren. Gelingt es uns, eine ge­wisse Unabhängigkeit vom Körper zu gewinnen, quasi die eigene Körperbezogenheit in dieser Hinsicht zu verringern, dann gewinnen wir eine viel freiere Einstellung uns selbst und anderen Menschen gegenüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl.&#039;&#039; &#039;&#039;Vortrag, „Die männliche und weibliche Konstitution“, 1987&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== SEELENLEBEN, ERZIEHUNG UND KÖRPERBAU ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern wird unser Seelenleben von unserer Erziehung bzw. von unserem Körperbau bestimmt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worin liegt der Freiraum, das eigene Schicksal mitzugestalten?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Individuelle Möglichkeiten der Mitgestaltung     &#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wir Menschen haben nicht nur unbegrenzte Anpassungsmöglichkeiten &#039;&#039;an&#039;&#039; die Umgebung, sondern auch unbegrenzte Möglichkeiten uns zu distanzieren, uns innerlich abzugrenzen – auch von uns selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich hängt sehr viel von der Erziehung ab. Wem ständig eingeredet wurde, dass er zu dick ist oder dies und das nicht so ist, wie es sein sollte, wird ziemlich lange von einem solchen Trauma bestimmt werden. Ganz anders ein Mensch, dessen Blick früh auf wesentliche, über das Persönliche hinausgehende Dinge gelenkt worden ist, und der so angenommen wurde, wie er war. Im Krieg gab es oft Menschen, die um anderer willen lange Zeit Hunger ertragen konnten. Andere wiederum waren so verzweifelt oder selbstbezogen, dass sie ihr eigenes Kind aussetzten, um selber satt zu werden. In solchen Situationen treten gewaltige Unterschiede zutage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es hängt sehr stark von den eigenen Erfahrungen und Erlebnis­sen und vom persönlichen Entwicklungsstand ab, inwieweit das Seelenleben als vom Körper bestimmt oder als von ihm auf unterschiedliche Weise beeinflusst erlebt wird. Das ist auch richtig so – jeder Mensch hat das Recht auf sein eigenes Entwicklungstempo. Keinem kann ein Vorwurf dar­aus gemacht werden, dass er „noch nicht weiter ist“. Und die Tatsache, dass es Menschen gibt, die anders oder auch reifer sind als man selbst, sollte lediglich Ansporn sein, sich in dieser oder jener Richtung selber auf den Weg zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Schicksal mitgestalten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Sich über bestimmte Verhaltensweisen ande­rer moralisch zu entrüsten, bedeutet einen Rückschritt in der eigenen Entwicklung – und der Verurteilte wird dadurch auf seinem Weg nicht weitergebracht. Den Weg der Entwicklung muss jeder selber gehen. Dass wir einander dabei nur selten etwas abnehmen können, ist bisweilen schwer zu ertragen. Andererseits beruht unsere Freiheit gerade darauf, dass wir dazu aufgerufen sind, unser Schicksal mitzugestalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenfassend können wir sagen, der Leib begrenzt das Seelenleben in einer charakteristischen Weise:[1] In einem zarten Körper lebt es sich anders als in einem stämmigen oder schweren Körper. In einem Körper, der starken Trieben unterworfen ist, lebt es sich seelisch anders als in einem Körper, dessen Organ­funktionen in Harmonie miteinander stehen, sodass kein starker Triebdruck entsteht. Aber auch hier ist es so, dass der Mensch im Laufe seines Lebens sehr viel, bis ins Kör­perliche herein, aus eigener Kraft an sich selbst verändern kann, ja selbst bis in seine Organfunktionen hinein. Ein ganz großer Irrtum ist es zu meinen, so wie man ist, müsse man sein gan­zes Leben lang bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl.&#039;&#039; &#039;&#039;Vortrag, „Die männliche und weibliche Konstitution“, 1987&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Theosophie,&#039;&#039; aus Kapitel &#039;&#039;Leib. Seele und Geist,&#039;&#039; GA 9.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ZWÖLF SINNESFUNKTIONEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Möglichkeiten eröffnen uns die zwölf von Rudolf Steiner beschriebenen Sinnesfunktionen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zwölf Sinnesmodalitäten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der anthroposophischen Menschenkunde werden zwölf Sinnesmodalitäten beschrieben.[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.    Der &#039;&#039;&#039;Tastsinn&#039;&#039;&#039; vermittelt &#039;&#039;Selbsterleben an der Körpergrenze&#039;&#039; und Geborgenheit durch Berührung und Körperkontakt; aus beidem resultiert Existenzvertrauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.    Der &#039;&#039;&#039;Lebenssinn&#039;&#039;&#039; vermittelt &#039;&#039;Behaglichkeits- und Harmonieerleben&#039;&#039; und ein Empfinden dafür, ob die Vorgänge im eigenen Körper, aber auch diejenigen, die im Umkreis wahrgenommen werden, zusammenstimmen oder nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3.    Der &#039;&#039;&#039;Eigenbewegungssinn&#039;&#039;&#039; vermittelt die &#039;&#039;Wahrnehmung der eigenen Bewegung&#039;&#039;; daraus erwächst das Erlebnis von Freiheit und Selbstbeherrschung als Folge der freien Beherrschung des Bewegungsspiels.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4.    Der &#039;&#039;&#039;Gleichgewichtssinn&#039;&#039;&#039; vermittelt das &#039;&#039;Erleben der Lage im Raum&#039;&#039;, des jeweiligen Gleichgewichtszustands und der damit verbundenen Fähigkeit, den Gleichgewichtspunkt auch zu empfinden – was zum Erleben von innerer Ruhe führt. Die spätere Fähigkeit, innere Ruhe, seelisches Gleichgewicht zu üben, hat darin ihre Empfindungsgrundlage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5.    Der &#039;&#039;&#039;Geruchssinn&#039;&#039;&#039; vermittelt &#039;&#039;Verbundenheit mit den Duftstoffen&#039;&#039;, begleitet von starker Sympathie oder Antipathie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6.    Der &#039;&#039;&#039;Geschmackssinn&#039;&#039;&#039; vermittelt die &#039;&#039;Qualitäten süß, sauer, salzig, bitter&#039;&#039; und, zusammen mit dem Geruchssinn, von differenzierten Geschmackskompositionen, begleitet von starkem Sympathie- oder Antipathieerleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7.    Der &#039;&#039;&#039;Sehsinn&#039;&#039;&#039; vermittelt &#039;&#039;Licht- und Farberleben&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;8.    &#039;&#039;Der &#039;&#039;&#039;Wärmesinn&#039;&#039;&#039; vermittelt &#039;&#039;Wärme- und Kälteerleben.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9.    Der &#039;&#039;&#039;Hörsinn&#039;&#039;&#039; vermittelt &#039;&#039;Tonerlebnisse&#039;&#039; &#039;&#039;und erschließt das Erleben des seelischen Innenraums&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10.  Der &#039;&#039;&#039;Wortsinn&#039;&#039;&#039; vermittelt &#039;&#039;Gestalt- und Physiognomie-Erleben&#039;&#039;, bis hin zum Erfassen der Lautgestaltung eines Wortes und seiner Eigenbedeutung. Zum Beispiel sagt „Ljubow“ etwas anderes aus über das Wesen der Liebe als „Amour“, „Amore“ oder „Love“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
11.  Der &#039;&#039;&#039;Gedankensinn&#039;&#039;&#039; vermittelt unmittelbares &#039;&#039;Sinnerfassen eines Gedankens&#039;&#039; beziehungsweise eines Gedankenzusammenhanges.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
12.  Der &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Ich-Sinn&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; vermittelt die &#039;&#039;Wesenserfahrung eines anderen Ich&#039;&#039;. Er ermöglicht die Wahrnehmung der geistigen Kraftkonfiguration eines anderen Menschen und ein Erleben von dessen Wesensart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zweifaches Erleben über die Sinne&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Jede Sinneserfahrung beinhaltet immer ein zweifaches Erleben: das Erleben des Objektes – z.B. der Geruch einer Speise – und das Selbsterleben, Wohlgefühl oder Ekel, das dadurch ausgelöst wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Sinnesentwicklung und Leiberfahrung“ heißt das grundlegende Buch von Karl König, das er vor dem Hintergrund seiner therapeutischen Erfahrung als Arzt in der Heilpädagogik geschrieben hat.[2] Es hängt in hohem Maße vom Gebrauch der Sinne ab, insbesondere in den ersten Lebensjahren, ob sich die Leiberfahrung so gestaltet, dass der sich entwickelnde Mensch daran in umfassender Weise sich selbst erleben und „sich finden“ kann oder ob durch Defizite in der Sinneserfahrung diese Selbsterfahrung nur eingeschränkt möglich war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Begabungen und Behinderungen“, 8. Kapitel, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2004&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Anthroposophie. Ein Fragment aus dem Jahre 1910&#039;&#039;. GA 45, Dornach 1980, und Vortrag am 29. August 1919, in: &#039;&#039;Allgemeine Menschenkunde&#039;&#039; &#039;&#039;als Grundlage der Pädagogik.&#039;&#039; GA 293, Dornach 1992.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine ausführlichere Darstellung der zwölf menschlichen Sinnestätigkeiten und ihrer Pflege durch die Erziehung findet sich in Wolfgang Goebel / Michaela Glöckler: &#039;&#039;Kindersprechstunde.&#039;&#039; Stuttgart 1995.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Albert Soesman, &#039;&#039;Die zwölf Sinne –Tore der Seele.&#039;&#039; Stuttgart 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Karl König, &#039;&#039;Sinnesentwicklung und Leiberfahrung.&#039;&#039; Stuttgart 1997.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ATMUNG, KREISLAUF – GEFÜHLSLEBEN UND KUNST ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie hängen Gefühlsleben und Leibesentwicklung zusammen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Rhythmische Tätigkeit von Herz und Lungen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Blicken wir auf den Zusammenhang von Leib und Seele, so finden wir im Organismus zwei Organsysteme, die ein getreues Abbild der musikalisch-rhythmischen Qualität des Gefühlslebens sind: Atmung und Kreislauf. Herz und Lungen sind unentwegt von der Geburt bis zum Tod rhythmisch tätig. Sie vermitteln durch Spannung und Entspannung, Betätigung und Ruhe unausge­setzt zwischen Selbst und Welt (Atmung) sowie zwi­schen Körperzentrum und Körperperipherie (Herz).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher erstaunt es nicht, dass jede Sinnesempfindung und jedes Gefühl auf Atmung und Herzschlag einen unmittelbaren Einfluss haben. Eine aufregende Nachricht lässt uns tief Luft holen und das Herz schneller schlagen. Unter Anspan­nung wechseln flache, schnelle und tiefe Atemzüge auf unharmonische Weise einander ab. In der Aufre­gung kann das Herz bis zum Halse klopfen und vor Schreck stol­pern, ja sogar fast „stehenbleiben“. Umgekehrt kann ruhiges, geführtes Atmen (z.B. beim Zahnarzt oder bei der Geburt) die Angst nehmen und die Schmerzen erträglicher machen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Gefühlsleben hängt mit den differenzierenden Wachstumskräften zusammen. Die Differenzierung von Geweben und Organen während der Embryonalentwicklung beruht auf bestimmten Proportionen und Zahlenverhältnissen, die ihrerseits wieder musikalisch darstell­bar sind.[1] Im Zusammenspiel von Herz- und Atemrhythmus fin­det die musikalische Konstitution des menschlichen Organis­mus ihr Zentrum. Werden die differen­zierenden Kräfte nach der Ausreifung des mittleren Systems leibfrei, bilden sie die Grundlage für die seelische Fähigkeit des Fühlens. D.h. das Erwachen und Erleben von Gefühlen ist an diese Organe genauso gebunden wie die Bildung und das Bewusstwerden von Gedan­ken an das Nervensystem. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Voraussetzungen für ein gesundes Gefühlsleben&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner hat diese Tatsache nach 30jähriger Forschung erstmals 1917 in seinem Buch „Von Seelen­rätseln“ beschrieben.[2] Will man einem Kind eine gute Lebensgrundgestimmtheit mit auf den Weg geben, so müssen die heranreifenden rhythmischen Systeme von Atmung und Kreislauf in gesunder Weise angeregt und unterstützt werden: Ein gesundes soziales Klima im Umkreis des Kindes, wie z.B. ein harmonisches Familienleben, bildet die wichtigste Voraussetzung. Folgt der Tageslauf einem gesunden Rhythmus, in dem Arbeit und Ruhe sich sinn­voll abwechseln, so kann beim Kind ein Gefühl von Gebor­genheit und Sicherheit entstehen. Es erlebt sich eingebettet in sinnvolle Zusammenhänge und wiederkehrende Ereignisse, auf die es sich verlassen und freuen kann, und mit denen es auch rechnet. Auf diese Weise ent­steht eine stabile Grundlage, um späteren Stress-Situationen gewachsen zu sein. Denn auf der Basis einer harmonischen Grundgestimmtheit lassen sich extreme Situationen leichter aushalten und ausbalancieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Künstlerischer Ansatz als Unterstützung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Gelingt es, Kinder in der Schule gefühlsmäßig zu erreichen und in jeder Unterrichtsstunde mit Spannung und Lösung zu arbeiten, Freudiges und Ern­stes zum Erlebnis zu bringen, so wird vonseiten der Erziehung das Notwendige getan, um regulierend und stimulierend auf die Ent­wicklung von Atmung und Kreislauf einzuwirken. Wo dies in der Kindheit nicht möglich war, stellen sich dem Erwachsenen unter Umständen schwere Aufgaben für die Selbsterziehung. Nur bei wenigen Menschen werden heutzutage in Familie und Schule die Voraussetzungen für einen aus­geglichenen Gemütszustand geschaffen. Meist muss lebenslang selbst daran gearbeitet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die künstlerischen Therapien können dabei eine große Hilfe sein. Denn in der Kunst haben wir es mit denselben Gesetzmäßigkeiten zu tun, nach denen der Leib gebildet ist:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;&#039;Gesetze des Lebendigen&#039;&#039;&#039;, des Wachsens, Ge­staltens und Bildens finden wir in &#039;&#039;Plastik und Architektur&#039;&#039; wieder.&lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;&#039;Gesetze, die dem Gefühlsleben zugrundeliegen&#039;&#039;&#039;, in &#039;&#039;Malerei und Musik.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Und die &#039;&#039;&#039;Gesetze des Willenslebens&#039;&#039;&#039; in &#039;&#039;Sprache und Eurythmie&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Kapitel&#039;&#039; „&#039;&#039;Wie sind Leib, Seele und Geist in Gesundheit und Krankheit verbunden?&#039;&#039;“, &#039;&#039;Elternsprechstunde, Verlag Urachhaus, Stuttgart&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. Armin Husemann, &#039;&#039;Der musikalische Bau des Menschen&#039;&#039;, Stuttgart 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Von Seelenrätseln&#039;&#039;, GA 21.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE SIEBEN LEBENSPROZESSE ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was versteht Rudolf Steiner unter den sieben Lebensprozessen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann man jeden einzelnen charakterisieren?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie lassen sie sich auf soziale Prozesse anwenden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Lebensprozesse auf allen Ebenen des Menschseins         &#039;&#039;&#039;                 &#039;&#039;&#039;&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ein Einzeller kann alles, ist omnipotent. Auch eine gesunde befruchtete menschliche Eizelle ist omnipotent: Sie ist sensibel, beweglich, kann sich ernähren, zeigt alle sieben Lebensprozesse. Die nachfolgend charakterisierten Lebensprozesse haben ihre Gültigkeit auf allen Ebenen des körperlichen, seelischen und geistigen Lebens, aber auch für die verschiedenen sozialen Prozesse. Ein sozialer Konflikt zeigt immer an, dass mindestens einer der Lebensprozesse in seiner Funktion nachhaltig gestört ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Öffnung, Atmung ====&lt;br /&gt;
Am Anfang allen Lebens steht die Öffnung gegenüber der Umwelt. Etwas Totes braucht kein Milieu und keinen Umkreis, aus dem es und für den es lebt. Wenn etwas ins Leben kommt, schafft es sich den Umkreis, den es braucht. Totes kann liegen, wo es will, für Millionen von Jahren, das stört niemanden. Etwas Lebendiges kann nur existieren, wenn ein Umkreis vorhanden ist, mit dem ein Wechselspiel von Aufnehmen und Abgeben stattfindet. Das macht alles Leben verwundbar. Leben ist ein offenes System, ist in Entwicklung, ist prozessual, hat einen Anfang und ein Ende. Leben fängt also mit dem Sich-Öffnen an. Wenn Ei und Sperma sich begegnen, ist die Ei-Oberfläche für einen Moment offen für das Sperma, es kann hinein und dann ist sie wieder geschlossen. Damit beginnt das Leben. Zur Öffnung gegenüber dem Umkreis gehören auch die Öffnungen der Sinne, die Atmung, die Ernährung. Nur wo geistige und soziale Offenheit herrscht, menschliche Offenheit, kann Leben gedeihen. Wir können nicht auf Dauer zumachen, den Atem anhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Wärmung, Anpassung ====&lt;br /&gt;
Den zweiten Prozess nennt Rudolf Steiner Wärmung, das Anwärmen, warming-up. Es ist ein Prozess des Warmwerdens mit den Gegebenheiten. Gelingt die Anpassung nicht, das Warm-Werden mit dem Aufgenommenen, fühlt sich der Organismus belastet und kann erkranken. Z.B. erkältet man sich, wenn man die Atemluft nicht genügend anwärmen kann, bevor sie weiter in den Körper eindringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Ernährung ====&lt;br /&gt;
Wenn man mit dem Aufgenommenen warm geworden ist, fängt die Ernährungsarbeit an. Diese ist an Verwandlungsprozesse geknüpft. Ernährung bedeutet immer auch Zerstörung des Gewordenen, um dem Werdenden oder auch einem anderen Wesen in seinem Lebenszusammenhang zu dienen, damit es zu etwas Neuem werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Sonderung, Entscheidung, Ausscheidung ====&lt;br /&gt;
Wenn Ernährung stattgefunden hat, kommt der Punkt, an dem sich die Frage stellt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was muss behalten werden, was ist weiter zu gebrauchen, und was muss wieder ausgeschieden werden?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Entscheidung steht an, physiologisch gesehen die Ausscheidung. Sonderung ist im Seelischen die Entscheidung zwischen Ja oder Nein. Das ist ein ganz wichtiger Lebensprozess, vor allem im Sozialen – aber auch im Denken, wenn ich entscheiden muss, ob etwas für mich stimmt oder nicht, ob man in einer Art und Weise weitermachen soll oder nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Selbsterhaltung ====&lt;br /&gt;
Fünf ist die Zahl der Krise, da bleiben die Prozesse oft stecken. Denn der fünfte Prozess – Selbsterhaltung – ist im Grunde wunderschön: Jetzt hat man alles, was man braucht, man ist stark, keiner kann einen so schnell umschmeißen. Man ist abgesichert, hat Haus und Garten, ein Auto, Geld, eine Familie, eine Karriere. Eigentlich braucht man doch nichts mehr... und genau das verursacht die Krise. Man sollte sich fragen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Bin ich nur für mich und meinen Eigenbedarf da?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Genügt es, mich selbst zu versorgen, oder gibt es noch etwas anderes zu tun?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 6. Wachstum ====&lt;br /&gt;
Wachstum geschieht, wenn mehr gebildet wird, mehr angesammelt, als man für sich braucht. Das kann bis ins hohe Alter so gehen. So besteht z.B. der Patientenverband „Gesundheit aktiv“ zu fast 90 % aus Rentnern. Wir bekommen keinen jungen Nachwuchs, es ist ganz mühsam, noch Mitglieder zu werben. Doch diese rührenden Rentner, die zu 70 % wirklich kein Geld haben, spenden im Jahr 10 € oder 20 €. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überschusskraft zu haben bedeutet, dass man in der Lage ist zu schauen, wo man noch etwas unterstützen kann, wo man über sich hinauswachsen kann und der Mitwelt etwas mitgeben bzw. zurückgeben kann, um so seine Dankbarkeit und Lebensfreude zu zeigen. Wir können ja niemals für all das danken und all das zurückgeben, was wir im Laufe unseres Lebens bekommen haben. Da bleibt immer ein gewaltiger Rest an Geschenktem. Der Wachstumsprozess kann das ein bisschen ins Bewusstsein bringen, indem man überlegt, für wen oder für was man etwas übrighat, sodass anderes gefördert und entwickelt wird oder neu entstehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 7. Reproduktion ====&lt;br /&gt;
Der siebte Lebensprozess führt ganz in die Selbstlosigkeit: Reproduktion bedeutet unter diesem Aspekt, etwas vollkommen von sich abzulösen und gehen zu lassen. Physisches Urbild für den gesunden siebenten Lebensprozess ist das Durchschneiden der Nabelschnur. Der schmerzliche Schnitt bringt die Selbstüberwindung, die dafür nötig ist, ins Bewusstsein. Wenn man etwas aus sich heraussetzt, löst es sich los und man lässt es gehen – wie eine gute Mutter, die ihr Kind gehen lässt, ohne einen Vertrag mit ihm zu machen, wie viele Karten und Telefonanrufe kommen müssen, damit der junge Mensch – auch wenn er nicht mehr zuhause lebt – weiterhin ein gutes Kind bleiben kann. Man vermittelt ihm: „Du bist jetzt dein eigener Herr. Ich werden dir zwar noch helfen, bin aber nicht mehr der Bestimmer. Du hängst nicht mehr an meiner Nabelschnur.“ Das ist Reproduktion im Sinne des Zugestehens von Eigenwürde, des Ermöglichens von Eigenleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entartung der Lebensprozesse in zwei Richtungen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Alle Lebensprozesse können nach zwei Richtungen hin pathologisch entarten und aus dem gesunden Lebenszusammenhang aufgrund eines Zuviels oder Zuwenigs wie herausfallen. Gesundheit ist immer ein Sowohl-als-auch, ist ein labiles Gleichgewicht, ein ständiges Ringen – ist nie ein Entweder-Oder. Nimmt ein Pol überhand, wird etwas krankhaft. Der Mensch als Krisenwesen ist auf jeder Etappe seiner Entwicklung neu verwundbar und gefährdet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.    Eine &#039;&#039;&#039;Störung des Öffnungsprozesses&#039;&#039;&#039; liegt vor, wenn jemand zu offen bzw. zu verschlossen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.    Eine &#039;&#039;&#039;Störung des Anwärmungsprozesses&#039;&#039;&#039; liegt vor, wenn jemand sich zu stark anpasst bzw. sich gar nicht anpassen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3.    Eine &#039;&#039;&#039;Störung des Ernährungsprozesses&#039;&#039;&#039; liegt vor, wenn jemand zu viel bzw. zu wenig isst oder nimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4.    Eine &#039;&#039;&#039;Störung des Sonderungsprozesses&#039;&#039;&#039; liegt vor, wenn jemand immer alles wegwirft oder weggibt, aber auch, wenn man ein Messi[1] ist, nichts wegschmeißen kann und deshalb zwei Garagen voll mit Müll und Sachen hat, die einen sehr belasten, weil man gar keine Verwendung dafür hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5.    Eine &#039;&#039;&#039;Störung des Selbsterhaltungsprozesses&#039;&#039;&#039; liegt vor, wenn jemand nie mit sich zufrieden ist und immer das Gefühl hat, seine Leistung genüge nicht, wenn er nie echte Freude erleben kann über das, was er geschafft und erschaffen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6.    Eine &#039;&#039;&#039;Störung des Wachstumsprozesses&#039;&#039;&#039; liegt vor, wenn man keine Überschusskräfte entwickelt bzw. keine Dankbarkeit zu empfinden in der Lage ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7.    Eine &#039;&#039;&#039;Störung des Reproduktionsprozesses&#039;&#039;&#039; liegt vor, wenn jemand nicht in der Lage ist, etwas gehen zu lassen. Viele soziale Krankheiten rühren nur daher. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erleben wir die sieben Lebensprozesse in ihrer Pathologie, müssen wir sie z.B. im Rahmen der Therapie so handhaben, dass wir auf das gesunde Ideal blicken und entsprechend dem Ungesunden, Lebensfeindlichen gegenzusteuern versuchen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Lebensprozesse auf das Gedankenleben angewandt&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im Folgenden ein kleines konkretes Beispiel, das eigene Denken betreffend: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Jemand nimmt einen anthroposophischen Gedanken auf, &lt;br /&gt;
# arbeitet ihn durch, um damit warm zu werden,&lt;br /&gt;
# prüft, ob dieser Gedanke ihn ernährt oder nicht&lt;br /&gt;
# und sondert ihn aus, wenn er damit nichts anfangen kann.&lt;br /&gt;
# Wenn ja, macht er sich den Gedanken wirklich zu eigen und schaut, was er für das eigene Leben bedeutet. &lt;br /&gt;
# Mit der Zeit sammelt er Erfahrungen im Umgang damit, &lt;br /&gt;
# um schließlich herauszufinden, was er damit für die Welt tun kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophie möchte ja jeden individuellen Menschen ansprechen, der sich selbst zu verstehen versucht, der aber darüber hinaus auch das allen Gemeinsame, das Allgemein-Menschliche, erkennen möchte. Es geht eben um beides: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* um das Ganz-individuell-Werden &lt;br /&gt;
* und um das Über-sich-hinaus-Wachsen in das ganz Allgemeine.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag „Der Lebenssinn in Diagnostik und Therapie“, gehalten am 8. Januar 2016 an der Kunsttherapietagung&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Es gab auch einmal eine Tagung hier am Goetheanum über das Messi-Syndrom. Da zeigte sich, dass es in allen gesellschaftlichen Schichten und Weltanschauungen vorkommt. Es gibt auch Anthroposophen, die nichts wegschmeißen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== SCHWELLEN ZWISCHEN KÖRPER, SEELE UND GEIST ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Schwellen gibt es zwischen Körper, Seele und Geist?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Schwellen kennen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Es ist wichtig, die Schwellen zwischen dem Körper-, dem Seelen- und dem Geistesleben gut zu kennen. Physiologisch gesehen ist das Diaphragma, das Zwerchfell, eine solche Schwelle: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Alles,  was sich darunter befindet, hat mit unbewussten Vorgängen im Körper zu tun = &#039;&#039;&#039;Körperleben&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* Oberhalb des Zwerchfells kann der Mensch immerhin den Herzschlag und die Atmung     spüren, ist sich dieser Vorgänge ziemlich bewusst. Beide Systeme hängen eng mit dem &#039;&#039;&#039;Seelenleben&#039;&#039;&#039; zusammen.     &lt;br /&gt;
* In  seinem Denken, seinem Gedankenleben (= &#039;&#039;&#039;Geistesleben&#039;&#039;&#039;), ist man ganz be­wusst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Eine weitere Schwelle entdeckt man, wenn man begreift, dass die Gedanken sich nicht im Kopf befinden, sondern dass man sie &#039;&#039;um&#039;&#039; den Kopf herum wahrnehmen kann. Hellsichtige Menschen benützen das Wort &#039;&#039;&#039;„Aura“&#039;&#039;&#039; dafür. Gemäß der anthroposophischen Begrifflichkeit setzt sich die Aura aus unserem leibfreien Gedanken-, Gefühls- und Willenssystem zusammen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Meditativer Zugang zur Wärme“, Vortrag an der französischen Ärztetagung am Goetheanum, 13.03.2008&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== PHYSIOLOGIE DES EGOISMUS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern ist die Verdauung ein Bild für den Egoismus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Warum nennt Steiner die Verdauung als „Herd des Bösen“?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verdauung ist gesunder Egoismus&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Es gibt kein wahreres, stimmigeres Bild für den Egoismus als die Verdauung: Der physische Leib wird dadurch gebildet, dass die Natursubstanzen sich durch die Stoffwechseltätigkeit des Menschen verwandeln lassen in körpereigene Substanz. Der physische Leib des Menschen ist somit ein Ergebnis der verarbeiteten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* mineralischen&lt;br /&gt;
* tierischen&lt;br /&gt;
* pflanzlichen&lt;br /&gt;
* und, im Falle der Muttermilch, auch der menschlichen Welt. Denn auch die Muttermilch wird zerstört und in körpereigene Substanz umgewandelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das heißt, alle vier Naturreiche werden in einer Weise verarbeitet, dass jeder Mensch seinen eigenen Körper daraus aufbaut. Sprich: Eine gute Verdauung geht mit einer kompletten Zerstörung der Natur einher. Das ist reinster physiologischer Egoismus, den wir brauchen, um überhaupt leben zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verdauung als Herd des Bösen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Doch Rudolf Steiner nennt die Verdauung auch „Herd des Bösen“, denn in der Verdauung sind Kraft und Potential vorhanden, alles zu zerstören. Dem physiologischen Zerstörungsprozess des Verdauens verdankt der Mensch das instinktive Wissen, wie er die ganze Welt zerstören kann bzw. wie er perfide Waffen erfinden kann, die den „overkill“ umsetzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sprechen in der Medizin auch vom biologischen Ego mit all seinen Sensibilitäten, einemstraff organisierten System. Dazu gehört auch das Immunsystem mit seinen Immunbarrieren usw. Über die freiwerdenden Bildekräfte aus dem gesunden Ego-System der Verdauung, nachdem sie es gebildet haben, strahlt beim &#039;&#039;gesunden&#039;&#039; Kind Egoismus nun auch ins Seelische hinein, allerdings unbewusst, das wäre das Normale. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch Erlebnisse der Traumatisierung und Schädigung, durch jede Form der Ängstigung wird dieser normalerweise unbewusste Egoismus jedoch bewusst, weil sie das verwundbare Selbst angreifen. Dadurch wird der zunächst unbewusste Egoismus zunehmend verstärkt – mit leidvollen Auswirkungen für die betroffenen Kinder und ihr soziales Umfeld. Und auch für ihre Erzieher sind diese Kinder eine große Herausforderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob Erziehung zur Selbstlosigkeit gelingt oder nicht, hängt also von der Art ab, wie mit dem Kind vonseiten seiner Umwelt umgegangen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Ängste im Jugendalter und ihre Überwindung“,&#039;&#039; Vortrag auf der Schulärztetagung 2013&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== URSÄCHLICHER ZUSAMMENHANG VON ANGST UND DENKEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was hat das Denken mit Angst zu tun?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern sitzt uns Angst tatsächlich „in den Knochen“?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Angst als physiologisch-geistiges Phänomen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Unter jeder psychischen Krankheit liegt immer auch ein mehr oder weniger ausgeprägtes Angstpotential. Das liegt daran, dass unser Gefühlsleben angstdurchdrungen ist. Angst ist das Ergebnis einer „kosmischen Antipathie“, die unsere Knochen verdichtet,[1] die uns aber auch die Möglichkeit der Reflexion schenkt. Rudolf Steiner sagt in der &#039;&#039;„Allgemeinen Menschenkunde“&#039;&#039;[2]:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Das &#039;&#039;&#039;Gefühlsleben&#039;&#039;&#039; verdankt seine &#039;&#039;Sympathiefähigkeit&#039;&#039;, also alle positiven, sympathischen, offenen Gefühle, dem Willen, der Handlungsbereitschaft.&lt;br /&gt;
* Und es verdankt die &#039;&#039;Antipathie&#039;&#039;, also alle Angst, alles Zurückweisen, alle Impulse, anderes auf Distanz zu halten, dem &#039;&#039;&#039;Denken&#039;&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Denken und Reflexion als antipathische Vorgänge&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das Denkvermögen ist das Ergebnis der ätherischen Kräfte, mit denen der Mensch sich aus dem Makrokosmos herausgebildet hat, mit denen er den Körper bis hin zu den Knochen und Zähnen, dieser ganz dichten Materie, aufgebaut hat, und die, einmal leibfrei geworden, am Gehirn reflektiert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind allesamt rein antipathische Vorgänge:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* das Herausgesondert-Werden&lt;br /&gt;
* die Bildung von etwas Eigenem mit eigenen Grenzen&lt;br /&gt;
* das Freiwerden der grenzbildenden Kräfte aus dem Leib&lt;br /&gt;
* die Reflexion dieser Kräfte am Gehirn als unser Denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kompetenz zu reflektieren, zurückzuwerfen, Antipathie zu entwickeln usw. stellt eine grundlegende Bereitschaft der menschlichen Konstitution dar und ist ein völlig natürlicher funktionaler Prozess. Im seelischen Erleben treffen sich der &#039;&#039;sympathische Wille&#039;&#039; zuzupacken und das reflektierende &#039;&#039;antipathische Denken&#039;&#039; – das wird uns durch die Gefühlspolarität des Astralleibes bewusst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Hilfen im Umgang mit Angst im Schulalter&#039;&#039;“, Vortrag auf der Schulärztetagung 2013  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner sagt, der Großteil der Leibesangst säße im Knochen, weil er am stärksten mineralisiert sei. Er sagt sogar, Knochen bestünden aus kristallisierter Angst. Ahriman verdanken wir die mineralische Konstitution unseres Leibes und damit auch die Furcht. Denn die Kräfte, die unsere Organe bilden, treten später auch im Seelischen als Bildekräfte auf: Die organ- und auch knochenbildenden Kräfte strahlen quasi in das Seelische hinein. Das seelische Erleben von Angst ist also etwas ganz Natürliches und hat konstitutionelle Gründe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik.&#039;&#039; GA 293.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ZWISCHEN TIER UND MENSCH UNTERSCHEIDEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sind die wichtigsten Unterschiede zwischen Mensch und Tier?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worin sind sie begründet?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worin liegt der Sinn des menschlichen Andersseins?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Herausforderungen und Aufgaben sind damit verbunden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verwischten Unterschied neu erfassen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der prinzipielle Unterschied zwischen Mensch und Tier wurde als Folge der darwinistischen Evolutionstheorie in den letzten hundert Jahren zunehmend verwischt. Daher ist es wichtig, diesen Unterschied neu zu erfassen, wenn man den Menschen als einzigartiges „Wesen Mensch“ und nicht als Tier verstehen möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Tier ist es zwar möglich, sich individuell seelisch zu äußern – keine zwei Hunde gleichen sich in Bezug auf ihr Verhalten vollständig, auch wenn sie dem gleichen Wurf angehören –, aber es ist dennoch keinem einzigen Hund möglich, sich nicht wie ein regulärer Hund zu benehmen. In der tierischen Entwicklung fehlt der Faktor „individuelle Entwicklung“, der mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Offenheit&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Risikobereitschaft&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Scheitern-Können&#039;&#039;, was mit&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Aufgeben-Wollen&#039;&#039; einhergeht und in die&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Unberechenbarkeit&#039;&#039; der spezifisch menschlichen Existenz führt&lt;br /&gt;
* mit der ganzen typisch menschlichen &#039;&#039;Selbstfindungsproblematik&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* mitsamt ihren &#039;&#039;Identitätskrisen&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* und dem &#039;&#039;Erreichen des Nullpunktes&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus diesen menschlichen Schwächen erwächst, indem wir sie verstehen und überwinden, das enorme menschliche Potential, Mitschöpfer seiner Existenz zu sein. Das erfordert jedoch Entwicklungswillen, Arbeit an sich selbst, Selbstverantwortung und den Willen zur Freiheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht stellen wir Menschen uns deshalb gegenwärtig so gerne auf eine Stufe mit dem Tier, weil wir es insgeheim um seine fraglose Identität und um sein immer artgemäßes Verhalten beneiden. Die weisheitsvollen Gesetzmäßigkeiten der mineralischen Welt, der ätherischen Lebenszusammenhänge und der seelischen Verinnerlichungsmöglichkeiten kommen zwar in jedem einzelnen Tier-Individuum seinen Möglichkeiten gemäß auch individuell zum Ausdruck, immer auf instinktiv vollkommene und selbstverständliche Art und Weise. Kindheit, Jugend und Erwachsenwerden des Tieres werden von artgemäßen Instinkten bestimmt und können naturgegeben ausgelebt werden. Gerade diese instinktive Selbstverständlichkeit der Entwicklung, ist dem Menschen nicht gegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Lange Kindheit als Zeit für selbstbestimmte Entwicklung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Zoologe &#039;&#039;Friedrich Kipp&#039;&#039; ging in seinem Buch &#039;&#039;„Die Entwicklung des Menschen im Hinblick auf seine lange Jugendzeit“&#039;&#039; dem Unterschied zwischen Tier und Mensch evolutionsbiologisch nach.[1] Er zeigt auf, dass der Mensch eine im Vergleich zu den Säugetieren lange Kindheit und Jugend hat mit einer ausgedehnten Spiel- und Lernphase, wodurch seine Fähigkeit, sich lebenslang ändern und anpassen zu können, entscheidend unterstützt wird. Das zeigt: Der Mensch ist auf bewusste Selbstentwicklung hin veranlagt. Körperlich behält er im Vergleich zu den Tieren lange eine unspezialisierte, embryonal-kindliche Form bei. Dies hat zur Folge, dass Kinder, die sich ausgiebig bewegen und in hohem Ausmaß spielen und kreativ sein durften, in der Regel auch bis ins hohe Alter beweglich und schöpferisch bleiben. Je früher Kinder hingegen in Kindergarten und Schule konditioniert, verschult und damit festgelegt werden, umso größer ist die Gefahr, dass sie später wenig schöpferisch und sehr angepasst leben und früher alt und auch krank werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daran kann unmittelbar abgelesen werden, dass in den Menschen eine über das Tier hinausgehende, völlig andere Gesetzmäßigkeit hereinragen muss: Eine Gesetzmäßigkeit, durch die er gezwungen ist, die Verantwortung für seine Entwicklung selbst in die Hand zu nehmen, da er sie nicht seinen körpereigenen Instinkten überlassen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verwundbarkeit als Entwicklungsmerkmal&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die menschliche Entwicklung ist gekennzeichnet von einer größtmöglichen Offenheit und Verwundbarkeit. Alles, worauf das Tier sich weitestgehend verlassen kann, ist beim Menschen nicht von Natur aus gegeben: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* dass es die richtige Wahl der Nahrungsmittel trifft,&lt;br /&gt;
* dass es nicht zu viel und nicht zu wenig isst,&lt;br /&gt;
* dass es sich artgemäß fortpflanzt,&lt;br /&gt;
* dass sein Schlaf-Wachrhythmus geregelt ist,&lt;br /&gt;
* dass sein Sozialverhalten dem entspricht, was man von ihm erwartet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All das muss im Laufe des gesamten Lebens nicht nur errungen, sondern auch weiter ausgebildet, kultiviert und „vermenschlicht“ werden. Wie viele Arztbesuche würden entfallen, wenn es keine Ess-, Schlaf- und (sexuellen) Beziehungsprobleme gäbe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon eine so einfache Überlegung macht deutlich, wie revolutionär, wie dramatisch und grundsätzlich der Unterschied zwischen Mensch und Tier ist. Wenn beim Tier die Geschlechtsreife eintritt, ist sein artgemäßes Verhalten bereits gesichert, und es lebt individuell und sozial in geregelten Bahnen. Beim Menschen hingegen ist die Geschlechtsreife dadurch gekennzeichnet, dass alle noch so gutgemeinten erzieherischen Bemühungen aus den früheren Jahren fruchtlos erscheinen. Eigenes, Unerwartetes macht sich geltend – das ist ein wahrhaft revolutionärer Vorgang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entwicklungsoffenheit als Herausforderung und Chance&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Mit diesem Eigenen, Unerwarteten, mit dieser Entwicklungsoffenheit hängt aber auch all das zusammen, was besonderen Begabungen und Behinderungen zugrunde liegt. Und nur der Mensch muss lernen, mit Begabungen und Behinderungen zu leben und mit ihnen umzugehen, nicht jedoch die ihm seelisch verwandten Tiere. Man hat Skelette von wasserköpfigen Kindern gefunden, die aus der Steinzeit stammten, und hat daraus geschlossen, dass die Fürsorge für behinderte Kinder so alt ist, wie Menschen Behinderungen wahrnehmen und pflegen konnten. Ein behindertes Tier in der freien Wildbahn wird sehr bald vom ökologischen System „verarbeitet“: Es stirbt, weil es sich nicht ernähren und verteidigen kann – es wird aufgefressen, ihm kann nicht geholfen werden. So wird auch dafür gesorgt, dass schwerwiegende Behinderungen unter Tieren nicht weitervererbt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was könnte ein Tier auch in der Auseinandersetzung mit einer Behinderung gewinnen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da ihm das Selbstbewusstsein und die damit verbundene persönliche Betroffenheit fehlen, könnte es damit gar nichts anfangen. Es würde sinnlos leiden. Dem Tier ist es nicht gegeben, durch Leid und Schmerz Erfahrungen zu machen, die es in seiner Entwicklung weiterbringen. Denn es ist von Natur aus zur Vollkommenheit veranlagt. Das kann durch persönliche Anstrengung nicht noch weiter gesteigert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Leid und Schmerz als Lernhilfen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Gerade das ist beim Menschen grundsätzlich anders: Für ihn sind Leid und Schmerz Herausforderungen, denen er sich während seiner ganzen Entwicklung bewusst stellen muss und durch die er Erfahrungen machen kann und Einsichten gewinnen lernt, die durch nichts anderes zu gewinnen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Natur zeigt sich das Geistige – wenn es durch menschliche Eingriffe nicht gestört wird – wirksam in den weisheitsvoll aufeinander abgestimmten Regelkreisen der ökologischen Zusammenhänge. Krankheit und Behinderung treten hier nur am Rande als flüchtige Erscheinungen auf, da kranke Pflanzen bald zugrunde gehen, ebenso wie geschwächte und geschädigte Tiere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Pflanze und Tier erkranken, wenn die &#039;&#039;&#039;äußeren Lebensumstände&#039;&#039;&#039; ihrer Art nicht mehr entsprechen und wenn in irgendeiner Form nicht zu kompensierende Mangelerlebnisse auftreten, was Nahrung, Klima und – im Falle von Nutz- und Haustieren – deren nicht artgerechte Haltung betrifft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Demgegenüber besitzt der Mensch die Möglichkeit, mit Krankheiten und Behinderungen unter Umständen jahrzehntelang zu leben und umzugehen. Doch nicht nur das.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Beim Menschen treten zu diesen schädigenden Einflüssen von außen noch etwas hinzu: &#039;&#039;&#039;innere Krankheitsursachen&#039;&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kräfte, die beim Menschen als freie, seelisch-geistige Betätigungsmöglichkeiten in Erscheinung treten, entstammen ja Kraftzusammenhängen, die den Leib aufbauen und erhalten. Beim Tier offenbaren sich die entsprechenden Kräfte als leibgebundene instinktive Weisheit und artgerechtes Sozialverhalten. Irrtum und Missbrauch dieser Kräfte sind ausgeschlossen, indem sie der unbewussten Regelung durch das Naturgesetz unterliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ausgleich des Instinktdefizits durch Lernwillen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das ist beim Menschen anders. Er hat ein großes Instinktdefizit, einen Mangel an naturgegebener Weisheit, an automatisch regulierenden und stärkenden Kräften. Den Menschen stärkende Kräfte entspringen stattdessen dem Seelen- und Geistesleben, d.h. der Mensch kann und muss durch aktive Lernprozesse ersetzen, was ihm an Instinkten fehlt. Andererseits hat er dadurch die Möglichkeit, diese vom Leib emanzipierten seelischen und geistigen Entwicklungspotentiale zur Zerstörung von sich und anderen zu missbrauchen. Hiermit gemeint sind nicht nur &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die Schädigungsmöglichkeiten, die mit falscher Ernährung, zu wenig Schlaf, einer &#039;&#039;&#039;ungesunden Lebensweise&#039;&#039;&#039; und mangelnder Hygiene zusammenhängen,&lt;br /&gt;
* sondern vor allem diejenigen Schädigungsmöglichkeiten, die durch ein &#039;&#039;&#039;unwahres Denken, ein destruktives Gefühlsleben und durch fehlgeleitete Willenshandlungen&#039;&#039;&#039; zustande kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist ein langer Entwicklungsweg, bis man reif ist für den freien Gebrauch dieser Seelen- und Geisteskräfte. Die damit verbundenen Lernprozesse sind dadurch störanfällig, dass sich der Mensch geistig, seelisch und auch an Leben und Leib „irren kann“. Darin liegt ein tiefer Sinn. Denn wenn er den zuletzt in Form von Krankheit und Behinderung organisch gewordenen „Irrtum“ erlebt, kann er sich dadurch weiterentwickeln. Auch liegt etwas Trostreiches in dem Gedanken, dass man Fehler und Irrtümer selber als solche erleben und damit die Voraussetzungen schaffen kann, sie selbstständig zurechtzurücken und zu verwandeln. Unter diesem Gesichtspunkt erscheinen Begabung und Behinderung in einem völlig anderen Licht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verantwortung übernehmen für Entwicklung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Es wäre allerdings einseitig, aus dem Vorgebrachten den Schluss zu ziehen, hier tauche, nur mit neuen Begründungen, die alte Lehre wieder auf, dass Krankheit von Sünde und Fehlverhalten komme. Viel wesentlicher ist es, aus diesen Zusammenhängen die Frage abzuleiten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Woher kommen Begabungen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Woher kommen angeborene Fähigkeiten, Genialität?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Könnten sie nicht gerade das Ergebnis durchgemachter Behinderungen und Krankheiten in einem früheren Erdenleben sein?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir leben heute in einer Zeit, in der die Menschen zunehmend empfinden, dass sie selbst für ihre Gesundheit und ihre Entwicklung Verantwortung übernehmen müssen. Dafür sorgt nicht nur der sich anbahnende wirtschaftliche Zusammenbruch der Gesundheits- und Sozialsysteme, sondern auch, dass der Mensch sich immer stärker als auf sich selbst gestellt erlebt. Angesichts der vielfältigen Folgen menschlichen Handelns in der Natur, der Umwelt und im Wirtschafts- und Sozialleben erkennen wir, dass wir es letztlich selber sind, von denen wir und unsere Umwelt abhängen. Wir sind viel mehr mit den Folgen unserer Taten konfrontiert; sie werden vom Einzelnen viel stärker erlebt als dies noch vor vierzig, fünfzig Jahren der Fall war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Zukunft wird entscheidend sein, dass möglichst viele Menschen sich ihrer Verantwortung bewusstwerden und aus dieser Einsicht heraus energisch an einer Vermenschlichung der kulturellen Verhältnisse arbeiten. Auch wenn noch nie so viele Menschen auf der Erde gelebt haben wie gegenwärtig, kann man andererseits auch sagen, dass die Defizite an Menschlichkeit nie so stark in Erscheinung getreten sind wie im letzten Jahrhundert mit seinen endlosen Kriegen, Zerstörungen und epidemischen Zuständen von Unzufriedenheit, Depression und Verzweiflung. Und so ist es kein Wunder, dass sich viele Menschen aufgrund dieser Tatsachen wie an einer Schwelle erleben, an der sie wachgerüttelt werden, sich selbst zu erkennen. Viele empfinden auch eine gewisse Sehnsucht, sich ihre Mitverantwortung für das Ganze bewusst zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Begabungen und Behinderungen“, 5. Und 6. Kapitel, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2004&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. dazu Friedrich A. Kipp, &#039;&#039;Die Evolution des Menschen im Hinblick auf seine lange Jugendzeit&#039;&#039;, Stuttgart 1991, ferner: Wolfgang Schad, &#039;&#039;Säugetiere und Mensch&#039;&#039;, Stuttgart 1971.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Offenborn</name></author>
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		<id>https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Anthroposophische_Medizin&amp;diff=1262</id>
		<title>Anthroposophische Medizin</title>
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		<updated>2026-01-17T17:56:20Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Offenborn: /* Wirksamkeit von Substanzen im Kontext irdisch-menschlicher Kraftsysteme */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= Anthroposophische Medizin – von Michaela Glöckler =&lt;br /&gt;
Auszüge aus Büchern und Vorträgen von [[Michaela Glöckler]]; Erstveröffentlichung auf https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== HUMANMEDIZIN DER ZUKUNFT ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was war Rudolf Steiners Vision einer Humanmedizin der Zukunft?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Herausforderungen müssen zu ihrer Verwirklichung gemeistert werden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Berücksichtigung der Individualität und Würde&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiners letztes Werk, &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“,[1]&#039;&#039; das er gemeinsam mit Ita Wegman verfasste, gibt einen klaren Ausblick auf eine Humanmedizin der Zukunft, in der sich die Erkenntnisse der naturwissenschaftlich-empirischen Forschung mit denen der anthroposophischen Geistesforschung zur Heilkunst verbinden können. Wäre der Mensch eine Maschine, so ließen sich Körper, Seele und Geist reparieren und steuern, sobald der Mechanismus durchschaut ist. Auch wenn dieses Paradigma immer noch hoch im Kurs steht: Die tägliche Erfahrung zeigt, dass dem nicht so ist. Jedes Individuum, jede menschliche Biografie ist einmalig und bedarf der individuellen (Selbst-)Erkenntnis, Pflege und Gestaltung. Nicht umsonst gibt es den schönen Begriff der Lebenskunst dafür, wenn diese individuellen Gestaltungsprozesse graduell gelingen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wird das Menschenbild auf die rein naturwissenschaftliche Ebene reduziert und Seele und Geist – hypothetisch – zu Ergebnissen von molekulargenetisch und biochemisch steuerbaren Prozessen gemacht, verliert der Begriff menschlicher Würde seinen Inhalt. Denn Wert und Inhalt erhält dieser Begriff durch die Möglichkeit der Entwicklung von Freiheit, Selbstverantwortung und einer Kultur des Gewissens, wie sie der Frühromantiker &#039;&#039;Novalis&#039;&#039; im zweiten Teil seines &#039;&#039;„Heinrich von Ofterdingen&#039;&#039;“ so prägnant beschrieben hat und wie sie auch der Anthroposophie zugrunde liegt.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine solche Kultur lässt sich nicht von außen steuern, wohl aber kann sie sich entwickeln, wenn dies von vielen einzelnen Menschen individuell eingesehen und gewollt wird – wenngleich sie heute noch vielfach als „Torheit“ angesehen wird. Rudolf Steiner sagte dazu: &#039;&#039;„Aber was oft die Vernunft der kommenden Zeiten ist, das ist für die vorhergehenden Torheit.“[3]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verbindung von Materialismus und Spiritualität&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
So ging es Steiner auch dezidiert nicht um ein Entweder-Oder bezüglich Materialismus und Spiritualität, sondern um ein wirklichkeitsgemäßes Sowohl-als-auch:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Der Materialismus ist die Weltanschauung, die den Menschen betrachtet, insofern er hervorgegangen ist aus den Substanzen und Kräften dieser Erde. Und wenn auch mancher betont, der Mensch bestehe nicht bloß aus den Substanzen und Kräften dieser Erde, so haben wir doch keine Wissenschaft, die sich mit dem am Menschen beschäftigt, was nicht aus den Substanzen und Kräften dieser Erde kommt. Deshalb ist heute die Behauptung von vielen, die es von ihrem Standpunkt aus gut meinen, daß irgendwie das Ewige in dem Menschen dennoch verstanden werden könne, eine nicht ganz ehrliche. […] Und viele, die heute den Materialismus widerlegen wollen, wissen eigentlich nicht, was sie tun; denn sie ahnen nicht, welche ungeheure Bedeutung die Detailkenntnisse haben, die der Materialismus gebracht hat. Und sie ahnen nicht, was für eine Konsequenz für das Ganze der Menschenerkenntnis der Materialismus gebracht hat“.[4]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Es ist die Tragik des Materialismus, daß er nichts von der Materie weiß, wie sie in Wirklichkeit in den verschiedenen Gebieten des Daseins wirkt. [...] Er weiß gar nichts über die Wirkung der Materie, weil man darüber erst etwas erfährt, wenn man die in der Materie wirksame Geistigkeit, die die Kräfte darstellen, ins Auge fassen kann.[5]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von dieser &#039;&#039;„in der Materie wirksamen Geistigkeit“&#039;&#039; ist in &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst[6]&#039;&#039; die Rede – so wie sie aus Sicht der Anthroposophie im Weltall, der Natur und im Menschen anzutreffen ist. Diese ‚Kräfte‘ und ihre Gesetzmäßigkeiten ebenso zu studieren wie die Naturgesetze, ist und bleibt lebenslang Aufgabe und Herausforderung für jeden anthroposophischen Arzt. Das Ziel dieses Weges – der sich gesund entwickelnde Mensch – ist dabei ein inspirierendes Ideal für Forschung, Entwicklung und tägliche Arbeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Integrativ-medizinischer Ansatz der AM&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin (AM) ist inzwischen auf allen Kontinenten vertreten in Form von Arztpraxen, Therapiezentren mit vielfältigen Behandlungsangeboten, Pflegeeinrichtungen, Krankenhäuser, Akutversorgungs- und Rehabilitationszentren, private medizinische Kliniken und multidisziplinäre Ambulanzen.[7] Diese weltweite Präsenz bestätigt den integrativ-medizinischen Ansatz, der weit über eine bloße „tolerante Kooperation“ von verschiedenen komplementären Modalitäten hinausgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Angebot der Anthroposophischen Medizin umfasst: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* konventionelle Methoden &lt;br /&gt;
* spezifische anthroposophische Arzneimittel,&lt;br /&gt;
* Pflegetechniken und äußerliche Anwendungen,&lt;br /&gt;
* künstlerische Therapien,&lt;br /&gt;
* Beratung zu gesunder Lebensführung und Ernährung,&lt;br /&gt;
* Körperarbeit,&lt;br /&gt;
* therapeutische Eurythmie&lt;br /&gt;
* und Meditationspraktiken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin (AM) wird in Steiners letztem Werk als auf einer stringenten anthropologisch-philosophischen Methode basierend dargestellt, die die Wirkprinzipien aller spirituellen, psychosomatischen und naturwissenschaftlich fundierten Heilmethoden umfasst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[8]&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Zu Novalis siehe auch Kap. V sowie GA 59, 236–268 und Glöckler (2023c).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Siehe FN 1, S. 46.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Der übersinnliche Mensch, anthroposophisch erfasst&#039;&#039;, GA 231, 58f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Anthroposophie — Eine Zusammenfassung nach einundzwanzig Jahren. Zugleich eine Anleitung zu ihrer Vertretung vor der Welt&#039;&#039;, GA 234, 86.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Siehe FN 1, Kapitel 12.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] www.ivaa.info/anthroposophic-medicine/care-settings/.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ITA WEGMAN UND DIE ENTWICKLUNG DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kam es zur Begründung der Anthroposophischen Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie entwickelte sich die Zusammenarbeit von Ita Wegmann und Rudolf Steiner?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Schicksalhafte Zusammenarbeit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin verdanken wir der Zusammenarbeit von Rudolf Steiner und &#039;&#039;Ita Wegman&#039;&#039;. Wegman bekam von Rudolf Steiner den Anstoß, nach ihrer Ausbildung in Schwedischer Massage auch noch Medizin zu studieren. Dafür musste sie jedoch das Abitur nachholen, was für die bereits Siebenundzwanzigjährige eine große Herausforderung war. In der Zeit der Prüfungsvorbereitung schrieb sie Rudolf Steiner einen bewegenden Brief, ob er nicht etwas wüsste, das ihr helfen würde, sich besser zu konzentrieren. Leider ist uns die Antwort nicht bekannt. Jedenfalls ging alles gut, und sie begann auf Anraten &#039;&#039;Marie Steiners&#039;&#039; ihr Studium in Zürich. Deren Begründung für die Ortswahl war: &#039;&#039;„Unsere ganze Bewegung kommt ja doch einmal in die Schweiz.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu diesem Zeitpunkt war jedoch noch keine Rede davon – die Zentren der anthroposophischen Arbeit waren München und Berlin. So vollzog sich die Verbindung von anthroposophischer Geisteswissenschaft und materialistischer Schulmedizin, die bis heute für die Weiterbildung zum Anthroposophischen Arzt unerlässlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1907, bei der Spaltung der theosophischen Gesellschaft, stellte sich Ita Wegman klar auf die Seite Rudolf Steiners und der Anthroposophie. Das war nicht selbstverständlich. Denn seit ihrem 18. Lebensjahr hatte sie sich dem Gedankengut der Theosophie gewidmet als Mitglied der Theosophischen Gesellschaft. Doch nach dem schicksalhaften Zusammentreffen mit Rudolf Steiner in Berlin war sie seine persönliche Schülerin geworden.[1] Ita Wegman engagierte sich dann mit anderen dafür, dass Rudolf Steiner oft in die Schweiz kam, um Vorträge zu halten. Wenn sie zu viel reiste, um auch in anderen Städten und in Deutschland seine Vorträge hören zu können – sie war auch 1911 in Prag bei dem Vortragszyklus über die okkulte Physiologie – ermahnte Rudolf Steiner sie, dass sie auch studieren müsste, um ihr Medizinstudium abzuschließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fruchtbare Konsequenzen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wegman war quasi der Prototyp eines anthroposophischen Arztes: nicht primär der Homöopathie oder einer spirituell-komplementärmedizinischen Richtung verbunden, sondern akademisch ausgebildet an einer renommierten Universität. Ihre fachärztliche Weiterbildung zur Gynäkologin absolvierte sie am Spital Liestal ganz in der Nähe von Dornach&#039;&#039;&#039;.&#039;&#039;&#039; Anschließend ließ sie sich in Basel als Allgemeinärztin nieder. 1921 entschloss sie sich, ein klinisch-therapeutisches Institut in Arlesheim zu eröffnen. Zu ihrer großen Freude sagte Rudolf Steiner zu, dort mit ihr zusammenzuarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist Ita Wegman eng mit der Geschichte der anthroposophisch-medizinischen Bewegung verbunden: Die Zusammenarbeit mit Rudolf Steiner reichte von der Beratung beim Abitur und beim Studium über die parallelen Studien der Mainstream-Medizin und der Anthroposophie bis hin zur Begründung der ersten Klinik und der gemeinsamen Behandlung vieler Patienten, wovon hunderte dokumentierter Krankengeschichten zeugen. Zuletzt, in seiner Krankheitszeit vor seinem Tode, begleitete sie Rudolf Steiner zusammen mit Ludwig Noll als seine Ärztin. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Krönung dieser Zusammenarbeit war jedoch die im Herbst 1923 begonnene Arbeit an dem ‚Medizinischen Buch’, das nach dem Tode Rudolf Steiners unter dem Titel &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[2]&#039;&#039; herauskam und dessen 18. Kapitel der Heileurythmie gewidmet ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Parzifal-Frage als entscheidender Impuls&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ita Wegman war es auch, die Rudolf Steiner im Sommer 1923 die für die gesamte anthroposophische Bewegung entscheidende Frage nach der Erneuerung der Mysterien gestellt hatte. Als dieser nach dem Brand des ersten Goetheanum und dem Versagen der Anthroposophischen Gesellschaft mit der Frage lebte, ob er einen Orden gründen und sich aus der Anthroposophischen Gesellschaft zurückziehen sollte, sagte sie zu ihm: &#039;&#039;„Aber Herr Doktor, Sie können doch die Gesellschaft nicht alleine lassen!“&#039;&#039; Im Sommer 1923 dann, in England, wurde ihr das zentrale Anliegen ihres Lebens bewusst, welches sie Rudolf Steiner gegenüber etwa so formulierte: &#039;&#039;„Ich möchte gerne eine Medizin haben, wie es sie zu den Zeiten der alten Mysterien gab – nur in christlicher Form.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Bernard Lievegoed&#039;&#039; hat wiederholt erzählt, wie Rudolf Steiner zu &#039;&#039;Zeylmans van Emmichhofen&#039;&#039; gesagt hätte, dass diese Frage Ita Wegmans für ihn „die Parzival-Frage“ gewesen wäre, die ihn veranlasst hätte, die Weihnachtstagung von 1923/24 zur Neubegründung der Anthroposophischen Gesellschaft abzuhalten. Ohne diese Frage wären die Neubegründung der Gesellschaft und die öffentliche Begründung der Hochschule für Geisteswissenschaft durch Rudolf Steiner gar nicht möglich gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Vom Wesen der Heileurythmie als Herzorgan der Anthroposophischen Medizin“,  1. Weltkonferenz für Heileurythmie am Goetheanum, 30. Mai 2008&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Peter Selg hat in seinem Buch zum Münchner Kongress 1907 dieses Schicksalsmoment neu dokumentiert und zugänglich gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ENTWICKLUNG UND DERZEITIGER STAND DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie hat sich die anthroposophische Medizin seit ihrer Entstehung entwickelt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;In welchen philosophischen und ethischen Prinzipien hat sie ihre Wurzeln?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Historische Entwicklung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von dem österreichischen Philosophen &#039;&#039;Dr. Rudolf Steiner&#039;&#039; (1861-1925) und der Ärztin &#039;&#039;Dr. med. Ita Wegman&#039;&#039; (1876-1943) in Zusammenarbeit mit weiteren Ärzten entwickelt. Die Grundlagen dieser Medizin wurden 1920-1924 im Rahmen von Kursen vermittelt, die Steiner auf Einladung von Ärzten und Medizinstudenten hielt, die nach einem Menschenbild suchten, das sich sowohl auf die Naturwissenschaft als auch auf die anthroposophische Geisteswissenschaft beruft. Ihr Anliegen war von vornherein nicht alternativ-medizinisch, sondern integrativ, d.h. es orientierte sich an der Wirklichkeit des Menschen selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inzwischen gibt es die Anthroposophische Medizin in über 80 Ländern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Europa sind einige größere Akutkliniken entstanden. Hinzu kommen Sanatorien, Reha-Einrichtungen und zahlreiche Arztpraxen aus nahezu allen Fachrichtungen sowie weltweit über 400 Institutionen für Menschen mit Behinderungen. In den letzten dreißig Jahren kamen neu Einrichtungen für die Altenpflege und die Suchtbehandlung dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophische Ärzte arbeiten auch in Kooperation mit Pädagogen als Schulärzte sowie in der medizinischen Forschung und in der Arzneimittelherstellung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ambulanten Bereich haben sich aus der interdisziplinären Zusammenarbeit von Ärzten, Krankenschwestern, Kunsttherapeuten, Physiotherapeuten u.a. vielerorts so genannte „Therapeutika&amp;quot; entwickelt, d.h. ein neuer Typ von Gemeinschaftspraxen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Erkenntnistheoretische Wurzeln&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Erkenntnistheoretisch und ethisch wurzelt die Anthroposophie in der Philosophie und Kunstauffassung des deutschen Idealismus, wie sie insbesondere von &#039;&#039;Goethe&#039;&#039; (1749-1832), &#039;&#039;Schiller&#039;&#039; (1759-1805), &#039;&#039;J. G. Fichte&#039;&#039; (1762-1814), &#039;&#039;Novalis&#039;&#039; (1772-1801) und &#039;&#039;Schelling&#039;&#039; (1775-1854) vertreten wurden. So trägt Steiners erkenntnistheoretisches Frühwerk (1884) den Titel: &#039;&#039;„Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung“.[1]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Suche nach einer im Geist gegründeten Anschauung vom Menschen, die sich selber stützen kann im Erarbeiten einer inneren und äußeren Evidenz, sowie der Wille zu Entwicklung von Autonomie und Verantwortung prägen die ethische Grundhaltung anthroposophischer Ärzte und Therapeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Weiterbildung zum anthroposophischen Arzt ist durch eine international vereinbarte Zertifizierung geregelt. Der anthroposophische Arzt hat die Verpflichtung, die Ergebnisse aus Steiners Geistesforschung selbständig nachzuvollziehen und anhand der eigenen Lebens- und Berufserfahrung zu überprüfen und weiterzuentwickeln. Werden Mitteilungen Steiners unreflektiert übernommen, besteht die Gefahr der Ideologisierung und Dogmatisierung, was der Anthroposophischen Medizin schadet bzw. ihrer Entwicklung im Wege steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Haltung der Mitverantwortung fördern&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Heinrich Schipperges&#039;&#039; führt in seinem Buch &#039;&#039;„Moderne Medizin im Spiegel der Geschichte“[2]&#039;&#039; aus, dass die gegenwärtige Medizin nach einer Phase des unaufhörlichen Fortschritts und trotz aller großartigen Leistungen zunehmend in eine bedrohliche Krise geraten ist. Genau genommen ist diese Krise jedoch die medizinische Spielart der Menschheitskrisen von heute: ökologische Katastrophen, Armut, Hunger, Genozid, Bildungsnotstand, Energiekrise u.a. Diesen Krisen ist gemeinsam, dass ihre Ursache in einem Menschen- und Naturverständnis liegt, das keinen inneren geistigen Zusammenhang zu den Naturerscheinungen und dem Menschen herstellt. Wird dieser Zusammenhang bewusst erlebt, führt er zu einem starken Gefühl der Solidarität mit dem gesamten Evolutionszusammenhang von Erde, Natur und Mensch. Diese mitfühlende Verantwortlichkeit für alles Lebendige möchte die Anthroposophische Medizin fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung,&#039;&#039; GA 2.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Heinrich Schipperges, &#039;&#039;Moderne Medizin im Spiegel der Geschichte,&#039;&#039; Stuttgart 1970.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== WARUM ANTHROPOSOPHIE IN DER MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wozu braucht es Anthroposophie?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern handelt es sich bei der Anthroposophischen Medizin um eine „Weltanschauungsmedizin“?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sind die grundlegenden Aspekte der Anthroposophischen Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Medizin als Ausdruck einer bestimmten Sicht auf Mensch, Natur und Umwelt&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophie (Anthropos = Mensch, Sophia = Weisheit, Wissenschaft) gilt bis heute als nicht leicht zugänglich. Auch wenn viele anthroposophische Initiativen auf den Gebieten der Heilpädagogik und Pädagogik, der Landwirtschaft und Medizin bekannt sind, bleibt das, was als integratives Welt- und Menschenbild der Anthroposophie dahintersteht, meist vage. Man weiß nicht so recht, ob es sich dabei um eine Philosophie handelt, eine Art Religion oder um eine diffizile oder auch „eklektische“ Weltanschauung. Man fragt angesichts der Vielfalt anthroposophischer Einrichtungen und Initiativen auch, ob der anthroposophische „Überbau“ dafür überhaupt nötig sei, ob man ähnlich Gutes nicht auch ohne diesen leisten könne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jedes medizinische System ist Ausdruck einer bestimmten Sicht auf Mensch, Natur und Umwelt und insofern eine „Weltanschauung“. Das gilt auch für den naturwissenschaftlichen Materialismus, für Idealismus, Realismus und andere philosophische oder geistige Orientierungen. Wer glaubt, keine Weltanschauung zu haben, hat seinen eigenen Standpunkt und, was diesen stützt, noch nicht reflektiert &#039;&#039;–&#039;&#039; was eines der Haupthindernisse ist, die „Normalität“ der Anthroposophischen Medizin anzuerkennen. Eine individuell erarbeitete Weltanschauung wie die Anthroposophie ist jedoch klar abzugrenzen von der familiären oder traditionellen Zugehörigkeit zu einer Glaubensgemeinschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Anthroposophie als Verständnishilfe&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Jedem ganzheitlichen medizinischen System – ob nun traditionell chinesische, ayurvedische oder homöopathische Medizin – liegt ein spirituelles Menschen- und Weltbild zugrunde, das die gemeinsame Evolution von Mensch, Erde und Weltall beschreibt. Neu ist bei der anthroposophischen Medizin nur, dass Steiner sich auf keine dieser alten Traditionen beruft, sondern einen Erkenntnisweg beschreibt, auf dem jeder &#039;&#039;selber&#039;&#039; die Möglichkeit entwickeln kann, sich mit seinem Wahrnehmungs- und Denkvermögen an die spirituellen Quellen anzuschließen.[1] Durch eigene Beobachtung, Empathie und situationsgerechtes Denken zu den nötigen Einsichten für Diagnose und Therapie zu kommen ist das Arbeitsideal – nicht nur eine traditionelle Heilweise oder Technik zu lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich war viele Jahre in verschiedenen asiatischen Ländern und auch weltweit mit einem Ausbildungsprogramm für Anthroposophische Medizin unterwegs. Es hat mich anfangs gewundert, dass Chinesen, Japaner, Taiwanesen, Inder, Indonesier, Philippiner sich für Anthroposophische Medizin interessieren. Als Motive nannten sie das Menschenbild der Anthroposophie, das ihnen hilft, die Brücke zu bilden zwischen dem heutigen Denken und den alten überlieferten Bildern und Werten ihrer Heilverfahren, die zwar gute Ergebnisse liefern, aber für den modernen Menschen oft nicht genau aufschlüsseln können, wie sie wirken. Die Anthroposophie half ihnen, ihre eigenen Medizinsysteme und ihre Wirkungsweisen besser zu verstehen. In Indien gab es ayurvedische Ärzte, die keine Zertifikate für Anthroposophische Medizin wollten, sondern zu uns kamen, um bessere Ayurveda-Ärzte zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Grundlegende Aspekte Anthroposophischer Medizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wer der Anthroposophie begegnet, trifft auf vier Aspekte, die je nachdem alle vier oder auch nur der eine oder andere das Interesse wecken und zum weiteren Studium anregen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Philosophischer Aspekt ====&lt;br /&gt;
Das philosophische Fundament der Anthroposophie schließt an die Erkenntnisweise Goethes an sowie an den deutschen Idealismus mit dessen Idealen von Freiheit und Würde, Wahrheit und Liebe.[2] Rudolf Steiner benannte sogar seine Anthroposophische Hochschule in Dornach nach Goethe: Goetheanum.[3] Das zeugt von der großen Wertschätzung, die er diesem Genie mitteleuropäischer Geistes- und Kulturgeschichte zeitlebens entgegenbrachte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für manche Menschen ist Philosophie nicht wichtig, man möchte gute Ideen für seine Arbeit und sein Leben haben und keine Zeit mit intellektuellen Grübeleien verlieren. Es gibt aber auch Menschen, die nur deshalb Anthroposophen werden, weil sie hier eine Erkenntnistheorie und deren philosophische Begründung finden, durch die sie sich selbst und ihren Zusammenhang mit der Welt besser verstehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Philosophie ist die Kunst des eigenständigen Denkens. Steiner formuliert diese „erkenntnis-künstlerische“ Herausforderung in seinem philosophischen Hauptwerk, „Die Philosophie der Freiheit“, so: &#039;&#039;„Man muss sich der Idee erlebend gegenüberstellen können; sonst gerät man unter ihre Knechtschaft.“[4]&#039;&#039; Das heißt, wer Gedanken und Ideen anderer übernimmt und nicht eigenständig bedenkt und bewertet, gerät in Abhängigkeit der Autoritäten, von denen diese Gedanken stammen. Mit Hilfe dieses Ansatzes, selbst hinzuschauen, zu fragen, zu bedenken, zu verstehen, ist jeder Student der Anthroposophie angeregt, seine eigene Philosophie zu reflektieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Aspekt der Selbstschulung ====&lt;br /&gt;
Anthroposophie beinhaltet einen Weg der Selbstschulung, welcher zu seelischer Weiterentwicklung, Selbsterkenntnis und Willensstärkung führt.[5] Es gibt heute viele Menschen, die auf der Suche nach einem interreligiösen Weg spiritueller Selbsterfahrung sind. Sie wollen sich nicht einer bestimmten Glaubensgemeinschaft oder einer bestimmten spirituellen Gruppierung anschließen. Sie suchen einen allgemein-menschlichen Weg für ihre innere Entwicklung. Einige davon finden diese Möglichkeit in der Anthroposophie und ihren Organisationen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Anthroposophische Gesellschaft international organisiert und offen für alle wissenschaftlichen, religiösen und künstlerischen Überzeugungen ist, findet man Vertreter der verschiedensten spirituellen Orientierungen. Angehörige der christlichen Konfessionen, des Buddhismus, Daoismus, Shintoismus, der Hindi-Religion, der Zarathustra-Spiritua­lität, des Judentums sowie einzelne Vertreter des Islam und viele ohne eine bestimmte spirituelle Ausrichtung können hier mehr über ihre eigene spirituelle Identität lernen, indem sie zusätzlich den Weg der Selbstschulung der Anthroposophie gehen. Was sie in dieser Gesellschaft verbindet, ist der Entwicklungsgedanke in der Anthroposophie sowie das Bestreben, das gesellschaftliche Leben menschlicher und zukunftsfähiger zu machen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Biologe &#039;&#039;Bernd Rosslenbroich&#039;&#039; wies in einer naturwissenschaftlichen Studie das Autonomieprinzip als Grundlage der gesamten Evolution nach, deren Gipfel die menschliche Entwicklung sei.[6] Dieses Autonomieprinzip liegt auch der anthroposophischen Selbstschulung zugrunde. Autonomie konstruktiv leben zu lernen ist nicht leicht. Scheitern und immer wieder neu Ansetzen gehören ebenso dazu wie die stille innere Ausrichtung des eigenen Lebens und Arbeitens an den Idealen von Freiheit und Würde, Ehrlichkeit und Liebe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Aspekt der Geisteswissenschaft ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wo aber ist der „Geist“ als Fundament dieser anthroposophisch-geisteswissenschaftlichen Weltsicht zu finden?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Selbständiges Denken als Ausdruck von Geist&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Die Antwort ist schlicht: das menschliche Denken. Normalerweise kennt jeder den Zustand des Gedanken-Habens, Wissens, Sich-Informierens oder sich in anerkannten bzw. vorgegebenen Denkmustern zu bewegen und diese wiedergeben zu können. Wer jedoch von der eigenen Denktätigkeit ausgeht, entdeckt auch denjenigen, der denkt, in seinem Denken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der idealistische Philosoph &#039;&#039;Johann Gottlieb Fichte[7]&#039;&#039; wies seine Studenten auf die zentral wichtige spirituelle Selbsterfahrung im Denken hin. Er führte mit ihnen die folgende Übung durch: Er fragte sie, ob sie die Wand des Hörsaals sähen. Dann sagte er: &#039;&#039;„Schließen Sie die Augen und denken Sie die Wand.“&#039;&#039; Und dann kam die alles entscheidende Aufforderung: &#039;&#039;„Und jetzt denken Sie den, der die Wand gedacht hat...“[8]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer das durchführt, kann in seinem Denken das eigene Selbst als reinen Tätigkeitsquell, als innere Aktivitätsbereitschaft, als Ich, als eigenständiges Wollen bemerken als rein energetische spirituelle Selbsterfahrung im Denken. Damit hat er einen sicheren Ausgangspunkt gewonnen, sich seine eigene Weltsicht zu erarbeiten. Er steht jetzt geistig auf eigenen Füßen und ist in der Lage, sein Denken immer perspektivenreicher auszubilden. Je mehr er versteht, desto mehr sieht er von der Welt. Und je mehr ihn die Welt interessiert und zum Nachdenken anregt, desto differenzierter und klarer wird sein Denken. Sich selbst und die Welt zu verstehen und dadurch zu einer authentischen Selbst- und Weltsicht zu kommen, ist die Weltanschauung der Anthroposophie. Seinen Zeitgenossen zu zeigen, dass sie &#039;&#039;„durch das Denken zur Wirklichkeit des Geistes kommen“&#039;&#039; können, war ein zentrales Anliegen Rudolf Steiners. Das eigene Ich als geistig reales Wesen im Denken erleben zu können, erschließt zugleich die spirituelle Dimension des Begriffs der menschlichen Würde als autonome und geistbewusste Kompetenz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner formulierte diesen Tatbestand gegen Ende seines Lebens noch einmal so: &#039;&#039;„Anthroposophie ist ein Erkenntnisweg, der das Geistige im Menschenwesen zum Geistigen im Weltall führen möchte“.[9]&#039;&#039; Grundlage dafür ist die Gedankenarbeit eines jeden einzelnen Menschen. Hannah Arendt nannte diese Selbsterfahrung im Titel ihres gleichnamigen Buches „Denken ohne Geländer“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Aspekt der Zusammenarbeit ====&lt;br /&gt;
Da Anthroposophie auf das sich zur Autonomie entwickelnde Individuum baut, findet man gerade unter Anthroposophen einen ausgeprägten Meinungs- und Standpunktepluralismus bis hin zur gern zitierten „Streitkultur“. Auch ist die Geschichte der Anthroposophischen Gesellschaft von eindrücklichen Krisen und Konflikten geprägt, die von dem Ringen um individuelle und soziale Kompetenz zeugen, einem Bemühen, das alles andere als einfach ist. Umso erfreulicher ist es, dass sich diese Gesellschaft bis heute nicht in verschiedene Gruppierungen gespalten hat, sondern der Wille zum gegenseitigen Verstehen und zur Entwicklung von Toleranz gegenüber anders Denkenden stets überwogen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von dem Dichter und Anthroposophen &#039;&#039;Christian Morgenstern&#039;&#039; (1871 - 1914) stammt ein Gedicht, das dieses Spannungsverhältnis zwischen der notwendigen Individualisierung einerseits und der Befähigung zur Gemeinschaftsbildung andererseits meisterlich zum Ausdruck bringt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Die zur Wahrheit wandern, wandern allein,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;keiner kann dem andern Wegbruder sein.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Eine Spanne gehn wir, scheint es, im Chor ...&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;bis zuletzt sich, sehn wir, jeder verlor.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Selbst der Liebste ringet irgendwo fern;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;doch wer&#039;s ganz vollbringet, siegt sich zum Stern,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;schafft, sein selbst Durchchrister, Neugottesgrund –&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;und ihn grüßt Geschwister Ewiger Bund.[10]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier wird in künstlerischer Form zum Ausdruck gebracht, dass größtmöglicher Individualismus und „Gemeinschaft im Geist“ sich nicht widersprechen müssen. Vielmehr erscheinen die Ideale der Französischen Revolution – der Freiheit des Individuums, der Gleichheit und der brüderlichen Solidarität – so erst in ihrem wahren Licht: Denn wenn man weiß, dass jeder „auf dem Weg ist“, wächst der Respekt vor der Einmaligkeit und Würde des anderen. Und gleichzeitig erlebt man, wie uns dieser Tatbestand des Werdens „gleich“ macht. Da wir aber sowohl „gleich“ als auch „individuell sehr verschieden“ sind, sind wir Menschen immer wieder auf gegenseitige brüderliche Hilfe angewiesen. Wir gewähren sie, wenn wir die Bedürfnisse des anderen sehen, respektieren und, wo möglich, erfüllen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Mathias Girke , PF Matthiessen (Hrsg.), &#039;&#039;Medizin und Menschenbild&#039;&#039;, Bad Homburg 2015.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung mit besonderer Rücksicht auf Schiller.&#039;&#039; GA 2. Dornach 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] www.goetheanum.org&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Philosophie der Freiheit&#039;&#039;, GA 4, Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1995.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Dargelegt in Steiners Selbstschulungsbuch &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?,&#039;&#039; GA 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Bernd Rosslenbroich, &#039;&#039;On the Origin of Autonomy. A New Look at the Major Transitions in Evolution&#039;&#039;, Hei-delberg, New York, Springer 2014.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Johann Gottlieb Fichte, Philosoph (1762 - 1814).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Überliefert von Steffens, einem Naturforscher und Zeitgenossen Fichtes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Anthroposophischer Leitsatz 1&#039;&#039;, 17. Februar 1924. In: Anthroposophische Leitsätze. GA 26, S. 6 (1989).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Christian Morgenstern, &#039;&#039;Wir fanden einen Pfad,&#039;&#039; Basel, Zbinden Verlag. 5. Aufl. 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ANTHROPOSOPHISCHES UND NATURWISSENSCHAFTLICHES KRANKHEITSVERSTÄNDNIS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ist Anthroposophische Medizin eine Glaubenssache?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann man in der Medizin konstruktiv mit unterschiedlichen Sichtweisen auf Krankheit umgehen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Anthroposophisches Krankheitsverständnis&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Um auf diese Fragen eingehen zu können, möchte ich vorab das Krankheitsverständnis aus der Anthroposophie heraus und das Schulmedizinische Krankheitsverständnis charakterisieren. Sie stehen nicht im Widerspruch zueinander, zumindest nicht aus Sicht der Anthroposophischen Medizin. Letztere versteht sich als eine Erweiterung der rein naturwissenschaftlichen Medizin, nicht als Gegensatz dazu. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Die Aufgabe ist, nun wirklich darauf zu kommen, welcher Unterschied besteht zwischen den Prozessen im menschlichen Organismus, die wir als Krankheitsprozesse bezeichnen und die doch im Grunde genommen ganz normale Naturprozesse sind, nur eben durch bestimmte Ursachen hervorgerufen sein müssen, und denjenigen Prozessen, die wir gewöhnlich als die gesunden bezeichnen und die die alltäglichen sind. Dieser durchgreifende Unterschied muss gefunden werden. Er wird nicht gefunden werden, wenn man nicht eingehen kann auf eine Betrachtungsweise des Menschen, die zum menschlichen Wesen wirklich führt.&amp;quot;&#039;&#039;[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Krankheit aus Sicht der naturwissenschaftlichen Medizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der naturwissenschaftlichen Medizin liegt der Fokus bei der Erforschung von Krankheitsursachen im Bereich des Netzwerkes molekulargenetischer Interaktionen. Dort wird nach Mutationen und „Fehlern&amp;quot; im Metabolismus gesucht. Damit ist aber das Kausalproblem nur von der Makro- auf die Mikroebene verlagert. Denn auch hier ist zu fragen, woher es kommt, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt beispielsweise eine Genmutation auftritt und ein Prozess, der bisher gesund ablief, nun mit einem Mal „verkehrt&amp;quot; bzw. Krankheit begünstigend stattfindet. Wenn der sogenannte Pathomechanismus aufgeklärt ist und die Ursache einer „Spontanmutation&amp;quot;, einem &#039;&#039;„inborn error of metabolism&amp;quot;&#039;&#039; oder einer exogenen Schädigung zugeschrieben wird, so ist damit dem Kranken noch nicht geholfen, der verstehen will, was seine Krankheit mit ihm, seiner Entwicklung und seinem Schicksal zu tun hat – oder der sich dafür interessiert, welche Einflüsse sein bewusstes oder unterbewusstes Seelenleben auf die Lebensfunktionen seiner Organe oder auf die Stabilität seines Immunsystems hat. Auch ist es letztlich unbefriedigend, sich als Mensch in die verschiedenen Forschungs- und Fachdisziplinen aufgeteilt zu sehen, ohne „das geistige Band&amp;quot; im Sinne &#039;&#039;Goethes&#039;&#039; zu haben, das die Zusammenschau der unterschiedlichen Sichtweisen ermöglicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Unterschiedliche Sichtweisen integrieren&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Paracelsus&#039;&#039;, der Integrationsmediziner am Beginn der Neuzeit, hat bereits eindrücklich auf dieses Dilemma hingewiesen.[2] Plastisch schildert er eine medizinische Szene aus dem damaligen Alltag: Sechs Ärzte sind um einen eben verstorbenen Cholerapatienten versammelt und sprechen darüber, was in seinem Falle wohl die Todesursache gewesen sein mag. Diese Szene sei hier in freier Form wiedergegeben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Erste&#039;&#039;&#039; sagt: &#039;&#039;„Für mich ist klar, dass er durch die Infektion mit dem Cholerabazillus gestorben ist. Der Krankheitserreger wurde mit dem Wasser aufgenommen, hat sich im Organismus ausgebreitet und die Krankheil hervorgerufen, die jetzt zum Tode geführt hat&amp;quot;.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Das finde ich merkwürdig&amp;quot;,&#039;&#039; sagt &#039;&#039;&#039;der Zweite&#039;&#039;&#039;. &#039;&#039;„Es sterben doch längst nicht alle Kranken, die sich mit dem Cholerabazillus angesteckt haben. Ich sehe die Todesursache vielmehr in der Tatsache, dass die Selbstheilungskräfte des Verstorbenen nicht stark genug waren, um die Infektion zu überwinden. Hätte er über mehr Widerstandskraft verfügt, so lebte er noch.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da lächelt &#039;&#039;&#039;der dritte Kollege&#039;&#039;&#039; und fragt: &#039;&#039;„Habt ihr denn nicht sein Horoskop gelesen? Da konnte man lesen, dass dieser Mensch durch die ganze Konfiguration seiner seelischen Veranlagung und seines inneren Schicksals zum Tod in dieser Zeit prädestiniert war. Sein Tod war vorherbestimmt.&amp;quot;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Das leuchtet mir nicht ein&amp;quot;,&#039;&#039; sagt &#039;&#039;&#039;der Vierte&#039;&#039;&#039;. &#039;&#039;„Wie viele Menschen leben unter derselben oder sehr ähnlichen Sternkonstellationen und kommen anders damit zurecht, gehen durchaus optimistischer mit der Herausforderung um, die ihre jeweilige Sternkonstellation für sie bedeutet. Meine Diagnose ist, dass er im Kern seiner ganzen Persönlichkeit, in seinem Ich, schwach war. Er hatte große Angst vor der Cholera, und nichts ist ein besserer Nährboden für Infektionen als Ängstlichkeit und Furcht. Ich habe viel schwächere Patienten die Krankheit überwinden sehen, weil sie mutiger waren und das Vertrauen nicht verloren.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Mir kommt das alles töricht vor&amp;quot;,&#039;&#039; schaltet sich jetzt &#039;&#039;&#039;der Fünfte&#039;&#039;&#039; in die Debatte ein: &#039;&#039;„Krankheit und Leid ist doch eine Geißel Gottes, ein Flagellum. Hätte Gott die Überwindung der Krankheit zugelassen, so hätte er diesem Betroffenen zur rechten Zeit den Arzt oder sonst eine Hilfe geschickt.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun blicken alle auf &#039;&#039;&#039;den Sechsten&#039;&#039;&#039;, der interessiert zugehört hat und fragen: „Wer von uns hat recht?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der bemerkt: &#039;&#039;„Jeder von euch hat recht. Jeder hat aber auch unrecht. Das Unrecht entsteht dadurch, dass jeder einzelne von euch nur an seine Sicht der Dinge glaubt und die Ansichten der anderen verneint oder missachtet. Das komplizierte Pentagramm Mensch muss individuell gelesen werden, um den jeweiligen Anteil an der Krankheitsursache herauszufinden. Ein solch differenziertes Lesen ist aber auch nötig, um die verschiedenen Wege kennen zu lernen, die zur Gesundheit, sprich: zur Überwindung der Krankheit führen.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Szene aus dem Werk des Paracelsus wird hier angeführt, um deutlich zu machen, dass ein tiefgreifendes Verständnis von Krankheitsursachen und Heilungsmöglichkeiten die verschiedenen Ebenen menschlicher Existenz und Lebensverwirklichung mitberücksichtigen muss. Das kann letztlich nur ein interdisziplinär-integrativer Ansatz leisten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaft und Medizin&#039;&#039;, GA 312.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Elise Wolfram und Paracelsus, &#039;&#039;Die okkulten Ursachen der Krankheiten. Volumen Paramirum&#039;&#039;, Unv. Nachdruck der Ausgabe von 1912, 4. Aufl. Dornach 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== SCHULMEDIZIN, ANTHROPOSOPHISCHE MEDIZIN UND ÄLTERE GANZHEITLICHE ANSÄTZE ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie steht die Anthroposophische Medizin zur Schulmedizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und wie ist ihr Verhältnis zu anderen alternativen Ansätzen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verhältnis der&#039;&#039; &#039;&#039;Anthroposophischen Medizin zur Schulmedizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Frage lässt sich kurz mit Nein beantworten. &#039;&#039;Rudolf Steiner&#039;&#039; (1861-1925) und &#039;&#039;Ita Wegman&#039;&#039; (1876-1943), die Begründer der Anthroposophischen Medizin, bemerken hierzu:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Nicht um eine Opposition gegen die mit den anerkannten wissenschaftlichen Methoden der Gegenwart arbeitende Medizin handelt es sich. Diese wird von uns in ihren Prinzipien voll anerkannt. Und wir haben die Meinung, dass das von uns Gegebene nur derjenige in der ärztlichen Kunst verwenden soll, der im Sinne dieser Prinzipien vollgültig Arzt sein kann.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Allein wir fügen zu dem, was man mit den heute anerkannten wissenschaftlichen Methoden über den Menschen wissen kann, noch weitere Erkenntnisse hinzu, die durch andere Methoden gefunden werden, und sehen uns daher gezwungen, aus dieser&#039;&#039; erweiterten &#039;&#039;Welt- und Menschenerkenntnis auch für eine Erweiterung der ärztlichen Kunst zu arbeiten.&amp;quot;[1]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die reguläre akademische Aus- und Weiterbildung ist ebenso Voraussetzung dafür, sich Anthroposophischer Arzt nennen zu können, wie das Studium der anthroposophischen Geisteswissenschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Salutogenetischer Ansatz bevorzugt&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Anthroposophischen Medizin liegt ein Konzept ganzheitlicher, integrativer Medizin zugrunde, die den Menschen (griechisch: anthropos) mit all seinen Erkenntnis- und Erlebnisformen (griechisch: sophia, wörtlich: Weisheit) in den Mittelpunkt stellt. Für die Praxis heißt dies, dass symptomatisch wirkende Arzneimittel, wie zum Beispiel Antipyretika, Antiphlogistika, Antihypertensiva, Antihistaminika oder die Substitution fehlender, körpereigener Stoffe, oder aber Analgetika und Psychopharmaka selbstverständlich da zur Anwendung kommen, wo die speziellen Medikamente und Therapieverfahren der anthroposophischen Therapierichtung nicht (mehr) hinreichen, die erforderliche Selbstregulation und Heilung zu stimulieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Hinblick auf das therapeutische Vorgehen wird der salutogenetische Ansatz bevorzugt, also die Anregung körpereigener, physiologischer Prozessantworten. Diese sind immer individuell. Therapieschemata haben zwar einen wesentlichen, Orientierung gebenden Stellenwert. In praxi gehen die Medikationen jedoch oft darüber hinaus, da sich die Behandlung am Einzelfall orientiert. Anthroposophische Ärzte schätzen die schulmedizinische Behandlung als Akut- und Notfallmedizin hoch, möchten jedoch nicht bei deren Grenzen und Einseitigkeiten stehen bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verhältnis zu älteren ganzheitlichen medizinischen Konzepten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Jedem ganzheitlichen medizinischen System – ob es sich nun um traditionell chinesische, ayurvedische oder homöopathische Medizin handelt – liegt ein spirituelles Weltbild zugrunde, das mehr oder weniger konkret die gemeinsame Evolution von Mensch, Erde und Weltall beschreibt. Rudolf Steiner bemerkt dazu im Hinblick auf seinen Ansatz[2]: &#039;&#039;„Ich möchte nicht versäumen, Sie darauf aufmerksam zu machen, dass dasjenige, was ich hier vortrage, nicht entlehnt ist älteren medizinischen Schriften, sondern auf durchaus gegenwärtiger geisteswissenschaftlicher Forschung beruht. Nur muss versucht werden, zuweilen in der Terminologie auf die ältere Literatur zurückzugreifen, weil ja die neuere Literatur eine Terminologie nach dieser Richtung hin noch nicht ausgebildet hat. Aber derjenige, der glauben würde, dass irgendetwas hier vorgetragen wird, was nur älteren Schriften entnommen ist, der würde sich eben sehr irren.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese von Steiner entwickelte neue Art der geistigen Forschung ermöglicht als anthroposophische Erkenntnismethodik und dank ihrer Forschungsergebnisse auch neue Einsichten in die ganzheitlichen Konzepte und spirituellen Traditionen der Medizin. Daher gibt es unter ihren Vertretern immer auch „Anthroposophen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Seiner und Ita Wegmann, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst. Dornach 1935, S. 9.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaft und Medizin&#039;&#039;, GA 312. Sechster Vortrag, Dornach, 26. März 1920. S. 118 (Ausgabe 1999).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== CHARAKTERISTIKA EINER SPIRITUELLEN MEDIZIN LAUT RUDOLF STEINER ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen Prinzipien folgt die von Rudolf Steiner und Ita Wegman beschriebene spirituelle Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wodurch äußert sich ihr allgemein-menschlicher Ansatz?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wodurch zeichnen sich eine spirituelle Chemie und Physik aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist unter Kulturtherapie zu verstehen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Krankheit aus zwei Blickwinkeln sehen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In dem Werk über Anthroposophische Medizin &#039;&#039;„Grundlegendes zu einer Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; von Rudolf Steiner und Ita Wegman werden unter anderem auch die Grundlagen einer spirituellen Medizin beschrieben.[1] Bereits die Überschrift des ersten Kapitels lässt dies anklingen, indem da von &#039;&#039;„wahrer Menschenwesen-Erkenntnis“&#039;&#039; die Rede ist. Die Wortwahl erinnert an die Initiationspraktiken der antiken Mysterien, wo es in allen Einweihungsgraden um wahre irdisch-kosmische Selbst- und Welterkenntnis ging. Doch konkret im Alltag: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Erwartet nicht jeder Kranke vom Arzt, dass dieser die Ursache seines Problems durchschaut und die notwendigen Maßnahmen einleitet?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Dass er die Wahrheit über seinen Zustand bestmöglich herausfindet?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher die Forderung der Autoren, der Wahrheit des Krankheitsgeschehens von zwei Seiten aus näherzukommen, indem die schulmedizinischen Diagnosefaktoren mit der geisteswissenschaftlichen Betrachtung verbunden werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Christuserkenntnis&#039;&#039; als &#039;&#039;zentrales Element&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;‚Wes Geistes Kind‘ aber ist diese Forderung?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“[2]&#039;&#039; wird der Christus als ‚großer Hüter der Schwelle‘ auf dem Erkenntnisweg dargestellt, der dem Schüler den Sinn der Erdenentwicklung, des Todes und der Wiedergeburt enthüllt. In der &#039;&#039;„Geheimwissenschaft im Umriß“[3]&#039;&#039; wird der Christus auch namentlich genannt und seine zentrale Bedeutung innerhalb der Schöpfung und für die Entwicklung der Menschheit geschildert.[4] In beiden Werken begegnet man einer zentralen Bezugnahme auf die Wesenheit des Christus in einer weder religiös noch konfessionell tingierten Weise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verfolgt man diesen Wesensbezug zu Christus im Steiner‘schen Vortragswerk, oder auch nur in der Schrift &#039;&#039;„Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit“&#039;&#039;,[5] so zeigt sich, dass für Steiner diejenige geistige Realität, die er mit dem historischen Christus identifiziert, in allen Aspekten und Dimensionen menschlichen Lebens und Entwickelns eine zentrale Rolle spielt – ganz im Sinne der johanneischen Aussage: &#039;&#039;„Durch es [das Wort] sind alle Dinge geworden, und nichts von allem Entstandenem ist anders als durch das Wort geworden.“[6]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Anthroposophisches Menschenbild und Schulungsweg&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Steinersche Christologie versteht sich als Weg zur Christuserkenntnis. Dieser Weg ist von seinem Selbstverständnis her unabhängig von traditionellen Glaubensüberzeugungen und religiösen Bekenntnissen. Es geht bei ihm im tiefsten Sinne um ‚wahre Menschenwesen-Erkenntnis‘, um das ecce homo. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die anthroposophische Menschenkunde befasst sich mit diesem allgemeinmenschlichen, rein geistigen Wesensgefüge des gesunden Menschenurbildes, das der uns bekannten Schöpfung innewohnt. Sie versucht verständlich zu machen, warum und wie in dieser Schöpfung alles mit allem geistig und physisch zusammenhängt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher kann sich ein japanischer Shintu-Priester in seiner spirituellen und wissenschaftlichen Praxis ebenso von dem anthroposophischen Erkenntnisweg und Menschenbild anregen und bereichern lassen wie ein buddhistischer Mönch, ein Brahmane oder ein Angehöriger des jüdischen oder muslimischen Glaubens oder ein materialistischer Naturwissenschaftler. Denn Christliche Spiritualität ist zugleich allgemeinmenschliche Spiritualität und die Spiritualität in den Naturerscheinungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Dienender Charakter der Substanz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ein weiteres wichtiges Merkmal der von Rudolf Steiner beschriebenen spirituellen Medizin ist ihr selbstlos dienendes Prinzip. Das Substanzverständnis der Anthroposophie, wie es im Grundlagenwerk der Anthroposophischen Medizin &#039;&#039;„Grundlegendes zur Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; erörtert wird,[7] beruht auf dieser Grundlage. So werden im 1. Kapitel die Substanzen in ihrem selbstlos dienenden Charakter gezeigt, wie sie sich den vier Kräftebereichen von Mineral-, Pflanzen-, Tier- und Menschenwelt unterordnen, wodurch sie zu deren jeweiliger Manifestation beitragen und dadurch alle Naturerscheinungen in die Sichtbarkeit bringen.[8]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erdensubstanz – im christlichen Bekenntnis symbolisiert durch Brot und Wein – ist nach diesem Verständnis nicht nur die physische Grundlage für die Erd- und Menschheits-entwicklung. Vielmehr zeigt sich ihr zutiefst christlicher Charakter daran, dass sie dient: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* im mineralischen Zustand den Todesprozessen,&lt;br /&gt;
* in der Pflanzenwelt den Lebensprozessen,&lt;br /&gt;
* in der tierischen Natur den seelischen Äußerungen und der Bewegungsfähigkeit.&lt;br /&gt;
* Im Menschen aber wird sie „Geist tragend“.[9]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor diesem Hintergrund sind dann Sätze in dem genannten Werk wie der folgende zu verstehen: &#039;&#039;„[…] dann wird man durch Einfügung eines Erdenstoffes in den menschlichen Organismus oder durch Behandlung mit einer Erdentätigkeit bewirken können, dass die höheren Glieder der Menschenwesenheit sich ungehindert entfalten können, oder auch, dass die Erdenstofflichkeit an dem Zugefügten die nötige Unterstützung findet, um auf den Weg zu kommen, auf dem sie Grundlage wird für irdisches Wirken des Geistigen.“[10]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Spirituelle Chemie und Physik der Zukunft&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der Schrift &#039;&#039;„Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit“[11]&#039;&#039; – präzisiert Rudolf Steiner diesen Aspekt auch noch im Hinblick auf die Entwicklung der Substantialität der Erde: &#039;&#039;„Künftig werden Chemiker und Physiker kommen, welche Chemie und Physik nicht so lehren, wie man sie heute lehrt [...] sondern welche lehren werden: ‚Die Materie ist aufgebaut in dem Sinne, wie der Christus sie nach und nach angeordnet hat!‘ – Man wird den Christus bis in die Gesetze der Chemie und Physik hinein finden. Eine spirituelle Chemie, eine spirituelle Physik ist das, was in der Zukunft kommen wird. Heute erscheint das ganz gewiß vielen Leuten als eine Träumerei oder Schlimmeres.&#039;&#039; &#039;&#039;Aber was oft die Vernunft der kommenden Zeiten ist, das ist für die vorhergehenden Torheit.“[12]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese selbstlos dienende Haltung wird von den in der anthroposophischen Pharmazie und Medizin Tätigen auf dem anthroposophischen Schulungsweg geübt und prägt den spirituellen Charakter dieser Bereiche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Heilsam wirken durch umfassende Kulturtherapie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin kann als Kulmination von Steiners Grundanliegen, heilsam zu wirken, gesehen werden. Alles, was er geschrieben und getan hat, stand und steht im Dienst einer umfassenden Kulturtherapie, die heilsam auf die zeitgeistigen pathologischen Tendenzen einwirken sollten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Rudolf Steiner unter Kulturpathologie verstand, stellte er im ersten Vortrag des Gründungskurses für die Waldorfpädagogik im August 1919 so dar: &#039;&#039;„Vergessen Sie nicht, indem Sie sich Ihrer Aufgabe widmen, daß die ganze heutige Kultur, bis in die Sphäre des Geistigen hinein, gestellt ist auf den Egoismus der Menschheit. [. . .] Wir leben in der Zeit, in der dieser Appell an den menschlichen Egoismus in allen Sphären bekämpft werden muß, wenn die Menschen nicht auf dem&#039;&#039; &#039;&#039;absteigenden Wege der Kultur, auf dem sie heute gehen, immer mehr und mehr abwärts gehen sollen.“[13]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; In Philosophie und Geistesleben ====&lt;br /&gt;
Im philosophischen Werk Steiners wird die Grundlage zur Kulturtherapie in Form eines tiefgreifenden Autonomieverständnisses gelegt. Freiheit und Liebe, die zur Selbstlosigkeit fähig sind, stehen dabei als menschliche Entwicklungsziele an zentraler Stelle. Sie sind Ausdruck menschlicher Würde und geistiger Gesundheit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; In der Pädagogik ====&lt;br /&gt;
Entsprechend wird im Zusammenhang von Steiners Darstellungen zur &#039;&#039;„Allgemeinen Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik“[14]&#039;&#039; eine ‚Physiologie und Psychologie der Freiheit‘ veranlagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; In der Kunst als Therapie ====&lt;br /&gt;
Und auch die künstlerische Tätigkeit versteht Steiner nicht als ästhetischen Selbstzweck. Sie hat Bewusstsein weckenden Charakter und mündet in allen Bereichen in therapeutische Wirksamkeit, wie in EH am Beispiel der Heileurythmie in Kapitel XVIII gezeigt wird. Der Leiter der Kolisko-Akademie, &#039;&#039;Armin Husemann&#039;&#039;, hat diesem Impuls einer therapeutisch ausgerichteten &#039;&#039;„Menschenwissenschaft durch Kunst“&#039;&#039; sein Lebenswerk gewidmet.[15]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[16]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?,&#039;&#039; GA 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Geheimwissenschaft im Umriss&#039;&#039;, GA 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Ebenda, Seite 219–225, 251–256 sowie 351–353.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit,&#039;&#039; GA 15.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Neues Testament, &#039;&#039;Johannes Kap. 1, 3.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen&#039;&#039;, GA 27, Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Christian Morgenstern (1871–1914) hat diesem dienenden Geschehen sein Gedicht &#039;&#039;Fußwaschung&#039;&#039; gewidmet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. Harlan, (2008).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Siehe FN1, S. 12.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit,&#039;&#039; GA 15.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Ebenda, S. 46.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik&#039;&#039;, GA 293, 26 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik&#039;&#039;, GA 293.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[15] Vgl. A. Husemann (2007 und 2024).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[16] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ANSPRUCH UND AUFGABE DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen Anspruch hat die Anthroposophische Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worin sieht sie ihre Aufgabe?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was war laut Rudolf Steiner das entscheidend Neue?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Bemühen der Anthroposophischen Medizin&#039;&#039; &#039;&#039;um mehr Menschlichkeit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin ist ein Kind des 20. Jahrhunderts. Sie hat den Anspruch, naturwissenschaftliche, philosophische und spirituelle Erkenntnisse und deren therapeutische Anwendungen in ein ganzheitliches Konzept zu integrieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als eigenständige medizinische Bewegung hat sie jedoch erst gut 80 Jahre Entwicklung hinter sich, weswegen sie noch nicht so breit im allgemeinen Bewusstsein verankert ist wie beispielsweise die Homöopathie. Darüber hinaus ist die Bezeichnung „Anthroposophische Medizin“ etwas schwer verständlich. Der Begriff „Homöopathie“ hat sich aus dem prinzipiellen Gegensatz zur gängigen „Allopathie“ gebildet. Er orientiert sich am Simile-Prinzip. „Anthroposophisch&amp;quot; heißt hingegen in der schlichtesten Übersetzung aus dem Griechischen einfach nur „menschlich&amp;quot;. Entsprechend hat sich die Anthroposophische Medizin zur Aufgabe gesetzt, im Umgang mit Krankheit und Gesundheit in Theorie und Praxis das Bewusstsein und die Entwicklung von mehr Menschlichkeit ins Zentrum allen Bemühens zu stellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wesensglieder-Diagnostik als neue Perspektive&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner war es wichtig, die Wesensglieder-Diagnostik und die sich daran anschließende Therapiefindung als das entscheidend Neue zu sehen, das durch die Anthroposophie in den gegenwärtigen Medizinbetrieb hereinkommen kann. Es ging ihm nicht primär darum, neue und womöglich wirksamere Medikamente zu finden für dieses und jenes. Vielmehr wollte er vermitteln, dass die Medizin durch ein Menschenbild bereichert werden kann, das befähigt, den Menschen primär als geistiges Wesen zu begreifen und ihn dadurch in Gesundheit und Krankheit neu zu sehen und behandeln zu lernen.[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Kapitel I von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; heißt es: &#039;&#039;„Der Mensch ist, was er ist, durch Leib, Ätherleib, Seele (astralischer Leib) und Ich (Geist).&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Er muss als Gesunder aus diesen Gliedern heraus angeschaut;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;er muss als Kranker in dem gestörten Gleichgewicht dieser Glieder wahrgenommen;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;es müssen zu seiner Gesundheit Heilmittel gefunden werden, die das gestörte Gleichgewicht wieder herstellen.“[2]&amp;lt;sup&amp;gt;,&amp;lt;/sup&amp;gt; [3]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anthroposophisch-medizinische Therapieansatz kann zudem sowohl alternativ als auch kombiniert mit schulmedizinischer Behandlung zur Anwendung kommen und erfreuliche Besserungen erzielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Erkrankung und Heilung als Kreisprozess verstehen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Methodisch kommt es Rudolf Steiner und Ita Wegman also darauf an, den Prozess der Erkrankung und den Prozess der Heilung als einen einzigen Kreisprozess zu verstehen, in dem der Organismus von Heilmitteln und Krankheitsdiät unterstützt werden muss, um wieder in den „Zustand der Gesundheit“ versetzt zu werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Die Erkrankung beginnt mit einer Irregularität in der Zusammensetzung des menschlichen Organismus mit Bezug auf seine in diesem Buch beschriebenen Teile. Sie ist an einem bestimmten Punkte angekommen, wenn man den Kranken in Behandlung bekommt. Man hat nun dafür zu sorgen, dass alle Vorgänge, die sich seit dem Beginn der Krankheit im menschlichen Organismus abgespielt haben, wieder zurückverlaufen, so dass man zuletzt bei dem Zustande der Gesundheit anlangt, in dem der Organismus vorher war. […] Die Heilmittel müssen daher so beschaffen sein, dass sie nicht nur den Krankheitsprozess zurücklaufen lassen, sondern auch die sich herabstimmende Vitalität wieder unterstützen. Einen Teil der letzteren Wirkung wird man der Krankheitsdiät überlassen müssen. Doch ist in der Regel bei ernsteren Krankheitsfällen der Organismus nicht gestimmt, in der Verarbeitung der Nahrungsmittel genügend Vitalität zu entwickeln. Es wird daher notwendig sein, auch die eigentliche Therapie so einzurichten, dass der Organismus in dieser Beziehung seine Unterstützung findet. […] Im Krankheitsverlaufe ist nicht nur der lokalisierte Krankheitsprozess, sondern die Gesamtveränderung des Organismus zu berücksichtigen und diese in den rückläufigen Prozess einzubeziehen. Wie das im Einzelnen zu denken ist, werden bestimmte Fälle, die wir nun charakterisieren wollen, zeigen.“&#039;&#039;[4] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;An der Heilung des erkrankten Planeten mitwirken&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Ruf nach einer menschengemäßen Medizin steht mit vielen Bestrebungen der letzten Jahrzehnte im Konsens.  So schreibt der berühmte  amerikanische Kardiologe &#039;&#039;Bernard Lown&#039;&#039; im Vorwort seines Medizin-Bestsellers &#039;&#039;„Die verlorene Kunst des Heilens&amp;quot;:[1]„Dieses Buch möge als ein  Kompass dienen (...), indem es eine Medizin beschreibt, in welcher der Mensch im Mittelpunkt aller wissenschaftlichen Dienstleistungen steht – nämlich ein modernes Gesundheitswesen mit einem menschlichen Gesicht.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lown nennt die heutigen großen Probleme beim Namen: Die ungerechte Weltordnung, die bewirkt, dass sich auch im neuen Jahrhundert die Kluft zwischen den armen Entwicklungsländern und den reichen Industrienationen immer schneller vertieft und viel zu viele der sieben Milliarden Menschen auf der Welt in einer quälenden, erbarmungslosen und erniedrigenden Armut leben. Er fordert von den Ärzten, aktiv beim Aufarbeiten der sozialen Missstände mitzuwirken sowie bei der Heilung unseres erkrankten Planeten. Das Wort des deutschen Pathologen &#039;&#039;Rudolf Virchow&#039;&#039; ist ihm Vorbild, dass Politik eine „Medizin im Großen&amp;quot; ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie aber wird eine medizinische Denkweise und Methode erarbeitet, die solches leisten kann?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztlich kann doch nur ein neues Denken über die alten, unerbittlich wachsenden Probleme dazu führen, diese nachhaltig zu lösen. Anthroposophische Medizin möchte in aller Konsequenz dazu beitragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Physiologisch-Therapeutisches auf Grundlage der Geisteswissenschaft. Zur Therapie und Hygiene,&#039;&#039; GA 314, S. 29 und S. 226 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, S. 12.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Formatierung Katharina Offenborn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe FN 2, S. 89f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Bernard Lown, &#039;&#039;Die verlorene Kunst des Heilens,&#039;&#039; Berlin 2002.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== GESUNDHEITSWISSENSCHAFTLICHER ANSATZ DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Bereiche umfasst der gesundheitswissenschaftliche Ansatz der Anthroposophischen Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht dabei um drei Bereiche:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Um den Bereich des Ätherisch-Lebendigen und die hier agierenden &#039;&#039;&#039;Rhythmen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
# Um das Zusammenspiel der Wesensglieder im so genannten &#039;&#039;&#039;dreigliedrigen Organismus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
# Um eine dem Menschengeist gemäße &#039;&#039;&#039;Erziehung und Selbsterziehung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;AD 1. ZUR RHYTHMUSFORSCHUNG&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gunther Hildebrandt&#039;&#039;, einer der führenden Rhythmus-Forscher im 20. Jahrhundert, hat sein Lebenswerk als Physiologe der systematischen Erarbeitung der rhythmischen Funktionen und deren adaptiven, erholsamen und stabilisierenden Wirkungen gewidmet.[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hatte in einer Vortragsnachschrift von Steiner gelesen, dass die rhythmische Organisation des Menschen ihren Ausdruck findet im Rhythmus der Blutzirkulation und dem Atemrhythmus und dass dieser Zusammenhang zu wenig beachtet wird. Beim erwachsenen Menschen haben diese beiden Rhythmen das Verhältnis 4:1. Das ist natürlich nur ein approximativer Durchschnittswert, der allerdings in seinen Abweichungen Auskunft gibt über Gesundheit und Krankheit des individuellen menschlichen Organismus. Diesen Hinweisen Steiners ist Hildebrandt mit den Methoden der Chronobiologie und der Rhythmusforschung nachgegangen. Anhand seiner Resultate konnte er belegen, wie sehr die anthroposophische Geisteswissenschaft mit der akademischen Naturwissenschaft übereinstimmt und dass sich neue Möglichkeiten des Verstehens erschließen, wenn man beide methodisch ernst nimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Rhythmusforschung am Beispiel Schlaf&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Hildebrandt konnte nachweisen, dass die Schlaferholung als zentral koordinierter Prozess nicht allein aus biochemischen und physiologischen Gesichtspunkten heraus erklärbar ist, sondern dass Selbstordnungsprinzipien am Geschehen beteiligt sind, die eine rhythmische Zeitstruktur haben und prozessual in Richtung Heilung oder Krankheit stimulierbar sind. Er konnte in vielfach bestätigten Befunden nachweisen, dass im Verlauf des Nachtschlafes die ganzzahlige Frequenzabstimmung zwischen Herz- und Atemrhythmus des gesunden Organismus bei jedem Menschen wieder hergestellt wird, und zwar unabhängig von der Richtung der am Tage aufgetretenen Abweichungen. Dasselbe konnte Hildebrandt auch hinsichtlich der ganzzahligen Frequenzabstimmungen von Atem- und Blutdruckrhythmus sowie von Blutdruckrhythmus und Minutenrhythmus der peripheren Durchblutung nachweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Arbeitsrhythmen der Wesensglieder und autochrone Biorhythmen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Des Weiteren konnte Hildebrandt zeigen, dass die von Steiner erforschten basalen Arbeitsrhythmen der Wesensglieder tatsächlich den evidenten, adaptiven und autochronen Biorhythmen des Menschen entsprechen. Auch konnte er belegen, dass diese hygiogenetischen Prozesse in der Regel reaktiv ausgelöst werden und ihre Zeitstruktur nicht von den Eigenrhythmen der Wesensglieder bestimmt werden, sondern reaktiv von deren harmonischen Frequenzmultiplen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Jahresrhythmen unter Einfluss des physischen Leibes ====&lt;br /&gt;
Regenerative und adaptive Rhythmen des physischen Leibes hängen mit dem Jahreslauf der Sonne sowie der annualen Rhythmik zusammen. Die heteronomen trophisch-plastischen Wachstumsprozesse mit der submultiplen Periodendauer des Jahresrhythmus werden überwiegend von den Einflüssen bestimmt, die der physische Leib auf die hygiogenetische Aktivität des Ätherleibes hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; 7-Tage-Rhythmus bestimmt vom Ätherleib ====&lt;br /&gt;
Regenerative und adaptive Rhythmen des ätherischen Leibes entsprechen dem Monatsrhythmus sowie der lunaren Rhythmik. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Monatsrhythmus bestimmt vom Astralleib ====&lt;br /&gt;
Adaptive und regenerative Rhythmen des Astralleibes von 7 Tagen entsprechen dem Wochenrhythmus, der zirkaheptanen Rhythmik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Rhythmisches Zusammenspiel von Ätherleib und Astralleib&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Die eigentlichen heilenden Prozesse, die sich als normgerichtete Regenerationsvorgänge äußern und eine funktionelle Normalisierung herbeiführen, werden im Zusammenwirken von Ätherleib und astralischem Leib zeitlich gegliedert. Ausdruck dieses Zusammenwirkens ist die Tatsache, dass der spontane Eigenrhythmus des Astralleibes mit 7 Tagen Periodendauer zugleich eine Submultiple des ätherischen Monatsrhythmus darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Eigenrhythmen der beiden Wesensglieder stehen bemerkenswerterweise auch im doppel-oktavischen harmonischen Verhältnis von 4:1. Das vielfach nachgewiesene Vorherrschen der zirkadianen Septanperiodik bei den spontanen und therapeutisch angestoßenen Selbstheilungsprozessen kann daher so gedeutet werden, dass der Astralleib mit seinem Eigenrhythmus den hygiogenetischen Prozessen eine Zeitstruktur vorgibt, der sich der Ätherleib durch Ausbildung einer submultiplen Periodik optimal einpasst.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; 24-Stunden-Rhythmen unter Führung der Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Adaptive und regenerative Rhythmen der Ich-Organisation entsprechen dem 24 Stunden-Rhythmus, der zirkadianen Rhythmik. Seine Forschungsergebnisse zusammenfassend führt Hildebrandt aus, dass die verschiedenen, stoffwechselbedingten Erholungsprozesse mit einer Periodendauer unter 24 Stunden, die dem Bestand und der Gesunderhaltung des Organismus dienen, der zeitlichen Führung seitens der Ich-Organisation unterliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;AD 2. ZUR FUNKTIONELLEN DREIGLIEDERUNG&#039;&#039; &#039;&#039;DES MENSCHLICHEN ORGANISMUS&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Gedanke der funktionellen Dreigliederung des menschlichen Organismus geht auf eine dreißigjährige Forschung Steiners zurück, die er erstmals 1917 publizierte.[3] Der Anatom und Morphologe Johannes W. Rohen griff diese Anregung in seinen Lehrbüchern für die Medizinstudenten auf.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Sichtweise des menschlichen Organismus verknüpft drei Aspekte miteinander:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Sie macht den polaren Bau des menschlichen Organismus funktionell und morphologisch transparent.&lt;br /&gt;
# Sie liefert eine pathologisch und therapeutisch relevante Erklärung des Leib-Seele-Problems.&lt;br /&gt;
# Sie führt nicht nur zu einer neuen Sicht auf die Entstehung von Krankheit, sondern auch zu einem Konzept für die Entstehung von Gesundheit (Salutogenese, Hygiogenese).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Polarität und ausgleichende Prozesse&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Morphologisch betrachtet sind die Rundheit der Schädelform und die radiale Form der Gliedmaßen echte Polaritäten. Entsprechend polar stehen auch die bewussten, im Kopf zentrierten Denk- und Sinnestätigkeiten den unterhalb des Zwerchfells lokalisierten unbewussten metabolischen Auf- und Abbauvorgängen gegenüber. Dazwischen entfalten sich die rhythmischen Transport- und Verteilungssysteme, wie sie von den Atmungsorganen und dem Herzen als Mittelpunkt des Kreislaufsystems ausgehen. Diese dreiteilige morphologische Grundgliederung bezeichnet Steiner mit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Nerven-Sinnes-System NSS&#039;&#039;&#039;: überwiegend im Kopf zentrierte &#039;&#039;„obere Organisation&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Rhythmisches System RS&#039;&#039;&#039;: überwiegend im Thorax lokalisierte &#039;&#039;„mittl. Organisation&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Stoffwechselsystem&#039;&#039;&#039;: überwiegend im Abdomen lokalisierte &#039;&#039;„untere Organisation&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Dreigliederung entspricht bereits die Polarität von Ektoderm und Entoderm und den sich aus dem Zusammenspiel beider ergebenden sekundären mesodermalen Strukturen in der Embryonalentwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Dreigliederung findet sich auch in der Formation des Skelettes wieder: Wirbelsäule und Brustkorb haben einen rhythmisch gegliederten Aufbau (Wirbel, Rippen), im Gegensatz zur radialen Form der Extremitäten und der sphärischen des Kopfes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die zeitlich-prozessuale und damit auch die physiologisch-biochemische Betrachtung ist jedoch das jeweils spezifisches Zusammenwirken der vier Wesensglieder in den drei Regionen des Körpers entscheidend:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbstverständlich gehört der Nervenzell-Stoffwechsel den Stoffwechselfunktionen an und umgekehrt ist das vegetative Nervensystem, das wahrnehmend und regulierend auf das gesamte Stoffwechselgeschehen einwirkt, Bestandteil des Nervensinnessystems.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entsprechend ist das rhythmische System mit seinen Funktionsleistungen auch im Nervensinnes-System und beim Stoffwechsel wirksam. Es stellt mit den kurzwelligen Rhythmen der elektrochemischen Hirnpotentiale im Sekundenbereich und den langwelligen Eigenrhythmen der Stoffwechselorgane (z.B. Magen / Darmmotilität) im Stundenbereich die gesamte rhythmische Funktionsordnung im dreigliedrigen Organismus dar. Bei der Dreigliederung handelt es sich also nicht um eine Dreiteilung, sondern um eine funktionelle Gliederung, die sich gleichzeitig räumlich im polaren Aufbau des Körpers abbildet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zusammenspiel der Wesensglieder im dreigliedrigen Organismus&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Werden die Funktionen des Nerven-Sinnes- und des Stoffwechselsystems mithilfe des rhythmischen Systems nicht genügend aufeinander abgestimmt, so tritt Krankheit auf:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Derjenige wird den menschlichen Organismus in seinem gesunden und kranken Zustand – oder besser gesagt: in seinem Gesund-Sein und seinem Gesund-Werden – nicht eigentlich verstehen können, der nicht berücksichtigt, dass die so genannten normalen Funktionen im Grunde nur Metamorphosen sind, auch derjenigen, die wir hervorrufen müssen, um pathologischen Zuständen zu begegnen&amp;quot;&#039;&#039;.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hildebrandt machte darauf aufmerksam, dass diese Aussage Steiners im Prinzip dem so genannten ersten Hauptsatz der Naturheilkunde entspricht, wie er zum Beispiel von Groote formuliert wurde: &#039;&#039;„Das, was den Gesunden gesund erhält, ist auch geeignet, den Kranken wieder gesund zu machen&amp;quot;&#039;&#039;.[6]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Inkarnierende und exkarnierende Wesensgliedertätigkeit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das Steinersche Paradigma von der Metamorphose der „inkarnierenden&amp;quot; Wesensgliedertätigkeit in die „exkarnierende&amp;quot;, die das seelisch-geistige Leben ermöglicht, ist einerseits Grundlage für ein neues Verständnis des Leib-Seele-Zusammenhangs. Es bietet aber auch bisher nicht dagewesene Möglichkeiten, die Fachgebiete der Erziehungswissenschaften und Medizin in ihrem Zusammenhang zu verstehen und für die Weiterentwicklung von Therapie und Pädagogik zu nutzen. Denken, Fühlen und Wollen als seelisch-erfahrbare Qualitäten werden in ihrem Leibbezug durchschaubar:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Der &#039;&#039;&#039;Ätherleib&#039;&#039;&#039; kann damit als &#039;&#039;Träger des Gedankenlebens&#039;&#039; erkannt werden,&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;&#039;Astralleib&#039;&#039;&#039; als &#039;&#039;Träger des Gefühlslebens&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* und die &#039;&#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;&#039; als &#039;&#039;Träger des Wollens bzw. Tuns&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die inkarnierende Wesensgliedertätigkeit ermöglicht Selbsterfahrung und ist somit die Grundlage von Selbstbewusstsein im Leib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die exkarnierende Wesensgliedertätigkeit, deren Medium das Denken ist, das „Leben im Geiste&amp;quot;, ist Grundlage für die Entwicklung eines bewussten, vom Leib emanzipierten, persönlichen Innenlebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die inkarnierende und die exkarnierende Wesensgliedertätigkeit hängen eng zusammen im Kontext der Entwicklung des Menschen. So entwickelt sich z.B. unser Denken erst aus der schrittweisen Emanzipation des Ätherleibes – von der leibgerichteten Tätigkeit hin zur leibfreien, rein gedanklichen Tätigkeit.[7] Wird die gesunde Inkarnation des Ätherleibes durch die Erziehung nicht unterstützt, sondern behindert durch kognitives Frühtraining und die Förderung abstrakten Denkens, emanzipiert sich der Ätherleib zu früh und ein Mangel an Vitalität in der zweiten Lebenshälfte ist die Folge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Alles hat seine Zeit&amp;quot; ist daher die Grundlage der Waldorfpädagogik und ihres altersspezifischen Lehrplans.[8](besser nicht in kursiv).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entwicklungsgerechte Förderung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Organsysteme des menschlichen Organismus bedürfen einer entwicklungsgerechten, altersspezifischen Förderung, um sich gesund aufbauen und genügend ausreifen zu können. Nur dadurch kann die Inkarnation aller Wesensglieder optimal gewährleistet werden. Damit wird auch die physiologische Lockerung der Wesensglieder im letzten Lebensdrittel auf möglichst gesunderhaltende Art und Weise vorbereitet. Jeder alternde Organismus hat zwar die Disposition zu chronischen Erkrankungen des älteren Menschen, ob es jedoch zum Ausbruch einer entsprechenden Krankheit kommt bzw. welchen Schweregrad sie erreicht, ist bis zu einem gewissen Grad abhängig davon, wie das Kind oder der Jugendliche die Zeit der Inkarnation der Wesensglieder durchlaufen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiteres Kriterium ist die Frage, ob in der Lebensmitte durch geistige Aktivität Lebensfragen und Konflikte so verarbeitet wurden, dass die zur Gesunderhaltung von Leib und Seele nötige Übereinstimmung mit sich und dem Schicksal hergestellt werden konnte. Aaron Antonovsky spricht von der Notwendigkeit, ein „Kohärenzgefühl“ sich und seinen Lebensumständen gegenüber zu erwerben.[9]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;AD 3.&#039;&#039; &#039;&#039;ERZIEHUNG UND SELBSTERZIEHUNG ALS QUELLE SALUTOGENER KOMPETENZ&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die von Rudolf Steiner konsequent verfolgte These einer Erziehung zur Freiheit und einer Lehre von der Gesundheit, basierend auf der Auseinandersetzung mit den Herausforderungen des Lebens auf geistiger, seelischer und körperlicher Ebene, erfährt auf vielfältige Weise Bestätigung durch:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Hygiogenese&#039;&#039;&#039; (Hildebrandt 1985),&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Salutogenese&#039;&#039;&#039; (Antonovsky 1997)&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Resilienzforschung&#039;&#039;&#039; (Opp/Fingerle/Freytag 1999)&lt;br /&gt;
* sowie die &#039;&#039;&#039;Erforschung der seelischen Gesundheit&#039;&#039;&#039; durch die humanistische Psychologie (Maslow 1981).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Erforschung der seelischen Gesundheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Maslow fand bei seinen Untersuchungen zur seelischen Gesundheit heraus, dass Menschen mit einer gesunden seelischen Gesamtverfassung sach- und nicht ich-bezogen handeln, dass sie tolerant und wahrhaftig sind, sich herzlich freuen, staunen und Dinge und Menschen bewundern können, dass sie Gefühle der Devotion aufbringen. Ihnen ist gemeinsam, dass sie auf die eine oder andere Art auf eine spirituelle Höhepunkt-Erfahrung, die so genannte Peak-Experience, zurückschauen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Maslow konnte zeigen, in wie hohem Maße die Arbeit an der eigenen Persönlichkeit und die persönliche Reife Einfluss auf den körperlichen Gesundheitszustand haben.[10]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Salutogenese – die Lehre von der Gesundheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Antonovsky entwickelte in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts seine Theorie der Salutogenese. Er untersuchte die Bedingungen für das Entstehen von Gesundheit und wählte als Kernbegriff den „Sense of Coherence“ – das Kohärenzgefühl. Die Entstehung von Kohärenzgefühls unterliegt drei Vorbedingungen: Die Welt muss als&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* verstehbar&lt;br /&gt;
* sinnhaft&lt;br /&gt;
* handhabbar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
erlebt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder in der Gesundheitsforschung Tätige kommt früher oder später zu der Überzeugung, dass Gesundheit ein labiler Zustand ist, der vom Individuum aktiv erhalten werden muss. Diese Auffassung steht im Gegensatz zum konventionellen, pathogenetischen Postulat, dass ein gesunder Organismus sich in „normaler&amp;quot;, geordneter Homöostase befindet, die durch eine Krankheit aus dem Gleichgewicht gebracht wird. Antonovsky stellt dem entgegen, dass es den geordneten Zustand der Homöostase nicht gibt, dass Gesundheit vielmehr das ständige Ringen mit heterostatischen Zuständen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er schreibt: &#039;&#039;„Zu jedem Zeitpunkt kann mindestens ein Drittel, möglicherweise mehr als die Hälfte der Bevölkerung in den Industrienationen aufgrund des einleuchtenden Parameters eines pathologischen Merkmals als krank bezeichnet werden. Das zeigt, dass Krankheit keine relativ seltene Abweichung irgendeiner Norm, sondern ein ubiquitäres Phänomen ist&amp;quot;&#039;&#039;.[11]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit ist so gesehen nicht die Abwesenheit von Krankheit, sondern die Beherrschung und Kompensierung vorhandener Krankheitstendenzen. Für diese gesundheitswissenschaftliche Sicht bietet das Konzept der Wesensglieder und ihr differenziertes Zusammenwirken im dreigliedrigen Organismus das notwendige theoretische und praxisrelevante Instrumentarium. Hinzu kommt, dass das Wesensgliederkonzept bisher das einzige Konzept ist, das dem denkenden Begreifen den Leib-Seele-Geist-Zusammenhang voll erschließen kann und die These von der „Blackbox&amp;quot; begründet hinterfragt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Amelung, W. / Hildebrandt, G. (Hrsg.), Balneologie und medizinische Klimatologie, Berlin 1985.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Gunther Hildebrandt, &#039;&#039;Physiologische Grundlagen der Hygiogenese&#039;&#039;, in: Peter Heusser (Hrsg.), &#039;&#039;Akademische Forschung in der anthroposophischen Medizin&#039;&#039;. Beispiel Hygiogenese: Natur- und geisteswissenschaftliche Zugänge zur Selbstheilungskraft des Menschen, Bern 1999.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Von Seelenrätseln&#039;&#039;, GA 21.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Johannes W. Rohen, &#039;&#039;Morphologie des menschlichen Organismus. Versuch einer goetheanischen Gestaltlehre des Menschen,&#039;&#039; Stuttgart 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Anthroposophische Grundlagen für ein erneuertes christlich-religiöses Wirken&#039;&#039;, GA 342, Dornach 1993.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] L. R. Groote, K. E. Rothschuh, &#039;&#039;Der Arzt im Angesicht von Leben, Krankheit und Tod&#039;&#039;, hrsg. von K. E. Rothschuh, Stuttgart 1961.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkt der Geisteswissenschaft&#039;&#039; in: &#039;&#039;Lucifer - Gnosis&#039;&#039;. 1903-1908, Dornach 1987;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M. Glöckler, &#039;&#039;Gesundheit und Schule. Schulärztliche Tätigkeit an Waldorf- und Rudolf-Steiner- Schulen.&#039;&#039; Dornach 1998.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Tobias Richter, &#039;&#039;Lehrplan&#039;&#039;, Stuttgart 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Aaron Antonovsky, &#039;&#039;Salutogenese. Zur Entmystifizierung der Gesundheit&#039;&#039;, Tübingen 1987.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Abraham Maslow, &#039;&#039;Motivation und Persönlichkeit&#039;&#039;, Hamburg 1981.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Siehe Fußnote 9.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== METHODISCHE GRUNDLAGEN DES ANTHROPOSOPHISCHEN ANSATZES ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worin wurzelt die Methodik des anthroposophischen Ansatzes?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wurzeln des anthroposophischen Ansatzes&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der anthroposophische Ansatz hat seine Wurzeln in der abendländischen Philosophie und der Erkenntnisdramatik des 20. Jahrhunderts. Er bemüht sich um ein spirituelles Verständnis von Mensch und Welt über die Weiterentwicklung des Denkens zu einer unmittelbaren geistigen Anschauung, von Steiner „Imagination“ genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Anthroposophische Medizin ====&lt;br /&gt;
Anthroposophische Medizin hat zum Ziel, sich am Menschen selbst zu orientieren und seinem Heilbedarf auf die jeweils bestmögliche Art zu entsprechen. So greift der konsequent integrativ-medizinische Ansatz nicht nur die verschiedenen Erkenntnis-, Erfahrungs- und Daseinsebenen des Menschen auf, sondern verfügt auch über eine Diversität methodischer Zugänge. Im Sinne des Goethe‘schen Paradigmas bedeutet das, die Art der Betrachtung von der Art des zu Betrachtenden abhängig zu machen. Da der Mensch selbst ein so vielschichtiges und kompliziertes Wesen ist, bedarf es zu seiner Erforschung und Beschreibung die dem jeweiligen Objekt der Erkenntnis angemessene Methode. Allerdings müssen die so erforschten Einzelaspekte dann untereinander vernetzt und konzeptionell so verknüpft werden, dass eine Ganzheit entsteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Die Medizin des 21. Jahrhunderts muss wieder neu den Menschen entdecken, der immer mehr in ultrastrukturelle Teile zerbricht, weil ihr eine auf die Ganzheit gerichtete Erkenntnismethode – die intuitive – fehlt“.&#039;&#039;[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Menschen in seiner Totalität zu erfassen, ist ohne Intuition und Empathie nicht möglich. Diese Ganzheit dann aber je nach Fragestellung und Blickwinkel methodisch und inhaltlich zu gliedern und auch deduktiv zugänglich zu machen, bedarf eines differenzierten Erkenntnisansatzes, wie er in den methodischen Grundlagen der anthroposophischen Geisteswissenschaft vorliegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Anthroposophische Geisteswissenschaft ====&lt;br /&gt;
Anthroposophische Geisteswissenschaft vermittelt keine „fertige&amp;quot; Weltanschauung. Vielmehr lehrt sie, sich eine eigene Weltsicht zu erarbeiten, indem sie bei der Ausbildung des „Selber-Denkens&amp;quot; ansetzt. Mit Hilfe dieses Ansatzes kann jeder Fragen aufgreifen, die ihn im Zusammenhang mit der eigenen Religion oder spirituellen Heilweise interessieren. So gibt es nicht nur Schulmediziner, sondern auch Homöopathen und Vertreter anderer Therapierichtungen, die sich zu anthroposophischen Ärzten weiterbilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Anthroposophische Arzneimittel ====&lt;br /&gt;
Aufgrund des integrativ-medizinischen Ansatzes können die Arzneimittel der anthroposo­phischen Therapierichtung weder methodisch noch von den Stoffgruppen her klar abgegrenzt werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Beispiel wird eine Vielzahl von Arzneimitteln aus natürlichen Rohstoffen hergestellt, ohne dass Anthroposophische Medizin deshalb identisch mit der Naturheilkunde wäre. Es werden über 250 Heilpflanzen verarbeitet, dennoch ist Anthroposophische Medizin keine Phytotherapie. Denn im gesamten Arzneimittelschatz haben gerade die aus natürlichen mineralischen Rohstoffen hergestellten Präparate eine besondere Bedeutung. Schließlich ist Anthroposophische Medizin auch nicht mit der Homöopathie identisch, obwohl sie mit ihr – in modifizierter Form – die Technik des Potenzierens und die Potenzbezeichnung für sehr viele mineralische, pflanzliche und einige tierische Arzneimittel gemeinsam hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch liegt eine größere Anzahl von Präparaten in konzentriert-stofflicher Form vor, allen voran die Präparate aus der weißbeerigen Mistel zur Krebsbehandlung oder das gern gebrauchte Mittel zur Kreislaufregulation Cardiodoron®. Dennoch ist die anthroposophische Therapierichtung nicht zu der allopathischen zu rechnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Volker Fintelmann, &#039;&#039;Intuitive Medizin,&#039;&#039; Hippokrates Verlag, Stuttgart: 1. Aufl. 1987, 5. Aufl. 2007.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== NOTWENDIGER PARADIGMENWECHSEL IN DER MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Warum bedarf die Schulmedizin einer Ergänzung durch eine ganzheitliche Sicht auf den Menschen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern kann die Anthroposophische Medizin zu einem Paradigmenwechsel beitragen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Notwendige Demokratisierung des Gesundheitswesens&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das naturwissenschaftliche medizinische System orientiert sich an der Pathologie. Aus wirtschaftlicher Perspektive folgt daraus: Je mehr Diagnostik und Therapie betrieben werden, umso so mehr Umsatz kann gemacht werden. Anders ausgedrückt: Mit der Krankheit Geld zu verdienen, fördert das Krankheitswesen. Würde man jedoch mit Prävention und Gesundheitsstrategien Umsätze machen und dafür in eine Gesundheitskasse einzahlen, würde dies entschieden zur Volksgesundheit beitragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner forderte bereits 1920 eine &#039;&#039;„Demokratisierung des Gesundheitswesens“.[1]&#039;&#039; Ärzte, Apotheker, Hersteller und Verbraucher sind gefragt, gemeinsam und in Partnerschaft mit den Patienten bzw. Vertretern der Zivilgesellschaft Mitverantwortung für die Gestaltung des Gesundheitswesens zu übernehmen und für die hierzu erforderliche Methodenvielfalt und Therapiefreiheit einzutreten.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Auf Prävention fokussieren&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Paradigmenwechsel könnte sich allem voran darin äußern, dass man der Gesundheitsforschung höchste Priorität gibt. Dies erfordert aber eine ganzheitliche Sicht auf den Menschen, weil Gesundheit nicht auf molekularer Ebene entsteht, sondern das komplexe Ergebnis des Zusammenwirkens geistiger, seelischer, ökologischer und körperlicher Vorgänge ist. Es gehört aber auch eine „physiologische Denkweise dazu“, die dies vermitteln kann. Diese bietet die Anthroposophische Medizin. Als Kinderärztin erlebte ich in der Praxis immer wieder mit Freude, wie lebens- und entwicklungsfreundlich diese physiologische Denkweise und das integrative Menschenbild der Anthroposophischen Medizin sind. Hierzu drei Beispiele:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== •  Vitamin D ====&lt;br /&gt;
Als das Vitamin D entdeckt wurde, reiste der anthroposophische Kinderarzt &#039;&#039;Wilhelm zur Linden&#039;&#039; von Kongress zu Kongress und informierte seine Kollegen, dass die Dosen, die sie den Kindern verabreichten – Vigantolstöße genannt – viel zu hoch und unphysiologisch wären und den Kindern nicht nur nützen, sondern auch schaden würden. Seine Warnungen blieben über Jahre ungehört – bis Studien und Beobachtungen in der Praxis endlich zeigten, wie recht er hatte.[3] Doch bis dahin hatten unzählige Kinder bereits Schaden genommen. Man hätte das durch eine gesunde Denkweise vermeiden können. denn später machte schließlich genau das, was zur Linden ganz zu Anfang schon empfohlen hatte: Man gab kleine, der Physiologie angenäherte Dosen, wie der Körper sie selbst bilden könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;•  &#039;&#039;&#039;Fieberbehandlung ====&lt;br /&gt;
Ein weiteres Beispiel betrifft die Fieberbehandlung. Als ich mein Kinderärzte-Staatsexamen machte, mussten wir noch ankreuzen, dass Fieber eine Krankheit ist, die fiebersenkend, antipyretisch behandelt werden müsse, sonst wäre die Antwort falsch gewesen. Für das Facharzt-Examen besorgte ich mir dann die neueste Auflage der Kinderheilkunde von Professor Simonis. Dort las ich, nur der unerfahrene Kinderarzt würde bei jedem Fieber ein fiebersenkendes Mittel verordnen. Der erfahrene wisse, dass Fieber immunstimulierend wirkt und entscheidend zur Krankheitsbekämpfung beiträgt. Fieber sei ein natürliches Virostatikum und Antibiotikum. Bakterien und Viren sterben zwischen 39° und 40°. Man müsse das Fieber nur intelligent begleiten. Das belegen mittlerweile auch andere Studien weltweit.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Teil bis heute wurden und werden viele Kinder aber „falsch“ behandelt, obwohl man eigentlich weiß, dass es nicht gut ist! Und das nur, weil man im Medizinstudium nicht lernt, mit dem Organismus und im Sinne seiner Funktionen zu denken und zu fühlen und ihn in seinem Sosein optimal zu unterstützen. Selbstverständlich gibt man ein Antipyretikum, wenn man das Fieber nicht beherrschen kann. Aber das ist nur in wenigen Fällen nötig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== •  Antibiotika ====&lt;br /&gt;
Noch in meiner Facharztprüfung Anfang der Achtziger musste ich die Schulmeinung wiedergeben, dass jede Mittelohrentzündung/Otitis Media breitbandantibiotisch behandelt werden müsse, jede! Mit großen Hochglanzprospekten wurden die Forschungen dazu vorgestellt. Dieselben Firmen der Pharmaindustrie hatten jedoch Mitte der Neunziger Jahre plötzlich großes Interesse daran, genau das Gegenteil zu beweisen: Damals hatte die Antibiotikaresistenz bestimmter Krankheitserreger so zugenommen, dass es für die Firmen teurer war, neue Antibiotika zu entwickeln, als die Einbußen durch Nichtbehandeln hinzunehmen. So „durfte“ man jetzt vernünftig behandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophische Ärzte haben jedenfalls – ebenso wie ihre Kollegen in Homöopathie und Komplementärmedizin – durch ihren nicht routinemäßigen, sondern individuell abgewogenen Einsatz von fiebersenkenden Mitteln und Antibiotika seit langem einen nachahmenswerten Beitrag geleistet, der heute so viel diskutierten Antibiotika-Resistenzentwicklung entgegenzuwirken.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner sagte, die Ärzte der Zukunft werden Lehrer in Gesundheitswissenschaft sein und die Lehrer der Zukunft werden Präventionsärzte für die Heranwachsenden sein.[6] Das ist ein Konzept, an dem es sich zu arbeiten lohnt, für das ich mich zunehmend begeistern kann, weil es genau der Beitrag ist, den die Medizin der Gegenwart für ihren Paradigmenwechsel braucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Was ist Anthroposophische Medizin?, Verlag am Goetheanum 2017&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Hygiene als soziale Frage. In: Physiologisch-Therapeutisches auf Grundlage der Geisteswissenschaft.&#039;&#039; GA 314. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1989, S. 221 - 261.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Mehr dazu unter: www.eliant.eu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Eine ausführliche Darstellung der Vitamin-D-Schäden findet sich bei M.S. Seelig, &#039;&#039;Vitamin D and cardiovascular, renal and brain damage in infancy and childhood.&#039;&#039; Ann. New York Acad. Sci. 1969, 147:539 - 582.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Ilene Claudius, Larry J. Baraff, &#039;&#039;Pediatric emergencies associated with fever.&#039;&#039; Emergency Medicine Clinics of North America 28: S. 67 - 84, 2010.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Hamre, Harald J. / Glockmann, Anja / Schwarz, Reinhard / Riley, David S. / Baars, Eric W. / Kiene, Helmut / Kienle, Gunver S.: Antibiotic Use in Children with Acute Respiratory or Ear Infections: Prospective Observational Comparison of Anthroposophic and Conventional Treatment under Routine Primary Care Conditions. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine 2014: &amp;lt;nowiki&amp;gt;http://dx.doi.org/10.1155/2014/243801&amp;lt;/nowiki&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Siehe auch: &#039;&#039;Waldorfpädagogik und Anthroposophische Medizin&#039;&#039;. Schwerpunktheft „Der Merkurstab“ 4:2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FÜNF URSACHEN FÜR KRANKHEIT UND FÜNF WEGE ZUR HEILUNG ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Ursachen für Erkrankung gibt es laut Paracelsus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und welche Wege der Heilung sieht die Anthroposophische Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fünf Ursachen für Krankheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Schon &#039;&#039;Paracelsus&#039;&#039;&#039;[1]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; hat gesagt, der Mensch sei ein fünfgliedriges Pentagramm.[2] Entsprechend gibt es fünf Wege, gesund bzw. krank zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesen Gedanken habe ich versucht, in die Anthroposophische Medizin und in die heutige Zeit zu übertragen. Ich stelle also Paracelsus’ Beispiel mit den Worten des einundzwanzigsten Jahrhunderts dar:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Physischer Standpunkt ====&lt;br /&gt;
Der erste Arzt vertritt den physischen Standpunkt: &#039;&#039;„Das ist doch klar: Der Patient ist durch den Cholerabazillus infiziert worden und letztlich an nicht mehr beherrschbaren Komplikationen verstorben.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ätherischer Standpunkt ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Eines wundert mich“,&#039;&#039; sagt der Zweite, &#039;&#039;„wenn gesichert ist, dass der Patient an einem Bazillus gestorben ist, warum sind dann nicht alle gestorben, die sich angesteckt haben? Denn die meisten meiner Patienten sind nicht gestorben. Also ist klar, dass der Patient gestorben ist, weil seine Selbstregulation versagt hat. Deshalb konnten auch die Komplikationen nicht beherrscht werden. Die Krankheitsursache liegt eindeutig im Ätherischen. Seine Abwehr war zu schwach, er hatte ein Immundefizit. Der Patient ist an seiner immunologischen Inkompetenz gestorben.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Astralischer Standpunkt ====&lt;br /&gt;
Der dritte Arzt spricht vom Aspekt des Astralleibes her: &#039;&#039;„Liebe Kollegen, Immunkompetenz und Bazillenwirkung sind nicht das Ende der Medizin! Ich kann euch sagen, woran es liegt, dass das Immunsystem eines Menschen dekompensiert: Habt ihr noch nie etwas von der Psychoneuroimmunologie gehört? Meine Forschungsergebnisse belegen, dass positive Gefühle das Immunsystem stärken. Negative Gefühle lassen das Immunsystem früher oder später insuffizient werden. Die Ursache für den Choleratod liegt also in den negativen Gefühlen des Patienten. Er war bitter, kritisch, nörgelig – enttäuscht über sein Leben. Ihr habt ihn doch gekannt! Er war seelisch nicht besonders konstruktiv. Das hält doch kein Mensch auf Dauer aus. Der Cholerabazillus war nur der Effektor. Der Patient war eigentlich schon am Ende. Die Todesursache liegt also im Seelischen.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Standpunkt der Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Schließlich meldet sich ein Vierter und beleuchtet das Ganze vom Aspekt der Ich-Organisation her: &#039;&#039;„Ich könnte allem folgen, was ihr sagt, aber mich wundert, dass ihr meint, das wären die wirklichen Ursachen. Meine Erfahrung ist, dass es vom eigenen Identitätsbewusstsein abhängt, ob jemand bereit ist, an seinen negativen Gefühlen zu arbeiten. In meiner medizinischen Erfahrung habe ich gelernt, Patienten zu motivieren, an ihren negativen Gefühlen zu arbeiten und diese zu überwinden. Dadurch entwickeln sie immunologische Kompetenzen. Selbstüberwindung und die Bereitschaft, aus dem Negativen etwas Positives zu gewinnen, habe ich als das stärkste Wirkprinzip entdeckt. Diejenigen, die keine Lust am Lernen, an der Verwandlung, die keine Lust haben, auch das Negative als zum Leben gehörig zu betrachten, sondern sich immer nur darüber beklagen, werden früher oder später krank. Keine Seele hält es aus, wenn in ihr ein lahmes, inaktives Ich wohnt. Also sage ich: Der Patient ist daran gestorben, dass er sich zu wenig mit sich und seinem Leben identifizieren konnte.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Schicksalsstandpunkt ====&lt;br /&gt;
Der fünfte Arzt sagt: &#039;&#039;„Ich habe das Horoskop des Patienten konsultiert – das stand auf Krise. Man muss zwar bis zuletzt alles tun, was möglich ist – aber gegen das Schicksal und Gottes Ratschluss sind wir ohnmächtig.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun sind alle gespannt, was Paracelsus selber dazu sagen werde. Er überrascht seine Kollegen, indem er sagt: &#039;&#039;„De quinte entibus. Liebe Kollegen, es gibt fünf Wege zur Krankheit und entsprechend auch zur Heilung. Deswegen habt ihr alle fünf recht.“ Ein guter Arzt hat all dies im Auge und greift da an, wo er seiner ärztlichen Intuition gemäß die größten Heilungschancen sieht. Erzwingen können wir nichts, aber wir können bis zuletzt um das Leben des Patienten ringen und für seine Heilung kämpfen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fünf Wege zur Heilung in der Anthroposophischen Medizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Auf der physischen Ebene: ====&lt;br /&gt;
Einsatz der Möglichkeiten der Schulmedizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Auf der ätherisch-prozessualen Ebene: ====&lt;br /&gt;
Prozessorientiert-wirksame Arzneimittel, Diät und Lebensstiländerungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Auf der astralen Ebene: ====&lt;br /&gt;
Neben dem therapeutischen Gespräch ist die Verordnung einer künstlerischen Therapie äußerst hilfreich. Darin können sich auch Kranke ausdrücken, die (noch) nicht bereit sind, über ihre Probleme zu sprechen. Auch Biographie-Arbeit hat sich bewährt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Auf der Ich-Ebene: ====&lt;br /&gt;
Wichtig ist die Beachtung der Identitätsfrage. Manchmal muss man hier das Hauptaugenmerk darauf richten und bei Selbstwertfragen oder Identitätsproblemen Wege zu Selbstschulung nennen. Oft hilft auch die Empfehlung der Lektüre von Steiners Buch zur Selbstschulung &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“[3]&#039;&#039; oder aber eine erneute Suche nach religiöser Sinnfindung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Auf der Ebene der spirituellen Orientierung: ====&lt;br /&gt;
Die Erarbeitung einer sinnstiftenden Weltanschauung ist das tragende Fundament einer gesunden Lebensführung. Hier ist jeder einzelne gefragt, das für ihn Stimmige zu suchen und die entsprechenden Gesichtspunkte im Leben anzuwenden und zu beherzigen. Der Arzt kann auf Grund seiner Lebenserfahrung und Empathie helfender Begleiter sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur Anthroposophischen Medizin, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Philippus Theophrastus Aureolus Bombastus von Hohenheim, getauft als Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, (* vermutlich 1493 in Egg, Kanton Schwyz; † 24. September 1541 in Salzburg) war ein Arzt, Alchemist, Astrologe, Mystiker, Laientheologe und Philosoph. Paracelsus hinterließ zahlreiche deutschsprachige Aufzeichnungen und Bücher medizinischen, astrologischen, philosophischen und theologischen Inhalts, die größtenteils erst nach seinem Tod gedruckt wurden. (wikipedia)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Paracelsus, &#039;&#039;Opus paramirum und De quinte entibus&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?&#039;&#039; GA 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== WIRKFAKTOREN IN DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wirkt Medizin generell?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Faktoren spielen dabei eine Rolle?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wie Anthroposophische Medizin wirkt&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Wirksamkeit der Anthroposophischen Medizin setzt sich aus verschiedenen Faktoren zusammen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Stoffliche Qualität ====&lt;br /&gt;
Schwefel wirkt anders als Phosphor oder anderes. Dieses Enzym hat diese Wirkung und ein anderes Hormon eine andere. Wenn ich ein bestimmtes Mittel gebe, muss ich das berücksichtigen. Das ist die rein stoffliche Wirkung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Pharmazeutisch-moralische Qualität ====&lt;br /&gt;
Es gibt verschiedene Stufen der ethisch-moralischen Zusatzwirkung. Wenn ein Pharmazeut seine Produkte mit Liebe herstellt, ist der Stoff nicht nur Träger seiner Eigenwirkung, sondern die positive Absicht, helfen zu wollen, überträgt sich vom Pharmazeuten auf das Produkt. Das ist eine pharmazeutische Qualität, die er moralisch beeinflussen kann. Das hat nicht nur mit Produktreinheit zu tun, ob unsauber oder sauber gearbeitet wird, sondern mit der moralischen Integrität dessen, der das Produkt herstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Ärztliche Qualität ====&lt;br /&gt;
Ärztliche Qualität entsteht, wenn ein Arzt ein Medikament aufgrund guter Überlegungen mit seinen eigenen Gedanken durchsetzt, mit seiner Liebe zum Patienten, mit seinem Willen, ihm zu helfen. Wenn er das Rezept aus dieser Gesinnung heraus dem Patienten gibt, geht diese innere Einstellung auf den Patienten über. Die Schulmedizin nennt das ‚Placebo-Effekt’, die ‚Droge Arzt’. Aber es gibt keinen Placebo-Effekt, es gibt nur Wirkungen, die man nicht versteht! Der Begriff des Placebos ist ein unwissenschaftlicher Lückenbüßer, den man auch so kennzeichnen müsste. Man muss verstehen, warum welches Placebo wie wirkt! Gute Gedanken sind wirksam:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ist es nichts, wenn einer einem anderen „alles Gute“ wünscht?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es macht einen Unterschied, wenn jemand lügt und dem anderen in Wirklichkeit nicht alles Gute wünscht!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich jemandem Gutes wünsche bzw. wenn ich als protestantischer Christ die Fürbitten mache oder als Katholik bete, hat das doch eine Wirkung! Ich mache das doch nicht zur Selbstbefriedigung, um mir zu zeigen, wie moralisch einwandfrei ich bin oder um dem Pfarrer zu gefallen! Ich mache es, weil ich davon überzeugt bin, dass Gedanken wirksam sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt destruktive Gedanken und positive Gedanken, die nicht nur auf mein Immunsystem, sondern auch auf die Immunsysteme meiner Mitwelt wirken. Hass auf andere Leute ist destruktiv, nicht nur für mich, sondern auch für die Anderen. Das sind astrale Attacken, die Verletzungen seelischer Art erzeugen können. Auch wenn sie unbewusst sind, wirken sie. Sensible Leute spüren genau, wenn Menschen sie hassen oder sie vernichten, betrügen oder mobben wollen. Es braucht nicht real zu passieren, man spürt bereits die Intention als etwas Destruktives. Solche Wirkungen sind kein Placebo-Effekt, sondern geistig-seelisch genau zu beschreiben und kommen entweder aus dem Denken, dem Fühlen oder der Intention von Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Ärztliche Intention als Zusatzwirkung&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Als Arzt gebe ich meine Intention dem Medikament mit. Rudolf Steiner sagt, der Arzt müsse seinem Arzneimittel eine „Aura“ mitgeben, eine Widmung. Wenn ich zum Beispiel Schwefel oder Phosphor oder Arnika verordne, denke ich in diesem Moment an diesen Menschen, an seine Lebenssituation und widme die Wirkung des betreffenden Mittels dieser Situation. Es ist eine weiter imponderable Zusatzwirkung zur normalen Arnika-Essenz im Fläschchen, wenn ich es einem älteren Menschen, der auf der Intensivstation liegt, als Umschlag verordne. Für diesen Menschen habe ich ganz andere Gedanken als für jemand anderen. Meine Gedanken sind Teil dieser individuellen Therapie. Auch eine Standardtherapie verordne ich individuell, weil jeder Mensch anders ist. Es gibt keine zwei gleichen Situationen, auch wenn ich vielfach dieselben bewährten Arzneimittel verwendet habe. Das ist die ärztliche Wirkkomponente.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Der Wille zur Gesundung ====&lt;br /&gt;
Die vierte Komponente betrifft den Eigenanteil des Patienten. Patienten wollen heute genau wissen: „Wofür ist das?“, „Wogegen ist das?“ Wenn sie dann den Beipackzettel lesen, bekommen sie oft Angst. Inzwischen gibt es auch anthroposophische Beipackzettel, auf denen beispielsweise steht: An Kindern nicht erprobt, bitte nicht unter 12 Jahren anwenden. Da bekommen Eltern Angst vor Arnika D6, weil es nicht erprobt ist, und halten es für gefährlich. Dadurch kann sich die positive Wirkung des Arzneimittels nicht voll entfalten. Oder die Mittel wirken nicht recht, weil der Patient eigentlich nicht wirklich gesund werden will. In diesem Fall braucht und will er seine Krankheit. Ein Patient, der nicht gesund werden will, muss erst einmal lernen, wieder gesund werden zu &#039;&#039;wollen&#039;&#039;. Er sucht noch die Flucht in die Krankheit, weil er diesen Schutzraum offenbar braucht. Das ist im Moment seine Identität. Ein Patient, der nicht gesund werden will, für den die Krankheit seine aktuell aushaltbare Gesundheit ist, verkraftet das Leben nicht. Er braucht eine andere Behandlung, als „auf Teufel-komm-raus“ gesund gemacht zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Ärzte haben keine Zeit für eine gründliche Anamnese. Sie behandeln oft auch Menschen, die von Arzt zu Arzt gehen und in Wirklichkeit gar nicht gesund werden wollen. Man hätte schon in der Erstbegegnung eine Biografiearbeit dazwischenschalten oder sagen müssen: „Ich glaube, Sie sind wirklich krank. In ihrer jetzigen Situation würde ich ihnen raten, dass Sie sich für den Prozess des Gesundwerdens genügend Zeit nehmen. Lassen Sie sich im Moment von Ihrem Job beurlauben. Ich gebe Ihnen ein Zeugnis und wir nehmen uns einen ganz langsamen Weg zur Gesundheit vor, damit Sie so werden, wie Sie werden wollen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein anderes therapeutisches Ziel, als jemanden so schnell wie möglich symptomfrei zu bekommen, damit er wieder funktioniert. Wirkliche Heilung kann erst erfolgen, wenn der „Gesund-mache-Wille“ des Arztes sich mit dem „Gesund-werde-Willen“ des Kranken verbinden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Gnade ====&lt;br /&gt;
Das fünfte Therapieprinzip heißt schlicht Gnade. Man kann nicht gegen das Schicksal angehen. Manchmal ist das Schicksal des Kranken so, dass man trotz aller erdenklichen Mühe nicht helfen kann. Das fünfte Prinzip wurzelt in der Überzeugung, dass das Leben nicht in der ärztlichen Kompetenz, sondern in der Hand Gottes liegt. Wenn der Krebs erneut ausbricht, gehe ich mit dem Patienten anders um als zu Beginn einer Krebserkrankung. Jetzt ist größtmögliche Ehrlichkeit gefragt. z.B. das Eingeständnis: &#039;&#039;„Wenn nicht ein Wunder geschieht, könnte es diesmal der Anfang vom Ende sein. Überlege, ob Du Deinem Leben eine vollkommen andere Wendung geben willst und kannst. Jetzt hast Du nichts mehr zu verlieren, Du kannst nur noch gewinnen. Schau mal, ob Du Dich von allem, was Dich zwingt, freimachen kannst und frage Dich, was Du mit deinem letzten Lebensabschnitt wirklich machen willst. Folge nur Dir selbst!“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann passieren manchmal ungeahnte Wunder. Manchmal braucht es diese Todesnähe, bis ein Patient wirklich zu sich kommt und weiß, was für ihn im Leben zählt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Beispiel einer terminalen Krebserkrankung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ich hörte von einem Patienten mit terminalem Krebs. Der Arzt hatte ihm maximal drei Monate gegeben. Er trennte sich daraufhin von all seinem Hab und Gut, verkaufte sein Haus und ging auf Weltreise. Er wollte nun endlich umsetzen, wofür er sich sein Leben lang keine Zeit genommen hatte. Nach seiner Heimkehr wollte er den Rest seines Geldes verschenken und sich auf das Sterben vorbereiten. Als er zurückkam, war der Krebs jedoch weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geschichte hat mir ein Kollege erzählt, der meinte, so etwas wäre eigentlich nicht möglich. Ebenso sah es die Uni-Klinik, in der er behandelt wurde. In der Schulmedizin nennt man das ‚Spontanheilung’. ‚Placebo-Effekt’ und ‚Spontanheilungen’ sind Begriffe, die zeigen, dass man sich in der Schulmedizin nicht mit Wirkfaktoren auseinandersetzen möchte, die etwas differenzierter sind und Spiritualität mit einbeziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur Anthroposophischen Medizin, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ICH-WESEN UND WESEN DER HEILWIRKUNGEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worauf basieren die Phänomene ‚Selbstheilung und ‚Selbstregulation‘?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie korrespondieren das Ich-Wesen des Menschen und das Wesen der Heilwirkungen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern ist der Mensch direkt für den Fortgang der Evolution verantwortlich?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ich-Organisation und Selbstregulation&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel VII von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; wird das Wesen der Heilwirkungen in unmittelbarer Anknüpfung an das bisher über die physiologischen Prozesse und deren Steuerung durch die Wesensglieder Dargestellte beleuchtet. In Kap. V beispielsweise wurde erklärt, inwiefern die Entwicklungspotentiale der natürlichen Evolution mit der Entstehung der ‚defizitären‘ menschlichen Konstitution an ihr Ende kommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Kap. VII nun gehen die Autoren auf eine weitere Besonderheit des Menschen ein – seine „systemimmanente Offenheit“, die eine Voraussetzung für die Entwicklung des seelisch-geistigen Potential ist: &#039;&#039;„Die menschliche Gesamtorganisation ist nicht ein in sich abgeschlossenes System von ineinandergreifenden Vorgängen. Wäre sie das, sie könnte nicht der Träger des Seelischen und Geistigen sein.“[2]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Phänomene ‚Selbstregulation‘ und ‚Selbstheilungskräfte‘ weisen auf die vielen inzwischen bekannten Einflussfaktoren, wie der Mensch die eigene Gesundheit körperlich, seelisch und geistig selbst beeinflussen kann.[3] Die auch von einzelnen Krankenkassen bereits beachtete Präventionsforschung sowie die daraus resultierenden Präventionsprogramme sind dadurch inspiriert. Aus anthroposophischer Sicht ist es letztlich die Ich-Organisation, die für Art und Umfang der Selbstregulation verantwortlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Das Wesen der Heilwirkungen in Mensch und Substanz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das im Titel von Kapitel VII angesprochene ‚Wesen der Heilwirkungen‘ bezieht sich zum einen auf das Ich-Wesen des Menschen selbst und zum anderen auf das Wesenhafte der Substanzbildung durch die Abbau- und Aufbauvorgänge, für deren Qualität die Ich-Organisation ebenfalls verantwortlich ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Begrifflichkeit ‚Substanz‘ hat im Lateinischen die Konnotation des sub, d.h. des ‚darunter‘ liegenden Materiellen. Im Griechischen hat das Wort ουσια noch die Doppelbedeutung von ‚Wesen‘ und ‚Substanz‘:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* D.h. die im Nervensystem zerfallende Substanz &#039;&#039;&#039;entlässt geistige Formkraft&#039;&#039;&#039;, geistig Wesenhaftes. Hier wird die Ich-Organisation zum Träger des bewussten Geisteslebens.&lt;br /&gt;
* Im Gewebeaufbau aus dem Blut hingegen &#039;&#039;&#039;werden gestaltende Formkräfte aufgenommen&#039;&#039;&#039;. Hier wird die im unbewussten Körperleben schaffende Ich-Organisation im Substanzstrom von Blutgewebe und Muttermilch wie getragen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Dreifache Entfremdung der Substanz im Menschen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im Kapitel I war das Schicksal der Substanz im menschlichen Organismus als ein dreifacher Entfremdungsprozess geschildert worden. Diese Begrifflichkeit mag zunächst erstaunen, ist aber sehr präzise gemeint. Im Zuge des Verdauungsprozesses wird die Nahrungssubstanz aus dem Lebenszusammenhang von Pflanze und Tier heraus in den abgebauten mineralischen Zustand versetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# In der &#039;&#039;&#039;Neubelebung&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;durch den Ätherleib&#039;&#039; des Menschen geschieht ein erster Entfremdungsschritt. &lt;br /&gt;
# In dem darauffolgenden Prozess der &#039;&#039;&#039;Durchseelung&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;durch den Astralleib&#039;&#039; wird die Substanz weiter ihrem mineralischen Zustand entfremdet.&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;Durch die Arbeit der Ich-Organisation&#039;&#039; an der Substanz erreicht sie ihre höchste Entfremdungsstufe vom Physisch-Mineralischen, indem sie &#039;&#039;&#039;Geist tragend&#039;&#039;&#039; wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Dienst der Ich-Organisation kommt die Substanz sozusagen wieder aus der Fremde ‚nach Hause‘, indem sie erneut zum Wärmezustand vergeistigt wird und nicht mehr stofflich fassbar ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Selbstheilungskräfte (aus dem Blut) aktivieren lernen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel VII werden die Selbstheilungskräfte nicht mit Blick auf ihre Funktion als körperliche Schutz- und Abwehrmechanismen des Immunsystems geschildert. Vielmehr werden sie als diejenigen Kräfte dargestellt, die dem Blut innewohnen, das den dreigliedrigen Organismus versorgt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* einerseits in Form der &#039;&#039;&#039;weißen Blutzellen&#039;&#039;&#039;, die für die körperliche Abwehr verantwortlich sind, &lt;br /&gt;
* insbesondere aber auch in Form der &#039;&#039;&#039;Tätigkeit der roten Blutkörperchen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* und der &#039;&#039;&#039;übrigen Bestandteile des Blutes&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Blut als Ganzes ist als Instrument der Ich-Organisation Träger der Selbstheilungskräfte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fortgang der Evolution wird maßgeblich von der Art und Weise mitbestimmt werden, wie der Mensch seine von der Natur emanzipierten ‚außerkörperlich‘ wirksamen seelisch-geistigen Potentiale handhabt – zum Segen oder Schaden seiner Mitwelt und seiner selbst. So trägt auch die Art des Umgangs mit dem eigenen Gedanken-, Gefühls- und Willenspotenzial zur Stärkung oder zur Schwächung der Regulationsfähigkeit der Ich-Organisation bei, was sich langfristig auf die gesamte weitere Entwicklung des betreffenden Menschen auswirkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist interessant, dass Rudolf Steiner und Ita Wegman in diesem Kapitel, das den Selbstheilungskräften gewidmet ist, &#039;&#039;„Stockungen im Unterleibe“[4]&#039;&#039; als Beispiel für die unzureichende Heilwirkung des Organismus anführen. Sehr oft sind Verstopfungssymptome und Darm-Koliken Ernährungs- und lebensstilbedingte Verdauungsstörungen, d.h. Probleme, deren Lösung in der Selbstverantwortung liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[5]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27, Kap. VII.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Siehe FN 1, S. 38.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Esch (2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe FN 1, S. 40.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== HEILENDE VERBINDUNG VON MENSCH UND NATUR ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern stehen Mensch und Natur in einer heilsamen Verbindung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Naturstoffe zur Arzneimittelherstellung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Natur ist nicht nur Lebensraum und Existenzgrundlage des Menschen. Ihre Stoffe und Kräfte liegen auch einer Fülle von Arzneimitteln zugrunde. Anthroposophische Arzneimittel sollen dazu beitragen, dass der Organismus – wann immer sinnvoll und möglich – in die Lage versetzt wird, eine Krankheit aus eigener Kraft zu überwinden. Sie stärken die gesundenden Kräfte und sind also vor allem darauf orientiert, die Körperfunktionen wieder ins Gleichgewicht zu bringen und die Abwehrkräfte zu stärken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der anthroposophischen Arzneimittelherstellung werden mineralische, pflanzliche, metallische und tierische Ausgangsstoffe verwendet: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gängige mineralische Substanzen sind u.a. Quarz, Schwefel oder Kalk.&lt;br /&gt;
* Bekannte Heilpflanzen sind z.B. Arnika, gelber Enzian oder Kamille.&lt;br /&gt;
* Als Metalle kommen häufig Gold, Silber, Kupfer, Eisen und Zinn in potenzierter Form zum Einsatz.&lt;br /&gt;
* Zu den tierischen Ausgangssubstanzen gehören z. B. Insektengifte von Biene, Ameise, Hornisse sowie Organextrakte von Säugetieren (aus Leber, Thymusdrüse, Nieren, Nerven u.a.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Reicher Arzneimittelschatz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Alle anthroposophischen Medikamente werden nach komplexen Vorgaben der von Rudolf Steiner und Ita Wegman begründeten anthroposophischen Medizin hergestellt.[1] Die meisten Ausgangsstoffe werden in hoher Verdünnung (homöopathisch potenziert) eingesetzt, nur sehr selten konzentriert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophische Arzneimittel enthalten häufig mehrere Inhaltsstoffe. Diese sind nicht nur kombiniert, sondern komponiert. Wie bei einem Orchester, so kommt es auch bei einem zusammengesetzten Arzneimittel darauf an, in welchen Anteilen die verschiedenen Einzelkomponenten gemischt sind. In dieser Art gemischt, ergeben sie eine andere Wirkung denn als Einzelbestandteile. So wie ein Orchester anders klingt als eine Violine allein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anthroposophische Arzneimittelschatz umfasst etwa 2000 Substanzen, Kombinationen und eine Vielzahl von Darreichungsformen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ampullen, Augentropfen, Dilutionen, Einreibungen (ölige), Emulsionen, flüssige Verdünnungen, Flüssigkeiten zur Inhalation, Flüssigkeiten zur äußeren Anwendung, Gelate, Globuli, Granulate, Injektionen, Kapseln, Lotionen, Metallspiegelfolien, Mischungen, Nasentropfen (ölige), Öle, Pasten, Pflaster, Puder, Pulver, Salben (fettarm), Salben, Sirup, Tabletten, Tees, Tinkturen zum äußeren Gebrauch, Triturationen, Tropfen, Vaginalglobuli, Vaginaltabletten, Verdünnungen (wässrige), Zäpfchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Der Mensch als umgekehrte Pflanze&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aus anthroposophischer Sicht gleicht der Mensch einer umgekehrten Pflanze: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* So wie der Mensch seine Nahrung – in Form von Nahrungsmitteln, aber auch als „seelische“ oder „geistige“ Nahrung in Form von Gedanken, Worten, Tatsachen aus Kunst und Wissenschaft, über den Kopf – aufnimmt, so versorgt sich die Pflanze über ihre Wurzeln mit den nötigen Nährstoffen.&lt;br /&gt;
* Umgekehrt verhält es sich mit der Fortpflanzungsregion. Diese ist bei der Pflanze oben, Luft und Licht gegenüber geöffnet, wohingegen sie beim Menschen nach unten und innen gelagert ist, zur Erde hin.&lt;br /&gt;
* Beiden gemeinsam ist, dass in der Mitte – bei der Pflanze über die Blätter, beim Menschen über die rhythmischen Funktionen von Atmung und Kreislauf – der Gasaustausch stattfindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Umgekehrte Wirkung der Pflanze auf den Menschen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
So wirken die Anwendungen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* von &#039;&#039;Wurzeln&#039;&#039; unterstützend und heilend bei Erkrankungen der &#039;&#039;Kopf- und Nerven-Sinnesorganisation&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* Teeabkochungen und -zubereitungen aus &#039;&#039;Blättern&#039;&#039; bei Störungen der &#039;&#039;rhythmischen Funktionen&#039;&#039; (insbesondere von Herz und Lunge),&lt;br /&gt;
* Zubereitungen aus &#039;&#039;Früchten&#039;&#039; bei &#039;&#039;Stoffwechsel- und Verdauungsstörungen&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entsprechendes gilt für die Ernährung. Wer darauf achtet, dass der Anteil von Wurzeln, Blattgemüse, Früchten und Samen ausgewogen ist, sorgt für eine an den Bedürfnissen des ganzen Körpers orientierte Ernährung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim therapeutischen Einsatz von mineralischen, pflanzlichen und tierischen Substanzen gilt es, „die Weltaufgabe dieser Substanzen zu verstehen“. Steiner regte an zu erforschen, welche Aufgabe ein bestimmtes chemisches Element oder eine Stoffkombination wie Wasser, Salz, Asche, Gerbstoffe oder Pyrit im Haushalt der Natur innehat. Die Signatur dieser Aufgabe bzw. Tätigkeit sagt auch aus, welche Wirkung die betreffende Substanz im menschlichen Organismus entfalten kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Menschen als Mikrokosmos kennenzulernen im Kontext der großen Weltentwicklung mit ihren Prozessen und Stoffzusammenhängen – nach alter Tradition Makrokosmos genannt – ist der Schlüssel zum Verständnis der anthroposophischen Arzneitherapie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Artikel in der Deutschen Apothekerzeitung DAZ Nr. 39, 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Seiner und Ita Wegmann, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27, Dornach 1935.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== SUBSTANZ-ERKENNTNIS ALS GRUNDLAGE FÜR HEILMITTEL-ERKENNTNIS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was meint Rudolf Steiner mit der Weltenaufgabe der Substanzen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was wird anhand der Beispiele Ameisensäure und Oxalsäure im Hinblick auf ihre Wirkung im Zellstoffwechsel aufgezeigt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern muss der Organismus als Tätigkeitszusammenhang begriffen werden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Weltenaufgabe der Substanzen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel XVII von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; liegt der Fokus auf einer konsequent prozessorientierten Substanz-Erkenntnis, über die Rudolf Steiner im Ärztekurs für die jungen Mediziner schreibt, dass es die Aufgabe des Arztes sei, &#039;&#039;„die Weltenaufgaben der Substanzen zu erkennen“.[2]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;„Grundlegendes…“&#039;&#039; formulieren die Autoren es so: &#039;&#039;„Wer die Wirkung von Heilmitteln beurteilen will, muss ein Auge haben für die Kräftewirkungen, die sich im menschlichen Organismus ergeben, wenn eine Substanz, die außer demselben gewisse Wirkungen zeigt, in irgendeiner Art in ihn eingeführt wird.“[3]&#039;&#039; Etwas von dieser ‚Weltenaufgabe‘ wird dort anhand der Ameisensäure und der Kleesäure aufgezeigt und damit auf die Bedeutung dieser Blickrichtung für bestimmte Prozesse im menschlichen Zellstoffwechsel hingewiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Beispiel: Aufgabe der Ameisensäure ====&lt;br /&gt;
Ameisensäure wird vom Menschen mit der Nahrung in der Regel nicht aufgenommen. Sie wird im Tierreich gebildet und als Abwehrstoff, insbesondere der Insekten, ausgeschieden – selten auch bei Pflanzen, wie z.B. in den Brennhaaren der Brennnesseln. Ihre ‚Weltaufgabe‘ ist inzwischen gut erforscht: Die rote Waldameise ist für die Gesunderhaltung der Wälder unentbehrlich. Sie steht daher auch unter Naturschutz, seitdem man ihre Bedeutung für die ‚Lebensgemeinschaft Wald‘ erkannt hat. Um einen Ameisenbau herum vernichtet jedes Volk pro Tag zehntausende Schädlinge bzw. deren Larven und Raupen (wie z.B. Borkenkäfer- und Blattwespenlarven) sowie Kadaver und Pilzmyzel in morschem Holz. So hilft die Ameisensäure dem Mikrobiom des Bodens, die verwesenden Pflanzenreste und das modernde Holz zu verarbeiten. Auch verbreiten Ameisen auf ihren Wegen tausende von Samen und tragen so zur Vielfalt im Wald bei sowie zur Verbesserung der Bodenbeschaffenheit. Instrument für ihre wertvollen reinigenden Tätigkeiten ist die Ameisensäure mit ihrer aggressiven Toxizität.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Beispiel: Aufgabe der Oxalsäure ====&lt;br /&gt;
Die Oxal- bzw. Kleesäure hingegen findet sich in allen Pflanzen und den meisten Bakterien und in unterschiedlichen Mengen in vielen Nahrungsmitteln wie z.B. in schwarzem Tee, Mangold oder Rhabarber. Nach der Aufnahme muss sie dann im Organismus zu ausscheidungsfähigen Endprodukten abgebaut werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein ‚Zuviel‘ führt zusammen mit Calcium im Darm zu schwer löslichen Salzen (Oxalaten), was Anlass geben kann für die Bildung von Blasen- und Nierensteinen. Oxalsäure ist ein pflanzliches Gift – für den Menschen können bereits Gramm-Mengen tödlich sein.[5] Als Kalzium-, Magnesium- oder Kaliumsalze sind die Oxalate allgegenwärtig und aus dem Zellstoffwechsel der Lebewesen nicht wegzudenken – bis hin zu den meisten Pilzen und Bakterien. Im Gegensatz zur Ameisensäure entfaltet die Oxalsäure ihre Wirkung nicht in dem Zwischenbereich zwischen dem Mineralisch-Physischen und dem Ätherisch-Lebendigen. Sie hat ihre Aufgabe in der Lebenswelt der Pflanzen – aber als Giftsubstanz im Grenzgebiet zum astralischen Kräftebereich. Da Gifte auch in schwacher Dosierung immer lebensfeindlich sind, regen sie den Organismus dazu an, auf unterschiedlichen Wegen diese Gifte schnellstmöglich abzubauen oder in Verbindung mit anderen Substanzen unschädlich zu machen. Diese Abbauvorgänge dienen im Organismus der Tiere und der Menschen der Bewusstseinsbildung, die sich, wie mehrfach erwähnt, auf Abbauvorgänge stützt.[6]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Biochemisch handelt es sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* bei der &#039;&#039;&#039;Ameisensäure&#039;&#039;&#039; um die einfachste Monocarbonsäure (Formica, HCOOH, ihre Salze heißen Formiate)  &lt;br /&gt;
* und bei der &#039;&#039;&#039;Oxal- bzw.&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Kleesäure&#039;&#039;&#039; um die einfachste Dicarbonsäure (Acidum oxalicum, HOOC-CO-CH2-COOH, ihre Salze heißen Oxalate).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Notwendige Verwandlung von Oxalsäure in Ameisensäure&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner hat erstaunlich oft über die Bedeutung der biochemischen Verwandlung von Oxal- in Ameisensäure gesprochen.[7] Den Prozess der Bildung von Oxalsäure, der hauptsächlich in den Verdauungsorganen stattfände, hielt er für eine notwendige Grundlage dafür, dass der Mensch überhaupt leben könne – grundlegend also dafür, dass die Ätherkräfte zur Wirksamkeit kommen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihre Umwandlung in Ameisensäure aber sei eine entsprechende Grundlage für das Wirksamwerden der astralischen Kräfte in der physisch-ätherischen Konstitution. In einem Ärztevortrag führt er weiter aus, dass man im Falle der Ameisensäure dahin kommen müsse zu erkennen, dass sie im Menschen, wie auch draußen in der Natur, die Aufgabe hat, gegenüber den Prozessen des Alterns, des Absterbens und des Vermoderns immer wieder weiteres Leben, weitere Entwicklung zu ermöglichen.[8] Auch führt er aus, dass &#039;&#039;„die heutige Physiologie“&#039;&#039; diese Prozesse erst finden müsse.[9]&amp;lt;sup&amp;gt;,&amp;lt;/sup&amp;gt; [10]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner und Wegman sahen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* in der &#039;&#039;&#039;Ameisensäure&#039;&#039;&#039; die Schlüsselsubstanz im Stoffwechsel des tierischen Organismus &lt;br /&gt;
* und in der &#039;&#039;&#039;Oxalsäure&#039;&#039;&#039; die Schlüsselsubstanz im pflanzlichen Zell-Metabolismus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Organismus als Tätigkeitszusammenhang begriffen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Abs. 2 wird deutlich gemacht, wie entscheidend es für einen Organismus ist, eine Substanz nicht nur zu besitzen, sondern auch den Bildeprozess zum Aufbau dieser Substanz zu leisten. Im Tun liegt das Wesen des Organismus, nicht in seinen Substanzen. Der Organismus ist nicht ein Stoffzusammenhang, sondern ein Tätigkeitszusammenhang. Der Stoff trägt den Anreiz zur Tätigkeit in sich. Hat er diesen Anreiz verloren, so hat er für die Organisation keine weitere Bedeutung.[11]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter diesem Gesichtspunkt kann auch die jeweilige Aufgabe der Ameisensäure und der Kleesäure im menschlichen Organismus verstanden werden. Hier ‚dienen‘ diese Substanzen der Ich-Organisation: &#039;&#039;„Die Ich-Organisation braucht diesen Übergang der organischen Substanz in den leblosen Zustand. Aber sie braucht eben den Vorgang des Überganges; nicht, was dann durch den Übergang entsteht. Ist nun das nach dem Leblosen hin sich Entwickelnde gebildet, so wird es im Innern des Organismus zur Last. Es muss entweder unmittelbar abgesondert werden oder aufgelöst, um mittelbar hinwegzukommen. Geschieht nun für etwas, das aufgelöst werden sollte, diese Auflösung nicht, so häuft es sich im Organismus an und kann die Grundlage für gichtische oder rheumatische Zustände bilden.“[12]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Biologie werden die Phänomene dieses Übergangs zwischen Abbau und Aufbau im Falle der Gesundheit als metabolische Homöostase beschrieben, wobei deren ‚Regulator‘ ein noch nicht gefundener Faktor ist. Es wird aber das Erstaunen zum Ausdruck gebracht darüber, dass unabhängig davon, was und wieviel man gerade isst oder nicht und wieviel Oxalacetat man gerade mit der Nahrung aufgenommen hat oder nicht, die Substanzen im sogenannten Stoffwechsel-Pol der Zellen konstant gehalten werden. D.h. in den Zellen sind die Enzyme des Katabolismus (Abbau) und Anabolismus (Aufbau) normalerweise derart reguliert, dass ein Gleichgewicht gewahrt bleibt. Wird dieses Gleichgewicht jedoch gestört, bedeutet dies den Beginn krankhafter Prozesse.[13]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[14]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, Ga 27, Kap. XVII.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Meditative Betrachtungen und Anleitungen zur Vertiefung der Heilkunst. Vorträge für Ärzte und Medizinstudierende,&#039;&#039; GA 316, S. 22.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Siehe FN 1, S. 82.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Der Kern eines Ameisenhaufens ist meist in alten Wurzelstöcken von Nadelhölzern oder Eichenstämmen angesiedelt; das Zusammenleben in der Ameisenkolonie ist ausgeprägt sozial. Eine Königin lebt bis zu 20 Jahre, Arbeitsameisen 5–6 Jahre. Sie entwickeln sich in klar definierten Temperaturbereichen (Ameisenpuppen brauchen 31°, Larven 28°, die Entwicklung der Eier nur 25°). Vgl. Jirikowski (2010), 105–107.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. Wollrab (2014), 621.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Vgl. Wolff (2013), 85, 263–269.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Mysteriengestaltungen,&#039;&#039; GA 232, 13. Vortrag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Vgl. FN 1, S. 22f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. FN 11, S. 193–195.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Dazu muss aus anthroposophisch-medizinischer Sicht gesagt werden, dass die geisteswissenschaftliche Biochemie, für die Hauschka und Wolff die Grundlagen erarbeitet haben (Vgl. Hauschka 2007, Wolff 2013), auf dem jeweils neuesten Stand der biochemischen Forschung weiter erarbeitet werden muss. Denn die Zusammenschau der Wesensglieder-Tätigkeiten als ganzheitliche Regulatoren und die immense Faktenfülle der molekulargenetischen Einsichten in das hochkomplexe Regelkreisgeschehen der Zellatmung ist für eine umfassende Integrativmedizin unverzichtbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Siehe FN 1, S. 82.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13]  Vgl. Sadava u. a. (2019), 265–271.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ANTHROPOSOPHISCHE HEILMITTEL-ERKENNTNIS AM BEISPIEL VON ANTIMON ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welcher Blickwinkel ist grundlegend im Hinblick auf die anthroposophische Heilmittel-Erkenntnis?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern weist Antimon Ähnlichkeiten mit dem Ätherischen auf?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wird es, auch in Kombination mit Schwefel, therapeutisch eingesetzt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wirksamkeit von Substanzen im Kontext irdisch-menschlicher Kraftsysteme&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel XVI von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; geht es um anthroposophische Heilmittel-Erkenntnis. Die Grundlage davon ist der Blick auf das Verhalten bzw. die Wirksamkeit einer Substanz im Bereich der in Kapitel I geschilderten Kraftsysteme. Dabei geht es insbesondere um die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* von der Erde ausstrahlenden &lt;br /&gt;
* und in sie einstrahlenden Kräfte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„[...] es kommt darauf an, die Wirkungen zu beobachten, die sich aus dem Zusammenhange der inneren Kräftekonstitution einer Substanz im Verhältnis zu den Kräften ergeben, die von der Erde ausstrahlen oder in sie einstrahlen.“[2]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Antimon, Schwefel und die Austernschalenbildung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Diese Wirkungen werden am Beispiel des Antimons in seiner Beziehung zum Schwefel in Form des in der Natur vorkommenden Grauspießglanzes aufgezeigt (Sb2 S3, auch als Antimonit bzw. Stibnit bekannt), sowie an der Austernschalenbildung, die zum Verständnis der Typhusbehandlung beiträgt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Antimon ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Antimon&#039;&#039; kam bereits in der ägyptischen Medizin zur Anwendung, nimmt bei Paracelsus eine zentrale Stellung ein und hat bis in die Gegenwart immer neue Einsatzmöglichkeiten erfahren. Chemisch ist es dem Arsen verwandt und eine Menge von 100 mg bis etwa 1200 mg kann bereits tödlich sein. Eine gute Übersicht über seine Verwendung – einschließlich in der Anthroposophischen Medizin – findet sich bei &#039;&#039;Marxer[3]&#039;&#039; Die Bezeichnungen Antimon und Stibium für das chemische Symbol Sb stammen von den lateinischen Wörtern &#039;&#039;antimonium&#039;&#039; und &#039;&#039;stibium&#039;&#039; ab, die schon im Altertum für den Grauspießglanz verwendet wurden.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Schwefel ====&lt;br /&gt;
Schwefel ist eines der seltenen Minerale, die in kristallisierten polymorphen Formen in der Natur rein vorkommen und in der Struktur der orthorhombischen Raumgruppe Fddd die typisch gelbe α-Kristallform zeigen. Schwefel steht mit einem Anteil von geschätzt 0,048 Gew.-% an 15. Stelle unter den häufigsten Elementen der uns bekannten Erdkruste. Er wurde in Kometenschweifen nachgewiesen, ist auf der Erde zum einen vulkanischen Ursprungs und stammt zum anderen aus der Biosphäre von Bakterien, die aus schwefelhaltigen Mineralien Schwefel aufnehmen und Sedimente bilden sowie von Pflanze, Tier und Mensch, da er im Eiweißaufbau durch die beiden schwefelhaltigen Aminosäuren &#039;&#039;Cystin&#039;&#039; und &#039;&#039;Methionin&#039;&#039; festgebunden ist. Durch seinen niedrigen Schmelzpunkt und seine Fähigkeit zu sublimieren, verbindet er sich leicht über Luft und Wasser mit anderen Substanzen und realisiert so den alle Reiche der Natur verbindenden Schwefelkreislauf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Symptomatisch dafür ist auch eine ungewöhnliche mechanische Eigenschaft der Grausspießglanz-Kristalle: Sie zeigen eine auch an größeren Kristallen bei geringem Kraftaufwand fühlbare Biegsamkeit. Diese beruht auf einer geregelten innerkristallinen Gleitung, wie sie auch beim Eis und beim Steinsalz vorliegt – Substanzen, die für alle Lebewesen essenziell sind.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Austernschale ====&lt;br /&gt;
Die Austernschale ist als komplexes Kalkmineral schützendes Außenskelett der Auster und damit ein Mineral, ausgeschieden aus dem Lebensprozess eines Tieres bzw. einer Muschel. In ihrer therapeutischen Verwendung ist sie insbesondere in der Homöopathie bekannt mit dem Arzneimittelbild &#039;&#039;Calcium carbonicum&#039;&#039;. Sie wird zu den Vielkönnern oder Polychresten gezählt (von gr: πολύς - viel und χρηστός  - brauchbar).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Hinweise auf die Verwandtschaft von Antimon mit dem Ätherischen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Zusammenwirken von Zentral- und Universalkräften ====&lt;br /&gt;
Dadurch, dass das Antimon sich leicht und stabil mit dem Schwefel zu den orthorhombisch geformten Grauspießglanz/Antimonit-Kristallen verbindet, kann es die Neigung des Schwefels, in der Welt des Lebendigen aktiv zu werden und dadurch auch im Sinne der auf die Erde einstrahlenden ätherischen Kräfte zu wirken, unterstützen. Unter diesem Aspekt ist die Art und Weise, wie das Antimon in seiner Verbindung mit dem Schwefel kristallisiert, charakteristisch. Es kristallisiert in prismatisch-nadeligen grauschwarzen Kristallen, von feinst ziseliert bis zentimeterstark, immer von einem Zentrum weg – wenn der Kristallisationsprozess nicht durch äußere Umstände gestört wird. Dabei erstrecken sich die Antimonit-Nadeln radial in die Peripherie, wobei die Länge der Kristalle durchaus auch 1 m überschreiten kann. Wo er nur kann, strebt Antimonit die büschelförmige Gestaltung an. Er gliedert sich damit in Linien, die von der Erde weg- und den Kräften entgegenstreben, die im Äther wirken. Durch diese Kristallisationsweise bringt das Antimon das Zusammenwirken der Zentral- und der Universalkräfte wie archetypisch zum Ausdruck.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man bringt mit dem Antimon somit etwas in den menschlichen Organismus, das der Wirkung des Ätherleibes auf halbem Wege entgegenkommt.[6] Antimon kann dadurch im Körper die eiweißbildenden Kräfte zusammenhalten und so die Tätigkeit der Ich-Organisation im Eiweißaufbau unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Feinfaserigkeit durch Seigern ====&lt;br /&gt;
Auch dasjenige, was im Seigerprozess mit dem Antimon vor sich geht, weist auf die Äther-Verwandtschaft dieses Stoffes hin. ‚Seigern‘ kommt von dem gegenwärtig nicht mehr oft gebrauchten Wort etwas z.B. durch ein Sieb ‚durchseien‘. Unter ‚Seigerungen‘ versteht man daher Trennprozesse in gemischtem Schmelzgut. Es wird durch diesen Prozess feinfaserig.[7]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Niedriger Schmelzpunkt ====&lt;br /&gt;
Da das Antimon bereits bei 547° schmilzt, fließt es auf schräger Unterlage leicht aus dem Antimon haltigen Schmelzgut heraus, wo es dann bei Abkühlung zu 92–98 % reinem &#039;&#039;antimonium crudum&#039;&#039; kristallisiert.[8] Der niedrige Schmelzpunkt von 547° zeigt zudem die Nähe dieser mineralischen Substanz zum flüssigen Aggregatzustand, in dem die ätherischen Kräfte ihre Wirkung entfalten können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor diesem Hintergrund heißt es in dem oben erwähnten Werk:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Alles dieses zeigt, dass im Antimon die Tendenz enthalten ist, in das Ätherelement in dem Augenblick leicht überzugehen, in dem dazu die Bedingungen auch nur in geringem Grade vorhanden sind. Dem geistigen Schauen gelten alle diese Einzelheiten nur als Andeutungen; denn dieses nimmt die Beziehung zwischen Ich-Tätigkeit und Antimon-Wirksamkeit unmittelbar so wahr, dass die Antimonprozesse, in den menschlichen Organismus gebracht, so wirken, wie die Ich-Organisation.“[9]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zwei Indikationen als Beispiele für den Einsatz von Antimon&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aus dem breiten Spektrum der therapeutischen Einsatzmöglichkeiten werden nun zwei Indikationsgebiete an die Schilderung des Arzneimittelbildes angeschlossen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;&#039;Blutgerinnungsstörungen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
# und &#039;&#039;&#039;Typhus abdominalis/Parathyphus&#039;&#039;&#039;, eine gefährliche bakterielle Infektionskrankheit des Magen-Darmtraktes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während eine Therapie mit &#039;&#039;Antimon&#039;&#039; oder &#039;&#039;Stibium metallicum praep.&#039;&#039; bei Blutungsneigung aus der Darstellung des Arzneimittelbildes unmittelbar hervorgeht, ist dies für den Thyphus nicht so ohne weiteres ersichtlich – zumal dieser ja heute erfolgreich antibiotisch behandelt werden kann (Sterblichkeitsrate unter 1 %) und die Impfung bei Einreise in betroffene Gebiete empfohlen wird.[10]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Arzneimittelbild der Austernschale und Typhus&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was macht also eine Begleitbehandlung oder Alternativbehandlung zur Vermeidung des Einsatzes von Antibiotika sinnvoll?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um dies zu verstehen, braucht es – wie oben bereits angedeutet – zum Vergleich das Arzneimittelbild der Austernschale. Hier liegt ein Naturprozess vor, der etwas vollzieht, was für die Muschel richtig ist, für den Menschen aber zur Ursache typhöser Durchfall-Erkrankungen werden kann. Die Auster sondert in ihre Schale das kalkartig Mineralische ab:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Bei der Auster wird das Kalkartige abgesondert, um es der Eiweißwirkung nicht einzugliedern. Im menschlichen Organismus muss diese Eingliederung stattfinden. Die bloße Eiweißwirkung muss in eine solche umgewandelt werden, in der mitwirkt, was im Kalkartigen durch die Ich-Organisation an gestaltenden Kräften hervorgerufen werden kann. Das muss sich innerhalb der Blutbildung abspielen. Das Antimon wirkt der kalkausscheidenden Kraft entgegen und führt das Eiweiß, das seine Form bewahren will, durch seine Verwandtschaft mit dem Äther-Elemente in die Formlosigkeit hinüber, die für die Einflüsse des Kalkartigen oder Ähnlichem empfänglich ist.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Beim Typhus ist es klar, dass der krankhafte Zustand in einer mangelnden Überführung der Eiweißsubstanz in gestaltungsfähige Blutsubstanz besteht. Die Form der Diarrhöen, die auftritt, zeigt, dass schon im Darm die Unfähigkeit zu dieser Umwandlung beginnt.“[11]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Heilung der konstitutionellen Dysfunktionalität&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[12]&#039;&#039; heißt es&#039;&#039;,&#039;&#039; dass die Abwehrstoffe und Killerzellen eines guten Immunsystems im Blut zirkulieren, welches wiederum &#039;&#039;das&#039;&#039; Organ der Ich-Organisation ist.[13] Kann nun mithilfe einer Konstitutionsbehandlung, z.B. mit einem Antimonpräparat, und je nach Situation auch noch kombiniert mit anderen Heilmitteln, die Ich-Organisation und damit ihr Einfluss auf die Gestaltungskräfte im Blut gestärkt werden, so werden die Bakterien nicht nur beseitigt, wie es über eine antibiotische Therapie geschieht, sondern zugleich das Milieu saniert und damit künftigen Infektionen vorgebeugt. Das entspräche einer integrativen Therapie, die sich nicht nur auf die Beseitigung der Symptome konzentriert, sondern auf die Heilung der konstitutionellen Dysfunktionalität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dem erwähnten Werk schreiben die Autoren: &#039;&#039;„Wendet man bei typhösen Erscheinungen Antimonpräparate in entsprechender Zusammensetzung an, so erweisen sich diese als Heilmittel. Sie entkleiden die Eiweißsubstanz ihrer Eigenkräfte und machen sie geneigt, den Gestaltungskräften der Ich-Organisation sich einzufügen.“[14]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbstverständlich hat der primäre Fokus auf die Symptombeseitigung überall da seine Berechtigung, wo sie Leben rettet, weil die Abwehrkräfte des Körpers zu schwach sind für die notwendige Selbstregulation. Wo diese Möglichkeit jedoch gegeben ist, kann differenzierter vorgegangen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Wer Exaktheit nur in dem sieht, was die Chemie – auch die pharmazeutische – feststellt, der vernichtet die Möglichkeit, Anschauungen darüber zu gewinnen, was im Organismus bei Heilungsvorgängen geschieht.“[15]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[16]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ebenda, S. 77.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Vgl. Marxer (2000), siehe www.pharmazeutische-zeitung.de/titel-10- 2000; [6.1.2025].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Vgl. Holleman und Wiberg (2017), 940.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. Wimmenauer (1992), 223.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Siehe FN 1, S. 78.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Vgl. Holleman und Wiberg (2017), 942.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Siehe FN 1, S. 78f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Typhus ist weltweit verbreitet – besonders in warmen Ländern. Er wird durch kontaminierte Lebensmittel bzw. Trinkwasser übertragen und ist eine schwere Allgemeinerkrankung, die durch das Bakterium Salmonella typhi ausgelöst wird. Als Paratyphus bezeichnet man ein abgeschwächtes Krankheitsbild, dessen Erreger Salmonella Paratyphi A, B oder C ist. Übertragen wird die Infektion durch Trinkwasser oder Lebensmittel, die mit Fäkalien von infizierten Personen verunreinigt wurden. Leitsymptome sind hohes Fieber, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, langsamer Puls, trockener Husten, Bauchschmerzen, Milzvergrößerung und manchmal ein blasser, kleinfleckiger Ausschlag am Körper. Ein milder Verlauf ist möglich, doch manchmal kommt es zu schweren Komplikationen wie massiven Darmblutungen oder Abszessen in verschiedenen Organen. Durch den Einsatz von Antibiotika kann die Sterblichkeit auf unter 1% gesenkt werden. In Deutschland ist die Krankheit meldepflichtig – dem Bundesamt für Gesundheit werden pro Jahr zwischen 20 und 50 Fälle gemeldet. Wichtigste Mittel zur Vorbeugung sind Körperhygiene und Verzicht auf frische Salate und ungeschältes Obst – nach dem Ernährungsmotto: Cook it, peel it or forget it. Siehe www.bag.admin.ch/bag/de/home/krankheiten/krankheiten-im-ueberblick/typhus-abdominalis-paratyphus.html; [6.1.2025].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Siehe FN 1, S. 80.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“, GA 27.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] Siehe FN 3, Kapitel VI.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] Siehe FN 3, S. 80.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[15] Ebenda, S. 81.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[16] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ARZNEIMITTEL-SUBSTANZGRUPPEN UND WESENSGLIEDER ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Auf welchen Ebenen und worüber ist der Mensch mit der Natur innig verbunden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Naturanteile machen seine Konstitution aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wesensglieder und ihre Einbettung in die Natur&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Physischer Leib und Natur ====&lt;br /&gt;
Schon ein oberflächlicher Blick auf die Verbundenheit von Natur und Mensch zeigt, wie der Mensch die kristallinen Strukturen seines Körpers mit den Mineralien der ihn umgebenden Natur gemeinsam hat. Dieser sichtbare, mineralisch erscheinende Leib wird in der anthroposophischen Menschenkunde „Physischer Leib“ genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ätherleib und Natur ====&lt;br /&gt;
Werden und Vergehen, Leben und Sterben hat der Mensch mit der Pflanzenwelt gemeinsam. Diese Gesetzmäßigkeiten in ihrem Zusammenhang nennt Steiner „Ätherleib“, weil ohne das blaue Himmelslicht (griechisch o aither) kein Leben auf der Erde möglich wäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Astralleib und Natur ====&lt;br /&gt;
Atmung, Bewegung, Bewusstsein, Schmerz und Triebleben hat der Mensch mit den Tieren gemeinsam. Diese das Seelenleben konstituierenden Gesetze heißen in ihrer Gesamtheit „Astralleib“ von aster, lateinisch Stern. Die menschliche Seele fühlt sich der Sternenwelt mit ihren Rhythmen und Konstellationen verwandt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Rein menschliche Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Die Fähigkeit jedoch, lebenslang lernen und immer wieder neu und anders kulturschöpferisch tätig sein zu können, ist spezifisch menschlich. Daher gibt Steiner diesem die „Ich-Natur“ des Menschen möglich machenden Gesetzes-Zusammenhang den Namen „Ich-Organisation“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Mensch durch diese vier verschiedenen Gesetzes-Zusammenhänge sein Wesen sowohl integriert als auch differenziert äußern kann, gab Steiner ihnen den Namen „Wesensglieder“.[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Arzneimittelwirkung auf die Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Substanzgruppen aus dem Mineral-, Pflanzen-, Tier- und Menschenreich haben einen therapeutischen Bezug zu diesen Wesensgliedern:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Menschliche Substanz wie Muttermilch und in Form einer Blutspende stützt und erhält den physischen Leib.&lt;br /&gt;
* Präparate aus dem Tierreich regen den Ätherleib zu verstärkter Tätigkeit an,&lt;br /&gt;
* pflanzliche Arzneimittel wirken regulierend auf den Astralleib&lt;br /&gt;
* und Metalle und Mineralien auf die Ich-Organisation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Potenzierungsstufen und Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Auch die Potenzierungsstufen der nach homöopathischem Verfahren hergestellten Arzneimittel haben ihren Bezug zu den Wesensgliedern:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D1 – D4:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;physischen Organismus&#039;&#039; und seines Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D5 – D8:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;ätherischen Organismus&#039;&#039; und seines Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D10 – D15:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;astralischen Organismus&#039;&#039; und seines Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D20 – D60:&#039;&#039;&#039; Anregung der &#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039; und ihres Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Bezug auf die Dreigliederung des menschlichen Organismus gilt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D1 – D6:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;Stoffwechsel-Systems&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D6 – D18:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;rhythmischen Systems&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D18 – D30:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;Nerven-Sinnessystems&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Arzneimittelschatz der Anthroposophischen Medizin umfasst dementsprechend Ausgangssubstanzen mineralischer, pflanzlicher und tierischer Herkunft, die nach besonderen Verfahren vor allem von den Arzneimittelfirmen Weleda und Wala hergestellt werden.[2] In Deutschland wurden sie aufgrund des Arzneimittelgesetzes von 1976 in der vom Bundesgesundheitsamt – später Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) – eingerichteten Kommission C für die Zulassung aufbereitet. Ein Teil dieser regulativ wirksamen Arzneimittel ist sehr gut für die Selbstmedikation geeignet.[3]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Artikel in der Deutschen Apothekerzeitung DAZ Nr. 39, 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Theosophie, Einführung in übersinnliche Welterkenntnis und Menschenbestimmung,&#039;&#039; 2003 und ders. &#039;&#039;Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft&#039;&#039;. In: &#039;&#039;Lucifer-Gnosis&#039;&#039;. GA 34. Dornach 1987, 309-344.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] International Association of Anthroposophic Pharmacists IAAP. ­Anthroposophic Pharmaceutical Codex. Stuttgart, 2014.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] M. Glöckler, B. Emde, &#039;&#039;Anthroposophische Medizin&#039;&#039;, in: &#039;&#039;Komplementärmedizin für die Kitteltasche. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation&#039;&#039;, Stuttgart 2009 und ders.: &#039;&#039;Anthroposophische Medizin&#039;&#039;, in: &#039;&#039;Komplementärmedizin für Kinder. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation&#039;&#039;, Stuttgart 2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ARZNEIMITTEL AUS DER NATUR UND WESENSGLIEDER ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen inneren Zusammenhang sieht die anthroposophische Pharmazeutik zwischen Arzneimitteln aus der Natur und den menschlichen Wesensgliedern?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Qualitäten zeichnen die Muttermilch aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern sind Schwangerschaft und Stillzeit Naturvorbilder auch für zukünftige Entwicklungsstadien?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Korrelation von Arzneimitteln und Wesensgliedern&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der Anthroposophischen Pharmazeutik sieht man eine grundlegende Korrelation von Arzneimitteln aus der Natur und den menschlichen Wesensgliedern:[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So haben &#039;&#039;&#039;Mineralien&#039;&#039;&#039; eine unmittelbare Beziehung zur &#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;: Sie unterstützen die Ich-Organisation bei der Beherrschung der physischen Verhältnisse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Heilmittel aus dem Pflanzenreich&#039;&#039;&#039; auf die &#039;&#039;astralische Organisation&#039;&#039;: Die astralische Organisation wirkt lähmend auf die ätherische – pflanzliche Arzneimittel können regulierend auf diese lähmende Wirkung Einfluss nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Organpräparate&#039;&#039;&#039; und tierische Arzneimittel auf die &#039;&#039;ätherische Organisation:&#039;&#039; Diese hat die Aufgabe, physisch-tierische Substanzen in den Lebenszusammenhang aufzunehmen, was durch astralische Impulse angeregt werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Menschliche Substanz&#039;&#039;&#039; (wie Blutkonserven und Muttermilch) wirkt unmittelbar auf den &#039;&#039;physischen Leib,&#039;&#039; sodass sich die anderen Wesensglieder wieder besser einschalten und betätigen können. Anders ausgedrückt: Menschliche Substanz steht der Ich-Organisation unmittelbar für ihre Aufgabe zur Verfügung, das Ganze des Organismus bis in das Physische hinein zu beherrschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Was Muttermilch vermag&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Studiert man die Besonderheiten rund um die Bildung von Muttermilch, so verrät dies viel über die innige Bindung zwischen Mutter und Kind durch alle vier Wesensglieder hindurch: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die Muttermilch ist nach dem aktuellen Bedürfnis des Säuglings zusammengesetzt und variiert so auch von Tag zu Tag; &lt;br /&gt;
* Stillen fördert die Rückbildung der Gebärmutter;&lt;br /&gt;
* gestillte Kinder haben weniger Infekte und überstehen sie leichter, weil die Muttermilch wichtige Abwehrstoffe der Mutter enthält;&lt;br /&gt;
* ausschließliches Stillen in den ersten sechs Monaten kann das Kind vor Allergien und Asthma schützen;&lt;br /&gt;
* Wachstum und Beweglichkeit von Magen und Darm werden unmittelbar angeregt;&lt;br /&gt;
* die Zusammensetzung der Muttermilch mit Bezug auf Kohlenhydrate, Fette, Eiweißgehalt und Mineralstoffe ist zugleich ein ‚Naturvorbild‘ für eine gesunde Ernährung;&lt;br /&gt;
* die Immuntoleranz, d.h. die Selbstregulation des Immunsystems entwickelt sich bei gestillten Säuglingen nachhaltig besser.&lt;br /&gt;
* Durch Stillen wird das Risiko des plötzlichen Kindstodes um ca. die Hälfte gesenkt und vieles mehr.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Formelmilch gefütterte Säuglinge haben eine deutlich höhere Insulinkonzentration im Plasma, was mit der Entwicklung von Adipositas und einer möglichen Zunahme von Diabetes mellitus Typ 2 im Zusammenhang steht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Abnabelungsstadien und physisch-seelisch-geistige Muttermilch&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Nach der &#039;&#039;&#039;physischen Abnabelung&#039;&#039;&#039; vom physischen Leib der Mutter als der ernährenden Umgebung während der Schwangerschaft, folgt die Stillperiode.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann folgt die langsame &#039;&#039;&#039;ätherische Abnabelung&#039;&#039;&#039; und das Sich-Emanzipieren auf ätherischer Ebene, das mit dem Ende der Nachahmungsperiode ausklingt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;&#039;seelisch-astralische Abnabelung&#039;&#039;&#039; findet im 2. Jahrsiebt statt und kulminiert mit der Pubertät. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Arbeit des Ich jedoch an der Überwindung von allen möglichen Abhängigkeiten, die seine Autonomiebefähigung einschränken, stellt eine Art &#039;&#039;&#039;geistige Abnabelung&#039;&#039;&#039; dar. Diese zu bewerkstelligen bleibt eine lebenslange Herausforderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner spricht im pädagogischen Zusammenhang wiederholt über die Bedeutung der physischen Muttermilch für den gesunden Aufbau des physischen Leibes und die damit verbundene Stärkung der Ich-Organisation des Kindes. Für die Unterstützung der oben genannten weiteren Abnabelungsprozesse im Verlaufe der Schulzeit und Jugend, braucht es die ‚seelische‘ und zuletzt ‚geistige‘ Muttermilch, die dem Menschen in Form einer nährenden Entwicklungsumgebung und verständigen Entwicklungshelfern zukommen müssen.[3]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fallen solch hilfreiche Faktoren und Entwicklungsbegleiter weg oder können nur eingeschränkt wirken, ist dies oft mit körperlichen und oder seelischen gesundheitlichen Belastungen im weiteren Leben verbunden. Diesen so weit als möglich vorzubeugen, ist der Präventionsanspruch Anthroposophischer Medizin und Pädagogik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[4]&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
----[1] Warum das so ist, geht aus den Kapiteln I bis V aus &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27,&#039;&#039; hervor, in denen die Autoren, Rudolf Steiner und Ita Wegman, die Arbeit der Wesensglieder an den Substanzströmen schildern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Vgl. Soldner und Stellmann (2018), 220–238; Glöckler u. a. (2024b), 372–392.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik,&#039;&#039; GA 293, Vortrag 2. September 1919.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== WIRKSAMKEIT EINES HEILMITTELS VERMITTELN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie vermittelt der Arzt seinem Patienten, welches Heilmittel er braucht?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist dabei zu beachten, worauf kommt es an?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wirksamkeit der Gedanken und Gefühle miteinbeziehen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ideal wäre es, mit dem Patienten über ein Heilmittel in einer Art zu sprechen, dass etwas von der Wirksamkeit desselben auf den Patienten überspringt und dieser sich freut, dass er dieses Mittel bekommt, ja, dass er dankbar dafür ist. Der Patient sollte es mit dem Gefühl nehmen, er habe etwas besonders Gutes bekommen. Denn Freude und Dankbarkeit wirken therapeutisch – sie sind nicht „Placebo“, sondern real und wirksam. Wir müssen begreifen, dass das, &#039;&#039;was&#039;&#039; und &#039;&#039;wie&#039;&#039; wir über eine Sache denken, viel mehr als nichts ist: Was jemand weiß, ist etwas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ätherleib als Träger der zeitlichen und „ewigen“ Lebenskräfte entfaltet diese Doppelwirksamkeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ihm verdankt unser Körper einerseits &#039;&#039;&#039;Leben, Regeneration, Wachstum&#039;&#039;&#039; und die individuelle Lebenszeit&lt;br /&gt;
* Andererseits verdankt der Mensch ihm sein &#039;&#039;&#039;Gedankenleben&#039;&#039;&#039;, je älter er wird, umso mehr, das sich aus all den ätherischen Kräften speist, die der Körper nicht mehr „verkörpert“ halten kann (und muss) und die er damit in die „außerkörperliche Wirksamkeit“ entlässt. Die Gedanken können über den Tod des Menschen hinaus weiterleben und ihn tragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Medikamente wirken auf beide Aspekte des Lebens – sprich: Auch was ich über etwas denke, bewirkt etwas. Wenn ich die Arnikawirkung denke, wirkt sie bereits, denn Gedanken wirken immer, sind ein reales Wirkprinzip. &#039;&#039;„Hab Sonne im Herzen, ob&#039;s stürmt oder schneit“&#039;&#039;. Wenn ich die Sonne meditiere, habe ich Licht und Wärme im Herzen, selbst wenn ich Bauchweh habe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Denken vermindert Heilkraft, positive Gefühle verstärken sie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Indem ich denke, nehme ich der ätherischen Wirksamkeit im Körper aber auch etwas weg, weil es dieselben Kräfte sind, die dem Körper zur Gesundheit verhelfen. D.h, der Körper ist am gesündesten, wenn man nicht denkt, also im Schlaf, weil da die gesamten ätherischen Kräfte (auch diejenigen, die tagsüber außerkörperlich dem Denken dienen) in den physischen Leib einziehen und an seiner Regeneration arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am besten ist es, wenn der Patient über ein Heilmittel gerade so viel weiß, dass er sich freut und ihm ein bisschen warm wird bei dem Gedanken, dass er es jetzt einnehmen darf. Denn diese positiven Gefühle teilen sich auch dem Körper mit und beeinflussen den Stoffwechsel positiv. Positive Gefühle führen dem Ätherleib vom Seelischen her positive Kräfte zu, wie dies gesunde Ernährung vom Physischen her tut. Zuviel Nachdenken über die Wirkung mindert diese jedoch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch weniger zuträglich ist es, wenn ein Patient nicht so recht weiß, wie ein Mittel wirkt, oder Angst bekommt, wenn er den Beipackzettel liest. Dann fühlt er sich verunsichert – weswegen 40 Prozent der Medikamente in den Müll und nicht in den Magen der Patienten wandern. Wieder zuhause entscheiden sie, dass es ihnen eigentlich gar nicht so schlecht geht und nehmen das verordnete Medikament lieber nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur Anthroposophischen Medizin, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== EIGENE ERFAHRUNGEN BEIM ARZTSTUDIUM ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was wirkt auf den Menschen konstruktiv bindend?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was unterstützt einen Menschen in seiner Entwicklung?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was bedeutet es eigentlich zu helfen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Womit helfe ich und was macht mich sicher, dass ich dabei nicht ein neues Problem schaffe?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fragen als Motivation fürs Medizinstudium&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ich komme ursprünglich aus der Pädagogik und habe gemerkt, wie stark mein Einfluss als Erzieher auf das Kind ist, wie stark das Vorbild wirkt, weil die Schüler alles sehr umweltoffen nachahmen, auch noch in der Oberstufe. Der Einfluss reicht bis ins Gesundheitliche hinein. Ich erlebte daran, welch riesige Verantwortung man hat durch die Art, wie man als Mensch auf andere wirkt. Ich habe mich zum Medizinstudium entschlossen, weil ich herausfinden wollte, wie es zu dieser Wirkung kommt. In dem Zusammenhang bewegten mich die oben genannten Fragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angespornt von der Begeisterung die Antworten zu finden, begann ich mein Studium. Ich war damals 25 Jahre alt, eine Spätberufene also, und hatte das Glück, die Anthroposophie parallel zum Studium studieren zu können. Ich habe sozusagen als angehende Anthroposophin Medizin studiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich fühle mich sicher und gewiss, wenn es mir gelingt, ein anatomisches Substrat, ein Ergebnis, z.B. Phasen der Embryonalentwicklung, wirklich zu verstehen: etwas denken zu können und das, was ich denke, in dem, was ich sehe, als evident wiederzuerkennen; mein Denken und meine Wahrnehmung als kongruent zu erleben; wenn das, was ich denke, auch passiert oder ich es sehe. Dazu gehört auch, das, was ich sehe, zu verstehen, dass es mir nicht ein dunkles Rätsel bleibt; ein Evidenzerlebnis zu haben. Ich hatte durch die Anthroposophie die Möglichkeit, die Medizin sensibel zu hinterfragen und mir Evidenzerlebnisse zu erarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vieles lernt man, ohne es zu verstehen. Man hat etwas festgestellt und soll es anschließend wissen. Bei uns stand über allen Examensfragen: &#039;&#039;„Der Student soll wissen, dass…“&#039;&#039; und dann kamen die Multiple-Choice-Angebote, aus denen man das Richtige heraussuchen musste. Es ist nervtötend, wenn nur Wissen abgefragt wird und kein Verständnis. Nur in den mündlichen Prüfungen ging es manchmal um echtes Verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Stoffwechsel und Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In den ersten vier Vorträgen im &#039;&#039;„Landwirtschaftlichen Kurs“[1]&#039;&#039; spricht Steiner über die spirituelle Bedeutung von Phosphor, Schwefel, Stickstoff, Sauerstoff und Wasserstoff. Die ganze Eiweißchemie bzw. Biochemie unseres Körpers beruht auf diesen Elementen. So konnte ich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;&#039; mit dem &#039;&#039;Phosphor&#039;&#039; in Zusammenhang bringen,&lt;br /&gt;
* den &#039;&#039;&#039;Astralleib&#039;&#039;&#039; mit dem &#039;&#039;Stickstoff&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* den &#039;&#039;Sauerstoff&#039;&#039; mit dem Leben, dem &#039;&#039;&#039;Ätherischen&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* den &#039;&#039;Schwefel&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;zwischen dem physischen Leib und dem Ätherleib wirksam&#039;&#039;&#039; sehen – denn „er macht den physischen Leib geneigt, die Wirkungen des Ätherischen aufzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht hier um die Erkenntnis, wie die vier Wesensglieder im Stoffwechsel aktiv sind, wobei diese vier Hauptelemente wie Tore sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wasserstoff hat eine Sonderposition. Er gehört wesentlich zum Wärmeorganismus und ist sogar &#039;&#039;das&#039;&#039; Zentralelement des Wärmeorganismus. Er ist das leichteste Element, das von sich aus zur Sonne geht, der Gravitation nicht unterliegt, weil es zu leicht ist. Wenn es nicht regnen würde, würde der Wasserstoff die Erde verlassen und sich in der Sonne sammeln. Aber durch Regen, Blitze und Donner, diese enormen energetischen Entladungen, kommt es zur Knallgasverbindung, durch die der Wasserstoff wieder an den Sauerstoff gebunden wird und so wieder auf die Erde kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wissen als etwas Vorläufiges begreifen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ich habe mir in dem Zusammenhang nie die Frage gestellt, ob etwas richtig oder falsch ist, sondern ob es mir zugänglich ist oder nicht. Wenn ich etwas verstanden hatte, war es für mich gewiss.[2] Wenn anschließend jemand erklärte, dass dies nur ein Vorgipfel wäre und die wahre Wirklichkeit noch tiefer läge, noch etwas komplizierter sei, war ich auch dafür offen. Das vorherige Endergebnis gilt dann eben als vorläufig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und man muss auch nicht von Anfang an alles wissen. Ich habe manchen Patienten damit glücklich gemacht, dass ich sagte: &#039;&#039;„Wir beginnen erst einmal mit diesem Therapieansatz – ich werde mich aber noch mit Kollegen beraten, was in Ihrem Fall das Beste ist.“&#039;&#039; Wirkliches Wissen hat Prozesscharakter und kongruiert mit der wachsenden Lebenserfahrung, die durch die Menschen, mit denen wir zusammenleben und -arbeiten, bereichert wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur AM, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft (Landwirtschaftlicher Kurs), Acht Vorträge&#039;&#039;, Koberwitz bei Breslau, 07.06 – 16.06.1924.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Dazu siehe auch: Glöckler, Michaela: &#039;&#039;Einblicke in die anthroposophisch-medizinische Forschung und die Arbeit der Medizinischen Sektion&#039;&#039;. In: Christiane Haid, Constanza Kaliks, Seija Zimmermann (Hg.): &#039;&#039;Goetheanum - Freie Hochschule für Geisteswissenschaft. Geschichte und Forschung der Sektionen.&#039;&#039; Verlag am Goetheanum, Dornach 2017: Rudolf Steiner betonte wiederholt, dass es sich bei seinen Schilderungen und Sichtweisen um ein Wissen handle, das von ihm selbst erarbeitet wurde und als Wissen oder Erkenntnis und nicht als Glaubensinhalt vorgebracht werde. Daher möge man das von ihm Dargestellte als anregende Idee, als Arbeitshypothese nehmen und selbst prüfen, ob es der eigenen Lebenserfahrung und Erkenntnissuche standhalten und dem Leben dienen könne. Auch hoffte er, dass der akademisch geschulte Leser seiner Schriften die Anstrengung unternehmen würde, seine auf meditativen Wegen errungenen Einsichten mit Hilfe empirischer Forschungsmethoden nachzuweisen. Damit führte Steiner in den wissenschaftlichen Diskurs das Prinzip der internen bzw. inneren Evidenz ein: Was man - gestützt auf Erfahrung und Einsicht - als richtig erkannt hat, empfindet man als „innerlich evident“. Es bedarf dann aber auch noch der externen Evidenz, damit man anhand reproduzierbarer Fakten die Legitimität des als richtig Erkannten aufzeigen kann. Beide Evidenzen zusammen ergeben eine umfassende Erkenntnis von Mensch und Welt und die Möglichkeit, sich ein ganzheitliches Menschen- und Weltverständnis zu erarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE FÜNF FUNKTIONSBEREICHE IN DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Funktionsbereiche deckt die Anthroposophische Medizin ab?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Funktionsbereiche des Lebens&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Unser aller Leben spielt sich auf unterschiedlichen Ebenen ab, die ich hier Funktionsbereiche nennen möchte. Im Folgenden werde ich sie genauer beschreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Physischer Funktionsbereich: Leben im Raum ====&lt;br /&gt;
Alles Physische findet im Raum statt und gründet auf räumlich fassbare Strukturen. Der physische Leib des Menschen ist umso gesünder, je besser er an sein Milieu, die jeweilige Umwelt angepasst ist. Vieles an unserer Umwelt macht uns über Wasser, Ernährung und Luft krank, aber auch – wenn es passend wirkt – gesund. Physisch sind wir offene Systeme. Auch was wir über die Sinne aufnehmen, prägen wir uns ein, prägt uns. Alles Schöne wirkt aufbauend, alles Unschöne schwächt. Alles wirkt, egal ob wir sofort krank werden oder nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier ist die Domäne der Schulmedizin. Anthroposophische Ärzte sind zunächst alle auch Schulmediziner, das ist unsere Grundlage. Diagnostische Fragen zum Physischen lauten beispielsweise:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Sind Medikamente nötig, die am Ort des aktuellen Geschehens unmittelbar angreifen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ist eine Umgebungsveränderung vonnöten?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Muss in einem bestimmten Bereich Sinnesschulung nachgeholt bzw. verstärkt werden?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wären Achtsamkeitsübungen bzw. irgendetwas, das die physische Resonanz mit dem Umfeld verbessert, hilfreich?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ätherischer Funktionsbereich: Leben als Prozess ====&lt;br /&gt;
Auch im Ätherischen sind wir offene Systeme. Mit ätherischer Kraft bezeichnet man in der Anthroposophischen Medizin, was man in der orientalischen Tradition Chi oder Lebenskraft nennt. Das Ätherische umfasst alles Prozessuale, das eine Zeitstruktur und Rhythmus hat. Im aristotelischen Sinne befinden wir uns damit in der Kategorie der Zeit. Alles Ätherische ist prozessual, lebendig, zyklisch, miteinander zusammenhängend, voneinander abhängig. Selbst­­­regulation, Selbstheilungsprozesse, Regeneration, Wachstum, Gestaltung haben hier ihren Wirkort. Die anthroposophischen Arzneimittel, die alle prozessorientiert sind, setzen hier an. Viele werden auch mit homöopathischen Verfahren hergestellt. Alle Prozesse, die uns kränken und gesunden lassen, verlaufen im Zeitlichen. So können sich Verstöße gegen gesunde Lebensrhythmen, z.B. unregelmäßige Ernährung, negativ auswirken, sofern die Selbstregulation dies nicht kompensieren kann. Auch die Lebensgewohnheiten, die Art wie man seine Zeit strukturiert oder eben nicht strukturiert, – wie chaotisch oder geordnet man lebt – beeinflusst diesen Wirkbereich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn im Leben herrscht Ordnung, es ist ein geordneter Kosmos. Es wird durch die Sonne, die circadiane 24-Stunden-Rhythmik, durch den Wochenrhythmus und den lunaren Monatsrhythmus beeinflusst. Mit dieser „Bio-Kosmologie“ befasst sich die Rhythmusforschung. Die Sonne ist 150 Millionen Kilometer von uns entfernt. Wenn wir aber Sonnenbrand haben, haben wir ihn hier auf unserer Haut. Unser gesamter Knochenstoffwechsel hängt von der Sonne ab, auch die gesamte chlorophyllproduzierende Pflanzenwelt. Wir sind sonnengetragene Wesen, wir leben in diesem Sonnenraum. Es gibt kein Leben ohne Wasser und Sonne. Die Griechen nannten den durchsonnten blauen Himmel den Äther. Daher auch der Begriff „ätherische Organisation“ für diesen Funktionsbereich. Das Leben auf der Erde muss viel umfassender gedacht werden, als wir das gewöhnlich tun, wenn wir vom Leben sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diagnostische Fragen zum Ätherischen zielen daher auf die Lebensgewohnheiten ab: Ernährung, Schlaf, Work-Life-Balance, aber auch Rituale, Gewohnheiten, religiöse oder meditative Hilfsmittel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Astraler Funktionsbereich: seelisches Erleben in Beziehung zu sich und anderen ====&lt;br /&gt;
Hier geht es um das Gefühlsleben, um die unbewusste und bewusste Beziehungsgestaltung. Alles, was in einer Beziehung stattfindet, was im Gefühl und Bewusstsein lebt, geht über Raum und Zeit hinaus in die „Innerlichkeit“ und erhält durch die Erinnerbarkeit Dauer. Die Beziehung zu sich selbst und den Menschen und Dingen im Umfeld ist ein reicher Kosmos, ein komplexes Netzwerk, ist so etwas wie eine Sternenkonstellation. Das Wort „Aster“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet Stern. Mit diesem Begriff möchte Rudolf Steiner nicht nur an die seelischen Sternkonstellationen erinnern, denen wir angehören, sondern auch an die himmlische Heimat der Seele und deren Verwandtschaft mit der Sternenwelt, die auch in den astrologischen Traditionen zum Ausdruck kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beziehungen können sich wandeln, wir können unser Verhältnis zu ihnen ändern. Wenn sie kaputt gehen, tut es so weh, dass man früher oder später wieder daran arbeiten wird. Unter dem Gesichtspunkt der Reinkarnation gibt es noch einen weiteren Aspekt, der das Ringen um eine positive Entwicklung in unseren Beziehungen in seiner Bedeutsamkeit unterstreicht. Christian Morgenstern drückt dies in einem seiner Gedichte so aus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wir müssen immer wieder uns begegnen&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;und immer wieder durch einander leiden,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;bis eines Tages wir dies alles segnen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;An diesem Tage wird das Leiden weichen,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;das Leiden, welches Selbstsucht zeugte,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;das Leiden wenigstens, das Blindheit zeugte,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;das uns wie blinden Wald im Sturme beugte.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Dann werden wir in neues Ziel und Leben&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;wie Flüsse in ein Meer zusammenfließen,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;und kein Getrenntsein wird uns mehr verdrießen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Dann endlich wird das „... suchet nicht das Ihre“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wahrheit geworden sein in unsern Seelen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und wie an Kraft wird&#039;s uns an Glück nicht fehlen.[1]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diagnostische Fragen zu der astralen Wirkrichtung betreffen biographische Zusammenhänge und damit verbundene Krankheitsursachen. Oft können Biographiearbeit, künstlerische Therapien, Bewegungstherapien und Körperarbeit helfen, das Bewusstsein für sich selbst und die Menschen im eigenen Schicksalsfeld zu harmonisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Funktionsbereich der Ich-Organisation: als Individuum leben ====&lt;br /&gt;
Hier haben wir es mit dem Bereich zu tun, den Goethe „die Dauer im Wechsel“ nannte. Die Ich-Organisation ist gegenüber dem ewigen Wesen des Menschen, seinem spirituellen Kern, offen. Sie umfasst alle Gesetzmäßigkeiten, die mich vor mir selbst und vor anderen persönlich legitimieren, die nur die eigene Individualität betreffen, für die ich mir selbst die Arbeitsrichtung vorgeben kann. Von der eigenen Ich-Verfassung, vom Selbstwert-Gefühl und der Art der Identitätsbildung hängt es ab, wie lange man z.B. negative Gefühle zulässt oder wieviel Stresstoleranz man besitzt. Wer sein Leben, sein Schicksal, mit allen Hoch- und Tiefpunkten, als seinen persönlichen Entwicklungsweg sehen kann, findet in jeder Lebenslage Motive für das, was gerade hier und jetzt gelernt oder getan werden könnte und kann innere Ruhe und die Übereinstimmung mit sich bewahren. Die Resilienzforschung hat viele wertvolle Beweise dafür geliefert, in welch hohem Maße die Art des Umgangs mit sich selbst und der gewählte Lebensstil den Gesundheitszustand von Leib und Seele beeinflussen.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was muss geschehen, damit ein Mensch wieder zu einer positiven Identität und Lebenseinstellung findet, auch wenn seine Umstände traurig oder widrig sein mögen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Anregung für die innere Schulung, für sein Selbstmanagement, für seine Identität kann ich ihm vermitteln, damit er freudig und&#039;&#039; &#039;&#039;wahrhaft als Ich erleben kann?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fragen dieser Art bewegen den Arzt – aber auch Fragen der Prävention&#039;&#039;: Was kann in den Erziehungsjahren geleistet werden, nicht nur für eine gesunde körperliche Entwicklung, sondern auch für die seelische und insbesondere die geistige, Identität stiftende Entwicklung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Funktionsbereich der spirituellen Orientierung: Weltentwicklung bejahen ====&lt;br /&gt;
Hier treten wir aus unserem individuell Menschlichen völlig heraus. Der Kopf ist das Beziehungsorgan, das uns mit der ganzen Welt verbindet, ist unser offenes, rein zur unsichtbaren Welt der Gedanken, den Sinneseindrücken, Vorstellungen sowie dem Bewusstsein hin orientiertes Gebilde. Paracelsus[3] nannte diese Perspektive, die Art, wie wir mit den unsichtbaren Kräften des Denkens, Fühlens und Wollens umgehen, die Quinta Essentia. Die vier anderen „Essenzen“ haben mit den Aggregatzuständen fest, flüssig, gasförmig und Wärme zu tun, die alle noch physisch fassbar sind. Die Quinta Essentia jedoch ist rein spirituell, rein geistig. Sie wird uns zunehmend bewusst durch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* seelisch-geistige Verwandlungsprozesse dank meditativer Schulung,&lt;br /&gt;
* Verfeinerung der Gedanken,&lt;br /&gt;
* Gefühls- und Willenskultur der Achtsamkeit.&lt;br /&gt;
* Die Tugenden und verbindlichen Lebenswerte gehören ebenso in diesen Bereich, &lt;br /&gt;
* aber auch wie ich meine Beziehungen ordne, wie ich meine Identität erlebe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn wie ich mein äußeres und mein biografisch-zeitliches Leben veranlage, hängt letztlich davon ab, wie ich über mich und andere, über die Welt und Gott denke. Eine echte spirituelle Orientierung ist die stärkste salutogenetische Perspektive. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Erlösende menschheitliche Perspektive&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Meine Erfahrung ist, dass es heute immer mehr Menschen gibt, die von einer basalen Trauer und Sorge erfüllt sind in Bezug auf das Weltgeschehen und die Menschheitsentwicklung. Sie sind nicht krank oder deprimiert durch eine schlechte Lebensweise oder Drogen, auch nicht aufgrund negativer Beziehungen. Sie erleben sich vielmehr dadurch beeinträchtigt, dass sie den Eindruck haben, es geht mit der Menschheits- und Erdenentwicklung nicht gut voran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um dem konstruktiv begegnen zu können, braucht es eine große, umfassende, menschheitliche Perspektive, die aufzeigt, dass die Menschheit zwar heute eine besondere Krise durchmacht, verursacht durch den Zerfall von Werten und eine enge materialistisch-ökonomische Weltsicht. Es gilt jedoch zu verstehen, dass nur der Durchgang durch eine Periode des Verlustes spiritueller Perspektiven und humaner Entwicklungsbedingungen das Individuum aus allen kollektiven – auch der religiösen – Bindungen zu befreien vermag, damit es auf dieser Basis neu und selbstständig sein Verhältnis zum weiteren Verlauf der Geschichte zu bestimmen in der Lage ist. Nur ein echtes Verständnis dieser Entwicklungszusammenhänge kann dem sonst unweigerlich eintretenden Kulturpessimismus vorbeugen bzw. kann ihn heilen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anthroposophische Arzt wird seinen Patienten anamnestisch mit Bezug auf diese fünf Funktionsbereiche hin anschauen und womöglich befragen. Am Ende muss er intuitiv entscheiden, wie er den besten Zugang zu dem betreffenden Patienten finden kann, um den notwendigen Gesundungsprozess anzuregen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Mehr hierzu in: Was ist Anthroposophische Medizin? Verlag am Goetheanum, 2017&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Christian Morgenstern, &#039;&#039;Stuttg. Ausgabe, Band 2 Lyrik 1906 – 1914&#039;&#039;, Urachhaus Verlag, Stuttgart 1992, S. 217.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Siehe z.B. Fröhlich-Gildhoff, Klaus / Rönnau-Böse, Maike: &#039;&#039;Resilienz&#039;&#039;. Ernst Reinhardt Verlag, München 2015.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Philippus Theophrastus Aureolus Bombastus von Hohenheim, getauft als Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, (* vermutlich 1493 in Egg, Kanton Schwyz; † 24. September 1541 in Salzburg) war ein Arzt, Alchemist, Astrologe, Mystiker, Laientheologe und Philosoph. Paracelsus hinterließ zahlreiche deutschsprachige Aufzeichnungen und Bücher medizinischen, astrologischen, philosophischen und theologischen Inhalts, die größtenteils erst nach seinem Tod gedruckt wurden (wikipedia).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE WESENSGLIEDER UND IHRE DIAGNOSTIK ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was versteht die Anthroposophische Medizin unter Wesensgliedern?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie lassen sie sich beschreiben?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wesensglieder als Zusammenhänge von Gesetzmäßigkeiten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das Wissen von Körper, Leben, Seele und Geist ist so alt wie die Menschheit. Rudolf Steiners Beitrag besteht jedoch darin, eine neue Zugangsweise zu diesen vier Erfahrungsfeldern aufgezeigt zu haben. Er verwendete für die von ihm in Medizin und Pädagogik eingeführte Terminologie die Worte „Leib“ bzw. „Organisation“.[1] Diese Termini machen nicht nur den Zusammenhang zwischen den Reichen der Natur und den Aggregatzuständen der Materie deutlich, sondern stehen auch für die differenzierte Ganzheit des Menschenwesens nach Geist (Ich-Organisation), Seele (astralische Organisation), Leben (ätherische Organisation) und Körper (physische Organisation). Sie zeigen die komplexen Zusammenhänge von Gesetzmäßigkeiten, durch die sich der Mensch erkennen, erleben, ausdrücken und betätigen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Anthroposophischen Medizin wird also nicht nur die naturwissenschaftliche Beschreibung von Aufbau und Funktion des menschlichen Körpers berücksichtigt, sondern auch die Wirkung der sogenannten Wesensglieder auf den Körper, die von der zugehörigen Gesetzmäßigkeit bestimmt werden und so in das Körpergeschehen eingreifen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Diagnostik der Wesensglieder ermöglicht ein differenziertes Erfassen des Inkarnationszustands des Menschen in Gesundheit und Krankheit, woraus sich der jeweils passende therapeutische Ansatz ableiten lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Physischer Leib – fest ====&lt;br /&gt;
Der physische Leib wird von Stoffen und Kräften im festen Aggregatzustand aufgebaut – sie machen die sinnlich beobachtbare Beschaffenheit des Körpers im Raum aus (griechisch &#039;&#039;physis&#039;&#039; = Körperbildung, Gestalt). Der ganzheitlich-systemische Begriff des Physischen umfasst den gesamten Bereich des Mineralisch-Anorganischen: Dazu gehören die Gesetze der Gravitation, der Mechanik, aber auch die Zerfalls- und Sterbeprozesse von Strukturen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was erkannt werden kann, wenn man dem menschlichen Organismus Stoffe, Gewebe und Partikel entnimmt und analysiert, gehört in das Gebiet des Physischen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ätherleib - flüssig ====&lt;br /&gt;
Der &#039;&#039;Ätherleib&#039;&#039; umfasst die Gesamtheit der Lebensprozesse. Diese sind an den flüssigen Aggregatzustand gebunden und liegen allen Vorgängen zugrunde, die chemische und physikalische Prozesse zu biochemischen und physiologischen Prozessen steigern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wort „Äther“ kommt aus dem Griechischen und heißt Himmel. Damit schließt das Ätherische auch den durchsonnten, blauen Himmelsraum ein, ohne den Leben auf der Erde nicht möglich wäre. Insbesondere die Pflanzenwelt wird davon bestimmt: Das zeigt sich z.B. in der sonnenvermittelten Fotosynthese, die Grundlage der Lebenstätigkeit aller Pflanzen ist. Doch auch ihre Biorhythmen haben ihre Zeitgeber in der Solar- und Lunarperiodik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Astralleib – gasförmig, luftig ====&lt;br /&gt;
Die Kräfte und Gesetzmäßigkeiten, die Bewegung, Bewusstsein und seelischen Ausdruck ermöglichen, bezeichnete Steiner mit &#039;&#039;Astralleib&#039;&#039;, lateinisch „aster“ (Stern). Das Weltall mit seinen Sternkonstellationen ist ein Bild davon: Jeder Planet, jeder Fixstern ist anders als der andere und doch stehen alle in konkreten, sich stets wandelnden Beziehungen zueinander, Konstellationen genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Physiologisch gesehen sind die Bewegungs-, Sprach- und Gefühlsäußerungen an das Vorhandensein von Luft gebunden. Der Astralleib kann nur über den Gaszustand der Materie in das Körpergeschehen eingreifen und ist auch im Hinblick auf seine Wirkungsweise von den Gesetzen bestimmt, die dem Gaszustand eigen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ich-Organisation - Wärme ====&lt;br /&gt;
Für den Gesetzeszusammenhang, der es der selbstbewussten Persönlichkeit erlaubt, sich zu erleben und auszudrücken, wählte Steiner den Begriff &#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;. Diese ist an die Gesetze der Thermodynamik, der Wärme, gebunden. Jeder Mensch erlebt sein Ich und die Persönlichkeitsäußerungen des Anderen in Form von jeweils zum Ausdruck kommenden Wärmedifferenzen bzw. als Wärme- und Kälteausstrahlung. Die kritische Temperatur des jeweiligen Elementes entscheidet, in welchem spezifischen Aggregatzustand die Materie erscheint. Das dem gesunden Körperleben des Menschen zugrundeliegende Wärmeoptimum liegt bei 37°. Es wird durch eine komplizierte Temperaturregulation im Rahmen definierter tages- und jahresrhythmischer Schwankungen konstant gehalten. Auch hängt es jeweils vom geistigen Wärmezustand (Begeisterung) ab, ob und wofür ein Mensch seine Kraft im Leben einsetzt und wie er seine Persönlichkeit zentriert und beherrscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Berechtigte Annahme komplexer Ordnungsprinzipien&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Mit der systemischen Begrifflichkeit der Wesensglieder ist einerseits die Brücke geschlagen zur aristotelischen Elementenlehre, die die Aggregatzustände konsequent mit den Naturreichen (Mineral, Pflanze, Tier, Mensch) verbindet. Andererseits kann dadurch auch ein konkreter Bezug hergestellt werden zur heutigen Faktenfülle naturwissenschaftlicher Forschungen als Grundlage für ein ganzheitliches Bild des Menschen, der sich in Körper, Seele und Geist gliedert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiners Vorgehensweise, übergeordnete Begriffe zu bilden, wird untermauert von Annahmen aus der Systemforschung, die längst von höheren, vernetzten Formgebern und Prozessgestaltern ausgeht, die sie entweder entdeckt oder hypothetisch angenommen hat: Man verwendet den Begriff „Feld“[2] oder spricht von „intraorganischen Ordnungsmustern“ aus der mathematisch-geometrischen Symmetrie und Asymmetrie, die sich nicht mithilfe der darwinistischen Paradigmen von Selektion, Mutation und Anpassung erklären lassen.[3] Auch die Frage nach der Symmetrie als einem universalen Kausalprinzip gehört hierher. All diese Überlegungen und Forschungen besagen, dass es letztlich Gedanken, Gesetze, übergreifende Gesetzeszusammenhänge sind, die sich in den Ordnungen und Wandlungen der Evolution abbilden bzw. diese vorantreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant sind in diesem Zusammenhang auch die derzeit oft gebrauchten Begriffe der Autoregulation, Selbstregulation oder Selbstheilung. Die Wesensgliederdiagnostik kann diese Begriffe mit einem differenzierten Inhalt füllen und dieses Selbst (griechisch: autos) in seinen körperlichen, seelischen und geistigen Ausdrucks- und Funktionsweisen beschreiben.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen.&#039;&#039; GA 37, Rudolf Steiner Verlag, Dornach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rupert Sheldrake, &#039;&#039;The presence of the past. Morphic resonance and the habits of nature.&#039;&#039;  Hammersmith, UK 1988.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Antonio Lima-de-Faria, &#039;&#039;Evolution without Selection. Form and Function by Autoevolution.&#039;&#039; New York 1988.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Werner Hahn/ Peter Weibel (Hrsg.), &#039;&#039;Evolutionäre Symmetrietheorie. Selbstorganisation und dynamische Systeme.&#039;&#039; Stuttgart 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== PARAMETER DER WESENSGLIEDER-DIAGNOSTIK ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen Parametern folgt die Wesensglieder-Diagnostik?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wesensglieder als Gesetzeszusammenhänge des Menschseins&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der phänomenologischen Philosophie und Psychologie ist man gewohnt, den Körper „Leib“ zu nennen. Man meint damit das individuell Geformte bzw. das „Gefäß&amp;quot;, das von allen Funktionen und Seelenerlebnissen ein Aus- und Abdruck ist. Rudolf Steiner verwendet als Bezeichnung für die Wesensglieder je nach Kontext die Ausdrücke „Leib“, „Organisation“ und „Organismus“ oder „Gesetzeszusammenhang“. In der Diagnostik wird der körperliche Ausdruck der Wesensglieder im Einzelnen beschrieben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Physischer Leib ====&lt;br /&gt;
Zu den Beurteilungsgrößen des physischen Leibes gehören neben Körpergröße und Körpergewicht die chemische Analyse (Labordiagnostik) sowie die Ausformung der einzelnen Organe, der konstitutionelle Habitus, und inwiefern dieser durchlässig ist für die Vorgänge des Lebens, der Seele und des Geistes – d.h. für den „Inkarnationszustand&amp;quot; des betreffenden Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ätherleib ====&lt;br /&gt;
Zur Diagnostik des ätherischen Organismus gehört neben dem Erfassen der aktuellen Gesamtvitalität und der Vitalität der einzelnen Organe auch die Beurteilung von Wachstum, Entwicklung und Regenerationsfähigkeit sowie des Säure-Basen-Verhältnisses, des Wasser- und Elektrolythaushaltes und des Zusammenspiels der Biorhythmen, aber auch die Erfassung der Art der Gedankenführung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Astralleib ====&lt;br /&gt;
Die Wirkungsweise des Astralleibes wird einerseits am Bewegungsspiel der Muskulatur und ihres Tonus abgelesen, andererseits aus der Art des Sprechens und der Atemführung sowie des Instinkt-Begierde-Verhaltens erschlossen. Empfindungsleben, „Sensibilität&amp;quot; und das Spektrum der Gefühlsäußerungen geben Aufschluss über seinen aktuellen Zustand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Stärke oder Schwäche der Ich-Organisation können am Zusammenspiel aller Funktionen und Wesensgliedertätigkeiten abgelesen werden. Jede Form von Integrations- und Kontrollverlust zeigt eine Schwächung oder Störungen im Bereich dieses Wesensgliedes an. An dieser Stelle ist es wichtig zu bemerken, dass die Ich-Organisation zwar dem geistigen Wesen Mensch, d.h. seinem Ich, die körperliche – und damit vergängliche –Möglichkeit zur Inkarnation bietet, mit dieser jedoch nicht identisch ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Faktenfülle durch Wesensgliederdiagnostik&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Des Öfteren wird gefragt, warum die Wesensglieder-Diagnostik nötig ist, welche zusätzlichen Informationen sie über das hinaus bieten kann, was eine sorgfältige und umfassende klinische Diagnostik ohnehin leistet. Dazu ist zu sagen, dass das sehr umfassende Studium des jeweiligen Wesensgliedes und der damit zusammenhängenden Gesetzmäßigkeit zusätzliche Informationen liefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die in der Tabelle unten angeführten Parameter implizieren eine große Faktenfülle und eröffnen durch ihre Zusammenschau neue Einsichtsmöglichkeiten in die menschliche Natur, vor allem auf den direkten Zusammenhang der seelisch-geistigen Funktionen mit den physiologisch-anatomischen Strukturen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;Wesensglied&#039;&#039;&#039; und  Naturgesetzlichkeit&lt;br /&gt;
|Selbsterleben und &lt;br /&gt;
kreative Handhabbarkeit&lt;br /&gt;
|Morphologie &lt;br /&gt;
Physiologie&lt;br /&gt;
|Physische Symptomatik&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;&#039;Wärmeorganismus&lt;br /&gt;
Thermodynamischer&lt;br /&gt;
Gesetzeszusammenhang&lt;br /&gt;
|Selbstbewusste &lt;br /&gt;
Gedankentätigkeit,&lt;br /&gt;
Intentionalität,&lt;br /&gt;
Initiative,&lt;br /&gt;
Dicht- und Sprachkunst&lt;br /&gt;
|Integrationsprozesse Gesamtgestalt&lt;br /&gt;
|Individuelle Wärmeverteilung „Ausstrahlung&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;Astralleib&#039;&#039;&#039;Luftorganismus&lt;br /&gt;
Aerodynamischer&lt;br /&gt;
Gesetzeszusammenhang&lt;br /&gt;
|Bewusstsein, Gefühl, Impulsivität, Bewegung&lt;br /&gt;
Musik und Gesang&lt;br /&gt;
|Atmung&lt;br /&gt;
Katabole Stoffwechselvorgänge&lt;br /&gt;
Heterostase&lt;br /&gt;
Differenzierung&lt;br /&gt;
Proportionen&lt;br /&gt;
|Muskeltonus&lt;br /&gt;
(Anspannung und Lösung)&lt;br /&gt;
Lufthaushalt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;Ätherleib&#039;&#039;&#039;Wasserorganismus &lt;br /&gt;
Hydrodynamischer&lt;br /&gt;
Gesetzeszusammenhang&lt;br /&gt;
|Auftrieb&lt;br /&gt;
Schwerelosigkeit Zeitprozesse&lt;br /&gt;
plastisches Gestalten&lt;br /&gt;
|Anabole Stoffwechselvorgänge&lt;br /&gt;
Synthese&lt;br /&gt;
Homöostase&lt;br /&gt;
Proliferation&lt;br /&gt;
|Turgor&lt;br /&gt;
Wasserhaushalt&lt;br /&gt;
Inkarnat&lt;br /&gt;
Hautdurchblutung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;Physischer Leib&#039;&#039;&#039;Feste Organisation&lt;br /&gt;
Gravitation&lt;br /&gt;
Gesetzeszusammenhänge der Festkörperphysik und Mechanik&lt;br /&gt;
|Egoität&lt;br /&gt;
Schwerpunkt erleben architektonisches Gestalten&lt;br /&gt;
|Ablagerungsprozesse&lt;br /&gt;
Strukturierungsprozesse&lt;br /&gt;
Form-Zusammenhalt&lt;br /&gt;
|Dichte&lt;br /&gt;
Gewicht&lt;br /&gt;
Laborparameter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tab. 1.1 Diagnostische Parameter im Funktionsbereich der Wesensglieder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FORSCHUNG UND WEITERENTWICKLUNG IN DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;In welche Richtungen wird in der Anthroposophischen Medizin geforscht?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Möglichkeiten der Evaluation gibt es?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Forschung und Evaluation&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aufgrund ihres natur- und geisteswissenschaftlichen Menschenbildes hat die anthroposophisch-medizinische Forschung zwei Arbeitsrichtungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Eine, die sich den derzeit vorgegebenen akademischen Standards anpasst und Unbedenklichkeit und &#039;&#039;&#039;Wirksamkeit anthroposophischer Arzneimittel&#039;&#039;&#039; untersucht. &lt;br /&gt;
# Und eine andere, die nach den &#039;&#039;&#039;geistigen Ursachen von Krankheit&#039;&#039;&#039; und den &#039;&#039;&#039;heilenden Möglichkeiten der Natur&#039;&#039;&#039; mit ihren Substanzen und Prozessen fragt. &lt;br /&gt;
# Zu jeder seriösen Forschung gehören auch effektive &#039;&#039;&#039;Möglichkeiten der Evaluation&#039;&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophische Medizin ist nicht nur historisch jung, sondern auch in ständiger Weiterentwicklung begriffen. Ihre weltweiten Arbeitszusammenhänge in Forschung, Ausbildung und Praxis werden in der Medizinischen Sektion am Goetheanum in der Schweiz koordiniert.[1] Dort findet sich auch eine Übersicht über die aktuelle Literatur, die Forschungsinstitute und Kliniken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ad 1. Studiendesigns für anthroposophische Arzneimittel ====&lt;br /&gt;
Gegenwärtig wird an Studiendesigns gearbeitet, die der Herkunft, Herstellung und Anwendung anthroposophischer Arzneimittel gerecht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Freiburger Arzt und Wissenschaftler &#039;&#039;Helmut Kiene&#039;&#039; ist die im Juli 2000 erschienene komplementäre Methodenlehre der klinischen Forschung zu verdanken, in der er eine Cognition-based Medicine der Evidence-based Medicine gegenüberstellt.[2] Diese Methodenlehre erstreckt sich auf folgende Evidenzbereiche:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wirksamkeitsnachweis&lt;br /&gt;
* Effektivitätsbeurteilung&lt;br /&gt;
* Therapievergleich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im „Freiburger Institut für angewandte Erkenntnistheorie und medizinische Methodologie“ wird derzeit an den praktischen Konsequenzen für ein neues Studiendesign gearbeitet, das sich auf hohem akademischem Niveau auf die individuelle Einzelfallanalyse stützt. Der Arbeit des Instituts entstammt auch die im Jahre 2003 erschienene umfassende Monographie zur Mistel in der Onkologie.[3] Mit diesem Buch liegt erstmals ein Werk vor, das den Stand der Forschung in Bezug auf die Misteltherapie bei onkologischen Erkrankungen für Mediziner, Wissenschaft­ler und Allgemeininteressierte verfügbar macht. Es leistet damit einen Beitrag zur wissenschaftlichen Diskussion wichtiger medizinischer Grundsatzthemen, aber auch zum Dialog der Denkstile. Es ist ein Beispiel einer gelungenen Synthese von naturwissenschaftlichem und geisteswissenschaftlichem Ansatz auf der Höhe der derzeit gültigen akademischen Standards.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ad 2. Grundlagenforschung zu Krankheit und Heilung ====&lt;br /&gt;
Die Grundlagenforschung befasst sich mit der Erarbeitung von Korrespondenzen zwischen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;&#039;Wesensgliedertätigkeit&#039;&#039;&#039; im Menschen,&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;&#039;Krankheitssymptomatik&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* bestimmten &#039;&#039;&#039;Prozessen in der Natur&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* und der &#039;&#039;&#039;Wirkung von Substanzen&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht darum, Naturprozesse aufzufinden und zu beschreiben, die für den jeweiligen Krankheitsfall die Selbstheilung anregen, einseitigen Funktionen entgegenwirken oder zu schwache Funktionen unterstützen können. Je genauer das therapeutische Ziel aufgrund der Erforschung des evolutiven Zusammenhanges von Mensch und Natur festgelegt werden kann, umso sicherer tritt in der Regel auch die erwünschte Wirkung beim Patienten ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Arzneimittelschatz der heute verfügbaren Anthroposophika entstammt der Zusammenarbeit von Ärzten, Pharmazeuten und Herstellern. Seit vielen Jahren fassen Anthroposophische Ärztinnen und Ärzte ihre Erfahrungen und Erkenntnisse zum Einsatz der Anthroposophischen Arzneimittel in einem Vademecum zusammen, das Fachkreisen zugänglich ist und ständig erweitert wird. Ideen zur Heilmittelfindung entstehen jeweils anhand konkreter Fragestellungen zum Patienten bzw. zu seiner Krankheitssituation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Ausgangsstoffe für die Arzneimittelherstellung mit Bezug auf Sicherheit und Unbedenklichkeit in der Regel schon bekannt sind, ist präklinische Forschung im Sinne von In-vitro- oder Tierversuchen nicht nötig. Wenn neue, noch nicht monographierte Naturstoffe Verwendung finden, unterliegen sie selbstverständlich dem allgemein üblichen Prozedere zur Feststellung von Wirksamkeit und Unbedenklichkeit der entsprechenden Substanz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von einem anthroposophischen Arzneimittel wird erwartet, dass es körperliche oder seelische Beschwerden mildern oder verschwinden lassen bzw. eine Krankheit verzögern, heilen oder womöglich auch verhindern kann. Da sich diese Art der Heilmittelfindung und -anwendung in der Regel am individuellen Patienten orientiert, sind Forschungs- und Evaluationsmethoden erforderlich, die diesem Umstand Rechnung tragen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ad 3. Projekte zur Evaluation der Anthroposophischen Medizin ====&lt;br /&gt;
Im Berliner Forschungsinstitut am Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe wurde mit einem Projekt zur Evaluation Anthroposophischer Medizin begonnen – dem EvaMed-Projekt. Ziel ist die Schaffung einer wissenschaftlich fundierten Datenbasis als Grundlage für den Nachweis zur Unbedenklichkeit und Wirksamkeit von Anthroposophika. Mittels informationstechnologisch gestützter Netzwerke wird Outcome- und Versorgungsforschung innerhalb der Anthroposophischen Medizin betrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der medizinischen Fakultät der Universität Witten-Herdecke wurde 2003 der Stiftungslehrstuhl für Medizintheorie und Komplementärmedizin unter &#039;&#039;Prof. Dr. Peter Matthiessen&#039;&#039; eingerichtet, zu dessen Aufgaben neben Forschung und Lehre auch die Implementierung eines Begleitstudienganges für Anthroposophische Medizin gehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Bern/Schweiz wurde bereits 1994 die „Kollegiale Instanz für Komplementärmedizin“ (KIKOM) eingerichtet und der Schweizer Arzt &#039;&#039;Dr. med. Peter Heusser&#039;&#039; mit der Dozentur für Anthroposophische Medizin beauftragt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Siehe unter: www.medsektion-goetheanum.org&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Helmut Kiene, &#039;&#039;Komplementäre Methodenlehre der klinischen Forschung: Cognition-based Medicine,&#039;&#039; Heidelberg – Berlin 2001.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Gunver S. Kienle/ Helmut Kiene, &#039;&#039;Mistel in der Onkologie: Fakten und konzeptionelle Grundlagen&#039;&#039;, Schattauer 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== AKTUALITÄT DER FORSCHUNGEN RUDOLF STEINERS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche von Rudolf Steiner vorausgesehenen Entwicklungen in der Medizin sind inzwischen Stand der Wissenschaft?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Von Steiner vorausgesehene medizinische Entwicklungen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Bezug auf die Medizin kann man feststellen, dass viele Aussagen in Bezug auf zukünftige medizinische Entwicklungen und Ergebnisse, die Rudolf Steiner vorausgesehen hat, mit denen er ganz selbstverständlich umging, wenn er über Medizin sprach, heute zum Allgemeingut der Wissenschaft gehören. Ich möchte im Folgenden zu jeder Ebene der menschlichen Konstitution Beispiele nennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Erbgut und Immunsystem – physische Ebene ====&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner sprach vor Heilpädagogen, Lehrern, Ärzten davon, dass das sich inkarnierende Kind selbst mit der Auswahl von Vater und Mutter und dem damit verbundenen Erbgut zu tun hat, und dass die sich inkarnierende Individualität selbst daran beteiligt ist, das Erbgut möglichst so zu mischen, wie es zu ihrem Inkarnationswillen passt. Er sagte auch, dass die sogenannten Kinderkrankheiten und fieberhaften Infekte, die während der ersten 8 – 9 Lebensjahre normalerweise gehäuft auftreten, der Individualität die Möglichkeit geben, den ererbten Leib sukzessive umzugestalten und an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genau diese Zusammenhänge wurden in den letzten Jahren im Rahmen der Epigenetik erforscht. Kein wissenschaftlich gebildeter Mensch glaubt mehr, dass das Erbgut ein geschlossenes System ist, das eine Marschroute vorgibt. Das Erbgut ist ein offenes System, das durch individuelle spirituelle Arbeit beeinflusst werden kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das führt heute zu völlig neuen Forschungsfragen auf dem Gebiet der &#039;&#039;„Mind-Body-Medicine“&#039;&#039;. Man erforscht dort die Wirkung von Medikation auf die neuronalen Verschaltungen, auf den Kreislauf usw. und merkt, dass die Medikation auch immunstimulierend wirkt, bzw. dass das Immunsystem dadurch verändert wird. Das Immunsystem wiederum ist das Schlüsselsystem, welches das Erbgut aktiviert und dafür sorgt, dass bestimmte Gene blockiert werden und nicht mehr funktionieren bzw. neue gezündet werden und anfangen zu funktionieren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir brauchen beide Ansätze, wenn wir eine wirklich humane menschliche Medizin schaffen wollen: Die Naturwissenschaft allein reicht nicht. Erst ergänzt um Erkenntnisse aus der Geisteswissenschaft wird Medizin wirklich menschengerecht. Denn es dauert viel zu lange, wenn erst jahrelang Nachweise von der Schädlichkeit einer Maßnahme erbracht werden müssen, bevor diese verboten wird, wie es der naturwissenschaftlichen Methodik entspricht. Dann kommt das Gute immer zu spät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Rudolf Steiners Forschungsmethode der Verifizierung&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Die Geisteswissenschaft macht methodisch das Umgekehrte. Sie macht aufgrund tiefer gehender Einblicke und Kenntnisse der menschlichen Konstitution Angaben über zu erwartende Ergebnisse einer Maßnahme. Man ist als Arzt und Therapeut immer frei, sich für das, was man für das Richtige hält, zu entscheiden. Das bedeutet, dass man für gut und richtig erkannte Maßnahmen und Methoden anwendet, auf diesem Wege verifiziert und anschließend dokumentiert, wie der Gedanke zum Tun und letztlich zu einem guten Ergebnis führte, wobei auftauchende Probleme reflektiert werden. Man erklärt z.B. genau, warum man eine Hypothese etwas modifizierte, um das gewünschte gute Ergebnis zu erzielen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das war die von Rudolf Steiner praktizierte Forschungsmethode: Aus profunder Menschenkenntnis und physiologischem Verständnis heraus eine Hypothese zu bilden und anschließend in der Praxis zu verifizieren, ob der hypothetisch angenommene Erfolg tatsächlich eintritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diesem Wege wurde in der anthroposophischen Medizin ein System für individuelle Einzelfalldokumentation auf hohem akademischem Niveau erarbeitet.[1] Es ist extrem viel Arbeit, diese Zusammenhänge so nachzuweisen, dass sie vor dem empirisch orientierten Denken der heutigen Zeit Bestand haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Rhythmusforschung – ätherische Ebene ====&lt;br /&gt;
Ein ähnlich begeisterndes Feld ist die Rhythmusforschung auf der ätherischen Ebene. Rudolf Steiner wurde nicht müde zu sagen: &#039;&#039;„Rhythmus trägt Leben“&#039;&#039;.[2] Beachtet und pflegt die Rhythmen – im meditativen Leben, in der Pädagogik, in der Medizin – und bedenkt, wann man was wie machen sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jedes Wesensglied hat seinen eigenen Rhythmus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039; folgt dem &#039;&#039;&#039;24-Stunden-Rhythmus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;Astralleib&#039;&#039; dem &#039;&#039;&#039;Wochenrhythmus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;Ätherleib&#039;&#039; dem &#039;&#039;&#039;Monatsrhythmus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;physische Leib&#039;&#039; dem &#039;&#039;&#039;Jahresrhythmus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir diese Rhythmen in unserem Lebensalltag beachten, verfügen wir über robuste Gesundheit – das ist heute alles durch die moderne Rhythmusforschung bestätigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Bindungs- und Beziehungsforschung – astrale Ebene ====&lt;br /&gt;
Auf seelischem Gebiet ist die Bindungs- und Beziehungsforschung angesiedelt. Heute ist klar nachgewiesen, was Rudolf Steiner immer wieder im paracelsischen Sinne betonte: dass die einzig wahre Arznei die Liebe ist. Was in der Arzt-Patienten-Beziehung als professionelle Liebe, als Hingabe an den Patienten wirkt, entspricht der Liebesqualität, die auch Lehrer- und Schülerseelen verbindet. Die Frage Steiners – &#039;&#039;„Kinder, habt ihr eure Lehrer lieb?“&#039;&#039; – war keine rhetorische Frage. Steiner scheute nicht davor zurück, ein Kind in die Parallelklasse zu schicken, wenn es seinen Lehrer nicht lieben konnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das findet in der heutigen Bindungsforschung seine Bestätigung: Eine Beziehung wirkt gesundend,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* wenn sie &#039;&#039;&#039;ehrlich&#039;&#039;&#039; ist, &lt;br /&gt;
* wenn sie von &#039;&#039;&#039;liebvollem Interesse für den anderen&#039;&#039;&#039; geprägt ist,&lt;br /&gt;
* wenn sie von &#039;&#039;&#039;Respekt vor der Autonomie des anderen&#039;&#039;&#039; getragen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind die drei christlichen Grundwerte – Wahrheit, Liebe, Freiheit – von denen wir in der Esoterik nicht müde werden zu sprechen. Alle esoterischen Übungen dienen der Entwicklung dieser Art von Menschlichkeit: dass es wahrhaftiger, liebvoller, freilassender, respektvoller wird im sozialen Miteinander. Dass das gegenseitige Verstehen gefördert wird, das Erwachen aneinander, das zum Verständnis führt. Nichts anderes wird helfen angesichts der Not und des Elends auf der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Traumatherapie – geistige Ebene ====&lt;br /&gt;
Auch auf geistigem Felde gibt es spannende Erkenntnisse. Es gibt heute sehr viele Verfahren, insbesondere auf dem Gebiet der Traumatherapie, die erkannt haben, dass ein schweres Trauma, ein schwerer Angriff auf Leib und Seele, nur als Initiation aufgefasst sinnstiftend verarbeitet werden kann. Es gibt keinen anderen Weg, der wirklich greift. Man kann gewisse Symptome zwar mit psychisch wirksamen Drogen dämpfen. Das ist aber keine Heilung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein schweres Trauma zu verarbeiten, ist ein langwieriger Prozess. Der erste Schritt besteht darin, das Trauma als Schwellenerlebnis in Bezug auf die geistige Welt zu erkennen. In der Folge gilt es dieses Erlebnis fruchtbar zu machen, indem man die Kräfte durchschauen lernt, die einen bedrücken und sie als luziferische und ahrimanische Gewalten unterscheiden lernt. Das gelingt erst vollends, wenn man auch die guten menschlichen Kräfte aufzufinden vermag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich möchte an dieser Stelle eine schlichte Herzmeditation vorlesen. In Rudolf Steiners Notizbuch stehen undatiert folgende Worte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich denke an mein Herz.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Es belebet mich.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Es erwärmet mich.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich vertraue fest auf das ewige Selbst,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;das in mir wirket,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;das mich trägt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Tragekraft an der Schwelle zu erkennen, ist für die eigene Identitätsfindung unerlässlich: dass man in sich die Instanz aufspürt, die angesichts der Vergänglichkeit und Zerbrechlichkeit des Leibes, unvergänglich und unzerbrechlich ist und einen über alle Abgründe des Lebens hinwegträgt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Initiationsweg ist für die anthroposophische Psychotherapie etwas Selbstverständliches. Wir können gar nicht über Entwicklung sprechen, wenn wir uns nicht auch mit all den Mühen auseinandersetzen, die der Entwicklung entgegenstehen. Deswegen fordert Rudolf Steiner in seinem Buch &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; im 1. Kapitel,[3] dass wir zwei Bücher studieren: Wenn wir das ernst nehmen, dürften wir gar nicht weiterlesen, ohne diese beiden Bücher studiert zu haben. Das eine ist &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der Höheren Welten?“,[4]&#039;&#039; das andere die &#039;&#039;„Geheimwissenschaft im Umriss“[5]&#039;&#039; – die Weltentwicklung und der Mensch. Ohne ein Wissen über die dort geschilderten Zusammenhänge und Entwicklungszyklen ist Anthroposophische Medizin nicht vollständig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man also bei uns in die Werkstatt blickt, sieht es sehr tätig und sehr optimistisch aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag auf der Welterziehertagung, Dornach 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Im „Freiburger Institut für angewandte Erkenntnistheorie und medizinische Methodologie“ wird derzeit an den praktischen Konsequenzen für ein neues Studiendesign gearbeitet, das sich auf hohem akademischem Niveau auf die individuelle Einzelfallanalyse stützt. Diese Methode wird in dem Werk von Helmut Keine beschrieben, &#039;&#039;Komplementäre Methodenlehre der klinischen Forschung: Cognition-based Medicine,&#039;&#039; Heidelberg – Berlin 2001.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://www.drhauschka.de/kosmos/werte/im-rhythmus/&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst.&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?&#039;&#039; GA 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Geheimwissenschaft im Umriss.&#039;&#039; GA 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== HEILSAMES ZUSAMMENSPIEL VON THERAPEUT UND PATIENT ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie geht man mit leidenden Patienten angemessen um?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie muss die eigene Seelenstimmung sein, dass sie den anderen da abholt, wo er ist?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielt der Patient bei seiner Heilung?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Professioneller Umgang mit dem Leiden anderer&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dem Leiden eines anderen Menschen in der richtigen Haltung zu begegnen, erfordert Fingerspitzengefühl und Professionalität. Wenn jemand z.B. deprimiert ist, helfen Sie ihm nicht, wenn Sie sagen: &#039;&#039;„Mir ging es auch schon einmal schlecht oder jetzt tun wir Ihnen hiermit etwas Gutes – Sie werden schon sehen, dass Sie sich dann wieder besser fühlen.“&#039;&#039; Ihm aus der eigenen Gesundheit heraus gut zuzureden ist laienhaft und wäre die falsche Herangehensweise. Das machen bereits die Nachbarn und Freunde – es wird endlos auf ihn eingeredet und am Ende geht es ihm nur noch schlechter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jemand, der deprimiert ist, muss dort abgeholt werden, wo er steht – das muss auch ein guter Psychotherapeut lernen. D.h. man muss den Betreffenden zunächst in seinem Leid bestätigen und Mitgefühl zeigen. Dann fühlt er sich ernst genommen und kann sich entspannen. Wenn jemand nicht reden will, wenn er nur ernst schaut, sollte man ruhig und sachlich mit ihm umgehen. Man darf schon ein feines Lächeln zeigen, aber kein provozierend aufmunterndes Verhalten an den Tag legen. Das wäre schon viel zu viel. Vor allem sollte man wach und präsent sein, sodass der andere spürt, man ist für ihn oder sie da. Das tut jedem gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Seele als Wahrnehmungsorgan für den anderen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner forderte in Bezug auf die Pflege – und eine therapeutische Anwendung ist auch eine pflegerische Maßnahme – dass die pflegenden Fachleute die Launen des Patienten studieren. Das bedeutet nun nicht, dass man sich über ihn erhebt und ihn nicht ernst nimmt, dass man sich als der große Analyst aufspielt und sein „schlechtes Benehmen“ verurteilt. Das ist alles nicht gemeint. Es geht vielmehr um ein hoch differenziertes, professionelles, seelisches Wahrnehmungsvermögen und um die Fähigkeit, sich so anzupassen an die Zustände eines anderen, dass man in der Lage ist, Seelenstimmung des Anderen in wahrzunehmen. Um das zu können, muss ich meine eigene Seele zum Wahrnehmungsorgan machen für den anderen – was ich nur kann, wenn ich die menschlichen Seelenzustände gut kenne. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der &#039;&#039;Theosophie&#039;&#039;[1], einem sehr empfehlenswerten Buch für Anfänger in der Anthroposophie, sagt Rudolf Steiner, man könne lernen, seine Sympathien und Antipathien zu einem Wahrnehmungsorgan umzubilden für die Seelenstimmungen eines anderen Menschen. Wenn mir also ein Verhalten unsympathisch ist und ich Antipathie empfinde, erfahre ich dadurch ganz objektiv etwas über mich &#039;&#039;und&#039;&#039; den anderen. Antipathie ist nicht zum Ärgern da – sie soll der Wahrnehmung und dem Erkennen dienen. Das Gleiche gilt für die Sympathie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entwicklungsgedanke macht Mut&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Als ich noch Medizinstudentin war, kurz vor meiner Promotion, machte ich ein Praktikum auf einer Rheumastation. Ich hatte dort mit einer älteren Frau zu tun, Mitte 60, um die ich mich als junge, unerfahrene Medizinerin enorm bemüht hatte, so wie man das als junger Mensch macht. Ich habe die Frau noch heute vor mir – denn die ersten Patienten vergisst man sein Leben lang nicht. Sie sagte plötzlich: &#039;&#039;„Ich weiß überhaupt nicht, warum Sie sich mit mir solche Mühe geben. Das lohnt sich doch alles gar nicht mehr.“&#039;&#039; Ich erschrak und wusste in dem Moment nicht, wie ich darauf reagieren sollte. Diesen Schreck hat sie natürlich auch wahrgenommen. Ich konnte nur sagen: &#039;&#039;„Sie machen mich sprachlos. Ich weiß nicht, was ich Ihnen antworten soll.“&#039;&#039; Nach einer Weile fielen mir ein paar wichtige anthroposophische Argumente ein: dass jeder Tag in der Entwicklung zählt und dass doch auch ein gesunder Mensch nicht weiß, ob er am nächsten Tag noch lebt oder einen Autounfall erleidet usw.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lebensmüdigkeit ist ein Zeichen dafür, dass jemand den Entwicklungsgedanken noch nicht kennenlernen durfte, dass ihm dieses kostbarste Geheimnis noch verschlossen ist. Dann sollte man sich Zeit nehmen, egal welches Alter der Betreffende hat, und ihm oder ihr den Entwicklungsgedanken nahebringen. Die schönsten Gelegenheiten dazu ergeben sich noch kurz vor dem Tod. Ein tiefes Verständnis für Entwicklung kann dazu beitragen, dass jemand mit dem festen Willen über die Schwelle geht, es im nächsten Leben von vornherein anders anzugehen, die Zeit für Entwicklung zu nützen, aus dem Wissen heraus, wozu sie dient und wohin die Reise geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ganzheitlicher Blick auf den Menschen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Therapeutische Anwendungen wirken völlig anders, wenn ein Patient aktiv mitarbeitet, wenn er das Gefühl hat, dass jeder Tag zählt und sich die Qualität seines restlichen Lebens dadurch verbessern kann und er in der Zeit, die ihm bleibt, vielleicht doch noch das eine oder andere tun, denken oder erleben kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn auch bei der sogenannten Physiotherapie, bei der es primär um den physischen Leib zu gehen scheint, darf man die anderen Ebenen und Aspekte nicht vergessen bzw. außer Acht lassen. Auch sie beeinflussen das Körpergeschehen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die Lebenskräfte &lt;br /&gt;
* die seelische Integrität&lt;br /&gt;
* die geistige Identität&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* das Entwicklungspotential&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wichtigste ist der letzte Aspekt: den Menschen als in Entwicklung begriffenes Wesen zu sehen, das an die Vergangenheit angeschlossen und auf die Zukunft hin ausgerichtet ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne das Wissen des Therapeuten um diese Ganzheit können Anwendungen nicht wirklich gut wirken. Andererseits können sie eine enorme Verstärkung erfahren, wenn der Therapeut die anthroposophische Seelenkunde kennt und auch die Bereitschaft aufbringt, sich selbst auf professionelle Weise seelisch und geistig weiterzuentwickeln. Dann wird sich der ganzheitliche Blick auf den Menschen dem Patienten atmosphärisch mitteilen und die Heilung begünstigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag anlässlich des Jubiläums des 100. Geburtstags von Werner Junge, Okt. 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Theosophie&#039;&#039;, GA 9.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE FÜNF EBENEN DES MENSCHSEINS IM MEDIZINISCHEN SYSTEM ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Ebenen des Menschseins gibt es?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welches medizinische System setzt auf welcher Ebene an?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verschiedene medizinische Systeme&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wir Menschen sind komplexe Wesen, die auf unterschiedlichen Ebenen angesprochen werden können. Jedes medizinische System setzt auf einer oder mehreren dieser Ebenen an. Im Folgenden möchte ich die einzelnen Systeme kurz umreißen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;&#039;Homöopathie&#039;&#039;&#039; ist eine alternativmedizinische Behandlungsmethode, die auf den ab 1796 veröffentlichten Vorstellungen des deutschen Arztes Samuel Hahnemann beruht. Die wichtigste Grundannahme ist das Ähnlichkeitsprinzip: &#039;&#039;„Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden“ (similia similibus curentur)&#039;&#039;. Danach solle ein homöopathisches Arzneimittel so ausgewählt werden, dass die Inhaltsstoffe der Grundsubstanz unverdünnt an Gesunden ähnliche Krankheitserscheinungen (Symptome) hervorrufen könnten wie die, an denen der Kranke leidet, wobei auch der „gemüthliche und geistige Charakter“ des Patienten berücksichtigt werden solle (vgl. wikipedia).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter &#039;&#039;&#039;Spagyrik&#039;&#039;&#039; (aus dem Griechischen spao „(heraus)ziehen, trennen“ und ageiro „vereinigen, zusammenführen“) werden verschiedene Heilsysteme zusammengefasst. Das therapeutische Ziel ist die positive Beeinflussung der „Lebenskraft“ und damit die Aktivierung der Selbstheilungskräfte. Grundlage bilden die antike Naturphilosophie (z.B. die „Elementenlehre“), die Signaturenlehre und die Humoralpathologie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit &#039;&#039;&#039;Psychosomatik&#039;&#039;&#039; wird in der Medizin die Betrachtungsweise und Lehre bezeichnet, in der die psychischen Fähigkeiten und Reaktionsweisen von Menschen in Gesundheit und Krankheit in ihrer Eigenart und Verflechtung mit körperlichen Vorgängen und sozialen Lebensbedingungen in Betracht gezogen werden. Ihre Erforschung und Umsetzung in der Krankenbehandlung erfolgt in der Psychosomatischen Medizin (vgl. wikipedia).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Psychotherapie&#039;&#039;&#039; wurde früher die Lehre von der Heilung der erkrankten Seele genannt, um sie von einer Psychologie als Lehre von der gesunden Seele und einer Psychiatrie als Lehre von der erkrankten Seele abzugrenzen. Heute wird die psychotherapeutische Behandlung bzw. Heilung im Zusammenhang mit Körper und Seele eines ganzheitlich gesehenen Menschen verstanden und erklärt. Davon zu unterscheiden ist die beratende Psychologie, die sich mit allgemeinen Problemen der Lebensführung befasst (vgl. wikipedia).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit &#039;&#039;&#039;Körpertherapie&#039;&#039;&#039; werden Behandlungsmethoden zur Verbesserung von Körperhaltung, Bewegungsabläufen sowie zur direkten oder indirekten Unterstützung von Körperfunktionen bezeichnet. Je nach Methode werden spezielle manuelle Techniken, Massagearten, Bäder bzw. Anleitungen zur Schulung von Haltungen und Bewegungen angewendet. Fast alle Körpertherapiemethoden betonen die Bedeutung psychosomatischer Wechselwirkungen und gehen davon aus, dass die Körpertherapie positive psychische Veränderungen bewirkt (vgl. wikipedia).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Integrativer Ansatz der Anthroposophischen Medizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin versucht alle gemeinsam in den Blick zu nehmen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Physische Eben&lt;br /&gt;
# Ätherische Ebene&lt;br /&gt;
# Astrale Ebene&lt;br /&gt;
# Identitäts-, Ich-Organisations-Ebene&lt;br /&gt;
# Geistige Orientierung, Weltanschauung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Physische Ebene und Medizin ====&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;Schulmedizin&#039;&#039; baut ganz auf der Erkenntnis des Physischen auf. Kliniken werden entsprechend zunehmend zu Technik-Zentren. Dass der Mensch sich dabei oft nicht menschlich behandelt fühlt, zeigt deutlich, dass das nicht genügt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ätherische Ebene und Medizin ====&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;Homöopathie&#039;&#039; und &#039;&#039;Spagyrik&#039;&#039; z.B. weiß man, dass alles Leben prozessual verläuft, dass alle Substanzen aus Prozessen hervorgehen und dass alle Wirksamkeit zeitabhängig ist, im Guten wie im Schlechten. Daraus ergeben sich viele weitere Therapieverfahren, die prozessorientiert sind, sich auch mit den Lebensgewohnheiten und -rhythmen befassen und mit dem Geheimnis von Entwicklung im therapeutischen Prozess arbeiten. Wenn man lernt sein Leben den Ätherkräften oder Lebenskräften gemäß zu gestalten, wird sich das gesundend auswirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Astrale Ebene und Medizin ====&lt;br /&gt;
Auf der Gefühlsebene geht es um unsere ungemein verwundbare Seele mit ihrer Gefühlswelt, deren Wirkung auf den Körper nicht unterschätzt werden darf. Hier setzen die &#039;&#039;Psychosomatik,&#039;&#039; alle &#039;&#039;Psychotherapieverfahren&#039;&#039; sowie auch diverse &#039;&#039;Körpertherapien&#039;&#039; an. Die Anthroposophische Medizin stellt sich die zentrale Frage:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie können wir einen Kranken, der leidet, so begleiten, dass er sich trotzdem als Teil einer wohlwollenden Schöpfung und damit als ein wichtiger Teil des Ganzen fühlt?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manchmal ist das Gefühlsleben so erstarrt und verkapselt, dass man es nicht mehr über Worte oder über ein Medikament erreichen kann. Wenn man so jemandem dann ein warmes Bad bereitet – wobei es auf genau die richtige Temperatur ankommt – und dieses Bad Düfte verströmt, die der Betreffende noch nie so richtig wahrgenommen hat, können der starke Wärmereiz, der Duft, die menschliche Nähe dazu führen, dass sich dieser Mensch im eigenen Körper wieder wohl und angenommen fühlt. Das ist nicht zu unterschätzen. Auch die Umgebung, in der das Bad stattfindet, ist entscheidend: Ob es dort nur öde, kalte Fliesen gibt oder ob die Wände angenehme Farben haben, ob dort ein Bild hängt usw. Man kann auch in der Sterbebegleitung Bäder miteinbeziehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Identität und Medizin ====&lt;br /&gt;
Das gilt auch für das Identitätserleben: Es hängt von der &#039;&#039;Art der Ansprache und Ausrichtung der Therapie&#039;&#039; auf die Bedürfnisse eines Patienten ab, ob er sich als Mensch, als Individualität, wahrgenommen fühlt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Weltanschauung und Medizin ====&lt;br /&gt;
Essentiell für die Gesundung ist aber auch eine &#039;&#039;geistige Ausrichtung bzw. Lebensanschauun&#039;&#039;g, die die Möglichkeit der Entwicklung impliziert. Viele Weltanschauungen heute sind so, dass sie von einem perfekten Selbstbild ausgehen, also von einem fertigen Ergebnis: Man will rasch mit der Ausbildung fertig sein, damit man mit möglichst wenig Aufwand viel Geld verdienen und daneben noch Spaß am Leben haben kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine menschengemäße Weltanschauung dagegen impliziert, dass man sich auf allen Ebenen, egal ob beruflich oder privat, nach demselben Entwicklungsziel ausrichtet. Die Arbeitszeit wird genauso als Entwicklungszeit gesehen wie die private Zeit: Alles ist Lebenszeit, ist Entwicklungszeit, bildet zusammen die eigene Biographie. Um das so sehen und wertschätzen zu können, braucht man eine entwicklungsorientierte Weltanschauung, die einem hilft, die unterschiedlichen Bereiche und Aspekte so zu verbinden, dass man jeden Augenblick zur Entwicklung nützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag anlässlich des Jubiläums des 100. Geburtstags von Werner Junge, Okt. 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FÜNF QUELLEN FÜR KRÄNKUNG UND HEILUNG ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen Zusammenhang gibt es zwischen kränkenden und heilenden Einflüssen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wie Kränkung und Heilung zusammenhängen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ich möchte als Ärztin den Zusammenhang zwischen heilenden, therapeutischen Impulsen und Krankheitsimpulsen erläutern – sie stammen beide aus denselben fünf Quellen, die uns unser Leben lang beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Quelle auf dem physischen Plan – Karma-Impuls ====&lt;br /&gt;
Dazu gehört alles, was uns Menschen auf dem physischen Plan begegnet und zustößt: Unendlich viel Kränkendes wirkt von Kind an von außen aus der Umwelt auf uns ein, nicht nur in ökologischer, sondern auch in beruflicher und privater Hinsicht, was oft besonders quälend ist. Das heißt, aus der uns umgebenden Umwelt treffen uns unser Leben lang zahlreiche negative Attacken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann jedoch durch eine bewusste Gestaltung der schicksalhaften äußeren Umstände, z.B. indem man gut überlegt, wie, wann und wo man sich auf Begegnungen einlässt, Kränkungen minimieren. Und man kann Kräfte im Inneren aufrufen, um mit solchen Kränkungen von außen besser zurechtzukommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Quelle auf dem ätherischen Plan – Gralsimpuls ====&lt;br /&gt;
Auf dieser Ebene können Gewohnheiten kränkend wirken sowie alles Hässliche, das uns über die Sinne und über unser Denken begegnet, alles, was mit Rhythmen zu tun hat, denen wir folgen oder nicht folgen. Dazu gehören auch unsere Charaktereigenschaften, denen wir mehr oder weniger ausgeliefert sind, mit denen wir mehr oder weniger ringen. Dazu gehört aber auch alles, was die Zeitgestalt unserer Biografie ausmacht: der Tagesablauf, die zeitliche Gestaltung der Woche, des Monats und des Jahres.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir unser Leben den Ätherkräften oder Lebenskräften gemäß gestalten lernen, wird sich das gesundend auf uns auswirken, dann kann aus dieser Quelle Gesundheit geschöpft werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Quelle auf dem astralen Plan – Sophia-Impuls ====&lt;br /&gt;
Hier sind seelische Beziehungen oft die Ursache für Kränkungen, besonders wenn sie sich auf der Gefühlsebene abspielen. Gefühle sind laut Rudolf Steiner Vorboten von Gesundungs- bzw. Kränkungstendenzen. Zu den Jungmedizinern[1] sagte er, der Arzt der Zukunft wäre in der Lage, den Gesundheitszustand seiner Patienten durch eine feine Beobachtung ihres Gefühlslebens zu diagnostizieren. Er würde ihre Gefühle anschauen und Gesundheits- und Krankheitsdispositionen benennen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Mensch weiß aus der Beobachtung seiner selbst und anderer, dass er krankheitsgefährdet ist, wenn er Mühe hat, seine Gefühle so auszubalancieren, wie er es normalerweise vermag. Wenn Kinder schlecht gelaunt sind, ist das für die Mutter meist ein deutliches Zeichen, dass sie etwas „ausbrüten“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Schwierige Gefühlskontrolle&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Wenn man anfängt sich zu schulen, z.B. indem man mit &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“&#039;&#039;[2] zu arbeiten beginnt, merkt man, wie ungehobelt und unerzogen das eigene Gefühlsleben noch ist. Mit dem Denken und dem Wollen zu arbeiten, ist relativ leicht. Das Gefühlsleben ist am schwersten zugänglich, weswegen bei den Nebenübungen die Gefühle erst an dritter Stelle genannt werden: Zuerst wird die Gedankenkontrolle geübt, dann die Willens- und Handlungskontrolle und erst als Drittes, Letztes, Schwierigstes im Seelenleben die Gefühlskontrolle. Man muss im Denken und Wollen quasi bereits Tritt gefasst haben, bevor man sich an diese sensible Mitte wagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Quelle auf der Ich-Ebene – Michael-Impuls ====&lt;br /&gt;
Mit der Ebene des Wortes sind wir beim Kern, beim Ich-Impuls, dem Michael-Impuls, angelangt. Man hat den Eindruck, diese Inspirationsquelle für Gesundheit und Krankheit war Rudolf Steiner besonders nahe. Sie betrifft ja die Ich-Ebene, auf der wir uns alle selbst am nächsten sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wirkt das Ich nun kränkend?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann es heilend wirken?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Paracelsus[3] nennt das Ich den „Indwendig-Arzt“. Für Albert Steffen[4] war offensichtlich: Das niedere Selbst kränkt, das Höhere Selbst heilt. So versuchte er auch in seinen Dramen das Niederste, aus dem heraus seine Figuren handelten und Verbrechen begingen, immer wieder in Zwiesprache zu bringen mit dem Hohen, dessen verzerrtes Abbild das Niedere ist, sodass die tiefe Selbstkränkung, wenn die niedere Natur siegt, durch das heilsame Einwirken des höheren Menschen ausgeglichen werden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Quelle auf dem menschheitlichen Plan – Christusimpuls ====&lt;br /&gt;
Die fünfte Quelle der Kränkung, die menschheitliche Situation im Sozialen, in der wir uns heute alle befinden, hat mit den rasanten Veränderungen der heutigen Zeit zu tun. Wenn man Menschen fragt, was sie am meisten kränkt oder womit sie am wenigsten zurechtkommen, sagen die meisten der durchschnittlichen und normal gesunden Menschen, dass sie an den immer schwerer zu durchschauenden menschheitlichen Krisen, Konflikten und Problemen der heutigen Zeit leiden. Das zu kompensieren, in alledem froh und lebensbejahend zu bleiben, sich angesichts dieser schwierigen Zeitverhältnisse aufrecht zu halten, macht dem Menschen heute viel mehr Mühe, als persönliche Probleme zu kompensieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese fünfte Krankheitsquelle kann nur durch eine menschheitlich weitblickende Perspektive zur Gesundheitsquelle verwandelt werden. Denn man läuft Gefahr am Augenblick zu verzweifeln, wenn man Krisen und Konflikte nicht in einem viel größeren Zusammenhang sehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag „Das Therapeutische in der Dichtung von Albert Steffen“ anlässlich der Steffen-Ausstellung am Goetheanum, Neujahr 2010&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Jungmedizinerkurs&#039;&#039;, GA 316.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?&#039;&#039;, GA 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Philippus Theophrastus Aureolus Bombastus von Hohenheim, getauft als Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, (* vermutlich 1493 in Egg, Kanton Schwyz; † 24. September 1541 in Salzburg) war ein Arzt, Alchemist, Astrologe, Mystiker, Laientheologe und Philosoph. Paracelsus hinterließ zahlreiche deutschsprachige Aufzeichnungen und Bücher medizinischen, astrologischen, philosophischen und theologischen Inhalts, die größtenteils erst nach seinem Tod gedruckt wurden. (wikipedia)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Albert Steffen (* 10. Dezember 1884 in Wynau; † 13. Juli 1963 in Dornach) war ein Schweizer Schriftsteller und Anthroposoph. Nach dem Tode Rudolf Steiners war Steffen ab 1925 dessen Nachfolger als Vorsitzender der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft. (wikipedia)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FÖRDERUNG VON PATIENTENKOMPETENZ ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist unter Patientenkompetenz zu verstehen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielt der Patient im Gesundheitssystem?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sind seine Möglichkeiten, ja Aufgaben in Bezug auf die nötigen Reformen des Gesundheitswesens?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Notwendige Demokratisierung des Gesundheitswesens&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Bereits 1920 hat Rudolf Steiner in einem seiner öffentlichen Vorträge die „Demokratisierung des Gesundheitswesens“ gefordert.[1] Ärzte, Apotheker, Hersteller und Verbraucher seien herausgefordert, gemeinsam und in Partnerschaft mit den Patienten bzw. Bürgern Mitverantwortung für die Gestaltung des Gesundheitswesens zu übernehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Zielsetzung fühlt sich die Anthroposophische Medizin bis heute verpflichtet. So werden der Gesundheitsaufklärung und Prävention, aber auch der Hilfestellung für eine vertretbare Selbstmedikation viel Aufmerksamkeit geschenkt.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinzu kommt ein großes Engagement für eine gesundheitsfördernde Erziehung und Umgebungsgestaltung einschließlich gesunder Ernährung und nachhaltiger biologischer und biologisch-dynamischer Landwirtschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Mündiger Patient als Regulator&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die inzwischen chronisch gewordene Diskussion um die Reform des Gesundheitswesens zeigt zudem deutlich, dass selbst die besten Ideen für eine Neustrukturierung des Gesundheitswesens zu keiner befriedigenden Kostenregulierung führen können, wenn sich nicht der mündige Patient mit als Regulator empfindet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gehört heute zur Patientenkompetenz, sich selbst auch Gedanken zur Gesundheitsvorsorge sowie zu bestimmten diagnostischen und therapeutischen Verfahren zu machen und letztlich zu bestimmen, was geschehen soll. Auch ist schon lange evident, in welch hohem Maß der Patient de facto für seine Gesundheit Verantwortung trägt. Spätestens anlässlich einer Operation wird ihm bewusst, dass der Arzt zwar über die damit verbundenen Risiken aufklärt und sein Bestes tut, er selbst jedoch mit den Risiken und Folgen zu leben hat und folglich Entscheidungsträger sein muss. Es ist keine Frage, dass medizinische Grundkenntnisse heute zur notwendigen Allgemeinbildung gehören und das menschliche Selbstverständnis in Gesundheit und Krankheit mit­prägen. Apotheker und Ärzte werden daher zunehmend in ihrer Lehr- und Berufskompetenz gefordert, um die erforderliche Hilfe zur Selbsthilfe leisten zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Artikel in der Deutschen Apothekerzeitung DAZ Nr. 39, 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Hygiene als soziale Frage, in: Physiologisch-Therapeutisches auf Grundlage der Geisteswissenschaft&#039;&#039;, GA 314. Dornach 1989, S. 221-261.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] M. Glöckler, B. Emde, &#039;&#039;Anthroposophische Medizin, in: Komplementärmedizin für die Kitteltasche. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation,&#039;&#039; Stuttgart 2009 und ders.: &#039;&#039;Anthroposophische Medizin, In: Komplementärmedizin für Kinder. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation&#039;&#039;, Stuttgart 2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ANTHROPOSOPHISCHE PSYCHOTHERAPIE ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist das Besondere an der anthroposophisch inspirierten Psychotherapie?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welches Licht wirft der Karma-Gedanke auf seelisch-geistige Probleme?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Lektüre zur anthroposophischen Psychotherapie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im Hinblick auf diese Schicksalsdramatik des Menschseins sind die &#039;&#039;Mysteriendramen[1]&#039;&#039; von Rudolf Steiner ein ganz zentrales Werk. Wenn mich Biografiearbeiter, Psychologen und Ärzte, die sich für Seelenkunde interessieren, fragen: &#039;&#039;„Wie kann man sich in das Gebiet des Seelischen aus Sicht der Anthroposophie einarbeiten?“,&#039;&#039; empfehle ich gerne die pädagogischen Vorträge von Rudolf Steiner über die drei Jahrsiebte,[2] aber auch das Studium von &#039;&#039;„Grundlegendes…“[3],&#039;&#039; begleitet von der Lektüre der Karmavorträge.[4] Diese Werke sind das Fundament einer vom Schicksalsgedanken inspirierten anthroposophischen Psychotherapie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich möchte im Folgenden in aller Kürze ein paar Gesetze nennen, wie sie uns Rudolf Steiner aus seiner Forschung mitgeteilt hat – zum Überprüfen, zum Umgang damit, zum Überlegen, ob sie hilfreich sind für Ihre Arbeit. Wir können diese Forschungsergebnisse z.B. auch als Arbeitshypothese nehmen bei unserem täglichen Tun. Wenn sie sich als fruchtbar erweisen, können Sie diesen Weg weiterverfolgen, wenn nicht, greifen Sie zu anderen Werkzeugen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Karmische Ursache für seelische Erkrankungen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Auf die Frage, worin die Ursache für seelische Erkrankungen läge, antwortete Rudolf Steiner in den &#039;&#039;„Offenbarungen des Karma“[5]&#039;&#039; und in der &#039;&#039;„Akasha-Chronik“[6]:&#039;&#039; &#039;&#039;„Die Ursache für seelische Erkrankungen liegt in einem mangelnden Interesse am anderen Menschen in einem früheren Erdenleben“&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier geht es nicht darum, durch welche Faktoren es zu diesem mangelnden Interesse kam, es ist rein phänomenal betrachtet, hat mit Schuld und Unschuld nichts zu tun. Fakt ist demnach: Ein Mensch, der in seinem Erdendasein kein warmes Interesse für andere Menschen entwickeln konnte – und sei es nur für &#039;&#039;einen&#039;&#039; Menschen – dem fehlt im nachtodlichen Leben, wenn das Menscheninnere, das Seelische, Außenwelt wird, die Orientierung. Er ist dann nicht in der Lage, sich an diesem neuen Äußeren so zu orientieren, dass er sich einen neuen Körper aufbauen kann, der beim Heranwachsen ein gesundes Seelenleben ermöglicht, wenn die Wesensgliederkräfte frei werden. Das möchte ich im Folgenden kurz näher erläutern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Wesensglieder und ihre leibgebundenen und leibfreien Kompetenzen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Zum&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Physischen Leib&#039;&#039; gehört unser physischer Körper, die Sinnesorgane und die daraus resultierende Gnade der Wahrnehmung.&lt;br /&gt;
* Zum &#039;&#039;&#039;Ätherleib&#039;&#039;&#039; gehören die unbewussten leibgebundenen Lebens- Wachstums- und Regenerationsprozesse und das leibfreie Denkvermögen.&lt;br /&gt;
* Zum &#039;&#039;&#039;Astralleib&#039;&#039;&#039; gehören die leiblichen Differenzierungsprozesse, die Bewegungskompetenz und das Fühlen als leibfreie seelisch regsame Kompetenz.&lt;br /&gt;
* Zur &#039;&#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;&#039; gehören die leiblichen Integrationsprozesse, die Erlangung der richtigen Proportionen beim körperlichen Wachstum und die leibfreie Fähigkeit in Ganzheiten zu denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kind gewinnt im &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;1. Jahrsiebt&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; mithilfe der &#039;&#039;ätherischen Wachstumskräfte&#039;&#039; bis zum Zahnwechsel an &#039;&#039;Größe&#039;&#039;. Die Kräfte, die ihre Arbeit getan haben, werden sukzessive leibfrei und stehen zunehmend dem DENKEN zur Verfügung. Das Freiwerden der ätherischen Kräfte aus dem Körper kulminiert in der &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Schulreife&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;. Dieser Höhepunkt wird auch &#039;&#039;&#039;Geburt des Ätherleibes&#039;&#039;&#039; genannt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;2. Jahrsiebt&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; reifen zusätzlich die &#039;&#039;seelischen Kompetenzen&#039;&#039; heran, indem die &#039;&#039;astralen Kräfte&#039;&#039; zuerst den &#039;&#039;Leib durchdifferenzieren&#039;&#039; und, wenn sie ihre Arbeit getan haben, sukzessive leibfrei werden und das FÜHLEN ermöglichen. Die Kulmination des Freiwerdens der astralen Kräfte aus dem Körper zur &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Geschlechtsreife&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; wird auch &#039;&#039;&#039;Geburt des Astralleibes&#039;&#039;&#039; genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;3. Jahrsiebt&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; reifen die &#039;&#039;geistigen Kompetenzen&#039;&#039; heran, indem die &#039;&#039;Integrations-Kräfte&#039;&#039; der Ich-Organisation den heranwachsenden Körper in eine &#039;&#039;stimmige Ganzheit&#039;&#039; verwandeln und anschließend als WOLLEN zur Verfügung stehen. Wenn der Jugendliche ausgewachsen ist, kulminiert dieser Prozess in der &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Mündigkeit&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; bzw. selbstverantwortlicher Handlungsfähigkeit und wird auch &#039;&#039;&#039;Geburt des Ich&#039;&#039;&#039; genannt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entsprechung von Lebensprozess und seelisch-geistiger Kompetenz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Alle leibfreien Kompetenzen sind verwandelte Lebenstätigkeit des Organismus: So wie wir dank der unbewussten Lebenskräfte die Nahrung zerkleinern und aufspalten (= analytisch) und anschließend zu menschlicher Substanz zusammensetzen (= synthetisch) – dieser Prozess wird Stoffwechsel genannt – so denken wir entsprechend mit den leibfrei gewordenen bewussten Ätherkräften auch analytisch und synthetisch. Das ist nur ein Beispiel für die Entsprechung von leibgebundener Lebenskraft und leibfreier Kompetenz im Denken, Fühlen und Wollen. Man kann sagen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Denken&#039;&#039;&#039; ist metamorphosierte &#039;&#039;leibfreie Wachstumskraft&#039;&#039; (Ätherleib).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Fühlen&#039;&#039;&#039; ist metamorphosierte &#039;&#039;leibfreie Astralität&#039;&#039; (Astralleib).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wollen&#039;&#039;&#039; ist leibfreie zur Verfügung stehende &#039;&#039;Ich-Tätigkeit&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem bisher Gesagten, wollte ich den innigen Zusammenhang zwischen leiblicher Konstitution und seelisch-geistiger Disposition deutlich machen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das heißt, es hängt von der Qualität der Organe und dem Ablauf der leiblichen Prozesse ab, ob die daraus hervorgegangenen seelischen Kräfte sich frei handhaben lassen oder ob sie den Menschen überfluten, attackieren und bezwingen – was sich dann als psychisches Störungsbild zeigen kann. Ist Letzteres der Fall, bedeutet das, dass die Ich-Kompetenz, die in das Erdeninstrument des Leibes hereinleuchten und sich ihm über die Ich-Organisation mitteilen möchte, sich an den Organen nicht richtig zu spiegeln vermag und sich auch nicht im Seelischen beheimaten kann, weil die aus dem Leib hervorgegangene Seelenkonfiguration es nicht oder nur eingeschränkt zulässt. Die Qualität des seelischen Erlebens hängt also immer auch von Art und Qualität der Leibbildung ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ringen mit Schwäche bringt zukünftige Stärke&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dazu ein Beispiel: Möglicherweise leidet man darunter, dass man seelisch nicht richtig in Beziehung kommen kann zu anderen Menschen. Man erlebt sich als in sich selbst gefangen – was laut Rudolf Steiner als karmische Ursache das fehlende Interesse an anderen hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesem großen Schmerz folgt jedoch im Nachtodlichen die große Befreiung, weil man so sehr mit den Beziehungen und mit sich selbst gerungen hat, dass man für die kommende Inkarnation ein besonders geeignetes Erdeninstrument bilden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit anderen Worten: Wenn wir interessiert und ehrlich miteinander umgehen, bauen wir damit gesunde Seelenkräfte für das nächste Leben auf. Unser Bemühen ist nicht nur für dieses Leben wichtig und gut und erleichtert uns das Leben und die Arbeit. Das Interesse an anderen Menschen und am sozialen Miteinander ist zugleich die Vorbereitung für eine besonders gesunde und starke Seele im nächsten Leben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag an der Jahreskonferenz der Med. Sekt. am Goetheanum zum Thema Anthroposophische Psychiatrie, Dornach 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Vier Mysteriendramen&#039;&#039;, 1910-13, GA 14.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft&#039;&#039;, in: &#039;&#039;Luzifer-Gnosis&#039;&#039;. GA 34. Dornach 1987.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Offenbarungen des Karma&#039;&#039;, GA 120.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Aus der Akasha-Chronik&#039;&#039;, GA 11.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FRAGEN ZUM THEMA ANTHROPOSOPHISCHE MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;FRAGE:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Wie ist es, wenn man in Asien über Anthroposophische Medizin spricht?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;ANTWORT:&#039;&#039;&#039; In Asien ist Spiritualität in der Medizin viel selbstverständlicher als in Europa.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu ein konkretes Beispiel: In Indien praktiziert man Ayurveda. Wenn man dort das Anthroposophische Menschenbild erklärt, erkennt man, dass es 1:1 dasselbe ist wie das Ayurvedische. Der einzige Unterschied besteht darin, dass das ayurvedische Menschenbild und Gesundheitsverständnis in Worten und Begriffen dargestellt sind, die es nicht erlauben, eine direkte Verständnisbrücke zur naturwissenschaftlichen Medizin zu bauen. Das aber kann die Terminologie der Anthroposophischen Medizin leisten. Daher interessieren sich die Kursteilnehmer für die Anthroposophische Medizin, weil sie dadurch ihr eigenes System besser verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ging es auch einer Freundin von mir – sie ist Inderin –, die durch die Anthroposophische Medizin ihre Hindu-Spiritualität neu entdeckte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir begleiten z.B. Kollegen, die Ayurveda-Ärzte bleiben wollen, indem wir sagen: Ihr könnt anthroposophischer Ayurveda-Arzt werden. Und so haben wir dort schon anthroposophische Homöopathen zertifiziert, anthroposophische Ayurveda-Ärzte sind in Ausbildung und Schulmediziner können „normale“ anthroposophische Ärzte werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;FRAGE:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Mich interessiert, wie man die Anthroposophie, die ja stark mit dem Christentum zusammenhängt, mit anderen Religionen verbinden kann.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;ANTWORT:&#039;&#039;&#039; Das Wesentliche am Christentum ist das rein Menschliche, von dem man in jeder Kultur sprechen kann. Für den Buddhistischen Kulturkreis wird es von Buddha verkörpert, der im Herzen und in der Aura lebt, in der Gerechtigkeit, in der Wahrheit, in der Liebe, in all den Werten, deren Pflege Menschlichkeit fördern. Nur ein Wert findet sich bevorzugt und eigentlich nur im Christentum und wird dort konsequent berücksichtigt: Wert und Würde der menschlichen Freiheit, so wie sie bei Johannes im 8. Kap. veranlagt ist: &#039;&#039;„Ihr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen“&#039;&#039;.[1] Da der Christus aber von sich selber sagt: &#039;&#039;„Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“&#039;&#039;, ist klar, dass er nicht die Freiheit verkörpert, aber uns zu freien Wesen machen möchte, zu seinen Freunden – &#039;&#039;„denn ein Knecht weiß nicht, was sein Herr tut“.&#039;&#039;&#039;[2]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Da die Anthroposophie auf dem Weg der „Philosophie der Freiheit“[3] von Steiner beruht, geht es bei allem um diesen zentralen christlichen Wert, auch wenn man den Namen des Christus nur nennt, wenn es passt oder gefragt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;FRAGE:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Sie hatten von dem Paradigmenwechsel vom pathogenetischen Krankheitsbild zum integrativ-salutogenetischen gesprochen und gemeint, dass das gut machbar wäre. Ich wollte Sie bitten, noch näher darauf einzugehen, weil wir uns auch im Rahmen des Studiums sehr viele Gedanken dazu machen und uns fragen, wie es gerade in der konkreten Umsetzung in einem normalen Krankenhaus möglich wäre, so einen Paradigmenwechsel vorzuleben&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;ANTWORT:&#039;&#039;&#039; Das ist in der Praxis zugegebenermaßen sehr schwer. Deswegen braucht es Netzwerke von vielen Medizinern, die sich gegenseitig immer wieder motivieren, Mut zusprechen, Tricks verraten, was man tatsächlich machen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meiner Erfahrung nach gibt es zwei Felder, bei denen man unmittelbar ansetzen kann, auch im kommunalen Krankenhaus: Man kann präventiv-medizinisch beraten, bei der Erziehung und Selbsterziehung ansetzen. -  Wir Ärzte müssen uns schon deshalb intensiv mit Pädagogik auseinandersetzen, weil fast alle Eltern Fragen zu diesem Thema haben. Da kann man viel tun. Dazu gehören auch Selbsterziehung und Meditation und alle Themen, die innere Entwicklungsarbeit betreffen. Auch hier kann man sofort ansetzen. Beides wirkt bereits in hohem Maße salutogenetisch und hilft, ein anderes Verständnis von Krankheit und Gesundheit zu bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem kann man schulmedizinische Präparate viel sorgfältiger indizieren als üblich – das Einverständnis des Patienten vorausgesetzt. Nicht aus Sicherheitsgründen bei jeder Krankheit „Gürtel und Hosenträger“ zum Einsatz bringen, bildlich gesprochen. Auch erlebe ich, dass in der Onkologie gerade Krebspatienten fragen: Gibt es nicht noch etwas anderes? Dann kann man von den Mistelpräparaten erzählen, auch im öffentlichen Krankenhaus. Wenn Patienten fragen, sollte man ehrlich antworten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner sprach von der Demokratisierung des Gesundheitswesens.[4] Patienten, Leistungserbringer, Krankenversicherungen, Kommunalpolitiker – sie gehören an einen Tisch und sollten auf Augenhöhe beraten, wie ein gerechtes Gesundheitswesen aussehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Schweiz, in der es eine Basis-Demokratie gibt, haben wir es nur durch Volksabstimmung geschafft, die Komplementärmedizin in die Bundesverfassung aufzunehmen. TCM (trad. Chinesische Med.), Homöopathie, Phytomedizin und Anthroposophische Medizin müssen von den Kassen über die Grundversicherung erstattet werden, weil diese Verfahren jetzt Bestandteil der Bundesverfassung sind, also praktisch Grundgesetz. Auch in Deutschland könnte es eine solche Volksbewegung geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir das schaffen würden, auf einem ähnlichen Wege eine demokratische Gesundheitsbewegung auf die Beine zu stellen, die verlangt, dass das Grundgesetz uns die freie Therapiewahl garantiert, dass man Ärzte und medizinische Verfahren selbst wählen darf und die Krankenkassen das bis zu einem gewissen Grad erstatten müssen, wären wir einen Riesenschritt weiter. Ohne den gegenseitigen Ansporn einer guten Vernetzung wird es aber nicht gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe kürzlich bei einer Tagung zur Organtransplantation Pim van Lommel getroffen. Er hielt einen schönen Vortrag über außerkörperliche Erfahrungen seiner kardiologischen Patienten, über das „ewige Bewusstsein“. Am Ende forderte er auch den Paradigmenwechsel, Spiritualität als Realität anzuerkennen, weil die außerkörperliche Erfahrung wahr ist und in die Medizin integriert werden muss. Ich fragte ihn, wie er sich das vorstellt. Er sagte, er erwarte nichts mehr von der Wissenschaft, sondern alles von der Zivilgesellschaft. Dort wäre noch gesunder Menschenverstand vorhanden. Die Wissenschaft sei „eingekauft“ und viel zu fremdbestimmt durch Gelder aus der Wirtschaft, von denen sie abhängig ist. Von der Seite könne man den Paradigmenwechsel nicht erwarten. Solange man viel Geld verdient mit der Krankheit, wird man nicht freiwillig einen Paradigmenwechsel anstreben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;FRAGE:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Ich fand sehr interessant, dass das Menschenbild in der Anthroposophischen Medizin sich auch vergleichen lässt mit dem Menschenbild anderer Ausrichtungen. Sie sprachen von einer transzendenten Ebene im Körper, die nach dem Tode den Körper verlässt. Gibt es dazu ein Konzept in der AM, das besagt, was mit dieser Ebene nach dem Tode passiert?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;ANTWORT:&#039;&#039;&#039; Ich schreibe einige Werke von Rudolf Steiner dazu auf: GA ist die Abkürzung für das Wort Gesamtausgabe, die 358 Bände umfasst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GA 27 ist das Grundlagenwerk für die Medizin,[5] in dem das neue Gesundheits-Paradigma beschrieben wird. Dort wird auch charakterisiert, wie es zu dem „ewigen Bewusstsein“ kommt und wie es funktioniert: Wir denken mit der Lebenstätigkeit – den ätherischen Kräften, die unser Körper nicht (mehr) für Wachstum und Regeneration braucht. Warum ist Beten, Spiritualität gesund? Weil es die Lebenskräfte sind, die wir dabei betätigen – was natürlich gesundend zurückwirkt auf den Körper. Körperleben und Gedankenleben (Geistesleben) sind nicht getrennt. Beim Altern nimmt das Geistesleben zu und das Körperleben ab, das unterscheidet sie, aber sie bleiben bis zum Tod immer verbunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Studium des Nachtodlichen würde ich euch raten, folgende Werke zu studieren: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
·      &#039;&#039;„Inneres Wesen des Menschen und Leben zwischen Tod und neuer Geburt“,&#039;&#039; GA 153.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
·      Dann gibt es noch einen sehr schönen Zyklus: &#039;&#039;„Der Tod als Lebenswandlung“,&#039;&#039; GA 182,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
·      und auch &#039;&#039;„Das Leben zwischen dem Tode und der neuen Geburt im Verhältnis zu den kosmischen Tatsachen“&#039;&#039;, GA 141.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
·      Mein Lieblingsbuch ist GA 10, &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten“&#039;&#039;, das Schulungsbuch für die Selbstentwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn das habe ich bemerkt: Wenn man keine echte Freude an der Selbstentwicklung hat, ist man auch nicht wirklich motiviert, andere in ihrer Entwicklung zu unterstützen. Man muss Experte werden in Sachen Entwicklung. Dazu gehört auch das Thema Unvollkommenheit, Spaß am Lernen – und nicht zu meinen, man dürfe keine Fehler machen. Durch meine kinder- und schulärztliche Tätigkeit bin ich zum Fehler-Apostel geworden. Jeder muss seine Fehler machen dürfen, weil man nur so authentisch wird. Angesichts von Fehlern sollten wir uns gegenseitig auf die Lektion hinweisen, die dadurch gelernt werden kann. Nur so können wir ein ungestörtes Verhältnis zu Fehlern entwickeln. Dieses Buch ist dabei eine große Hilfe. Es beschreibt die Entwicklung von Alpha zu Omega. Auch wenn Patienten weiterentwickelt sind als wir und Fragen bezüglich des inneren Weges haben, hilft es den Weg als Ganzes zu kennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur Anthroposophischen Medizin, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] &#039;&#039;Neues Testament, Johannes&#039;&#039; 8, 32.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ebenda, 15, 15.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Philosophie der Freiheit,&#039;&#039; GA 4, Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1995.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Hygiene als soziale Frage. In: Physiologisch-Therapeutisches auf Grundlage der Geisteswissenschaft.&#039;&#039; GA 314. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1989, S. 221 - 261.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner/Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen&#039;&#039;, GA 27 (1991).&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Offenborn</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Zur_%22Erweiterung_der_Heilkunst%22_%E2%80%93_von_Michaela_Gl%C3%B6ckler&amp;diff=1261</id>
		<title>Zur &quot;Erweiterung der Heilkunst&quot; – von Michaela Glöckler</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Zur_%22Erweiterung_der_Heilkunst%22_%E2%80%93_von_Michaela_Gl%C3%B6ckler&amp;diff=1261"/>
		<updated>2026-01-17T17:45:59Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Offenborn: /* 5. Therapeutischer Einfluss von Bewegungsübungen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Auszüge aus Büchern und Vorträgen von [[Michaela Glöckler]]; Erstveröffentlichung auf &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE THEMENSCHWERPUNKTE VON „GRUNDLEGENDES FÜR EINE ERWEITERUNG DER HEILKUNST“ ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie ist dieses Grundlagenwerk der Anthroposophischen Medizin&#039;&#039;[1] &#039;&#039;aufgebaut?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zur inneren Gliederung des Werkes&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das Buch hat vier thematische Schwerpunkte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Mensch und Makrokosmos – Kap. 1 bis 7&lt;br /&gt;
# Ursachen für Stoffwechselerkrankungen – Kap. 8 bis 12&lt;br /&gt;
# Therapie-Kapitel – Kap. 13 bis 18&lt;br /&gt;
# Wirkprinzipien von Arzneimitteln und Heileurythmie – Kap. 19 bis 21&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In aller Kürze kann man sagen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;In den Kapiteln 1 bis 18&#039;&#039;&#039; wird das „medizinische System“ skizziert, das als Grundlage einer „rationellen Diagnostik und Therapie“ dienen möchte.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die beiden Schlusskapitel&#039;&#039;&#039; geben dann Einblick in die Praxis und zeigen, wie sich naturwissenschaftliche Medizin und das medizinische System der Anthroposophie gegenseitig ergänzen und inspirieren können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ad1. Mensch und Makrokosmos – Kap. 1 bis 7 ====&lt;br /&gt;
Hier werden die Grundlagen zum Verständnis der Gesundheit erörtert. Es wird das viergliedrige Menschenbild eingeführt in Form von vier regulierenden, ordnenden Kraftsystemen, die in ihrem Zusammenwirken die – funktionell dreigliedrige – menschliche Konstitution bilden. Auch wird das Verhältnis des gesunden Mikrokosmos Mensch zum Makrokosmos herausgearbeitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den ersten fünf Kapiteln werden darüber hinaus die Grundlagen für ein spirituelles Substanz-Verständnis gelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im ersten Kapitel&#039;&#039;&#039; wird das Geheimnis des Merkurstabs enthüllt, indem auf die Bedeutung der Metamorphose der Wachstumskräfte in Gedankenkräfte eingegangen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im zweiten Kapitel&#039;&#039;&#039; wird eingehend erläutert, wie Krankheit dadurch entstehen kann, dass der Mensch zwar geistig seelisch tätig ist, aber in Einseitigkeit und Irrtum verfällt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im dritten bis fünften Kapitel&#039;&#039;&#039; werden die mikrokosmische und makrokosmische Natur der menschlichen Wesensglieder und ihrer spezifischen Kräftekonfigurationen eingeführt. Es wird aber auch in zu Herzen gehender Weise geschildert, welchen Opfergang und welches Schicksal die Welt der irdisch gewordenen Substanzen dabei erfährt. Und wie dieser Opfergang der Substanzen seine Erlösung und Erfüllung findet, wenn die Substanz im Menschen &#039;&#039;„geisttragend“&#039;&#039; werden kann. Wenn &#039;&#039;„geistgetragene Menschenseelen“&#039;&#039; diesem Opfer zum Segen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im sechsten Kapitel&#039;&#039;&#039; wird dann das embryonale Bildegeschehen des menschlichen Körpers so dargestellt, dass man die physiologischen Prozesse des Wesensgliederwirkens denken lernen und sich für die verschiedenen Organbildungen anschaulich machen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im siebten Kapitel&#039;&#039;&#039; wird der entwicklungsoffene, in sich &#039;&#039;nicht&#039;&#039; abgeschlossene gesunde Gesamtorganismus geschildert und daran das Prinzip der Selbstkränkung und das Wesen der Selbstheilungskräfte verdeutlicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ad 2. Ursachen für Stoffwechselerkrankungen – Kap. 8 bis 12 ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Kapitel acht bis zwölf&#039;&#039;&#039; behandeln die fünf Hauptursachen pathologischer Prozesse. Sie beschreiben die fünf zentralen Ursachen der Entstehung von Erkrankungen des Stoffwechsels. Diese werden anhand der Wirkweise von Zucker, Eiweiß, Fett, Harnsäure und Wärme anschaulich gemacht. Dabei werden auch die diese Stoffwechselprozesse regulierenden Wesensglieder in ihrem leiblich-seelischen Wirken anschaulich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ad 3. Therapie-Kapitel – Kap. 13 bis 18 ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Es folgen fünf Therapie-Kapitel&#039;&#039;&#039;, in denen die therapeutische Regulierung des Verhältnisses zwischen Ätherleib und Astralleib im Mittelpunkt steht, dann die regulierende Kraft der Ich-Organisation, dann die mögliche Schwächung der physisch-ätherischen Konstitution im Laufe des Älterwerdens, das Prinzip der Arzneimittelfindung und die Einführung in das Wesen der Substanzerkenntnis als Grundlage der Heilmittel-Erkenntnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ad 4. Wirkprinzipien von Arzneimitteln und Heileurythmie – Kap. 19 bis 21 ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;In den letzten drei Kapiteln des Buches&#039;&#039;&#039; werden charakteristische Krankheitsfälle und typische Heilmittel vorgestellt. Sie sind dem Wirkprinzip der Heileurythmie gewidmet, geben einen Einblick in die Praxis der Anthroposophischen Medizin anhand von neun individuellen Krankheitsfällen und nennen den Einsatz von Arzneimitteln, die bestimmten typischen Erkrankungen angepasst sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;„Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; wurde bis heute bis auf wenige Anmerkungen und Hinweise zur Entstehung und Autorschaft unverändert nachgedruckt. Es hat über drei Generationen hinweg vielen Fachleuten auf dem Gebiet der Anthroposophischen Medizin die nötige Grundorientierung gegeben, um das akademisch erworbene Wissen auch unter spirituellen Gesichtspunkten anzuschauen und es so im Einzelfall praktisch anwendbar zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Werk stellt im Grunde einen Lehrgang dar, der – wie es Ita Wegman in ihrem damals nicht veröffentlichten Vorwort zu diesem Buch schreibt – jeden Arzt in die Lage versetzt, selbst die Krankheiten geistig anzuschauen, wenn er bereit ist, das „&#039;&#039;ganz richtige Lesen dieses Buches“&#039;&#039; zu üben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Raphael und die Mysterien von Krankheit und Heilung“, Medizinische Sektion am Goetheanum 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen,&#039;&#039; GA 27, Dornach 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Zu Rudolf Steiners Verständnis der Anthroposophischen Medizin als einer im Gegensatz zur Schulmedizin, wahrhaft rationellen‘ Heilkunst siehe auch das Vorwort der &#039;&#039;„Erweiterten Heilkunst“&#039;&#039;. Elemente für eine echte Ratio zusammenzutragen, wie sich aus der Diagnose die Therapie ergibt, war bereits Hauptanliegen im ersten Kursus für Mediziner im Jahr 1920 gewesen: Vgl. Steiners &#039;&#039;„Geisteswissenschaft und Medizin“&#039;&#039;, GA 312.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE KAPITEL I–VII: GRUNDLAGEN ZUM VERSTÄNDNIS DER GESUNDHEIT[1] ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was zeichnet den gesundheitswissenschaftlichen Ansatz der Anthroposophischen Medizin aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie unterscheidet er sich von dem pathogenetischen Ansatz der naturwissenschaftlich basierten Schulmedizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Reformen wünschte Rudolf Steiner bereits zu seinen Lebzeiten?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zukunftsweisender gesundheitswissenschaftlicher Ansatz der AM&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Kapitel I–VII umfassen den gesundheitswissenschaftlichen Ansatz der Anthroposophischen Medizin. Unter ‚Volksgesundheit‘ verstand man am Anfang des 20. Jahrhunderts im Wesentlichen hygienische Maßnahmen, genügend Schlaf, gesunde Ernährung und Lebensführung.[2] Noch heute stellen Medizinstudenten und Ärzte immer wieder erstaunt fest, wie wenig sie darüber hinaus während ihres Studiums über die Entstehung von Gesundheit erfahren haben im Gegensatz zur Aufklärung über Krankheitsentstehung, d.h. Pathogenese.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der pathogenetische Ansatz der naturwissenschaftlich basierten Medizin bzw. Schulmedizin hat gegenwärtig mit der molekulargenetischen Steuerungsebene eine gewisse Kulmination erreicht, die in Zukunft mithilfe der Digitalisierung noch weiter optimiert werden wird. Parallel zu dieser Entwicklung hat aber auch die Wissenschaft von den Nebenwirkungen der pathogenetisch fokussierten Therapie zugenommen.[3] Daher wird von naturwissenschaftlicher Seite argumentiert, dass ein Arzneimittel, das keinerlei Nebenwirkungen hat, auch nicht wirksam sein kann. Und alles Bestreben geht dahin, Nebenwirkungen bestmöglich zu minimieren bzw. durch den Einsatz anderer Arzneimittel zu kompensieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesem pathogenetisch orientierten Ansatz steht der gesundheitswissenschaftlich-salutogenetische gegenüber. Dieser hat seine Entwicklung und Kulmination noch vor sich. Er etabliert sich seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erst langsam in der akademischen Welt. Es ist jedoch zu hoffen, dass er dennoch in nicht allzu ferner Zeit die Mitte der Gesellschaft erreichen wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Paradigmenwechsel als politische und wirtschaftliche Herausforderung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Denn der Paradigmenwechsel der Umorientierung von der Verhütung von Krankheit zur Förderung von Gesundheit ist zwar proklamiert – ihn lebenspraktisch zu machen ist und bleibt aber die noch bestehende große soziale und politische und nicht zuletzt wirtschaftliche Herausforderung. Denn: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann man an der Gesundheit verdienen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wer macht dafür Lobbyarbeit?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und: Was braucht es alles zur auch gedanklich-konzeptionellen Neuausrichtung und Umstrukturierung der Ausbildung für die Gesundheitsberufe, insbesondere der Ärzteschaft?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Wie weit man davon noch entfernt ist, hat auch das weltweit durchgreifende Corona-Pandemie-Management gezeigt, das ausschließlich pathogenetisch orientiert war. Salutogenetisch orientierte Auffassungen bezüglich Erkrankungsrisiken, Prävention und Therapie wurden auch in der medialen Berichterstattung konsequent ausgeblendet oder sogar lächerlich gemacht und bekämpft. Dabei konnten nicht zuletzt auch die anthroposophischen Krankenhäuser auf ihren Intensivstationen dank ihres integrativmedizinischen Vorgehens&#039;&#039; &#039;&#039;auch bei Schwerkranken erstaunlich gute Behandlungsergebnisse aufzeigen.“[4]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die fortschrittliche Medizin ebenso pathogenetisch orientiert, wie es der heutige Mainstream der Medizin immer noch ist. Im Mittelpunkt stand das neue Paradigma einer modernen Zellularpathologie, mit der Aussicht, immer mehr pathologische Prozesse diagnostisch bis auf die molekulare Ebene im Zellstoffwechsel zu erforschen.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Rudolf Steiners Ruf nach Reformen in der Medizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Demgegenüber eröffnete Steiner seinen ersten Kurs für Anthroposophische Medizin 1920 mit den Worten: &#039;&#039;„[…] es ist ja ziemlich selbstverständlich, daß von dem, was Sie wahrscheinlich alle erwarten von der Zukunft des medizinischen Lebens, nur ein sehr geringer Teil in diesem Kursus wird angedeutet werden können, denn Sie alle werden ja mit mir darinnen übereinstimmen, daß ein wirkliches, zukunftssicheres Arbeiten auf dem medizinischen Felde von einer Reform des medizinischen Studiums als solchem abhängt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Man kann nicht mit dem, was man in einem Kursus mitteilen kann, eine solche Reform des medizinischen Studiums auch nur im Entferntesten anregen, höchstens in der Weise, daß in einer Anzahl von Menschen der Drang entsteht, mitzutun bei einer solchen Reform. […] Dasjenige, was in diesen Vorträgen beigebracht werden soll, das möchte ich erreichen dadurch, daß ich in einer Art von Programm verteile das zu Betrachtende in der folgenden Weise: Erstens möchte ich Ihnen geben einiges, das hinweist auf die Hindernisse, die im heutigen gebräuchlichen Studium bestehen gegen eine wirklich sachgemäße Erfassung des Krankheitswesens als solchem. Zweitens möchte ich dann andeuten, in welcher Richtung eine Erkenntnis des Menschen zu suchen ist, die eine wirkliche Grundlage für das medizinische Arbeiten abgeben kann. Drittens möchte ich auf die Möglichkeiten eines rationellen Heilwesens hinweisen durch die Erkenntnis der Beziehungen des Menschen zur übrigen Welt.“[6]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als viertes wünschte er sich Fragen aus dem Teilnehmerkreis, weil er seine Ausführungen ganz nach den Bedürfnissen der anwesenden Fachleute und Studierenden richten wollte.[7]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entwicklung von ganzheitlichen Therapieformen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Seither haben sich auch andere an der ‚Ganzheit Mensch‘ und einem neuen Gesundheits- bzw. Krankheitsverständnis orientierte Therapieformen entwickelt – insbesondere seit dem Zweiten Weltkrieg. Beispielhaft seien &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Gestalttherapie&#039;&#039;&#039;[8] genannt,&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Viktor Frankls (1905–1997)&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Logotherapie&#039;&#039;&#039;[9]&lt;br /&gt;
* und die &#039;&#039;&#039;humanistische Psychotherapie.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kapitel I bis VII zeigen den methodischen Ansatz für einen solchen Paradigmenwechsel aus anthroposophischer Perspektive auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[10]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Hierbei handelt es sich um Kapitel aus dem Grundlagenwerk von Rudolf Steiner und Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Siehe z. B. Steurer-Stuttgart (1919), Fuchs-Wolfring (1912), Dennig (1919).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Vgl. Ammon (2001); Stolze (2014).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Vgl. COVID-19: www.anthromedics.org/PRA-0939-DE; [6.1.2025].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. Schipperges (1985).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaft und Medizin,&#039;&#039; GA 312, S. 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Ebenda, S. 14.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Vgl. Boeckh (2015).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. Frankl (2005).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== KAPITEL VIII–XII: DIE FÜNF HAUPTURSACHEN PATHOLOGISCHER PROZESSE[1] ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worum geht es in diesen Kapiteln?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Parallelen gibt es zu Paracelsus Sichtweise auf Krankheitsursachen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Regulationsmöglichkeiten bietet das Wesensglieder-Konzept?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fünf prinzipielle pathophysiologische Erscheinungen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die fünf der Pathologie gewidmeten Kapitel haben paradigmatischen Charakter. Es geht nicht um einzelne Krankheitsbilder – obgleich Beispiele genannt werden – es geht um prinzipielle pathophysiologische Erscheinungen aufgrund typischer Ungleichgewichte im Zusammenspiel der Wesensglieder. So wundert es auch nicht, dass so prominente Krankheitsbilder wie z.B. der Krebs keine Erwähnung finden. Auch die Mistel (Viscum album), als das bekannteste anthroposophische Arzneimittel – obgleich bereits seit 1917 durch Wegman in ihrer Zürcher Praxis im Einsatz[2] – findet (in Kapitel XX) keine Erwähnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht vielmehr um Beschreibungen pathologischer Stoffwechselprozesse, die bei der Verdauung der Grundnahrungsmittel: Kohlenhydrate, Eiweiße, Fette auftreten können (Kap. VIII–X) sowie die Pathophysiologie der Gicht-Erkrankung, die als Beispiel einer meist hereditären, d.h. genetisch bedingten, Stoffwechselstörung auftritt (Kap. XI). Zuletzt werden in Kapitel XII typische Regulationsweisen im labilen Gesundheits-Krankheits-Kontinuum aufgezeigt, das jederzeit in Richtung Krankheit entgleisen oder sich in Richtung Gesundheit entwickeln kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es zeigt sich bei genauerem Hinsehen, dass diese fünf Schilderungen Schlüssel und Ausgangspunkt zum Verstehen aller Krankheitserscheinungen sind. Sie haben einen ebenso fundamentalen Charakter wie die anderen Kapitel im Kontext der Schrift, da die Autoren sich auf den methodischen Ansatz beschränken, den es dann unbegrenzt weiter auszugestalten und zu erforschen gilt. Die fünf Kapitel sind sozusagen Pathologie ‚in a nutshell‘, d.h. Pathologie im Keimzustand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Parallelen zu Paracelsus „quinque entibus“&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Interessanterweise sprach auch &#039;&#039;Paracelsus&#039;&#039; in seinem &#039;&#039;„Volumen Paramirum“&#039;&#039; von fünf Krankheitsursachen: &#039;&#039;„De quinque entibus“.&#039;&#039; Schaut man sich sein Konzept unter dem Aspekt der anthroposophischen Menschenkunde an, so ist darin – wie auch in den fünf Pathologie-Kapiteln der Erweiterung der Heilkunst – jeweils eines der vier Wesensglieder in der Hauptverantwortung für die entsprechende Regulationsstörung. &#039;&#039;Elise Wolfram (1868–1942)&#039;&#039; hat diesen Aspekt schon 1912 in einem viel beachteten Buch herausgearbeitet.[3] Sie war durch Steiners Ausführungen zu Paracelsus und seine Bedeutung für die Medizin dazu angeregt worden. Seither wurde dieser paracelsische Ansatz wiederholt von anthroposophischen Ärzten mündlich und schriftlich dargestellt.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;„Volumen Paramirum“&#039;&#039; lässt Paracelsus sechs Ärzte sich um einen an der Cholera verstorbenen Patienten versammeln, fünf als Vertreter bestimmter medizinischer Auffassungen (‚Sekten‘), während der sechste Paracelsus selbst ist. Gründlich werden in diesem Zusammenhang fünf mögliche Ursachen und deren jeweilige Beschleuniger abgehandelt: das ‚Ens astrale‘, ‚Ens veneni‘, ‚Ens naturale‘, ‚Ens spirituale‘ und ‚Ens deale‘. Man möchte wissen, welches ‚Ens‘ letztlich verantwortlich war für den Tod, denn nicht alle Cholerakranken starben bei der Epidemie. Es muss also verschiedene Ursachen geben, warum dieser Mensch erkrankt bzw. verstorben ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Ens astrale – physischer Leib ====&lt;br /&gt;
Hier liegt die Ursache entweder in den individuellen Schicksalsgegebenheiten eines Menschen, der durch seine Geburt in einer bestimmten Erdgegend, einem bestimmten Volks- und Familienzusammenhang sowie entsprechenden sozialen Verhältnissen lebt, und den daraus resultierenden, der Gesundheit schädlichen oder sie fördernden Einflüssen ausgesetzt ist. Diese primär physische Krankheitsursache, zu der auch das kontaminierte Wasser gehört, das die Cholera-Epidemie verursacht hat, wird bezeichnenderweise von Paracelsus ‚Ens astrale‘ genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird dabei auf das Geburtshoroskop verwiesen, auf den ganzen Schicksalskontext dieses bestimmten Menschen in seinem makro-mikrokosmischen Zusammenhang. Dabei unterscheidet Paracelsus klar den Einfluss der Gestirne auf den Menschen als ‚Ens virtutis‘ von dem ‚Ens seminis‘, dem von der Erde stammenden Erbgut, das für die Körperkonstitution verantwortlich ist und damit ebenfalls für möglichen Schutz vor Erkrankung oder aber begünstigend für ihr Auftreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überträgt man diese Vorstellungen in die anthroposophische Terminologie, so geht es hier um den Einfluss der physischen Organisation in Resonanz mit dem auf sie einwirkenden Schicksalsumkreis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ens veneni[5] – Ätherleib ====&lt;br /&gt;
Hier wird auf den Ursachenzusammenhang gewiesen, der mit der Ernährungsweise und dem Lebensstil zusammenhängt und dem rechten Maß im Sinne des berühmten Spruches: &#039;&#039;„Dosis facit venenum“&#039;&#039;, d.h., nur die richtige Dosierung, das richtige Maß des jeweils zur Anwendung kommenden Heilmittels ist das Gesundheit stiftende. Diesem Aspekt entspricht in der Anthroposophischen Medizin die ätherische Organisation und die sie umgebende Lebenswelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Ens naturale – Astralleib ====&lt;br /&gt;
Dieser Ursachenkontext verweist auf das individuelle Bewusstsein des Menschen und dessen Zusammenhang mit dem Makrokosmos. Die Vielheit der Erscheinungen in der Einheit des menschlichen Bewusstseinshorizontes: das Firmament, die Elemente, die ‚complexiones‘ (konstitutionelle Gegebenheiten), die ‚humores‘ (Körpersäfte). Mit all diesen Gegebenheiten setzt sich der Mensch in seinem bewussten Seelenleben auseinander und seine Gesundheit hängt davon ab, wie er sich darin fühlt und damit umgehen lernt. In der anthroposophischen Terminologie entspricht dies der astralischen Organisation als Träger des körperbezogenen, seelisch-gefühlsmäßigen Bewusstseins und des gedanklich wachen Geist- bzw. Selbst-Bewusstseins. Hier liegt die Krankheitsursache in der „Geist- und Seelenfähigkeit“ des Menschen[6] und deren Einfluss auf die ‚humores‘, d.h. die ätherisch-physische Konstitution.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Ens spirituale – Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Diese Betrachtungsebene betrifft bei Paracelsus die magische Beeinflussung von Wesen zu Wesen. Es geht um den Menschen, der, zwischen Göttern und Dämonen lebend, Verführungen ausgesetzt ist und dessen Gesundheit auch durch Fürbitte und Gebet beeinflusst werden kann. Geistiges wirkt in jeder Beziehung direkt auf Geistiges und von dort aus auf die ihm untergeordneten Ebenen der konstitutionellen Gegebenheit. In der anthroposophischen Terminologie entspricht dies der Ich-Organisation, die über den Wärme-Organismus auf den Luftorganismus als Träger der astralischen Kräfte wirkt und durch diesen auf den Flüssigkeitsorganismus als Träger der ätherischen Kräfte – und durch diesen wiederum auf die physische Organisation, die ihrerseits dann über die Sinne und die Betätigungen während des Tageslebens auf die Ich-Organisation zurückwirkt.[7]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Ens deale – Leibfreies Seelen- und Geistesleben ====&lt;br /&gt;
Paracelsus, dessen Denken und Handeln tief in der christlichen Theologie und Kultur verankert war, spricht hier das Hereingestellt-Sein des Menschen in einen gottgewollten Entwicklungskontext an, hinorientiert auf die beiden menschlichen Kernkompetenzen Freiheit und Liebe. Zusammengefasst heißt es bei Paracelsus: &#039;&#039;„Ihr wisset, daß alle Gesundheit und Krankheit von Gott kommt und nichts vom Menschen, und ihr müßt die Krankheiten der Menschen in zween Gruppen teilen, in natürliche und in solche zur Züchtigung. Die natürlichen, das sind das erste, zweite, dritte und vierte ens: das flagellum ist das fünfte.“[8]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten vier ‚Entien‘ entsprechen im anthroposophischen Kontext den vier Wesensgliedern, das fünfte hingegen der ‚quinta essentia‘, dem von der körperlichen Gebundenheit freien Seelen- und Geistesleben des Menschen, mit dem er sich bewusst in der göttlich-geistigen Welt verankern kann.[9] Es handelt sich dabei um das rein spirituelle Prinzip, von dem auch schon Aristoteles als ‚πέμπτη ουσία‘ (fünftes Seiendes) sprach: das fünfte ‚ens‘ im Sinne des Paracelsus. Hier liegt die Ursache für Krankheit und Tod sozusagen in der Hand Gottes. Hier waltet die Weisheit des Schicksals und nicht die ärztliche Kunst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Alte Sichtweisen durch Geisteswissenschaft aktualisiert&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Vergleich mit dem paracelsischen Verständnis von Krankheit und Gesundheit kann einerseits deutlich machen, wie mithilfe von Steiners Geisteswissenschaft spirituelle Sichtweisen aus früheren Jahrhunderten dem gegenwärtigen Bewusstseinszustand der Menschen neu zugänglich gemacht werden können. Andererseits kann ein solcher Vergleich auch deutlich machen, wie eigenständig und originär Steiners Forschungsansätze und Ausführungen sind. Seine Geisteswissenschaft versteht sich als ein zeitgemäßer Weg, sich das im Sinne Goethes ‚alte Wahre‘ erkennend und handelnd zu erschließen.[10]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;In den Kapiteln VIII–XI&#039;&#039;&#039; steht jeweils ein menschliches Wesensglied ursächlich für das Krankheitsgeschehen im Mittelpunkt. Wobei es stets die Schwäche der Ich-Organisation ist, die initial für die jeweils geschilderten Stoffwechselstörungen und pathologischen Prozesse verantwortlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Kapitel XII&#039;&#039;&#039; hingegen beschreibt das Ringen dieser Ich-Organisation, die konstitutionelle Balance aufrecht zu erhalten. Auffällig ist dabei, dass die vier ersten Pathologie-Kapitel in ihrer Gesamtheit Symptome und Erkrankungen beschreiben, die inzwischen als das Metabolische Syndrom bekannt sind.[11]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Das Metabolische Syndrom ====&lt;br /&gt;
Es umfasst einen Cluster von &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* (vor allem viszeraler) Adipositas, &lt;br /&gt;
* gestörter Glukosetoleranz,&lt;br /&gt;
* Fettstoffwechselstörungen,&lt;br /&gt;
* arterieller Hypertonie, einschließlich möglicher genetischer Prädispositionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gilt als Vorstufe des Diabetes mellitus Typ 2 und ist zudem prädiktiv für ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenhänge zwischen Adipositas und diversen Stoffwechselerkrankungen wurden auch schon zu Lebzeiten von Steiner und Wegman beschrieben.[12] Nach &#039;&#039;Hanefeld&#039;&#039; dokumentierte bereits &#039;&#039;Giovanni Battista Morgagni (1682–1771)&#039;&#039; den Zusammenhang zwischen viszeraler Fettsucht, Hypertonie, Gicht, Schlafapnoe und Arteriosklerose.[13] Allerdings wurde der pathophysiologische Zusammenhang dieser Erkrankungen und die das Metabolische Syndrom charakterisierende Insulinresistenz erst im Laufe des 20. Jahrhunderts deutlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Syndrome X ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gerald M. Reaven (1928–2018)&#039;&#039; wies in seiner &#039;&#039;„Banting Lecture“&#039;&#039; 1988 darauf hin und beschrieb den Symptomenkomplex als das &#039;&#039;„Syndrome X“.[14]&#039;&#039; Zu ihm gehören die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Insulinresistenz, &lt;br /&gt;
* Hyperinsulinämie,&lt;br /&gt;
* Glukosestoffwechselstörung,&lt;br /&gt;
* Fettstoffwechselstörung&lt;br /&gt;
* und Hypertonie.&lt;br /&gt;
* Erst viel später wurden weitere, pathophysiologisch relevante Aspekte wie die &lt;br /&gt;
* low-grade-inflammation beschrieben.[15]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Aktualität der beschriebenen Krankheitsprozesse&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Interessanterweise thematisiert &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[16]&#039;&#039; durch die Abfolge der Kapitel VIII–X bereits die syndromale Entität dieses heute als Metabolisches Syndrom bekannten Krankheitsgeschehens und weist darüber hinaus eindrücklich auf den Diabetes mellitus als Folge-Erkrankung hin (Kap. VIII).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Erwähnung „parasitäre[r] Wärmeherde“[17] im Kapitel X, im Zusammenhang mit dem Fettgewebe, bekommt unter dem Aspekt der inzwischen bekannten proinflammatorischen Wirksamkeit zahlreicher Adipokine eine geradezu überraschende Aktualität – ebenso wie der regulativ-systemische Ansatz zu Verständnis und Behandlung der Erkrankung. Auch wenn der Insulinmangel bei Diagnose und Therapie gegenwärtig immer noch im Vordergrund steht, so wurden doch inzwischen so viele unterschiedliche Beeinflussungen der Insulinresistenz bestimmter Gewebe und möglicher Gegenregulationsformen im Organismus bekannt, dass man auch hier vor einem äußerst komplexen Wechselursachenverhältnis multimodaler Einflussfaktoren steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für diese Komplexität öffnen die fünf Pathologiekapitel die Augen und zeigen zudem klar auf, welche ganzheitlichen Regulationsprinzipien unter den vier Wesensgliedern jeweils unterstützt oder abgeschwächt werden müssen. Das anthroposophische Wesensglieder-Konzept bietet in diesem Kontext die Möglichkeit, die physische, ätherische, astralische und Ich-Organisation als die für die Gesamtregulation des menschlichen Organismus verantwortlichen Gesetzeszusammenhänge sehen zu lernen.[18]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[19]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Hierbei handelt es sich um Kapitel aus dem Grundlagenwerk von Rudolf Steiner und Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Vgl. Zeylmans van Emmichoven (2022), 67 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Vgl. Wolfram (1991).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe www.anthromedics.org; [6.1.2025].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Von lat. venerum: Gift, Medizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6]  Vgl. FN 1, S. 16.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Siehe dazu die ergänzenden Hinweise im Stellenkommentar, Anm. zu EH, 82, S. 133–140.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Paracelsus (2010), 232.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. FN 1, Kap. I, Abs. 19.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] &#039;&#039;„Das Wahre war schon längst gefunden / Hat edle Geisterschaft verbunden / Das alte Wahre, fass’ es an.“&#039;&#039; WA I/2, 82.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Dem Internisten &#039;&#039;Matthias Girke&#039;&#039; und seiner Publikation &#039;&#039;„Innere Medizin“&#039;&#039; verdanke ich fachliche Unterstützung bezüglich Referenzen und Hinweisen zu den Kapiteln VIII–XII, insbesondere zum Metabolischen Syndrom und seinen Folge-Erkrankungen. Siehe Girke (2020).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Vgl. Balke und Nocito (2013), 77–83.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] Vgl. Hanefeld und Leonhardt (1996).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] Vgl. Reaven (1988), 1595–1607.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[15] Minihane u. a. (2015), 999–1012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[16] Vgl. FN 1.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[17] Vgl. FN 1, S. 52f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[18] Zum 250. Geburtsjahr &#039;&#039;Goethes&#039;&#039; 1999 wurde eine Vorlesungsreihe an der Universität Bern veranstaltet: Goethes Beitrag zur Erneuerung der Naturwissenschaften. In seiner Vorlesung zum Thema Typusidee und Genetik führte &#039;&#039;Johannes Wirz&#039;&#039; auch für die moderne Genetik aus: &#039;&#039;„Bereits regen einige Entwicklungsbiologen und Genetiker eine Neukonzeption der Gen-zentrierten Auffassung von Entwicklungsprozessen an. Duboule und Wilking schließen zum Beispiel, dass es keine Art/spezifischen Gene, sondern nur einen artspezifischen, differentiellen Gebrauch derselben gibt. […] Die kaum beachtete epigenetische Theorie von Waddington, welche die Vernetzung von Genen stärker betont als die Bedeutung einzelner Erbfaktoren, ist kürzlich durch eine viel beachtete Publikation von Strohmann wissenschaftsfähig geworden. [...] Der genetische Determinismus wird noch weiter relativiert, wenn, wie es die Tatsachen nahelegen, Lebewesen als organische Ganzheiten im Sinne Goethes verstanden werden. Das bedingt, dass ihnen neben DNA, Proteinen, Zellen und deren vielfältigen Interaktionen, die als Erscheinungsbedingungen vorhanden sein müssen, eine Qualität zugestanden wird, welche dieselben dirigiert. Die Idee der inneren Natur oder des Typus [gemäß Goethe, M. G.] fordert zudem ein erweitertes Verständnis von Vererbung.“&#039;&#039; (Wirz [2000], 324 f.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[19] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE KAPITEL XIII–XVIII: ZUR THERAPIE UND HEILKUNST[1] ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist mit der in diesen Kapiteln beschriebenen therapeutischen Denkweise gemeint?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie können Aufgabe und Wirkung einer Substanz – hier die Kieselsäure – im Organismus Vorbild für eine therapeutische Denkweise sein?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was verbindet Ich-Organisation und Kieselsäure?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Innerer Zusammenhang von Kapitel XIV, XVI und XVIII&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Diesen Kapiteln liegt eine Komposition zu Grunde, in der 2 × 3 Kapitel einen engeren inneren Zusammenhang haben, obgleich sie nicht aufeinander folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== a. Therapeutische Denkweise ====&lt;br /&gt;
Den Schlüssel zu dieser Komposition bietet der letzte Satz von Kapitel XVIII, wo es über die Heileurythmie heißt, &#039;&#039;„dass man sie durchaus als ein segensreiches Glied unserer hier dargestellten therapeutischen Denkweise ansprechen kann“.&#039;&#039;&#039;[2]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Dadurch entsteht ein unmittelbarer Bezug zu Kapitel XIV &#039;&#039;„Von der therapeutischen Denkweise“.&#039;&#039; Darin wird anhand der Wirkung der Kieselsäure im menschlichen Organismus das Wesen der in diesem Kontext gemeinten therapeutischen Denkweise geschildert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wer oder was bestimmt den Charakter einer bestimmten Denkweise?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemäß Rudolf Steiner und Ita Wegman übernimmt die Ich-Organisation, &#039;&#039;„die sich seelisch frei im Denken darlebt“,&#039;&#039;&#039;[3]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; diese Aufgabe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== b. Gestaltungskraft von Kalk und Kiesel ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was aber verbindet die Ich-Organisation mit der Kieselsäure?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dieser Frage tut sich ein weiteres Kapitel der anthroposophischen Substanz-Erkenntnis auf: die polare Wirkensweise von Kalk und Kiesel, auf die Steiner in vielen Vorträgen zu sprechen kommt. Im &#039;&#039;„Landwirtschaftlichen Kurs“&#039;&#039; heißt es, nachdem Steiner die eiweißbildenden Elemente Kohlenstoff, Sauerstoff, Stickstoff, Wasserstoff und Schwefel geschildert hat:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Um nun die feste Gestalt darzustellen, da muss es [alles Kohlenstoffhaltige, M.G.] sich auf ein tiefer liegendes Gerüste aufbauen und das ist dasjenige, was als ein ganz tiefliegendes Gerüst in unserem kalkartigen Knochengerüst enthalten ist, was aber auch enthalten ist in dem Kieseligen, das wir ja immer in uns tragen, sodass der Kohlenstoff im Menschen und auch im Tier bis zu einem gewissen Grade seine Gestaltungskraft maskiert. Er rankt sich hinauf an der Gestaltungskraft von Kalk und Kiesel. Kalk gibt ihm die irdische, Kiesel die kosmische Gestaltungskraft.“[4]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bergkristall (als SiO2 eine reine Silicium/Sauerstoffverbindung) erscheint unter diesem Aspekt wie ein Urbild. Kosmisches und irdisch machender Sauerstoff sind in reinster Stimmigkeit auf einander bezogen. Die kosmische Gestaltungskraft manifestiert sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* im Irdisch-Unbelebten in Form der Bildung von Urgestein. &lt;br /&gt;
* und bei den Lebewesen als Gerüstsubstanz.&lt;br /&gt;
* In der menschlichen Konstitution verwandelt sich in Folge der Metamorphose die leibliche Bildetätigkeit in Gedankentätigkeit in Form von Wahrnehmen und Denken und wendet sich so wieder dem Kosmos zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== c. Irdisch-kosmische Zusammenhänge verstehen ====&lt;br /&gt;
Aus anthroposophischer Perspektive[5] handelt es sich hierbei um die allumfassende kosmisch-ätherische Gestaltungskraft,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die einerseits dem Leib &#039;&#039;&#039;Leben&#039;&#039;&#039; einhaucht &lt;br /&gt;
* und andererseits Grundlage für selbstgeführtes &#039;&#039;&#039;Denken&#039;&#039;&#039; ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je mehr es gelingt, in solchen Zusammenhängen zu denken, Irdisches und Kosmisches in ihrem Aufeinander-bezogen-Sein zu erkennen, desto therapeutischer wird die Denkweise werden. Dann kann sie Lebenszusammenhänge verstehen, dem Leben dienen und gesunde individuelle und soziale Entwicklungen fördern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann kann sie endlich auch die Wunden heilen, die infolge der reduktionistischen Denkweise entstanden sind und weiter entstehen, wenn sich der atomistische Monismus nicht mit einem ganzheitlich-spirituellen Monismus Goethe’scher Prägung versöhnen lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Heileurythmie als ‚Tun‘ der Ich-Organisation&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der Heileurythmie wird diese irdisch-kosmische Tätigkeit der Ich-Organisation nicht nur ‚gedacht‘, sondern ‚getan‘. Denken, Fühlen und Wollen sind beim konzentrierten Ausüben der heileurythmischen Bewegungen dem Körper zugewendet, wodurch das Stoffwechselgeschehen und die rhythmischen Funktionen unmittelbar beeinflusst werden können. Wie sehr Bewegung und Atmungsregulierung den Gesundheitszustand beeinflussen können, ist inzwischen auch naturwissenschaftlich hinreichend belegt. Entsprechende Präventionsprogramme haben sich insbesondere in der Kardiologie seit Jahrzehnten bewährt.[6] Auch die Rehabilitationseinrichtungen bauen ihre Maßnahmen primär auf gesunde Ernährung, Bewegung, Gespräch und kulturelle Aktivitäten auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die innere Beziehung zwischen Kapitel XIV und XVIII wird ergänzt durch Kapitel XVI, das nicht ohne Grund in der Mitte steht. Dieses Kapitel handelt vom Antimon unter der Überschrift &#039;&#039;„Heilmittel-Erkenntnis“.&#039;&#039; Dabei werden die Antimonprozesse als diejenigen beschrieben, die in den menschlichen Organismus gebracht, so wirken wie die Ich-Organisation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Im menschlichen Organismus zeigt das Blut in seiner Strömung eine Tendenz, zu gerinnen. Diese Tendenz ist diejenige, die unter dem Einfluss der Ich-Organisation steht und unter ihr die Regulierung erfahren muss.“[7]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Innerer Zusammenhang von Kapitel XIII, XV und XVII&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die zweite Dreiheit handelt vom krankhaften Zusammenspiel der Wesensglieder und den für den therapeutischen Prozess charakteristischen Heilmitteln bzw. Arzneisubstanzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== a. Zwischen kränkenden und gesundenden Kräften ====&lt;br /&gt;
Hier steht das individuelle Therapiegeschehen im Vordergrund. So lautet die Überschrift von Kapitel XIII &#039;&#039;„Vom Wesen des Krankseins und der Heilung“&#039;&#039; und beginnt mit dem Wort ‚Schmerz‘ als einem Erlebnis im astralischen Leib und im Ich. Es folgt dann eine kurze Charakteristik des unterschiedlichen Zusammenwirkens der Wesensglieder im Laufe des Lebens zwischen Geburt und Tod. Hauptaugenmerk bei der Therapiefindung liegt hier auf dem sensiblen Zusammenspiel zwischen der kränkenden astralischen und der gesundenden ätherischen Organisation. Diese Betrachtung findet ihre Fortsetzung in Kapitel XV, wo es unter der Überschrift &#039;&#039;„Das Heilverfahren“&#039;&#039; heißt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Denn alle Entwicklung des menschlichen Organismus beruht darauf, dass ursprünglich die Gesamtgestaltung des physischen und ätherischen Leibes aus der Tätigkeit des Astralischen und der Ich-Organisation sich ergibt; dass aber mit zunehmendem Alter die astralische und Ich-Tätigkeit in der physischen und ätherischen Organisation weiterlaufen. Tun sie das nicht, so müssen der astralische Leib und die Ich-Organisation in einem Stadium ihrer Entwickelung in einer Art eingreifen, zu der sie in diesem Stadium nicht mehr geeignet sind.“&#039;&#039; [8]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== b. Ich-Organisation entlastende Heilmittel ====&lt;br /&gt;
Dann bedürfen sie der regulierenden Unterstützung durch Heilmittel, die die beiden oberen Wesensglieder von ihrem nicht mehr entwicklungsgerechten Eingreifen entlasten und die physische und ätherische Organisation so stärken, dass das unregelmäßige Eingreifen der oberen Wesensglieder zur Kompensation der geschwächten physisch-ätherischen Konstitution nicht mehr nötig ist. Zusätzlich kompliziert werden Diagnostik und Therapie dadurch, dass &#039;&#039;„die Richtung der Krankheitswirkungen“[9]&#039;&#039; ebenfalls verfolgt werden muss im Sinne der primären Ursache der Störung und deren Folge. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== c. Bedeutung von Ameisensäure und Kleesäure ====&lt;br /&gt;
Abgerundet wird die Betrachtung dieser Dreiheit mit Kapitel XVII &#039;&#039;„Substanz-Erkenntnis als Grundlage der Heilmittel-Erkenntnis“&#039;&#039;, in dem zwei Substanzen im Mittelpunkt stehen, die in der Biochemie des Zellstoffwechsels eine wichtige Rolle spielen: Ameisensäure und Kleesäure.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Hexagramm aus zwei Dreiecken&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Während die erste Dreiheit primär bezogen ist auf die Erscheinung der menschlichen Gestalt im Raum und ihrem Formaspekt im Reich der Natur, widmet sich die zweite Dreiheit dem Wandel der menschlichen Konstitution in der Zeit. Fügt man die beiden Dreiheiten zusammen, so ergibt sich das therapeutische Ur-Symbol des Hermes Trismegistos bzw. das Siegel Salomos, das Hexagramm, in dem ein Dreieck mit der Spitze nach unten sich durchdringt mit einem zweiten Dreieck, dessen Spitze nach oben weist. Es ist das ägyptisch-hermetische Zeichen für das harmonische Zusammenwirken von Makrokosmos und Mikrokosmos. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Spitze des ersten Dreiecks, die nach unten weist und dessen Basis oben ist, wäre Kapitel XIV. In der Heileurythmie wird über die rhythmisch wiederholten Bewegungsübungen daran gearbeitet, den Menschen im Raum bei der Wiederherstellung seiner urbildlichen aufrechten Gestalt zu unterstützen. Basis dafür ist eine therapeutische Denkweise, die innere Aufrichtekraft (wirklichkeitsgemäßes ‚aufrichtiges‘ Denken) und Heilmittel-Erkenntnis aus dem Mensch-Natur-Zusammenhang adäquat verbindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das zweite Dreieck, dessen Spitze nach oben weist und das seine Basis unten hat, handelt vom Schmerzerleben und dem Wesen der Krankheit als weckendem Begleiter des Menschen im Verlauf des Lebens. Es zeigt durch die Basis unten die starke Beziehung des Makrokosmos zum Menschen und den ihn umgebenden Naturreichen als heilsamem Begleiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Heilkunst als Kunstwerk Heilung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist also im Kontext dieser Ausführungen mit Heilkunst gemeint?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es handelt sich dabei um einen Diagnoseprozess, aus dem sich die Therapie unmittelbar ablesen lässt. Dazu braucht es solides medizinisches Grundlagenwissen – auch bezüglich der Gesetzmäßigkeiten der körperlich-seelischen Reifung und den Alterungsprozessen in der zweiten Lebenshälfte. Dieses Wissen und die dadurch möglichen therapeutischen Kompetenzen sind sozusagen das „Material“ für den künstlerischen Prozess. Damit aber im Einzelfall das &#039;&#039;„Kunstwerk Heilung“&#039;&#039; geschaffen werden kann, dazu braucht es die unmittelbare Beobachtung und die therapeutische Denkweise im Hier und Jetzt der konkret gegebenen Krankheitssituation in ihrem Umfeld. Im günstigen Fall sind Besserung und Heilung die Folge des therapeutischen Bemühens, an dem beide – der Behandelnde und der Betroffene – mitschöpferisch tätig sind. So gesehen handelt es sich immer auch um ein &#039;&#039;„soziales Kunstwerk“.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Dass dabei nicht nur medizinisches Wissen, sondern auch Fähigkeiten wie das Erfassen des rechten Zeitpunkts (ϰαιρός), diagnostische Empathie und therapeutische Intuition eine wichtige Rolle spielen, zeichnet den künstlerischen Prozess aus.“[10]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[11]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Hierbei handelt es sich um Kapitel aus dem Grundlagenwerk von Rudolf Steiner und Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Vgl. FN 1, S. 88.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Vgl. FN 1, S. 15.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft. Landwirtschaftlicher Kursus,&#039;&#039; GA 327, 66 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. FN 1, S. 6.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Siehe z.B. die Pocket-Leitlinie Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie. Giehlen u. a. (2021).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Vgl. FN 1, S. 79.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Vgl. FN 1, S. 74.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. FN 1, S. 75.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Vgl. Fintelmann (2016).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE KAPITEL XIX UND XX: EINBLICKE IN EINE RATIONELLE DIAGNOSTIK UND THERAPIE[1] ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit von Rudolf Steiner und Ita Wegman rund um dieses Werk?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Unter welchen Aspekten wurden die angeführten Krankengeschichten durchgesehen und veröffentlicht?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchem Zweck dienen diese Krankengeschichten?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Zur Entstehung der Textgrundlage&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während die Kapitel I bis XVIII in der Handschrift Steiners vorliegen, sind die beiden letzten Kapitel XIX und XX von Ita Wegman niedergeschrieben. Es gilt jedoch für alle 20 Kapitel dieses Buches, dass sie in intensiver gemeinsamer Arbeit von beiden Autoren verfasst wurden. Wann genau die einzelnen Kapitel entstanden sind, wissen wir zwar nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Walter Holtzapfel&#039;&#039; hatte aber als dritter Nachfolger in der Leitung der Medizinischen Sektion[2] noch viel Gelegenheit, mit Menschen zu sprechen, die den eineinhalbjährigen Prozess der Entstehung des Buches miterlebt haben. Von ihm stammt die Mitteilung, dass ein um das andere Kapitel &#039;&#039;„von den beiden Autoren gemeinsam durchgesprochen und dann zunächst von Frau Dr. Wegman formuliert und niedergeschrieben wurde. Gewiss stammt die endgültige Formulierung wohl fast immer von Rudolf Steiner.“[3]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zu den Krankengeschichten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Von den neun in das Buch aufgenommenen Krankengeschichten wurden der vierte und fünfte Fall bereits am 23. April 1924 im Rahmen einer Dornacher Ärztebesprechung von Ita Wegman vorgelesen und von Rudolf Steiner eingehend im Gespräch kommentiert.[4] So können wir davon ausgehen, dass zumindest diese Kasuistiken schon während des ersten halben Jahres der gemeinsamen Arbeit entstanden sind, d.h. dass von Beginn an die gemeinsame Arbeit am Buch stets auch in direkter Resonanz war mit konkreten Menschen und ihrem Krankheitsschicksal. Ganz abgesehen von den zahlreichen Vortragsreisen im Jahre 1924, bei denen Wegman ebenfalls mitreiste und wo ihnen jeweils Patienten vorgestellt und deren Therapie beraten worden war.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es muss an dieser Stelle aber auch klar hervorgehoben werden, dass es die Kollegin und enge Mitarbeiterin Ita Wegmans – &#039;&#039;Hilma Walter&#039;&#039; – gewesen ist, der die Dokumentationen der Krankengeschichten des &#039;&#039;„Klinisch-Therapeutischen Instituts“&#039;&#039; zu verdanken sind, die den für das Buch formulierten Texten zugrunde liegen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Dokumentationen wurden 2007 von &#039;&#039;Peter Selg&#039;&#039; in der Originalfassung herausgegeben, so dass sie heute eingehend studiert und auch im Detail mit der textlichen Abfassung in Kapitel XIX verglichen werden können.[6] So wird auch deutlich, was Wegman direkt aus Walters Kasuistiken übernommen hat und was von den Autoren gekürzt, neu formuliert und auch ausgelassen wurde. Walter hat dann auch in ihrer Endredaktion des Buches nach Steiners Tod vor der Drucklegung insbesondere die Krankengeschichten noch einmal gründlich durchgesehen und wo nötig noch etwas gestrichen, damit keiner der dort geschilderten Patientinnen und Patienten in dem gedruckten Buch wiedererkannt werden konnte.[7] Waren es doch fast ausnahmslos Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft, um die es jeweils ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zu Peter Selgs Dokumentation von Krankengeschichten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Selg hat für seine Publikation nicht nur die Krankenunterlagen dieser neun Patienten im Original studiert, sondern auch die zugehörigen Notizbucheinträge im Nachlass Hilma Walters, die Ärzte- und Patientenkorrespondenz Wegmans sowie weitere Nachlassunterlagen. So liegen die Krankengeschichten aus Kapitel XIX gesichtet und aufgearbeitet vor und sind Grundlage für weitere Forschung. Er schreibt dazu insbesondere im Hinblick auf noch zu leistende weitere Kontextualisierungen dieser Krankengeschichten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Je plastischer die Kranken- und Therapiegeschichten jedoch selbst werden (indem man zwischen dem Original der Krankenakte und der Buchwiedergabe vergleichen kann – M.G.), umso klarer wird das methodische Gewichtungs- und Auswahlverfahren der Buchdarstellung erkennbar. In diesem Sinne vermögen die hier erstmals publizierten Materialien, verschiedene Aspekte deutlicher hervortreten zu lassen, darunter auch die Zeitgestalt der (oft monatelangen) Behandlung, der einzelnen Schritte und Vorgehensweisen, der therapeutischen Erfolge, aber auch der Rückfälle und weiter bestehenden Schwierigkeiten, die Teil der Kranken- und Behandlungsgeschichte waren. Sie bieten daher Anlass und Voraussetzung für ein erneutes und eingehendes Studium der Kasuistiken selbst.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Im Rahmen dieser Dokumentation wurde konsequent davon abgesehen, die zur Darstellung kommenden diagnostischen und therapeutischen Prozesse im Einzelnen zu kommentieren und zu bewerten; ein solcher Kommentar – vor dem Hintergrund der gesamten anthroposophischen Physiologie, Pathophysiologie und Therapeutik und in Auseinandersetzung mit einer schulmedizinischen Interpretation der verschiedenen Krankheitsfälle – soll zu einem späteren Zeitpunkt erarbeitet und publiziert werden.“[8]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Leuchtende Vorbilder für&#039;&#039; &#039;&#039;Wesensgliederdiagnosen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Diese von Selg in Aussicht gestellte Publikation konnte jedoch bisher nicht realisiert werden, bzw. bleibt ein weiterhin lohnendes und erforderliches Desiderat. Denn beides – der Hintergrund der gesamten anthroposophischen Physiologie, Pathologie und Therapeutika sowie die schulmedizinische Kontextualisierung – sind große Arbeitsvorhaben, die eigentlich nur im Team zu leisten sind und viel Zeit erfordern. Dennoch kann jeder interessierte Arzt auch aus dem bis jetzt vorliegenden Material unschätzbare Anregungen für die eigene Arbeit entnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anthroposophische Internist &#039;&#039;Friedwart Husemann (1945–2022)&#039;&#039; schreibt in seinem Kurzporträt über die &#039;&#039;„Erweiterung der Heilkunst“:&#039;&#039; &#039;&#039;„Bei den Krankengeschichten geben die Autoren Wesensgliederdiagnosen und sehr individuelle Heilverfahren, die für den anthroposophischen Arzt von heute ein leuchtendes und selten erreichtes Vorbild darstellen.“[9]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[10]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Hierbei handelt es sich um Kapitel aus dem Grundlagenwerk von Rudolf Steiner und Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Nach Wegmans Tod wurde zunächst eine Interim-Gruppenleitung eingesetzt – bis dann 1963 die enge Mitarbeiterin Wegmans in ihrem Arlesheimer Klinisch-Therapeutischen Institut, &#039;&#039;Margarete Kirchner-Bockholt (1894–1973),&#039;&#039; für ihre Nachfolge nominiert wurde, die sie dann nach ihrem Ausscheiden an &#039;&#039;Holtzapfel&#039;&#039; übergab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Holtzapfel (1973), 51–53.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Physiologisch-Therapeutisches auf Grundlage der Geisteswissenschaft. Zur Therapie und Hygiene,&#039;&#039; GA 314, S. 337–349.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. Selg (2007), 15f. und 21f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Ebd., 22.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Ebd., 23f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Selg (2007), 25.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] F. Husemann (2018), 323.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE DER THERAPIEFINDUNG GEWIDMETEN KAPITEL XIV BIS XVIII ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Blickrichtungen werden in den jeweiligen Kapiteln skizziert?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fünf therapeutische Perspektiven&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In den genannten Kapiteln von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; werden fünf therapeutisch-menschenkundliche Blickrichtungen geschildert, die es im Einzelfall gegeneinander abzuwägen oder zu kombinieren gilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Der therapeutische Aspekt des Siliziumprozesses ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;In Kapitel XIV&#039;&#039; wird der Silizium-Prozess zum Vorbild der therapeutischen Denkweise. Diese richtet ihr Augenmerk darauf, inwiefern Krankheitssymptome Ausdruck mangelnder oder überhöhter gegenseitiger Wahrnehmung bzw. Resonanz zwischen den Organsystemen und ihren Funktionen sind. Sie weisen auf die Notwendigkeit richtiger Balance zwischen notwendiger Abgrenzung und ebenso notwendiger Wahrnehmung der Belange des Gesamtorganismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Regulierungsmöglichkeiten bei schwacher Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Im Kapitel XV&#039;&#039; werden verschiedene Regulierungsmöglichkeiten aufgezeigt, wenn die Ich-Organisation diese Aufgabe nicht mehr zureichend leisten kann. Wie in den Kapiteln I bis VII geschildert, zeigen Krankheitssymptome an, wie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* im physischen Leib die &#039;&#039;Mineralisierung&#039;&#039;, &lt;br /&gt;
* im ätherischen Leib die &#039;&#039;Wachstumsbereitschaft&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* sowie die vom Astralleib bewirkten &#039;&#039;Absonderungs- und Ablagerungsprozesse&#039;&#039; partiell überhandnehmen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wenn sich diese Wesensglieder der Integrationskraft der Ich-Organisation nicht (mehr) ausreichend fügen, weil diese an Kraft eingebüßt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Heilmittelerkenntnis ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;In Kapitel XVI&#039;&#039; geht es um die Heilmittelerkenntnis, die man gewinnt, wenn man &#039;&#039;„durch der Natur Examen geht“[2]&#039;&#039; und den Blick primär auf die Kräfte lenkt, die als Zentral- und Universalkräfte in der unbelebten und belebten Natur wirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Prozessorientierte Substanz-Erkenntnis ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;In&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Kapitel XVII&#039;&#039;&#039; liegt der Fokus auf einer konsequent prozessorientierten Substanz-Erkenntnis, die Steiner im Ärztekurs für die jungen Mediziner so formuliert hat: dass es die Aufgabe des Arztes sei, &#039;&#039;„die Weltenaufgaben der Substanzen zu erkennen“.[3]&#039;&#039; Etwas von dieser ‚Weltenaufgabe‘ wird in der EH anhand der Ameisensäure und der Kleesäure aufgezeigt und damit auf die Bedeutung dieser Blickrichtung für bestimmte Prozesse im menschlichen Zellstoffwechsel hingewiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Therapeutischer Einfluss von Bewegungsübungen ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Kapitel XVIII&#039;&#039;&#039; enthält die fünfte therapeutische Blickrichtung: den regulierenden Einfluss von bewusst ausgeführten Bewegungsübungen auf die abbauenden und aufbauenden Stoffwechselprozesse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[4]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner und Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ausspruch des Paracelsus, auf den auch Steiner sich im ersten Ärztekurs von 1920 bezieht (vgl. oben, S. CXXX).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Meditative Betrachtungen und Anleitungen zur Vertiefung der Heilkunst. Vorträge für Ärzte und Medizinstudierende,&#039;&#039; GA 316, 22.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE ICH-ORGANISATION IN DER DARSTELLUNG EINZELNER KAPITEL ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern ist die Ich-Organisation Trägerin von Gesundheit, aber auch Ursache für jegliche Krankheit?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wodurch beherrscht die Ich-Organisation die Erdenstoffe und Substanzen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wodurch werden Heilmittel zu Regulatoren und Unterstützern der Ich-Organisation?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ich-Organisation als Verursacherin von Gesundheit und Krankheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Ich-Organisation wird im Gang durch die Kapitel von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; als das Kraftsystem geschildert, das für die Erhaltung der Gesundheit und für den Erfolg von Heilungsvorgängen den Ausschlag gibt. Daher steht sie im Zusammenwirken mit der ätherischen Organisation als Trägerin der Regenerations- und Selbstheilungskräfte im Fokus jeder therapeutischen Intervention.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andererseits ist eben diese Ich-Organisation – zusammen mit dem Astralleib als außerkörperlich aktive ‚Geist- und Seelenfähigkeit‘ – zugleich Ursache und Grundlage dafür, dass wir krank werden und sterben können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zum Wirken der Ich-Organisation&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im Folgenden eine kurze Rekapitulation dessen, was in den einzelnen Kapiteln zur Wirkung der Ich-Organisation und den Substanzen in ihrem Dienst ausgeführt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel I – Der Substanzstrom fügt sich dem Ich = Gesundheit ====&lt;br /&gt;
In Kapitel I heißt es in Bezug auf alle Substanzen: &#039;&#039;„Die Wesenheit, welche diese Stofflichkeit als ‚Ich-Organisation‘ annimmt, ist zunächst die Form des Erdenstoffes, in der sich dieser am meisten seiner irdisch-physischen Art entfremdet.“[2]&#039;&#039; Das bedeutet, dass sich der Substanzstrom nach seinem Durchgang durch die Bereiche der physischen, ätherischen und astralischen Kräfte auf der vierten Verwandlungsstufe dem &#039;&#039;„Weben und Wesen des ‚Ich‘“&#039;&#039; in der Form einfügt, dass er ‚Geist tragend‘ wird.[3]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kann dieser Verwandlungsprozess ungestört stattfinden, ist Gesundheit die Folge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel II – Ich-bedingte Störungen im Ätherischen ====&lt;br /&gt;
In Kapitel II werden Störungsmöglichkeiten aufgezeigt, indem zwei Formen des Krankseins geschildert werden, die jeweils durch ein zu starkes oder zu schwaches Untertauchen von Ich-Organisation und Astralleib in die physisch-ätherische Konstitution entstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt bedarf es der Regulation durch Arzneimittel, die auf die eine oder andere Weise die ätherische Organisation in ihrer Regenerations- und Selbstheilungsfähigkeit unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel III und IV – Über das Pflanzen- und Tierreich ====&lt;br /&gt;
In den Kapiteln III und IV wird die Ich-Organisation nicht erwähnt – hier stehen die ätherische und astralische Organisation und das durch sie mögliche Pflanzen- und Tierreich im Zentrum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deren gesundes Zusammenleben und -wirken ist im Haushalt der Natur im Sinne des ökologischen Gleichgewichts reguliert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel V – Menschengestalt dank des Wirkens der Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
In Kapitel V wird die Ich-Organisation neu eingeführt als das Kraftsystem, welches in der Lage ist, die verschiedenen Kräftebereiche – den physischen, den ätherisch-pflanzlichen sowie den astralisch-tierischen – ‚im Fluss zu halten‘. Das bedeutet, die menschliche Konstitution vor jeglicher Spezialisierung und Einseitigkeit zu bewahren. Dadurch verwandeln sich die Substanzströme im Bereich der physischen, ätherischen und astralischen Kräfte nochmals: Es entsteht ein dreifacher Substanzstrom, aus dem heraus sich die innere und äußere menschliche Gestalt bildet. Dadurch wird sie zum Träger des selbstbewussten Geisteslebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Bis in die kleinsten Teile seiner Substanz hinein ist der Mensch in seiner Gestaltung ein Ergebnis dieser Ich-Organisation.“[4]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel VI – Einfluss der Ich-Organisation auf Blut, Skelett und Gehirn ====&lt;br /&gt;
In Kapitel VI wird dies weiter erläutert, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* indem die gesamte &#039;&#039;Blutbildung&#039;&#039; bis hin zur Wirkung der Verdauungsenzyme als unter dem Einfluss der Ich-Organisation stehend geschildert wird.&lt;br /&gt;
* Und in der Bildung des &#039;&#039;Skeletts&#039;&#039; geht das Wesen der Ich-Organisation so vollständig auf, dass dieses als ihr physisches Abbild gesehen werden kann.&lt;br /&gt;
* Im &#039;&#039;Gehirn&#039;&#039; dagegen ist das Ich als geistige Wesenheit tätig. Seine formbildende, ins Physische hineinwirkende Kraft wird dort aber ganz vom Ätherischen sowie von den Eigenkräften des Physischen überwältigt. Dem Gehirn liegt die organisierende Kraft des Ich also nur leise zugrunde, da sie im Wirken des Lebendigen und in den physischen Eigenwirkungen untergeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist auch der Grund, warum das Gehirn zum Träger der geistigen Ich-Wirkung wird: Gerade weil die Ich-Organisation im Gehirn nicht organisch-physisch in Anspruch genommen wird, sind ihre Kräfte als solche völlig frei, sich geistig zu betätigen.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel VII – Ich-Organisation, Eisen und Selbstheilungskräfte ====&lt;br /&gt;
In Kapitel VII wird die Ich-Organisation als maßgeblich für die körpereigenen Selbstheilungskräfte eingeführt. Diese beruhen darauf, dass die Ich-Organisation in der Lage ist, das im Sinne der äußeren Natur noch kristallisationsfähige Eisen in ihre Gestaltungskräfte hineinzu‚zwingen‘.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel VIII – Glukosestoffwechsel und Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Im Kapitel VIII wird der gesamte Glukosestoffwechsel als Instrument der Ich-Organisation dargestellt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Wo Zucker ist, da ist Ich-Organisation; wo Zucker entsteht, da tritt die Ich-Organisation auf, um die untermenschliche (vegetative, animalische) Körperlichkeit zum Menschlichen hin zu orientieren.“[6]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel IX – Ich-Organisation als Beherrscherin des Unorganischen ====&lt;br /&gt;
Kapitel IX schildert die Eigenschaft der Ich-Organisation, sich bis in die Kräfte des unorganisch Toten hinein als beherrschend zu zeigen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Alles, was in den Bereich der Ich-Organisation kommt, erstirbt. Daher gliedert sich die Ich-Organisation im physischen Leib rein unorganische Substanzen ein. Diese wirken im menschlichen physischen Organismus nicht so wie in der leblosen Natur außerhalb des Menschen; aber sie wirken doch eben unorganisch, d.h. ertötend.“[7]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel X – Erdenstoffe als Wärmelieferanten für die Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
In Kapitel X wird deutlich gemacht, was mit der Formulierung, dass sich alle Erdenstoffe dem &#039;&#039;„Weben und Wesen des ‚Ich‘ einfügen“,&#039;&#039; gemeint ist. Denn von jeder im menschlichen Körper befindlichen Substanz kommt für die Ich-Organisation nur so viel in Betracht, als bei deren Wirksamkeit Wärmeentfaltung stattfindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entzieht sich ein Wärmebezirk der Herrschaft der Ich-Organisation, so markiert dies den Beginn pathologischer Prozesse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel XI – Ich-Organisation und Harnsäureverteilung ====&lt;br /&gt;
In Kapitel XI heißt es: In der richtig verteilten Harnsäureablagerung &#039;&#039;„kommt zum Ausdrucke, ob zwischen der Ich-Organisation und dem astralischen Leib in irgendeinem Organ oder Organsysteme das rechte Verhältnis besteht.“[8]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel XII – Ich-Organisation und Ausscheidungstätigkeit ====&lt;br /&gt;
Kapitel XII beschreibt das Wesen der Ich-Organisation als reine Wärmeaktivität – sowohl bei der Organbildung durch Erhöhung oder Verminderung der Wärmezustände, als auch in den Tätigkeiten, die nach innen oder nach außen zu Ausscheidungen führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Insofern in diesen Ausscheidungen Stoffe eingelagert sind, &#039;&#039;„die bis zum Unorganischen getrieben sind, dann lebt in diesen auch die Ich-Organisation“[9]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel XIII – Ich-Organisation und Phosphor ====&lt;br /&gt;
In Kapitel XIII wird der Phosphor als das Element geschildert, welches eine besondere Beziehung zur Ich-Organisation hat: Phosphor findet sich im menschlichen Organismus als Phosphorsäure und phosphorsaure Salze im Eiweiß, im Faserstoff [das Blutgerinnungssystem, MG], im Gehirn, in den Knochen. Er drängt zu den unorganischen Substanzen hin, die in dem Bereich der Ich-Organisation ihre Bedeutung haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er regt die bewusste Tätigkeit des Menschen an.[10]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel XIV – Ich-Organisation und Kieselsäure ====&lt;br /&gt;
Kapitel XIV ist der Kieselsäure als der &#039;&#039;„physischen Grundlage der Ich-Organisation“&#039;&#039; gewidmet,– denn die Gestaltung des Körpers und der einzelnen Organe ist nur möglich mithilfe einer Substanz, die einerseits in der ganzen Gestaltungsfülle der Lebenswelt beherrschend auftritt und die andererseits eine größtmögliche Oberflächensensibilität und Resonanzfähigkeit besitzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ermöglicht ein sensibles und selbstbewusstes Leben in der Sinneswelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel XV – Heilmittel für altersbedingte Störungen im Kieselsäureorganismus ====&lt;br /&gt;
In Kapitel XV werden Heilmittelwirkungen geschildert, die altersbedingte Störungen im Kieselsäureorganismus regulieren können: &#039;&#039;„Denn alle Entwicklung des menschlichen Organismus beruht darauf, dass ursprünglich die Gesamtgestaltung des physischen und ätherischen Leibes aus der Tätigkeit des Astralischen und der Ich-Organisation sich ergibt; dass aber mit zunehmendem Alter die astralische und Ich-Tätigkeit in der physischen und ätherischen Organisation weiterlaufen. Tun sie das nicht, so müssen der astralische Leib und die Ich-Organisation in einem Stadium ihrer Entwickelung in einer Art eingreifen, zu der sie in diesem Stadium nicht mehr geeignet sind.“[11]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel XVI – Parallelen von Antimonprozessen und Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Kapitel XVI schließlich zeigt auf, dass Antimonprozesse so wirken, &#039;&#039;„wie die Ich-Organisation“.[12]&#039;&#039; Das wird am Beispiel des Antimons in seiner Beziehung zum Schwefel in Form des in der Natur vorkommenden Grauspießglanzes aufgezeigt (Sb2 S3, auch als Antimonit bzw. Stibnit bekannt), sowie am Prozess der Austernschalenbildung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für alle drei Substanzen, von denen hier die Rede ist, gilt, dass, wenn man sich näher mit ihnen befasst, dies das Verständnis der von Rudolf Steiner und Ita Wegman charakterisierten Wirkungsweisen untermauert. Denn es komme darauf an, &#039;&#039;„die Wirkungen zu beobachten, die sich aus dem Zusammenhange der inneren Kräftekonstitution einer Substanz im Verhältnis zu den Kräften ergeben, die von der Erde ausstrahlen oder in sie einstrahlen“.[13]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[14]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Siehe FN 1, S. 9.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe FN 1, S. 29.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5]  Siehe FN 1, S. 36.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Siehe FN 1, S. 44.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Siehe FN 1, S. 48.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Siehe FN 1, S. 57.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Siehe FN 1, S. 63.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Siehe FN 1, S. 67.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Siehe FN 1, S. 74.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Siehe FN 1, S. 79.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] Siehe FN 1, S. 77.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== „GRUNDLEGENDES FÜR EINE ERWEITERUNG DER HEILKUNST“ ALS MEDITATIONSBUCH ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern ist das im Titel genannte medizinische Grundlagenbuch[1] auch ein Meditationsbuch?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielt dabei das Denken?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Bedeutung hat das sinnlichkeitsfreie Denken für die Erfassung der inneren und äußeren Welt?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die verbindende Rolle des Denkens&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die anthroposophische Meditation nimmt ihren Ausgangspunkt beim Denken. Dieses geht auch wach wahrnehmend mit, wenn es um Körpermeditationen, Sinnesschulung und Wortmeditationen geht.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Immer spielt das Denken eine zentrale Rolle, wenn es um die Erfassung der Welten geht, in die der Mensch eingebunden ist:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;&#039;naturwissenschaftlichen Methoden&#039;&#039;&#039; beruhen auf einer Erforschung der &#039;&#039;„sinnenfällig gegebenen Welt“,[3]&#039;&#039; die mithilfe des Denkens analysiert wird, um die zugrunde liegenden Gesetzmäßigkeiten zu finden.&lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;&#039;geisteswissenschaftliche Methode&#039;&#039;&#039; im Sinne Steiners stützt sich auf das Denken, das zum Anschauungsorgan für Geistiges weiterentwickelt werden kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein gemäß der anthroposophischen Erkenntnisschulung &#039;&#039;„erkraftetes Denken“[4]&#039;&#039; wird methodisch bereits in Kapitel I beschrieben und liegt allen weiteren Ausführungen des Buches zugrunde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Verbindende zwischen Natur- und Geisteswissenschaft kann nicht im Bereich des sinnlich Wahrnehmbaren liegen. Es kann nur im Denken selber gefunden werden, da dies in beiden Bereichen gleichermaßen führend ist, wenn etwas verstanden werden soll. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Stärkung des sinnlichkeitsfreien Denkvermögens&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Auch für die anderen Grundschriften Rudolf Steiners gilt, dass ihre Lektüre das sinnlichkeitsfreie Denkvermögen stärkt. Doch ist dies bei dem Grundlagenwerk der Anthroposophischen Medizin[5] in besonderem Maße der Fall. Denn es ist so abgefasst, dass man ohne eigene echte Gedankenanstrengung kaum Gewinn davon hat bzw. das Werk als unzugänglich empfinden muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von daher auch in Kapitel I der Hinweis auf die beiden Schulungsbücher &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“[6]&#039;&#039; und &#039;&#039;„Die Geheimwissenschaft im Umriss“[7]&#039;&#039; sowie auf ergänzende Schriften und Vorträge, in denen die Übungen beschrieben sind zur Weiterentwicklung der Tätigkeiten des Denkens, Fühlens und Wollens. Damit ist klargestellt, dass Medizin nicht nur bedeutet, viel über den Menschen zu wissen, sondern auch, die geistigen Quellen zu kennen, denen der Mensch sein Dasein und seine Entwicklungskompetenz verdankt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Kritikern der Anthroposophie wird mit Bezug auf die meditative Selbstschulung gerne der Einwand erhoben, dass keiner der Schüler Steiners bisher die von ihm beschriebenen höheren und höchsten Einweihungsgrade erreicht habe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Meisterschaft durch Übung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wer jedoch den von Steiner empfohlenen Weg zur höheren Erkenntnis beschreitet, kann bei sachgemäßer Befolgung schon der allerersten Übungsanweisung: &#039;&#039;„Schaffe dir Augenblicke innerer Ruhe und lerne in diesen Augenblicken das Wesentliche von dem Unwesentlichen unterscheiden“,[8]&#039;&#039; an sich selbst erleben, wie stark die Wirkung einer solchen Übung ist, wenn man sie durchführt und beginnt, mit ihr zu leben. Dadurch hat man bereits eine Erfahrung gemacht, die Vertrauen stiftet, auch anderes zu versuchen oder auch Forschungsergebnisse Steiners zumindest hypothetisch für möglich zu halten und Leben und Erfahrung im Lichte einer solchen hypothetischen Annahme zu reflektieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das kann z.B. auch Medizinstudenten motivieren, den einen oder anderen Hinweis aus der anthroposophischen Geistesforschung zum Ausgangspunkt einer Doktorarbeit bzw. späteren Habilitation zu machen – was Steiner in seinen Kursen mehrfach vorgeschlagen hat und was auch wiederholt geschehen ist.[9]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[10]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Meditative Betrachtungen und Anleitungen zur Vertiefung der Heilkunst&#039;&#039;, Vorträge für Ärzte und Medizinstudierende, GA 316.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wahrheit und Wissenschaft, 11. Kapitel,&#039;&#039; GA 3.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Vorstufen zum Mysterium von Golgatha,&#039;&#039; GA 152, Seite 51–53.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Siehe FN 1.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?, GA 10.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Geheimwissenschaft im Umriss, GA 13.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Sie FN 4, 1. Kapitel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://medsektion-goetheanum.org/forschung/publications&amp;lt;/nowiki&amp;gt;; [6.1.2025].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Offenborn</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Zur_%22Erweiterung_der_Heilkunst%22_%E2%80%93_von_Michaela_Gl%C3%B6ckler&amp;diff=1260</id>
		<title>Zur &quot;Erweiterung der Heilkunst&quot; – von Michaela Glöckler</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Zur_%22Erweiterung_der_Heilkunst%22_%E2%80%93_von_Michaela_Gl%C3%B6ckler&amp;diff=1260"/>
		<updated>2026-01-17T17:36:52Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Offenborn: /* 2. Regulierungsmöglichkeiten bei schwacher Ich-Organisation */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Auszüge aus Büchern und Vorträgen von [[Michaela Glöckler]]; Erstveröffentlichung auf &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE THEMENSCHWERPUNKTE VON „GRUNDLEGENDES FÜR EINE ERWEITERUNG DER HEILKUNST“ ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie ist dieses Grundlagenwerk der Anthroposophischen Medizin&#039;&#039;[1] &#039;&#039;aufgebaut?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zur inneren Gliederung des Werkes&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das Buch hat vier thematische Schwerpunkte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Mensch und Makrokosmos – Kap. 1 bis 7&lt;br /&gt;
# Ursachen für Stoffwechselerkrankungen – Kap. 8 bis 12&lt;br /&gt;
# Therapie-Kapitel – Kap. 13 bis 18&lt;br /&gt;
# Wirkprinzipien von Arzneimitteln und Heileurythmie – Kap. 19 bis 21&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In aller Kürze kann man sagen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;In den Kapiteln 1 bis 18&#039;&#039;&#039; wird das „medizinische System“ skizziert, das als Grundlage einer „rationellen Diagnostik und Therapie“ dienen möchte.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die beiden Schlusskapitel&#039;&#039;&#039; geben dann Einblick in die Praxis und zeigen, wie sich naturwissenschaftliche Medizin und das medizinische System der Anthroposophie gegenseitig ergänzen und inspirieren können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ad1. Mensch und Makrokosmos – Kap. 1 bis 7 ====&lt;br /&gt;
Hier werden die Grundlagen zum Verständnis der Gesundheit erörtert. Es wird das viergliedrige Menschenbild eingeführt in Form von vier regulierenden, ordnenden Kraftsystemen, die in ihrem Zusammenwirken die – funktionell dreigliedrige – menschliche Konstitution bilden. Auch wird das Verhältnis des gesunden Mikrokosmos Mensch zum Makrokosmos herausgearbeitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den ersten fünf Kapiteln werden darüber hinaus die Grundlagen für ein spirituelles Substanz-Verständnis gelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im ersten Kapitel&#039;&#039;&#039; wird das Geheimnis des Merkurstabs enthüllt, indem auf die Bedeutung der Metamorphose der Wachstumskräfte in Gedankenkräfte eingegangen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im zweiten Kapitel&#039;&#039;&#039; wird eingehend erläutert, wie Krankheit dadurch entstehen kann, dass der Mensch zwar geistig seelisch tätig ist, aber in Einseitigkeit und Irrtum verfällt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im dritten bis fünften Kapitel&#039;&#039;&#039; werden die mikrokosmische und makrokosmische Natur der menschlichen Wesensglieder und ihrer spezifischen Kräftekonfigurationen eingeführt. Es wird aber auch in zu Herzen gehender Weise geschildert, welchen Opfergang und welches Schicksal die Welt der irdisch gewordenen Substanzen dabei erfährt. Und wie dieser Opfergang der Substanzen seine Erlösung und Erfüllung findet, wenn die Substanz im Menschen &#039;&#039;„geisttragend“&#039;&#039; werden kann. Wenn &#039;&#039;„geistgetragene Menschenseelen“&#039;&#039; diesem Opfer zum Segen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im sechsten Kapitel&#039;&#039;&#039; wird dann das embryonale Bildegeschehen des menschlichen Körpers so dargestellt, dass man die physiologischen Prozesse des Wesensgliederwirkens denken lernen und sich für die verschiedenen Organbildungen anschaulich machen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im siebten Kapitel&#039;&#039;&#039; wird der entwicklungsoffene, in sich &#039;&#039;nicht&#039;&#039; abgeschlossene gesunde Gesamtorganismus geschildert und daran das Prinzip der Selbstkränkung und das Wesen der Selbstheilungskräfte verdeutlicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ad 2. Ursachen für Stoffwechselerkrankungen – Kap. 8 bis 12 ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Kapitel acht bis zwölf&#039;&#039;&#039; behandeln die fünf Hauptursachen pathologischer Prozesse. Sie beschreiben die fünf zentralen Ursachen der Entstehung von Erkrankungen des Stoffwechsels. Diese werden anhand der Wirkweise von Zucker, Eiweiß, Fett, Harnsäure und Wärme anschaulich gemacht. Dabei werden auch die diese Stoffwechselprozesse regulierenden Wesensglieder in ihrem leiblich-seelischen Wirken anschaulich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ad 3. Therapie-Kapitel – Kap. 13 bis 18 ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Es folgen fünf Therapie-Kapitel&#039;&#039;&#039;, in denen die therapeutische Regulierung des Verhältnisses zwischen Ätherleib und Astralleib im Mittelpunkt steht, dann die regulierende Kraft der Ich-Organisation, dann die mögliche Schwächung der physisch-ätherischen Konstitution im Laufe des Älterwerdens, das Prinzip der Arzneimittelfindung und die Einführung in das Wesen der Substanzerkenntnis als Grundlage der Heilmittel-Erkenntnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ad 4. Wirkprinzipien von Arzneimitteln und Heileurythmie – Kap. 19 bis 21 ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;In den letzten drei Kapiteln des Buches&#039;&#039;&#039; werden charakteristische Krankheitsfälle und typische Heilmittel vorgestellt. Sie sind dem Wirkprinzip der Heileurythmie gewidmet, geben einen Einblick in die Praxis der Anthroposophischen Medizin anhand von neun individuellen Krankheitsfällen und nennen den Einsatz von Arzneimitteln, die bestimmten typischen Erkrankungen angepasst sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;„Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; wurde bis heute bis auf wenige Anmerkungen und Hinweise zur Entstehung und Autorschaft unverändert nachgedruckt. Es hat über drei Generationen hinweg vielen Fachleuten auf dem Gebiet der Anthroposophischen Medizin die nötige Grundorientierung gegeben, um das akademisch erworbene Wissen auch unter spirituellen Gesichtspunkten anzuschauen und es so im Einzelfall praktisch anwendbar zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Werk stellt im Grunde einen Lehrgang dar, der – wie es Ita Wegman in ihrem damals nicht veröffentlichten Vorwort zu diesem Buch schreibt – jeden Arzt in die Lage versetzt, selbst die Krankheiten geistig anzuschauen, wenn er bereit ist, das „&#039;&#039;ganz richtige Lesen dieses Buches“&#039;&#039; zu üben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Raphael und die Mysterien von Krankheit und Heilung“, Medizinische Sektion am Goetheanum 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen,&#039;&#039; GA 27, Dornach 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Zu Rudolf Steiners Verständnis der Anthroposophischen Medizin als einer im Gegensatz zur Schulmedizin, wahrhaft rationellen‘ Heilkunst siehe auch das Vorwort der &#039;&#039;„Erweiterten Heilkunst“&#039;&#039;. Elemente für eine echte Ratio zusammenzutragen, wie sich aus der Diagnose die Therapie ergibt, war bereits Hauptanliegen im ersten Kursus für Mediziner im Jahr 1920 gewesen: Vgl. Steiners &#039;&#039;„Geisteswissenschaft und Medizin“&#039;&#039;, GA 312.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE KAPITEL I–VII: GRUNDLAGEN ZUM VERSTÄNDNIS DER GESUNDHEIT[1] ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was zeichnet den gesundheitswissenschaftlichen Ansatz der Anthroposophischen Medizin aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie unterscheidet er sich von dem pathogenetischen Ansatz der naturwissenschaftlich basierten Schulmedizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Reformen wünschte Rudolf Steiner bereits zu seinen Lebzeiten?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zukunftsweisender gesundheitswissenschaftlicher Ansatz der AM&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Kapitel I–VII umfassen den gesundheitswissenschaftlichen Ansatz der Anthroposophischen Medizin. Unter ‚Volksgesundheit‘ verstand man am Anfang des 20. Jahrhunderts im Wesentlichen hygienische Maßnahmen, genügend Schlaf, gesunde Ernährung und Lebensführung.[2] Noch heute stellen Medizinstudenten und Ärzte immer wieder erstaunt fest, wie wenig sie darüber hinaus während ihres Studiums über die Entstehung von Gesundheit erfahren haben im Gegensatz zur Aufklärung über Krankheitsentstehung, d.h. Pathogenese.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der pathogenetische Ansatz der naturwissenschaftlich basierten Medizin bzw. Schulmedizin hat gegenwärtig mit der molekulargenetischen Steuerungsebene eine gewisse Kulmination erreicht, die in Zukunft mithilfe der Digitalisierung noch weiter optimiert werden wird. Parallel zu dieser Entwicklung hat aber auch die Wissenschaft von den Nebenwirkungen der pathogenetisch fokussierten Therapie zugenommen.[3] Daher wird von naturwissenschaftlicher Seite argumentiert, dass ein Arzneimittel, das keinerlei Nebenwirkungen hat, auch nicht wirksam sein kann. Und alles Bestreben geht dahin, Nebenwirkungen bestmöglich zu minimieren bzw. durch den Einsatz anderer Arzneimittel zu kompensieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesem pathogenetisch orientierten Ansatz steht der gesundheitswissenschaftlich-salutogenetische gegenüber. Dieser hat seine Entwicklung und Kulmination noch vor sich. Er etabliert sich seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erst langsam in der akademischen Welt. Es ist jedoch zu hoffen, dass er dennoch in nicht allzu ferner Zeit die Mitte der Gesellschaft erreichen wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Paradigmenwechsel als politische und wirtschaftliche Herausforderung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Denn der Paradigmenwechsel der Umorientierung von der Verhütung von Krankheit zur Förderung von Gesundheit ist zwar proklamiert – ihn lebenspraktisch zu machen ist und bleibt aber die noch bestehende große soziale und politische und nicht zuletzt wirtschaftliche Herausforderung. Denn: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann man an der Gesundheit verdienen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wer macht dafür Lobbyarbeit?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und: Was braucht es alles zur auch gedanklich-konzeptionellen Neuausrichtung und Umstrukturierung der Ausbildung für die Gesundheitsberufe, insbesondere der Ärzteschaft?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Wie weit man davon noch entfernt ist, hat auch das weltweit durchgreifende Corona-Pandemie-Management gezeigt, das ausschließlich pathogenetisch orientiert war. Salutogenetisch orientierte Auffassungen bezüglich Erkrankungsrisiken, Prävention und Therapie wurden auch in der medialen Berichterstattung konsequent ausgeblendet oder sogar lächerlich gemacht und bekämpft. Dabei konnten nicht zuletzt auch die anthroposophischen Krankenhäuser auf ihren Intensivstationen dank ihres integrativmedizinischen Vorgehens&#039;&#039; &#039;&#039;auch bei Schwerkranken erstaunlich gute Behandlungsergebnisse aufzeigen.“[4]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die fortschrittliche Medizin ebenso pathogenetisch orientiert, wie es der heutige Mainstream der Medizin immer noch ist. Im Mittelpunkt stand das neue Paradigma einer modernen Zellularpathologie, mit der Aussicht, immer mehr pathologische Prozesse diagnostisch bis auf die molekulare Ebene im Zellstoffwechsel zu erforschen.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Rudolf Steiners Ruf nach Reformen in der Medizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Demgegenüber eröffnete Steiner seinen ersten Kurs für Anthroposophische Medizin 1920 mit den Worten: &#039;&#039;„[…] es ist ja ziemlich selbstverständlich, daß von dem, was Sie wahrscheinlich alle erwarten von der Zukunft des medizinischen Lebens, nur ein sehr geringer Teil in diesem Kursus wird angedeutet werden können, denn Sie alle werden ja mit mir darinnen übereinstimmen, daß ein wirkliches, zukunftssicheres Arbeiten auf dem medizinischen Felde von einer Reform des medizinischen Studiums als solchem abhängt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Man kann nicht mit dem, was man in einem Kursus mitteilen kann, eine solche Reform des medizinischen Studiums auch nur im Entferntesten anregen, höchstens in der Weise, daß in einer Anzahl von Menschen der Drang entsteht, mitzutun bei einer solchen Reform. […] Dasjenige, was in diesen Vorträgen beigebracht werden soll, das möchte ich erreichen dadurch, daß ich in einer Art von Programm verteile das zu Betrachtende in der folgenden Weise: Erstens möchte ich Ihnen geben einiges, das hinweist auf die Hindernisse, die im heutigen gebräuchlichen Studium bestehen gegen eine wirklich sachgemäße Erfassung des Krankheitswesens als solchem. Zweitens möchte ich dann andeuten, in welcher Richtung eine Erkenntnis des Menschen zu suchen ist, die eine wirkliche Grundlage für das medizinische Arbeiten abgeben kann. Drittens möchte ich auf die Möglichkeiten eines rationellen Heilwesens hinweisen durch die Erkenntnis der Beziehungen des Menschen zur übrigen Welt.“[6]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als viertes wünschte er sich Fragen aus dem Teilnehmerkreis, weil er seine Ausführungen ganz nach den Bedürfnissen der anwesenden Fachleute und Studierenden richten wollte.[7]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entwicklung von ganzheitlichen Therapieformen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Seither haben sich auch andere an der ‚Ganzheit Mensch‘ und einem neuen Gesundheits- bzw. Krankheitsverständnis orientierte Therapieformen entwickelt – insbesondere seit dem Zweiten Weltkrieg. Beispielhaft seien &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Gestalttherapie&#039;&#039;&#039;[8] genannt,&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Viktor Frankls (1905–1997)&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Logotherapie&#039;&#039;&#039;[9]&lt;br /&gt;
* und die &#039;&#039;&#039;humanistische Psychotherapie.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kapitel I bis VII zeigen den methodischen Ansatz für einen solchen Paradigmenwechsel aus anthroposophischer Perspektive auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[10]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Hierbei handelt es sich um Kapitel aus dem Grundlagenwerk von Rudolf Steiner und Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Siehe z. B. Steurer-Stuttgart (1919), Fuchs-Wolfring (1912), Dennig (1919).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Vgl. Ammon (2001); Stolze (2014).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Vgl. COVID-19: www.anthromedics.org/PRA-0939-DE; [6.1.2025].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. Schipperges (1985).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaft und Medizin,&#039;&#039; GA 312, S. 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Ebenda, S. 14.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Vgl. Boeckh (2015).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. Frankl (2005).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== KAPITEL VIII–XII: DIE FÜNF HAUPTURSACHEN PATHOLOGISCHER PROZESSE[1] ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worum geht es in diesen Kapiteln?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Parallelen gibt es zu Paracelsus Sichtweise auf Krankheitsursachen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Regulationsmöglichkeiten bietet das Wesensglieder-Konzept?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fünf prinzipielle pathophysiologische Erscheinungen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die fünf der Pathologie gewidmeten Kapitel haben paradigmatischen Charakter. Es geht nicht um einzelne Krankheitsbilder – obgleich Beispiele genannt werden – es geht um prinzipielle pathophysiologische Erscheinungen aufgrund typischer Ungleichgewichte im Zusammenspiel der Wesensglieder. So wundert es auch nicht, dass so prominente Krankheitsbilder wie z.B. der Krebs keine Erwähnung finden. Auch die Mistel (Viscum album), als das bekannteste anthroposophische Arzneimittel – obgleich bereits seit 1917 durch Wegman in ihrer Zürcher Praxis im Einsatz[2] – findet (in Kapitel XX) keine Erwähnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht vielmehr um Beschreibungen pathologischer Stoffwechselprozesse, die bei der Verdauung der Grundnahrungsmittel: Kohlenhydrate, Eiweiße, Fette auftreten können (Kap. VIII–X) sowie die Pathophysiologie der Gicht-Erkrankung, die als Beispiel einer meist hereditären, d.h. genetisch bedingten, Stoffwechselstörung auftritt (Kap. XI). Zuletzt werden in Kapitel XII typische Regulationsweisen im labilen Gesundheits-Krankheits-Kontinuum aufgezeigt, das jederzeit in Richtung Krankheit entgleisen oder sich in Richtung Gesundheit entwickeln kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es zeigt sich bei genauerem Hinsehen, dass diese fünf Schilderungen Schlüssel und Ausgangspunkt zum Verstehen aller Krankheitserscheinungen sind. Sie haben einen ebenso fundamentalen Charakter wie die anderen Kapitel im Kontext der Schrift, da die Autoren sich auf den methodischen Ansatz beschränken, den es dann unbegrenzt weiter auszugestalten und zu erforschen gilt. Die fünf Kapitel sind sozusagen Pathologie ‚in a nutshell‘, d.h. Pathologie im Keimzustand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Parallelen zu Paracelsus „quinque entibus“&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Interessanterweise sprach auch &#039;&#039;Paracelsus&#039;&#039; in seinem &#039;&#039;„Volumen Paramirum“&#039;&#039; von fünf Krankheitsursachen: &#039;&#039;„De quinque entibus“.&#039;&#039; Schaut man sich sein Konzept unter dem Aspekt der anthroposophischen Menschenkunde an, so ist darin – wie auch in den fünf Pathologie-Kapiteln der Erweiterung der Heilkunst – jeweils eines der vier Wesensglieder in der Hauptverantwortung für die entsprechende Regulationsstörung. &#039;&#039;Elise Wolfram (1868–1942)&#039;&#039; hat diesen Aspekt schon 1912 in einem viel beachteten Buch herausgearbeitet.[3] Sie war durch Steiners Ausführungen zu Paracelsus und seine Bedeutung für die Medizin dazu angeregt worden. Seither wurde dieser paracelsische Ansatz wiederholt von anthroposophischen Ärzten mündlich und schriftlich dargestellt.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;„Volumen Paramirum“&#039;&#039; lässt Paracelsus sechs Ärzte sich um einen an der Cholera verstorbenen Patienten versammeln, fünf als Vertreter bestimmter medizinischer Auffassungen (‚Sekten‘), während der sechste Paracelsus selbst ist. Gründlich werden in diesem Zusammenhang fünf mögliche Ursachen und deren jeweilige Beschleuniger abgehandelt: das ‚Ens astrale‘, ‚Ens veneni‘, ‚Ens naturale‘, ‚Ens spirituale‘ und ‚Ens deale‘. Man möchte wissen, welches ‚Ens‘ letztlich verantwortlich war für den Tod, denn nicht alle Cholerakranken starben bei der Epidemie. Es muss also verschiedene Ursachen geben, warum dieser Mensch erkrankt bzw. verstorben ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Ens astrale – physischer Leib ====&lt;br /&gt;
Hier liegt die Ursache entweder in den individuellen Schicksalsgegebenheiten eines Menschen, der durch seine Geburt in einer bestimmten Erdgegend, einem bestimmten Volks- und Familienzusammenhang sowie entsprechenden sozialen Verhältnissen lebt, und den daraus resultierenden, der Gesundheit schädlichen oder sie fördernden Einflüssen ausgesetzt ist. Diese primär physische Krankheitsursache, zu der auch das kontaminierte Wasser gehört, das die Cholera-Epidemie verursacht hat, wird bezeichnenderweise von Paracelsus ‚Ens astrale‘ genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird dabei auf das Geburtshoroskop verwiesen, auf den ganzen Schicksalskontext dieses bestimmten Menschen in seinem makro-mikrokosmischen Zusammenhang. Dabei unterscheidet Paracelsus klar den Einfluss der Gestirne auf den Menschen als ‚Ens virtutis‘ von dem ‚Ens seminis‘, dem von der Erde stammenden Erbgut, das für die Körperkonstitution verantwortlich ist und damit ebenfalls für möglichen Schutz vor Erkrankung oder aber begünstigend für ihr Auftreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überträgt man diese Vorstellungen in die anthroposophische Terminologie, so geht es hier um den Einfluss der physischen Organisation in Resonanz mit dem auf sie einwirkenden Schicksalsumkreis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ens veneni[5] – Ätherleib ====&lt;br /&gt;
Hier wird auf den Ursachenzusammenhang gewiesen, der mit der Ernährungsweise und dem Lebensstil zusammenhängt und dem rechten Maß im Sinne des berühmten Spruches: &#039;&#039;„Dosis facit venenum“&#039;&#039;, d.h., nur die richtige Dosierung, das richtige Maß des jeweils zur Anwendung kommenden Heilmittels ist das Gesundheit stiftende. Diesem Aspekt entspricht in der Anthroposophischen Medizin die ätherische Organisation und die sie umgebende Lebenswelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Ens naturale – Astralleib ====&lt;br /&gt;
Dieser Ursachenkontext verweist auf das individuelle Bewusstsein des Menschen und dessen Zusammenhang mit dem Makrokosmos. Die Vielheit der Erscheinungen in der Einheit des menschlichen Bewusstseinshorizontes: das Firmament, die Elemente, die ‚complexiones‘ (konstitutionelle Gegebenheiten), die ‚humores‘ (Körpersäfte). Mit all diesen Gegebenheiten setzt sich der Mensch in seinem bewussten Seelenleben auseinander und seine Gesundheit hängt davon ab, wie er sich darin fühlt und damit umgehen lernt. In der anthroposophischen Terminologie entspricht dies der astralischen Organisation als Träger des körperbezogenen, seelisch-gefühlsmäßigen Bewusstseins und des gedanklich wachen Geist- bzw. Selbst-Bewusstseins. Hier liegt die Krankheitsursache in der „Geist- und Seelenfähigkeit“ des Menschen[6] und deren Einfluss auf die ‚humores‘, d.h. die ätherisch-physische Konstitution.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Ens spirituale – Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Diese Betrachtungsebene betrifft bei Paracelsus die magische Beeinflussung von Wesen zu Wesen. Es geht um den Menschen, der, zwischen Göttern und Dämonen lebend, Verführungen ausgesetzt ist und dessen Gesundheit auch durch Fürbitte und Gebet beeinflusst werden kann. Geistiges wirkt in jeder Beziehung direkt auf Geistiges und von dort aus auf die ihm untergeordneten Ebenen der konstitutionellen Gegebenheit. In der anthroposophischen Terminologie entspricht dies der Ich-Organisation, die über den Wärme-Organismus auf den Luftorganismus als Träger der astralischen Kräfte wirkt und durch diesen auf den Flüssigkeitsorganismus als Träger der ätherischen Kräfte – und durch diesen wiederum auf die physische Organisation, die ihrerseits dann über die Sinne und die Betätigungen während des Tageslebens auf die Ich-Organisation zurückwirkt.[7]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Ens deale – Leibfreies Seelen- und Geistesleben ====&lt;br /&gt;
Paracelsus, dessen Denken und Handeln tief in der christlichen Theologie und Kultur verankert war, spricht hier das Hereingestellt-Sein des Menschen in einen gottgewollten Entwicklungskontext an, hinorientiert auf die beiden menschlichen Kernkompetenzen Freiheit und Liebe. Zusammengefasst heißt es bei Paracelsus: &#039;&#039;„Ihr wisset, daß alle Gesundheit und Krankheit von Gott kommt und nichts vom Menschen, und ihr müßt die Krankheiten der Menschen in zween Gruppen teilen, in natürliche und in solche zur Züchtigung. Die natürlichen, das sind das erste, zweite, dritte und vierte ens: das flagellum ist das fünfte.“[8]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten vier ‚Entien‘ entsprechen im anthroposophischen Kontext den vier Wesensgliedern, das fünfte hingegen der ‚quinta essentia‘, dem von der körperlichen Gebundenheit freien Seelen- und Geistesleben des Menschen, mit dem er sich bewusst in der göttlich-geistigen Welt verankern kann.[9] Es handelt sich dabei um das rein spirituelle Prinzip, von dem auch schon Aristoteles als ‚πέμπτη ουσία‘ (fünftes Seiendes) sprach: das fünfte ‚ens‘ im Sinne des Paracelsus. Hier liegt die Ursache für Krankheit und Tod sozusagen in der Hand Gottes. Hier waltet die Weisheit des Schicksals und nicht die ärztliche Kunst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Alte Sichtweisen durch Geisteswissenschaft aktualisiert&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Vergleich mit dem paracelsischen Verständnis von Krankheit und Gesundheit kann einerseits deutlich machen, wie mithilfe von Steiners Geisteswissenschaft spirituelle Sichtweisen aus früheren Jahrhunderten dem gegenwärtigen Bewusstseinszustand der Menschen neu zugänglich gemacht werden können. Andererseits kann ein solcher Vergleich auch deutlich machen, wie eigenständig und originär Steiners Forschungsansätze und Ausführungen sind. Seine Geisteswissenschaft versteht sich als ein zeitgemäßer Weg, sich das im Sinne Goethes ‚alte Wahre‘ erkennend und handelnd zu erschließen.[10]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;In den Kapiteln VIII–XI&#039;&#039;&#039; steht jeweils ein menschliches Wesensglied ursächlich für das Krankheitsgeschehen im Mittelpunkt. Wobei es stets die Schwäche der Ich-Organisation ist, die initial für die jeweils geschilderten Stoffwechselstörungen und pathologischen Prozesse verantwortlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Kapitel XII&#039;&#039;&#039; hingegen beschreibt das Ringen dieser Ich-Organisation, die konstitutionelle Balance aufrecht zu erhalten. Auffällig ist dabei, dass die vier ersten Pathologie-Kapitel in ihrer Gesamtheit Symptome und Erkrankungen beschreiben, die inzwischen als das Metabolische Syndrom bekannt sind.[11]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Das Metabolische Syndrom ====&lt;br /&gt;
Es umfasst einen Cluster von &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* (vor allem viszeraler) Adipositas, &lt;br /&gt;
* gestörter Glukosetoleranz,&lt;br /&gt;
* Fettstoffwechselstörungen,&lt;br /&gt;
* arterieller Hypertonie, einschließlich möglicher genetischer Prädispositionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gilt als Vorstufe des Diabetes mellitus Typ 2 und ist zudem prädiktiv für ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenhänge zwischen Adipositas und diversen Stoffwechselerkrankungen wurden auch schon zu Lebzeiten von Steiner und Wegman beschrieben.[12] Nach &#039;&#039;Hanefeld&#039;&#039; dokumentierte bereits &#039;&#039;Giovanni Battista Morgagni (1682–1771)&#039;&#039; den Zusammenhang zwischen viszeraler Fettsucht, Hypertonie, Gicht, Schlafapnoe und Arteriosklerose.[13] Allerdings wurde der pathophysiologische Zusammenhang dieser Erkrankungen und die das Metabolische Syndrom charakterisierende Insulinresistenz erst im Laufe des 20. Jahrhunderts deutlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Syndrome X ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gerald M. Reaven (1928–2018)&#039;&#039; wies in seiner &#039;&#039;„Banting Lecture“&#039;&#039; 1988 darauf hin und beschrieb den Symptomenkomplex als das &#039;&#039;„Syndrome X“.[14]&#039;&#039; Zu ihm gehören die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Insulinresistenz, &lt;br /&gt;
* Hyperinsulinämie,&lt;br /&gt;
* Glukosestoffwechselstörung,&lt;br /&gt;
* Fettstoffwechselstörung&lt;br /&gt;
* und Hypertonie.&lt;br /&gt;
* Erst viel später wurden weitere, pathophysiologisch relevante Aspekte wie die &lt;br /&gt;
* low-grade-inflammation beschrieben.[15]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Aktualität der beschriebenen Krankheitsprozesse&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Interessanterweise thematisiert &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[16]&#039;&#039; durch die Abfolge der Kapitel VIII–X bereits die syndromale Entität dieses heute als Metabolisches Syndrom bekannten Krankheitsgeschehens und weist darüber hinaus eindrücklich auf den Diabetes mellitus als Folge-Erkrankung hin (Kap. VIII).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Erwähnung „parasitäre[r] Wärmeherde“[17] im Kapitel X, im Zusammenhang mit dem Fettgewebe, bekommt unter dem Aspekt der inzwischen bekannten proinflammatorischen Wirksamkeit zahlreicher Adipokine eine geradezu überraschende Aktualität – ebenso wie der regulativ-systemische Ansatz zu Verständnis und Behandlung der Erkrankung. Auch wenn der Insulinmangel bei Diagnose und Therapie gegenwärtig immer noch im Vordergrund steht, so wurden doch inzwischen so viele unterschiedliche Beeinflussungen der Insulinresistenz bestimmter Gewebe und möglicher Gegenregulationsformen im Organismus bekannt, dass man auch hier vor einem äußerst komplexen Wechselursachenverhältnis multimodaler Einflussfaktoren steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für diese Komplexität öffnen die fünf Pathologiekapitel die Augen und zeigen zudem klar auf, welche ganzheitlichen Regulationsprinzipien unter den vier Wesensgliedern jeweils unterstützt oder abgeschwächt werden müssen. Das anthroposophische Wesensglieder-Konzept bietet in diesem Kontext die Möglichkeit, die physische, ätherische, astralische und Ich-Organisation als die für die Gesamtregulation des menschlichen Organismus verantwortlichen Gesetzeszusammenhänge sehen zu lernen.[18]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[19]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Hierbei handelt es sich um Kapitel aus dem Grundlagenwerk von Rudolf Steiner und Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Vgl. Zeylmans van Emmichoven (2022), 67 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Vgl. Wolfram (1991).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe www.anthromedics.org; [6.1.2025].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Von lat. venerum: Gift, Medizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6]  Vgl. FN 1, S. 16.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Siehe dazu die ergänzenden Hinweise im Stellenkommentar, Anm. zu EH, 82, S. 133–140.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Paracelsus (2010), 232.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. FN 1, Kap. I, Abs. 19.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] &#039;&#039;„Das Wahre war schon längst gefunden / Hat edle Geisterschaft verbunden / Das alte Wahre, fass’ es an.“&#039;&#039; WA I/2, 82.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Dem Internisten &#039;&#039;Matthias Girke&#039;&#039; und seiner Publikation &#039;&#039;„Innere Medizin“&#039;&#039; verdanke ich fachliche Unterstützung bezüglich Referenzen und Hinweisen zu den Kapiteln VIII–XII, insbesondere zum Metabolischen Syndrom und seinen Folge-Erkrankungen. Siehe Girke (2020).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Vgl. Balke und Nocito (2013), 77–83.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] Vgl. Hanefeld und Leonhardt (1996).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] Vgl. Reaven (1988), 1595–1607.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[15] Minihane u. a. (2015), 999–1012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[16] Vgl. FN 1.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[17] Vgl. FN 1, S. 52f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[18] Zum 250. Geburtsjahr &#039;&#039;Goethes&#039;&#039; 1999 wurde eine Vorlesungsreihe an der Universität Bern veranstaltet: Goethes Beitrag zur Erneuerung der Naturwissenschaften. In seiner Vorlesung zum Thema Typusidee und Genetik führte &#039;&#039;Johannes Wirz&#039;&#039; auch für die moderne Genetik aus: &#039;&#039;„Bereits regen einige Entwicklungsbiologen und Genetiker eine Neukonzeption der Gen-zentrierten Auffassung von Entwicklungsprozessen an. Duboule und Wilking schließen zum Beispiel, dass es keine Art/spezifischen Gene, sondern nur einen artspezifischen, differentiellen Gebrauch derselben gibt. […] Die kaum beachtete epigenetische Theorie von Waddington, welche die Vernetzung von Genen stärker betont als die Bedeutung einzelner Erbfaktoren, ist kürzlich durch eine viel beachtete Publikation von Strohmann wissenschaftsfähig geworden. [...] Der genetische Determinismus wird noch weiter relativiert, wenn, wie es die Tatsachen nahelegen, Lebewesen als organische Ganzheiten im Sinne Goethes verstanden werden. Das bedingt, dass ihnen neben DNA, Proteinen, Zellen und deren vielfältigen Interaktionen, die als Erscheinungsbedingungen vorhanden sein müssen, eine Qualität zugestanden wird, welche dieselben dirigiert. Die Idee der inneren Natur oder des Typus [gemäß Goethe, M. G.] fordert zudem ein erweitertes Verständnis von Vererbung.“&#039;&#039; (Wirz [2000], 324 f.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[19] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE KAPITEL XIII–XVIII: ZUR THERAPIE UND HEILKUNST[1] ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist mit der in diesen Kapiteln beschriebenen therapeutischen Denkweise gemeint?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie können Aufgabe und Wirkung einer Substanz – hier die Kieselsäure – im Organismus Vorbild für eine therapeutische Denkweise sein?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was verbindet Ich-Organisation und Kieselsäure?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Innerer Zusammenhang von Kapitel XIV, XVI und XVIII&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Diesen Kapiteln liegt eine Komposition zu Grunde, in der 2 × 3 Kapitel einen engeren inneren Zusammenhang haben, obgleich sie nicht aufeinander folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== a. Therapeutische Denkweise ====&lt;br /&gt;
Den Schlüssel zu dieser Komposition bietet der letzte Satz von Kapitel XVIII, wo es über die Heileurythmie heißt, &#039;&#039;„dass man sie durchaus als ein segensreiches Glied unserer hier dargestellten therapeutischen Denkweise ansprechen kann“.&#039;&#039;&#039;[2]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Dadurch entsteht ein unmittelbarer Bezug zu Kapitel XIV &#039;&#039;„Von der therapeutischen Denkweise“.&#039;&#039; Darin wird anhand der Wirkung der Kieselsäure im menschlichen Organismus das Wesen der in diesem Kontext gemeinten therapeutischen Denkweise geschildert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wer oder was bestimmt den Charakter einer bestimmten Denkweise?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemäß Rudolf Steiner und Ita Wegman übernimmt die Ich-Organisation, &#039;&#039;„die sich seelisch frei im Denken darlebt“,&#039;&#039;&#039;[3]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; diese Aufgabe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== b. Gestaltungskraft von Kalk und Kiesel ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was aber verbindet die Ich-Organisation mit der Kieselsäure?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dieser Frage tut sich ein weiteres Kapitel der anthroposophischen Substanz-Erkenntnis auf: die polare Wirkensweise von Kalk und Kiesel, auf die Steiner in vielen Vorträgen zu sprechen kommt. Im &#039;&#039;„Landwirtschaftlichen Kurs“&#039;&#039; heißt es, nachdem Steiner die eiweißbildenden Elemente Kohlenstoff, Sauerstoff, Stickstoff, Wasserstoff und Schwefel geschildert hat:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Um nun die feste Gestalt darzustellen, da muss es [alles Kohlenstoffhaltige, M.G.] sich auf ein tiefer liegendes Gerüste aufbauen und das ist dasjenige, was als ein ganz tiefliegendes Gerüst in unserem kalkartigen Knochengerüst enthalten ist, was aber auch enthalten ist in dem Kieseligen, das wir ja immer in uns tragen, sodass der Kohlenstoff im Menschen und auch im Tier bis zu einem gewissen Grade seine Gestaltungskraft maskiert. Er rankt sich hinauf an der Gestaltungskraft von Kalk und Kiesel. Kalk gibt ihm die irdische, Kiesel die kosmische Gestaltungskraft.“[4]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bergkristall (als SiO2 eine reine Silicium/Sauerstoffverbindung) erscheint unter diesem Aspekt wie ein Urbild. Kosmisches und irdisch machender Sauerstoff sind in reinster Stimmigkeit auf einander bezogen. Die kosmische Gestaltungskraft manifestiert sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* im Irdisch-Unbelebten in Form der Bildung von Urgestein. &lt;br /&gt;
* und bei den Lebewesen als Gerüstsubstanz.&lt;br /&gt;
* In der menschlichen Konstitution verwandelt sich in Folge der Metamorphose die leibliche Bildetätigkeit in Gedankentätigkeit in Form von Wahrnehmen und Denken und wendet sich so wieder dem Kosmos zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== c. Irdisch-kosmische Zusammenhänge verstehen ====&lt;br /&gt;
Aus anthroposophischer Perspektive[5] handelt es sich hierbei um die allumfassende kosmisch-ätherische Gestaltungskraft,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die einerseits dem Leib &#039;&#039;&#039;Leben&#039;&#039;&#039; einhaucht &lt;br /&gt;
* und andererseits Grundlage für selbstgeführtes &#039;&#039;&#039;Denken&#039;&#039;&#039; ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je mehr es gelingt, in solchen Zusammenhängen zu denken, Irdisches und Kosmisches in ihrem Aufeinander-bezogen-Sein zu erkennen, desto therapeutischer wird die Denkweise werden. Dann kann sie Lebenszusammenhänge verstehen, dem Leben dienen und gesunde individuelle und soziale Entwicklungen fördern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann kann sie endlich auch die Wunden heilen, die infolge der reduktionistischen Denkweise entstanden sind und weiter entstehen, wenn sich der atomistische Monismus nicht mit einem ganzheitlich-spirituellen Monismus Goethe’scher Prägung versöhnen lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Heileurythmie als ‚Tun‘ der Ich-Organisation&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der Heileurythmie wird diese irdisch-kosmische Tätigkeit der Ich-Organisation nicht nur ‚gedacht‘, sondern ‚getan‘. Denken, Fühlen und Wollen sind beim konzentrierten Ausüben der heileurythmischen Bewegungen dem Körper zugewendet, wodurch das Stoffwechselgeschehen und die rhythmischen Funktionen unmittelbar beeinflusst werden können. Wie sehr Bewegung und Atmungsregulierung den Gesundheitszustand beeinflussen können, ist inzwischen auch naturwissenschaftlich hinreichend belegt. Entsprechende Präventionsprogramme haben sich insbesondere in der Kardiologie seit Jahrzehnten bewährt.[6] Auch die Rehabilitationseinrichtungen bauen ihre Maßnahmen primär auf gesunde Ernährung, Bewegung, Gespräch und kulturelle Aktivitäten auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die innere Beziehung zwischen Kapitel XIV und XVIII wird ergänzt durch Kapitel XVI, das nicht ohne Grund in der Mitte steht. Dieses Kapitel handelt vom Antimon unter der Überschrift &#039;&#039;„Heilmittel-Erkenntnis“.&#039;&#039; Dabei werden die Antimonprozesse als diejenigen beschrieben, die in den menschlichen Organismus gebracht, so wirken wie die Ich-Organisation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Im menschlichen Organismus zeigt das Blut in seiner Strömung eine Tendenz, zu gerinnen. Diese Tendenz ist diejenige, die unter dem Einfluss der Ich-Organisation steht und unter ihr die Regulierung erfahren muss.“[7]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Innerer Zusammenhang von Kapitel XIII, XV und XVII&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die zweite Dreiheit handelt vom krankhaften Zusammenspiel der Wesensglieder und den für den therapeutischen Prozess charakteristischen Heilmitteln bzw. Arzneisubstanzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== a. Zwischen kränkenden und gesundenden Kräften ====&lt;br /&gt;
Hier steht das individuelle Therapiegeschehen im Vordergrund. So lautet die Überschrift von Kapitel XIII &#039;&#039;„Vom Wesen des Krankseins und der Heilung“&#039;&#039; und beginnt mit dem Wort ‚Schmerz‘ als einem Erlebnis im astralischen Leib und im Ich. Es folgt dann eine kurze Charakteristik des unterschiedlichen Zusammenwirkens der Wesensglieder im Laufe des Lebens zwischen Geburt und Tod. Hauptaugenmerk bei der Therapiefindung liegt hier auf dem sensiblen Zusammenspiel zwischen der kränkenden astralischen und der gesundenden ätherischen Organisation. Diese Betrachtung findet ihre Fortsetzung in Kapitel XV, wo es unter der Überschrift &#039;&#039;„Das Heilverfahren“&#039;&#039; heißt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Denn alle Entwicklung des menschlichen Organismus beruht darauf, dass ursprünglich die Gesamtgestaltung des physischen und ätherischen Leibes aus der Tätigkeit des Astralischen und der Ich-Organisation sich ergibt; dass aber mit zunehmendem Alter die astralische und Ich-Tätigkeit in der physischen und ätherischen Organisation weiterlaufen. Tun sie das nicht, so müssen der astralische Leib und die Ich-Organisation in einem Stadium ihrer Entwickelung in einer Art eingreifen, zu der sie in diesem Stadium nicht mehr geeignet sind.“&#039;&#039; [8]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== b. Ich-Organisation entlastende Heilmittel ====&lt;br /&gt;
Dann bedürfen sie der regulierenden Unterstützung durch Heilmittel, die die beiden oberen Wesensglieder von ihrem nicht mehr entwicklungsgerechten Eingreifen entlasten und die physische und ätherische Organisation so stärken, dass das unregelmäßige Eingreifen der oberen Wesensglieder zur Kompensation der geschwächten physisch-ätherischen Konstitution nicht mehr nötig ist. Zusätzlich kompliziert werden Diagnostik und Therapie dadurch, dass &#039;&#039;„die Richtung der Krankheitswirkungen“[9]&#039;&#039; ebenfalls verfolgt werden muss im Sinne der primären Ursache der Störung und deren Folge. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== c. Bedeutung von Ameisensäure und Kleesäure ====&lt;br /&gt;
Abgerundet wird die Betrachtung dieser Dreiheit mit Kapitel XVII &#039;&#039;„Substanz-Erkenntnis als Grundlage der Heilmittel-Erkenntnis“&#039;&#039;, in dem zwei Substanzen im Mittelpunkt stehen, die in der Biochemie des Zellstoffwechsels eine wichtige Rolle spielen: Ameisensäure und Kleesäure.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Hexagramm aus zwei Dreiecken&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Während die erste Dreiheit primär bezogen ist auf die Erscheinung der menschlichen Gestalt im Raum und ihrem Formaspekt im Reich der Natur, widmet sich die zweite Dreiheit dem Wandel der menschlichen Konstitution in der Zeit. Fügt man die beiden Dreiheiten zusammen, so ergibt sich das therapeutische Ur-Symbol des Hermes Trismegistos bzw. das Siegel Salomos, das Hexagramm, in dem ein Dreieck mit der Spitze nach unten sich durchdringt mit einem zweiten Dreieck, dessen Spitze nach oben weist. Es ist das ägyptisch-hermetische Zeichen für das harmonische Zusammenwirken von Makrokosmos und Mikrokosmos. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Spitze des ersten Dreiecks, die nach unten weist und dessen Basis oben ist, wäre Kapitel XIV. In der Heileurythmie wird über die rhythmisch wiederholten Bewegungsübungen daran gearbeitet, den Menschen im Raum bei der Wiederherstellung seiner urbildlichen aufrechten Gestalt zu unterstützen. Basis dafür ist eine therapeutische Denkweise, die innere Aufrichtekraft (wirklichkeitsgemäßes ‚aufrichtiges‘ Denken) und Heilmittel-Erkenntnis aus dem Mensch-Natur-Zusammenhang adäquat verbindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das zweite Dreieck, dessen Spitze nach oben weist und das seine Basis unten hat, handelt vom Schmerzerleben und dem Wesen der Krankheit als weckendem Begleiter des Menschen im Verlauf des Lebens. Es zeigt durch die Basis unten die starke Beziehung des Makrokosmos zum Menschen und den ihn umgebenden Naturreichen als heilsamem Begleiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Heilkunst als Kunstwerk Heilung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist also im Kontext dieser Ausführungen mit Heilkunst gemeint?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es handelt sich dabei um einen Diagnoseprozess, aus dem sich die Therapie unmittelbar ablesen lässt. Dazu braucht es solides medizinisches Grundlagenwissen – auch bezüglich der Gesetzmäßigkeiten der körperlich-seelischen Reifung und den Alterungsprozessen in der zweiten Lebenshälfte. Dieses Wissen und die dadurch möglichen therapeutischen Kompetenzen sind sozusagen das „Material“ für den künstlerischen Prozess. Damit aber im Einzelfall das &#039;&#039;„Kunstwerk Heilung“&#039;&#039; geschaffen werden kann, dazu braucht es die unmittelbare Beobachtung und die therapeutische Denkweise im Hier und Jetzt der konkret gegebenen Krankheitssituation in ihrem Umfeld. Im günstigen Fall sind Besserung und Heilung die Folge des therapeutischen Bemühens, an dem beide – der Behandelnde und der Betroffene – mitschöpferisch tätig sind. So gesehen handelt es sich immer auch um ein &#039;&#039;„soziales Kunstwerk“.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Dass dabei nicht nur medizinisches Wissen, sondern auch Fähigkeiten wie das Erfassen des rechten Zeitpunkts (ϰαιρός), diagnostische Empathie und therapeutische Intuition eine wichtige Rolle spielen, zeichnet den künstlerischen Prozess aus.“[10]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[11]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Hierbei handelt es sich um Kapitel aus dem Grundlagenwerk von Rudolf Steiner und Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Vgl. FN 1, S. 88.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Vgl. FN 1, S. 15.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft. Landwirtschaftlicher Kursus,&#039;&#039; GA 327, 66 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. FN 1, S. 6.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Siehe z.B. die Pocket-Leitlinie Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie. Giehlen u. a. (2021).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Vgl. FN 1, S. 79.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Vgl. FN 1, S. 74.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. FN 1, S. 75.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Vgl. Fintelmann (2016).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE KAPITEL XIX UND XX: EINBLICKE IN EINE RATIONELLE DIAGNOSTIK UND THERAPIE[1] ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit von Rudolf Steiner und Ita Wegman rund um dieses Werk?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Unter welchen Aspekten wurden die angeführten Krankengeschichten durchgesehen und veröffentlicht?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchem Zweck dienen diese Krankengeschichten?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Zur Entstehung der Textgrundlage&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während die Kapitel I bis XVIII in der Handschrift Steiners vorliegen, sind die beiden letzten Kapitel XIX und XX von Ita Wegman niedergeschrieben. Es gilt jedoch für alle 20 Kapitel dieses Buches, dass sie in intensiver gemeinsamer Arbeit von beiden Autoren verfasst wurden. Wann genau die einzelnen Kapitel entstanden sind, wissen wir zwar nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Walter Holtzapfel&#039;&#039; hatte aber als dritter Nachfolger in der Leitung der Medizinischen Sektion[2] noch viel Gelegenheit, mit Menschen zu sprechen, die den eineinhalbjährigen Prozess der Entstehung des Buches miterlebt haben. Von ihm stammt die Mitteilung, dass ein um das andere Kapitel &#039;&#039;„von den beiden Autoren gemeinsam durchgesprochen und dann zunächst von Frau Dr. Wegman formuliert und niedergeschrieben wurde. Gewiss stammt die endgültige Formulierung wohl fast immer von Rudolf Steiner.“[3]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zu den Krankengeschichten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Von den neun in das Buch aufgenommenen Krankengeschichten wurden der vierte und fünfte Fall bereits am 23. April 1924 im Rahmen einer Dornacher Ärztebesprechung von Ita Wegman vorgelesen und von Rudolf Steiner eingehend im Gespräch kommentiert.[4] So können wir davon ausgehen, dass zumindest diese Kasuistiken schon während des ersten halben Jahres der gemeinsamen Arbeit entstanden sind, d.h. dass von Beginn an die gemeinsame Arbeit am Buch stets auch in direkter Resonanz war mit konkreten Menschen und ihrem Krankheitsschicksal. Ganz abgesehen von den zahlreichen Vortragsreisen im Jahre 1924, bei denen Wegman ebenfalls mitreiste und wo ihnen jeweils Patienten vorgestellt und deren Therapie beraten worden war.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es muss an dieser Stelle aber auch klar hervorgehoben werden, dass es die Kollegin und enge Mitarbeiterin Ita Wegmans – &#039;&#039;Hilma Walter&#039;&#039; – gewesen ist, der die Dokumentationen der Krankengeschichten des &#039;&#039;„Klinisch-Therapeutischen Instituts“&#039;&#039; zu verdanken sind, die den für das Buch formulierten Texten zugrunde liegen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Dokumentationen wurden 2007 von &#039;&#039;Peter Selg&#039;&#039; in der Originalfassung herausgegeben, so dass sie heute eingehend studiert und auch im Detail mit der textlichen Abfassung in Kapitel XIX verglichen werden können.[6] So wird auch deutlich, was Wegman direkt aus Walters Kasuistiken übernommen hat und was von den Autoren gekürzt, neu formuliert und auch ausgelassen wurde. Walter hat dann auch in ihrer Endredaktion des Buches nach Steiners Tod vor der Drucklegung insbesondere die Krankengeschichten noch einmal gründlich durchgesehen und wo nötig noch etwas gestrichen, damit keiner der dort geschilderten Patientinnen und Patienten in dem gedruckten Buch wiedererkannt werden konnte.[7] Waren es doch fast ausnahmslos Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft, um die es jeweils ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zu Peter Selgs Dokumentation von Krankengeschichten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Selg hat für seine Publikation nicht nur die Krankenunterlagen dieser neun Patienten im Original studiert, sondern auch die zugehörigen Notizbucheinträge im Nachlass Hilma Walters, die Ärzte- und Patientenkorrespondenz Wegmans sowie weitere Nachlassunterlagen. So liegen die Krankengeschichten aus Kapitel XIX gesichtet und aufgearbeitet vor und sind Grundlage für weitere Forschung. Er schreibt dazu insbesondere im Hinblick auf noch zu leistende weitere Kontextualisierungen dieser Krankengeschichten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Je plastischer die Kranken- und Therapiegeschichten jedoch selbst werden (indem man zwischen dem Original der Krankenakte und der Buchwiedergabe vergleichen kann – M.G.), umso klarer wird das methodische Gewichtungs- und Auswahlverfahren der Buchdarstellung erkennbar. In diesem Sinne vermögen die hier erstmals publizierten Materialien, verschiedene Aspekte deutlicher hervortreten zu lassen, darunter auch die Zeitgestalt der (oft monatelangen) Behandlung, der einzelnen Schritte und Vorgehensweisen, der therapeutischen Erfolge, aber auch der Rückfälle und weiter bestehenden Schwierigkeiten, die Teil der Kranken- und Behandlungsgeschichte waren. Sie bieten daher Anlass und Voraussetzung für ein erneutes und eingehendes Studium der Kasuistiken selbst.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Im Rahmen dieser Dokumentation wurde konsequent davon abgesehen, die zur Darstellung kommenden diagnostischen und therapeutischen Prozesse im Einzelnen zu kommentieren und zu bewerten; ein solcher Kommentar – vor dem Hintergrund der gesamten anthroposophischen Physiologie, Pathophysiologie und Therapeutik und in Auseinandersetzung mit einer schulmedizinischen Interpretation der verschiedenen Krankheitsfälle – soll zu einem späteren Zeitpunkt erarbeitet und publiziert werden.“[8]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Leuchtende Vorbilder für&#039;&#039; &#039;&#039;Wesensgliederdiagnosen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Diese von Selg in Aussicht gestellte Publikation konnte jedoch bisher nicht realisiert werden, bzw. bleibt ein weiterhin lohnendes und erforderliches Desiderat. Denn beides – der Hintergrund der gesamten anthroposophischen Physiologie, Pathologie und Therapeutika sowie die schulmedizinische Kontextualisierung – sind große Arbeitsvorhaben, die eigentlich nur im Team zu leisten sind und viel Zeit erfordern. Dennoch kann jeder interessierte Arzt auch aus dem bis jetzt vorliegenden Material unschätzbare Anregungen für die eigene Arbeit entnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anthroposophische Internist &#039;&#039;Friedwart Husemann (1945–2022)&#039;&#039; schreibt in seinem Kurzporträt über die &#039;&#039;„Erweiterung der Heilkunst“:&#039;&#039; &#039;&#039;„Bei den Krankengeschichten geben die Autoren Wesensgliederdiagnosen und sehr individuelle Heilverfahren, die für den anthroposophischen Arzt von heute ein leuchtendes und selten erreichtes Vorbild darstellen.“[9]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[10]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Hierbei handelt es sich um Kapitel aus dem Grundlagenwerk von Rudolf Steiner und Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Nach Wegmans Tod wurde zunächst eine Interim-Gruppenleitung eingesetzt – bis dann 1963 die enge Mitarbeiterin Wegmans in ihrem Arlesheimer Klinisch-Therapeutischen Institut, &#039;&#039;Margarete Kirchner-Bockholt (1894–1973),&#039;&#039; für ihre Nachfolge nominiert wurde, die sie dann nach ihrem Ausscheiden an &#039;&#039;Holtzapfel&#039;&#039; übergab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Holtzapfel (1973), 51–53.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Physiologisch-Therapeutisches auf Grundlage der Geisteswissenschaft. Zur Therapie und Hygiene,&#039;&#039; GA 314, S. 337–349.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. Selg (2007), 15f. und 21f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Ebd., 22.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Ebd., 23f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Selg (2007), 25.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] F. Husemann (2018), 323.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE DER THERAPIEFINDUNG GEWIDMETEN KAPITEL XIV BIS XVIII ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Blickrichtungen werden in den jeweiligen Kapiteln skizziert?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fünf therapeutische Perspektiven&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In den genannten Kapiteln von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; werden fünf therapeutisch-menschenkundliche Blickrichtungen geschildert, die es im Einzelfall gegeneinander abzuwägen oder zu kombinieren gilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Der therapeutische Aspekt des Siliziumprozesses ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;In Kapitel XIV&#039;&#039; wird der Silizium-Prozess zum Vorbild der therapeutischen Denkweise. Diese richtet ihr Augenmerk darauf, inwiefern Krankheitssymptome Ausdruck mangelnder oder überhöhter gegenseitiger Wahrnehmung bzw. Resonanz zwischen den Organsystemen und ihren Funktionen sind. Sie weisen auf die Notwendigkeit richtiger Balance zwischen notwendiger Abgrenzung und ebenso notwendiger Wahrnehmung der Belange des Gesamtorganismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Regulierungsmöglichkeiten bei schwacher Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Im Kapitel XV&#039;&#039; werden verschiedene Regulierungsmöglichkeiten aufgezeigt, wenn die Ich-Organisation diese Aufgabe nicht mehr zureichend leisten kann. Wie in den Kapiteln I bis VII geschildert, zeigen Krankheitssymptome an, wie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* im physischen Leib die &#039;&#039;Mineralisierung&#039;&#039;, &lt;br /&gt;
* im ätherischen Leib die &#039;&#039;Wachstumsbereitschaft&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* sowie die vom Astralleib bewirkten &#039;&#039;Absonderungs- und Ablagerungsprozesse&#039;&#039; partiell überhandnehmen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wenn sich diese Wesensglieder der Integrationskraft der Ich-Organisation nicht (mehr) ausreichend fügen, weil diese an Kraft eingebüßt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Heilmittelerkenntnis ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;In Kapitel XVI&#039;&#039; geht es um die Heilmittelerkenntnis, die man gewinnt, wenn man &#039;&#039;„durch der Natur Examen geht“[2]&#039;&#039; und den Blick primär auf die Kräfte lenkt, die als Zentral- und Universalkräfte in der unbelebten und belebten Natur wirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Prozessorientierte Substanz-Erkenntnis ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;In&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Kapitel XVII&#039;&#039;&#039; liegt der Fokus auf einer konsequent prozessorientierten Substanz-Erkenntnis, die Steiner im Ärztekurs für die jungen Mediziner so formuliert hat: dass es die Aufgabe des Arztes sei, &#039;&#039;„die Weltenaufgaben der Substanzen zu erkennen“.[3]&#039;&#039; Etwas von dieser ‚Weltenaufgabe‘ wird in der EH anhand der Ameisensäure und der Kleesäure aufgezeigt und damit auf die Bedeutung dieser Blickrichtung für bestimmte Prozesse im menschlichen Zellstoffwechsel hingewiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Therapeutischer Einfluss von Bewegungsübungen ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Kapitel XVIII&#039;&#039;&#039; enthält die fünfte therapeutische Blickrichtung: den regulierenden Einfluss von bewusst ausgeführten Bewegungsübungen auf die abbauenden und aufbauenden Stoffwechselprozesse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[4]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner und Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ausspruch des Paracelsus, auf den auch Steiner sich im ersten Ärztekurs von 1920 bezieht (vgl. oben, S. CXXX).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Meditative Betrachtungen und Anleitungen zur Vertiefung der Heilkunst. Vorträge für Ärzte und Medizinstudierende,&#039;&#039; GA 316, 22.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;DIE ICH-ORGANISATION IN DER DARSTELLUNG EINZELNER KAPITEL&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern ist die Ich-Organisation Trägerin von Gesundheit, aber auch Ursache für jegliche Krankheit?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wodurch beherrscht die Ich-Organisation die Erdenstoffe und Substanzen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wodurch werden Heilmittel zu Regulatoren und Unterstützern der Ich-Organisation?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Ich-Organisation als Verursacherin von Gesundheit und Krankheit&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ich-Organisation wird im Gang durch die Kapitel von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039;&#039;[1]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; als das Kraftsystem geschildert, das für die Erhaltung der Gesundheit und für den Erfolg von Heilungsvorgängen den Ausschlag gibt. Daher steht sie im Zusammenwirken mit der ätherischen Organisation als Trägerin der Regenerations- und Selbstheilungskräfte im Fokus jeder therapeutischen Intervention.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andererseits ist eben diese Ich-Organisation – zusammen mit dem Astralleib als außerkörperlich aktive ‚Geist- und Seelenfähigkeit‘ – zugleich Ursache und Grundlage dafür, dass wir krank werden und sterben können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zum Wirken der Ich-Organisation&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im Folgenden eine kurze Rekapitulation dessen, was in den einzelnen Kapiteln zur Wirkung der Ich-Organisation und den Substanzen in ihrem Dienst ausgeführt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel I – Der Substanzstrom fügt sich dem Ich = Gesundheit ====&lt;br /&gt;
In Kapitel I heißt es in Bezug auf alle Substanzen: &#039;&#039;„Die Wesenheit, welche diese Stofflichkeit als ‚Ich-Organisation‘ annimmt, ist zunächst die Form des Erdenstoffes, in der sich dieser am meisten seiner irdisch-physischen Art entfremdet.“&#039;&#039;&#039;[2]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Das bedeutet, dass sich der Substanzstrom nach seinem Durchgang durch die Bereiche der physischen, ätherischen und astralischen Kräfte auf der vierten Verwandlungsstufe dem &#039;&#039;„Weben und Wesen des ‚Ich‘“&#039;&#039; in der Form einfügt, dass er ‚Geist tragend‘ wird.[3]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kann dieser Verwandlungsprozess ungestört stattfinden, ist Gesundheit die Folge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel II – Ich-bedingte Störungen im Ätherischen ====&lt;br /&gt;
In Kapitel II werden Störungsmöglichkeiten aufgezeigt, indem zwei Formen des Krankseins geschildert werden, die jeweils durch ein zu starkes oder zu schwaches Untertauchen von Ich-Organisation und Astralleib in die physisch-ätherische Konstitution entstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt bedarf es der Regulation durch Arzneimittel, die auf die eine oder andere Weise die ätherische Organisation in ihrer Regenerations- und Selbstheilungsfähigkeit unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel III und IV – Über das Pflanzen- und Tierreich ====&lt;br /&gt;
In den Kapiteln III und IV wird die Ich-Organisation nicht erwähnt – hier stehen die ätherische und astralische Organisation und das durch sie mögliche Pflanzen- und Tierreich im Zentrum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deren gesundes Zusammenleben und -wirken ist im Haushalt der Natur im Sinne des ökologischen Gleichgewichts reguliert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel V – Menschengestalt dank des Wirkens der Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
In Kapitel V wird die Ich-Organisation neu eingeführt als das Kraftsystem, welches in der Lage ist, die verschiedenen Kräftebereiche – den physischen, den ätherisch-pflanzlichen sowie den astralisch-tierischen – ‚im Fluss zu halten‘. Das bedeutet, die menschliche Konstitution vor jeglicher Spezialisierung und Einseitigkeit zu bewahren. Dadurch verwandeln sich die Substanzströme im Bereich der physischen, ätherischen und astralischen Kräfte nochmals: Es entsteht ein dreifacher Substanzstrom, aus dem heraus sich die innere und äußere menschliche Gestalt bildet. Dadurch wird sie zum Träger des selbstbewussten Geisteslebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Bis in die kleinsten Teile seiner Substanz hinein ist der Mensch in seiner Gestaltung ein Ergebnis dieser Ich-Organisation.“[4]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel VI – Einfluss der Ich-Organisation auf Blut, Skelett und Gehirn ====&lt;br /&gt;
In Kapitel VI wird dies weiter erläutert, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* indem die gesamte &#039;&#039;Blutbildung&#039;&#039; bis hin zur Wirkung der Verdauungsenzyme als unter dem Einfluss der Ich-Organisation stehend geschildert wird.&lt;br /&gt;
* Und in der Bildung des &#039;&#039;Skeletts&#039;&#039; geht das Wesen der Ich-Organisation so vollständig auf, dass dieses als ihr physisches Abbild gesehen werden kann.&lt;br /&gt;
* Im &#039;&#039;Gehirn&#039;&#039; dagegen ist das Ich als geistige Wesenheit tätig. Seine formbildende, ins Physische hineinwirkende Kraft wird dort aber ganz vom Ätherischen sowie von den Eigenkräften des Physischen überwältigt. Dem Gehirn liegt die organisierende Kraft des Ich also nur leise zugrunde, da sie im Wirken des Lebendigen und in den physischen Eigenwirkungen untergeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist auch der Grund, warum das Gehirn zum Träger der geistigen Ich-Wirkung wird: Gerade weil die Ich-Organisation im Gehirn nicht organisch-physisch in Anspruch genommen wird, sind ihre Kräfte als solche völlig frei, sich geistig zu betätigen.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel VII – Ich-Organisation, Eisen und Selbstheilungskräfte ====&lt;br /&gt;
In Kapitel VII wird die Ich-Organisation als maßgeblich für die körpereigenen Selbstheilungskräfte eingeführt. Diese beruhen darauf, dass die Ich-Organisation in der Lage ist, das im Sinne der äußeren Natur noch kristallisationsfähige Eisen in ihre Gestaltungskräfte hinein zu ‚zwingen‘.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel VIII – Glukosestoffwechsel und Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Im Kapitel VIII wird der gesamte Glukosestoffwechsel als Instrument der Ich-Organisation dargestellt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Wo Zucker ist, da ist Ich-Organisation; wo Zucker entsteht, da tritt die Ich-Organisation auf, um die untermenschliche (vegetative, animalische) Körperlichkeit zum Menschlichen hin zu orientieren.“[6]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel IX – Ich-Organisation als Beherrscherin des Unorganischen ====&lt;br /&gt;
Kapitel IX schildert die Eigenschaft der Ich-Organisation, sich bis in die Kräfte des unorganisch Toten hinein als beherrschend zu zeigen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Alles, was in den Bereich der Ich-Organisation kommt, erstirbt. Daher gliedert sich die Ich-Organisation im physischen Leib rein unorganische Substanzen ein. Diese wirken im menschlichen physischen Organismus nicht so wie in der leblosen Natur außerhalb des Menschen; aber sie wirken doch eben unorganisch, d.h. ertötend.“[7]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel X – Erdenstoffe als Wärmelieferanten für die Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
In Kapitel X wird deutlich gemacht, was mit der Formulierung, dass sich alle Erdenstoffe dem &#039;&#039;„Weben und Wesen des ‚Ich‘ einfügen“,&#039;&#039; gemeint ist. Denn von jeder im menschlichen Körper befindlichen Substanz kommt für die Ich-Organisation nur so viel in Betracht, als bei deren Wirksamkeit Wärmeentfaltung stattfindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entzieht sich ein Wärmebezirk der Herrschaft der Ich-Organisation, so markiert dies den Beginn pathologischer Prozesse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel XI – Ich-Organisation und Harnsäureverteilung ====&lt;br /&gt;
In Kapitel XI heißt es: In der richtig verteilten Harnsäureablagerung &#039;&#039;„kommt zum Ausdrucke, ob zwischen der Ich-Organisation und dem astralischen Leib in irgendeinem Organ oder Organsysteme das rechte Verhältnis besteht.“[8]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel XII – Ich-Organisation und Ausscheidungstätigkeit ====&lt;br /&gt;
Kapitel XII beschreibt das Wesen der Ich-Organisation als reine Wärmeaktivität – sowohl bei der Organbildung durch Erhöhung oder Verminderung der Wärmezustände, als auch in den Tätigkeiten, die nach innen oder nach außen zu Ausscheidungen führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Insofern in diesen Ausscheidungen Stoffe eingelagert sind, &#039;&#039;„die bis zum Unorganischen getrieben sind, dann lebt in diesen auch die Ich-Organisation“[9]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel XIII – Ich-Organisation und Phosphor ====&lt;br /&gt;
In Kapitel XIII wird der Phosphor als das Element geschildert, welches eine besondere Beziehung zur Ich-Organisation hat: Phosphor findet sich im menschlichen Organismus als Phosphorsäure und phosphorsaure Salze im Eiweiß, im Faserstoff [das Blutgerinnungssystem, MG], im Gehirn, in den Knochen. Er drängt zu den unorganischen Substanzen hin, die in dem Bereich der Ich-Organisation ihre Bedeutung haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er regt die bewusste Tätigkeit des Menschen an.[10]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel XIV – Ich-Organisation und Kieselsäure ====&lt;br /&gt;
Kapitel XIV ist der Kieselsäure als der &#039;&#039;„physischen Grundlage der Ich-Organisation“&#039;&#039; gewidmet,– denn die Gestaltung des Körpers und der einzelnen Organe ist nur möglich mithilfe einer Substanz, die einerseits in der ganzen Gestaltungsfülle der Lebenswelt beherrschend auftritt und die andererseits eine größtmögliche Oberflächensensibilität und Resonanzfähigkeit besitzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ermöglicht ein sensibles und selbstbewusstes Leben in der Sinneswelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel XV – Heilmittel für altersbedingte Störungen im Kieselsäureorganismus ====&lt;br /&gt;
In Kapitel XV werden Heilmittelwirkungen geschildert, die altersbedingte Störungen im Kieselsäureorganismus regulieren können: &#039;&#039;„Denn alle Entwicklung des menschlichen Organismus beruht darauf, dass ursprünglich die Gesamtgestaltung des physischen und ätherischen Leibes aus der Tätigkeit des Astralischen und der Ich-Organisation sich ergibt; dass aber mit zunehmendem Alter die astralische und Ich-Tätigkeit in der physischen und ätherischen Organisation weiterlaufen. Tun sie das nicht, so müssen der astralische Leib und die Ich-Organisation in einem Stadium ihrer Entwickelung in einer Art eingreifen, zu der sie in diesem Stadium nicht mehr geeignet sind.“[11]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel XVI – Parallelen von Antimonprozessen und Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Kapitel XVI schließlich zeigt auf, dass Antimonprozesse so wirken, &#039;&#039;„wie die Ich-Organisation“.[12]&#039;&#039; Das wird am Beispiel des Antimons in seiner Beziehung zum Schwefel in Form des in der Natur vorkommenden Grauspießglanzes aufgezeigt (Sb2 S3, auch als Antimonit bzw. Stibnit bekannt), sowie am Prozess der Austernschalenbildung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für alle drei Substanzen, von denen hier die Rede ist, gilt, dass, wenn man sich näher mit ihnen befasst, dies das Verständnis der von Rudolf Steiner und Ita Wegman charakterisierten Wirkungsweisen untermauert. Denn es komme darauf an, &#039;&#039;„die Wirkungen zu beobachten, die sich aus dem Zusammenhange der inneren Kräftekonstitution einer Substanz im Verhältnis zu den Kräften ergeben, die von der Erde ausstrahlen oder in sie einstrahlen“.[13]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[14]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Siehe FN 1, S. 9.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe FN 1, S. 29.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5]  Siehe FN 1, S. 36.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Siehe FN 1, S. 44.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Siehe FN 1, S. 48.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Siehe FN 1, S. 57.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Siehe FN 1, S. 63.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Siehe FN 1, S. 67.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Siehe FN 1, S. 74.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Siehe FN 1, S. 79.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] Siehe FN 1, S. 77.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== „GRUNDLEGENDES FÜR EINE ERWEITERUNG DER HEILKUNST“ ALS MEDITATIONSBUCH ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern ist das im Titel genannte medizinische Grundlagenbuch[1] auch ein Meditationsbuch?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielt dabei das Denken?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Bedeutung hat das sinnlichkeitsfreie Denken für die Erfassung der inneren und äußeren Welt?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die verbindende Rolle des Denkens&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die anthroposophische Meditation nimmt ihren Ausgangspunkt beim Denken. Dieses geht auch wach wahrnehmend mit, wenn es um Körpermeditationen, Sinnesschulung und Wortmeditationen geht.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Immer spielt das Denken eine zentrale Rolle, wenn es um die Erfassung der Welten geht, in die der Mensch eingebunden ist:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;&#039;naturwissenschaftlichen Methoden&#039;&#039;&#039; beruhen auf einer Erforschung der &#039;&#039;„sinnenfällig gegebenen Welt“,[3]&#039;&#039; die mithilfe des Denkens analysiert wird, um die zugrunde liegenden Gesetzmäßigkeiten zu finden.&lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;&#039;geisteswissenschaftliche Methode&#039;&#039;&#039; im Sinne Steiners stützt sich auf das Denken, das zum Anschauungsorgan für Geistiges weiterentwickelt werden kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein gemäß der anthroposophischen Erkenntnisschulung &#039;&#039;„erkraftetes Denken“[4]&#039;&#039; wird methodisch bereits in Kapitel I beschrieben und liegt allen weiteren Ausführungen des Buches zugrunde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Verbindende zwischen Natur- und Geisteswissenschaft kann nicht im Bereich des sinnlich Wahrnehmbaren liegen. Es kann nur im Denken selber gefunden werden, da dies in beiden Bereichen gleichermaßen führend ist, wenn etwas verstanden werden soll. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Stärkung des sinnlichkeitsfreien Denkvermögens&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Auch für die anderen Grundschriften Rudolf Steiners gilt, dass ihre Lektüre das sinnlichkeitsfreie Denkvermögen stärkt. Doch ist dies bei dem Grundlagenwerk der Anthroposophischen Medizin[5] in besonderem Maße der Fall. Denn es ist so abgefasst, dass man ohne eigene echte Gedankenanstrengung kaum Gewinn davon hat bzw. das Werk als unzugänglich empfinden muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von daher auch in Kapitel I der Hinweis auf die beiden Schulungsbücher &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“[6]&#039;&#039; und &#039;&#039;„Die Geheimwissenschaft im Umriss“[7]&#039;&#039; sowie auf ergänzende Schriften und Vorträge, in denen die Übungen beschrieben sind zur Weiterentwicklung der Tätigkeiten des Denkens, Fühlens und Wollens. Damit ist klargestellt, dass Medizin nicht nur bedeutet, viel über den Menschen zu wissen, sondern auch, die geistigen Quellen zu kennen, denen der Mensch sein Dasein und seine Entwicklungskompetenz verdankt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Kritikern der Anthroposophie wird mit Bezug auf die meditative Selbstschulung gerne der Einwand erhoben, dass keiner der Schüler Steiners bisher die von ihm beschriebenen höheren und höchsten Einweihungsgrade erreicht habe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Meisterschaft durch Übung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wer jedoch den von Steiner empfohlenen Weg zur höheren Erkenntnis beschreitet, kann bei sachgemäßer Befolgung schon der allerersten Übungsanweisung: &#039;&#039;„Schaffe dir Augenblicke innerer Ruhe und lerne in diesen Augenblicken das Wesentliche von dem Unwesentlichen unterscheiden“,[8]&#039;&#039; an sich selbst erleben, wie stark die Wirkung einer solchen Übung ist, wenn man sie durchführt und beginnt, mit ihr zu leben. Dadurch hat man bereits eine Erfahrung gemacht, die Vertrauen stiftet, auch anderes zu versuchen oder auch Forschungsergebnisse Steiners zumindest hypothetisch für möglich zu halten und Leben und Erfahrung im Lichte einer solchen hypothetischen Annahme zu reflektieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das kann z.B. auch Medizinstudenten motivieren, den einen oder anderen Hinweis aus der anthroposophischen Geistesforschung zum Ausgangspunkt einer Doktorarbeit bzw. späteren Habilitation zu machen – was Steiner in seinen Kursen mehrfach vorgeschlagen hat und was auch wiederholt geschehen ist.[9]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[10]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Meditative Betrachtungen und Anleitungen zur Vertiefung der Heilkunst&#039;&#039;, Vorträge für Ärzte und Medizinstudierende, GA 316.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wahrheit und Wissenschaft, 11. Kapitel,&#039;&#039; GA 3.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Vorstufen zum Mysterium von Golgatha,&#039;&#039; GA 152, Seite 51–53.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Siehe FN 1.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?, GA 10.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Geheimwissenschaft im Umriss, GA 13.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Sie FN 4, 1. Kapitel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://medsektion-goetheanum.org/forschung/publications&amp;lt;/nowiki&amp;gt;; [6.1.2025].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Offenborn</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Anthroposophische_Medizin&amp;diff=1259</id>
		<title>Anthroposophische Medizin</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Anthroposophische_Medizin&amp;diff=1259"/>
		<updated>2026-01-17T10:06:54Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Offenborn: /* HUMANMEDIZIN DER ZUKUNFT */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= Anthroposophische Medizin – von Michaela Glöckler =&lt;br /&gt;
Auszüge aus Büchern und Vorträgen von [[Michaela Glöckler]]; Erstveröffentlichung auf https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== HUMANMEDIZIN DER ZUKUNFT ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was war Rudolf Steiners Vision einer Humanmedizin der Zukunft?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Herausforderungen müssen zu ihrer Verwirklichung gemeistert werden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Berücksichtigung der Individualität und Würde&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiners letztes Werk, &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“,[1]&#039;&#039; das er gemeinsam mit Ita Wegman verfasste, gibt einen klaren Ausblick auf eine Humanmedizin der Zukunft, in der sich die Erkenntnisse der naturwissenschaftlich-empirischen Forschung mit denen der anthroposophischen Geistesforschung zur Heilkunst verbinden können. Wäre der Mensch eine Maschine, so ließen sich Körper, Seele und Geist reparieren und steuern, sobald der Mechanismus durchschaut ist. Auch wenn dieses Paradigma immer noch hoch im Kurs steht: Die tägliche Erfahrung zeigt, dass dem nicht so ist. Jedes Individuum, jede menschliche Biografie ist einmalig und bedarf der individuellen (Selbst-)Erkenntnis, Pflege und Gestaltung. Nicht umsonst gibt es den schönen Begriff der Lebenskunst dafür, wenn diese individuellen Gestaltungsprozesse graduell gelingen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wird das Menschenbild auf die rein naturwissenschaftliche Ebene reduziert und Seele und Geist – hypothetisch – zu Ergebnissen von molekulargenetisch und biochemisch steuerbaren Prozessen gemacht, verliert der Begriff menschlicher Würde seinen Inhalt. Denn Wert und Inhalt erhält dieser Begriff durch die Möglichkeit der Entwicklung von Freiheit, Selbstverantwortung und einer Kultur des Gewissens, wie sie der Frühromantiker &#039;&#039;Novalis&#039;&#039; im zweiten Teil seines &#039;&#039;„Heinrich von Ofterdingen&#039;&#039;“ so prägnant beschrieben hat und wie sie auch der Anthroposophie zugrunde liegt.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine solche Kultur lässt sich nicht von außen steuern, wohl aber kann sie sich entwickeln, wenn dies von vielen einzelnen Menschen individuell eingesehen und gewollt wird – wenngleich sie heute noch vielfach als „Torheit“ angesehen wird. Rudolf Steiner sagte dazu: &#039;&#039;„Aber was oft die Vernunft der kommenden Zeiten ist, das ist für die vorhergehenden Torheit.“[3]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verbindung von Materialismus und Spiritualität&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
So ging es Steiner auch dezidiert nicht um ein Entweder-Oder bezüglich Materialismus und Spiritualität, sondern um ein wirklichkeitsgemäßes Sowohl-als-auch:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Der Materialismus ist die Weltanschauung, die den Menschen betrachtet, insofern er hervorgegangen ist aus den Substanzen und Kräften dieser Erde. Und wenn auch mancher betont, der Mensch bestehe nicht bloß aus den Substanzen und Kräften dieser Erde, so haben wir doch keine Wissenschaft, die sich mit dem am Menschen beschäftigt, was nicht aus den Substanzen und Kräften dieser Erde kommt. Deshalb ist heute die Behauptung von vielen, die es von ihrem Standpunkt aus gut meinen, daß irgendwie das Ewige in dem Menschen dennoch verstanden werden könne, eine nicht ganz ehrliche. […] Und viele, die heute den Materialismus widerlegen wollen, wissen eigentlich nicht, was sie tun; denn sie ahnen nicht, welche ungeheure Bedeutung die Detailkenntnisse haben, die der Materialismus gebracht hat. Und sie ahnen nicht, was für eine Konsequenz für das Ganze der Menschenerkenntnis der Materialismus gebracht hat“.[4]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Es ist die Tragik des Materialismus, daß er nichts von der Materie weiß, wie sie in Wirklichkeit in den verschiedenen Gebieten des Daseins wirkt. [...] Er weiß gar nichts über die Wirkung der Materie, weil man darüber erst etwas erfährt, wenn man die in der Materie wirksame Geistigkeit, die die Kräfte darstellen, ins Auge fassen kann.[5]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von dieser &#039;&#039;„in der Materie wirksamen Geistigkeit“&#039;&#039; ist in &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst[6]&#039;&#039; die Rede – so wie sie aus Sicht der Anthroposophie im Weltall, der Natur und im Menschen anzutreffen ist. Diese ‚Kräfte‘ und ihre Gesetzmäßigkeiten ebenso zu studieren wie die Naturgesetze, ist und bleibt lebenslang Aufgabe und Herausforderung für jeden anthroposophischen Arzt. Das Ziel dieses Weges – der sich gesund entwickelnde Mensch – ist dabei ein inspirierendes Ideal für Forschung, Entwicklung und tägliche Arbeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Integrativ-medizinischer Ansatz der AM&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin (AM) ist inzwischen auf allen Kontinenten vertreten in Form von Arztpraxen, Therapiezentren mit vielfältigen Behandlungsangeboten, Pflegeeinrichtungen, Krankenhäuser, Akutversorgungs- und Rehabilitationszentren, private medizinische Kliniken und multidisziplinäre Ambulanzen.[7] Diese weltweite Präsenz bestätigt den integrativ-medizinischen Ansatz, der weit über eine bloße „tolerante Kooperation“ von verschiedenen komplementären Modalitäten hinausgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Angebot der Anthroposophischen Medizin umfasst: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* konventionelle Methoden &lt;br /&gt;
* spezifische anthroposophische Arzneimittel,&lt;br /&gt;
* Pflegetechniken und äußerliche Anwendungen,&lt;br /&gt;
* künstlerische Therapien,&lt;br /&gt;
* Beratung zu gesunder Lebensführung und Ernährung,&lt;br /&gt;
* Körperarbeit,&lt;br /&gt;
* therapeutische Eurythmie&lt;br /&gt;
* und Meditationspraktiken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin (AM) wird in Steiners letztem Werk als auf einer stringenten anthropologisch-philosophischen Methode basierend dargestellt, die die Wirkprinzipien aller spirituellen, psychosomatischen und naturwissenschaftlich fundierten Heilmethoden umfasst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[8]&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Zu Novalis siehe auch Kap. V sowie GA 59, 236–268 und Glöckler (2023c).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Siehe FN 1, S. 46.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Der übersinnliche Mensch, anthroposophisch erfasst&#039;&#039;, GA 231, 58f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Anthroposophie — Eine Zusammenfassung nach einundzwanzig Jahren. Zugleich eine Anleitung zu ihrer Vertretung vor der Welt&#039;&#039;, GA 234, 86.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Siehe FN 1, Kapitel 12.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] www.ivaa.info/anthroposophic-medicine/care-settings/.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ITA WEGMAN UND DIE ENTWICKLUNG DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kam es zur Begründung der Anthroposophischen Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie entwickelte sich die Zusammenarbeit von Ita Wegmann und Rudolf Steiner?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Schicksalhafte Zusammenarbeit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin verdanken wir der Zusammenarbeit von Rudolf Steiner und &#039;&#039;Ita Wegman&#039;&#039;. Wegman bekam von Rudolf Steiner den Anstoß, nach ihrer Ausbildung in Schwedischer Massage auch noch Medizin zu studieren. Dafür musste sie jedoch das Abitur nachholen, was für die bereits Siebenundzwanzigjährige eine große Herausforderung war. In der Zeit der Prüfungsvorbereitung schrieb sie Rudolf Steiner einen bewegenden Brief, ob er nicht etwas wüsste, das ihr helfen würde, sich besser zu konzentrieren. Leider ist uns die Antwort nicht bekannt. Jedenfalls ging alles gut, und sie begann auf Anraten &#039;&#039;Marie Steiners&#039;&#039; ihr Studium in Zürich. Deren Begründung für die Ortswahl war: &#039;&#039;„Unsere ganze Bewegung kommt ja doch einmal in die Schweiz.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu diesem Zeitpunkt war jedoch noch keine Rede davon – die Zentren der anthroposophischen Arbeit waren München und Berlin. So vollzog sich die Verbindung von anthroposophischer Geisteswissenschaft und materialistischer Schulmedizin, die bis heute für die Weiterbildung zum Anthroposophischen Arzt unerlässlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1907, bei der Spaltung der theosophischen Gesellschaft, stellte sich Ita Wegman klar auf die Seite Rudolf Steiners und der Anthroposophie. Das war nicht selbstverständlich. Denn seit ihrem 18. Lebensjahr hatte sie sich dem Gedankengut der Theosophie gewidmet als Mitglied der Theosophischen Gesellschaft. Doch nach dem schicksalhaften Zusammentreffen mit Rudolf Steiner in Berlin war sie seine persönliche Schülerin geworden.[1] Ita Wegman engagierte sich dann mit anderen dafür, dass Rudolf Steiner oft in die Schweiz kam, um Vorträge zu halten. Wenn sie zu viel reiste, um auch in anderen Städten und in Deutschland seine Vorträge hören zu können – sie war auch 1911 in Prag bei dem Vortragszyklus über die okkulte Physiologie – ermahnte Rudolf Steiner sie, dass sie auch studieren müsste, um ihr Medizinstudium abzuschließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fruchtbare Konsequenzen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wegman war quasi der Prototyp eines anthroposophischen Arztes: nicht primär der Homöopathie oder einer spirituell-komplementärmedizinischen Richtung verbunden, sondern akademisch ausgebildet an einer renommierten Universität. Ihre fachärztliche Weiterbildung zur Gynäkologin absolvierte sie am Spital Liestal ganz in der Nähe von Dornach&#039;&#039;&#039;.&#039;&#039;&#039; Anschließend ließ sie sich in Basel als Allgemeinärztin nieder. 1921 entschloss sie sich, ein klinisch-therapeutisches Institut in Arlesheim zu eröffnen. Zu ihrer großen Freude sagte Rudolf Steiner zu, dort mit ihr zusammenzuarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist Ita Wegman eng mit der Geschichte der anthroposophisch-medizinischen Bewegung verbunden: Die Zusammenarbeit mit Rudolf Steiner reichte von der Beratung beim Abitur und beim Studium über die parallelen Studien der Mainstream-Medizin und der Anthroposophie bis hin zur Begründung der ersten Klinik und der gemeinsamen Behandlung vieler Patienten, wovon hunderte dokumentierter Krankengeschichten zeugen. Zuletzt, in seiner Krankheitszeit vor seinem Tode, begleitete sie Rudolf Steiner zusammen mit Ludwig Noll als seine Ärztin. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Krönung dieser Zusammenarbeit war jedoch die im Herbst 1923 begonnene Arbeit an dem ‚Medizinischen Buch’, das nach dem Tode Rudolf Steiners unter dem Titel &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[2]&#039;&#039; herauskam und dessen 18. Kapitel der Heileurythmie gewidmet ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Parzifal-Frage als entscheidender Impuls&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ita Wegman war es auch, die Rudolf Steiner im Sommer 1923 die für die gesamte anthroposophische Bewegung entscheidende Frage nach der Erneuerung der Mysterien gestellt hatte. Als dieser nach dem Brand des ersten Goetheanum und dem Versagen der Anthroposophischen Gesellschaft mit der Frage lebte, ob er einen Orden gründen und sich aus der Anthroposophischen Gesellschaft zurückziehen sollte, sagte sie zu ihm: &#039;&#039;„Aber Herr Doktor, Sie können doch die Gesellschaft nicht alleine lassen!“&#039;&#039; Im Sommer 1923 dann, in England, wurde ihr das zentrale Anliegen ihres Lebens bewusst, welches sie Rudolf Steiner gegenüber etwa so formulierte: &#039;&#039;„Ich möchte gerne eine Medizin haben, wie es sie zu den Zeiten der alten Mysterien gab – nur in christlicher Form.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Bernard Lievegoed&#039;&#039; hat wiederholt erzählt, wie Rudolf Steiner zu &#039;&#039;Zeylmans van Emmichhofen&#039;&#039; gesagt hätte, dass diese Frage Ita Wegmans für ihn „die Parzival-Frage“ gewesen wäre, die ihn veranlasst hätte, die Weihnachtstagung von 1923/24 zur Neubegründung der Anthroposophischen Gesellschaft abzuhalten. Ohne diese Frage wären die Neubegründung der Gesellschaft und die öffentliche Begründung der Hochschule für Geisteswissenschaft durch Rudolf Steiner gar nicht möglich gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Vom Wesen der Heileurythmie als Herzorgan der Anthroposophischen Medizin“,  1. Weltkonferenz für Heileurythmie am Goetheanum, 30. Mai 2008&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Peter Selg hat in seinem Buch zum Münchner Kongress 1907 dieses Schicksalsmoment neu dokumentiert und zugänglich gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ENTWICKLUNG UND DERZEITIGER STAND DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie hat sich die anthroposophische Medizin seit ihrer Entstehung entwickelt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;In welchen philosophischen und ethischen Prinzipien hat sie ihre Wurzeln?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Historische Entwicklung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von dem österreichischen Philosophen &#039;&#039;Dr. Rudolf Steiner&#039;&#039; (1861-1925) und der Ärztin &#039;&#039;Dr. med. Ita Wegman&#039;&#039; (1876-1943) in Zusammenarbeit mit weiteren Ärzten entwickelt. Die Grundlagen dieser Medizin wurden 1920-1924 im Rahmen von Kursen vermittelt, die Steiner auf Einladung von Ärzten und Medizinstudenten hielt, die nach einem Menschenbild suchten, das sich sowohl auf die Naturwissenschaft als auch auf die anthroposophische Geisteswissenschaft beruft. Ihr Anliegen war von vornherein nicht alternativ-medizinisch, sondern integrativ, d.h. es orientierte sich an der Wirklichkeit des Menschen selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inzwischen gibt es die Anthroposophische Medizin in über 80 Ländern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Europa sind einige größere Akutkliniken entstanden. Hinzu kommen Sanatorien, Reha-Einrichtungen und zahlreiche Arztpraxen aus nahezu allen Fachrichtungen sowie weltweit über 400 Institutionen für Menschen mit Behinderungen. In den letzten dreißig Jahren kamen neu Einrichtungen für die Altenpflege und die Suchtbehandlung dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophische Ärzte arbeiten auch in Kooperation mit Pädagogen als Schulärzte sowie in der medizinischen Forschung und in der Arzneimittelherstellung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ambulanten Bereich haben sich aus der interdisziplinären Zusammenarbeit von Ärzten, Krankenschwestern, Kunsttherapeuten, Physiotherapeuten u.a. vielerorts so genannte „Therapeutika&amp;quot; entwickelt, d.h. ein neuer Typ von Gemeinschaftspraxen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Erkenntnistheoretische Wurzeln&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Erkenntnistheoretisch und ethisch wurzelt die Anthroposophie in der Philosophie und Kunstauffassung des deutschen Idealismus, wie sie insbesondere von &#039;&#039;Goethe&#039;&#039; (1749-1832), &#039;&#039;Schiller&#039;&#039; (1759-1805), &#039;&#039;J. G. Fichte&#039;&#039; (1762-1814), &#039;&#039;Novalis&#039;&#039; (1772-1801) und &#039;&#039;Schelling&#039;&#039; (1775-1854) vertreten wurden. So trägt Steiners erkenntnistheoretisches Frühwerk (1884) den Titel: &#039;&#039;„Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung“.[1]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Suche nach einer im Geist gegründeten Anschauung vom Menschen, die sich selber stützen kann im Erarbeiten einer inneren und äußeren Evidenz, sowie der Wille zu Entwicklung von Autonomie und Verantwortung prägen die ethische Grundhaltung anthroposophischer Ärzte und Therapeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Weiterbildung zum anthroposophischen Arzt ist durch eine international vereinbarte Zertifizierung geregelt. Der anthroposophische Arzt hat die Verpflichtung, die Ergebnisse aus Steiners Geistesforschung selbständig nachzuvollziehen und anhand der eigenen Lebens- und Berufserfahrung zu überprüfen und weiterzuentwickeln. Werden Mitteilungen Steiners unreflektiert übernommen, besteht die Gefahr der Ideologisierung und Dogmatisierung, was der Anthroposophischen Medizin schadet bzw. ihrer Entwicklung im Wege steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Haltung der Mitverantwortung fördern&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Heinrich Schipperges&#039;&#039; führt in seinem Buch &#039;&#039;„Moderne Medizin im Spiegel der Geschichte“[2]&#039;&#039; aus, dass die gegenwärtige Medizin nach einer Phase des unaufhörlichen Fortschritts und trotz aller großartigen Leistungen zunehmend in eine bedrohliche Krise geraten ist. Genau genommen ist diese Krise jedoch die medizinische Spielart der Menschheitskrisen von heute: ökologische Katastrophen, Armut, Hunger, Genozid, Bildungsnotstand, Energiekrise u.a. Diesen Krisen ist gemeinsam, dass ihre Ursache in einem Menschen- und Naturverständnis liegt, das keinen inneren geistigen Zusammenhang zu den Naturerscheinungen und dem Menschen herstellt. Wird dieser Zusammenhang bewusst erlebt, führt er zu einem starken Gefühl der Solidarität mit dem gesamten Evolutionszusammenhang von Erde, Natur und Mensch. Diese mitfühlende Verantwortlichkeit für alles Lebendige möchte die Anthroposophische Medizin fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung,&#039;&#039; GA 2.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Heinrich Schipperges, &#039;&#039;Moderne Medizin im Spiegel der Geschichte,&#039;&#039; Stuttgart 1970.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== WARUM ANTHROPOSOPHIE IN DER MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wozu braucht es Anthroposophie?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern handelt es sich bei der Anthroposophischen Medizin um eine „Weltanschauungsmedizin“?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sind die grundlegenden Aspekte der Anthroposophischen Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Medizin als Ausdruck einer bestimmten Sicht auf Mensch, Natur und Umwelt&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophie (Anthropos = Mensch, Sophia = Weisheit, Wissenschaft) gilt bis heute als nicht leicht zugänglich. Auch wenn viele anthroposophische Initiativen auf den Gebieten der Heilpädagogik und Pädagogik, der Landwirtschaft und Medizin bekannt sind, bleibt das, was als integratives Welt- und Menschenbild der Anthroposophie dahintersteht, meist vage. Man weiß nicht so recht, ob es sich dabei um eine Philosophie handelt, eine Art Religion oder um eine diffizile oder auch „eklektische“ Weltanschauung. Man fragt angesichts der Vielfalt anthroposophischer Einrichtungen und Initiativen auch, ob der anthroposophische „Überbau“ dafür überhaupt nötig sei, ob man ähnlich Gutes nicht auch ohne diesen leisten könne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jedes medizinische System ist Ausdruck einer bestimmten Sicht auf Mensch, Natur und Umwelt und insofern eine „Weltanschauung“. Das gilt auch für den naturwissenschaftlichen Materialismus, für Idealismus, Realismus und andere philosophische oder geistige Orientierungen. Wer glaubt, keine Weltanschauung zu haben, hat seinen eigenen Standpunkt und, was diesen stützt, noch nicht reflektiert &#039;&#039;–&#039;&#039; was eines der Haupthindernisse ist, die „Normalität“ der Anthroposophischen Medizin anzuerkennen. Eine individuell erarbeitete Weltanschauung wie die Anthroposophie ist jedoch klar abzugrenzen von der familiären oder traditionellen Zugehörigkeit zu einer Glaubensgemeinschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Anthroposophie als Verständnishilfe&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Jedem ganzheitlichen medizinischen System – ob nun traditionell chinesische, ayurvedische oder homöopathische Medizin – liegt ein spirituelles Menschen- und Weltbild zugrunde, das die gemeinsame Evolution von Mensch, Erde und Weltall beschreibt. Neu ist bei der anthroposophischen Medizin nur, dass Steiner sich auf keine dieser alten Traditionen beruft, sondern einen Erkenntnisweg beschreibt, auf dem jeder &#039;&#039;selber&#039;&#039; die Möglichkeit entwickeln kann, sich mit seinem Wahrnehmungs- und Denkvermögen an die spirituellen Quellen anzuschließen.[1] Durch eigene Beobachtung, Empathie und situationsgerechtes Denken zu den nötigen Einsichten für Diagnose und Therapie zu kommen ist das Arbeitsideal – nicht nur eine traditionelle Heilweise oder Technik zu lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich war viele Jahre in verschiedenen asiatischen Ländern und auch weltweit mit einem Ausbildungsprogramm für Anthroposophische Medizin unterwegs. Es hat mich anfangs gewundert, dass Chinesen, Japaner, Taiwanesen, Inder, Indonesier, Philippiner sich für Anthroposophische Medizin interessieren. Als Motive nannten sie das Menschenbild der Anthroposophie, das ihnen hilft, die Brücke zu bilden zwischen dem heutigen Denken und den alten überlieferten Bildern und Werten ihrer Heilverfahren, die zwar gute Ergebnisse liefern, aber für den modernen Menschen oft nicht genau aufschlüsseln können, wie sie wirken. Die Anthroposophie half ihnen, ihre eigenen Medizinsysteme und ihre Wirkungsweisen besser zu verstehen. In Indien gab es ayurvedische Ärzte, die keine Zertifikate für Anthroposophische Medizin wollten, sondern zu uns kamen, um bessere Ayurveda-Ärzte zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Grundlegende Aspekte Anthroposophischer Medizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wer der Anthroposophie begegnet, trifft auf vier Aspekte, die je nachdem alle vier oder auch nur der eine oder andere das Interesse wecken und zum weiteren Studium anregen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Philosophischer Aspekt ====&lt;br /&gt;
Das philosophische Fundament der Anthroposophie schließt an die Erkenntnisweise Goethes an sowie an den deutschen Idealismus mit dessen Idealen von Freiheit und Würde, Wahrheit und Liebe.[2] Rudolf Steiner benannte sogar seine Anthroposophische Hochschule in Dornach nach Goethe: Goetheanum.[3] Das zeugt von der großen Wertschätzung, die er diesem Genie mitteleuropäischer Geistes- und Kulturgeschichte zeitlebens entgegenbrachte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für manche Menschen ist Philosophie nicht wichtig, man möchte gute Ideen für seine Arbeit und sein Leben haben und keine Zeit mit intellektuellen Grübeleien verlieren. Es gibt aber auch Menschen, die nur deshalb Anthroposophen werden, weil sie hier eine Erkenntnistheorie und deren philosophische Begründung finden, durch die sie sich selbst und ihren Zusammenhang mit der Welt besser verstehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Philosophie ist die Kunst des eigenständigen Denkens. Steiner formuliert diese „erkenntnis-künstlerische“ Herausforderung in seinem philosophischen Hauptwerk, „Die Philosophie der Freiheit“, so: &#039;&#039;„Man muss sich der Idee erlebend gegenüberstellen können; sonst gerät man unter ihre Knechtschaft.“[4]&#039;&#039; Das heißt, wer Gedanken und Ideen anderer übernimmt und nicht eigenständig bedenkt und bewertet, gerät in Abhängigkeit der Autoritäten, von denen diese Gedanken stammen. Mit Hilfe dieses Ansatzes, selbst hinzuschauen, zu fragen, zu bedenken, zu verstehen, ist jeder Student der Anthroposophie angeregt, seine eigene Philosophie zu reflektieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Aspekt der Selbstschulung ====&lt;br /&gt;
Anthroposophie beinhaltet einen Weg der Selbstschulung, welcher zu seelischer Weiterentwicklung, Selbsterkenntnis und Willensstärkung führt.[5] Es gibt heute viele Menschen, die auf der Suche nach einem interreligiösen Weg spiritueller Selbsterfahrung sind. Sie wollen sich nicht einer bestimmten Glaubensgemeinschaft oder einer bestimmten spirituellen Gruppierung anschließen. Sie suchen einen allgemein-menschlichen Weg für ihre innere Entwicklung. Einige davon finden diese Möglichkeit in der Anthroposophie und ihren Organisationen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Anthroposophische Gesellschaft international organisiert und offen für alle wissenschaftlichen, religiösen und künstlerischen Überzeugungen ist, findet man Vertreter der verschiedensten spirituellen Orientierungen. Angehörige der christlichen Konfessionen, des Buddhismus, Daoismus, Shintoismus, der Hindi-Religion, der Zarathustra-Spiritua­lität, des Judentums sowie einzelne Vertreter des Islam und viele ohne eine bestimmte spirituelle Ausrichtung können hier mehr über ihre eigene spirituelle Identität lernen, indem sie zusätzlich den Weg der Selbstschulung der Anthroposophie gehen. Was sie in dieser Gesellschaft verbindet, ist der Entwicklungsgedanke in der Anthroposophie sowie das Bestreben, das gesellschaftliche Leben menschlicher und zukunftsfähiger zu machen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Biologe &#039;&#039;Bernd Rosslenbroich&#039;&#039; wies in einer naturwissenschaftlichen Studie das Autonomieprinzip als Grundlage der gesamten Evolution nach, deren Gipfel die menschliche Entwicklung sei.[6] Dieses Autonomieprinzip liegt auch der anthroposophischen Selbstschulung zugrunde. Autonomie konstruktiv leben zu lernen ist nicht leicht. Scheitern und immer wieder neu Ansetzen gehören ebenso dazu wie die stille innere Ausrichtung des eigenen Lebens und Arbeitens an den Idealen von Freiheit und Würde, Ehrlichkeit und Liebe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Aspekt der Geisteswissenschaft ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wo aber ist der „Geist“ als Fundament dieser anthroposophisch-geisteswissenschaftlichen Weltsicht zu finden?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Selbständiges Denken als Ausdruck von Geist&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Die Antwort ist schlicht: das menschliche Denken. Normalerweise kennt jeder den Zustand des Gedanken-Habens, Wissens, Sich-Informierens oder sich in anerkannten bzw. vorgegebenen Denkmustern zu bewegen und diese wiedergeben zu können. Wer jedoch von der eigenen Denktätigkeit ausgeht, entdeckt auch denjenigen, der denkt, in seinem Denken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der idealistische Philosoph &#039;&#039;Johann Gottlieb Fichte[7]&#039;&#039; wies seine Studenten auf die zentral wichtige spirituelle Selbsterfahrung im Denken hin. Er führte mit ihnen die folgende Übung durch: Er fragte sie, ob sie die Wand des Hörsaals sähen. Dann sagte er: &#039;&#039;„Schließen Sie die Augen und denken Sie die Wand.“&#039;&#039; Und dann kam die alles entscheidende Aufforderung: &#039;&#039;„Und jetzt denken Sie den, der die Wand gedacht hat...“[8]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer das durchführt, kann in seinem Denken das eigene Selbst als reinen Tätigkeitsquell, als innere Aktivitätsbereitschaft, als Ich, als eigenständiges Wollen bemerken als rein energetische spirituelle Selbsterfahrung im Denken. Damit hat er einen sicheren Ausgangspunkt gewonnen, sich seine eigene Weltsicht zu erarbeiten. Er steht jetzt geistig auf eigenen Füßen und ist in der Lage, sein Denken immer perspektivenreicher auszubilden. Je mehr er versteht, desto mehr sieht er von der Welt. Und je mehr ihn die Welt interessiert und zum Nachdenken anregt, desto differenzierter und klarer wird sein Denken. Sich selbst und die Welt zu verstehen und dadurch zu einer authentischen Selbst- und Weltsicht zu kommen, ist die Weltanschauung der Anthroposophie. Seinen Zeitgenossen zu zeigen, dass sie &#039;&#039;„durch das Denken zur Wirklichkeit des Geistes kommen“&#039;&#039; können, war ein zentrales Anliegen Rudolf Steiners. Das eigene Ich als geistig reales Wesen im Denken erleben zu können, erschließt zugleich die spirituelle Dimension des Begriffs der menschlichen Würde als autonome und geistbewusste Kompetenz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner formulierte diesen Tatbestand gegen Ende seines Lebens noch einmal so: &#039;&#039;„Anthroposophie ist ein Erkenntnisweg, der das Geistige im Menschenwesen zum Geistigen im Weltall führen möchte“.[9]&#039;&#039; Grundlage dafür ist die Gedankenarbeit eines jeden einzelnen Menschen. Hannah Arendt nannte diese Selbsterfahrung im Titel ihres gleichnamigen Buches „Denken ohne Geländer“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Aspekt der Zusammenarbeit ====&lt;br /&gt;
Da Anthroposophie auf das sich zur Autonomie entwickelnde Individuum baut, findet man gerade unter Anthroposophen einen ausgeprägten Meinungs- und Standpunktepluralismus bis hin zur gern zitierten „Streitkultur“. Auch ist die Geschichte der Anthroposophischen Gesellschaft von eindrücklichen Krisen und Konflikten geprägt, die von dem Ringen um individuelle und soziale Kompetenz zeugen, einem Bemühen, das alles andere als einfach ist. Umso erfreulicher ist es, dass sich diese Gesellschaft bis heute nicht in verschiedene Gruppierungen gespalten hat, sondern der Wille zum gegenseitigen Verstehen und zur Entwicklung von Toleranz gegenüber anders Denkenden stets überwogen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von dem Dichter und Anthroposophen &#039;&#039;Christian Morgenstern&#039;&#039; (1871 - 1914) stammt ein Gedicht, das dieses Spannungsverhältnis zwischen der notwendigen Individualisierung einerseits und der Befähigung zur Gemeinschaftsbildung andererseits meisterlich zum Ausdruck bringt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Die zur Wahrheit wandern, wandern allein,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;keiner kann dem andern Wegbruder sein.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Eine Spanne gehn wir, scheint es, im Chor ...&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;bis zuletzt sich, sehn wir, jeder verlor.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Selbst der Liebste ringet irgendwo fern;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;doch wer&#039;s ganz vollbringet, siegt sich zum Stern,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;schafft, sein selbst Durchchrister, Neugottesgrund –&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;und ihn grüßt Geschwister Ewiger Bund.[10]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier wird in künstlerischer Form zum Ausdruck gebracht, dass größtmöglicher Individualismus und „Gemeinschaft im Geist“ sich nicht widersprechen müssen. Vielmehr erscheinen die Ideale der Französischen Revolution – der Freiheit des Individuums, der Gleichheit und der brüderlichen Solidarität – so erst in ihrem wahren Licht: Denn wenn man weiß, dass jeder „auf dem Weg ist“, wächst der Respekt vor der Einmaligkeit und Würde des anderen. Und gleichzeitig erlebt man, wie uns dieser Tatbestand des Werdens „gleich“ macht. Da wir aber sowohl „gleich“ als auch „individuell sehr verschieden“ sind, sind wir Menschen immer wieder auf gegenseitige brüderliche Hilfe angewiesen. Wir gewähren sie, wenn wir die Bedürfnisse des anderen sehen, respektieren und, wo möglich, erfüllen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Mathias Girke , PF Matthiessen (Hrsg.), &#039;&#039;Medizin und Menschenbild&#039;&#039;, Bad Homburg 2015.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung mit besonderer Rücksicht auf Schiller.&#039;&#039; GA 2. Dornach 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] www.goetheanum.org&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Philosophie der Freiheit&#039;&#039;, GA 4, Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1995.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Dargelegt in Steiners Selbstschulungsbuch &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?,&#039;&#039; GA 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Bernd Rosslenbroich, &#039;&#039;On the Origin of Autonomy. A New Look at the Major Transitions in Evolution&#039;&#039;, Hei-delberg, New York, Springer 2014.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Johann Gottlieb Fichte, Philosoph (1762 - 1814).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Überliefert von Steffens, einem Naturforscher und Zeitgenossen Fichtes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Anthroposophischer Leitsatz 1&#039;&#039;, 17. Februar 1924. In: Anthroposophische Leitsätze. GA 26, S. 6 (1989).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Christian Morgenstern, &#039;&#039;Wir fanden einen Pfad,&#039;&#039; Basel, Zbinden Verlag. 5. Aufl. 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ANTHROPOSOPHISCHES UND NATURWISSENSCHAFTLICHES KRANKHEITSVERSTÄNDNIS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ist Anthroposophische Medizin eine Glaubenssache?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann man in der Medizin konstruktiv mit unterschiedlichen Sichtweisen auf Krankheit umgehen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Anthroposophisches Krankheitsverständnis&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Um auf diese Fragen eingehen zu können, möchte ich vorab das Krankheitsverständnis aus der Anthroposophie heraus und das Schulmedizinische Krankheitsverständnis charakterisieren. Sie stehen nicht im Widerspruch zueinander, zumindest nicht aus Sicht der Anthroposophischen Medizin. Letztere versteht sich als eine Erweiterung der rein naturwissenschaftlichen Medizin, nicht als Gegensatz dazu. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Die Aufgabe ist, nun wirklich darauf zu kommen, welcher Unterschied besteht zwischen den Prozessen im menschlichen Organismus, die wir als Krankheitsprozesse bezeichnen und die doch im Grunde genommen ganz normale Naturprozesse sind, nur eben durch bestimmte Ursachen hervorgerufen sein müssen, und denjenigen Prozessen, die wir gewöhnlich als die gesunden bezeichnen und die die alltäglichen sind. Dieser durchgreifende Unterschied muss gefunden werden. Er wird nicht gefunden werden, wenn man nicht eingehen kann auf eine Betrachtungsweise des Menschen, die zum menschlichen Wesen wirklich führt.&amp;quot;&#039;&#039;[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Krankheit aus Sicht der naturwissenschaftlichen Medizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der naturwissenschaftlichen Medizin liegt der Fokus bei der Erforschung von Krankheitsursachen im Bereich des Netzwerkes molekulargenetischer Interaktionen. Dort wird nach Mutationen und „Fehlern&amp;quot; im Metabolismus gesucht. Damit ist aber das Kausalproblem nur von der Makro- auf die Mikroebene verlagert. Denn auch hier ist zu fragen, woher es kommt, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt beispielsweise eine Genmutation auftritt und ein Prozess, der bisher gesund ablief, nun mit einem Mal „verkehrt&amp;quot; bzw. Krankheit begünstigend stattfindet. Wenn der sogenannte Pathomechanismus aufgeklärt ist und die Ursache einer „Spontanmutation&amp;quot;, einem &#039;&#039;„inborn error of metabolism&amp;quot;&#039;&#039; oder einer exogenen Schädigung zugeschrieben wird, so ist damit dem Kranken noch nicht geholfen, der verstehen will, was seine Krankheit mit ihm, seiner Entwicklung und seinem Schicksal zu tun hat – oder der sich dafür interessiert, welche Einflüsse sein bewusstes oder unterbewusstes Seelenleben auf die Lebensfunktionen seiner Organe oder auf die Stabilität seines Immunsystems hat. Auch ist es letztlich unbefriedigend, sich als Mensch in die verschiedenen Forschungs- und Fachdisziplinen aufgeteilt zu sehen, ohne „das geistige Band&amp;quot; im Sinne &#039;&#039;Goethes&#039;&#039; zu haben, das die Zusammenschau der unterschiedlichen Sichtweisen ermöglicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Unterschiedliche Sichtweisen integrieren&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Paracelsus&#039;&#039;, der Integrationsmediziner am Beginn der Neuzeit, hat bereits eindrücklich auf dieses Dilemma hingewiesen.[2] Plastisch schildert er eine medizinische Szene aus dem damaligen Alltag: Sechs Ärzte sind um einen eben verstorbenen Cholerapatienten versammelt und sprechen darüber, was in seinem Falle wohl die Todesursache gewesen sein mag. Diese Szene sei hier in freier Form wiedergegeben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Erste&#039;&#039;&#039; sagt: &#039;&#039;„Für mich ist klar, dass er durch die Infektion mit dem Cholerabazillus gestorben ist. Der Krankheitserreger wurde mit dem Wasser aufgenommen, hat sich im Organismus ausgebreitet und die Krankheil hervorgerufen, die jetzt zum Tode geführt hat&amp;quot;.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Das finde ich merkwürdig&amp;quot;,&#039;&#039; sagt &#039;&#039;&#039;der Zweite&#039;&#039;&#039;. &#039;&#039;„Es sterben doch längst nicht alle Kranken, die sich mit dem Cholerabazillus angesteckt haben. Ich sehe die Todesursache vielmehr in der Tatsache, dass die Selbstheilungskräfte des Verstorbenen nicht stark genug waren, um die Infektion zu überwinden. Hätte er über mehr Widerstandskraft verfügt, so lebte er noch.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da lächelt &#039;&#039;&#039;der dritte Kollege&#039;&#039;&#039; und fragt: &#039;&#039;„Habt ihr denn nicht sein Horoskop gelesen? Da konnte man lesen, dass dieser Mensch durch die ganze Konfiguration seiner seelischen Veranlagung und seines inneren Schicksals zum Tod in dieser Zeit prädestiniert war. Sein Tod war vorherbestimmt.&amp;quot;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Das leuchtet mir nicht ein&amp;quot;,&#039;&#039; sagt &#039;&#039;&#039;der Vierte&#039;&#039;&#039;. &#039;&#039;„Wie viele Menschen leben unter derselben oder sehr ähnlichen Sternkonstellationen und kommen anders damit zurecht, gehen durchaus optimistischer mit der Herausforderung um, die ihre jeweilige Sternkonstellation für sie bedeutet. Meine Diagnose ist, dass er im Kern seiner ganzen Persönlichkeit, in seinem Ich, schwach war. Er hatte große Angst vor der Cholera, und nichts ist ein besserer Nährboden für Infektionen als Ängstlichkeit und Furcht. Ich habe viel schwächere Patienten die Krankheit überwinden sehen, weil sie mutiger waren und das Vertrauen nicht verloren.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Mir kommt das alles töricht vor&amp;quot;,&#039;&#039; schaltet sich jetzt &#039;&#039;&#039;der Fünfte&#039;&#039;&#039; in die Debatte ein: &#039;&#039;„Krankheit und Leid ist doch eine Geißel Gottes, ein Flagellum. Hätte Gott die Überwindung der Krankheit zugelassen, so hätte er diesem Betroffenen zur rechten Zeit den Arzt oder sonst eine Hilfe geschickt.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun blicken alle auf &#039;&#039;&#039;den Sechsten&#039;&#039;&#039;, der interessiert zugehört hat und fragen: „Wer von uns hat recht?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der bemerkt: &#039;&#039;„Jeder von euch hat recht. Jeder hat aber auch unrecht. Das Unrecht entsteht dadurch, dass jeder einzelne von euch nur an seine Sicht der Dinge glaubt und die Ansichten der anderen verneint oder missachtet. Das komplizierte Pentagramm Mensch muss individuell gelesen werden, um den jeweiligen Anteil an der Krankheitsursache herauszufinden. Ein solch differenziertes Lesen ist aber auch nötig, um die verschiedenen Wege kennen zu lernen, die zur Gesundheit, sprich: zur Überwindung der Krankheit führen.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Szene aus dem Werk des Paracelsus wird hier angeführt, um deutlich zu machen, dass ein tiefgreifendes Verständnis von Krankheitsursachen und Heilungsmöglichkeiten die verschiedenen Ebenen menschlicher Existenz und Lebensverwirklichung mitberücksichtigen muss. Das kann letztlich nur ein interdisziplinär-integrativer Ansatz leisten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaft und Medizin&#039;&#039;, GA 312.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Elise Wolfram und Paracelsus, &#039;&#039;Die okkulten Ursachen der Krankheiten. Volumen Paramirum&#039;&#039;, Unv. Nachdruck der Ausgabe von 1912, 4. Aufl. Dornach 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== SCHULMEDIZIN, ANTHROPOSOPHISCHE MEDIZIN UND ÄLTERE GANZHEITLICHE ANSÄTZE ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie steht die Anthroposophische Medizin zur Schulmedizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und wie ist ihr Verhältnis zu anderen alternativen Ansätzen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verhältnis der&#039;&#039; &#039;&#039;Anthroposophischen Medizin zur Schulmedizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Frage lässt sich kurz mit Nein beantworten. &#039;&#039;Rudolf Steiner&#039;&#039; (1861-1925) und &#039;&#039;Ita Wegman&#039;&#039; (1876-1943), die Begründer der Anthroposophischen Medizin, bemerken hierzu:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Nicht um eine Opposition gegen die mit den anerkannten wissenschaftlichen Methoden der Gegenwart arbeitende Medizin handelt es sich. Diese wird von uns in ihren Prinzipien voll anerkannt. Und wir haben die Meinung, dass das von uns Gegebene nur derjenige in der ärztlichen Kunst verwenden soll, der im Sinne dieser Prinzipien vollgültig Arzt sein kann.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Allein wir fügen zu dem, was man mit den heute anerkannten wissenschaftlichen Methoden über den Menschen wissen kann, noch weitere Erkenntnisse hinzu, die durch andere Methoden gefunden werden, und sehen uns daher gezwungen, aus dieser&#039;&#039; erweiterten &#039;&#039;Welt- und Menschenerkenntnis auch für eine Erweiterung der ärztlichen Kunst zu arbeiten.&amp;quot;[1]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die reguläre akademische Aus- und Weiterbildung ist ebenso Voraussetzung dafür, sich Anthroposophischer Arzt nennen zu können, wie das Studium der anthroposophischen Geisteswissenschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Salutogenetischer Ansatz bevorzugt&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Anthroposophischen Medizin liegt ein Konzept ganzheitlicher, integrativer Medizin zugrunde, die den Menschen (griechisch: anthropos) mit all seinen Erkenntnis- und Erlebnisformen (griechisch: sophia, wörtlich: Weisheit) in den Mittelpunkt stellt. Für die Praxis heißt dies, dass symptomatisch wirkende Arzneimittel, wie zum Beispiel Antipyretika, Antiphlogistika, Antihypertensiva, Antihistaminika oder die Substitution fehlender, körpereigener Stoffe, oder aber Analgetika und Psychopharmaka selbstverständlich da zur Anwendung kommen, wo die speziellen Medikamente und Therapieverfahren der anthroposophischen Therapierichtung nicht (mehr) hinreichen, die erforderliche Selbstregulation und Heilung zu stimulieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Hinblick auf das therapeutische Vorgehen wird der salutogenetische Ansatz bevorzugt, also die Anregung körpereigener, physiologischer Prozessantworten. Diese sind immer individuell. Therapieschemata haben zwar einen wesentlichen, Orientierung gebenden Stellenwert. In praxi gehen die Medikationen jedoch oft darüber hinaus, da sich die Behandlung am Einzelfall orientiert. Anthroposophische Ärzte schätzen die schulmedizinische Behandlung als Akut- und Notfallmedizin hoch, möchten jedoch nicht bei deren Grenzen und Einseitigkeiten stehen bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verhältnis zu älteren ganzheitlichen medizinischen Konzepten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Jedem ganzheitlichen medizinischen System – ob es sich nun um traditionell chinesische, ayurvedische oder homöopathische Medizin handelt – liegt ein spirituelles Weltbild zugrunde, das mehr oder weniger konkret die gemeinsame Evolution von Mensch, Erde und Weltall beschreibt. Rudolf Steiner bemerkt dazu im Hinblick auf seinen Ansatz[2]: &#039;&#039;„Ich möchte nicht versäumen, Sie darauf aufmerksam zu machen, dass dasjenige, was ich hier vortrage, nicht entlehnt ist älteren medizinischen Schriften, sondern auf durchaus gegenwärtiger geisteswissenschaftlicher Forschung beruht. Nur muss versucht werden, zuweilen in der Terminologie auf die ältere Literatur zurückzugreifen, weil ja die neuere Literatur eine Terminologie nach dieser Richtung hin noch nicht ausgebildet hat. Aber derjenige, der glauben würde, dass irgendetwas hier vorgetragen wird, was nur älteren Schriften entnommen ist, der würde sich eben sehr irren.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese von Steiner entwickelte neue Art der geistigen Forschung ermöglicht als anthroposophische Erkenntnismethodik und dank ihrer Forschungsergebnisse auch neue Einsichten in die ganzheitlichen Konzepte und spirituellen Traditionen der Medizin. Daher gibt es unter ihren Vertretern immer auch „Anthroposophen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Seiner und Ita Wegmann, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst. Dornach 1935, S. 9.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaft und Medizin&#039;&#039;, GA 312. Sechster Vortrag, Dornach, 26. März 1920. S. 118 (Ausgabe 1999).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== CHARAKTERISTIKA EINER SPIRITUELLEN MEDIZIN LAUT RUDOLF STEINER ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen Prinzipien folgt die von Rudolf Steiner und Ita Wegman beschriebene spirituelle Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wodurch äußert sich ihr allgemein-menschlicher Ansatz?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wodurch zeichnen sich eine spirituelle Chemie und Physik aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist unter Kulturtherapie zu verstehen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Krankheit aus zwei Blickwinkeln sehen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In dem Werk über Anthroposophische Medizin &#039;&#039;„Grundlegendes zu einer Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; von Rudolf Steiner und Ita Wegman werden unter anderem auch die Grundlagen einer spirituellen Medizin beschrieben.[1] Bereits die Überschrift des ersten Kapitels lässt dies anklingen, indem da von &#039;&#039;„wahrer Menschenwesen-Erkenntnis“&#039;&#039; die Rede ist. Die Wortwahl erinnert an die Initiationspraktiken der antiken Mysterien, wo es in allen Einweihungsgraden um wahre irdisch-kosmische Selbst- und Welterkenntnis ging. Doch konkret im Alltag: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Erwartet nicht jeder Kranke vom Arzt, dass dieser die Ursache seines Problems durchschaut und die notwendigen Maßnahmen einleitet?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Dass er die Wahrheit über seinen Zustand bestmöglich herausfindet?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher die Forderung der Autoren, der Wahrheit des Krankheitsgeschehens von zwei Seiten aus näherzukommen, indem die schulmedizinischen Diagnosefaktoren mit der geisteswissenschaftlichen Betrachtung verbunden werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Christuserkenntnis&#039;&#039; als &#039;&#039;zentrales Element&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;‚Wes Geistes Kind‘ aber ist diese Forderung?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“[2]&#039;&#039; wird der Christus als ‚großer Hüter der Schwelle‘ auf dem Erkenntnisweg dargestellt, der dem Schüler den Sinn der Erdenentwicklung, des Todes und der Wiedergeburt enthüllt. In der &#039;&#039;„Geheimwissenschaft im Umriß“[3]&#039;&#039; wird der Christus auch namentlich genannt und seine zentrale Bedeutung innerhalb der Schöpfung und für die Entwicklung der Menschheit geschildert.[4] In beiden Werken begegnet man einer zentralen Bezugnahme auf die Wesenheit des Christus in einer weder religiös noch konfessionell tingierten Weise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verfolgt man diesen Wesensbezug zu Christus im Steiner‘schen Vortragswerk, oder auch nur in der Schrift &#039;&#039;„Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit“&#039;&#039;,[5] so zeigt sich, dass für Steiner diejenige geistige Realität, die er mit dem historischen Christus identifiziert, in allen Aspekten und Dimensionen menschlichen Lebens und Entwickelns eine zentrale Rolle spielt – ganz im Sinne der johanneischen Aussage: &#039;&#039;„Durch es [das Wort] sind alle Dinge geworden, und nichts von allem Entstandenem ist anders als durch das Wort geworden.“[6]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Anthroposophisches Menschenbild und Schulungsweg&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Steinersche Christologie versteht sich als Weg zur Christuserkenntnis. Dieser Weg ist von seinem Selbstverständnis her unabhängig von traditionellen Glaubensüberzeugungen und religiösen Bekenntnissen. Es geht bei ihm im tiefsten Sinne um ‚wahre Menschenwesen-Erkenntnis‘, um das ecce homo. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die anthroposophische Menschenkunde befasst sich mit diesem allgemeinmenschlichen, rein geistigen Wesensgefüge des gesunden Menschenurbildes, das der uns bekannten Schöpfung innewohnt. Sie versucht verständlich zu machen, warum und wie in dieser Schöpfung alles mit allem geistig und physisch zusammenhängt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher kann sich ein japanischer Shintu-Priester in seiner spirituellen und wissenschaftlichen Praxis ebenso von dem anthroposophischen Erkenntnisweg und Menschenbild anregen und bereichern lassen wie ein buddhistischer Mönch, ein Brahmane oder ein Angehöriger des jüdischen oder muslimischen Glaubens oder ein materialistischer Naturwissenschaftler. Denn Christliche Spiritualität ist zugleich allgemeinmenschliche Spiritualität und die Spiritualität in den Naturerscheinungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Dienender Charakter der Substanz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ein weiteres wichtiges Merkmal der von Rudolf Steiner beschriebenen spirituellen Medizin ist ihr selbstlos dienendes Prinzip. Das Substanzverständnis der Anthroposophie, wie es im Grundlagenwerk der Anthroposophischen Medizin &#039;&#039;„Grundlegendes zur Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; erörtert wird,[7] beruht auf dieser Grundlage. So werden im 1. Kapitel die Substanzen in ihrem selbstlos dienenden Charakter gezeigt, wie sie sich den vier Kräftebereichen von Mineral-, Pflanzen-, Tier- und Menschenwelt unterordnen, wodurch sie zu deren jeweiliger Manifestation beitragen und dadurch alle Naturerscheinungen in die Sichtbarkeit bringen.[8]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erdensubstanz – im christlichen Bekenntnis symbolisiert durch Brot und Wein – ist nach diesem Verständnis nicht nur die physische Grundlage für die Erd- und Menschheits-entwicklung. Vielmehr zeigt sich ihr zutiefst christlicher Charakter daran, dass sie dient: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* im mineralischen Zustand den Todesprozessen,&lt;br /&gt;
* in der Pflanzenwelt den Lebensprozessen,&lt;br /&gt;
* in der tierischen Natur den seelischen Äußerungen und der Bewegungsfähigkeit.&lt;br /&gt;
* Im Menschen aber wird sie „Geist tragend“.[9]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor diesem Hintergrund sind dann Sätze in dem genannten Werk wie der folgende zu verstehen: &#039;&#039;„[…] dann wird man durch Einfügung eines Erdenstoffes in den menschlichen Organismus oder durch Behandlung mit einer Erdentätigkeit bewirken können, dass die höheren Glieder der Menschenwesenheit sich ungehindert entfalten können, oder auch, dass die Erdenstofflichkeit an dem Zugefügten die nötige Unterstützung findet, um auf den Weg zu kommen, auf dem sie Grundlage wird für irdisches Wirken des Geistigen.“[10]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Spirituelle Chemie und Physik der Zukunft&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der Schrift &#039;&#039;„Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit“[11]&#039;&#039; – präzisiert Rudolf Steiner diesen Aspekt auch noch im Hinblick auf die Entwicklung der Substantialität der Erde: &#039;&#039;„Künftig werden Chemiker und Physiker kommen, welche Chemie und Physik nicht so lehren, wie man sie heute lehrt [...] sondern welche lehren werden: ‚Die Materie ist aufgebaut in dem Sinne, wie der Christus sie nach und nach angeordnet hat!‘ – Man wird den Christus bis in die Gesetze der Chemie und Physik hinein finden. Eine spirituelle Chemie, eine spirituelle Physik ist das, was in der Zukunft kommen wird. Heute erscheint das ganz gewiß vielen Leuten als eine Träumerei oder Schlimmeres.&#039;&#039; &#039;&#039;Aber was oft die Vernunft der kommenden Zeiten ist, das ist für die vorhergehenden Torheit.“[12]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese selbstlos dienende Haltung wird von den in der anthroposophischen Pharmazie und Medizin Tätigen auf dem anthroposophischen Schulungsweg geübt und prägt den spirituellen Charakter dieser Bereiche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Heilsam wirken durch umfassende Kulturtherapie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin kann als Kulmination von Steiners Grundanliegen, heilsam zu wirken, gesehen werden. Alles, was er geschrieben und getan hat, stand und steht im Dienst einer umfassenden Kulturtherapie, die heilsam auf die zeitgeistigen pathologischen Tendenzen einwirken sollten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Rudolf Steiner unter Kulturpathologie verstand, stellte er im ersten Vortrag des Gründungskurses für die Waldorfpädagogik im August 1919 so dar: &#039;&#039;„Vergessen Sie nicht, indem Sie sich Ihrer Aufgabe widmen, daß die ganze heutige Kultur, bis in die Sphäre des Geistigen hinein, gestellt ist auf den Egoismus der Menschheit. [. . .] Wir leben in der Zeit, in der dieser Appell an den menschlichen Egoismus in allen Sphären bekämpft werden muß, wenn die Menschen nicht auf dem&#039;&#039; &#039;&#039;absteigenden Wege der Kultur, auf dem sie heute gehen, immer mehr und mehr abwärts gehen sollen.“[13]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; In Philosophie und Geistesleben ====&lt;br /&gt;
Im philosophischen Werk Steiners wird die Grundlage zur Kulturtherapie in Form eines tiefgreifenden Autonomieverständnisses gelegt. Freiheit und Liebe, die zur Selbstlosigkeit fähig sind, stehen dabei als menschliche Entwicklungsziele an zentraler Stelle. Sie sind Ausdruck menschlicher Würde und geistiger Gesundheit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; In der Pädagogik ====&lt;br /&gt;
Entsprechend wird im Zusammenhang von Steiners Darstellungen zur &#039;&#039;„Allgemeinen Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik“[14]&#039;&#039; eine ‚Physiologie und Psychologie der Freiheit‘ veranlagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; In der Kunst als Therapie ====&lt;br /&gt;
Und auch die künstlerische Tätigkeit versteht Steiner nicht als ästhetischen Selbstzweck. Sie hat Bewusstsein weckenden Charakter und mündet in allen Bereichen in therapeutische Wirksamkeit, wie in EH am Beispiel der Heileurythmie in Kapitel XVIII gezeigt wird. Der Leiter der Kolisko-Akademie, &#039;&#039;Armin Husemann&#039;&#039;, hat diesem Impuls einer therapeutisch ausgerichteten &#039;&#039;„Menschenwissenschaft durch Kunst“&#039;&#039; sein Lebenswerk gewidmet.[15]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[16]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?,&#039;&#039; GA 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Geheimwissenschaft im Umriss&#039;&#039;, GA 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Ebenda, Seite 219–225, 251–256 sowie 351–353.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit,&#039;&#039; GA 15.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Neues Testament, &#039;&#039;Johannes Kap. 1, 3.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen&#039;&#039;, GA 27, Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Christian Morgenstern (1871–1914) hat diesem dienenden Geschehen sein Gedicht &#039;&#039;Fußwaschung&#039;&#039; gewidmet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. Harlan, (2008).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Siehe FN1, S. 12.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit,&#039;&#039; GA 15.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Ebenda, S. 46.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik&#039;&#039;, GA 293, 26 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik&#039;&#039;, GA 293.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[15] Vgl. A. Husemann (2007 und 2024).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[16] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ANSPRUCH UND AUFGABE DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen Anspruch hat die Anthroposophische Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worin sieht sie ihre Aufgabe?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was war laut Rudolf Steiner das entscheidend Neue?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Bemühen der Anthroposophischen Medizin&#039;&#039; &#039;&#039;um mehr Menschlichkeit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin ist ein Kind des 20. Jahrhunderts. Sie hat den Anspruch, naturwissenschaftliche, philosophische und spirituelle Erkenntnisse und deren therapeutische Anwendungen in ein ganzheitliches Konzept zu integrieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als eigenständige medizinische Bewegung hat sie jedoch erst gut 80 Jahre Entwicklung hinter sich, weswegen sie noch nicht so breit im allgemeinen Bewusstsein verankert ist wie beispielsweise die Homöopathie. Darüber hinaus ist die Bezeichnung „Anthroposophische Medizin“ etwas schwer verständlich. Der Begriff „Homöopathie“ hat sich aus dem prinzipiellen Gegensatz zur gängigen „Allopathie“ gebildet. Er orientiert sich am Simile-Prinzip. „Anthroposophisch&amp;quot; heißt hingegen in der schlichtesten Übersetzung aus dem Griechischen einfach nur „menschlich&amp;quot;. Entsprechend hat sich die Anthroposophische Medizin zur Aufgabe gesetzt, im Umgang mit Krankheit und Gesundheit in Theorie und Praxis das Bewusstsein und die Entwicklung von mehr Menschlichkeit ins Zentrum allen Bemühens zu stellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wesensglieder-Diagnostik als neue Perspektive&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner war es wichtig, die Wesensglieder-Diagnostik und die sich daran anschließende Therapiefindung als das entscheidend Neue zu sehen, das durch die Anthroposophie in den gegenwärtigen Medizinbetrieb hereinkommen kann. Es ging ihm nicht primär darum, neue und womöglich wirksamere Medikamente zu finden für dieses und jenes. Vielmehr wollte er vermitteln, dass die Medizin durch ein Menschenbild bereichert werden kann, das befähigt, den Menschen primär als geistiges Wesen zu begreifen und ihn dadurch in Gesundheit und Krankheit neu zu sehen und behandeln zu lernen.[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Kapitel I von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; heißt es: &#039;&#039;„Der Mensch ist, was er ist, durch Leib, Ätherleib, Seele (astralischer Leib) und Ich (Geist).&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Er muss als Gesunder aus diesen Gliedern heraus angeschaut;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;er muss als Kranker in dem gestörten Gleichgewicht dieser Glieder wahrgenommen;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;es müssen zu seiner Gesundheit Heilmittel gefunden werden, die das gestörte Gleichgewicht wieder herstellen.“[2]&amp;lt;sup&amp;gt;,&amp;lt;/sup&amp;gt; [3]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anthroposophisch-medizinische Therapieansatz kann zudem sowohl alternativ als auch kombiniert mit schulmedizinischer Behandlung zur Anwendung kommen und erfreuliche Besserungen erzielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Erkrankung und Heilung als Kreisprozess verstehen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Methodisch kommt es Rudolf Steiner und Ita Wegman also darauf an, den Prozess der Erkrankung und den Prozess der Heilung als einen einzigen Kreisprozess zu verstehen, in dem der Organismus von Heilmitteln und Krankheitsdiät unterstützt werden muss, um wieder in den „Zustand der Gesundheit“ versetzt zu werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Die Erkrankung beginnt mit einer Irregularität in der Zusammensetzung des menschlichen Organismus mit Bezug auf seine in diesem Buch beschriebenen Teile. Sie ist an einem bestimmten Punkte angekommen, wenn man den Kranken in Behandlung bekommt. Man hat nun dafür zu sorgen, dass alle Vorgänge, die sich seit dem Beginn der Krankheit im menschlichen Organismus abgespielt haben, wieder zurückverlaufen, so dass man zuletzt bei dem Zustande der Gesundheit anlangt, in dem der Organismus vorher war. […] Die Heilmittel müssen daher so beschaffen sein, dass sie nicht nur den Krankheitsprozess zurücklaufen lassen, sondern auch die sich herabstimmende Vitalität wieder unterstützen. Einen Teil der letzteren Wirkung wird man der Krankheitsdiät überlassen müssen. Doch ist in der Regel bei ernsteren Krankheitsfällen der Organismus nicht gestimmt, in der Verarbeitung der Nahrungsmittel genügend Vitalität zu entwickeln. Es wird daher notwendig sein, auch die eigentliche Therapie so einzurichten, dass der Organismus in dieser Beziehung seine Unterstützung findet. […] Im Krankheitsverlaufe ist nicht nur der lokalisierte Krankheitsprozess, sondern die Gesamtveränderung des Organismus zu berücksichtigen und diese in den rückläufigen Prozess einzubeziehen. Wie das im Einzelnen zu denken ist, werden bestimmte Fälle, die wir nun charakterisieren wollen, zeigen.“&#039;&#039;[4] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;An der Heilung des erkrankten Planeten mitwirken&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Ruf nach einer menschengemäßen Medizin steht mit vielen Bestrebungen der letzten Jahrzehnte im Konsens.  So schreibt der berühmte  amerikanische Kardiologe &#039;&#039;Bernard Lown&#039;&#039; im Vorwort seines Medizin-Bestsellers &#039;&#039;„Die verlorene Kunst des Heilens&amp;quot;:[1]„Dieses Buch möge als ein  Kompass dienen (...), indem es eine Medizin beschreibt, in welcher der Mensch im Mittelpunkt aller wissenschaftlichen Dienstleistungen steht – nämlich ein modernes Gesundheitswesen mit einem menschlichen Gesicht.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lown nennt die heutigen großen Probleme beim Namen: Die ungerechte Weltordnung, die bewirkt, dass sich auch im neuen Jahrhundert die Kluft zwischen den armen Entwicklungsländern und den reichen Industrienationen immer schneller vertieft und viel zu viele der sieben Milliarden Menschen auf der Welt in einer quälenden, erbarmungslosen und erniedrigenden Armut leben. Er fordert von den Ärzten, aktiv beim Aufarbeiten der sozialen Missstände mitzuwirken sowie bei der Heilung unseres erkrankten Planeten. Das Wort des deutschen Pathologen &#039;&#039;Rudolf Virchow&#039;&#039; ist ihm Vorbild, dass Politik eine „Medizin im Großen&amp;quot; ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie aber wird eine medizinische Denkweise und Methode erarbeitet, die solches leisten kann?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztlich kann doch nur ein neues Denken über die alten, unerbittlich wachsenden Probleme dazu führen, diese nachhaltig zu lösen. Anthroposophische Medizin möchte in aller Konsequenz dazu beitragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Physiologisch-Therapeutisches auf Grundlage der Geisteswissenschaft. Zur Therapie und Hygiene,&#039;&#039; GA 314, S. 29 und S. 226 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, S. 12.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Formatierung Katharina Offenborn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe FN 2, S. 89f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Bernard Lown, &#039;&#039;Die verlorene Kunst des Heilens,&#039;&#039; Berlin 2002.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== GESUNDHEITSWISSENSCHAFTLICHER ANSATZ DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Bereiche umfasst der gesundheitswissenschaftliche Ansatz der Anthroposophischen Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht dabei um drei Bereiche:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Um den Bereich des Ätherisch-Lebendigen und die hier agierenden &#039;&#039;&#039;Rhythmen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
# Um das Zusammenspiel der Wesensglieder im so genannten &#039;&#039;&#039;dreigliedrigen Organismus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
# Um eine dem Menschengeist gemäße &#039;&#039;&#039;Erziehung und Selbsterziehung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;AD 1. ZUR RHYTHMUSFORSCHUNG&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gunther Hildebrandt&#039;&#039;, einer der führenden Rhythmus-Forscher im 20. Jahrhundert, hat sein Lebenswerk als Physiologe der systematischen Erarbeitung der rhythmischen Funktionen und deren adaptiven, erholsamen und stabilisierenden Wirkungen gewidmet.[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hatte in einer Vortragsnachschrift von Steiner gelesen, dass die rhythmische Organisation des Menschen ihren Ausdruck findet im Rhythmus der Blutzirkulation und dem Atemrhythmus und dass dieser Zusammenhang zu wenig beachtet wird. Beim erwachsenen Menschen haben diese beiden Rhythmen das Verhältnis 4:1. Das ist natürlich nur ein approximativer Durchschnittswert, der allerdings in seinen Abweichungen Auskunft gibt über Gesundheit und Krankheit des individuellen menschlichen Organismus. Diesen Hinweisen Steiners ist Hildebrandt mit den Methoden der Chronobiologie und der Rhythmusforschung nachgegangen. Anhand seiner Resultate konnte er belegen, wie sehr die anthroposophische Geisteswissenschaft mit der akademischen Naturwissenschaft übereinstimmt und dass sich neue Möglichkeiten des Verstehens erschließen, wenn man beide methodisch ernst nimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Rhythmusforschung am Beispiel Schlaf&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Hildebrandt konnte nachweisen, dass die Schlaferholung als zentral koordinierter Prozess nicht allein aus biochemischen und physiologischen Gesichtspunkten heraus erklärbar ist, sondern dass Selbstordnungsprinzipien am Geschehen beteiligt sind, die eine rhythmische Zeitstruktur haben und prozessual in Richtung Heilung oder Krankheit stimulierbar sind. Er konnte in vielfach bestätigten Befunden nachweisen, dass im Verlauf des Nachtschlafes die ganzzahlige Frequenzabstimmung zwischen Herz- und Atemrhythmus des gesunden Organismus bei jedem Menschen wieder hergestellt wird, und zwar unabhängig von der Richtung der am Tage aufgetretenen Abweichungen. Dasselbe konnte Hildebrandt auch hinsichtlich der ganzzahligen Frequenzabstimmungen von Atem- und Blutdruckrhythmus sowie von Blutdruckrhythmus und Minutenrhythmus der peripheren Durchblutung nachweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Arbeitsrhythmen der Wesensglieder und autochrone Biorhythmen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Des Weiteren konnte Hildebrandt zeigen, dass die von Steiner erforschten basalen Arbeitsrhythmen der Wesensglieder tatsächlich den evidenten, adaptiven und autochronen Biorhythmen des Menschen entsprechen. Auch konnte er belegen, dass diese hygiogenetischen Prozesse in der Regel reaktiv ausgelöst werden und ihre Zeitstruktur nicht von den Eigenrhythmen der Wesensglieder bestimmt werden, sondern reaktiv von deren harmonischen Frequenzmultiplen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Jahresrhythmen unter Einfluss des physischen Leibes ====&lt;br /&gt;
Regenerative und adaptive Rhythmen des physischen Leibes hängen mit dem Jahreslauf der Sonne sowie der annualen Rhythmik zusammen. Die heteronomen trophisch-plastischen Wachstumsprozesse mit der submultiplen Periodendauer des Jahresrhythmus werden überwiegend von den Einflüssen bestimmt, die der physische Leib auf die hygiogenetische Aktivität des Ätherleibes hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; 7-Tage-Rhythmus bestimmt vom Ätherleib ====&lt;br /&gt;
Regenerative und adaptive Rhythmen des ätherischen Leibes entsprechen dem Monatsrhythmus sowie der lunaren Rhythmik. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Monatsrhythmus bestimmt vom Astralleib ====&lt;br /&gt;
Adaptive und regenerative Rhythmen des Astralleibes von 7 Tagen entsprechen dem Wochenrhythmus, der zirkaheptanen Rhythmik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Rhythmisches Zusammenspiel von Ätherleib und Astralleib&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Die eigentlichen heilenden Prozesse, die sich als normgerichtete Regenerationsvorgänge äußern und eine funktionelle Normalisierung herbeiführen, werden im Zusammenwirken von Ätherleib und astralischem Leib zeitlich gegliedert. Ausdruck dieses Zusammenwirkens ist die Tatsache, dass der spontane Eigenrhythmus des Astralleibes mit 7 Tagen Periodendauer zugleich eine Submultiple des ätherischen Monatsrhythmus darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Eigenrhythmen der beiden Wesensglieder stehen bemerkenswerterweise auch im doppel-oktavischen harmonischen Verhältnis von 4:1. Das vielfach nachgewiesene Vorherrschen der zirkadianen Septanperiodik bei den spontanen und therapeutisch angestoßenen Selbstheilungsprozessen kann daher so gedeutet werden, dass der Astralleib mit seinem Eigenrhythmus den hygiogenetischen Prozessen eine Zeitstruktur vorgibt, der sich der Ätherleib durch Ausbildung einer submultiplen Periodik optimal einpasst.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; 24-Stunden-Rhythmen unter Führung der Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Adaptive und regenerative Rhythmen der Ich-Organisation entsprechen dem 24 Stunden-Rhythmus, der zirkadianen Rhythmik. Seine Forschungsergebnisse zusammenfassend führt Hildebrandt aus, dass die verschiedenen, stoffwechselbedingten Erholungsprozesse mit einer Periodendauer unter 24 Stunden, die dem Bestand und der Gesunderhaltung des Organismus dienen, der zeitlichen Führung seitens der Ich-Organisation unterliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;AD 2. ZUR FUNKTIONELLEN DREIGLIEDERUNG&#039;&#039; &#039;&#039;DES MENSCHLICHEN ORGANISMUS&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Gedanke der funktionellen Dreigliederung des menschlichen Organismus geht auf eine dreißigjährige Forschung Steiners zurück, die er erstmals 1917 publizierte.[3] Der Anatom und Morphologe Johannes W. Rohen griff diese Anregung in seinen Lehrbüchern für die Medizinstudenten auf.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Sichtweise des menschlichen Organismus verknüpft drei Aspekte miteinander:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Sie macht den polaren Bau des menschlichen Organismus funktionell und morphologisch transparent.&lt;br /&gt;
# Sie liefert eine pathologisch und therapeutisch relevante Erklärung des Leib-Seele-Problems.&lt;br /&gt;
# Sie führt nicht nur zu einer neuen Sicht auf die Entstehung von Krankheit, sondern auch zu einem Konzept für die Entstehung von Gesundheit (Salutogenese, Hygiogenese).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Polarität und ausgleichende Prozesse&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Morphologisch betrachtet sind die Rundheit der Schädelform und die radiale Form der Gliedmaßen echte Polaritäten. Entsprechend polar stehen auch die bewussten, im Kopf zentrierten Denk- und Sinnestätigkeiten den unterhalb des Zwerchfells lokalisierten unbewussten metabolischen Auf- und Abbauvorgängen gegenüber. Dazwischen entfalten sich die rhythmischen Transport- und Verteilungssysteme, wie sie von den Atmungsorganen und dem Herzen als Mittelpunkt des Kreislaufsystems ausgehen. Diese dreiteilige morphologische Grundgliederung bezeichnet Steiner mit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Nerven-Sinnes-System NSS&#039;&#039;&#039;: überwiegend im Kopf zentrierte &#039;&#039;„obere Organisation&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Rhythmisches System RS&#039;&#039;&#039;: überwiegend im Thorax lokalisierte &#039;&#039;„mittl. Organisation&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Stoffwechselsystem&#039;&#039;&#039;: überwiegend im Abdomen lokalisierte &#039;&#039;„untere Organisation&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Dreigliederung entspricht bereits die Polarität von Ektoderm und Entoderm und den sich aus dem Zusammenspiel beider ergebenden sekundären mesodermalen Strukturen in der Embryonalentwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Dreigliederung findet sich auch in der Formation des Skelettes wieder: Wirbelsäule und Brustkorb haben einen rhythmisch gegliederten Aufbau (Wirbel, Rippen), im Gegensatz zur radialen Form der Extremitäten und der sphärischen des Kopfes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die zeitlich-prozessuale und damit auch die physiologisch-biochemische Betrachtung ist jedoch das jeweils spezifisches Zusammenwirken der vier Wesensglieder in den drei Regionen des Körpers entscheidend:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbstverständlich gehört der Nervenzell-Stoffwechsel den Stoffwechselfunktionen an und umgekehrt ist das vegetative Nervensystem, das wahrnehmend und regulierend auf das gesamte Stoffwechselgeschehen einwirkt, Bestandteil des Nervensinnessystems.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entsprechend ist das rhythmische System mit seinen Funktionsleistungen auch im Nervensinnes-System und beim Stoffwechsel wirksam. Es stellt mit den kurzwelligen Rhythmen der elektrochemischen Hirnpotentiale im Sekundenbereich und den langwelligen Eigenrhythmen der Stoffwechselorgane (z.B. Magen / Darmmotilität) im Stundenbereich die gesamte rhythmische Funktionsordnung im dreigliedrigen Organismus dar. Bei der Dreigliederung handelt es sich also nicht um eine Dreiteilung, sondern um eine funktionelle Gliederung, die sich gleichzeitig räumlich im polaren Aufbau des Körpers abbildet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zusammenspiel der Wesensglieder im dreigliedrigen Organismus&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Werden die Funktionen des Nerven-Sinnes- und des Stoffwechselsystems mithilfe des rhythmischen Systems nicht genügend aufeinander abgestimmt, so tritt Krankheit auf:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Derjenige wird den menschlichen Organismus in seinem gesunden und kranken Zustand – oder besser gesagt: in seinem Gesund-Sein und seinem Gesund-Werden – nicht eigentlich verstehen können, der nicht berücksichtigt, dass die so genannten normalen Funktionen im Grunde nur Metamorphosen sind, auch derjenigen, die wir hervorrufen müssen, um pathologischen Zuständen zu begegnen&amp;quot;&#039;&#039;.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hildebrandt machte darauf aufmerksam, dass diese Aussage Steiners im Prinzip dem so genannten ersten Hauptsatz der Naturheilkunde entspricht, wie er zum Beispiel von Groote formuliert wurde: &#039;&#039;„Das, was den Gesunden gesund erhält, ist auch geeignet, den Kranken wieder gesund zu machen&amp;quot;&#039;&#039;.[6]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Inkarnierende und exkarnierende Wesensgliedertätigkeit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das Steinersche Paradigma von der Metamorphose der „inkarnierenden&amp;quot; Wesensgliedertätigkeit in die „exkarnierende&amp;quot;, die das seelisch-geistige Leben ermöglicht, ist einerseits Grundlage für ein neues Verständnis des Leib-Seele-Zusammenhangs. Es bietet aber auch bisher nicht dagewesene Möglichkeiten, die Fachgebiete der Erziehungswissenschaften und Medizin in ihrem Zusammenhang zu verstehen und für die Weiterentwicklung von Therapie und Pädagogik zu nutzen. Denken, Fühlen und Wollen als seelisch-erfahrbare Qualitäten werden in ihrem Leibbezug durchschaubar:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Der &#039;&#039;&#039;Ätherleib&#039;&#039;&#039; kann damit als &#039;&#039;Träger des Gedankenlebens&#039;&#039; erkannt werden,&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;&#039;Astralleib&#039;&#039;&#039; als &#039;&#039;Träger des Gefühlslebens&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* und die &#039;&#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;&#039; als &#039;&#039;Träger des Wollens bzw. Tuns&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die inkarnierende Wesensgliedertätigkeit ermöglicht Selbsterfahrung und ist somit die Grundlage von Selbstbewusstsein im Leib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die exkarnierende Wesensgliedertätigkeit, deren Medium das Denken ist, das „Leben im Geiste&amp;quot;, ist Grundlage für die Entwicklung eines bewussten, vom Leib emanzipierten, persönlichen Innenlebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die inkarnierende und die exkarnierende Wesensgliedertätigkeit hängen eng zusammen im Kontext der Entwicklung des Menschen. So entwickelt sich z.B. unser Denken erst aus der schrittweisen Emanzipation des Ätherleibes – von der leibgerichteten Tätigkeit hin zur leibfreien, rein gedanklichen Tätigkeit.[7] Wird die gesunde Inkarnation des Ätherleibes durch die Erziehung nicht unterstützt, sondern behindert durch kognitives Frühtraining und die Förderung abstrakten Denkens, emanzipiert sich der Ätherleib zu früh und ein Mangel an Vitalität in der zweiten Lebenshälfte ist die Folge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Alles hat seine Zeit&amp;quot; ist daher die Grundlage der Waldorfpädagogik und ihres altersspezifischen Lehrplans.[8](besser nicht in kursiv).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entwicklungsgerechte Förderung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Organsysteme des menschlichen Organismus bedürfen einer entwicklungsgerechten, altersspezifischen Förderung, um sich gesund aufbauen und genügend ausreifen zu können. Nur dadurch kann die Inkarnation aller Wesensglieder optimal gewährleistet werden. Damit wird auch die physiologische Lockerung der Wesensglieder im letzten Lebensdrittel auf möglichst gesunderhaltende Art und Weise vorbereitet. Jeder alternde Organismus hat zwar die Disposition zu chronischen Erkrankungen des älteren Menschen, ob es jedoch zum Ausbruch einer entsprechenden Krankheit kommt bzw. welchen Schweregrad sie erreicht, ist bis zu einem gewissen Grad abhängig davon, wie das Kind oder der Jugendliche die Zeit der Inkarnation der Wesensglieder durchlaufen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiteres Kriterium ist die Frage, ob in der Lebensmitte durch geistige Aktivität Lebensfragen und Konflikte so verarbeitet wurden, dass die zur Gesunderhaltung von Leib und Seele nötige Übereinstimmung mit sich und dem Schicksal hergestellt werden konnte. Aaron Antonovsky spricht von der Notwendigkeit, ein „Kohärenzgefühl“ sich und seinen Lebensumständen gegenüber zu erwerben.[9]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;AD 3.&#039;&#039; &#039;&#039;ERZIEHUNG UND SELBSTERZIEHUNG ALS QUELLE SALUTOGENER KOMPETENZ&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die von Rudolf Steiner konsequent verfolgte These einer Erziehung zur Freiheit und einer Lehre von der Gesundheit, basierend auf der Auseinandersetzung mit den Herausforderungen des Lebens auf geistiger, seelischer und körperlicher Ebene, erfährt auf vielfältige Weise Bestätigung durch:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Hygiogenese&#039;&#039;&#039; (Hildebrandt 1985),&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Salutogenese&#039;&#039;&#039; (Antonovsky 1997)&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Resilienzforschung&#039;&#039;&#039; (Opp/Fingerle/Freytag 1999)&lt;br /&gt;
* sowie die &#039;&#039;&#039;Erforschung der seelischen Gesundheit&#039;&#039;&#039; durch die humanistische Psychologie (Maslow 1981).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Erforschung der seelischen Gesundheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Maslow fand bei seinen Untersuchungen zur seelischen Gesundheit heraus, dass Menschen mit einer gesunden seelischen Gesamtverfassung sach- und nicht ich-bezogen handeln, dass sie tolerant und wahrhaftig sind, sich herzlich freuen, staunen und Dinge und Menschen bewundern können, dass sie Gefühle der Devotion aufbringen. Ihnen ist gemeinsam, dass sie auf die eine oder andere Art auf eine spirituelle Höhepunkt-Erfahrung, die so genannte Peak-Experience, zurückschauen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Maslow konnte zeigen, in wie hohem Maße die Arbeit an der eigenen Persönlichkeit und die persönliche Reife Einfluss auf den körperlichen Gesundheitszustand haben.[10]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Salutogenese – die Lehre von der Gesundheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Antonovsky entwickelte in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts seine Theorie der Salutogenese. Er untersuchte die Bedingungen für das Entstehen von Gesundheit und wählte als Kernbegriff den „Sense of Coherence“ – das Kohärenzgefühl. Die Entstehung von Kohärenzgefühls unterliegt drei Vorbedingungen: Die Welt muss als&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* verstehbar&lt;br /&gt;
* sinnhaft&lt;br /&gt;
* handhabbar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
erlebt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder in der Gesundheitsforschung Tätige kommt früher oder später zu der Überzeugung, dass Gesundheit ein labiler Zustand ist, der vom Individuum aktiv erhalten werden muss. Diese Auffassung steht im Gegensatz zum konventionellen, pathogenetischen Postulat, dass ein gesunder Organismus sich in „normaler&amp;quot;, geordneter Homöostase befindet, die durch eine Krankheit aus dem Gleichgewicht gebracht wird. Antonovsky stellt dem entgegen, dass es den geordneten Zustand der Homöostase nicht gibt, dass Gesundheit vielmehr das ständige Ringen mit heterostatischen Zuständen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er schreibt: &#039;&#039;„Zu jedem Zeitpunkt kann mindestens ein Drittel, möglicherweise mehr als die Hälfte der Bevölkerung in den Industrienationen aufgrund des einleuchtenden Parameters eines pathologischen Merkmals als krank bezeichnet werden. Das zeigt, dass Krankheit keine relativ seltene Abweichung irgendeiner Norm, sondern ein ubiquitäres Phänomen ist&amp;quot;&#039;&#039;.[11]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit ist so gesehen nicht die Abwesenheit von Krankheit, sondern die Beherrschung und Kompensierung vorhandener Krankheitstendenzen. Für diese gesundheitswissenschaftliche Sicht bietet das Konzept der Wesensglieder und ihr differenziertes Zusammenwirken im dreigliedrigen Organismus das notwendige theoretische und praxisrelevante Instrumentarium. Hinzu kommt, dass das Wesensgliederkonzept bisher das einzige Konzept ist, das dem denkenden Begreifen den Leib-Seele-Geist-Zusammenhang voll erschließen kann und die These von der „Blackbox&amp;quot; begründet hinterfragt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Amelung, W. / Hildebrandt, G. (Hrsg.), Balneologie und medizinische Klimatologie, Berlin 1985.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Gunther Hildebrandt, &#039;&#039;Physiologische Grundlagen der Hygiogenese&#039;&#039;, in: Peter Heusser (Hrsg.), &#039;&#039;Akademische Forschung in der anthroposophischen Medizin&#039;&#039;. Beispiel Hygiogenese: Natur- und geisteswissenschaftliche Zugänge zur Selbstheilungskraft des Menschen, Bern 1999.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Von Seelenrätseln&#039;&#039;, GA 21.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Johannes W. Rohen, &#039;&#039;Morphologie des menschlichen Organismus. Versuch einer goetheanischen Gestaltlehre des Menschen,&#039;&#039; Stuttgart 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Anthroposophische Grundlagen für ein erneuertes christlich-religiöses Wirken&#039;&#039;, GA 342, Dornach 1993.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] L. R. Groote, K. E. Rothschuh, &#039;&#039;Der Arzt im Angesicht von Leben, Krankheit und Tod&#039;&#039;, hrsg. von K. E. Rothschuh, Stuttgart 1961.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkt der Geisteswissenschaft&#039;&#039; in: &#039;&#039;Lucifer - Gnosis&#039;&#039;. 1903-1908, Dornach 1987;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M. Glöckler, &#039;&#039;Gesundheit und Schule. Schulärztliche Tätigkeit an Waldorf- und Rudolf-Steiner- Schulen.&#039;&#039; Dornach 1998.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Tobias Richter, &#039;&#039;Lehrplan&#039;&#039;, Stuttgart 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Aaron Antonovsky, &#039;&#039;Salutogenese. Zur Entmystifizierung der Gesundheit&#039;&#039;, Tübingen 1987.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Abraham Maslow, &#039;&#039;Motivation und Persönlichkeit&#039;&#039;, Hamburg 1981.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Siehe Fußnote 9.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== METHODISCHE GRUNDLAGEN DES ANTHROPOSOPHISCHEN ANSATZES ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worin wurzelt die Methodik des anthroposophischen Ansatzes?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wurzeln des anthroposophischen Ansatzes&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der anthroposophische Ansatz hat seine Wurzeln in der abendländischen Philosophie und der Erkenntnisdramatik des 20. Jahrhunderts. Er bemüht sich um ein spirituelles Verständnis von Mensch und Welt über die Weiterentwicklung des Denkens zu einer unmittelbaren geistigen Anschauung, von Steiner „Imagination“ genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Anthroposophische Medizin ====&lt;br /&gt;
Anthroposophische Medizin hat zum Ziel, sich am Menschen selbst zu orientieren und seinem Heilbedarf auf die jeweils bestmögliche Art zu entsprechen. So greift der konsequent integrativ-medizinische Ansatz nicht nur die verschiedenen Erkenntnis-, Erfahrungs- und Daseinsebenen des Menschen auf, sondern verfügt auch über eine Diversität methodischer Zugänge. Im Sinne des Goethe‘schen Paradigmas bedeutet das, die Art der Betrachtung von der Art des zu Betrachtenden abhängig zu machen. Da der Mensch selbst ein so vielschichtiges und kompliziertes Wesen ist, bedarf es zu seiner Erforschung und Beschreibung die dem jeweiligen Objekt der Erkenntnis angemessene Methode. Allerdings müssen die so erforschten Einzelaspekte dann untereinander vernetzt und konzeptionell so verknüpft werden, dass eine Ganzheit entsteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Die Medizin des 21. Jahrhunderts muss wieder neu den Menschen entdecken, der immer mehr in ultrastrukturelle Teile zerbricht, weil ihr eine auf die Ganzheit gerichtete Erkenntnismethode – die intuitive – fehlt“.&#039;&#039;[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Menschen in seiner Totalität zu erfassen, ist ohne Intuition und Empathie nicht möglich. Diese Ganzheit dann aber je nach Fragestellung und Blickwinkel methodisch und inhaltlich zu gliedern und auch deduktiv zugänglich zu machen, bedarf eines differenzierten Erkenntnisansatzes, wie er in den methodischen Grundlagen der anthroposophischen Geisteswissenschaft vorliegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Anthroposophische Geisteswissenschaft ====&lt;br /&gt;
Anthroposophische Geisteswissenschaft vermittelt keine „fertige&amp;quot; Weltanschauung. Vielmehr lehrt sie, sich eine eigene Weltsicht zu erarbeiten, indem sie bei der Ausbildung des „Selber-Denkens&amp;quot; ansetzt. Mit Hilfe dieses Ansatzes kann jeder Fragen aufgreifen, die ihn im Zusammenhang mit der eigenen Religion oder spirituellen Heilweise interessieren. So gibt es nicht nur Schulmediziner, sondern auch Homöopathen und Vertreter anderer Therapierichtungen, die sich zu anthroposophischen Ärzten weiterbilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Anthroposophische Arzneimittel ====&lt;br /&gt;
Aufgrund des integrativ-medizinischen Ansatzes können die Arzneimittel der anthroposo­phischen Therapierichtung weder methodisch noch von den Stoffgruppen her klar abgegrenzt werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Beispiel wird eine Vielzahl von Arzneimitteln aus natürlichen Rohstoffen hergestellt, ohne dass Anthroposophische Medizin deshalb identisch mit der Naturheilkunde wäre. Es werden über 250 Heilpflanzen verarbeitet, dennoch ist Anthroposophische Medizin keine Phytotherapie. Denn im gesamten Arzneimittelschatz haben gerade die aus natürlichen mineralischen Rohstoffen hergestellten Präparate eine besondere Bedeutung. Schließlich ist Anthroposophische Medizin auch nicht mit der Homöopathie identisch, obwohl sie mit ihr – in modifizierter Form – die Technik des Potenzierens und die Potenzbezeichnung für sehr viele mineralische, pflanzliche und einige tierische Arzneimittel gemeinsam hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch liegt eine größere Anzahl von Präparaten in konzentriert-stofflicher Form vor, allen voran die Präparate aus der weißbeerigen Mistel zur Krebsbehandlung oder das gern gebrauchte Mittel zur Kreislaufregulation Cardiodoron®. Dennoch ist die anthroposophische Therapierichtung nicht zu der allopathischen zu rechnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Volker Fintelmann, &#039;&#039;Intuitive Medizin,&#039;&#039; Hippokrates Verlag, Stuttgart: 1. Aufl. 1987, 5. Aufl. 2007.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== NOTWENDIGER PARADIGMENWECHSEL IN DER MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Warum bedarf die Schulmedizin einer Ergänzung durch eine ganzheitliche Sicht auf den Menschen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern kann die Anthroposophische Medizin zu einem Paradigmenwechsel beitragen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Notwendige Demokratisierung des Gesundheitswesens&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das naturwissenschaftliche medizinische System orientiert sich an der Pathologie. Aus wirtschaftlicher Perspektive folgt daraus: Je mehr Diagnostik und Therapie betrieben werden, umso so mehr Umsatz kann gemacht werden. Anders ausgedrückt: Mit der Krankheit Geld zu verdienen, fördert das Krankheitswesen. Würde man jedoch mit Prävention und Gesundheitsstrategien Umsätze machen und dafür in eine Gesundheitskasse einzahlen, würde dies entschieden zur Volksgesundheit beitragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner forderte bereits 1920 eine &#039;&#039;„Demokratisierung des Gesundheitswesens“.[1]&#039;&#039; Ärzte, Apotheker, Hersteller und Verbraucher sind gefragt, gemeinsam und in Partnerschaft mit den Patienten bzw. Vertretern der Zivilgesellschaft Mitverantwortung für die Gestaltung des Gesundheitswesens zu übernehmen und für die hierzu erforderliche Methodenvielfalt und Therapiefreiheit einzutreten.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Auf Prävention fokussieren&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Paradigmenwechsel könnte sich allem voran darin äußern, dass man der Gesundheitsforschung höchste Priorität gibt. Dies erfordert aber eine ganzheitliche Sicht auf den Menschen, weil Gesundheit nicht auf molekularer Ebene entsteht, sondern das komplexe Ergebnis des Zusammenwirkens geistiger, seelischer, ökologischer und körperlicher Vorgänge ist. Es gehört aber auch eine „physiologische Denkweise dazu“, die dies vermitteln kann. Diese bietet die Anthroposophische Medizin. Als Kinderärztin erlebte ich in der Praxis immer wieder mit Freude, wie lebens- und entwicklungsfreundlich diese physiologische Denkweise und das integrative Menschenbild der Anthroposophischen Medizin sind. Hierzu drei Beispiele:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== •  Vitamin D ====&lt;br /&gt;
Als das Vitamin D entdeckt wurde, reiste der anthroposophische Kinderarzt &#039;&#039;Wilhelm zur Linden&#039;&#039; von Kongress zu Kongress und informierte seine Kollegen, dass die Dosen, die sie den Kindern verabreichten – Vigantolstöße genannt – viel zu hoch und unphysiologisch wären und den Kindern nicht nur nützen, sondern auch schaden würden. Seine Warnungen blieben über Jahre ungehört – bis Studien und Beobachtungen in der Praxis endlich zeigten, wie recht er hatte.[3] Doch bis dahin hatten unzählige Kinder bereits Schaden genommen. Man hätte das durch eine gesunde Denkweise vermeiden können. denn später machte schließlich genau das, was zur Linden ganz zu Anfang schon empfohlen hatte: Man gab kleine, der Physiologie angenäherte Dosen, wie der Körper sie selbst bilden könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;•  &#039;&#039;&#039;Fieberbehandlung ====&lt;br /&gt;
Ein weiteres Beispiel betrifft die Fieberbehandlung. Als ich mein Kinderärzte-Staatsexamen machte, mussten wir noch ankreuzen, dass Fieber eine Krankheit ist, die fiebersenkend, antipyretisch behandelt werden müsse, sonst wäre die Antwort falsch gewesen. Für das Facharzt-Examen besorgte ich mir dann die neueste Auflage der Kinderheilkunde von Professor Simonis. Dort las ich, nur der unerfahrene Kinderarzt würde bei jedem Fieber ein fiebersenkendes Mittel verordnen. Der erfahrene wisse, dass Fieber immunstimulierend wirkt und entscheidend zur Krankheitsbekämpfung beiträgt. Fieber sei ein natürliches Virostatikum und Antibiotikum. Bakterien und Viren sterben zwischen 39° und 40°. Man müsse das Fieber nur intelligent begleiten. Das belegen mittlerweile auch andere Studien weltweit.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Teil bis heute wurden und werden viele Kinder aber „falsch“ behandelt, obwohl man eigentlich weiß, dass es nicht gut ist! Und das nur, weil man im Medizinstudium nicht lernt, mit dem Organismus und im Sinne seiner Funktionen zu denken und zu fühlen und ihn in seinem Sosein optimal zu unterstützen. Selbstverständlich gibt man ein Antipyretikum, wenn man das Fieber nicht beherrschen kann. Aber das ist nur in wenigen Fällen nötig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== •  Antibiotika ====&lt;br /&gt;
Noch in meiner Facharztprüfung Anfang der Achtziger musste ich die Schulmeinung wiedergeben, dass jede Mittelohrentzündung/Otitis Media breitbandantibiotisch behandelt werden müsse, jede! Mit großen Hochglanzprospekten wurden die Forschungen dazu vorgestellt. Dieselben Firmen der Pharmaindustrie hatten jedoch Mitte der Neunziger Jahre plötzlich großes Interesse daran, genau das Gegenteil zu beweisen: Damals hatte die Antibiotikaresistenz bestimmter Krankheitserreger so zugenommen, dass es für die Firmen teurer war, neue Antibiotika zu entwickeln, als die Einbußen durch Nichtbehandeln hinzunehmen. So „durfte“ man jetzt vernünftig behandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophische Ärzte haben jedenfalls – ebenso wie ihre Kollegen in Homöopathie und Komplementärmedizin – durch ihren nicht routinemäßigen, sondern individuell abgewogenen Einsatz von fiebersenkenden Mitteln und Antibiotika seit langem einen nachahmenswerten Beitrag geleistet, der heute so viel diskutierten Antibiotika-Resistenzentwicklung entgegenzuwirken.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner sagte, die Ärzte der Zukunft werden Lehrer in Gesundheitswissenschaft sein und die Lehrer der Zukunft werden Präventionsärzte für die Heranwachsenden sein.[6] Das ist ein Konzept, an dem es sich zu arbeiten lohnt, für das ich mich zunehmend begeistern kann, weil es genau der Beitrag ist, den die Medizin der Gegenwart für ihren Paradigmenwechsel braucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Was ist Anthroposophische Medizin?, Verlag am Goetheanum 2017&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Hygiene als soziale Frage. In: Physiologisch-Therapeutisches auf Grundlage der Geisteswissenschaft.&#039;&#039; GA 314. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1989, S. 221 - 261.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Mehr dazu unter: www.eliant.eu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Eine ausführliche Darstellung der Vitamin-D-Schäden findet sich bei M.S. Seelig, &#039;&#039;Vitamin D and cardiovascular, renal and brain damage in infancy and childhood.&#039;&#039; Ann. New York Acad. Sci. 1969, 147:539 - 582.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Ilene Claudius, Larry J. Baraff, &#039;&#039;Pediatric emergencies associated with fever.&#039;&#039; Emergency Medicine Clinics of North America 28: S. 67 - 84, 2010.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Hamre, Harald J. / Glockmann, Anja / Schwarz, Reinhard / Riley, David S. / Baars, Eric W. / Kiene, Helmut / Kienle, Gunver S.: Antibiotic Use in Children with Acute Respiratory or Ear Infections: Prospective Observational Comparison of Anthroposophic and Conventional Treatment under Routine Primary Care Conditions. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine 2014: &amp;lt;nowiki&amp;gt;http://dx.doi.org/10.1155/2014/243801&amp;lt;/nowiki&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Siehe auch: &#039;&#039;Waldorfpädagogik und Anthroposophische Medizin&#039;&#039;. Schwerpunktheft „Der Merkurstab“ 4:2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FÜNF URSACHEN FÜR KRANKHEIT UND FÜNF WEGE ZUR HEILUNG ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Ursachen für Erkrankung gibt es laut Paracelsus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und welche Wege der Heilung sieht die Anthroposophische Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fünf Ursachen für Krankheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Schon &#039;&#039;Paracelsus&#039;&#039;&#039;[1]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; hat gesagt, der Mensch sei ein fünfgliedriges Pentagramm.[2] Entsprechend gibt es fünf Wege, gesund bzw. krank zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesen Gedanken habe ich versucht, in die Anthroposophische Medizin und in die heutige Zeit zu übertragen. Ich stelle also Paracelsus’ Beispiel mit den Worten des einundzwanzigsten Jahrhunderts dar:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Physischer Standpunkt ====&lt;br /&gt;
Der erste Arzt vertritt den physischen Standpunkt: &#039;&#039;„Das ist doch klar: Der Patient ist durch den Cholerabazillus infiziert worden und letztlich an nicht mehr beherrschbaren Komplikationen verstorben.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ätherischer Standpunkt ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Eines wundert mich“,&#039;&#039; sagt der Zweite, &#039;&#039;„wenn gesichert ist, dass der Patient an einem Bazillus gestorben ist, warum sind dann nicht alle gestorben, die sich angesteckt haben? Denn die meisten meiner Patienten sind nicht gestorben. Also ist klar, dass der Patient gestorben ist, weil seine Selbstregulation versagt hat. Deshalb konnten auch die Komplikationen nicht beherrscht werden. Die Krankheitsursache liegt eindeutig im Ätherischen. Seine Abwehr war zu schwach, er hatte ein Immundefizit. Der Patient ist an seiner immunologischen Inkompetenz gestorben.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Astralischer Standpunkt ====&lt;br /&gt;
Der dritte Arzt spricht vom Aspekt des Astralleibes her: &#039;&#039;„Liebe Kollegen, Immunkompetenz und Bazillenwirkung sind nicht das Ende der Medizin! Ich kann euch sagen, woran es liegt, dass das Immunsystem eines Menschen dekompensiert: Habt ihr noch nie etwas von der Psychoneuroimmunologie gehört? Meine Forschungsergebnisse belegen, dass positive Gefühle das Immunsystem stärken. Negative Gefühle lassen das Immunsystem früher oder später insuffizient werden. Die Ursache für den Choleratod liegt also in den negativen Gefühlen des Patienten. Er war bitter, kritisch, nörgelig – enttäuscht über sein Leben. Ihr habt ihn doch gekannt! Er war seelisch nicht besonders konstruktiv. Das hält doch kein Mensch auf Dauer aus. Der Cholerabazillus war nur der Effektor. Der Patient war eigentlich schon am Ende. Die Todesursache liegt also im Seelischen.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Standpunkt der Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Schließlich meldet sich ein Vierter und beleuchtet das Ganze vom Aspekt der Ich-Organisation her: &#039;&#039;„Ich könnte allem folgen, was ihr sagt, aber mich wundert, dass ihr meint, das wären die wirklichen Ursachen. Meine Erfahrung ist, dass es vom eigenen Identitätsbewusstsein abhängt, ob jemand bereit ist, an seinen negativen Gefühlen zu arbeiten. In meiner medizinischen Erfahrung habe ich gelernt, Patienten zu motivieren, an ihren negativen Gefühlen zu arbeiten und diese zu überwinden. Dadurch entwickeln sie immunologische Kompetenzen. Selbstüberwindung und die Bereitschaft, aus dem Negativen etwas Positives zu gewinnen, habe ich als das stärkste Wirkprinzip entdeckt. Diejenigen, die keine Lust am Lernen, an der Verwandlung, die keine Lust haben, auch das Negative als zum Leben gehörig zu betrachten, sondern sich immer nur darüber beklagen, werden früher oder später krank. Keine Seele hält es aus, wenn in ihr ein lahmes, inaktives Ich wohnt. Also sage ich: Der Patient ist daran gestorben, dass er sich zu wenig mit sich und seinem Leben identifizieren konnte.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Schicksalsstandpunkt ====&lt;br /&gt;
Der fünfte Arzt sagt: &#039;&#039;„Ich habe das Horoskop des Patienten konsultiert – das stand auf Krise. Man muss zwar bis zuletzt alles tun, was möglich ist – aber gegen das Schicksal und Gottes Ratschluss sind wir ohnmächtig.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun sind alle gespannt, was Paracelsus selber dazu sagen werde. Er überrascht seine Kollegen, indem er sagt: &#039;&#039;„De quinte entibus. Liebe Kollegen, es gibt fünf Wege zur Krankheit und entsprechend auch zur Heilung. Deswegen habt ihr alle fünf recht.“ Ein guter Arzt hat all dies im Auge und greift da an, wo er seiner ärztlichen Intuition gemäß die größten Heilungschancen sieht. Erzwingen können wir nichts, aber wir können bis zuletzt um das Leben des Patienten ringen und für seine Heilung kämpfen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fünf Wege zur Heilung in der Anthroposophischen Medizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Auf der physischen Ebene: ====&lt;br /&gt;
Einsatz der Möglichkeiten der Schulmedizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Auf der ätherisch-prozessualen Ebene: ====&lt;br /&gt;
Prozessorientiert-wirksame Arzneimittel, Diät und Lebensstiländerungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Auf der astralen Ebene: ====&lt;br /&gt;
Neben dem therapeutischen Gespräch ist die Verordnung einer künstlerischen Therapie äußerst hilfreich. Darin können sich auch Kranke ausdrücken, die (noch) nicht bereit sind, über ihre Probleme zu sprechen. Auch Biographie-Arbeit hat sich bewährt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Auf der Ich-Ebene: ====&lt;br /&gt;
Wichtig ist die Beachtung der Identitätsfrage. Manchmal muss man hier das Hauptaugenmerk darauf richten und bei Selbstwertfragen oder Identitätsproblemen Wege zu Selbstschulung nennen. Oft hilft auch die Empfehlung der Lektüre von Steiners Buch zur Selbstschulung &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“[3]&#039;&#039; oder aber eine erneute Suche nach religiöser Sinnfindung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Auf der Ebene der spirituellen Orientierung: ====&lt;br /&gt;
Die Erarbeitung einer sinnstiftenden Weltanschauung ist das tragende Fundament einer gesunden Lebensführung. Hier ist jeder einzelne gefragt, das für ihn Stimmige zu suchen und die entsprechenden Gesichtspunkte im Leben anzuwenden und zu beherzigen. Der Arzt kann auf Grund seiner Lebenserfahrung und Empathie helfender Begleiter sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur Anthroposophischen Medizin, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Philippus Theophrastus Aureolus Bombastus von Hohenheim, getauft als Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, (* vermutlich 1493 in Egg, Kanton Schwyz; † 24. September 1541 in Salzburg) war ein Arzt, Alchemist, Astrologe, Mystiker, Laientheologe und Philosoph. Paracelsus hinterließ zahlreiche deutschsprachige Aufzeichnungen und Bücher medizinischen, astrologischen, philosophischen und theologischen Inhalts, die größtenteils erst nach seinem Tod gedruckt wurden. (wikipedia)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Paracelsus, &#039;&#039;Opus paramirum und De quinte entibus&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?&#039;&#039; GA 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== WIRKFAKTOREN IN DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wirkt Medizin generell?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Faktoren spielen dabei eine Rolle?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wie Anthroposophische Medizin wirkt&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Wirksamkeit der Anthroposophischen Medizin setzt sich aus verschiedenen Faktoren zusammen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Stoffliche Qualität ====&lt;br /&gt;
Schwefel wirkt anders als Phosphor oder anderes. Dieses Enzym hat diese Wirkung und ein anderes Hormon eine andere. Wenn ich ein bestimmtes Mittel gebe, muss ich das berücksichtigen. Das ist die rein stoffliche Wirkung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Pharmazeutisch-moralische Qualität ====&lt;br /&gt;
Es gibt verschiedene Stufen der ethisch-moralischen Zusatzwirkung. Wenn ein Pharmazeut seine Produkte mit Liebe herstellt, ist der Stoff nicht nur Träger seiner Eigenwirkung, sondern die positive Absicht, helfen zu wollen, überträgt sich vom Pharmazeuten auf das Produkt. Das ist eine pharmazeutische Qualität, die er moralisch beeinflussen kann. Das hat nicht nur mit Produktreinheit zu tun, ob unsauber oder sauber gearbeitet wird, sondern mit der moralischen Integrität dessen, der das Produkt herstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Ärztliche Qualität ====&lt;br /&gt;
Ärztliche Qualität entsteht, wenn ein Arzt ein Medikament aufgrund guter Überlegungen mit seinen eigenen Gedanken durchsetzt, mit seiner Liebe zum Patienten, mit seinem Willen, ihm zu helfen. Wenn er das Rezept aus dieser Gesinnung heraus dem Patienten gibt, geht diese innere Einstellung auf den Patienten über. Die Schulmedizin nennt das ‚Placebo-Effekt’, die ‚Droge Arzt’. Aber es gibt keinen Placebo-Effekt, es gibt nur Wirkungen, die man nicht versteht! Der Begriff des Placebos ist ein unwissenschaftlicher Lückenbüßer, den man auch so kennzeichnen müsste. Man muss verstehen, warum welches Placebo wie wirkt! Gute Gedanken sind wirksam:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ist es nichts, wenn einer einem anderen „alles Gute“ wünscht?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es macht einen Unterschied, wenn jemand lügt und dem anderen in Wirklichkeit nicht alles Gute wünscht!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich jemandem Gutes wünsche bzw. wenn ich als protestantischer Christ die Fürbitten mache oder als Katholik bete, hat das doch eine Wirkung! Ich mache das doch nicht zur Selbstbefriedigung, um mir zu zeigen, wie moralisch einwandfrei ich bin oder um dem Pfarrer zu gefallen! Ich mache es, weil ich davon überzeugt bin, dass Gedanken wirksam sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt destruktive Gedanken und positive Gedanken, die nicht nur auf mein Immunsystem, sondern auch auf die Immunsysteme meiner Mitwelt wirken. Hass auf andere Leute ist destruktiv, nicht nur für mich, sondern auch für die Anderen. Das sind astrale Attacken, die Verletzungen seelischer Art erzeugen können. Auch wenn sie unbewusst sind, wirken sie. Sensible Leute spüren genau, wenn Menschen sie hassen oder sie vernichten, betrügen oder mobben wollen. Es braucht nicht real zu passieren, man spürt bereits die Intention als etwas Destruktives. Solche Wirkungen sind kein Placebo-Effekt, sondern geistig-seelisch genau zu beschreiben und kommen entweder aus dem Denken, dem Fühlen oder der Intention von Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Ärztliche Intention als Zusatzwirkung&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Als Arzt gebe ich meine Intention dem Medikament mit. Rudolf Steiner sagt, der Arzt müsse seinem Arzneimittel eine „Aura“ mitgeben, eine Widmung. Wenn ich zum Beispiel Schwefel oder Phosphor oder Arnika verordne, denke ich in diesem Moment an diesen Menschen, an seine Lebenssituation und widme die Wirkung des betreffenden Mittels dieser Situation. Es ist eine weiter imponderable Zusatzwirkung zur normalen Arnika-Essenz im Fläschchen, wenn ich es einem älteren Menschen, der auf der Intensivstation liegt, als Umschlag verordne. Für diesen Menschen habe ich ganz andere Gedanken als für jemand anderen. Meine Gedanken sind Teil dieser individuellen Therapie. Auch eine Standardtherapie verordne ich individuell, weil jeder Mensch anders ist. Es gibt keine zwei gleichen Situationen, auch wenn ich vielfach dieselben bewährten Arzneimittel verwendet habe. Das ist die ärztliche Wirkkomponente.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Der Wille zur Gesundung ====&lt;br /&gt;
Die vierte Komponente betrifft den Eigenanteil des Patienten. Patienten wollen heute genau wissen: „Wofür ist das?“, „Wogegen ist das?“ Wenn sie dann den Beipackzettel lesen, bekommen sie oft Angst. Inzwischen gibt es auch anthroposophische Beipackzettel, auf denen beispielsweise steht: An Kindern nicht erprobt, bitte nicht unter 12 Jahren anwenden. Da bekommen Eltern Angst vor Arnika D6, weil es nicht erprobt ist, und halten es für gefährlich. Dadurch kann sich die positive Wirkung des Arzneimittels nicht voll entfalten. Oder die Mittel wirken nicht recht, weil der Patient eigentlich nicht wirklich gesund werden will. In diesem Fall braucht und will er seine Krankheit. Ein Patient, der nicht gesund werden will, muss erst einmal lernen, wieder gesund werden zu &#039;&#039;wollen&#039;&#039;. Er sucht noch die Flucht in die Krankheit, weil er diesen Schutzraum offenbar braucht. Das ist im Moment seine Identität. Ein Patient, der nicht gesund werden will, für den die Krankheit seine aktuell aushaltbare Gesundheit ist, verkraftet das Leben nicht. Er braucht eine andere Behandlung, als „auf Teufel-komm-raus“ gesund gemacht zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Ärzte haben keine Zeit für eine gründliche Anamnese. Sie behandeln oft auch Menschen, die von Arzt zu Arzt gehen und in Wirklichkeit gar nicht gesund werden wollen. Man hätte schon in der Erstbegegnung eine Biografiearbeit dazwischenschalten oder sagen müssen: „Ich glaube, Sie sind wirklich krank. In ihrer jetzigen Situation würde ich ihnen raten, dass Sie sich für den Prozess des Gesundwerdens genügend Zeit nehmen. Lassen Sie sich im Moment von Ihrem Job beurlauben. Ich gebe Ihnen ein Zeugnis und wir nehmen uns einen ganz langsamen Weg zur Gesundheit vor, damit Sie so werden, wie Sie werden wollen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein anderes therapeutisches Ziel, als jemanden so schnell wie möglich symptomfrei zu bekommen, damit er wieder funktioniert. Wirkliche Heilung kann erst erfolgen, wenn der „Gesund-mache-Wille“ des Arztes sich mit dem „Gesund-werde-Willen“ des Kranken verbinden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Gnade ====&lt;br /&gt;
Das fünfte Therapieprinzip heißt schlicht Gnade. Man kann nicht gegen das Schicksal angehen. Manchmal ist das Schicksal des Kranken so, dass man trotz aller erdenklichen Mühe nicht helfen kann. Das fünfte Prinzip wurzelt in der Überzeugung, dass das Leben nicht in der ärztlichen Kompetenz, sondern in der Hand Gottes liegt. Wenn der Krebs erneut ausbricht, gehe ich mit dem Patienten anders um als zu Beginn einer Krebserkrankung. Jetzt ist größtmögliche Ehrlichkeit gefragt. z.B. das Eingeständnis: &#039;&#039;„Wenn nicht ein Wunder geschieht, könnte es diesmal der Anfang vom Ende sein. Überlege, ob Du Deinem Leben eine vollkommen andere Wendung geben willst und kannst. Jetzt hast Du nichts mehr zu verlieren, Du kannst nur noch gewinnen. Schau mal, ob Du Dich von allem, was Dich zwingt, freimachen kannst und frage Dich, was Du mit deinem letzten Lebensabschnitt wirklich machen willst. Folge nur Dir selbst!“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann passieren manchmal ungeahnte Wunder. Manchmal braucht es diese Todesnähe, bis ein Patient wirklich zu sich kommt und weiß, was für ihn im Leben zählt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Beispiel einer terminalen Krebserkrankung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ich hörte von einem Patienten mit terminalem Krebs. Der Arzt hatte ihm maximal drei Monate gegeben. Er trennte sich daraufhin von all seinem Hab und Gut, verkaufte sein Haus und ging auf Weltreise. Er wollte nun endlich umsetzen, wofür er sich sein Leben lang keine Zeit genommen hatte. Nach seiner Heimkehr wollte er den Rest seines Geldes verschenken und sich auf das Sterben vorbereiten. Als er zurückkam, war der Krebs jedoch weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geschichte hat mir ein Kollege erzählt, der meinte, so etwas wäre eigentlich nicht möglich. Ebenso sah es die Uni-Klinik, in der er behandelt wurde. In der Schulmedizin nennt man das ‚Spontanheilung’. ‚Placebo-Effekt’ und ‚Spontanheilungen’ sind Begriffe, die zeigen, dass man sich in der Schulmedizin nicht mit Wirkfaktoren auseinandersetzen möchte, die etwas differenzierter sind und Spiritualität mit einbeziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur Anthroposophischen Medizin, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ICH-WESEN UND WESEN DER HEILWIRKUNGEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worauf basieren die Phänomene ‚Selbstheilung und ‚Selbstregulation‘?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie korrespondieren das Ich-Wesen des Menschen und das Wesen der Heilwirkungen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern ist der Mensch direkt für den Fortgang der Evolution verantwortlich?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ich-Organisation und Selbstregulation&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel VII von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; wird das Wesen der Heilwirkungen in unmittelbarer Anknüpfung an das bisher über die physiologischen Prozesse und deren Steuerung durch die Wesensglieder Dargestellte beleuchtet. In Kap. V beispielsweise wurde erklärt, inwiefern die Entwicklungspotentiale der natürlichen Evolution mit der Entstehung der ‚defizitären‘ menschlichen Konstitution an ihr Ende kommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Kap. VII nun gehen die Autoren auf eine weitere Besonderheit des Menschen ein – seine „systemimmanente Offenheit“, die eine Voraussetzung für die Entwicklung des seelisch-geistigen Potential ist: &#039;&#039;„Die menschliche Gesamtorganisation ist nicht ein in sich abgeschlossenes System von ineinandergreifenden Vorgängen. Wäre sie das, sie könnte nicht der Träger des Seelischen und Geistigen sein.“[2]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Phänomene ‚Selbstregulation‘ und ‚Selbstheilungskräfte‘ weisen auf die vielen inzwischen bekannten Einflussfaktoren, wie der Mensch die eigene Gesundheit körperlich, seelisch und geistig selbst beeinflussen kann.[3] Die auch von einzelnen Krankenkassen bereits beachtete Präventionsforschung sowie die daraus resultierenden Präventionsprogramme sind dadurch inspiriert. Aus anthroposophischer Sicht ist es letztlich die Ich-Organisation, die für Art und Umfang der Selbstregulation verantwortlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Das Wesen der Heilwirkungen in Mensch und Substanz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das im Titel von Kapitel VII angesprochene ‚Wesen der Heilwirkungen‘ bezieht sich zum einen auf das Ich-Wesen des Menschen selbst und zum anderen auf das Wesenhafte der Substanzbildung durch die Abbau- und Aufbauvorgänge, für deren Qualität die Ich-Organisation ebenfalls verantwortlich ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Begrifflichkeit ‚Substanz‘ hat im Lateinischen die Konnotation des sub, d.h. des ‚darunter‘ liegenden Materiellen. Im Griechischen hat das Wort ουσια noch die Doppelbedeutung von ‚Wesen‘ und ‚Substanz‘:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* D.h. die im Nervensystem zerfallende Substanz &#039;&#039;&#039;entlässt geistige Formkraft&#039;&#039;&#039;, geistig Wesenhaftes. Hier wird die Ich-Organisation zum Träger des bewussten Geisteslebens.&lt;br /&gt;
* Im Gewebeaufbau aus dem Blut hingegen &#039;&#039;&#039;werden gestaltende Formkräfte aufgenommen&#039;&#039;&#039;. Hier wird die im unbewussten Körperleben schaffende Ich-Organisation im Substanzstrom von Blutgewebe und Muttermilch wie getragen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Dreifache Entfremdung der Substanz im Menschen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im Kapitel I war das Schicksal der Substanz im menschlichen Organismus als ein dreifacher Entfremdungsprozess geschildert worden. Diese Begrifflichkeit mag zunächst erstaunen, ist aber sehr präzise gemeint. Im Zuge des Verdauungsprozesses wird die Nahrungssubstanz aus dem Lebenszusammenhang von Pflanze und Tier heraus in den abgebauten mineralischen Zustand versetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# In der &#039;&#039;&#039;Neubelebung&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;durch den Ätherleib&#039;&#039; des Menschen geschieht ein erster Entfremdungsschritt. &lt;br /&gt;
# In dem darauffolgenden Prozess der &#039;&#039;&#039;Durchseelung&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;durch den Astralleib&#039;&#039; wird die Substanz weiter ihrem mineralischen Zustand entfremdet.&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;Durch die Arbeit der Ich-Organisation&#039;&#039; an der Substanz erreicht sie ihre höchste Entfremdungsstufe vom Physisch-Mineralischen, indem sie &#039;&#039;&#039;Geist tragend&#039;&#039;&#039; wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Dienst der Ich-Organisation kommt die Substanz sozusagen wieder aus der Fremde ‚nach Hause‘, indem sie erneut zum Wärmezustand vergeistigt wird und nicht mehr stofflich fassbar ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Selbstheilungskräfte (aus dem Blut) aktivieren lernen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel VII werden die Selbstheilungskräfte nicht mit Blick auf ihre Funktion als körperliche Schutz- und Abwehrmechanismen des Immunsystems geschildert. Vielmehr werden sie als diejenigen Kräfte dargestellt, die dem Blut innewohnen, das den dreigliedrigen Organismus versorgt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* einerseits in Form der &#039;&#039;&#039;weißen Blutzellen&#039;&#039;&#039;, die für die körperliche Abwehr verantwortlich sind, &lt;br /&gt;
* insbesondere aber auch in Form der &#039;&#039;&#039;Tätigkeit der roten Blutkörperchen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* und der &#039;&#039;&#039;übrigen Bestandteile des Blutes&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Blut als Ganzes ist als Instrument der Ich-Organisation Träger der Selbstheilungskräfte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fortgang der Evolution wird maßgeblich von der Art und Weise mitbestimmt werden, wie der Mensch seine von der Natur emanzipierten ‚außerkörperlich‘ wirksamen seelisch-geistigen Potentiale handhabt – zum Segen oder Schaden seiner Mitwelt und seiner selbst. So trägt auch die Art des Umgangs mit dem eigenen Gedanken-, Gefühls- und Willenspotenzial zur Stärkung oder zur Schwächung der Regulationsfähigkeit der Ich-Organisation bei, was sich langfristig auf die gesamte weitere Entwicklung des betreffenden Menschen auswirkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist interessant, dass Rudolf Steiner und Ita Wegman in diesem Kapitel, das den Selbstheilungskräften gewidmet ist, &#039;&#039;„Stockungen im Unterleibe“[4]&#039;&#039; als Beispiel für die unzureichende Heilwirkung des Organismus anführen. Sehr oft sind Verstopfungssymptome und Darm-Koliken Ernährungs- und lebensstilbedingte Verdauungsstörungen, d.h. Probleme, deren Lösung in der Selbstverantwortung liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[5]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27, Kap. VII.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Siehe FN 1, S. 38.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Esch (2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe FN 1, S. 40.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== HEILENDE VERBINDUNG VON MENSCH UND NATUR ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern stehen Mensch und Natur in einer heilsamen Verbindung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Naturstoffe zur Arzneimittelherstellung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Natur ist nicht nur Lebensraum und Existenzgrundlage des Menschen. Ihre Stoffe und Kräfte liegen auch einer Fülle von Arzneimitteln zugrunde. Anthroposophische Arzneimittel sollen dazu beitragen, dass der Organismus – wann immer sinnvoll und möglich – in die Lage versetzt wird, eine Krankheit aus eigener Kraft zu überwinden. Sie stärken die gesundenden Kräfte und sind also vor allem darauf orientiert, die Körperfunktionen wieder ins Gleichgewicht zu bringen und die Abwehrkräfte zu stärken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der anthroposophischen Arzneimittelherstellung werden mineralische, pflanzliche, metallische und tierische Ausgangsstoffe verwendet: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gängige mineralische Substanzen sind u.a. Quarz, Schwefel oder Kalk.&lt;br /&gt;
* Bekannte Heilpflanzen sind z.B. Arnika, gelber Enzian oder Kamille.&lt;br /&gt;
* Als Metalle kommen häufig Gold, Silber, Kupfer, Eisen und Zinn in potenzierter Form zum Einsatz.&lt;br /&gt;
* Zu den tierischen Ausgangssubstanzen gehören z. B. Insektengifte von Biene, Ameise, Hornisse sowie Organextrakte von Säugetieren (aus Leber, Thymusdrüse, Nieren, Nerven u.a.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Reicher Arzneimittelschatz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Alle anthroposophischen Medikamente werden nach komplexen Vorgaben der von Rudolf Steiner und Ita Wegman begründeten anthroposophischen Medizin hergestellt.[1] Die meisten Ausgangsstoffe werden in hoher Verdünnung (homöopathisch potenziert) eingesetzt, nur sehr selten konzentriert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophische Arzneimittel enthalten häufig mehrere Inhaltsstoffe. Diese sind nicht nur kombiniert, sondern komponiert. Wie bei einem Orchester, so kommt es auch bei einem zusammengesetzten Arzneimittel darauf an, in welchen Anteilen die verschiedenen Einzelkomponenten gemischt sind. In dieser Art gemischt, ergeben sie eine andere Wirkung denn als Einzelbestandteile. So wie ein Orchester anders klingt als eine Violine allein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anthroposophische Arzneimittelschatz umfasst etwa 2000 Substanzen, Kombinationen und eine Vielzahl von Darreichungsformen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ampullen, Augentropfen, Dilutionen, Einreibungen (ölige), Emulsionen, flüssige Verdünnungen, Flüssigkeiten zur Inhalation, Flüssigkeiten zur äußeren Anwendung, Gelate, Globuli, Granulate, Injektionen, Kapseln, Lotionen, Metallspiegelfolien, Mischungen, Nasentropfen (ölige), Öle, Pasten, Pflaster, Puder, Pulver, Salben (fettarm), Salben, Sirup, Tabletten, Tees, Tinkturen zum äußeren Gebrauch, Triturationen, Tropfen, Vaginalglobuli, Vaginaltabletten, Verdünnungen (wässrige), Zäpfchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Der Mensch als umgekehrte Pflanze&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aus anthroposophischer Sicht gleicht der Mensch einer umgekehrten Pflanze: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* So wie der Mensch seine Nahrung – in Form von Nahrungsmitteln, aber auch als „seelische“ oder „geistige“ Nahrung in Form von Gedanken, Worten, Tatsachen aus Kunst und Wissenschaft, über den Kopf – aufnimmt, so versorgt sich die Pflanze über ihre Wurzeln mit den nötigen Nährstoffen.&lt;br /&gt;
* Umgekehrt verhält es sich mit der Fortpflanzungsregion. Diese ist bei der Pflanze oben, Luft und Licht gegenüber geöffnet, wohingegen sie beim Menschen nach unten und innen gelagert ist, zur Erde hin.&lt;br /&gt;
* Beiden gemeinsam ist, dass in der Mitte – bei der Pflanze über die Blätter, beim Menschen über die rhythmischen Funktionen von Atmung und Kreislauf – der Gasaustausch stattfindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Umgekehrte Wirkung der Pflanze auf den Menschen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
So wirken die Anwendungen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* von &#039;&#039;Wurzeln&#039;&#039; unterstützend und heilend bei Erkrankungen der &#039;&#039;Kopf- und Nerven-Sinnesorganisation&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* Teeabkochungen und -zubereitungen aus &#039;&#039;Blättern&#039;&#039; bei Störungen der &#039;&#039;rhythmischen Funktionen&#039;&#039; (insbesondere von Herz und Lunge),&lt;br /&gt;
* Zubereitungen aus &#039;&#039;Früchten&#039;&#039; bei &#039;&#039;Stoffwechsel- und Verdauungsstörungen&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entsprechendes gilt für die Ernährung. Wer darauf achtet, dass der Anteil von Wurzeln, Blattgemüse, Früchten und Samen ausgewogen ist, sorgt für eine an den Bedürfnissen des ganzen Körpers orientierte Ernährung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim therapeutischen Einsatz von mineralischen, pflanzlichen und tierischen Substanzen gilt es, „die Weltaufgabe dieser Substanzen zu verstehen“. Steiner regte an zu erforschen, welche Aufgabe ein bestimmtes chemisches Element oder eine Stoffkombination wie Wasser, Salz, Asche, Gerbstoffe oder Pyrit im Haushalt der Natur innehat. Die Signatur dieser Aufgabe bzw. Tätigkeit sagt auch aus, welche Wirkung die betreffende Substanz im menschlichen Organismus entfalten kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Menschen als Mikrokosmos kennenzulernen im Kontext der großen Weltentwicklung mit ihren Prozessen und Stoffzusammenhängen – nach alter Tradition Makrokosmos genannt – ist der Schlüssel zum Verständnis der anthroposophischen Arzneitherapie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Artikel in der Deutschen Apothekerzeitung DAZ Nr. 39, 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Seiner und Ita Wegmann, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27, Dornach 1935.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== SUBSTANZ-ERKENNTNIS ALS GRUNDLAGE FÜR HEILMITTEL-ERKENNTNIS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was meint Rudolf Steiner mit der Weltenaufgabe der Substanzen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was wird anhand der Beispiele Ameisensäure und Oxalsäure im Hinblick auf ihre Wirkung im Zellstoffwechsel aufgezeigt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern muss der Organismus als Tätigkeitszusammenhang begriffen werden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Weltenaufgabe der Substanzen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel XVII von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; liegt der Fokus auf einer konsequent prozessorientierten Substanz-Erkenntnis, über die Rudolf Steiner im Ärztekurs für die jungen Mediziner schreibt, dass es die Aufgabe des Arztes sei, &#039;&#039;„die Weltenaufgaben der Substanzen zu erkennen“.[2]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;„Grundlegendes…“&#039;&#039; formulieren die Autoren es so: &#039;&#039;„Wer die Wirkung von Heilmitteln beurteilen will, muss ein Auge haben für die Kräftewirkungen, die sich im menschlichen Organismus ergeben, wenn eine Substanz, die außer demselben gewisse Wirkungen zeigt, in irgendeiner Art in ihn eingeführt wird.“[3]&#039;&#039; Etwas von dieser ‚Weltenaufgabe‘ wird dort anhand der Ameisensäure und der Kleesäure aufgezeigt und damit auf die Bedeutung dieser Blickrichtung für bestimmte Prozesse im menschlichen Zellstoffwechsel hingewiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Beispiel: Aufgabe der Ameisensäure ====&lt;br /&gt;
Ameisensäure wird vom Menschen mit der Nahrung in der Regel nicht aufgenommen. Sie wird im Tierreich gebildet und als Abwehrstoff, insbesondere der Insekten, ausgeschieden – selten auch bei Pflanzen, wie z.B. in den Brennhaaren der Brennnesseln. Ihre ‚Weltaufgabe‘ ist inzwischen gut erforscht: Die rote Waldameise ist für die Gesunderhaltung der Wälder unentbehrlich. Sie steht daher auch unter Naturschutz, seitdem man ihre Bedeutung für die ‚Lebensgemeinschaft Wald‘ erkannt hat. Um einen Ameisenbau herum vernichtet jedes Volk pro Tag zehntausende Schädlinge bzw. deren Larven und Raupen (wie z.B. Borkenkäfer- und Blattwespenlarven) sowie Kadaver und Pilzmyzel in morschem Holz. So hilft die Ameisensäure dem Mikrobiom des Bodens, die verwesenden Pflanzenreste und das modernde Holz zu verarbeiten. Auch verbreiten Ameisen auf ihren Wegen tausende von Samen und tragen so zur Vielfalt im Wald bei sowie zur Verbesserung der Bodenbeschaffenheit. Instrument für ihre wertvollen reinigenden Tätigkeiten ist die Ameisensäure mit ihrer aggressiven Toxizität.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Beispiel: Aufgabe der Oxalsäure ====&lt;br /&gt;
Die Oxal- bzw. Kleesäure hingegen findet sich in allen Pflanzen und den meisten Bakterien und in unterschiedlichen Mengen in vielen Nahrungsmitteln wie z.B. in schwarzem Tee, Mangold oder Rhabarber. Nach der Aufnahme muss sie dann im Organismus zu ausscheidungsfähigen Endprodukten abgebaut werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein ‚Zuviel‘ führt zusammen mit Calcium im Darm zu schwer löslichen Salzen (Oxalaten), was Anlass geben kann für die Bildung von Blasen- und Nierensteinen. Oxalsäure ist ein pflanzliches Gift – für den Menschen können bereits Gramm-Mengen tödlich sein.[5] Als Kalzium-, Magnesium- oder Kaliumsalze sind die Oxalate allgegenwärtig und aus dem Zellstoffwechsel der Lebewesen nicht wegzudenken – bis hin zu den meisten Pilzen und Bakterien. Im Gegensatz zur Ameisensäure entfaltet die Oxalsäure ihre Wirkung nicht in dem Zwischenbereich zwischen dem Mineralisch-Physischen und dem Ätherisch-Lebendigen. Sie hat ihre Aufgabe in der Lebenswelt der Pflanzen – aber als Giftsubstanz im Grenzgebiet zum astralischen Kräftebereich. Da Gifte auch in schwacher Dosierung immer lebensfeindlich sind, regen sie den Organismus dazu an, auf unterschiedlichen Wegen diese Gifte schnellstmöglich abzubauen oder in Verbindung mit anderen Substanzen unschädlich zu machen. Diese Abbauvorgänge dienen im Organismus der Tiere und der Menschen der Bewusstseinsbildung, die sich, wie mehrfach erwähnt, auf Abbauvorgänge stützt.[6]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Biochemisch handelt es sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* bei der &#039;&#039;&#039;Ameisensäure&#039;&#039;&#039; um die einfachste Monocarbonsäure (Formica, HCOOH, ihre Salze heißen Formiate)  &lt;br /&gt;
* und bei der &#039;&#039;&#039;Oxal- bzw.&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Kleesäure&#039;&#039;&#039; um die einfachste Dicarbonsäure (Acidum oxalicum, HOOC-CO-CH2-COOH, ihre Salze heißen Oxalate).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Notwendige Verwandlung von Oxalsäure in Ameisensäure&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner hat erstaunlich oft über die Bedeutung der biochemischen Verwandlung von Oxal- in Ameisensäure gesprochen.[7] Den Prozess der Bildung von Oxalsäure, der hauptsächlich in den Verdauungsorganen stattfände, hielt er für eine notwendige Grundlage dafür, dass der Mensch überhaupt leben könne – grundlegend also dafür, dass die Ätherkräfte zur Wirksamkeit kommen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihre Umwandlung in Ameisensäure aber sei eine entsprechende Grundlage für das Wirksamwerden der astralischen Kräfte in der physisch-ätherischen Konstitution. In einem Ärztevortrag führt er weiter aus, dass man im Falle der Ameisensäure dahin kommen müsse zu erkennen, dass sie im Menschen, wie auch draußen in der Natur, die Aufgabe hat, gegenüber den Prozessen des Alterns, des Absterbens und des Vermoderns immer wieder weiteres Leben, weitere Entwicklung zu ermöglichen.[8] Auch führt er aus, dass &#039;&#039;„die heutige Physiologie“&#039;&#039; diese Prozesse erst finden müsse.[9]&amp;lt;sup&amp;gt;,&amp;lt;/sup&amp;gt; [10]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner und Wegman sahen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* in der &#039;&#039;&#039;Ameisensäure&#039;&#039;&#039; die Schlüsselsubstanz im Stoffwechsel des tierischen Organismus &lt;br /&gt;
* und in der &#039;&#039;&#039;Oxalsäure&#039;&#039;&#039; die Schlüsselsubstanz im pflanzlichen Zell-Metabolismus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Organismus als Tätigkeitszusammenhang begriffen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Abs. 2 wird deutlich gemacht, wie entscheidend es für einen Organismus ist, eine Substanz nicht nur zu besitzen, sondern auch den Bildeprozess zum Aufbau dieser Substanz zu leisten. Im Tun liegt das Wesen des Organismus, nicht in seinen Substanzen. Der Organismus ist nicht ein Stoffzusammenhang, sondern ein Tätigkeitszusammenhang. Der Stoff trägt den Anreiz zur Tätigkeit in sich. Hat er diesen Anreiz verloren, so hat er für die Organisation keine weitere Bedeutung.[11]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter diesem Gesichtspunkt kann auch die jeweilige Aufgabe der Ameisensäure und der Kleesäure im menschlichen Organismus verstanden werden. Hier ‚dienen‘ diese Substanzen der Ich-Organisation: &#039;&#039;„Die Ich-Organisation braucht diesen Übergang der organischen Substanz in den leblosen Zustand. Aber sie braucht eben den Vorgang des Überganges; nicht, was dann durch den Übergang entsteht. Ist nun das nach dem Leblosen hin sich Entwickelnde gebildet, so wird es im Innern des Organismus zur Last. Es muss entweder unmittelbar abgesondert werden oder aufgelöst, um mittelbar hinwegzukommen. Geschieht nun für etwas, das aufgelöst werden sollte, diese Auflösung nicht, so häuft es sich im Organismus an und kann die Grundlage für gichtische oder rheumatische Zustände bilden.“[12]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Biologie werden die Phänomene dieses Übergangs zwischen Abbau und Aufbau im Falle der Gesundheit als metabolische Homöostase beschrieben, wobei deren ‚Regulator‘ ein noch nicht gefundener Faktor ist. Es wird aber das Erstaunen zum Ausdruck gebracht darüber, dass unabhängig davon, was und wieviel man gerade isst oder nicht und wieviel Oxalacetat man gerade mit der Nahrung aufgenommen hat oder nicht, die Substanzen im sogenannten Stoffwechsel-Pol der Zellen konstant gehalten werden. D.h. in den Zellen sind die Enzyme des Katabolismus (Abbau) und Anabolismus (Aufbau) normalerweise derart reguliert, dass ein Gleichgewicht gewahrt bleibt. Wird dieses Gleichgewicht jedoch gestört, bedeutet dies den Beginn krankhafter Prozesse.[13]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[14]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, Ga 27, Kap. XVII.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Meditative Betrachtungen und Anleitungen zur Vertiefung der Heilkunst. Vorträge für Ärzte und Medizinstudierende,&#039;&#039; GA 316, S. 22.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Siehe FN 1, S. 82.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Der Kern eines Ameisenhaufens ist meist in alten Wurzelstöcken von Nadelhölzern oder Eichenstämmen angesiedelt; das Zusammenleben in der Ameisenkolonie ist ausgeprägt sozial. Eine Königin lebt bis zu 20 Jahre, Arbeitsameisen 5–6 Jahre. Sie entwickeln sich in klar definierten Temperaturbereichen (Ameisenpuppen brauchen 31°, Larven 28°, die Entwicklung der Eier nur 25°). Vgl. Jirikowski (2010), 105–107.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. Wollrab (2014), 621.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Vgl. Wolff (2013), 85, 263–269.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Mysteriengestaltungen,&#039;&#039; GA 232, 13. Vortrag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Vgl. FN 1, S. 22f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. FN 11, S. 193–195.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Dazu muss aus anthroposophisch-medizinischer Sicht gesagt werden, dass die geisteswissenschaftliche Biochemie, für die Hauschka und Wolff die Grundlagen erarbeitet haben (Vgl. Hauschka 2007, Wolff 2013), auf dem jeweils neuesten Stand der biochemischen Forschung weiter erarbeitet werden muss. Denn die Zusammenschau der Wesensglieder-Tätigkeiten als ganzheitliche Regulatoren und die immense Faktenfülle der molekulargenetischen Einsichten in das hochkomplexe Regelkreisgeschehen der Zellatmung ist für eine umfassende Integrativmedizin unverzichtbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Siehe FN 1, S. 82.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13]  Vgl. Sadava u. a. (2019), 265–271.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ANTHROPOSOPHISCHE HEILMITTEL-ERKENNTNIS AM BEISPIEL VON ANTIMON ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welcher Blickwinkel ist grundlegend im Hinblick auf die anthroposophische Heilmittel-Erkenntnis?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern weist Antimon Ähnlichkeiten mit dem Ätherischen auf?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wird es, auch in Kombination mit Schwefel, therapeutisch eingesetzt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wirksamkeit von Substanzen im Kontext irdisch-menschlicher Kraftsysteme&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel XVI von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; geht es um anthroposophischen Heilmittel-Erkenntnis. Die Grundlage davon ist der Blick auf das Verhalten bzw. die Wirksamkeit einer Substanz im Bereich der in Kapitel I geschilderten Kraftsysteme. Dabei geht es insbesondere um die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* von der Erde ausstrahlenden &lt;br /&gt;
* und in sie einstrahlenden Kräfte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„[...] es kommt darauf an, die Wirkungen zu beobachten, die sich aus dem Zusammenhange der inneren Kräftekonstitution einer Substanz im Verhältnis zu den Kräften ergeben, die von der Erde ausstrahlen oder in sie einstrahlen.“[2]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Antimon, Schwefel und die Austernschalenbildung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Diese Wirkungen werden am Beispiel des Antimons in seiner Beziehung zum Schwefel in Form des in der Natur vorkommenden Grauspießglanzes aufgezeigt (Sb2 S3, auch als Antimonit bzw. Stibnit bekannt), sowie an der Austernschalenbildung, die zum Verständnis der Typhusbehandlung beiträgt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Antimon ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Antimon&#039;&#039; kam bereits in der ägyptischen Medizin zur Anwendung, nimmt bei Paracelsus eine zentrale Stellung ein und hat bis in die Gegenwart immer neue Einsatzmöglichkeiten erfahren. Chemisch ist es dem Arsen verwandt und eine Menge von 100 mg bis etwa 1200 mg kann bereits tödlich sein. Eine gute Übersicht über seine Verwendung – einschließlich in der Anthroposophischen Medizin – findet sich bei &#039;&#039;Marxer[3]&#039;&#039; Die Bezeichnungen Antimon und Stibium für das chemische Symbol Sb stammen von den lateinischen Wörtern &#039;&#039;antimonium&#039;&#039; und &#039;&#039;stibium&#039;&#039; ab, die schon im Altertum für den Grauspießglanz verwendet wurden.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Schwefel ====&lt;br /&gt;
Schwefel ist eines der seltenen Minerale, die in kristallisierten polymorphen Formen in der Natur rein vorkommen und in der Struktur der orthorhombischen Raumgruppe Fddd die typisch gelbe α-Kristallform zeigen. Schwefel steht mit einem Anteil von geschätzt 0,048 Gew.-% an 15. Stelle unter den häufigsten Elementen der uns bekannten Erdkruste. Er wurde in Kometenschweifen nachgewiesen, ist auf der Erde zum einen vulkanischen Ursprungs und stammt zum anderen aus der Biosphäre von Bakterien, die aus schwefelhaltigen Mineralien Schwefel aufnehmen und Sedimente bilden sowie von Pflanze, Tier und Mensch, da er im Eiweißaufbau durch die beiden schwefelhaltigen Aminosäuren &#039;&#039;Cystin&#039;&#039; und &#039;&#039;Methionin&#039;&#039; festgebunden ist. Durch seinen niedrigen Schmelzpunkt und seine Fähigkeit zu sublimieren, verbindet er sich leicht über Luft und Wasser mit anderen Substanzen und realisiert so den alle Reiche der Natur verbindenden Schwefelkreislauf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Symptomatisch dafür ist auch eine ungewöhnliche mechanische Eigenschaft der Grausspießglanz-Kristalle: Sie zeigen eine auch an größeren Kristallen bei geringem Kraftaufwand fühlbare Biegsamkeit. Diese beruht auf einer geregelten innerkristallinen Gleitung, wie sie auch beim Eis und beim Steinsalz vorliegt – Substanzen, die für alle Lebewesen essenziell sind.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Austernschale ====&lt;br /&gt;
Die Austernschale ist als komplexes Kalkmineral schützendes Außenskelett der Auster und damit ein Mineral, ausgeschieden aus dem Lebensprozess eines Tieres bzw. einer Muschel. In ihrer therapeutischen Verwendung ist sie insbesondere in der Homöopathie bekannt mit dem Arzneimittelbild &#039;&#039;Calcium carbonicum&#039;&#039;. Sie wird zu den Vielkönnern oder Polychresten gezählt (von gr: πολύς - viel und χρηστός  - brauchbar).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Hinweise auf die Verwandtschaft von Antimon mit dem Ätherischen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Zusammenwirken von Zentral- und Universalkräften ====&lt;br /&gt;
Dadurch, dass das Antimon sich leicht und stabil mit dem Schwefel zu den orthorhombisch geformten Grauspießglanz/Antimonit-Kristallen verbindet, kann es die Neigung des Schwefels, in der Welt des Lebendigen aktiv zu werden und dadurch auch im Sinne der auf die Erde einstrahlenden ätherischen Kräfte zu wirken, unterstützen. Unter diesem Aspekt ist die Art und Weise, wie das Antimon in seiner Verbindung mit dem Schwefel kristallisiert, charakteristisch. Es kristallisiert in prismatisch-nadeligen grauschwarzen Kristallen, von feinst ziseliert bis zentimeterstark, immer von einem Zentrum weg – wenn der Kristallisationsprozess nicht durch äußere Umstände gestört wird. Dabei erstrecken sich die Antimonit-Nadeln radial in die Peripherie, wobei die Länge der Kristalle durchaus auch 1 m überschreiten kann. Wo er nur kann, strebt Antimonit die büschelförmige Gestaltung an. Er gliedert sich damit in Linien, die von der Erde weg- und den Kräften entgegenstreben, die im Äther wirken. Durch diese Kristallisationsweise bringt das Antimon das Zusammenwirken der Zentral- und der Universalkräfte wie archetypisch zum Ausdruck.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man bringt mit dem Antimon somit etwas in den menschlichen Organismus, das der Wirkung des Ätherleibes auf halbem Wege entgegenkommt.[6] Antimon kann dadurch im Körper die eiweißbildenden Kräfte zusammenhalten und so die Tätigkeit der Ich-Organisation im Eiweißaufbau unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Feinfaserigkeit durch Seigern ====&lt;br /&gt;
Auch dasjenige, was im Seigerprozess mit dem Antimon vor sich geht, weist auf die Äther-Verwandtschaft dieses Stoffes hin. ‚Seigern‘ kommt von dem gegenwärtig nicht mehr oft gebrauchten Wort etwas z.B. durch ein Sieb ‚durchseien‘. Unter ‚Seigerungen‘ versteht man daher Trennprozesse in gemischtem Schmelzgut. Es wird durch diesen Prozess feinfaserig.[7]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Niedriger Schmelzpunkt ====&lt;br /&gt;
Da das Antimon bereits bei 547° schmilzt, fließt es auf schräger Unterlage leicht aus dem Antimon haltigen Schmelzgut heraus, wo es dann bei Abkühlung zu 92–98 % reinem &#039;&#039;antimonium crudum&#039;&#039; kristallisiert.[8] Der niedrige Schmelzpunkt von 547° zeigt zudem die Nähe dieser mineralischen Substanz zum flüssigen Aggregatzustand, in dem die ätherischen Kräfte ihre Wirkung entfalten können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor diesem Hintergrund heißt es in dem oben erwähnten Werk:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Alles dieses zeigt, dass im Antimon die Tendenz enthalten ist, in das Ätherelement in dem Augenblick leicht überzugehen, in dem dazu die Bedingungen auch nur in geringem Grade vorhanden sind. Dem geistigen Schauen gelten alle diese Einzelheiten nur als Andeutungen; denn dieses nimmt die Beziehung zwischen Ich-Tätigkeit und Antimon-Wirksamkeit unmittelbar so wahr, dass die Antimonprozesse, in den menschlichen Organismus gebracht, so wirken, wie die Ich-Organisation.“[9]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zwei Indikationen als Beispiele für den Einsatz von Antimon&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aus dem breiten Spektrum der therapeutischen Einsatzmöglichkeiten werden nun zwei Indikationsgebiete an die Schilderung des Arzneimittelbildes angeschlossen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;&#039;Blutgerinnungsstörungen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
# und &#039;&#039;&#039;Typhus abdominalis/Parathyphus&#039;&#039;&#039;, eine gefährliche bakterielle Infektionskrankheit des Magen-Darmtraktes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während eine Therapie mit &#039;&#039;Antimon&#039;&#039; oder &#039;&#039;Stibium metallicum praep.&#039;&#039; bei Blutungsneigung aus der Darstellung des Arzneimittelbildes unmittelbar hervorgeht, ist dies für den Thyphus nicht so ohne weiteres ersichtlich – zumal dieser ja heute erfolgreich antibiotisch behandelt werden kann (Sterblichkeitsrate unter 1 %) und die Impfung bei Einreise in betroffene Gebiete empfohlen wird.[10]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Arzneimittelbild der Austernschale und Typhus&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was macht also eine Begleitbehandlung oder Alternativbehandlung zur Vermeidung des Einsatzes von Antibiotika sinnvoll?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um dies zu verstehen, braucht es – wie oben bereits angedeutet – zum Vergleich das Arzneimittelbild der Austernschale. Hier liegt ein Naturprozess vor, der etwas vollzieht, was für die Muschel richtig ist, für den Menschen aber zur Ursache typhöser Durchfall-Erkrankungen werden kann. Die Auster sondert in ihre Schale das kalkartig Mineralische ab:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Bei der Auster wird das Kalkartige abgesondert, um es der Eiweißwirkung nicht einzugliedern. Im menschlichen Organismus muss diese Eingliederung stattfinden. Die bloße Eiweißwirkung muss in eine solche umgewandelt werden, in der mitwirkt, was im Kalkartigen durch die Ich-Organisation an gestaltenden Kräften hervorgerufen werden kann. Das muss sich innerhalb der Blutbildung abspielen. Das Antimon wirkt der kalkausscheidenden Kraft entgegen und führt das Eiweiß, das seine Form bewahren will, durch seine Verwandtschaft mit dem Äther-Elemente in die Formlosigkeit hinüber, die für die Einflüsse des Kalkartigen oder Ähnlichem empfänglich ist.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Beim Typhus ist es klar, dass der krankhafte Zustand in einer mangelnden Überführung der Eiweißsubstanz in gestaltungsfähige Blutsubstanz besteht. Die Form der Diarrhöen, die auftritt, zeigt, dass schon im Darm die Unfähigkeit zu dieser Umwandlung beginnt.“[11]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Heilung der konstitutionellen Dysfunktionalität&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[12]&#039;&#039; heißt es&#039;&#039;,&#039;&#039; dass die Abwehrstoffe und Killerzellen eines guten Immunsystems im Blut zirkulieren, welches wiederum &#039;&#039;das&#039;&#039; Organ der Ich-Organisation ist.[13] Kann nun mithilfe einer Konstitutionsbehandlung, z.B. mit einem Antimonpräparat, und je nach Situation auch noch kombiniert mit anderen Heilmitteln, die Ich-Organisation und damit ihr Einfluss auf die Gestaltungskräfte im Blut gestärkt werden, so werden die Bakterien nicht nur beseitigt, wie es über eine antibiotische Therapie geschieht, sondern zugleich das Milieu saniert und damit künftigen Infektionen vorgebeugt. Das entspräche einer integrativen Therapie, die sich nicht nur auf die Beseitigung der Symptome konzentriert, sondern auf die Heilung der konstitutionellen Dysfunktionalität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dem erwähnten Werk schreiben die Autoren: &#039;&#039;„Wendet man bei typhösen Erscheinungen Antimonpräparate in entsprechender Zusammensetzung an, so erweisen sich diese als Heilmittel. Sie entkleiden die Eiweißsubstanz ihrer Eigenkräfte und machen sie geneigt, den Gestaltungskräften der Ich-Organisation sich einzufügen.“[14]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbstverständlich hat der primäre Fokus auf die Symptombeseitigung überall da seine Berechtigung, wo sie Leben rettet, weil die Abwehrkräfte des Körpers zu schwach sind für die notwendige Selbstregulation. Wo diese Möglichkeit jedoch gegeben ist, kann differenzierter vorgegangen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Wer Exaktheit nur in dem sieht, was die Chemie – auch die pharmazeutische – feststellt, der vernichtet die Möglichkeit, Anschauungen darüber zu gewinnen, was im Organismus bei Heilungsvorgängen geschieht.“[15]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[16]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ebenda, S. 77.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Vgl. Marxer (2000), siehe www.pharmazeutische-zeitung.de/titel-10- 2000; [6.1.2025].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Vgl. Holleman und Wiberg (2017), 940.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. Wimmenauer (1992), 223.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Siehe FN 1, S. 78.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Vgl. Holleman und Wiberg (2017), 942.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Siehe FN 1, S. 78f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Typhus ist weltweit verbreitet – besonders in warmen Ländern. Er wird durch kontaminierte Lebensmittel bzw. Trinkwasser übertragen und ist eine schwere Allgemeinerkrankung, die durch das Bakterium Salmonella typhi ausgelöst wird. Als Paratyphus bezeichnet man ein abgeschwächtes Krankheitsbild, dessen Erreger Salmonella Paratyphi A, B oder C ist. Übertragen wird die Infektion durch Trinkwasser oder Lebensmittel, die mit Fäkalien von infizierten Personen verunreinigt wurden. Leitsymptome sind hohes Fieber, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, langsamer Puls, trockener Husten, Bauchschmerzen, Milzvergrößerung und manchmal ein blasser, kleinfleckiger Ausschlag am Körper. Ein milder Verlauf ist möglich, doch manchmal kommt es zu schweren Komplikationen wie massiven Darmblutungen oder Abszessen in verschiedenen Organen. Durch den Einsatz von Antibiotika kann die Sterblichkeit auf unter 1% gesenkt werden. In Deutschland ist die Krankheit meldepflichtig – dem Bundesamt für Gesundheit werden pro Jahr zwischen 20 und 50 Fälle gemeldet. Wichtigste Mittel zur Vorbeugung sind Körperhygiene und Verzicht auf frische Salate und ungeschältes Obst – nach dem Ernährungsmotto: Cook it, peel it or forget it. Siehe www.bag.admin.ch/bag/de/home/krankheiten/krankheiten-im-ueberblick/typhus-abdominalis-paratyphus.html; [6.1.2025].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Siehe FN 1, S. 80.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“, GA 27.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] Siehe FN 3, Kapitel VI.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] Siehe FN 3, S. 80.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[15] Ebenda, S. 81.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[16] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ARZNEIMITTEL-SUBSTANZGRUPPEN UND WESENSGLIEDER ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Auf welchen Ebenen und worüber ist der Mensch mit der Natur innig verbunden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Naturanteile machen seine Konstitution aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wesensglieder und ihre Einbettung in die Natur&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Physischer Leib und Natur ====&lt;br /&gt;
Schon ein oberflächlicher Blick auf die Verbundenheit von Natur und Mensch zeigt, wie der Mensch die kristallinen Strukturen seines Körpers mit den Mineralien der ihn umgebenden Natur gemeinsam hat. Dieser sichtbare, mineralisch erscheinende Leib wird in der anthroposophischen Menschenkunde „Physischer Leib“ genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ätherleib und Natur ====&lt;br /&gt;
Werden und Vergehen, Leben und Sterben hat der Mensch mit der Pflanzenwelt gemeinsam. Diese Gesetzmäßigkeiten in ihrem Zusammenhang nennt Steiner „Ätherleib“, weil ohne das blaue Himmelslicht (griechisch o aither) kein Leben auf der Erde möglich wäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Astralleib und Natur ====&lt;br /&gt;
Atmung, Bewegung, Bewusstsein, Schmerz und Triebleben hat der Mensch mit den Tieren gemeinsam. Diese das Seelenleben konstituierenden Gesetze heißen in ihrer Gesamtheit „Astralleib“ von aster, lateinisch Stern. Die menschliche Seele fühlt sich der Sternenwelt mit ihren Rhythmen und Konstellationen verwandt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Rein menschliche Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Die Fähigkeit jedoch, lebenslang lernen und immer wieder neu und anders kulturschöpferisch tätig sein zu können, ist spezifisch menschlich. Daher gibt Steiner diesem die „Ich-Natur“ des Menschen möglich machenden Gesetzes-Zusammenhang den Namen „Ich-Organisation“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Mensch durch diese vier verschiedenen Gesetzes-Zusammenhänge sein Wesen sowohl integriert als auch differenziert äußern kann, gab Steiner ihnen den Namen „Wesensglieder“.[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Arzneimittelwirkung auf die Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Substanzgruppen aus dem Mineral-, Pflanzen-, Tier- und Menschenreich haben einen therapeutischen Bezug zu diesen Wesensgliedern:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Menschliche Substanz wie Muttermilch und in Form einer Blutspende stützt und erhält den physischen Leib.&lt;br /&gt;
* Präparate aus dem Tierreich regen den Ätherleib zu verstärkter Tätigkeit an,&lt;br /&gt;
* pflanzliche Arzneimittel wirken regulierend auf den Astralleib&lt;br /&gt;
* und Metalle und Mineralien auf die Ich-Organisation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Potenzierungsstufen und Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Auch die Potenzierungsstufen der nach homöopathischem Verfahren hergestellten Arzneimittel haben ihren Bezug zu den Wesensgliedern:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D1 – D4:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;physischen Organismus&#039;&#039; und seines Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D5 – D8:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;ätherischen Organismus&#039;&#039; und seines Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D10 – D15:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;astralischen Organismus&#039;&#039; und seines Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D20 – D60:&#039;&#039;&#039; Anregung der &#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039; und ihres Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Bezug auf die Dreigliederung des menschlichen Organismus gilt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D1 – D6:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;Stoffwechsel-Systems&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D6 – D18:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;rhythmischen Systems&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D18 – D30:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;Nerven-Sinnessystems&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Arzneimittelschatz der Anthroposophischen Medizin umfasst dementsprechend Ausgangssubstanzen mineralischer, pflanzlicher und tierischer Herkunft, die nach besonderen Verfahren vor allem von den Arzneimittelfirmen Weleda und Wala hergestellt werden.[2] In Deutschland wurden sie aufgrund des Arzneimittelgesetzes von 1976 in der vom Bundesgesundheitsamt – später Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) – eingerichteten Kommission C für die Zulassung aufbereitet. Ein Teil dieser regulativ wirksamen Arzneimittel ist sehr gut für die Selbstmedikation geeignet.[3]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Artikel in der Deutschen Apothekerzeitung DAZ Nr. 39, 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Theosophie, Einführung in übersinnliche Welterkenntnis und Menschenbestimmung,&#039;&#039; 2003 und ders. &#039;&#039;Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft&#039;&#039;. In: &#039;&#039;Lucifer-Gnosis&#039;&#039;. GA 34. Dornach 1987, 309-344.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] International Association of Anthroposophic Pharmacists IAAP. ­Anthroposophic Pharmaceutical Codex. Stuttgart, 2014.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] M. Glöckler, B. Emde, &#039;&#039;Anthroposophische Medizin&#039;&#039;, in: &#039;&#039;Komplementärmedizin für die Kitteltasche. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation&#039;&#039;, Stuttgart 2009 und ders.: &#039;&#039;Anthroposophische Medizin&#039;&#039;, in: &#039;&#039;Komplementärmedizin für Kinder. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation&#039;&#039;, Stuttgart 2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ARZNEIMITTEL AUS DER NATUR UND WESENSGLIEDER ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen inneren Zusammenhang sieht die anthroposophische Pharmazeutik zwischen Arzneimitteln aus der Natur und den menschlichen Wesensgliedern?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Qualitäten zeichnen die Muttermilch aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern sind Schwangerschaft und Stillzeit Naturvorbilder auch für zukünftige Entwicklungsstadien?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Korrelation von Arzneimitteln und Wesensgliedern&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der Anthroposophischen Pharmazeutik sieht man eine grundlegende Korrelation von Arzneimitteln aus der Natur und den menschlichen Wesensgliedern:[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So haben &#039;&#039;&#039;Mineralien&#039;&#039;&#039; eine unmittelbare Beziehung zur &#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;: Sie unterstützen die Ich-Organisation bei der Beherrschung der physischen Verhältnisse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Heilmittel aus dem Pflanzenreich&#039;&#039;&#039; auf die &#039;&#039;astralische Organisation&#039;&#039;: Die astralische Organisation wirkt lähmend auf die ätherische – pflanzliche Arzneimittel können regulierend auf diese lähmende Wirkung Einfluss nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Organpräparate&#039;&#039;&#039; und tierische Arzneimittel auf die &#039;&#039;ätherische Organisation:&#039;&#039; Diese hat die Aufgabe, physisch-tierische Substanzen in den Lebenszusammenhang aufzunehmen, was durch astralische Impulse angeregt werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Menschliche Substanz&#039;&#039;&#039; (wie Blutkonserven und Muttermilch) wirkt unmittelbar auf den &#039;&#039;physischen Leib,&#039;&#039; sodass sich die anderen Wesensglieder wieder besser einschalten und betätigen können. Anders ausgedrückt: Menschliche Substanz steht der Ich-Organisation unmittelbar für ihre Aufgabe zur Verfügung, das Ganze des Organismus bis in das Physische hinein zu beherrschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Was Muttermilch vermag&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Studiert man die Besonderheiten rund um die Bildung von Muttermilch, so verrät dies viel über die innige Bindung zwischen Mutter und Kind durch alle vier Wesensglieder hindurch: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die Muttermilch ist nach dem aktuellen Bedürfnis des Säuglings zusammengesetzt und variiert so auch von Tag zu Tag; &lt;br /&gt;
* Stillen fördert die Rückbildung der Gebärmutter;&lt;br /&gt;
* gestillte Kinder haben weniger Infekte und überstehen sie leichter, weil die Muttermilch wichtige Abwehrstoffe der Mutter enthält;&lt;br /&gt;
* ausschließliches Stillen in den ersten sechs Monaten kann das Kind vor Allergien und Asthma schützen;&lt;br /&gt;
* Wachstum und Beweglichkeit von Magen und Darm werden unmittelbar angeregt;&lt;br /&gt;
* die Zusammensetzung der Muttermilch mit Bezug auf Kohlenhydrate, Fette, Eiweißgehalt und Mineralstoffe ist zugleich ein ‚Naturvorbild‘ für eine gesunde Ernährung;&lt;br /&gt;
* die Immuntoleranz, d.h. die Selbstregulation des Immunsystems entwickelt sich bei gestillten Säuglingen nachhaltig besser.&lt;br /&gt;
* Durch Stillen wird das Risiko des plötzlichen Kindstodes um ca. die Hälfte gesenkt und vieles mehr.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Formelmilch gefütterte Säuglinge haben eine deutlich höhere Insulinkonzentration im Plasma, was mit der Entwicklung von Adipositas und einer möglichen Zunahme von Diabetes mellitus Typ 2 im Zusammenhang steht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Abnabelungsstadien und physisch-seelisch-geistige Muttermilch&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Nach der &#039;&#039;&#039;physischen Abnabelung&#039;&#039;&#039; vom physischen Leib der Mutter als der ernährenden Umgebung während der Schwangerschaft, folgt die Stillperiode.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann folgt die langsame &#039;&#039;&#039;ätherische Abnabelung&#039;&#039;&#039; und das Sich-Emanzipieren auf ätherischer Ebene, das mit dem Ende der Nachahmungsperiode ausklingt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;&#039;seelisch-astralische Abnabelung&#039;&#039;&#039; findet im 2. Jahrsiebt statt und kulminiert mit der Pubertät. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Arbeit des Ich jedoch an der Überwindung von allen möglichen Abhängigkeiten, die seine Autonomiebefähigung einschränken, stellt eine Art &#039;&#039;&#039;geistige Abnabelung&#039;&#039;&#039; dar. Diese zu bewerkstelligen bleibt eine lebenslange Herausforderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner spricht im pädagogischen Zusammenhang wiederholt über die Bedeutung der physischen Muttermilch für den gesunden Aufbau des physischen Leibes und die damit verbundene Stärkung der Ich-Organisation des Kindes. Für die Unterstützung der oben genannten weiteren Abnabelungsprozesse im Verlaufe der Schulzeit und Jugend, braucht es die ‚seelische‘ und zuletzt ‚geistige‘ Muttermilch, die dem Menschen in Form einer nährenden Entwicklungsumgebung und verständigen Entwicklungshelfern zukommen müssen.[3]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fallen solch hilfreiche Faktoren und Entwicklungsbegleiter weg oder können nur eingeschränkt wirken, ist dies oft mit körperlichen und oder seelischen gesundheitlichen Belastungen im weiteren Leben verbunden. Diesen so weit als möglich vorzubeugen, ist der Präventionsanspruch Anthroposophischer Medizin und Pädagogik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[4]&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
----[1] Warum das so ist, geht aus den Kapiteln I bis V aus &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27,&#039;&#039; hervor, in denen die Autoren, Rudolf Steiner und Ita Wegman, die Arbeit der Wesensglieder an den Substanzströmen schildern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Vgl. Soldner und Stellmann (2018), 220–238; Glöckler u. a. (2024b), 372–392.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik,&#039;&#039; GA 293, Vortrag 2. September 1919.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== WIRKSAMKEIT EINES HEILMITTELS VERMITTELN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie vermittelt der Arzt seinem Patienten, welches Heilmittel er braucht?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist dabei zu beachten, worauf kommt es an?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wirksamkeit der Gedanken und Gefühle miteinbeziehen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ideal wäre es, mit dem Patienten über ein Heilmittel in einer Art zu sprechen, dass etwas von der Wirksamkeit desselben auf den Patienten überspringt und dieser sich freut, dass er dieses Mittel bekommt, ja, dass er dankbar dafür ist. Der Patient sollte es mit dem Gefühl nehmen, er habe etwas besonders Gutes bekommen. Denn Freude und Dankbarkeit wirken therapeutisch – sie sind nicht „Placebo“, sondern real und wirksam. Wir müssen begreifen, dass das, &#039;&#039;was&#039;&#039; und &#039;&#039;wie&#039;&#039; wir über eine Sache denken, viel mehr als nichts ist: Was jemand weiß, ist etwas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ätherleib als Träger der zeitlichen und „ewigen“ Lebenskräfte entfaltet diese Doppelwirksamkeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ihm verdankt unser Körper einerseits &#039;&#039;&#039;Leben, Regeneration, Wachstum&#039;&#039;&#039; und die individuelle Lebenszeit&lt;br /&gt;
* Andererseits verdankt der Mensch ihm sein &#039;&#039;&#039;Gedankenleben&#039;&#039;&#039;, je älter er wird, umso mehr, das sich aus all den ätherischen Kräften speist, die der Körper nicht mehr „verkörpert“ halten kann (und muss) und die er damit in die „außerkörperliche Wirksamkeit“ entlässt. Die Gedanken können über den Tod des Menschen hinaus weiterleben und ihn tragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Medikamente wirken auf beide Aspekte des Lebens – sprich: Auch was ich über etwas denke, bewirkt etwas. Wenn ich die Arnikawirkung denke, wirkt sie bereits, denn Gedanken wirken immer, sind ein reales Wirkprinzip. &#039;&#039;„Hab Sonne im Herzen, ob&#039;s stürmt oder schneit“&#039;&#039;. Wenn ich die Sonne meditiere, habe ich Licht und Wärme im Herzen, selbst wenn ich Bauchweh habe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Denken vermindert Heilkraft, positive Gefühle verstärken sie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Indem ich denke, nehme ich der ätherischen Wirksamkeit im Körper aber auch etwas weg, weil es dieselben Kräfte sind, die dem Körper zur Gesundheit verhelfen. D.h, der Körper ist am gesündesten, wenn man nicht denkt, also im Schlaf, weil da die gesamten ätherischen Kräfte (auch diejenigen, die tagsüber außerkörperlich dem Denken dienen) in den physischen Leib einziehen und an seiner Regeneration arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am besten ist es, wenn der Patient über ein Heilmittel gerade so viel weiß, dass er sich freut und ihm ein bisschen warm wird bei dem Gedanken, dass er es jetzt einnehmen darf. Denn diese positiven Gefühle teilen sich auch dem Körper mit und beeinflussen den Stoffwechsel positiv. Positive Gefühle führen dem Ätherleib vom Seelischen her positive Kräfte zu, wie dies gesunde Ernährung vom Physischen her tut. Zuviel Nachdenken über die Wirkung mindert diese jedoch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch weniger zuträglich ist es, wenn ein Patient nicht so recht weiß, wie ein Mittel wirkt, oder Angst bekommt, wenn er den Beipackzettel liest. Dann fühlt er sich verunsichert – weswegen 40 Prozent der Medikamente in den Müll und nicht in den Magen der Patienten wandern. Wieder zuhause entscheiden sie, dass es ihnen eigentlich gar nicht so schlecht geht und nehmen das verordnete Medikament lieber nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur Anthroposophischen Medizin, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== EIGENE ERFAHRUNGEN BEIM ARZTSTUDIUM ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was wirkt auf den Menschen konstruktiv bindend?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was unterstützt einen Menschen in seiner Entwicklung?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was bedeutet es eigentlich zu helfen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Womit helfe ich und was macht mich sicher, dass ich dabei nicht ein neues Problem schaffe?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fragen als Motivation fürs Medizinstudium&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ich komme ursprünglich aus der Pädagogik und habe gemerkt, wie stark mein Einfluss als Erzieher auf das Kind ist, wie stark das Vorbild wirkt, weil die Schüler alles sehr umweltoffen nachahmen, auch noch in der Oberstufe. Der Einfluss reicht bis ins Gesundheitliche hinein. Ich erlebte daran, welch riesige Verantwortung man hat durch die Art, wie man als Mensch auf andere wirkt. Ich habe mich zum Medizinstudium entschlossen, weil ich herausfinden wollte, wie es zu dieser Wirkung kommt. In dem Zusammenhang bewegten mich die oben genannten Fragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angespornt von der Begeisterung die Antworten zu finden, begann ich mein Studium. Ich war damals 25 Jahre alt, eine Spätberufene also, und hatte das Glück, die Anthroposophie parallel zum Studium studieren zu können. Ich habe sozusagen als angehende Anthroposophin Medizin studiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich fühle mich sicher und gewiss, wenn es mir gelingt, ein anatomisches Substrat, ein Ergebnis, z.B. Phasen der Embryonalentwicklung, wirklich zu verstehen: etwas denken zu können und das, was ich denke, in dem, was ich sehe, als evident wiederzuerkennen; mein Denken und meine Wahrnehmung als kongruent zu erleben; wenn das, was ich denke, auch passiert oder ich es sehe. Dazu gehört auch, das, was ich sehe, zu verstehen, dass es mir nicht ein dunkles Rätsel bleibt; ein Evidenzerlebnis zu haben. Ich hatte durch die Anthroposophie die Möglichkeit, die Medizin sensibel zu hinterfragen und mir Evidenzerlebnisse zu erarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vieles lernt man, ohne es zu verstehen. Man hat etwas festgestellt und soll es anschließend wissen. Bei uns stand über allen Examensfragen: &#039;&#039;„Der Student soll wissen, dass…“&#039;&#039; und dann kamen die Multiple-Choice-Angebote, aus denen man das Richtige heraussuchen musste. Es ist nervtötend, wenn nur Wissen abgefragt wird und kein Verständnis. Nur in den mündlichen Prüfungen ging es manchmal um echtes Verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Stoffwechsel und Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In den ersten vier Vorträgen im &#039;&#039;„Landwirtschaftlichen Kurs“[1]&#039;&#039; spricht Steiner über die spirituelle Bedeutung von Phosphor, Schwefel, Stickstoff, Sauerstoff und Wasserstoff. Die ganze Eiweißchemie bzw. Biochemie unseres Körpers beruht auf diesen Elementen. So konnte ich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;&#039; mit dem &#039;&#039;Phosphor&#039;&#039; in Zusammenhang bringen,&lt;br /&gt;
* den &#039;&#039;&#039;Astralleib&#039;&#039;&#039; mit dem &#039;&#039;Stickstoff&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* den &#039;&#039;Sauerstoff&#039;&#039; mit dem Leben, dem &#039;&#039;&#039;Ätherischen&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* den &#039;&#039;Schwefel&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;zwischen dem physischen Leib und dem Ätherleib wirksam&#039;&#039;&#039; sehen – denn „er macht den physischen Leib geneigt, die Wirkungen des Ätherischen aufzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht hier um die Erkenntnis, wie die vier Wesensglieder im Stoffwechsel aktiv sind, wobei diese vier Hauptelemente wie Tore sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wasserstoff hat eine Sonderposition. Er gehört wesentlich zum Wärmeorganismus und ist sogar &#039;&#039;das&#039;&#039; Zentralelement des Wärmeorganismus. Er ist das leichteste Element, das von sich aus zur Sonne geht, der Gravitation nicht unterliegt, weil es zu leicht ist. Wenn es nicht regnen würde, würde der Wasserstoff die Erde verlassen und sich in der Sonne sammeln. Aber durch Regen, Blitze und Donner, diese enormen energetischen Entladungen, kommt es zur Knallgasverbindung, durch die der Wasserstoff wieder an den Sauerstoff gebunden wird und so wieder auf die Erde kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wissen als etwas Vorläufiges begreifen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ich habe mir in dem Zusammenhang nie die Frage gestellt, ob etwas richtig oder falsch ist, sondern ob es mir zugänglich ist oder nicht. Wenn ich etwas verstanden hatte, war es für mich gewiss.[2] Wenn anschließend jemand erklärte, dass dies nur ein Vorgipfel wäre und die wahre Wirklichkeit noch tiefer läge, noch etwas komplizierter sei, war ich auch dafür offen. Das vorherige Endergebnis gilt dann eben als vorläufig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und man muss auch nicht von Anfang an alles wissen. Ich habe manchen Patienten damit glücklich gemacht, dass ich sagte: &#039;&#039;„Wir beginnen erst einmal mit diesem Therapieansatz – ich werde mich aber noch mit Kollegen beraten, was in Ihrem Fall das Beste ist.“&#039;&#039; Wirkliches Wissen hat Prozesscharakter und kongruiert mit der wachsenden Lebenserfahrung, die durch die Menschen, mit denen wir zusammenleben und -arbeiten, bereichert wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur AM, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft (Landwirtschaftlicher Kurs), Acht Vorträge&#039;&#039;, Koberwitz bei Breslau, 07.06 – 16.06.1924.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Dazu siehe auch: Glöckler, Michaela: &#039;&#039;Einblicke in die anthroposophisch-medizinische Forschung und die Arbeit der Medizinischen Sektion&#039;&#039;. In: Christiane Haid, Constanza Kaliks, Seija Zimmermann (Hg.): &#039;&#039;Goetheanum - Freie Hochschule für Geisteswissenschaft. Geschichte und Forschung der Sektionen.&#039;&#039; Verlag am Goetheanum, Dornach 2017: Rudolf Steiner betonte wiederholt, dass es sich bei seinen Schilderungen und Sichtweisen um ein Wissen handle, das von ihm selbst erarbeitet wurde und als Wissen oder Erkenntnis und nicht als Glaubensinhalt vorgebracht werde. Daher möge man das von ihm Dargestellte als anregende Idee, als Arbeitshypothese nehmen und selbst prüfen, ob es der eigenen Lebenserfahrung und Erkenntnissuche standhalten und dem Leben dienen könne. Auch hoffte er, dass der akademisch geschulte Leser seiner Schriften die Anstrengung unternehmen würde, seine auf meditativen Wegen errungenen Einsichten mit Hilfe empirischer Forschungsmethoden nachzuweisen. Damit führte Steiner in den wissenschaftlichen Diskurs das Prinzip der internen bzw. inneren Evidenz ein: Was man - gestützt auf Erfahrung und Einsicht - als richtig erkannt hat, empfindet man als „innerlich evident“. Es bedarf dann aber auch noch der externen Evidenz, damit man anhand reproduzierbarer Fakten die Legitimität des als richtig Erkannten aufzeigen kann. Beide Evidenzen zusammen ergeben eine umfassende Erkenntnis von Mensch und Welt und die Möglichkeit, sich ein ganzheitliches Menschen- und Weltverständnis zu erarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE FÜNF FUNKTIONSBEREICHE IN DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Funktionsbereiche deckt die Anthroposophische Medizin ab?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Funktionsbereiche des Lebens&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Unser aller Leben spielt sich auf unterschiedlichen Ebenen ab, die ich hier Funktionsbereiche nennen möchte. Im Folgenden werde ich sie genauer beschreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Physischer Funktionsbereich: Leben im Raum ====&lt;br /&gt;
Alles Physische findet im Raum statt und gründet auf räumlich fassbare Strukturen. Der physische Leib des Menschen ist umso gesünder, je besser er an sein Milieu, die jeweilige Umwelt angepasst ist. Vieles an unserer Umwelt macht uns über Wasser, Ernährung und Luft krank, aber auch – wenn es passend wirkt – gesund. Physisch sind wir offene Systeme. Auch was wir über die Sinne aufnehmen, prägen wir uns ein, prägt uns. Alles Schöne wirkt aufbauend, alles Unschöne schwächt. Alles wirkt, egal ob wir sofort krank werden oder nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier ist die Domäne der Schulmedizin. Anthroposophische Ärzte sind zunächst alle auch Schulmediziner, das ist unsere Grundlage. Diagnostische Fragen zum Physischen lauten beispielsweise:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Sind Medikamente nötig, die am Ort des aktuellen Geschehens unmittelbar angreifen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ist eine Umgebungsveränderung vonnöten?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Muss in einem bestimmten Bereich Sinnesschulung nachgeholt bzw. verstärkt werden?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wären Achtsamkeitsübungen bzw. irgendetwas, das die physische Resonanz mit dem Umfeld verbessert, hilfreich?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ätherischer Funktionsbereich: Leben als Prozess ====&lt;br /&gt;
Auch im Ätherischen sind wir offene Systeme. Mit ätherischer Kraft bezeichnet man in der Anthroposophischen Medizin, was man in der orientalischen Tradition Chi oder Lebenskraft nennt. Das Ätherische umfasst alles Prozessuale, das eine Zeitstruktur und Rhythmus hat. Im aristotelischen Sinne befinden wir uns damit in der Kategorie der Zeit. Alles Ätherische ist prozessual, lebendig, zyklisch, miteinander zusammenhängend, voneinander abhängig. Selbst­­­regulation, Selbstheilungsprozesse, Regeneration, Wachstum, Gestaltung haben hier ihren Wirkort. Die anthroposophischen Arzneimittel, die alle prozessorientiert sind, setzen hier an. Viele werden auch mit homöopathischen Verfahren hergestellt. Alle Prozesse, die uns kränken und gesunden lassen, verlaufen im Zeitlichen. So können sich Verstöße gegen gesunde Lebensrhythmen, z.B. unregelmäßige Ernährung, negativ auswirken, sofern die Selbstregulation dies nicht kompensieren kann. Auch die Lebensgewohnheiten, die Art wie man seine Zeit strukturiert oder eben nicht strukturiert, – wie chaotisch oder geordnet man lebt – beeinflusst diesen Wirkbereich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn im Leben herrscht Ordnung, es ist ein geordneter Kosmos. Es wird durch die Sonne, die circadiane 24-Stunden-Rhythmik, durch den Wochenrhythmus und den lunaren Monatsrhythmus beeinflusst. Mit dieser „Bio-Kosmologie“ befasst sich die Rhythmusforschung. Die Sonne ist 150 Millionen Kilometer von uns entfernt. Wenn wir aber Sonnenbrand haben, haben wir ihn hier auf unserer Haut. Unser gesamter Knochenstoffwechsel hängt von der Sonne ab, auch die gesamte chlorophyllproduzierende Pflanzenwelt. Wir sind sonnengetragene Wesen, wir leben in diesem Sonnenraum. Es gibt kein Leben ohne Wasser und Sonne. Die Griechen nannten den durchsonnten blauen Himmel den Äther. Daher auch der Begriff „ätherische Organisation“ für diesen Funktionsbereich. Das Leben auf der Erde muss viel umfassender gedacht werden, als wir das gewöhnlich tun, wenn wir vom Leben sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diagnostische Fragen zum Ätherischen zielen daher auf die Lebensgewohnheiten ab: Ernährung, Schlaf, Work-Life-Balance, aber auch Rituale, Gewohnheiten, religiöse oder meditative Hilfsmittel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Astraler Funktionsbereich: seelisches Erleben in Beziehung zu sich und anderen ====&lt;br /&gt;
Hier geht es um das Gefühlsleben, um die unbewusste und bewusste Beziehungsgestaltung. Alles, was in einer Beziehung stattfindet, was im Gefühl und Bewusstsein lebt, geht über Raum und Zeit hinaus in die „Innerlichkeit“ und erhält durch die Erinnerbarkeit Dauer. Die Beziehung zu sich selbst und den Menschen und Dingen im Umfeld ist ein reicher Kosmos, ein komplexes Netzwerk, ist so etwas wie eine Sternenkonstellation. Das Wort „Aster“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet Stern. Mit diesem Begriff möchte Rudolf Steiner nicht nur an die seelischen Sternkonstellationen erinnern, denen wir angehören, sondern auch an die himmlische Heimat der Seele und deren Verwandtschaft mit der Sternenwelt, die auch in den astrologischen Traditionen zum Ausdruck kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beziehungen können sich wandeln, wir können unser Verhältnis zu ihnen ändern. Wenn sie kaputt gehen, tut es so weh, dass man früher oder später wieder daran arbeiten wird. Unter dem Gesichtspunkt der Reinkarnation gibt es noch einen weiteren Aspekt, der das Ringen um eine positive Entwicklung in unseren Beziehungen in seiner Bedeutsamkeit unterstreicht. Christian Morgenstern drückt dies in einem seiner Gedichte so aus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wir müssen immer wieder uns begegnen&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;und immer wieder durch einander leiden,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;bis eines Tages wir dies alles segnen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;An diesem Tage wird das Leiden weichen,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;das Leiden, welches Selbstsucht zeugte,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;das Leiden wenigstens, das Blindheit zeugte,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;das uns wie blinden Wald im Sturme beugte.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Dann werden wir in neues Ziel und Leben&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;wie Flüsse in ein Meer zusammenfließen,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;und kein Getrenntsein wird uns mehr verdrießen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Dann endlich wird das „... suchet nicht das Ihre“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wahrheit geworden sein in unsern Seelen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und wie an Kraft wird&#039;s uns an Glück nicht fehlen.[1]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diagnostische Fragen zu der astralen Wirkrichtung betreffen biographische Zusammenhänge und damit verbundene Krankheitsursachen. Oft können Biographiearbeit, künstlerische Therapien, Bewegungstherapien und Körperarbeit helfen, das Bewusstsein für sich selbst und die Menschen im eigenen Schicksalsfeld zu harmonisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Funktionsbereich der Ich-Organisation: als Individuum leben ====&lt;br /&gt;
Hier haben wir es mit dem Bereich zu tun, den Goethe „die Dauer im Wechsel“ nannte. Die Ich-Organisation ist gegenüber dem ewigen Wesen des Menschen, seinem spirituellen Kern, offen. Sie umfasst alle Gesetzmäßigkeiten, die mich vor mir selbst und vor anderen persönlich legitimieren, die nur die eigene Individualität betreffen, für die ich mir selbst die Arbeitsrichtung vorgeben kann. Von der eigenen Ich-Verfassung, vom Selbstwert-Gefühl und der Art der Identitätsbildung hängt es ab, wie lange man z.B. negative Gefühle zulässt oder wieviel Stresstoleranz man besitzt. Wer sein Leben, sein Schicksal, mit allen Hoch- und Tiefpunkten, als seinen persönlichen Entwicklungsweg sehen kann, findet in jeder Lebenslage Motive für das, was gerade hier und jetzt gelernt oder getan werden könnte und kann innere Ruhe und die Übereinstimmung mit sich bewahren. Die Resilienzforschung hat viele wertvolle Beweise dafür geliefert, in welch hohem Maße die Art des Umgangs mit sich selbst und der gewählte Lebensstil den Gesundheitszustand von Leib und Seele beeinflussen.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was muss geschehen, damit ein Mensch wieder zu einer positiven Identität und Lebenseinstellung findet, auch wenn seine Umstände traurig oder widrig sein mögen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Anregung für die innere Schulung, für sein Selbstmanagement, für seine Identität kann ich ihm vermitteln, damit er freudig und&#039;&#039; &#039;&#039;wahrhaft als Ich erleben kann?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fragen dieser Art bewegen den Arzt – aber auch Fragen der Prävention&#039;&#039;: Was kann in den Erziehungsjahren geleistet werden, nicht nur für eine gesunde körperliche Entwicklung, sondern auch für die seelische und insbesondere die geistige, Identität stiftende Entwicklung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Funktionsbereich der spirituellen Orientierung: Weltentwicklung bejahen ====&lt;br /&gt;
Hier treten wir aus unserem individuell Menschlichen völlig heraus. Der Kopf ist das Beziehungsorgan, das uns mit der ganzen Welt verbindet, ist unser offenes, rein zur unsichtbaren Welt der Gedanken, den Sinneseindrücken, Vorstellungen sowie dem Bewusstsein hin orientiertes Gebilde. Paracelsus[3] nannte diese Perspektive, die Art, wie wir mit den unsichtbaren Kräften des Denkens, Fühlens und Wollens umgehen, die Quinta Essentia. Die vier anderen „Essenzen“ haben mit den Aggregatzuständen fest, flüssig, gasförmig und Wärme zu tun, die alle noch physisch fassbar sind. Die Quinta Essentia jedoch ist rein spirituell, rein geistig. Sie wird uns zunehmend bewusst durch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* seelisch-geistige Verwandlungsprozesse dank meditativer Schulung,&lt;br /&gt;
* Verfeinerung der Gedanken,&lt;br /&gt;
* Gefühls- und Willenskultur der Achtsamkeit.&lt;br /&gt;
* Die Tugenden und verbindlichen Lebenswerte gehören ebenso in diesen Bereich, &lt;br /&gt;
* aber auch wie ich meine Beziehungen ordne, wie ich meine Identität erlebe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn wie ich mein äußeres und mein biografisch-zeitliches Leben veranlage, hängt letztlich davon ab, wie ich über mich und andere, über die Welt und Gott denke. Eine echte spirituelle Orientierung ist die stärkste salutogenetische Perspektive. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Erlösende menschheitliche Perspektive&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Meine Erfahrung ist, dass es heute immer mehr Menschen gibt, die von einer basalen Trauer und Sorge erfüllt sind in Bezug auf das Weltgeschehen und die Menschheitsentwicklung. Sie sind nicht krank oder deprimiert durch eine schlechte Lebensweise oder Drogen, auch nicht aufgrund negativer Beziehungen. Sie erleben sich vielmehr dadurch beeinträchtigt, dass sie den Eindruck haben, es geht mit der Menschheits- und Erdenentwicklung nicht gut voran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um dem konstruktiv begegnen zu können, braucht es eine große, umfassende, menschheitliche Perspektive, die aufzeigt, dass die Menschheit zwar heute eine besondere Krise durchmacht, verursacht durch den Zerfall von Werten und eine enge materialistisch-ökonomische Weltsicht. Es gilt jedoch zu verstehen, dass nur der Durchgang durch eine Periode des Verlustes spiritueller Perspektiven und humaner Entwicklungsbedingungen das Individuum aus allen kollektiven – auch der religiösen – Bindungen zu befreien vermag, damit es auf dieser Basis neu und selbstständig sein Verhältnis zum weiteren Verlauf der Geschichte zu bestimmen in der Lage ist. Nur ein echtes Verständnis dieser Entwicklungszusammenhänge kann dem sonst unweigerlich eintretenden Kulturpessimismus vorbeugen bzw. kann ihn heilen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anthroposophische Arzt wird seinen Patienten anamnestisch mit Bezug auf diese fünf Funktionsbereiche hin anschauen und womöglich befragen. Am Ende muss er intuitiv entscheiden, wie er den besten Zugang zu dem betreffenden Patienten finden kann, um den notwendigen Gesundungsprozess anzuregen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Mehr hierzu in: Was ist Anthroposophische Medizin? Verlag am Goetheanum, 2017&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Christian Morgenstern, &#039;&#039;Stuttg. Ausgabe, Band 2 Lyrik 1906 – 1914&#039;&#039;, Urachhaus Verlag, Stuttgart 1992, S. 217.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Siehe z.B. Fröhlich-Gildhoff, Klaus / Rönnau-Böse, Maike: &#039;&#039;Resilienz&#039;&#039;. Ernst Reinhardt Verlag, München 2015.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Philippus Theophrastus Aureolus Bombastus von Hohenheim, getauft als Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, (* vermutlich 1493 in Egg, Kanton Schwyz; † 24. September 1541 in Salzburg) war ein Arzt, Alchemist, Astrologe, Mystiker, Laientheologe und Philosoph. Paracelsus hinterließ zahlreiche deutschsprachige Aufzeichnungen und Bücher medizinischen, astrologischen, philosophischen und theologischen Inhalts, die größtenteils erst nach seinem Tod gedruckt wurden (wikipedia).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE WESENSGLIEDER UND IHRE DIAGNOSTIK ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was versteht die Anthroposophische Medizin unter Wesensgliedern?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie lassen sie sich beschreiben?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wesensglieder als Zusammenhänge von Gesetzmäßigkeiten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das Wissen von Körper, Leben, Seele und Geist ist so alt wie die Menschheit. Rudolf Steiners Beitrag besteht jedoch darin, eine neue Zugangsweise zu diesen vier Erfahrungsfeldern aufgezeigt zu haben. Er verwendete für die von ihm in Medizin und Pädagogik eingeführte Terminologie die Worte „Leib“ bzw. „Organisation“.[1] Diese Termini machen nicht nur den Zusammenhang zwischen den Reichen der Natur und den Aggregatzuständen der Materie deutlich, sondern stehen auch für die differenzierte Ganzheit des Menschenwesens nach Geist (Ich-Organisation), Seele (astralische Organisation), Leben (ätherische Organisation) und Körper (physische Organisation). Sie zeigen die komplexen Zusammenhänge von Gesetzmäßigkeiten, durch die sich der Mensch erkennen, erleben, ausdrücken und betätigen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Anthroposophischen Medizin wird also nicht nur die naturwissenschaftliche Beschreibung von Aufbau und Funktion des menschlichen Körpers berücksichtigt, sondern auch die Wirkung der sogenannten Wesensglieder auf den Körper, die von der zugehörigen Gesetzmäßigkeit bestimmt werden und so in das Körpergeschehen eingreifen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Diagnostik der Wesensglieder ermöglicht ein differenziertes Erfassen des Inkarnationszustands des Menschen in Gesundheit und Krankheit, woraus sich der jeweils passende therapeutische Ansatz ableiten lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Physischer Leib – fest ====&lt;br /&gt;
Der physische Leib wird von Stoffen und Kräften im festen Aggregatzustand aufgebaut – sie machen die sinnlich beobachtbare Beschaffenheit des Körpers im Raum aus (griechisch &#039;&#039;physis&#039;&#039; = Körperbildung, Gestalt). Der ganzheitlich-systemische Begriff des Physischen umfasst den gesamten Bereich des Mineralisch-Anorganischen: Dazu gehören die Gesetze der Gravitation, der Mechanik, aber auch die Zerfalls- und Sterbeprozesse von Strukturen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was erkannt werden kann, wenn man dem menschlichen Organismus Stoffe, Gewebe und Partikel entnimmt und analysiert, gehört in das Gebiet des Physischen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ätherleib - flüssig ====&lt;br /&gt;
Der &#039;&#039;Ätherleib&#039;&#039; umfasst die Gesamtheit der Lebensprozesse. Diese sind an den flüssigen Aggregatzustand gebunden und liegen allen Vorgängen zugrunde, die chemische und physikalische Prozesse zu biochemischen und physiologischen Prozessen steigern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wort „Äther“ kommt aus dem Griechischen und heißt Himmel. Damit schließt das Ätherische auch den durchsonnten, blauen Himmelsraum ein, ohne den Leben auf der Erde nicht möglich wäre. Insbesondere die Pflanzenwelt wird davon bestimmt: Das zeigt sich z.B. in der sonnenvermittelten Fotosynthese, die Grundlage der Lebenstätigkeit aller Pflanzen ist. Doch auch ihre Biorhythmen haben ihre Zeitgeber in der Solar- und Lunarperiodik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Astralleib – gasförmig, luftig ====&lt;br /&gt;
Die Kräfte und Gesetzmäßigkeiten, die Bewegung, Bewusstsein und seelischen Ausdruck ermöglichen, bezeichnete Steiner mit &#039;&#039;Astralleib&#039;&#039;, lateinisch „aster“ (Stern). Das Weltall mit seinen Sternkonstellationen ist ein Bild davon: Jeder Planet, jeder Fixstern ist anders als der andere und doch stehen alle in konkreten, sich stets wandelnden Beziehungen zueinander, Konstellationen genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Physiologisch gesehen sind die Bewegungs-, Sprach- und Gefühlsäußerungen an das Vorhandensein von Luft gebunden. Der Astralleib kann nur über den Gaszustand der Materie in das Körpergeschehen eingreifen und ist auch im Hinblick auf seine Wirkungsweise von den Gesetzen bestimmt, die dem Gaszustand eigen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ich-Organisation - Wärme ====&lt;br /&gt;
Für den Gesetzeszusammenhang, der es der selbstbewussten Persönlichkeit erlaubt, sich zu erleben und auszudrücken, wählte Steiner den Begriff &#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;. Diese ist an die Gesetze der Thermodynamik, der Wärme, gebunden. Jeder Mensch erlebt sein Ich und die Persönlichkeitsäußerungen des Anderen in Form von jeweils zum Ausdruck kommenden Wärmedifferenzen bzw. als Wärme- und Kälteausstrahlung. Die kritische Temperatur des jeweiligen Elementes entscheidet, in welchem spezifischen Aggregatzustand die Materie erscheint. Das dem gesunden Körperleben des Menschen zugrundeliegende Wärmeoptimum liegt bei 37°. Es wird durch eine komplizierte Temperaturregulation im Rahmen definierter tages- und jahresrhythmischer Schwankungen konstant gehalten. Auch hängt es jeweils vom geistigen Wärmezustand (Begeisterung) ab, ob und wofür ein Mensch seine Kraft im Leben einsetzt und wie er seine Persönlichkeit zentriert und beherrscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Berechtigte Annahme komplexer Ordnungsprinzipien&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Mit der systemischen Begrifflichkeit der Wesensglieder ist einerseits die Brücke geschlagen zur aristotelischen Elementenlehre, die die Aggregatzustände konsequent mit den Naturreichen (Mineral, Pflanze, Tier, Mensch) verbindet. Andererseits kann dadurch auch ein konkreter Bezug hergestellt werden zur heutigen Faktenfülle naturwissenschaftlicher Forschungen als Grundlage für ein ganzheitliches Bild des Menschen, der sich in Körper, Seele und Geist gliedert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiners Vorgehensweise, übergeordnete Begriffe zu bilden, wird untermauert von Annahmen aus der Systemforschung, die längst von höheren, vernetzten Formgebern und Prozessgestaltern ausgeht, die sie entweder entdeckt oder hypothetisch angenommen hat: Man verwendet den Begriff „Feld“[2] oder spricht von „intraorganischen Ordnungsmustern“ aus der mathematisch-geometrischen Symmetrie und Asymmetrie, die sich nicht mithilfe der darwinistischen Paradigmen von Selektion, Mutation und Anpassung erklären lassen.[3] Auch die Frage nach der Symmetrie als einem universalen Kausalprinzip gehört hierher. All diese Überlegungen und Forschungen besagen, dass es letztlich Gedanken, Gesetze, übergreifende Gesetzeszusammenhänge sind, die sich in den Ordnungen und Wandlungen der Evolution abbilden bzw. diese vorantreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant sind in diesem Zusammenhang auch die derzeit oft gebrauchten Begriffe der Autoregulation, Selbstregulation oder Selbstheilung. Die Wesensgliederdiagnostik kann diese Begriffe mit einem differenzierten Inhalt füllen und dieses Selbst (griechisch: autos) in seinen körperlichen, seelischen und geistigen Ausdrucks- und Funktionsweisen beschreiben.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen.&#039;&#039; GA 37, Rudolf Steiner Verlag, Dornach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rupert Sheldrake, &#039;&#039;The presence of the past. Morphic resonance and the habits of nature.&#039;&#039;  Hammersmith, UK 1988.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Antonio Lima-de-Faria, &#039;&#039;Evolution without Selection. Form and Function by Autoevolution.&#039;&#039; New York 1988.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Werner Hahn/ Peter Weibel (Hrsg.), &#039;&#039;Evolutionäre Symmetrietheorie. Selbstorganisation und dynamische Systeme.&#039;&#039; Stuttgart 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== PARAMETER DER WESENSGLIEDER-DIAGNOSTIK ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen Parametern folgt die Wesensglieder-Diagnostik?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wesensglieder als Gesetzeszusammenhänge des Menschseins&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der phänomenologischen Philosophie und Psychologie ist man gewohnt, den Körper „Leib“ zu nennen. Man meint damit das individuell Geformte bzw. das „Gefäß&amp;quot;, das von allen Funktionen und Seelenerlebnissen ein Aus- und Abdruck ist. Rudolf Steiner verwendet als Bezeichnung für die Wesensglieder je nach Kontext die Ausdrücke „Leib“, „Organisation“ und „Organismus“ oder „Gesetzeszusammenhang“. In der Diagnostik wird der körperliche Ausdruck der Wesensglieder im Einzelnen beschrieben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Physischer Leib ====&lt;br /&gt;
Zu den Beurteilungsgrößen des physischen Leibes gehören neben Körpergröße und Körpergewicht die chemische Analyse (Labordiagnostik) sowie die Ausformung der einzelnen Organe, der konstitutionelle Habitus, und inwiefern dieser durchlässig ist für die Vorgänge des Lebens, der Seele und des Geistes – d.h. für den „Inkarnationszustand&amp;quot; des betreffenden Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ätherleib ====&lt;br /&gt;
Zur Diagnostik des ätherischen Organismus gehört neben dem Erfassen der aktuellen Gesamtvitalität und der Vitalität der einzelnen Organe auch die Beurteilung von Wachstum, Entwicklung und Regenerationsfähigkeit sowie des Säure-Basen-Verhältnisses, des Wasser- und Elektrolythaushaltes und des Zusammenspiels der Biorhythmen, aber auch die Erfassung der Art der Gedankenführung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Astralleib ====&lt;br /&gt;
Die Wirkungsweise des Astralleibes wird einerseits am Bewegungsspiel der Muskulatur und ihres Tonus abgelesen, andererseits aus der Art des Sprechens und der Atemführung sowie des Instinkt-Begierde-Verhaltens erschlossen. Empfindungsleben, „Sensibilität&amp;quot; und das Spektrum der Gefühlsäußerungen geben Aufschluss über seinen aktuellen Zustand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Stärke oder Schwäche der Ich-Organisation können am Zusammenspiel aller Funktionen und Wesensgliedertätigkeiten abgelesen werden. Jede Form von Integrations- und Kontrollverlust zeigt eine Schwächung oder Störungen im Bereich dieses Wesensgliedes an. An dieser Stelle ist es wichtig zu bemerken, dass die Ich-Organisation zwar dem geistigen Wesen Mensch, d.h. seinem Ich, die körperliche – und damit vergängliche –Möglichkeit zur Inkarnation bietet, mit dieser jedoch nicht identisch ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Faktenfülle durch Wesensgliederdiagnostik&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Des Öfteren wird gefragt, warum die Wesensglieder-Diagnostik nötig ist, welche zusätzlichen Informationen sie über das hinaus bieten kann, was eine sorgfältige und umfassende klinische Diagnostik ohnehin leistet. Dazu ist zu sagen, dass das sehr umfassende Studium des jeweiligen Wesensgliedes und der damit zusammenhängenden Gesetzmäßigkeit zusätzliche Informationen liefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die in der Tabelle unten angeführten Parameter implizieren eine große Faktenfülle und eröffnen durch ihre Zusammenschau neue Einsichtsmöglichkeiten in die menschliche Natur, vor allem auf den direkten Zusammenhang der seelisch-geistigen Funktionen mit den physiologisch-anatomischen Strukturen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;Wesensglied&#039;&#039;&#039; und  Naturgesetzlichkeit&lt;br /&gt;
|Selbsterleben und &lt;br /&gt;
kreative Handhabbarkeit&lt;br /&gt;
|Morphologie &lt;br /&gt;
Physiologie&lt;br /&gt;
|Physische Symptomatik&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;&#039;Wärmeorganismus&lt;br /&gt;
Thermodynamischer&lt;br /&gt;
Gesetzeszusammenhang&lt;br /&gt;
|Selbstbewusste &lt;br /&gt;
Gedankentätigkeit,&lt;br /&gt;
Intentionalität,&lt;br /&gt;
Initiative,&lt;br /&gt;
Dicht- und Sprachkunst&lt;br /&gt;
|Integrationsprozesse Gesamtgestalt&lt;br /&gt;
|Individuelle Wärmeverteilung „Ausstrahlung&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;Astralleib&#039;&#039;&#039;Luftorganismus&lt;br /&gt;
Aerodynamischer&lt;br /&gt;
Gesetzeszusammenhang&lt;br /&gt;
|Bewusstsein, Gefühl, Impulsivität, Bewegung&lt;br /&gt;
Musik und Gesang&lt;br /&gt;
|Atmung&lt;br /&gt;
Katabole Stoffwechselvorgänge&lt;br /&gt;
Heterostase&lt;br /&gt;
Differenzierung&lt;br /&gt;
Proportionen&lt;br /&gt;
|Muskeltonus&lt;br /&gt;
(Anspannung und Lösung)&lt;br /&gt;
Lufthaushalt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;Ätherleib&#039;&#039;&#039;Wasserorganismus &lt;br /&gt;
Hydrodynamischer&lt;br /&gt;
Gesetzeszusammenhang&lt;br /&gt;
|Auftrieb&lt;br /&gt;
Schwerelosigkeit Zeitprozesse&lt;br /&gt;
plastisches Gestalten&lt;br /&gt;
|Anabole Stoffwechselvorgänge&lt;br /&gt;
Synthese&lt;br /&gt;
Homöostase&lt;br /&gt;
Proliferation&lt;br /&gt;
|Turgor&lt;br /&gt;
Wasserhaushalt&lt;br /&gt;
Inkarnat&lt;br /&gt;
Hautdurchblutung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;Physischer Leib&#039;&#039;&#039;Feste Organisation&lt;br /&gt;
Gravitation&lt;br /&gt;
Gesetzeszusammenhänge der Festkörperphysik und Mechanik&lt;br /&gt;
|Egoität&lt;br /&gt;
Schwerpunkt erleben architektonisches Gestalten&lt;br /&gt;
|Ablagerungsprozesse&lt;br /&gt;
Strukturierungsprozesse&lt;br /&gt;
Form-Zusammenhalt&lt;br /&gt;
|Dichte&lt;br /&gt;
Gewicht&lt;br /&gt;
Laborparameter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tab. 1.1 Diagnostische Parameter im Funktionsbereich der Wesensglieder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FORSCHUNG UND WEITERENTWICKLUNG IN DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;In welche Richtungen wird in der Anthroposophischen Medizin geforscht?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Möglichkeiten der Evaluation gibt es?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Forschung und Evaluation&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aufgrund ihres natur- und geisteswissenschaftlichen Menschenbildes hat die anthroposophisch-medizinische Forschung zwei Arbeitsrichtungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Eine, die sich den derzeit vorgegebenen akademischen Standards anpasst und Unbedenklichkeit und &#039;&#039;&#039;Wirksamkeit anthroposophischer Arzneimittel&#039;&#039;&#039; untersucht. &lt;br /&gt;
# Und eine andere, die nach den &#039;&#039;&#039;geistigen Ursachen von Krankheit&#039;&#039;&#039; und den &#039;&#039;&#039;heilenden Möglichkeiten der Natur&#039;&#039;&#039; mit ihren Substanzen und Prozessen fragt. &lt;br /&gt;
# Zu jeder seriösen Forschung gehören auch effektive &#039;&#039;&#039;Möglichkeiten der Evaluation&#039;&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophische Medizin ist nicht nur historisch jung, sondern auch in ständiger Weiterentwicklung begriffen. Ihre weltweiten Arbeitszusammenhänge in Forschung, Ausbildung und Praxis werden in der Medizinischen Sektion am Goetheanum in der Schweiz koordiniert.[1] Dort findet sich auch eine Übersicht über die aktuelle Literatur, die Forschungsinstitute und Kliniken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ad 1. Studiendesigns für anthroposophische Arzneimittel ====&lt;br /&gt;
Gegenwärtig wird an Studiendesigns gearbeitet, die der Herkunft, Herstellung und Anwendung anthroposophischer Arzneimittel gerecht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Freiburger Arzt und Wissenschaftler &#039;&#039;Helmut Kiene&#039;&#039; ist die im Juli 2000 erschienene komplementäre Methodenlehre der klinischen Forschung zu verdanken, in der er eine Cognition-based Medicine der Evidence-based Medicine gegenüberstellt.[2] Diese Methodenlehre erstreckt sich auf folgende Evidenzbereiche:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wirksamkeitsnachweis&lt;br /&gt;
* Effektivitätsbeurteilung&lt;br /&gt;
* Therapievergleich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im „Freiburger Institut für angewandte Erkenntnistheorie und medizinische Methodologie“ wird derzeit an den praktischen Konsequenzen für ein neues Studiendesign gearbeitet, das sich auf hohem akademischem Niveau auf die individuelle Einzelfallanalyse stützt. Der Arbeit des Instituts entstammt auch die im Jahre 2003 erschienene umfassende Monographie zur Mistel in der Onkologie.[3] Mit diesem Buch liegt erstmals ein Werk vor, das den Stand der Forschung in Bezug auf die Misteltherapie bei onkologischen Erkrankungen für Mediziner, Wissenschaft­ler und Allgemeininteressierte verfügbar macht. Es leistet damit einen Beitrag zur wissenschaftlichen Diskussion wichtiger medizinischer Grundsatzthemen, aber auch zum Dialog der Denkstile. Es ist ein Beispiel einer gelungenen Synthese von naturwissenschaftlichem und geisteswissenschaftlichem Ansatz auf der Höhe der derzeit gültigen akademischen Standards.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ad 2. Grundlagenforschung zu Krankheit und Heilung ====&lt;br /&gt;
Die Grundlagenforschung befasst sich mit der Erarbeitung von Korrespondenzen zwischen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;&#039;Wesensgliedertätigkeit&#039;&#039;&#039; im Menschen,&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;&#039;Krankheitssymptomatik&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* bestimmten &#039;&#039;&#039;Prozessen in der Natur&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* und der &#039;&#039;&#039;Wirkung von Substanzen&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht darum, Naturprozesse aufzufinden und zu beschreiben, die für den jeweiligen Krankheitsfall die Selbstheilung anregen, einseitigen Funktionen entgegenwirken oder zu schwache Funktionen unterstützen können. Je genauer das therapeutische Ziel aufgrund der Erforschung des evolutiven Zusammenhanges von Mensch und Natur festgelegt werden kann, umso sicherer tritt in der Regel auch die erwünschte Wirkung beim Patienten ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Arzneimittelschatz der heute verfügbaren Anthroposophika entstammt der Zusammenarbeit von Ärzten, Pharmazeuten und Herstellern. Seit vielen Jahren fassen Anthroposophische Ärztinnen und Ärzte ihre Erfahrungen und Erkenntnisse zum Einsatz der Anthroposophischen Arzneimittel in einem Vademecum zusammen, das Fachkreisen zugänglich ist und ständig erweitert wird. Ideen zur Heilmittelfindung entstehen jeweils anhand konkreter Fragestellungen zum Patienten bzw. zu seiner Krankheitssituation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Ausgangsstoffe für die Arzneimittelherstellung mit Bezug auf Sicherheit und Unbedenklichkeit in der Regel schon bekannt sind, ist präklinische Forschung im Sinne von In-vitro- oder Tierversuchen nicht nötig. Wenn neue, noch nicht monographierte Naturstoffe Verwendung finden, unterliegen sie selbstverständlich dem allgemein üblichen Prozedere zur Feststellung von Wirksamkeit und Unbedenklichkeit der entsprechenden Substanz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von einem anthroposophischen Arzneimittel wird erwartet, dass es körperliche oder seelische Beschwerden mildern oder verschwinden lassen bzw. eine Krankheit verzögern, heilen oder womöglich auch verhindern kann. Da sich diese Art der Heilmittelfindung und -anwendung in der Regel am individuellen Patienten orientiert, sind Forschungs- und Evaluationsmethoden erforderlich, die diesem Umstand Rechnung tragen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ad 3. Projekte zur Evaluation der Anthroposophischen Medizin ====&lt;br /&gt;
Im Berliner Forschungsinstitut am Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe wurde mit einem Projekt zur Evaluation Anthroposophischer Medizin begonnen – dem EvaMed-Projekt. Ziel ist die Schaffung einer wissenschaftlich fundierten Datenbasis als Grundlage für den Nachweis zur Unbedenklichkeit und Wirksamkeit von Anthroposophika. Mittels informationstechnologisch gestützter Netzwerke wird Outcome- und Versorgungsforschung innerhalb der Anthroposophischen Medizin betrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der medizinischen Fakultät der Universität Witten-Herdecke wurde 2003 der Stiftungslehrstuhl für Medizintheorie und Komplementärmedizin unter &#039;&#039;Prof. Dr. Peter Matthiessen&#039;&#039; eingerichtet, zu dessen Aufgaben neben Forschung und Lehre auch die Implementierung eines Begleitstudienganges für Anthroposophische Medizin gehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Bern/Schweiz wurde bereits 1994 die „Kollegiale Instanz für Komplementärmedizin“ (KIKOM) eingerichtet und der Schweizer Arzt &#039;&#039;Dr. med. Peter Heusser&#039;&#039; mit der Dozentur für Anthroposophische Medizin beauftragt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Siehe unter: www.medsektion-goetheanum.org&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Helmut Kiene, &#039;&#039;Komplementäre Methodenlehre der klinischen Forschung: Cognition-based Medicine,&#039;&#039; Heidelberg – Berlin 2001.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Gunver S. Kienle/ Helmut Kiene, &#039;&#039;Mistel in der Onkologie: Fakten und konzeptionelle Grundlagen&#039;&#039;, Schattauer 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== AKTUALITÄT DER FORSCHUNGEN RUDOLF STEINERS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche von Rudolf Steiner vorausgesehenen Entwicklungen in der Medizin sind inzwischen Stand der Wissenschaft?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Von Steiner vorausgesehene medizinische Entwicklungen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Bezug auf die Medizin kann man feststellen, dass viele Aussagen in Bezug auf zukünftige medizinische Entwicklungen und Ergebnisse, die Rudolf Steiner vorausgesehen hat, mit denen er ganz selbstverständlich umging, wenn er über Medizin sprach, heute zum Allgemeingut der Wissenschaft gehören. Ich möchte im Folgenden zu jeder Ebene der menschlichen Konstitution Beispiele nennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Erbgut und Immunsystem – physische Ebene ====&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner sprach vor Heilpädagogen, Lehrern, Ärzten davon, dass das sich inkarnierende Kind selbst mit der Auswahl von Vater und Mutter und dem damit verbundenen Erbgut zu tun hat, und dass die sich inkarnierende Individualität selbst daran beteiligt ist, das Erbgut möglichst so zu mischen, wie es zu ihrem Inkarnationswillen passt. Er sagte auch, dass die sogenannten Kinderkrankheiten und fieberhaften Infekte, die während der ersten 8 – 9 Lebensjahre normalerweise gehäuft auftreten, der Individualität die Möglichkeit geben, den ererbten Leib sukzessive umzugestalten und an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genau diese Zusammenhänge wurden in den letzten Jahren im Rahmen der Epigenetik erforscht. Kein wissenschaftlich gebildeter Mensch glaubt mehr, dass das Erbgut ein geschlossenes System ist, das eine Marschroute vorgibt. Das Erbgut ist ein offenes System, das durch individuelle spirituelle Arbeit beeinflusst werden kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das führt heute zu völlig neuen Forschungsfragen auf dem Gebiet der &#039;&#039;„Mind-Body-Medicine“&#039;&#039;. Man erforscht dort die Wirkung von Medikation auf die neuronalen Verschaltungen, auf den Kreislauf usw. und merkt, dass die Medikation auch immunstimulierend wirkt, bzw. dass das Immunsystem dadurch verändert wird. Das Immunsystem wiederum ist das Schlüsselsystem, welches das Erbgut aktiviert und dafür sorgt, dass bestimmte Gene blockiert werden und nicht mehr funktionieren bzw. neue gezündet werden und anfangen zu funktionieren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir brauchen beide Ansätze, wenn wir eine wirklich humane menschliche Medizin schaffen wollen: Die Naturwissenschaft allein reicht nicht. Erst ergänzt um Erkenntnisse aus der Geisteswissenschaft wird Medizin wirklich menschengerecht. Denn es dauert viel zu lange, wenn erst jahrelang Nachweise von der Schädlichkeit einer Maßnahme erbracht werden müssen, bevor diese verboten wird, wie es der naturwissenschaftlichen Methodik entspricht. Dann kommt das Gute immer zu spät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Rudolf Steiners Forschungsmethode der Verifizierung&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Die Geisteswissenschaft macht methodisch das Umgekehrte. Sie macht aufgrund tiefer gehender Einblicke und Kenntnisse der menschlichen Konstitution Angaben über zu erwartende Ergebnisse einer Maßnahme. Man ist als Arzt und Therapeut immer frei, sich für das, was man für das Richtige hält, zu entscheiden. Das bedeutet, dass man für gut und richtig erkannte Maßnahmen und Methoden anwendet, auf diesem Wege verifiziert und anschließend dokumentiert, wie der Gedanke zum Tun und letztlich zu einem guten Ergebnis führte, wobei auftauchende Probleme reflektiert werden. Man erklärt z.B. genau, warum man eine Hypothese etwas modifizierte, um das gewünschte gute Ergebnis zu erzielen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das war die von Rudolf Steiner praktizierte Forschungsmethode: Aus profunder Menschenkenntnis und physiologischem Verständnis heraus eine Hypothese zu bilden und anschließend in der Praxis zu verifizieren, ob der hypothetisch angenommene Erfolg tatsächlich eintritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diesem Wege wurde in der anthroposophischen Medizin ein System für individuelle Einzelfalldokumentation auf hohem akademischem Niveau erarbeitet.[1] Es ist extrem viel Arbeit, diese Zusammenhänge so nachzuweisen, dass sie vor dem empirisch orientierten Denken der heutigen Zeit Bestand haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Rhythmusforschung – ätherische Ebene ====&lt;br /&gt;
Ein ähnlich begeisterndes Feld ist die Rhythmusforschung auf der ätherischen Ebene. Rudolf Steiner wurde nicht müde zu sagen: &#039;&#039;„Rhythmus trägt Leben“&#039;&#039;.[2] Beachtet und pflegt die Rhythmen – im meditativen Leben, in der Pädagogik, in der Medizin – und bedenkt, wann man was wie machen sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jedes Wesensglied hat seinen eigenen Rhythmus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039; folgt dem &#039;&#039;&#039;24-Stunden-Rhythmus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;Astralleib&#039;&#039; dem &#039;&#039;&#039;Wochenrhythmus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;Ätherleib&#039;&#039; dem &#039;&#039;&#039;Monatsrhythmus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;physische Leib&#039;&#039; dem &#039;&#039;&#039;Jahresrhythmus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir diese Rhythmen in unserem Lebensalltag beachten, verfügen wir über robuste Gesundheit – das ist heute alles durch die moderne Rhythmusforschung bestätigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Bindungs- und Beziehungsforschung – astrale Ebene ====&lt;br /&gt;
Auf seelischem Gebiet ist die Bindungs- und Beziehungsforschung angesiedelt. Heute ist klar nachgewiesen, was Rudolf Steiner immer wieder im paracelsischen Sinne betonte: dass die einzig wahre Arznei die Liebe ist. Was in der Arzt-Patienten-Beziehung als professionelle Liebe, als Hingabe an den Patienten wirkt, entspricht der Liebesqualität, die auch Lehrer- und Schülerseelen verbindet. Die Frage Steiners – &#039;&#039;„Kinder, habt ihr eure Lehrer lieb?“&#039;&#039; – war keine rhetorische Frage. Steiner scheute nicht davor zurück, ein Kind in die Parallelklasse zu schicken, wenn es seinen Lehrer nicht lieben konnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das findet in der heutigen Bindungsforschung seine Bestätigung: Eine Beziehung wirkt gesundend,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* wenn sie &#039;&#039;&#039;ehrlich&#039;&#039;&#039; ist, &lt;br /&gt;
* wenn sie von &#039;&#039;&#039;liebvollem Interesse für den anderen&#039;&#039;&#039; geprägt ist,&lt;br /&gt;
* wenn sie von &#039;&#039;&#039;Respekt vor der Autonomie des anderen&#039;&#039;&#039; getragen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind die drei christlichen Grundwerte – Wahrheit, Liebe, Freiheit – von denen wir in der Esoterik nicht müde werden zu sprechen. Alle esoterischen Übungen dienen der Entwicklung dieser Art von Menschlichkeit: dass es wahrhaftiger, liebvoller, freilassender, respektvoller wird im sozialen Miteinander. Dass das gegenseitige Verstehen gefördert wird, das Erwachen aneinander, das zum Verständnis führt. Nichts anderes wird helfen angesichts der Not und des Elends auf der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Traumatherapie – geistige Ebene ====&lt;br /&gt;
Auch auf geistigem Felde gibt es spannende Erkenntnisse. Es gibt heute sehr viele Verfahren, insbesondere auf dem Gebiet der Traumatherapie, die erkannt haben, dass ein schweres Trauma, ein schwerer Angriff auf Leib und Seele, nur als Initiation aufgefasst sinnstiftend verarbeitet werden kann. Es gibt keinen anderen Weg, der wirklich greift. Man kann gewisse Symptome zwar mit psychisch wirksamen Drogen dämpfen. Das ist aber keine Heilung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein schweres Trauma zu verarbeiten, ist ein langwieriger Prozess. Der erste Schritt besteht darin, das Trauma als Schwellenerlebnis in Bezug auf die geistige Welt zu erkennen. In der Folge gilt es dieses Erlebnis fruchtbar zu machen, indem man die Kräfte durchschauen lernt, die einen bedrücken und sie als luziferische und ahrimanische Gewalten unterscheiden lernt. Das gelingt erst vollends, wenn man auch die guten menschlichen Kräfte aufzufinden vermag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich möchte an dieser Stelle eine schlichte Herzmeditation vorlesen. In Rudolf Steiners Notizbuch stehen undatiert folgende Worte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich denke an mein Herz.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Es belebet mich.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Es erwärmet mich.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich vertraue fest auf das ewige Selbst,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;das in mir wirket,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;das mich trägt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Tragekraft an der Schwelle zu erkennen, ist für die eigene Identitätsfindung unerlässlich: dass man in sich die Instanz aufspürt, die angesichts der Vergänglichkeit und Zerbrechlichkeit des Leibes, unvergänglich und unzerbrechlich ist und einen über alle Abgründe des Lebens hinwegträgt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Initiationsweg ist für die anthroposophische Psychotherapie etwas Selbstverständliches. Wir können gar nicht über Entwicklung sprechen, wenn wir uns nicht auch mit all den Mühen auseinandersetzen, die der Entwicklung entgegenstehen. Deswegen fordert Rudolf Steiner in seinem Buch &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; im 1. Kapitel,[3] dass wir zwei Bücher studieren: Wenn wir das ernst nehmen, dürften wir gar nicht weiterlesen, ohne diese beiden Bücher studiert zu haben. Das eine ist &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der Höheren Welten?“,[4]&#039;&#039; das andere die &#039;&#039;„Geheimwissenschaft im Umriss“[5]&#039;&#039; – die Weltentwicklung und der Mensch. Ohne ein Wissen über die dort geschilderten Zusammenhänge und Entwicklungszyklen ist Anthroposophische Medizin nicht vollständig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man also bei uns in die Werkstatt blickt, sieht es sehr tätig und sehr optimistisch aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag auf der Welterziehertagung, Dornach 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Im „Freiburger Institut für angewandte Erkenntnistheorie und medizinische Methodologie“ wird derzeit an den praktischen Konsequenzen für ein neues Studiendesign gearbeitet, das sich auf hohem akademischem Niveau auf die individuelle Einzelfallanalyse stützt. Diese Methode wird in dem Werk von Helmut Keine beschrieben, &#039;&#039;Komplementäre Methodenlehre der klinischen Forschung: Cognition-based Medicine,&#039;&#039; Heidelberg – Berlin 2001.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://www.drhauschka.de/kosmos/werte/im-rhythmus/&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst.&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?&#039;&#039; GA 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Geheimwissenschaft im Umriss.&#039;&#039; GA 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== HEILSAMES ZUSAMMENSPIEL VON THERAPEUT UND PATIENT ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie geht man mit leidenden Patienten angemessen um?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie muss die eigene Seelenstimmung sein, dass sie den anderen da abholt, wo er ist?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielt der Patient bei seiner Heilung?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Professioneller Umgang mit dem Leiden anderer&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dem Leiden eines anderen Menschen in der richtigen Haltung zu begegnen, erfordert Fingerspitzengefühl und Professionalität. Wenn jemand z.B. deprimiert ist, helfen Sie ihm nicht, wenn Sie sagen: &#039;&#039;„Mir ging es auch schon einmal schlecht oder jetzt tun wir Ihnen hiermit etwas Gutes – Sie werden schon sehen, dass Sie sich dann wieder besser fühlen.“&#039;&#039; Ihm aus der eigenen Gesundheit heraus gut zuzureden ist laienhaft und wäre die falsche Herangehensweise. Das machen bereits die Nachbarn und Freunde – es wird endlos auf ihn eingeredet und am Ende geht es ihm nur noch schlechter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jemand, der deprimiert ist, muss dort abgeholt werden, wo er steht – das muss auch ein guter Psychotherapeut lernen. D.h. man muss den Betreffenden zunächst in seinem Leid bestätigen und Mitgefühl zeigen. Dann fühlt er sich ernst genommen und kann sich entspannen. Wenn jemand nicht reden will, wenn er nur ernst schaut, sollte man ruhig und sachlich mit ihm umgehen. Man darf schon ein feines Lächeln zeigen, aber kein provozierend aufmunterndes Verhalten an den Tag legen. Das wäre schon viel zu viel. Vor allem sollte man wach und präsent sein, sodass der andere spürt, man ist für ihn oder sie da. Das tut jedem gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Seele als Wahrnehmungsorgan für den anderen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner forderte in Bezug auf die Pflege – und eine therapeutische Anwendung ist auch eine pflegerische Maßnahme – dass die pflegenden Fachleute die Launen des Patienten studieren. Das bedeutet nun nicht, dass man sich über ihn erhebt und ihn nicht ernst nimmt, dass man sich als der große Analyst aufspielt und sein „schlechtes Benehmen“ verurteilt. Das ist alles nicht gemeint. Es geht vielmehr um ein hoch differenziertes, professionelles, seelisches Wahrnehmungsvermögen und um die Fähigkeit, sich so anzupassen an die Zustände eines anderen, dass man in der Lage ist, Seelenstimmung des Anderen in wahrzunehmen. Um das zu können, muss ich meine eigene Seele zum Wahrnehmungsorgan machen für den anderen – was ich nur kann, wenn ich die menschlichen Seelenzustände gut kenne. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der &#039;&#039;Theosophie&#039;&#039;[1], einem sehr empfehlenswerten Buch für Anfänger in der Anthroposophie, sagt Rudolf Steiner, man könne lernen, seine Sympathien und Antipathien zu einem Wahrnehmungsorgan umzubilden für die Seelenstimmungen eines anderen Menschen. Wenn mir also ein Verhalten unsympathisch ist und ich Antipathie empfinde, erfahre ich dadurch ganz objektiv etwas über mich &#039;&#039;und&#039;&#039; den anderen. Antipathie ist nicht zum Ärgern da – sie soll der Wahrnehmung und dem Erkennen dienen. Das Gleiche gilt für die Sympathie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entwicklungsgedanke macht Mut&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Als ich noch Medizinstudentin war, kurz vor meiner Promotion, machte ich ein Praktikum auf einer Rheumastation. Ich hatte dort mit einer älteren Frau zu tun, Mitte 60, um die ich mich als junge, unerfahrene Medizinerin enorm bemüht hatte, so wie man das als junger Mensch macht. Ich habe die Frau noch heute vor mir – denn die ersten Patienten vergisst man sein Leben lang nicht. Sie sagte plötzlich: &#039;&#039;„Ich weiß überhaupt nicht, warum Sie sich mit mir solche Mühe geben. Das lohnt sich doch alles gar nicht mehr.“&#039;&#039; Ich erschrak und wusste in dem Moment nicht, wie ich darauf reagieren sollte. Diesen Schreck hat sie natürlich auch wahrgenommen. Ich konnte nur sagen: &#039;&#039;„Sie machen mich sprachlos. Ich weiß nicht, was ich Ihnen antworten soll.“&#039;&#039; Nach einer Weile fielen mir ein paar wichtige anthroposophische Argumente ein: dass jeder Tag in der Entwicklung zählt und dass doch auch ein gesunder Mensch nicht weiß, ob er am nächsten Tag noch lebt oder einen Autounfall erleidet usw.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lebensmüdigkeit ist ein Zeichen dafür, dass jemand den Entwicklungsgedanken noch nicht kennenlernen durfte, dass ihm dieses kostbarste Geheimnis noch verschlossen ist. Dann sollte man sich Zeit nehmen, egal welches Alter der Betreffende hat, und ihm oder ihr den Entwicklungsgedanken nahebringen. Die schönsten Gelegenheiten dazu ergeben sich noch kurz vor dem Tod. Ein tiefes Verständnis für Entwicklung kann dazu beitragen, dass jemand mit dem festen Willen über die Schwelle geht, es im nächsten Leben von vornherein anders anzugehen, die Zeit für Entwicklung zu nützen, aus dem Wissen heraus, wozu sie dient und wohin die Reise geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ganzheitlicher Blick auf den Menschen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Therapeutische Anwendungen wirken völlig anders, wenn ein Patient aktiv mitarbeitet, wenn er das Gefühl hat, dass jeder Tag zählt und sich die Qualität seines restlichen Lebens dadurch verbessern kann und er in der Zeit, die ihm bleibt, vielleicht doch noch das eine oder andere tun, denken oder erleben kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn auch bei der sogenannten Physiotherapie, bei der es primär um den physischen Leib zu gehen scheint, darf man die anderen Ebenen und Aspekte nicht vergessen bzw. außer Acht lassen. Auch sie beeinflussen das Körpergeschehen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die Lebenskräfte &lt;br /&gt;
* die seelische Integrität&lt;br /&gt;
* die geistige Identität&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* das Entwicklungspotential&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wichtigste ist der letzte Aspekt: den Menschen als in Entwicklung begriffenes Wesen zu sehen, das an die Vergangenheit angeschlossen und auf die Zukunft hin ausgerichtet ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne das Wissen des Therapeuten um diese Ganzheit können Anwendungen nicht wirklich gut wirken. Andererseits können sie eine enorme Verstärkung erfahren, wenn der Therapeut die anthroposophische Seelenkunde kennt und auch die Bereitschaft aufbringt, sich selbst auf professionelle Weise seelisch und geistig weiterzuentwickeln. Dann wird sich der ganzheitliche Blick auf den Menschen dem Patienten atmosphärisch mitteilen und die Heilung begünstigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag anlässlich des Jubiläums des 100. Geburtstags von Werner Junge, Okt. 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Theosophie&#039;&#039;, GA 9.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE FÜNF EBENEN DES MENSCHSEINS IM MEDIZINISCHEN SYSTEM ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Ebenen des Menschseins gibt es?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welches medizinische System setzt auf welcher Ebene an?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verschiedene medizinische Systeme&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wir Menschen sind komplexe Wesen, die auf unterschiedlichen Ebenen angesprochen werden können. Jedes medizinische System setzt auf einer oder mehreren dieser Ebenen an. Im Folgenden möchte ich die einzelnen Systeme kurz umreißen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;&#039;Homöopathie&#039;&#039;&#039; ist eine alternativmedizinische Behandlungsmethode, die auf den ab 1796 veröffentlichten Vorstellungen des deutschen Arztes Samuel Hahnemann beruht. Die wichtigste Grundannahme ist das Ähnlichkeitsprinzip: &#039;&#039;„Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden“ (similia similibus curentur)&#039;&#039;. Danach solle ein homöopathisches Arzneimittel so ausgewählt werden, dass die Inhaltsstoffe der Grundsubstanz unverdünnt an Gesunden ähnliche Krankheitserscheinungen (Symptome) hervorrufen könnten wie die, an denen der Kranke leidet, wobei auch der „gemüthliche und geistige Charakter“ des Patienten berücksichtigt werden solle (vgl. wikipedia).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter &#039;&#039;&#039;Spagyrik&#039;&#039;&#039; (aus dem Griechischen spao „(heraus)ziehen, trennen“ und ageiro „vereinigen, zusammenführen“) werden verschiedene Heilsysteme zusammengefasst. Das therapeutische Ziel ist die positive Beeinflussung der „Lebenskraft“ und damit die Aktivierung der Selbstheilungskräfte. Grundlage bilden die antike Naturphilosophie (z.B. die „Elementenlehre“), die Signaturenlehre und die Humoralpathologie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit &#039;&#039;&#039;Psychosomatik&#039;&#039;&#039; wird in der Medizin die Betrachtungsweise und Lehre bezeichnet, in der die psychischen Fähigkeiten und Reaktionsweisen von Menschen in Gesundheit und Krankheit in ihrer Eigenart und Verflechtung mit körperlichen Vorgängen und sozialen Lebensbedingungen in Betracht gezogen werden. Ihre Erforschung und Umsetzung in der Krankenbehandlung erfolgt in der Psychosomatischen Medizin (vgl. wikipedia).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Psychotherapie&#039;&#039;&#039; wurde früher die Lehre von der Heilung der erkrankten Seele genannt, um sie von einer Psychologie als Lehre von der gesunden Seele und einer Psychiatrie als Lehre von der erkrankten Seele abzugrenzen. Heute wird die psychotherapeutische Behandlung bzw. Heilung im Zusammenhang mit Körper und Seele eines ganzheitlich gesehenen Menschen verstanden und erklärt. Davon zu unterscheiden ist die beratende Psychologie, die sich mit allgemeinen Problemen der Lebensführung befasst (vgl. wikipedia).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit &#039;&#039;&#039;Körpertherapie&#039;&#039;&#039; werden Behandlungsmethoden zur Verbesserung von Körperhaltung, Bewegungsabläufen sowie zur direkten oder indirekten Unterstützung von Körperfunktionen bezeichnet. Je nach Methode werden spezielle manuelle Techniken, Massagearten, Bäder bzw. Anleitungen zur Schulung von Haltungen und Bewegungen angewendet. Fast alle Körpertherapiemethoden betonen die Bedeutung psychosomatischer Wechselwirkungen und gehen davon aus, dass die Körpertherapie positive psychische Veränderungen bewirkt (vgl. wikipedia).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Integrativer Ansatz der Anthroposophischen Medizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin versucht alle gemeinsam in den Blick zu nehmen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Physische Eben&lt;br /&gt;
# Ätherische Ebene&lt;br /&gt;
# Astrale Ebene&lt;br /&gt;
# Identitäts-, Ich-Organisations-Ebene&lt;br /&gt;
# Geistige Orientierung, Weltanschauung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Physische Ebene und Medizin ====&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;Schulmedizin&#039;&#039; baut ganz auf der Erkenntnis des Physischen auf. Kliniken werden entsprechend zunehmend zu Technik-Zentren. Dass der Mensch sich dabei oft nicht menschlich behandelt fühlt, zeigt deutlich, dass das nicht genügt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ätherische Ebene und Medizin ====&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;Homöopathie&#039;&#039; und &#039;&#039;Spagyrik&#039;&#039; z.B. weiß man, dass alles Leben prozessual verläuft, dass alle Substanzen aus Prozessen hervorgehen und dass alle Wirksamkeit zeitabhängig ist, im Guten wie im Schlechten. Daraus ergeben sich viele weitere Therapieverfahren, die prozessorientiert sind, sich auch mit den Lebensgewohnheiten und -rhythmen befassen und mit dem Geheimnis von Entwicklung im therapeutischen Prozess arbeiten. Wenn man lernt sein Leben den Ätherkräften oder Lebenskräften gemäß zu gestalten, wird sich das gesundend auswirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Astrale Ebene und Medizin ====&lt;br /&gt;
Auf der Gefühlsebene geht es um unsere ungemein verwundbare Seele mit ihrer Gefühlswelt, deren Wirkung auf den Körper nicht unterschätzt werden darf. Hier setzen die &#039;&#039;Psychosomatik,&#039;&#039; alle &#039;&#039;Psychotherapieverfahren&#039;&#039; sowie auch diverse &#039;&#039;Körpertherapien&#039;&#039; an. Die Anthroposophische Medizin stellt sich die zentrale Frage:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie können wir einen Kranken, der leidet, so begleiten, dass er sich trotzdem als Teil einer wohlwollenden Schöpfung und damit als ein wichtiger Teil des Ganzen fühlt?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manchmal ist das Gefühlsleben so erstarrt und verkapselt, dass man es nicht mehr über Worte oder über ein Medikament erreichen kann. Wenn man so jemandem dann ein warmes Bad bereitet – wobei es auf genau die richtige Temperatur ankommt – und dieses Bad Düfte verströmt, die der Betreffende noch nie so richtig wahrgenommen hat, können der starke Wärmereiz, der Duft, die menschliche Nähe dazu führen, dass sich dieser Mensch im eigenen Körper wieder wohl und angenommen fühlt. Das ist nicht zu unterschätzen. Auch die Umgebung, in der das Bad stattfindet, ist entscheidend: Ob es dort nur öde, kalte Fliesen gibt oder ob die Wände angenehme Farben haben, ob dort ein Bild hängt usw. Man kann auch in der Sterbebegleitung Bäder miteinbeziehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Identität und Medizin ====&lt;br /&gt;
Das gilt auch für das Identitätserleben: Es hängt von der &#039;&#039;Art der Ansprache und Ausrichtung der Therapie&#039;&#039; auf die Bedürfnisse eines Patienten ab, ob er sich als Mensch, als Individualität, wahrgenommen fühlt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Weltanschauung und Medizin ====&lt;br /&gt;
Essentiell für die Gesundung ist aber auch eine &#039;&#039;geistige Ausrichtung bzw. Lebensanschauun&#039;&#039;g, die die Möglichkeit der Entwicklung impliziert. Viele Weltanschauungen heute sind so, dass sie von einem perfekten Selbstbild ausgehen, also von einem fertigen Ergebnis: Man will rasch mit der Ausbildung fertig sein, damit man mit möglichst wenig Aufwand viel Geld verdienen und daneben noch Spaß am Leben haben kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine menschengemäße Weltanschauung dagegen impliziert, dass man sich auf allen Ebenen, egal ob beruflich oder privat, nach demselben Entwicklungsziel ausrichtet. Die Arbeitszeit wird genauso als Entwicklungszeit gesehen wie die private Zeit: Alles ist Lebenszeit, ist Entwicklungszeit, bildet zusammen die eigene Biographie. Um das so sehen und wertschätzen zu können, braucht man eine entwicklungsorientierte Weltanschauung, die einem hilft, die unterschiedlichen Bereiche und Aspekte so zu verbinden, dass man jeden Augenblick zur Entwicklung nützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag anlässlich des Jubiläums des 100. Geburtstags von Werner Junge, Okt. 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FÜNF QUELLEN FÜR KRÄNKUNG UND HEILUNG ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen Zusammenhang gibt es zwischen kränkenden und heilenden Einflüssen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wie Kränkung und Heilung zusammenhängen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ich möchte als Ärztin den Zusammenhang zwischen heilenden, therapeutischen Impulsen und Krankheitsimpulsen erläutern – sie stammen beide aus denselben fünf Quellen, die uns unser Leben lang beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Quelle auf dem physischen Plan – Karma-Impuls ====&lt;br /&gt;
Dazu gehört alles, was uns Menschen auf dem physischen Plan begegnet und zustößt: Unendlich viel Kränkendes wirkt von Kind an von außen aus der Umwelt auf uns ein, nicht nur in ökologischer, sondern auch in beruflicher und privater Hinsicht, was oft besonders quälend ist. Das heißt, aus der uns umgebenden Umwelt treffen uns unser Leben lang zahlreiche negative Attacken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann jedoch durch eine bewusste Gestaltung der schicksalhaften äußeren Umstände, z.B. indem man gut überlegt, wie, wann und wo man sich auf Begegnungen einlässt, Kränkungen minimieren. Und man kann Kräfte im Inneren aufrufen, um mit solchen Kränkungen von außen besser zurechtzukommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Quelle auf dem ätherischen Plan – Gralsimpuls ====&lt;br /&gt;
Auf dieser Ebene können Gewohnheiten kränkend wirken sowie alles Hässliche, das uns über die Sinne und über unser Denken begegnet, alles, was mit Rhythmen zu tun hat, denen wir folgen oder nicht folgen. Dazu gehören auch unsere Charaktereigenschaften, denen wir mehr oder weniger ausgeliefert sind, mit denen wir mehr oder weniger ringen. Dazu gehört aber auch alles, was die Zeitgestalt unserer Biografie ausmacht: der Tagesablauf, die zeitliche Gestaltung der Woche, des Monats und des Jahres.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir unser Leben den Ätherkräften oder Lebenskräften gemäß gestalten lernen, wird sich das gesundend auf uns auswirken, dann kann aus dieser Quelle Gesundheit geschöpft werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Quelle auf dem astralen Plan – Sophia-Impuls ====&lt;br /&gt;
Hier sind seelische Beziehungen oft die Ursache für Kränkungen, besonders wenn sie sich auf der Gefühlsebene abspielen. Gefühle sind laut Rudolf Steiner Vorboten von Gesundungs- bzw. Kränkungstendenzen. Zu den Jungmedizinern[1] sagte er, der Arzt der Zukunft wäre in der Lage, den Gesundheitszustand seiner Patienten durch eine feine Beobachtung ihres Gefühlslebens zu diagnostizieren. Er würde ihre Gefühle anschauen und Gesundheits- und Krankheitsdispositionen benennen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Mensch weiß aus der Beobachtung seiner selbst und anderer, dass er krankheitsgefährdet ist, wenn er Mühe hat, seine Gefühle so auszubalancieren, wie er es normalerweise vermag. Wenn Kinder schlecht gelaunt sind, ist das für die Mutter meist ein deutliches Zeichen, dass sie etwas „ausbrüten“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Schwierige Gefühlskontrolle&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Wenn man anfängt sich zu schulen, z.B. indem man mit &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“&#039;&#039;[2] zu arbeiten beginnt, merkt man, wie ungehobelt und unerzogen das eigene Gefühlsleben noch ist. Mit dem Denken und dem Wollen zu arbeiten, ist relativ leicht. Das Gefühlsleben ist am schwersten zugänglich, weswegen bei den Nebenübungen die Gefühle erst an dritter Stelle genannt werden: Zuerst wird die Gedankenkontrolle geübt, dann die Willens- und Handlungskontrolle und erst als Drittes, Letztes, Schwierigstes im Seelenleben die Gefühlskontrolle. Man muss im Denken und Wollen quasi bereits Tritt gefasst haben, bevor man sich an diese sensible Mitte wagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Quelle auf der Ich-Ebene – Michael-Impuls ====&lt;br /&gt;
Mit der Ebene des Wortes sind wir beim Kern, beim Ich-Impuls, dem Michael-Impuls, angelangt. Man hat den Eindruck, diese Inspirationsquelle für Gesundheit und Krankheit war Rudolf Steiner besonders nahe. Sie betrifft ja die Ich-Ebene, auf der wir uns alle selbst am nächsten sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wirkt das Ich nun kränkend?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann es heilend wirken?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Paracelsus[3] nennt das Ich den „Indwendig-Arzt“. Für Albert Steffen[4] war offensichtlich: Das niedere Selbst kränkt, das Höhere Selbst heilt. So versuchte er auch in seinen Dramen das Niederste, aus dem heraus seine Figuren handelten und Verbrechen begingen, immer wieder in Zwiesprache zu bringen mit dem Hohen, dessen verzerrtes Abbild das Niedere ist, sodass die tiefe Selbstkränkung, wenn die niedere Natur siegt, durch das heilsame Einwirken des höheren Menschen ausgeglichen werden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Quelle auf dem menschheitlichen Plan – Christusimpuls ====&lt;br /&gt;
Die fünfte Quelle der Kränkung, die menschheitliche Situation im Sozialen, in der wir uns heute alle befinden, hat mit den rasanten Veränderungen der heutigen Zeit zu tun. Wenn man Menschen fragt, was sie am meisten kränkt oder womit sie am wenigsten zurechtkommen, sagen die meisten der durchschnittlichen und normal gesunden Menschen, dass sie an den immer schwerer zu durchschauenden menschheitlichen Krisen, Konflikten und Problemen der heutigen Zeit leiden. Das zu kompensieren, in alledem froh und lebensbejahend zu bleiben, sich angesichts dieser schwierigen Zeitverhältnisse aufrecht zu halten, macht dem Menschen heute viel mehr Mühe, als persönliche Probleme zu kompensieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese fünfte Krankheitsquelle kann nur durch eine menschheitlich weitblickende Perspektive zur Gesundheitsquelle verwandelt werden. Denn man läuft Gefahr am Augenblick zu verzweifeln, wenn man Krisen und Konflikte nicht in einem viel größeren Zusammenhang sehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag „Das Therapeutische in der Dichtung von Albert Steffen“ anlässlich der Steffen-Ausstellung am Goetheanum, Neujahr 2010&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Jungmedizinerkurs&#039;&#039;, GA 316.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?&#039;&#039;, GA 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Philippus Theophrastus Aureolus Bombastus von Hohenheim, getauft als Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, (* vermutlich 1493 in Egg, Kanton Schwyz; † 24. September 1541 in Salzburg) war ein Arzt, Alchemist, Astrologe, Mystiker, Laientheologe und Philosoph. Paracelsus hinterließ zahlreiche deutschsprachige Aufzeichnungen und Bücher medizinischen, astrologischen, philosophischen und theologischen Inhalts, die größtenteils erst nach seinem Tod gedruckt wurden. (wikipedia)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Albert Steffen (* 10. Dezember 1884 in Wynau; † 13. Juli 1963 in Dornach) war ein Schweizer Schriftsteller und Anthroposoph. Nach dem Tode Rudolf Steiners war Steffen ab 1925 dessen Nachfolger als Vorsitzender der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft. (wikipedia)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FÖRDERUNG VON PATIENTENKOMPETENZ ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist unter Patientenkompetenz zu verstehen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielt der Patient im Gesundheitssystem?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sind seine Möglichkeiten, ja Aufgaben in Bezug auf die nötigen Reformen des Gesundheitswesens?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Notwendige Demokratisierung des Gesundheitswesens&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Bereits 1920 hat Rudolf Steiner in einem seiner öffentlichen Vorträge die „Demokratisierung des Gesundheitswesens“ gefordert.[1] Ärzte, Apotheker, Hersteller und Verbraucher seien herausgefordert, gemeinsam und in Partnerschaft mit den Patienten bzw. Bürgern Mitverantwortung für die Gestaltung des Gesundheitswesens zu übernehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Zielsetzung fühlt sich die Anthroposophische Medizin bis heute verpflichtet. So werden der Gesundheitsaufklärung und Prävention, aber auch der Hilfestellung für eine vertretbare Selbstmedikation viel Aufmerksamkeit geschenkt.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinzu kommt ein großes Engagement für eine gesundheitsfördernde Erziehung und Umgebungsgestaltung einschließlich gesunder Ernährung und nachhaltiger biologischer und biologisch-dynamischer Landwirtschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Mündiger Patient als Regulator&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die inzwischen chronisch gewordene Diskussion um die Reform des Gesundheitswesens zeigt zudem deutlich, dass selbst die besten Ideen für eine Neustrukturierung des Gesundheitswesens zu keiner befriedigenden Kostenregulierung führen können, wenn sich nicht der mündige Patient mit als Regulator empfindet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gehört heute zur Patientenkompetenz, sich selbst auch Gedanken zur Gesundheitsvorsorge sowie zu bestimmten diagnostischen und therapeutischen Verfahren zu machen und letztlich zu bestimmen, was geschehen soll. Auch ist schon lange evident, in welch hohem Maß der Patient de facto für seine Gesundheit Verantwortung trägt. Spätestens anlässlich einer Operation wird ihm bewusst, dass der Arzt zwar über die damit verbundenen Risiken aufklärt und sein Bestes tut, er selbst jedoch mit den Risiken und Folgen zu leben hat und folglich Entscheidungsträger sein muss. Es ist keine Frage, dass medizinische Grundkenntnisse heute zur notwendigen Allgemeinbildung gehören und das menschliche Selbstverständnis in Gesundheit und Krankheit mit­prägen. Apotheker und Ärzte werden daher zunehmend in ihrer Lehr- und Berufskompetenz gefordert, um die erforderliche Hilfe zur Selbsthilfe leisten zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Artikel in der Deutschen Apothekerzeitung DAZ Nr. 39, 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Hygiene als soziale Frage, in: Physiologisch-Therapeutisches auf Grundlage der Geisteswissenschaft&#039;&#039;, GA 314. Dornach 1989, S. 221-261.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] M. Glöckler, B. Emde, &#039;&#039;Anthroposophische Medizin, in: Komplementärmedizin für die Kitteltasche. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation,&#039;&#039; Stuttgart 2009 und ders.: &#039;&#039;Anthroposophische Medizin, In: Komplementärmedizin für Kinder. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation&#039;&#039;, Stuttgart 2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ANTHROPOSOPHISCHE PSYCHOTHERAPIE ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist das Besondere an der anthroposophisch inspirierten Psychotherapie?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welches Licht wirft der Karma-Gedanke auf seelisch-geistige Probleme?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Lektüre zur anthroposophischen Psychotherapie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im Hinblick auf diese Schicksalsdramatik des Menschseins sind die &#039;&#039;Mysteriendramen[1]&#039;&#039; von Rudolf Steiner ein ganz zentrales Werk. Wenn mich Biografiearbeiter, Psychologen und Ärzte, die sich für Seelenkunde interessieren, fragen: &#039;&#039;„Wie kann man sich in das Gebiet des Seelischen aus Sicht der Anthroposophie einarbeiten?“,&#039;&#039; empfehle ich gerne die pädagogischen Vorträge von Rudolf Steiner über die drei Jahrsiebte,[2] aber auch das Studium von &#039;&#039;„Grundlegendes…“[3],&#039;&#039; begleitet von der Lektüre der Karmavorträge.[4] Diese Werke sind das Fundament einer vom Schicksalsgedanken inspirierten anthroposophischen Psychotherapie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich möchte im Folgenden in aller Kürze ein paar Gesetze nennen, wie sie uns Rudolf Steiner aus seiner Forschung mitgeteilt hat – zum Überprüfen, zum Umgang damit, zum Überlegen, ob sie hilfreich sind für Ihre Arbeit. Wir können diese Forschungsergebnisse z.B. auch als Arbeitshypothese nehmen bei unserem täglichen Tun. Wenn sie sich als fruchtbar erweisen, können Sie diesen Weg weiterverfolgen, wenn nicht, greifen Sie zu anderen Werkzeugen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Karmische Ursache für seelische Erkrankungen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Auf die Frage, worin die Ursache für seelische Erkrankungen läge, antwortete Rudolf Steiner in den &#039;&#039;„Offenbarungen des Karma“[5]&#039;&#039; und in der &#039;&#039;„Akasha-Chronik“[6]:&#039;&#039; &#039;&#039;„Die Ursache für seelische Erkrankungen liegt in einem mangelnden Interesse am anderen Menschen in einem früheren Erdenleben“&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier geht es nicht darum, durch welche Faktoren es zu diesem mangelnden Interesse kam, es ist rein phänomenal betrachtet, hat mit Schuld und Unschuld nichts zu tun. Fakt ist demnach: Ein Mensch, der in seinem Erdendasein kein warmes Interesse für andere Menschen entwickeln konnte – und sei es nur für &#039;&#039;einen&#039;&#039; Menschen – dem fehlt im nachtodlichen Leben, wenn das Menscheninnere, das Seelische, Außenwelt wird, die Orientierung. Er ist dann nicht in der Lage, sich an diesem neuen Äußeren so zu orientieren, dass er sich einen neuen Körper aufbauen kann, der beim Heranwachsen ein gesundes Seelenleben ermöglicht, wenn die Wesensgliederkräfte frei werden. Das möchte ich im Folgenden kurz näher erläutern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Wesensglieder und ihre leibgebundenen und leibfreien Kompetenzen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Zum&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Physischen Leib&#039;&#039; gehört unser physischer Körper, die Sinnesorgane und die daraus resultierende Gnade der Wahrnehmung.&lt;br /&gt;
* Zum &#039;&#039;&#039;Ätherleib&#039;&#039;&#039; gehören die unbewussten leibgebundenen Lebens- Wachstums- und Regenerationsprozesse und das leibfreie Denkvermögen.&lt;br /&gt;
* Zum &#039;&#039;&#039;Astralleib&#039;&#039;&#039; gehören die leiblichen Differenzierungsprozesse, die Bewegungskompetenz und das Fühlen als leibfreie seelisch regsame Kompetenz.&lt;br /&gt;
* Zur &#039;&#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;&#039; gehören die leiblichen Integrationsprozesse, die Erlangung der richtigen Proportionen beim körperlichen Wachstum und die leibfreie Fähigkeit in Ganzheiten zu denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kind gewinnt im &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;1. Jahrsiebt&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; mithilfe der &#039;&#039;ätherischen Wachstumskräfte&#039;&#039; bis zum Zahnwechsel an &#039;&#039;Größe&#039;&#039;. Die Kräfte, die ihre Arbeit getan haben, werden sukzessive leibfrei und stehen zunehmend dem DENKEN zur Verfügung. Das Freiwerden der ätherischen Kräfte aus dem Körper kulminiert in der &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Schulreife&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;. Dieser Höhepunkt wird auch &#039;&#039;&#039;Geburt des Ätherleibes&#039;&#039;&#039; genannt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;2. Jahrsiebt&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; reifen zusätzlich die &#039;&#039;seelischen Kompetenzen&#039;&#039; heran, indem die &#039;&#039;astralen Kräfte&#039;&#039; zuerst den &#039;&#039;Leib durchdifferenzieren&#039;&#039; und, wenn sie ihre Arbeit getan haben, sukzessive leibfrei werden und das FÜHLEN ermöglichen. Die Kulmination des Freiwerdens der astralen Kräfte aus dem Körper zur &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Geschlechtsreife&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; wird auch &#039;&#039;&#039;Geburt des Astralleibes&#039;&#039;&#039; genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;3. Jahrsiebt&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; reifen die &#039;&#039;geistigen Kompetenzen&#039;&#039; heran, indem die &#039;&#039;Integrations-Kräfte&#039;&#039; der Ich-Organisation den heranwachsenden Körper in eine &#039;&#039;stimmige Ganzheit&#039;&#039; verwandeln und anschließend als WOLLEN zur Verfügung stehen. Wenn der Jugendliche ausgewachsen ist, kulminiert dieser Prozess in der &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Mündigkeit&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; bzw. selbstverantwortlicher Handlungsfähigkeit und wird auch &#039;&#039;&#039;Geburt des Ich&#039;&#039;&#039; genannt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entsprechung von Lebensprozess und seelisch-geistiger Kompetenz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Alle leibfreien Kompetenzen sind verwandelte Lebenstätigkeit des Organismus: So wie wir dank der unbewussten Lebenskräfte die Nahrung zerkleinern und aufspalten (= analytisch) und anschließend zu menschlicher Substanz zusammensetzen (= synthetisch) – dieser Prozess wird Stoffwechsel genannt – so denken wir entsprechend mit den leibfrei gewordenen bewussten Ätherkräften auch analytisch und synthetisch. Das ist nur ein Beispiel für die Entsprechung von leibgebundener Lebenskraft und leibfreier Kompetenz im Denken, Fühlen und Wollen. Man kann sagen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Denken&#039;&#039;&#039; ist metamorphosierte &#039;&#039;leibfreie Wachstumskraft&#039;&#039; (Ätherleib).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Fühlen&#039;&#039;&#039; ist metamorphosierte &#039;&#039;leibfreie Astralität&#039;&#039; (Astralleib).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wollen&#039;&#039;&#039; ist leibfreie zur Verfügung stehende &#039;&#039;Ich-Tätigkeit&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem bisher Gesagten, wollte ich den innigen Zusammenhang zwischen leiblicher Konstitution und seelisch-geistiger Disposition deutlich machen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das heißt, es hängt von der Qualität der Organe und dem Ablauf der leiblichen Prozesse ab, ob die daraus hervorgegangenen seelischen Kräfte sich frei handhaben lassen oder ob sie den Menschen überfluten, attackieren und bezwingen – was sich dann als psychisches Störungsbild zeigen kann. Ist Letzteres der Fall, bedeutet das, dass die Ich-Kompetenz, die in das Erdeninstrument des Leibes hereinleuchten und sich ihm über die Ich-Organisation mitteilen möchte, sich an den Organen nicht richtig zu spiegeln vermag und sich auch nicht im Seelischen beheimaten kann, weil die aus dem Leib hervorgegangene Seelenkonfiguration es nicht oder nur eingeschränkt zulässt. Die Qualität des seelischen Erlebens hängt also immer auch von Art und Qualität der Leibbildung ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ringen mit Schwäche bringt zukünftige Stärke&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dazu ein Beispiel: Möglicherweise leidet man darunter, dass man seelisch nicht richtig in Beziehung kommen kann zu anderen Menschen. Man erlebt sich als in sich selbst gefangen – was laut Rudolf Steiner als karmische Ursache das fehlende Interesse an anderen hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesem großen Schmerz folgt jedoch im Nachtodlichen die große Befreiung, weil man so sehr mit den Beziehungen und mit sich selbst gerungen hat, dass man für die kommende Inkarnation ein besonders geeignetes Erdeninstrument bilden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit anderen Worten: Wenn wir interessiert und ehrlich miteinander umgehen, bauen wir damit gesunde Seelenkräfte für das nächste Leben auf. Unser Bemühen ist nicht nur für dieses Leben wichtig und gut und erleichtert uns das Leben und die Arbeit. Das Interesse an anderen Menschen und am sozialen Miteinander ist zugleich die Vorbereitung für eine besonders gesunde und starke Seele im nächsten Leben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag an der Jahreskonferenz der Med. Sekt. am Goetheanum zum Thema Anthroposophische Psychiatrie, Dornach 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Vier Mysteriendramen&#039;&#039;, 1910-13, GA 14.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft&#039;&#039;, in: &#039;&#039;Luzifer-Gnosis&#039;&#039;. GA 34. Dornach 1987.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Offenbarungen des Karma&#039;&#039;, GA 120.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Aus der Akasha-Chronik&#039;&#039;, GA 11.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FRAGEN ZUM THEMA ANTHROPOSOPHISCHE MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;FRAGE:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Wie ist es, wenn man in Asien über Anthroposophische Medizin spricht?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;ANTWORT:&#039;&#039;&#039; In Asien ist Spiritualität in der Medizin viel selbstverständlicher als in Europa.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu ein konkretes Beispiel: In Indien praktiziert man Ayurveda. Wenn man dort das Anthroposophische Menschenbild erklärt, erkennt man, dass es 1:1 dasselbe ist wie das Ayurvedische. Der einzige Unterschied besteht darin, dass das ayurvedische Menschenbild und Gesundheitsverständnis in Worten und Begriffen dargestellt sind, die es nicht erlauben, eine direkte Verständnisbrücke zur naturwissenschaftlichen Medizin zu bauen. Das aber kann die Terminologie der Anthroposophischen Medizin leisten. Daher interessieren sich die Kursteilnehmer für die Anthroposophische Medizin, weil sie dadurch ihr eigenes System besser verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ging es auch einer Freundin von mir – sie ist Inderin –, die durch die Anthroposophische Medizin ihre Hindu-Spiritualität neu entdeckte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir begleiten z.B. Kollegen, die Ayurveda-Ärzte bleiben wollen, indem wir sagen: Ihr könnt anthroposophischer Ayurveda-Arzt werden. Und so haben wir dort schon anthroposophische Homöopathen zertifiziert, anthroposophische Ayurveda-Ärzte sind in Ausbildung und Schulmediziner können „normale“ anthroposophische Ärzte werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;FRAGE:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Mich interessiert, wie man die Anthroposophie, die ja stark mit dem Christentum zusammenhängt, mit anderen Religionen verbinden kann.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;ANTWORT:&#039;&#039;&#039; Das Wesentliche am Christentum ist das rein Menschliche, von dem man in jeder Kultur sprechen kann. Für den Buddhistischen Kulturkreis wird es von Buddha verkörpert, der im Herzen und in der Aura lebt, in der Gerechtigkeit, in der Wahrheit, in der Liebe, in all den Werten, deren Pflege Menschlichkeit fördern. Nur ein Wert findet sich bevorzugt und eigentlich nur im Christentum und wird dort konsequent berücksichtigt: Wert und Würde der menschlichen Freiheit, so wie sie bei Johannes im 8. Kap. veranlagt ist: &#039;&#039;„Ihr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen“&#039;&#039;.[1] Da der Christus aber von sich selber sagt: &#039;&#039;„Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“&#039;&#039;, ist klar, dass er nicht die Freiheit verkörpert, aber uns zu freien Wesen machen möchte, zu seinen Freunden – &#039;&#039;„denn ein Knecht weiß nicht, was sein Herr tut“.&#039;&#039;&#039;[2]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Da die Anthroposophie auf dem Weg der „Philosophie der Freiheit“[3] von Steiner beruht, geht es bei allem um diesen zentralen christlichen Wert, auch wenn man den Namen des Christus nur nennt, wenn es passt oder gefragt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;FRAGE:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Sie hatten von dem Paradigmenwechsel vom pathogenetischen Krankheitsbild zum integrativ-salutogenetischen gesprochen und gemeint, dass das gut machbar wäre. Ich wollte Sie bitten, noch näher darauf einzugehen, weil wir uns auch im Rahmen des Studiums sehr viele Gedanken dazu machen und uns fragen, wie es gerade in der konkreten Umsetzung in einem normalen Krankenhaus möglich wäre, so einen Paradigmenwechsel vorzuleben&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;ANTWORT:&#039;&#039;&#039; Das ist in der Praxis zugegebenermaßen sehr schwer. Deswegen braucht es Netzwerke von vielen Medizinern, die sich gegenseitig immer wieder motivieren, Mut zusprechen, Tricks verraten, was man tatsächlich machen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meiner Erfahrung nach gibt es zwei Felder, bei denen man unmittelbar ansetzen kann, auch im kommunalen Krankenhaus: Man kann präventiv-medizinisch beraten, bei der Erziehung und Selbsterziehung ansetzen. -  Wir Ärzte müssen uns schon deshalb intensiv mit Pädagogik auseinandersetzen, weil fast alle Eltern Fragen zu diesem Thema haben. Da kann man viel tun. Dazu gehören auch Selbsterziehung und Meditation und alle Themen, die innere Entwicklungsarbeit betreffen. Auch hier kann man sofort ansetzen. Beides wirkt bereits in hohem Maße salutogenetisch und hilft, ein anderes Verständnis von Krankheit und Gesundheit zu bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem kann man schulmedizinische Präparate viel sorgfältiger indizieren als üblich – das Einverständnis des Patienten vorausgesetzt. Nicht aus Sicherheitsgründen bei jeder Krankheit „Gürtel und Hosenträger“ zum Einsatz bringen, bildlich gesprochen. Auch erlebe ich, dass in der Onkologie gerade Krebspatienten fragen: Gibt es nicht noch etwas anderes? Dann kann man von den Mistelpräparaten erzählen, auch im öffentlichen Krankenhaus. Wenn Patienten fragen, sollte man ehrlich antworten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner sprach von der Demokratisierung des Gesundheitswesens.[4] Patienten, Leistungserbringer, Krankenversicherungen, Kommunalpolitiker – sie gehören an einen Tisch und sollten auf Augenhöhe beraten, wie ein gerechtes Gesundheitswesen aussehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Schweiz, in der es eine Basis-Demokratie gibt, haben wir es nur durch Volksabstimmung geschafft, die Komplementärmedizin in die Bundesverfassung aufzunehmen. TCM (trad. Chinesische Med.), Homöopathie, Phytomedizin und Anthroposophische Medizin müssen von den Kassen über die Grundversicherung erstattet werden, weil diese Verfahren jetzt Bestandteil der Bundesverfassung sind, also praktisch Grundgesetz. Auch in Deutschland könnte es eine solche Volksbewegung geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir das schaffen würden, auf einem ähnlichen Wege eine demokratische Gesundheitsbewegung auf die Beine zu stellen, die verlangt, dass das Grundgesetz uns die freie Therapiewahl garantiert, dass man Ärzte und medizinische Verfahren selbst wählen darf und die Krankenkassen das bis zu einem gewissen Grad erstatten müssen, wären wir einen Riesenschritt weiter. Ohne den gegenseitigen Ansporn einer guten Vernetzung wird es aber nicht gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe kürzlich bei einer Tagung zur Organtransplantation Pim van Lommel getroffen. Er hielt einen schönen Vortrag über außerkörperliche Erfahrungen seiner kardiologischen Patienten, über das „ewige Bewusstsein“. Am Ende forderte er auch den Paradigmenwechsel, Spiritualität als Realität anzuerkennen, weil die außerkörperliche Erfahrung wahr ist und in die Medizin integriert werden muss. Ich fragte ihn, wie er sich das vorstellt. Er sagte, er erwarte nichts mehr von der Wissenschaft, sondern alles von der Zivilgesellschaft. Dort wäre noch gesunder Menschenverstand vorhanden. Die Wissenschaft sei „eingekauft“ und viel zu fremdbestimmt durch Gelder aus der Wirtschaft, von denen sie abhängig ist. Von der Seite könne man den Paradigmenwechsel nicht erwarten. Solange man viel Geld verdient mit der Krankheit, wird man nicht freiwillig einen Paradigmenwechsel anstreben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;FRAGE:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Ich fand sehr interessant, dass das Menschenbild in der Anthroposophischen Medizin sich auch vergleichen lässt mit dem Menschenbild anderer Ausrichtungen. Sie sprachen von einer transzendenten Ebene im Körper, die nach dem Tode den Körper verlässt. Gibt es dazu ein Konzept in der AM, das besagt, was mit dieser Ebene nach dem Tode passiert?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;ANTWORT:&#039;&#039;&#039; Ich schreibe einige Werke von Rudolf Steiner dazu auf: GA ist die Abkürzung für das Wort Gesamtausgabe, die 358 Bände umfasst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GA 27 ist das Grundlagenwerk für die Medizin,[5] in dem das neue Gesundheits-Paradigma beschrieben wird. Dort wird auch charakterisiert, wie es zu dem „ewigen Bewusstsein“ kommt und wie es funktioniert: Wir denken mit der Lebenstätigkeit – den ätherischen Kräften, die unser Körper nicht (mehr) für Wachstum und Regeneration braucht. Warum ist Beten, Spiritualität gesund? Weil es die Lebenskräfte sind, die wir dabei betätigen – was natürlich gesundend zurückwirkt auf den Körper. Körperleben und Gedankenleben (Geistesleben) sind nicht getrennt. Beim Altern nimmt das Geistesleben zu und das Körperleben ab, das unterscheidet sie, aber sie bleiben bis zum Tod immer verbunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Studium des Nachtodlichen würde ich euch raten, folgende Werke zu studieren: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
·      &#039;&#039;„Inneres Wesen des Menschen und Leben zwischen Tod und neuer Geburt“,&#039;&#039; GA 153.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
·      Dann gibt es noch einen sehr schönen Zyklus: &#039;&#039;„Der Tod als Lebenswandlung“,&#039;&#039; GA 182,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
·      und auch &#039;&#039;„Das Leben zwischen dem Tode und der neuen Geburt im Verhältnis zu den kosmischen Tatsachen“&#039;&#039;, GA 141.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
·      Mein Lieblingsbuch ist GA 10, &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten“&#039;&#039;, das Schulungsbuch für die Selbstentwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn das habe ich bemerkt: Wenn man keine echte Freude an der Selbstentwicklung hat, ist man auch nicht wirklich motiviert, andere in ihrer Entwicklung zu unterstützen. Man muss Experte werden in Sachen Entwicklung. Dazu gehört auch das Thema Unvollkommenheit, Spaß am Lernen – und nicht zu meinen, man dürfe keine Fehler machen. Durch meine kinder- und schulärztliche Tätigkeit bin ich zum Fehler-Apostel geworden. Jeder muss seine Fehler machen dürfen, weil man nur so authentisch wird. Angesichts von Fehlern sollten wir uns gegenseitig auf die Lektion hinweisen, die dadurch gelernt werden kann. Nur so können wir ein ungestörtes Verhältnis zu Fehlern entwickeln. Dieses Buch ist dabei eine große Hilfe. Es beschreibt die Entwicklung von Alpha zu Omega. Auch wenn Patienten weiterentwickelt sind als wir und Fragen bezüglich des inneren Weges haben, hilft es den Weg als Ganzes zu kennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur Anthroposophischen Medizin, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] &#039;&#039;Neues Testament, Johannes&#039;&#039; 8, 32.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ebenda, 15, 15.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Philosophie der Freiheit,&#039;&#039; GA 4, Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1995.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Hygiene als soziale Frage. In: Physiologisch-Therapeutisches auf Grundlage der Geisteswissenschaft.&#039;&#039; GA 314. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1989, S. 221 - 261.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner/Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen&#039;&#039;, GA 27 (1991).&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Offenborn</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Anthroposophische_Medizin&amp;diff=1258</id>
		<title>Anthroposophische Medizin</title>
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		<updated>2026-01-16T18:07:47Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Offenborn: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= Anthroposophische Medizin – von Michaela Glöckler =&lt;br /&gt;
Auszüge aus Büchern und Vorträgen von [[Michaela Glöckler]]; Erstveröffentlichung auf https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== HUMANMEDIZIN DER ZUKUNFT ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was war Rudolf Steiners Vision einer Humanmedizin der Zukunft?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Herausforderungen müssen zu ihrer Verwirklichung gemeistert werden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Berücksichtigung der Individualität und Würde&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiners letztes Werk, &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“,[1]&#039;&#039; das er gemeinsam mit Ita Wegman verfasste, gibt einen klaren Ausblick auf eine Humanmedizin der Zukunft, in der sich die Erkenntnisse der naturwissenschaftlich-empirischen Forschung mit denen der anthroposophischen Geistesforschung zur Heilkunst verbinden können. Wäre der Mensch eine Maschine, so ließen sich Körper, Seele und Geist reparieren und steuern, sobald der Mechanismus durchschaut ist. Auch wenn dieses Paradigma immer noch hoch im Kurs steht: Die tägliche Erfahrung zeigt, dass dem nicht so ist. Jedes Individuum, jede menschliche Biografie ist einmalig und bedarf der individuellen (Selbst-)Erkenntnis, Pflege und Gestaltung. Nicht umsonst gibt es den schönen Begriff der Lebenskunst dafür, wenn diese individuellen Gestaltungsprozesse graduell gelingen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wird das Menschenbild auf die rein naturwissenschaftliche Ebene reduziert und Seele und Geist – hypothetisch – zu Ergebnissen von molekulargenetisch und biochemisch steuerbaren Prozessen gemacht, verliert der Begriff menschlicher Würde seinen Inhalt. Denn Wert und Inhalt erhält dieser Begriff durch die Möglichkeit der Entwicklung von Freiheit, Selbstverantwortung und einer Kultur des Gewissens, wie sie der Frühromantiker &#039;&#039;Novalis&#039;&#039; im zweiten Teil seines &#039;&#039;„Heinrich von Ofterdingen&#039;&#039;“ so prägnant beschrieben hat und wie sie auch der Anthroposophie zugrunde liegt.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine solche Kultur lässt sich nicht von außen steuern, wohl aber kann sie sich entwickeln, wenn dies von vielen einzelnen Menschen individuell eingesehen und gewollt wird – wenngleich sie heute noch vielfach als „Torheit“ angesehen wird. Rudolf Steiner sagte dazu: &#039;&#039;„Aber was oft die Vernunft der kommenden Zeiten ist, das ist für die vorhergehenden Torheit.“[3]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verbindung von Materialismus und Spiritualität&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
So ging es Steiner auch dezidiert nicht um ein Entweder-Oder bezüglich Materialismus und Spiritualität, sondern um ein wirklichkeitsgemäßes Sowohl-als-auch:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Der Materialismus ist die Weltanschauung, die den Menschen betrachtet, insofern er hervorgegangen ist aus den Substanzen und Kräften dieser Erde. Und wenn auch mancher betont, der Mensch bestehe nicht bloß aus den Substanzen und Kräften dieser Erde, so haben wir doch keine Wissenschaft, die sich mit dem am Menschen beschäftigt, was nicht aus den Substanzen und Kräften dieser Erde kommt. Deshalb ist heute die Behauptung von vielen, die es von ihrem Standpunkt aus gut meinen, daß irgendwie das Ewige in dem Menschen dennoch verstanden werden könne, eine nicht ganz ehrliche. […] Und viele, die heute den Materialismus widerlegen wollen, wissen eigentlich nicht, was sie tun; denn sie ahnen nicht, welche ungeheure Bedeutung die Detailkenntnisse haben, die der Materialismus gebracht hat. Und sie ahnen nicht, was für eine Konsequenz für das Ganze der Menschenerkenntnis der Materialismus gebracht hat“.[4]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Es ist die Tragik des Materialismus, daß er nichts von der Materie weiß, wie sie in Wirklichkeit in den verschiedenen Gebieten des Daseins wirkt. [...] Er weiß gar nichts über die Wirkung der Materie, weil man darüber erst etwas erfährt, wenn man die in der Materie wirksame Geistigkeit, die die Kräfte darstellen, ins Auge fassen kann.[5]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von dieser &#039;&#039;„in der Materie wirksamen Geistigkeit“&#039;&#039; ist in &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst[6]&#039;&#039; die Rede – so wie sie aus Sicht der Anthroposophie im Weltall, der Natur und im Menschen anzutreffen ist. Diese ‚Kräfte‘ und ihre Gesetzmäßigkeiten ebenso zu studieren wie die Naturgesetze, ist und bleibt lebenslang Aufgabe und Herausforderung für jeden anthroposophischen Arzt. Das Ziel dieses Weges – der sich gesund entwickelnde Mensch – ist dabei ein inspirierendes Ideal für Forschung, Entwicklung und tägliche Arbeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Integrativ-medizinischer Ansatz der AM&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin (AM) ist inzwischen auf allen Kontinenten vertreten in Form von Arztpraxen, Therapiezentren mit vielfältigen Behandlungsangeboten, Pflegeeinrichtungen, Krankenhäuser, Akutversorgungs- und Rehabilitationszentren, private medizinische Kliniken und multidisziplinäre Ambulanzen.[7] Diese weltweite Präsenz bestätigt den integrativ-medizinischen Ansatz, der weit über eine bloße „tolerante Kooperation“ von verschiedenen komplementären Modalitäten hinausgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Angebot der Anthroposophischen Medizin umfasst: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* konventionelle Methoden &lt;br /&gt;
* spezifische anthroposophische Arzneimittel,&lt;br /&gt;
* Pflegetechniken und äußerliche Anwendungen,&lt;br /&gt;
* künstlerische Therapien,&lt;br /&gt;
* Beratung zu gesunder Lebensführung und Ernährung,&lt;br /&gt;
* Körperarbeit,&lt;br /&gt;
* therapeutische Eurythmie&lt;br /&gt;
* und Meditationspraktiken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin (AM) wird in Steiners letztem Werk als auf einer stringenten anthropologisch-philosophischen Methode basierend dargestellt, die die Wirkprinzipien aller spirituellen, psychosomatischen und naturwissenschaftlich fundierten Heilmethoden umfasst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Fünf medizinische Wirkprinzipien&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle alten und modernen Medizinsysteme gründen ganz oder teilweise auf fünf Prinzipien: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# auf physisch-materiell greifbaren Prozessen und Fakten &#039;&#039;&#039;(physische Ebene)&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
# auf Lebensgesetzen, die sich in rhythmischen Abläufen manifestieren &#039;&#039;&#039;(ätherische Ebene)&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
# auf der Dynamik von Seele und Geist &#039;&#039;&#039;(astrale Ebene)&#039;&#039;&#039;, &lt;br /&gt;
# auf der Persönlichkeitsbildung &#039;&#039;&#039;(Ich-Ebene)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
# und schließlich auf dem fünften Prinzip, von Aristoteles als „pempte ousia“ bezeichnet, die fünfte Essenz des Menschen &#039;&#039;&#039;(spirituelle Ebene)&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner erklärte und definierte diese fünf Prinzipien neu und machte sie so vorstellbar, beobachtbar und im Alltag anwendbar. Sie begründeten nicht nur das anthroposophische Menschenverständnis, sondern ermöglichen auch ein gegenseitiges Verständnis der verschiedenen Medizinsysteme. Darüber hinaus wird durch sie verständlich, dass Menschen – anders als Tiere, deren Entwicklung von Instinkten gesteuert wird – ihre instinktive Unsicherheit und „physiologische Unvollkommenheit“ durch Lernprozesse kompensieren müssen: durch bewusst gesteuertes Denken, Fühlen und Wollen. Nach Steiner/Wegmann prädisponiert diese besondere körperlich-geistige Konstitution den Menschen für Krankheiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Multiperspektivische Sicht auf den Menschen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Man könnte angesichts der weltweiten Verbreitung der AM auch fragen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Warum können ein Shinto-Priester, ein buddhistischer Mönch, ein Praktizierender der Traditionellen Chinesischen Medizin, ein Hindu, ein Muslim, ein Jude oder gar ein materialistischer Wissenschaftler gleichermaßen vom anthroposophischen Erkenntnisweg und der anthroposophischen Menschensicht inspiriert werden?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allen gemeinsam ist die Fähigkeit zum multiperspektivischen Denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039;  Denken neu gedacht ====&lt;br /&gt;
Diese Tatsache gewinnt durch Rudolf Steiners Entdeckung der Dualität des Ätherischen im Menschen als im Leib wirkende Lebens- und Wachstumskraft einerseits und außerkörperlich als Denkvermögen wirkende Kraft andererseits noch an Bedeutung. Demnach lässt sich das Denken als eine natürliche „außerkörperliche Erfahrung“ charakterisieren, als eine Möglichkeit, zum „ewigen Leben“ zu erwachen. Diesem neuen psychosomatischen Paradigma zufolge, kann der Mangel an instinktiver Gewissheit und „natürlicher Weisheit“ des Körpers in weisheitsvoller Denkfähigkeit resultieren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Fühlen neu betrachtet ====&lt;br /&gt;
Analog dazu ist auch die Fähigkeit des Fühlens als außerkörperliche Aktivität des Astralen (Psychischen) im Menschen aufzufassen, die über Metamorphose-Prozesse den im Leib wirkenden astralen Kräften entspringt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Tun und Sein neu beleuchtet ====&lt;br /&gt;
Und die ebenfalls über Metamorphose-Prozesse leibfrei gewordene Ich-Organisation im Menschen wird als Träger des geistigen Seins des Menschen verstanden, das letztlich auch über sein Tun entscheidet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Prinzipien als Organisationen oder Gesetzmäßigkeiten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Somit erhalten die oben erwähnten fünf Prinzipien des Aristoteles durch Rudolf Steiner eine auch anderen Konzepten zugängliche Interpretation. Rudolf Steiner bezeichnet diese Prinzipien im genannten letzten Werk als „Organisationen“, an anderen Stellen als Gesetzmäßigkeiten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* das &#039;&#039;&#039;Feste&#039;&#039;&#039; als Manifestation &#039;&#039;des Physischen&#039;&#039;, &lt;br /&gt;
* das &#039;&#039;&#039;Flüssige&#039;&#039;&#039; als Ausdruck &#039;&#039;des Ätherischen&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Luft&#039;&#039;&#039; als Trägerin &#039;&#039;des Astralen&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* und die &#039;&#039;&#039;Wärme&#039;&#039;&#039; als Ausdruck &#039;&#039;der Ich-Organisation&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[8]&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Zu Novalis siehe auch Kap. V sowie GA 59, 236–268 und Glöckler (2023c).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Siehe FN 1, S. 46.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Der übersinnliche Mensch, anthroposophisch erfasst&#039;&#039;, GA 231, 58f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Anthroposophie — Eine Zusammenfassung nach einundzwanzig Jahren. Zugleich eine Anleitung zu ihrer Vertretung vor der Welt&#039;&#039;, GA 234, 86.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Siehe FN 1, Kapitel 12.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] www.ivaa.info/anthroposophic-medicine/care-settings/.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ITA WEGMAN UND DIE ENTWICKLUNG DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kam es zur Begründung der Anthroposophischen Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie entwickelte sich die Zusammenarbeit von Ita Wegmann und Rudolf Steiner?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Schicksalhafte Zusammenarbeit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin verdanken wir der Zusammenarbeit von Rudolf Steiner und &#039;&#039;Ita Wegman&#039;&#039;. Wegman bekam von Rudolf Steiner den Anstoß, nach ihrer Ausbildung in Schwedischer Massage auch noch Medizin zu studieren. Dafür musste sie jedoch das Abitur nachholen, was für die bereits Siebenundzwanzigjährige eine große Herausforderung war. In der Zeit der Prüfungsvorbereitung schrieb sie Rudolf Steiner einen bewegenden Brief, ob er nicht etwas wüsste, das ihr helfen würde, sich besser zu konzentrieren. Leider ist uns die Antwort nicht bekannt. Jedenfalls ging alles gut, und sie begann auf Anraten &#039;&#039;Marie Steiners&#039;&#039; ihr Studium in Zürich. Deren Begründung für die Ortswahl war: &#039;&#039;„Unsere ganze Bewegung kommt ja doch einmal in die Schweiz.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu diesem Zeitpunkt war jedoch noch keine Rede davon – die Zentren der anthroposophischen Arbeit waren München und Berlin. So vollzog sich die Verbindung von anthroposophischer Geisteswissenschaft und materialistischer Schulmedizin, die bis heute für die Weiterbildung zum Anthroposophischen Arzt unerlässlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1907, bei der Spaltung der theosophischen Gesellschaft, stellte sich Ita Wegman klar auf die Seite Rudolf Steiners und der Anthroposophie. Das war nicht selbstverständlich. Denn seit ihrem 18. Lebensjahr hatte sie sich dem Gedankengut der Theosophie gewidmet als Mitglied der Theosophischen Gesellschaft. Doch nach dem schicksalhaften Zusammentreffen mit Rudolf Steiner in Berlin war sie seine persönliche Schülerin geworden.[1] Ita Wegman engagierte sich dann mit anderen dafür, dass Rudolf Steiner oft in die Schweiz kam, um Vorträge zu halten. Wenn sie zu viel reiste, um auch in anderen Städten und in Deutschland seine Vorträge hören zu können – sie war auch 1911 in Prag bei dem Vortragszyklus über die okkulte Physiologie – ermahnte Rudolf Steiner sie, dass sie auch studieren müsste, um ihr Medizinstudium abzuschließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fruchtbare Konsequenzen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wegman war quasi der Prototyp eines anthroposophischen Arztes: nicht primär der Homöopathie oder einer spirituell-komplementärmedizinischen Richtung verbunden, sondern akademisch ausgebildet an einer renommierten Universität. Ihre fachärztliche Weiterbildung zur Gynäkologin absolvierte sie am Spital Liestal ganz in der Nähe von Dornach&#039;&#039;&#039;.&#039;&#039;&#039; Anschließend ließ sie sich in Basel als Allgemeinärztin nieder. 1921 entschloss sie sich, ein klinisch-therapeutisches Institut in Arlesheim zu eröffnen. Zu ihrer großen Freude sagte Rudolf Steiner zu, dort mit ihr zusammenzuarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist Ita Wegman eng mit der Geschichte der anthroposophisch-medizinischen Bewegung verbunden: Die Zusammenarbeit mit Rudolf Steiner reichte von der Beratung beim Abitur und beim Studium über die parallelen Studien der Mainstream-Medizin und der Anthroposophie bis hin zur Begründung der ersten Klinik und der gemeinsamen Behandlung vieler Patienten, wovon hunderte dokumentierter Krankengeschichten zeugen. Zuletzt, in seiner Krankheitszeit vor seinem Tode, begleitete sie Rudolf Steiner zusammen mit Ludwig Noll als seine Ärztin. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Krönung dieser Zusammenarbeit war jedoch die im Herbst 1923 begonnene Arbeit an dem ‚Medizinischen Buch’, das nach dem Tode Rudolf Steiners unter dem Titel &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[2]&#039;&#039; herauskam und dessen 18. Kapitel der Heileurythmie gewidmet ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Parzifal-Frage als entscheidender Impuls&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ita Wegman war es auch, die Rudolf Steiner im Sommer 1923 die für die gesamte anthroposophische Bewegung entscheidende Frage nach der Erneuerung der Mysterien gestellt hatte. Als dieser nach dem Brand des ersten Goetheanum und dem Versagen der Anthroposophischen Gesellschaft mit der Frage lebte, ob er einen Orden gründen und sich aus der Anthroposophischen Gesellschaft zurückziehen sollte, sagte sie zu ihm: &#039;&#039;„Aber Herr Doktor, Sie können doch die Gesellschaft nicht alleine lassen!“&#039;&#039; Im Sommer 1923 dann, in England, wurde ihr das zentrale Anliegen ihres Lebens bewusst, welches sie Rudolf Steiner gegenüber etwa so formulierte: &#039;&#039;„Ich möchte gerne eine Medizin haben, wie es sie zu den Zeiten der alten Mysterien gab – nur in christlicher Form.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Bernard Lievegoed&#039;&#039; hat wiederholt erzählt, wie Rudolf Steiner zu &#039;&#039;Zeylmans van Emmichhofen&#039;&#039; gesagt hätte, dass diese Frage Ita Wegmans für ihn „die Parzival-Frage“ gewesen wäre, die ihn veranlasst hätte, die Weihnachtstagung von 1923/24 zur Neubegründung der Anthroposophischen Gesellschaft abzuhalten. Ohne diese Frage wären die Neubegründung der Gesellschaft und die öffentliche Begründung der Hochschule für Geisteswissenschaft durch Rudolf Steiner gar nicht möglich gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Vom Wesen der Heileurythmie als Herzorgan der Anthroposophischen Medizin“,  1. Weltkonferenz für Heileurythmie am Goetheanum, 30. Mai 2008&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Peter Selg hat in seinem Buch zum Münchner Kongress 1907 dieses Schicksalsmoment neu dokumentiert und zugänglich gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ENTWICKLUNG UND DERZEITIGER STAND DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie hat sich die anthroposophische Medizin seit ihrer Entstehung entwickelt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;In welchen philosophischen und ethischen Prinzipien hat sie ihre Wurzeln?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Historische Entwicklung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von dem österreichischen Philosophen &#039;&#039;Dr. Rudolf Steiner&#039;&#039; (1861-1925) und der Ärztin &#039;&#039;Dr. med. Ita Wegman&#039;&#039; (1876-1943) in Zusammenarbeit mit weiteren Ärzten entwickelt. Die Grundlagen dieser Medizin wurden 1920-1924 im Rahmen von Kursen vermittelt, die Steiner auf Einladung von Ärzten und Medizinstudenten hielt, die nach einem Menschenbild suchten, das sich sowohl auf die Naturwissenschaft als auch auf die anthroposophische Geisteswissenschaft beruft. Ihr Anliegen war von vornherein nicht alternativ-medizinisch, sondern integrativ, d.h. es orientierte sich an der Wirklichkeit des Menschen selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inzwischen gibt es die Anthroposophische Medizin in über 80 Ländern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Europa sind einige größere Akutkliniken entstanden. Hinzu kommen Sanatorien, Reha-Einrichtungen und zahlreiche Arztpraxen aus nahezu allen Fachrichtungen sowie weltweit über 400 Institutionen für Menschen mit Behinderungen. In den letzten dreißig Jahren kamen neu Einrichtungen für die Altenpflege und die Suchtbehandlung dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophische Ärzte arbeiten auch in Kooperation mit Pädagogen als Schulärzte sowie in der medizinischen Forschung und in der Arzneimittelherstellung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ambulanten Bereich haben sich aus der interdisziplinären Zusammenarbeit von Ärzten, Krankenschwestern, Kunsttherapeuten, Physiotherapeuten u.a. vielerorts so genannte „Therapeutika&amp;quot; entwickelt, d.h. ein neuer Typ von Gemeinschaftspraxen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Erkenntnistheoretische Wurzeln&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Erkenntnistheoretisch und ethisch wurzelt die Anthroposophie in der Philosophie und Kunstauffassung des deutschen Idealismus, wie sie insbesondere von &#039;&#039;Goethe&#039;&#039; (1749-1832), &#039;&#039;Schiller&#039;&#039; (1759-1805), &#039;&#039;J. G. Fichte&#039;&#039; (1762-1814), &#039;&#039;Novalis&#039;&#039; (1772-1801) und &#039;&#039;Schelling&#039;&#039; (1775-1854) vertreten wurden. So trägt Steiners erkenntnistheoretisches Frühwerk (1884) den Titel: &#039;&#039;„Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung“.[1]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Suche nach einer im Geist gegründeten Anschauung vom Menschen, die sich selber stützen kann im Erarbeiten einer inneren und äußeren Evidenz, sowie der Wille zu Entwicklung von Autonomie und Verantwortung prägen die ethische Grundhaltung anthroposophischer Ärzte und Therapeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Weiterbildung zum anthroposophischen Arzt ist durch eine international vereinbarte Zertifizierung geregelt. Der anthroposophische Arzt hat die Verpflichtung, die Ergebnisse aus Steiners Geistesforschung selbständig nachzuvollziehen und anhand der eigenen Lebens- und Berufserfahrung zu überprüfen und weiterzuentwickeln. Werden Mitteilungen Steiners unreflektiert übernommen, besteht die Gefahr der Ideologisierung und Dogmatisierung, was der Anthroposophischen Medizin schadet bzw. ihrer Entwicklung im Wege steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Haltung der Mitverantwortung fördern&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Heinrich Schipperges&#039;&#039; führt in seinem Buch &#039;&#039;„Moderne Medizin im Spiegel der Geschichte“[2]&#039;&#039; aus, dass die gegenwärtige Medizin nach einer Phase des unaufhörlichen Fortschritts und trotz aller großartigen Leistungen zunehmend in eine bedrohliche Krise geraten ist. Genau genommen ist diese Krise jedoch die medizinische Spielart der Menschheitskrisen von heute: ökologische Katastrophen, Armut, Hunger, Genozid, Bildungsnotstand, Energiekrise u.a. Diesen Krisen ist gemeinsam, dass ihre Ursache in einem Menschen- und Naturverständnis liegt, das keinen inneren geistigen Zusammenhang zu den Naturerscheinungen und dem Menschen herstellt. Wird dieser Zusammenhang bewusst erlebt, führt er zu einem starken Gefühl der Solidarität mit dem gesamten Evolutionszusammenhang von Erde, Natur und Mensch. Diese mitfühlende Verantwortlichkeit für alles Lebendige möchte die Anthroposophische Medizin fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung,&#039;&#039; GA 2.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Heinrich Schipperges, &#039;&#039;Moderne Medizin im Spiegel der Geschichte,&#039;&#039; Stuttgart 1970.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== WARUM ANTHROPOSOPHIE IN DER MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wozu braucht es Anthroposophie?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern handelt es sich bei der Anthroposophischen Medizin um eine „Weltanschauungsmedizin“?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sind die grundlegenden Aspekte der Anthroposophischen Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Medizin als Ausdruck einer bestimmten Sicht auf Mensch, Natur und Umwelt&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophie (Anthropos = Mensch, Sophia = Weisheit, Wissenschaft) gilt bis heute als nicht leicht zugänglich. Auch wenn viele anthroposophische Initiativen auf den Gebieten der Heilpädagogik und Pädagogik, der Landwirtschaft und Medizin bekannt sind, bleibt das, was als integratives Welt- und Menschenbild der Anthroposophie dahintersteht, meist vage. Man weiß nicht so recht, ob es sich dabei um eine Philosophie handelt, eine Art Religion oder um eine diffizile oder auch „eklektische“ Weltanschauung. Man fragt angesichts der Vielfalt anthroposophischer Einrichtungen und Initiativen auch, ob der anthroposophische „Überbau“ dafür überhaupt nötig sei, ob man ähnlich Gutes nicht auch ohne diesen leisten könne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jedes medizinische System ist Ausdruck einer bestimmten Sicht auf Mensch, Natur und Umwelt und insofern eine „Weltanschauung“. Das gilt auch für den naturwissenschaftlichen Materialismus, für Idealismus, Realismus und andere philosophische oder geistige Orientierungen. Wer glaubt, keine Weltanschauung zu haben, hat seinen eigenen Standpunkt und, was diesen stützt, noch nicht reflektiert &#039;&#039;–&#039;&#039; was eines der Haupthindernisse ist, die „Normalität“ der Anthroposophischen Medizin anzuerkennen. Eine individuell erarbeitete Weltanschauung wie die Anthroposophie ist jedoch klar abzugrenzen von der familiären oder traditionellen Zugehörigkeit zu einer Glaubensgemeinschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Anthroposophie als Verständnishilfe&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Jedem ganzheitlichen medizinischen System – ob nun traditionell chinesische, ayurvedische oder homöopathische Medizin – liegt ein spirituelles Menschen- und Weltbild zugrunde, das die gemeinsame Evolution von Mensch, Erde und Weltall beschreibt. Neu ist bei der anthroposophischen Medizin nur, dass Steiner sich auf keine dieser alten Traditionen beruft, sondern einen Erkenntnisweg beschreibt, auf dem jeder &#039;&#039;selber&#039;&#039; die Möglichkeit entwickeln kann, sich mit seinem Wahrnehmungs- und Denkvermögen an die spirituellen Quellen anzuschließen.[1] Durch eigene Beobachtung, Empathie und situationsgerechtes Denken zu den nötigen Einsichten für Diagnose und Therapie zu kommen ist das Arbeitsideal – nicht nur eine traditionelle Heilweise oder Technik zu lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich war viele Jahre in verschiedenen asiatischen Ländern und auch weltweit mit einem Ausbildungsprogramm für Anthroposophische Medizin unterwegs. Es hat mich anfangs gewundert, dass Chinesen, Japaner, Taiwanesen, Inder, Indonesier, Philippiner sich für Anthroposophische Medizin interessieren. Als Motive nannten sie das Menschenbild der Anthroposophie, das ihnen hilft, die Brücke zu bilden zwischen dem heutigen Denken und den alten überlieferten Bildern und Werten ihrer Heilverfahren, die zwar gute Ergebnisse liefern, aber für den modernen Menschen oft nicht genau aufschlüsseln können, wie sie wirken. Die Anthroposophie half ihnen, ihre eigenen Medizinsysteme und ihre Wirkungsweisen besser zu verstehen. In Indien gab es ayurvedische Ärzte, die keine Zertifikate für Anthroposophische Medizin wollten, sondern zu uns kamen, um bessere Ayurveda-Ärzte zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Grundlegende Aspekte Anthroposophischer Medizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wer der Anthroposophie begegnet, trifft auf vier Aspekte, die je nachdem alle vier oder auch nur der eine oder andere das Interesse wecken und zum weiteren Studium anregen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Philosophischer Aspekt ====&lt;br /&gt;
Das philosophische Fundament der Anthroposophie schließt an die Erkenntnisweise Goethes an sowie an den deutschen Idealismus mit dessen Idealen von Freiheit und Würde, Wahrheit und Liebe.[2] Rudolf Steiner benannte sogar seine Anthroposophische Hochschule in Dornach nach Goethe: Goetheanum.[3] Das zeugt von der großen Wertschätzung, die er diesem Genie mitteleuropäischer Geistes- und Kulturgeschichte zeitlebens entgegenbrachte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für manche Menschen ist Philosophie nicht wichtig, man möchte gute Ideen für seine Arbeit und sein Leben haben und keine Zeit mit intellektuellen Grübeleien verlieren. Es gibt aber auch Menschen, die nur deshalb Anthroposophen werden, weil sie hier eine Erkenntnistheorie und deren philosophische Begründung finden, durch die sie sich selbst und ihren Zusammenhang mit der Welt besser verstehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Philosophie ist die Kunst des eigenständigen Denkens. Steiner formuliert diese „erkenntnis-künstlerische“ Herausforderung in seinem philosophischen Hauptwerk, „Die Philosophie der Freiheit“, so: &#039;&#039;„Man muss sich der Idee erlebend gegenüberstellen können; sonst gerät man unter ihre Knechtschaft.“[4]&#039;&#039; Das heißt, wer Gedanken und Ideen anderer übernimmt und nicht eigenständig bedenkt und bewertet, gerät in Abhängigkeit der Autoritäten, von denen diese Gedanken stammen. Mit Hilfe dieses Ansatzes, selbst hinzuschauen, zu fragen, zu bedenken, zu verstehen, ist jeder Student der Anthroposophie angeregt, seine eigene Philosophie zu reflektieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Aspekt der Selbstschulung ====&lt;br /&gt;
Anthroposophie beinhaltet einen Weg der Selbstschulung, welcher zu seelischer Weiterentwicklung, Selbsterkenntnis und Willensstärkung führt.[5] Es gibt heute viele Menschen, die auf der Suche nach einem interreligiösen Weg spiritueller Selbsterfahrung sind. Sie wollen sich nicht einer bestimmten Glaubensgemeinschaft oder einer bestimmten spirituellen Gruppierung anschließen. Sie suchen einen allgemein-menschlichen Weg für ihre innere Entwicklung. Einige davon finden diese Möglichkeit in der Anthroposophie und ihren Organisationen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Anthroposophische Gesellschaft international organisiert und offen für alle wissenschaftlichen, religiösen und künstlerischen Überzeugungen ist, findet man Vertreter der verschiedensten spirituellen Orientierungen. Angehörige der christlichen Konfessionen, des Buddhismus, Daoismus, Shintoismus, der Hindi-Religion, der Zarathustra-Spiritua­lität, des Judentums sowie einzelne Vertreter des Islam und viele ohne eine bestimmte spirituelle Ausrichtung können hier mehr über ihre eigene spirituelle Identität lernen, indem sie zusätzlich den Weg der Selbstschulung der Anthroposophie gehen. Was sie in dieser Gesellschaft verbindet, ist der Entwicklungsgedanke in der Anthroposophie sowie das Bestreben, das gesellschaftliche Leben menschlicher und zukunftsfähiger zu machen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Biologe &#039;&#039;Bernd Rosslenbroich&#039;&#039; wies in einer naturwissenschaftlichen Studie das Autonomieprinzip als Grundlage der gesamten Evolution nach, deren Gipfel die menschliche Entwicklung sei.[6] Dieses Autonomieprinzip liegt auch der anthroposophischen Selbstschulung zugrunde. Autonomie konstruktiv leben zu lernen ist nicht leicht. Scheitern und immer wieder neu Ansetzen gehören ebenso dazu wie die stille innere Ausrichtung des eigenen Lebens und Arbeitens an den Idealen von Freiheit und Würde, Ehrlichkeit und Liebe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Aspekt der Geisteswissenschaft ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wo aber ist der „Geist“ als Fundament dieser anthroposophisch-geisteswissenschaftlichen Weltsicht zu finden?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Selbständiges Denken als Ausdruck von Geist&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Die Antwort ist schlicht: das menschliche Denken. Normalerweise kennt jeder den Zustand des Gedanken-Habens, Wissens, Sich-Informierens oder sich in anerkannten bzw. vorgegebenen Denkmustern zu bewegen und diese wiedergeben zu können. Wer jedoch von der eigenen Denktätigkeit ausgeht, entdeckt auch denjenigen, der denkt, in seinem Denken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der idealistische Philosoph &#039;&#039;Johann Gottlieb Fichte[7]&#039;&#039; wies seine Studenten auf die zentral wichtige spirituelle Selbsterfahrung im Denken hin. Er führte mit ihnen die folgende Übung durch: Er fragte sie, ob sie die Wand des Hörsaals sähen. Dann sagte er: &#039;&#039;„Schließen Sie die Augen und denken Sie die Wand.“&#039;&#039; Und dann kam die alles entscheidende Aufforderung: &#039;&#039;„Und jetzt denken Sie den, der die Wand gedacht hat...“[8]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer das durchführt, kann in seinem Denken das eigene Selbst als reinen Tätigkeitsquell, als innere Aktivitätsbereitschaft, als Ich, als eigenständiges Wollen bemerken als rein energetische spirituelle Selbsterfahrung im Denken. Damit hat er einen sicheren Ausgangspunkt gewonnen, sich seine eigene Weltsicht zu erarbeiten. Er steht jetzt geistig auf eigenen Füßen und ist in der Lage, sein Denken immer perspektivenreicher auszubilden. Je mehr er versteht, desto mehr sieht er von der Welt. Und je mehr ihn die Welt interessiert und zum Nachdenken anregt, desto differenzierter und klarer wird sein Denken. Sich selbst und die Welt zu verstehen und dadurch zu einer authentischen Selbst- und Weltsicht zu kommen, ist die Weltanschauung der Anthroposophie. Seinen Zeitgenossen zu zeigen, dass sie &#039;&#039;„durch das Denken zur Wirklichkeit des Geistes kommen“&#039;&#039; können, war ein zentrales Anliegen Rudolf Steiners. Das eigene Ich als geistig reales Wesen im Denken erleben zu können, erschließt zugleich die spirituelle Dimension des Begriffs der menschlichen Würde als autonome und geistbewusste Kompetenz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner formulierte diesen Tatbestand gegen Ende seines Lebens noch einmal so: &#039;&#039;„Anthroposophie ist ein Erkenntnisweg, der das Geistige im Menschenwesen zum Geistigen im Weltall führen möchte“.[9]&#039;&#039; Grundlage dafür ist die Gedankenarbeit eines jeden einzelnen Menschen. Hannah Arendt nannte diese Selbsterfahrung im Titel ihres gleichnamigen Buches „Denken ohne Geländer“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Aspekt der Zusammenarbeit ====&lt;br /&gt;
Da Anthroposophie auf das sich zur Autonomie entwickelnde Individuum baut, findet man gerade unter Anthroposophen einen ausgeprägten Meinungs- und Standpunktepluralismus bis hin zur gern zitierten „Streitkultur“. Auch ist die Geschichte der Anthroposophischen Gesellschaft von eindrücklichen Krisen und Konflikten geprägt, die von dem Ringen um individuelle und soziale Kompetenz zeugen, einem Bemühen, das alles andere als einfach ist. Umso erfreulicher ist es, dass sich diese Gesellschaft bis heute nicht in verschiedene Gruppierungen gespalten hat, sondern der Wille zum gegenseitigen Verstehen und zur Entwicklung von Toleranz gegenüber anders Denkenden stets überwogen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von dem Dichter und Anthroposophen &#039;&#039;Christian Morgenstern&#039;&#039; (1871 - 1914) stammt ein Gedicht, das dieses Spannungsverhältnis zwischen der notwendigen Individualisierung einerseits und der Befähigung zur Gemeinschaftsbildung andererseits meisterlich zum Ausdruck bringt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Die zur Wahrheit wandern, wandern allein,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;keiner kann dem andern Wegbruder sein.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Eine Spanne gehn wir, scheint es, im Chor ...&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;bis zuletzt sich, sehn wir, jeder verlor.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Selbst der Liebste ringet irgendwo fern;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;doch wer&#039;s ganz vollbringet, siegt sich zum Stern,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;schafft, sein selbst Durchchrister, Neugottesgrund –&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;und ihn grüßt Geschwister Ewiger Bund.[10]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier wird in künstlerischer Form zum Ausdruck gebracht, dass größtmöglicher Individualismus und „Gemeinschaft im Geist“ sich nicht widersprechen müssen. Vielmehr erscheinen die Ideale der Französischen Revolution – der Freiheit des Individuums, der Gleichheit und der brüderlichen Solidarität – so erst in ihrem wahren Licht: Denn wenn man weiß, dass jeder „auf dem Weg ist“, wächst der Respekt vor der Einmaligkeit und Würde des anderen. Und gleichzeitig erlebt man, wie uns dieser Tatbestand des Werdens „gleich“ macht. Da wir aber sowohl „gleich“ als auch „individuell sehr verschieden“ sind, sind wir Menschen immer wieder auf gegenseitige brüderliche Hilfe angewiesen. Wir gewähren sie, wenn wir die Bedürfnisse des anderen sehen, respektieren und, wo möglich, erfüllen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Mathias Girke , PF Matthiessen (Hrsg.), &#039;&#039;Medizin und Menschenbild&#039;&#039;, Bad Homburg 2015.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung mit besonderer Rücksicht auf Schiller.&#039;&#039; GA 2. Dornach 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] www.goetheanum.org&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Philosophie der Freiheit&#039;&#039;, GA 4, Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1995.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Dargelegt in Steiners Selbstschulungsbuch &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?,&#039;&#039; GA 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Bernd Rosslenbroich, &#039;&#039;On the Origin of Autonomy. A New Look at the Major Transitions in Evolution&#039;&#039;, Hei-delberg, New York, Springer 2014.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Johann Gottlieb Fichte, Philosoph (1762 - 1814).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Überliefert von Steffens, einem Naturforscher und Zeitgenossen Fichtes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Anthroposophischer Leitsatz 1&#039;&#039;, 17. Februar 1924. In: Anthroposophische Leitsätze. GA 26, S. 6 (1989).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Christian Morgenstern, &#039;&#039;Wir fanden einen Pfad,&#039;&#039; Basel, Zbinden Verlag. 5. Aufl. 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ANTHROPOSOPHISCHES UND NATURWISSENSCHAFTLICHES KRANKHEITSVERSTÄNDNIS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ist Anthroposophische Medizin eine Glaubenssache?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann man in der Medizin konstruktiv mit unterschiedlichen Sichtweisen auf Krankheit umgehen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Anthroposophisches Krankheitsverständnis&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Um auf diese Fragen eingehen zu können, möchte ich vorab das Krankheitsverständnis aus der Anthroposophie heraus und das Schulmedizinische Krankheitsverständnis charakterisieren. Sie stehen nicht im Widerspruch zueinander, zumindest nicht aus Sicht der Anthroposophischen Medizin. Letztere versteht sich als eine Erweiterung der rein naturwissenschaftlichen Medizin, nicht als Gegensatz dazu. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Die Aufgabe ist, nun wirklich darauf zu kommen, welcher Unterschied besteht zwischen den Prozessen im menschlichen Organismus, die wir als Krankheitsprozesse bezeichnen und die doch im Grunde genommen ganz normale Naturprozesse sind, nur eben durch bestimmte Ursachen hervorgerufen sein müssen, und denjenigen Prozessen, die wir gewöhnlich als die gesunden bezeichnen und die die alltäglichen sind. Dieser durchgreifende Unterschied muss gefunden werden. Er wird nicht gefunden werden, wenn man nicht eingehen kann auf eine Betrachtungsweise des Menschen, die zum menschlichen Wesen wirklich führt.&amp;quot;&#039;&#039;[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Krankheit aus Sicht der naturwissenschaftlichen Medizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der naturwissenschaftlichen Medizin liegt der Fokus bei der Erforschung von Krankheitsursachen im Bereich des Netzwerkes molekulargenetischer Interaktionen. Dort wird nach Mutationen und „Fehlern&amp;quot; im Metabolismus gesucht. Damit ist aber das Kausalproblem nur von der Makro- auf die Mikroebene verlagert. Denn auch hier ist zu fragen, woher es kommt, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt beispielsweise eine Genmutation auftritt und ein Prozess, der bisher gesund ablief, nun mit einem Mal „verkehrt&amp;quot; bzw. Krankheit begünstigend stattfindet. Wenn der sogenannte Pathomechanismus aufgeklärt ist und die Ursache einer „Spontanmutation&amp;quot;, einem &#039;&#039;„inborn error of metabolism&amp;quot;&#039;&#039; oder einer exogenen Schädigung zugeschrieben wird, so ist damit dem Kranken noch nicht geholfen, der verstehen will, was seine Krankheit mit ihm, seiner Entwicklung und seinem Schicksal zu tun hat – oder der sich dafür interessiert, welche Einflüsse sein bewusstes oder unterbewusstes Seelenleben auf die Lebensfunktionen seiner Organe oder auf die Stabilität seines Immunsystems hat. Auch ist es letztlich unbefriedigend, sich als Mensch in die verschiedenen Forschungs- und Fachdisziplinen aufgeteilt zu sehen, ohne „das geistige Band&amp;quot; im Sinne &#039;&#039;Goethes&#039;&#039; zu haben, das die Zusammenschau der unterschiedlichen Sichtweisen ermöglicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Unterschiedliche Sichtweisen integrieren&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Paracelsus&#039;&#039;, der Integrationsmediziner am Beginn der Neuzeit, hat bereits eindrücklich auf dieses Dilemma hingewiesen.[2] Plastisch schildert er eine medizinische Szene aus dem damaligen Alltag: Sechs Ärzte sind um einen eben verstorbenen Cholerapatienten versammelt und sprechen darüber, was in seinem Falle wohl die Todesursache gewesen sein mag. Diese Szene sei hier in freier Form wiedergegeben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Erste&#039;&#039;&#039; sagt: &#039;&#039;„Für mich ist klar, dass er durch die Infektion mit dem Cholerabazillus gestorben ist. Der Krankheitserreger wurde mit dem Wasser aufgenommen, hat sich im Organismus ausgebreitet und die Krankheil hervorgerufen, die jetzt zum Tode geführt hat&amp;quot;.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Das finde ich merkwürdig&amp;quot;,&#039;&#039; sagt &#039;&#039;&#039;der Zweite&#039;&#039;&#039;. &#039;&#039;„Es sterben doch längst nicht alle Kranken, die sich mit dem Cholerabazillus angesteckt haben. Ich sehe die Todesursache vielmehr in der Tatsache, dass die Selbstheilungskräfte des Verstorbenen nicht stark genug waren, um die Infektion zu überwinden. Hätte er über mehr Widerstandskraft verfügt, so lebte er noch.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da lächelt &#039;&#039;&#039;der dritte Kollege&#039;&#039;&#039; und fragt: &#039;&#039;„Habt ihr denn nicht sein Horoskop gelesen? Da konnte man lesen, dass dieser Mensch durch die ganze Konfiguration seiner seelischen Veranlagung und seines inneren Schicksals zum Tod in dieser Zeit prädestiniert war. Sein Tod war vorherbestimmt.&amp;quot;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Das leuchtet mir nicht ein&amp;quot;,&#039;&#039; sagt &#039;&#039;&#039;der Vierte&#039;&#039;&#039;. &#039;&#039;„Wie viele Menschen leben unter derselben oder sehr ähnlichen Sternkonstellationen und kommen anders damit zurecht, gehen durchaus optimistischer mit der Herausforderung um, die ihre jeweilige Sternkonstellation für sie bedeutet. Meine Diagnose ist, dass er im Kern seiner ganzen Persönlichkeit, in seinem Ich, schwach war. Er hatte große Angst vor der Cholera, und nichts ist ein besserer Nährboden für Infektionen als Ängstlichkeit und Furcht. Ich habe viel schwächere Patienten die Krankheit überwinden sehen, weil sie mutiger waren und das Vertrauen nicht verloren.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Mir kommt das alles töricht vor&amp;quot;,&#039;&#039; schaltet sich jetzt &#039;&#039;&#039;der Fünfte&#039;&#039;&#039; in die Debatte ein: &#039;&#039;„Krankheit und Leid ist doch eine Geißel Gottes, ein Flagellum. Hätte Gott die Überwindung der Krankheit zugelassen, so hätte er diesem Betroffenen zur rechten Zeit den Arzt oder sonst eine Hilfe geschickt.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun blicken alle auf &#039;&#039;&#039;den Sechsten&#039;&#039;&#039;, der interessiert zugehört hat und fragen: „Wer von uns hat recht?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der bemerkt: &#039;&#039;„Jeder von euch hat recht. Jeder hat aber auch unrecht. Das Unrecht entsteht dadurch, dass jeder einzelne von euch nur an seine Sicht der Dinge glaubt und die Ansichten der anderen verneint oder missachtet. Das komplizierte Pentagramm Mensch muss individuell gelesen werden, um den jeweiligen Anteil an der Krankheitsursache herauszufinden. Ein solch differenziertes Lesen ist aber auch nötig, um die verschiedenen Wege kennen zu lernen, die zur Gesundheit, sprich: zur Überwindung der Krankheit führen.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Szene aus dem Werk des Paracelsus wird hier angeführt, um deutlich zu machen, dass ein tiefgreifendes Verständnis von Krankheitsursachen und Heilungsmöglichkeiten die verschiedenen Ebenen menschlicher Existenz und Lebensverwirklichung mitberücksichtigen muss. Das kann letztlich nur ein interdisziplinär-integrativer Ansatz leisten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaft und Medizin&#039;&#039;, GA 312.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Elise Wolfram und Paracelsus, &#039;&#039;Die okkulten Ursachen der Krankheiten. Volumen Paramirum&#039;&#039;, Unv. Nachdruck der Ausgabe von 1912, 4. Aufl. Dornach 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== SCHULMEDIZIN, ANTHROPOSOPHISCHE MEDIZIN UND ÄLTERE GANZHEITLICHE ANSÄTZE ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie steht die Anthroposophische Medizin zur Schulmedizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und wie ist ihr Verhältnis zu anderen alternativen Ansätzen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verhältnis der&#039;&#039; &#039;&#039;Anthroposophischen Medizin zur Schulmedizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Frage lässt sich kurz mit Nein beantworten. &#039;&#039;Rudolf Steiner&#039;&#039; (1861-1925) und &#039;&#039;Ita Wegman&#039;&#039; (1876-1943), die Begründer der Anthroposophischen Medizin, bemerken hierzu:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Nicht um eine Opposition gegen die mit den anerkannten wissenschaftlichen Methoden der Gegenwart arbeitende Medizin handelt es sich. Diese wird von uns in ihren Prinzipien voll anerkannt. Und wir haben die Meinung, dass das von uns Gegebene nur derjenige in der ärztlichen Kunst verwenden soll, der im Sinne dieser Prinzipien vollgültig Arzt sein kann.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Allein wir fügen zu dem, was man mit den heute anerkannten wissenschaftlichen Methoden über den Menschen wissen kann, noch weitere Erkenntnisse hinzu, die durch andere Methoden gefunden werden, und sehen uns daher gezwungen, aus dieser&#039;&#039; erweiterten &#039;&#039;Welt- und Menschenerkenntnis auch für eine Erweiterung der ärztlichen Kunst zu arbeiten.&amp;quot;[1]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die reguläre akademische Aus- und Weiterbildung ist ebenso Voraussetzung dafür, sich Anthroposophischer Arzt nennen zu können, wie das Studium der anthroposophischen Geisteswissenschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Salutogenetischer Ansatz bevorzugt&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Anthroposophischen Medizin liegt ein Konzept ganzheitlicher, integrativer Medizin zugrunde, die den Menschen (griechisch: anthropos) mit all seinen Erkenntnis- und Erlebnisformen (griechisch: sophia, wörtlich: Weisheit) in den Mittelpunkt stellt. Für die Praxis heißt dies, dass symptomatisch wirkende Arzneimittel, wie zum Beispiel Antipyretika, Antiphlogistika, Antihypertensiva, Antihistaminika oder die Substitution fehlender, körpereigener Stoffe, oder aber Analgetika und Psychopharmaka selbstverständlich da zur Anwendung kommen, wo die speziellen Medikamente und Therapieverfahren der anthroposophischen Therapierichtung nicht (mehr) hinreichen, die erforderliche Selbstregulation und Heilung zu stimulieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Hinblick auf das therapeutische Vorgehen wird der salutogenetische Ansatz bevorzugt, also die Anregung körpereigener, physiologischer Prozessantworten. Diese sind immer individuell. Therapieschemata haben zwar einen wesentlichen, Orientierung gebenden Stellenwert. In praxi gehen die Medikationen jedoch oft darüber hinaus, da sich die Behandlung am Einzelfall orientiert. Anthroposophische Ärzte schätzen die schulmedizinische Behandlung als Akut- und Notfallmedizin hoch, möchten jedoch nicht bei deren Grenzen und Einseitigkeiten stehen bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verhältnis zu älteren ganzheitlichen medizinischen Konzepten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Jedem ganzheitlichen medizinischen System – ob es sich nun um traditionell chinesische, ayurvedische oder homöopathische Medizin handelt – liegt ein spirituelles Weltbild zugrunde, das mehr oder weniger konkret die gemeinsame Evolution von Mensch, Erde und Weltall beschreibt. Rudolf Steiner bemerkt dazu im Hinblick auf seinen Ansatz[2]: &#039;&#039;„Ich möchte nicht versäumen, Sie darauf aufmerksam zu machen, dass dasjenige, was ich hier vortrage, nicht entlehnt ist älteren medizinischen Schriften, sondern auf durchaus gegenwärtiger geisteswissenschaftlicher Forschung beruht. Nur muss versucht werden, zuweilen in der Terminologie auf die ältere Literatur zurückzugreifen, weil ja die neuere Literatur eine Terminologie nach dieser Richtung hin noch nicht ausgebildet hat. Aber derjenige, der glauben würde, dass irgendetwas hier vorgetragen wird, was nur älteren Schriften entnommen ist, der würde sich eben sehr irren.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese von Steiner entwickelte neue Art der geistigen Forschung ermöglicht als anthroposophische Erkenntnismethodik und dank ihrer Forschungsergebnisse auch neue Einsichten in die ganzheitlichen Konzepte und spirituellen Traditionen der Medizin. Daher gibt es unter ihren Vertretern immer auch „Anthroposophen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Seiner und Ita Wegmann, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst. Dornach 1935, S. 9.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaft und Medizin&#039;&#039;, GA 312. Sechster Vortrag, Dornach, 26. März 1920. S. 118 (Ausgabe 1999).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== CHARAKTERISTIKA EINER SPIRITUELLEN MEDIZIN LAUT RUDOLF STEINER ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen Prinzipien folgt die von Rudolf Steiner und Ita Wegman beschriebene spirituelle Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wodurch äußert sich ihr allgemein-menschlicher Ansatz?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wodurch zeichnen sich eine spirituelle Chemie und Physik aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist unter Kulturtherapie zu verstehen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Krankheit aus zwei Blickwinkeln sehen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In dem Werk über Anthroposophische Medizin &#039;&#039;„Grundlegendes zu einer Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; von Rudolf Steiner und Ita Wegman werden unter anderem auch die Grundlagen einer spirituellen Medizin beschrieben.[1] Bereits die Überschrift des ersten Kapitels lässt dies anklingen, indem da von &#039;&#039;„wahrer Menschenwesen-Erkenntnis“&#039;&#039; die Rede ist. Die Wortwahl erinnert an die Initiationspraktiken der antiken Mysterien, wo es in allen Einweihungsgraden um wahre irdisch-kosmische Selbst- und Welterkenntnis ging. Doch konkret im Alltag: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Erwartet nicht jeder Kranke vom Arzt, dass dieser die Ursache seines Problems durchschaut und die notwendigen Maßnahmen einleitet?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Dass er die Wahrheit über seinen Zustand bestmöglich herausfindet?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher die Forderung der Autoren, der Wahrheit des Krankheitsgeschehens von zwei Seiten aus näherzukommen, indem die schulmedizinischen Diagnosefaktoren mit der geisteswissenschaftlichen Betrachtung verbunden werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Christuserkenntnis&#039;&#039; als &#039;&#039;zentrales Element&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;‚Wes Geistes Kind‘ aber ist diese Forderung?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“[2]&#039;&#039; wird der Christus als ‚großer Hüter der Schwelle‘ auf dem Erkenntnisweg dargestellt, der dem Schüler den Sinn der Erdenentwicklung, des Todes und der Wiedergeburt enthüllt. In der &#039;&#039;„Geheimwissenschaft im Umriß“[3]&#039;&#039; wird der Christus auch namentlich genannt und seine zentrale Bedeutung innerhalb der Schöpfung und für die Entwicklung der Menschheit geschildert.[4] In beiden Werken begegnet man einer zentralen Bezugnahme auf die Wesenheit des Christus in einer weder religiös noch konfessionell tingierten Weise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verfolgt man diesen Wesensbezug zu Christus im Steiner‘schen Vortragswerk, oder auch nur in der Schrift &#039;&#039;„Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit“&#039;&#039;,[5] so zeigt sich, dass für Steiner diejenige geistige Realität, die er mit dem historischen Christus identifiziert, in allen Aspekten und Dimensionen menschlichen Lebens und Entwickelns eine zentrale Rolle spielt – ganz im Sinne der johanneischen Aussage: &#039;&#039;„Durch es [das Wort] sind alle Dinge geworden, und nichts von allem Entstandenem ist anders als durch das Wort geworden.“[6]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Anthroposophisches Menschenbild und Schulungsweg&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Steinersche Christologie versteht sich als Weg zur Christuserkenntnis. Dieser Weg ist von seinem Selbstverständnis her unabhängig von traditionellen Glaubensüberzeugungen und religiösen Bekenntnissen. Es geht bei ihm im tiefsten Sinne um ‚wahre Menschenwesen-Erkenntnis‘, um das ecce homo. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die anthroposophische Menschenkunde befasst sich mit diesem allgemeinmenschlichen, rein geistigen Wesensgefüge des gesunden Menschenurbildes, das der uns bekannten Schöpfung innewohnt. Sie versucht verständlich zu machen, warum und wie in dieser Schöpfung alles mit allem geistig und physisch zusammenhängt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher kann sich ein japanischer Shintu-Priester in seiner spirituellen und wissenschaftlichen Praxis ebenso von dem anthroposophischen Erkenntnisweg und Menschenbild anregen und bereichern lassen wie ein buddhistischer Mönch, ein Brahmane oder ein Angehöriger des jüdischen oder muslimischen Glaubens oder ein materialistischer Naturwissenschaftler. Denn Christliche Spiritualität ist zugleich allgemeinmenschliche Spiritualität und die Spiritualität in den Naturerscheinungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Dienender Charakter der Substanz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ein weiteres wichtiges Merkmal der von Rudolf Steiner beschriebenen spirituellen Medizin ist ihr selbstlos dienendes Prinzip. Das Substanzverständnis der Anthroposophie, wie es im Grundlagenwerk der Anthroposophischen Medizin &#039;&#039;„Grundlegendes zur Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; erörtert wird,[7] beruht auf dieser Grundlage. So werden im 1. Kapitel die Substanzen in ihrem selbstlos dienenden Charakter gezeigt, wie sie sich den vier Kräftebereichen von Mineral-, Pflanzen-, Tier- und Menschenwelt unterordnen, wodurch sie zu deren jeweiliger Manifestation beitragen und dadurch alle Naturerscheinungen in die Sichtbarkeit bringen.[8]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erdensubstanz – im christlichen Bekenntnis symbolisiert durch Brot und Wein – ist nach diesem Verständnis nicht nur die physische Grundlage für die Erd- und Menschheits-entwicklung. Vielmehr zeigt sich ihr zutiefst christlicher Charakter daran, dass sie dient: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* im mineralischen Zustand den Todesprozessen,&lt;br /&gt;
* in der Pflanzenwelt den Lebensprozessen,&lt;br /&gt;
* in der tierischen Natur den seelischen Äußerungen und der Bewegungsfähigkeit.&lt;br /&gt;
* Im Menschen aber wird sie „Geist tragend“.[9]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor diesem Hintergrund sind dann Sätze in dem genannten Werk wie der folgende zu verstehen: &#039;&#039;„[…] dann wird man durch Einfügung eines Erdenstoffes in den menschlichen Organismus oder durch Behandlung mit einer Erdentätigkeit bewirken können, dass die höheren Glieder der Menschenwesenheit sich ungehindert entfalten können, oder auch, dass die Erdenstofflichkeit an dem Zugefügten die nötige Unterstützung findet, um auf den Weg zu kommen, auf dem sie Grundlage wird für irdisches Wirken des Geistigen.“[10]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Spirituelle Chemie und Physik der Zukunft&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der Schrift &#039;&#039;„Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit“[11]&#039;&#039; – präzisiert Rudolf Steiner diesen Aspekt auch noch im Hinblick auf die Entwicklung der Substantialität der Erde: &#039;&#039;„Künftig werden Chemiker und Physiker kommen, welche Chemie und Physik nicht so lehren, wie man sie heute lehrt [...] sondern welche lehren werden: ‚Die Materie ist aufgebaut in dem Sinne, wie der Christus sie nach und nach angeordnet hat!‘ – Man wird den Christus bis in die Gesetze der Chemie und Physik hinein finden. Eine spirituelle Chemie, eine spirituelle Physik ist das, was in der Zukunft kommen wird. Heute erscheint das ganz gewiß vielen Leuten als eine Träumerei oder Schlimmeres.&#039;&#039; &#039;&#039;Aber was oft die Vernunft der kommenden Zeiten ist, das ist für die vorhergehenden Torheit.“[12]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese selbstlos dienende Haltung wird von den in der anthroposophischen Pharmazie und Medizin Tätigen auf dem anthroposophischen Schulungsweg geübt und prägt den spirituellen Charakter dieser Bereiche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Heilsam wirken durch umfassende Kulturtherapie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin kann als Kulmination von Steiners Grundanliegen, heilsam zu wirken, gesehen werden. Alles, was er geschrieben und getan hat, stand und steht im Dienst einer umfassenden Kulturtherapie, die heilsam auf die zeitgeistigen pathologischen Tendenzen einwirken sollten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Rudolf Steiner unter Kulturpathologie verstand, stellte er im ersten Vortrag des Gründungskurses für die Waldorfpädagogik im August 1919 so dar: &#039;&#039;„Vergessen Sie nicht, indem Sie sich Ihrer Aufgabe widmen, daß die ganze heutige Kultur, bis in die Sphäre des Geistigen hinein, gestellt ist auf den Egoismus der Menschheit. [. . .] Wir leben in der Zeit, in der dieser Appell an den menschlichen Egoismus in allen Sphären bekämpft werden muß, wenn die Menschen nicht auf dem&#039;&#039; &#039;&#039;absteigenden Wege der Kultur, auf dem sie heute gehen, immer mehr und mehr abwärts gehen sollen.“[13]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; In Philosophie und Geistesleben ====&lt;br /&gt;
Im philosophischen Werk Steiners wird die Grundlage zur Kulturtherapie in Form eines tiefgreifenden Autonomieverständnisses gelegt. Freiheit und Liebe, die zur Selbstlosigkeit fähig sind, stehen dabei als menschliche Entwicklungsziele an zentraler Stelle. Sie sind Ausdruck menschlicher Würde und geistiger Gesundheit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; In der Pädagogik ====&lt;br /&gt;
Entsprechend wird im Zusammenhang von Steiners Darstellungen zur &#039;&#039;„Allgemeinen Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik“[14]&#039;&#039; eine ‚Physiologie und Psychologie der Freiheit‘ veranlagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; In der Kunst als Therapie ====&lt;br /&gt;
Und auch die künstlerische Tätigkeit versteht Steiner nicht als ästhetischen Selbstzweck. Sie hat Bewusstsein weckenden Charakter und mündet in allen Bereichen in therapeutische Wirksamkeit, wie in EH am Beispiel der Heileurythmie in Kapitel XVIII gezeigt wird. Der Leiter der Kolisko-Akademie, &#039;&#039;Armin Husemann&#039;&#039;, hat diesem Impuls einer therapeutisch ausgerichteten &#039;&#039;„Menschenwissenschaft durch Kunst“&#039;&#039; sein Lebenswerk gewidmet.[15]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[16]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?,&#039;&#039; GA 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Geheimwissenschaft im Umriss&#039;&#039;, GA 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Ebenda, Seite 219–225, 251–256 sowie 351–353.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit,&#039;&#039; GA 15.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Neues Testament, &#039;&#039;Johannes Kap. 1, 3.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen&#039;&#039;, GA 27, Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Christian Morgenstern (1871–1914) hat diesem dienenden Geschehen sein Gedicht &#039;&#039;Fußwaschung&#039;&#039; gewidmet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. Harlan, (2008).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Siehe FN1, S. 12.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit,&#039;&#039; GA 15.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Ebenda, S. 46.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik&#039;&#039;, GA 293, 26 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik&#039;&#039;, GA 293.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[15] Vgl. A. Husemann (2007 und 2024).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[16] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ANSPRUCH UND AUFGABE DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen Anspruch hat die Anthroposophische Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worin sieht sie ihre Aufgabe?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was war laut Rudolf Steiner das entscheidend Neue?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Bemühen der Anthroposophischen Medizin&#039;&#039; &#039;&#039;um mehr Menschlichkeit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin ist ein Kind des 20. Jahrhunderts. Sie hat den Anspruch, naturwissenschaftliche, philosophische und spirituelle Erkenntnisse und deren therapeutische Anwendungen in ein ganzheitliches Konzept zu integrieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als eigenständige medizinische Bewegung hat sie jedoch erst gut 80 Jahre Entwicklung hinter sich, weswegen sie noch nicht so breit im allgemeinen Bewusstsein verankert ist wie beispielsweise die Homöopathie. Darüber hinaus ist die Bezeichnung „Anthroposophische Medizin“ etwas schwer verständlich. Der Begriff „Homöopathie“ hat sich aus dem prinzipiellen Gegensatz zur gängigen „Allopathie“ gebildet. Er orientiert sich am Simile-Prinzip. „Anthroposophisch&amp;quot; heißt hingegen in der schlichtesten Übersetzung aus dem Griechischen einfach nur „menschlich&amp;quot;. Entsprechend hat sich die Anthroposophische Medizin zur Aufgabe gesetzt, im Umgang mit Krankheit und Gesundheit in Theorie und Praxis das Bewusstsein und die Entwicklung von mehr Menschlichkeit ins Zentrum allen Bemühens zu stellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wesensglieder-Diagnostik als neue Perspektive&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner war es wichtig, die Wesensglieder-Diagnostik und die sich daran anschließende Therapiefindung als das entscheidend Neue zu sehen, das durch die Anthroposophie in den gegenwärtigen Medizinbetrieb hereinkommen kann. Es ging ihm nicht primär darum, neue und womöglich wirksamere Medikamente zu finden für dieses und jenes. Vielmehr wollte er vermitteln, dass die Medizin durch ein Menschenbild bereichert werden kann, das befähigt, den Menschen primär als geistiges Wesen zu begreifen und ihn dadurch in Gesundheit und Krankheit neu zu sehen und behandeln zu lernen.[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Kapitel I von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; heißt es: &#039;&#039;„Der Mensch ist, was er ist, durch Leib, Ätherleib, Seele (astralischer Leib) und Ich (Geist).&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Er muss als Gesunder aus diesen Gliedern heraus angeschaut;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;er muss als Kranker in dem gestörten Gleichgewicht dieser Glieder wahrgenommen;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;es müssen zu seiner Gesundheit Heilmittel gefunden werden, die das gestörte Gleichgewicht wieder herstellen.“[2]&amp;lt;sup&amp;gt;,&amp;lt;/sup&amp;gt; [3]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anthroposophisch-medizinische Therapieansatz kann zudem sowohl alternativ als auch kombiniert mit schulmedizinischer Behandlung zur Anwendung kommen und erfreuliche Besserungen erzielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Erkrankung und Heilung als Kreisprozess verstehen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Methodisch kommt es Rudolf Steiner und Ita Wegman also darauf an, den Prozess der Erkrankung und den Prozess der Heilung als einen einzigen Kreisprozess zu verstehen, in dem der Organismus von Heilmitteln und Krankheitsdiät unterstützt werden muss, um wieder in den „Zustand der Gesundheit“ versetzt zu werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Die Erkrankung beginnt mit einer Irregularität in der Zusammensetzung des menschlichen Organismus mit Bezug auf seine in diesem Buch beschriebenen Teile. Sie ist an einem bestimmten Punkte angekommen, wenn man den Kranken in Behandlung bekommt. Man hat nun dafür zu sorgen, dass alle Vorgänge, die sich seit dem Beginn der Krankheit im menschlichen Organismus abgespielt haben, wieder zurückverlaufen, so dass man zuletzt bei dem Zustande der Gesundheit anlangt, in dem der Organismus vorher war. […] Die Heilmittel müssen daher so beschaffen sein, dass sie nicht nur den Krankheitsprozess zurücklaufen lassen, sondern auch die sich herabstimmende Vitalität wieder unterstützen. Einen Teil der letzteren Wirkung wird man der Krankheitsdiät überlassen müssen. Doch ist in der Regel bei ernsteren Krankheitsfällen der Organismus nicht gestimmt, in der Verarbeitung der Nahrungsmittel genügend Vitalität zu entwickeln. Es wird daher notwendig sein, auch die eigentliche Therapie so einzurichten, dass der Organismus in dieser Beziehung seine Unterstützung findet. […] Im Krankheitsverlaufe ist nicht nur der lokalisierte Krankheitsprozess, sondern die Gesamtveränderung des Organismus zu berücksichtigen und diese in den rückläufigen Prozess einzubeziehen. Wie das im Einzelnen zu denken ist, werden bestimmte Fälle, die wir nun charakterisieren wollen, zeigen.“&#039;&#039;[4] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;An der Heilung des erkrankten Planeten mitwirken&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Ruf nach einer menschengemäßen Medizin steht mit vielen Bestrebungen der letzten Jahrzehnte im Konsens.  So schreibt der berühmte  amerikanische Kardiologe &#039;&#039;Bernard Lown&#039;&#039; im Vorwort seines Medizin-Bestsellers &#039;&#039;„Die verlorene Kunst des Heilens&amp;quot;:[1]„Dieses Buch möge als ein  Kompass dienen (...), indem es eine Medizin beschreibt, in welcher der Mensch im Mittelpunkt aller wissenschaftlichen Dienstleistungen steht – nämlich ein modernes Gesundheitswesen mit einem menschlichen Gesicht.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lown nennt die heutigen großen Probleme beim Namen: Die ungerechte Weltordnung, die bewirkt, dass sich auch im neuen Jahrhundert die Kluft zwischen den armen Entwicklungsländern und den reichen Industrienationen immer schneller vertieft und viel zu viele der sieben Milliarden Menschen auf der Welt in einer quälenden, erbarmungslosen und erniedrigenden Armut leben. Er fordert von den Ärzten, aktiv beim Aufarbeiten der sozialen Missstände mitzuwirken sowie bei der Heilung unseres erkrankten Planeten. Das Wort des deutschen Pathologen &#039;&#039;Rudolf Virchow&#039;&#039; ist ihm Vorbild, dass Politik eine „Medizin im Großen&amp;quot; ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie aber wird eine medizinische Denkweise und Methode erarbeitet, die solches leisten kann?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztlich kann doch nur ein neues Denken über die alten, unerbittlich wachsenden Probleme dazu führen, diese nachhaltig zu lösen. Anthroposophische Medizin möchte in aller Konsequenz dazu beitragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Physiologisch-Therapeutisches auf Grundlage der Geisteswissenschaft. Zur Therapie und Hygiene,&#039;&#039; GA 314, S. 29 und S. 226 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, S. 12.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Formatierung Katharina Offenborn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe FN 2, S. 89f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Bernard Lown, &#039;&#039;Die verlorene Kunst des Heilens,&#039;&#039; Berlin 2002.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== GESUNDHEITSWISSENSCHAFTLICHER ANSATZ DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Bereiche umfasst der gesundheitswissenschaftliche Ansatz der Anthroposophischen Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht dabei um drei Bereiche:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Um den Bereich des Ätherisch-Lebendigen und die hier agierenden &#039;&#039;&#039;Rhythmen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
# Um das Zusammenspiel der Wesensglieder im so genannten &#039;&#039;&#039;dreigliedrigen Organismus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
# Um eine dem Menschengeist gemäße &#039;&#039;&#039;Erziehung und Selbsterziehung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;AD 1. ZUR RHYTHMUSFORSCHUNG&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gunther Hildebrandt&#039;&#039;, einer der führenden Rhythmus-Forscher im 20. Jahrhundert, hat sein Lebenswerk als Physiologe der systematischen Erarbeitung der rhythmischen Funktionen und deren adaptiven, erholsamen und stabilisierenden Wirkungen gewidmet.[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hatte in einer Vortragsnachschrift von Steiner gelesen, dass die rhythmische Organisation des Menschen ihren Ausdruck findet im Rhythmus der Blutzirkulation und dem Atemrhythmus und dass dieser Zusammenhang zu wenig beachtet wird. Beim erwachsenen Menschen haben diese beiden Rhythmen das Verhältnis 4:1. Das ist natürlich nur ein approximativer Durchschnittswert, der allerdings in seinen Abweichungen Auskunft gibt über Gesundheit und Krankheit des individuellen menschlichen Organismus. Diesen Hinweisen Steiners ist Hildebrandt mit den Methoden der Chronobiologie und der Rhythmusforschung nachgegangen. Anhand seiner Resultate konnte er belegen, wie sehr die anthroposophische Geisteswissenschaft mit der akademischen Naturwissenschaft übereinstimmt und dass sich neue Möglichkeiten des Verstehens erschließen, wenn man beide methodisch ernst nimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Rhythmusforschung am Beispiel Schlaf&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Hildebrandt konnte nachweisen, dass die Schlaferholung als zentral koordinierter Prozess nicht allein aus biochemischen und physiologischen Gesichtspunkten heraus erklärbar ist, sondern dass Selbstordnungsprinzipien am Geschehen beteiligt sind, die eine rhythmische Zeitstruktur haben und prozessual in Richtung Heilung oder Krankheit stimulierbar sind. Er konnte in vielfach bestätigten Befunden nachweisen, dass im Verlauf des Nachtschlafes die ganzzahlige Frequenzabstimmung zwischen Herz- und Atemrhythmus des gesunden Organismus bei jedem Menschen wieder hergestellt wird, und zwar unabhängig von der Richtung der am Tage aufgetretenen Abweichungen. Dasselbe konnte Hildebrandt auch hinsichtlich der ganzzahligen Frequenzabstimmungen von Atem- und Blutdruckrhythmus sowie von Blutdruckrhythmus und Minutenrhythmus der peripheren Durchblutung nachweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Arbeitsrhythmen der Wesensglieder und autochrone Biorhythmen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Des Weiteren konnte Hildebrandt zeigen, dass die von Steiner erforschten basalen Arbeitsrhythmen der Wesensglieder tatsächlich den evidenten, adaptiven und autochronen Biorhythmen des Menschen entsprechen. Auch konnte er belegen, dass diese hygiogenetischen Prozesse in der Regel reaktiv ausgelöst werden und ihre Zeitstruktur nicht von den Eigenrhythmen der Wesensglieder bestimmt werden, sondern reaktiv von deren harmonischen Frequenzmultiplen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Jahresrhythmen unter Einfluss des physischen Leibes ====&lt;br /&gt;
Regenerative und adaptive Rhythmen des physischen Leibes hängen mit dem Jahreslauf der Sonne sowie der annualen Rhythmik zusammen. Die heteronomen trophisch-plastischen Wachstumsprozesse mit der submultiplen Periodendauer des Jahresrhythmus werden überwiegend von den Einflüssen bestimmt, die der physische Leib auf die hygiogenetische Aktivität des Ätherleibes hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; 7-Tage-Rhythmus bestimmt vom Ätherleib ====&lt;br /&gt;
Regenerative und adaptive Rhythmen des ätherischen Leibes entsprechen dem Monatsrhythmus sowie der lunaren Rhythmik. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Monatsrhythmus bestimmt vom Astralleib ====&lt;br /&gt;
Adaptive und regenerative Rhythmen des Astralleibes von 7 Tagen entsprechen dem Wochenrhythmus, der zirkaheptanen Rhythmik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Rhythmisches Zusammenspiel von Ätherleib und Astralleib&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Die eigentlichen heilenden Prozesse, die sich als normgerichtete Regenerationsvorgänge äußern und eine funktionelle Normalisierung herbeiführen, werden im Zusammenwirken von Ätherleib und astralischem Leib zeitlich gegliedert. Ausdruck dieses Zusammenwirkens ist die Tatsache, dass der spontane Eigenrhythmus des Astralleibes mit 7 Tagen Periodendauer zugleich eine Submultiple des ätherischen Monatsrhythmus darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Eigenrhythmen der beiden Wesensglieder stehen bemerkenswerterweise auch im doppel-oktavischen harmonischen Verhältnis von 4:1. Das vielfach nachgewiesene Vorherrschen der zirkadianen Septanperiodik bei den spontanen und therapeutisch angestoßenen Selbstheilungsprozessen kann daher so gedeutet werden, dass der Astralleib mit seinem Eigenrhythmus den hygiogenetischen Prozessen eine Zeitstruktur vorgibt, der sich der Ätherleib durch Ausbildung einer submultiplen Periodik optimal einpasst.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; 24-Stunden-Rhythmen unter Führung der Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Adaptive und regenerative Rhythmen der Ich-Organisation entsprechen dem 24 Stunden-Rhythmus, der zirkadianen Rhythmik. Seine Forschungsergebnisse zusammenfassend führt Hildebrandt aus, dass die verschiedenen, stoffwechselbedingten Erholungsprozesse mit einer Periodendauer unter 24 Stunden, die dem Bestand und der Gesunderhaltung des Organismus dienen, der zeitlichen Führung seitens der Ich-Organisation unterliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;AD 2. ZUR FUNKTIONELLEN DREIGLIEDERUNG&#039;&#039; &#039;&#039;DES MENSCHLICHEN ORGANISMUS&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Gedanke der funktionellen Dreigliederung des menschlichen Organismus geht auf eine dreißigjährige Forschung Steiners zurück, die er erstmals 1917 publizierte.[3] Der Anatom und Morphologe Johannes W. Rohen griff diese Anregung in seinen Lehrbüchern für die Medizinstudenten auf.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Sichtweise des menschlichen Organismus verknüpft drei Aspekte miteinander:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Sie macht den polaren Bau des menschlichen Organismus funktionell und morphologisch transparent.&lt;br /&gt;
# Sie liefert eine pathologisch und therapeutisch relevante Erklärung des Leib-Seele-Problems.&lt;br /&gt;
# Sie führt nicht nur zu einer neuen Sicht auf die Entstehung von Krankheit, sondern auch zu einem Konzept für die Entstehung von Gesundheit (Salutogenese, Hygiogenese).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Polarität und ausgleichende Prozesse&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Morphologisch betrachtet sind die Rundheit der Schädelform und die radiale Form der Gliedmaßen echte Polaritäten. Entsprechend polar stehen auch die bewussten, im Kopf zentrierten Denk- und Sinnestätigkeiten den unterhalb des Zwerchfells lokalisierten unbewussten metabolischen Auf- und Abbauvorgängen gegenüber. Dazwischen entfalten sich die rhythmischen Transport- und Verteilungssysteme, wie sie von den Atmungsorganen und dem Herzen als Mittelpunkt des Kreislaufsystems ausgehen. Diese dreiteilige morphologische Grundgliederung bezeichnet Steiner mit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Nerven-Sinnes-System NSS&#039;&#039;&#039;: überwiegend im Kopf zentrierte &#039;&#039;„obere Organisation&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Rhythmisches System RS&#039;&#039;&#039;: überwiegend im Thorax lokalisierte &#039;&#039;„mittl. Organisation&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Stoffwechselsystem&#039;&#039;&#039;: überwiegend im Abdomen lokalisierte &#039;&#039;„untere Organisation&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Dreigliederung entspricht bereits die Polarität von Ektoderm und Entoderm und den sich aus dem Zusammenspiel beider ergebenden sekundären mesodermalen Strukturen in der Embryonalentwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Dreigliederung findet sich auch in der Formation des Skelettes wieder: Wirbelsäule und Brustkorb haben einen rhythmisch gegliederten Aufbau (Wirbel, Rippen), im Gegensatz zur radialen Form der Extremitäten und der sphärischen des Kopfes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die zeitlich-prozessuale und damit auch die physiologisch-biochemische Betrachtung ist jedoch das jeweils spezifisches Zusammenwirken der vier Wesensglieder in den drei Regionen des Körpers entscheidend:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbstverständlich gehört der Nervenzell-Stoffwechsel den Stoffwechselfunktionen an und umgekehrt ist das vegetative Nervensystem, das wahrnehmend und regulierend auf das gesamte Stoffwechselgeschehen einwirkt, Bestandteil des Nervensinnessystems.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entsprechend ist das rhythmische System mit seinen Funktionsleistungen auch im Nervensinnes-System und beim Stoffwechsel wirksam. Es stellt mit den kurzwelligen Rhythmen der elektrochemischen Hirnpotentiale im Sekundenbereich und den langwelligen Eigenrhythmen der Stoffwechselorgane (z.B. Magen / Darmmotilität) im Stundenbereich die gesamte rhythmische Funktionsordnung im dreigliedrigen Organismus dar. Bei der Dreigliederung handelt es sich also nicht um eine Dreiteilung, sondern um eine funktionelle Gliederung, die sich gleichzeitig räumlich im polaren Aufbau des Körpers abbildet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zusammenspiel der Wesensglieder im dreigliedrigen Organismus&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Werden die Funktionen des Nerven-Sinnes- und des Stoffwechselsystems mithilfe des rhythmischen Systems nicht genügend aufeinander abgestimmt, so tritt Krankheit auf:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Derjenige wird den menschlichen Organismus in seinem gesunden und kranken Zustand – oder besser gesagt: in seinem Gesund-Sein und seinem Gesund-Werden – nicht eigentlich verstehen können, der nicht berücksichtigt, dass die so genannten normalen Funktionen im Grunde nur Metamorphosen sind, auch derjenigen, die wir hervorrufen müssen, um pathologischen Zuständen zu begegnen&amp;quot;&#039;&#039;.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hildebrandt machte darauf aufmerksam, dass diese Aussage Steiners im Prinzip dem so genannten ersten Hauptsatz der Naturheilkunde entspricht, wie er zum Beispiel von Groote formuliert wurde: &#039;&#039;„Das, was den Gesunden gesund erhält, ist auch geeignet, den Kranken wieder gesund zu machen&amp;quot;&#039;&#039;.[6]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Inkarnierende und exkarnierende Wesensgliedertätigkeit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das Steinersche Paradigma von der Metamorphose der „inkarnierenden&amp;quot; Wesensgliedertätigkeit in die „exkarnierende&amp;quot;, die das seelisch-geistige Leben ermöglicht, ist einerseits Grundlage für ein neues Verständnis des Leib-Seele-Zusammenhangs. Es bietet aber auch bisher nicht dagewesene Möglichkeiten, die Fachgebiete der Erziehungswissenschaften und Medizin in ihrem Zusammenhang zu verstehen und für die Weiterentwicklung von Therapie und Pädagogik zu nutzen. Denken, Fühlen und Wollen als seelisch-erfahrbare Qualitäten werden in ihrem Leibbezug durchschaubar:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Der &#039;&#039;&#039;Ätherleib&#039;&#039;&#039; kann damit als &#039;&#039;Träger des Gedankenlebens&#039;&#039; erkannt werden,&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;&#039;Astralleib&#039;&#039;&#039; als &#039;&#039;Träger des Gefühlslebens&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* und die &#039;&#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;&#039; als &#039;&#039;Träger des Wollens bzw. Tuns&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die inkarnierende Wesensgliedertätigkeit ermöglicht Selbsterfahrung und ist somit die Grundlage von Selbstbewusstsein im Leib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die exkarnierende Wesensgliedertätigkeit, deren Medium das Denken ist, das „Leben im Geiste&amp;quot;, ist Grundlage für die Entwicklung eines bewussten, vom Leib emanzipierten, persönlichen Innenlebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die inkarnierende und die exkarnierende Wesensgliedertätigkeit hängen eng zusammen im Kontext der Entwicklung des Menschen. So entwickelt sich z.B. unser Denken erst aus der schrittweisen Emanzipation des Ätherleibes – von der leibgerichteten Tätigkeit hin zur leibfreien, rein gedanklichen Tätigkeit.[7] Wird die gesunde Inkarnation des Ätherleibes durch die Erziehung nicht unterstützt, sondern behindert durch kognitives Frühtraining und die Förderung abstrakten Denkens, emanzipiert sich der Ätherleib zu früh und ein Mangel an Vitalität in der zweiten Lebenshälfte ist die Folge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Alles hat seine Zeit&amp;quot; ist daher die Grundlage der Waldorfpädagogik und ihres altersspezifischen Lehrplans.[8](besser nicht in kursiv).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entwicklungsgerechte Förderung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Organsysteme des menschlichen Organismus bedürfen einer entwicklungsgerechten, altersspezifischen Förderung, um sich gesund aufbauen und genügend ausreifen zu können. Nur dadurch kann die Inkarnation aller Wesensglieder optimal gewährleistet werden. Damit wird auch die physiologische Lockerung der Wesensglieder im letzten Lebensdrittel auf möglichst gesunderhaltende Art und Weise vorbereitet. Jeder alternde Organismus hat zwar die Disposition zu chronischen Erkrankungen des älteren Menschen, ob es jedoch zum Ausbruch einer entsprechenden Krankheit kommt bzw. welchen Schweregrad sie erreicht, ist bis zu einem gewissen Grad abhängig davon, wie das Kind oder der Jugendliche die Zeit der Inkarnation der Wesensglieder durchlaufen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiteres Kriterium ist die Frage, ob in der Lebensmitte durch geistige Aktivität Lebensfragen und Konflikte so verarbeitet wurden, dass die zur Gesunderhaltung von Leib und Seele nötige Übereinstimmung mit sich und dem Schicksal hergestellt werden konnte. Aaron Antonovsky spricht von der Notwendigkeit, ein „Kohärenzgefühl“ sich und seinen Lebensumständen gegenüber zu erwerben.[9]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;AD 3.&#039;&#039; &#039;&#039;ERZIEHUNG UND SELBSTERZIEHUNG ALS QUELLE SALUTOGENER KOMPETENZ&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die von Rudolf Steiner konsequent verfolgte These einer Erziehung zur Freiheit und einer Lehre von der Gesundheit, basierend auf der Auseinandersetzung mit den Herausforderungen des Lebens auf geistiger, seelischer und körperlicher Ebene, erfährt auf vielfältige Weise Bestätigung durch:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Hygiogenese&#039;&#039;&#039; (Hildebrandt 1985),&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Salutogenese&#039;&#039;&#039; (Antonovsky 1997)&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Resilienzforschung&#039;&#039;&#039; (Opp/Fingerle/Freytag 1999)&lt;br /&gt;
* sowie die &#039;&#039;&#039;Erforschung der seelischen Gesundheit&#039;&#039;&#039; durch die humanistische Psychologie (Maslow 1981).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Erforschung der seelischen Gesundheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Maslow fand bei seinen Untersuchungen zur seelischen Gesundheit heraus, dass Menschen mit einer gesunden seelischen Gesamtverfassung sach- und nicht ich-bezogen handeln, dass sie tolerant und wahrhaftig sind, sich herzlich freuen, staunen und Dinge und Menschen bewundern können, dass sie Gefühle der Devotion aufbringen. Ihnen ist gemeinsam, dass sie auf die eine oder andere Art auf eine spirituelle Höhepunkt-Erfahrung, die so genannte Peak-Experience, zurückschauen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Maslow konnte zeigen, in wie hohem Maße die Arbeit an der eigenen Persönlichkeit und die persönliche Reife Einfluss auf den körperlichen Gesundheitszustand haben.[10]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Salutogenese – die Lehre von der Gesundheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Antonovsky entwickelte in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts seine Theorie der Salutogenese. Er untersuchte die Bedingungen für das Entstehen von Gesundheit und wählte als Kernbegriff den „Sense of Coherence“ – das Kohärenzgefühl. Die Entstehung von Kohärenzgefühls unterliegt drei Vorbedingungen: Die Welt muss als&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* verstehbar&lt;br /&gt;
* sinnhaft&lt;br /&gt;
* handhabbar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
erlebt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder in der Gesundheitsforschung Tätige kommt früher oder später zu der Überzeugung, dass Gesundheit ein labiler Zustand ist, der vom Individuum aktiv erhalten werden muss. Diese Auffassung steht im Gegensatz zum konventionellen, pathogenetischen Postulat, dass ein gesunder Organismus sich in „normaler&amp;quot;, geordneter Homöostase befindet, die durch eine Krankheit aus dem Gleichgewicht gebracht wird. Antonovsky stellt dem entgegen, dass es den geordneten Zustand der Homöostase nicht gibt, dass Gesundheit vielmehr das ständige Ringen mit heterostatischen Zuständen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er schreibt: &#039;&#039;„Zu jedem Zeitpunkt kann mindestens ein Drittel, möglicherweise mehr als die Hälfte der Bevölkerung in den Industrienationen aufgrund des einleuchtenden Parameters eines pathologischen Merkmals als krank bezeichnet werden. Das zeigt, dass Krankheit keine relativ seltene Abweichung irgendeiner Norm, sondern ein ubiquitäres Phänomen ist&amp;quot;&#039;&#039;.[11]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit ist so gesehen nicht die Abwesenheit von Krankheit, sondern die Beherrschung und Kompensierung vorhandener Krankheitstendenzen. Für diese gesundheitswissenschaftliche Sicht bietet das Konzept der Wesensglieder und ihr differenziertes Zusammenwirken im dreigliedrigen Organismus das notwendige theoretische und praxisrelevante Instrumentarium. Hinzu kommt, dass das Wesensgliederkonzept bisher das einzige Konzept ist, das dem denkenden Begreifen den Leib-Seele-Geist-Zusammenhang voll erschließen kann und die These von der „Blackbox&amp;quot; begründet hinterfragt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Amelung, W. / Hildebrandt, G. (Hrsg.), Balneologie und medizinische Klimatologie, Berlin 1985.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Gunther Hildebrandt, &#039;&#039;Physiologische Grundlagen der Hygiogenese&#039;&#039;, in: Peter Heusser (Hrsg.), &#039;&#039;Akademische Forschung in der anthroposophischen Medizin&#039;&#039;. Beispiel Hygiogenese: Natur- und geisteswissenschaftliche Zugänge zur Selbstheilungskraft des Menschen, Bern 1999.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Von Seelenrätseln&#039;&#039;, GA 21.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Johannes W. Rohen, &#039;&#039;Morphologie des menschlichen Organismus. Versuch einer goetheanischen Gestaltlehre des Menschen,&#039;&#039; Stuttgart 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Anthroposophische Grundlagen für ein erneuertes christlich-religiöses Wirken&#039;&#039;, GA 342, Dornach 1993.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] L. R. Groote, K. E. Rothschuh, &#039;&#039;Der Arzt im Angesicht von Leben, Krankheit und Tod&#039;&#039;, hrsg. von K. E. Rothschuh, Stuttgart 1961.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkt der Geisteswissenschaft&#039;&#039; in: &#039;&#039;Lucifer - Gnosis&#039;&#039;. 1903-1908, Dornach 1987;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M. Glöckler, &#039;&#039;Gesundheit und Schule. Schulärztliche Tätigkeit an Waldorf- und Rudolf-Steiner- Schulen.&#039;&#039; Dornach 1998.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Tobias Richter, &#039;&#039;Lehrplan&#039;&#039;, Stuttgart 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Aaron Antonovsky, &#039;&#039;Salutogenese. Zur Entmystifizierung der Gesundheit&#039;&#039;, Tübingen 1987.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Abraham Maslow, &#039;&#039;Motivation und Persönlichkeit&#039;&#039;, Hamburg 1981.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Siehe Fußnote 9.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== METHODISCHE GRUNDLAGEN DES ANTHROPOSOPHISCHEN ANSATZES ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worin wurzelt die Methodik des anthroposophischen Ansatzes?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wurzeln des anthroposophischen Ansatzes&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der anthroposophische Ansatz hat seine Wurzeln in der abendländischen Philosophie und der Erkenntnisdramatik des 20. Jahrhunderts. Er bemüht sich um ein spirituelles Verständnis von Mensch und Welt über die Weiterentwicklung des Denkens zu einer unmittelbaren geistigen Anschauung, von Steiner „Imagination“ genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Anthroposophische Medizin ====&lt;br /&gt;
Anthroposophische Medizin hat zum Ziel, sich am Menschen selbst zu orientieren und seinem Heilbedarf auf die jeweils bestmögliche Art zu entsprechen. So greift der konsequent integrativ-medizinische Ansatz nicht nur die verschiedenen Erkenntnis-, Erfahrungs- und Daseinsebenen des Menschen auf, sondern verfügt auch über eine Diversität methodischer Zugänge. Im Sinne des Goethe‘schen Paradigmas bedeutet das, die Art der Betrachtung von der Art des zu Betrachtenden abhängig zu machen. Da der Mensch selbst ein so vielschichtiges und kompliziertes Wesen ist, bedarf es zu seiner Erforschung und Beschreibung die dem jeweiligen Objekt der Erkenntnis angemessene Methode. Allerdings müssen die so erforschten Einzelaspekte dann untereinander vernetzt und konzeptionell so verknüpft werden, dass eine Ganzheit entsteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Die Medizin des 21. Jahrhunderts muss wieder neu den Menschen entdecken, der immer mehr in ultrastrukturelle Teile zerbricht, weil ihr eine auf die Ganzheit gerichtete Erkenntnismethode – die intuitive – fehlt“.&#039;&#039;[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Menschen in seiner Totalität zu erfassen, ist ohne Intuition und Empathie nicht möglich. Diese Ganzheit dann aber je nach Fragestellung und Blickwinkel methodisch und inhaltlich zu gliedern und auch deduktiv zugänglich zu machen, bedarf eines differenzierten Erkenntnisansatzes, wie er in den methodischen Grundlagen der anthroposophischen Geisteswissenschaft vorliegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Anthroposophische Geisteswissenschaft ====&lt;br /&gt;
Anthroposophische Geisteswissenschaft vermittelt keine „fertige&amp;quot; Weltanschauung. Vielmehr lehrt sie, sich eine eigene Weltsicht zu erarbeiten, indem sie bei der Ausbildung des „Selber-Denkens&amp;quot; ansetzt. Mit Hilfe dieses Ansatzes kann jeder Fragen aufgreifen, die ihn im Zusammenhang mit der eigenen Religion oder spirituellen Heilweise interessieren. So gibt es nicht nur Schulmediziner, sondern auch Homöopathen und Vertreter anderer Therapierichtungen, die sich zu anthroposophischen Ärzten weiterbilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Anthroposophische Arzneimittel ====&lt;br /&gt;
Aufgrund des integrativ-medizinischen Ansatzes können die Arzneimittel der anthroposo­phischen Therapierichtung weder methodisch noch von den Stoffgruppen her klar abgegrenzt werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Beispiel wird eine Vielzahl von Arzneimitteln aus natürlichen Rohstoffen hergestellt, ohne dass Anthroposophische Medizin deshalb identisch mit der Naturheilkunde wäre. Es werden über 250 Heilpflanzen verarbeitet, dennoch ist Anthroposophische Medizin keine Phytotherapie. Denn im gesamten Arzneimittelschatz haben gerade die aus natürlichen mineralischen Rohstoffen hergestellten Präparate eine besondere Bedeutung. Schließlich ist Anthroposophische Medizin auch nicht mit der Homöopathie identisch, obwohl sie mit ihr – in modifizierter Form – die Technik des Potenzierens und die Potenzbezeichnung für sehr viele mineralische, pflanzliche und einige tierische Arzneimittel gemeinsam hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch liegt eine größere Anzahl von Präparaten in konzentriert-stofflicher Form vor, allen voran die Präparate aus der weißbeerigen Mistel zur Krebsbehandlung oder das gern gebrauchte Mittel zur Kreislaufregulation Cardiodoron®. Dennoch ist die anthroposophische Therapierichtung nicht zu der allopathischen zu rechnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Volker Fintelmann, &#039;&#039;Intuitive Medizin,&#039;&#039; Hippokrates Verlag, Stuttgart: 1. Aufl. 1987, 5. Aufl. 2007.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== NOTWENDIGER PARADIGMENWECHSEL IN DER MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Warum bedarf die Schulmedizin einer Ergänzung durch eine ganzheitliche Sicht auf den Menschen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern kann die Anthroposophische Medizin zu einem Paradigmenwechsel beitragen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Notwendige Demokratisierung des Gesundheitswesens&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das naturwissenschaftliche medizinische System orientiert sich an der Pathologie. Aus wirtschaftlicher Perspektive folgt daraus: Je mehr Diagnostik und Therapie betrieben werden, umso so mehr Umsatz kann gemacht werden. Anders ausgedrückt: Mit der Krankheit Geld zu verdienen, fördert das Krankheitswesen. Würde man jedoch mit Prävention und Gesundheitsstrategien Umsätze machen und dafür in eine Gesundheitskasse einzahlen, würde dies entschieden zur Volksgesundheit beitragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner forderte bereits 1920 eine &#039;&#039;„Demokratisierung des Gesundheitswesens“.[1]&#039;&#039; Ärzte, Apotheker, Hersteller und Verbraucher sind gefragt, gemeinsam und in Partnerschaft mit den Patienten bzw. Vertretern der Zivilgesellschaft Mitverantwortung für die Gestaltung des Gesundheitswesens zu übernehmen und für die hierzu erforderliche Methodenvielfalt und Therapiefreiheit einzutreten.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Auf Prävention fokussieren&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Paradigmenwechsel könnte sich allem voran darin äußern, dass man der Gesundheitsforschung höchste Priorität gibt. Dies erfordert aber eine ganzheitliche Sicht auf den Menschen, weil Gesundheit nicht auf molekularer Ebene entsteht, sondern das komplexe Ergebnis des Zusammenwirkens geistiger, seelischer, ökologischer und körperlicher Vorgänge ist. Es gehört aber auch eine „physiologische Denkweise dazu“, die dies vermitteln kann. Diese bietet die Anthroposophische Medizin. Als Kinderärztin erlebte ich in der Praxis immer wieder mit Freude, wie lebens- und entwicklungsfreundlich diese physiologische Denkweise und das integrative Menschenbild der Anthroposophischen Medizin sind. Hierzu drei Beispiele:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== •  Vitamin D ====&lt;br /&gt;
Als das Vitamin D entdeckt wurde, reiste der anthroposophische Kinderarzt &#039;&#039;Wilhelm zur Linden&#039;&#039; von Kongress zu Kongress und informierte seine Kollegen, dass die Dosen, die sie den Kindern verabreichten – Vigantolstöße genannt – viel zu hoch und unphysiologisch wären und den Kindern nicht nur nützen, sondern auch schaden würden. Seine Warnungen blieben über Jahre ungehört – bis Studien und Beobachtungen in der Praxis endlich zeigten, wie recht er hatte.[3] Doch bis dahin hatten unzählige Kinder bereits Schaden genommen. Man hätte das durch eine gesunde Denkweise vermeiden können. denn später machte schließlich genau das, was zur Linden ganz zu Anfang schon empfohlen hatte: Man gab kleine, der Physiologie angenäherte Dosen, wie der Körper sie selbst bilden könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;•  &#039;&#039;&#039;Fieberbehandlung ====&lt;br /&gt;
Ein weiteres Beispiel betrifft die Fieberbehandlung. Als ich mein Kinderärzte-Staatsexamen machte, mussten wir noch ankreuzen, dass Fieber eine Krankheit ist, die fiebersenkend, antipyretisch behandelt werden müsse, sonst wäre die Antwort falsch gewesen. Für das Facharzt-Examen besorgte ich mir dann die neueste Auflage der Kinderheilkunde von Professor Simonis. Dort las ich, nur der unerfahrene Kinderarzt würde bei jedem Fieber ein fiebersenkendes Mittel verordnen. Der erfahrene wisse, dass Fieber immunstimulierend wirkt und entscheidend zur Krankheitsbekämpfung beiträgt. Fieber sei ein natürliches Virostatikum und Antibiotikum. Bakterien und Viren sterben zwischen 39° und 40°. Man müsse das Fieber nur intelligent begleiten. Das belegen mittlerweile auch andere Studien weltweit.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Teil bis heute wurden und werden viele Kinder aber „falsch“ behandelt, obwohl man eigentlich weiß, dass es nicht gut ist! Und das nur, weil man im Medizinstudium nicht lernt, mit dem Organismus und im Sinne seiner Funktionen zu denken und zu fühlen und ihn in seinem Sosein optimal zu unterstützen. Selbstverständlich gibt man ein Antipyretikum, wenn man das Fieber nicht beherrschen kann. Aber das ist nur in wenigen Fällen nötig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== •  Antibiotika ====&lt;br /&gt;
Noch in meiner Facharztprüfung Anfang der Achtziger musste ich die Schulmeinung wiedergeben, dass jede Mittelohrentzündung/Otitis Media breitbandantibiotisch behandelt werden müsse, jede! Mit großen Hochglanzprospekten wurden die Forschungen dazu vorgestellt. Dieselben Firmen der Pharmaindustrie hatten jedoch Mitte der Neunziger Jahre plötzlich großes Interesse daran, genau das Gegenteil zu beweisen: Damals hatte die Antibiotikaresistenz bestimmter Krankheitserreger so zugenommen, dass es für die Firmen teurer war, neue Antibiotika zu entwickeln, als die Einbußen durch Nichtbehandeln hinzunehmen. So „durfte“ man jetzt vernünftig behandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophische Ärzte haben jedenfalls – ebenso wie ihre Kollegen in Homöopathie und Komplementärmedizin – durch ihren nicht routinemäßigen, sondern individuell abgewogenen Einsatz von fiebersenkenden Mitteln und Antibiotika seit langem einen nachahmenswerten Beitrag geleistet, der heute so viel diskutierten Antibiotika-Resistenzentwicklung entgegenzuwirken.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner sagte, die Ärzte der Zukunft werden Lehrer in Gesundheitswissenschaft sein und die Lehrer der Zukunft werden Präventionsärzte für die Heranwachsenden sein.[6] Das ist ein Konzept, an dem es sich zu arbeiten lohnt, für das ich mich zunehmend begeistern kann, weil es genau der Beitrag ist, den die Medizin der Gegenwart für ihren Paradigmenwechsel braucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Was ist Anthroposophische Medizin?, Verlag am Goetheanum 2017&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Hygiene als soziale Frage. In: Physiologisch-Therapeutisches auf Grundlage der Geisteswissenschaft.&#039;&#039; GA 314. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1989, S. 221 - 261.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Mehr dazu unter: www.eliant.eu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Eine ausführliche Darstellung der Vitamin-D-Schäden findet sich bei M.S. Seelig, &#039;&#039;Vitamin D and cardiovascular, renal and brain damage in infancy and childhood.&#039;&#039; Ann. New York Acad. Sci. 1969, 147:539 - 582.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Ilene Claudius, Larry J. Baraff, &#039;&#039;Pediatric emergencies associated with fever.&#039;&#039; Emergency Medicine Clinics of North America 28: S. 67 - 84, 2010.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Hamre, Harald J. / Glockmann, Anja / Schwarz, Reinhard / Riley, David S. / Baars, Eric W. / Kiene, Helmut / Kienle, Gunver S.: Antibiotic Use in Children with Acute Respiratory or Ear Infections: Prospective Observational Comparison of Anthroposophic and Conventional Treatment under Routine Primary Care Conditions. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine 2014: &amp;lt;nowiki&amp;gt;http://dx.doi.org/10.1155/2014/243801&amp;lt;/nowiki&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Siehe auch: &#039;&#039;Waldorfpädagogik und Anthroposophische Medizin&#039;&#039;. Schwerpunktheft „Der Merkurstab“ 4:2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FÜNF URSACHEN FÜR KRANKHEIT UND FÜNF WEGE ZUR HEILUNG ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Ursachen für Erkrankung gibt es laut Paracelsus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und welche Wege der Heilung sieht die Anthroposophische Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fünf Ursachen für Krankheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Schon &#039;&#039;Paracelsus&#039;&#039;&#039;[1]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; hat gesagt, der Mensch sei ein fünfgliedriges Pentagramm.[2] Entsprechend gibt es fünf Wege, gesund bzw. krank zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesen Gedanken habe ich versucht, in die Anthroposophische Medizin und in die heutige Zeit zu übertragen. Ich stelle also Paracelsus’ Beispiel mit den Worten des einundzwanzigsten Jahrhunderts dar:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Physischer Standpunkt ====&lt;br /&gt;
Der erste Arzt vertritt den physischen Standpunkt: &#039;&#039;„Das ist doch klar: Der Patient ist durch den Cholerabazillus infiziert worden und letztlich an nicht mehr beherrschbaren Komplikationen verstorben.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ätherischer Standpunkt ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Eines wundert mich“,&#039;&#039; sagt der Zweite, &#039;&#039;„wenn gesichert ist, dass der Patient an einem Bazillus gestorben ist, warum sind dann nicht alle gestorben, die sich angesteckt haben? Denn die meisten meiner Patienten sind nicht gestorben. Also ist klar, dass der Patient gestorben ist, weil seine Selbstregulation versagt hat. Deshalb konnten auch die Komplikationen nicht beherrscht werden. Die Krankheitsursache liegt eindeutig im Ätherischen. Seine Abwehr war zu schwach, er hatte ein Immundefizit. Der Patient ist an seiner immunologischen Inkompetenz gestorben.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Astralischer Standpunkt ====&lt;br /&gt;
Der dritte Arzt spricht vom Aspekt des Astralleibes her: &#039;&#039;„Liebe Kollegen, Immunkompetenz und Bazillenwirkung sind nicht das Ende der Medizin! Ich kann euch sagen, woran es liegt, dass das Immunsystem eines Menschen dekompensiert: Habt ihr noch nie etwas von der Psychoneuroimmunologie gehört? Meine Forschungsergebnisse belegen, dass positive Gefühle das Immunsystem stärken. Negative Gefühle lassen das Immunsystem früher oder später insuffizient werden. Die Ursache für den Choleratod liegt also in den negativen Gefühlen des Patienten. Er war bitter, kritisch, nörgelig – enttäuscht über sein Leben. Ihr habt ihn doch gekannt! Er war seelisch nicht besonders konstruktiv. Das hält doch kein Mensch auf Dauer aus. Der Cholerabazillus war nur der Effektor. Der Patient war eigentlich schon am Ende. Die Todesursache liegt also im Seelischen.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Standpunkt der Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Schließlich meldet sich ein Vierter und beleuchtet das Ganze vom Aspekt der Ich-Organisation her: &#039;&#039;„Ich könnte allem folgen, was ihr sagt, aber mich wundert, dass ihr meint, das wären die wirklichen Ursachen. Meine Erfahrung ist, dass es vom eigenen Identitätsbewusstsein abhängt, ob jemand bereit ist, an seinen negativen Gefühlen zu arbeiten. In meiner medizinischen Erfahrung habe ich gelernt, Patienten zu motivieren, an ihren negativen Gefühlen zu arbeiten und diese zu überwinden. Dadurch entwickeln sie immunologische Kompetenzen. Selbstüberwindung und die Bereitschaft, aus dem Negativen etwas Positives zu gewinnen, habe ich als das stärkste Wirkprinzip entdeckt. Diejenigen, die keine Lust am Lernen, an der Verwandlung, die keine Lust haben, auch das Negative als zum Leben gehörig zu betrachten, sondern sich immer nur darüber beklagen, werden früher oder später krank. Keine Seele hält es aus, wenn in ihr ein lahmes, inaktives Ich wohnt. Also sage ich: Der Patient ist daran gestorben, dass er sich zu wenig mit sich und seinem Leben identifizieren konnte.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Schicksalsstandpunkt ====&lt;br /&gt;
Der fünfte Arzt sagt: &#039;&#039;„Ich habe das Horoskop des Patienten konsultiert – das stand auf Krise. Man muss zwar bis zuletzt alles tun, was möglich ist – aber gegen das Schicksal und Gottes Ratschluss sind wir ohnmächtig.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun sind alle gespannt, was Paracelsus selber dazu sagen werde. Er überrascht seine Kollegen, indem er sagt: &#039;&#039;„De quinte entibus. Liebe Kollegen, es gibt fünf Wege zur Krankheit und entsprechend auch zur Heilung. Deswegen habt ihr alle fünf recht.“ Ein guter Arzt hat all dies im Auge und greift da an, wo er seiner ärztlichen Intuition gemäß die größten Heilungschancen sieht. Erzwingen können wir nichts, aber wir können bis zuletzt um das Leben des Patienten ringen und für seine Heilung kämpfen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fünf Wege zur Heilung in der Anthroposophischen Medizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Auf der physischen Ebene: ====&lt;br /&gt;
Einsatz der Möglichkeiten der Schulmedizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Auf der ätherisch-prozessualen Ebene: ====&lt;br /&gt;
Prozessorientiert-wirksame Arzneimittel, Diät und Lebensstiländerungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Auf der astralen Ebene: ====&lt;br /&gt;
Neben dem therapeutischen Gespräch ist die Verordnung einer künstlerischen Therapie äußerst hilfreich. Darin können sich auch Kranke ausdrücken, die (noch) nicht bereit sind, über ihre Probleme zu sprechen. Auch Biographie-Arbeit hat sich bewährt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Auf der Ich-Ebene: ====&lt;br /&gt;
Wichtig ist die Beachtung der Identitätsfrage. Manchmal muss man hier das Hauptaugenmerk darauf richten und bei Selbstwertfragen oder Identitätsproblemen Wege zu Selbstschulung nennen. Oft hilft auch die Empfehlung der Lektüre von Steiners Buch zur Selbstschulung &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“[3]&#039;&#039; oder aber eine erneute Suche nach religiöser Sinnfindung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Auf der Ebene der spirituellen Orientierung: ====&lt;br /&gt;
Die Erarbeitung einer sinnstiftenden Weltanschauung ist das tragende Fundament einer gesunden Lebensführung. Hier ist jeder einzelne gefragt, das für ihn Stimmige zu suchen und die entsprechenden Gesichtspunkte im Leben anzuwenden und zu beherzigen. Der Arzt kann auf Grund seiner Lebenserfahrung und Empathie helfender Begleiter sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur Anthroposophischen Medizin, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Philippus Theophrastus Aureolus Bombastus von Hohenheim, getauft als Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, (* vermutlich 1493 in Egg, Kanton Schwyz; † 24. September 1541 in Salzburg) war ein Arzt, Alchemist, Astrologe, Mystiker, Laientheologe und Philosoph. Paracelsus hinterließ zahlreiche deutschsprachige Aufzeichnungen und Bücher medizinischen, astrologischen, philosophischen und theologischen Inhalts, die größtenteils erst nach seinem Tod gedruckt wurden. (wikipedia)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Paracelsus, &#039;&#039;Opus paramirum und De quinte entibus&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?&#039;&#039; GA 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== WIRKFAKTOREN IN DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wirkt Medizin generell?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Faktoren spielen dabei eine Rolle?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wie Anthroposophische Medizin wirkt&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Wirksamkeit der Anthroposophischen Medizin setzt sich aus verschiedenen Faktoren zusammen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Stoffliche Qualität ====&lt;br /&gt;
Schwefel wirkt anders als Phosphor oder anderes. Dieses Enzym hat diese Wirkung und ein anderes Hormon eine andere. Wenn ich ein bestimmtes Mittel gebe, muss ich das berücksichtigen. Das ist die rein stoffliche Wirkung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Pharmazeutisch-moralische Qualität ====&lt;br /&gt;
Es gibt verschiedene Stufen der ethisch-moralischen Zusatzwirkung. Wenn ein Pharmazeut seine Produkte mit Liebe herstellt, ist der Stoff nicht nur Träger seiner Eigenwirkung, sondern die positive Absicht, helfen zu wollen, überträgt sich vom Pharmazeuten auf das Produkt. Das ist eine pharmazeutische Qualität, die er moralisch beeinflussen kann. Das hat nicht nur mit Produktreinheit zu tun, ob unsauber oder sauber gearbeitet wird, sondern mit der moralischen Integrität dessen, der das Produkt herstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Ärztliche Qualität ====&lt;br /&gt;
Ärztliche Qualität entsteht, wenn ein Arzt ein Medikament aufgrund guter Überlegungen mit seinen eigenen Gedanken durchsetzt, mit seiner Liebe zum Patienten, mit seinem Willen, ihm zu helfen. Wenn er das Rezept aus dieser Gesinnung heraus dem Patienten gibt, geht diese innere Einstellung auf den Patienten über. Die Schulmedizin nennt das ‚Placebo-Effekt’, die ‚Droge Arzt’. Aber es gibt keinen Placebo-Effekt, es gibt nur Wirkungen, die man nicht versteht! Der Begriff des Placebos ist ein unwissenschaftlicher Lückenbüßer, den man auch so kennzeichnen müsste. Man muss verstehen, warum welches Placebo wie wirkt! Gute Gedanken sind wirksam:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ist es nichts, wenn einer einem anderen „alles Gute“ wünscht?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es macht einen Unterschied, wenn jemand lügt und dem anderen in Wirklichkeit nicht alles Gute wünscht!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich jemandem Gutes wünsche bzw. wenn ich als protestantischer Christ die Fürbitten mache oder als Katholik bete, hat das doch eine Wirkung! Ich mache das doch nicht zur Selbstbefriedigung, um mir zu zeigen, wie moralisch einwandfrei ich bin oder um dem Pfarrer zu gefallen! Ich mache es, weil ich davon überzeugt bin, dass Gedanken wirksam sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt destruktive Gedanken und positive Gedanken, die nicht nur auf mein Immunsystem, sondern auch auf die Immunsysteme meiner Mitwelt wirken. Hass auf andere Leute ist destruktiv, nicht nur für mich, sondern auch für die Anderen. Das sind astrale Attacken, die Verletzungen seelischer Art erzeugen können. Auch wenn sie unbewusst sind, wirken sie. Sensible Leute spüren genau, wenn Menschen sie hassen oder sie vernichten, betrügen oder mobben wollen. Es braucht nicht real zu passieren, man spürt bereits die Intention als etwas Destruktives. Solche Wirkungen sind kein Placebo-Effekt, sondern geistig-seelisch genau zu beschreiben und kommen entweder aus dem Denken, dem Fühlen oder der Intention von Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Ärztliche Intention als Zusatzwirkung&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Als Arzt gebe ich meine Intention dem Medikament mit. Rudolf Steiner sagt, der Arzt müsse seinem Arzneimittel eine „Aura“ mitgeben, eine Widmung. Wenn ich zum Beispiel Schwefel oder Phosphor oder Arnika verordne, denke ich in diesem Moment an diesen Menschen, an seine Lebenssituation und widme die Wirkung des betreffenden Mittels dieser Situation. Es ist eine weiter imponderable Zusatzwirkung zur normalen Arnika-Essenz im Fläschchen, wenn ich es einem älteren Menschen, der auf der Intensivstation liegt, als Umschlag verordne. Für diesen Menschen habe ich ganz andere Gedanken als für jemand anderen. Meine Gedanken sind Teil dieser individuellen Therapie. Auch eine Standardtherapie verordne ich individuell, weil jeder Mensch anders ist. Es gibt keine zwei gleichen Situationen, auch wenn ich vielfach dieselben bewährten Arzneimittel verwendet habe. Das ist die ärztliche Wirkkomponente.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Der Wille zur Gesundung ====&lt;br /&gt;
Die vierte Komponente betrifft den Eigenanteil des Patienten. Patienten wollen heute genau wissen: „Wofür ist das?“, „Wogegen ist das?“ Wenn sie dann den Beipackzettel lesen, bekommen sie oft Angst. Inzwischen gibt es auch anthroposophische Beipackzettel, auf denen beispielsweise steht: An Kindern nicht erprobt, bitte nicht unter 12 Jahren anwenden. Da bekommen Eltern Angst vor Arnika D6, weil es nicht erprobt ist, und halten es für gefährlich. Dadurch kann sich die positive Wirkung des Arzneimittels nicht voll entfalten. Oder die Mittel wirken nicht recht, weil der Patient eigentlich nicht wirklich gesund werden will. In diesem Fall braucht und will er seine Krankheit. Ein Patient, der nicht gesund werden will, muss erst einmal lernen, wieder gesund werden zu &#039;&#039;wollen&#039;&#039;. Er sucht noch die Flucht in die Krankheit, weil er diesen Schutzraum offenbar braucht. Das ist im Moment seine Identität. Ein Patient, der nicht gesund werden will, für den die Krankheit seine aktuell aushaltbare Gesundheit ist, verkraftet das Leben nicht. Er braucht eine andere Behandlung, als „auf Teufel-komm-raus“ gesund gemacht zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Ärzte haben keine Zeit für eine gründliche Anamnese. Sie behandeln oft auch Menschen, die von Arzt zu Arzt gehen und in Wirklichkeit gar nicht gesund werden wollen. Man hätte schon in der Erstbegegnung eine Biografiearbeit dazwischenschalten oder sagen müssen: „Ich glaube, Sie sind wirklich krank. In ihrer jetzigen Situation würde ich ihnen raten, dass Sie sich für den Prozess des Gesundwerdens genügend Zeit nehmen. Lassen Sie sich im Moment von Ihrem Job beurlauben. Ich gebe Ihnen ein Zeugnis und wir nehmen uns einen ganz langsamen Weg zur Gesundheit vor, damit Sie so werden, wie Sie werden wollen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein anderes therapeutisches Ziel, als jemanden so schnell wie möglich symptomfrei zu bekommen, damit er wieder funktioniert. Wirkliche Heilung kann erst erfolgen, wenn der „Gesund-mache-Wille“ des Arztes sich mit dem „Gesund-werde-Willen“ des Kranken verbinden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Gnade ====&lt;br /&gt;
Das fünfte Therapieprinzip heißt schlicht Gnade. Man kann nicht gegen das Schicksal angehen. Manchmal ist das Schicksal des Kranken so, dass man trotz aller erdenklichen Mühe nicht helfen kann. Das fünfte Prinzip wurzelt in der Überzeugung, dass das Leben nicht in der ärztlichen Kompetenz, sondern in der Hand Gottes liegt. Wenn der Krebs erneut ausbricht, gehe ich mit dem Patienten anders um als zu Beginn einer Krebserkrankung. Jetzt ist größtmögliche Ehrlichkeit gefragt. z.B. das Eingeständnis: &#039;&#039;„Wenn nicht ein Wunder geschieht, könnte es diesmal der Anfang vom Ende sein. Überlege, ob Du Deinem Leben eine vollkommen andere Wendung geben willst und kannst. Jetzt hast Du nichts mehr zu verlieren, Du kannst nur noch gewinnen. Schau mal, ob Du Dich von allem, was Dich zwingt, freimachen kannst und frage Dich, was Du mit deinem letzten Lebensabschnitt wirklich machen willst. Folge nur Dir selbst!“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann passieren manchmal ungeahnte Wunder. Manchmal braucht es diese Todesnähe, bis ein Patient wirklich zu sich kommt und weiß, was für ihn im Leben zählt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Beispiel einer terminalen Krebserkrankung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ich hörte von einem Patienten mit terminalem Krebs. Der Arzt hatte ihm maximal drei Monate gegeben. Er trennte sich daraufhin von all seinem Hab und Gut, verkaufte sein Haus und ging auf Weltreise. Er wollte nun endlich umsetzen, wofür er sich sein Leben lang keine Zeit genommen hatte. Nach seiner Heimkehr wollte er den Rest seines Geldes verschenken und sich auf das Sterben vorbereiten. Als er zurückkam, war der Krebs jedoch weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geschichte hat mir ein Kollege erzählt, der meinte, so etwas wäre eigentlich nicht möglich. Ebenso sah es die Uni-Klinik, in der er behandelt wurde. In der Schulmedizin nennt man das ‚Spontanheilung’. ‚Placebo-Effekt’ und ‚Spontanheilungen’ sind Begriffe, die zeigen, dass man sich in der Schulmedizin nicht mit Wirkfaktoren auseinandersetzen möchte, die etwas differenzierter sind und Spiritualität mit einbeziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur Anthroposophischen Medizin, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ICH-WESEN UND WESEN DER HEILWIRKUNGEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worauf basieren die Phänomene ‚Selbstheilung und ‚Selbstregulation‘?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie korrespondieren das Ich-Wesen des Menschen und das Wesen der Heilwirkungen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern ist der Mensch direkt für den Fortgang der Evolution verantwortlich?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ich-Organisation und Selbstregulation&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel VII von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; wird das Wesen der Heilwirkungen in unmittelbarer Anknüpfung an das bisher über die physiologischen Prozesse und deren Steuerung durch die Wesensglieder Dargestellte beleuchtet. In Kap. V beispielsweise wurde erklärt, inwiefern die Entwicklungspotentiale der natürlichen Evolution mit der Entstehung der ‚defizitären‘ menschlichen Konstitution an ihr Ende kommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Kap. VII nun gehen die Autoren auf eine weitere Besonderheit des Menschen ein – seine „systemimmanente Offenheit“, die eine Voraussetzung für die Entwicklung des seelisch-geistigen Potential ist: &#039;&#039;„Die menschliche Gesamtorganisation ist nicht ein in sich abgeschlossenes System von ineinandergreifenden Vorgängen. Wäre sie das, sie könnte nicht der Träger des Seelischen und Geistigen sein.“[2]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Phänomene ‚Selbstregulation‘ und ‚Selbstheilungskräfte‘ weisen auf die vielen inzwischen bekannten Einflussfaktoren, wie der Mensch die eigene Gesundheit körperlich, seelisch und geistig selbst beeinflussen kann.[3] Die auch von einzelnen Krankenkassen bereits beachtete Präventionsforschung sowie die daraus resultierenden Präventionsprogramme sind dadurch inspiriert. Aus anthroposophischer Sicht ist es letztlich die Ich-Organisation, die für Art und Umfang der Selbstregulation verantwortlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Das Wesen der Heilwirkungen in Mensch und Substanz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das im Titel von Kapitel VII angesprochene ‚Wesen der Heilwirkungen‘ bezieht sich zum einen auf das Ich-Wesen des Menschen selbst und zum anderen auf das Wesenhafte der Substanzbildung durch die Abbau- und Aufbauvorgänge, für deren Qualität die Ich-Organisation ebenfalls verantwortlich ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Begrifflichkeit ‚Substanz‘ hat im Lateinischen die Konnotation des sub, d.h. des ‚darunter‘ liegenden Materiellen. Im Griechischen hat das Wort ουσια noch die Doppelbedeutung von ‚Wesen‘ und ‚Substanz‘:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* D.h. die im Nervensystem zerfallende Substanz &#039;&#039;&#039;entlässt geistige Formkraft&#039;&#039;&#039;, geistig Wesenhaftes. Hier wird die Ich-Organisation zum Träger des bewussten Geisteslebens.&lt;br /&gt;
* Im Gewebeaufbau aus dem Blut hingegen &#039;&#039;&#039;werden gestaltende Formkräfte aufgenommen&#039;&#039;&#039;. Hier wird die im unbewussten Körperleben schaffende Ich-Organisation im Substanzstrom von Blutgewebe und Muttermilch wie getragen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Dreifache Entfremdung der Substanz im Menschen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im Kapitel I war das Schicksal der Substanz im menschlichen Organismus als ein dreifacher Entfremdungsprozess geschildert worden. Diese Begrifflichkeit mag zunächst erstaunen, ist aber sehr präzise gemeint. Im Zuge des Verdauungsprozesses wird die Nahrungssubstanz aus dem Lebenszusammenhang von Pflanze und Tier heraus in den abgebauten mineralischen Zustand versetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# In der &#039;&#039;&#039;Neubelebung&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;durch den Ätherleib&#039;&#039; des Menschen geschieht ein erster Entfremdungsschritt. &lt;br /&gt;
# In dem darauffolgenden Prozess der &#039;&#039;&#039;Durchseelung&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;durch den Astralleib&#039;&#039; wird die Substanz weiter ihrem mineralischen Zustand entfremdet.&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;Durch die Arbeit der Ich-Organisation&#039;&#039; an der Substanz erreicht sie ihre höchste Entfremdungsstufe vom Physisch-Mineralischen, indem sie &#039;&#039;&#039;Geist tragend&#039;&#039;&#039; wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Dienst der Ich-Organisation kommt die Substanz sozusagen wieder aus der Fremde ‚nach Hause‘, indem sie erneut zum Wärmezustand vergeistigt wird und nicht mehr stofflich fassbar ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Selbstheilungskräfte (aus dem Blut) aktivieren lernen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel VII werden die Selbstheilungskräfte nicht mit Blick auf ihre Funktion als körperliche Schutz- und Abwehrmechanismen des Immunsystems geschildert. Vielmehr werden sie als diejenigen Kräfte dargestellt, die dem Blut innewohnen, das den dreigliedrigen Organismus versorgt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* einerseits in Form der &#039;&#039;&#039;weißen Blutzellen&#039;&#039;&#039;, die für die körperliche Abwehr verantwortlich sind, &lt;br /&gt;
* insbesondere aber auch in Form der &#039;&#039;&#039;Tätigkeit der roten Blutkörperchen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* und der &#039;&#039;&#039;übrigen Bestandteile des Blutes&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Blut als Ganzes ist als Instrument der Ich-Organisation Träger der Selbstheilungskräfte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fortgang der Evolution wird maßgeblich von der Art und Weise mitbestimmt werden, wie der Mensch seine von der Natur emanzipierten ‚außerkörperlich‘ wirksamen seelisch-geistigen Potentiale handhabt – zum Segen oder Schaden seiner Mitwelt und seiner selbst. So trägt auch die Art des Umgangs mit dem eigenen Gedanken-, Gefühls- und Willenspotenzial zur Stärkung oder zur Schwächung der Regulationsfähigkeit der Ich-Organisation bei, was sich langfristig auf die gesamte weitere Entwicklung des betreffenden Menschen auswirkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist interessant, dass Rudolf Steiner und Ita Wegman in diesem Kapitel, das den Selbstheilungskräften gewidmet ist, &#039;&#039;„Stockungen im Unterleibe“[4]&#039;&#039; als Beispiel für die unzureichende Heilwirkung des Organismus anführen. Sehr oft sind Verstopfungssymptome und Darm-Koliken Ernährungs- und lebensstilbedingte Verdauungsstörungen, d.h. Probleme, deren Lösung in der Selbstverantwortung liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[5]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27, Kap. VII.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Siehe FN 1, S. 38.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Esch (2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe FN 1, S. 40.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== HEILENDE VERBINDUNG VON MENSCH UND NATUR ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern stehen Mensch und Natur in einer heilsamen Verbindung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Naturstoffe zur Arzneimittelherstellung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Natur ist nicht nur Lebensraum und Existenzgrundlage des Menschen. Ihre Stoffe und Kräfte liegen auch einer Fülle von Arzneimitteln zugrunde. Anthroposophische Arzneimittel sollen dazu beitragen, dass der Organismus – wann immer sinnvoll und möglich – in die Lage versetzt wird, eine Krankheit aus eigener Kraft zu überwinden. Sie stärken die gesundenden Kräfte und sind also vor allem darauf orientiert, die Körperfunktionen wieder ins Gleichgewicht zu bringen und die Abwehrkräfte zu stärken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der anthroposophischen Arzneimittelherstellung werden mineralische, pflanzliche, metallische und tierische Ausgangsstoffe verwendet: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gängige mineralische Substanzen sind u.a. Quarz, Schwefel oder Kalk.&lt;br /&gt;
* Bekannte Heilpflanzen sind z.B. Arnika, gelber Enzian oder Kamille.&lt;br /&gt;
* Als Metalle kommen häufig Gold, Silber, Kupfer, Eisen und Zinn in potenzierter Form zum Einsatz.&lt;br /&gt;
* Zu den tierischen Ausgangssubstanzen gehören z. B. Insektengifte von Biene, Ameise, Hornisse sowie Organextrakte von Säugetieren (aus Leber, Thymusdrüse, Nieren, Nerven u.a.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Reicher Arzneimittelschatz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Alle anthroposophischen Medikamente werden nach komplexen Vorgaben der von Rudolf Steiner und Ita Wegman begründeten anthroposophischen Medizin hergestellt.[1] Die meisten Ausgangsstoffe werden in hoher Verdünnung (homöopathisch potenziert) eingesetzt, nur sehr selten konzentriert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophische Arzneimittel enthalten häufig mehrere Inhaltsstoffe. Diese sind nicht nur kombiniert, sondern komponiert. Wie bei einem Orchester, so kommt es auch bei einem zusammengesetzten Arzneimittel darauf an, in welchen Anteilen die verschiedenen Einzelkomponenten gemischt sind. In dieser Art gemischt, ergeben sie eine andere Wirkung denn als Einzelbestandteile. So wie ein Orchester anders klingt als eine Violine allein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anthroposophische Arzneimittelschatz umfasst etwa 2000 Substanzen, Kombinationen und eine Vielzahl von Darreichungsformen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ampullen, Augentropfen, Dilutionen, Einreibungen (ölige), Emulsionen, flüssige Verdünnungen, Flüssigkeiten zur Inhalation, Flüssigkeiten zur äußeren Anwendung, Gelate, Globuli, Granulate, Injektionen, Kapseln, Lotionen, Metallspiegelfolien, Mischungen, Nasentropfen (ölige), Öle, Pasten, Pflaster, Puder, Pulver, Salben (fettarm), Salben, Sirup, Tabletten, Tees, Tinkturen zum äußeren Gebrauch, Triturationen, Tropfen, Vaginalglobuli, Vaginaltabletten, Verdünnungen (wässrige), Zäpfchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Der Mensch als umgekehrte Pflanze&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aus anthroposophischer Sicht gleicht der Mensch einer umgekehrten Pflanze: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* So wie der Mensch seine Nahrung – in Form von Nahrungsmitteln, aber auch als „seelische“ oder „geistige“ Nahrung in Form von Gedanken, Worten, Tatsachen aus Kunst und Wissenschaft, über den Kopf – aufnimmt, so versorgt sich die Pflanze über ihre Wurzeln mit den nötigen Nährstoffen.&lt;br /&gt;
* Umgekehrt verhält es sich mit der Fortpflanzungsregion. Diese ist bei der Pflanze oben, Luft und Licht gegenüber geöffnet, wohingegen sie beim Menschen nach unten und innen gelagert ist, zur Erde hin.&lt;br /&gt;
* Beiden gemeinsam ist, dass in der Mitte – bei der Pflanze über die Blätter, beim Menschen über die rhythmischen Funktionen von Atmung und Kreislauf – der Gasaustausch stattfindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Umgekehrte Wirkung der Pflanze auf den Menschen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
So wirken die Anwendungen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* von &#039;&#039;Wurzeln&#039;&#039; unterstützend und heilend bei Erkrankungen der &#039;&#039;Kopf- und Nerven-Sinnesorganisation&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* Teeabkochungen und -zubereitungen aus &#039;&#039;Blättern&#039;&#039; bei Störungen der &#039;&#039;rhythmischen Funktionen&#039;&#039; (insbesondere von Herz und Lunge),&lt;br /&gt;
* Zubereitungen aus &#039;&#039;Früchten&#039;&#039; bei &#039;&#039;Stoffwechsel- und Verdauungsstörungen&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entsprechendes gilt für die Ernährung. Wer darauf achtet, dass der Anteil von Wurzeln, Blattgemüse, Früchten und Samen ausgewogen ist, sorgt für eine an den Bedürfnissen des ganzen Körpers orientierte Ernährung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim therapeutischen Einsatz von mineralischen, pflanzlichen und tierischen Substanzen gilt es, „die Weltaufgabe dieser Substanzen zu verstehen“. Steiner regte an zu erforschen, welche Aufgabe ein bestimmtes chemisches Element oder eine Stoffkombination wie Wasser, Salz, Asche, Gerbstoffe oder Pyrit im Haushalt der Natur innehat. Die Signatur dieser Aufgabe bzw. Tätigkeit sagt auch aus, welche Wirkung die betreffende Substanz im menschlichen Organismus entfalten kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Menschen als Mikrokosmos kennenzulernen im Kontext der großen Weltentwicklung mit ihren Prozessen und Stoffzusammenhängen – nach alter Tradition Makrokosmos genannt – ist der Schlüssel zum Verständnis der anthroposophischen Arzneitherapie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Artikel in der Deutschen Apothekerzeitung DAZ Nr. 39, 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Seiner und Ita Wegmann, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27, Dornach 1935.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== SUBSTANZ-ERKENNTNIS ALS GRUNDLAGE FÜR HEILMITTEL-ERKENNTNIS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was meint Rudolf Steiner mit der Weltenaufgabe der Substanzen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was wird anhand der Beispiele Ameisensäure und Oxalsäure im Hinblick auf ihre Wirkung im Zellstoffwechsel aufgezeigt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern muss der Organismus als Tätigkeitszusammenhang begriffen werden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Weltenaufgabe der Substanzen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel XVII von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; liegt der Fokus auf einer konsequent prozessorientierten Substanz-Erkenntnis, über die Rudolf Steiner im Ärztekurs für die jungen Mediziner schreibt, dass es die Aufgabe des Arztes sei, &#039;&#039;„die Weltenaufgaben der Substanzen zu erkennen“.[2]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;„Grundlegendes…“&#039;&#039; formulieren die Autoren es so: &#039;&#039;„Wer die Wirkung von Heilmitteln beurteilen will, muss ein Auge haben für die Kräftewirkungen, die sich im menschlichen Organismus ergeben, wenn eine Substanz, die außer demselben gewisse Wirkungen zeigt, in irgendeiner Art in ihn eingeführt wird.“[3]&#039;&#039; Etwas von dieser ‚Weltenaufgabe‘ wird dort anhand der Ameisensäure und der Kleesäure aufgezeigt und damit auf die Bedeutung dieser Blickrichtung für bestimmte Prozesse im menschlichen Zellstoffwechsel hingewiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Beispiel: Aufgabe der Ameisensäure ====&lt;br /&gt;
Ameisensäure wird vom Menschen mit der Nahrung in der Regel nicht aufgenommen. Sie wird im Tierreich gebildet und als Abwehrstoff, insbesondere der Insekten, ausgeschieden – selten auch bei Pflanzen, wie z.B. in den Brennhaaren der Brennnesseln. Ihre ‚Weltaufgabe‘ ist inzwischen gut erforscht: Die rote Waldameise ist für die Gesunderhaltung der Wälder unentbehrlich. Sie steht daher auch unter Naturschutz, seitdem man ihre Bedeutung für die ‚Lebensgemeinschaft Wald‘ erkannt hat. Um einen Ameisenbau herum vernichtet jedes Volk pro Tag zehntausende Schädlinge bzw. deren Larven und Raupen (wie z.B. Borkenkäfer- und Blattwespenlarven) sowie Kadaver und Pilzmyzel in morschem Holz. So hilft die Ameisensäure dem Mikrobiom des Bodens, die verwesenden Pflanzenreste und das modernde Holz zu verarbeiten. Auch verbreiten Ameisen auf ihren Wegen tausende von Samen und tragen so zur Vielfalt im Wald bei sowie zur Verbesserung der Bodenbeschaffenheit. Instrument für ihre wertvollen reinigenden Tätigkeiten ist die Ameisensäure mit ihrer aggressiven Toxizität.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Beispiel: Aufgabe der Oxalsäure ====&lt;br /&gt;
Die Oxal- bzw. Kleesäure hingegen findet sich in allen Pflanzen und den meisten Bakterien und in unterschiedlichen Mengen in vielen Nahrungsmitteln wie z.B. in schwarzem Tee, Mangold oder Rhabarber. Nach der Aufnahme muss sie dann im Organismus zu ausscheidungsfähigen Endprodukten abgebaut werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein ‚Zuviel‘ führt zusammen mit Calcium im Darm zu schwer löslichen Salzen (Oxalaten), was Anlass geben kann für die Bildung von Blasen- und Nierensteinen. Oxalsäure ist ein pflanzliches Gift – für den Menschen können bereits Gramm-Mengen tödlich sein.[5] Als Kalzium-, Magnesium- oder Kaliumsalze sind die Oxalate allgegenwärtig und aus dem Zellstoffwechsel der Lebewesen nicht wegzudenken – bis hin zu den meisten Pilzen und Bakterien. Im Gegensatz zur Ameisensäure entfaltet die Oxalsäure ihre Wirkung nicht in dem Zwischenbereich zwischen dem Mineralisch-Physischen und dem Ätherisch-Lebendigen. Sie hat ihre Aufgabe in der Lebenswelt der Pflanzen – aber als Giftsubstanz im Grenzgebiet zum astralischen Kräftebereich. Da Gifte auch in schwacher Dosierung immer lebensfeindlich sind, regen sie den Organismus dazu an, auf unterschiedlichen Wegen diese Gifte schnellstmöglich abzubauen oder in Verbindung mit anderen Substanzen unschädlich zu machen. Diese Abbauvorgänge dienen im Organismus der Tiere und der Menschen der Bewusstseinsbildung, die sich, wie mehrfach erwähnt, auf Abbauvorgänge stützt.[6]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Biochemisch handelt es sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* bei der &#039;&#039;&#039;Ameisensäure&#039;&#039;&#039; um die einfachste Monocarbonsäure (Formica, HCOOH, ihre Salze heißen Formiate)  &lt;br /&gt;
* und bei der &#039;&#039;&#039;Oxal- bzw.&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Kleesäure&#039;&#039;&#039; um die einfachste Dicarbonsäure (Acidum oxalicum, HOOC-CO-CH2-COOH, ihre Salze heißen Oxalate).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Notwendige Verwandlung von Oxalsäure in Ameisensäure&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner hat erstaunlich oft über die Bedeutung der biochemischen Verwandlung von Oxal- in Ameisensäure gesprochen.[7] Den Prozess der Bildung von Oxalsäure, der hauptsächlich in den Verdauungsorganen stattfände, hielt er für eine notwendige Grundlage dafür, dass der Mensch überhaupt leben könne – grundlegend also dafür, dass die Ätherkräfte zur Wirksamkeit kommen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihre Umwandlung in Ameisensäure aber sei eine entsprechende Grundlage für das Wirksamwerden der astralischen Kräfte in der physisch-ätherischen Konstitution. In einem Ärztevortrag führt er weiter aus, dass man im Falle der Ameisensäure dahin kommen müsse zu erkennen, dass sie im Menschen, wie auch draußen in der Natur, die Aufgabe hat, gegenüber den Prozessen des Alterns, des Absterbens und des Vermoderns immer wieder weiteres Leben, weitere Entwicklung zu ermöglichen.[8] Auch führt er aus, dass &#039;&#039;„die heutige Physiologie“&#039;&#039; diese Prozesse erst finden müsse.[9]&amp;lt;sup&amp;gt;,&amp;lt;/sup&amp;gt; [10]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner und Wegman sahen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* in der &#039;&#039;&#039;Ameisensäure&#039;&#039;&#039; die Schlüsselsubstanz im Stoffwechsel des tierischen Organismus &lt;br /&gt;
* und in der &#039;&#039;&#039;Oxalsäure&#039;&#039;&#039; die Schlüsselsubstanz im pflanzlichen Zell-Metabolismus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Organismus als Tätigkeitszusammenhang begriffen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Abs. 2 wird deutlich gemacht, wie entscheidend es für einen Organismus ist, eine Substanz nicht nur zu besitzen, sondern auch den Bildeprozess zum Aufbau dieser Substanz zu leisten. Im Tun liegt das Wesen des Organismus, nicht in seinen Substanzen. Der Organismus ist nicht ein Stoffzusammenhang, sondern ein Tätigkeitszusammenhang. Der Stoff trägt den Anreiz zur Tätigkeit in sich. Hat er diesen Anreiz verloren, so hat er für die Organisation keine weitere Bedeutung.[11]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter diesem Gesichtspunkt kann auch die jeweilige Aufgabe der Ameisensäure und der Kleesäure im menschlichen Organismus verstanden werden. Hier ‚dienen‘ diese Substanzen der Ich-Organisation: &#039;&#039;„Die Ich-Organisation braucht diesen Übergang der organischen Substanz in den leblosen Zustand. Aber sie braucht eben den Vorgang des Überganges; nicht, was dann durch den Übergang entsteht. Ist nun das nach dem Leblosen hin sich Entwickelnde gebildet, so wird es im Innern des Organismus zur Last. Es muss entweder unmittelbar abgesondert werden oder aufgelöst, um mittelbar hinwegzukommen. Geschieht nun für etwas, das aufgelöst werden sollte, diese Auflösung nicht, so häuft es sich im Organismus an und kann die Grundlage für gichtische oder rheumatische Zustände bilden.“[12]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Biologie werden die Phänomene dieses Übergangs zwischen Abbau und Aufbau im Falle der Gesundheit als metabolische Homöostase beschrieben, wobei deren ‚Regulator‘ ein noch nicht gefundener Faktor ist. Es wird aber das Erstaunen zum Ausdruck gebracht darüber, dass unabhängig davon, was und wieviel man gerade isst oder nicht und wieviel Oxalacetat man gerade mit der Nahrung aufgenommen hat oder nicht, die Substanzen im sogenannten Stoffwechsel-Pol der Zellen konstant gehalten werden. D.h. in den Zellen sind die Enzyme des Katabolismus (Abbau) und Anabolismus (Aufbau) normalerweise derart reguliert, dass ein Gleichgewicht gewahrt bleibt. Wird dieses Gleichgewicht jedoch gestört, bedeutet dies den Beginn krankhafter Prozesse.[13]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[14]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, Ga 27, Kap. XVII.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Meditative Betrachtungen und Anleitungen zur Vertiefung der Heilkunst. Vorträge für Ärzte und Medizinstudierende,&#039;&#039; GA 316, S. 22.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Siehe FN 1, S. 82.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Der Kern eines Ameisenhaufens ist meist in alten Wurzelstöcken von Nadelhölzern oder Eichenstämmen angesiedelt; das Zusammenleben in der Ameisenkolonie ist ausgeprägt sozial. Eine Königin lebt bis zu 20 Jahre, Arbeitsameisen 5–6 Jahre. Sie entwickeln sich in klar definierten Temperaturbereichen (Ameisenpuppen brauchen 31°, Larven 28°, die Entwicklung der Eier nur 25°). Vgl. Jirikowski (2010), 105–107.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. Wollrab (2014), 621.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Vgl. Wolff (2013), 85, 263–269.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Mysteriengestaltungen,&#039;&#039; GA 232, 13. Vortrag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Vgl. FN 1, S. 22f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. FN 11, S. 193–195.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Dazu muss aus anthroposophisch-medizinischer Sicht gesagt werden, dass die geisteswissenschaftliche Biochemie, für die Hauschka und Wolff die Grundlagen erarbeitet haben (Vgl. Hauschka 2007, Wolff 2013), auf dem jeweils neuesten Stand der biochemischen Forschung weiter erarbeitet werden muss. Denn die Zusammenschau der Wesensglieder-Tätigkeiten als ganzheitliche Regulatoren und die immense Faktenfülle der molekulargenetischen Einsichten in das hochkomplexe Regelkreisgeschehen der Zellatmung ist für eine umfassende Integrativmedizin unverzichtbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Siehe FN 1, S. 82.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13]  Vgl. Sadava u. a. (2019), 265–271.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ANTHROPOSOPHISCHE HEILMITTEL-ERKENNTNIS AM BEISPIEL VON ANTIMON ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welcher Blickwinkel ist grundlegend im Hinblick auf die anthroposophische Heilmittel-Erkenntnis?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern weist Antimon Ähnlichkeiten mit dem Ätherischen auf?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wird es, auch in Kombination mit Schwefel, therapeutisch eingesetzt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wirksamkeit von Substanzen im Kontext irdisch-menschlicher Kraftsysteme&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel XVI von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; geht es um anthroposophischen Heilmittel-Erkenntnis. Die Grundlage davon ist der Blick auf das Verhalten bzw. die Wirksamkeit einer Substanz im Bereich der in Kapitel I geschilderten Kraftsysteme. Dabei geht es insbesondere um die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* von der Erde ausstrahlenden &lt;br /&gt;
* und in sie einstrahlenden Kräfte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„[...] es kommt darauf an, die Wirkungen zu beobachten, die sich aus dem Zusammenhange der inneren Kräftekonstitution einer Substanz im Verhältnis zu den Kräften ergeben, die von der Erde ausstrahlen oder in sie einstrahlen.“[2]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Antimon, Schwefel und die Austernschalenbildung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Diese Wirkungen werden am Beispiel des Antimons in seiner Beziehung zum Schwefel in Form des in der Natur vorkommenden Grauspießglanzes aufgezeigt (Sb2 S3, auch als Antimonit bzw. Stibnit bekannt), sowie an der Austernschalenbildung, die zum Verständnis der Typhusbehandlung beiträgt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Antimon ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Antimon&#039;&#039; kam bereits in der ägyptischen Medizin zur Anwendung, nimmt bei Paracelsus eine zentrale Stellung ein und hat bis in die Gegenwart immer neue Einsatzmöglichkeiten erfahren. Chemisch ist es dem Arsen verwandt und eine Menge von 100 mg bis etwa 1200 mg kann bereits tödlich sein. Eine gute Übersicht über seine Verwendung – einschließlich in der Anthroposophischen Medizin – findet sich bei &#039;&#039;Marxer[3]&#039;&#039; Die Bezeichnungen Antimon und Stibium für das chemische Symbol Sb stammen von den lateinischen Wörtern &#039;&#039;antimonium&#039;&#039; und &#039;&#039;stibium&#039;&#039; ab, die schon im Altertum für den Grauspießglanz verwendet wurden.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Schwefel ====&lt;br /&gt;
Schwefel ist eines der seltenen Minerale, die in kristallisierten polymorphen Formen in der Natur rein vorkommen und in der Struktur der orthorhombischen Raumgruppe Fddd die typisch gelbe α-Kristallform zeigen. Schwefel steht mit einem Anteil von geschätzt 0,048 Gew.-% an 15. Stelle unter den häufigsten Elementen der uns bekannten Erdkruste. Er wurde in Kometenschweifen nachgewiesen, ist auf der Erde zum einen vulkanischen Ursprungs und stammt zum anderen aus der Biosphäre von Bakterien, die aus schwefelhaltigen Mineralien Schwefel aufnehmen und Sedimente bilden sowie von Pflanze, Tier und Mensch, da er im Eiweißaufbau durch die beiden schwefelhaltigen Aminosäuren &#039;&#039;Cystin&#039;&#039; und &#039;&#039;Methionin&#039;&#039; festgebunden ist. Durch seinen niedrigen Schmelzpunkt und seine Fähigkeit zu sublimieren, verbindet er sich leicht über Luft und Wasser mit anderen Substanzen und realisiert so den alle Reiche der Natur verbindenden Schwefelkreislauf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Symptomatisch dafür ist auch eine ungewöhnliche mechanische Eigenschaft der Grausspießglanz-Kristalle: Sie zeigen eine auch an größeren Kristallen bei geringem Kraftaufwand fühlbare Biegsamkeit. Diese beruht auf einer geregelten innerkristallinen Gleitung, wie sie auch beim Eis und beim Steinsalz vorliegt – Substanzen, die für alle Lebewesen essenziell sind.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Austernschale ====&lt;br /&gt;
Die Austernschale ist als komplexes Kalkmineral schützendes Außenskelett der Auster und damit ein Mineral, ausgeschieden aus dem Lebensprozess eines Tieres bzw. einer Muschel. In ihrer therapeutischen Verwendung ist sie insbesondere in der Homöopathie bekannt mit dem Arzneimittelbild &#039;&#039;Calcium carbonicum&#039;&#039;. Sie wird zu den Vielkönnern oder Polychresten gezählt (von gr: πολύς - viel und χρηστός  - brauchbar).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Hinweise auf die Verwandtschaft von Antimon mit dem Ätherischen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Zusammenwirken von Zentral- und Universalkräften ====&lt;br /&gt;
Dadurch, dass das Antimon sich leicht und stabil mit dem Schwefel zu den orthorhombisch geformten Grauspießglanz/Antimonit-Kristallen verbindet, kann es die Neigung des Schwefels, in der Welt des Lebendigen aktiv zu werden und dadurch auch im Sinne der auf die Erde einstrahlenden ätherischen Kräfte zu wirken, unterstützen. Unter diesem Aspekt ist die Art und Weise, wie das Antimon in seiner Verbindung mit dem Schwefel kristallisiert, charakteristisch. Es kristallisiert in prismatisch-nadeligen grauschwarzen Kristallen, von feinst ziseliert bis zentimeterstark, immer von einem Zentrum weg – wenn der Kristallisationsprozess nicht durch äußere Umstände gestört wird. Dabei erstrecken sich die Antimonit-Nadeln radial in die Peripherie, wobei die Länge der Kristalle durchaus auch 1 m überschreiten kann. Wo er nur kann, strebt Antimonit die büschelförmige Gestaltung an. Er gliedert sich damit in Linien, die von der Erde weg- und den Kräften entgegenstreben, die im Äther wirken. Durch diese Kristallisationsweise bringt das Antimon das Zusammenwirken der Zentral- und der Universalkräfte wie archetypisch zum Ausdruck.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man bringt mit dem Antimon somit etwas in den menschlichen Organismus, das der Wirkung des Ätherleibes auf halbem Wege entgegenkommt.[6] Antimon kann dadurch im Körper die eiweißbildenden Kräfte zusammenhalten und so die Tätigkeit der Ich-Organisation im Eiweißaufbau unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Feinfaserigkeit durch Seigern ====&lt;br /&gt;
Auch dasjenige, was im Seigerprozess mit dem Antimon vor sich geht, weist auf die Äther-Verwandtschaft dieses Stoffes hin. ‚Seigern‘ kommt von dem gegenwärtig nicht mehr oft gebrauchten Wort etwas z.B. durch ein Sieb ‚durchseien‘. Unter ‚Seigerungen‘ versteht man daher Trennprozesse in gemischtem Schmelzgut. Es wird durch diesen Prozess feinfaserig.[7]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Niedriger Schmelzpunkt ====&lt;br /&gt;
Da das Antimon bereits bei 547° schmilzt, fließt es auf schräger Unterlage leicht aus dem Antimon haltigen Schmelzgut heraus, wo es dann bei Abkühlung zu 92–98 % reinem &#039;&#039;antimonium crudum&#039;&#039; kristallisiert.[8] Der niedrige Schmelzpunkt von 547° zeigt zudem die Nähe dieser mineralischen Substanz zum flüssigen Aggregatzustand, in dem die ätherischen Kräfte ihre Wirkung entfalten können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor diesem Hintergrund heißt es in dem oben erwähnten Werk:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Alles dieses zeigt, dass im Antimon die Tendenz enthalten ist, in das Ätherelement in dem Augenblick leicht überzugehen, in dem dazu die Bedingungen auch nur in geringem Grade vorhanden sind. Dem geistigen Schauen gelten alle diese Einzelheiten nur als Andeutungen; denn dieses nimmt die Beziehung zwischen Ich-Tätigkeit und Antimon-Wirksamkeit unmittelbar so wahr, dass die Antimonprozesse, in den menschlichen Organismus gebracht, so wirken, wie die Ich-Organisation.“[9]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zwei Indikationen als Beispiele für den Einsatz von Antimon&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aus dem breiten Spektrum der therapeutischen Einsatzmöglichkeiten werden nun zwei Indikationsgebiete an die Schilderung des Arzneimittelbildes angeschlossen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;&#039;Blutgerinnungsstörungen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
# und &#039;&#039;&#039;Typhus abdominalis/Parathyphus&#039;&#039;&#039;, eine gefährliche bakterielle Infektionskrankheit des Magen-Darmtraktes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während eine Therapie mit &#039;&#039;Antimon&#039;&#039; oder &#039;&#039;Stibium metallicum praep.&#039;&#039; bei Blutungsneigung aus der Darstellung des Arzneimittelbildes unmittelbar hervorgeht, ist dies für den Thyphus nicht so ohne weiteres ersichtlich – zumal dieser ja heute erfolgreich antibiotisch behandelt werden kann (Sterblichkeitsrate unter 1 %) und die Impfung bei Einreise in betroffene Gebiete empfohlen wird.[10]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Arzneimittelbild der Austernschale und Typhus&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was macht also eine Begleitbehandlung oder Alternativbehandlung zur Vermeidung des Einsatzes von Antibiotika sinnvoll?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um dies zu verstehen, braucht es – wie oben bereits angedeutet – zum Vergleich das Arzneimittelbild der Austernschale. Hier liegt ein Naturprozess vor, der etwas vollzieht, was für die Muschel richtig ist, für den Menschen aber zur Ursache typhöser Durchfall-Erkrankungen werden kann. Die Auster sondert in ihre Schale das kalkartig Mineralische ab:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Bei der Auster wird das Kalkartige abgesondert, um es der Eiweißwirkung nicht einzugliedern. Im menschlichen Organismus muss diese Eingliederung stattfinden. Die bloße Eiweißwirkung muss in eine solche umgewandelt werden, in der mitwirkt, was im Kalkartigen durch die Ich-Organisation an gestaltenden Kräften hervorgerufen werden kann. Das muss sich innerhalb der Blutbildung abspielen. Das Antimon wirkt der kalkausscheidenden Kraft entgegen und führt das Eiweiß, das seine Form bewahren will, durch seine Verwandtschaft mit dem Äther-Elemente in die Formlosigkeit hinüber, die für die Einflüsse des Kalkartigen oder Ähnlichem empfänglich ist.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Beim Typhus ist es klar, dass der krankhafte Zustand in einer mangelnden Überführung der Eiweißsubstanz in gestaltungsfähige Blutsubstanz besteht. Die Form der Diarrhöen, die auftritt, zeigt, dass schon im Darm die Unfähigkeit zu dieser Umwandlung beginnt.“[11]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Heilung der konstitutionellen Dysfunktionalität&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[12]&#039;&#039; heißt es&#039;&#039;,&#039;&#039; dass die Abwehrstoffe und Killerzellen eines guten Immunsystems im Blut zirkulieren, welches wiederum &#039;&#039;das&#039;&#039; Organ der Ich-Organisation ist.[13] Kann nun mithilfe einer Konstitutionsbehandlung, z.B. mit einem Antimonpräparat, und je nach Situation auch noch kombiniert mit anderen Heilmitteln, die Ich-Organisation und damit ihr Einfluss auf die Gestaltungskräfte im Blut gestärkt werden, so werden die Bakterien nicht nur beseitigt, wie es über eine antibiotische Therapie geschieht, sondern zugleich das Milieu saniert und damit künftigen Infektionen vorgebeugt. Das entspräche einer integrativen Therapie, die sich nicht nur auf die Beseitigung der Symptome konzentriert, sondern auf die Heilung der konstitutionellen Dysfunktionalität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dem erwähnten Werk schreiben die Autoren: &#039;&#039;„Wendet man bei typhösen Erscheinungen Antimonpräparate in entsprechender Zusammensetzung an, so erweisen sich diese als Heilmittel. Sie entkleiden die Eiweißsubstanz ihrer Eigenkräfte und machen sie geneigt, den Gestaltungskräften der Ich-Organisation sich einzufügen.“[14]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbstverständlich hat der primäre Fokus auf die Symptombeseitigung überall da seine Berechtigung, wo sie Leben rettet, weil die Abwehrkräfte des Körpers zu schwach sind für die notwendige Selbstregulation. Wo diese Möglichkeit jedoch gegeben ist, kann differenzierter vorgegangen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Wer Exaktheit nur in dem sieht, was die Chemie – auch die pharmazeutische – feststellt, der vernichtet die Möglichkeit, Anschauungen darüber zu gewinnen, was im Organismus bei Heilungsvorgängen geschieht.“[15]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[16]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ebenda, S. 77.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Vgl. Marxer (2000), siehe www.pharmazeutische-zeitung.de/titel-10- 2000; [6.1.2025].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Vgl. Holleman und Wiberg (2017), 940.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. Wimmenauer (1992), 223.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Siehe FN 1, S. 78.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Vgl. Holleman und Wiberg (2017), 942.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Siehe FN 1, S. 78f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Typhus ist weltweit verbreitet – besonders in warmen Ländern. Er wird durch kontaminierte Lebensmittel bzw. Trinkwasser übertragen und ist eine schwere Allgemeinerkrankung, die durch das Bakterium Salmonella typhi ausgelöst wird. Als Paratyphus bezeichnet man ein abgeschwächtes Krankheitsbild, dessen Erreger Salmonella Paratyphi A, B oder C ist. Übertragen wird die Infektion durch Trinkwasser oder Lebensmittel, die mit Fäkalien von infizierten Personen verunreinigt wurden. Leitsymptome sind hohes Fieber, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, langsamer Puls, trockener Husten, Bauchschmerzen, Milzvergrößerung und manchmal ein blasser, kleinfleckiger Ausschlag am Körper. Ein milder Verlauf ist möglich, doch manchmal kommt es zu schweren Komplikationen wie massiven Darmblutungen oder Abszessen in verschiedenen Organen. Durch den Einsatz von Antibiotika kann die Sterblichkeit auf unter 1% gesenkt werden. In Deutschland ist die Krankheit meldepflichtig – dem Bundesamt für Gesundheit werden pro Jahr zwischen 20 und 50 Fälle gemeldet. Wichtigste Mittel zur Vorbeugung sind Körperhygiene und Verzicht auf frische Salate und ungeschältes Obst – nach dem Ernährungsmotto: Cook it, peel it or forget it. Siehe www.bag.admin.ch/bag/de/home/krankheiten/krankheiten-im-ueberblick/typhus-abdominalis-paratyphus.html; [6.1.2025].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Siehe FN 1, S. 80.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“, GA 27.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] Siehe FN 3, Kapitel VI.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] Siehe FN 3, S. 80.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[15] Ebenda, S. 81.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[16] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ARZNEIMITTEL-SUBSTANZGRUPPEN UND WESENSGLIEDER ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Auf welchen Ebenen und worüber ist der Mensch mit der Natur innig verbunden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Naturanteile machen seine Konstitution aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wesensglieder und ihre Einbettung in die Natur&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Physischer Leib und Natur ====&lt;br /&gt;
Schon ein oberflächlicher Blick auf die Verbundenheit von Natur und Mensch zeigt, wie der Mensch die kristallinen Strukturen seines Körpers mit den Mineralien der ihn umgebenden Natur gemeinsam hat. Dieser sichtbare, mineralisch erscheinende Leib wird in der anthroposophischen Menschenkunde „Physischer Leib“ genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ätherleib und Natur ====&lt;br /&gt;
Werden und Vergehen, Leben und Sterben hat der Mensch mit der Pflanzenwelt gemeinsam. Diese Gesetzmäßigkeiten in ihrem Zusammenhang nennt Steiner „Ätherleib“, weil ohne das blaue Himmelslicht (griechisch o aither) kein Leben auf der Erde möglich wäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Astralleib und Natur ====&lt;br /&gt;
Atmung, Bewegung, Bewusstsein, Schmerz und Triebleben hat der Mensch mit den Tieren gemeinsam. Diese das Seelenleben konstituierenden Gesetze heißen in ihrer Gesamtheit „Astralleib“ von aster, lateinisch Stern. Die menschliche Seele fühlt sich der Sternenwelt mit ihren Rhythmen und Konstellationen verwandt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Rein menschliche Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Die Fähigkeit jedoch, lebenslang lernen und immer wieder neu und anders kulturschöpferisch tätig sein zu können, ist spezifisch menschlich. Daher gibt Steiner diesem die „Ich-Natur“ des Menschen möglich machenden Gesetzes-Zusammenhang den Namen „Ich-Organisation“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Mensch durch diese vier verschiedenen Gesetzes-Zusammenhänge sein Wesen sowohl integriert als auch differenziert äußern kann, gab Steiner ihnen den Namen „Wesensglieder“.[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Arzneimittelwirkung auf die Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Substanzgruppen aus dem Mineral-, Pflanzen-, Tier- und Menschenreich haben einen therapeutischen Bezug zu diesen Wesensgliedern:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Menschliche Substanz wie Muttermilch und in Form einer Blutspende stützt und erhält den physischen Leib.&lt;br /&gt;
* Präparate aus dem Tierreich regen den Ätherleib zu verstärkter Tätigkeit an,&lt;br /&gt;
* pflanzliche Arzneimittel wirken regulierend auf den Astralleib&lt;br /&gt;
* und Metalle und Mineralien auf die Ich-Organisation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Potenzierungsstufen und Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Auch die Potenzierungsstufen der nach homöopathischem Verfahren hergestellten Arzneimittel haben ihren Bezug zu den Wesensgliedern:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D1 – D4:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;physischen Organismus&#039;&#039; und seines Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D5 – D8:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;ätherischen Organismus&#039;&#039; und seines Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D10 – D15:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;astralischen Organismus&#039;&#039; und seines Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D20 – D60:&#039;&#039;&#039; Anregung der &#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039; und ihres Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Bezug auf die Dreigliederung des menschlichen Organismus gilt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D1 – D6:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;Stoffwechsel-Systems&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D6 – D18:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;rhythmischen Systems&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D18 – D30:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;Nerven-Sinnessystems&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Arzneimittelschatz der Anthroposophischen Medizin umfasst dementsprechend Ausgangssubstanzen mineralischer, pflanzlicher und tierischer Herkunft, die nach besonderen Verfahren vor allem von den Arzneimittelfirmen Weleda und Wala hergestellt werden.[2] In Deutschland wurden sie aufgrund des Arzneimittelgesetzes von 1976 in der vom Bundesgesundheitsamt – später Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) – eingerichteten Kommission C für die Zulassung aufbereitet. Ein Teil dieser regulativ wirksamen Arzneimittel ist sehr gut für die Selbstmedikation geeignet.[3]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Artikel in der Deutschen Apothekerzeitung DAZ Nr. 39, 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Theosophie, Einführung in übersinnliche Welterkenntnis und Menschenbestimmung,&#039;&#039; 2003 und ders. &#039;&#039;Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft&#039;&#039;. In: &#039;&#039;Lucifer-Gnosis&#039;&#039;. GA 34. Dornach 1987, 309-344.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] International Association of Anthroposophic Pharmacists IAAP. ­Anthroposophic Pharmaceutical Codex. Stuttgart, 2014.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] M. Glöckler, B. Emde, &#039;&#039;Anthroposophische Medizin&#039;&#039;, in: &#039;&#039;Komplementärmedizin für die Kitteltasche. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation&#039;&#039;, Stuttgart 2009 und ders.: &#039;&#039;Anthroposophische Medizin&#039;&#039;, in: &#039;&#039;Komplementärmedizin für Kinder. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation&#039;&#039;, Stuttgart 2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ARZNEIMITTEL AUS DER NATUR UND WESENSGLIEDER ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen inneren Zusammenhang sieht die anthroposophische Pharmazeutik zwischen Arzneimitteln aus der Natur und den menschlichen Wesensgliedern?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Qualitäten zeichnen die Muttermilch aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern sind Schwangerschaft und Stillzeit Naturvorbilder auch für zukünftige Entwicklungsstadien?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Korrelation von Arzneimitteln und Wesensgliedern&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der Anthroposophischen Pharmazeutik sieht man eine grundlegende Korrelation von Arzneimitteln aus der Natur und den menschlichen Wesensgliedern:[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So haben &#039;&#039;&#039;Mineralien&#039;&#039;&#039; eine unmittelbare Beziehung zur &#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;: Sie unterstützen die Ich-Organisation bei der Beherrschung der physischen Verhältnisse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Heilmittel aus dem Pflanzenreich&#039;&#039;&#039; auf die &#039;&#039;astralische Organisation&#039;&#039;: Die astralische Organisation wirkt lähmend auf die ätherische – pflanzliche Arzneimittel können regulierend auf diese lähmende Wirkung Einfluss nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Organpräparate&#039;&#039;&#039; und tierische Arzneimittel auf die &#039;&#039;ätherische Organisation:&#039;&#039; Diese hat die Aufgabe, physisch-tierische Substanzen in den Lebenszusammenhang aufzunehmen, was durch astralische Impulse angeregt werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Menschliche Substanz&#039;&#039;&#039; (wie Blutkonserven und Muttermilch) wirkt unmittelbar auf den &#039;&#039;physischen Leib,&#039;&#039; sodass sich die anderen Wesensglieder wieder besser einschalten und betätigen können. Anders ausgedrückt: Menschliche Substanz steht der Ich-Organisation unmittelbar für ihre Aufgabe zur Verfügung, das Ganze des Organismus bis in das Physische hinein zu beherrschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Was Muttermilch vermag&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Studiert man die Besonderheiten rund um die Bildung von Muttermilch, so verrät dies viel über die innige Bindung zwischen Mutter und Kind durch alle vier Wesensglieder hindurch: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die Muttermilch ist nach dem aktuellen Bedürfnis des Säuglings zusammengesetzt und variiert so auch von Tag zu Tag; &lt;br /&gt;
* Stillen fördert die Rückbildung der Gebärmutter;&lt;br /&gt;
* gestillte Kinder haben weniger Infekte und überstehen sie leichter, weil die Muttermilch wichtige Abwehrstoffe der Mutter enthält;&lt;br /&gt;
* ausschließliches Stillen in den ersten sechs Monaten kann das Kind vor Allergien und Asthma schützen;&lt;br /&gt;
* Wachstum und Beweglichkeit von Magen und Darm werden unmittelbar angeregt;&lt;br /&gt;
* die Zusammensetzung der Muttermilch mit Bezug auf Kohlenhydrate, Fette, Eiweißgehalt und Mineralstoffe ist zugleich ein ‚Naturvorbild‘ für eine gesunde Ernährung;&lt;br /&gt;
* die Immuntoleranz, d.h. die Selbstregulation des Immunsystems entwickelt sich bei gestillten Säuglingen nachhaltig besser.&lt;br /&gt;
* Durch Stillen wird das Risiko des plötzlichen Kindstodes um ca. die Hälfte gesenkt und vieles mehr.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Formelmilch gefütterte Säuglinge haben eine deutlich höhere Insulinkonzentration im Plasma, was mit der Entwicklung von Adipositas und einer möglichen Zunahme von Diabetes mellitus Typ 2 im Zusammenhang steht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Abnabelungsstadien und physisch-seelisch-geistige Muttermilch&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Nach der &#039;&#039;&#039;physischen Abnabelung&#039;&#039;&#039; vom physischen Leib der Mutter als der ernährenden Umgebung während der Schwangerschaft, folgt die Stillperiode.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann folgt die langsame &#039;&#039;&#039;ätherische Abnabelung&#039;&#039;&#039; und das Sich-Emanzipieren auf ätherischer Ebene, das mit dem Ende der Nachahmungsperiode ausklingt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;&#039;seelisch-astralische Abnabelung&#039;&#039;&#039; findet im 2. Jahrsiebt statt und kulminiert mit der Pubertät. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Arbeit des Ich jedoch an der Überwindung von allen möglichen Abhängigkeiten, die seine Autonomiebefähigung einschränken, stellt eine Art &#039;&#039;&#039;geistige Abnabelung&#039;&#039;&#039; dar. Diese zu bewerkstelligen bleibt eine lebenslange Herausforderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner spricht im pädagogischen Zusammenhang wiederholt über die Bedeutung der physischen Muttermilch für den gesunden Aufbau des physischen Leibes und die damit verbundene Stärkung der Ich-Organisation des Kindes. Für die Unterstützung der oben genannten weiteren Abnabelungsprozesse im Verlaufe der Schulzeit und Jugend, braucht es die ‚seelische‘ und zuletzt ‚geistige‘ Muttermilch, die dem Menschen in Form einer nährenden Entwicklungsumgebung und verständigen Entwicklungshelfern zukommen müssen.[3]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fallen solch hilfreiche Faktoren und Entwicklungsbegleiter weg oder können nur eingeschränkt wirken, ist dies oft mit körperlichen und oder seelischen gesundheitlichen Belastungen im weiteren Leben verbunden. Diesen so weit als möglich vorzubeugen, ist der Präventionsanspruch Anthroposophischer Medizin und Pädagogik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[4]&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
----[1] Warum das so ist, geht aus den Kapiteln I bis V aus &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27,&#039;&#039; hervor, in denen die Autoren, Rudolf Steiner und Ita Wegman, die Arbeit der Wesensglieder an den Substanzströmen schildern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Vgl. Soldner und Stellmann (2018), 220–238; Glöckler u. a. (2024b), 372–392.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik,&#039;&#039; GA 293, Vortrag 2. September 1919.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== WIRKSAMKEIT EINES HEILMITTELS VERMITTELN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie vermittelt der Arzt seinem Patienten, welches Heilmittel er braucht?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist dabei zu beachten, worauf kommt es an?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wirksamkeit der Gedanken und Gefühle miteinbeziehen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ideal wäre es, mit dem Patienten über ein Heilmittel in einer Art zu sprechen, dass etwas von der Wirksamkeit desselben auf den Patienten überspringt und dieser sich freut, dass er dieses Mittel bekommt, ja, dass er dankbar dafür ist. Der Patient sollte es mit dem Gefühl nehmen, er habe etwas besonders Gutes bekommen. Denn Freude und Dankbarkeit wirken therapeutisch – sie sind nicht „Placebo“, sondern real und wirksam. Wir müssen begreifen, dass das, &#039;&#039;was&#039;&#039; und &#039;&#039;wie&#039;&#039; wir über eine Sache denken, viel mehr als nichts ist: Was jemand weiß, ist etwas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ätherleib als Träger der zeitlichen und „ewigen“ Lebenskräfte entfaltet diese Doppelwirksamkeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ihm verdankt unser Körper einerseits &#039;&#039;&#039;Leben, Regeneration, Wachstum&#039;&#039;&#039; und die individuelle Lebenszeit&lt;br /&gt;
* Andererseits verdankt der Mensch ihm sein &#039;&#039;&#039;Gedankenleben&#039;&#039;&#039;, je älter er wird, umso mehr, das sich aus all den ätherischen Kräften speist, die der Körper nicht mehr „verkörpert“ halten kann (und muss) und die er damit in die „außerkörperliche Wirksamkeit“ entlässt. Die Gedanken können über den Tod des Menschen hinaus weiterleben und ihn tragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Medikamente wirken auf beide Aspekte des Lebens – sprich: Auch was ich über etwas denke, bewirkt etwas. Wenn ich die Arnikawirkung denke, wirkt sie bereits, denn Gedanken wirken immer, sind ein reales Wirkprinzip. &#039;&#039;„Hab Sonne im Herzen, ob&#039;s stürmt oder schneit“&#039;&#039;. Wenn ich die Sonne meditiere, habe ich Licht und Wärme im Herzen, selbst wenn ich Bauchweh habe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Denken vermindert Heilkraft, positive Gefühle verstärken sie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Indem ich denke, nehme ich der ätherischen Wirksamkeit im Körper aber auch etwas weg, weil es dieselben Kräfte sind, die dem Körper zur Gesundheit verhelfen. D.h, der Körper ist am gesündesten, wenn man nicht denkt, also im Schlaf, weil da die gesamten ätherischen Kräfte (auch diejenigen, die tagsüber außerkörperlich dem Denken dienen) in den physischen Leib einziehen und an seiner Regeneration arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am besten ist es, wenn der Patient über ein Heilmittel gerade so viel weiß, dass er sich freut und ihm ein bisschen warm wird bei dem Gedanken, dass er es jetzt einnehmen darf. Denn diese positiven Gefühle teilen sich auch dem Körper mit und beeinflussen den Stoffwechsel positiv. Positive Gefühle führen dem Ätherleib vom Seelischen her positive Kräfte zu, wie dies gesunde Ernährung vom Physischen her tut. Zuviel Nachdenken über die Wirkung mindert diese jedoch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch weniger zuträglich ist es, wenn ein Patient nicht so recht weiß, wie ein Mittel wirkt, oder Angst bekommt, wenn er den Beipackzettel liest. Dann fühlt er sich verunsichert – weswegen 40 Prozent der Medikamente in den Müll und nicht in den Magen der Patienten wandern. Wieder zuhause entscheiden sie, dass es ihnen eigentlich gar nicht so schlecht geht und nehmen das verordnete Medikament lieber nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur Anthroposophischen Medizin, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== EIGENE ERFAHRUNGEN BEIM ARZTSTUDIUM ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was wirkt auf den Menschen konstruktiv bindend?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was unterstützt einen Menschen in seiner Entwicklung?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was bedeutet es eigentlich zu helfen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Womit helfe ich und was macht mich sicher, dass ich dabei nicht ein neues Problem schaffe?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fragen als Motivation fürs Medizinstudium&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ich komme ursprünglich aus der Pädagogik und habe gemerkt, wie stark mein Einfluss als Erzieher auf das Kind ist, wie stark das Vorbild wirkt, weil die Schüler alles sehr umweltoffen nachahmen, auch noch in der Oberstufe. Der Einfluss reicht bis ins Gesundheitliche hinein. Ich erlebte daran, welch riesige Verantwortung man hat durch die Art, wie man als Mensch auf andere wirkt. Ich habe mich zum Medizinstudium entschlossen, weil ich herausfinden wollte, wie es zu dieser Wirkung kommt. In dem Zusammenhang bewegten mich die oben genannten Fragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angespornt von der Begeisterung die Antworten zu finden, begann ich mein Studium. Ich war damals 25 Jahre alt, eine Spätberufene also, und hatte das Glück, die Anthroposophie parallel zum Studium studieren zu können. Ich habe sozusagen als angehende Anthroposophin Medizin studiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich fühle mich sicher und gewiss, wenn es mir gelingt, ein anatomisches Substrat, ein Ergebnis, z.B. Phasen der Embryonalentwicklung, wirklich zu verstehen: etwas denken zu können und das, was ich denke, in dem, was ich sehe, als evident wiederzuerkennen; mein Denken und meine Wahrnehmung als kongruent zu erleben; wenn das, was ich denke, auch passiert oder ich es sehe. Dazu gehört auch, das, was ich sehe, zu verstehen, dass es mir nicht ein dunkles Rätsel bleibt; ein Evidenzerlebnis zu haben. Ich hatte durch die Anthroposophie die Möglichkeit, die Medizin sensibel zu hinterfragen und mir Evidenzerlebnisse zu erarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vieles lernt man, ohne es zu verstehen. Man hat etwas festgestellt und soll es anschließend wissen. Bei uns stand über allen Examensfragen: &#039;&#039;„Der Student soll wissen, dass…“&#039;&#039; und dann kamen die Multiple-Choice-Angebote, aus denen man das Richtige heraussuchen musste. Es ist nervtötend, wenn nur Wissen abgefragt wird und kein Verständnis. Nur in den mündlichen Prüfungen ging es manchmal um echtes Verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Stoffwechsel und Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In den ersten vier Vorträgen im &#039;&#039;„Landwirtschaftlichen Kurs“[1]&#039;&#039; spricht Steiner über die spirituelle Bedeutung von Phosphor, Schwefel, Stickstoff, Sauerstoff und Wasserstoff. Die ganze Eiweißchemie bzw. Biochemie unseres Körpers beruht auf diesen Elementen. So konnte ich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;&#039; mit dem &#039;&#039;Phosphor&#039;&#039; in Zusammenhang bringen,&lt;br /&gt;
* den &#039;&#039;&#039;Astralleib&#039;&#039;&#039; mit dem &#039;&#039;Stickstoff&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* den &#039;&#039;Sauerstoff&#039;&#039; mit dem Leben, dem &#039;&#039;&#039;Ätherischen&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* den &#039;&#039;Schwefel&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;zwischen dem physischen Leib und dem Ätherleib wirksam&#039;&#039;&#039; sehen – denn „er macht den physischen Leib geneigt, die Wirkungen des Ätherischen aufzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht hier um die Erkenntnis, wie die vier Wesensglieder im Stoffwechsel aktiv sind, wobei diese vier Hauptelemente wie Tore sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wasserstoff hat eine Sonderposition. Er gehört wesentlich zum Wärmeorganismus und ist sogar &#039;&#039;das&#039;&#039; Zentralelement des Wärmeorganismus. Er ist das leichteste Element, das von sich aus zur Sonne geht, der Gravitation nicht unterliegt, weil es zu leicht ist. Wenn es nicht regnen würde, würde der Wasserstoff die Erde verlassen und sich in der Sonne sammeln. Aber durch Regen, Blitze und Donner, diese enormen energetischen Entladungen, kommt es zur Knallgasverbindung, durch die der Wasserstoff wieder an den Sauerstoff gebunden wird und so wieder auf die Erde kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wissen als etwas Vorläufiges begreifen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ich habe mir in dem Zusammenhang nie die Frage gestellt, ob etwas richtig oder falsch ist, sondern ob es mir zugänglich ist oder nicht. Wenn ich etwas verstanden hatte, war es für mich gewiss.[2] Wenn anschließend jemand erklärte, dass dies nur ein Vorgipfel wäre und die wahre Wirklichkeit noch tiefer läge, noch etwas komplizierter sei, war ich auch dafür offen. Das vorherige Endergebnis gilt dann eben als vorläufig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und man muss auch nicht von Anfang an alles wissen. Ich habe manchen Patienten damit glücklich gemacht, dass ich sagte: &#039;&#039;„Wir beginnen erst einmal mit diesem Therapieansatz – ich werde mich aber noch mit Kollegen beraten, was in Ihrem Fall das Beste ist.“&#039;&#039; Wirkliches Wissen hat Prozesscharakter und kongruiert mit der wachsenden Lebenserfahrung, die durch die Menschen, mit denen wir zusammenleben und -arbeiten, bereichert wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur AM, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft (Landwirtschaftlicher Kurs), Acht Vorträge&#039;&#039;, Koberwitz bei Breslau, 07.06 – 16.06.1924.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Dazu siehe auch: Glöckler, Michaela: &#039;&#039;Einblicke in die anthroposophisch-medizinische Forschung und die Arbeit der Medizinischen Sektion&#039;&#039;. In: Christiane Haid, Constanza Kaliks, Seija Zimmermann (Hg.): &#039;&#039;Goetheanum - Freie Hochschule für Geisteswissenschaft. Geschichte und Forschung der Sektionen.&#039;&#039; Verlag am Goetheanum, Dornach 2017: Rudolf Steiner betonte wiederholt, dass es sich bei seinen Schilderungen und Sichtweisen um ein Wissen handle, das von ihm selbst erarbeitet wurde und als Wissen oder Erkenntnis und nicht als Glaubensinhalt vorgebracht werde. Daher möge man das von ihm Dargestellte als anregende Idee, als Arbeitshypothese nehmen und selbst prüfen, ob es der eigenen Lebenserfahrung und Erkenntnissuche standhalten und dem Leben dienen könne. Auch hoffte er, dass der akademisch geschulte Leser seiner Schriften die Anstrengung unternehmen würde, seine auf meditativen Wegen errungenen Einsichten mit Hilfe empirischer Forschungsmethoden nachzuweisen. Damit führte Steiner in den wissenschaftlichen Diskurs das Prinzip der internen bzw. inneren Evidenz ein: Was man - gestützt auf Erfahrung und Einsicht - als richtig erkannt hat, empfindet man als „innerlich evident“. Es bedarf dann aber auch noch der externen Evidenz, damit man anhand reproduzierbarer Fakten die Legitimität des als richtig Erkannten aufzeigen kann. Beide Evidenzen zusammen ergeben eine umfassende Erkenntnis von Mensch und Welt und die Möglichkeit, sich ein ganzheitliches Menschen- und Weltverständnis zu erarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE FÜNF FUNKTIONSBEREICHE IN DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Funktionsbereiche deckt die Anthroposophische Medizin ab?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Funktionsbereiche des Lebens&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Unser aller Leben spielt sich auf unterschiedlichen Ebenen ab, die ich hier Funktionsbereiche nennen möchte. Im Folgenden werde ich sie genauer beschreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Physischer Funktionsbereich: Leben im Raum ====&lt;br /&gt;
Alles Physische findet im Raum statt und gründet auf räumlich fassbare Strukturen. Der physische Leib des Menschen ist umso gesünder, je besser er an sein Milieu, die jeweilige Umwelt angepasst ist. Vieles an unserer Umwelt macht uns über Wasser, Ernährung und Luft krank, aber auch – wenn es passend wirkt – gesund. Physisch sind wir offene Systeme. Auch was wir über die Sinne aufnehmen, prägen wir uns ein, prägt uns. Alles Schöne wirkt aufbauend, alles Unschöne schwächt. Alles wirkt, egal ob wir sofort krank werden oder nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier ist die Domäne der Schulmedizin. Anthroposophische Ärzte sind zunächst alle auch Schulmediziner, das ist unsere Grundlage. Diagnostische Fragen zum Physischen lauten beispielsweise:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Sind Medikamente nötig, die am Ort des aktuellen Geschehens unmittelbar angreifen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ist eine Umgebungsveränderung vonnöten?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Muss in einem bestimmten Bereich Sinnesschulung nachgeholt bzw. verstärkt werden?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wären Achtsamkeitsübungen bzw. irgendetwas, das die physische Resonanz mit dem Umfeld verbessert, hilfreich?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ätherischer Funktionsbereich: Leben als Prozess ====&lt;br /&gt;
Auch im Ätherischen sind wir offene Systeme. Mit ätherischer Kraft bezeichnet man in der Anthroposophischen Medizin, was man in der orientalischen Tradition Chi oder Lebenskraft nennt. Das Ätherische umfasst alles Prozessuale, das eine Zeitstruktur und Rhythmus hat. Im aristotelischen Sinne befinden wir uns damit in der Kategorie der Zeit. Alles Ätherische ist prozessual, lebendig, zyklisch, miteinander zusammenhängend, voneinander abhängig. Selbst­­­regulation, Selbstheilungsprozesse, Regeneration, Wachstum, Gestaltung haben hier ihren Wirkort. Die anthroposophischen Arzneimittel, die alle prozessorientiert sind, setzen hier an. Viele werden auch mit homöopathischen Verfahren hergestellt. Alle Prozesse, die uns kränken und gesunden lassen, verlaufen im Zeitlichen. So können sich Verstöße gegen gesunde Lebensrhythmen, z.B. unregelmäßige Ernährung, negativ auswirken, sofern die Selbstregulation dies nicht kompensieren kann. Auch die Lebensgewohnheiten, die Art wie man seine Zeit strukturiert oder eben nicht strukturiert, – wie chaotisch oder geordnet man lebt – beeinflusst diesen Wirkbereich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn im Leben herrscht Ordnung, es ist ein geordneter Kosmos. Es wird durch die Sonne, die circadiane 24-Stunden-Rhythmik, durch den Wochenrhythmus und den lunaren Monatsrhythmus beeinflusst. Mit dieser „Bio-Kosmologie“ befasst sich die Rhythmusforschung. Die Sonne ist 150 Millionen Kilometer von uns entfernt. Wenn wir aber Sonnenbrand haben, haben wir ihn hier auf unserer Haut. Unser gesamter Knochenstoffwechsel hängt von der Sonne ab, auch die gesamte chlorophyllproduzierende Pflanzenwelt. Wir sind sonnengetragene Wesen, wir leben in diesem Sonnenraum. Es gibt kein Leben ohne Wasser und Sonne. Die Griechen nannten den durchsonnten blauen Himmel den Äther. Daher auch der Begriff „ätherische Organisation“ für diesen Funktionsbereich. Das Leben auf der Erde muss viel umfassender gedacht werden, als wir das gewöhnlich tun, wenn wir vom Leben sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diagnostische Fragen zum Ätherischen zielen daher auf die Lebensgewohnheiten ab: Ernährung, Schlaf, Work-Life-Balance, aber auch Rituale, Gewohnheiten, religiöse oder meditative Hilfsmittel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Astraler Funktionsbereich: seelisches Erleben in Beziehung zu sich und anderen ====&lt;br /&gt;
Hier geht es um das Gefühlsleben, um die unbewusste und bewusste Beziehungsgestaltung. Alles, was in einer Beziehung stattfindet, was im Gefühl und Bewusstsein lebt, geht über Raum und Zeit hinaus in die „Innerlichkeit“ und erhält durch die Erinnerbarkeit Dauer. Die Beziehung zu sich selbst und den Menschen und Dingen im Umfeld ist ein reicher Kosmos, ein komplexes Netzwerk, ist so etwas wie eine Sternenkonstellation. Das Wort „Aster“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet Stern. Mit diesem Begriff möchte Rudolf Steiner nicht nur an die seelischen Sternkonstellationen erinnern, denen wir angehören, sondern auch an die himmlische Heimat der Seele und deren Verwandtschaft mit der Sternenwelt, die auch in den astrologischen Traditionen zum Ausdruck kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beziehungen können sich wandeln, wir können unser Verhältnis zu ihnen ändern. Wenn sie kaputt gehen, tut es so weh, dass man früher oder später wieder daran arbeiten wird. Unter dem Gesichtspunkt der Reinkarnation gibt es noch einen weiteren Aspekt, der das Ringen um eine positive Entwicklung in unseren Beziehungen in seiner Bedeutsamkeit unterstreicht. Christian Morgenstern drückt dies in einem seiner Gedichte so aus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wir müssen immer wieder uns begegnen&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;und immer wieder durch einander leiden,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;bis eines Tages wir dies alles segnen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;An diesem Tage wird das Leiden weichen,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;das Leiden, welches Selbstsucht zeugte,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;das Leiden wenigstens, das Blindheit zeugte,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;das uns wie blinden Wald im Sturme beugte.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Dann werden wir in neues Ziel und Leben&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;wie Flüsse in ein Meer zusammenfließen,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;und kein Getrenntsein wird uns mehr verdrießen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Dann endlich wird das „... suchet nicht das Ihre“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wahrheit geworden sein in unsern Seelen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und wie an Kraft wird&#039;s uns an Glück nicht fehlen.[1]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diagnostische Fragen zu der astralen Wirkrichtung betreffen biographische Zusammenhänge und damit verbundene Krankheitsursachen. Oft können Biographiearbeit, künstlerische Therapien, Bewegungstherapien und Körperarbeit helfen, das Bewusstsein für sich selbst und die Menschen im eigenen Schicksalsfeld zu harmonisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Funktionsbereich der Ich-Organisation: als Individuum leben ====&lt;br /&gt;
Hier haben wir es mit dem Bereich zu tun, den Goethe „die Dauer im Wechsel“ nannte. Die Ich-Organisation ist gegenüber dem ewigen Wesen des Menschen, seinem spirituellen Kern, offen. Sie umfasst alle Gesetzmäßigkeiten, die mich vor mir selbst und vor anderen persönlich legitimieren, die nur die eigene Individualität betreffen, für die ich mir selbst die Arbeitsrichtung vorgeben kann. Von der eigenen Ich-Verfassung, vom Selbstwert-Gefühl und der Art der Identitätsbildung hängt es ab, wie lange man z.B. negative Gefühle zulässt oder wieviel Stresstoleranz man besitzt. Wer sein Leben, sein Schicksal, mit allen Hoch- und Tiefpunkten, als seinen persönlichen Entwicklungsweg sehen kann, findet in jeder Lebenslage Motive für das, was gerade hier und jetzt gelernt oder getan werden könnte und kann innere Ruhe und die Übereinstimmung mit sich bewahren. Die Resilienzforschung hat viele wertvolle Beweise dafür geliefert, in welch hohem Maße die Art des Umgangs mit sich selbst und der gewählte Lebensstil den Gesundheitszustand von Leib und Seele beeinflussen.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was muss geschehen, damit ein Mensch wieder zu einer positiven Identität und Lebenseinstellung findet, auch wenn seine Umstände traurig oder widrig sein mögen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Anregung für die innere Schulung, für sein Selbstmanagement, für seine Identität kann ich ihm vermitteln, damit er freudig und&#039;&#039; &#039;&#039;wahrhaft als Ich erleben kann?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fragen dieser Art bewegen den Arzt – aber auch Fragen der Prävention&#039;&#039;: Was kann in den Erziehungsjahren geleistet werden, nicht nur für eine gesunde körperliche Entwicklung, sondern auch für die seelische und insbesondere die geistige, Identität stiftende Entwicklung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Funktionsbereich der spirituellen Orientierung: Weltentwicklung bejahen ====&lt;br /&gt;
Hier treten wir aus unserem individuell Menschlichen völlig heraus. Der Kopf ist das Beziehungsorgan, das uns mit der ganzen Welt verbindet, ist unser offenes, rein zur unsichtbaren Welt der Gedanken, den Sinneseindrücken, Vorstellungen sowie dem Bewusstsein hin orientiertes Gebilde. Paracelsus[3] nannte diese Perspektive, die Art, wie wir mit den unsichtbaren Kräften des Denkens, Fühlens und Wollens umgehen, die Quinta Essentia. Die vier anderen „Essenzen“ haben mit den Aggregatzuständen fest, flüssig, gasförmig und Wärme zu tun, die alle noch physisch fassbar sind. Die Quinta Essentia jedoch ist rein spirituell, rein geistig. Sie wird uns zunehmend bewusst durch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* seelisch-geistige Verwandlungsprozesse dank meditativer Schulung,&lt;br /&gt;
* Verfeinerung der Gedanken,&lt;br /&gt;
* Gefühls- und Willenskultur der Achtsamkeit.&lt;br /&gt;
* Die Tugenden und verbindlichen Lebenswerte gehören ebenso in diesen Bereich, &lt;br /&gt;
* aber auch wie ich meine Beziehungen ordne, wie ich meine Identität erlebe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn wie ich mein äußeres und mein biografisch-zeitliches Leben veranlage, hängt letztlich davon ab, wie ich über mich und andere, über die Welt und Gott denke. Eine echte spirituelle Orientierung ist die stärkste salutogenetische Perspektive. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Erlösende menschheitliche Perspektive&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Meine Erfahrung ist, dass es heute immer mehr Menschen gibt, die von einer basalen Trauer und Sorge erfüllt sind in Bezug auf das Weltgeschehen und die Menschheitsentwicklung. Sie sind nicht krank oder deprimiert durch eine schlechte Lebensweise oder Drogen, auch nicht aufgrund negativer Beziehungen. Sie erleben sich vielmehr dadurch beeinträchtigt, dass sie den Eindruck haben, es geht mit der Menschheits- und Erdenentwicklung nicht gut voran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um dem konstruktiv begegnen zu können, braucht es eine große, umfassende, menschheitliche Perspektive, die aufzeigt, dass die Menschheit zwar heute eine besondere Krise durchmacht, verursacht durch den Zerfall von Werten und eine enge materialistisch-ökonomische Weltsicht. Es gilt jedoch zu verstehen, dass nur der Durchgang durch eine Periode des Verlustes spiritueller Perspektiven und humaner Entwicklungsbedingungen das Individuum aus allen kollektiven – auch der religiösen – Bindungen zu befreien vermag, damit es auf dieser Basis neu und selbstständig sein Verhältnis zum weiteren Verlauf der Geschichte zu bestimmen in der Lage ist. Nur ein echtes Verständnis dieser Entwicklungszusammenhänge kann dem sonst unweigerlich eintretenden Kulturpessimismus vorbeugen bzw. kann ihn heilen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anthroposophische Arzt wird seinen Patienten anamnestisch mit Bezug auf diese fünf Funktionsbereiche hin anschauen und womöglich befragen. Am Ende muss er intuitiv entscheiden, wie er den besten Zugang zu dem betreffenden Patienten finden kann, um den notwendigen Gesundungsprozess anzuregen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Mehr hierzu in: Was ist Anthroposophische Medizin? Verlag am Goetheanum, 2017&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Christian Morgenstern, &#039;&#039;Stuttg. Ausgabe, Band 2 Lyrik 1906 – 1914&#039;&#039;, Urachhaus Verlag, Stuttgart 1992, S. 217.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Siehe z.B. Fröhlich-Gildhoff, Klaus / Rönnau-Böse, Maike: &#039;&#039;Resilienz&#039;&#039;. Ernst Reinhardt Verlag, München 2015.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Philippus Theophrastus Aureolus Bombastus von Hohenheim, getauft als Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, (* vermutlich 1493 in Egg, Kanton Schwyz; † 24. September 1541 in Salzburg) war ein Arzt, Alchemist, Astrologe, Mystiker, Laientheologe und Philosoph. Paracelsus hinterließ zahlreiche deutschsprachige Aufzeichnungen und Bücher medizinischen, astrologischen, philosophischen und theologischen Inhalts, die größtenteils erst nach seinem Tod gedruckt wurden (wikipedia).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE WESENSGLIEDER UND IHRE DIAGNOSTIK ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was versteht die Anthroposophische Medizin unter Wesensgliedern?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie lassen sie sich beschreiben?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wesensglieder als Zusammenhänge von Gesetzmäßigkeiten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das Wissen von Körper, Leben, Seele und Geist ist so alt wie die Menschheit. Rudolf Steiners Beitrag besteht jedoch darin, eine neue Zugangsweise zu diesen vier Erfahrungsfeldern aufgezeigt zu haben. Er verwendete für die von ihm in Medizin und Pädagogik eingeführte Terminologie die Worte „Leib“ bzw. „Organisation“.[1] Diese Termini machen nicht nur den Zusammenhang zwischen den Reichen der Natur und den Aggregatzuständen der Materie deutlich, sondern stehen auch für die differenzierte Ganzheit des Menschenwesens nach Geist (Ich-Organisation), Seele (astralische Organisation), Leben (ätherische Organisation) und Körper (physische Organisation). Sie zeigen die komplexen Zusammenhänge von Gesetzmäßigkeiten, durch die sich der Mensch erkennen, erleben, ausdrücken und betätigen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Anthroposophischen Medizin wird also nicht nur die naturwissenschaftliche Beschreibung von Aufbau und Funktion des menschlichen Körpers berücksichtigt, sondern auch die Wirkung der sogenannten Wesensglieder auf den Körper, die von der zugehörigen Gesetzmäßigkeit bestimmt werden und so in das Körpergeschehen eingreifen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Diagnostik der Wesensglieder ermöglicht ein differenziertes Erfassen des Inkarnationszustands des Menschen in Gesundheit und Krankheit, woraus sich der jeweils passende therapeutische Ansatz ableiten lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Physischer Leib – fest ====&lt;br /&gt;
Der physische Leib wird von Stoffen und Kräften im festen Aggregatzustand aufgebaut – sie machen die sinnlich beobachtbare Beschaffenheit des Körpers im Raum aus (griechisch &#039;&#039;physis&#039;&#039; = Körperbildung, Gestalt). Der ganzheitlich-systemische Begriff des Physischen umfasst den gesamten Bereich des Mineralisch-Anorganischen: Dazu gehören die Gesetze der Gravitation, der Mechanik, aber auch die Zerfalls- und Sterbeprozesse von Strukturen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was erkannt werden kann, wenn man dem menschlichen Organismus Stoffe, Gewebe und Partikel entnimmt und analysiert, gehört in das Gebiet des Physischen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ätherleib - flüssig ====&lt;br /&gt;
Der &#039;&#039;Ätherleib&#039;&#039; umfasst die Gesamtheit der Lebensprozesse. Diese sind an den flüssigen Aggregatzustand gebunden und liegen allen Vorgängen zugrunde, die chemische und physikalische Prozesse zu biochemischen und physiologischen Prozessen steigern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wort „Äther“ kommt aus dem Griechischen und heißt Himmel. Damit schließt das Ätherische auch den durchsonnten, blauen Himmelsraum ein, ohne den Leben auf der Erde nicht möglich wäre. Insbesondere die Pflanzenwelt wird davon bestimmt: Das zeigt sich z.B. in der sonnenvermittelten Fotosynthese, die Grundlage der Lebenstätigkeit aller Pflanzen ist. Doch auch ihre Biorhythmen haben ihre Zeitgeber in der Solar- und Lunarperiodik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Astralleib – gasförmig, luftig ====&lt;br /&gt;
Die Kräfte und Gesetzmäßigkeiten, die Bewegung, Bewusstsein und seelischen Ausdruck ermöglichen, bezeichnete Steiner mit &#039;&#039;Astralleib&#039;&#039;, lateinisch „aster“ (Stern). Das Weltall mit seinen Sternkonstellationen ist ein Bild davon: Jeder Planet, jeder Fixstern ist anders als der andere und doch stehen alle in konkreten, sich stets wandelnden Beziehungen zueinander, Konstellationen genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Physiologisch gesehen sind die Bewegungs-, Sprach- und Gefühlsäußerungen an das Vorhandensein von Luft gebunden. Der Astralleib kann nur über den Gaszustand der Materie in das Körpergeschehen eingreifen und ist auch im Hinblick auf seine Wirkungsweise von den Gesetzen bestimmt, die dem Gaszustand eigen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ich-Organisation - Wärme ====&lt;br /&gt;
Für den Gesetzeszusammenhang, der es der selbstbewussten Persönlichkeit erlaubt, sich zu erleben und auszudrücken, wählte Steiner den Begriff &#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;. Diese ist an die Gesetze der Thermodynamik, der Wärme, gebunden. Jeder Mensch erlebt sein Ich und die Persönlichkeitsäußerungen des Anderen in Form von jeweils zum Ausdruck kommenden Wärmedifferenzen bzw. als Wärme- und Kälteausstrahlung. Die kritische Temperatur des jeweiligen Elementes entscheidet, in welchem spezifischen Aggregatzustand die Materie erscheint. Das dem gesunden Körperleben des Menschen zugrundeliegende Wärmeoptimum liegt bei 37°. Es wird durch eine komplizierte Temperaturregulation im Rahmen definierter tages- und jahresrhythmischer Schwankungen konstant gehalten. Auch hängt es jeweils vom geistigen Wärmezustand (Begeisterung) ab, ob und wofür ein Mensch seine Kraft im Leben einsetzt und wie er seine Persönlichkeit zentriert und beherrscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Berechtigte Annahme komplexer Ordnungsprinzipien&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Mit der systemischen Begrifflichkeit der Wesensglieder ist einerseits die Brücke geschlagen zur aristotelischen Elementenlehre, die die Aggregatzustände konsequent mit den Naturreichen (Mineral, Pflanze, Tier, Mensch) verbindet. Andererseits kann dadurch auch ein konkreter Bezug hergestellt werden zur heutigen Faktenfülle naturwissenschaftlicher Forschungen als Grundlage für ein ganzheitliches Bild des Menschen, der sich in Körper, Seele und Geist gliedert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiners Vorgehensweise, übergeordnete Begriffe zu bilden, wird untermauert von Annahmen aus der Systemforschung, die längst von höheren, vernetzten Formgebern und Prozessgestaltern ausgeht, die sie entweder entdeckt oder hypothetisch angenommen hat: Man verwendet den Begriff „Feld“[2] oder spricht von „intraorganischen Ordnungsmustern“ aus der mathematisch-geometrischen Symmetrie und Asymmetrie, die sich nicht mithilfe der darwinistischen Paradigmen von Selektion, Mutation und Anpassung erklären lassen.[3] Auch die Frage nach der Symmetrie als einem universalen Kausalprinzip gehört hierher. All diese Überlegungen und Forschungen besagen, dass es letztlich Gedanken, Gesetze, übergreifende Gesetzeszusammenhänge sind, die sich in den Ordnungen und Wandlungen der Evolution abbilden bzw. diese vorantreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant sind in diesem Zusammenhang auch die derzeit oft gebrauchten Begriffe der Autoregulation, Selbstregulation oder Selbstheilung. Die Wesensgliederdiagnostik kann diese Begriffe mit einem differenzierten Inhalt füllen und dieses Selbst (griechisch: autos) in seinen körperlichen, seelischen und geistigen Ausdrucks- und Funktionsweisen beschreiben.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen.&#039;&#039; GA 37, Rudolf Steiner Verlag, Dornach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rupert Sheldrake, &#039;&#039;The presence of the past. Morphic resonance and the habits of nature.&#039;&#039;  Hammersmith, UK 1988.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Antonio Lima-de-Faria, &#039;&#039;Evolution without Selection. Form and Function by Autoevolution.&#039;&#039; New York 1988.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Werner Hahn/ Peter Weibel (Hrsg.), &#039;&#039;Evolutionäre Symmetrietheorie. Selbstorganisation und dynamische Systeme.&#039;&#039; Stuttgart 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== PARAMETER DER WESENSGLIEDER-DIAGNOSTIK ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen Parametern folgt die Wesensglieder-Diagnostik?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wesensglieder als Gesetzeszusammenhänge des Menschseins&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der phänomenologischen Philosophie und Psychologie ist man gewohnt, den Körper „Leib“ zu nennen. Man meint damit das individuell Geformte bzw. das „Gefäß&amp;quot;, das von allen Funktionen und Seelenerlebnissen ein Aus- und Abdruck ist. Rudolf Steiner verwendet als Bezeichnung für die Wesensglieder je nach Kontext die Ausdrücke „Leib“, „Organisation“ und „Organismus“ oder „Gesetzeszusammenhang“. In der Diagnostik wird der körperliche Ausdruck der Wesensglieder im Einzelnen beschrieben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Physischer Leib ====&lt;br /&gt;
Zu den Beurteilungsgrößen des physischen Leibes gehören neben Körpergröße und Körpergewicht die chemische Analyse (Labordiagnostik) sowie die Ausformung der einzelnen Organe, der konstitutionelle Habitus, und inwiefern dieser durchlässig ist für die Vorgänge des Lebens, der Seele und des Geistes – d.h. für den „Inkarnationszustand&amp;quot; des betreffenden Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ätherleib ====&lt;br /&gt;
Zur Diagnostik des ätherischen Organismus gehört neben dem Erfassen der aktuellen Gesamtvitalität und der Vitalität der einzelnen Organe auch die Beurteilung von Wachstum, Entwicklung und Regenerationsfähigkeit sowie des Säure-Basen-Verhältnisses, des Wasser- und Elektrolythaushaltes und des Zusammenspiels der Biorhythmen, aber auch die Erfassung der Art der Gedankenführung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Astralleib ====&lt;br /&gt;
Die Wirkungsweise des Astralleibes wird einerseits am Bewegungsspiel der Muskulatur und ihres Tonus abgelesen, andererseits aus der Art des Sprechens und der Atemführung sowie des Instinkt-Begierde-Verhaltens erschlossen. Empfindungsleben, „Sensibilität&amp;quot; und das Spektrum der Gefühlsäußerungen geben Aufschluss über seinen aktuellen Zustand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Stärke oder Schwäche der Ich-Organisation können am Zusammenspiel aller Funktionen und Wesensgliedertätigkeiten abgelesen werden. Jede Form von Integrations- und Kontrollverlust zeigt eine Schwächung oder Störungen im Bereich dieses Wesensgliedes an. An dieser Stelle ist es wichtig zu bemerken, dass die Ich-Organisation zwar dem geistigen Wesen Mensch, d.h. seinem Ich, die körperliche – und damit vergängliche –Möglichkeit zur Inkarnation bietet, mit dieser jedoch nicht identisch ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Faktenfülle durch Wesensgliederdiagnostik&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Des Öfteren wird gefragt, warum die Wesensglieder-Diagnostik nötig ist, welche zusätzlichen Informationen sie über das hinaus bieten kann, was eine sorgfältige und umfassende klinische Diagnostik ohnehin leistet. Dazu ist zu sagen, dass das sehr umfassende Studium des jeweiligen Wesensgliedes und der damit zusammenhängenden Gesetzmäßigkeit zusätzliche Informationen liefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die in der Tabelle unten angeführten Parameter implizieren eine große Faktenfülle und eröffnen durch ihre Zusammenschau neue Einsichtsmöglichkeiten in die menschliche Natur, vor allem auf den direkten Zusammenhang der seelisch-geistigen Funktionen mit den physiologisch-anatomischen Strukturen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;Wesensglied&#039;&#039;&#039; und  Naturgesetzlichkeit&lt;br /&gt;
|Selbsterleben und &lt;br /&gt;
kreative Handhabbarkeit&lt;br /&gt;
|Morphologie &lt;br /&gt;
Physiologie&lt;br /&gt;
|Physische Symptomatik&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;&#039;Wärmeorganismus&lt;br /&gt;
Thermodynamischer&lt;br /&gt;
Gesetzeszusammenhang&lt;br /&gt;
|Selbstbewusste &lt;br /&gt;
Gedankentätigkeit,&lt;br /&gt;
Intentionalität,&lt;br /&gt;
Initiative,&lt;br /&gt;
Dicht- und Sprachkunst&lt;br /&gt;
|Integrationsprozesse Gesamtgestalt&lt;br /&gt;
|Individuelle Wärmeverteilung „Ausstrahlung&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;Astralleib&#039;&#039;&#039;Luftorganismus&lt;br /&gt;
Aerodynamischer&lt;br /&gt;
Gesetzeszusammenhang&lt;br /&gt;
|Bewusstsein, Gefühl, Impulsivität, Bewegung&lt;br /&gt;
Musik und Gesang&lt;br /&gt;
|Atmung&lt;br /&gt;
Katabole Stoffwechselvorgänge&lt;br /&gt;
Heterostase&lt;br /&gt;
Differenzierung&lt;br /&gt;
Proportionen&lt;br /&gt;
|Muskeltonus&lt;br /&gt;
(Anspannung und Lösung)&lt;br /&gt;
Lufthaushalt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;Ätherleib&#039;&#039;&#039;Wasserorganismus &lt;br /&gt;
Hydrodynamischer&lt;br /&gt;
Gesetzeszusammenhang&lt;br /&gt;
|Auftrieb&lt;br /&gt;
Schwerelosigkeit Zeitprozesse&lt;br /&gt;
plastisches Gestalten&lt;br /&gt;
|Anabole Stoffwechselvorgänge&lt;br /&gt;
Synthese&lt;br /&gt;
Homöostase&lt;br /&gt;
Proliferation&lt;br /&gt;
|Turgor&lt;br /&gt;
Wasserhaushalt&lt;br /&gt;
Inkarnat&lt;br /&gt;
Hautdurchblutung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;Physischer Leib&#039;&#039;&#039;Feste Organisation&lt;br /&gt;
Gravitation&lt;br /&gt;
Gesetzeszusammenhänge der Festkörperphysik und Mechanik&lt;br /&gt;
|Egoität&lt;br /&gt;
Schwerpunkt erleben architektonisches Gestalten&lt;br /&gt;
|Ablagerungsprozesse&lt;br /&gt;
Strukturierungsprozesse&lt;br /&gt;
Form-Zusammenhalt&lt;br /&gt;
|Dichte&lt;br /&gt;
Gewicht&lt;br /&gt;
Laborparameter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tab. 1.1 Diagnostische Parameter im Funktionsbereich der Wesensglieder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FORSCHUNG UND WEITERENTWICKLUNG IN DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;In welche Richtungen wird in der Anthroposophischen Medizin geforscht?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Möglichkeiten der Evaluation gibt es?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Forschung und Evaluation&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aufgrund ihres natur- und geisteswissenschaftlichen Menschenbildes hat die anthroposophisch-medizinische Forschung zwei Arbeitsrichtungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Eine, die sich den derzeit vorgegebenen akademischen Standards anpasst und Unbedenklichkeit und &#039;&#039;&#039;Wirksamkeit anthroposophischer Arzneimittel&#039;&#039;&#039; untersucht. &lt;br /&gt;
# Und eine andere, die nach den &#039;&#039;&#039;geistigen Ursachen von Krankheit&#039;&#039;&#039; und den &#039;&#039;&#039;heilenden Möglichkeiten der Natur&#039;&#039;&#039; mit ihren Substanzen und Prozessen fragt. &lt;br /&gt;
# Zu jeder seriösen Forschung gehören auch effektive &#039;&#039;&#039;Möglichkeiten der Evaluation&#039;&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophische Medizin ist nicht nur historisch jung, sondern auch in ständiger Weiterentwicklung begriffen. Ihre weltweiten Arbeitszusammenhänge in Forschung, Ausbildung und Praxis werden in der Medizinischen Sektion am Goetheanum in der Schweiz koordiniert.[1] Dort findet sich auch eine Übersicht über die aktuelle Literatur, die Forschungsinstitute und Kliniken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ad 1. Studiendesigns für anthroposophische Arzneimittel ====&lt;br /&gt;
Gegenwärtig wird an Studiendesigns gearbeitet, die der Herkunft, Herstellung und Anwendung anthroposophischer Arzneimittel gerecht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Freiburger Arzt und Wissenschaftler &#039;&#039;Helmut Kiene&#039;&#039; ist die im Juli 2000 erschienene komplementäre Methodenlehre der klinischen Forschung zu verdanken, in der er eine Cognition-based Medicine der Evidence-based Medicine gegenüberstellt.[2] Diese Methodenlehre erstreckt sich auf folgende Evidenzbereiche:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wirksamkeitsnachweis&lt;br /&gt;
* Effektivitätsbeurteilung&lt;br /&gt;
* Therapievergleich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im „Freiburger Institut für angewandte Erkenntnistheorie und medizinische Methodologie“ wird derzeit an den praktischen Konsequenzen für ein neues Studiendesign gearbeitet, das sich auf hohem akademischem Niveau auf die individuelle Einzelfallanalyse stützt. Der Arbeit des Instituts entstammt auch die im Jahre 2003 erschienene umfassende Monographie zur Mistel in der Onkologie.[3] Mit diesem Buch liegt erstmals ein Werk vor, das den Stand der Forschung in Bezug auf die Misteltherapie bei onkologischen Erkrankungen für Mediziner, Wissenschaft­ler und Allgemeininteressierte verfügbar macht. Es leistet damit einen Beitrag zur wissenschaftlichen Diskussion wichtiger medizinischer Grundsatzthemen, aber auch zum Dialog der Denkstile. Es ist ein Beispiel einer gelungenen Synthese von naturwissenschaftlichem und geisteswissenschaftlichem Ansatz auf der Höhe der derzeit gültigen akademischen Standards.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ad 2. Grundlagenforschung zu Krankheit und Heilung ====&lt;br /&gt;
Die Grundlagenforschung befasst sich mit der Erarbeitung von Korrespondenzen zwischen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;&#039;Wesensgliedertätigkeit&#039;&#039;&#039; im Menschen,&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;&#039;Krankheitssymptomatik&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* bestimmten &#039;&#039;&#039;Prozessen in der Natur&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* und der &#039;&#039;&#039;Wirkung von Substanzen&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht darum, Naturprozesse aufzufinden und zu beschreiben, die für den jeweiligen Krankheitsfall die Selbstheilung anregen, einseitigen Funktionen entgegenwirken oder zu schwache Funktionen unterstützen können. Je genauer das therapeutische Ziel aufgrund der Erforschung des evolutiven Zusammenhanges von Mensch und Natur festgelegt werden kann, umso sicherer tritt in der Regel auch die erwünschte Wirkung beim Patienten ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Arzneimittelschatz der heute verfügbaren Anthroposophika entstammt der Zusammenarbeit von Ärzten, Pharmazeuten und Herstellern. Seit vielen Jahren fassen Anthroposophische Ärztinnen und Ärzte ihre Erfahrungen und Erkenntnisse zum Einsatz der Anthroposophischen Arzneimittel in einem Vademecum zusammen, das Fachkreisen zugänglich ist und ständig erweitert wird. Ideen zur Heilmittelfindung entstehen jeweils anhand konkreter Fragestellungen zum Patienten bzw. zu seiner Krankheitssituation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Ausgangsstoffe für die Arzneimittelherstellung mit Bezug auf Sicherheit und Unbedenklichkeit in der Regel schon bekannt sind, ist präklinische Forschung im Sinne von In-vitro- oder Tierversuchen nicht nötig. Wenn neue, noch nicht monographierte Naturstoffe Verwendung finden, unterliegen sie selbstverständlich dem allgemein üblichen Prozedere zur Feststellung von Wirksamkeit und Unbedenklichkeit der entsprechenden Substanz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von einem anthroposophischen Arzneimittel wird erwartet, dass es körperliche oder seelische Beschwerden mildern oder verschwinden lassen bzw. eine Krankheit verzögern, heilen oder womöglich auch verhindern kann. Da sich diese Art der Heilmittelfindung und -anwendung in der Regel am individuellen Patienten orientiert, sind Forschungs- und Evaluationsmethoden erforderlich, die diesem Umstand Rechnung tragen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ad 3. Projekte zur Evaluation der Anthroposophischen Medizin ====&lt;br /&gt;
Im Berliner Forschungsinstitut am Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe wurde mit einem Projekt zur Evaluation Anthroposophischer Medizin begonnen – dem EvaMed-Projekt. Ziel ist die Schaffung einer wissenschaftlich fundierten Datenbasis als Grundlage für den Nachweis zur Unbedenklichkeit und Wirksamkeit von Anthroposophika. Mittels informationstechnologisch gestützter Netzwerke wird Outcome- und Versorgungsforschung innerhalb der Anthroposophischen Medizin betrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der medizinischen Fakultät der Universität Witten-Herdecke wurde 2003 der Stiftungslehrstuhl für Medizintheorie und Komplementärmedizin unter &#039;&#039;Prof. Dr. Peter Matthiessen&#039;&#039; eingerichtet, zu dessen Aufgaben neben Forschung und Lehre auch die Implementierung eines Begleitstudienganges für Anthroposophische Medizin gehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Bern/Schweiz wurde bereits 1994 die „Kollegiale Instanz für Komplementärmedizin“ (KIKOM) eingerichtet und der Schweizer Arzt &#039;&#039;Dr. med. Peter Heusser&#039;&#039; mit der Dozentur für Anthroposophische Medizin beauftragt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Siehe unter: www.medsektion-goetheanum.org&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Helmut Kiene, &#039;&#039;Komplementäre Methodenlehre der klinischen Forschung: Cognition-based Medicine,&#039;&#039; Heidelberg – Berlin 2001.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Gunver S. Kienle/ Helmut Kiene, &#039;&#039;Mistel in der Onkologie: Fakten und konzeptionelle Grundlagen&#039;&#039;, Schattauer 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== AKTUALITÄT DER FORSCHUNGEN RUDOLF STEINERS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche von Rudolf Steiner vorausgesehenen Entwicklungen in der Medizin sind inzwischen Stand der Wissenschaft?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Von Steiner vorausgesehene medizinische Entwicklungen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Bezug auf die Medizin kann man feststellen, dass viele Aussagen in Bezug auf zukünftige medizinische Entwicklungen und Ergebnisse, die Rudolf Steiner vorausgesehen hat, mit denen er ganz selbstverständlich umging, wenn er über Medizin sprach, heute zum Allgemeingut der Wissenschaft gehören. Ich möchte im Folgenden zu jeder Ebene der menschlichen Konstitution Beispiele nennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Erbgut und Immunsystem – physische Ebene ====&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner sprach vor Heilpädagogen, Lehrern, Ärzten davon, dass das sich inkarnierende Kind selbst mit der Auswahl von Vater und Mutter und dem damit verbundenen Erbgut zu tun hat, und dass die sich inkarnierende Individualität selbst daran beteiligt ist, das Erbgut möglichst so zu mischen, wie es zu ihrem Inkarnationswillen passt. Er sagte auch, dass die sogenannten Kinderkrankheiten und fieberhaften Infekte, die während der ersten 8 – 9 Lebensjahre normalerweise gehäuft auftreten, der Individualität die Möglichkeit geben, den ererbten Leib sukzessive umzugestalten und an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genau diese Zusammenhänge wurden in den letzten Jahren im Rahmen der Epigenetik erforscht. Kein wissenschaftlich gebildeter Mensch glaubt mehr, dass das Erbgut ein geschlossenes System ist, das eine Marschroute vorgibt. Das Erbgut ist ein offenes System, das durch individuelle spirituelle Arbeit beeinflusst werden kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das führt heute zu völlig neuen Forschungsfragen auf dem Gebiet der &#039;&#039;„Mind-Body-Medicine“&#039;&#039;. Man erforscht dort die Wirkung von Medikation auf die neuronalen Verschaltungen, auf den Kreislauf usw. und merkt, dass die Medikation auch immunstimulierend wirkt, bzw. dass das Immunsystem dadurch verändert wird. Das Immunsystem wiederum ist das Schlüsselsystem, welches das Erbgut aktiviert und dafür sorgt, dass bestimmte Gene blockiert werden und nicht mehr funktionieren bzw. neue gezündet werden und anfangen zu funktionieren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir brauchen beide Ansätze, wenn wir eine wirklich humane menschliche Medizin schaffen wollen: Die Naturwissenschaft allein reicht nicht. Erst ergänzt um Erkenntnisse aus der Geisteswissenschaft wird Medizin wirklich menschengerecht. Denn es dauert viel zu lange, wenn erst jahrelang Nachweise von der Schädlichkeit einer Maßnahme erbracht werden müssen, bevor diese verboten wird, wie es der naturwissenschaftlichen Methodik entspricht. Dann kommt das Gute immer zu spät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Rudolf Steiners Forschungsmethode der Verifizierung&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Die Geisteswissenschaft macht methodisch das Umgekehrte. Sie macht aufgrund tiefer gehender Einblicke und Kenntnisse der menschlichen Konstitution Angaben über zu erwartende Ergebnisse einer Maßnahme. Man ist als Arzt und Therapeut immer frei, sich für das, was man für das Richtige hält, zu entscheiden. Das bedeutet, dass man für gut und richtig erkannte Maßnahmen und Methoden anwendet, auf diesem Wege verifiziert und anschließend dokumentiert, wie der Gedanke zum Tun und letztlich zu einem guten Ergebnis führte, wobei auftauchende Probleme reflektiert werden. Man erklärt z.B. genau, warum man eine Hypothese etwas modifizierte, um das gewünschte gute Ergebnis zu erzielen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das war die von Rudolf Steiner praktizierte Forschungsmethode: Aus profunder Menschenkenntnis und physiologischem Verständnis heraus eine Hypothese zu bilden und anschließend in der Praxis zu verifizieren, ob der hypothetisch angenommene Erfolg tatsächlich eintritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diesem Wege wurde in der anthroposophischen Medizin ein System für individuelle Einzelfalldokumentation auf hohem akademischem Niveau erarbeitet.[1] Es ist extrem viel Arbeit, diese Zusammenhänge so nachzuweisen, dass sie vor dem empirisch orientierten Denken der heutigen Zeit Bestand haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Rhythmusforschung – ätherische Ebene ====&lt;br /&gt;
Ein ähnlich begeisterndes Feld ist die Rhythmusforschung auf der ätherischen Ebene. Rudolf Steiner wurde nicht müde zu sagen: &#039;&#039;„Rhythmus trägt Leben“&#039;&#039;.[2] Beachtet und pflegt die Rhythmen – im meditativen Leben, in der Pädagogik, in der Medizin – und bedenkt, wann man was wie machen sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jedes Wesensglied hat seinen eigenen Rhythmus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039; folgt dem &#039;&#039;&#039;24-Stunden-Rhythmus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;Astralleib&#039;&#039; dem &#039;&#039;&#039;Wochenrhythmus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;Ätherleib&#039;&#039; dem &#039;&#039;&#039;Monatsrhythmus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;physische Leib&#039;&#039; dem &#039;&#039;&#039;Jahresrhythmus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir diese Rhythmen in unserem Lebensalltag beachten, verfügen wir über robuste Gesundheit – das ist heute alles durch die moderne Rhythmusforschung bestätigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Bindungs- und Beziehungsforschung – astrale Ebene ====&lt;br /&gt;
Auf seelischem Gebiet ist die Bindungs- und Beziehungsforschung angesiedelt. Heute ist klar nachgewiesen, was Rudolf Steiner immer wieder im paracelsischen Sinne betonte: dass die einzig wahre Arznei die Liebe ist. Was in der Arzt-Patienten-Beziehung als professionelle Liebe, als Hingabe an den Patienten wirkt, entspricht der Liebesqualität, die auch Lehrer- und Schülerseelen verbindet. Die Frage Steiners – &#039;&#039;„Kinder, habt ihr eure Lehrer lieb?“&#039;&#039; – war keine rhetorische Frage. Steiner scheute nicht davor zurück, ein Kind in die Parallelklasse zu schicken, wenn es seinen Lehrer nicht lieben konnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das findet in der heutigen Bindungsforschung seine Bestätigung: Eine Beziehung wirkt gesundend,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* wenn sie &#039;&#039;&#039;ehrlich&#039;&#039;&#039; ist, &lt;br /&gt;
* wenn sie von &#039;&#039;&#039;liebvollem Interesse für den anderen&#039;&#039;&#039; geprägt ist,&lt;br /&gt;
* wenn sie von &#039;&#039;&#039;Respekt vor der Autonomie des anderen&#039;&#039;&#039; getragen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind die drei christlichen Grundwerte – Wahrheit, Liebe, Freiheit – von denen wir in der Esoterik nicht müde werden zu sprechen. Alle esoterischen Übungen dienen der Entwicklung dieser Art von Menschlichkeit: dass es wahrhaftiger, liebvoller, freilassender, respektvoller wird im sozialen Miteinander. Dass das gegenseitige Verstehen gefördert wird, das Erwachen aneinander, das zum Verständnis führt. Nichts anderes wird helfen angesichts der Not und des Elends auf der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Traumatherapie – geistige Ebene ====&lt;br /&gt;
Auch auf geistigem Felde gibt es spannende Erkenntnisse. Es gibt heute sehr viele Verfahren, insbesondere auf dem Gebiet der Traumatherapie, die erkannt haben, dass ein schweres Trauma, ein schwerer Angriff auf Leib und Seele, nur als Initiation aufgefasst sinnstiftend verarbeitet werden kann. Es gibt keinen anderen Weg, der wirklich greift. Man kann gewisse Symptome zwar mit psychisch wirksamen Drogen dämpfen. Das ist aber keine Heilung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein schweres Trauma zu verarbeiten, ist ein langwieriger Prozess. Der erste Schritt besteht darin, das Trauma als Schwellenerlebnis in Bezug auf die geistige Welt zu erkennen. In der Folge gilt es dieses Erlebnis fruchtbar zu machen, indem man die Kräfte durchschauen lernt, die einen bedrücken und sie als luziferische und ahrimanische Gewalten unterscheiden lernt. Das gelingt erst vollends, wenn man auch die guten menschlichen Kräfte aufzufinden vermag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich möchte an dieser Stelle eine schlichte Herzmeditation vorlesen. In Rudolf Steiners Notizbuch stehen undatiert folgende Worte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich denke an mein Herz.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Es belebet mich.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Es erwärmet mich.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich vertraue fest auf das ewige Selbst,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;das in mir wirket,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;das mich trägt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Tragekraft an der Schwelle zu erkennen, ist für die eigene Identitätsfindung unerlässlich: dass man in sich die Instanz aufspürt, die angesichts der Vergänglichkeit und Zerbrechlichkeit des Leibes, unvergänglich und unzerbrechlich ist und einen über alle Abgründe des Lebens hinwegträgt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Initiationsweg ist für die anthroposophische Psychotherapie etwas Selbstverständliches. Wir können gar nicht über Entwicklung sprechen, wenn wir uns nicht auch mit all den Mühen auseinandersetzen, die der Entwicklung entgegenstehen. Deswegen fordert Rudolf Steiner in seinem Buch &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; im 1. Kapitel,[3] dass wir zwei Bücher studieren: Wenn wir das ernst nehmen, dürften wir gar nicht weiterlesen, ohne diese beiden Bücher studiert zu haben. Das eine ist &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der Höheren Welten?“,[4]&#039;&#039; das andere die &#039;&#039;„Geheimwissenschaft im Umriss“[5]&#039;&#039; – die Weltentwicklung und der Mensch. Ohne ein Wissen über die dort geschilderten Zusammenhänge und Entwicklungszyklen ist Anthroposophische Medizin nicht vollständig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man also bei uns in die Werkstatt blickt, sieht es sehr tätig und sehr optimistisch aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag auf der Welterziehertagung, Dornach 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Im „Freiburger Institut für angewandte Erkenntnistheorie und medizinische Methodologie“ wird derzeit an den praktischen Konsequenzen für ein neues Studiendesign gearbeitet, das sich auf hohem akademischem Niveau auf die individuelle Einzelfallanalyse stützt. Diese Methode wird in dem Werk von Helmut Keine beschrieben, &#039;&#039;Komplementäre Methodenlehre der klinischen Forschung: Cognition-based Medicine,&#039;&#039; Heidelberg – Berlin 2001.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://www.drhauschka.de/kosmos/werte/im-rhythmus/&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst.&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?&#039;&#039; GA 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Geheimwissenschaft im Umriss.&#039;&#039; GA 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== HEILSAMES ZUSAMMENSPIEL VON THERAPEUT UND PATIENT ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie geht man mit leidenden Patienten angemessen um?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie muss die eigene Seelenstimmung sein, dass sie den anderen da abholt, wo er ist?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielt der Patient bei seiner Heilung?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Professioneller Umgang mit dem Leiden anderer&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dem Leiden eines anderen Menschen in der richtigen Haltung zu begegnen, erfordert Fingerspitzengefühl und Professionalität. Wenn jemand z.B. deprimiert ist, helfen Sie ihm nicht, wenn Sie sagen: &#039;&#039;„Mir ging es auch schon einmal schlecht oder jetzt tun wir Ihnen hiermit etwas Gutes – Sie werden schon sehen, dass Sie sich dann wieder besser fühlen.“&#039;&#039; Ihm aus der eigenen Gesundheit heraus gut zuzureden ist laienhaft und wäre die falsche Herangehensweise. Das machen bereits die Nachbarn und Freunde – es wird endlos auf ihn eingeredet und am Ende geht es ihm nur noch schlechter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jemand, der deprimiert ist, muss dort abgeholt werden, wo er steht – das muss auch ein guter Psychotherapeut lernen. D.h. man muss den Betreffenden zunächst in seinem Leid bestätigen und Mitgefühl zeigen. Dann fühlt er sich ernst genommen und kann sich entspannen. Wenn jemand nicht reden will, wenn er nur ernst schaut, sollte man ruhig und sachlich mit ihm umgehen. Man darf schon ein feines Lächeln zeigen, aber kein provozierend aufmunterndes Verhalten an den Tag legen. Das wäre schon viel zu viel. Vor allem sollte man wach und präsent sein, sodass der andere spürt, man ist für ihn oder sie da. Das tut jedem gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Seele als Wahrnehmungsorgan für den anderen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner forderte in Bezug auf die Pflege – und eine therapeutische Anwendung ist auch eine pflegerische Maßnahme – dass die pflegenden Fachleute die Launen des Patienten studieren. Das bedeutet nun nicht, dass man sich über ihn erhebt und ihn nicht ernst nimmt, dass man sich als der große Analyst aufspielt und sein „schlechtes Benehmen“ verurteilt. Das ist alles nicht gemeint. Es geht vielmehr um ein hoch differenziertes, professionelles, seelisches Wahrnehmungsvermögen und um die Fähigkeit, sich so anzupassen an die Zustände eines anderen, dass man in der Lage ist, Seelenstimmung des Anderen in wahrzunehmen. Um das zu können, muss ich meine eigene Seele zum Wahrnehmungsorgan machen für den anderen – was ich nur kann, wenn ich die menschlichen Seelenzustände gut kenne. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der &#039;&#039;Theosophie&#039;&#039;[1], einem sehr empfehlenswerten Buch für Anfänger in der Anthroposophie, sagt Rudolf Steiner, man könne lernen, seine Sympathien und Antipathien zu einem Wahrnehmungsorgan umzubilden für die Seelenstimmungen eines anderen Menschen. Wenn mir also ein Verhalten unsympathisch ist und ich Antipathie empfinde, erfahre ich dadurch ganz objektiv etwas über mich &#039;&#039;und&#039;&#039; den anderen. Antipathie ist nicht zum Ärgern da – sie soll der Wahrnehmung und dem Erkennen dienen. Das Gleiche gilt für die Sympathie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entwicklungsgedanke macht Mut&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Als ich noch Medizinstudentin war, kurz vor meiner Promotion, machte ich ein Praktikum auf einer Rheumastation. Ich hatte dort mit einer älteren Frau zu tun, Mitte 60, um die ich mich als junge, unerfahrene Medizinerin enorm bemüht hatte, so wie man das als junger Mensch macht. Ich habe die Frau noch heute vor mir – denn die ersten Patienten vergisst man sein Leben lang nicht. Sie sagte plötzlich: &#039;&#039;„Ich weiß überhaupt nicht, warum Sie sich mit mir solche Mühe geben. Das lohnt sich doch alles gar nicht mehr.“&#039;&#039; Ich erschrak und wusste in dem Moment nicht, wie ich darauf reagieren sollte. Diesen Schreck hat sie natürlich auch wahrgenommen. Ich konnte nur sagen: &#039;&#039;„Sie machen mich sprachlos. Ich weiß nicht, was ich Ihnen antworten soll.“&#039;&#039; Nach einer Weile fielen mir ein paar wichtige anthroposophische Argumente ein: dass jeder Tag in der Entwicklung zählt und dass doch auch ein gesunder Mensch nicht weiß, ob er am nächsten Tag noch lebt oder einen Autounfall erleidet usw.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lebensmüdigkeit ist ein Zeichen dafür, dass jemand den Entwicklungsgedanken noch nicht kennenlernen durfte, dass ihm dieses kostbarste Geheimnis noch verschlossen ist. Dann sollte man sich Zeit nehmen, egal welches Alter der Betreffende hat, und ihm oder ihr den Entwicklungsgedanken nahebringen. Die schönsten Gelegenheiten dazu ergeben sich noch kurz vor dem Tod. Ein tiefes Verständnis für Entwicklung kann dazu beitragen, dass jemand mit dem festen Willen über die Schwelle geht, es im nächsten Leben von vornherein anders anzugehen, die Zeit für Entwicklung zu nützen, aus dem Wissen heraus, wozu sie dient und wohin die Reise geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ganzheitlicher Blick auf den Menschen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Therapeutische Anwendungen wirken völlig anders, wenn ein Patient aktiv mitarbeitet, wenn er das Gefühl hat, dass jeder Tag zählt und sich die Qualität seines restlichen Lebens dadurch verbessern kann und er in der Zeit, die ihm bleibt, vielleicht doch noch das eine oder andere tun, denken oder erleben kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn auch bei der sogenannten Physiotherapie, bei der es primär um den physischen Leib zu gehen scheint, darf man die anderen Ebenen und Aspekte nicht vergessen bzw. außer Acht lassen. Auch sie beeinflussen das Körpergeschehen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die Lebenskräfte &lt;br /&gt;
* die seelische Integrität&lt;br /&gt;
* die geistige Identität&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* das Entwicklungspotential&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wichtigste ist der letzte Aspekt: den Menschen als in Entwicklung begriffenes Wesen zu sehen, das an die Vergangenheit angeschlossen und auf die Zukunft hin ausgerichtet ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne das Wissen des Therapeuten um diese Ganzheit können Anwendungen nicht wirklich gut wirken. Andererseits können sie eine enorme Verstärkung erfahren, wenn der Therapeut die anthroposophische Seelenkunde kennt und auch die Bereitschaft aufbringt, sich selbst auf professionelle Weise seelisch und geistig weiterzuentwickeln. Dann wird sich der ganzheitliche Blick auf den Menschen dem Patienten atmosphärisch mitteilen und die Heilung begünstigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag anlässlich des Jubiläums des 100. Geburtstags von Werner Junge, Okt. 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Theosophie&#039;&#039;, GA 9.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE FÜNF EBENEN DES MENSCHSEINS IM MEDIZINISCHEN SYSTEM ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Ebenen des Menschseins gibt es?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welches medizinische System setzt auf welcher Ebene an?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verschiedene medizinische Systeme&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wir Menschen sind komplexe Wesen, die auf unterschiedlichen Ebenen angesprochen werden können. Jedes medizinische System setzt auf einer oder mehreren dieser Ebenen an. Im Folgenden möchte ich die einzelnen Systeme kurz umreißen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;&#039;Homöopathie&#039;&#039;&#039; ist eine alternativmedizinische Behandlungsmethode, die auf den ab 1796 veröffentlichten Vorstellungen des deutschen Arztes Samuel Hahnemann beruht. Die wichtigste Grundannahme ist das Ähnlichkeitsprinzip: &#039;&#039;„Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden“ (similia similibus curentur)&#039;&#039;. Danach solle ein homöopathisches Arzneimittel so ausgewählt werden, dass die Inhaltsstoffe der Grundsubstanz unverdünnt an Gesunden ähnliche Krankheitserscheinungen (Symptome) hervorrufen könnten wie die, an denen der Kranke leidet, wobei auch der „gemüthliche und geistige Charakter“ des Patienten berücksichtigt werden solle (vgl. wikipedia).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter &#039;&#039;&#039;Spagyrik&#039;&#039;&#039; (aus dem Griechischen spao „(heraus)ziehen, trennen“ und ageiro „vereinigen, zusammenführen“) werden verschiedene Heilsysteme zusammengefasst. Das therapeutische Ziel ist die positive Beeinflussung der „Lebenskraft“ und damit die Aktivierung der Selbstheilungskräfte. Grundlage bilden die antike Naturphilosophie (z.B. die „Elementenlehre“), die Signaturenlehre und die Humoralpathologie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit &#039;&#039;&#039;Psychosomatik&#039;&#039;&#039; wird in der Medizin die Betrachtungsweise und Lehre bezeichnet, in der die psychischen Fähigkeiten und Reaktionsweisen von Menschen in Gesundheit und Krankheit in ihrer Eigenart und Verflechtung mit körperlichen Vorgängen und sozialen Lebensbedingungen in Betracht gezogen werden. Ihre Erforschung und Umsetzung in der Krankenbehandlung erfolgt in der Psychosomatischen Medizin (vgl. wikipedia).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Psychotherapie&#039;&#039;&#039; wurde früher die Lehre von der Heilung der erkrankten Seele genannt, um sie von einer Psychologie als Lehre von der gesunden Seele und einer Psychiatrie als Lehre von der erkrankten Seele abzugrenzen. Heute wird die psychotherapeutische Behandlung bzw. Heilung im Zusammenhang mit Körper und Seele eines ganzheitlich gesehenen Menschen verstanden und erklärt. Davon zu unterscheiden ist die beratende Psychologie, die sich mit allgemeinen Problemen der Lebensführung befasst (vgl. wikipedia).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit &#039;&#039;&#039;Körpertherapie&#039;&#039;&#039; werden Behandlungsmethoden zur Verbesserung von Körperhaltung, Bewegungsabläufen sowie zur direkten oder indirekten Unterstützung von Körperfunktionen bezeichnet. Je nach Methode werden spezielle manuelle Techniken, Massagearten, Bäder bzw. Anleitungen zur Schulung von Haltungen und Bewegungen angewendet. Fast alle Körpertherapiemethoden betonen die Bedeutung psychosomatischer Wechselwirkungen und gehen davon aus, dass die Körpertherapie positive psychische Veränderungen bewirkt (vgl. wikipedia).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Integrativer Ansatz der Anthroposophischen Medizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin versucht alle gemeinsam in den Blick zu nehmen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Physische Eben&lt;br /&gt;
# Ätherische Ebene&lt;br /&gt;
# Astrale Ebene&lt;br /&gt;
# Identitäts-, Ich-Organisations-Ebene&lt;br /&gt;
# Geistige Orientierung, Weltanschauung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Physische Ebene und Medizin ====&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;Schulmedizin&#039;&#039; baut ganz auf der Erkenntnis des Physischen auf. Kliniken werden entsprechend zunehmend zu Technik-Zentren. Dass der Mensch sich dabei oft nicht menschlich behandelt fühlt, zeigt deutlich, dass das nicht genügt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ätherische Ebene und Medizin ====&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;Homöopathie&#039;&#039; und &#039;&#039;Spagyrik&#039;&#039; z.B. weiß man, dass alles Leben prozessual verläuft, dass alle Substanzen aus Prozessen hervorgehen und dass alle Wirksamkeit zeitabhängig ist, im Guten wie im Schlechten. Daraus ergeben sich viele weitere Therapieverfahren, die prozessorientiert sind, sich auch mit den Lebensgewohnheiten und -rhythmen befassen und mit dem Geheimnis von Entwicklung im therapeutischen Prozess arbeiten. Wenn man lernt sein Leben den Ätherkräften oder Lebenskräften gemäß zu gestalten, wird sich das gesundend auswirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Astrale Ebene und Medizin ====&lt;br /&gt;
Auf der Gefühlsebene geht es um unsere ungemein verwundbare Seele mit ihrer Gefühlswelt, deren Wirkung auf den Körper nicht unterschätzt werden darf. Hier setzen die &#039;&#039;Psychosomatik,&#039;&#039; alle &#039;&#039;Psychotherapieverfahren&#039;&#039; sowie auch diverse &#039;&#039;Körpertherapien&#039;&#039; an. Die Anthroposophische Medizin stellt sich die zentrale Frage:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie können wir einen Kranken, der leidet, so begleiten, dass er sich trotzdem als Teil einer wohlwollenden Schöpfung und damit als ein wichtiger Teil des Ganzen fühlt?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manchmal ist das Gefühlsleben so erstarrt und verkapselt, dass man es nicht mehr über Worte oder über ein Medikament erreichen kann. Wenn man so jemandem dann ein warmes Bad bereitet – wobei es auf genau die richtige Temperatur ankommt – und dieses Bad Düfte verströmt, die der Betreffende noch nie so richtig wahrgenommen hat, können der starke Wärmereiz, der Duft, die menschliche Nähe dazu führen, dass sich dieser Mensch im eigenen Körper wieder wohl und angenommen fühlt. Das ist nicht zu unterschätzen. Auch die Umgebung, in der das Bad stattfindet, ist entscheidend: Ob es dort nur öde, kalte Fliesen gibt oder ob die Wände angenehme Farben haben, ob dort ein Bild hängt usw. Man kann auch in der Sterbebegleitung Bäder miteinbeziehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Identität und Medizin ====&lt;br /&gt;
Das gilt auch für das Identitätserleben: Es hängt von der &#039;&#039;Art der Ansprache und Ausrichtung der Therapie&#039;&#039; auf die Bedürfnisse eines Patienten ab, ob er sich als Mensch, als Individualität, wahrgenommen fühlt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Weltanschauung und Medizin ====&lt;br /&gt;
Essentiell für die Gesundung ist aber auch eine &#039;&#039;geistige Ausrichtung bzw. Lebensanschauun&#039;&#039;g, die die Möglichkeit der Entwicklung impliziert. Viele Weltanschauungen heute sind so, dass sie von einem perfekten Selbstbild ausgehen, also von einem fertigen Ergebnis: Man will rasch mit der Ausbildung fertig sein, damit man mit möglichst wenig Aufwand viel Geld verdienen und daneben noch Spaß am Leben haben kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine menschengemäße Weltanschauung dagegen impliziert, dass man sich auf allen Ebenen, egal ob beruflich oder privat, nach demselben Entwicklungsziel ausrichtet. Die Arbeitszeit wird genauso als Entwicklungszeit gesehen wie die private Zeit: Alles ist Lebenszeit, ist Entwicklungszeit, bildet zusammen die eigene Biographie. Um das so sehen und wertschätzen zu können, braucht man eine entwicklungsorientierte Weltanschauung, die einem hilft, die unterschiedlichen Bereiche und Aspekte so zu verbinden, dass man jeden Augenblick zur Entwicklung nützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag anlässlich des Jubiläums des 100. Geburtstags von Werner Junge, Okt. 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FÜNF QUELLEN FÜR KRÄNKUNG UND HEILUNG ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen Zusammenhang gibt es zwischen kränkenden und heilenden Einflüssen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wie Kränkung und Heilung zusammenhängen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ich möchte als Ärztin den Zusammenhang zwischen heilenden, therapeutischen Impulsen und Krankheitsimpulsen erläutern – sie stammen beide aus denselben fünf Quellen, die uns unser Leben lang beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Quelle auf dem physischen Plan – Karma-Impuls ====&lt;br /&gt;
Dazu gehört alles, was uns Menschen auf dem physischen Plan begegnet und zustößt: Unendlich viel Kränkendes wirkt von Kind an von außen aus der Umwelt auf uns ein, nicht nur in ökologischer, sondern auch in beruflicher und privater Hinsicht, was oft besonders quälend ist. Das heißt, aus der uns umgebenden Umwelt treffen uns unser Leben lang zahlreiche negative Attacken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann jedoch durch eine bewusste Gestaltung der schicksalhaften äußeren Umstände, z.B. indem man gut überlegt, wie, wann und wo man sich auf Begegnungen einlässt, Kränkungen minimieren. Und man kann Kräfte im Inneren aufrufen, um mit solchen Kränkungen von außen besser zurechtzukommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Quelle auf dem ätherischen Plan – Gralsimpuls ====&lt;br /&gt;
Auf dieser Ebene können Gewohnheiten kränkend wirken sowie alles Hässliche, das uns über die Sinne und über unser Denken begegnet, alles, was mit Rhythmen zu tun hat, denen wir folgen oder nicht folgen. Dazu gehören auch unsere Charaktereigenschaften, denen wir mehr oder weniger ausgeliefert sind, mit denen wir mehr oder weniger ringen. Dazu gehört aber auch alles, was die Zeitgestalt unserer Biografie ausmacht: der Tagesablauf, die zeitliche Gestaltung der Woche, des Monats und des Jahres.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir unser Leben den Ätherkräften oder Lebenskräften gemäß gestalten lernen, wird sich das gesundend auf uns auswirken, dann kann aus dieser Quelle Gesundheit geschöpft werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Quelle auf dem astralen Plan – Sophia-Impuls ====&lt;br /&gt;
Hier sind seelische Beziehungen oft die Ursache für Kränkungen, besonders wenn sie sich auf der Gefühlsebene abspielen. Gefühle sind laut Rudolf Steiner Vorboten von Gesundungs- bzw. Kränkungstendenzen. Zu den Jungmedizinern[1] sagte er, der Arzt der Zukunft wäre in der Lage, den Gesundheitszustand seiner Patienten durch eine feine Beobachtung ihres Gefühlslebens zu diagnostizieren. Er würde ihre Gefühle anschauen und Gesundheits- und Krankheitsdispositionen benennen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Mensch weiß aus der Beobachtung seiner selbst und anderer, dass er krankheitsgefährdet ist, wenn er Mühe hat, seine Gefühle so auszubalancieren, wie er es normalerweise vermag. Wenn Kinder schlecht gelaunt sind, ist das für die Mutter meist ein deutliches Zeichen, dass sie etwas „ausbrüten“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Schwierige Gefühlskontrolle&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Wenn man anfängt sich zu schulen, z.B. indem man mit &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“&#039;&#039;[2] zu arbeiten beginnt, merkt man, wie ungehobelt und unerzogen das eigene Gefühlsleben noch ist. Mit dem Denken und dem Wollen zu arbeiten, ist relativ leicht. Das Gefühlsleben ist am schwersten zugänglich, weswegen bei den Nebenübungen die Gefühle erst an dritter Stelle genannt werden: Zuerst wird die Gedankenkontrolle geübt, dann die Willens- und Handlungskontrolle und erst als Drittes, Letztes, Schwierigstes im Seelenleben die Gefühlskontrolle. Man muss im Denken und Wollen quasi bereits Tritt gefasst haben, bevor man sich an diese sensible Mitte wagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Quelle auf der Ich-Ebene – Michael-Impuls ====&lt;br /&gt;
Mit der Ebene des Wortes sind wir beim Kern, beim Ich-Impuls, dem Michael-Impuls, angelangt. Man hat den Eindruck, diese Inspirationsquelle für Gesundheit und Krankheit war Rudolf Steiner besonders nahe. Sie betrifft ja die Ich-Ebene, auf der wir uns alle selbst am nächsten sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wirkt das Ich nun kränkend?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann es heilend wirken?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Paracelsus[3] nennt das Ich den „Indwendig-Arzt“. Für Albert Steffen[4] war offensichtlich: Das niedere Selbst kränkt, das Höhere Selbst heilt. So versuchte er auch in seinen Dramen das Niederste, aus dem heraus seine Figuren handelten und Verbrechen begingen, immer wieder in Zwiesprache zu bringen mit dem Hohen, dessen verzerrtes Abbild das Niedere ist, sodass die tiefe Selbstkränkung, wenn die niedere Natur siegt, durch das heilsame Einwirken des höheren Menschen ausgeglichen werden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Quelle auf dem menschheitlichen Plan – Christusimpuls ====&lt;br /&gt;
Die fünfte Quelle der Kränkung, die menschheitliche Situation im Sozialen, in der wir uns heute alle befinden, hat mit den rasanten Veränderungen der heutigen Zeit zu tun. Wenn man Menschen fragt, was sie am meisten kränkt oder womit sie am wenigsten zurechtkommen, sagen die meisten der durchschnittlichen und normal gesunden Menschen, dass sie an den immer schwerer zu durchschauenden menschheitlichen Krisen, Konflikten und Problemen der heutigen Zeit leiden. Das zu kompensieren, in alledem froh und lebensbejahend zu bleiben, sich angesichts dieser schwierigen Zeitverhältnisse aufrecht zu halten, macht dem Menschen heute viel mehr Mühe, als persönliche Probleme zu kompensieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese fünfte Krankheitsquelle kann nur durch eine menschheitlich weitblickende Perspektive zur Gesundheitsquelle verwandelt werden. Denn man läuft Gefahr am Augenblick zu verzweifeln, wenn man Krisen und Konflikte nicht in einem viel größeren Zusammenhang sehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag „Das Therapeutische in der Dichtung von Albert Steffen“ anlässlich der Steffen-Ausstellung am Goetheanum, Neujahr 2010&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Jungmedizinerkurs&#039;&#039;, GA 316.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?&#039;&#039;, GA 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Philippus Theophrastus Aureolus Bombastus von Hohenheim, getauft als Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, (* vermutlich 1493 in Egg, Kanton Schwyz; † 24. September 1541 in Salzburg) war ein Arzt, Alchemist, Astrologe, Mystiker, Laientheologe und Philosoph. Paracelsus hinterließ zahlreiche deutschsprachige Aufzeichnungen und Bücher medizinischen, astrologischen, philosophischen und theologischen Inhalts, die größtenteils erst nach seinem Tod gedruckt wurden. (wikipedia)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Albert Steffen (* 10. Dezember 1884 in Wynau; † 13. Juli 1963 in Dornach) war ein Schweizer Schriftsteller und Anthroposoph. Nach dem Tode Rudolf Steiners war Steffen ab 1925 dessen Nachfolger als Vorsitzender der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft. (wikipedia)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FÖRDERUNG VON PATIENTENKOMPETENZ ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist unter Patientenkompetenz zu verstehen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielt der Patient im Gesundheitssystem?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sind seine Möglichkeiten, ja Aufgaben in Bezug auf die nötigen Reformen des Gesundheitswesens?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Notwendige Demokratisierung des Gesundheitswesens&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Bereits 1920 hat Rudolf Steiner in einem seiner öffentlichen Vorträge die „Demokratisierung des Gesundheitswesens“ gefordert.[1] Ärzte, Apotheker, Hersteller und Verbraucher seien herausgefordert, gemeinsam und in Partnerschaft mit den Patienten bzw. Bürgern Mitverantwortung für die Gestaltung des Gesundheitswesens zu übernehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Zielsetzung fühlt sich die Anthroposophische Medizin bis heute verpflichtet. So werden der Gesundheitsaufklärung und Prävention, aber auch der Hilfestellung für eine vertretbare Selbstmedikation viel Aufmerksamkeit geschenkt.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinzu kommt ein großes Engagement für eine gesundheitsfördernde Erziehung und Umgebungsgestaltung einschließlich gesunder Ernährung und nachhaltiger biologischer und biologisch-dynamischer Landwirtschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Mündiger Patient als Regulator&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die inzwischen chronisch gewordene Diskussion um die Reform des Gesundheitswesens zeigt zudem deutlich, dass selbst die besten Ideen für eine Neustrukturierung des Gesundheitswesens zu keiner befriedigenden Kostenregulierung führen können, wenn sich nicht der mündige Patient mit als Regulator empfindet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gehört heute zur Patientenkompetenz, sich selbst auch Gedanken zur Gesundheitsvorsorge sowie zu bestimmten diagnostischen und therapeutischen Verfahren zu machen und letztlich zu bestimmen, was geschehen soll. Auch ist schon lange evident, in welch hohem Maß der Patient de facto für seine Gesundheit Verantwortung trägt. Spätestens anlässlich einer Operation wird ihm bewusst, dass der Arzt zwar über die damit verbundenen Risiken aufklärt und sein Bestes tut, er selbst jedoch mit den Risiken und Folgen zu leben hat und folglich Entscheidungsträger sein muss. Es ist keine Frage, dass medizinische Grundkenntnisse heute zur notwendigen Allgemeinbildung gehören und das menschliche Selbstverständnis in Gesundheit und Krankheit mit­prägen. Apotheker und Ärzte werden daher zunehmend in ihrer Lehr- und Berufskompetenz gefordert, um die erforderliche Hilfe zur Selbsthilfe leisten zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Artikel in der Deutschen Apothekerzeitung DAZ Nr. 39, 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Hygiene als soziale Frage, in: Physiologisch-Therapeutisches auf Grundlage der Geisteswissenschaft&#039;&#039;, GA 314. Dornach 1989, S. 221-261.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] M. Glöckler, B. Emde, &#039;&#039;Anthroposophische Medizin, in: Komplementärmedizin für die Kitteltasche. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation,&#039;&#039; Stuttgart 2009 und ders.: &#039;&#039;Anthroposophische Medizin, In: Komplementärmedizin für Kinder. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation&#039;&#039;, Stuttgart 2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ANTHROPOSOPHISCHE PSYCHOTHERAPIE ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist das Besondere an der anthroposophisch inspirierten Psychotherapie?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welches Licht wirft der Karma-Gedanke auf seelisch-geistige Probleme?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Lektüre zur anthroposophischen Psychotherapie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im Hinblick auf diese Schicksalsdramatik des Menschseins sind die &#039;&#039;Mysteriendramen[1]&#039;&#039; von Rudolf Steiner ein ganz zentrales Werk. Wenn mich Biografiearbeiter, Psychologen und Ärzte, die sich für Seelenkunde interessieren, fragen: &#039;&#039;„Wie kann man sich in das Gebiet des Seelischen aus Sicht der Anthroposophie einarbeiten?“,&#039;&#039; empfehle ich gerne die pädagogischen Vorträge von Rudolf Steiner über die drei Jahrsiebte,[2] aber auch das Studium von &#039;&#039;„Grundlegendes…“[3],&#039;&#039; begleitet von der Lektüre der Karmavorträge.[4] Diese Werke sind das Fundament einer vom Schicksalsgedanken inspirierten anthroposophischen Psychotherapie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich möchte im Folgenden in aller Kürze ein paar Gesetze nennen, wie sie uns Rudolf Steiner aus seiner Forschung mitgeteilt hat – zum Überprüfen, zum Umgang damit, zum Überlegen, ob sie hilfreich sind für Ihre Arbeit. Wir können diese Forschungsergebnisse z.B. auch als Arbeitshypothese nehmen bei unserem täglichen Tun. Wenn sie sich als fruchtbar erweisen, können Sie diesen Weg weiterverfolgen, wenn nicht, greifen Sie zu anderen Werkzeugen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Karmische Ursache für seelische Erkrankungen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Auf die Frage, worin die Ursache für seelische Erkrankungen läge, antwortete Rudolf Steiner in den &#039;&#039;„Offenbarungen des Karma“[5]&#039;&#039; und in der &#039;&#039;„Akasha-Chronik“[6]:&#039;&#039; &#039;&#039;„Die Ursache für seelische Erkrankungen liegt in einem mangelnden Interesse am anderen Menschen in einem früheren Erdenleben“&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier geht es nicht darum, durch welche Faktoren es zu diesem mangelnden Interesse kam, es ist rein phänomenal betrachtet, hat mit Schuld und Unschuld nichts zu tun. Fakt ist demnach: Ein Mensch, der in seinem Erdendasein kein warmes Interesse für andere Menschen entwickeln konnte – und sei es nur für &#039;&#039;einen&#039;&#039; Menschen – dem fehlt im nachtodlichen Leben, wenn das Menscheninnere, das Seelische, Außenwelt wird, die Orientierung. Er ist dann nicht in der Lage, sich an diesem neuen Äußeren so zu orientieren, dass er sich einen neuen Körper aufbauen kann, der beim Heranwachsen ein gesundes Seelenleben ermöglicht, wenn die Wesensgliederkräfte frei werden. Das möchte ich im Folgenden kurz näher erläutern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Wesensglieder und ihre leibgebundenen und leibfreien Kompetenzen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Zum&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Physischen Leib&#039;&#039; gehört unser physischer Körper, die Sinnesorgane und die daraus resultierende Gnade der Wahrnehmung.&lt;br /&gt;
* Zum &#039;&#039;&#039;Ätherleib&#039;&#039;&#039; gehören die unbewussten leibgebundenen Lebens- Wachstums- und Regenerationsprozesse und das leibfreie Denkvermögen.&lt;br /&gt;
* Zum &#039;&#039;&#039;Astralleib&#039;&#039;&#039; gehören die leiblichen Differenzierungsprozesse, die Bewegungskompetenz und das Fühlen als leibfreie seelisch regsame Kompetenz.&lt;br /&gt;
* Zur &#039;&#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;&#039; gehören die leiblichen Integrationsprozesse, die Erlangung der richtigen Proportionen beim körperlichen Wachstum und die leibfreie Fähigkeit in Ganzheiten zu denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kind gewinnt im &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;1. Jahrsiebt&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; mithilfe der &#039;&#039;ätherischen Wachstumskräfte&#039;&#039; bis zum Zahnwechsel an &#039;&#039;Größe&#039;&#039;. Die Kräfte, die ihre Arbeit getan haben, werden sukzessive leibfrei und stehen zunehmend dem DENKEN zur Verfügung. Das Freiwerden der ätherischen Kräfte aus dem Körper kulminiert in der &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Schulreife&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;. Dieser Höhepunkt wird auch &#039;&#039;&#039;Geburt des Ätherleibes&#039;&#039;&#039; genannt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;2. Jahrsiebt&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; reifen zusätzlich die &#039;&#039;seelischen Kompetenzen&#039;&#039; heran, indem die &#039;&#039;astralen Kräfte&#039;&#039; zuerst den &#039;&#039;Leib durchdifferenzieren&#039;&#039; und, wenn sie ihre Arbeit getan haben, sukzessive leibfrei werden und das FÜHLEN ermöglichen. Die Kulmination des Freiwerdens der astralen Kräfte aus dem Körper zur &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Geschlechtsreife&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; wird auch &#039;&#039;&#039;Geburt des Astralleibes&#039;&#039;&#039; genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;3. Jahrsiebt&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; reifen die &#039;&#039;geistigen Kompetenzen&#039;&#039; heran, indem die &#039;&#039;Integrations-Kräfte&#039;&#039; der Ich-Organisation den heranwachsenden Körper in eine &#039;&#039;stimmige Ganzheit&#039;&#039; verwandeln und anschließend als WOLLEN zur Verfügung stehen. Wenn der Jugendliche ausgewachsen ist, kulminiert dieser Prozess in der &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Mündigkeit&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; bzw. selbstverantwortlicher Handlungsfähigkeit und wird auch &#039;&#039;&#039;Geburt des Ich&#039;&#039;&#039; genannt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entsprechung von Lebensprozess und seelisch-geistiger Kompetenz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Alle leibfreien Kompetenzen sind verwandelte Lebenstätigkeit des Organismus: So wie wir dank der unbewussten Lebenskräfte die Nahrung zerkleinern und aufspalten (= analytisch) und anschließend zu menschlicher Substanz zusammensetzen (= synthetisch) – dieser Prozess wird Stoffwechsel genannt – so denken wir entsprechend mit den leibfrei gewordenen bewussten Ätherkräften auch analytisch und synthetisch. Das ist nur ein Beispiel für die Entsprechung von leibgebundener Lebenskraft und leibfreier Kompetenz im Denken, Fühlen und Wollen. Man kann sagen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Denken&#039;&#039;&#039; ist metamorphosierte &#039;&#039;leibfreie Wachstumskraft&#039;&#039; (Ätherleib).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Fühlen&#039;&#039;&#039; ist metamorphosierte &#039;&#039;leibfreie Astralität&#039;&#039; (Astralleib).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wollen&#039;&#039;&#039; ist leibfreie zur Verfügung stehende &#039;&#039;Ich-Tätigkeit&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem bisher Gesagten, wollte ich den innigen Zusammenhang zwischen leiblicher Konstitution und seelisch-geistiger Disposition deutlich machen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das heißt, es hängt von der Qualität der Organe und dem Ablauf der leiblichen Prozesse ab, ob die daraus hervorgegangenen seelischen Kräfte sich frei handhaben lassen oder ob sie den Menschen überfluten, attackieren und bezwingen – was sich dann als psychisches Störungsbild zeigen kann. Ist Letzteres der Fall, bedeutet das, dass die Ich-Kompetenz, die in das Erdeninstrument des Leibes hereinleuchten und sich ihm über die Ich-Organisation mitteilen möchte, sich an den Organen nicht richtig zu spiegeln vermag und sich auch nicht im Seelischen beheimaten kann, weil die aus dem Leib hervorgegangene Seelenkonfiguration es nicht oder nur eingeschränkt zulässt. Die Qualität des seelischen Erlebens hängt also immer auch von Art und Qualität der Leibbildung ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ringen mit Schwäche bringt zukünftige Stärke&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dazu ein Beispiel: Möglicherweise leidet man darunter, dass man seelisch nicht richtig in Beziehung kommen kann zu anderen Menschen. Man erlebt sich als in sich selbst gefangen – was laut Rudolf Steiner als karmische Ursache das fehlende Interesse an anderen hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesem großen Schmerz folgt jedoch im Nachtodlichen die große Befreiung, weil man so sehr mit den Beziehungen und mit sich selbst gerungen hat, dass man für die kommende Inkarnation ein besonders geeignetes Erdeninstrument bilden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit anderen Worten: Wenn wir interessiert und ehrlich miteinander umgehen, bauen wir damit gesunde Seelenkräfte für das nächste Leben auf. Unser Bemühen ist nicht nur für dieses Leben wichtig und gut und erleichtert uns das Leben und die Arbeit. Das Interesse an anderen Menschen und am sozialen Miteinander ist zugleich die Vorbereitung für eine besonders gesunde und starke Seele im nächsten Leben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag an der Jahreskonferenz der Med. Sekt. am Goetheanum zum Thema Anthroposophische Psychiatrie, Dornach 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Vier Mysteriendramen&#039;&#039;, 1910-13, GA 14.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft&#039;&#039;, in: &#039;&#039;Luzifer-Gnosis&#039;&#039;. GA 34. Dornach 1987.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Offenbarungen des Karma&#039;&#039;, GA 120.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Aus der Akasha-Chronik&#039;&#039;, GA 11.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FRAGEN ZUM THEMA ANTHROPOSOPHISCHE MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;FRAGE:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Wie ist es, wenn man in Asien über Anthroposophische Medizin spricht?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;ANTWORT:&#039;&#039;&#039; In Asien ist Spiritualität in der Medizin viel selbstverständlicher als in Europa.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu ein konkretes Beispiel: In Indien praktiziert man Ayurveda. Wenn man dort das Anthroposophische Menschenbild erklärt, erkennt man, dass es 1:1 dasselbe ist wie das Ayurvedische. Der einzige Unterschied besteht darin, dass das ayurvedische Menschenbild und Gesundheitsverständnis in Worten und Begriffen dargestellt sind, die es nicht erlauben, eine direkte Verständnisbrücke zur naturwissenschaftlichen Medizin zu bauen. Das aber kann die Terminologie der Anthroposophischen Medizin leisten. Daher interessieren sich die Kursteilnehmer für die Anthroposophische Medizin, weil sie dadurch ihr eigenes System besser verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ging es auch einer Freundin von mir – sie ist Inderin –, die durch die Anthroposophische Medizin ihre Hindu-Spiritualität neu entdeckte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir begleiten z.B. Kollegen, die Ayurveda-Ärzte bleiben wollen, indem wir sagen: Ihr könnt anthroposophischer Ayurveda-Arzt werden. Und so haben wir dort schon anthroposophische Homöopathen zertifiziert, anthroposophische Ayurveda-Ärzte sind in Ausbildung und Schulmediziner können „normale“ anthroposophische Ärzte werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;FRAGE:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Mich interessiert, wie man die Anthroposophie, die ja stark mit dem Christentum zusammenhängt, mit anderen Religionen verbinden kann.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;ANTWORT:&#039;&#039;&#039; Das Wesentliche am Christentum ist das rein Menschliche, von dem man in jeder Kultur sprechen kann. Für den Buddhistischen Kulturkreis wird es von Buddha verkörpert, der im Herzen und in der Aura lebt, in der Gerechtigkeit, in der Wahrheit, in der Liebe, in all den Werten, deren Pflege Menschlichkeit fördern. Nur ein Wert findet sich bevorzugt und eigentlich nur im Christentum und wird dort konsequent berücksichtigt: Wert und Würde der menschlichen Freiheit, so wie sie bei Johannes im 8. Kap. veranlagt ist: &#039;&#039;„Ihr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen“&#039;&#039;.[1] Da der Christus aber von sich selber sagt: &#039;&#039;„Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“&#039;&#039;, ist klar, dass er nicht die Freiheit verkörpert, aber uns zu freien Wesen machen möchte, zu seinen Freunden – &#039;&#039;„denn ein Knecht weiß nicht, was sein Herr tut“.&#039;&#039;&#039;[2]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Da die Anthroposophie auf dem Weg der „Philosophie der Freiheit“[3] von Steiner beruht, geht es bei allem um diesen zentralen christlichen Wert, auch wenn man den Namen des Christus nur nennt, wenn es passt oder gefragt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;FRAGE:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Sie hatten von dem Paradigmenwechsel vom pathogenetischen Krankheitsbild zum integrativ-salutogenetischen gesprochen und gemeint, dass das gut machbar wäre. Ich wollte Sie bitten, noch näher darauf einzugehen, weil wir uns auch im Rahmen des Studiums sehr viele Gedanken dazu machen und uns fragen, wie es gerade in der konkreten Umsetzung in einem normalen Krankenhaus möglich wäre, so einen Paradigmenwechsel vorzuleben&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;ANTWORT:&#039;&#039;&#039; Das ist in der Praxis zugegebenermaßen sehr schwer. Deswegen braucht es Netzwerke von vielen Medizinern, die sich gegenseitig immer wieder motivieren, Mut zusprechen, Tricks verraten, was man tatsächlich machen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meiner Erfahrung nach gibt es zwei Felder, bei denen man unmittelbar ansetzen kann, auch im kommunalen Krankenhaus: Man kann präventiv-medizinisch beraten, bei der Erziehung und Selbsterziehung ansetzen. -  Wir Ärzte müssen uns schon deshalb intensiv mit Pädagogik auseinandersetzen, weil fast alle Eltern Fragen zu diesem Thema haben. Da kann man viel tun. Dazu gehören auch Selbsterziehung und Meditation und alle Themen, die innere Entwicklungsarbeit betreffen. Auch hier kann man sofort ansetzen. Beides wirkt bereits in hohem Maße salutogenetisch und hilft, ein anderes Verständnis von Krankheit und Gesundheit zu bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem kann man schulmedizinische Präparate viel sorgfältiger indizieren als üblich – das Einverständnis des Patienten vorausgesetzt. Nicht aus Sicherheitsgründen bei jeder Krankheit „Gürtel und Hosenträger“ zum Einsatz bringen, bildlich gesprochen. Auch erlebe ich, dass in der Onkologie gerade Krebspatienten fragen: Gibt es nicht noch etwas anderes? Dann kann man von den Mistelpräparaten erzählen, auch im öffentlichen Krankenhaus. Wenn Patienten fragen, sollte man ehrlich antworten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner sprach von der Demokratisierung des Gesundheitswesens.[4] Patienten, Leistungserbringer, Krankenversicherungen, Kommunalpolitiker – sie gehören an einen Tisch und sollten auf Augenhöhe beraten, wie ein gerechtes Gesundheitswesen aussehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Schweiz, in der es eine Basis-Demokratie gibt, haben wir es nur durch Volksabstimmung geschafft, die Komplementärmedizin in die Bundesverfassung aufzunehmen. TCM (trad. Chinesische Med.), Homöopathie, Phytomedizin und Anthroposophische Medizin müssen von den Kassen über die Grundversicherung erstattet werden, weil diese Verfahren jetzt Bestandteil der Bundesverfassung sind, also praktisch Grundgesetz. Auch in Deutschland könnte es eine solche Volksbewegung geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir das schaffen würden, auf einem ähnlichen Wege eine demokratische Gesundheitsbewegung auf die Beine zu stellen, die verlangt, dass das Grundgesetz uns die freie Therapiewahl garantiert, dass man Ärzte und medizinische Verfahren selbst wählen darf und die Krankenkassen das bis zu einem gewissen Grad erstatten müssen, wären wir einen Riesenschritt weiter. Ohne den gegenseitigen Ansporn einer guten Vernetzung wird es aber nicht gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe kürzlich bei einer Tagung zur Organtransplantation Pim van Lommel getroffen. Er hielt einen schönen Vortrag über außerkörperliche Erfahrungen seiner kardiologischen Patienten, über das „ewige Bewusstsein“. Am Ende forderte er auch den Paradigmenwechsel, Spiritualität als Realität anzuerkennen, weil die außerkörperliche Erfahrung wahr ist und in die Medizin integriert werden muss. Ich fragte ihn, wie er sich das vorstellt. Er sagte, er erwarte nichts mehr von der Wissenschaft, sondern alles von der Zivilgesellschaft. Dort wäre noch gesunder Menschenverstand vorhanden. Die Wissenschaft sei „eingekauft“ und viel zu fremdbestimmt durch Gelder aus der Wirtschaft, von denen sie abhängig ist. Von der Seite könne man den Paradigmenwechsel nicht erwarten. Solange man viel Geld verdient mit der Krankheit, wird man nicht freiwillig einen Paradigmenwechsel anstreben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;FRAGE:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Ich fand sehr interessant, dass das Menschenbild in der Anthroposophischen Medizin sich auch vergleichen lässt mit dem Menschenbild anderer Ausrichtungen. Sie sprachen von einer transzendenten Ebene im Körper, die nach dem Tode den Körper verlässt. Gibt es dazu ein Konzept in der AM, das besagt, was mit dieser Ebene nach dem Tode passiert?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;ANTWORT:&#039;&#039;&#039; Ich schreibe einige Werke von Rudolf Steiner dazu auf: GA ist die Abkürzung für das Wort Gesamtausgabe, die 358 Bände umfasst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GA 27 ist das Grundlagenwerk für die Medizin,[5] in dem das neue Gesundheits-Paradigma beschrieben wird. Dort wird auch charakterisiert, wie es zu dem „ewigen Bewusstsein“ kommt und wie es funktioniert: Wir denken mit der Lebenstätigkeit – den ätherischen Kräften, die unser Körper nicht (mehr) für Wachstum und Regeneration braucht. Warum ist Beten, Spiritualität gesund? Weil es die Lebenskräfte sind, die wir dabei betätigen – was natürlich gesundend zurückwirkt auf den Körper. Körperleben und Gedankenleben (Geistesleben) sind nicht getrennt. Beim Altern nimmt das Geistesleben zu und das Körperleben ab, das unterscheidet sie, aber sie bleiben bis zum Tod immer verbunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Studium des Nachtodlichen würde ich euch raten, folgende Werke zu studieren: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
·      &#039;&#039;„Inneres Wesen des Menschen und Leben zwischen Tod und neuer Geburt“,&#039;&#039; GA 153.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
·      Dann gibt es noch einen sehr schönen Zyklus: &#039;&#039;„Der Tod als Lebenswandlung“,&#039;&#039; GA 182,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
·      und auch &#039;&#039;„Das Leben zwischen dem Tode und der neuen Geburt im Verhältnis zu den kosmischen Tatsachen“&#039;&#039;, GA 141.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
·      Mein Lieblingsbuch ist GA 10, &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten“&#039;&#039;, das Schulungsbuch für die Selbstentwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn das habe ich bemerkt: Wenn man keine echte Freude an der Selbstentwicklung hat, ist man auch nicht wirklich motiviert, andere in ihrer Entwicklung zu unterstützen. Man muss Experte werden in Sachen Entwicklung. Dazu gehört auch das Thema Unvollkommenheit, Spaß am Lernen – und nicht zu meinen, man dürfe keine Fehler machen. Durch meine kinder- und schulärztliche Tätigkeit bin ich zum Fehler-Apostel geworden. Jeder muss seine Fehler machen dürfen, weil man nur so authentisch wird. Angesichts von Fehlern sollten wir uns gegenseitig auf die Lektion hinweisen, die dadurch gelernt werden kann. Nur so können wir ein ungestörtes Verhältnis zu Fehlern entwickeln. Dieses Buch ist dabei eine große Hilfe. Es beschreibt die Entwicklung von Alpha zu Omega. Auch wenn Patienten weiterentwickelt sind als wir und Fragen bezüglich des inneren Weges haben, hilft es den Weg als Ganzes zu kennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur Anthroposophischen Medizin, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] &#039;&#039;Neues Testament, Johannes&#039;&#039; 8, 32.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ebenda, 15, 15.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Philosophie der Freiheit,&#039;&#039; GA 4, Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1995.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Hygiene als soziale Frage. In: Physiologisch-Therapeutisches auf Grundlage der Geisteswissenschaft.&#039;&#039; GA 314. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1989, S. 221 - 261.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner/Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen&#039;&#039;, GA 27 (1991).&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Offenborn</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Anthroposophische_Medizin&amp;diff=1257</id>
		<title>Anthroposophische Medizin</title>
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		<updated>2026-01-12T14:21:52Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Offenborn: /* HUMANMEDIZIN DER ZUKUNFT */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= Anthroposophische Medizin – von Michaela Glöckler =&lt;br /&gt;
Auszüge aus Büchern und Vorträgen von [[Michaela Glöckler]]; Erstveröffentlichung auf https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== HUMANMEDIZIN DER ZUKUNFT ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was war Rudolf Steiners Vision einer Humanmedizin der Zukunft?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Herausforderungen müssen zu ihrer Verwirklichung gemeistert werden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Berücksichtigung der Individualität und Würde&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiners letztes Werk, &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“,[1]&#039;&#039; das er gemeinsam mit Ita Wegman verfasste, gibt einen klaren Ausblick auf eine Humanmedizin der Zukunft, in der sich die Erkenntnisse der naturwissenschaftlich-empirischen Forschung mit denen der anthroposophischen Geistesforschung zur Heilkunst verbinden können. Wäre der Mensch eine Maschine, so ließen sich Körper, Seele und Geist reparieren und steuern, sobald der Mechanismus durchschaut ist. Auch wenn dieses Paradigma immer noch hoch im Kurs steht: Die tägliche Erfahrung zeigt, dass dem nicht so ist. Jedes Individuum, jede menschliche Biografie ist einmalig und bedarf der individuellen (Selbst-)Erkenntnis, Pflege und Gestaltung. Nicht umsonst gibt es den schönen Begriff der Lebenskunst dafür, wenn diese individuellen Gestaltungsprozesse graduell gelingen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wird das Menschenbild auf die rein naturwissenschaftliche Ebene reduziert und Seele und Geist – hypothetisch – zu Ergebnissen von molekulargenetisch und biochemisch steuerbaren Prozessen gemacht, verliert der Begriff menschlicher Würde seinen Inhalt. Denn Wert und Inhalt erhält dieser Begriff durch die Möglichkeit der Entwicklung von Freiheit, Selbstverantwortung und einer Kultur des Gewissens, wie sie der Frühromantiker &#039;&#039;Novalis&#039;&#039; im zweiten Teil seines &#039;&#039;„Heinrich von Ofterdingen&#039;&#039;“ so prägnant beschrieben hat und wie sie auch der Anthroposophie zugrunde liegt.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine solche Kultur lässt sich nicht von außen steuern, wohl aber kann sie sich entwickeln, wenn dies von vielen einzelnen Menschen individuell eingesehen und gewollt wird – wenngleich sie heute noch vielfach als „Torheit“ angesehen wird. Rudolf Steiner sagte dazu: &#039;&#039;„Aber was oft die Vernunft der kommenden Zeiten ist, das ist für die vorhergehenden Torheit.“[3]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verbindung von Materialismus und Spiritualität&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
So ging es Steiner auch dezidiert nicht um ein Entweder-Oder bezüglich Materialismus und Spiritualität, sondern um ein wirklichkeitsgemäßes Sowohl-als-auch:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Der Materialismus ist die Weltanschauung, die den Menschen betrachtet, insofern er hervorgegangen ist aus den Substanzen und Kräften dieser Erde. Und wenn auch mancher betont, der Mensch bestehe nicht bloß aus den Substanzen und Kräften dieser Erde, so haben wir doch keine Wissenschaft, die sich mit dem am Menschen beschäftigt, was nicht aus den Substanzen und Kräften dieser Erde kommt. Deshalb ist heute die Behauptung von vielen, die es von ihrem Standpunkt aus gut meinen, daß irgendwie das Ewige in dem Menschen dennoch verstanden werden könne, eine nicht ganz ehrliche. […] Und viele, die heute den Materialismus widerlegen wollen, wissen eigentlich nicht, was sie tun; denn sie ahnen nicht, welche ungeheure Bedeutung die Detailkenntnisse haben, die der Materialismus gebracht hat. Und sie ahnen nicht, was für eine Konsequenz für das Ganze der Menschenerkenntnis der Materialismus gebracht hat“.[4]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Es ist die Tragik des Materialismus, daß er nichts von der Materie weiß, wie sie in Wirklichkeit in den verschiedenen Gebieten des Daseins wirkt. [...] Er weiß gar nichts über die Wirkung der Materie, weil man darüber erst etwas erfährt, wenn man die in der Materie wirksame Geistigkeit, die die Kräfte darstellen, ins Auge fassen kann.[5]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von dieser &#039;&#039;„in der Materie wirksamen Geistigkeit“&#039;&#039; ist in &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst[6]&#039;&#039; die Rede – so wie sie aus Sicht der Anthroposophie im Weltall, der Natur und im Menschen anzutreffen ist. Diese ‚Kräfte‘ und ihre Gesetzmäßigkeiten ebenso zu studieren wie die Naturgesetze, ist und bleibt lebenslang Aufgabe und Herausforderung für jeden anthroposophischen Arzt. Das Ziel dieses Weges – der sich gesund entwickelnde Mensch – ist dabei ein inspirierendes Ideal für Forschung, Entwicklung und tägliche Arbeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Integrativ-medizinischer Ansatz der AM&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin (AM) ist inzwischen auf allen Kontinenten vertreten in Form von Arztpraxen, Therapiezentren mit vielfältigen Behandlungsangeboten, Pflegeeinrichtungen, Krankenhäuser, Akutversorgungs- und Rehabilitationszentren, private medizinische Kliniken und multidisziplinäre Ambulanzen.[7] Diese weltweite Präsenz bestätigt den integrativ-medizinischen Ansatz, der weit über eine bloße „tolerante Kooperation“ von verschiedenen komplementären Modalitäten hinausgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Angebot der Anthroposophischen Medizin umfasst: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* konventionelle Methoden &lt;br /&gt;
* spezifische anthroposophische Arzneimittel,&lt;br /&gt;
* Pflegetechniken und äußerliche Anwendungen,&lt;br /&gt;
* künstlerische Therapien,&lt;br /&gt;
* Beratung zu gesunder Lebensführung und Ernährung,&lt;br /&gt;
* Körperarbeit,&lt;br /&gt;
* therapeutische Eurythmie&lt;br /&gt;
* und Meditationspraktiken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin (AM) wird in Steiners letztem Werk als auf einer stringenten anthropologisch-philosophischen Methode basierend dargestellt, die die Wirkprinzipien aller spirituellen, psychosomatischen und naturwissenschaftlich fundierten Heilmethoden umfasst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Fünf medizinische Wirkprinzipien&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle alten und modernen Medizinsysteme gründen ganz oder teilweise auf fünf Prinzipien: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# auf physisch-materiell greifbaren Prozessen und Fakten &#039;&#039;&#039;(physische Ebene)&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
# auf Lebensgesetzen, die sich in rhythmischen Abläufen manifestieren &#039;&#039;&#039;(ätherische Ebene)&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
# auf der Dynamik von Seele und Geist &#039;&#039;&#039;(astrale Ebene)&#039;&#039;&#039;, &lt;br /&gt;
# auf der Persönlichkeitsbildung &#039;&#039;&#039;(Ich-Ebene)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
# und schließlich auf dem fünften Prinzip, von Aristoteles als „pempte ousia“ bezeichnet, die fünfte Essenz des Menschen &#039;&#039;&#039;(spirituelle Ebene)&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner erklärte und definierte diese fünf Prinzipien neu und machte sie so vorstellbar, beobachtbar und im Alltag anwendbar. Sie begründeten nicht nur das anthroposophische Menschenverständnis, sondern ermöglichen auch ein gegenseitiges Verständnis der verschiedenen Medizinsysteme. Darüber hinaus wird durch sie verständlich, dass Menschen – anders als Tiere, deren Entwicklung von Instinkten gesteuert wird – ihre instinktive Unsicherheit und „physiologische Unvollkommenheit“ durch Lernprozesse kompensieren müssen: durch bewusst gesteuertes Denken, Fühlen und Wollen. Nach Steiner/Wegmann prädisponiert diese besondere körperlich-geistige Konstitution den Menschen für Krankheiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Multiperspektivische Sicht auf den Menschen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Man könnte angesichts der weltweiten Verbreitung der AM auch fragen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Warum können ein Shinto-Priester, ein buddhistischer Mönch, ein Praktizierender der Traditionellen Chinesischen Medizin, ein Hindu, ein Muslim, ein Jude oder gar ein materialistischer Wissenschaftler gleichermaßen vom anthroposophischen Erkenntnisweg und der anthroposophischen Menschensicht inspiriert werden?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allen gemeinsam ist die Fähigkeit zum multiperspektivischen Denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039;  Denken neu gedacht ====&lt;br /&gt;
Diese Tatsache gewinnt durch Rudolf Steiners Entdeckung der Dualität des Ätherischen im Menschen als im Leib wirkende Lebens- und Wachstumskraft einerseits und außerkörperlich als Denkvermögen wirkende Kraft andererseits noch an Bedeutung. Demnach lässt sich das Denken als eine natürliche „außerkörperliche Erfahrung“ charakterisieren, als eine Möglichkeit, zum „ewigen Leben“ zu erwachen. Diesem neuen psychosomatischen Paradigma zufolge, kann der Mangel an instinktiver Gewissheit und „natürlicher Weisheit“ des Körpers in weisheitsvoller Denkfähigkeit resultieren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Fühlen neu betrachtet ====&lt;br /&gt;
Analog dazu ist auch die Fähigkeit des Fühlens als außerkörperliche Aktivität des Astralen (Psychischen) im Menschen aufzufassen, die über Metamorphose-Prozesse den im Leib wirkenden astralen Kräften entspringt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Tun und Sein neu beleuchtet ====&lt;br /&gt;
Und die ebenfalls über Metamorphose-Prozesse leibfrei gewordene Ich-Organisation im Menschen wird als Träger des geistigen Seins des Menschen verstanden, das letztlich auch über sein Tun entscheidet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Prinzipien als Organisationen oder Gesetzmäßigkeiten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Somit erhalten die oben erwähnten fünf Prinzipien des Aristoteles durch Rudolf Steiner eine auch anderen Konzepten zugängliche Interpretation. Rudolf Steiner bezeichnet diese Prinzipien im genannten letzten Werk als „Organisationen“, an anderen Stellen als Gesetzmäßigkeiten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* das &#039;&#039;&#039;Feste&#039;&#039;&#039; als Manifestation &#039;&#039;des Physischen&#039;&#039;, &lt;br /&gt;
* das &#039;&#039;&#039;Flüssige&#039;&#039;&#039; als Ausdruck &#039;&#039;des Ätherischen&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Luft&#039;&#039;&#039; als Trägerin &#039;&#039;des Astralen&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* und die &#039;&#039;&#039;Wärme&#039;&#039;&#039; als Ausdruck &#039;&#039;der Ich-Organisation&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[8]&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Zu Novalis siehe auch Kap. V sowie GA 59, 236–268 und Glöckler (2023c).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Siehe FN 1, S. 46.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Der übersinnliche Mensch, anthroposophisch erfasst&#039;&#039;, GA 231, 58f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Anthroposophie — Eine Zusammenfassung nach einundzwanzig Jahren. Zugleich eine Anleitung zu ihrer Vertretung vor der Welt&#039;&#039;, GA 234, 86.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Siehe FN 1, Kapitel 12.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] www.ivaa.info/anthroposophic-medicine/care-settings/.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ITA WEGMAN UND DIE ENTWICKLUNG DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kam es zur Begründung der Anthroposophischen Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie entwickelte sich die Zusammenarbeit von Ita Wegmann und Rudolf Steiner?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Schicksalhafte Zusammenarbeit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin verdanken wir der Zusammenarbeit von Rudolf Steiner und &#039;&#039;Ita Wegman&#039;&#039;. Wegman bekam von Rudolf Steiner den Anstoß, nach ihrer Ausbildung in Schwedischer Massage auch noch Medizin zu studieren. Dafür musste sie jedoch das Abitur nachholen, was für die bereits Siebenundzwanzigjährige eine große Herausforderung war. In der Zeit der Prüfungsvorbereitung schrieb sie Rudolf Steiner einen bewegenden Brief, ob er nicht etwas wüsste, das ihr helfen würde, sich besser zu konzentrieren. Leider ist uns die Antwort nicht bekannt. Jedenfalls ging alles gut, und sie begann auf Anraten &#039;&#039;Marie Steiners&#039;&#039; ihr Studium in Zürich. Deren Begründung für die Ortswahl war: &#039;&#039;„Unsere ganze Bewegung kommt ja doch einmal in die Schweiz.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu diesem Zeitpunkt war jedoch noch keine Rede davon – die Zentren der anthroposophischen Arbeit waren München und Berlin. So vollzog sich die Verbindung von anthroposophischer Geisteswissenschaft und materialistischer Schulmedizin, die bis heute für die Weiterbildung zum Anthroposophischen Arzt unerlässlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1907, bei der Spaltung der theosophischen Gesellschaft, stellte sich Ita Wegman klar auf die Seite Rudolf Steiners und der Anthroposophie. Das war nicht selbstverständlich. Denn seit ihrem 18. Lebensjahr hatte sie sich dem Gedankengut der Theosophie gewidmet als Mitglied der Theosophischen Gesellschaft. Doch nach dem schicksalhaften Zusammentreffen mit Rudolf Steiner in Berlin war sie seine persönliche Schülerin geworden.[1] Ita Wegman engagierte sich dann mit anderen dafür, dass Rudolf Steiner oft in die Schweiz kam, um Vorträge zu halten. Wenn sie zu viel reiste, um auch in anderen Städten und in Deutschland seine Vorträge hören zu können – sie war auch 1911 in Prag bei dem Vortragszyklus über die okkulte Physiologie – ermahnte Rudolf Steiner sie, dass sie auch studieren müsste, um ihr Medizinstudium abzuschließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fruchtbare Konsequenzen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wegman war quasi der Prototyp eines anthroposophischen Arztes: nicht primär der Homöopathie oder einer spirituell-komplementärmedizinischen Richtung verbunden, sondern akademisch ausgebildet an einer renommierten Universität. Ihre fachärztliche Weiterbildung zur Gynäkologin absolvierte sie am Spital Liestal ganz in der Nähe von Dornach&#039;&#039;&#039;.&#039;&#039;&#039; Anschließend ließ sie sich in Basel als Allgemeinärztin nieder. 1921 entschloss sie sich, ein klinisch-therapeutisches Institut in Arlesheim zu eröffnen. Zu ihrer großen Freude sagte Rudolf Steiner zu, dort mit ihr zusammenzuarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist Ita Wegman eng mit der Geschichte der anthroposophisch-medizinischen Bewegung verbunden: Die Zusammenarbeit mit Rudolf Steiner reichte von der Beratung beim Abitur und beim Studium über die parallelen Studien der Mainstream-Medizin und der Anthroposophie bis hin zur Begründung der ersten Klinik und der gemeinsamen Behandlung vieler Patienten, wovon hunderte dokumentierter Krankengeschichten zeugen. Zuletzt, in seiner Krankheitszeit vor seinem Tode, begleitete sie Rudolf Steiner zusammen mit Ludwig Noll als seine Ärztin. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Krönung dieser Zusammenarbeit war jedoch die im Herbst 1923 begonnene Arbeit an dem ‚Medizinischen Buch’, das nach dem Tode Rudolf Steiners unter dem Titel &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[2]&#039;&#039; herauskam und dessen 18. Kapitel der Heileurythmie gewidmet ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Parzifal-Frage als entscheidender Impuls&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ita Wegman war es auch, die Rudolf Steiner im Sommer 1923 die für die gesamte anthroposophische Bewegung entscheidende Frage nach der Erneuerung der Mysterien gestellt hatte. Als dieser nach dem Brand des ersten Goetheanum und dem Versagen der Anthroposophischen Gesellschaft mit der Frage lebte, ob er einen Orden gründen und sich aus der Anthroposophischen Gesellschaft zurückziehen sollte, sagte sie zu ihm: &#039;&#039;„Aber Herr Doktor, Sie können doch die Gesellschaft nicht alleine lassen!“&#039;&#039; Im Sommer 1923 dann, in England, wurde ihr das zentrale Anliegen ihres Lebens bewusst, welches sie Rudolf Steiner gegenüber etwa so formulierte: &#039;&#039;„Ich möchte gerne eine Medizin haben, wie es sie zu den Zeiten der alten Mysterien gab – nur in christlicher Form.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Bernard Lievegoed&#039;&#039; hat wiederholt erzählt, wie Rudolf Steiner zu &#039;&#039;Zeylmans van Emmichhofen&#039;&#039; gesagt hätte, dass diese Frage Ita Wegmans für ihn „die Parzival-Frage“ gewesen wäre, die ihn veranlasst hätte, die Weihnachtstagung von 1923/24 zur Neubegründung der Anthroposophischen Gesellschaft abzuhalten. Ohne diese Frage wären die Neubegründung der Gesellschaft und die öffentliche Begründung der Hochschule für Geisteswissenschaft durch Rudolf Steiner gar nicht möglich gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Vom Wesen der Heileurythmie als Herzorgan der Anthroposophischen Medizin“,  1. Weltkonferenz für Heileurythmie am Goetheanum, 30. Mai 2008&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Peter Selg hat in seinem Buch zum Münchner Kongress 1907 dieses Schicksalsmoment neu dokumentiert und zugänglich gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ENTWICKLUNG UND DERZEITIGER STAND DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie hat sich die anthroposophische Medizin seit ihrer Entstehung entwickelt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;In welchen philosophischen und ethischen Prinzipien hat sie ihre Wurzeln?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Historische Entwicklung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von dem österreichischen Philosophen &#039;&#039;Dr. Rudolf Steiner&#039;&#039; (1861-1925) und der Ärztin &#039;&#039;Dr. med. Ita Wegman&#039;&#039; (1876-1943) in Zusammenarbeit mit weiteren Ärzten entwickelt. Die Grundlagen dieser Medizin wurden 1920-1924 im Rahmen von Kursen vermittelt, die Steiner auf Einladung von Ärzten und Medizinstudenten hielt, die nach einem Menschenbild suchten, das sich sowohl auf die Naturwissenschaft als auch auf die anthroposophische Geisteswissenschaft beruft. Ihr Anliegen war von vornherein nicht alternativ-medizinisch, sondern integrativ, d.h. es orientierte sich an der Wirklichkeit des Menschen selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inzwischen gibt es die Anthroposophische Medizin in über 80 Ländern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Europa sind einige größere Akutkliniken entstanden. Hinzu kommen Sanatorien, Reha-Einrichtungen und zahlreiche Arztpraxen aus nahezu allen Fachrichtungen sowie weltweit über 400 Institutionen für Menschen mit Behinderungen. In den letzten dreißig Jahren kamen neu Einrichtungen für die Altenpflege und die Suchtbehandlung dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophische Ärzte arbeiten auch in Kooperation mit Pädagogen als Schulärzte sowie in der medizinischen Forschung und in der Arzneimittelherstellung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ambulanten Bereich haben sich aus der interdisziplinären Zusammenarbeit von Ärzten, Krankenschwestern, Kunsttherapeuten, Physiotherapeuten u.a. vielerorts so genannte „Therapeutika&amp;quot; entwickelt, d.h. ein neuer Typ von Gemeinschaftspraxen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Erkenntnistheoretische Wurzeln&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Erkenntnistheoretisch und ethisch wurzelt die Anthroposophie in der Philosophie und Kunstauffassung des deutschen Idealismus, wie sie insbesondere von &#039;&#039;Goethe&#039;&#039; (1749-1832), &#039;&#039;Schiller&#039;&#039; (1759-1805), &#039;&#039;J. G. Fichte&#039;&#039; (1762-1814), &#039;&#039;Novalis&#039;&#039; (1772-1801) und &#039;&#039;Schelling&#039;&#039; (1775-1854) vertreten wurden. So trägt Steiners erkenntnistheoretisches Frühwerk (1884) den Titel: &#039;&#039;„Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung“.[1]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Suche nach einer im Geist gegründeten Anschauung vom Menschen, die sich selber stützen kann im Erarbeiten einer inneren und äußeren Evidenz, sowie der Wille zu Entwicklung von Autonomie und Verantwortung prägen die ethische Grundhaltung anthroposophischer Ärzte und Therapeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Weiterbildung zum anthroposophischen Arzt ist durch eine international vereinbarte Zertifizierung geregelt. Der anthroposophische Arzt hat die Verpflichtung, die Ergebnisse aus Steiners Geistesforschung selbständig nachzuvollziehen und anhand der eigenen Lebens- und Berufserfahrung zu überprüfen und weiterzuentwickeln. Werden Mitteilungen Steiners unreflektiert übernommen, besteht die Gefahr der Ideologisierung und Dogmatisierung, was der Anthroposophischen Medizin schadet bzw. ihrer Entwicklung im Wege steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Haltung der Mitverantwortung fördern&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Heinrich Schipperges&#039;&#039; führt in seinem Buch &#039;&#039;„Moderne Medizin im Spiegel der Geschichte“[2]&#039;&#039; aus, dass die gegenwärtige Medizin nach einer Phase des unaufhörlichen Fortschritts und trotz aller großartigen Leistungen zunehmend in eine bedrohliche Krise geraten ist. Genau genommen ist diese Krise jedoch die medizinische Spielart der Menschheitskrisen von heute: ökologische Katastrophen, Armut, Hunger, Genozid, Bildungsnotstand, Energiekrise u.a. Diesen Krisen ist gemeinsam, dass ihre Ursache in einem Menschen- und Naturverständnis liegt, das keinen inneren geistigen Zusammenhang zu den Naturerscheinungen und dem Menschen herstellt. Wird dieser Zusammenhang bewusst erlebt, führt er zu einem starken Gefühl der Solidarität mit dem gesamten Evolutionszusammenhang von Erde, Natur und Mensch. Diese mitfühlende Verantwortlichkeit für alles Lebendige möchte die Anthroposophische Medizin fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung,&#039;&#039; GA 2.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Heinrich Schipperges, &#039;&#039;Moderne Medizin im Spiegel der Geschichte,&#039;&#039; Stuttgart 1970.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== WARUM ANTHROPOSOPHIE IN DER MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wozu braucht es Anthroposophie?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern handelt es sich bei der Anthroposophischen Medizin um eine „Weltanschauungsmedizin“?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sind die grundlegenden Aspekte der Anthroposophischen Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Medizin als Ausdruck einer bestimmten Sicht auf Mensch, Natur und Umwelt&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophie (Anthropos = Mensch, Sophia = Weisheit, Wissenschaft) gilt bis heute als nicht leicht zugänglich. Auch wenn viele anthroposophische Initiativen auf den Gebieten der Heilpädagogik und Pädagogik, der Landwirtschaft und Medizin bekannt sind, bleibt das, was als integratives Welt- und Menschenbild der Anthroposophie dahintersteht, meist vage. Man weiß nicht so recht, ob es sich dabei um eine Philosophie handelt, eine Art Religion oder um eine diffizile oder auch „eklektische“ Weltanschauung. Man fragt angesichts der Vielfalt anthroposophischer Einrichtungen und Initiativen auch, ob der anthroposophische „Überbau“ dafür überhaupt nötig sei, ob man ähnlich Gutes nicht auch ohne diesen leisten könne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jedes medizinische System ist Ausdruck einer bestimmten Sicht auf Mensch, Natur und Umwelt und insofern eine „Weltanschauung“. Das gilt auch für den naturwissenschaftlichen Materialismus, für Idealismus, Realismus und andere philosophische oder geistige Orientierungen. Wer glaubt, keine Weltanschauung zu haben, hat seinen eigenen Standpunkt und, was diesen stützt, noch nicht reflektiert &#039;&#039;–&#039;&#039; was eines der Haupthindernisse ist, die „Normalität“ der Anthroposophischen Medizin anzuerkennen. Eine individuell erarbeitete Weltanschauung wie die Anthroposophie ist jedoch klar abzugrenzen von der familiären oder traditionellen Zugehörigkeit zu einer Glaubensgemeinschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Anthroposophie als Verständnishilfe&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Jedem ganzheitlichen medizinischen System – ob nun traditionell chinesische, ayurvedische oder homöopathische Medizin – liegt ein spirituelles Menschen- und Weltbild zugrunde, das die gemeinsame Evolution von Mensch, Erde und Weltall beschreibt. Neu ist bei der anthroposophischen Medizin nur, dass Steiner sich auf keine dieser alten Traditionen beruft, sondern einen Erkenntnisweg beschreibt, auf dem jeder &#039;&#039;selber&#039;&#039; die Möglichkeit entwickeln kann, sich mit seinem Wahrnehmungs- und Denkvermögen an die spirituellen Quellen anzuschließen.[1] Durch eigene Beobachtung, Empathie und situationsgerechtes Denken zu den nötigen Einsichten für Diagnose und Therapie zu kommen ist das Arbeitsideal – nicht nur eine traditionelle Heilweise oder Technik zu lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich war viele Jahre in verschiedenen asiatischen Ländern und auch weltweit mit einem Ausbildungsprogramm für Anthroposophische Medizin unterwegs. Es hat mich anfangs gewundert, dass Chinesen, Japaner, Taiwanesen, Inder, Indonesier, Philippiner sich für Anthroposophische Medizin interessieren. Als Motive nannten sie das Menschenbild der Anthroposophie, das ihnen hilft, die Brücke zu bilden zwischen dem heutigen Denken und den alten überlieferten Bildern und Werten ihrer Heilverfahren, die zwar gute Ergebnisse liefern, aber für den modernen Menschen oft nicht genau aufschlüsseln können, wie sie wirken. Die Anthroposophie half ihnen, ihre eigenen Medizinsysteme und ihre Wirkungsweisen besser zu verstehen. In Indien gab es ayurvedische Ärzte, die keine Zertifikate für Anthroposophische Medizin wollten, sondern zu uns kamen, um bessere Ayurveda-Ärzte zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Grundlegende Aspekte Anthroposophischer Medizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wer der Anthroposophie begegnet, trifft auf vier Aspekte, die je nachdem alle vier oder auch nur der eine oder andere das Interesse wecken und zum weiteren Studium anregen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Philosophischer Aspekt ====&lt;br /&gt;
Das philosophische Fundament der Anthroposophie schließt an die Erkenntnisweise Goethes an sowie an den deutschen Idealismus mit dessen Idealen von Freiheit und Würde, Wahrheit und Liebe.[2] Rudolf Steiner benannte sogar seine Anthroposophische Hochschule in Dornach nach Goethe: Goetheanum.[3] Das zeugt von der großen Wertschätzung, die er diesem Genie mitteleuropäischer Geistes- und Kulturgeschichte zeitlebens entgegenbrachte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für manche Menschen ist Philosophie nicht wichtig, man möchte gute Ideen für seine Arbeit und sein Leben haben und keine Zeit mit intellektuellen Grübeleien verlieren. Es gibt aber auch Menschen, die nur deshalb Anthroposophen werden, weil sie hier eine Erkenntnistheorie und deren philosophische Begründung finden, durch die sie sich selbst und ihren Zusammenhang mit der Welt besser verstehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Philosophie ist die Kunst des eigenständigen Denkens. Steiner formuliert diese „erkenntnis-künstlerische“ Herausforderung in seinem philosophischen Hauptwerk, „Die Philosophie der Freiheit“, so: &#039;&#039;„Man muss sich der Idee erlebend gegenüberstellen können; sonst gerät man unter ihre Knechtschaft.“[4]&#039;&#039; Das heißt, wer Gedanken und Ideen anderer übernimmt und nicht eigenständig bedenkt und bewertet, gerät in Abhängigkeit der Autoritäten, von denen diese Gedanken stammen. Mit Hilfe dieses Ansatzes, selbst hinzuschauen, zu fragen, zu bedenken, zu verstehen, ist jeder Student der Anthroposophie angeregt, seine eigene Philosophie zu reflektieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Aspekt der Selbstschulung ====&lt;br /&gt;
Anthroposophie beinhaltet einen Weg der Selbstschulung, welcher zu seelischer Weiterentwicklung, Selbsterkenntnis und Willensstärkung führt.[5] Es gibt heute viele Menschen, die auf der Suche nach einem interreligiösen Weg spiritueller Selbsterfahrung sind. Sie wollen sich nicht einer bestimmten Glaubensgemeinschaft oder einer bestimmten spirituellen Gruppierung anschließen. Sie suchen einen allgemein-menschlichen Weg für ihre innere Entwicklung. Einige davon finden diese Möglichkeit in der Anthroposophie und ihren Organisationen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Anthroposophische Gesellschaft international organisiert und offen für alle wissenschaftlichen, religiösen und künstlerischen Überzeugungen ist, findet man Vertreter der verschiedensten spirituellen Orientierungen. Angehörige der christlichen Konfessionen, des Buddhismus, Daoismus, Shintoismus, der Hindi-Religion, der Zarathustra-Spiritua­lität, des Judentums sowie einzelne Vertreter des Islam und viele ohne eine bestimmte spirituelle Ausrichtung können hier mehr über ihre eigene spirituelle Identität lernen, indem sie zusätzlich den Weg der Selbstschulung der Anthroposophie gehen. Was sie in dieser Gesellschaft verbindet, ist der Entwicklungsgedanke in der Anthroposophie sowie das Bestreben, das gesellschaftliche Leben menschlicher und zukunftsfähiger zu machen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Biologe &#039;&#039;Bernd Rosslenbroich&#039;&#039; wies in einer naturwissenschaftlichen Studie das Autonomieprinzip als Grundlage der gesamten Evolution nach, deren Gipfel die menschliche Entwicklung sei.[6] Dieses Autonomieprinzip liegt auch der anthroposophischen Selbstschulung zugrunde. Autonomie konstruktiv leben zu lernen ist nicht leicht. Scheitern und immer wieder neu Ansetzen gehören ebenso dazu wie die stille innere Ausrichtung des eigenen Lebens und Arbeitens an den Idealen von Freiheit und Würde, Ehrlichkeit und Liebe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Aspekt der Geisteswissenschaft ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wo aber ist der „Geist“ als Fundament dieser anthroposophisch-geisteswissenschaftlichen Weltsicht zu finden?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Selbständiges Denken als Ausdruck von Geist&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Die Antwort ist schlicht: das menschliche Denken. Normalerweise kennt jeder den Zustand des Gedanken-Habens, Wissens, Sich-Informierens oder sich in anerkannten bzw. vorgegebenen Denkmustern zu bewegen und diese wiedergeben zu können. Wer jedoch von der eigenen Denktätigkeit ausgeht, entdeckt auch denjenigen, der denkt, in seinem Denken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der idealistische Philosoph &#039;&#039;Johann Gottlieb Fichte[7]&#039;&#039; wies seine Studenten auf die zentral wichtige spirituelle Selbsterfahrung im Denken hin. Er führte mit ihnen die folgende Übung durch: Er fragte sie, ob sie die Wand des Hörsaals sähen. Dann sagte er: &#039;&#039;„Schließen Sie die Augen und denken Sie die Wand.“&#039;&#039; Und dann kam die alles entscheidende Aufforderung: &#039;&#039;„Und jetzt denken Sie den, der die Wand gedacht hat...“[8]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer das durchführt, kann in seinem Denken das eigene Selbst als reinen Tätigkeitsquell, als innere Aktivitätsbereitschaft, als Ich, als eigenständiges Wollen bemerken als rein energetische spirituelle Selbsterfahrung im Denken. Damit hat er einen sicheren Ausgangspunkt gewonnen, sich seine eigene Weltsicht zu erarbeiten. Er steht jetzt geistig auf eigenen Füßen und ist in der Lage, sein Denken immer perspektivenreicher auszubilden. Je mehr er versteht, desto mehr sieht er von der Welt. Und je mehr ihn die Welt interessiert und zum Nachdenken anregt, desto differenzierter und klarer wird sein Denken. Sich selbst und die Welt zu verstehen und dadurch zu einer authentischen Selbst- und Weltsicht zu kommen, ist die Weltanschauung der Anthroposophie. Seinen Zeitgenossen zu zeigen, dass sie &#039;&#039;„durch das Denken zur Wirklichkeit des Geistes kommen“&#039;&#039; können, war ein zentrales Anliegen Rudolf Steiners. Das eigene Ich als geistig reales Wesen im Denken erleben zu können, erschließt zugleich die spirituelle Dimension des Begriffs der menschlichen Würde als autonome und geistbewusste Kompetenz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner formulierte diesen Tatbestand gegen Ende seines Lebens noch einmal so: &#039;&#039;„Anthroposophie ist ein Erkenntnisweg, der das Geistige im Menschenwesen zum Geistigen im Weltall führen möchte“.[9]&#039;&#039; Grundlage dafür ist die Gedankenarbeit eines jeden einzelnen Menschen. Hannah Arendt nannte diese Selbsterfahrung im Titel ihres gleichnamigen Buches „Denken ohne Geländer“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Aspekt der Zusammenarbeit ====&lt;br /&gt;
Da Anthroposophie auf das sich zur Autonomie entwickelnde Individuum baut, findet man gerade unter Anthroposophen einen ausgeprägten Meinungs- und Standpunktepluralismus bis hin zur gern zitierten „Streitkultur“. Auch ist die Geschichte der Anthroposophischen Gesellschaft von eindrücklichen Krisen und Konflikten geprägt, die von dem Ringen um individuelle und soziale Kompetenz zeugen, einem Bemühen, das alles andere als einfach ist. Umso erfreulicher ist es, dass sich diese Gesellschaft bis heute nicht in verschiedene Gruppierungen gespalten hat, sondern der Wille zum gegenseitigen Verstehen und zur Entwicklung von Toleranz gegenüber anders Denkenden stets überwogen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von dem Dichter und Anthroposophen &#039;&#039;Christian Morgenstern&#039;&#039; (1871 - 1914) stammt ein Gedicht, das dieses Spannungsverhältnis zwischen der notwendigen Individualisierung einerseits und der Befähigung zur Gemeinschaftsbildung andererseits meisterlich zum Ausdruck bringt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Die zur Wahrheit wandern, wandern allein,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;keiner kann dem andern Wegbruder sein.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Eine Spanne gehn wir, scheint es, im Chor ...&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;bis zuletzt sich, sehn wir, jeder verlor.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Selbst der Liebste ringet irgendwo fern;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;doch wer&#039;s ganz vollbringet, siegt sich zum Stern,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;schafft, sein selbst Durchchrister, Neugottesgrund –&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;und ihn grüßt Geschwister Ewiger Bund.[10]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier wird in künstlerischer Form zum Ausdruck gebracht, dass größtmöglicher Individualismus und „Gemeinschaft im Geist“ sich nicht widersprechen müssen. Vielmehr erscheinen die Ideale der Französischen Revolution – der Freiheit des Individuums, der Gleichheit und der brüderlichen Solidarität – so erst in ihrem wahren Licht: Denn wenn man weiß, dass jeder „auf dem Weg ist“, wächst der Respekt vor der Einmaligkeit und Würde des anderen. Und gleichzeitig erlebt man, wie uns dieser Tatbestand des Werdens „gleich“ macht. Da wir aber sowohl „gleich“ als auch „individuell sehr verschieden“ sind, sind wir Menschen immer wieder auf gegenseitige brüderliche Hilfe angewiesen. Wir gewähren sie, wenn wir die Bedürfnisse des anderen sehen, respektieren und, wo möglich, erfüllen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Mathias Girke , PF Matthiessen (Hrsg.), &#039;&#039;Medizin und Menschenbild&#039;&#039;, Bad Homburg 2015.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung mit besonderer Rücksicht auf Schiller.&#039;&#039; GA 2. Dornach 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] www.goetheanum.org&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Philosophie der Freiheit&#039;&#039;, GA 4, Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1995.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Dargelegt in Steiners Selbstschulungsbuch &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?,&#039;&#039; GA 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Bernd Rosslenbroich, &#039;&#039;On the Origin of Autonomy. A New Look at the Major Transitions in Evolution&#039;&#039;, Hei-delberg, New York, Springer 2014.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Johann Gottlieb Fichte, Philosoph (1762 - 1814).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Überliefert von Steffens, einem Naturforscher und Zeitgenossen Fichtes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Anthroposophischer Leitsatz 1&#039;&#039;, 17. Februar 1924. In: Anthroposophische Leitsätze. GA 26, S. 6 (1989).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Christian Morgenstern, &#039;&#039;Wir fanden einen Pfad,&#039;&#039; Basel, Zbinden Verlag. 5. Aufl. 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ANTHROPOSOPHISCHES UND NATURWISSENSCHAFTLICHES KRANKHEITSVERSTÄNDNIS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ist Anthroposophische Medizin eine Glaubenssache?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann man in der Medizin konstruktiv mit unterschiedlichen Sichtweisen auf Krankheit umgehen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Anthroposophisches Krankheitsverständnis&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Um auf diese Fragen eingehen zu können, möchte ich vorab das Krankheitsverständnis aus der Anthroposophie heraus und das Schulmedizinische Krankheitsverständnis charakterisieren. Sie stehen nicht im Widerspruch zueinander, zumindest nicht aus Sicht der Anthroposophischen Medizin. Letztere versteht sich als eine Erweiterung der rein naturwissenschaftlichen Medizin, nicht als Gegensatz dazu. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Die Aufgabe ist, nun wirklich darauf zu kommen, welcher Unterschied besteht zwischen den Prozessen im menschlichen Organismus, die wir als Krankheitsprozesse bezeichnen und die doch im Grunde genommen ganz normale Naturprozesse sind, nur eben durch bestimmte Ursachen hervorgerufen sein müssen, und denjenigen Prozessen, die wir gewöhnlich als die gesunden bezeichnen und die die alltäglichen sind. Dieser durchgreifende Unterschied muss gefunden werden. Er wird nicht gefunden werden, wenn man nicht eingehen kann auf eine Betrachtungsweise des Menschen, die zum menschlichen Wesen wirklich führt.&amp;quot;&#039;&#039;[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Krankheit aus Sicht der naturwissenschaftlichen Medizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der naturwissenschaftlichen Medizin liegt der Fokus bei der Erforschung von Krankheitsursachen im Bereich des Netzwerkes molekulargenetischer Interaktionen. Dort wird nach Mutationen und „Fehlern&amp;quot; im Metabolismus gesucht. Damit ist aber das Kausalproblem nur von der Makro- auf die Mikroebene verlagert. Denn auch hier ist zu fragen, woher es kommt, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt beispielsweise eine Genmutation auftritt und ein Prozess, der bisher gesund ablief, nun mit einem Mal „verkehrt&amp;quot; bzw. Krankheit begünstigend stattfindet. Wenn der sogenannte Pathomechanismus aufgeklärt ist und die Ursache einer „Spontanmutation&amp;quot;, einem &#039;&#039;„inborn error of metabolism&amp;quot;&#039;&#039; oder einer exogenen Schädigung zugeschrieben wird, so ist damit dem Kranken noch nicht geholfen, der verstehen will, was seine Krankheit mit ihm, seiner Entwicklung und seinem Schicksal zu tun hat – oder der sich dafür interessiert, welche Einflüsse sein bewusstes oder unterbewusstes Seelenleben auf die Lebensfunktionen seiner Organe oder auf die Stabilität seines Immunsystems hat. Auch ist es letztlich unbefriedigend, sich als Mensch in die verschiedenen Forschungs- und Fachdisziplinen aufgeteilt zu sehen, ohne „das geistige Band&amp;quot; im Sinne &#039;&#039;Goethes&#039;&#039; zu haben, das die Zusammenschau der unterschiedlichen Sichtweisen ermöglicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Unterschiedliche Sichtweisen integrieren&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Paracelsus&#039;&#039;, der Integrationsmediziner am Beginn der Neuzeit, hat bereits eindrücklich auf dieses Dilemma hingewiesen.[2] Plastisch schildert er eine medizinische Szene aus dem damaligen Alltag: Sechs Ärzte sind um einen eben verstorbenen Cholerapatienten versammelt und sprechen darüber, was in seinem Falle wohl die Todesursache gewesen sein mag. Diese Szene sei hier in freier Form wiedergegeben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Erste&#039;&#039;&#039; sagt: &#039;&#039;„Für mich ist klar, dass er durch die Infektion mit dem Cholerabazillus gestorben ist. Der Krankheitserreger wurde mit dem Wasser aufgenommen, hat sich im Organismus ausgebreitet und die Krankheil hervorgerufen, die jetzt zum Tode geführt hat&amp;quot;.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Das finde ich merkwürdig&amp;quot;,&#039;&#039; sagt &#039;&#039;&#039;der Zweite&#039;&#039;&#039;. &#039;&#039;„Es sterben doch längst nicht alle Kranken, die sich mit dem Cholerabazillus angesteckt haben. Ich sehe die Todesursache vielmehr in der Tatsache, dass die Selbstheilungskräfte des Verstorbenen nicht stark genug waren, um die Infektion zu überwinden. Hätte er über mehr Widerstandskraft verfügt, so lebte er noch.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da lächelt &#039;&#039;&#039;der dritte Kollege&#039;&#039;&#039; und fragt: &#039;&#039;„Habt ihr denn nicht sein Horoskop gelesen? Da konnte man lesen, dass dieser Mensch durch die ganze Konfiguration seiner seelischen Veranlagung und seines inneren Schicksals zum Tod in dieser Zeit prädestiniert war. Sein Tod war vorherbestimmt.&amp;quot;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Das leuchtet mir nicht ein&amp;quot;,&#039;&#039; sagt &#039;&#039;&#039;der Vierte&#039;&#039;&#039;. &#039;&#039;„Wie viele Menschen leben unter derselben oder sehr ähnlichen Sternkonstellationen und kommen anders damit zurecht, gehen durchaus optimistischer mit der Herausforderung um, die ihre jeweilige Sternkonstellation für sie bedeutet. Meine Diagnose ist, dass er im Kern seiner ganzen Persönlichkeit, in seinem Ich, schwach war. Er hatte große Angst vor der Cholera, und nichts ist ein besserer Nährboden für Infektionen als Ängstlichkeit und Furcht. Ich habe viel schwächere Patienten die Krankheit überwinden sehen, weil sie mutiger waren und das Vertrauen nicht verloren.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Mir kommt das alles töricht vor&amp;quot;,&#039;&#039; schaltet sich jetzt &#039;&#039;&#039;der Fünfte&#039;&#039;&#039; in die Debatte ein: &#039;&#039;„Krankheit und Leid ist doch eine Geißel Gottes, ein Flagellum. Hätte Gott die Überwindung der Krankheit zugelassen, so hätte er diesem Betroffenen zur rechten Zeit den Arzt oder sonst eine Hilfe geschickt.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun blicken alle auf &#039;&#039;&#039;den Sechsten&#039;&#039;&#039;, der interessiert zugehört hat und fragen: „Wer von uns hat recht?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der bemerkt: &#039;&#039;„Jeder von euch hat recht. Jeder hat aber auch unrecht. Das Unrecht entsteht dadurch, dass jeder einzelne von euch nur an seine Sicht der Dinge glaubt und die Ansichten der anderen verneint oder missachtet. Das komplizierte Pentagramm Mensch muss individuell gelesen werden, um den jeweiligen Anteil an der Krankheitsursache herauszufinden. Ein solch differenziertes Lesen ist aber auch nötig, um die verschiedenen Wege kennen zu lernen, die zur Gesundheit, sprich: zur Überwindung der Krankheit führen.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Szene aus dem Werk des Paracelsus wird hier angeführt, um deutlich zu machen, dass ein tiefgreifendes Verständnis von Krankheitsursachen und Heilungsmöglichkeiten die verschiedenen Ebenen menschlicher Existenz und Lebensverwirklichung mitberücksichtigen muss. Das kann letztlich nur ein interdisziplinär-integrativer Ansatz leisten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaft und Medizin&#039;&#039;, GA 312.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Elise Wolfram und Paracelsus, &#039;&#039;Die okkulten Ursachen der Krankheiten. Volumen Paramirum&#039;&#039;, Unv. Nachdruck der Ausgabe von 1912, 4. Aufl. Dornach 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== SCHULMEDIZIN, ANTHROPOSOPHISCHE MEDIZIN UND ÄLTERE GANZHEITLICHE ANSÄTZE ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie steht die Anthroposophische Medizin zur Schulmedizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und wie ist ihr Verhältnis zu anderen alternativen Ansätzen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verhältnis der&#039;&#039; &#039;&#039;Anthroposophischen Medizin zur Schulmedizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Frage lässt sich kurz mit Nein beantworten. &#039;&#039;Rudolf Steiner&#039;&#039; (1861-1925) und &#039;&#039;Ita Wegman&#039;&#039; (1876-1943), die Begründer der Anthroposophischen Medizin, bemerken hierzu:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Nicht um eine Opposition gegen die mit den anerkannten wissenschaftlichen Methoden der Gegenwart arbeitende Medizin handelt es sich. Diese wird von uns in ihren Prinzipien voll anerkannt. Und wir haben die Meinung, dass das von uns Gegebene nur derjenige in der ärztlichen Kunst verwenden soll, der im Sinne dieser Prinzipien vollgültig Arzt sein kann.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Allein wir fügen zu dem, was man mit den heute anerkannten wissenschaftlichen Methoden über den Menschen wissen kann, noch weitere Erkenntnisse hinzu, die durch andere Methoden gefunden werden, und sehen uns daher gezwungen, aus dieser&#039;&#039; erweiterten &#039;&#039;Welt- und Menschenerkenntnis auch für eine Erweiterung der ärztlichen Kunst zu arbeiten.&amp;quot;[1]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die reguläre akademische Aus- und Weiterbildung ist ebenso Voraussetzung dafür, sich Anthroposophischer Arzt nennen zu können, wie das Studium der anthroposophischen Geisteswissenschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Salutogenetischer Ansatz bevorzugt&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Anthroposophischen Medizin liegt ein Konzept ganzheitlicher, integrativer Medizin zugrunde, die den Menschen (griechisch: anthropos) mit all seinen Erkenntnis- und Erlebnisformen (griechisch: sophia, wörtlich: Weisheit) in den Mittelpunkt stellt. Für die Praxis heißt dies, dass symptomatisch wirkende Arzneimittel, wie zum Beispiel Antipyretika, Antiphlogistika, Antihypertensiva, Antihistaminika oder die Substitution fehlender, körpereigener Stoffe, oder aber Analgetika und Psychopharmaka selbstverständlich da zur Anwendung kommen, wo die speziellen Medikamente und Therapieverfahren der anthroposophischen Therapierichtung nicht (mehr) hinreichen, die erforderliche Selbstregulation und Heilung zu stimulieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Hinblick auf das therapeutische Vorgehen wird der salutogenetische Ansatz bevorzugt, also die Anregung körpereigener, physiologischer Prozessantworten. Diese sind immer individuell. Therapieschemata haben zwar einen wesentlichen, Orientierung gebenden Stellenwert. In praxi gehen die Medikationen jedoch oft darüber hinaus, da sich die Behandlung am Einzelfall orientiert. Anthroposophische Ärzte schätzen die schulmedizinische Behandlung als Akut- und Notfallmedizin hoch, möchten jedoch nicht bei deren Grenzen und Einseitigkeiten stehen bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verhältnis zu älteren ganzheitlichen medizinischen Konzepten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Jedem ganzheitlichen medizinischen System – ob es sich nun um traditionell chinesische, ayurvedische oder homöopathische Medizin handelt – liegt ein spirituelles Weltbild zugrunde, das mehr oder weniger konkret die gemeinsame Evolution von Mensch, Erde und Weltall beschreibt. Rudolf Steiner bemerkt dazu im Hinblick auf seinen Ansatz[2]: &#039;&#039;„Ich möchte nicht versäumen, Sie darauf aufmerksam zu machen, dass dasjenige, was ich hier vortrage, nicht entlehnt ist älteren medizinischen Schriften, sondern auf durchaus gegenwärtiger geisteswissenschaftlicher Forschung beruht. Nur muss versucht werden, zuweilen in der Terminologie auf die ältere Literatur zurückzugreifen, weil ja die neuere Literatur eine Terminologie nach dieser Richtung hin noch nicht ausgebildet hat. Aber derjenige, der glauben würde, dass irgendetwas hier vorgetragen wird, was nur älteren Schriften entnommen ist, der würde sich eben sehr irren.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese von Steiner entwickelte neue Art der geistigen Forschung ermöglicht als anthroposophische Erkenntnismethodik und dank ihrer Forschungsergebnisse auch neue Einsichten in die ganzheitlichen Konzepte und spirituellen Traditionen der Medizin. Daher gibt es unter ihren Vertretern immer auch „Anthroposophen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Seiner und Ita Wegmann, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst. Dornach 1935, S. 9.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaft und Medizin&#039;&#039;, GA 312. Sechster Vortrag, Dornach, 26. März 1920. S. 118 (Ausgabe 1999).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== CHARAKTERISTIKA EINER SPIRITUELLEN MEDIZIN LAUT RUDOLF STEINER ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen Prinzipien folgt die von Rudolf Steiner und Ita Wegman beschriebene spirituelle Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wodurch äußert sich ihr allgemein-menschlicher Ansatz?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wodurch zeichnen sich eine spirituelle Chemie und Physik aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist unter Kulturtherapie zu verstehen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Krankheit aus zwei Blickwinkeln sehen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In dem Werk über Anthroposophische Medizin &#039;&#039;„Grundlegendes zu einer Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; von Rudolf Steiner und Ita Wegman werden unter anderem auch die Grundlagen einer spirituellen Medizin beschrieben.[1] Bereits die Überschrift des ersten Kapitels lässt dies anklingen, indem da von &#039;&#039;„wahrer Menschenwesen-Erkenntnis“&#039;&#039; die Rede ist. Die Wortwahl erinnert an die Initiationspraktiken der antiken Mysterien, wo es in allen Einweihungsgraden um wahre irdisch-kosmische Selbst- und Welterkenntnis ging. Doch konkret im Alltag: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Erwartet nicht jeder Kranke vom Arzt, dass dieser die Ursache seines Problems durchschaut und die notwendigen Maßnahmen einleitet?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Dass er die Wahrheit über seinen Zustand bestmöglich herausfindet?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher die Forderung der Autoren, der Wahrheit des Krankheitsgeschehens von zwei Seiten aus näherzukommen, indem die schulmedizinischen Diagnosefaktoren mit der geisteswissenschaftlichen Betrachtung verbunden werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Christuserkenntnis&#039;&#039; als &#039;&#039;zentrales Element&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;‚Wes Geistes Kind‘ aber ist diese Forderung?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“[2]&#039;&#039; wird der Christus als ‚großer Hüter der Schwelle‘ auf dem Erkenntnisweg dargestellt, der dem Schüler den Sinn der Erdenentwicklung, des Todes und der Wiedergeburt enthüllt. In der &#039;&#039;„Geheimwissenschaft im Umriß“[3]&#039;&#039; wird der Christus auch namentlich genannt und seine zentrale Bedeutung innerhalb der Schöpfung und für die Entwicklung der Menschheit geschildert.[4] In beiden Werken begegnet man einer zentralen Bezugnahme auf die Wesenheit des Christus in einer weder religiös noch konfessionell tingierten Weise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verfolgt man diesen Wesensbezug zu Christus im Steiner‘schen Vortragswerk, oder auch nur in der Schrift &#039;&#039;„Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit“&#039;&#039;,[5] so zeigt sich, dass für Steiner diejenige geistige Realität, die er mit dem historischen Christus identifiziert, in allen Aspekten und Dimensionen menschlichen Lebens und Entwickelns eine zentrale Rolle spielt – ganz im Sinne der johanneischen Aussage: &#039;&#039;„Durch es [das Wort] sind alle Dinge geworden, und nichts von allem Entstandenem ist anders als durch das Wort geworden.“[6]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Anthroposophisches Menschenbild und Schulungsweg&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Steinersche Christologie versteht sich als Weg zur Christuserkenntnis. Dieser Weg ist von seinem Selbstverständnis her unabhängig von traditionellen Glaubensüberzeugungen und religiösen Bekenntnissen. Es geht bei ihm im tiefsten Sinne um ‚wahre Menschenwesen-Erkenntnis‘, um das ecce homo. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die anthroposophische Menschenkunde befasst sich mit diesem allgemeinmenschlichen, rein geistigen Wesensgefüge des gesunden Menschenurbildes, das der uns bekannten Schöpfung innewohnt. Sie versucht verständlich zu machen, warum und wie in dieser Schöpfung alles mit allem geistig und physisch zusammenhängt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher kann sich ein japanischer Shintu-Priester in seiner spirituellen und wissenschaftlichen Praxis ebenso von dem anthroposophischen Erkenntnisweg und Menschenbild anregen und bereichern lassen wie ein buddhistischer Mönch, ein Brahmane oder ein Angehöriger des jüdischen oder muslimischen Glaubens oder ein materialistischer Naturwissenschaftler. Denn Christliche Spiritualität ist zugleich allgemeinmenschliche Spiritualität und die Spiritualität in den Naturerscheinungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Dienender Charakter der Substanz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ein weiteres wichtiges Merkmal der von Rudolf Steiner beschriebenen spirituellen Medizin ist ihr selbstlos dienendes Prinzip. Das Substanzverständnis der Anthroposophie, wie es im Grundlagenwerk der Anthroposophischen Medizin &#039;&#039;„Grundlegendes zur Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; erörtert wird,[7] beruht auf dieser Grundlage. So werden im 1. Kapitel die Substanzen in ihrem selbstlos dienenden Charakter gezeigt, wie sie sich den vier Kräftebereichen von Mineral-, Pflanzen-, Tier- und Menschenwelt unterordnen, wodurch sie zu deren jeweiliger Manifestation beitragen und dadurch alle Naturerscheinungen in die Sichtbarkeit bringen.[8]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erdensubstanz – im christlichen Bekenntnis symbolisiert durch Brot und Wein – ist nach diesem Verständnis nicht nur die physische Grundlage für die Erd- und Menschheits-entwicklung. Vielmehr zeigt sich ihr zutiefst christlicher Charakter daran, dass sie dient: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* im mineralischen Zustand den Todesprozessen,&lt;br /&gt;
* in der Pflanzenwelt den Lebensprozessen,&lt;br /&gt;
* in der tierischen Natur den seelischen Äußerungen und der Bewegungsfähigkeit.&lt;br /&gt;
* Im Menschen aber wird sie „Geist tragend“.[9]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor diesem Hintergrund sind dann Sätze in dem genannten Werk wie der folgende zu verstehen: &#039;&#039;„[…] dann wird man durch Einfügung eines Erdenstoffes in den menschlichen Organismus oder durch Behandlung mit einer Erdentätigkeit bewirken können, dass die höheren Glieder der Menschenwesenheit sich ungehindert entfalten können, oder auch, dass die Erdenstofflichkeit an dem Zugefügten die nötige Unterstützung findet, um auf den Weg zu kommen, auf dem sie Grundlage wird für irdisches Wirken des Geistigen.“[10]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Spirituelle Chemie und Physik der Zukunft&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der Schrift &#039;&#039;„Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit“[11]&#039;&#039; – präzisiert Rudolf Steiner diesen Aspekt auch noch im Hinblick auf die Entwicklung der Substantialität der Erde: &#039;&#039;„Künftig werden Chemiker und Physiker kommen, welche Chemie und Physik nicht so lehren, wie man sie heute lehrt [...] sondern welche lehren werden: ‚Die Materie ist aufgebaut in dem Sinne, wie der Christus sie nach und nach angeordnet hat!‘ – Man wird den Christus bis in die Gesetze der Chemie und Physik hinein finden. Eine spirituelle Chemie, eine spirituelle Physik ist das, was in der Zukunft kommen wird. Heute erscheint das ganz gewiß vielen Leuten als eine Träumerei oder Schlimmeres.&#039;&#039; &#039;&#039;Aber was oft die Vernunft der kommenden Zeiten ist, das ist für die vorhergehenden Torheit.“[12]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese selbstlos dienende Haltung wird von den in der anthroposophischen Pharmazie und Medizin Tätigen auf dem anthroposophischen Schulungsweg geübt und prägt den spirituellen Charakter dieser Bereiche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Heilsam wirken durch umfassende Kulturtherapie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin kann als Kulmination von Steiners Grundanliegen, heilsam zu wirken, gesehen werden. Alles, was er geschrieben und getan hat, stand und steht im Dienst einer umfassenden Kulturtherapie, die heilsam auf die zeitgeistigen pathologischen Tendenzen einwirken sollten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Rudolf Steiner unter Kulturpathologie verstand, stellte er im ersten Vortrag des Gründungskurses für die Waldorfpädagogik im August 1919 so dar: &#039;&#039;„Vergessen Sie nicht, indem Sie sich Ihrer Aufgabe widmen, daß die ganze heutige Kultur, bis in die Sphäre des Geistigen hinein, gestellt ist auf den Egoismus der Menschheit. [. . .] Wir leben in der Zeit, in der dieser Appell an den menschlichen Egoismus in allen Sphären bekämpft werden muß, wenn die Menschen nicht auf dem&#039;&#039; &#039;&#039;absteigenden Wege der Kultur, auf dem sie heute gehen, immer mehr und mehr abwärts gehen sollen.“[13]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; In Philosophie und Geistesleben ====&lt;br /&gt;
Im philosophischen Werk Steiners wird die Grundlage zur Kulturtherapie in Form eines tiefgreifenden Autonomieverständnisses gelegt. Freiheit und Liebe, die zur Selbstlosigkeit fähig sind, stehen dabei als menschliche Entwicklungsziele an zentraler Stelle. Sie sind Ausdruck menschlicher Würde und geistiger Gesundheit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; In der Pädagogik ====&lt;br /&gt;
Entsprechend wird im Zusammenhang von Steiners Darstellungen zur &#039;&#039;„Allgemeinen Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik“[14]&#039;&#039; eine ‚Physiologie und Psychologie der Freiheit‘ veranlagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; In der Kunst als Therapie ====&lt;br /&gt;
Und auch die künstlerische Tätigkeit versteht Steiner nicht als ästhetischen Selbstzweck. Sie hat Bewusstsein weckenden Charakter und mündet in allen Bereichen in therapeutische Wirksamkeit, wie in EH am Beispiel der Heileurythmie in Kapitel XVIII gezeigt wird. Der Leiter der Kolisko-Akademie, &#039;&#039;Armin Husemann&#039;&#039;, hat diesem Impuls einer therapeutisch ausgerichteten &#039;&#039;„Menschenwissenschaft durch Kunst“&#039;&#039; sein Lebenswerk gewidmet.[15]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[16]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?,&#039;&#039; GA 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Geheimwissenschaft im Umriss&#039;&#039;, GA 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Ebenda, Seite 219–225, 251–256 sowie 351–353.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit,&#039;&#039; GA 15.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Neues Testament, &#039;&#039;Johannes Kap. 1, 3.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen&#039;&#039;, GA 27, Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Christian Morgenstern (1871–1914) hat diesem dienenden Geschehen sein Gedicht &#039;&#039;Fußwaschung&#039;&#039; gewidmet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. Harlan, (2008).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Siehe FN1, S. 12.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit,&#039;&#039; GA 15.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Ebenda, S. 46.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik&#039;&#039;, GA 293, 26 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik&#039;&#039;, GA 293.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[15] Vgl. A. Husemann (2007 und 2024).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[16] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ANSPRUCH UND AUFGABE DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen Anspruch hat die Anthroposophische Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worin sieht sie ihre Aufgabe?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was war laut Rudolf Steiner das entscheidend Neue?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Bemühen der Anthroposophischen Medizin&#039;&#039; &#039;&#039;um mehr Menschlichkeit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin ist ein Kind des 20. Jahrhunderts. Sie hat den Anspruch, naturwissenschaftliche, philosophische und spirituelle Erkenntnisse und deren therapeutische Anwendungen in ein ganzheitliches Konzept zu integrieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als eigenständige medizinische Bewegung hat sie jedoch erst gut 80 Jahre Entwicklung hinter sich, weswegen sie noch nicht so breit im allgemeinen Bewusstsein verankert ist wie beispielsweise die Homöopathie. Darüber hinaus ist die Bezeichnung „Anthroposophische Medizin“ etwas schwer verständlich. Der Begriff „Homöopathie“ hat sich aus dem prinzipiellen Gegensatz zur gängigen „Allopathie“ gebildet. Er orientiert sich am Simile-Prinzip. „Anthroposophisch&amp;quot; heißt hingegen in der schlichtesten Übersetzung aus dem Griechischen einfach nur „menschlich&amp;quot;. Entsprechend hat sich die Anthroposophische Medizin zur Aufgabe gesetzt, im Umgang mit Krankheit und Gesundheit in Theorie und Praxis das Bewusstsein und die Entwicklung von mehr Menschlichkeit ins Zentrum allen Bemühens zu stellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wesensglieder-Diagnostik als neue Perspektive&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner war es wichtig, die Wesensglieder-Diagnostik und die sich daran anschließende Therapiefindung als das entscheidend Neue zu sehen, das durch die Anthroposophie in den gegenwärtigen Medizinbetrieb hereinkommen kann. Es ging ihm nicht primär darum, neue und womöglich wirksamere Medikamente zu finden für dieses und jenes. Vielmehr wollte er vermitteln, dass die Medizin durch ein Menschenbild bereichert werden kann, das befähigt, den Menschen primär als geistiges Wesen zu begreifen und ihn dadurch in Gesundheit und Krankheit neu zu sehen und behandeln zu lernen.[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Kapitel I von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; heißt es: &#039;&#039;„Der Mensch ist, was er ist, durch Leib, Ätherleib, Seele (astralischer Leib) und Ich (Geist).&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Er muss als Gesunder aus diesen Gliedern heraus angeschaut;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;er muss als Kranker in dem gestörten Gleichgewicht dieser Glieder wahrgenommen;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;es müssen zu seiner Gesundheit Heilmittel gefunden werden, die das gestörte Gleichgewicht wieder herstellen.“[2]&amp;lt;sup&amp;gt;,&amp;lt;/sup&amp;gt; [3]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anthroposophisch-medizinische Therapieansatz kann zudem sowohl alternativ als auch kombiniert mit schulmedizinischer Behandlung zur Anwendung kommen und erfreuliche Besserungen erzielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Erkrankung und Heilung als Kreisprozess verstehen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Methodisch kommt es Rudolf Steiner und Ita Wegman also darauf an, den Prozess der Erkrankung und den Prozess der Heilung als einen einzigen Kreisprozess zu verstehen, in dem der Organismus von Heilmitteln und Krankheitsdiät unterstützt werden muss, um wieder in den „Zustand der Gesundheit“ versetzt zu werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Die Erkrankung beginnt mit einer Irregularität in der Zusammensetzung des menschlichen Organismus mit Bezug auf seine in diesem Buch beschriebenen Teile. Sie ist an einem bestimmten Punkte angekommen, wenn man den Kranken in Behandlung bekommt. Man hat nun dafür zu sorgen, dass alle Vorgänge, die sich seit dem Beginn der Krankheit im menschlichen Organismus abgespielt haben, wieder zurückverlaufen, so dass man zuletzt bei dem Zustande der Gesundheit anlangt, in dem der Organismus vorher war. […] Die Heilmittel müssen daher so beschaffen sein, dass sie nicht nur den Krankheitsprozess zurücklaufen lassen, sondern auch die sich herabstimmende Vitalität wieder unterstützen. Einen Teil der letzteren Wirkung wird man der Krankheitsdiät überlassen müssen. Doch ist in der Regel bei ernsteren Krankheitsfällen der Organismus nicht gestimmt, in der Verarbeitung der Nahrungsmittel genügend Vitalität zu entwickeln. Es wird daher notwendig sein, auch die eigentliche Therapie so einzurichten, dass der Organismus in dieser Beziehung seine Unterstützung findet. […] Im Krankheitsverlaufe ist nicht nur der lokalisierte Krankheitsprozess, sondern die Gesamtveränderung des Organismus zu berücksichtigen und diese in den rückläufigen Prozess einzubeziehen. Wie das im Einzelnen zu denken ist, werden bestimmte Fälle, die wir nun charakterisieren wollen, zeigen.“&#039;&#039;[4] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;An der Heilung des erkrankten Planeten mitwirken&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Ruf nach einer menschengemäßen Medizin steht mit vielen Bestrebungen der letzten Jahrzehnte im Konsens.  So schreibt der berühmte  amerikanische Kardiologe &#039;&#039;Bernard Lown&#039;&#039; im Vorwort seines Medizin-Bestsellers &#039;&#039;„Die verlorene Kunst des Heilens&amp;quot;:[1]„Dieses Buch möge als ein  Kompass dienen (...), indem es eine Medizin beschreibt, in welcher der Mensch im Mittelpunkt aller wissenschaftlichen Dienstleistungen steht – nämlich ein modernes Gesundheitswesen mit einem menschlichen Gesicht.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lown nennt die heutigen großen Probleme beim Namen: Die ungerechte Weltordnung, die bewirkt, dass sich auch im neuen Jahrhundert die Kluft zwischen den armen Entwicklungsländern und den reichen Industrienationen immer schneller vertieft und viel zu viele der sieben Milliarden Menschen auf der Welt in einer quälenden, erbarmungslosen und erniedrigenden Armut leben. Er fordert von den Ärzten, aktiv beim Aufarbeiten der sozialen Missstände mitzuwirken sowie bei der Heilung unseres erkrankten Planeten. Das Wort des deutschen Pathologen &#039;&#039;Rudolf Virchow&#039;&#039; ist ihm Vorbild, dass Politik eine „Medizin im Großen&amp;quot; ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie aber wird eine medizinische Denkweise und Methode erarbeitet, die solches leisten kann?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztlich kann doch nur ein neues Denken über die alten, unerbittlich wachsenden Probleme dazu führen, diese nachhaltig zu lösen. Anthroposophische Medizin möchte in aller Konsequenz dazu beitragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Physiologisch-Therapeutisches auf Grundlage der Geisteswissenschaft. Zur Therapie und Hygiene,&#039;&#039; GA 314, S. 29 und S. 226 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, S. 12.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Formatierung Katharina Offenborn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe FN 2, S. 89f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Bernard Lown, &#039;&#039;Die verlorene Kunst des Heilens,&#039;&#039; Berlin 2002.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== GESUNDHEITSWISSENSCHAFTLICHER ANSATZ DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Bereiche umfasst der gesundheitswissenschaftliche Ansatz der Anthroposophischen Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht dabei um drei Bereiche:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Um den Bereich des Ätherisch-Lebendigen und die hier agierenden &#039;&#039;&#039;Rhythmen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
# Um das Zusammenspiel der Wesensglieder im so genannten &#039;&#039;&#039;dreigliedrigen Organismus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
# Um eine dem Menschengeist gemäße &#039;&#039;&#039;Erziehung und Selbsterziehung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;AD 1. ZUR RHYTHMUSFORSCHUNG&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gunther Hildebrandt&#039;&#039;, einer der führenden Rhythmus-Forscher im 20. Jahrhundert, hat sein Lebenswerk als Physiologe der systematischen Erarbeitung der rhythmischen Funktionen und deren adaptiven, erholsamen und stabilisierenden Wirkungen gewidmet.[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hatte in einer Vortragsnachschrift von Steiner gelesen, dass die rhythmische Organisation des Menschen ihren Ausdruck findet im Rhythmus der Blutzirkulation und dem Atemrhythmus und dass dieser Zusammenhang zu wenig beachtet wird. Beim erwachsenen Menschen haben diese beiden Rhythmen das Verhältnis 4:1. Das ist natürlich nur ein approximativer Durchschnittswert, der allerdings in seinen Abweichungen Auskunft gibt über Gesundheit und Krankheit des individuellen menschlichen Organismus. Diesen Hinweisen Steiners ist Hildebrandt mit den Methoden der Chronobiologie und der Rhythmusforschung nachgegangen. Anhand seiner Resultate konnte er belegen, wie sehr die anthroposophische Geisteswissenschaft mit der akademischen Naturwissenschaft übereinstimmt und dass sich neue Möglichkeiten des Verstehens erschließen, wenn man beide methodisch ernst nimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Rhythmusforschung am Beispiel Schlaf&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Hildebrandt konnte nachweisen, dass die Schlaferholung als zentral koordinierter Prozess nicht allein aus biochemischen und physiologischen Gesichtspunkten heraus erklärbar ist, sondern dass Selbstordnungsprinzipien am Geschehen beteiligt sind, die eine rhythmische Zeitstruktur haben und prozessual in Richtung Heilung oder Krankheit stimulierbar sind. Er konnte in vielfach bestätigten Befunden nachweisen, dass im Verlauf des Nachtschlafes die ganzzahlige Frequenzabstimmung zwischen Herz- und Atemrhythmus des gesunden Organismus bei jedem Menschen wieder hergestellt wird, und zwar unabhängig von der Richtung der am Tage aufgetretenen Abweichungen. Dasselbe konnte Hildebrandt auch hinsichtlich der ganzzahligen Frequenzabstimmungen von Atem- und Blutdruckrhythmus sowie von Blutdruckrhythmus und Minutenrhythmus der peripheren Durchblutung nachweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Arbeitsrhythmen der Wesensglieder und autochrone Biorhythmen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Des Weiteren konnte Hildebrandt zeigen, dass die von Steiner erforschten basalen Arbeitsrhythmen der Wesensglieder tatsächlich den evidenten, adaptiven und autochronen Biorhythmen des Menschen entsprechen. Auch konnte er belegen, dass diese hygiogenetischen Prozesse in der Regel reaktiv ausgelöst werden und ihre Zeitstruktur nicht von den Eigenrhythmen der Wesensglieder bestimmt werden, sondern reaktiv von deren harmonischen Frequenzmultiplen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Jahresrhythmen unter Einfluss des physischen Leibes ====&lt;br /&gt;
Regenerative und adaptive Rhythmen des physischen Leibes hängen mit dem Jahreslauf der Sonne sowie der annualen Rhythmik zusammen. Die heteronomen trophisch-plastischen Wachstumsprozesse mit der submultiplen Periodendauer des Jahresrhythmus werden überwiegend von den Einflüssen bestimmt, die der physische Leib auf die hygiogenetische Aktivität des Ätherleibes hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; 7-Tage-Rhythmus bestimmt vom Ätherleib ====&lt;br /&gt;
Regenerative und adaptive Rhythmen des ätherischen Leibes entsprechen dem Monatsrhythmus sowie der lunaren Rhythmik. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Monatsrhythmus bestimmt vom Astralleib ====&lt;br /&gt;
Adaptive und regenerative Rhythmen des Astralleibes von 7 Tagen entsprechen dem Wochenrhythmus, der zirkaheptanen Rhythmik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Rhythmisches Zusammenspiel von Ätherleib und Astralleib&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Die eigentlichen heilenden Prozesse, die sich als normgerichtete Regenerationsvorgänge äußern und eine funktionelle Normalisierung herbeiführen, werden im Zusammenwirken von Ätherleib und astralischem Leib zeitlich gegliedert. Ausdruck dieses Zusammenwirkens ist die Tatsache, dass der spontane Eigenrhythmus des Astralleibes mit 7 Tagen Periodendauer zugleich eine Submultiple des ätherischen Monatsrhythmus darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Eigenrhythmen der beiden Wesensglieder stehen bemerkenswerterweise auch im doppel-oktavischen harmonischen Verhältnis von 4:1. Das vielfach nachgewiesene Vorherrschen der zirkadianen Septanperiodik bei den spontanen und therapeutisch angestoßenen Selbstheilungsprozessen kann daher so gedeutet werden, dass der Astralleib mit seinem Eigenrhythmus den hygiogenetischen Prozessen eine Zeitstruktur vorgibt, der sich der Ätherleib durch Ausbildung einer submultiplen Periodik optimal einpasst.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; 24-Stunden-Rhythmen unter Führung der Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Adaptive und regenerative Rhythmen der Ich-Organisation entsprechen dem 24 Stunden-Rhythmus, der zirkadianen Rhythmik. Seine Forschungsergebnisse zusammenfassend führt Hildebrandt aus, dass die verschiedenen, stoffwechselbedingten Erholungsprozesse mit einer Periodendauer unter 24 Stunden, die dem Bestand und der Gesunderhaltung des Organismus dienen, der zeitlichen Führung seitens der Ich-Organisation unterliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;AD 2. ZUR FUNKTIONELLEN DREIGLIEDERUNG&#039;&#039; &#039;&#039;DES MENSCHLICHEN ORGANISMUS&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Gedanke der funktionellen Dreigliederung des menschlichen Organismus geht auf eine dreißigjährige Forschung Steiners zurück, die er erstmals 1917 publizierte.[3] Der Anatom und Morphologe Johannes W. Rohen griff diese Anregung in seinen Lehrbüchern für die Medizinstudenten auf.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Sichtweise des menschlichen Organismus verknüpft drei Aspekte miteinander:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Sie macht den polaren Bau des menschlichen Organismus funktionell und morphologisch transparent.&lt;br /&gt;
# Sie liefert eine pathologisch und therapeutisch relevante Erklärung des Leib-Seele-Problems.&lt;br /&gt;
# Sie führt nicht nur zu einer neuen Sicht auf die Entstehung von Krankheit, sondern auch zu einem Konzept für die Entstehung von Gesundheit (Salutogenese, Hygiogenese).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Polarität und ausgleichende Prozesse&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Morphologisch betrachtet sind die Rundheit der Schädelform und die radiale Form der Gliedmaßen echte Polaritäten. Entsprechend polar stehen auch die bewussten, im Kopf zentrierten Denk- und Sinnestätigkeiten den unterhalb des Zwerchfells lokalisierten unbewussten metabolischen Auf- und Abbauvorgängen gegenüber. Dazwischen entfalten sich die rhythmischen Transport- und Verteilungssysteme, wie sie von den Atmungsorganen und dem Herzen als Mittelpunkt des Kreislaufsystems ausgehen. Diese dreiteilige morphologische Grundgliederung bezeichnet Steiner mit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Nerven-Sinnes-System NSS&#039;&#039;&#039;: überwiegend im Kopf zentrierte &#039;&#039;„obere Organisation&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Rhythmisches System RS&#039;&#039;&#039;: überwiegend im Thorax lokalisierte &#039;&#039;„mittl. Organisation&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Stoffwechselsystem&#039;&#039;&#039;: überwiegend im Abdomen lokalisierte &#039;&#039;„untere Organisation&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Dreigliederung entspricht bereits die Polarität von Ektoderm und Entoderm und den sich aus dem Zusammenspiel beider ergebenden sekundären mesodermalen Strukturen in der Embryonalentwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Dreigliederung findet sich auch in der Formation des Skelettes wieder: Wirbelsäule und Brustkorb haben einen rhythmisch gegliederten Aufbau (Wirbel, Rippen), im Gegensatz zur radialen Form der Extremitäten und der sphärischen des Kopfes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die zeitlich-prozessuale und damit auch die physiologisch-biochemische Betrachtung ist jedoch das jeweils spezifisches Zusammenwirken der vier Wesensglieder in den drei Regionen des Körpers entscheidend:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbstverständlich gehört der Nervenzell-Stoffwechsel den Stoffwechselfunktionen an und umgekehrt ist das vegetative Nervensystem, das wahrnehmend und regulierend auf das gesamte Stoffwechselgeschehen einwirkt, Bestandteil des Nervensinnessystems.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entsprechend ist das rhythmische System mit seinen Funktionsleistungen auch im Nervensinnes-System und beim Stoffwechsel wirksam. Es stellt mit den kurzwelligen Rhythmen der elektrochemischen Hirnpotentiale im Sekundenbereich und den langwelligen Eigenrhythmen der Stoffwechselorgane (z.B. Magen / Darmmotilität) im Stundenbereich die gesamte rhythmische Funktionsordnung im dreigliedrigen Organismus dar. Bei der Dreigliederung handelt es sich also nicht um eine Dreiteilung, sondern um eine funktionelle Gliederung, die sich gleichzeitig räumlich im polaren Aufbau des Körpers abbildet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zusammenspiel der Wesensglieder im dreigliedrigen Organismus&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Werden die Funktionen des Nerven-Sinnes- und des Stoffwechselsystems mithilfe des rhythmischen Systems nicht genügend aufeinander abgestimmt, so tritt Krankheit auf:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Derjenige wird den menschlichen Organismus in seinem gesunden und kranken Zustand – oder besser gesagt: in seinem Gesund-Sein und seinem Gesund-Werden – nicht eigentlich verstehen können, der nicht berücksichtigt, dass die so genannten normalen Funktionen im Grunde nur Metamorphosen sind, auch derjenigen, die wir hervorrufen müssen, um pathologischen Zuständen zu begegnen&amp;quot;&#039;&#039;.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hildebrandt machte darauf aufmerksam, dass diese Aussage Steiners im Prinzip dem so genannten ersten Hauptsatz der Naturheilkunde entspricht, wie er zum Beispiel von Groote formuliert wurde: &#039;&#039;„Das, was den Gesunden gesund erhält, ist auch geeignet, den Kranken wieder gesund zu machen&amp;quot;&#039;&#039;.[6]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Inkarnierende und exkarnierende Wesensgliedertätigkeit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das Steinersche Paradigma von der Metamorphose der „inkarnierenden&amp;quot; Wesensgliedertätigkeit in die „exkarnierende&amp;quot;, die das seelisch-geistige Leben ermöglicht, ist einerseits Grundlage für ein neues Verständnis des Leib-Seele-Zusammenhangs. Es bietet aber auch bisher nicht dagewesene Möglichkeiten, die Fachgebiete der Erziehungswissenschaften und Medizin in ihrem Zusammenhang zu verstehen und für die Weiterentwicklung von Therapie und Pädagogik zu nutzen. Denken, Fühlen und Wollen als seelisch-erfahrbare Qualitäten werden in ihrem Leibbezug durchschaubar:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Der &#039;&#039;&#039;Ätherleib&#039;&#039;&#039; kann damit als &#039;&#039;Träger des Gedankenlebens&#039;&#039; erkannt werden,&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;&#039;Astralleib&#039;&#039;&#039; als &#039;&#039;Träger des Gefühlslebens&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* und die &#039;&#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;&#039; als &#039;&#039;Träger des Wollens bzw. Tuns&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die inkarnierende Wesensgliedertätigkeit ermöglicht Selbsterfahrung und ist somit die Grundlage von Selbstbewusstsein im Leib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die exkarnierende Wesensgliedertätigkeit, deren Medium das Denken ist, das „Leben im Geiste&amp;quot;, ist Grundlage für die Entwicklung eines bewussten, vom Leib emanzipierten, persönlichen Innenlebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die inkarnierende und die exkarnierende Wesensgliedertätigkeit hängen eng zusammen im Kontext der Entwicklung des Menschen. So entwickelt sich z.B. unser Denken erst aus der schrittweisen Emanzipation des Ätherleibes – von der leibgerichteten Tätigkeit hin zur leibfreien, rein gedanklichen Tätigkeit.[7] Wird die gesunde Inkarnation des Ätherleibes durch die Erziehung nicht unterstützt, sondern behindert durch kognitives Frühtraining und die Förderung abstrakten Denkens, emanzipiert sich der Ätherleib zu früh und ein Mangel an Vitalität in der zweiten Lebenshälfte ist die Folge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Alles hat seine Zeit&amp;quot; ist daher die Grundlage der Waldorfpädagogik und ihres altersspezifischen Lehrplans.[8](besser nicht in kursiv).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entwicklungsgerechte Förderung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Organsysteme des menschlichen Organismus bedürfen einer entwicklungsgerechten, altersspezifischen Förderung, um sich gesund aufbauen und genügend ausreifen zu können. Nur dadurch kann die Inkarnation aller Wesensglieder optimal gewährleistet werden. Damit wird auch die physiologische Lockerung der Wesensglieder im letzten Lebensdrittel auf möglichst gesunderhaltende Art und Weise vorbereitet. Jeder alternde Organismus hat zwar die Disposition zu chronischen Erkrankungen des älteren Menschen, ob es jedoch zum Ausbruch einer entsprechenden Krankheit kommt bzw. welchen Schweregrad sie erreicht, ist bis zu einem gewissen Grad abhängig davon, wie das Kind oder der Jugendliche die Zeit der Inkarnation der Wesensglieder durchlaufen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiteres Kriterium ist die Frage, ob in der Lebensmitte durch geistige Aktivität Lebensfragen und Konflikte so verarbeitet wurden, dass die zur Gesunderhaltung von Leib und Seele nötige Übereinstimmung mit sich und dem Schicksal hergestellt werden konnte. Aaron Antonovsky spricht von der Notwendigkeit, ein „Kohärenzgefühl“ sich und seinen Lebensumständen gegenüber zu erwerben.[9]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;AD 3.&#039;&#039; &#039;&#039;ERZIEHUNG UND SELBSTERZIEHUNG ALS QUELLE SALUTOGENER KOMPETENZ&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die von Rudolf Steiner konsequent verfolgte These einer Erziehung zur Freiheit und einer Lehre von der Gesundheit, basierend auf der Auseinandersetzung mit den Herausforderungen des Lebens auf geistiger, seelischer und körperlicher Ebene, erfährt auf vielfältige Weise Bestätigung durch:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Hygiogenese&#039;&#039;&#039; (Hildebrandt 1985),&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Salutogenese&#039;&#039;&#039; (Antonovsky 1997)&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Resilienzforschung&#039;&#039;&#039; (Opp/Fingerle/Freytag 1999)&lt;br /&gt;
* sowie die &#039;&#039;&#039;Erforschung der seelischen Gesundheit&#039;&#039;&#039; durch die humanistische Psychologie (Maslow 1981).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Erforschung der seelischen Gesundheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Maslow fand bei seinen Untersuchungen zur seelischen Gesundheit heraus, dass Menschen mit einer gesunden seelischen Gesamtverfassung sach- und nicht ich-bezogen handeln, dass sie tolerant und wahrhaftig sind, sich herzlich freuen, staunen und Dinge und Menschen bewundern können, dass sie Gefühle der Devotion aufbringen. Ihnen ist gemeinsam, dass sie auf die eine oder andere Art auf eine spirituelle Höhepunkt-Erfahrung, die so genannte Peak-Experience, zurückschauen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Maslow konnte zeigen, in wie hohem Maße die Arbeit an der eigenen Persönlichkeit und die persönliche Reife Einfluss auf den körperlichen Gesundheitszustand haben.[10]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Salutogenese – die Lehre von der Gesundheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Antonovsky entwickelte in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts seine Theorie der Salutogenese. Er untersuchte die Bedingungen für das Entstehen von Gesundheit und wählte als Kernbegriff den „Sense of Coherence“ – das Kohärenzgefühl. Die Entstehung von Kohärenzgefühls unterliegt drei Vorbedingungen: Die Welt muss als&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* verstehbar&lt;br /&gt;
* sinnhaft&lt;br /&gt;
* handhabbar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
erlebt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder in der Gesundheitsforschung Tätige kommt früher oder später zu der Überzeugung, dass Gesundheit ein labiler Zustand ist, der vom Individuum aktiv erhalten werden muss. Diese Auffassung steht im Gegensatz zum konventionellen, pathogenetischen Postulat, dass ein gesunder Organismus sich in „normaler&amp;quot;, geordneter Homöostase befindet, die durch eine Krankheit aus dem Gleichgewicht gebracht wird. Antonovsky stellt dem entgegen, dass es den geordneten Zustand der Homöostase nicht gibt, dass Gesundheit vielmehr das ständige Ringen mit heterostatischen Zuständen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er schreibt: &#039;&#039;„Zu jedem Zeitpunkt kann mindestens ein Drittel, möglicherweise mehr als die Hälfte der Bevölkerung in den Industrienationen aufgrund des einleuchtenden Parameters eines pathologischen Merkmals als krank bezeichnet werden. Das zeigt, dass Krankheit keine relativ seltene Abweichung irgendeiner Norm, sondern ein ubiquitäres Phänomen ist&amp;quot;&#039;&#039;.[11]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit ist so gesehen nicht die Abwesenheit von Krankheit, sondern die Beherrschung und Kompensierung vorhandener Krankheitstendenzen. Für diese gesundheitswissenschaftliche Sicht bietet das Konzept der Wesensglieder und ihr differenziertes Zusammenwirken im dreigliedrigen Organismus das notwendige theoretische und praxisrelevante Instrumentarium. Hinzu kommt, dass das Wesensgliederkonzept bisher das einzige Konzept ist, das dem denkenden Begreifen den Leib-Seele-Geist-Zusammenhang voll erschließen kann und die These von der „Blackbox&amp;quot; begründet hinterfragt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Amelung, W. / Hildebrandt, G. (Hrsg.), Balneologie und medizinische Klimatologie, Berlin 1985.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Gunther Hildebrandt, &#039;&#039;Physiologische Grundlagen der Hygiogenese&#039;&#039;, in: Peter Heusser (Hrsg.), &#039;&#039;Akademische Forschung in der anthroposophischen Medizin&#039;&#039;. Beispiel Hygiogenese: Natur- und geisteswissenschaftliche Zugänge zur Selbstheilungskraft des Menschen, Bern 1999.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Von Seelenrätseln&#039;&#039;, GA 21.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Johannes W. Rohen, &#039;&#039;Morphologie des menschlichen Organismus. Versuch einer goetheanischen Gestaltlehre des Menschen,&#039;&#039; Stuttgart 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Anthroposophische Grundlagen für ein erneuertes christlich-religiöses Wirken&#039;&#039;, GA 342, Dornach 1993.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] L. R. Groote, K. E. Rothschuh, &#039;&#039;Der Arzt im Angesicht von Leben, Krankheit und Tod&#039;&#039;, hrsg. von K. E. Rothschuh, Stuttgart 1961.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkt der Geisteswissenschaft&#039;&#039; in: &#039;&#039;Lucifer - Gnosis&#039;&#039;. 1903-1908, Dornach 1987;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M. Glöckler, &#039;&#039;Gesundheit und Schule. Schulärztliche Tätigkeit an Waldorf- und Rudolf-Steiner- Schulen.&#039;&#039; Dornach 1998.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Tobias Richter, &#039;&#039;Lehrplan&#039;&#039;, Stuttgart 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Aaron Antonovsky, &#039;&#039;Salutogenese. Zur Entmystifizierung der Gesundheit&#039;&#039;, Tübingen 1987.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Abraham Maslow, &#039;&#039;Motivation und Persönlichkeit&#039;&#039;, Hamburg 1981.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Siehe Fußnote 9.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== METHODISCHE GRUNDLAGEN DES ANTHROPOSOPHISCHEN ANSATZES ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worin wurzelt die Methodik des anthroposophischen Ansatzes?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wurzeln des anthroposophischen Ansatzes&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der anthroposophische Ansatz hat seine Wurzeln in der abendländischen Philosophie und der Erkenntnisdramatik des 20. Jahrhunderts. Er bemüht sich um ein spirituelles Verständnis von Mensch und Welt über die Weiterentwicklung des Denkens zu einer unmittelbaren geistigen Anschauung, von Steiner „Imagination“ genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Anthroposophische Medizin ====&lt;br /&gt;
Anthroposophische Medizin hat zum Ziel, sich am Menschen selbst zu orientieren und seinem Heilbedarf auf die jeweils bestmögliche Art zu entsprechen. So greift der konsequent integrativ-medizinische Ansatz nicht nur die verschiedenen Erkenntnis-, Erfahrungs- und Daseinsebenen des Menschen auf, sondern verfügt auch über eine Diversität methodischer Zugänge. Im Sinne des Goethe‘schen Paradigmas bedeutet das, die Art der Betrachtung von der Art des zu Betrachtenden abhängig zu machen. Da der Mensch selbst ein so vielschichtiges und kompliziertes Wesen ist, bedarf es zu seiner Erforschung und Beschreibung die dem jeweiligen Objekt der Erkenntnis angemessene Methode. Allerdings müssen die so erforschten Einzelaspekte dann untereinander vernetzt und konzeptionell so verknüpft werden, dass eine Ganzheit entsteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Die Medizin des 21. Jahrhunderts muss wieder neu den Menschen entdecken, der immer mehr in ultrastrukturelle Teile zerbricht, weil ihr eine auf die Ganzheit gerichtete Erkenntnismethode – die intuitive – fehlt“.&#039;&#039;[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Menschen in seiner Totalität zu erfassen, ist ohne Intuition und Empathie nicht möglich. Diese Ganzheit dann aber je nach Fragestellung und Blickwinkel methodisch und inhaltlich zu gliedern und auch deduktiv zugänglich zu machen, bedarf eines differenzierten Erkenntnisansatzes, wie er in den methodischen Grundlagen der anthroposophischen Geisteswissenschaft vorliegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Anthroposophische Geisteswissenschaft ====&lt;br /&gt;
Anthroposophische Geisteswissenschaft vermittelt keine „fertige&amp;quot; Weltanschauung. Vielmehr lehrt sie, sich eine eigene Weltsicht zu erarbeiten, indem sie bei der Ausbildung des „Selber-Denkens&amp;quot; ansetzt. Mit Hilfe dieses Ansatzes kann jeder Fragen aufgreifen, die ihn im Zusammenhang mit der eigenen Religion oder spirituellen Heilweise interessieren. So gibt es nicht nur Schulmediziner, sondern auch Homöopathen und Vertreter anderer Therapierichtungen, die sich zu anthroposophischen Ärzten weiterbilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Anthroposophische Arzneimittel ====&lt;br /&gt;
Aufgrund des integrativ-medizinischen Ansatzes können die Arzneimittel der anthroposo­phischen Therapierichtung weder methodisch noch von den Stoffgruppen her klar abgegrenzt werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Beispiel wird eine Vielzahl von Arzneimitteln aus natürlichen Rohstoffen hergestellt, ohne dass Anthroposophische Medizin deshalb identisch mit der Naturheilkunde wäre. Es werden über 250 Heilpflanzen verarbeitet, dennoch ist Anthroposophische Medizin keine Phytotherapie. Denn im gesamten Arzneimittelschatz haben gerade die aus natürlichen mineralischen Rohstoffen hergestellten Präparate eine besondere Bedeutung. Schließlich ist Anthroposophische Medizin auch nicht mit der Homöopathie identisch, obwohl sie mit ihr – in modifizierter Form – die Technik des Potenzierens und die Potenzbezeichnung für sehr viele mineralische, pflanzliche und einige tierische Arzneimittel gemeinsam hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch liegt eine größere Anzahl von Präparaten in konzentriert-stofflicher Form vor, allen voran die Präparate aus der weißbeerigen Mistel zur Krebsbehandlung oder das gern gebrauchte Mittel zur Kreislaufregulation Cardiodoron®. Dennoch ist die anthroposophische Therapierichtung nicht zu der allopathischen zu rechnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Volker Fintelmann, &#039;&#039;Intuitive Medizin,&#039;&#039; Hippokrates Verlag, Stuttgart: 1. Aufl. 1987, 5. Aufl. 2007.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== NOTWENDIGER PARADIGMENWECHSEL IN DER MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Warum bedarf die Schulmedizin einer Ergänzung durch eine ganzheitliche Sicht auf den Menschen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern kann die Anthroposophische Medizin zu einem Paradigmenwechsel beitragen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Notwendige Demokratisierung des Gesundheitswesens&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das naturwissenschaftliche medizinische System orientiert sich an der Pathologie. Aus wirtschaftlicher Perspektive folgt daraus: Je mehr Diagnostik und Therapie betrieben werden, umso so mehr Umsatz kann gemacht werden. Anders ausgedrückt: Mit der Krankheit Geld zu verdienen, fördert das Krankheitswesen. Würde man jedoch mit Prävention und Gesundheitsstrategien Umsätze machen und dafür in eine Gesundheitskasse einzahlen, würde dies entschieden zur Volksgesundheit beitragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner forderte bereits 1920 eine &#039;&#039;„Demokratisierung des Gesundheitswesens“.[1]&#039;&#039; Ärzte, Apotheker, Hersteller und Verbraucher sind gefragt, gemeinsam und in Partnerschaft mit den Patienten bzw. Vertretern der Zivilgesellschaft Mitverantwortung für die Gestaltung des Gesundheitswesens zu übernehmen und für die hierzu erforderliche Methodenvielfalt und Therapiefreiheit einzutreten.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Auf Prävention fokussieren&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Paradigmenwechsel könnte sich allem voran darin äußern, dass man der Gesundheitsforschung höchste Priorität gibt. Dies erfordert aber eine ganzheitliche Sicht auf den Menschen, weil Gesundheit nicht auf molekularer Ebene entsteht, sondern das komplexe Ergebnis des Zusammenwirkens geistiger, seelischer, ökologischer und körperlicher Vorgänge ist. Es gehört aber auch eine „physiologische Denkweise dazu“, die dies vermitteln kann. Diese bietet die Anthroposophische Medizin. Als Kinderärztin erlebte ich in der Praxis immer wieder mit Freude, wie lebens- und entwicklungsfreundlich diese physiologische Denkweise und das integrative Menschenbild der Anthroposophischen Medizin sind. Hierzu drei Beispiele:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== •  Vitamin D ====&lt;br /&gt;
Als das Vitamin D entdeckt wurde, reiste der anthroposophische Kinderarzt &#039;&#039;Wilhelm zur Linden&#039;&#039; von Kongress zu Kongress und informierte seine Kollegen, dass die Dosen, die sie den Kindern verabreichten – Vigantolstöße genannt – viel zu hoch und unphysiologisch wären und den Kindern nicht nur nützen, sondern auch schaden würden. Seine Warnungen blieben über Jahre ungehört – bis Studien und Beobachtungen in der Praxis endlich zeigten, wie recht er hatte.[3] Doch bis dahin hatten unzählige Kinder bereits Schaden genommen. Man hätte das durch eine gesunde Denkweise vermeiden können. denn später machte schließlich genau das, was zur Linden ganz zu Anfang schon empfohlen hatte: Man gab kleine, der Physiologie angenäherte Dosen, wie der Körper sie selbst bilden könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;•  &#039;&#039;&#039;Fieberbehandlung ====&lt;br /&gt;
Ein weiteres Beispiel betrifft die Fieberbehandlung. Als ich mein Kinderärzte-Staatsexamen machte, mussten wir noch ankreuzen, dass Fieber eine Krankheit ist, die fiebersenkend, antipyretisch behandelt werden müsse, sonst wäre die Antwort falsch gewesen. Für das Facharzt-Examen besorgte ich mir dann die neueste Auflage der Kinderheilkunde von Professor Simonis. Dort las ich, nur der unerfahrene Kinderarzt würde bei jedem Fieber ein fiebersenkendes Mittel verordnen. Der erfahrene wisse, dass Fieber immunstimulierend wirkt und entscheidend zur Krankheitsbekämpfung beiträgt. Fieber sei ein natürliches Virostatikum und Antibiotikum. Bakterien und Viren sterben zwischen 39° und 40°. Man müsse das Fieber nur intelligent begleiten. Das belegen mittlerweile auch andere Studien weltweit.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Teil bis heute wurden und werden viele Kinder aber „falsch“ behandelt, obwohl man eigentlich weiß, dass es nicht gut ist! Und das nur, weil man im Medizinstudium nicht lernt, mit dem Organismus und im Sinne seiner Funktionen zu denken und zu fühlen und ihn in seinem Sosein optimal zu unterstützen. Selbstverständlich gibt man ein Antipyretikum, wenn man das Fieber nicht beherrschen kann. Aber das ist nur in wenigen Fällen nötig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== •  Antibiotika ====&lt;br /&gt;
Noch in meiner Facharztprüfung Anfang der Achtziger musste ich die Schulmeinung wiedergeben, dass jede Mittelohrentzündung/Otitis Media breitbandantibiotisch behandelt werden müsse, jede! Mit großen Hochglanzprospekten wurden die Forschungen dazu vorgestellt. Dieselben Firmen der Pharmaindustrie hatten jedoch Mitte der Neunziger Jahre plötzlich großes Interesse daran, genau das Gegenteil zu beweisen: Damals hatte die Antibiotikaresistenz bestimmter Krankheitserreger so zugenommen, dass es für die Firmen teurer war, neue Antibiotika zu entwickeln, als die Einbußen durch Nichtbehandeln hinzunehmen. So „durfte“ man jetzt vernünftig behandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophische Ärzte haben jedenfalls – ebenso wie ihre Kollegen in Homöopathie und Komplementärmedizin – durch ihren nicht routinemäßigen, sondern individuell abgewogenen Einsatz von fiebersenkenden Mitteln und Antibiotika seit langem einen nachahmenswerten Beitrag geleistet, der heute so viel diskutierten Antibiotika-Resistenzentwicklung entgegenzuwirken.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner sagte, die Ärzte der Zukunft werden Lehrer in Gesundheitswissenschaft sein und die Lehrer der Zukunft werden Präventionsärzte für die Heranwachsenden sein.[6] Das ist ein Konzept, an dem es sich zu arbeiten lohnt, für das ich mich zunehmend begeistern kann, weil es genau der Beitrag ist, den die Medizin der Gegenwart für ihren Paradigmenwechsel braucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Was ist Anthroposophische Medizin?, Verlag am Goetheanum 2017&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Hygiene als soziale Frage. In: Physiologisch-Therapeutisches auf Grundlage der Geisteswissenschaft.&#039;&#039; GA 314. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1989, S. 221 - 261.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Mehr dazu unter: www.eliant.eu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Eine ausführliche Darstellung der Vitamin-D-Schäden findet sich bei M.S. Seelig, &#039;&#039;Vitamin D and cardiovascular, renal and brain damage in infancy and childhood.&#039;&#039; Ann. New York Acad. Sci. 1969, 147:539 - 582.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Ilene Claudius, Larry J. Baraff, &#039;&#039;Pediatric emergencies associated with fever.&#039;&#039; Emergency Medicine Clinics of North America 28: S. 67 - 84, 2010.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Hamre, Harald J. / Glockmann, Anja / Schwarz, Reinhard / Riley, David S. / Baars, Eric W. / Kiene, Helmut / Kienle, Gunver S.: Antibiotic Use in Children with Acute Respiratory or Ear Infections: Prospective Observational Comparison of Anthroposophic and Conventional Treatment under Routine Primary Care Conditions. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine 2014: &amp;lt;nowiki&amp;gt;http://dx.doi.org/10.1155/2014/243801&amp;lt;/nowiki&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Siehe auch: &#039;&#039;Waldorfpädagogik und Anthroposophische Medizin&#039;&#039;. Schwerpunktheft „Der Merkurstab“ 4:2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FÜNF URSACHEN FÜR KRANKHEIT UND FÜNF WEGE ZUR HEILUNG ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Ursachen für Erkrankung gibt es laut Paracelsus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und welche Wege der Heilung sieht die Anthroposophische Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fünf Ursachen für Krankheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Schon &#039;&#039;Paracelsus&#039;&#039;&#039;[1]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; hat gesagt, der Mensch sei ein fünfgliedriges Pentagramm.[2] Entsprechend gibt es fünf Wege, gesund bzw. krank zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesen Gedanken habe ich versucht, in die Anthroposophische Medizin und in die heutige Zeit zu übertragen. Ich stelle also Paracelsus’ Beispiel mit den Worten des einundzwanzigsten Jahrhunderts dar:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Physischer Standpunkt ====&lt;br /&gt;
Der erste Arzt vertritt den physischen Standpunkt: &#039;&#039;„Das ist doch klar: Der Patient ist durch den Cholerabazillus infiziert worden und letztlich an nicht mehr beherrschbaren Komplikationen verstorben.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ätherischer Standpunkt ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Eines wundert mich“,&#039;&#039; sagt der Zweite, &#039;&#039;„wenn gesichert ist, dass der Patient an einem Bazillus gestorben ist, warum sind dann nicht alle gestorben, die sich angesteckt haben? Denn die meisten meiner Patienten sind nicht gestorben. Also ist klar, dass der Patient gestorben ist, weil seine Selbstregulation versagt hat. Deshalb konnten auch die Komplikationen nicht beherrscht werden. Die Krankheitsursache liegt eindeutig im Ätherischen. Seine Abwehr war zu schwach, er hatte ein Immundefizit. Der Patient ist an seiner immunologischen Inkompetenz gestorben.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Astralischer Standpunkt ====&lt;br /&gt;
Der dritte Arzt spricht vom Aspekt des Astralleibes her: &#039;&#039;„Liebe Kollegen, Immunkompetenz und Bazillenwirkung sind nicht das Ende der Medizin! Ich kann euch sagen, woran es liegt, dass das Immunsystem eines Menschen dekompensiert: Habt ihr noch nie etwas von der Psychoneuroimmunologie gehört? Meine Forschungsergebnisse belegen, dass positive Gefühle das Immunsystem stärken. Negative Gefühle lassen das Immunsystem früher oder später insuffizient werden. Die Ursache für den Choleratod liegt also in den negativen Gefühlen des Patienten. Er war bitter, kritisch, nörgelig – enttäuscht über sein Leben. Ihr habt ihn doch gekannt! Er war seelisch nicht besonders konstruktiv. Das hält doch kein Mensch auf Dauer aus. Der Cholerabazillus war nur der Effektor. Der Patient war eigentlich schon am Ende. Die Todesursache liegt also im Seelischen.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Standpunkt der Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Schließlich meldet sich ein Vierter und beleuchtet das Ganze vom Aspekt der Ich-Organisation her: &#039;&#039;„Ich könnte allem folgen, was ihr sagt, aber mich wundert, dass ihr meint, das wären die wirklichen Ursachen. Meine Erfahrung ist, dass es vom eigenen Identitätsbewusstsein abhängt, ob jemand bereit ist, an seinen negativen Gefühlen zu arbeiten. In meiner medizinischen Erfahrung habe ich gelernt, Patienten zu motivieren, an ihren negativen Gefühlen zu arbeiten und diese zu überwinden. Dadurch entwickeln sie immunologische Kompetenzen. Selbstüberwindung und die Bereitschaft, aus dem Negativen etwas Positives zu gewinnen, habe ich als das stärkste Wirkprinzip entdeckt. Diejenigen, die keine Lust am Lernen, an der Verwandlung, die keine Lust haben, auch das Negative als zum Leben gehörig zu betrachten, sondern sich immer nur darüber beklagen, werden früher oder später krank. Keine Seele hält es aus, wenn in ihr ein lahmes, inaktives Ich wohnt. Also sage ich: Der Patient ist daran gestorben, dass er sich zu wenig mit sich und seinem Leben identifizieren konnte.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Schicksalsstandpunkt ====&lt;br /&gt;
Der fünfte Arzt sagt: &#039;&#039;„Ich habe das Horoskop des Patienten konsultiert – das stand auf Krise. Man muss zwar bis zuletzt alles tun, was möglich ist – aber gegen das Schicksal und Gottes Ratschluss sind wir ohnmächtig.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun sind alle gespannt, was Paracelsus selber dazu sagen werde. Er überrascht seine Kollegen, indem er sagt: &#039;&#039;„De quinte entibus. Liebe Kollegen, es gibt fünf Wege zur Krankheit und entsprechend auch zur Heilung. Deswegen habt ihr alle fünf recht.“ Ein guter Arzt hat all dies im Auge und greift da an, wo er seiner ärztlichen Intuition gemäß die größten Heilungschancen sieht. Erzwingen können wir nichts, aber wir können bis zuletzt um das Leben des Patienten ringen und für seine Heilung kämpfen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fünf Wege zur Heilung in der Anthroposophischen Medizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Auf der physischen Ebene: ====&lt;br /&gt;
Einsatz der Möglichkeiten der Schulmedizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Auf der ätherisch-prozessualen Ebene: ====&lt;br /&gt;
Prozessorientiert-wirksame Arzneimittel, Diät und Lebensstiländerungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Auf der astralen Ebene: ====&lt;br /&gt;
Neben dem therapeutischen Gespräch ist die Verordnung einer künstlerischen Therapie äußerst hilfreich. Darin können sich auch Kranke ausdrücken, die (noch) nicht bereit sind, über ihre Probleme zu sprechen. Auch Biographie-Arbeit hat sich bewährt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Auf der Ich-Ebene: ====&lt;br /&gt;
Wichtig ist die Beachtung der Identitätsfrage. Manchmal muss man hier das Hauptaugenmerk darauf richten und bei Selbstwertfragen oder Identitätsproblemen Wege zu Selbstschulung nennen. Oft hilft auch die Empfehlung der Lektüre von Steiners Buch zur Selbstschulung &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“[3]&#039;&#039; oder aber eine erneute Suche nach religiöser Sinnfindung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Auf der Ebene der spirituellen Orientierung: ====&lt;br /&gt;
Die Erarbeitung einer sinnstiftenden Weltanschauung ist das tragende Fundament einer gesunden Lebensführung. Hier ist jeder einzelne gefragt, das für ihn Stimmige zu suchen und die entsprechenden Gesichtspunkte im Leben anzuwenden und zu beherzigen. Der Arzt kann auf Grund seiner Lebenserfahrung und Empathie helfender Begleiter sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur Anthroposophischen Medizin, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Philippus Theophrastus Aureolus Bombastus von Hohenheim, getauft als Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, (* vermutlich 1493 in Egg, Kanton Schwyz; † 24. September 1541 in Salzburg) war ein Arzt, Alchemist, Astrologe, Mystiker, Laientheologe und Philosoph. Paracelsus hinterließ zahlreiche deutschsprachige Aufzeichnungen und Bücher medizinischen, astrologischen, philosophischen und theologischen Inhalts, die größtenteils erst nach seinem Tod gedruckt wurden. (wikipedia)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Paracelsus, &#039;&#039;Opus paramirum und De quinte entibus&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?&#039;&#039; GA 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== WIRKFAKTOREN IN DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wirkt Medizin generell?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Faktoren spielen dabei eine Rolle?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wie Anthroposophische Medizin wirkt&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Wirksamkeit der Anthroposophischen Medizin setzt sich aus verschiedenen Faktoren zusammen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Stoffliche Qualität ====&lt;br /&gt;
Schwefel wirkt anders als Phosphor oder anderes. Dieses Enzym hat diese Wirkung und ein anderes Hormon eine andere. Wenn ich ein bestimmtes Mittel gebe, muss ich das berücksichtigen. Das ist die rein stoffliche Wirkung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Pharmazeutisch-moralische Qualität ====&lt;br /&gt;
Es gibt verschiedene Stufen der ethisch-moralischen Zusatzwirkung. Wenn ein Pharmazeut seine Produkte mit Liebe herstellt, ist der Stoff nicht nur Träger seiner Eigenwirkung, sondern die positive Absicht, helfen zu wollen, überträgt sich vom Pharmazeuten auf das Produkt. Das ist eine pharmazeutische Qualität, die er moralisch beeinflussen kann. Das hat nicht nur mit Produktreinheit zu tun, ob unsauber oder sauber gearbeitet wird, sondern mit der moralischen Integrität dessen, der das Produkt herstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Ärztliche Qualität ====&lt;br /&gt;
Ärztliche Qualität entsteht, wenn ein Arzt ein Medikament aufgrund guter Überlegungen mit seinen eigenen Gedanken durchsetzt, mit seiner Liebe zum Patienten, mit seinem Willen, ihm zu helfen. Wenn er das Rezept aus dieser Gesinnung heraus dem Patienten gibt, geht diese innere Einstellung auf den Patienten über. Die Schulmedizin nennt das ‚Placebo-Effekt’, die ‚Droge Arzt’. Aber es gibt keinen Placebo-Effekt, es gibt nur Wirkungen, die man nicht versteht! Der Begriff des Placebos ist ein unwissenschaftlicher Lückenbüßer, den man auch so kennzeichnen müsste. Man muss verstehen, warum welches Placebo wie wirkt! Gute Gedanken sind wirksam:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ist es nichts, wenn einer einem anderen „alles Gute“ wünscht?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es macht einen Unterschied, wenn jemand lügt und dem anderen in Wirklichkeit nicht alles Gute wünscht!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich jemandem Gutes wünsche bzw. wenn ich als protestantischer Christ die Fürbitten mache oder als Katholik bete, hat das doch eine Wirkung! Ich mache das doch nicht zur Selbstbefriedigung, um mir zu zeigen, wie moralisch einwandfrei ich bin oder um dem Pfarrer zu gefallen! Ich mache es, weil ich davon überzeugt bin, dass Gedanken wirksam sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt destruktive Gedanken und positive Gedanken, die nicht nur auf mein Immunsystem, sondern auch auf die Immunsysteme meiner Mitwelt wirken. Hass auf andere Leute ist destruktiv, nicht nur für mich, sondern auch für die Anderen. Das sind astrale Attacken, die Verletzungen seelischer Art erzeugen können. Auch wenn sie unbewusst sind, wirken sie. Sensible Leute spüren genau, wenn Menschen sie hassen oder sie vernichten, betrügen oder mobben wollen. Es braucht nicht real zu passieren, man spürt bereits die Intention als etwas Destruktives. Solche Wirkungen sind kein Placebo-Effekt, sondern geistig-seelisch genau zu beschreiben und kommen entweder aus dem Denken, dem Fühlen oder der Intention von Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Ärztliche Intention als Zusatzwirkung&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Als Arzt gebe ich meine Intention dem Medikament mit. Rudolf Steiner sagt, der Arzt müsse seinem Arzneimittel eine „Aura“ mitgeben, eine Widmung. Wenn ich zum Beispiel Schwefel oder Phosphor oder Arnika verordne, denke ich in diesem Moment an diesen Menschen, an seine Lebenssituation und widme die Wirkung des betreffenden Mittels dieser Situation. Es ist eine weiter imponderable Zusatzwirkung zur normalen Arnika-Essenz im Fläschchen, wenn ich es einem älteren Menschen, der auf der Intensivstation liegt, als Umschlag verordne. Für diesen Menschen habe ich ganz andere Gedanken als für jemand anderen. Meine Gedanken sind Teil dieser individuellen Therapie. Auch eine Standardtherapie verordne ich individuell, weil jeder Mensch anders ist. Es gibt keine zwei gleichen Situationen, auch wenn ich vielfach dieselben bewährten Arzneimittel verwendet habe. Das ist die ärztliche Wirkkomponente.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Der Wille zur Gesundung ====&lt;br /&gt;
Die vierte Komponente betrifft den Eigenanteil des Patienten. Patienten wollen heute genau wissen: „Wofür ist das?“, „Wogegen ist das?“ Wenn sie dann den Beipackzettel lesen, bekommen sie oft Angst. Inzwischen gibt es auch anthroposophische Beipackzettel, auf denen beispielsweise steht: An Kindern nicht erprobt, bitte nicht unter 12 Jahren anwenden. Da bekommen Eltern Angst vor Arnika D6, weil es nicht erprobt ist, und halten es für gefährlich. Dadurch kann sich die positive Wirkung des Arzneimittels nicht voll entfalten. Oder die Mittel wirken nicht recht, weil der Patient eigentlich nicht wirklich gesund werden will. In diesem Fall braucht und will er seine Krankheit. Ein Patient, der nicht gesund werden will, muss erst einmal lernen, wieder gesund werden zu &#039;&#039;wollen&#039;&#039;. Er sucht noch die Flucht in die Krankheit, weil er diesen Schutzraum offenbar braucht. Das ist im Moment seine Identität. Ein Patient, der nicht gesund werden will, für den die Krankheit seine aktuell aushaltbare Gesundheit ist, verkraftet das Leben nicht. Er braucht eine andere Behandlung, als „auf Teufel-komm-raus“ gesund gemacht zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Ärzte haben keine Zeit für eine gründliche Anamnese. Sie behandeln oft auch Menschen, die von Arzt zu Arzt gehen und in Wirklichkeit gar nicht gesund werden wollen. Man hätte schon in der Erstbegegnung eine Biografiearbeit dazwischenschalten oder sagen müssen: „Ich glaube, Sie sind wirklich krank. In ihrer jetzigen Situation würde ich ihnen raten, dass Sie sich für den Prozess des Gesundwerdens genügend Zeit nehmen. Lassen Sie sich im Moment von Ihrem Job beurlauben. Ich gebe Ihnen ein Zeugnis und wir nehmen uns einen ganz langsamen Weg zur Gesundheit vor, damit Sie so werden, wie Sie werden wollen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein anderes therapeutisches Ziel, als jemanden so schnell wie möglich symptomfrei zu bekommen, damit er wieder funktioniert. Wirkliche Heilung kann erst erfolgen, wenn der „Gesund-mache-Wille“ des Arztes sich mit dem „Gesund-werde-Willen“ des Kranken verbinden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Gnade ====&lt;br /&gt;
Das fünfte Therapieprinzip heißt schlicht Gnade. Man kann nicht gegen das Schicksal angehen. Manchmal ist das Schicksal des Kranken so, dass man trotz aller erdenklichen Mühe nicht helfen kann. Das fünfte Prinzip wurzelt in der Überzeugung, dass das Leben nicht in der ärztlichen Kompetenz, sondern in der Hand Gottes liegt. Wenn der Krebs erneut ausbricht, gehe ich mit dem Patienten anders um als zu Beginn einer Krebserkrankung. Jetzt ist größtmögliche Ehrlichkeit gefragt. z.B. das Eingeständnis: &#039;&#039;„Wenn nicht ein Wunder geschieht, könnte es diesmal der Anfang vom Ende sein. Überlege, ob Du Deinem Leben eine vollkommen andere Wendung geben willst und kannst. Jetzt hast Du nichts mehr zu verlieren, Du kannst nur noch gewinnen. Schau mal, ob Du Dich von allem, was Dich zwingt, freimachen kannst und frage Dich, was Du mit deinem letzten Lebensabschnitt wirklich machen willst. Folge nur Dir selbst!“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann passieren manchmal ungeahnte Wunder. Manchmal braucht es diese Todesnähe, bis ein Patient wirklich zu sich kommt und weiß, was für ihn im Leben zählt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Beispiel einer terminalen Krebserkrankung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ich hörte von einem Patienten mit terminalem Krebs. Der Arzt hatte ihm maximal drei Monate gegeben. Er trennte sich daraufhin von all seinem Hab und Gut, verkaufte sein Haus und ging auf Weltreise. Er wollte nun endlich umsetzen, wofür er sich sein Leben lang keine Zeit genommen hatte. Nach seiner Heimkehr wollte er den Rest seines Geldes verschenken und sich auf das Sterben vorbereiten. Als er zurückkam, war der Krebs jedoch weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geschichte hat mir ein Kollege erzählt, der meinte, so etwas wäre eigentlich nicht möglich. Ebenso sah es die Uni-Klinik, in der er behandelt wurde. In der Schulmedizin nennt man das ‚Spontanheilung’. ‚Placebo-Effekt’ und ‚Spontanheilungen’ sind Begriffe, die zeigen, dass man sich in der Schulmedizin nicht mit Wirkfaktoren auseinandersetzen möchte, die etwas differenzierter sind und Spiritualität mit einbeziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur Anthroposophischen Medizin, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ICH-WESEN UND WESEN DER HEILWIRKUNGEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worauf basieren die Phänomene ‚Selbstheilung und ‚Selbstregulation‘?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie korrespondieren das Ich-Wesen des Menschen und das Wesen der Heilwirkungen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern ist der Mensch direkt für den Fortgang der Evolution verantwortlich?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ich-Organisation und Selbstregulation&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel VII von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; wird das Wesen der Heilwirkungen in unmittelbarer Anknüpfung an das bisher über die physiologischen Prozesse und deren Steuerung durch die Wesensglieder Dargestellte beleuchtet. In Kap. V beispielsweise wurde erklärt, inwiefern die Entwicklungspotentiale der natürlichen Evolution mit der Entstehung der ‚defizitären‘ menschlichen Konstitution an ihr Ende kommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Kap. VII nun gehen die Autoren auf eine weitere Besonderheit des Menschen ein – seine „systemimmanente Offenheit“, die eine Voraussetzung für die Entwicklung des seelisch-geistigen Potential ist: &#039;&#039;„Die menschliche Gesamtorganisation ist nicht ein in sich abgeschlossenes System von ineinandergreifenden Vorgängen. Wäre sie das, sie könnte nicht der Träger des Seelischen und Geistigen sein.“[2]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Phänomene ‚Selbstregulation‘ und ‚Selbstheilungskräfte‘ weisen auf die vielen inzwischen bekannten Einflussfaktoren, wie der Mensch die eigene Gesundheit körperlich, seelisch und geistig selbst beeinflussen kann.[3] Die auch von einzelnen Krankenkassen bereits beachtete Präventionsforschung sowie die daraus resultierenden Präventionsprogramme sind dadurch inspiriert. Aus anthroposophischer Sicht ist es letztlich die Ich-Organisation, die für Art und Umfang der Selbstregulation verantwortlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Das Wesen der Heilwirkungen in Mensch und Substanz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das im Titel von Kapitel VII angesprochene ‚Wesen der Heilwirkungen‘ bezieht sich zum einen auf das Ich-Wesen des Menschen selbst und zum anderen auf das Wesenhafte der Substanzbildung durch die Abbau- und Aufbauvorgänge, für deren Qualität die Ich-Organisation ebenfalls verantwortlich ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Begrifflichkeit ‚Substanz‘ hat im Lateinischen die Konnotation des sub, d.h. des ‚darunter‘ liegenden Materiellen. Im Griechischen hat das Wort ουσια noch die Doppelbedeutung von ‚Wesen‘ und ‚Substanz‘:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* D.h. die im Nervensystem zerfallende Substanz &#039;&#039;&#039;entlässt geistige Formkraft&#039;&#039;&#039;, geistig Wesenhaftes. Hier wird die Ich-Organisation zum Träger des bewussten Geisteslebens.&lt;br /&gt;
* Im Gewebeaufbau aus dem Blut hingegen &#039;&#039;&#039;werden gestaltende Formkräfte aufgenommen&#039;&#039;&#039;. Hier wird die im unbewussten Körperleben schaffende Ich-Organisation im Substanzstrom von Blutgewebe und Muttermilch wie getragen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Dreifache Entfremdung der Substanz im Menschen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im Kapitel I war das Schicksal der Substanz im menschlichen Organismus als ein dreifacher Entfremdungsprozess geschildert worden. Diese Begrifflichkeit mag zunächst erstaunen, ist aber sehr präzise gemeint. Im Zuge des Verdauungsprozesses wird die Nahrungssubstanz aus dem Lebenszusammenhang von Pflanze und Tier heraus in den abgebauten mineralischen Zustand versetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# In der &#039;&#039;&#039;Neubelebung&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;durch den Ätherleib&#039;&#039; des Menschen geschieht ein erster Entfremdungsschritt. &lt;br /&gt;
# In dem darauffolgenden Prozess der &#039;&#039;&#039;Durchseelung&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;durch den Astralleib&#039;&#039; wird die Substanz weiter ihrem mineralischen Zustand entfremdet.&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;Durch die Arbeit der Ich-Organisation&#039;&#039; an der Substanz erreicht sie ihre höchste Entfremdungsstufe vom Physisch-Mineralischen, indem sie &#039;&#039;&#039;Geist tragend&#039;&#039;&#039; wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Dienst der Ich-Organisation kommt die Substanz sozusagen wieder aus der Fremde ‚nach Hause‘, indem sie erneut zum Wärmezustand vergeistigt wird und nicht mehr stofflich fassbar ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Selbstheilungskräfte (aus dem Blut) aktivieren lernen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel VII werden die Selbstheilungskräfte nicht mit Blick auf ihre Funktion als körperliche Schutz- und Abwehrmechanismen des Immunsystems geschildert. Vielmehr werden sie als diejenigen Kräfte dargestellt, die dem Blut innewohnen, das den dreigliedrigen Organismus versorgt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* einerseits in Form der &#039;&#039;&#039;weißen Blutzellen&#039;&#039;&#039;, die für die körperliche Abwehr verantwortlich sind, &lt;br /&gt;
* insbesondere aber auch in Form der &#039;&#039;&#039;Tätigkeit der roten Blutkörperchen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* und der &#039;&#039;&#039;übrigen Bestandteile des Blutes&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Blut als Ganzes ist als Instrument der Ich-Organisation Träger der Selbstheilungskräfte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fortgang der Evolution wird maßgeblich von der Art und Weise mitbestimmt werden, wie der Mensch seine von der Natur emanzipierten ‚außerkörperlich‘ wirksamen seelisch-geistigen Potentiale handhabt – zum Segen oder Schaden seiner Mitwelt und seiner selbst. So trägt auch die Art des Umgangs mit dem eigenen Gedanken-, Gefühls- und Willenspotenzial zur Stärkung oder zur Schwächung der Regulationsfähigkeit der Ich-Organisation bei, was sich langfristig auf die gesamte weitere Entwicklung des betreffenden Menschen auswirkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist interessant, dass Rudolf Steiner und Ita Wegman in diesem Kapitel, das den Selbstheilungskräften gewidmet ist, &#039;&#039;„Stockungen im Unterleibe“[4]&#039;&#039; als Beispiel für die unzureichende Heilwirkung des Organismus anführen. Sehr oft sind Verstopfungssymptome und Darm-Koliken Ernährungs- und lebensstilbedingte Verdauungsstörungen, d.h. Probleme, deren Lösung in der Selbstverantwortung liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[5]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27, Kap. VII.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Siehe FN 1, S. 38.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Esch (2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe FN 1, S. 40.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== HEILENDE VERBINDUNG VON MENSCH UND NATUR ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern stehen Mensch und Natur in einer heilsamen Verbindung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Naturstoffe zur Arzneimittelherstellung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Natur ist nicht nur Lebensraum und Existenzgrundlage des Menschen. Ihre Stoffe und Kräfte liegen auch einer Fülle von Arzneimitteln zugrunde. Anthroposophische Arzneimittel sollen dazu beitragen, dass der Organismus – wann immer sinnvoll und möglich – in die Lage versetzt wird, eine Krankheit aus eigener Kraft zu überwinden. Sie stärken die gesundenden Kräfte und sind also vor allem darauf orientiert, die Körperfunktionen wieder ins Gleichgewicht zu bringen und die Abwehrkräfte zu stärken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der anthroposophischen Arzneimittelherstellung werden mineralische, pflanzliche, metallische und tierische Ausgangsstoffe verwendet: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gängige mineralische Substanzen sind u.a. Quarz, Schwefel oder Kalk.&lt;br /&gt;
* Bekannte Heilpflanzen sind z.B. Arnika, gelber Enzian oder Kamille.&lt;br /&gt;
* Als Metalle kommen häufig Gold, Silber, Kupfer, Eisen und Zinn in potenzierter Form zum Einsatz.&lt;br /&gt;
* Zu den tierischen Ausgangssubstanzen gehören z. B. Insektengifte von Biene, Ameise, Hornisse sowie Organextrakte von Säugetieren (aus Leber, Thymusdrüse, Nieren, Nerven u.a.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Reicher Arzneimittelschatz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Alle anthroposophischen Medikamente werden nach komplexen Vorgaben der von Rudolf Steiner und Ita Wegman begründeten anthroposophischen Medizin hergestellt.[1] Die meisten Ausgangsstoffe werden in hoher Verdünnung (homöopathisch potenziert) eingesetzt, nur sehr selten konzentriert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophische Arzneimittel enthalten häufig mehrere Inhaltsstoffe. Diese sind nicht nur kombiniert, sondern komponiert. Wie bei einem Orchester, so kommt es auch bei einem zusammengesetzten Arzneimittel darauf an, in welchen Anteilen die verschiedenen Einzelkomponenten gemischt sind. In dieser Art gemischt, ergeben sie eine andere Wirkung denn als Einzelbestandteile. So wie ein Orchester anders klingt als eine Violine allein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anthroposophische Arzneimittelschatz umfasst etwa 2000 Substanzen, Kombinationen und eine Vielzahl von Darreichungsformen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ampullen, Augentropfen, Dilutionen, Einreibungen (ölige), Emulsionen, flüssige Verdünnungen, Flüssigkeiten zur Inhalation, Flüssigkeiten zur äußeren Anwendung, Gelate, Globuli, Granulate, Injektionen, Kapseln, Lotionen, Metallspiegelfolien, Mischungen, Nasentropfen (ölige), Öle, Pasten, Pflaster, Puder, Pulver, Salben (fettarm), Salben, Sirup, Tabletten, Tees, Tinkturen zum äußeren Gebrauch, Triturationen, Tropfen, Vaginalglobuli, Vaginaltabletten, Verdünnungen (wässrige), Zäpfchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Der Mensch als umgekehrte Pflanze&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aus anthroposophischer Sicht gleicht der Mensch einer umgekehrten Pflanze: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* So wie der Mensch seine Nahrung – in Form von Nahrungsmitteln, aber auch als „seelische“ oder „geistige“ Nahrung in Form von Gedanken, Worten, Tatsachen aus Kunst und Wissenschaft, über den Kopf – aufnimmt, so versorgt sich die Pflanze über ihre Wurzeln mit den nötigen Nährstoffen.&lt;br /&gt;
* Umgekehrt verhält es sich mit der Fortpflanzungsregion. Diese ist bei der Pflanze oben, Luft und Licht gegenüber geöffnet, wohingegen sie beim Menschen nach unten und innen gelagert ist, zur Erde hin.&lt;br /&gt;
* Beiden gemeinsam ist, dass in der Mitte – bei der Pflanze über die Blätter, beim Menschen über die rhythmischen Funktionen von Atmung und Kreislauf – der Gasaustausch stattfindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Umgekehrte Wirkung der Pflanze auf den Menschen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
So wirken die Anwendungen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* von &#039;&#039;Wurzeln&#039;&#039; unterstützend und heilend bei Erkrankungen der &#039;&#039;Kopf- und Nerven-Sinnesorganisation&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* Teeabkochungen und -zubereitungen aus &#039;&#039;Blättern&#039;&#039; bei Störungen der &#039;&#039;rhythmischen Funktionen&#039;&#039; (insbesondere von Herz und Lunge),&lt;br /&gt;
* Zubereitungen aus &#039;&#039;Früchten&#039;&#039; bei &#039;&#039;Stoffwechsel- und Verdauungsstörungen&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entsprechendes gilt für die Ernährung. Wer darauf achtet, dass der Anteil von Wurzeln, Blattgemüse, Früchten und Samen ausgewogen ist, sorgt für eine an den Bedürfnissen des ganzen Körpers orientierte Ernährung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim therapeutischen Einsatz von mineralischen, pflanzlichen und tierischen Substanzen gilt es, „die Weltaufgabe dieser Substanzen zu verstehen“. Steiner regte an zu erforschen, welche Aufgabe ein bestimmtes chemisches Element oder eine Stoffkombination wie Wasser, Salz, Asche, Gerbstoffe oder Pyrit im Haushalt der Natur innehat. Die Signatur dieser Aufgabe bzw. Tätigkeit sagt auch aus, welche Wirkung die betreffende Substanz im menschlichen Organismus entfalten kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Menschen als Mikrokosmos kennenzulernen im Kontext der großen Weltentwicklung mit ihren Prozessen und Stoffzusammenhängen – nach alter Tradition Makrokosmos genannt – ist der Schlüssel zum Verständnis der anthroposophischen Arzneitherapie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Artikel in der Deutschen Apothekerzeitung DAZ Nr. 39, 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Seiner und Ita Wegmann, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27, Dornach 1935.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== SUBSTANZ-ERKENNTNIS ALS GRUNDLAGE FÜR HEILMITTEL-ERKENNTNIS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was meint Rudolf Steiner mit der Weltenaufgabe der Substanzen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was wird anhand der Beispiele Ameisensäure und Oxalsäure im Hinblick auf ihre Wirkung im Zellstoffwechsel aufgezeigt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern muss der Organismus als Tätigkeitszusammenhang begriffen werden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Weltenaufgabe der Substanzen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel XVII von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; liegt der Fokus auf einer konsequent prozessorientierten Substanz-Erkenntnis, über die Rudolf Steiner im Ärztekurs für die jungen Mediziner schreibt, dass es die Aufgabe des Arztes sei, &#039;&#039;„die Weltenaufgaben der Substanzen zu erkennen“.[2]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;„Grundlegendes…“&#039;&#039; formulieren die Autoren es so: &#039;&#039;„Wer die Wirkung von Heilmitteln beurteilen will, muss ein Auge haben für die Kräftewirkungen, die sich im menschlichen Organismus ergeben, wenn eine Substanz, die außer demselben gewisse Wirkungen zeigt, in irgendeiner Art in ihn eingeführt wird.“[3]&#039;&#039; Etwas von dieser ‚Weltenaufgabe‘ wird dort anhand der Ameisensäure und der Kleesäure aufgezeigt und damit auf die Bedeutung dieser Blickrichtung für bestimmte Prozesse im menschlichen Zellstoffwechsel hingewiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Beispiel: Aufgabe der Ameisensäure ====&lt;br /&gt;
Ameisensäure wird vom Menschen mit der Nahrung in der Regel nicht aufgenommen. Sie wird im Tierreich gebildet und als Abwehrstoff, insbesondere der Insekten, ausgeschieden – selten auch bei Pflanzen, wie z.B. in den Brennhaaren der Brennnesseln. Ihre ‚Weltaufgabe‘ ist inzwischen gut erforscht: Die rote Waldameise ist für die Gesunderhaltung der Wälder unentbehrlich. Sie steht daher auch unter Naturschutz, seitdem man ihre Bedeutung für die ‚Lebensgemeinschaft Wald‘ erkannt hat. Um einen Ameisenbau herum vernichtet jedes Volk pro Tag zehntausende Schädlinge bzw. deren Larven und Raupen (wie z.B. Borkenkäfer- und Blattwespenlarven) sowie Kadaver und Pilzmyzel in morschem Holz. So hilft die Ameisensäure dem Mikrobiom des Bodens, die verwesenden Pflanzenreste und das modernde Holz zu verarbeiten. Auch verbreiten Ameisen auf ihren Wegen tausende von Samen und tragen so zur Vielfalt im Wald bei sowie zur Verbesserung der Bodenbeschaffenheit. Instrument für ihre wertvollen reinigenden Tätigkeiten ist die Ameisensäure mit ihrer aggressiven Toxizität.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Beispiel: Aufgabe der Oxalsäure ====&lt;br /&gt;
Die Oxal- bzw. Kleesäure hingegen findet sich in allen Pflanzen und den meisten Bakterien und in unterschiedlichen Mengen in vielen Nahrungsmitteln wie z.B. in schwarzem Tee, Mangold oder Rhabarber. Nach der Aufnahme muss sie dann im Organismus zu ausscheidungsfähigen Endprodukten abgebaut werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein ‚Zuviel‘ führt zusammen mit Calcium im Darm zu schwer löslichen Salzen (Oxalaten), was Anlass geben kann für die Bildung von Blasen- und Nierensteinen. Oxalsäure ist ein pflanzliches Gift – für den Menschen können bereits Gramm-Mengen tödlich sein.[5] Als Kalzium-, Magnesium- oder Kaliumsalze sind die Oxalate allgegenwärtig und aus dem Zellstoffwechsel der Lebewesen nicht wegzudenken – bis hin zu den meisten Pilzen und Bakterien. Im Gegensatz zur Ameisensäure entfaltet die Oxalsäure ihre Wirkung nicht in dem Zwischenbereich zwischen dem Mineralisch-Physischen und dem Ätherisch-Lebendigen. Sie hat ihre Aufgabe in der Lebenswelt der Pflanzen – aber als Giftsubstanz im Grenzgebiet zum astralischen Kräftebereich. Da Gifte auch in schwacher Dosierung immer lebensfeindlich sind, regen sie den Organismus dazu an, auf unterschiedlichen Wegen diese Gifte schnellstmöglich abzubauen oder in Verbindung mit anderen Substanzen unschädlich zu machen. Diese Abbauvorgänge dienen im Organismus der Tiere und der Menschen der Bewusstseinsbildung, die sich, wie mehrfach erwähnt, auf Abbauvorgänge stützt.[6]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Biochemisch handelt es sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* bei der &#039;&#039;&#039;Ameisensäure&#039;&#039;&#039; um die einfachste Monocarbonsäure (Formica, HCOOH, ihre Salze heißen Formiate)  &lt;br /&gt;
* und bei der &#039;&#039;&#039;Oxal- bzw.&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Kleesäure&#039;&#039;&#039; und die einfachste Dicarbonsäure (Acidum oxalicum, HOOC-CO-CH2-COOH, ihre Salze heißen Oxalate).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Notwendige Verwandlung von Oxalsäure in Ameisensäure&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner hat erstaunlich oft über Bedeutung der biochemischen Verwandlung von Oxal- in Ameisensäure gesprochen.[7] Den Prozess der Bildung von Oxalsäure, der hauptsächlich in den Verdauungsorganen stattfände, hielt er für eine notwendige Grundlage dafür, dass der Mensch überhaupt leben könne – grundlegend also dafür, dass die Ätherkräfte zur Wirksamkeit kommen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihre Umwandlung in Ameisensäure aber sei eine entsprechende Grundlage für das Wirksamwerden der astralischen Kräfte in der physisch-ätherischen Konstitution. In einem Ärztevortrag führt er weiter aus, dass man im Falle der Ameisensäure dahin kommen müsse, zu erkennen, dass sie im Menschen, wie auch draußen in der Natur, die Aufgabe hat, gegenüber den Prozessen des Alterns, des Absterbens und des Vermoderns immer wieder weiteres Leben, weitere Entwicklung zu ermöglichen.[8] Auch führt er aus, dass &#039;&#039;„die heutige Physiologie“&#039;&#039; diese Prozesse erst finden müsse.[9]&amp;lt;sup&amp;gt;,&amp;lt;/sup&amp;gt; [10]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner und Wegman sahen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* in der &#039;&#039;&#039;Ameisensäure&#039;&#039;&#039; die Schlüsselsubstanz im Stoffwechsel des tierischen Organismus &lt;br /&gt;
* und in der &#039;&#039;&#039;Oxalsäure&#039;&#039;&#039; die Schlüsselsubstanz im pflanzlichen Zell-Metabolismus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Organismus als Tätigkeitszusammenhang begriffen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Abs. 2 wird deutlich gemacht, wie entscheidend es für einen Organismus ist, eine Substanz nicht nur zu besitzen, sondern auch den Bildeprozess zum Aufbau dieser Substanz zu leisten. Im Tun liegt das Wesen des Organismus, nicht in seinen Substanzen. Der Organismus ist nicht ein Stoffzusammenhang, sondern ein Tätigkeitszusammenhang. Der Stoff trägt den Anreiz zur Tätigkeit in sich. Hat er diesen Anreiz verloren, so hat er für die Organisation keine weitere Bedeutung.[11]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter diesem Gesichtspunkt kann auch die jeweilige Aufgabe der Ameisensäure und der Kleesäure im menschlichen Organismus verstanden werden. Hier ‚dienen‘ diese Substanzen der Ich-Organisation: &#039;&#039;„Die Ich-Organisation braucht diesen Übergang der organischen Substanz in den leblosen Zustand. Aber sie braucht eben den Vorgang des Überganges; nicht, was dann durch den Übergang entsteht. Ist nun das nach dem Leblosen hin sich Entwickelnde gebildet, so wird es im Innern des Organismus zur Last. Es muss entweder unmittelbar abgesondert werden, oder aufgelöst, um mittelbar hinwegzukommen. Geschieht nun für etwas, das aufgelöst werden sollte, diese Auflösung nicht, so häuft es sich im Organismus an und kann die Grundlage für gichtische oder rheumatische Zustände bilden.“[12]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Biologie werden die Phänomene dieses Übergangs zwischen Abbau und Aufbau im Falle der Gesundheit als metabolische Homöostase beschrieben, wobei deren ‚Regulator‘ ein noch nicht gefundener Faktor ist. Es wird aber das Erstaunen zum Ausdruck gebracht darüber, dass unabhängig davon, was und wie viel man gerade isst oder nicht und wie viel Oxalacetat gerade mit der Nahrung aufgenommen hat oder nicht, die Substanzen im sogenannten Stoffwechsel-Pol der Zellen konstant gehalten werden. D.h. in den Zellen sind die Enzyme des Katabolismus (Abbau) und Anabolismus (Aufbau) normalerweise derart reguliert, dass ein Gleichgewicht gewahrt bleibt. Wird dieses Gleichgewicht jedoch gestört, bedeutet dies den Beginn krankhafter Prozesse.[13]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[14]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, Ga 27, Kap. XVII.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Meditative Betrachtungen und Anleitungen zur Vertiefung der Heilkunst. Vorträge für Ärzte und Medizinstudierende,&#039;&#039; GA 316, S. 22.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Siehe FN 1, S. 82.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Der Kern eines Ameisenhaufens ist meist in alten Wurzelstöcken von Nadelhölzern oder Eichenstämmen angesiedelt; das Zusammenleben in der Ameisenkolonie ist ausgeprägt sozial. Eine Königin lebt bis zu 20 Jahre, Arbeitsameisen 5–6 Jahre. Sie entwickeln sich in klar definierten Temperaturbereichen (Ameisenpuppen brauchen 31°, Larven 28°, die Entwicklung der Eier nur 25°). Vgl. Jirikowski (2010), 105–107.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. Wollrab (2014), 621.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Vgl. Wolff (2013), 85, 263–269.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Mysteriengestaltungen,&#039;&#039; GA 232, 13. Vortrag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Vgl. FN 1, S. 22f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. FN 11, S. 193–195.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Dazu muss aus anthroposophisch-medizinischer Sicht gesagt werden, dass die geisteswissenschaftliche Biochemie, für die Hauschka und Wolff die Grundlagen erarbeitet haben (Vgl. Hauschka 2007, Wolff 2013), auf dem jeweils neuesten Stand der biochemischen Forschung weiter erarbeitet werden muss. Denn die Zusammenschau der Wesensglieder-Tätigkeiten als ganzheitliche Regulatoren und die immense Faktenfülle der molekulargenetischen Einsichten in das hochkomplexe Regelkreisgeschehen der Zellatmung ist für eine umfassende Integrativmedizin unverzichtbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Siehe FN 1, S. 82.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13]  Vgl. Sadava u. a. (2019), 265–271.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ANTHROPOSOPHISCHE HEILMITTEL-ERKENNTNIS AM BEISPIEL VON ANTIMON ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welcher Blickwinkel ist grundlegend im Hinblick auf die anthroposophische Heilmittel-Erkenntnis?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern weist Antimon Ähnlichkeiten mit dem Ätherischen auf?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wird es, auch in Kombination mit Schwefel, therapeutisch eingesetzt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wirksamkeit von Substanzen im Kontext irdisch-menschlicher Kraftsysteme&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel XVI von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; geht es um anthroposophischen Heilmittel-Erkenntnis. Die Grundlage davon ist der Blick auf das Verhalten bzw. die Wirksamkeit einer Substanz im Bereich der in Kapitel I geschilderten Kraftsysteme. Dabei geht es insbesondere um die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* von der Erde ausstrahlenden &lt;br /&gt;
* und in sie einstrahlenden Kräfte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„[...] es kommt darauf an, die Wirkungen zu beobachten, die sich aus dem Zusammenhange der inneren Kräftekonstitution einer Substanz im Verhältnis zu den Kräften ergeben, die von der Erde ausstrahlen oder in sie einstrahlen.“[2]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Antimon, Schwefel und die Austernschalenbildung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Diese Wirkungen werden am Beispiel des Antimons in seiner Beziehung zum Schwefel in Form des in der Natur vorkommenden Grauspießglanzes aufgezeigt (Sb2 S3, auch als Antimonit bzw. Stibnit bekannt), sowie an der Austernschalenbildung, die zum Verständnis der Typhusbehandlung beiträgt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Antimon ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Antimon&#039;&#039; kam bereits in der ägyptischen Medizin zur Anwendung, nimmt bei Paracelsus eine zentrale Stellung ein und hat bis in die Gegenwart immer neue Einsatzmöglichkeiten erfahren. Chemisch ist es dem Arsen verwandt und eine Menge von 100 mg bis etwa 1200 mg kann bereits tödlich sein. Eine gute Übersicht über seine Verwendung – einschließlich in der Anthroposophischen Medizin – findet sich bei &#039;&#039;Marxer[3]&#039;&#039; Die Bezeichnungen Antimon und Stibium für das chemische Symbol Sb stammen von den lateinischen Wörtern &#039;&#039;antimonium&#039;&#039; und &#039;&#039;stibium&#039;&#039; ab, die schon im Altertum für den Grauspießglanz verwendet wurden.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Schwefel ====&lt;br /&gt;
Schwefel ist eines der seltenen Minerale, die in kristallisierten polymorphen Formen in der Natur rein vorkommen und in der Struktur der orthorhombischen Raumgruppe Fddd die typisch gelbe α-Kristallform zeigen. Schwefel steht mit einem Anteil von geschätzt 0,048 Gew.-% an 15. Stelle unter den häufigsten Elementen der uns bekannten Erdkruste. Er wurde in Kometenschweifen nachgewiesen, ist auf der Erde zum einen vulkanischen Ursprungs und stammt zum anderen aus der Biosphäre von Bakterien, die aus schwefelhaltigen Mineralien Schwefel aufnehmen und Sedimente bilden sowie von Pflanze, Tier und Mensch, da er im Eiweißaufbau durch die beiden schwefelhaltigen Aminosäuren &#039;&#039;Cystin&#039;&#039; und &#039;&#039;Methionin&#039;&#039; festgebunden ist. Durch seinen niedrigen Schmelzpunkt und seine Fähigkeit zu sublimieren, verbindet er sich leicht über Luft und Wasser mit anderen Substanzen und realisiert so den alle Reiche der Natur verbindenden Schwefelkreislauf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Symptomatisch dafür ist auch eine ungewöhnliche mechanische Eigenschaft der Grausspießglanz-Kristalle: Sie zeigen eine auch an größeren Kristallen bei geringem Kraftaufwand fühlbare Biegsamkeit. Diese beruht auf einer geregelten innerkristallinen Gleitung, wie sie auch beim Eis und beim Steinsalz vorliegt – Substanzen, die für alle Lebewesen essenziell sind.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Austernschale ====&lt;br /&gt;
Die Austernschale ist als komplexes Kalkmineral schützendes Außenskelett der Auster und damit ein Mineral, ausgeschieden aus dem Lebensprozess eines Tieres bzw. einer Muschel. In ihrer therapeutischen Verwendung ist sie insbesondere in der Homöopathie bekannt mit dem Arzneimittelbild &#039;&#039;Calcium carbonicum&#039;&#039;. Sie wird zu den Vielkönnern oder Polychresten gezählt (von gr: πολύς - viel und χρηστός  - brauchbar).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Hinweise auf die Verwandtschaft von Antimon mit dem Ätherischen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Zusammenwirken von Zentral- und Universalkräften ====&lt;br /&gt;
Dadurch, dass das Antimon sich leicht und stabil mit dem Schwefel zu den orthorhombisch geformten Grauspießglanz/Antimonit-Kristallen verbindet, kann es die Neigung des Schwefels, in der Welt des Lebendigen aktiv zu werden und dadurch auch im Sinne der auf die Erde einstrahlenden ätherischen Kräfte zu wirken, unterstützen. Unter diesem Aspekt ist die Art und Weise, wie das Antimon in seiner Verbindung mit dem Schwefel kristallisiert, charakteristisch. Es kristallisiert in prismatisch-nadeligen grauschwarzen Kristallen, von feinst ziseliert bis zentimeterstark, immer von einem Zentrum weg – wenn der Kristallisationsprozess nicht durch äußere Umstände gestört wird. Dabei erstrecken sich die Antimonit-Nadeln radial in die Peripherie, wobei die Länge der Kristalle durchaus auch 1 m überschreiten kann. Wo er nur kann, strebt Antimonit die büschelförmige Gestaltung an. Er gliedert sich damit in Linien, die von der Erde weg- und den Kräften entgegenstreben, die im Äther wirken. Durch diese Kristallisationsweise bringt das Antimon das Zusammenwirken der Zentral- und der Universalkräfte wie archetypisch zum Ausdruck.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man bringt mit dem Antimon somit etwas in den menschlichen Organismus, das der Wirkung des Ätherleibes auf halbem Wege entgegenkommt.[6] Antimon kann dadurch im Körper die eiweißbildenden Kräfte zusammenhalten und so die Tätigkeit der Ich-Organisation im Eiweißaufbau unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Feinfaserigkeit durch Seigern ====&lt;br /&gt;
Auch dasjenige, was im Seigerprozess mit dem Antimon vor sich geht, weist auf die Äther-Verwandtschaft dieses Stoffes hin. ‚Seigern‘ kommt von dem gegenwärtig nicht mehr oft gebrauchten Wort etwas z.B. durch ein Sieb ‚durchseien‘. Unter ‚Seigerungen‘ versteht man daher Trennprozesse in gemischtem Schmelzgut. Es wird durch diesen Prozess feinfaserig.[7]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Niedriger Schmelzpunkt ====&lt;br /&gt;
Da das Antimon bereits bei 547° schmilzt, fließt es auf schräger Unterlage leicht aus dem Antimon haltigen Schmelzgut heraus, wo es dann bei Abkühlung zu 92–98 % reinem &#039;&#039;antimonium crudum&#039;&#039; kristallisiert.[8] Der niedrige Schmelzpunkt von 547° zeigt zudem die Nähe dieser mineralischen Substanz zum flüssigen Aggregatzustand, in dem die ätherischen Kräfte ihre Wirkung entfalten können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor diesem Hintergrund heißt es in dem oben erwähnten Werk:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Alles dieses zeigt, dass im Antimon die Tendenz enthalten ist, in das Ätherelement in dem Augenblick leicht überzugehen, in dem dazu die Bedingungen auch nur in geringem Grade vorhanden sind. Dem geistigen Schauen gelten alle diese Einzelheiten nur als Andeutungen; denn dieses nimmt die Beziehung zwischen Ich-Tätigkeit und Antimon-Wirksamkeit unmittelbar so wahr, dass die Antimonprozesse, in den menschlichen Organismus gebracht, so wirken, wie die Ich-Organisation.“[9]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zwei Indikationen als Beispiele für den Einsatz von Antimon&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aus dem breiten Spektrum der therapeutischen Einsatzmöglichkeiten werden nun zwei Indikationsgebiete an die Schilderung des Arzneimittelbildes angeschlossen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;&#039;Blutgerinnungsstörungen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
# und &#039;&#039;&#039;Typhus abdominalis/Parathyphus&#039;&#039;&#039;, eine gefährliche bakterielle Infektionskrankheit des Magen-Darmtraktes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während eine Therapie mit &#039;&#039;Antimon&#039;&#039; oder &#039;&#039;Stibium metallicum praep.&#039;&#039; bei Blutungsneigung aus der Darstellung des Arzneimittelbildes unmittelbar hervorgeht, ist dies für den Thyphus nicht so ohne weiteres ersichtlich – zumal dieser ja heute erfolgreich antibiotisch behandelt werden kann (Sterblichkeitsrate unter 1 %) und die Impfung bei Einreise in betroffene Gebiete empfohlen wird.[10]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Arzneimittelbild der Austernschale und Typhus&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was macht also eine Begleitbehandlung oder Alternativbehandlung zur Vermeidung des Einsatzes von Antibiotika sinnvoll?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um dies zu verstehen, braucht es – wie oben bereits angedeutet – zum Vergleich das Arzneimittelbild der Austernschale. Hier liegt ein Naturprozess vor, der etwas vollzieht, was für die Muschel richtig ist, für den Menschen aber zur Ursache typhöser Durchfall-Erkrankungen werden kann. Die Auster sondert in ihre Schale das kalkartig Mineralische ab:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Bei der Auster wird das Kalkartige abgesondert, um es der Eiweißwirkung nicht einzugliedern. Im menschlichen Organismus muss diese Eingliederung stattfinden. Die bloße Eiweißwirkung muss in eine solche umgewandelt werden, in der mitwirkt, was im Kalkartigen durch die Ich-Organisation an gestaltenden Kräften hervorgerufen werden kann. Das muss sich innerhalb der Blutbildung abspielen. Das Antimon wirkt der kalkausscheidenden Kraft entgegen und führt das Eiweiß, das seine Form bewahren will, durch seine Verwandtschaft mit dem Äther-Elemente in die Formlosigkeit hinüber, die für die Einflüsse des Kalkartigen oder Ähnlichem empfänglich ist.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Beim Typhus ist es klar, dass der krankhafte Zustand in einer mangelnden Überführung der Eiweißsubstanz in gestaltungsfähige Blutsubstanz besteht. Die Form der Diarrhöen, die auftritt, zeigt, dass schon im Darm die Unfähigkeit zu dieser Umwandlung beginnt.“[11]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Heilung der konstitutionellen Dysfunktionalität&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[12]&#039;&#039; heißt es&#039;&#039;,&#039;&#039; dass die Abwehrstoffe und Killerzellen eines guten Immunsystems im Blut zirkulieren, welches wiederum &#039;&#039;das&#039;&#039; Organ der Ich-Organisation ist.[13] Kann nun mithilfe einer Konstitutionsbehandlung, z.B. mit einem Antimonpräparat, und je nach Situation auch noch kombiniert mit anderen Heilmitteln, die Ich-Organisation und damit ihr Einfluss auf die Gestaltungskräfte im Blut gestärkt werden, so werden die Bakterien nicht nur beseitigt, wie es über eine antibiotische Therapie geschieht, sondern zugleich das Milieu saniert und damit künftigen Infektionen vorgebeugt. Das entspräche einer integrativen Therapie, die sich nicht nur auf die Beseitigung der Symptome konzentriert, sondern auf die Heilung der konstitutionellen Dysfunktionalität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dem erwähnten Werk schreiben die Autoren: &#039;&#039;„Wendet man bei typhösen Erscheinungen Antimonpräparate in entsprechender Zusammensetzung an, so erweisen sich diese als Heilmittel. Sie entkleiden die Eiweißsubstanz ihrer Eigenkräfte und machen sie geneigt, den Gestaltungskräften der Ich-Organisation sich einzufügen.“[14]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbstverständlich hat der primäre Fokus auf die Symptombeseitigung überall da seine Berechtigung, wo sie Leben rettet, weil die Abwehrkräfte des Körpers zu schwach sind für die notwendige Selbstregulation. Wo diese Möglichkeit jedoch gegeben ist, kann differenzierter vorgegangen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Wer Exaktheit nur in dem sieht, was die Chemie – auch die pharmazeutische – feststellt, der vernichtet die Möglichkeit, Anschauungen darüber zu gewinnen, was im Organismus bei Heilungsvorgängen geschieht.“[15]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[16]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ebenda, S. 77.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Vgl. Marxer (2000), siehe www.pharmazeutische-zeitung.de/titel-10- 2000; [6.1.2025].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Vgl. Holleman und Wiberg (2017), 940.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. Wimmenauer (1992), 223.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Siehe FN 1, S. 78.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Vgl. Holleman und Wiberg (2017), 942.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Siehe FN 1, S. 78f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Typhus ist weltweit verbreitet – besonders in warmen Ländern. Er wird durch kontaminierte Lebensmittel bzw. Trinkwasser übertragen und ist eine schwere Allgemeinerkrankung, die durch das Bakterium Salmonella typhi ausgelöst wird. Als Paratyphus bezeichnet man ein abgeschwächtes Krankheitsbild, dessen Erreger Salmonella Paratyphi A, B oder C ist. Übertragen wird die Infektion durch Trinkwasser oder Lebensmittel, die mit Fäkalien von infizierten Personen verunreinigt wurden. Leitsymptome sind hohes Fieber, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, langsamer Puls, trockener Husten, Bauchschmerzen, Milzvergrößerung und manchmal ein blasser, kleinfleckiger Ausschlag am Körper. Ein milder Verlauf ist möglich, doch manchmal kommt es zu schweren Komplikationen wie massiven Darmblutungen oder Abszessen in verschiedenen Organen. Durch den Einsatz von Antibiotika kann die Sterblichkeit auf unter 1% gesenkt werden. In Deutschland ist die Krankheit meldepflichtig – dem Bundesamt für Gesundheit werden pro Jahr zwischen 20 und 50 Fälle gemeldet. Wichtigste Mittel zur Vorbeugung sind Körperhygiene und Verzicht auf frische Salate und ungeschältes Obst – nach dem Ernährungsmotto: Cook it, peel it or forget it. Siehe www.bag.admin.ch/bag/de/home/krankheiten/krankheiten-im-ueberblick/typhus-abdominalis-paratyphus.html; [6.1.2025].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Siehe FN 1, S. 80.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“, GA 27.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] Siehe FN 3, Kapitel VI.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] Siehe FN 3, S. 80.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[15] Ebenda, S. 81.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[16] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ARZNEIMITTEL-SUBSTANZGRUPPEN UND WESENSGLIEDER ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Auf welchen Ebenen und worüber ist der Mensch mit der Natur innig verbunden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Naturanteile machen seine Konstitution aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wesensglieder und ihre Einbettung in die Natur&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Physischer Leib und Natur ====&lt;br /&gt;
Schon ein oberflächlicher Blick auf die Verbundenheit von Natur und Mensch zeigt, wie der Mensch die kristallinen Strukturen seines Körpers mit den Mineralien der ihn umgebenden Natur gemeinsam hat. Dieser sichtbare, mineralisch erscheinende Leib wird in der anthroposophischen Menschenkunde „Physischer Leib“ genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ätherleib und Natur ====&lt;br /&gt;
Werden und Vergehen, Leben und Sterben hat der Mensch mit der Pflanzenwelt gemeinsam. Diese Gesetzmäßigkeiten in ihrem Zusammenhang nennt Steiner „Ätherleib“, weil ohne das blaue Himmelslicht (griechisch o aither) kein Leben auf der Erde möglich wäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Astralleib und Natur ====&lt;br /&gt;
Atmung, Bewegung, Bewusstsein, Schmerz und Triebleben hat der Mensch mit den Tieren gemeinsam. Diese das Seelenleben konstituierenden Gesetze heißen in ihrer Gesamtheit „Astralleib“ von aster, lateinisch Stern. Die menschliche Seele fühlt sich der Sternenwelt mit ihren Rhythmen und Konstellationen verwandt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Rein menschliche Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Die Fähigkeit jedoch, lebenslang lernen und immer wieder neu und anders kulturschöpferisch tätig sein zu können, ist spezifisch menschlich. Daher gibt Steiner diesem die „Ich-Natur“ des Menschen möglich machenden Gesetzes-Zusammenhang den Namen „Ich-Organisation“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Mensch durch diese vier verschiedenen Gesetzes-Zusammenhänge sein Wesen sowohl integriert als auch differenziert äußern kann, gab Steiner ihnen den Namen „Wesensglieder“.[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Arzneimittelwirkung auf die Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Substanzgruppen aus dem Mineral-, Pflanzen-, Tier- und Menschenreich haben einen therapeutischen Bezug zu diesen Wesensgliedern:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Menschliche Substanz wie Muttermilch und in Form einer Blutspende stützt und erhält den physischen Leib.&lt;br /&gt;
* Präparate aus dem Tierreich regen den Ätherleib zu verstärkter Tätigkeit an,&lt;br /&gt;
* pflanzliche Arzneimittel wirken regulierend auf den Astralleib&lt;br /&gt;
* und Metalle und Mineralien auf die Ich-Organisation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Potenzierungsstufen und Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Auch die Potenzierungsstufen der nach homöopathischem Verfahren hergestellten Arzneimittel haben ihren Bezug zu den Wesensgliedern:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D1 – D4:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;physischen Organismus&#039;&#039; und seines Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D5 – D8:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;ätherischen Organismus&#039;&#039; und seines Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D10 – D15:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;astralischen Organismus&#039;&#039; und seines Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D20 – D60:&#039;&#039;&#039; Anregung der &#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039; und ihres Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Bezug auf die Dreigliederung des menschlichen Organismus gilt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D1 – D6:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;Stoffwechsel-Systems&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D6 – D18:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;rhythmischen Systems&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D18 – D30:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;Nerven-Sinnessystems&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Arzneimittelschatz der Anthroposophischen Medizin umfasst dementsprechend Ausgangssubstanzen mineralischer, pflanzlicher und tierischer Herkunft, die nach besonderen Verfahren vor allem von den Arzneimittelfirmen Weleda und Wala hergestellt werden.[2] In Deutschland wurden sie aufgrund des Arzneimittelgesetzes von 1976 in der vom Bundesgesundheitsamt – später Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) – eingerichteten Kommission C für die Zulassung aufbereitet. Ein Teil dieser regulativ wirksamen Arzneimittel ist sehr gut für die Selbstmedikation geeignet.[3]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Artikel in der Deutschen Apothekerzeitung DAZ Nr. 39, 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Theosophie, Einführung in übersinnliche Welterkenntnis und Menschenbestimmung,&#039;&#039; 2003 und ders. &#039;&#039;Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft&#039;&#039;. In: &#039;&#039;Lucifer-Gnosis&#039;&#039;. GA 34. Dornach 1987, 309-344.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] International Association of Anthroposophic Pharmacists IAAP. ­Anthroposophic Pharmaceutical Codex. Stuttgart, 2014.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] M. Glöckler, B. Emde, &#039;&#039;Anthroposophische Medizin&#039;&#039;, in: &#039;&#039;Komplementärmedizin für die Kitteltasche. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation&#039;&#039;, Stuttgart 2009 und ders.: &#039;&#039;Anthroposophische Medizin&#039;&#039;, in: &#039;&#039;Komplementärmedizin für Kinder. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation&#039;&#039;, Stuttgart 2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ARZNEIMITTEL AUS DER NATUR UND WESENSGLIEDER ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen inneren Zusammenhang sieht die anthroposophische Pharmazeutik zwischen Arzneimitteln aus der Natur und den menschlichen Wesensgliedern?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Qualitäten zeichnen die Muttermilch aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern sind Schwangerschaft und Stillzeit Naturvorbilder auch für zukünftige Entwicklungsstadien?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Korrelation von Arzneimitteln und Wesensgliedern&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der Anthroposophischen Pharmazeutik sieht man eine grundlegende Korrelation von Arzneimitteln aus der Natur und den menschlichen Wesensgliedern:[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So haben &#039;&#039;&#039;Mineralien&#039;&#039;&#039; eine unmittelbare Beziehung zur &#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;: Sie unterstützen die Ich-Organisation bei der Beherrschung der physischen Verhältnisse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Heilmittel aus dem Pflanzenreich&#039;&#039;&#039; auf die &#039;&#039;astralische Organisation&#039;&#039;: Die astralische Organisation wirkt lähmend auf die ätherische – pflanzliche Arzneimittel können regulierend auf diese lähmende Wirkung Einfluss nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Organpräparate&#039;&#039;&#039; und tierische Arzneimittel auf die &#039;&#039;ätherische Organisation:&#039;&#039; Diese hat die Aufgabe, physisch-tierische Substanzen in den Lebenszusammenhang aufzunehmen, was durch astralische Impulse angeregt werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Menschliche Substanz&#039;&#039;&#039; (wie Blutkonserven und Muttermilch) wirkt unmittelbar auf den &#039;&#039;physischen Leib,&#039;&#039; sodass sich die anderen Wesensglieder wieder besser einschalten und betätigen können. Anders ausgedrückt: Menschliche Substanz steht der Ich-Organisation unmittelbar für ihre Aufgabe zur Verfügung, das Ganze des Organismus bis in das Physische hinein zu beherrschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Was Muttermilch vermag&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Studiert man die Besonderheiten rund um die Bildung von Muttermilch, so verrät dies viel über die innige Bindung zwischen Mutter und Kind durch alle vier Wesensglieder hindurch: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die Muttermilch ist nach dem aktuellen Bedürfnis des Säuglings zusammengesetzt und variiert so auch von Tag zu Tag; &lt;br /&gt;
* Stillen fördert die Rückbildung der Gebärmutter;&lt;br /&gt;
* gestillte Kinder haben weniger Infekte und überstehen sie leichter, weil die Muttermilch wichtige Abwehrstoffe der Mutter enthält;&lt;br /&gt;
* ausschließliches Stillen in den ersten sechs Monaten kann das Kind vor Allergien und Asthma schützen;&lt;br /&gt;
* Wachstum und Beweglichkeit von Magen und Darm werden unmittelbar angeregt;&lt;br /&gt;
* die Zusammensetzung der Muttermilch mit Bezug auf Kohlenhydrate, Fette, Eiweißgehalt und Mineralstoffe ist zugleich ein ‚Naturvorbild‘ für eine gesunde Ernährung;&lt;br /&gt;
* die Immuntoleranz, d.h. die Selbstregulation des Immunsystems entwickelt sich bei gestillten Säuglingen nachhaltig besser.&lt;br /&gt;
* Durch Stillen wird das Risiko des plötzlichen Kindstodes um ca. die Hälfte gesenkt und vieles mehr.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Formelmilch gefütterte Säuglinge haben eine deutlich höhere Insulinkonzentration im Plasma, was mit der Entwicklung von Adipositas und einer möglichen Zunahme von Diabetes mellitus Typ 2 im Zusammenhang steht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Abnabelungsstadien und physisch-seelisch-geistige Muttermilch&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Nach der &#039;&#039;&#039;physischen Abnabelung&#039;&#039;&#039; vom physischen Leib der Mutter als der ernährenden Umgebung während der Schwangerschaft, folgt die Stillperiode.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann folgt die langsame &#039;&#039;&#039;ätherische Abnabelung&#039;&#039;&#039; und das Sich-Emanzipieren auf ätherischer Ebene, das mit dem Ende der Nachahmungsperiode ausklingt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;&#039;seelisch-astralische Abnabelung&#039;&#039;&#039; findet im 2. Jahrsiebt statt und kulminiert mit der Pubertät. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Arbeit des Ich jedoch an der Überwindung von allen möglichen Abhängigkeiten, die seine Autonomiebefähigung einschränken, stellt eine Art &#039;&#039;&#039;geistige Abnabelung&#039;&#039;&#039; dar. Diese zu bewerkstelligen bleibt eine lebenslange Herausforderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner spricht im pädagogischen Zusammenhang wiederholt über die Bedeutung der physischen Muttermilch für den gesunden Aufbau des physischen Leibes und die damit verbundene Stärkung der Ich-Organisation des Kindes. Für die Unterstützung der oben genannten weiteren Abnabelungsprozesse im Verlaufe der Schulzeit und Jugend, braucht es die ‚seelische‘ und zuletzt ‚geistige‘ Muttermilch, die dem Menschen in Form einer nährenden Entwicklungsumgebung und verständigen Entwicklungshelfern zukommen müssen.[3]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fallen solch hilfreiche Faktoren und Entwicklungsbegleiter weg oder können nur eingeschränkt wirken, ist dies oft mit körperlichen und oder seelischen gesundheitlichen Belastungen im weiteren Leben verbunden. Diesen so weit als möglich vorzubeugen, ist der Präventionsanspruch Anthroposophischer Medizin und Pädagogik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[4]&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
----[1] Warum das so ist, geht aus den Kapiteln I bis V aus &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27,&#039;&#039; hervor, in denen die Autoren, Rudolf Steiner und Ita Wegman, die Arbeit der Wesensglieder an den Substanzströmen schildern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Vgl. Soldner und Stellmann (2018), 220–238; Glöckler u. a. (2024b), 372–392.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik,&#039;&#039; GA 293, Vortrag 2. September 1919.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== WIRKSAMKEIT EINES HEILMITTELS VERMITTELN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie vermittelt der Arzt seinem Patienten, welches Heilmittel er braucht?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist dabei zu beachten, worauf kommt es an?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wirksamkeit der Gedanken und Gefühle miteinbeziehen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ideal wäre es, mit dem Patienten über ein Heilmittel in einer Art zu sprechen, dass etwas von der Wirksamkeit desselben auf den Patienten überspringt und dieser sich freut, dass er dieses Mittel bekommt, ja, dass er dankbar dafür ist. Der Patient sollte es mit dem Gefühl nehmen, er habe etwas besonders Gutes bekommen. Denn Freude und Dankbarkeit wirken therapeutisch – sie sind nicht „Placebo“, sondern real und wirksam. Wir müssen begreifen, dass das, &#039;&#039;was&#039;&#039; und &#039;&#039;wie&#039;&#039; wir über eine Sache denken, viel mehr als nichts ist: Was jemand weiß, ist etwas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ätherleib als Träger der zeitlichen und „ewigen“ Lebenskräfte entfaltet diese Doppelwirksamkeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ihm verdankt unser Körper einerseits &#039;&#039;&#039;Leben, Regeneration, Wachstum&#039;&#039;&#039; und die individuelle Lebenszeit&lt;br /&gt;
* Andererseits verdankt der Mensch ihm sein &#039;&#039;&#039;Gedankenleben&#039;&#039;&#039;, je älter er wird, umso mehr, das sich aus all den ätherischen Kräften speist, die der Körper nicht mehr „verkörpert“ halten kann (und muss) und die er damit in die „außerkörperliche Wirksamkeit“ entlässt. Die Gedanken können über den Tod des Menschen hinaus weiterleben und ihn tragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Medikamente wirken auf beide Aspekte des Lebens – sprich: Auch was ich über etwas denke, bewirkt etwas. Wenn ich die Arnikawirkung denke, wirkt sie bereits, denn Gedanken wirken immer, sind ein reales Wirkprinzip. &#039;&#039;„Hab Sonne im Herzen, ob&#039;s stürmt oder schneit“&#039;&#039;. Wenn ich die Sonne meditiere, habe ich Licht und Wärme im Herzen, selbst wenn ich Bauchweh habe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Denken vermindert Heilkraft, positive Gefühle verstärken sie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Indem ich denke, nehme ich der ätherischen Wirksamkeit im Körper aber auch etwas weg, weil es dieselben Kräfte sind, die dem Körper zur Gesundheit verhelfen. D.h, der Körper ist am gesündesten, wenn man nicht denkt, also im Schlaf, weil da die gesamten ätherischen Kräfte (auch diejenigen, die tagsüber außerkörperlich dem Denken dienen) in den physischen Leib einziehen und an seiner Regeneration arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am besten ist es, wenn der Patient über ein Heilmittel gerade so viel weiß, dass er sich freut und ihm ein bisschen warm wird bei dem Gedanken, dass er es jetzt einnehmen darf. Denn diese positiven Gefühle teilen sich auch dem Körper mit und beeinflussen den Stoffwechsel positiv. Positive Gefühle führen dem Ätherleib vom Seelischen her positive Kräfte zu, wie dies gesunde Ernährung vom Physischen her tut. Zuviel Nachdenken über die Wirkung mindert diese jedoch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch weniger zuträglich ist es, wenn ein Patient nicht so recht weiß, wie ein Mittel wirkt, oder Angst bekommt, wenn er den Beipackzettel liest. Dann fühlt er sich verunsichert – weswegen 40 Prozent der Medikamente in den Müll und nicht in den Magen der Patienten wandern. Wieder zuhause entscheiden sie, dass es ihnen eigentlich gar nicht so schlecht geht und nehmen das verordnete Medikament lieber nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur Anthroposophischen Medizin, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== EIGENE ERFAHRUNGEN BEIM ARZTSTUDIUM ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was wirkt auf den Menschen konstruktiv bindend?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was unterstützt einen Menschen in seiner Entwicklung?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was bedeutet es eigentlich zu helfen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Womit helfe ich und was macht mich sicher, dass ich dabei nicht ein neues Problem schaffe?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fragen als Motivation fürs Medizinstudium&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ich komme ursprünglich aus der Pädagogik und habe gemerkt, wie stark mein Einfluss als Erzieher auf das Kind ist, wie stark das Vorbild wirkt, weil die Schüler alles sehr umweltoffen nachahmen, auch noch in der Oberstufe. Der Einfluss reicht bis ins Gesundheitliche hinein. Ich erlebte daran, welch riesige Verantwortung man hat durch die Art, wie man als Mensch auf andere wirkt. Ich habe mich zum Medizinstudium entschlossen, weil ich herausfinden wollte, wie es zu dieser Wirkung kommt. In dem Zusammenhang bewegten mich die oben genannten Fragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angespornt von der Begeisterung die Antworten zu finden, begann ich mein Studium. Ich war damals 25 Jahre alt, eine Spätberufene also, und hatte das Glück, die Anthroposophie parallel zum Studium studieren zu können. Ich habe sozusagen als angehende Anthroposophin Medizin studiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich fühle mich sicher und gewiss, wenn es mir gelingt, ein anatomisches Substrat, ein Ergebnis, z.B. Phasen der Embryonalentwicklung, wirklich zu verstehen: etwas denken zu können und das, was ich denke, in dem, was ich sehe, als evident wiederzuerkennen; mein Denken und meine Wahrnehmung als kongruent zu erleben; wenn das, was ich denke, auch passiert oder ich es sehe. Dazu gehört auch, das, was ich sehe, zu verstehen, dass es mir nicht ein dunkles Rätsel bleibt; ein Evidenzerlebnis zu haben. Ich hatte durch die Anthroposophie die Möglichkeit, die Medizin sensibel zu hinterfragen und mir Evidenzerlebnisse zu erarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vieles lernt man, ohne es zu verstehen. Man hat etwas festgestellt und soll es anschließend wissen. Bei uns stand über allen Examensfragen: &#039;&#039;„Der Student soll wissen, dass…“&#039;&#039; und dann kamen die Multiple-Choice-Angebote, aus denen man das Richtige heraussuchen musste. Es ist nervtötend, wenn nur Wissen abgefragt wird und kein Verständnis. Nur in den mündlichen Prüfungen ging es manchmal um echtes Verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Stoffwechsel und Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In den ersten vier Vorträgen im &#039;&#039;„Landwirtschaftlichen Kurs“[1]&#039;&#039; spricht Steiner über die spirituelle Bedeutung von Phosphor, Schwefel, Stickstoff, Sauerstoff und Wasserstoff. Die ganze Eiweißchemie bzw. Biochemie unseres Körpers beruht auf diesen Elementen. So konnte ich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;&#039; mit dem &#039;&#039;Phosphor&#039;&#039; in Zusammenhang bringen,&lt;br /&gt;
* den &#039;&#039;&#039;Astralleib&#039;&#039;&#039; mit dem &#039;&#039;Stickstoff&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* den &#039;&#039;Sauerstoff&#039;&#039; mit dem Leben, dem &#039;&#039;&#039;Ätherischen&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* den &#039;&#039;Schwefel&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;zwischen dem physischen Leib und dem Ätherleib wirksam&#039;&#039;&#039; sehen – denn „er macht den physischen Leib geneigt, die Wirkungen des Ätherischen aufzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht hier um die Erkenntnis, wie die vier Wesensglieder im Stoffwechsel aktiv sind, wobei diese vier Hauptelemente wie Tore sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wasserstoff hat eine Sonderposition. Er gehört wesentlich zum Wärmeorganismus und ist sogar &#039;&#039;das&#039;&#039; Zentralelement des Wärmeorganismus. Er ist das leichteste Element, das von sich aus zur Sonne geht, der Gravitation nicht unterliegt, weil es zu leicht ist. Wenn es nicht regnen würde, würde der Wasserstoff die Erde verlassen und sich in der Sonne sammeln. Aber durch Regen, Blitze und Donner, diese enormen energetischen Entladungen, kommt es zur Knallgasverbindung, durch die der Wasserstoff wieder an den Sauerstoff gebunden wird und so wieder auf die Erde kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wissen als etwas Vorläufiges begreifen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ich habe mir in dem Zusammenhang nie die Frage gestellt, ob etwas richtig oder falsch ist, sondern ob es mir zugänglich ist oder nicht. Wenn ich etwas verstanden hatte, war es für mich gewiss.[2] Wenn anschließend jemand erklärte, dass dies nur ein Vorgipfel wäre und die wahre Wirklichkeit noch tiefer läge, noch etwas komplizierter sei, war ich auch dafür offen. Das vorherige Endergebnis gilt dann eben als vorläufig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und man muss auch nicht von Anfang an alles wissen. Ich habe manchen Patienten damit glücklich gemacht, dass ich sagte: &#039;&#039;„Wir beginnen erst einmal mit diesem Therapieansatz – ich werde mich aber noch mit Kollegen beraten, was in Ihrem Fall das Beste ist.“&#039;&#039; Wirkliches Wissen hat Prozesscharakter und kongruiert mit der wachsenden Lebenserfahrung, die durch die Menschen, mit denen wir zusammenleben und -arbeiten, bereichert wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur AM, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft (Landwirtschaftlicher Kurs), Acht Vorträge&#039;&#039;, Koberwitz bei Breslau, 07.06 – 16.06.1924.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Dazu siehe auch: Glöckler, Michaela: &#039;&#039;Einblicke in die anthroposophisch-medizinische Forschung und die Arbeit der Medizinischen Sektion&#039;&#039;. In: Christiane Haid, Constanza Kaliks, Seija Zimmermann (Hg.): &#039;&#039;Goetheanum - Freie Hochschule für Geisteswissenschaft. Geschichte und Forschung der Sektionen.&#039;&#039; Verlag am Goetheanum, Dornach 2017: Rudolf Steiner betonte wiederholt, dass es sich bei seinen Schilderungen und Sichtweisen um ein Wissen handle, das von ihm selbst erarbeitet wurde und als Wissen oder Erkenntnis und nicht als Glaubensinhalt vorgebracht werde. Daher möge man das von ihm Dargestellte als anregende Idee, als Arbeitshypothese nehmen und selbst prüfen, ob es der eigenen Lebenserfahrung und Erkenntnissuche standhalten und dem Leben dienen könne. Auch hoffte er, dass der akademisch geschulte Leser seiner Schriften die Anstrengung unternehmen würde, seine auf meditativen Wegen errungenen Einsichten mit Hilfe empirischer Forschungsmethoden nachzuweisen. Damit führte Steiner in den wissenschaftlichen Diskurs das Prinzip der internen bzw. inneren Evidenz ein: Was man - gestützt auf Erfahrung und Einsicht - als richtig erkannt hat, empfindet man als „innerlich evident“. Es bedarf dann aber auch noch der externen Evidenz, damit man anhand reproduzierbarer Fakten die Legitimität des als richtig Erkannten aufzeigen kann. Beide Evidenzen zusammen ergeben eine umfassende Erkenntnis von Mensch und Welt und die Möglichkeit, sich ein ganzheitliches Menschen- und Weltverständnis zu erarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE FÜNF FUNKTIONSBEREICHE IN DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Funktionsbereiche deckt die Anthroposophische Medizin ab?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Funktionsbereiche des Lebens&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Unser aller Leben spielt sich auf unterschiedlichen Ebenen ab, die ich hier Funktionsbereiche nennen möchte. Im Folgenden werde ich sie genauer beschreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Physischer Funktionsbereich: Leben im Raum ====&lt;br /&gt;
Alles Physische findet im Raum statt und gründet auf räumlich fassbare Strukturen. Der physische Leib des Menschen ist umso gesünder, je besser er an sein Milieu, die jeweilige Umwelt angepasst ist. Vieles an unserer Umwelt macht uns über Wasser, Ernährung und Luft krank, aber auch – wenn es passend wirkt – gesund. Physisch sind wir offene Systeme. Auch was wir über die Sinne aufnehmen, prägen wir uns ein, prägt uns. Alles Schöne wirkt aufbauend, alles Unschöne schwächt. Alles wirkt, egal ob wir sofort krank werden oder nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier ist die Domäne der Schulmedizin. Anthroposophische Ärzte sind zunächst alle auch Schulmediziner, das ist unsere Grundlage. Diagnostische Fragen zum Physischen lauten beispielsweise:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Sind Medikamente nötig, die am Ort des aktuellen Geschehens unmittelbar angreifen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ist eine Umgebungsveränderung vonnöten?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Muss in einem bestimmten Bereich Sinnesschulung nachgeholt bzw. verstärkt werden?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wären Achtsamkeitsübungen bzw. irgendetwas, das die physische Resonanz mit dem Umfeld verbessert, hilfreich?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ätherischer Funktionsbereich: Leben als Prozess ====&lt;br /&gt;
Auch im Ätherischen sind wir offene Systeme. Mit ätherischer Kraft bezeichnet man in der Anthroposophischen Medizin, was man in der orientalischen Tradition Chi oder Lebenskraft nennt. Das Ätherische umfasst alles Prozessuale, das eine Zeitstruktur und Rhythmus hat. Im aristotelischen Sinne befinden wir uns damit in der Kategorie der Zeit. Alles Ätherische ist prozessual, lebendig, zyklisch, miteinander zusammenhängend, voneinander abhängig. Selbst­­­regulation, Selbstheilungsprozesse, Regeneration, Wachstum, Gestaltung haben hier ihren Wirkort. Die anthroposophischen Arzneimittel, die alle prozessorientiert sind, setzen hier an. Viele werden auch mit homöopathischen Verfahren hergestellt. Alle Prozesse, die uns kränken und gesunden lassen, verlaufen im Zeitlichen. So können sich Verstöße gegen gesunde Lebensrhythmen, z.B. unregelmäßige Ernährung, negativ auswirken, sofern die Selbstregulation dies nicht kompensieren kann. Auch die Lebensgewohnheiten, die Art wie man seine Zeit strukturiert oder eben nicht strukturiert, – wie chaotisch oder geordnet man lebt – beeinflusst diesen Wirkbereich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn im Leben herrscht Ordnung, es ist ein geordneter Kosmos. Es wird durch die Sonne, die circadiane 24-Stunden-Rhythmik, durch den Wochenrhythmus und den lunaren Monatsrhythmus beeinflusst. Mit dieser „Bio-Kosmologie“ befasst sich die Rhythmusforschung. Die Sonne ist 150 Millionen Kilometer von uns entfernt. Wenn wir aber Sonnenbrand haben, haben wir ihn hier auf unserer Haut. Unser gesamter Knochenstoffwechsel hängt von der Sonne ab, auch die gesamte chlorophyllproduzierende Pflanzenwelt. Wir sind sonnengetragene Wesen, wir leben in diesem Sonnenraum. Es gibt kein Leben ohne Wasser und Sonne. Die Griechen nannten den durchsonnten blauen Himmel den Äther. Daher auch der Begriff „ätherische Organisation“ für diesen Funktionsbereich. Das Leben auf der Erde muss viel umfassender gedacht werden, als wir das gewöhnlich tun, wenn wir vom Leben sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diagnostische Fragen zum Ätherischen zielen daher auf die Lebensgewohnheiten ab: Ernährung, Schlaf, Work-Life-Balance, aber auch Rituale, Gewohnheiten, religiöse oder meditative Hilfsmittel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Astraler Funktionsbereich: seelisches Erleben in Beziehung zu sich und anderen ====&lt;br /&gt;
Hier geht es um das Gefühlsleben, um die unbewusste und bewusste Beziehungsgestaltung. Alles, was in einer Beziehung stattfindet, was im Gefühl und Bewusstsein lebt, geht über Raum und Zeit hinaus in die „Innerlichkeit“ und erhält durch die Erinnerbarkeit Dauer. Die Beziehung zu sich selbst und den Menschen und Dingen im Umfeld ist ein reicher Kosmos, ein komplexes Netzwerk, ist so etwas wie eine Sternenkonstellation. Das Wort „Aster“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet Stern. Mit diesem Begriff möchte Rudolf Steiner nicht nur an die seelischen Sternkonstellationen erinnern, denen wir angehören, sondern auch an die himmlische Heimat der Seele und deren Verwandtschaft mit der Sternenwelt, die auch in den astrologischen Traditionen zum Ausdruck kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beziehungen können sich wandeln, wir können unser Verhältnis zu ihnen ändern. Wenn sie kaputt gehen, tut es so weh, dass man früher oder später wieder daran arbeiten wird. Unter dem Gesichtspunkt der Reinkarnation gibt es noch einen weiteren Aspekt, der das Ringen um eine positive Entwicklung in unseren Beziehungen in seiner Bedeutsamkeit unterstreicht. Christian Morgenstern drückt dies in einem seiner Gedichte so aus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wir müssen immer wieder uns begegnen&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;und immer wieder durch einander leiden,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;bis eines Tages wir dies alles segnen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;An diesem Tage wird das Leiden weichen,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;das Leiden, welches Selbstsucht zeugte,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;das Leiden wenigstens, das Blindheit zeugte,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;das uns wie blinden Wald im Sturme beugte.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Dann werden wir in neues Ziel und Leben&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;wie Flüsse in ein Meer zusammenfließen,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;und kein Getrenntsein wird uns mehr verdrießen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Dann endlich wird das „... suchet nicht das Ihre“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wahrheit geworden sein in unsern Seelen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und wie an Kraft wird&#039;s uns an Glück nicht fehlen.[1]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diagnostische Fragen zu der astralen Wirkrichtung betreffen biographische Zusammenhänge und damit verbundene Krankheitsursachen. Oft können Biographiearbeit, künstlerische Therapien, Bewegungstherapien und Körperarbeit helfen, das Bewusstsein für sich selbst und die Menschen im eigenen Schicksalsfeld zu harmonisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Funktionsbereich der Ich-Organisation: als Individuum leben ====&lt;br /&gt;
Hier haben wir es mit dem Bereich zu tun, den Goethe „die Dauer im Wechsel“ nannte. Die Ich-Organisation ist gegenüber dem ewigen Wesen des Menschen, seinem spirituellen Kern, offen. Sie umfasst alle Gesetzmäßigkeiten, die mich vor mir selbst und vor anderen persönlich legitimieren, die nur die eigene Individualität betreffen, für die ich mir selbst die Arbeitsrichtung vorgeben kann. Von der eigenen Ich-Verfassung, vom Selbstwert-Gefühl und der Art der Identitätsbildung hängt es ab, wie lange man z.B. negative Gefühle zulässt oder wieviel Stresstoleranz man besitzt. Wer sein Leben, sein Schicksal, mit allen Hoch- und Tiefpunkten, als seinen persönlichen Entwicklungsweg sehen kann, findet in jeder Lebenslage Motive für das, was gerade hier und jetzt gelernt oder getan werden könnte und kann innere Ruhe und die Übereinstimmung mit sich bewahren. Die Resilienzforschung hat viele wertvolle Beweise dafür geliefert, in welch hohem Maße die Art des Umgangs mit sich selbst und der gewählte Lebensstil den Gesundheitszustand von Leib und Seele beeinflussen.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was muss geschehen, damit ein Mensch wieder zu einer positiven Identität und Lebenseinstellung findet, auch wenn seine Umstände traurig oder widrig sein mögen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Anregung für die innere Schulung, für sein Selbstmanagement, für seine Identität kann ich ihm vermitteln, damit er freudig und&#039;&#039; &#039;&#039;wahrhaft als Ich erleben kann?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fragen dieser Art bewegen den Arzt – aber auch Fragen der Prävention&#039;&#039;: Was kann in den Erziehungsjahren geleistet werden, nicht nur für eine gesunde körperliche Entwicklung, sondern auch für die seelische und insbesondere die geistige, Identität stiftende Entwicklung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Funktionsbereich der spirituellen Orientierung: Weltentwicklung bejahen ====&lt;br /&gt;
Hier treten wir aus unserem individuell Menschlichen völlig heraus. Der Kopf ist das Beziehungsorgan, das uns mit der ganzen Welt verbindet, ist unser offenes, rein zur unsichtbaren Welt der Gedanken, den Sinneseindrücken, Vorstellungen sowie dem Bewusstsein hin orientiertes Gebilde. Paracelsus[3] nannte diese Perspektive, die Art, wie wir mit den unsichtbaren Kräften des Denkens, Fühlens und Wollens umgehen, die Quinta Essentia. Die vier anderen „Essenzen“ haben mit den Aggregatzuständen fest, flüssig, gasförmig und Wärme zu tun, die alle noch physisch fassbar sind. Die Quinta Essentia jedoch ist rein spirituell, rein geistig. Sie wird uns zunehmend bewusst durch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* seelisch-geistige Verwandlungsprozesse dank meditativer Schulung,&lt;br /&gt;
* Verfeinerung der Gedanken,&lt;br /&gt;
* Gefühls- und Willenskultur der Achtsamkeit.&lt;br /&gt;
* Die Tugenden und verbindlichen Lebenswerte gehören ebenso in diesen Bereich, &lt;br /&gt;
* aber auch wie ich meine Beziehungen ordne, wie ich meine Identität erlebe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn wie ich mein äußeres und mein biografisch-zeitliches Leben veranlage, hängt letztlich davon ab, wie ich über mich und andere, über die Welt und Gott denke. Eine echte spirituelle Orientierung ist die stärkste salutogenetische Perspektive. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Erlösende menschheitliche Perspektive&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Meine Erfahrung ist, dass es heute immer mehr Menschen gibt, die von einer basalen Trauer und Sorge erfüllt sind in Bezug auf das Weltgeschehen und die Menschheitsentwicklung. Sie sind nicht krank oder deprimiert durch eine schlechte Lebensweise oder Drogen, auch nicht aufgrund negativer Beziehungen. Sie erleben sich vielmehr dadurch beeinträchtigt, dass sie den Eindruck haben, es geht mit der Menschheits- und Erdenentwicklung nicht gut voran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um dem konstruktiv begegnen zu können, braucht es eine große, umfassende, menschheitliche Perspektive, die aufzeigt, dass die Menschheit zwar heute eine besondere Krise durchmacht, verursacht durch den Zerfall von Werten und eine enge materialistisch-ökonomische Weltsicht. Es gilt jedoch zu verstehen, dass nur der Durchgang durch eine Periode des Verlustes spiritueller Perspektiven und humaner Entwicklungsbedingungen das Individuum aus allen kollektiven – auch der religiösen – Bindungen zu befreien vermag, damit es auf dieser Basis neu und selbstständig sein Verhältnis zum weiteren Verlauf der Geschichte zu bestimmen in der Lage ist. Nur ein echtes Verständnis dieser Entwicklungszusammenhänge kann dem sonst unweigerlich eintretenden Kulturpessimismus vorbeugen bzw. kann ihn heilen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anthroposophische Arzt wird seinen Patienten anamnestisch mit Bezug auf diese fünf Funktionsbereiche hin anschauen und womöglich befragen. Am Ende muss er intuitiv entscheiden, wie er den besten Zugang zu dem betreffenden Patienten finden kann, um den notwendigen Gesundungsprozess anzuregen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Mehr hierzu in: Was ist Anthroposophische Medizin? Verlag am Goetheanum, 2017&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Christian Morgenstern, &#039;&#039;Stuttg. Ausgabe, Band 2 Lyrik 1906 – 1914&#039;&#039;, Urachhaus Verlag, Stuttgart 1992, S. 217.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Siehe z.B. Fröhlich-Gildhoff, Klaus / Rönnau-Böse, Maike: &#039;&#039;Resilienz&#039;&#039;. Ernst Reinhardt Verlag, München 2015.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Philippus Theophrastus Aureolus Bombastus von Hohenheim, getauft als Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, (* vermutlich 1493 in Egg, Kanton Schwyz; † 24. September 1541 in Salzburg) war ein Arzt, Alchemist, Astrologe, Mystiker, Laientheologe und Philosoph. Paracelsus hinterließ zahlreiche deutschsprachige Aufzeichnungen und Bücher medizinischen, astrologischen, philosophischen und theologischen Inhalts, die größtenteils erst nach seinem Tod gedruckt wurden (wikipedia).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE WESENSGLIEDER UND IHRE DIAGNOSTIK ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was versteht die Anthroposophische Medizin unter Wesensgliedern?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie lassen sie sich beschreiben?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wesensglieder als Zusammenhänge von Gesetzmäßigkeiten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das Wissen von Körper, Leben, Seele und Geist ist so alt wie die Menschheit. Rudolf Steiners Beitrag besteht jedoch darin, eine neue Zugangsweise zu diesen vier Erfahrungsfeldern aufgezeigt zu haben. Er verwendete für die von ihm in Medizin und Pädagogik eingeführte Terminologie die Worte „Leib“ bzw. „Organisation“.[1] Diese Termini machen nicht nur den Zusammenhang zwischen den Reichen der Natur und den Aggregatzuständen der Materie deutlich, sondern stehen auch für die differenzierte Ganzheit des Menschenwesens nach Geist (Ich-Organisation), Seele (astralische Organisation), Leben (ätherische Organisation) und Körper (physische Organisation). Sie zeigen die komplexen Zusammenhänge von Gesetzmäßigkeiten, durch die sich der Mensch erkennen, erleben, ausdrücken und betätigen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Anthroposophischen Medizin wird also nicht nur die naturwissenschaftliche Beschreibung von Aufbau und Funktion des menschlichen Körpers berücksichtigt, sondern auch die Wirkung der sogenannten Wesensglieder auf den Körper, die von der zugehörigen Gesetzmäßigkeit bestimmt werden und so in das Körpergeschehen eingreifen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Diagnostik der Wesensglieder ermöglicht ein differenziertes Erfassen des Inkarnationszustands des Menschen in Gesundheit und Krankheit, woraus sich der jeweils passende therapeutische Ansatz ableiten lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Physischer Leib – fest ====&lt;br /&gt;
Der physische Leib wird von Stoffen und Kräften im festen Aggregatzustand aufgebaut – sie machen die sinnlich beobachtbare Beschaffenheit des Körpers im Raum aus (griechisch &#039;&#039;physis&#039;&#039; = Körperbildung, Gestalt). Der ganzheitlich-systemische Begriff des Physischen umfasst den gesamten Bereich des Mineralisch-Anorganischen: Dazu gehören die Gesetze der Gravitation, der Mechanik, aber auch die Zerfalls- und Sterbeprozesse von Strukturen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was erkannt werden kann, wenn man dem menschlichen Organismus Stoffe, Gewebe und Partikel entnimmt und analysiert, gehört in das Gebiet des Physischen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ätherleib - flüssig ====&lt;br /&gt;
Der &#039;&#039;Ätherleib&#039;&#039; umfasst die Gesamtheit der Lebensprozesse. Diese sind an den flüssigen Aggregatzustand gebunden und liegen allen Vorgängen zugrunde, die chemische und physikalische Prozesse zu biochemischen und physiologischen Prozessen steigern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wort „Äther“ kommt aus dem Griechischen und heißt Himmel. Damit schließt das Ätherische auch den durchsonnten, blauen Himmelsraum ein, ohne den Leben auf der Erde nicht möglich wäre. Insbesondere die Pflanzenwelt wird davon bestimmt: Das zeigt sich z.B. in der sonnenvermittelten Fotosynthese, die Grundlage der Lebenstätigkeit aller Pflanzen ist. Doch auch ihre Biorhythmen haben ihre Zeitgeber in der Solar- und Lunarperiodik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Astralleib – gasförmig, luftig ====&lt;br /&gt;
Die Kräfte und Gesetzmäßigkeiten, die Bewegung, Bewusstsein und seelischen Ausdruck ermöglichen, bezeichnete Steiner mit &#039;&#039;Astralleib&#039;&#039;, lateinisch „aster“ (Stern). Das Weltall mit seinen Sternkonstellationen ist ein Bild davon: Jeder Planet, jeder Fixstern ist anders als der andere und doch stehen alle in konkreten, sich stets wandelnden Beziehungen zueinander, Konstellationen genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Physiologisch gesehen sind die Bewegungs-, Sprach- und Gefühlsäußerungen an das Vorhandensein von Luft gebunden. Der Astralleib kann nur über den Gaszustand der Materie in das Körpergeschehen eingreifen und ist auch im Hinblick auf seine Wirkungsweise von den Gesetzen bestimmt, die dem Gaszustand eigen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ich-Organisation - Wärme ====&lt;br /&gt;
Für den Gesetzeszusammenhang, der es der selbstbewussten Persönlichkeit erlaubt, sich zu erleben und auszudrücken, wählte Steiner den Begriff &#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;. Diese ist an die Gesetze der Thermodynamik, der Wärme, gebunden. Jeder Mensch erlebt sein Ich und die Persönlichkeitsäußerungen des Anderen in Form von jeweils zum Ausdruck kommenden Wärmedifferenzen bzw. als Wärme- und Kälteausstrahlung. Die kritische Temperatur des jeweiligen Elementes entscheidet, in welchem spezifischen Aggregatzustand die Materie erscheint. Das dem gesunden Körperleben des Menschen zugrundeliegende Wärmeoptimum liegt bei 37°. Es wird durch eine komplizierte Temperaturregulation im Rahmen definierter tages- und jahresrhythmischer Schwankungen konstant gehalten. Auch hängt es jeweils vom geistigen Wärmezustand (Begeisterung) ab, ob und wofür ein Mensch seine Kraft im Leben einsetzt und wie er seine Persönlichkeit zentriert und beherrscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Berechtigte Annahme komplexer Ordnungsprinzipien&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Mit der systemischen Begrifflichkeit der Wesensglieder ist einerseits die Brücke geschlagen zur aristotelischen Elementenlehre, die die Aggregatzustände konsequent mit den Naturreichen (Mineral, Pflanze, Tier, Mensch) verbindet. Andererseits kann dadurch auch ein konkreter Bezug hergestellt werden zur heutigen Faktenfülle naturwissenschaftlicher Forschungen als Grundlage für ein ganzheitliches Bild des Menschen, der sich in Körper, Seele und Geist gliedert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiners Vorgehensweise, übergeordnete Begriffe zu bilden, wird untermauert von Annahmen aus der Systemforschung, die längst von höheren, vernetzten Formgebern und Prozessgestaltern ausgeht, die sie entweder entdeckt oder hypothetisch angenommen hat: Man verwendet den Begriff „Feld“[2] oder spricht von „intraorganischen Ordnungsmustern“ aus der mathematisch-geometrischen Symmetrie und Asymmetrie, die sich nicht mithilfe der darwinistischen Paradigmen von Selektion, Mutation und Anpassung erklären lassen.[3] Auch die Frage nach der Symmetrie als einem universalen Kausalprinzip gehört hierher. All diese Überlegungen und Forschungen besagen, dass es letztlich Gedanken, Gesetze, übergreifende Gesetzeszusammenhänge sind, die sich in den Ordnungen und Wandlungen der Evolution abbilden bzw. diese vorantreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant sind in diesem Zusammenhang auch die derzeit oft gebrauchten Begriffe der Autoregulation, Selbstregulation oder Selbstheilung. Die Wesensgliederdiagnostik kann diese Begriffe mit einem differenzierten Inhalt füllen und dieses Selbst (griechisch: autos) in seinen körperlichen, seelischen und geistigen Ausdrucks- und Funktionsweisen beschreiben.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen.&#039;&#039; GA 37, Rudolf Steiner Verlag, Dornach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rupert Sheldrake, &#039;&#039;The presence of the past. Morphic resonance and the habits of nature.&#039;&#039;  Hammersmith, UK 1988.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Antonio Lima-de-Faria, &#039;&#039;Evolution without Selection. Form and Function by Autoevolution.&#039;&#039; New York 1988.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Werner Hahn/ Peter Weibel (Hrsg.), &#039;&#039;Evolutionäre Symmetrietheorie. Selbstorganisation und dynamische Systeme.&#039;&#039; Stuttgart 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== PARAMETER DER WESENSGLIEDER-DIAGNOSTIK ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen Parametern folgt die Wesensglieder-Diagnostik?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wesensglieder als Gesetzeszusammenhänge des Menschseins&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der phänomenologischen Philosophie und Psychologie ist man gewohnt, den Körper „Leib“ zu nennen. Man meint damit das individuell Geformte bzw. das „Gefäß&amp;quot;, das von allen Funktionen und Seelenerlebnissen ein Aus- und Abdruck ist. Rudolf Steiner verwendet als Bezeichnung für die Wesensglieder je nach Kontext die Ausdrücke „Leib“, „Organisation“ und „Organismus“ oder „Gesetzeszusammenhang“. In der Diagnostik wird der körperliche Ausdruck der Wesensglieder im Einzelnen beschrieben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Physischer Leib ====&lt;br /&gt;
Zu den Beurteilungsgrößen des physischen Leibes gehören neben Körpergröße und Körpergewicht die chemische Analyse (Labordiagnostik) sowie die Ausformung der einzelnen Organe, der konstitutionelle Habitus, und inwiefern dieser durchlässig ist für die Vorgänge des Lebens, der Seele und des Geistes – d.h. für den „Inkarnationszustand&amp;quot; des betreffenden Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ätherleib ====&lt;br /&gt;
Zur Diagnostik des ätherischen Organismus gehört neben dem Erfassen der aktuellen Gesamtvitalität und der Vitalität der einzelnen Organe auch die Beurteilung von Wachstum, Entwicklung und Regenerationsfähigkeit sowie des Säure-Basen-Verhältnisses, des Wasser- und Elektrolythaushaltes und des Zusammenspiels der Biorhythmen, aber auch die Erfassung der Art der Gedankenführung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Astralleib ====&lt;br /&gt;
Die Wirkungsweise des Astralleibes wird einerseits am Bewegungsspiel der Muskulatur und ihres Tonus abgelesen, andererseits aus der Art des Sprechens und der Atemführung sowie des Instinkt-Begierde-Verhaltens erschlossen. Empfindungsleben, „Sensibilität&amp;quot; und das Spektrum der Gefühlsäußerungen geben Aufschluss über seinen aktuellen Zustand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Stärke oder Schwäche der Ich-Organisation können am Zusammenspiel aller Funktionen und Wesensgliedertätigkeiten abgelesen werden. Jede Form von Integrations- und Kontrollverlust zeigt eine Schwächung oder Störungen im Bereich dieses Wesensgliedes an. An dieser Stelle ist es wichtig zu bemerken, dass die Ich-Organisation zwar dem geistigen Wesen Mensch, d.h. seinem Ich, die körperliche – und damit vergängliche –Möglichkeit zur Inkarnation bietet, mit dieser jedoch nicht identisch ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Faktenfülle durch Wesensgliederdiagnostik&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Des Öfteren wird gefragt, warum die Wesensglieder-Diagnostik nötig ist, welche zusätzlichen Informationen sie über das hinaus bieten kann, was eine sorgfältige und umfassende klinische Diagnostik ohnehin leistet. Dazu ist zu sagen, dass das sehr umfassende Studium des jeweiligen Wesensgliedes und der damit zusammenhängenden Gesetzmäßigkeit zusätzliche Informationen liefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die in der Tabelle unten angeführten Parameter implizieren eine große Faktenfülle und eröffnen durch ihre Zusammenschau neue Einsichtsmöglichkeiten in die menschliche Natur, vor allem auf den direkten Zusammenhang der seelisch-geistigen Funktionen mit den physiologisch-anatomischen Strukturen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;Wesensglied&#039;&#039;&#039; und  Naturgesetzlichkeit&lt;br /&gt;
|Selbsterleben und &lt;br /&gt;
kreative Handhabbarkeit&lt;br /&gt;
|Morphologie &lt;br /&gt;
Physiologie&lt;br /&gt;
|Physische Symptomatik&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;&#039;Wärmeorganismus&lt;br /&gt;
Thermodynamischer&lt;br /&gt;
Gesetzeszusammenhang&lt;br /&gt;
|Selbstbewusste &lt;br /&gt;
Gedankentätigkeit,&lt;br /&gt;
Intentionalität,&lt;br /&gt;
Initiative,&lt;br /&gt;
Dicht- und Sprachkunst&lt;br /&gt;
|Integrationsprozesse Gesamtgestalt&lt;br /&gt;
|Individuelle Wärmeverteilung „Ausstrahlung&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;Astralleib&#039;&#039;&#039;Luftorganismus&lt;br /&gt;
Aerodynamischer&lt;br /&gt;
Gesetzeszusammenhang&lt;br /&gt;
|Bewusstsein, Gefühl, Impulsivität, Bewegung&lt;br /&gt;
Musik und Gesang&lt;br /&gt;
|Atmung&lt;br /&gt;
Katabole Stoffwechselvorgänge&lt;br /&gt;
Heterostase&lt;br /&gt;
Differenzierung&lt;br /&gt;
Proportionen&lt;br /&gt;
|Muskeltonus&lt;br /&gt;
(Anspannung und Lösung)&lt;br /&gt;
Lufthaushalt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;Ätherleib&#039;&#039;&#039;Wasserorganismus &lt;br /&gt;
Hydrodynamischer&lt;br /&gt;
Gesetzeszusammenhang&lt;br /&gt;
|Auftrieb&lt;br /&gt;
Schwerelosigkeit Zeitprozesse&lt;br /&gt;
plastisches Gestalten&lt;br /&gt;
|Anabole Stoffwechselvorgänge&lt;br /&gt;
Synthese&lt;br /&gt;
Homöostase&lt;br /&gt;
Proliferation&lt;br /&gt;
|Turgor&lt;br /&gt;
Wasserhaushalt&lt;br /&gt;
Inkarnat&lt;br /&gt;
Hautdurchblutung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;Physischer Leib&#039;&#039;&#039;Feste Organisation&lt;br /&gt;
Gravitation&lt;br /&gt;
Gesetzeszusammenhänge der Festkörperphysik und Mechanik&lt;br /&gt;
|Egoität&lt;br /&gt;
Schwerpunkt erleben architektonisches Gestalten&lt;br /&gt;
|Ablagerungsprozesse&lt;br /&gt;
Strukturierungsprozesse&lt;br /&gt;
Form-Zusammenhalt&lt;br /&gt;
|Dichte&lt;br /&gt;
Gewicht&lt;br /&gt;
Laborparameter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tab. 1.1 Diagnostische Parameter im Funktionsbereich der Wesensglieder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FORSCHUNG UND WEITERENTWICKLUNG IN DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;In welche Richtungen wird in der Anthroposophischen Medizin geforscht?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Möglichkeiten der Evaluation gibt es?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Forschung und Evaluation&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aufgrund ihres natur- und geisteswissenschaftlichen Menschenbildes hat die anthroposophisch-medizinische Forschung zwei Arbeitsrichtungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Eine, die sich den derzeit vorgegebenen akademischen Standards anpasst und Unbedenklichkeit und &#039;&#039;&#039;Wirksamkeit anthroposophischer Arzneimittel&#039;&#039;&#039; untersucht. &lt;br /&gt;
# Und eine andere, die nach den &#039;&#039;&#039;geistigen Ursachen von Krankheit&#039;&#039;&#039; und den &#039;&#039;&#039;heilenden Möglichkeiten der Natur&#039;&#039;&#039; mit ihren Substanzen und Prozessen fragt. &lt;br /&gt;
# Zu jeder seriösen Forschung gehören auch effektive &#039;&#039;&#039;Möglichkeiten der Evaluation&#039;&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophische Medizin ist nicht nur historisch jung, sondern auch in ständiger Weiterentwicklung begriffen. Ihre weltweiten Arbeitszusammenhänge in Forschung, Ausbildung und Praxis werden in der Medizinischen Sektion am Goetheanum in der Schweiz koordiniert.[1] Dort findet sich auch eine Übersicht über die aktuelle Literatur, die Forschungsinstitute und Kliniken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ad 1. Studiendesigns für anthroposophische Arzneimittel ====&lt;br /&gt;
Gegenwärtig wird an Studiendesigns gearbeitet, die der Herkunft, Herstellung und Anwendung anthroposophischer Arzneimittel gerecht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Freiburger Arzt und Wissenschaftler &#039;&#039;Helmut Kiene&#039;&#039; ist die im Juli 2000 erschienene komplementäre Methodenlehre der klinischen Forschung zu verdanken, in der er eine Cognition-based Medicine der Evidence-based Medicine gegenüberstellt.[2] Diese Methodenlehre erstreckt sich auf folgende Evidenzbereiche:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wirksamkeitsnachweis&lt;br /&gt;
* Effektivitätsbeurteilung&lt;br /&gt;
* Therapievergleich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im „Freiburger Institut für angewandte Erkenntnistheorie und medizinische Methodologie“ wird derzeit an den praktischen Konsequenzen für ein neues Studiendesign gearbeitet, das sich auf hohem akademischem Niveau auf die individuelle Einzelfallanalyse stützt. Der Arbeit des Instituts entstammt auch die im Jahre 2003 erschienene umfassende Monographie zur Mistel in der Onkologie.[3] Mit diesem Buch liegt erstmals ein Werk vor, das den Stand der Forschung in Bezug auf die Misteltherapie bei onkologischen Erkrankungen für Mediziner, Wissenschaft­ler und Allgemeininteressierte verfügbar macht. Es leistet damit einen Beitrag zur wissenschaftlichen Diskussion wichtiger medizinischer Grundsatzthemen, aber auch zum Dialog der Denkstile. Es ist ein Beispiel einer gelungenen Synthese von naturwissenschaftlichem und geisteswissenschaftlichem Ansatz auf der Höhe der derzeit gültigen akademischen Standards.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ad 2. Grundlagenforschung zu Krankheit und Heilung ====&lt;br /&gt;
Die Grundlagenforschung befasst sich mit der Erarbeitung von Korrespondenzen zwischen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;&#039;Wesensgliedertätigkeit&#039;&#039;&#039; im Menschen,&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;&#039;Krankheitssymptomatik&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* bestimmten &#039;&#039;&#039;Prozessen in der Natur&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* und der &#039;&#039;&#039;Wirkung von Substanzen&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht darum, Naturprozesse aufzufinden und zu beschreiben, die für den jeweiligen Krankheitsfall die Selbstheilung anregen, einseitigen Funktionen entgegenwirken oder zu schwache Funktionen unterstützen können. Je genauer das therapeutische Ziel aufgrund der Erforschung des evolutiven Zusammenhanges von Mensch und Natur festgelegt werden kann, umso sicherer tritt in der Regel auch die erwünschte Wirkung beim Patienten ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Arzneimittelschatz der heute verfügbaren Anthroposophika entstammt der Zusammenarbeit von Ärzten, Pharmazeuten und Herstellern. Seit vielen Jahren fassen Anthroposophische Ärztinnen und Ärzte ihre Erfahrungen und Erkenntnisse zum Einsatz der Anthroposophischen Arzneimittel in einem Vademecum zusammen, das Fachkreisen zugänglich ist und ständig erweitert wird. Ideen zur Heilmittelfindung entstehen jeweils anhand konkreter Fragestellungen zum Patienten bzw. zu seiner Krankheitssituation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Ausgangsstoffe für die Arzneimittelherstellung mit Bezug auf Sicherheit und Unbedenklichkeit in der Regel schon bekannt sind, ist präklinische Forschung im Sinne von In-vitro- oder Tierversuchen nicht nötig. Wenn neue, noch nicht monographierte Naturstoffe Verwendung finden, unterliegen sie selbstverständlich dem allgemein üblichen Prozedere zur Feststellung von Wirksamkeit und Unbedenklichkeit der entsprechenden Substanz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von einem anthroposophischen Arzneimittel wird erwartet, dass es körperliche oder seelische Beschwerden mildern oder verschwinden lassen bzw. eine Krankheit verzögern, heilen oder womöglich auch verhindern kann. Da sich diese Art der Heilmittelfindung und -anwendung in der Regel am individuellen Patienten orientiert, sind Forschungs- und Evaluationsmethoden erforderlich, die diesem Umstand Rechnung tragen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ad 3. Projekte zur Evaluation der Anthroposophischen Medizin ====&lt;br /&gt;
Im Berliner Forschungsinstitut am Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe wurde mit einem Projekt zur Evaluation Anthroposophischer Medizin begonnen – dem EvaMed-Projekt. Ziel ist die Schaffung einer wissenschaftlich fundierten Datenbasis als Grundlage für den Nachweis zur Unbedenklichkeit und Wirksamkeit von Anthroposophika. Mittels informationstechnologisch gestützter Netzwerke wird Outcome- und Versorgungsforschung innerhalb der Anthroposophischen Medizin betrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der medizinischen Fakultät der Universität Witten-Herdecke wurde 2003 der Stiftungslehrstuhl für Medizintheorie und Komplementärmedizin unter &#039;&#039;Prof. Dr. Peter Matthiessen&#039;&#039; eingerichtet, zu dessen Aufgaben neben Forschung und Lehre auch die Implementierung eines Begleitstudienganges für Anthroposophische Medizin gehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Bern/Schweiz wurde bereits 1994 die „Kollegiale Instanz für Komplementärmedizin“ (KIKOM) eingerichtet und der Schweizer Arzt &#039;&#039;Dr. med. Peter Heusser&#039;&#039; mit der Dozentur für Anthroposophische Medizin beauftragt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Siehe unter: www.medsektion-goetheanum.org&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Helmut Kiene, &#039;&#039;Komplementäre Methodenlehre der klinischen Forschung: Cognition-based Medicine,&#039;&#039; Heidelberg – Berlin 2001.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Gunver S. Kienle/ Helmut Kiene, &#039;&#039;Mistel in der Onkologie: Fakten und konzeptionelle Grundlagen&#039;&#039;, Schattauer 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== AKTUALITÄT DER FORSCHUNGEN RUDOLF STEINERS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche von Rudolf Steiner vorausgesehenen Entwicklungen in der Medizin sind inzwischen Stand der Wissenschaft?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Von Steiner vorausgesehene medizinische Entwicklungen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Bezug auf die Medizin kann man feststellen, dass viele Aussagen in Bezug auf zukünftige medizinische Entwicklungen und Ergebnisse, die Rudolf Steiner vorausgesehen hat, mit denen er ganz selbstverständlich umging, wenn er über Medizin sprach, heute zum Allgemeingut der Wissenschaft gehören. Ich möchte im Folgenden zu jeder Ebene der menschlichen Konstitution Beispiele nennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Erbgut und Immunsystem – physische Ebene ====&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner sprach vor Heilpädagogen, Lehrern, Ärzten davon, dass das sich inkarnierende Kind selbst mit der Auswahl von Vater und Mutter und dem damit verbundenen Erbgut zu tun hat, und dass die sich inkarnierende Individualität selbst daran beteiligt ist, das Erbgut möglichst so zu mischen, wie es zu ihrem Inkarnationswillen passt. Er sagte auch, dass die sogenannten Kinderkrankheiten und fieberhaften Infekte, die während der ersten 8 – 9 Lebensjahre normalerweise gehäuft auftreten, der Individualität die Möglichkeit geben, den ererbten Leib sukzessive umzugestalten und an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genau diese Zusammenhänge wurden in den letzten Jahren im Rahmen der Epigenetik erforscht. Kein wissenschaftlich gebildeter Mensch glaubt mehr, dass das Erbgut ein geschlossenes System ist, das eine Marschroute vorgibt. Das Erbgut ist ein offenes System, das durch individuelle spirituelle Arbeit beeinflusst werden kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das führt heute zu völlig neuen Forschungsfragen auf dem Gebiet der &#039;&#039;„Mind-Body-Medicine“&#039;&#039;. Man erforscht dort die Wirkung von Medikation auf die neuronalen Verschaltungen, auf den Kreislauf usw. und merkt, dass die Medikation auch immunstimulierend wirkt, bzw. dass das Immunsystem dadurch verändert wird. Das Immunsystem wiederum ist das Schlüsselsystem, welches das Erbgut aktiviert und dafür sorgt, dass bestimmte Gene blockiert werden und nicht mehr funktionieren bzw. neue gezündet werden und anfangen zu funktionieren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir brauchen beide Ansätze, wenn wir eine wirklich humane menschliche Medizin schaffen wollen: Die Naturwissenschaft allein reicht nicht. Erst ergänzt um Erkenntnisse aus der Geisteswissenschaft wird Medizin wirklich menschengerecht. Denn es dauert viel zu lange, wenn erst jahrelang Nachweise von der Schädlichkeit einer Maßnahme erbracht werden müssen, bevor diese verboten wird, wie es der naturwissenschaftlichen Methodik entspricht. Dann kommt das Gute immer zu spät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Rudolf Steiners Forschungsmethode der Verifizierung&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Die Geisteswissenschaft macht methodisch das Umgekehrte. Sie macht aufgrund tiefer gehender Einblicke und Kenntnisse der menschlichen Konstitution Angaben über zu erwartende Ergebnisse einer Maßnahme. Man ist als Arzt und Therapeut immer frei, sich für das, was man für das Richtige hält, zu entscheiden. Das bedeutet, dass man für gut und richtig erkannte Maßnahmen und Methoden anwendet, auf diesem Wege verifiziert und anschließend dokumentiert, wie der Gedanke zum Tun und letztlich zu einem guten Ergebnis führte, wobei auftauchende Probleme reflektiert werden. Man erklärt z.B. genau, warum man eine Hypothese etwas modifizierte, um das gewünschte gute Ergebnis zu erzielen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das war die von Rudolf Steiner praktizierte Forschungsmethode: Aus profunder Menschenkenntnis und physiologischem Verständnis heraus eine Hypothese zu bilden und anschließend in der Praxis zu verifizieren, ob der hypothetisch angenommene Erfolg tatsächlich eintritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diesem Wege wurde in der anthroposophischen Medizin ein System für individuelle Einzelfalldokumentation auf hohem akademischem Niveau erarbeitet.[1] Es ist extrem viel Arbeit, diese Zusammenhänge so nachzuweisen, dass sie vor dem empirisch orientierten Denken der heutigen Zeit Bestand haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Rhythmusforschung – ätherische Ebene ====&lt;br /&gt;
Ein ähnlich begeisterndes Feld ist die Rhythmusforschung auf der ätherischen Ebene. Rudolf Steiner wurde nicht müde zu sagen: &#039;&#039;„Rhythmus trägt Leben“&#039;&#039;.[2] Beachtet und pflegt die Rhythmen – im meditativen Leben, in der Pädagogik, in der Medizin – und bedenkt, wann man was wie machen sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jedes Wesensglied hat seinen eigenen Rhythmus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039; folgt dem &#039;&#039;&#039;24-Stunden-Rhythmus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;Astralleib&#039;&#039; dem &#039;&#039;&#039;Wochenrhythmus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;Ätherleib&#039;&#039; dem &#039;&#039;&#039;Monatsrhythmus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;physische Leib&#039;&#039; dem &#039;&#039;&#039;Jahresrhythmus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir diese Rhythmen in unserem Lebensalltag beachten, verfügen wir über robuste Gesundheit – das ist heute alles durch die moderne Rhythmusforschung bestätigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Bindungs- und Beziehungsforschung – astrale Ebene ====&lt;br /&gt;
Auf seelischem Gebiet ist die Bindungs- und Beziehungsforschung angesiedelt. Heute ist klar nachgewiesen, was Rudolf Steiner immer wieder im paracelsischen Sinne betonte: dass die einzig wahre Arznei die Liebe ist. Was in der Arzt-Patienten-Beziehung als professionelle Liebe, als Hingabe an den Patienten wirkt, entspricht der Liebesqualität, die auch Lehrer- und Schülerseelen verbindet. Die Frage Steiners – &#039;&#039;„Kinder, habt ihr eure Lehrer lieb?“&#039;&#039; – war keine rhetorische Frage. Steiner scheute nicht davor zurück, ein Kind in die Parallelklasse zu schicken, wenn es seinen Lehrer nicht lieben konnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das findet in der heutigen Bindungsforschung seine Bestätigung: Eine Beziehung wirkt gesundend,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* wenn sie &#039;&#039;&#039;ehrlich&#039;&#039;&#039; ist, &lt;br /&gt;
* wenn sie von &#039;&#039;&#039;liebvollem Interesse für den anderen&#039;&#039;&#039; geprägt ist,&lt;br /&gt;
* wenn sie von &#039;&#039;&#039;Respekt vor der Autonomie des anderen&#039;&#039;&#039; getragen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind die drei christlichen Grundwerte – Wahrheit, Liebe, Freiheit – von denen wir in der Esoterik nicht müde werden zu sprechen. Alle esoterischen Übungen dienen der Entwicklung dieser Art von Menschlichkeit: dass es wahrhaftiger, liebvoller, freilassender, respektvoller wird im sozialen Miteinander. Dass das gegenseitige Verstehen gefördert wird, das Erwachen aneinander, das zum Verständnis führt. Nichts anderes wird helfen angesichts der Not und des Elends auf der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Traumatherapie – geistige Ebene ====&lt;br /&gt;
Auch auf geistigem Felde gibt es spannende Erkenntnisse. Es gibt heute sehr viele Verfahren, insbesondere auf dem Gebiet der Traumatherapie, die erkannt haben, dass ein schweres Trauma, ein schwerer Angriff auf Leib und Seele, nur als Initiation aufgefasst sinnstiftend verarbeitet werden kann. Es gibt keinen anderen Weg, der wirklich greift. Man kann gewisse Symptome zwar mit psychisch wirksamen Drogen dämpfen. Das ist aber keine Heilung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein schweres Trauma zu verarbeiten, ist ein langwieriger Prozess. Der erste Schritt besteht darin, das Trauma als Schwellenerlebnis in Bezug auf die geistige Welt zu erkennen. In der Folge gilt es dieses Erlebnis fruchtbar zu machen, indem man die Kräfte durchschauen lernt, die einen bedrücken und sie als luziferische und ahrimanische Gewalten unterscheiden lernt. Das gelingt erst vollends, wenn man auch die guten menschlichen Kräfte aufzufinden vermag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich möchte an dieser Stelle eine schlichte Herzmeditation vorlesen. In Rudolf Steiners Notizbuch stehen undatiert folgende Worte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich denke an mein Herz.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Es belebet mich.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Es erwärmet mich.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich vertraue fest auf das ewige Selbst,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;das in mir wirket,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;das mich trägt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Tragekraft an der Schwelle zu erkennen, ist für die eigene Identitätsfindung unerlässlich: dass man in sich die Instanz aufspürt, die angesichts der Vergänglichkeit und Zerbrechlichkeit des Leibes, unvergänglich und unzerbrechlich ist und einen über alle Abgründe des Lebens hinwegträgt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Initiationsweg ist für die anthroposophische Psychotherapie etwas Selbstverständliches. Wir können gar nicht über Entwicklung sprechen, wenn wir uns nicht auch mit all den Mühen auseinandersetzen, die der Entwicklung entgegenstehen. Deswegen fordert Rudolf Steiner in seinem Buch &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; im 1. Kapitel,[3] dass wir zwei Bücher studieren: Wenn wir das ernst nehmen, dürften wir gar nicht weiterlesen, ohne diese beiden Bücher studiert zu haben. Das eine ist &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der Höheren Welten?“,[4]&#039;&#039; das andere die &#039;&#039;„Geheimwissenschaft im Umriss“[5]&#039;&#039; – die Weltentwicklung und der Mensch. Ohne ein Wissen über die dort geschilderten Zusammenhänge und Entwicklungszyklen ist Anthroposophische Medizin nicht vollständig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man also bei uns in die Werkstatt blickt, sieht es sehr tätig und sehr optimistisch aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag auf der Welterziehertagung, Dornach 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Im „Freiburger Institut für angewandte Erkenntnistheorie und medizinische Methodologie“ wird derzeit an den praktischen Konsequenzen für ein neues Studiendesign gearbeitet, das sich auf hohem akademischem Niveau auf die individuelle Einzelfallanalyse stützt. Diese Methode wird in dem Werk von Helmut Keine beschrieben, &#039;&#039;Komplementäre Methodenlehre der klinischen Forschung: Cognition-based Medicine,&#039;&#039; Heidelberg – Berlin 2001.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://www.drhauschka.de/kosmos/werte/im-rhythmus/&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst.&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?&#039;&#039; GA 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Geheimwissenschaft im Umriss.&#039;&#039; GA 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== HEILSAMES ZUSAMMENSPIEL VON THERAPEUT UND PATIENT ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie geht man mit leidenden Patienten angemessen um?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie muss die eigene Seelenstimmung sein, dass sie den anderen da abholt, wo er ist?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielt der Patient bei seiner Heilung?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Professioneller Umgang mit dem Leiden anderer&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dem Leiden eines anderen Menschen in der richtigen Haltung zu begegnen, erfordert Fingerspitzengefühl und Professionalität. Wenn jemand z.B. deprimiert ist, helfen Sie ihm nicht, wenn Sie sagen: &#039;&#039;„Mir ging es auch schon einmal schlecht oder jetzt tun wir Ihnen hiermit etwas Gutes – Sie werden schon sehen, dass Sie sich dann wieder besser fühlen.“&#039;&#039; Ihm aus der eigenen Gesundheit heraus gut zuzureden ist laienhaft und wäre die falsche Herangehensweise. Das machen bereits die Nachbarn und Freunde – es wird endlos auf ihn eingeredet und am Ende geht es ihm nur noch schlechter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jemand, der deprimiert ist, muss dort abgeholt werden, wo er steht – das muss auch ein guter Psychotherapeut lernen. D.h. man muss den Betreffenden zunächst in seinem Leid bestätigen und Mitgefühl zeigen. Dann fühlt er sich ernst genommen und kann sich entspannen. Wenn jemand nicht reden will, wenn er nur ernst schaut, sollte man ruhig und sachlich mit ihm umgehen. Man darf schon ein feines Lächeln zeigen, aber kein provozierend aufmunterndes Verhalten an den Tag legen. Das wäre schon viel zu viel. Vor allem sollte man wach und präsent sein, sodass der andere spürt, man ist für ihn oder sie da. Das tut jedem gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Seele als Wahrnehmungsorgan für den anderen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner forderte in Bezug auf die Pflege – und eine therapeutische Anwendung ist auch eine pflegerische Maßnahme – dass die pflegenden Fachleute die Launen des Patienten studieren. Das bedeutet nun nicht, dass man sich über ihn erhebt und ihn nicht ernst nimmt, dass man sich als der große Analyst aufspielt und sein „schlechtes Benehmen“ verurteilt. Das ist alles nicht gemeint. Es geht vielmehr um ein hoch differenziertes, professionelles, seelisches Wahrnehmungsvermögen und um die Fähigkeit, sich so anzupassen an die Zustände eines anderen, dass man in der Lage ist, Seelenstimmung des Anderen in wahrzunehmen. Um das zu können, muss ich meine eigene Seele zum Wahrnehmungsorgan machen für den anderen – was ich nur kann, wenn ich die menschlichen Seelenzustände gut kenne. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der &#039;&#039;Theosophie&#039;&#039;[1], einem sehr empfehlenswerten Buch für Anfänger in der Anthroposophie, sagt Rudolf Steiner, man könne lernen, seine Sympathien und Antipathien zu einem Wahrnehmungsorgan umzubilden für die Seelenstimmungen eines anderen Menschen. Wenn mir also ein Verhalten unsympathisch ist und ich Antipathie empfinde, erfahre ich dadurch ganz objektiv etwas über mich &#039;&#039;und&#039;&#039; den anderen. Antipathie ist nicht zum Ärgern da – sie soll der Wahrnehmung und dem Erkennen dienen. Das Gleiche gilt für die Sympathie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entwicklungsgedanke macht Mut&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Als ich noch Medizinstudentin war, kurz vor meiner Promotion, machte ich ein Praktikum auf einer Rheumastation. Ich hatte dort mit einer älteren Frau zu tun, Mitte 60, um die ich mich als junge, unerfahrene Medizinerin enorm bemüht hatte, so wie man das als junger Mensch macht. Ich habe die Frau noch heute vor mir – denn die ersten Patienten vergisst man sein Leben lang nicht. Sie sagte plötzlich: &#039;&#039;„Ich weiß überhaupt nicht, warum Sie sich mit mir solche Mühe geben. Das lohnt sich doch alles gar nicht mehr.“&#039;&#039; Ich erschrak und wusste in dem Moment nicht, wie ich darauf reagieren sollte. Diesen Schreck hat sie natürlich auch wahrgenommen. Ich konnte nur sagen: &#039;&#039;„Sie machen mich sprachlos. Ich weiß nicht, was ich Ihnen antworten soll.“&#039;&#039; Nach einer Weile fielen mir ein paar wichtige anthroposophische Argumente ein: dass jeder Tag in der Entwicklung zählt und dass doch auch ein gesunder Mensch nicht weiß, ob er am nächsten Tag noch lebt oder einen Autounfall erleidet usw.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lebensmüdigkeit ist ein Zeichen dafür, dass jemand den Entwicklungsgedanken noch nicht kennenlernen durfte, dass ihm dieses kostbarste Geheimnis noch verschlossen ist. Dann sollte man sich Zeit nehmen, egal welches Alter der Betreffende hat, und ihm oder ihr den Entwicklungsgedanken nahebringen. Die schönsten Gelegenheiten dazu ergeben sich noch kurz vor dem Tod. Ein tiefes Verständnis für Entwicklung kann dazu beitragen, dass jemand mit dem festen Willen über die Schwelle geht, es im nächsten Leben von vornherein anders anzugehen, die Zeit für Entwicklung zu nützen, aus dem Wissen heraus, wozu sie dient und wohin die Reise geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ganzheitlicher Blick auf den Menschen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Therapeutische Anwendungen wirken völlig anders, wenn ein Patient aktiv mitarbeitet, wenn er das Gefühl hat, dass jeder Tag zählt und sich die Qualität seines restlichen Lebens dadurch verbessern kann und er in der Zeit, die ihm bleibt, vielleicht doch noch das eine oder andere tun, denken oder erleben kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn auch bei der sogenannten Physiotherapie, bei der es primär um den physischen Leib zu gehen scheint, darf man die anderen Ebenen und Aspekte nicht vergessen bzw. außer Acht lassen. Auch sie beeinflussen das Körpergeschehen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die Lebenskräfte &lt;br /&gt;
* die seelische Integrität&lt;br /&gt;
* die geistige Identität&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* das Entwicklungspotential&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wichtigste ist der letzte Aspekt: den Menschen als in Entwicklung begriffenes Wesen zu sehen, das an die Vergangenheit angeschlossen und auf die Zukunft hin ausgerichtet ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne das Wissen des Therapeuten um diese Ganzheit können Anwendungen nicht wirklich gut wirken. Andererseits können sie eine enorme Verstärkung erfahren, wenn der Therapeut die anthroposophische Seelenkunde kennt und auch die Bereitschaft aufbringt, sich selbst auf professionelle Weise seelisch und geistig weiterzuentwickeln. Dann wird sich der ganzheitliche Blick auf den Menschen dem Patienten atmosphärisch mitteilen und die Heilung begünstigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag anlässlich des Jubiläums des 100. Geburtstags von Werner Junge, Okt. 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Theosophie&#039;&#039;, GA 9.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE FÜNF EBENEN DES MENSCHSEINS IM MEDIZINISCHEN SYSTEM ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Ebenen des Menschseins gibt es?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welches medizinische System setzt auf welcher Ebene an?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verschiedene medizinische Systeme&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wir Menschen sind komplexe Wesen, die auf unterschiedlichen Ebenen angesprochen werden können. Jedes medizinische System setzt auf einer oder mehreren dieser Ebenen an. Im Folgenden möchte ich die einzelnen Systeme kurz umreißen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;&#039;Homöopathie&#039;&#039;&#039; ist eine alternativmedizinische Behandlungsmethode, die auf den ab 1796 veröffentlichten Vorstellungen des deutschen Arztes Samuel Hahnemann beruht. Die wichtigste Grundannahme ist das Ähnlichkeitsprinzip: &#039;&#039;„Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden“ (similia similibus curentur)&#039;&#039;. Danach solle ein homöopathisches Arzneimittel so ausgewählt werden, dass die Inhaltsstoffe der Grundsubstanz unverdünnt an Gesunden ähnliche Krankheitserscheinungen (Symptome) hervorrufen könnten wie die, an denen der Kranke leidet, wobei auch der „gemüthliche und geistige Charakter“ des Patienten berücksichtigt werden solle (vgl. wikipedia).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter &#039;&#039;&#039;Spagyrik&#039;&#039;&#039; (aus dem Griechischen spao „(heraus)ziehen, trennen“ und ageiro „vereinigen, zusammenführen“) werden verschiedene Heilsysteme zusammengefasst. Das therapeutische Ziel ist die positive Beeinflussung der „Lebenskraft“ und damit die Aktivierung der Selbstheilungskräfte. Grundlage bilden die antike Naturphilosophie (z.B. die „Elementenlehre“), die Signaturenlehre und die Humoralpathologie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit &#039;&#039;&#039;Psychosomatik&#039;&#039;&#039; wird in der Medizin die Betrachtungsweise und Lehre bezeichnet, in der die psychischen Fähigkeiten und Reaktionsweisen von Menschen in Gesundheit und Krankheit in ihrer Eigenart und Verflechtung mit körperlichen Vorgängen und sozialen Lebensbedingungen in Betracht gezogen werden. Ihre Erforschung und Umsetzung in der Krankenbehandlung erfolgt in der Psychosomatischen Medizin (vgl. wikipedia).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Psychotherapie&#039;&#039;&#039; wurde früher die Lehre von der Heilung der erkrankten Seele genannt, um sie von einer Psychologie als Lehre von der gesunden Seele und einer Psychiatrie als Lehre von der erkrankten Seele abzugrenzen. Heute wird die psychotherapeutische Behandlung bzw. Heilung im Zusammenhang mit Körper und Seele eines ganzheitlich gesehenen Menschen verstanden und erklärt. Davon zu unterscheiden ist die beratende Psychologie, die sich mit allgemeinen Problemen der Lebensführung befasst (vgl. wikipedia).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit &#039;&#039;&#039;Körpertherapie&#039;&#039;&#039; werden Behandlungsmethoden zur Verbesserung von Körperhaltung, Bewegungsabläufen sowie zur direkten oder indirekten Unterstützung von Körperfunktionen bezeichnet. Je nach Methode werden spezielle manuelle Techniken, Massagearten, Bäder bzw. Anleitungen zur Schulung von Haltungen und Bewegungen angewendet. Fast alle Körpertherapiemethoden betonen die Bedeutung psychosomatischer Wechselwirkungen und gehen davon aus, dass die Körpertherapie positive psychische Veränderungen bewirkt (vgl. wikipedia).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Integrativer Ansatz der Anthroposophischen Medizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin versucht alle gemeinsam in den Blick zu nehmen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Physische Eben&lt;br /&gt;
# Ätherische Ebene&lt;br /&gt;
# Astrale Ebene&lt;br /&gt;
# Identitäts-, Ich-Organisations-Ebene&lt;br /&gt;
# Geistige Orientierung, Weltanschauung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Physische Ebene und Medizin ====&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;Schulmedizin&#039;&#039; baut ganz auf der Erkenntnis des Physischen auf. Kliniken werden entsprechend zunehmend zu Technik-Zentren. Dass der Mensch sich dabei oft nicht menschlich behandelt fühlt, zeigt deutlich, dass das nicht genügt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ätherische Ebene und Medizin ====&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;Homöopathie&#039;&#039; und &#039;&#039;Spagyrik&#039;&#039; z.B. weiß man, dass alles Leben prozessual verläuft, dass alle Substanzen aus Prozessen hervorgehen und dass alle Wirksamkeit zeitabhängig ist, im Guten wie im Schlechten. Daraus ergeben sich viele weitere Therapieverfahren, die prozessorientiert sind, sich auch mit den Lebensgewohnheiten und -rhythmen befassen und mit dem Geheimnis von Entwicklung im therapeutischen Prozess arbeiten. Wenn man lernt sein Leben den Ätherkräften oder Lebenskräften gemäß zu gestalten, wird sich das gesundend auswirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Astrale Ebene und Medizin ====&lt;br /&gt;
Auf der Gefühlsebene geht es um unsere ungemein verwundbare Seele mit ihrer Gefühlswelt, deren Wirkung auf den Körper nicht unterschätzt werden darf. Hier setzen die &#039;&#039;Psychosomatik,&#039;&#039; alle &#039;&#039;Psychotherapieverfahren&#039;&#039; sowie auch diverse &#039;&#039;Körpertherapien&#039;&#039; an. Die Anthroposophische Medizin stellt sich die zentrale Frage:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie können wir einen Kranken, der leidet, so begleiten, dass er sich trotzdem als Teil einer wohlwollenden Schöpfung und damit als ein wichtiger Teil des Ganzen fühlt?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manchmal ist das Gefühlsleben so erstarrt und verkapselt, dass man es nicht mehr über Worte oder über ein Medikament erreichen kann. Wenn man so jemandem dann ein warmes Bad bereitet – wobei es auf genau die richtige Temperatur ankommt – und dieses Bad Düfte verströmt, die der Betreffende noch nie so richtig wahrgenommen hat, können der starke Wärmereiz, der Duft, die menschliche Nähe dazu führen, dass sich dieser Mensch im eigenen Körper wieder wohl und angenommen fühlt. Das ist nicht zu unterschätzen. Auch die Umgebung, in der das Bad stattfindet, ist entscheidend: Ob es dort nur öde, kalte Fliesen gibt oder ob die Wände angenehme Farben haben, ob dort ein Bild hängt usw. Man kann auch in der Sterbebegleitung Bäder miteinbeziehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Identität und Medizin ====&lt;br /&gt;
Das gilt auch für das Identitätserleben: Es hängt von der &#039;&#039;Art der Ansprache und Ausrichtung der Therapie&#039;&#039; auf die Bedürfnisse eines Patienten ab, ob er sich als Mensch, als Individualität, wahrgenommen fühlt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Weltanschauung und Medizin ====&lt;br /&gt;
Essentiell für die Gesundung ist aber auch eine &#039;&#039;geistige Ausrichtung bzw. Lebensanschauun&#039;&#039;g, die die Möglichkeit der Entwicklung impliziert. Viele Weltanschauungen heute sind so, dass sie von einem perfekten Selbstbild ausgehen, also von einem fertigen Ergebnis: Man will rasch mit der Ausbildung fertig sein, damit man mit möglichst wenig Aufwand viel Geld verdienen und daneben noch Spaß am Leben haben kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine menschengemäße Weltanschauung dagegen impliziert, dass man sich auf allen Ebenen, egal ob beruflich oder privat, nach demselben Entwicklungsziel ausrichtet. Die Arbeitszeit wird genauso als Entwicklungszeit gesehen wie die private Zeit: Alles ist Lebenszeit, ist Entwicklungszeit, bildet zusammen die eigene Biographie. Um das so sehen und wertschätzen zu können, braucht man eine entwicklungsorientierte Weltanschauung, die einem hilft, die unterschiedlichen Bereiche und Aspekte so zu verbinden, dass man jeden Augenblick zur Entwicklung nützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag anlässlich des Jubiläums des 100. Geburtstags von Werner Junge, Okt. 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FÜNF QUELLEN FÜR KRÄNKUNG UND HEILUNG ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen Zusammenhang gibt es zwischen kränkenden und heilenden Einflüssen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wie Kränkung und Heilung zusammenhängen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ich möchte als Ärztin den Zusammenhang zwischen heilenden, therapeutischen Impulsen und Krankheitsimpulsen erläutern – sie stammen beide aus denselben fünf Quellen, die uns unser Leben lang beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Quelle auf dem physischen Plan – Karma-Impuls ====&lt;br /&gt;
Dazu gehört alles, was uns Menschen auf dem physischen Plan begegnet und zustößt: Unendlich viel Kränkendes wirkt von Kind an von außen aus der Umwelt auf uns ein, nicht nur in ökologischer, sondern auch in beruflicher und privater Hinsicht, was oft besonders quälend ist. Das heißt, aus der uns umgebenden Umwelt treffen uns unser Leben lang zahlreiche negative Attacken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann jedoch durch eine bewusste Gestaltung der schicksalhaften äußeren Umstände, z.B. indem man gut überlegt, wie, wann und wo man sich auf Begegnungen einlässt, Kränkungen minimieren. Und man kann Kräfte im Inneren aufrufen, um mit solchen Kränkungen von außen besser zurechtzukommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Quelle auf dem ätherischen Plan – Gralsimpuls ====&lt;br /&gt;
Auf dieser Ebene können Gewohnheiten kränkend wirken sowie alles Hässliche, das uns über die Sinne und über unser Denken begegnet, alles, was mit Rhythmen zu tun hat, denen wir folgen oder nicht folgen. Dazu gehören auch unsere Charaktereigenschaften, denen wir mehr oder weniger ausgeliefert sind, mit denen wir mehr oder weniger ringen. Dazu gehört aber auch alles, was die Zeitgestalt unserer Biografie ausmacht: der Tagesablauf, die zeitliche Gestaltung der Woche, des Monats und des Jahres.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir unser Leben den Ätherkräften oder Lebenskräften gemäß gestalten lernen, wird sich das gesundend auf uns auswirken, dann kann aus dieser Quelle Gesundheit geschöpft werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Quelle auf dem astralen Plan – Sophia-Impuls ====&lt;br /&gt;
Hier sind seelische Beziehungen oft die Ursache für Kränkungen, besonders wenn sie sich auf der Gefühlsebene abspielen. Gefühle sind laut Rudolf Steiner Vorboten von Gesundungs- bzw. Kränkungstendenzen. Zu den Jungmedizinern[1] sagte er, der Arzt der Zukunft wäre in der Lage, den Gesundheitszustand seiner Patienten durch eine feine Beobachtung ihres Gefühlslebens zu diagnostizieren. Er würde ihre Gefühle anschauen und Gesundheits- und Krankheitsdispositionen benennen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Mensch weiß aus der Beobachtung seiner selbst und anderer, dass er krankheitsgefährdet ist, wenn er Mühe hat, seine Gefühle so auszubalancieren, wie er es normalerweise vermag. Wenn Kinder schlecht gelaunt sind, ist das für die Mutter meist ein deutliches Zeichen, dass sie etwas „ausbrüten“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Schwierige Gefühlskontrolle&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Wenn man anfängt sich zu schulen, z.B. indem man mit &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“&#039;&#039;[2] zu arbeiten beginnt, merkt man, wie ungehobelt und unerzogen das eigene Gefühlsleben noch ist. Mit dem Denken und dem Wollen zu arbeiten, ist relativ leicht. Das Gefühlsleben ist am schwersten zugänglich, weswegen bei den Nebenübungen die Gefühle erst an dritter Stelle genannt werden: Zuerst wird die Gedankenkontrolle geübt, dann die Willens- und Handlungskontrolle und erst als Drittes, Letztes, Schwierigstes im Seelenleben die Gefühlskontrolle. Man muss im Denken und Wollen quasi bereits Tritt gefasst haben, bevor man sich an diese sensible Mitte wagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Quelle auf der Ich-Ebene – Michael-Impuls ====&lt;br /&gt;
Mit der Ebene des Wortes sind wir beim Kern, beim Ich-Impuls, dem Michael-Impuls, angelangt. Man hat den Eindruck, diese Inspirationsquelle für Gesundheit und Krankheit war Rudolf Steiner besonders nahe. Sie betrifft ja die Ich-Ebene, auf der wir uns alle selbst am nächsten sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wirkt das Ich nun kränkend?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann es heilend wirken?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Paracelsus[3] nennt das Ich den „Indwendig-Arzt“. Für Albert Steffen[4] war offensichtlich: Das niedere Selbst kränkt, das Höhere Selbst heilt. So versuchte er auch in seinen Dramen das Niederste, aus dem heraus seine Figuren handelten und Verbrechen begingen, immer wieder in Zwiesprache zu bringen mit dem Hohen, dessen verzerrtes Abbild das Niedere ist, sodass die tiefe Selbstkränkung, wenn die niedere Natur siegt, durch das heilsame Einwirken des höheren Menschen ausgeglichen werden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Quelle auf dem menschheitlichen Plan – Christusimpuls ====&lt;br /&gt;
Die fünfte Quelle der Kränkung, die menschheitliche Situation im Sozialen, in der wir uns heute alle befinden, hat mit den rasanten Veränderungen der heutigen Zeit zu tun. Wenn man Menschen fragt, was sie am meisten kränkt oder womit sie am wenigsten zurechtkommen, sagen die meisten der durchschnittlichen und normal gesunden Menschen, dass sie an den immer schwerer zu durchschauenden menschheitlichen Krisen, Konflikten und Problemen der heutigen Zeit leiden. Das zu kompensieren, in alledem froh und lebensbejahend zu bleiben, sich angesichts dieser schwierigen Zeitverhältnisse aufrecht zu halten, macht dem Menschen heute viel mehr Mühe, als persönliche Probleme zu kompensieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese fünfte Krankheitsquelle kann nur durch eine menschheitlich weitblickende Perspektive zur Gesundheitsquelle verwandelt werden. Denn man läuft Gefahr am Augenblick zu verzweifeln, wenn man Krisen und Konflikte nicht in einem viel größeren Zusammenhang sehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag „Das Therapeutische in der Dichtung von Albert Steffen“ anlässlich der Steffen-Ausstellung am Goetheanum, Neujahr 2010&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Jungmedizinerkurs&#039;&#039;, GA 316.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?&#039;&#039;, GA 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Philippus Theophrastus Aureolus Bombastus von Hohenheim, getauft als Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, (* vermutlich 1493 in Egg, Kanton Schwyz; † 24. September 1541 in Salzburg) war ein Arzt, Alchemist, Astrologe, Mystiker, Laientheologe und Philosoph. Paracelsus hinterließ zahlreiche deutschsprachige Aufzeichnungen und Bücher medizinischen, astrologischen, philosophischen und theologischen Inhalts, die größtenteils erst nach seinem Tod gedruckt wurden. (wikipedia)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Albert Steffen (* 10. Dezember 1884 in Wynau; † 13. Juli 1963 in Dornach) war ein Schweizer Schriftsteller und Anthroposoph. Nach dem Tode Rudolf Steiners war Steffen ab 1925 dessen Nachfolger als Vorsitzender der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft. (wikipedia)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FÖRDERUNG VON PATIENTENKOMPETENZ ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist unter Patientenkompetenz zu verstehen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielt der Patient im Gesundheitssystem?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sind seine Möglichkeiten, ja Aufgaben in Bezug auf die nötigen Reformen des Gesundheitswesens?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Notwendige Demokratisierung des Gesundheitswesens&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Bereits 1920 hat Rudolf Steiner in einem seiner öffentlichen Vorträge die „Demokratisierung des Gesundheitswesens“ gefordert.[1] Ärzte, Apotheker, Hersteller und Verbraucher seien herausgefordert, gemeinsam und in Partnerschaft mit den Patienten bzw. Bürgern Mitverantwortung für die Gestaltung des Gesundheitswesens zu übernehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Zielsetzung fühlt sich die Anthroposophische Medizin bis heute verpflichtet. So werden der Gesundheitsaufklärung und Prävention, aber auch der Hilfestellung für eine vertretbare Selbstmedikation viel Aufmerksamkeit geschenkt.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinzu kommt ein großes Engagement für eine gesundheitsfördernde Erziehung und Umgebungsgestaltung einschließlich gesunder Ernährung und nachhaltiger biologischer und biologisch-dynamischer Landwirtschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Mündiger Patient als Regulator&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die inzwischen chronisch gewordene Diskussion um die Reform des Gesundheitswesens zeigt zudem deutlich, dass selbst die besten Ideen für eine Neustrukturierung des Gesundheitswesens zu keiner befriedigenden Kostenregulierung führen können, wenn sich nicht der mündige Patient mit als Regulator empfindet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gehört heute zur Patientenkompetenz, sich selbst auch Gedanken zur Gesundheitsvorsorge sowie zu bestimmten diagnostischen und therapeutischen Verfahren zu machen und letztlich zu bestimmen, was geschehen soll. Auch ist schon lange evident, in welch hohem Maß der Patient de facto für seine Gesundheit Verantwortung trägt. Spätestens anlässlich einer Operation wird ihm bewusst, dass der Arzt zwar über die damit verbundenen Risiken aufklärt und sein Bestes tut, er selbst jedoch mit den Risiken und Folgen zu leben hat und folglich Entscheidungsträger sein muss. Es ist keine Frage, dass medizinische Grundkenntnisse heute zur notwendigen Allgemeinbildung gehören und das menschliche Selbstverständnis in Gesundheit und Krankheit mit­prägen. Apotheker und Ärzte werden daher zunehmend in ihrer Lehr- und Berufskompetenz gefordert, um die erforderliche Hilfe zur Selbsthilfe leisten zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Artikel in der Deutschen Apothekerzeitung DAZ Nr. 39, 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Hygiene als soziale Frage, in: Physiologisch-Therapeutisches auf Grundlage der Geisteswissenschaft&#039;&#039;, GA 314. Dornach 1989, S. 221-261.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] M. Glöckler, B. Emde, &#039;&#039;Anthroposophische Medizin, in: Komplementärmedizin für die Kitteltasche. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation,&#039;&#039; Stuttgart 2009 und ders.: &#039;&#039;Anthroposophische Medizin, In: Komplementärmedizin für Kinder. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation&#039;&#039;, Stuttgart 2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ANTHROPOSOPHISCHE PSYCHOTHERAPIE ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist das Besondere an der anthroposophisch inspirierten Psychotherapie?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welches Licht wirft der Karma-Gedanke auf seelisch-geistige Probleme?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Lektüre zur anthroposophischen Psychotherapie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im Hinblick auf diese Schicksalsdramatik des Menschseins sind die &#039;&#039;Mysteriendramen[1]&#039;&#039; von Rudolf Steiner ein ganz zentrales Werk. Wenn mich Biografiearbeiter, Psychologen und Ärzte, die sich für Seelenkunde interessieren, fragen: &#039;&#039;„Wie kann man sich in das Gebiet des Seelischen aus Sicht der Anthroposophie einarbeiten?“,&#039;&#039; empfehle ich gerne die pädagogischen Vorträge von Rudolf Steiner über die drei Jahrsiebte,[2] aber auch das Studium von &#039;&#039;„Grundlegendes…“[3],&#039;&#039; begleitet von der Lektüre der Karmavorträge.[4] Diese Werke sind das Fundament einer vom Schicksalsgedanken inspirierten anthroposophischen Psychotherapie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich möchte im Folgenden in aller Kürze ein paar Gesetze nennen, wie sie uns Rudolf Steiner aus seiner Forschung mitgeteilt hat – zum Überprüfen, zum Umgang damit, zum Überlegen, ob sie hilfreich sind für Ihre Arbeit. Wir können diese Forschungsergebnisse z.B. auch als Arbeitshypothese nehmen bei unserem täglichen Tun. Wenn sie sich als fruchtbar erweisen, können Sie diesen Weg weiterverfolgen, wenn nicht, greifen Sie zu anderen Werkzeugen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Karmische Ursache für seelische Erkrankungen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Auf die Frage, worin die Ursache für seelische Erkrankungen läge, antwortete Rudolf Steiner in den &#039;&#039;„Offenbarungen des Karma“[5]&#039;&#039; und in der &#039;&#039;„Akasha-Chronik“[6]:&#039;&#039; &#039;&#039;„Die Ursache für seelische Erkrankungen liegt in einem mangelnden Interesse am anderen Menschen in einem früheren Erdenleben“&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier geht es nicht darum, durch welche Faktoren es zu diesem mangelnden Interesse kam, es ist rein phänomenal betrachtet, hat mit Schuld und Unschuld nichts zu tun. Fakt ist demnach: Ein Mensch, der in seinem Erdendasein kein warmes Interesse für andere Menschen entwickeln konnte – und sei es nur für &#039;&#039;einen&#039;&#039; Menschen – dem fehlt im nachtodlichen Leben, wenn das Menscheninnere, das Seelische, Außenwelt wird, die Orientierung. Er ist dann nicht in der Lage, sich an diesem neuen Äußeren so zu orientieren, dass er sich einen neuen Körper aufbauen kann, der beim Heranwachsen ein gesundes Seelenleben ermöglicht, wenn die Wesensgliederkräfte frei werden. Das möchte ich im Folgenden kurz näher erläutern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Wesensglieder und ihre leibgebundenen und leibfreien Kompetenzen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Zum&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Physischen Leib&#039;&#039; gehört unser physischer Körper, die Sinnesorgane und die daraus resultierende Gnade der Wahrnehmung.&lt;br /&gt;
* Zum &#039;&#039;&#039;Ätherleib&#039;&#039;&#039; gehören die unbewussten leibgebundenen Lebens- Wachstums- und Regenerationsprozesse und das leibfreie Denkvermögen.&lt;br /&gt;
* Zum &#039;&#039;&#039;Astralleib&#039;&#039;&#039; gehören die leiblichen Differenzierungsprozesse, die Bewegungskompetenz und das Fühlen als leibfreie seelisch regsame Kompetenz.&lt;br /&gt;
* Zur &#039;&#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;&#039; gehören die leiblichen Integrationsprozesse, die Erlangung der richtigen Proportionen beim körperlichen Wachstum und die leibfreie Fähigkeit in Ganzheiten zu denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kind gewinnt im &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;1. Jahrsiebt&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; mithilfe der &#039;&#039;ätherischen Wachstumskräfte&#039;&#039; bis zum Zahnwechsel an &#039;&#039;Größe&#039;&#039;. Die Kräfte, die ihre Arbeit getan haben, werden sukzessive leibfrei und stehen zunehmend dem DENKEN zur Verfügung. Das Freiwerden der ätherischen Kräfte aus dem Körper kulminiert in der &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Schulreife&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;. Dieser Höhepunkt wird auch &#039;&#039;&#039;Geburt des Ätherleibes&#039;&#039;&#039; genannt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;2. Jahrsiebt&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; reifen zusätzlich die &#039;&#039;seelischen Kompetenzen&#039;&#039; heran, indem die &#039;&#039;astralen Kräfte&#039;&#039; zuerst den &#039;&#039;Leib durchdifferenzieren&#039;&#039; und, wenn sie ihre Arbeit getan haben, sukzessive leibfrei werden und das FÜHLEN ermöglichen. Die Kulmination des Freiwerdens der astralen Kräfte aus dem Körper zur &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Geschlechtsreife&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; wird auch &#039;&#039;&#039;Geburt des Astralleibes&#039;&#039;&#039; genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;3. Jahrsiebt&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; reifen die &#039;&#039;geistigen Kompetenzen&#039;&#039; heran, indem die &#039;&#039;Integrations-Kräfte&#039;&#039; der Ich-Organisation den heranwachsenden Körper in eine &#039;&#039;stimmige Ganzheit&#039;&#039; verwandeln und anschließend als WOLLEN zur Verfügung stehen. Wenn der Jugendliche ausgewachsen ist, kulminiert dieser Prozess in der &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Mündigkeit&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; bzw. selbstverantwortlicher Handlungsfähigkeit und wird auch &#039;&#039;&#039;Geburt des Ich&#039;&#039;&#039; genannt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entsprechung von Lebensprozess und seelisch-geistiger Kompetenz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Alle leibfreien Kompetenzen sind verwandelte Lebenstätigkeit des Organismus: So wie wir dank der unbewussten Lebenskräfte die Nahrung zerkleinern und aufspalten (= analytisch) und anschließend zu menschlicher Substanz zusammensetzen (= synthetisch) – dieser Prozess wird Stoffwechsel genannt – so denken wir entsprechend mit den leibfrei gewordenen bewussten Ätherkräften auch analytisch und synthetisch. Das ist nur ein Beispiel für die Entsprechung von leibgebundener Lebenskraft und leibfreier Kompetenz im Denken, Fühlen und Wollen. Man kann sagen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Denken&#039;&#039;&#039; ist metamorphosierte &#039;&#039;leibfreie Wachstumskraft&#039;&#039; (Ätherleib).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Fühlen&#039;&#039;&#039; ist metamorphosierte &#039;&#039;leibfreie Astralität&#039;&#039; (Astralleib).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wollen&#039;&#039;&#039; ist leibfreie zur Verfügung stehende &#039;&#039;Ich-Tätigkeit&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem bisher Gesagten, wollte ich den innigen Zusammenhang zwischen leiblicher Konstitution und seelisch-geistiger Disposition deutlich machen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das heißt, es hängt von der Qualität der Organe und dem Ablauf der leiblichen Prozesse ab, ob die daraus hervorgegangenen seelischen Kräfte sich frei handhaben lassen oder ob sie den Menschen überfluten, attackieren und bezwingen – was sich dann als psychisches Störungsbild zeigen kann. Ist Letzteres der Fall, bedeutet das, dass die Ich-Kompetenz, die in das Erdeninstrument des Leibes hereinleuchten und sich ihm über die Ich-Organisation mitteilen möchte, sich an den Organen nicht richtig zu spiegeln vermag und sich auch nicht im Seelischen beheimaten kann, weil die aus dem Leib hervorgegangene Seelenkonfiguration es nicht oder nur eingeschränkt zulässt. Die Qualität des seelischen Erlebens hängt also immer auch von Art und Qualität der Leibbildung ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ringen mit Schwäche bringt zukünftige Stärke&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dazu ein Beispiel: Möglicherweise leidet man darunter, dass man seelisch nicht richtig in Beziehung kommen kann zu anderen Menschen. Man erlebt sich als in sich selbst gefangen – was laut Rudolf Steiner als karmische Ursache das fehlende Interesse an anderen hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesem großen Schmerz folgt jedoch im Nachtodlichen die große Befreiung, weil man so sehr mit den Beziehungen und mit sich selbst gerungen hat, dass man für die kommende Inkarnation ein besonders geeignetes Erdeninstrument bilden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit anderen Worten: Wenn wir interessiert und ehrlich miteinander umgehen, bauen wir damit gesunde Seelenkräfte für das nächste Leben auf. Unser Bemühen ist nicht nur für dieses Leben wichtig und gut und erleichtert uns das Leben und die Arbeit. Das Interesse an anderen Menschen und am sozialen Miteinander ist zugleich die Vorbereitung für eine besonders gesunde und starke Seele im nächsten Leben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag an der Jahreskonferenz der Med. Sekt. am Goetheanum zum Thema Anthroposophische Psychiatrie, Dornach 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Vier Mysteriendramen&#039;&#039;, 1910-13, GA 14.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft&#039;&#039;, in: &#039;&#039;Luzifer-Gnosis&#039;&#039;. GA 34. Dornach 1987.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Offenbarungen des Karma&#039;&#039;, GA 120.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Aus der Akasha-Chronik&#039;&#039;, GA 11.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FRAGEN ZUM THEMA ANTHROPOSOPHISCHE MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;FRAGE:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Wie ist es, wenn man in Asien über Anthroposophische Medizin spricht?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;ANTWORT:&#039;&#039;&#039; In Asien ist Spiritualität in der Medizin viel selbstverständlicher als in Europa.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu ein konkretes Beispiel: In Indien praktiziert man Ayurveda. Wenn man dort das Anthroposophische Menschenbild erklärt, erkennt man, dass es 1:1 dasselbe ist wie das Ayurvedische. Der einzige Unterschied besteht darin, dass das ayurvedische Menschenbild und Gesundheitsverständnis in Worten und Begriffen dargestellt sind, die es nicht erlauben, eine direkte Verständnisbrücke zur naturwissenschaftlichen Medizin zu bauen. Das aber kann die Terminologie der Anthroposophischen Medizin leisten. Daher interessieren sich die Kursteilnehmer für die Anthroposophische Medizin, weil sie dadurch ihr eigenes System besser verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ging es auch einer Freundin von mir – sie ist Inderin –, die durch die Anthroposophische Medizin ihre Hindu-Spiritualität neu entdeckte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir begleiten z.B. Kollegen, die Ayurveda-Ärzte bleiben wollen, indem wir sagen: Ihr könnt anthroposophischer Ayurveda-Arzt werden. Und so haben wir dort schon anthroposophische Homöopathen zertifiziert, anthroposophische Ayurveda-Ärzte sind in Ausbildung und Schulmediziner können „normale“ anthroposophische Ärzte werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;FRAGE:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Mich interessiert, wie man die Anthroposophie, die ja stark mit dem Christentum zusammenhängt, mit anderen Religionen verbinden kann.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;ANTWORT:&#039;&#039;&#039; Das Wesentliche am Christentum ist das rein Menschliche, von dem man in jeder Kultur sprechen kann. Für den Buddhistischen Kulturkreis wird es von Buddha verkörpert, der im Herzen und in der Aura lebt, in der Gerechtigkeit, in der Wahrheit, in der Liebe, in all den Werten, deren Pflege Menschlichkeit fördern. Nur ein Wert findet sich bevorzugt und eigentlich nur im Christentum und wird dort konsequent berücksichtigt: Wert und Würde der menschlichen Freiheit, so wie sie bei Johannes im 8. Kap. veranlagt ist: &#039;&#039;„Ihr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen“&#039;&#039;.[1] Da der Christus aber von sich selber sagt: &#039;&#039;„Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“&#039;&#039;, ist klar, dass er nicht die Freiheit verkörpert, aber uns zu freien Wesen machen möchte, zu seinen Freunden – &#039;&#039;„denn ein Knecht weiß nicht, was sein Herr tut“.&#039;&#039;&#039;[2]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Da die Anthroposophie auf dem Weg der „Philosophie der Freiheit“[3] von Steiner beruht, geht es bei allem um diesen zentralen christlichen Wert, auch wenn man den Namen des Christus nur nennt, wenn es passt oder gefragt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;FRAGE:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Sie hatten von dem Paradigmenwechsel vom pathogenetischen Krankheitsbild zum integrativ-salutogenetischen gesprochen und gemeint, dass das gut machbar wäre. Ich wollte Sie bitten, noch näher darauf einzugehen, weil wir uns auch im Rahmen des Studiums sehr viele Gedanken dazu machen und uns fragen, wie es gerade in der konkreten Umsetzung in einem normalen Krankenhaus möglich wäre, so einen Paradigmenwechsel vorzuleben&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;ANTWORT:&#039;&#039;&#039; Das ist in der Praxis zugegebenermaßen sehr schwer. Deswegen braucht es Netzwerke von vielen Medizinern, die sich gegenseitig immer wieder motivieren, Mut zusprechen, Tricks verraten, was man tatsächlich machen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meiner Erfahrung nach gibt es zwei Felder, bei denen man unmittelbar ansetzen kann, auch im kommunalen Krankenhaus: Man kann präventiv-medizinisch beraten, bei der Erziehung und Selbsterziehung ansetzen. -  Wir Ärzte müssen uns schon deshalb intensiv mit Pädagogik auseinandersetzen, weil fast alle Eltern Fragen zu diesem Thema haben. Da kann man viel tun. Dazu gehören auch Selbsterziehung und Meditation und alle Themen, die innere Entwicklungsarbeit betreffen. Auch hier kann man sofort ansetzen. Beides wirkt bereits in hohem Maße salutogenetisch und hilft, ein anderes Verständnis von Krankheit und Gesundheit zu bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem kann man schulmedizinische Präparate viel sorgfältiger indizieren als üblich – das Einverständnis des Patienten vorausgesetzt. Nicht aus Sicherheitsgründen bei jeder Krankheit „Gürtel und Hosenträger“ zum Einsatz bringen, bildlich gesprochen. Auch erlebe ich, dass in der Onkologie gerade Krebspatienten fragen: Gibt es nicht noch etwas anderes? Dann kann man von den Mistelpräparaten erzählen, auch im öffentlichen Krankenhaus. Wenn Patienten fragen, sollte man ehrlich antworten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner sprach von der Demokratisierung des Gesundheitswesens.[4] Patienten, Leistungserbringer, Krankenversicherungen, Kommunalpolitiker – sie gehören an einen Tisch und sollten auf Augenhöhe beraten, wie ein gerechtes Gesundheitswesen aussehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Schweiz, in der es eine Basis-Demokratie gibt, haben wir es nur durch Volksabstimmung geschafft, die Komplementärmedizin in die Bundesverfassung aufzunehmen. TCM (trad. Chinesische Med.), Homöopathie, Phytomedizin und Anthroposophische Medizin müssen von den Kassen über die Grundversicherung erstattet werden, weil diese Verfahren jetzt Bestandteil der Bundesverfassung sind, also praktisch Grundgesetz. Auch in Deutschland könnte es eine solche Volksbewegung geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir das schaffen würden, auf einem ähnlichen Wege eine demokratische Gesundheitsbewegung auf die Beine zu stellen, die verlangt, dass das Grundgesetz uns die freie Therapiewahl garantiert, dass man Ärzte und medizinische Verfahren selbst wählen darf und die Krankenkassen das bis zu einem gewissen Grad erstatten müssen, wären wir einen Riesenschritt weiter. Ohne den gegenseitigen Ansporn einer guten Vernetzung wird es aber nicht gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe kürzlich bei einer Tagung zur Organtransplantation Pim van Lommel getroffen. Er hielt einen schönen Vortrag über außerkörperliche Erfahrungen seiner kardiologischen Patienten, über das „ewige Bewusstsein“. Am Ende forderte er auch den Paradigmenwechsel, Spiritualität als Realität anzuerkennen, weil die außerkörperliche Erfahrung wahr ist und in die Medizin integriert werden muss. Ich fragte ihn, wie er sich das vorstellt. Er sagte, er erwarte nichts mehr von der Wissenschaft, sondern alles von der Zivilgesellschaft. Dort wäre noch gesunder Menschenverstand vorhanden. Die Wissenschaft sei „eingekauft“ und viel zu fremdbestimmt durch Gelder aus der Wirtschaft, von denen sie abhängig ist. Von der Seite könne man den Paradigmenwechsel nicht erwarten. Solange man viel Geld verdient mit der Krankheit, wird man nicht freiwillig einen Paradigmenwechsel anstreben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;FRAGE:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Ich fand sehr interessant, dass das Menschenbild in der Anthroposophischen Medizin sich auch vergleichen lässt mit dem Menschenbild anderer Ausrichtungen. Sie sprachen von einer transzendenten Ebene im Körper, die nach dem Tode den Körper verlässt. Gibt es dazu ein Konzept in der AM, das besagt, was mit dieser Ebene nach dem Tode passiert?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;ANTWORT:&#039;&#039;&#039; Ich schreibe einige Werke von Rudolf Steiner dazu auf: GA ist die Abkürzung für das Wort Gesamtausgabe, die 358 Bände umfasst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GA 27 ist das Grundlagenwerk für die Medizin,[5] in dem das neue Gesundheits-Paradigma beschrieben wird. Dort wird auch charakterisiert, wie es zu dem „ewigen Bewusstsein“ kommt und wie es funktioniert: Wir denken mit der Lebenstätigkeit – den ätherischen Kräften, die unser Körper nicht (mehr) für Wachstum und Regeneration braucht. Warum ist Beten, Spiritualität gesund? Weil es die Lebenskräfte sind, die wir dabei betätigen – was natürlich gesundend zurückwirkt auf den Körper. Körperleben und Gedankenleben (Geistesleben) sind nicht getrennt. Beim Altern nimmt das Geistesleben zu und das Körperleben ab, das unterscheidet sie, aber sie bleiben bis zum Tod immer verbunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Studium des Nachtodlichen würde ich euch raten, folgende Werke zu studieren: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
·      &#039;&#039;„Inneres Wesen des Menschen und Leben zwischen Tod und neuer Geburt“,&#039;&#039; GA 153.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
·      Dann gibt es noch einen sehr schönen Zyklus: &#039;&#039;„Der Tod als Lebenswandlung“,&#039;&#039; GA 182,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
·      und auch &#039;&#039;„Das Leben zwischen dem Tode und der neuen Geburt im Verhältnis zu den kosmischen Tatsachen“&#039;&#039;, GA 141.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
·      Mein Lieblingsbuch ist GA 10, &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten“&#039;&#039;, das Schulungsbuch für die Selbstentwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn das habe ich bemerkt: Wenn man keine echte Freude an der Selbstentwicklung hat, ist man auch nicht wirklich motiviert, andere in ihrer Entwicklung zu unterstützen. Man muss Experte werden in Sachen Entwicklung. Dazu gehört auch das Thema Unvollkommenheit, Spaß am Lernen – und nicht zu meinen, man dürfe keine Fehler machen. Durch meine kinder- und schulärztliche Tätigkeit bin ich zum Fehler-Apostel geworden. Jeder muss seine Fehler machen dürfen, weil man nur so authentisch wird. Angesichts von Fehlern sollten wir uns gegenseitig auf die Lektion hinweisen, die dadurch gelernt werden kann. Nur so können wir ein ungestörtes Verhältnis zu Fehlern entwickeln. Dieses Buch ist dabei eine große Hilfe. Es beschreibt die Entwicklung von Alpha zu Omega. Auch wenn Patienten weiterentwickelt sind als wir und Fragen bezüglich des inneren Weges haben, hilft es den Weg als Ganzes zu kennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur Anthroposophischen Medizin, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] &#039;&#039;Neues Testament, Johannes&#039;&#039; 8, 32.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ebenda, 15, 15.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Philosophie der Freiheit,&#039;&#039; GA 4, Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1995.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Hygiene als soziale Frage. In: Physiologisch-Therapeutisches auf Grundlage der Geisteswissenschaft.&#039;&#039; GA 314. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1989, S. 221 - 261.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner/Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen&#039;&#039;, GA 27 (1991).&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Offenborn</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Anthroposophische_Medizin&amp;diff=1256</id>
		<title>Anthroposophische Medizin</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Anthroposophische_Medizin&amp;diff=1256"/>
		<updated>2026-01-10T15:57:57Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Offenborn: /* ·  Astralleib – gasförmig, luftig */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= Anthroposophische Medizin – von Michaela Glöckler =&lt;br /&gt;
Auszüge aus Büchern und Vorträgen von [[Michaela Glöckler]]; Erstveröffentlichung auf https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== HUMANMEDIZIN DER ZUKUNFT ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was war Rudolf Steiners Vision einer Humanmedizin der Zukunft?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Herausforderungen müssen zu ihrer Verwirklichung gemeistert werden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Berücksichtigung der Individualität und Würde&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiners letztes Werk gibt einen umfassenden Ausblick auf eine Humanmedizin der Zukunft, in der sich die Erkenntnisse der naturwissenschaftlich-empirischen Forschung mit denen der anthroposophischen Geistesforschung zur Heilkunst verbinden können. Wäre der Mensch eine Maschine, so ließen sich Körper, Seele und Geist reparieren und steuern, sobald der Mechanismus durchschaut ist. Auch wenn dieses Paradigma immer noch hoch im Kurs steht: Die tägliche Erfahrung zeigt, dass dem nicht so ist. Jedes Individuum, jede menschliche Biografie ist einmalig und bedarf der individuellen (Selbst-)Erkenntnis, Pflege und Gestaltung. Nicht umsonst gibt es den schönen Begriff der Lebenskunst dafür, wenn diese individuellen Gestaltungsprozesse graduell gelingen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wird das Menschenbild auf die rein naturwissenschaftliche Ebene reduziert und Seele und Geist – hypothetisch – zu Ergebnissen von molekulargenetisch und biochemisch steuerbaren Prozessen gemacht, verliert der Begriff menschlicher Würde seinen Inhalt. Denn Wert und Inhalt erhält dieser Begriff durch die Möglichkeit der Entwicklung von Freiheit, Selbstverantwortung und einer Kultur des Gewissens, wie sie der Frühromantiker &#039;&#039;Novalis&#039;&#039; im zweiten Teil seines &#039;&#039;„Heinrich von Ofterdingen&#039;&#039;“ so prägnant beschrieben hat und wie sie auch der Anthroposophie zugrunde liegt.[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine solche Kultur lässt sich nicht von außen steuern, wohl aber kann sie sich entwickeln, wenn dies von vielen einzelnen Menschen individuell eingesehen und gewollt wird – wenngleich sie heute noch vielfach als „Torheit“ angesehen wird. Rudolf Steiner sagte dazu: &#039;&#039;„Aber was oft die Vernunft der kommenden Zeiten ist, das ist für die vorhergehenden Torheit.“[2]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verbindung von Materialismus und Spiritualität&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
So ging es Steiner auch dezidiert nicht um ein Entweder-Oder bezüglich Materialismus und Spiritualität, sondern um ein wirklichkeitsgemäßes Sowohl-als-auch:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Der Materialismus ist die Weltanschauung, die den Menschen betrachtet, insofern er hervorgegangen ist aus den Substanzen und Kräften dieser Erde. Und wenn auch mancher betont, der Mensch bestehe nicht bloß aus den Substanzen und Kräften dieser Erde, so haben wir doch keine Wissenschaft, die sich mit dem am Menschen beschäftigt, was nicht aus den Substanzen und Kräften dieser Erde kommt. Deshalb ist heute die Behauptung von vielen, die es von ihrem Standpunkt aus gut meinen, daß irgendwie das Ewige in dem Menschen dennoch verstanden werden könne, eine nicht ganz ehrliche. […] Und viele, die heute den Materialismus widerlegen wollen, wissen eigentlich nicht, was sie tun; denn sie ahnen nicht, welche ungeheure Bedeutung die Detailkenntnisse haben, die der Materialismus gebracht hat. Und sie ahnen nicht, was für eine Konsequenz für das Ganze der Menschenerkenntnis der Materialismus gebracht hat“.[3]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Es ist die Tragik des Materialismus, daß er nichts von der Materie weiß, wie sie in Wirklichkeit in den verschiedenen Gebieten des Daseins wirkt. [. . .] Er weiß gar nichts über die Wirkung der Materie, weil man darüber erst etwas erfährt, wenn man die in der Materie wirksame Geistigkeit, die die Kräfte darstellen, ins Auge fassen kann.[4]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von dieser &#039;&#039;„in der Materie wirksamen Geistigkeit“&#039;&#039; ist in &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst[5]&#039;&#039; die Rede – so wie sie aus Sicht der Anthroposophie im Weltall, der Natur und im Menschen anzutreffen ist. Diese ‚Kräfte‘ und ihre Gesetzmäßigkeiten ebenso zu studieren wie die Naturgesetze, ist und bleibt lebenslang Aufgabe und Herausforderung für jeden anthroposophischen Arzt. Das Ziel dieses Weges – der sich gesund entwickelnde Mensch – ist dabei ein inspirierendes Ideal für Forschung, Entwicklung und tägliche Arbeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[6]&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Zu Novalis siehe auch Kap. V sowie GA 59, 236–268 und Glöckler (2023c).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen&#039;&#039;, Kapitel 12, GA 27, Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1991, Seite 46.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Der übersinnliche Mensch, anthroposophisch erfasst&#039;&#039;, GA 231, 58f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Anthroposophie — Eine Zusammenfassung nach einundzwanzig Jahren. Zugleich eine Anleitung zu ihrer Vertretung vor der Welt&#039;&#039;, GA 234, 86.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen&#039;&#039;, Kapitel 12, GA 27, Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ITA WEGMAN UND DIE ENTWICKLUNG DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kam es zur Begründung der Anthroposophischen Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie entwickelte sich die Zusammenarbeit von Ita Wegmann und Rudolf Steiner?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Schicksalhafte Zusammenarbeit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin verdanken wir der Zusammenarbeit von Rudolf Steiner und &#039;&#039;Ita Wegman&#039;&#039;. Wegman bekam von Rudolf Steiner den Anstoß, nach ihrer Ausbildung in Schwedischer Massage auch noch Medizin zu studieren. Dafür musste sie jedoch das Abitur nachholen, was für die bereits Siebenundzwanzigjährige eine große Herausforderung war. In der Zeit der Prüfungsvorbereitung schrieb sie Rudolf Steiner einen bewegenden Brief, ob er nicht etwas wüsste, das ihr helfen würde, sich besser zu konzentrieren. Leider ist uns die Antwort nicht bekannt. Jedenfalls ging alles gut, und sie begann auf Anraten &#039;&#039;Marie Steiners&#039;&#039; ihr Studium in Zürich. Deren Begründung für die Ortswahl war: &#039;&#039;„Unsere ganze Bewegung kommt ja doch einmal in die Schweiz.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu diesem Zeitpunkt war jedoch noch keine Rede davon – die Zentren der anthroposophischen Arbeit waren München und Berlin. So vollzog sich die Verbindung von anthroposophischer Geisteswissenschaft und materialistischer Schulmedizin, die bis heute für die Weiterbildung zum Anthroposophischen Arzt unerlässlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1907, bei der Spaltung der theosophischen Gesellschaft, stellte sich Ita Wegman klar auf die Seite Rudolf Steiners und der Anthroposophie. Das war nicht selbstverständlich. Denn seit ihrem 18. Lebensjahr hatte sie sich dem Gedankengut der Theosophie gewidmet als Mitglied der Theosophischen Gesellschaft. Doch nach dem schicksalhaften Zusammentreffen mit Rudolf Steiner in Berlin war sie seine persönliche Schülerin geworden.[1] Ita Wegman engagierte sich dann mit anderen dafür, dass Rudolf Steiner oft in die Schweiz kam, um Vorträge zu halten. Wenn sie zu viel reiste, um auch in anderen Städten und in Deutschland seine Vorträge hören zu können – sie war auch 1911 in Prag bei dem Vortragszyklus über die okkulte Physiologie – ermahnte Rudolf Steiner sie, dass sie auch studieren müsste, um ihr Medizinstudium abzuschließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fruchtbare Konsequenzen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wegman war quasi der Prototyp eines anthroposophischen Arztes: nicht primär der Homöopathie oder einer spirituell-komplementärmedizinischen Richtung verbunden, sondern akademisch ausgebildet an einer renommierten Universität. Ihre fachärztliche Weiterbildung zur Gynäkologin absolvierte sie am Spital Liestal ganz in der Nähe von Dornach&#039;&#039;&#039;.&#039;&#039;&#039; Anschließend ließ sie sich in Basel als Allgemeinärztin nieder. 1921 entschloss sie sich, ein klinisch-therapeutisches Institut in Arlesheim zu eröffnen. Zu ihrer großen Freude sagte Rudolf Steiner zu, dort mit ihr zusammenzuarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist Ita Wegman eng mit der Geschichte der anthroposophisch-medizinischen Bewegung verbunden: Die Zusammenarbeit mit Rudolf Steiner reichte von der Beratung beim Abitur und beim Studium über die parallelen Studien der Mainstream-Medizin und der Anthroposophie bis hin zur Begründung der ersten Klinik und der gemeinsamen Behandlung vieler Patienten, wovon hunderte dokumentierter Krankengeschichten zeugen. Zuletzt, in seiner Krankheitszeit vor seinem Tode, begleitete sie Rudolf Steiner zusammen mit Ludwig Noll als seine Ärztin. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Krönung dieser Zusammenarbeit war jedoch die im Herbst 1923 begonnene Arbeit an dem ‚Medizinischen Buch’, das nach dem Tode Rudolf Steiners unter dem Titel &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[2]&#039;&#039; herauskam und dessen 18. Kapitel der Heileurythmie gewidmet ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Parzifal-Frage als entscheidender Impuls&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ita Wegman war es auch, die Rudolf Steiner im Sommer 1923 die für die gesamte anthroposophische Bewegung entscheidende Frage nach der Erneuerung der Mysterien gestellt hatte. Als dieser nach dem Brand des ersten Goetheanum und dem Versagen der Anthroposophischen Gesellschaft mit der Frage lebte, ob er einen Orden gründen und sich aus der Anthroposophischen Gesellschaft zurückziehen sollte, sagte sie zu ihm: &#039;&#039;„Aber Herr Doktor, Sie können doch die Gesellschaft nicht alleine lassen!“&#039;&#039; Im Sommer 1923 dann, in England, wurde ihr das zentrale Anliegen ihres Lebens bewusst, welches sie Rudolf Steiner gegenüber etwa so formulierte: &#039;&#039;„Ich möchte gerne eine Medizin haben, wie es sie zu den Zeiten der alten Mysterien gab – nur in christlicher Form.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Bernard Lievegoed&#039;&#039; hat wiederholt erzählt, wie Rudolf Steiner zu &#039;&#039;Zeylmans van Emmichhofen&#039;&#039; gesagt hätte, dass diese Frage Ita Wegmans für ihn „die Parzival-Frage“ gewesen wäre, die ihn veranlasst hätte, die Weihnachtstagung von 1923/24 zur Neubegründung der Anthroposophischen Gesellschaft abzuhalten. Ohne diese Frage wären die Neubegründung der Gesellschaft und die öffentliche Begründung der Hochschule für Geisteswissenschaft durch Rudolf Steiner gar nicht möglich gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Vom Wesen der Heileurythmie als Herzorgan der Anthroposophischen Medizin“,  1. Weltkonferenz für Heileurythmie am Goetheanum, 30. Mai 2008&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Peter Selg hat in seinem Buch zum Münchner Kongress 1907 dieses Schicksalsmoment neu dokumentiert und zugänglich gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ENTWICKLUNG UND DERZEITIGER STAND DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie hat sich die anthroposophische Medizin seit ihrer Entstehung entwickelt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;In welchen philosophischen und ethischen Prinzipien hat sie ihre Wurzeln?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Historische Entwicklung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von dem österreichischen Philosophen &#039;&#039;Dr. Rudolf Steiner&#039;&#039; (1861-1925) und der Ärztin &#039;&#039;Dr. med. Ita Wegman&#039;&#039; (1876-1943) in Zusammenarbeit mit weiteren Ärzten entwickelt. Die Grundlagen dieser Medizin wurden 1920-1924 im Rahmen von Kursen vermittelt, die Steiner auf Einladung von Ärzten und Medizinstudenten hielt, die nach einem Menschenbild suchten, das sich sowohl auf die Naturwissenschaft als auch auf die anthroposophische Geisteswissenschaft beruft. Ihr Anliegen war von vornherein nicht alternativ-medizinisch, sondern integrativ, d.h. es orientierte sich an der Wirklichkeit des Menschen selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inzwischen gibt es die Anthroposophische Medizin in über 80 Ländern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Europa sind einige größere Akutkliniken entstanden. Hinzu kommen Sanatorien, Reha-Einrichtungen und zahlreiche Arztpraxen aus nahezu allen Fachrichtungen sowie weltweit über 400 Institutionen für Menschen mit Behinderungen. In den letzten dreißig Jahren kamen neu Einrichtungen für die Altenpflege und die Suchtbehandlung dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophische Ärzte arbeiten auch in Kooperation mit Pädagogen als Schulärzte sowie in der medizinischen Forschung und in der Arzneimittelherstellung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ambulanten Bereich haben sich aus der interdisziplinären Zusammenarbeit von Ärzten, Krankenschwestern, Kunsttherapeuten, Physiotherapeuten u.a. vielerorts so genannte „Therapeutika&amp;quot; entwickelt, d.h. ein neuer Typ von Gemeinschaftspraxen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Erkenntnistheoretische Wurzeln&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Erkenntnistheoretisch und ethisch wurzelt die Anthroposophie in der Philosophie und Kunstauffassung des deutschen Idealismus, wie sie insbesondere von &#039;&#039;Goethe&#039;&#039; (1749-1832), &#039;&#039;Schiller&#039;&#039; (1759-1805), &#039;&#039;J. G. Fichte&#039;&#039; (1762-1814), &#039;&#039;Novalis&#039;&#039; (1772-1801) und &#039;&#039;Schelling&#039;&#039; (1775-1854) vertreten wurden. So trägt Steiners erkenntnistheoretisches Frühwerk (1884) den Titel: &#039;&#039;„Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung“.[1]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Suche nach einer im Geist gegründeten Anschauung vom Menschen, die sich selber stützen kann im Erarbeiten einer inneren und äußeren Evidenz, sowie der Wille zu Entwicklung von Autonomie und Verantwortung prägen die ethische Grundhaltung anthroposophischer Ärzte und Therapeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Weiterbildung zum anthroposophischen Arzt ist durch eine international vereinbarte Zertifizierung geregelt. Der anthroposophische Arzt hat die Verpflichtung, die Ergebnisse aus Steiners Geistesforschung selbständig nachzuvollziehen und anhand der eigenen Lebens- und Berufserfahrung zu überprüfen und weiterzuentwickeln. Werden Mitteilungen Steiners unreflektiert übernommen, besteht die Gefahr der Ideologisierung und Dogmatisierung, was der Anthroposophischen Medizin schadet bzw. ihrer Entwicklung im Wege steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Haltung der Mitverantwortung fördern&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Heinrich Schipperges&#039;&#039; führt in seinem Buch &#039;&#039;„Moderne Medizin im Spiegel der Geschichte“[2]&#039;&#039; aus, dass die gegenwärtige Medizin nach einer Phase des unaufhörlichen Fortschritts und trotz aller großartigen Leistungen zunehmend in eine bedrohliche Krise geraten ist. Genau genommen ist diese Krise jedoch die medizinische Spielart der Menschheitskrisen von heute: ökologische Katastrophen, Armut, Hunger, Genozid, Bildungsnotstand, Energiekrise u.a. Diesen Krisen ist gemeinsam, dass ihre Ursache in einem Menschen- und Naturverständnis liegt, das keinen inneren geistigen Zusammenhang zu den Naturerscheinungen und dem Menschen herstellt. Wird dieser Zusammenhang bewusst erlebt, führt er zu einem starken Gefühl der Solidarität mit dem gesamten Evolutionszusammenhang von Erde, Natur und Mensch. Diese mitfühlende Verantwortlichkeit für alles Lebendige möchte die Anthroposophische Medizin fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung,&#039;&#039; GA 2.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Heinrich Schipperges, &#039;&#039;Moderne Medizin im Spiegel der Geschichte,&#039;&#039; Stuttgart 1970.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== WARUM ANTHROPOSOPHIE IN DER MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wozu braucht es Anthroposophie?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern handelt es sich bei der Anthroposophischen Medizin um eine „Weltanschauungsmedizin“?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sind die grundlegenden Aspekte der Anthroposophischen Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Medizin als Ausdruck einer bestimmten Sicht auf Mensch, Natur und Umwelt&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophie (Anthropos = Mensch, Sophia = Weisheit, Wissenschaft) gilt bis heute als nicht leicht zugänglich. Auch wenn viele anthroposophische Initiativen auf den Gebieten der Heilpädagogik und Pädagogik, der Landwirtschaft und Medizin bekannt sind, bleibt das, was als integratives Welt- und Menschenbild der Anthroposophie dahintersteht, meist vage. Man weiß nicht so recht, ob es sich dabei um eine Philosophie handelt, eine Art Religion oder um eine diffizile oder auch „eklektische“ Weltanschauung. Man fragt angesichts der Vielfalt anthroposophischer Einrichtungen und Initiativen auch, ob der anthroposophische „Überbau“ dafür überhaupt nötig sei, ob man ähnlich Gutes nicht auch ohne diesen leisten könne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jedes medizinische System ist Ausdruck einer bestimmten Sicht auf Mensch, Natur und Umwelt und insofern eine „Weltanschauung“. Das gilt auch für den naturwissenschaftlichen Materialismus, für Idealismus, Realismus und andere philosophische oder geistige Orientierungen. Wer glaubt, keine Weltanschauung zu haben, hat seinen eigenen Standpunkt und, was diesen stützt, noch nicht reflektiert &#039;&#039;–&#039;&#039; was eines der Haupthindernisse ist, die „Normalität“ der Anthroposophischen Medizin anzuerkennen. Eine individuell erarbeitete Weltanschauung wie die Anthroposophie ist jedoch klar abzugrenzen von der familiären oder traditionellen Zugehörigkeit zu einer Glaubensgemeinschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Anthroposophie als Verständnishilfe&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Jedem ganzheitlichen medizinischen System – ob nun traditionell chinesische, ayurvedische oder homöopathische Medizin – liegt ein spirituelles Menschen- und Weltbild zugrunde, das die gemeinsame Evolution von Mensch, Erde und Weltall beschreibt. Neu ist bei der anthroposophischen Medizin nur, dass Steiner sich auf keine dieser alten Traditionen beruft, sondern einen Erkenntnisweg beschreibt, auf dem jeder &#039;&#039;selber&#039;&#039; die Möglichkeit entwickeln kann, sich mit seinem Wahrnehmungs- und Denkvermögen an die spirituellen Quellen anzuschließen.[1] Durch eigene Beobachtung, Empathie und situationsgerechtes Denken zu den nötigen Einsichten für Diagnose und Therapie zu kommen ist das Arbeitsideal – nicht nur eine traditionelle Heilweise oder Technik zu lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich war viele Jahre in verschiedenen asiatischen Ländern und auch weltweit mit einem Ausbildungsprogramm für Anthroposophische Medizin unterwegs. Es hat mich anfangs gewundert, dass Chinesen, Japaner, Taiwanesen, Inder, Indonesier, Philippiner sich für Anthroposophische Medizin interessieren. Als Motive nannten sie das Menschenbild der Anthroposophie, das ihnen hilft, die Brücke zu bilden zwischen dem heutigen Denken und den alten überlieferten Bildern und Werten ihrer Heilverfahren, die zwar gute Ergebnisse liefern, aber für den modernen Menschen oft nicht genau aufschlüsseln können, wie sie wirken. Die Anthroposophie half ihnen, ihre eigenen Medizinsysteme und ihre Wirkungsweisen besser zu verstehen. In Indien gab es ayurvedische Ärzte, die keine Zertifikate für Anthroposophische Medizin wollten, sondern zu uns kamen, um bessere Ayurveda-Ärzte zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Grundlegende Aspekte Anthroposophischer Medizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wer der Anthroposophie begegnet, trifft auf vier Aspekte, die je nachdem alle vier oder auch nur der eine oder andere das Interesse wecken und zum weiteren Studium anregen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Philosophischer Aspekt ====&lt;br /&gt;
Das philosophische Fundament der Anthroposophie schließt an die Erkenntnisweise Goethes an sowie an den deutschen Idealismus mit dessen Idealen von Freiheit und Würde, Wahrheit und Liebe.[2] Rudolf Steiner benannte sogar seine Anthroposophische Hochschule in Dornach nach Goethe: Goetheanum.[3] Das zeugt von der großen Wertschätzung, die er diesem Genie mitteleuropäischer Geistes- und Kulturgeschichte zeitlebens entgegenbrachte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für manche Menschen ist Philosophie nicht wichtig, man möchte gute Ideen für seine Arbeit und sein Leben haben und keine Zeit mit intellektuellen Grübeleien verlieren. Es gibt aber auch Menschen, die nur deshalb Anthroposophen werden, weil sie hier eine Erkenntnistheorie und deren philosophische Begründung finden, durch die sie sich selbst und ihren Zusammenhang mit der Welt besser verstehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Philosophie ist die Kunst des eigenständigen Denkens. Steiner formuliert diese „erkenntnis-künstlerische“ Herausforderung in seinem philosophischen Hauptwerk, „Die Philosophie der Freiheit“, so: &#039;&#039;„Man muss sich der Idee erlebend gegenüberstellen können; sonst gerät man unter ihre Knechtschaft.“[4]&#039;&#039; Das heißt, wer Gedanken und Ideen anderer übernimmt und nicht eigenständig bedenkt und bewertet, gerät in Abhängigkeit der Autoritäten, von denen diese Gedanken stammen. Mit Hilfe dieses Ansatzes, selbst hinzuschauen, zu fragen, zu bedenken, zu verstehen, ist jeder Student der Anthroposophie angeregt, seine eigene Philosophie zu reflektieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Aspekt der Selbstschulung ====&lt;br /&gt;
Anthroposophie beinhaltet einen Weg der Selbstschulung, welcher zu seelischer Weiterentwicklung, Selbsterkenntnis und Willensstärkung führt.[5] Es gibt heute viele Menschen, die auf der Suche nach einem interreligiösen Weg spiritueller Selbsterfahrung sind. Sie wollen sich nicht einer bestimmten Glaubensgemeinschaft oder einer bestimmten spirituellen Gruppierung anschließen. Sie suchen einen allgemein-menschlichen Weg für ihre innere Entwicklung. Einige davon finden diese Möglichkeit in der Anthroposophie und ihren Organisationen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Anthroposophische Gesellschaft international organisiert und offen für alle wissenschaftlichen, religiösen und künstlerischen Überzeugungen ist, findet man Vertreter der verschiedensten spirituellen Orientierungen. Angehörige der christlichen Konfessionen, des Buddhismus, Daoismus, Shintoismus, der Hindi-Religion, der Zarathustra-Spiritua­lität, des Judentums sowie einzelne Vertreter des Islam und viele ohne eine bestimmte spirituelle Ausrichtung können hier mehr über ihre eigene spirituelle Identität lernen, indem sie zusätzlich den Weg der Selbstschulung der Anthroposophie gehen. Was sie in dieser Gesellschaft verbindet, ist der Entwicklungsgedanke in der Anthroposophie sowie das Bestreben, das gesellschaftliche Leben menschlicher und zukunftsfähiger zu machen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Biologe &#039;&#039;Bernd Rosslenbroich&#039;&#039; wies in einer naturwissenschaftlichen Studie das Autonomieprinzip als Grundlage der gesamten Evolution nach, deren Gipfel die menschliche Entwicklung sei.[6] Dieses Autonomieprinzip liegt auch der anthroposophischen Selbstschulung zugrunde. Autonomie konstruktiv leben zu lernen ist nicht leicht. Scheitern und immer wieder neu Ansetzen gehören ebenso dazu wie die stille innere Ausrichtung des eigenen Lebens und Arbeitens an den Idealen von Freiheit und Würde, Ehrlichkeit und Liebe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Aspekt der Geisteswissenschaft ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wo aber ist der „Geist“ als Fundament dieser anthroposophisch-geisteswissenschaftlichen Weltsicht zu finden?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Selbständiges Denken als Ausdruck von Geist&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Die Antwort ist schlicht: das menschliche Denken. Normalerweise kennt jeder den Zustand des Gedanken-Habens, Wissens, Sich-Informierens oder sich in anerkannten bzw. vorgegebenen Denkmustern zu bewegen und diese wiedergeben zu können. Wer jedoch von der eigenen Denktätigkeit ausgeht, entdeckt auch denjenigen, der denkt, in seinem Denken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der idealistische Philosoph &#039;&#039;Johann Gottlieb Fichte[7]&#039;&#039; wies seine Studenten auf die zentral wichtige spirituelle Selbsterfahrung im Denken hin. Er führte mit ihnen die folgende Übung durch: Er fragte sie, ob sie die Wand des Hörsaals sähen. Dann sagte er: &#039;&#039;„Schließen Sie die Augen und denken Sie die Wand.“&#039;&#039; Und dann kam die alles entscheidende Aufforderung: &#039;&#039;„Und jetzt denken Sie den, der die Wand gedacht hat...“[8]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer das durchführt, kann in seinem Denken das eigene Selbst als reinen Tätigkeitsquell, als innere Aktivitätsbereitschaft, als Ich, als eigenständiges Wollen bemerken als rein energetische spirituelle Selbsterfahrung im Denken. Damit hat er einen sicheren Ausgangspunkt gewonnen, sich seine eigene Weltsicht zu erarbeiten. Er steht jetzt geistig auf eigenen Füßen und ist in der Lage, sein Denken immer perspektivenreicher auszubilden. Je mehr er versteht, desto mehr sieht er von der Welt. Und je mehr ihn die Welt interessiert und zum Nachdenken anregt, desto differenzierter und klarer wird sein Denken. Sich selbst und die Welt zu verstehen und dadurch zu einer authentischen Selbst- und Weltsicht zu kommen, ist die Weltanschauung der Anthroposophie. Seinen Zeitgenossen zu zeigen, dass sie &#039;&#039;„durch das Denken zur Wirklichkeit des Geistes kommen“&#039;&#039; können, war ein zentrales Anliegen Rudolf Steiners. Das eigene Ich als geistig reales Wesen im Denken erleben zu können, erschließt zugleich die spirituelle Dimension des Begriffs der menschlichen Würde als autonome und geistbewusste Kompetenz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner formulierte diesen Tatbestand gegen Ende seines Lebens noch einmal so: &#039;&#039;„Anthroposophie ist ein Erkenntnisweg, der das Geistige im Menschenwesen zum Geistigen im Weltall führen möchte“.[9]&#039;&#039; Grundlage dafür ist die Gedankenarbeit eines jeden einzelnen Menschen. Hannah Arendt nannte diese Selbsterfahrung im Titel ihres gleichnamigen Buches „Denken ohne Geländer“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Aspekt der Zusammenarbeit ====&lt;br /&gt;
Da Anthroposophie auf das sich zur Autonomie entwickelnde Individuum baut, findet man gerade unter Anthroposophen einen ausgeprägten Meinungs- und Standpunktepluralismus bis hin zur gern zitierten „Streitkultur“. Auch ist die Geschichte der Anthroposophischen Gesellschaft von eindrücklichen Krisen und Konflikten geprägt, die von dem Ringen um individuelle und soziale Kompetenz zeugen, einem Bemühen, das alles andere als einfach ist. Umso erfreulicher ist es, dass sich diese Gesellschaft bis heute nicht in verschiedene Gruppierungen gespalten hat, sondern der Wille zum gegenseitigen Verstehen und zur Entwicklung von Toleranz gegenüber anders Denkenden stets überwogen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von dem Dichter und Anthroposophen &#039;&#039;Christian Morgenstern&#039;&#039; (1871 - 1914) stammt ein Gedicht, das dieses Spannungsverhältnis zwischen der notwendigen Individualisierung einerseits und der Befähigung zur Gemeinschaftsbildung andererseits meisterlich zum Ausdruck bringt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Die zur Wahrheit wandern, wandern allein,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;keiner kann dem andern Wegbruder sein.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Eine Spanne gehn wir, scheint es, im Chor ...&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;bis zuletzt sich, sehn wir, jeder verlor.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Selbst der Liebste ringet irgendwo fern;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;doch wer&#039;s ganz vollbringet, siegt sich zum Stern,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;schafft, sein selbst Durchchrister, Neugottesgrund –&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;und ihn grüßt Geschwister Ewiger Bund.[10]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier wird in künstlerischer Form zum Ausdruck gebracht, dass größtmöglicher Individualismus und „Gemeinschaft im Geist“ sich nicht widersprechen müssen. Vielmehr erscheinen die Ideale der Französischen Revolution – der Freiheit des Individuums, der Gleichheit und der brüderlichen Solidarität – so erst in ihrem wahren Licht: Denn wenn man weiß, dass jeder „auf dem Weg ist“, wächst der Respekt vor der Einmaligkeit und Würde des anderen. Und gleichzeitig erlebt man, wie uns dieser Tatbestand des Werdens „gleich“ macht. Da wir aber sowohl „gleich“ als auch „individuell sehr verschieden“ sind, sind wir Menschen immer wieder auf gegenseitige brüderliche Hilfe angewiesen. Wir gewähren sie, wenn wir die Bedürfnisse des anderen sehen, respektieren und, wo möglich, erfüllen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Mathias Girke , PF Matthiessen (Hrsg.), &#039;&#039;Medizin und Menschenbild&#039;&#039;, Bad Homburg 2015.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung mit besonderer Rücksicht auf Schiller.&#039;&#039; GA 2. Dornach 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] www.goetheanum.org&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Philosophie der Freiheit&#039;&#039;, GA 4, Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1995.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Dargelegt in Steiners Selbstschulungsbuch &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?,&#039;&#039; GA 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Bernd Rosslenbroich, &#039;&#039;On the Origin of Autonomy. A New Look at the Major Transitions in Evolution&#039;&#039;, Hei-delberg, New York, Springer 2014.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Johann Gottlieb Fichte, Philosoph (1762 - 1814).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Überliefert von Steffens, einem Naturforscher und Zeitgenossen Fichtes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Anthroposophischer Leitsatz 1&#039;&#039;, 17. Februar 1924. In: Anthroposophische Leitsätze. GA 26, S. 6 (1989).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Christian Morgenstern, &#039;&#039;Wir fanden einen Pfad,&#039;&#039; Basel, Zbinden Verlag. 5. Aufl. 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ANTHROPOSOPHISCHES UND NATURWISSENSCHAFTLICHES KRANKHEITSVERSTÄNDNIS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ist Anthroposophische Medizin eine Glaubenssache?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann man in der Medizin konstruktiv mit unterschiedlichen Sichtweisen auf Krankheit umgehen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Anthroposophisches Krankheitsverständnis&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Um auf diese Fragen eingehen zu können, möchte ich vorab das Krankheitsverständnis aus der Anthroposophie heraus und das Schulmedizinische Krankheitsverständnis charakterisieren. Sie stehen nicht im Widerspruch zueinander, zumindest nicht aus Sicht der Anthroposophischen Medizin. Letztere versteht sich als eine Erweiterung der rein naturwissenschaftlichen Medizin, nicht als Gegensatz dazu. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Die Aufgabe ist, nun wirklich darauf zu kommen, welcher Unterschied besteht zwischen den Prozessen im menschlichen Organismus, die wir als Krankheitsprozesse bezeichnen und die doch im Grunde genommen ganz normale Naturprozesse sind, nur eben durch bestimmte Ursachen hervorgerufen sein müssen, und denjenigen Prozessen, die wir gewöhnlich als die gesunden bezeichnen und die die alltäglichen sind. Dieser durchgreifende Unterschied muss gefunden werden. Er wird nicht gefunden werden, wenn man nicht eingehen kann auf eine Betrachtungsweise des Menschen, die zum menschlichen Wesen wirklich führt.&amp;quot;&#039;&#039;[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Krankheit aus Sicht der naturwissenschaftlichen Medizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der naturwissenschaftlichen Medizin liegt der Fokus bei der Erforschung von Krankheitsursachen im Bereich des Netzwerkes molekulargenetischer Interaktionen. Dort wird nach Mutationen und „Fehlern&amp;quot; im Metabolismus gesucht. Damit ist aber das Kausalproblem nur von der Makro- auf die Mikroebene verlagert. Denn auch hier ist zu fragen, woher es kommt, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt beispielsweise eine Genmutation auftritt und ein Prozess, der bisher gesund ablief, nun mit einem Mal „verkehrt&amp;quot; bzw. Krankheit begünstigend stattfindet. Wenn der sogenannte Pathomechanismus aufgeklärt ist und die Ursache einer „Spontanmutation&amp;quot;, einem &#039;&#039;„inborn error of metabolism&amp;quot;&#039;&#039; oder einer exogenen Schädigung zugeschrieben wird, so ist damit dem Kranken noch nicht geholfen, der verstehen will, was seine Krankheit mit ihm, seiner Entwicklung und seinem Schicksal zu tun hat – oder der sich dafür interessiert, welche Einflüsse sein bewusstes oder unterbewusstes Seelenleben auf die Lebensfunktionen seiner Organe oder auf die Stabilität seines Immunsystems hat. Auch ist es letztlich unbefriedigend, sich als Mensch in die verschiedenen Forschungs- und Fachdisziplinen aufgeteilt zu sehen, ohne „das geistige Band&amp;quot; im Sinne &#039;&#039;Goethes&#039;&#039; zu haben, das die Zusammenschau der unterschiedlichen Sichtweisen ermöglicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Unterschiedliche Sichtweisen integrieren&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Paracelsus&#039;&#039;, der Integrationsmediziner am Beginn der Neuzeit, hat bereits eindrücklich auf dieses Dilemma hingewiesen.[2] Plastisch schildert er eine medizinische Szene aus dem damaligen Alltag: Sechs Ärzte sind um einen eben verstorbenen Cholerapatienten versammelt und sprechen darüber, was in seinem Falle wohl die Todesursache gewesen sein mag. Diese Szene sei hier in freier Form wiedergegeben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Erste&#039;&#039;&#039; sagt: &#039;&#039;„Für mich ist klar, dass er durch die Infektion mit dem Cholerabazillus gestorben ist. Der Krankheitserreger wurde mit dem Wasser aufgenommen, hat sich im Organismus ausgebreitet und die Krankheil hervorgerufen, die jetzt zum Tode geführt hat&amp;quot;.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Das finde ich merkwürdig&amp;quot;,&#039;&#039; sagt &#039;&#039;&#039;der Zweite&#039;&#039;&#039;. &#039;&#039;„Es sterben doch längst nicht alle Kranken, die sich mit dem Cholerabazillus angesteckt haben. Ich sehe die Todesursache vielmehr in der Tatsache, dass die Selbstheilungskräfte des Verstorbenen nicht stark genug waren, um die Infektion zu überwinden. Hätte er über mehr Widerstandskraft verfügt, so lebte er noch.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da lächelt &#039;&#039;&#039;der dritte Kollege&#039;&#039;&#039; und fragt: &#039;&#039;„Habt ihr denn nicht sein Horoskop gelesen? Da konnte man lesen, dass dieser Mensch durch die ganze Konfiguration seiner seelischen Veranlagung und seines inneren Schicksals zum Tod in dieser Zeit prädestiniert war. Sein Tod war vorherbestimmt.&amp;quot;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Das leuchtet mir nicht ein&amp;quot;,&#039;&#039; sagt &#039;&#039;&#039;der Vierte&#039;&#039;&#039;. &#039;&#039;„Wie viele Menschen leben unter derselben oder sehr ähnlichen Sternkonstellationen und kommen anders damit zurecht, gehen durchaus optimistischer mit der Herausforderung um, die ihre jeweilige Sternkonstellation für sie bedeutet. Meine Diagnose ist, dass er im Kern seiner ganzen Persönlichkeit, in seinem Ich, schwach war. Er hatte große Angst vor der Cholera, und nichts ist ein besserer Nährboden für Infektionen als Ängstlichkeit und Furcht. Ich habe viel schwächere Patienten die Krankheit überwinden sehen, weil sie mutiger waren und das Vertrauen nicht verloren.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Mir kommt das alles töricht vor&amp;quot;,&#039;&#039; schaltet sich jetzt &#039;&#039;&#039;der Fünfte&#039;&#039;&#039; in die Debatte ein: &#039;&#039;„Krankheit und Leid ist doch eine Geißel Gottes, ein Flagellum. Hätte Gott die Überwindung der Krankheit zugelassen, so hätte er diesem Betroffenen zur rechten Zeit den Arzt oder sonst eine Hilfe geschickt.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun blicken alle auf &#039;&#039;&#039;den Sechsten&#039;&#039;&#039;, der interessiert zugehört hat und fragen: „Wer von uns hat recht?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der bemerkt: &#039;&#039;„Jeder von euch hat recht. Jeder hat aber auch unrecht. Das Unrecht entsteht dadurch, dass jeder einzelne von euch nur an seine Sicht der Dinge glaubt und die Ansichten der anderen verneint oder missachtet. Das komplizierte Pentagramm Mensch muss individuell gelesen werden, um den jeweiligen Anteil an der Krankheitsursache herauszufinden. Ein solch differenziertes Lesen ist aber auch nötig, um die verschiedenen Wege kennen zu lernen, die zur Gesundheit, sprich: zur Überwindung der Krankheit führen.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Szene aus dem Werk des Paracelsus wird hier angeführt, um deutlich zu machen, dass ein tiefgreifendes Verständnis von Krankheitsursachen und Heilungsmöglichkeiten die verschiedenen Ebenen menschlicher Existenz und Lebensverwirklichung mitberücksichtigen muss. Das kann letztlich nur ein interdisziplinär-integrativer Ansatz leisten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaft und Medizin&#039;&#039;, GA 312.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Elise Wolfram und Paracelsus, &#039;&#039;Die okkulten Ursachen der Krankheiten. Volumen Paramirum&#039;&#039;, Unv. Nachdruck der Ausgabe von 1912, 4. Aufl. Dornach 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== SCHULMEDIZIN, ANTHROPOSOPHISCHE MEDIZIN UND ÄLTERE GANZHEITLICHE ANSÄTZE ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie steht die Anthroposophische Medizin zur Schulmedizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und wie ist ihr Verhältnis zu anderen alternativen Ansätzen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verhältnis der&#039;&#039; &#039;&#039;Anthroposophischen Medizin zur Schulmedizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Frage lässt sich kurz mit Nein beantworten. &#039;&#039;Rudolf Steiner&#039;&#039; (1861-1925) und &#039;&#039;Ita Wegman&#039;&#039; (1876-1943), die Begründer der Anthroposophischen Medizin, bemerken hierzu:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Nicht um eine Opposition gegen die mit den anerkannten wissenschaftlichen Methoden der Gegenwart arbeitende Medizin handelt es sich. Diese wird von uns in ihren Prinzipien voll anerkannt. Und wir haben die Meinung, dass das von uns Gegebene nur derjenige in der ärztlichen Kunst verwenden soll, der im Sinne dieser Prinzipien vollgültig Arzt sein kann.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Allein wir fügen zu dem, was man mit den heute anerkannten wissenschaftlichen Methoden über den Menschen wissen kann, noch weitere Erkenntnisse hinzu, die durch andere Methoden gefunden werden, und sehen uns daher gezwungen, aus dieser&#039;&#039; erweiterten &#039;&#039;Welt- und Menschenerkenntnis auch für eine Erweiterung der ärztlichen Kunst zu arbeiten.&amp;quot;[1]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die reguläre akademische Aus- und Weiterbildung ist ebenso Voraussetzung dafür, sich Anthroposophischer Arzt nennen zu können, wie das Studium der anthroposophischen Geisteswissenschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Salutogenetischer Ansatz bevorzugt&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Anthroposophischen Medizin liegt ein Konzept ganzheitlicher, integrativer Medizin zugrunde, die den Menschen (griechisch: anthropos) mit all seinen Erkenntnis- und Erlebnisformen (griechisch: sophia, wörtlich: Weisheit) in den Mittelpunkt stellt. Für die Praxis heißt dies, dass symptomatisch wirkende Arzneimittel, wie zum Beispiel Antipyretika, Antiphlogistika, Antihypertensiva, Antihistaminika oder die Substitution fehlender, körpereigener Stoffe, oder aber Analgetika und Psychopharmaka selbstverständlich da zur Anwendung kommen, wo die speziellen Medikamente und Therapieverfahren der anthroposophischen Therapierichtung nicht (mehr) hinreichen, die erforderliche Selbstregulation und Heilung zu stimulieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Hinblick auf das therapeutische Vorgehen wird der salutogenetische Ansatz bevorzugt, also die Anregung körpereigener, physiologischer Prozessantworten. Diese sind immer individuell. Therapieschemata haben zwar einen wesentlichen, Orientierung gebenden Stellenwert. In praxi gehen die Medikationen jedoch oft darüber hinaus, da sich die Behandlung am Einzelfall orientiert. Anthroposophische Ärzte schätzen die schulmedizinische Behandlung als Akut- und Notfallmedizin hoch, möchten jedoch nicht bei deren Grenzen und Einseitigkeiten stehen bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verhältnis zu älteren ganzheitlichen medizinischen Konzepten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Jedem ganzheitlichen medizinischen System – ob es sich nun um traditionell chinesische, ayurvedische oder homöopathische Medizin handelt – liegt ein spirituelles Weltbild zugrunde, das mehr oder weniger konkret die gemeinsame Evolution von Mensch, Erde und Weltall beschreibt. Rudolf Steiner bemerkt dazu im Hinblick auf seinen Ansatz[2]: &#039;&#039;„Ich möchte nicht versäumen, Sie darauf aufmerksam zu machen, dass dasjenige, was ich hier vortrage, nicht entlehnt ist älteren medizinischen Schriften, sondern auf durchaus gegenwärtiger geisteswissenschaftlicher Forschung beruht. Nur muss versucht werden, zuweilen in der Terminologie auf die ältere Literatur zurückzugreifen, weil ja die neuere Literatur eine Terminologie nach dieser Richtung hin noch nicht ausgebildet hat. Aber derjenige, der glauben würde, dass irgendetwas hier vorgetragen wird, was nur älteren Schriften entnommen ist, der würde sich eben sehr irren.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese von Steiner entwickelte neue Art der geistigen Forschung ermöglicht als anthroposophische Erkenntnismethodik und dank ihrer Forschungsergebnisse auch neue Einsichten in die ganzheitlichen Konzepte und spirituellen Traditionen der Medizin. Daher gibt es unter ihren Vertretern immer auch „Anthroposophen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Seiner und Ita Wegmann, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst. Dornach 1935, S. 9.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaft und Medizin&#039;&#039;, GA 312. Sechster Vortrag, Dornach, 26. März 1920. S. 118 (Ausgabe 1999).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== CHARAKTERISTIKA EINER SPIRITUELLEN MEDIZIN LAUT RUDOLF STEINER ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen Prinzipien folgt die von Rudolf Steiner und Ita Wegman beschriebene spirituelle Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wodurch äußert sich ihr allgemein-menschlicher Ansatz?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wodurch zeichnen sich eine spirituelle Chemie und Physik aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist unter Kulturtherapie zu verstehen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Krankheit aus zwei Blickwinkeln sehen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In dem Werk über Anthroposophische Medizin &#039;&#039;„Grundlegendes zu einer Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; von Rudolf Steiner und Ita Wegman werden unter anderem auch die Grundlagen einer spirituellen Medizin beschrieben.[1] Bereits die Überschrift des ersten Kapitels lässt dies anklingen, indem da von &#039;&#039;„wahrer Menschenwesen-Erkenntnis“&#039;&#039; die Rede ist. Die Wortwahl erinnert an die Initiationspraktiken der antiken Mysterien, wo es in allen Einweihungsgraden um wahre irdisch-kosmische Selbst- und Welterkenntnis ging. Doch konkret im Alltag: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Erwartet nicht jeder Kranke vom Arzt, dass dieser die Ursache seines Problems durchschaut und die notwendigen Maßnahmen einleitet?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Dass er die Wahrheit über seinen Zustand bestmöglich herausfindet?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher die Forderung der Autoren, der Wahrheit des Krankheitsgeschehens von zwei Seiten aus näherzukommen, indem die schulmedizinischen Diagnosefaktoren mit der geisteswissenschaftlichen Betrachtung verbunden werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Christuserkenntnis&#039;&#039; als &#039;&#039;zentrales Element&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;‚Wes Geistes Kind‘ aber ist diese Forderung?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“[2]&#039;&#039; wird der Christus als ‚großer Hüter der Schwelle‘ auf dem Erkenntnisweg dargestellt, der dem Schüler den Sinn der Erdenentwicklung, des Todes und der Wiedergeburt enthüllt. In der &#039;&#039;„Geheimwissenschaft im Umriß“[3]&#039;&#039; wird der Christus auch namentlich genannt und seine zentrale Bedeutung innerhalb der Schöpfung und für die Entwicklung der Menschheit geschildert.[4] In beiden Werken begegnet man einer zentralen Bezugnahme auf die Wesenheit des Christus in einer weder religiös noch konfessionell tingierten Weise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verfolgt man diesen Wesensbezug zu Christus im Steiner‘schen Vortragswerk, oder auch nur in der Schrift &#039;&#039;„Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit“&#039;&#039;,[5] so zeigt sich, dass für Steiner diejenige geistige Realität, die er mit dem historischen Christus identifiziert, in allen Aspekten und Dimensionen menschlichen Lebens und Entwickelns eine zentrale Rolle spielt – ganz im Sinne der johanneischen Aussage: &#039;&#039;„Durch es [das Wort] sind alle Dinge geworden, und nichts von allem Entstandenem ist anders als durch das Wort geworden.“[6]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Anthroposophisches Menschenbild und Schulungsweg&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Steinersche Christologie versteht sich als Weg zur Christuserkenntnis. Dieser Weg ist von seinem Selbstverständnis her unabhängig von traditionellen Glaubensüberzeugungen und religiösen Bekenntnissen. Es geht bei ihm im tiefsten Sinne um ‚wahre Menschenwesen-Erkenntnis‘, um das ecce homo. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die anthroposophische Menschenkunde befasst sich mit diesem allgemeinmenschlichen, rein geistigen Wesensgefüge des gesunden Menschenurbildes, das der uns bekannten Schöpfung innewohnt. Sie versucht verständlich zu machen, warum und wie in dieser Schöpfung alles mit allem geistig und physisch zusammenhängt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher kann sich ein japanischer Shintu-Priester in seiner spirituellen und wissenschaftlichen Praxis ebenso von dem anthroposophischen Erkenntnisweg und Menschenbild anregen und bereichern lassen wie ein buddhistischer Mönch, ein Brahmane oder ein Angehöriger des jüdischen oder muslimischen Glaubens oder ein materialistischer Naturwissenschaftler. Denn Christliche Spiritualität ist zugleich allgemeinmenschliche Spiritualität und die Spiritualität in den Naturerscheinungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Dienender Charakter der Substanz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ein weiteres wichtiges Merkmal der von Rudolf Steiner beschriebenen spirituellen Medizin ist ihr selbstlos dienendes Prinzip. Das Substanzverständnis der Anthroposophie, wie es im Grundlagenwerk der Anthroposophischen Medizin &#039;&#039;„Grundlegendes zur Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; erörtert wird,[7] beruht auf dieser Grundlage. So werden im 1. Kapitel die Substanzen in ihrem selbstlos dienenden Charakter gezeigt, wie sie sich den vier Kräftebereichen von Mineral-, Pflanzen-, Tier- und Menschenwelt unterordnen, wodurch sie zu deren jeweiliger Manifestation beitragen und dadurch alle Naturerscheinungen in die Sichtbarkeit bringen.[8]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erdensubstanz – im christlichen Bekenntnis symbolisiert durch Brot und Wein – ist nach diesem Verständnis nicht nur die physische Grundlage für die Erd- und Menschheits-entwicklung. Vielmehr zeigt sich ihr zutiefst christlicher Charakter daran, dass sie dient: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* im mineralischen Zustand den Todesprozessen,&lt;br /&gt;
* in der Pflanzenwelt den Lebensprozessen,&lt;br /&gt;
* in der tierischen Natur den seelischen Äußerungen und der Bewegungsfähigkeit.&lt;br /&gt;
* Im Menschen aber wird sie „Geist tragend“.[9]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor diesem Hintergrund sind dann Sätze in dem genannten Werk wie der folgende zu verstehen: &#039;&#039;„[…] dann wird man durch Einfügung eines Erdenstoffes in den menschlichen Organismus oder durch Behandlung mit einer Erdentätigkeit bewirken können, dass die höheren Glieder der Menschenwesenheit sich ungehindert entfalten können, oder auch, dass die Erdenstofflichkeit an dem Zugefügten die nötige Unterstützung findet, um auf den Weg zu kommen, auf dem sie Grundlage wird für irdisches Wirken des Geistigen.“[10]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Spirituelle Chemie und Physik der Zukunft&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der Schrift &#039;&#039;„Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit“[11]&#039;&#039; – präzisiert Rudolf Steiner diesen Aspekt auch noch im Hinblick auf die Entwicklung der Substantialität der Erde: &#039;&#039;„Künftig werden Chemiker und Physiker kommen, welche Chemie und Physik nicht so lehren, wie man sie heute lehrt [...] sondern welche lehren werden: ‚Die Materie ist aufgebaut in dem Sinne, wie der Christus sie nach und nach angeordnet hat!‘ – Man wird den Christus bis in die Gesetze der Chemie und Physik hinein finden. Eine spirituelle Chemie, eine spirituelle Physik ist das, was in der Zukunft kommen wird. Heute erscheint das ganz gewiß vielen Leuten als eine Träumerei oder Schlimmeres.&#039;&#039; &#039;&#039;Aber was oft die Vernunft der kommenden Zeiten ist, das ist für die vorhergehenden Torheit.“[12]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese selbstlos dienende Haltung wird von den in der anthroposophischen Pharmazie und Medizin Tätigen auf dem anthroposophischen Schulungsweg geübt und prägt den spirituellen Charakter dieser Bereiche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Heilsam wirken durch umfassende Kulturtherapie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin kann als Kulmination von Steiners Grundanliegen, heilsam zu wirken, gesehen werden. Alles, was er geschrieben und getan hat, stand und steht im Dienst einer umfassenden Kulturtherapie, die heilsam auf die zeitgeistigen pathologischen Tendenzen einwirken sollten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Rudolf Steiner unter Kulturpathologie verstand, stellte er im ersten Vortrag des Gründungskurses für die Waldorfpädagogik im August 1919 so dar: &#039;&#039;„Vergessen Sie nicht, indem Sie sich Ihrer Aufgabe widmen, daß die ganze heutige Kultur, bis in die Sphäre des Geistigen hinein, gestellt ist auf den Egoismus der Menschheit. [. . .] Wir leben in der Zeit, in der dieser Appell an den menschlichen Egoismus in allen Sphären bekämpft werden muß, wenn die Menschen nicht auf dem&#039;&#039; &#039;&#039;absteigenden Wege der Kultur, auf dem sie heute gehen, immer mehr und mehr abwärts gehen sollen.“[13]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; In Philosophie und Geistesleben ====&lt;br /&gt;
Im philosophischen Werk Steiners wird die Grundlage zur Kulturtherapie in Form eines tiefgreifenden Autonomieverständnisses gelegt. Freiheit und Liebe, die zur Selbstlosigkeit fähig sind, stehen dabei als menschliche Entwicklungsziele an zentraler Stelle. Sie sind Ausdruck menschlicher Würde und geistiger Gesundheit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; In der Pädagogik ====&lt;br /&gt;
Entsprechend wird im Zusammenhang von Steiners Darstellungen zur &#039;&#039;„Allgemeinen Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik“[14]&#039;&#039; eine ‚Physiologie und Psychologie der Freiheit‘ veranlagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; In der Kunst als Therapie ====&lt;br /&gt;
Und auch die künstlerische Tätigkeit versteht Steiner nicht als ästhetischen Selbstzweck. Sie hat Bewusstsein weckenden Charakter und mündet in allen Bereichen in therapeutische Wirksamkeit, wie in EH am Beispiel der Heileurythmie in Kapitel XVIII gezeigt wird. Der Leiter der Kolisko-Akademie, &#039;&#039;Armin Husemann&#039;&#039;, hat diesem Impuls einer therapeutisch ausgerichteten &#039;&#039;„Menschenwissenschaft durch Kunst“&#039;&#039; sein Lebenswerk gewidmet.[15]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[16]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?,&#039;&#039; GA 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Geheimwissenschaft im Umriss&#039;&#039;, GA 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Ebenda, Seite 219–225, 251–256 sowie 351–353.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit,&#039;&#039; GA 15.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Neues Testament, &#039;&#039;Johannes Kap. 1, 3.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen&#039;&#039;, GA 27, Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Christian Morgenstern (1871–1914) hat diesem dienenden Geschehen sein Gedicht &#039;&#039;Fußwaschung&#039;&#039; gewidmet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. Harlan, (2008).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Siehe FN1, S. 12.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit,&#039;&#039; GA 15.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Ebenda, S. 46.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik&#039;&#039;, GA 293, 26 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik&#039;&#039;, GA 293.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[15] Vgl. A. Husemann (2007 und 2024).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[16] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ANSPRUCH UND AUFGABE DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen Anspruch hat die Anthroposophische Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worin sieht sie ihre Aufgabe?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was war laut Rudolf Steiner das entscheidend Neue?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Bemühen der Anthroposophischen Medizin&#039;&#039; &#039;&#039;um mehr Menschlichkeit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin ist ein Kind des 20. Jahrhunderts. Sie hat den Anspruch, naturwissenschaftliche, philosophische und spirituelle Erkenntnisse und deren therapeutische Anwendungen in ein ganzheitliches Konzept zu integrieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als eigenständige medizinische Bewegung hat sie jedoch erst gut 80 Jahre Entwicklung hinter sich, weswegen sie noch nicht so breit im allgemeinen Bewusstsein verankert ist wie beispielsweise die Homöopathie. Darüber hinaus ist die Bezeichnung „Anthroposophische Medizin“ etwas schwer verständlich. Der Begriff „Homöopathie“ hat sich aus dem prinzipiellen Gegensatz zur gängigen „Allopathie“ gebildet. Er orientiert sich am Simile-Prinzip. „Anthroposophisch&amp;quot; heißt hingegen in der schlichtesten Übersetzung aus dem Griechischen einfach nur „menschlich&amp;quot;. Entsprechend hat sich die Anthroposophische Medizin zur Aufgabe gesetzt, im Umgang mit Krankheit und Gesundheit in Theorie und Praxis das Bewusstsein und die Entwicklung von mehr Menschlichkeit ins Zentrum allen Bemühens zu stellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wesensglieder-Diagnostik als neue Perspektive&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner war es wichtig, die Wesensglieder-Diagnostik und die sich daran anschließende Therapiefindung als das entscheidend Neue zu sehen, das durch die Anthroposophie in den gegenwärtigen Medizinbetrieb hereinkommen kann. Es ging ihm nicht primär darum, neue und womöglich wirksamere Medikamente zu finden für dieses und jenes. Vielmehr wollte er vermitteln, dass die Medizin durch ein Menschenbild bereichert werden kann, das befähigt, den Menschen primär als geistiges Wesen zu begreifen und ihn dadurch in Gesundheit und Krankheit neu zu sehen und behandeln zu lernen.[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Kapitel I von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; heißt es: &#039;&#039;„Der Mensch ist, was er ist, durch Leib, Ätherleib, Seele (astralischer Leib) und Ich (Geist).&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Er muss als Gesunder aus diesen Gliedern heraus angeschaut;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;er muss als Kranker in dem gestörten Gleichgewicht dieser Glieder wahrgenommen;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;es müssen zu seiner Gesundheit Heilmittel gefunden werden, die das gestörte Gleichgewicht wieder herstellen.“[2]&amp;lt;sup&amp;gt;,&amp;lt;/sup&amp;gt; [3]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anthroposophisch-medizinische Therapieansatz kann zudem sowohl alternativ als auch kombiniert mit schulmedizinischer Behandlung zur Anwendung kommen und erfreuliche Besserungen erzielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Erkrankung und Heilung als Kreisprozess verstehen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Methodisch kommt es Rudolf Steiner und Ita Wegman also darauf an, den Prozess der Erkrankung und den Prozess der Heilung als einen einzigen Kreisprozess zu verstehen, in dem der Organismus von Heilmitteln und Krankheitsdiät unterstützt werden muss, um wieder in den „Zustand der Gesundheit“ versetzt zu werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Die Erkrankung beginnt mit einer Irregularität in der Zusammensetzung des menschlichen Organismus mit Bezug auf seine in diesem Buch beschriebenen Teile. Sie ist an einem bestimmten Punkte angekommen, wenn man den Kranken in Behandlung bekommt. Man hat nun dafür zu sorgen, dass alle Vorgänge, die sich seit dem Beginn der Krankheit im menschlichen Organismus abgespielt haben, wieder zurückverlaufen, so dass man zuletzt bei dem Zustande der Gesundheit anlangt, in dem der Organismus vorher war. […] Die Heilmittel müssen daher so beschaffen sein, dass sie nicht nur den Krankheitsprozess zurücklaufen lassen, sondern auch die sich herabstimmende Vitalität wieder unterstützen. Einen Teil der letzteren Wirkung wird man der Krankheitsdiät überlassen müssen. Doch ist in der Regel bei ernsteren Krankheitsfällen der Organismus nicht gestimmt, in der Verarbeitung der Nahrungsmittel genügend Vitalität zu entwickeln. Es wird daher notwendig sein, auch die eigentliche Therapie so einzurichten, dass der Organismus in dieser Beziehung seine Unterstützung findet. […] Im Krankheitsverlaufe ist nicht nur der lokalisierte Krankheitsprozess, sondern die Gesamtveränderung des Organismus zu berücksichtigen und diese in den rückläufigen Prozess einzubeziehen. Wie das im Einzelnen zu denken ist, werden bestimmte Fälle, die wir nun charakterisieren wollen, zeigen.“&#039;&#039;[4] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;An der Heilung des erkrankten Planeten mitwirken&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Ruf nach einer menschengemäßen Medizin steht mit vielen Bestrebungen der letzten Jahrzehnte im Konsens.  So schreibt der berühmte  amerikanische Kardiologe &#039;&#039;Bernard Lown&#039;&#039; im Vorwort seines Medizin-Bestsellers &#039;&#039;„Die verlorene Kunst des Heilens&amp;quot;:[1]„Dieses Buch möge als ein  Kompass dienen (...), indem es eine Medizin beschreibt, in welcher der Mensch im Mittelpunkt aller wissenschaftlichen Dienstleistungen steht – nämlich ein modernes Gesundheitswesen mit einem menschlichen Gesicht.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lown nennt die heutigen großen Probleme beim Namen: Die ungerechte Weltordnung, die bewirkt, dass sich auch im neuen Jahrhundert die Kluft zwischen den armen Entwicklungsländern und den reichen Industrienationen immer schneller vertieft und viel zu viele der sieben Milliarden Menschen auf der Welt in einer quälenden, erbarmungslosen und erniedrigenden Armut leben. Er fordert von den Ärzten, aktiv beim Aufarbeiten der sozialen Missstände mitzuwirken sowie bei der Heilung unseres erkrankten Planeten. Das Wort des deutschen Pathologen &#039;&#039;Rudolf Virchow&#039;&#039; ist ihm Vorbild, dass Politik eine „Medizin im Großen&amp;quot; ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie aber wird eine medizinische Denkweise und Methode erarbeitet, die solches leisten kann?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztlich kann doch nur ein neues Denken über die alten, unerbittlich wachsenden Probleme dazu führen, diese nachhaltig zu lösen. Anthroposophische Medizin möchte in aller Konsequenz dazu beitragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Physiologisch-Therapeutisches auf Grundlage der Geisteswissenschaft. Zur Therapie und Hygiene,&#039;&#039; GA 314, S. 29 und S. 226 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, S. 12.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Formatierung Katharina Offenborn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe FN 2, S. 89f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Bernard Lown, &#039;&#039;Die verlorene Kunst des Heilens,&#039;&#039; Berlin 2002.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== GESUNDHEITSWISSENSCHAFTLICHER ANSATZ DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Bereiche umfasst der gesundheitswissenschaftliche Ansatz der Anthroposophischen Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht dabei um drei Bereiche:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Um den Bereich des Ätherisch-Lebendigen und die hier agierenden &#039;&#039;&#039;Rhythmen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
# Um das Zusammenspiel der Wesensglieder im so genannten &#039;&#039;&#039;dreigliedrigen Organismus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
# Um eine dem Menschengeist gemäße &#039;&#039;&#039;Erziehung und Selbsterziehung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;AD 1. ZUR RHYTHMUSFORSCHUNG&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gunther Hildebrandt&#039;&#039;, einer der führenden Rhythmus-Forscher im 20. Jahrhundert, hat sein Lebenswerk als Physiologe der systematischen Erarbeitung der rhythmischen Funktionen und deren adaptiven, erholsamen und stabilisierenden Wirkungen gewidmet.[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hatte in einer Vortragsnachschrift von Steiner gelesen, dass die rhythmische Organisation des Menschen ihren Ausdruck findet im Rhythmus der Blutzirkulation und dem Atemrhythmus und dass dieser Zusammenhang zu wenig beachtet wird. Beim erwachsenen Menschen haben diese beiden Rhythmen das Verhältnis 4:1. Das ist natürlich nur ein approximativer Durchschnittswert, der allerdings in seinen Abweichungen Auskunft gibt über Gesundheit und Krankheit des individuellen menschlichen Organismus. Diesen Hinweisen Steiners ist Hildebrandt mit den Methoden der Chronobiologie und der Rhythmusforschung nachgegangen. Anhand seiner Resultate konnte er belegen, wie sehr die anthroposophische Geisteswissenschaft mit der akademischen Naturwissenschaft übereinstimmt und dass sich neue Möglichkeiten des Verstehens erschließen, wenn man beide methodisch ernst nimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Rhythmusforschung am Beispiel Schlaf&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Hildebrandt konnte nachweisen, dass die Schlaferholung als zentral koordinierter Prozess nicht allein aus biochemischen und physiologischen Gesichtspunkten heraus erklärbar ist, sondern dass Selbstordnungsprinzipien am Geschehen beteiligt sind, die eine rhythmische Zeitstruktur haben und prozessual in Richtung Heilung oder Krankheit stimulierbar sind. Er konnte in vielfach bestätigten Befunden nachweisen, dass im Verlauf des Nachtschlafes die ganzzahlige Frequenzabstimmung zwischen Herz- und Atemrhythmus des gesunden Organismus bei jedem Menschen wieder hergestellt wird, und zwar unabhängig von der Richtung der am Tage aufgetretenen Abweichungen. Dasselbe konnte Hildebrandt auch hinsichtlich der ganzzahligen Frequenzabstimmungen von Atem- und Blutdruckrhythmus sowie von Blutdruckrhythmus und Minutenrhythmus der peripheren Durchblutung nachweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Arbeitsrhythmen der Wesensglieder und autochrone Biorhythmen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Des Weiteren konnte Hildebrandt zeigen, dass die von Steiner erforschten basalen Arbeitsrhythmen der Wesensglieder tatsächlich den evidenten, adaptiven und autochronen Biorhythmen des Menschen entsprechen. Auch konnte er belegen, dass diese hygiogenetischen Prozesse in der Regel reaktiv ausgelöst werden und ihre Zeitstruktur nicht von den Eigenrhythmen der Wesensglieder bestimmt werden, sondern reaktiv von deren harmonischen Frequenzmultiplen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Jahresrhythmen unter Einfluss des physischen Leibes ====&lt;br /&gt;
Regenerative und adaptive Rhythmen des physischen Leibes hängen mit dem Jahreslauf der Sonne sowie der annualen Rhythmik zusammen. Die heteronomen trophisch-plastischen Wachstumsprozesse mit der submultiplen Periodendauer des Jahresrhythmus werden überwiegend von den Einflüssen bestimmt, die der physische Leib auf die hygiogenetische Aktivität des Ätherleibes hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; 7-Tage-Rhythmus bestimmt vom Ätherleib ====&lt;br /&gt;
Regenerative und adaptive Rhythmen des ätherischen Leibes entsprechen dem Monatsrhythmus sowie der lunaren Rhythmik. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Monatsrhythmus bestimmt vom Astralleib ====&lt;br /&gt;
Adaptive und regenerative Rhythmen des Astralleibes von 7 Tagen entsprechen dem Wochenrhythmus, der zirkaheptanen Rhythmik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Rhythmisches Zusammenspiel von Ätherleib und Astralleib&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Die eigentlichen heilenden Prozesse, die sich als normgerichtete Regenerationsvorgänge äußern und eine funktionelle Normalisierung herbeiführen, werden im Zusammenwirken von Ätherleib und astralischem Leib zeitlich gegliedert. Ausdruck dieses Zusammenwirkens ist die Tatsache, dass der spontane Eigenrhythmus des Astralleibes mit 7 Tagen Periodendauer zugleich eine Submultiple des ätherischen Monatsrhythmus darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Eigenrhythmen der beiden Wesensglieder stehen bemerkenswerterweise auch im doppel-oktavischen harmonischen Verhältnis von 4:1. Das vielfach nachgewiesene Vorherrschen der zirkadianen Septanperiodik bei den spontanen und therapeutisch angestoßenen Selbstheilungsprozessen kann daher so gedeutet werden, dass der Astralleib mit seinem Eigenrhythmus den hygiogenetischen Prozessen eine Zeitstruktur vorgibt, der sich der Ätherleib durch Ausbildung einer submultiplen Periodik optimal einpasst.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; 24-Stunden-Rhythmen unter Führung der Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Adaptive und regenerative Rhythmen der Ich-Organisation entsprechen dem 24 Stunden-Rhythmus, der zirkadianen Rhythmik. Seine Forschungsergebnisse zusammenfassend führt Hildebrandt aus, dass die verschiedenen, stoffwechselbedingten Erholungsprozesse mit einer Periodendauer unter 24 Stunden, die dem Bestand und der Gesunderhaltung des Organismus dienen, der zeitlichen Führung seitens der Ich-Organisation unterliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;AD 2. ZUR FUNKTIONELLEN DREIGLIEDERUNG&#039;&#039; &#039;&#039;DES MENSCHLICHEN ORGANISMUS&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Gedanke der funktionellen Dreigliederung des menschlichen Organismus geht auf eine dreißigjährige Forschung Steiners zurück, die er erstmals 1917 publizierte.[3] Der Anatom und Morphologe Johannes W. Rohen griff diese Anregung in seinen Lehrbüchern für die Medizinstudenten auf.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Sichtweise des menschlichen Organismus verknüpft drei Aspekte miteinander:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Sie macht den polaren Bau des menschlichen Organismus funktionell und morphologisch transparent.&lt;br /&gt;
# Sie liefert eine pathologisch und therapeutisch relevante Erklärung des Leib-Seele-Problems.&lt;br /&gt;
# Sie führt nicht nur zu einer neuen Sicht auf die Entstehung von Krankheit, sondern auch zu einem Konzept für die Entstehung von Gesundheit (Salutogenese, Hygiogenese).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Polarität und ausgleichende Prozesse&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Morphologisch betrachtet sind die Rundheit der Schädelform und die radiale Form der Gliedmaßen echte Polaritäten. Entsprechend polar stehen auch die bewussten, im Kopf zentrierten Denk- und Sinnestätigkeiten den unterhalb des Zwerchfells lokalisierten unbewussten metabolischen Auf- und Abbauvorgängen gegenüber. Dazwischen entfalten sich die rhythmischen Transport- und Verteilungssysteme, wie sie von den Atmungsorganen und dem Herzen als Mittelpunkt des Kreislaufsystems ausgehen. Diese dreiteilige morphologische Grundgliederung bezeichnet Steiner mit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Nerven-Sinnes-System NSS&#039;&#039;&#039;: überwiegend im Kopf zentrierte &#039;&#039;„obere Organisation&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Rhythmisches System RS&#039;&#039;&#039;: überwiegend im Thorax lokalisierte &#039;&#039;„mittl. Organisation&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Stoffwechselsystem&#039;&#039;&#039;: überwiegend im Abdomen lokalisierte &#039;&#039;„untere Organisation&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Dreigliederung entspricht bereits die Polarität von Ektoderm und Entoderm und den sich aus dem Zusammenspiel beider ergebenden sekundären mesodermalen Strukturen in der Embryonalentwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Dreigliederung findet sich auch in der Formation des Skelettes wieder: Wirbelsäule und Brustkorb haben einen rhythmisch gegliederten Aufbau (Wirbel, Rippen), im Gegensatz zur radialen Form der Extremitäten und der sphärischen des Kopfes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die zeitlich-prozessuale und damit auch die physiologisch-biochemische Betrachtung ist jedoch das jeweils spezifisches Zusammenwirken der vier Wesensglieder in den drei Regionen des Körpers entscheidend:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbstverständlich gehört der Nervenzell-Stoffwechsel den Stoffwechselfunktionen an und umgekehrt ist das vegetative Nervensystem, das wahrnehmend und regulierend auf das gesamte Stoffwechselgeschehen einwirkt, Bestandteil des Nervensinnessystems.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entsprechend ist das rhythmische System mit seinen Funktionsleistungen auch im Nervensinnes-System und beim Stoffwechsel wirksam. Es stellt mit den kurzwelligen Rhythmen der elektrochemischen Hirnpotentiale im Sekundenbereich und den langwelligen Eigenrhythmen der Stoffwechselorgane (z.B. Magen / Darmmotilität) im Stundenbereich die gesamte rhythmische Funktionsordnung im dreigliedrigen Organismus dar. Bei der Dreigliederung handelt es sich also nicht um eine Dreiteilung, sondern um eine funktionelle Gliederung, die sich gleichzeitig räumlich im polaren Aufbau des Körpers abbildet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zusammenspiel der Wesensglieder im dreigliedrigen Organismus&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Werden die Funktionen des Nerven-Sinnes- und des Stoffwechselsystems mithilfe des rhythmischen Systems nicht genügend aufeinander abgestimmt, so tritt Krankheit auf:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Derjenige wird den menschlichen Organismus in seinem gesunden und kranken Zustand – oder besser gesagt: in seinem Gesund-Sein und seinem Gesund-Werden – nicht eigentlich verstehen können, der nicht berücksichtigt, dass die so genannten normalen Funktionen im Grunde nur Metamorphosen sind, auch derjenigen, die wir hervorrufen müssen, um pathologischen Zuständen zu begegnen&amp;quot;&#039;&#039;.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hildebrandt machte darauf aufmerksam, dass diese Aussage Steiners im Prinzip dem so genannten ersten Hauptsatz der Naturheilkunde entspricht, wie er zum Beispiel von Groote formuliert wurde: &#039;&#039;„Das, was den Gesunden gesund erhält, ist auch geeignet, den Kranken wieder gesund zu machen&amp;quot;&#039;&#039;.[6]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Inkarnierende und exkarnierende Wesensgliedertätigkeit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das Steinersche Paradigma von der Metamorphose der „inkarnierenden&amp;quot; Wesensgliedertätigkeit in die „exkarnierende&amp;quot;, die das seelisch-geistige Leben ermöglicht, ist einerseits Grundlage für ein neues Verständnis des Leib-Seele-Zusammenhangs. Es bietet aber auch bisher nicht dagewesene Möglichkeiten, die Fachgebiete der Erziehungswissenschaften und Medizin in ihrem Zusammenhang zu verstehen und für die Weiterentwicklung von Therapie und Pädagogik zu nutzen. Denken, Fühlen und Wollen als seelisch-erfahrbare Qualitäten werden in ihrem Leibbezug durchschaubar:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Der &#039;&#039;&#039;Ätherleib&#039;&#039;&#039; kann damit als &#039;&#039;Träger des Gedankenlebens&#039;&#039; erkannt werden,&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;&#039;Astralleib&#039;&#039;&#039; als &#039;&#039;Träger des Gefühlslebens&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* und die &#039;&#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;&#039; als &#039;&#039;Träger des Wollens bzw. Tuns&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die inkarnierende Wesensgliedertätigkeit ermöglicht Selbsterfahrung und ist somit die Grundlage von Selbstbewusstsein im Leib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die exkarnierende Wesensgliedertätigkeit, deren Medium das Denken ist, das „Leben im Geiste&amp;quot;, ist Grundlage für die Entwicklung eines bewussten, vom Leib emanzipierten, persönlichen Innenlebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die inkarnierende und die exkarnierende Wesensgliedertätigkeit hängen eng zusammen im Kontext der Entwicklung des Menschen. So entwickelt sich z.B. unser Denken erst aus der schrittweisen Emanzipation des Ätherleibes – von der leibgerichteten Tätigkeit hin zur leibfreien, rein gedanklichen Tätigkeit.[7] Wird die gesunde Inkarnation des Ätherleibes durch die Erziehung nicht unterstützt, sondern behindert durch kognitives Frühtraining und die Förderung abstrakten Denkens, emanzipiert sich der Ätherleib zu früh und ein Mangel an Vitalität in der zweiten Lebenshälfte ist die Folge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Alles hat seine Zeit&amp;quot; ist daher die Grundlage der Waldorfpädagogik und ihres altersspezifischen Lehrplans.[8](besser nicht in kursiv).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entwicklungsgerechte Förderung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Organsysteme des menschlichen Organismus bedürfen einer entwicklungsgerechten, altersspezifischen Förderung, um sich gesund aufbauen und genügend ausreifen zu können. Nur dadurch kann die Inkarnation aller Wesensglieder optimal gewährleistet werden. Damit wird auch die physiologische Lockerung der Wesensglieder im letzten Lebensdrittel auf möglichst gesunderhaltende Art und Weise vorbereitet. Jeder alternde Organismus hat zwar die Disposition zu chronischen Erkrankungen des älteren Menschen, ob es jedoch zum Ausbruch einer entsprechenden Krankheit kommt bzw. welchen Schweregrad sie erreicht, ist bis zu einem gewissen Grad abhängig davon, wie das Kind oder der Jugendliche die Zeit der Inkarnation der Wesensglieder durchlaufen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiteres Kriterium ist die Frage, ob in der Lebensmitte durch geistige Aktivität Lebensfragen und Konflikte so verarbeitet wurden, dass die zur Gesunderhaltung von Leib und Seele nötige Übereinstimmung mit sich und dem Schicksal hergestellt werden konnte. Aaron Antonovsky spricht von der Notwendigkeit, ein „Kohärenzgefühl“ sich und seinen Lebensumständen gegenüber zu erwerben.[9]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;AD 3.&#039;&#039; &#039;&#039;ERZIEHUNG UND SELBSTERZIEHUNG ALS QUELLE SALUTOGENER KOMPETENZ&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die von Rudolf Steiner konsequent verfolgte These einer Erziehung zur Freiheit und einer Lehre von der Gesundheit, basierend auf der Auseinandersetzung mit den Herausforderungen des Lebens auf geistiger, seelischer und körperlicher Ebene, erfährt auf vielfältige Weise Bestätigung durch:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Hygiogenese&#039;&#039;&#039; (Hildebrandt 1985),&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Salutogenese&#039;&#039;&#039; (Antonovsky 1997)&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Resilienzforschung&#039;&#039;&#039; (Opp/Fingerle/Freytag 1999)&lt;br /&gt;
* sowie die &#039;&#039;&#039;Erforschung der seelischen Gesundheit&#039;&#039;&#039; durch die humanistische Psychologie (Maslow 1981).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Erforschung der seelischen Gesundheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Maslow fand bei seinen Untersuchungen zur seelischen Gesundheit heraus, dass Menschen mit einer gesunden seelischen Gesamtverfassung sach- und nicht ich-bezogen handeln, dass sie tolerant und wahrhaftig sind, sich herzlich freuen, staunen und Dinge und Menschen bewundern können, dass sie Gefühle der Devotion aufbringen. Ihnen ist gemeinsam, dass sie auf die eine oder andere Art auf eine spirituelle Höhepunkt-Erfahrung, die so genannte Peak-Experience, zurückschauen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Maslow konnte zeigen, in wie hohem Maße die Arbeit an der eigenen Persönlichkeit und die persönliche Reife Einfluss auf den körperlichen Gesundheitszustand haben.[10]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Salutogenese – die Lehre von der Gesundheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Antonovsky entwickelte in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts seine Theorie der Salutogenese. Er untersuchte die Bedingungen für das Entstehen von Gesundheit und wählte als Kernbegriff den „Sense of Coherence“ – das Kohärenzgefühl. Die Entstehung von Kohärenzgefühls unterliegt drei Vorbedingungen: Die Welt muss als&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* verstehbar&lt;br /&gt;
* sinnhaft&lt;br /&gt;
* handhabbar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
erlebt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder in der Gesundheitsforschung Tätige kommt früher oder später zu der Überzeugung, dass Gesundheit ein labiler Zustand ist, der vom Individuum aktiv erhalten werden muss. Diese Auffassung steht im Gegensatz zum konventionellen, pathogenetischen Postulat, dass ein gesunder Organismus sich in „normaler&amp;quot;, geordneter Homöostase befindet, die durch eine Krankheit aus dem Gleichgewicht gebracht wird. Antonovsky stellt dem entgegen, dass es den geordneten Zustand der Homöostase nicht gibt, dass Gesundheit vielmehr das ständige Ringen mit heterostatischen Zuständen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er schreibt: &#039;&#039;„Zu jedem Zeitpunkt kann mindestens ein Drittel, möglicherweise mehr als die Hälfte der Bevölkerung in den Industrienationen aufgrund des einleuchtenden Parameters eines pathologischen Merkmals als krank bezeichnet werden. Das zeigt, dass Krankheit keine relativ seltene Abweichung irgendeiner Norm, sondern ein ubiquitäres Phänomen ist&amp;quot;&#039;&#039;.[11]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit ist so gesehen nicht die Abwesenheit von Krankheit, sondern die Beherrschung und Kompensierung vorhandener Krankheitstendenzen. Für diese gesundheitswissenschaftliche Sicht bietet das Konzept der Wesensglieder und ihr differenziertes Zusammenwirken im dreigliedrigen Organismus das notwendige theoretische und praxisrelevante Instrumentarium. Hinzu kommt, dass das Wesensgliederkonzept bisher das einzige Konzept ist, das dem denkenden Begreifen den Leib-Seele-Geist-Zusammenhang voll erschließen kann und die These von der „Blackbox&amp;quot; begründet hinterfragt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Amelung, W. / Hildebrandt, G. (Hrsg.), Balneologie und medizinische Klimatologie, Berlin 1985.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Gunther Hildebrandt, &#039;&#039;Physiologische Grundlagen der Hygiogenese&#039;&#039;, in: Peter Heusser (Hrsg.), &#039;&#039;Akademische Forschung in der anthroposophischen Medizin&#039;&#039;. Beispiel Hygiogenese: Natur- und geisteswissenschaftliche Zugänge zur Selbstheilungskraft des Menschen, Bern 1999.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Von Seelenrätseln&#039;&#039;, GA 21.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Johannes W. Rohen, &#039;&#039;Morphologie des menschlichen Organismus. Versuch einer goetheanischen Gestaltlehre des Menschen,&#039;&#039; Stuttgart 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Anthroposophische Grundlagen für ein erneuertes christlich-religiöses Wirken&#039;&#039;, GA 342, Dornach 1993.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] L. R. Groote, K. E. Rothschuh, &#039;&#039;Der Arzt im Angesicht von Leben, Krankheit und Tod&#039;&#039;, hrsg. von K. E. Rothschuh, Stuttgart 1961.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkt der Geisteswissenschaft&#039;&#039; in: &#039;&#039;Lucifer - Gnosis&#039;&#039;. 1903-1908, Dornach 1987;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M. Glöckler, &#039;&#039;Gesundheit und Schule. Schulärztliche Tätigkeit an Waldorf- und Rudolf-Steiner- Schulen.&#039;&#039; Dornach 1998.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Tobias Richter, &#039;&#039;Lehrplan&#039;&#039;, Stuttgart 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Aaron Antonovsky, &#039;&#039;Salutogenese. Zur Entmystifizierung der Gesundheit&#039;&#039;, Tübingen 1987.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Abraham Maslow, &#039;&#039;Motivation und Persönlichkeit&#039;&#039;, Hamburg 1981.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Siehe Fußnote 9.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== METHODISCHE GRUNDLAGEN DES ANTHROPOSOPHISCHEN ANSATZES ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worin wurzelt die Methodik des anthroposophischen Ansatzes?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wurzeln des anthroposophischen Ansatzes&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der anthroposophische Ansatz hat seine Wurzeln in der abendländischen Philosophie und der Erkenntnisdramatik des 20. Jahrhunderts. Er bemüht sich um ein spirituelles Verständnis von Mensch und Welt über die Weiterentwicklung des Denkens zu einer unmittelbaren geistigen Anschauung, von Steiner „Imagination“ genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Anthroposophische Medizin ====&lt;br /&gt;
Anthroposophische Medizin hat zum Ziel, sich am Menschen selbst zu orientieren und seinem Heilbedarf auf die jeweils bestmögliche Art zu entsprechen. So greift der konsequent integrativ-medizinische Ansatz nicht nur die verschiedenen Erkenntnis-, Erfahrungs- und Daseinsebenen des Menschen auf, sondern verfügt auch über eine Diversität methodischer Zugänge. Im Sinne des Goethe‘schen Paradigmas bedeutet das, die Art der Betrachtung von der Art des zu Betrachtenden abhängig zu machen. Da der Mensch selbst ein so vielschichtiges und kompliziertes Wesen ist, bedarf es zu seiner Erforschung und Beschreibung die dem jeweiligen Objekt der Erkenntnis angemessene Methode. Allerdings müssen die so erforschten Einzelaspekte dann untereinander vernetzt und konzeptionell so verknüpft werden, dass eine Ganzheit entsteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Die Medizin des 21. Jahrhunderts muss wieder neu den Menschen entdecken, der immer mehr in ultrastrukturelle Teile zerbricht, weil ihr eine auf die Ganzheit gerichtete Erkenntnismethode – die intuitive – fehlt“.&#039;&#039;[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Menschen in seiner Totalität zu erfassen, ist ohne Intuition und Empathie nicht möglich. Diese Ganzheit dann aber je nach Fragestellung und Blickwinkel methodisch und inhaltlich zu gliedern und auch deduktiv zugänglich zu machen, bedarf eines differenzierten Erkenntnisansatzes, wie er in den methodischen Grundlagen der anthroposophischen Geisteswissenschaft vorliegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Anthroposophische Geisteswissenschaft ====&lt;br /&gt;
Anthroposophische Geisteswissenschaft vermittelt keine „fertige&amp;quot; Weltanschauung. Vielmehr lehrt sie, sich eine eigene Weltsicht zu erarbeiten, indem sie bei der Ausbildung des „Selber-Denkens&amp;quot; ansetzt. Mit Hilfe dieses Ansatzes kann jeder Fragen aufgreifen, die ihn im Zusammenhang mit der eigenen Religion oder spirituellen Heilweise interessieren. So gibt es nicht nur Schulmediziner, sondern auch Homöopathen und Vertreter anderer Therapierichtungen, die sich zu anthroposophischen Ärzten weiterbilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Anthroposophische Arzneimittel ====&lt;br /&gt;
Aufgrund des integrativ-medizinischen Ansatzes können die Arzneimittel der anthroposo­phischen Therapierichtung weder methodisch noch von den Stoffgruppen her klar abgegrenzt werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Beispiel wird eine Vielzahl von Arzneimitteln aus natürlichen Rohstoffen hergestellt, ohne dass Anthroposophische Medizin deshalb identisch mit der Naturheilkunde wäre. Es werden über 250 Heilpflanzen verarbeitet, dennoch ist Anthroposophische Medizin keine Phytotherapie. Denn im gesamten Arzneimittelschatz haben gerade die aus natürlichen mineralischen Rohstoffen hergestellten Präparate eine besondere Bedeutung. Schließlich ist Anthroposophische Medizin auch nicht mit der Homöopathie identisch, obwohl sie mit ihr – in modifizierter Form – die Technik des Potenzierens und die Potenzbezeichnung für sehr viele mineralische, pflanzliche und einige tierische Arzneimittel gemeinsam hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch liegt eine größere Anzahl von Präparaten in konzentriert-stofflicher Form vor, allen voran die Präparate aus der weißbeerigen Mistel zur Krebsbehandlung oder das gern gebrauchte Mittel zur Kreislaufregulation Cardiodoron®. Dennoch ist die anthroposophische Therapierichtung nicht zu der allopathischen zu rechnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Volker Fintelmann, &#039;&#039;Intuitive Medizin,&#039;&#039; Hippokrates Verlag, Stuttgart: 1. Aufl. 1987, 5. Aufl. 2007.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== NOTWENDIGER PARADIGMENWECHSEL IN DER MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Warum bedarf die Schulmedizin einer Ergänzung durch eine ganzheitliche Sicht auf den Menschen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern kann die Anthroposophische Medizin zu einem Paradigmenwechsel beitragen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Notwendige Demokratisierung des Gesundheitswesens&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das naturwissenschaftliche medizinische System orientiert sich an der Pathologie. Aus wirtschaftlicher Perspektive folgt daraus: Je mehr Diagnostik und Therapie betrieben werden, umso so mehr Umsatz kann gemacht werden. Anders ausgedrückt: Mit der Krankheit Geld zu verdienen, fördert das Krankheitswesen. Würde man jedoch mit Prävention und Gesundheitsstrategien Umsätze machen und dafür in eine Gesundheitskasse einzahlen, würde dies entschieden zur Volksgesundheit beitragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner forderte bereits 1920 eine &#039;&#039;„Demokratisierung des Gesundheitswesens“.[1]&#039;&#039; Ärzte, Apotheker, Hersteller und Verbraucher sind gefragt, gemeinsam und in Partnerschaft mit den Patienten bzw. Vertretern der Zivilgesellschaft Mitverantwortung für die Gestaltung des Gesundheitswesens zu übernehmen und für die hierzu erforderliche Methodenvielfalt und Therapiefreiheit einzutreten.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Auf Prävention fokussieren&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Paradigmenwechsel könnte sich allem voran darin äußern, dass man der Gesundheitsforschung höchste Priorität gibt. Dies erfordert aber eine ganzheitliche Sicht auf den Menschen, weil Gesundheit nicht auf molekularer Ebene entsteht, sondern das komplexe Ergebnis des Zusammenwirkens geistiger, seelischer, ökologischer und körperlicher Vorgänge ist. Es gehört aber auch eine „physiologische Denkweise dazu“, die dies vermitteln kann. Diese bietet die Anthroposophische Medizin. Als Kinderärztin erlebte ich in der Praxis immer wieder mit Freude, wie lebens- und entwicklungsfreundlich diese physiologische Denkweise und das integrative Menschenbild der Anthroposophischen Medizin sind. Hierzu drei Beispiele:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== •  Vitamin D ====&lt;br /&gt;
Als das Vitamin D entdeckt wurde, reiste der anthroposophische Kinderarzt &#039;&#039;Wilhelm zur Linden&#039;&#039; von Kongress zu Kongress und informierte seine Kollegen, dass die Dosen, die sie den Kindern verabreichten – Vigantolstöße genannt – viel zu hoch und unphysiologisch wären und den Kindern nicht nur nützen, sondern auch schaden würden. Seine Warnungen blieben über Jahre ungehört – bis Studien und Beobachtungen in der Praxis endlich zeigten, wie recht er hatte.[3] Doch bis dahin hatten unzählige Kinder bereits Schaden genommen. Man hätte das durch eine gesunde Denkweise vermeiden können. denn später machte schließlich genau das, was zur Linden ganz zu Anfang schon empfohlen hatte: Man gab kleine, der Physiologie angenäherte Dosen, wie der Körper sie selbst bilden könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;•  &#039;&#039;&#039;Fieberbehandlung ====&lt;br /&gt;
Ein weiteres Beispiel betrifft die Fieberbehandlung. Als ich mein Kinderärzte-Staatsexamen machte, mussten wir noch ankreuzen, dass Fieber eine Krankheit ist, die fiebersenkend, antipyretisch behandelt werden müsse, sonst wäre die Antwort falsch gewesen. Für das Facharzt-Examen besorgte ich mir dann die neueste Auflage der Kinderheilkunde von Professor Simonis. Dort las ich, nur der unerfahrene Kinderarzt würde bei jedem Fieber ein fiebersenkendes Mittel verordnen. Der erfahrene wisse, dass Fieber immunstimulierend wirkt und entscheidend zur Krankheitsbekämpfung beiträgt. Fieber sei ein natürliches Virostatikum und Antibiotikum. Bakterien und Viren sterben zwischen 39° und 40°. Man müsse das Fieber nur intelligent begleiten. Das belegen mittlerweile auch andere Studien weltweit.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Teil bis heute wurden und werden viele Kinder aber „falsch“ behandelt, obwohl man eigentlich weiß, dass es nicht gut ist! Und das nur, weil man im Medizinstudium nicht lernt, mit dem Organismus und im Sinne seiner Funktionen zu denken und zu fühlen und ihn in seinem Sosein optimal zu unterstützen. Selbstverständlich gibt man ein Antipyretikum, wenn man das Fieber nicht beherrschen kann. Aber das ist nur in wenigen Fällen nötig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== •  Antibiotika ====&lt;br /&gt;
Noch in meiner Facharztprüfung Anfang der Achtziger musste ich die Schulmeinung wiedergeben, dass jede Mittelohrentzündung/Otitis Media breitbandantibiotisch behandelt werden müsse, jede! Mit großen Hochglanzprospekten wurden die Forschungen dazu vorgestellt. Dieselben Firmen der Pharmaindustrie hatten jedoch Mitte der Neunziger Jahre plötzlich großes Interesse daran, genau das Gegenteil zu beweisen: Damals hatte die Antibiotikaresistenz bestimmter Krankheitserreger so zugenommen, dass es für die Firmen teurer war, neue Antibiotika zu entwickeln, als die Einbußen durch Nichtbehandeln hinzunehmen. So „durfte“ man jetzt vernünftig behandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophische Ärzte haben jedenfalls – ebenso wie ihre Kollegen in Homöopathie und Komplementärmedizin – durch ihren nicht routinemäßigen, sondern individuell abgewogenen Einsatz von fiebersenkenden Mitteln und Antibiotika seit langem einen nachahmenswerten Beitrag geleistet, der heute so viel diskutierten Antibiotika-Resistenzentwicklung entgegenzuwirken.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner sagte, die Ärzte der Zukunft werden Lehrer in Gesundheitswissenschaft sein und die Lehrer der Zukunft werden Präventionsärzte für die Heranwachsenden sein.[6] Das ist ein Konzept, an dem es sich zu arbeiten lohnt, für das ich mich zunehmend begeistern kann, weil es genau der Beitrag ist, den die Medizin der Gegenwart für ihren Paradigmenwechsel braucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Was ist Anthroposophische Medizin?, Verlag am Goetheanum 2017&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Hygiene als soziale Frage. In: Physiologisch-Therapeutisches auf Grundlage der Geisteswissenschaft.&#039;&#039; GA 314. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1989, S. 221 - 261.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Mehr dazu unter: www.eliant.eu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Eine ausführliche Darstellung der Vitamin-D-Schäden findet sich bei M.S. Seelig, &#039;&#039;Vitamin D and cardiovascular, renal and brain damage in infancy and childhood.&#039;&#039; Ann. New York Acad. Sci. 1969, 147:539 - 582.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Ilene Claudius, Larry J. Baraff, &#039;&#039;Pediatric emergencies associated with fever.&#039;&#039; Emergency Medicine Clinics of North America 28: S. 67 - 84, 2010.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Hamre, Harald J. / Glockmann, Anja / Schwarz, Reinhard / Riley, David S. / Baars, Eric W. / Kiene, Helmut / Kienle, Gunver S.: Antibiotic Use in Children with Acute Respiratory or Ear Infections: Prospective Observational Comparison of Anthroposophic and Conventional Treatment under Routine Primary Care Conditions. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine 2014: &amp;lt;nowiki&amp;gt;http://dx.doi.org/10.1155/2014/243801&amp;lt;/nowiki&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Siehe auch: &#039;&#039;Waldorfpädagogik und Anthroposophische Medizin&#039;&#039;. Schwerpunktheft „Der Merkurstab“ 4:2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FÜNF URSACHEN FÜR KRANKHEIT UND FÜNF WEGE ZUR HEILUNG ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Ursachen für Erkrankung gibt es laut Paracelsus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und welche Wege der Heilung sieht die Anthroposophische Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fünf Ursachen für Krankheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Schon &#039;&#039;Paracelsus&#039;&#039;&#039;[1]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; hat gesagt, der Mensch sei ein fünfgliedriges Pentagramm.[2] Entsprechend gibt es fünf Wege, gesund bzw. krank zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesen Gedanken habe ich versucht, in die Anthroposophische Medizin und in die heutige Zeit zu übertragen. Ich stelle also Paracelsus’ Beispiel mit den Worten des einundzwanzigsten Jahrhunderts dar:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Physischer Standpunkt ====&lt;br /&gt;
Der erste Arzt vertritt den physischen Standpunkt: &#039;&#039;„Das ist doch klar: Der Patient ist durch den Cholerabazillus infiziert worden und letztlich an nicht mehr beherrschbaren Komplikationen verstorben.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ätherischer Standpunkt ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Eines wundert mich“,&#039;&#039; sagt der Zweite, &#039;&#039;„wenn gesichert ist, dass der Patient an einem Bazillus gestorben ist, warum sind dann nicht alle gestorben, die sich angesteckt haben? Denn die meisten meiner Patienten sind nicht gestorben. Also ist klar, dass der Patient gestorben ist, weil seine Selbstregulation versagt hat. Deshalb konnten auch die Komplikationen nicht beherrscht werden. Die Krankheitsursache liegt eindeutig im Ätherischen. Seine Abwehr war zu schwach, er hatte ein Immundefizit. Der Patient ist an seiner immunologischen Inkompetenz gestorben.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Astralischer Standpunkt ====&lt;br /&gt;
Der dritte Arzt spricht vom Aspekt des Astralleibes her: &#039;&#039;„Liebe Kollegen, Immunkompetenz und Bazillenwirkung sind nicht das Ende der Medizin! Ich kann euch sagen, woran es liegt, dass das Immunsystem eines Menschen dekompensiert: Habt ihr noch nie etwas von der Psychoneuroimmunologie gehört? Meine Forschungsergebnisse belegen, dass positive Gefühle das Immunsystem stärken. Negative Gefühle lassen das Immunsystem früher oder später insuffizient werden. Die Ursache für den Choleratod liegt also in den negativen Gefühlen des Patienten. Er war bitter, kritisch, nörgelig – enttäuscht über sein Leben. Ihr habt ihn doch gekannt! Er war seelisch nicht besonders konstruktiv. Das hält doch kein Mensch auf Dauer aus. Der Cholerabazillus war nur der Effektor. Der Patient war eigentlich schon am Ende. Die Todesursache liegt also im Seelischen.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Standpunkt der Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Schließlich meldet sich ein Vierter und beleuchtet das Ganze vom Aspekt der Ich-Organisation her: &#039;&#039;„Ich könnte allem folgen, was ihr sagt, aber mich wundert, dass ihr meint, das wären die wirklichen Ursachen. Meine Erfahrung ist, dass es vom eigenen Identitätsbewusstsein abhängt, ob jemand bereit ist, an seinen negativen Gefühlen zu arbeiten. In meiner medizinischen Erfahrung habe ich gelernt, Patienten zu motivieren, an ihren negativen Gefühlen zu arbeiten und diese zu überwinden. Dadurch entwickeln sie immunologische Kompetenzen. Selbstüberwindung und die Bereitschaft, aus dem Negativen etwas Positives zu gewinnen, habe ich als das stärkste Wirkprinzip entdeckt. Diejenigen, die keine Lust am Lernen, an der Verwandlung, die keine Lust haben, auch das Negative als zum Leben gehörig zu betrachten, sondern sich immer nur darüber beklagen, werden früher oder später krank. Keine Seele hält es aus, wenn in ihr ein lahmes, inaktives Ich wohnt. Also sage ich: Der Patient ist daran gestorben, dass er sich zu wenig mit sich und seinem Leben identifizieren konnte.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Schicksalsstandpunkt ====&lt;br /&gt;
Der fünfte Arzt sagt: &#039;&#039;„Ich habe das Horoskop des Patienten konsultiert – das stand auf Krise. Man muss zwar bis zuletzt alles tun, was möglich ist – aber gegen das Schicksal und Gottes Ratschluss sind wir ohnmächtig.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun sind alle gespannt, was Paracelsus selber dazu sagen werde. Er überrascht seine Kollegen, indem er sagt: &#039;&#039;„De quinte entibus. Liebe Kollegen, es gibt fünf Wege zur Krankheit und entsprechend auch zur Heilung. Deswegen habt ihr alle fünf recht.“ Ein guter Arzt hat all dies im Auge und greift da an, wo er seiner ärztlichen Intuition gemäß die größten Heilungschancen sieht. Erzwingen können wir nichts, aber wir können bis zuletzt um das Leben des Patienten ringen und für seine Heilung kämpfen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fünf Wege zur Heilung in der Anthroposophischen Medizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Auf der physischen Ebene: ====&lt;br /&gt;
Einsatz der Möglichkeiten der Schulmedizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Auf der ätherisch-prozessualen Ebene: ====&lt;br /&gt;
Prozessorientiert-wirksame Arzneimittel, Diät und Lebensstiländerungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Auf der astralen Ebene: ====&lt;br /&gt;
Neben dem therapeutischen Gespräch ist die Verordnung einer künstlerischen Therapie äußerst hilfreich. Darin können sich auch Kranke ausdrücken, die (noch) nicht bereit sind, über ihre Probleme zu sprechen. Auch Biographie-Arbeit hat sich bewährt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Auf der Ich-Ebene: ====&lt;br /&gt;
Wichtig ist die Beachtung der Identitätsfrage. Manchmal muss man hier das Hauptaugenmerk darauf richten und bei Selbstwertfragen oder Identitätsproblemen Wege zu Selbstschulung nennen. Oft hilft auch die Empfehlung der Lektüre von Steiners Buch zur Selbstschulung &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“[3]&#039;&#039; oder aber eine erneute Suche nach religiöser Sinnfindung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Auf der Ebene der spirituellen Orientierung: ====&lt;br /&gt;
Die Erarbeitung einer sinnstiftenden Weltanschauung ist das tragende Fundament einer gesunden Lebensführung. Hier ist jeder einzelne gefragt, das für ihn Stimmige zu suchen und die entsprechenden Gesichtspunkte im Leben anzuwenden und zu beherzigen. Der Arzt kann auf Grund seiner Lebenserfahrung und Empathie helfender Begleiter sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur Anthroposophischen Medizin, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Philippus Theophrastus Aureolus Bombastus von Hohenheim, getauft als Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, (* vermutlich 1493 in Egg, Kanton Schwyz; † 24. September 1541 in Salzburg) war ein Arzt, Alchemist, Astrologe, Mystiker, Laientheologe und Philosoph. Paracelsus hinterließ zahlreiche deutschsprachige Aufzeichnungen und Bücher medizinischen, astrologischen, philosophischen und theologischen Inhalts, die größtenteils erst nach seinem Tod gedruckt wurden. (wikipedia)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Paracelsus, &#039;&#039;Opus paramirum und De quinte entibus&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?&#039;&#039; GA 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== WIRKFAKTOREN IN DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wirkt Medizin generell?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Faktoren spielen dabei eine Rolle?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wie Anthroposophische Medizin wirkt&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Wirksamkeit der Anthroposophischen Medizin setzt sich aus verschiedenen Faktoren zusammen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Stoffliche Qualität ====&lt;br /&gt;
Schwefel wirkt anders als Phosphor oder anderes. Dieses Enzym hat diese Wirkung und ein anderes Hormon eine andere. Wenn ich ein bestimmtes Mittel gebe, muss ich das berücksichtigen. Das ist die rein stoffliche Wirkung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Pharmazeutisch-moralische Qualität ====&lt;br /&gt;
Es gibt verschiedene Stufen der ethisch-moralischen Zusatzwirkung. Wenn ein Pharmazeut seine Produkte mit Liebe herstellt, ist der Stoff nicht nur Träger seiner Eigenwirkung, sondern die positive Absicht, helfen zu wollen, überträgt sich vom Pharmazeuten auf das Produkt. Das ist eine pharmazeutische Qualität, die er moralisch beeinflussen kann. Das hat nicht nur mit Produktreinheit zu tun, ob unsauber oder sauber gearbeitet wird, sondern mit der moralischen Integrität dessen, der das Produkt herstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Ärztliche Qualität ====&lt;br /&gt;
Ärztliche Qualität entsteht, wenn ein Arzt ein Medikament aufgrund guter Überlegungen mit seinen eigenen Gedanken durchsetzt, mit seiner Liebe zum Patienten, mit seinem Willen, ihm zu helfen. Wenn er das Rezept aus dieser Gesinnung heraus dem Patienten gibt, geht diese innere Einstellung auf den Patienten über. Die Schulmedizin nennt das ‚Placebo-Effekt’, die ‚Droge Arzt’. Aber es gibt keinen Placebo-Effekt, es gibt nur Wirkungen, die man nicht versteht! Der Begriff des Placebos ist ein unwissenschaftlicher Lückenbüßer, den man auch so kennzeichnen müsste. Man muss verstehen, warum welches Placebo wie wirkt! Gute Gedanken sind wirksam:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ist es nichts, wenn einer einem anderen „alles Gute“ wünscht?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es macht einen Unterschied, wenn jemand lügt und dem anderen in Wirklichkeit nicht alles Gute wünscht!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich jemandem Gutes wünsche bzw. wenn ich als protestantischer Christ die Fürbitten mache oder als Katholik bete, hat das doch eine Wirkung! Ich mache das doch nicht zur Selbstbefriedigung, um mir zu zeigen, wie moralisch einwandfrei ich bin oder um dem Pfarrer zu gefallen! Ich mache es, weil ich davon überzeugt bin, dass Gedanken wirksam sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt destruktive Gedanken und positive Gedanken, die nicht nur auf mein Immunsystem, sondern auch auf die Immunsysteme meiner Mitwelt wirken. Hass auf andere Leute ist destruktiv, nicht nur für mich, sondern auch für die Anderen. Das sind astrale Attacken, die Verletzungen seelischer Art erzeugen können. Auch wenn sie unbewusst sind, wirken sie. Sensible Leute spüren genau, wenn Menschen sie hassen oder sie vernichten, betrügen oder mobben wollen. Es braucht nicht real zu passieren, man spürt bereits die Intention als etwas Destruktives. Solche Wirkungen sind kein Placebo-Effekt, sondern geistig-seelisch genau zu beschreiben und kommen entweder aus dem Denken, dem Fühlen oder der Intention von Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Ärztliche Intention als Zusatzwirkung&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Als Arzt gebe ich meine Intention dem Medikament mit. Rudolf Steiner sagt, der Arzt müsse seinem Arzneimittel eine „Aura“ mitgeben, eine Widmung. Wenn ich zum Beispiel Schwefel oder Phosphor oder Arnika verordne, denke ich in diesem Moment an diesen Menschen, an seine Lebenssituation und widme die Wirkung des betreffenden Mittels dieser Situation. Es ist eine weiter imponderable Zusatzwirkung zur normalen Arnika-Essenz im Fläschchen, wenn ich es einem älteren Menschen, der auf der Intensivstation liegt, als Umschlag verordne. Für diesen Menschen habe ich ganz andere Gedanken als für jemand anderen. Meine Gedanken sind Teil dieser individuellen Therapie. Auch eine Standardtherapie verordne ich individuell, weil jeder Mensch anders ist. Es gibt keine zwei gleichen Situationen, auch wenn ich vielfach dieselben bewährten Arzneimittel verwendet habe. Das ist die ärztliche Wirkkomponente.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Der Wille zur Gesundung ====&lt;br /&gt;
Die vierte Komponente betrifft den Eigenanteil des Patienten. Patienten wollen heute genau wissen: „Wofür ist das?“, „Wogegen ist das?“ Wenn sie dann den Beipackzettel lesen, bekommen sie oft Angst. Inzwischen gibt es auch anthroposophische Beipackzettel, auf denen beispielsweise steht: An Kindern nicht erprobt, bitte nicht unter 12 Jahren anwenden. Da bekommen Eltern Angst vor Arnika D6, weil es nicht erprobt ist, und halten es für gefährlich. Dadurch kann sich die positive Wirkung des Arzneimittels nicht voll entfalten. Oder die Mittel wirken nicht recht, weil der Patient eigentlich nicht wirklich gesund werden will. In diesem Fall braucht und will er seine Krankheit. Ein Patient, der nicht gesund werden will, muss erst einmal lernen, wieder gesund werden zu &#039;&#039;wollen&#039;&#039;. Er sucht noch die Flucht in die Krankheit, weil er diesen Schutzraum offenbar braucht. Das ist im Moment seine Identität. Ein Patient, der nicht gesund werden will, für den die Krankheit seine aktuell aushaltbare Gesundheit ist, verkraftet das Leben nicht. Er braucht eine andere Behandlung, als „auf Teufel-komm-raus“ gesund gemacht zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Ärzte haben keine Zeit für eine gründliche Anamnese. Sie behandeln oft auch Menschen, die von Arzt zu Arzt gehen und in Wirklichkeit gar nicht gesund werden wollen. Man hätte schon in der Erstbegegnung eine Biografiearbeit dazwischenschalten oder sagen müssen: „Ich glaube, Sie sind wirklich krank. In ihrer jetzigen Situation würde ich ihnen raten, dass Sie sich für den Prozess des Gesundwerdens genügend Zeit nehmen. Lassen Sie sich im Moment von Ihrem Job beurlauben. Ich gebe Ihnen ein Zeugnis und wir nehmen uns einen ganz langsamen Weg zur Gesundheit vor, damit Sie so werden, wie Sie werden wollen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein anderes therapeutisches Ziel, als jemanden so schnell wie möglich symptomfrei zu bekommen, damit er wieder funktioniert. Wirkliche Heilung kann erst erfolgen, wenn der „Gesund-mache-Wille“ des Arztes sich mit dem „Gesund-werde-Willen“ des Kranken verbinden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Gnade ====&lt;br /&gt;
Das fünfte Therapieprinzip heißt schlicht Gnade. Man kann nicht gegen das Schicksal angehen. Manchmal ist das Schicksal des Kranken so, dass man trotz aller erdenklichen Mühe nicht helfen kann. Das fünfte Prinzip wurzelt in der Überzeugung, dass das Leben nicht in der ärztlichen Kompetenz, sondern in der Hand Gottes liegt. Wenn der Krebs erneut ausbricht, gehe ich mit dem Patienten anders um als zu Beginn einer Krebserkrankung. Jetzt ist größtmögliche Ehrlichkeit gefragt. z.B. das Eingeständnis: &#039;&#039;„Wenn nicht ein Wunder geschieht, könnte es diesmal der Anfang vom Ende sein. Überlege, ob Du Deinem Leben eine vollkommen andere Wendung geben willst und kannst. Jetzt hast Du nichts mehr zu verlieren, Du kannst nur noch gewinnen. Schau mal, ob Du Dich von allem, was Dich zwingt, freimachen kannst und frage Dich, was Du mit deinem letzten Lebensabschnitt wirklich machen willst. Folge nur Dir selbst!“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann passieren manchmal ungeahnte Wunder. Manchmal braucht es diese Todesnähe, bis ein Patient wirklich zu sich kommt und weiß, was für ihn im Leben zählt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Beispiel einer terminalen Krebserkrankung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ich hörte von einem Patienten mit terminalem Krebs. Der Arzt hatte ihm maximal drei Monate gegeben. Er trennte sich daraufhin von all seinem Hab und Gut, verkaufte sein Haus und ging auf Weltreise. Er wollte nun endlich umsetzen, wofür er sich sein Leben lang keine Zeit genommen hatte. Nach seiner Heimkehr wollte er den Rest seines Geldes verschenken und sich auf das Sterben vorbereiten. Als er zurückkam, war der Krebs jedoch weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geschichte hat mir ein Kollege erzählt, der meinte, so etwas wäre eigentlich nicht möglich. Ebenso sah es die Uni-Klinik, in der er behandelt wurde. In der Schulmedizin nennt man das ‚Spontanheilung’. ‚Placebo-Effekt’ und ‚Spontanheilungen’ sind Begriffe, die zeigen, dass man sich in der Schulmedizin nicht mit Wirkfaktoren auseinandersetzen möchte, die etwas differenzierter sind und Spiritualität mit einbeziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur Anthroposophischen Medizin, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ICH-WESEN UND WESEN DER HEILWIRKUNGEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worauf basieren die Phänomene ‚Selbstheilung und ‚Selbstregulation‘?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie korrespondieren das Ich-Wesen des Menschen und das Wesen der Heilwirkungen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern ist der Mensch direkt für den Fortgang der Evolution verantwortlich?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ich-Organisation und Selbstregulation&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel VII von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; wird das Wesen der Heilwirkungen in unmittelbarer Anknüpfung an das bisher über die physiologischen Prozesse und deren Steuerung durch die Wesensglieder Dargestellte beleuchtet. In Kap. V beispielsweise wurde erklärt, inwiefern die Entwicklungspotentiale der natürlichen Evolution mit der Entstehung der ‚defizitären‘ menschlichen Konstitution an ihr Ende kommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Kap. VII nun gehen die Autoren auf eine weitere Besonderheit des Menschen ein – seine „systemimmanente Offenheit“, die eine Voraussetzung für die Entwicklung des seelisch-geistigen Potential ist: &#039;&#039;„Die menschliche Gesamtorganisation ist nicht ein in sich abgeschlossenes System von ineinandergreifenden Vorgängen. Wäre sie das, sie könnte nicht der Träger des Seelischen und Geistigen sein.“[2]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Phänomene ‚Selbstregulation‘ und ‚Selbstheilungskräfte‘ weisen auf die vielen inzwischen bekannten Einflussfaktoren, wie der Mensch die eigene Gesundheit körperlich, seelisch und geistig selbst beeinflussen kann.[3] Die auch von einzelnen Krankenkassen bereits beachtete Präventionsforschung sowie die daraus resultierenden Präventionsprogramme sind dadurch inspiriert. Aus anthroposophischer Sicht ist es letztlich die Ich-Organisation, die für Art und Umfang der Selbstregulation verantwortlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Das Wesen der Heilwirkungen in Mensch und Substanz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das im Titel von Kapitel VII angesprochene ‚Wesen der Heilwirkungen‘ bezieht sich zum einen auf das Ich-Wesen des Menschen selbst und zum anderen auf das Wesenhafte der Substanzbildung durch die Abbau- und Aufbauvorgänge, für deren Qualität die Ich-Organisation ebenfalls verantwortlich ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Begrifflichkeit ‚Substanz‘ hat im Lateinischen die Konnotation des sub, d.h. des ‚darunter‘ liegenden Materiellen. Im Griechischen hat das Wort ουσια noch die Doppelbedeutung von ‚Wesen‘ und ‚Substanz‘:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* D.h. die im Nervensystem zerfallende Substanz &#039;&#039;&#039;entlässt geistige Formkraft&#039;&#039;&#039;, geistig Wesenhaftes. Hier wird die Ich-Organisation zum Träger des bewussten Geisteslebens.&lt;br /&gt;
* Im Gewebeaufbau aus dem Blut hingegen &#039;&#039;&#039;werden gestaltende Formkräfte aufgenommen&#039;&#039;&#039;. Hier wird die im unbewussten Körperleben schaffende Ich-Organisation im Substanzstrom von Blutgewebe und Muttermilch wie getragen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Dreifache Entfremdung der Substanz im Menschen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im Kapitel I war das Schicksal der Substanz im menschlichen Organismus als ein dreifacher Entfremdungsprozess geschildert worden. Diese Begrifflichkeit mag zunächst erstaunen, ist aber sehr präzise gemeint. Im Zuge des Verdauungsprozesses wird die Nahrungssubstanz aus dem Lebenszusammenhang von Pflanze und Tier heraus in den abgebauten mineralischen Zustand versetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# In der &#039;&#039;&#039;Neubelebung&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;durch den Ätherleib&#039;&#039; des Menschen geschieht ein erster Entfremdungsschritt. &lt;br /&gt;
# In dem darauffolgenden Prozess der &#039;&#039;&#039;Durchseelung&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;durch den Astralleib&#039;&#039; wird die Substanz weiter ihrem mineralischen Zustand entfremdet.&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;Durch die Arbeit der Ich-Organisation&#039;&#039; an der Substanz erreicht sie ihre höchste Entfremdungsstufe vom Physisch-Mineralischen, indem sie &#039;&#039;&#039;Geist tragend&#039;&#039;&#039; wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Dienst der Ich-Organisation kommt die Substanz sozusagen wieder aus der Fremde ‚nach Hause‘, indem sie erneut zum Wärmezustand vergeistigt wird und nicht mehr stofflich fassbar ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Selbstheilungskräfte (aus dem Blut) aktivieren lernen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel VII werden die Selbstheilungskräfte nicht mit Blick auf ihre Funktion als körperliche Schutz- und Abwehrmechanismen des Immunsystems geschildert. Vielmehr werden sie als diejenigen Kräfte dargestellt, die dem Blut innewohnen, das den dreigliedrigen Organismus versorgt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* einerseits in Form der &#039;&#039;&#039;weißen Blutzellen&#039;&#039;&#039;, die für die körperliche Abwehr verantwortlich sind, &lt;br /&gt;
* insbesondere aber auch in Form der &#039;&#039;&#039;Tätigkeit der roten Blutkörperchen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* und der &#039;&#039;&#039;übrigen Bestandteile des Blutes&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Blut als Ganzes ist als Instrument der Ich-Organisation Träger der Selbstheilungskräfte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fortgang der Evolution wird maßgeblich von der Art und Weise mitbestimmt werden, wie der Mensch seine von der Natur emanzipierten ‚außerkörperlich‘ wirksamen seelisch-geistigen Potentiale handhabt – zum Segen oder Schaden seiner Mitwelt und seiner selbst. So trägt auch die Art des Umgangs mit dem eigenen Gedanken-, Gefühls- und Willenspotenzial zur Stärkung oder zur Schwächung der Regulationsfähigkeit der Ich-Organisation bei, was sich langfristig auf die gesamte weitere Entwicklung des betreffenden Menschen auswirkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist interessant, dass Rudolf Steiner und Ita Wegman in diesem Kapitel, das den Selbstheilungskräften gewidmet ist, &#039;&#039;„Stockungen im Unterleibe“[4]&#039;&#039; als Beispiel für die unzureichende Heilwirkung des Organismus anführen. Sehr oft sind Verstopfungssymptome und Darm-Koliken Ernährungs- und lebensstilbedingte Verdauungsstörungen, d.h. Probleme, deren Lösung in der Selbstverantwortung liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[5]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27, Kap. VII.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Siehe FN 1, S. 38.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Esch (2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe FN 1, S. 40.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== HEILENDE VERBINDUNG VON MENSCH UND NATUR ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern stehen Mensch und Natur in einer heilsamen Verbindung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Naturstoffe zur Arzneimittelherstellung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Natur ist nicht nur Lebensraum und Existenzgrundlage des Menschen. Ihre Stoffe und Kräfte liegen auch einer Fülle von Arzneimitteln zugrunde. Anthroposophische Arzneimittel sollen dazu beitragen, dass der Organismus – wann immer sinnvoll und möglich – in die Lage versetzt wird, eine Krankheit aus eigener Kraft zu überwinden. Sie stärken die gesundenden Kräfte und sind also vor allem darauf orientiert, die Körperfunktionen wieder ins Gleichgewicht zu bringen und die Abwehrkräfte zu stärken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der anthroposophischen Arzneimittelherstellung werden mineralische, pflanzliche, metallische und tierische Ausgangsstoffe verwendet: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gängige mineralische Substanzen sind u.a. Quarz, Schwefel oder Kalk.&lt;br /&gt;
* Bekannte Heilpflanzen sind z.B. Arnika, gelber Enzian oder Kamille.&lt;br /&gt;
* Als Metalle kommen häufig Gold, Silber, Kupfer, Eisen und Zinn in potenzierter Form zum Einsatz.&lt;br /&gt;
* Zu den tierischen Ausgangssubstanzen gehören z. B. Insektengifte von Biene, Ameise, Hornisse sowie Organextrakte von Säugetieren (aus Leber, Thymusdrüse, Nieren, Nerven u.a.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Reicher Arzneimittelschatz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Alle anthroposophischen Medikamente werden nach komplexen Vorgaben der von Rudolf Steiner und Ita Wegman begründeten anthroposophischen Medizin hergestellt.[1] Die meisten Ausgangsstoffe werden in hoher Verdünnung (homöopathisch potenziert) eingesetzt, nur sehr selten konzentriert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophische Arzneimittel enthalten häufig mehrere Inhaltsstoffe. Diese sind nicht nur kombiniert, sondern komponiert. Wie bei einem Orchester, so kommt es auch bei einem zusammengesetzten Arzneimittel darauf an, in welchen Anteilen die verschiedenen Einzelkomponenten gemischt sind. In dieser Art gemischt, ergeben sie eine andere Wirkung denn als Einzelbestandteile. So wie ein Orchester anders klingt als eine Violine allein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anthroposophische Arzneimittelschatz umfasst etwa 2000 Substanzen, Kombinationen und eine Vielzahl von Darreichungsformen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ampullen, Augentropfen, Dilutionen, Einreibungen (ölige), Emulsionen, flüssige Verdünnungen, Flüssigkeiten zur Inhalation, Flüssigkeiten zur äußeren Anwendung, Gelate, Globuli, Granulate, Injektionen, Kapseln, Lotionen, Metallspiegelfolien, Mischungen, Nasentropfen (ölige), Öle, Pasten, Pflaster, Puder, Pulver, Salben (fettarm), Salben, Sirup, Tabletten, Tees, Tinkturen zum äußeren Gebrauch, Triturationen, Tropfen, Vaginalglobuli, Vaginaltabletten, Verdünnungen (wässrige), Zäpfchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Der Mensch als umgekehrte Pflanze&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aus anthroposophischer Sicht gleicht der Mensch einer umgekehrten Pflanze: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* So wie der Mensch seine Nahrung – in Form von Nahrungsmitteln, aber auch als „seelische“ oder „geistige“ Nahrung in Form von Gedanken, Worten, Tatsachen aus Kunst und Wissenschaft, über den Kopf – aufnimmt, so versorgt sich die Pflanze über ihre Wurzeln mit den nötigen Nährstoffen.&lt;br /&gt;
* Umgekehrt verhält es sich mit der Fortpflanzungsregion. Diese ist bei der Pflanze oben, Luft und Licht gegenüber geöffnet, wohingegen sie beim Menschen nach unten und innen gelagert ist, zur Erde hin.&lt;br /&gt;
* Beiden gemeinsam ist, dass in der Mitte – bei der Pflanze über die Blätter, beim Menschen über die rhythmischen Funktionen von Atmung und Kreislauf – der Gasaustausch stattfindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Umgekehrte Wirkung der Pflanze auf den Menschen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
So wirken die Anwendungen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* von &#039;&#039;Wurzeln&#039;&#039; unterstützend und heilend bei Erkrankungen der &#039;&#039;Kopf- und Nerven-Sinnesorganisation&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* Teeabkochungen und -zubereitungen aus &#039;&#039;Blättern&#039;&#039; bei Störungen der &#039;&#039;rhythmischen Funktionen&#039;&#039; (insbesondere von Herz und Lunge),&lt;br /&gt;
* Zubereitungen aus &#039;&#039;Früchten&#039;&#039; bei &#039;&#039;Stoffwechsel- und Verdauungsstörungen&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entsprechendes gilt für die Ernährung. Wer darauf achtet, dass der Anteil von Wurzeln, Blattgemüse, Früchten und Samen ausgewogen ist, sorgt für eine an den Bedürfnissen des ganzen Körpers orientierte Ernährung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim therapeutischen Einsatz von mineralischen, pflanzlichen und tierischen Substanzen gilt es, „die Weltaufgabe dieser Substanzen zu verstehen“. Steiner regte an zu erforschen, welche Aufgabe ein bestimmtes chemisches Element oder eine Stoffkombination wie Wasser, Salz, Asche, Gerbstoffe oder Pyrit im Haushalt der Natur innehat. Die Signatur dieser Aufgabe bzw. Tätigkeit sagt auch aus, welche Wirkung die betreffende Substanz im menschlichen Organismus entfalten kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Menschen als Mikrokosmos kennenzulernen im Kontext der großen Weltentwicklung mit ihren Prozessen und Stoffzusammenhängen – nach alter Tradition Makrokosmos genannt – ist der Schlüssel zum Verständnis der anthroposophischen Arzneitherapie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Artikel in der Deutschen Apothekerzeitung DAZ Nr. 39, 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Seiner und Ita Wegmann, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27, Dornach 1935.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== SUBSTANZ-ERKENNTNIS ALS GRUNDLAGE FÜR HEILMITTEL-ERKENNTNIS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was meint Rudolf Steiner mit der Weltenaufgabe der Substanzen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was wird anhand der Beispiele Ameisensäure und Oxalsäure im Hinblick auf ihre Wirkung im Zellstoffwechsel aufgezeigt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern muss der Organismus als Tätigkeitszusammenhang begriffen werden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Weltenaufgabe der Substanzen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel XVII von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; liegt der Fokus auf einer konsequent prozessorientierten Substanz-Erkenntnis, über die Rudolf Steiner im Ärztekurs für die jungen Mediziner schreibt, dass es die Aufgabe des Arztes sei, &#039;&#039;„die Weltenaufgaben der Substanzen zu erkennen“.[2]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;„Grundlegendes…“&#039;&#039; formulieren die Autoren es so: &#039;&#039;„Wer die Wirkung von Heilmitteln beurteilen will, muss ein Auge haben für die Kräftewirkungen, die sich im menschlichen Organismus ergeben, wenn eine Substanz, die außer demselben gewisse Wirkungen zeigt, in irgendeiner Art in ihn eingeführt wird.“[3]&#039;&#039; Etwas von dieser ‚Weltenaufgabe‘ wird dort anhand der Ameisensäure und der Kleesäure aufgezeigt und damit auf die Bedeutung dieser Blickrichtung für bestimmte Prozesse im menschlichen Zellstoffwechsel hingewiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Beispiel: Aufgabe der Ameisensäure ====&lt;br /&gt;
Ameisensäure wird vom Menschen mit der Nahrung in der Regel nicht aufgenommen. Sie wird im Tierreich gebildet und als Abwehrstoff, insbesondere der Insekten, ausgeschieden – selten auch bei Pflanzen, wie z.B. in den Brennhaaren der Brennnesseln. Ihre ‚Weltaufgabe‘ ist inzwischen gut erforscht: Die rote Waldameise ist für die Gesunderhaltung der Wälder unentbehrlich. Sie steht daher auch unter Naturschutz, seitdem man ihre Bedeutung für die ‚Lebensgemeinschaft Wald‘ erkannt hat. Um einen Ameisenbau herum vernichtet jedes Volk pro Tag zehntausende Schädlinge bzw. deren Larven und Raupen (wie z.B. Borkenkäfer- und Blattwespenlarven) sowie Kadaver und Pilzmyzel in morschem Holz. So hilft die Ameisensäure dem Mikrobiom des Bodens, die verwesenden Pflanzenreste und das modernde Holz zu verarbeiten. Auch verbreiten Ameisen auf ihren Wegen tausende von Samen und tragen so zur Vielfalt im Wald bei sowie zur Verbesserung der Bodenbeschaffenheit. Instrument für ihre wertvollen reinigenden Tätigkeiten ist die Ameisensäure mit ihrer aggressiven Toxizität.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Beispiel: Aufgabe der Oxalsäure ====&lt;br /&gt;
Die Oxal- bzw. Kleesäure hingegen findet sich in allen Pflanzen und den meisten Bakterien und in unterschiedlichen Mengen in vielen Nahrungsmitteln wie z.B. in schwarzem Tee, Mangold oder Rhabarber. Nach der Aufnahme muss sie dann im Organismus zu ausscheidungsfähigen Endprodukten abgebaut werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein ‚Zuviel‘ führt zusammen mit Calcium im Darm zu schwer löslichen Salzen (Oxalaten), was Anlass geben kann für die Bildung von Blasen- und Nierensteinen. Oxalsäure ist ein pflanzliches Gift – für den Menschen können bereits Gramm-Mengen tödlich sein.[5] Als Kalzium-, Magnesium- oder Kaliumsalze sind die Oxalate allgegenwärtig und aus dem Zellstoffwechsel der Lebewesen nicht wegzudenken – bis hin zu den meisten Pilzen und Bakterien. Im Gegensatz zur Ameisensäure entfaltet die Oxalsäure ihre Wirkung nicht in dem Zwischenbereich zwischen dem Mineralisch-Physischen und dem Ätherisch-Lebendigen. Sie hat ihre Aufgabe in der Lebenswelt der Pflanzen – aber als Giftsubstanz im Grenzgebiet zum astralischen Kräftebereich. Da Gifte auch in schwacher Dosierung immer lebensfeindlich sind, regen sie den Organismus dazu an, auf unterschiedlichen Wegen diese Gifte schnellstmöglich abzubauen oder in Verbindung mit anderen Substanzen unschädlich zu machen. Diese Abbauvorgänge dienen im Organismus der Tiere und der Menschen der Bewusstseinsbildung, die sich, wie mehrfach erwähnt, auf Abbauvorgänge stützt.[6]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Biochemisch handelt es sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* bei der &#039;&#039;&#039;Ameisensäure&#039;&#039;&#039; um die einfachste Monocarbonsäure (Formica, HCOOH, ihre Salze heißen Formiate)  &lt;br /&gt;
* und bei der &#039;&#039;&#039;Oxal- bzw.&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Kleesäure&#039;&#039;&#039; und die einfachste Dicarbonsäure (Acidum oxalicum, HOOC-CO-CH2-COOH, ihre Salze heißen Oxalate).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Notwendige Verwandlung von Oxalsäure in Ameisensäure&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner hat erstaunlich oft über Bedeutung der biochemischen Verwandlung von Oxal- in Ameisensäure gesprochen.[7] Den Prozess der Bildung von Oxalsäure, der hauptsächlich in den Verdauungsorganen stattfände, hielt er für eine notwendige Grundlage dafür, dass der Mensch überhaupt leben könne – grundlegend also dafür, dass die Ätherkräfte zur Wirksamkeit kommen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihre Umwandlung in Ameisensäure aber sei eine entsprechende Grundlage für das Wirksamwerden der astralischen Kräfte in der physisch-ätherischen Konstitution. In einem Ärztevortrag führt er weiter aus, dass man im Falle der Ameisensäure dahin kommen müsse, zu erkennen, dass sie im Menschen, wie auch draußen in der Natur, die Aufgabe hat, gegenüber den Prozessen des Alterns, des Absterbens und des Vermoderns immer wieder weiteres Leben, weitere Entwicklung zu ermöglichen.[8] Auch führt er aus, dass &#039;&#039;„die heutige Physiologie“&#039;&#039; diese Prozesse erst finden müsse.[9]&amp;lt;sup&amp;gt;,&amp;lt;/sup&amp;gt; [10]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner und Wegman sahen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* in der &#039;&#039;&#039;Ameisensäure&#039;&#039;&#039; die Schlüsselsubstanz im Stoffwechsel des tierischen Organismus &lt;br /&gt;
* und in der &#039;&#039;&#039;Oxalsäure&#039;&#039;&#039; die Schlüsselsubstanz im pflanzlichen Zell-Metabolismus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Organismus als Tätigkeitszusammenhang begriffen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Abs. 2 wird deutlich gemacht, wie entscheidend es für einen Organismus ist, eine Substanz nicht nur zu besitzen, sondern auch den Bildeprozess zum Aufbau dieser Substanz zu leisten. Im Tun liegt das Wesen des Organismus, nicht in seinen Substanzen. Der Organismus ist nicht ein Stoffzusammenhang, sondern ein Tätigkeitszusammenhang. Der Stoff trägt den Anreiz zur Tätigkeit in sich. Hat er diesen Anreiz verloren, so hat er für die Organisation keine weitere Bedeutung.[11]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter diesem Gesichtspunkt kann auch die jeweilige Aufgabe der Ameisensäure und der Kleesäure im menschlichen Organismus verstanden werden. Hier ‚dienen‘ diese Substanzen der Ich-Organisation: &#039;&#039;„Die Ich-Organisation braucht diesen Übergang der organischen Substanz in den leblosen Zustand. Aber sie braucht eben den Vorgang des Überganges; nicht, was dann durch den Übergang entsteht. Ist nun das nach dem Leblosen hin sich Entwickelnde gebildet, so wird es im Innern des Organismus zur Last. Es muss entweder unmittelbar abgesondert werden, oder aufgelöst, um mittelbar hinwegzukommen. Geschieht nun für etwas, das aufgelöst werden sollte, diese Auflösung nicht, so häuft es sich im Organismus an und kann die Grundlage für gichtische oder rheumatische Zustände bilden.“[12]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Biologie werden die Phänomene dieses Übergangs zwischen Abbau und Aufbau im Falle der Gesundheit als metabolische Homöostase beschrieben, wobei deren ‚Regulator‘ ein noch nicht gefundener Faktor ist. Es wird aber das Erstaunen zum Ausdruck gebracht darüber, dass unabhängig davon, was und wie viel man gerade isst oder nicht und wie viel Oxalacetat gerade mit der Nahrung aufgenommen hat oder nicht, die Substanzen im sogenannten Stoffwechsel-Pol der Zellen konstant gehalten werden. D.h. in den Zellen sind die Enzyme des Katabolismus (Abbau) und Anabolismus (Aufbau) normalerweise derart reguliert, dass ein Gleichgewicht gewahrt bleibt. Wird dieses Gleichgewicht jedoch gestört, bedeutet dies den Beginn krankhafter Prozesse.[13]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[14]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, Ga 27, Kap. XVII.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Meditative Betrachtungen und Anleitungen zur Vertiefung der Heilkunst. Vorträge für Ärzte und Medizinstudierende,&#039;&#039; GA 316, S. 22.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Siehe FN 1, S. 82.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Der Kern eines Ameisenhaufens ist meist in alten Wurzelstöcken von Nadelhölzern oder Eichenstämmen angesiedelt; das Zusammenleben in der Ameisenkolonie ist ausgeprägt sozial. Eine Königin lebt bis zu 20 Jahre, Arbeitsameisen 5–6 Jahre. Sie entwickeln sich in klar definierten Temperaturbereichen (Ameisenpuppen brauchen 31°, Larven 28°, die Entwicklung der Eier nur 25°). Vgl. Jirikowski (2010), 105–107.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. Wollrab (2014), 621.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Vgl. Wolff (2013), 85, 263–269.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Mysteriengestaltungen,&#039;&#039; GA 232, 13. Vortrag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Vgl. FN 1, S. 22f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. FN 11, S. 193–195.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Dazu muss aus anthroposophisch-medizinischer Sicht gesagt werden, dass die geisteswissenschaftliche Biochemie, für die Hauschka und Wolff die Grundlagen erarbeitet haben (Vgl. Hauschka 2007, Wolff 2013), auf dem jeweils neuesten Stand der biochemischen Forschung weiter erarbeitet werden muss. Denn die Zusammenschau der Wesensglieder-Tätigkeiten als ganzheitliche Regulatoren und die immense Faktenfülle der molekulargenetischen Einsichten in das hochkomplexe Regelkreisgeschehen der Zellatmung ist für eine umfassende Integrativmedizin unverzichtbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Siehe FN 1, S. 82.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13]  Vgl. Sadava u. a. (2019), 265–271.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ANTHROPOSOPHISCHE HEILMITTEL-ERKENNTNIS AM BEISPIEL VON ANTIMON ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welcher Blickwinkel ist grundlegend im Hinblick auf die anthroposophische Heilmittel-Erkenntnis?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern weist Antimon Ähnlichkeiten mit dem Ätherischen auf?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wird es, auch in Kombination mit Schwefel, therapeutisch eingesetzt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wirksamkeit von Substanzen im Kontext irdisch-menschlicher Kraftsysteme&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel XVI von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; geht es um anthroposophischen Heilmittel-Erkenntnis. Die Grundlage davon ist der Blick auf das Verhalten bzw. die Wirksamkeit einer Substanz im Bereich der in Kapitel I geschilderten Kraftsysteme. Dabei geht es insbesondere um die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* von der Erde ausstrahlenden &lt;br /&gt;
* und in sie einstrahlenden Kräfte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„[...] es kommt darauf an, die Wirkungen zu beobachten, die sich aus dem Zusammenhange der inneren Kräftekonstitution einer Substanz im Verhältnis zu den Kräften ergeben, die von der Erde ausstrahlen oder in sie einstrahlen.“[2]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Antimon, Schwefel und die Austernschalenbildung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Diese Wirkungen werden am Beispiel des Antimons in seiner Beziehung zum Schwefel in Form des in der Natur vorkommenden Grauspießglanzes aufgezeigt (Sb2 S3, auch als Antimonit bzw. Stibnit bekannt), sowie an der Austernschalenbildung, die zum Verständnis der Typhusbehandlung beiträgt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Antimon ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Antimon&#039;&#039; kam bereits in der ägyptischen Medizin zur Anwendung, nimmt bei Paracelsus eine zentrale Stellung ein und hat bis in die Gegenwart immer neue Einsatzmöglichkeiten erfahren. Chemisch ist es dem Arsen verwandt und eine Menge von 100 mg bis etwa 1200 mg kann bereits tödlich sein. Eine gute Übersicht über seine Verwendung – einschließlich in der Anthroposophischen Medizin – findet sich bei &#039;&#039;Marxer[3]&#039;&#039; Die Bezeichnungen Antimon und Stibium für das chemische Symbol Sb stammen von den lateinischen Wörtern &#039;&#039;antimonium&#039;&#039; und &#039;&#039;stibium&#039;&#039; ab, die schon im Altertum für den Grauspießglanz verwendet wurden.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Schwefel ====&lt;br /&gt;
Schwefel ist eines der seltenen Minerale, die in kristallisierten polymorphen Formen in der Natur rein vorkommen und in der Struktur der orthorhombischen Raumgruppe Fddd die typisch gelbe α-Kristallform zeigen. Schwefel steht mit einem Anteil von geschätzt 0,048 Gew.-% an 15. Stelle unter den häufigsten Elementen der uns bekannten Erdkruste. Er wurde in Kometenschweifen nachgewiesen, ist auf der Erde zum einen vulkanischen Ursprungs und stammt zum anderen aus der Biosphäre von Bakterien, die aus schwefelhaltigen Mineralien Schwefel aufnehmen und Sedimente bilden sowie von Pflanze, Tier und Mensch, da er im Eiweißaufbau durch die beiden schwefelhaltigen Aminosäuren &#039;&#039;Cystin&#039;&#039; und &#039;&#039;Methionin&#039;&#039; festgebunden ist. Durch seinen niedrigen Schmelzpunkt und seine Fähigkeit zu sublimieren, verbindet er sich leicht über Luft und Wasser mit anderen Substanzen und realisiert so den alle Reiche der Natur verbindenden Schwefelkreislauf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Symptomatisch dafür ist auch eine ungewöhnliche mechanische Eigenschaft der Grausspießglanz-Kristalle: Sie zeigen eine auch an größeren Kristallen bei geringem Kraftaufwand fühlbare Biegsamkeit. Diese beruht auf einer geregelten innerkristallinen Gleitung, wie sie auch beim Eis und beim Steinsalz vorliegt – Substanzen, die für alle Lebewesen essenziell sind.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Austernschale ====&lt;br /&gt;
Die Austernschale ist als komplexes Kalkmineral schützendes Außenskelett der Auster und damit ein Mineral, ausgeschieden aus dem Lebensprozess eines Tieres bzw. einer Muschel. In ihrer therapeutischen Verwendung ist sie insbesondere in der Homöopathie bekannt mit dem Arzneimittelbild &#039;&#039;Calcium carbonicum&#039;&#039;. Sie wird zu den Vielkönnern oder Polychresten gezählt (von gr: πολύς - viel und χρηστός  - brauchbar).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Hinweise auf die Verwandtschaft von Antimon mit dem Ätherischen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Zusammenwirken von Zentral- und Universalkräften ====&lt;br /&gt;
Dadurch, dass das Antimon sich leicht und stabil mit dem Schwefel zu den orthorhombisch geformten Grauspießglanz/Antimonit-Kristallen verbindet, kann es die Neigung des Schwefels, in der Welt des Lebendigen aktiv zu werden und dadurch auch im Sinne der auf die Erde einstrahlenden ätherischen Kräfte zu wirken, unterstützen. Unter diesem Aspekt ist die Art und Weise, wie das Antimon in seiner Verbindung mit dem Schwefel kristallisiert, charakteristisch. Es kristallisiert in prismatisch-nadeligen grauschwarzen Kristallen, von feinst ziseliert bis zentimeterstark, immer von einem Zentrum weg – wenn der Kristallisationsprozess nicht durch äußere Umstände gestört wird. Dabei erstrecken sich die Antimonit-Nadeln radial in die Peripherie, wobei die Länge der Kristalle durchaus auch 1 m überschreiten kann. Wo er nur kann, strebt Antimonit die büschelförmige Gestaltung an. Er gliedert sich damit in Linien, die von der Erde weg- und den Kräften entgegenstreben, die im Äther wirken. Durch diese Kristallisationsweise bringt das Antimon das Zusammenwirken der Zentral- und der Universalkräfte wie archetypisch zum Ausdruck.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man bringt mit dem Antimon somit etwas in den menschlichen Organismus, das der Wirkung des Ätherleibes auf halbem Wege entgegenkommt.[6] Antimon kann dadurch im Körper die eiweißbildenden Kräfte zusammenhalten und so die Tätigkeit der Ich-Organisation im Eiweißaufbau unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Feinfaserigkeit durch Seigern ====&lt;br /&gt;
Auch dasjenige, was im Seigerprozess mit dem Antimon vor sich geht, weist auf die Äther-Verwandtschaft dieses Stoffes hin. ‚Seigern‘ kommt von dem gegenwärtig nicht mehr oft gebrauchten Wort etwas z.B. durch ein Sieb ‚durchseien‘. Unter ‚Seigerungen‘ versteht man daher Trennprozesse in gemischtem Schmelzgut. Es wird durch diesen Prozess feinfaserig.[7]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Niedriger Schmelzpunkt ====&lt;br /&gt;
Da das Antimon bereits bei 547° schmilzt, fließt es auf schräger Unterlage leicht aus dem Antimon haltigen Schmelzgut heraus, wo es dann bei Abkühlung zu 92–98 % reinem &#039;&#039;antimonium crudum&#039;&#039; kristallisiert.[8] Der niedrige Schmelzpunkt von 547° zeigt zudem die Nähe dieser mineralischen Substanz zum flüssigen Aggregatzustand, in dem die ätherischen Kräfte ihre Wirkung entfalten können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor diesem Hintergrund heißt es in dem oben erwähnten Werk:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Alles dieses zeigt, dass im Antimon die Tendenz enthalten ist, in das Ätherelement in dem Augenblick leicht überzugehen, in dem dazu die Bedingungen auch nur in geringem Grade vorhanden sind. Dem geistigen Schauen gelten alle diese Einzelheiten nur als Andeutungen; denn dieses nimmt die Beziehung zwischen Ich-Tätigkeit und Antimon-Wirksamkeit unmittelbar so wahr, dass die Antimonprozesse, in den menschlichen Organismus gebracht, so wirken, wie die Ich-Organisation.“[9]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zwei Indikationen als Beispiele für den Einsatz von Antimon&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aus dem breiten Spektrum der therapeutischen Einsatzmöglichkeiten werden nun zwei Indikationsgebiete an die Schilderung des Arzneimittelbildes angeschlossen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;&#039;Blutgerinnungsstörungen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
# und &#039;&#039;&#039;Typhus abdominalis/Parathyphus&#039;&#039;&#039;, eine gefährliche bakterielle Infektionskrankheit des Magen-Darmtraktes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während eine Therapie mit &#039;&#039;Antimon&#039;&#039; oder &#039;&#039;Stibium metallicum praep.&#039;&#039; bei Blutungsneigung aus der Darstellung des Arzneimittelbildes unmittelbar hervorgeht, ist dies für den Thyphus nicht so ohne weiteres ersichtlich – zumal dieser ja heute erfolgreich antibiotisch behandelt werden kann (Sterblichkeitsrate unter 1 %) und die Impfung bei Einreise in betroffene Gebiete empfohlen wird.[10]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Arzneimittelbild der Austernschale und Typhus&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was macht also eine Begleitbehandlung oder Alternativbehandlung zur Vermeidung des Einsatzes von Antibiotika sinnvoll?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um dies zu verstehen, braucht es – wie oben bereits angedeutet – zum Vergleich das Arzneimittelbild der Austernschale. Hier liegt ein Naturprozess vor, der etwas vollzieht, was für die Muschel richtig ist, für den Menschen aber zur Ursache typhöser Durchfall-Erkrankungen werden kann. Die Auster sondert in ihre Schale das kalkartig Mineralische ab:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Bei der Auster wird das Kalkartige abgesondert, um es der Eiweißwirkung nicht einzugliedern. Im menschlichen Organismus muss diese Eingliederung stattfinden. Die bloße Eiweißwirkung muss in eine solche umgewandelt werden, in der mitwirkt, was im Kalkartigen durch die Ich-Organisation an gestaltenden Kräften hervorgerufen werden kann. Das muss sich innerhalb der Blutbildung abspielen. Das Antimon wirkt der kalkausscheidenden Kraft entgegen und führt das Eiweiß, das seine Form bewahren will, durch seine Verwandtschaft mit dem Äther-Elemente in die Formlosigkeit hinüber, die für die Einflüsse des Kalkartigen oder Ähnlichem empfänglich ist.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Beim Typhus ist es klar, dass der krankhafte Zustand in einer mangelnden Überführung der Eiweißsubstanz in gestaltungsfähige Blutsubstanz besteht. Die Form der Diarrhöen, die auftritt, zeigt, dass schon im Darm die Unfähigkeit zu dieser Umwandlung beginnt.“[11]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Heilung der konstitutionellen Dysfunktionalität&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[12]&#039;&#039; heißt es&#039;&#039;,&#039;&#039; dass die Abwehrstoffe und Killerzellen eines guten Immunsystems im Blut zirkulieren, welches wiederum &#039;&#039;das&#039;&#039; Organ der Ich-Organisation ist.[13] Kann nun mithilfe einer Konstitutionsbehandlung, z.B. mit einem Antimonpräparat, und je nach Situation auch noch kombiniert mit anderen Heilmitteln, die Ich-Organisation und damit ihr Einfluss auf die Gestaltungskräfte im Blut gestärkt werden, so werden die Bakterien nicht nur beseitigt, wie es über eine antibiotische Therapie geschieht, sondern zugleich das Milieu saniert und damit künftigen Infektionen vorgebeugt. Das entspräche einer integrativen Therapie, die sich nicht nur auf die Beseitigung der Symptome konzentriert, sondern auf die Heilung der konstitutionellen Dysfunktionalität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dem erwähnten Werk schreiben die Autoren: &#039;&#039;„Wendet man bei typhösen Erscheinungen Antimonpräparate in entsprechender Zusammensetzung an, so erweisen sich diese als Heilmittel. Sie entkleiden die Eiweißsubstanz ihrer Eigenkräfte und machen sie geneigt, den Gestaltungskräften der Ich-Organisation sich einzufügen.“[14]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbstverständlich hat der primäre Fokus auf die Symptombeseitigung überall da seine Berechtigung, wo sie Leben rettet, weil die Abwehrkräfte des Körpers zu schwach sind für die notwendige Selbstregulation. Wo diese Möglichkeit jedoch gegeben ist, kann differenzierter vorgegangen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Wer Exaktheit nur in dem sieht, was die Chemie – auch die pharmazeutische – feststellt, der vernichtet die Möglichkeit, Anschauungen darüber zu gewinnen, was im Organismus bei Heilungsvorgängen geschieht.“[15]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[16]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ebenda, S. 77.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Vgl. Marxer (2000), siehe www.pharmazeutische-zeitung.de/titel-10- 2000; [6.1.2025].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Vgl. Holleman und Wiberg (2017), 940.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. Wimmenauer (1992), 223.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Siehe FN 1, S. 78.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Vgl. Holleman und Wiberg (2017), 942.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Siehe FN 1, S. 78f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Typhus ist weltweit verbreitet – besonders in warmen Ländern. Er wird durch kontaminierte Lebensmittel bzw. Trinkwasser übertragen und ist eine schwere Allgemeinerkrankung, die durch das Bakterium Salmonella typhi ausgelöst wird. Als Paratyphus bezeichnet man ein abgeschwächtes Krankheitsbild, dessen Erreger Salmonella Paratyphi A, B oder C ist. Übertragen wird die Infektion durch Trinkwasser oder Lebensmittel, die mit Fäkalien von infizierten Personen verunreinigt wurden. Leitsymptome sind hohes Fieber, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, langsamer Puls, trockener Husten, Bauchschmerzen, Milzvergrößerung und manchmal ein blasser, kleinfleckiger Ausschlag am Körper. Ein milder Verlauf ist möglich, doch manchmal kommt es zu schweren Komplikationen wie massiven Darmblutungen oder Abszessen in verschiedenen Organen. Durch den Einsatz von Antibiotika kann die Sterblichkeit auf unter 1% gesenkt werden. In Deutschland ist die Krankheit meldepflichtig – dem Bundesamt für Gesundheit werden pro Jahr zwischen 20 und 50 Fälle gemeldet. Wichtigste Mittel zur Vorbeugung sind Körperhygiene und Verzicht auf frische Salate und ungeschältes Obst – nach dem Ernährungsmotto: Cook it, peel it or forget it. Siehe www.bag.admin.ch/bag/de/home/krankheiten/krankheiten-im-ueberblick/typhus-abdominalis-paratyphus.html; [6.1.2025].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Siehe FN 1, S. 80.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“, GA 27.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] Siehe FN 3, Kapitel VI.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] Siehe FN 3, S. 80.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[15] Ebenda, S. 81.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[16] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ARZNEIMITTEL-SUBSTANZGRUPPEN UND WESENSGLIEDER ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Auf welchen Ebenen und worüber ist der Mensch mit der Natur innig verbunden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Naturanteile machen seine Konstitution aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wesensglieder und ihre Einbettung in die Natur&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Physischer Leib und Natur ====&lt;br /&gt;
Schon ein oberflächlicher Blick auf die Verbundenheit von Natur und Mensch zeigt, wie der Mensch die kristallinen Strukturen seines Körpers mit den Mineralien der ihn umgebenden Natur gemeinsam hat. Dieser sichtbare, mineralisch erscheinende Leib wird in der anthroposophischen Menschenkunde „Physischer Leib“ genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ätherleib und Natur ====&lt;br /&gt;
Werden und Vergehen, Leben und Sterben hat der Mensch mit der Pflanzenwelt gemeinsam. Diese Gesetzmäßigkeiten in ihrem Zusammenhang nennt Steiner „Ätherleib“, weil ohne das blaue Himmelslicht (griechisch o aither) kein Leben auf der Erde möglich wäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Astralleib und Natur ====&lt;br /&gt;
Atmung, Bewegung, Bewusstsein, Schmerz und Triebleben hat der Mensch mit den Tieren gemeinsam. Diese das Seelenleben konstituierenden Gesetze heißen in ihrer Gesamtheit „Astralleib“ von aster, lateinisch Stern. Die menschliche Seele fühlt sich der Sternenwelt mit ihren Rhythmen und Konstellationen verwandt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Rein menschliche Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Die Fähigkeit jedoch, lebenslang lernen und immer wieder neu und anders kulturschöpferisch tätig sein zu können, ist spezifisch menschlich. Daher gibt Steiner diesem die „Ich-Natur“ des Menschen möglich machenden Gesetzes-Zusammenhang den Namen „Ich-Organisation“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Mensch durch diese vier verschiedenen Gesetzes-Zusammenhänge sein Wesen sowohl integriert als auch differenziert äußern kann, gab Steiner ihnen den Namen „Wesensglieder“.[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Arzneimittelwirkung auf die Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Substanzgruppen aus dem Mineral-, Pflanzen-, Tier- und Menschenreich haben einen therapeutischen Bezug zu diesen Wesensgliedern:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Menschliche Substanz wie Muttermilch und in Form einer Blutspende stützt und erhält den physischen Leib.&lt;br /&gt;
* Präparate aus dem Tierreich regen den Ätherleib zu verstärkter Tätigkeit an,&lt;br /&gt;
* pflanzliche Arzneimittel wirken regulierend auf den Astralleib&lt;br /&gt;
* und Metalle und Mineralien auf die Ich-Organisation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Potenzierungsstufen und Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Auch die Potenzierungsstufen der nach homöopathischem Verfahren hergestellten Arzneimittel haben ihren Bezug zu den Wesensgliedern:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D1 – D4:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;physischen Organismus&#039;&#039; und seines Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D5 – D8:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;ätherischen Organismus&#039;&#039; und seines Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D10 – D15:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;astralischen Organismus&#039;&#039; und seines Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D20 – D60:&#039;&#039;&#039; Anregung der &#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039; und ihres Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Bezug auf die Dreigliederung des menschlichen Organismus gilt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D1 – D6:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;Stoffwechsel-Systems&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D6 – D18:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;rhythmischen Systems&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D18 – D30:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;Nerven-Sinnessystems&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Arzneimittelschatz der Anthroposophischen Medizin umfasst dementsprechend Ausgangssubstanzen mineralischer, pflanzlicher und tierischer Herkunft, die nach besonderen Verfahren vor allem von den Arzneimittelfirmen Weleda und Wala hergestellt werden.[2] In Deutschland wurden sie aufgrund des Arzneimittelgesetzes von 1976 in der vom Bundesgesundheitsamt – später Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) – eingerichteten Kommission C für die Zulassung aufbereitet. Ein Teil dieser regulativ wirksamen Arzneimittel ist sehr gut für die Selbstmedikation geeignet.[3]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Artikel in der Deutschen Apothekerzeitung DAZ Nr. 39, 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Theosophie, Einführung in übersinnliche Welterkenntnis und Menschenbestimmung,&#039;&#039; 2003 und ders. &#039;&#039;Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft&#039;&#039;. In: &#039;&#039;Lucifer-Gnosis&#039;&#039;. GA 34. Dornach 1987, 309-344.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] International Association of Anthroposophic Pharmacists IAAP. ­Anthroposophic Pharmaceutical Codex. Stuttgart, 2014.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] M. Glöckler, B. Emde, &#039;&#039;Anthroposophische Medizin&#039;&#039;, in: &#039;&#039;Komplementärmedizin für die Kitteltasche. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation&#039;&#039;, Stuttgart 2009 und ders.: &#039;&#039;Anthroposophische Medizin&#039;&#039;, in: &#039;&#039;Komplementärmedizin für Kinder. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation&#039;&#039;, Stuttgart 2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ARZNEIMITTEL AUS DER NATUR UND WESENSGLIEDER ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen inneren Zusammenhang sieht die anthroposophische Pharmazeutik zwischen Arzneimitteln aus der Natur und den menschlichen Wesensgliedern?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Qualitäten zeichnen die Muttermilch aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern sind Schwangerschaft und Stillzeit Naturvorbilder auch für zukünftige Entwicklungsstadien?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Korrelation von Arzneimitteln und Wesensgliedern&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der Anthroposophischen Pharmazeutik sieht man eine grundlegende Korrelation von Arzneimitteln aus der Natur und den menschlichen Wesensgliedern:[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So haben &#039;&#039;&#039;Mineralien&#039;&#039;&#039; eine unmittelbare Beziehung zur &#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;: Sie unterstützen die Ich-Organisation bei der Beherrschung der physischen Verhältnisse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Heilmittel aus dem Pflanzenreich&#039;&#039;&#039; auf die &#039;&#039;astralische Organisation&#039;&#039;: Die astralische Organisation wirkt lähmend auf die ätherische – pflanzliche Arzneimittel können regulierend auf diese lähmende Wirkung Einfluss nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Organpräparate&#039;&#039;&#039; und tierische Arzneimittel auf die &#039;&#039;ätherische Organisation:&#039;&#039; Diese hat die Aufgabe, physisch-tierische Substanzen in den Lebenszusammenhang aufzunehmen, was durch astralische Impulse angeregt werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Menschliche Substanz&#039;&#039;&#039; (wie Blutkonserven und Muttermilch) wirkt unmittelbar auf den &#039;&#039;physischen Leib,&#039;&#039; sodass sich die anderen Wesensglieder wieder besser einschalten und betätigen können. Anders ausgedrückt: Menschliche Substanz steht der Ich-Organisation unmittelbar für ihre Aufgabe zur Verfügung, das Ganze des Organismus bis in das Physische hinein zu beherrschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Was Muttermilch vermag&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Studiert man die Besonderheiten rund um die Bildung von Muttermilch, so verrät dies viel über die innige Bindung zwischen Mutter und Kind durch alle vier Wesensglieder hindurch: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die Muttermilch ist nach dem aktuellen Bedürfnis des Säuglings zusammengesetzt und variiert so auch von Tag zu Tag; &lt;br /&gt;
* Stillen fördert die Rückbildung der Gebärmutter;&lt;br /&gt;
* gestillte Kinder haben weniger Infekte und überstehen sie leichter, weil die Muttermilch wichtige Abwehrstoffe der Mutter enthält;&lt;br /&gt;
* ausschließliches Stillen in den ersten sechs Monaten kann das Kind vor Allergien und Asthma schützen;&lt;br /&gt;
* Wachstum und Beweglichkeit von Magen und Darm werden unmittelbar angeregt;&lt;br /&gt;
* die Zusammensetzung der Muttermilch mit Bezug auf Kohlenhydrate, Fette, Eiweißgehalt und Mineralstoffe ist zugleich ein ‚Naturvorbild‘ für eine gesunde Ernährung;&lt;br /&gt;
* die Immuntoleranz, d.h. die Selbstregulation des Immunsystems entwickelt sich bei gestillten Säuglingen nachhaltig besser.&lt;br /&gt;
* Durch Stillen wird das Risiko des plötzlichen Kindstodes um ca. die Hälfte gesenkt und vieles mehr.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Formelmilch gefütterte Säuglinge haben eine deutlich höhere Insulinkonzentration im Plasma, was mit der Entwicklung von Adipositas und einer möglichen Zunahme von Diabetes mellitus Typ 2 im Zusammenhang steht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Abnabelungsstadien und physisch-seelisch-geistige Muttermilch&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Nach der &#039;&#039;&#039;physischen Abnabelung&#039;&#039;&#039; vom physischen Leib der Mutter als der ernährenden Umgebung während der Schwangerschaft, folgt die Stillperiode.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann folgt die langsame &#039;&#039;&#039;ätherische Abnabelung&#039;&#039;&#039; und das Sich-Emanzipieren auf ätherischer Ebene, das mit dem Ende der Nachahmungsperiode ausklingt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;&#039;seelisch-astralische Abnabelung&#039;&#039;&#039; findet im 2. Jahrsiebt statt und kulminiert mit der Pubertät. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Arbeit des Ich jedoch an der Überwindung von allen möglichen Abhängigkeiten, die seine Autonomiebefähigung einschränken, stellt eine Art &#039;&#039;&#039;geistige Abnabelung&#039;&#039;&#039; dar. Diese zu bewerkstelligen bleibt eine lebenslange Herausforderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner spricht im pädagogischen Zusammenhang wiederholt über die Bedeutung der physischen Muttermilch für den gesunden Aufbau des physischen Leibes und die damit verbundene Stärkung der Ich-Organisation des Kindes. Für die Unterstützung der oben genannten weiteren Abnabelungsprozesse im Verlaufe der Schulzeit und Jugend, braucht es die ‚seelische‘ und zuletzt ‚geistige‘ Muttermilch, die dem Menschen in Form einer nährenden Entwicklungsumgebung und verständigen Entwicklungshelfern zukommen müssen.[3]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fallen solch hilfreiche Faktoren und Entwicklungsbegleiter weg oder können nur eingeschränkt wirken, ist dies oft mit körperlichen und oder seelischen gesundheitlichen Belastungen im weiteren Leben verbunden. Diesen so weit als möglich vorzubeugen, ist der Präventionsanspruch Anthroposophischer Medizin und Pädagogik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[4]&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
----[1] Warum das so ist, geht aus den Kapiteln I bis V aus &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27,&#039;&#039; hervor, in denen die Autoren, Rudolf Steiner und Ita Wegman, die Arbeit der Wesensglieder an den Substanzströmen schildern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Vgl. Soldner und Stellmann (2018), 220–238; Glöckler u. a. (2024b), 372–392.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik,&#039;&#039; GA 293, Vortrag 2. September 1919.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== WIRKSAMKEIT EINES HEILMITTELS VERMITTELN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie vermittelt der Arzt seinem Patienten, welches Heilmittel er braucht?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist dabei zu beachten, worauf kommt es an?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wirksamkeit der Gedanken und Gefühle miteinbeziehen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ideal wäre es, mit dem Patienten über ein Heilmittel in einer Art zu sprechen, dass etwas von der Wirksamkeit desselben auf den Patienten überspringt und dieser sich freut, dass er dieses Mittel bekommt, ja, dass er dankbar dafür ist. Der Patient sollte es mit dem Gefühl nehmen, er habe etwas besonders Gutes bekommen. Denn Freude und Dankbarkeit wirken therapeutisch – sie sind nicht „Placebo“, sondern real und wirksam. Wir müssen begreifen, dass das, &#039;&#039;was&#039;&#039; und &#039;&#039;wie&#039;&#039; wir über eine Sache denken, viel mehr als nichts ist: Was jemand weiß, ist etwas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ätherleib als Träger der zeitlichen und „ewigen“ Lebenskräfte entfaltet diese Doppelwirksamkeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ihm verdankt unser Körper einerseits &#039;&#039;&#039;Leben, Regeneration, Wachstum&#039;&#039;&#039; und die individuelle Lebenszeit&lt;br /&gt;
* Andererseits verdankt der Mensch ihm sein &#039;&#039;&#039;Gedankenleben&#039;&#039;&#039;, je älter er wird, umso mehr, das sich aus all den ätherischen Kräften speist, die der Körper nicht mehr „verkörpert“ halten kann (und muss) und die er damit in die „außerkörperliche Wirksamkeit“ entlässt. Die Gedanken können über den Tod des Menschen hinaus weiterleben und ihn tragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Medikamente wirken auf beide Aspekte des Lebens – sprich: Auch was ich über etwas denke, bewirkt etwas. Wenn ich die Arnikawirkung denke, wirkt sie bereits, denn Gedanken wirken immer, sind ein reales Wirkprinzip. &#039;&#039;„Hab Sonne im Herzen, ob&#039;s stürmt oder schneit“&#039;&#039;. Wenn ich die Sonne meditiere, habe ich Licht und Wärme im Herzen, selbst wenn ich Bauchweh habe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Denken vermindert Heilkraft, positive Gefühle verstärken sie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Indem ich denke, nehme ich der ätherischen Wirksamkeit im Körper aber auch etwas weg, weil es dieselben Kräfte sind, die dem Körper zur Gesundheit verhelfen. D.h, der Körper ist am gesündesten, wenn man nicht denkt, also im Schlaf, weil da die gesamten ätherischen Kräfte (auch diejenigen, die tagsüber außerkörperlich dem Denken dienen) in den physischen Leib einziehen und an seiner Regeneration arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am besten ist es, wenn der Patient über ein Heilmittel gerade so viel weiß, dass er sich freut und ihm ein bisschen warm wird bei dem Gedanken, dass er es jetzt einnehmen darf. Denn diese positiven Gefühle teilen sich auch dem Körper mit und beeinflussen den Stoffwechsel positiv. Positive Gefühle führen dem Ätherleib vom Seelischen her positive Kräfte zu, wie dies gesunde Ernährung vom Physischen her tut. Zuviel Nachdenken über die Wirkung mindert diese jedoch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch weniger zuträglich ist es, wenn ein Patient nicht so recht weiß, wie ein Mittel wirkt, oder Angst bekommt, wenn er den Beipackzettel liest. Dann fühlt er sich verunsichert – weswegen 40 Prozent der Medikamente in den Müll und nicht in den Magen der Patienten wandern. Wieder zuhause entscheiden sie, dass es ihnen eigentlich gar nicht so schlecht geht und nehmen das verordnete Medikament lieber nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur Anthroposophischen Medizin, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== EIGENE ERFAHRUNGEN BEIM ARZTSTUDIUM ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was wirkt auf den Menschen konstruktiv bindend?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was unterstützt einen Menschen in seiner Entwicklung?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was bedeutet es eigentlich zu helfen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Womit helfe ich und was macht mich sicher, dass ich dabei nicht ein neues Problem schaffe?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fragen als Motivation fürs Medizinstudium&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ich komme ursprünglich aus der Pädagogik und habe gemerkt, wie stark mein Einfluss als Erzieher auf das Kind ist, wie stark das Vorbild wirkt, weil die Schüler alles sehr umweltoffen nachahmen, auch noch in der Oberstufe. Der Einfluss reicht bis ins Gesundheitliche hinein. Ich erlebte daran, welch riesige Verantwortung man hat durch die Art, wie man als Mensch auf andere wirkt. Ich habe mich zum Medizinstudium entschlossen, weil ich herausfinden wollte, wie es zu dieser Wirkung kommt. In dem Zusammenhang bewegten mich die oben genannten Fragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angespornt von der Begeisterung die Antworten zu finden, begann ich mein Studium. Ich war damals 25 Jahre alt, eine Spätberufene also, und hatte das Glück, die Anthroposophie parallel zum Studium studieren zu können. Ich habe sozusagen als angehende Anthroposophin Medizin studiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich fühle mich sicher und gewiss, wenn es mir gelingt, ein anatomisches Substrat, ein Ergebnis, z.B. Phasen der Embryonalentwicklung, wirklich zu verstehen: etwas denken zu können und das, was ich denke, in dem, was ich sehe, als evident wiederzuerkennen; mein Denken und meine Wahrnehmung als kongruent zu erleben; wenn das, was ich denke, auch passiert oder ich es sehe. Dazu gehört auch, das, was ich sehe, zu verstehen, dass es mir nicht ein dunkles Rätsel bleibt; ein Evidenzerlebnis zu haben. Ich hatte durch die Anthroposophie die Möglichkeit, die Medizin sensibel zu hinterfragen und mir Evidenzerlebnisse zu erarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vieles lernt man, ohne es zu verstehen. Man hat etwas festgestellt und soll es anschließend wissen. Bei uns stand über allen Examensfragen: &#039;&#039;„Der Student soll wissen, dass…“&#039;&#039; und dann kamen die Multiple-Choice-Angebote, aus denen man das Richtige heraussuchen musste. Es ist nervtötend, wenn nur Wissen abgefragt wird und kein Verständnis. Nur in den mündlichen Prüfungen ging es manchmal um echtes Verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Stoffwechsel und Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In den ersten vier Vorträgen im &#039;&#039;„Landwirtschaftlichen Kurs“[1]&#039;&#039; spricht Steiner über die spirituelle Bedeutung von Phosphor, Schwefel, Stickstoff, Sauerstoff und Wasserstoff. Die ganze Eiweißchemie bzw. Biochemie unseres Körpers beruht auf diesen Elementen. So konnte ich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;&#039; mit dem &#039;&#039;Phosphor&#039;&#039; in Zusammenhang bringen,&lt;br /&gt;
* den &#039;&#039;&#039;Astralleib&#039;&#039;&#039; mit dem &#039;&#039;Stickstoff&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* den &#039;&#039;Sauerstoff&#039;&#039; mit dem Leben, dem &#039;&#039;&#039;Ätherischen&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* den &#039;&#039;Schwefel&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;zwischen dem physischen Leib und dem Ätherleib wirksam&#039;&#039;&#039; sehen – denn „er macht den physischen Leib geneigt, die Wirkungen des Ätherischen aufzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht hier um die Erkenntnis, wie die vier Wesensglieder im Stoffwechsel aktiv sind, wobei diese vier Hauptelemente wie Tore sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wasserstoff hat eine Sonderposition. Er gehört wesentlich zum Wärmeorganismus und ist sogar &#039;&#039;das&#039;&#039; Zentralelement des Wärmeorganismus. Er ist das leichteste Element, das von sich aus zur Sonne geht, der Gravitation nicht unterliegt, weil es zu leicht ist. Wenn es nicht regnen würde, würde der Wasserstoff die Erde verlassen und sich in der Sonne sammeln. Aber durch Regen, Blitze und Donner, diese enormen energetischen Entladungen, kommt es zur Knallgasverbindung, durch die der Wasserstoff wieder an den Sauerstoff gebunden wird und so wieder auf die Erde kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wissen als etwas Vorläufiges begreifen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ich habe mir in dem Zusammenhang nie die Frage gestellt, ob etwas richtig oder falsch ist, sondern ob es mir zugänglich ist oder nicht. Wenn ich etwas verstanden hatte, war es für mich gewiss.[2] Wenn anschließend jemand erklärte, dass dies nur ein Vorgipfel wäre und die wahre Wirklichkeit noch tiefer läge, noch etwas komplizierter sei, war ich auch dafür offen. Das vorherige Endergebnis gilt dann eben als vorläufig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und man muss auch nicht von Anfang an alles wissen. Ich habe manchen Patienten damit glücklich gemacht, dass ich sagte: &#039;&#039;„Wir beginnen erst einmal mit diesem Therapieansatz – ich werde mich aber noch mit Kollegen beraten, was in Ihrem Fall das Beste ist.“&#039;&#039; Wirkliches Wissen hat Prozesscharakter und kongruiert mit der wachsenden Lebenserfahrung, die durch die Menschen, mit denen wir zusammenleben und -arbeiten, bereichert wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur AM, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft (Landwirtschaftlicher Kurs), Acht Vorträge&#039;&#039;, Koberwitz bei Breslau, 07.06 – 16.06.1924.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Dazu siehe auch: Glöckler, Michaela: &#039;&#039;Einblicke in die anthroposophisch-medizinische Forschung und die Arbeit der Medizinischen Sektion&#039;&#039;. In: Christiane Haid, Constanza Kaliks, Seija Zimmermann (Hg.): &#039;&#039;Goetheanum - Freie Hochschule für Geisteswissenschaft. Geschichte und Forschung der Sektionen.&#039;&#039; Verlag am Goetheanum, Dornach 2017: Rudolf Steiner betonte wiederholt, dass es sich bei seinen Schilderungen und Sichtweisen um ein Wissen handle, das von ihm selbst erarbeitet wurde und als Wissen oder Erkenntnis und nicht als Glaubensinhalt vorgebracht werde. Daher möge man das von ihm Dargestellte als anregende Idee, als Arbeitshypothese nehmen und selbst prüfen, ob es der eigenen Lebenserfahrung und Erkenntnissuche standhalten und dem Leben dienen könne. Auch hoffte er, dass der akademisch geschulte Leser seiner Schriften die Anstrengung unternehmen würde, seine auf meditativen Wegen errungenen Einsichten mit Hilfe empirischer Forschungsmethoden nachzuweisen. Damit führte Steiner in den wissenschaftlichen Diskurs das Prinzip der internen bzw. inneren Evidenz ein: Was man - gestützt auf Erfahrung und Einsicht - als richtig erkannt hat, empfindet man als „innerlich evident“. Es bedarf dann aber auch noch der externen Evidenz, damit man anhand reproduzierbarer Fakten die Legitimität des als richtig Erkannten aufzeigen kann. Beide Evidenzen zusammen ergeben eine umfassende Erkenntnis von Mensch und Welt und die Möglichkeit, sich ein ganzheitliches Menschen- und Weltverständnis zu erarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE FÜNF FUNKTIONSBEREICHE IN DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Funktionsbereiche deckt die Anthroposophische Medizin ab?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Funktionsbereiche des Lebens&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Unser aller Leben spielt sich auf unterschiedlichen Ebenen ab, die ich hier Funktionsbereiche nennen möchte. Im Folgenden werde ich sie genauer beschreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Physischer Funktionsbereich: Leben im Raum ====&lt;br /&gt;
Alles Physische findet im Raum statt und gründet auf räumlich fassbare Strukturen. Der physische Leib des Menschen ist umso gesünder, je besser er an sein Milieu, die jeweilige Umwelt angepasst ist. Vieles an unserer Umwelt macht uns über Wasser, Ernährung und Luft krank, aber auch – wenn es passend wirkt – gesund. Physisch sind wir offene Systeme. Auch was wir über die Sinne aufnehmen, prägen wir uns ein, prägt uns. Alles Schöne wirkt aufbauend, alles Unschöne schwächt. Alles wirkt, egal ob wir sofort krank werden oder nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier ist die Domäne der Schulmedizin. Anthroposophische Ärzte sind zunächst alle auch Schulmediziner, das ist unsere Grundlage. Diagnostische Fragen zum Physischen lauten beispielsweise:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Sind Medikamente nötig, die am Ort des aktuellen Geschehens unmittelbar angreifen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ist eine Umgebungsveränderung vonnöten?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Muss in einem bestimmten Bereich Sinnesschulung nachgeholt bzw. verstärkt werden?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wären Achtsamkeitsübungen bzw. irgendetwas, das die physische Resonanz mit dem Umfeld verbessert, hilfreich?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ätherischer Funktionsbereich: Leben als Prozess ====&lt;br /&gt;
Auch im Ätherischen sind wir offene Systeme. Mit ätherischer Kraft bezeichnet man in der Anthroposophischen Medizin, was man in der orientalischen Tradition Chi oder Lebenskraft nennt. Das Ätherische umfasst alles Prozessuale, das eine Zeitstruktur und Rhythmus hat. Im aristotelischen Sinne befinden wir uns damit in der Kategorie der Zeit. Alles Ätherische ist prozessual, lebendig, zyklisch, miteinander zusammenhängend, voneinander abhängig. Selbst­­­regulation, Selbstheilungsprozesse, Regeneration, Wachstum, Gestaltung haben hier ihren Wirkort. Die anthroposophischen Arzneimittel, die alle prozessorientiert sind, setzen hier an. Viele werden auch mit homöopathischen Verfahren hergestellt. Alle Prozesse, die uns kränken und gesunden lassen, verlaufen im Zeitlichen. So können sich Verstöße gegen gesunde Lebensrhythmen, z.B. unregelmäßige Ernährung, negativ auswirken, sofern die Selbstregulation dies nicht kompensieren kann. Auch die Lebensgewohnheiten, die Art wie man seine Zeit strukturiert oder eben nicht strukturiert, – wie chaotisch oder geordnet man lebt – beeinflusst diesen Wirkbereich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn im Leben herrscht Ordnung, es ist ein geordneter Kosmos. Es wird durch die Sonne, die circadiane 24-Stunden-Rhythmik, durch den Wochenrhythmus und den lunaren Monatsrhythmus beeinflusst. Mit dieser „Bio-Kosmologie“ befasst sich die Rhythmusforschung. Die Sonne ist 150 Millionen Kilometer von uns entfernt. Wenn wir aber Sonnenbrand haben, haben wir ihn hier auf unserer Haut. Unser gesamter Knochenstoffwechsel hängt von der Sonne ab, auch die gesamte chlorophyllproduzierende Pflanzenwelt. Wir sind sonnengetragene Wesen, wir leben in diesem Sonnenraum. Es gibt kein Leben ohne Wasser und Sonne. Die Griechen nannten den durchsonnten blauen Himmel den Äther. Daher auch der Begriff „ätherische Organisation“ für diesen Funktionsbereich. Das Leben auf der Erde muss viel umfassender gedacht werden, als wir das gewöhnlich tun, wenn wir vom Leben sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diagnostische Fragen zum Ätherischen zielen daher auf die Lebensgewohnheiten ab: Ernährung, Schlaf, Work-Life-Balance, aber auch Rituale, Gewohnheiten, religiöse oder meditative Hilfsmittel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Astraler Funktionsbereich: seelisches Erleben in Beziehung zu sich und anderen ====&lt;br /&gt;
Hier geht es um das Gefühlsleben, um die unbewusste und bewusste Beziehungsgestaltung. Alles, was in einer Beziehung stattfindet, was im Gefühl und Bewusstsein lebt, geht über Raum und Zeit hinaus in die „Innerlichkeit“ und erhält durch die Erinnerbarkeit Dauer. Die Beziehung zu sich selbst und den Menschen und Dingen im Umfeld ist ein reicher Kosmos, ein komplexes Netzwerk, ist so etwas wie eine Sternenkonstellation. Das Wort „Aster“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet Stern. Mit diesem Begriff möchte Rudolf Steiner nicht nur an die seelischen Sternkonstellationen erinnern, denen wir angehören, sondern auch an die himmlische Heimat der Seele und deren Verwandtschaft mit der Sternenwelt, die auch in den astrologischen Traditionen zum Ausdruck kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beziehungen können sich wandeln, wir können unser Verhältnis zu ihnen ändern. Wenn sie kaputt gehen, tut es so weh, dass man früher oder später wieder daran arbeiten wird. Unter dem Gesichtspunkt der Reinkarnation gibt es noch einen weiteren Aspekt, der das Ringen um eine positive Entwicklung in unseren Beziehungen in seiner Bedeutsamkeit unterstreicht. Christian Morgenstern drückt dies in einem seiner Gedichte so aus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wir müssen immer wieder uns begegnen&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;und immer wieder durch einander leiden,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;bis eines Tages wir dies alles segnen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;An diesem Tage wird das Leiden weichen,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;das Leiden, welches Selbstsucht zeugte,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;das Leiden wenigstens, das Blindheit zeugte,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;das uns wie blinden Wald im Sturme beugte.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Dann werden wir in neues Ziel und Leben&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;wie Flüsse in ein Meer zusammenfließen,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;und kein Getrenntsein wird uns mehr verdrießen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Dann endlich wird das „... suchet nicht das Ihre“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wahrheit geworden sein in unsern Seelen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und wie an Kraft wird&#039;s uns an Glück nicht fehlen.[1]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diagnostische Fragen zu der astralen Wirkrichtung betreffen biographische Zusammenhänge und damit verbundene Krankheitsursachen. Oft können Biographiearbeit, künstlerische Therapien, Bewegungstherapien und Körperarbeit helfen, das Bewusstsein für sich selbst und die Menschen im eigenen Schicksalsfeld zu harmonisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Funktionsbereich der Ich-Organisation: als Individuum leben ====&lt;br /&gt;
Hier haben wir es mit dem Bereich zu tun, den Goethe „die Dauer im Wechsel“ nannte. Die Ich-Organisation ist gegenüber dem ewigen Wesen des Menschen, seinem spirituellen Kern, offen. Sie umfasst alle Gesetzmäßigkeiten, die mich vor mir selbst und vor anderen persönlich legitimieren, die nur die eigene Individualität betreffen, für die ich mir selbst die Arbeitsrichtung vorgeben kann. Von der eigenen Ich-Verfassung, vom Selbstwert-Gefühl und der Art der Identitätsbildung hängt es ab, wie lange man z.B. negative Gefühle zulässt oder wieviel Stresstoleranz man besitzt. Wer sein Leben, sein Schicksal, mit allen Hoch- und Tiefpunkten, als seinen persönlichen Entwicklungsweg sehen kann, findet in jeder Lebenslage Motive für das, was gerade hier und jetzt gelernt oder getan werden könnte und kann innere Ruhe und die Übereinstimmung mit sich bewahren. Die Resilienzforschung hat viele wertvolle Beweise dafür geliefert, in welch hohem Maße die Art des Umgangs mit sich selbst und der gewählte Lebensstil den Gesundheitszustand von Leib und Seele beeinflussen.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was muss geschehen, damit ein Mensch wieder zu einer positiven Identität und Lebenseinstellung findet, auch wenn seine Umstände traurig oder widrig sein mögen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Anregung für die innere Schulung, für sein Selbstmanagement, für seine Identität kann ich ihm vermitteln, damit er freudig und&#039;&#039; &#039;&#039;wahrhaft als Ich erleben kann?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fragen dieser Art bewegen den Arzt – aber auch Fragen der Prävention&#039;&#039;: Was kann in den Erziehungsjahren geleistet werden, nicht nur für eine gesunde körperliche Entwicklung, sondern auch für die seelische und insbesondere die geistige, Identität stiftende Entwicklung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Funktionsbereich der spirituellen Orientierung: Weltentwicklung bejahen ====&lt;br /&gt;
Hier treten wir aus unserem individuell Menschlichen völlig heraus. Der Kopf ist das Beziehungsorgan, das uns mit der ganzen Welt verbindet, ist unser offenes, rein zur unsichtbaren Welt der Gedanken, den Sinneseindrücken, Vorstellungen sowie dem Bewusstsein hin orientiertes Gebilde. Paracelsus[3] nannte diese Perspektive, die Art, wie wir mit den unsichtbaren Kräften des Denkens, Fühlens und Wollens umgehen, die Quinta Essentia. Die vier anderen „Essenzen“ haben mit den Aggregatzuständen fest, flüssig, gasförmig und Wärme zu tun, die alle noch physisch fassbar sind. Die Quinta Essentia jedoch ist rein spirituell, rein geistig. Sie wird uns zunehmend bewusst durch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* seelisch-geistige Verwandlungsprozesse dank meditativer Schulung,&lt;br /&gt;
* Verfeinerung der Gedanken,&lt;br /&gt;
* Gefühls- und Willenskultur der Achtsamkeit.&lt;br /&gt;
* Die Tugenden und verbindlichen Lebenswerte gehören ebenso in diesen Bereich, &lt;br /&gt;
* aber auch wie ich meine Beziehungen ordne, wie ich meine Identität erlebe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn wie ich mein äußeres und mein biografisch-zeitliches Leben veranlage, hängt letztlich davon ab, wie ich über mich und andere, über die Welt und Gott denke. Eine echte spirituelle Orientierung ist die stärkste salutogenetische Perspektive. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Erlösende menschheitliche Perspektive&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Meine Erfahrung ist, dass es heute immer mehr Menschen gibt, die von einer basalen Trauer und Sorge erfüllt sind in Bezug auf das Weltgeschehen und die Menschheitsentwicklung. Sie sind nicht krank oder deprimiert durch eine schlechte Lebensweise oder Drogen, auch nicht aufgrund negativer Beziehungen. Sie erleben sich vielmehr dadurch beeinträchtigt, dass sie den Eindruck haben, es geht mit der Menschheits- und Erdenentwicklung nicht gut voran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um dem konstruktiv begegnen zu können, braucht es eine große, umfassende, menschheitliche Perspektive, die aufzeigt, dass die Menschheit zwar heute eine besondere Krise durchmacht, verursacht durch den Zerfall von Werten und eine enge materialistisch-ökonomische Weltsicht. Es gilt jedoch zu verstehen, dass nur der Durchgang durch eine Periode des Verlustes spiritueller Perspektiven und humaner Entwicklungsbedingungen das Individuum aus allen kollektiven – auch der religiösen – Bindungen zu befreien vermag, damit es auf dieser Basis neu und selbstständig sein Verhältnis zum weiteren Verlauf der Geschichte zu bestimmen in der Lage ist. Nur ein echtes Verständnis dieser Entwicklungszusammenhänge kann dem sonst unweigerlich eintretenden Kulturpessimismus vorbeugen bzw. kann ihn heilen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anthroposophische Arzt wird seinen Patienten anamnestisch mit Bezug auf diese fünf Funktionsbereiche hin anschauen und womöglich befragen. Am Ende muss er intuitiv entscheiden, wie er den besten Zugang zu dem betreffenden Patienten finden kann, um den notwendigen Gesundungsprozess anzuregen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Mehr hierzu in: Was ist Anthroposophische Medizin? Verlag am Goetheanum, 2017&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Christian Morgenstern, &#039;&#039;Stuttg. Ausgabe, Band 2 Lyrik 1906 – 1914&#039;&#039;, Urachhaus Verlag, Stuttgart 1992, S. 217.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Siehe z.B. Fröhlich-Gildhoff, Klaus / Rönnau-Böse, Maike: &#039;&#039;Resilienz&#039;&#039;. Ernst Reinhardt Verlag, München 2015.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Philippus Theophrastus Aureolus Bombastus von Hohenheim, getauft als Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, (* vermutlich 1493 in Egg, Kanton Schwyz; † 24. September 1541 in Salzburg) war ein Arzt, Alchemist, Astrologe, Mystiker, Laientheologe und Philosoph. Paracelsus hinterließ zahlreiche deutschsprachige Aufzeichnungen und Bücher medizinischen, astrologischen, philosophischen und theologischen Inhalts, die größtenteils erst nach seinem Tod gedruckt wurden (wikipedia).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE WESENSGLIEDER UND IHRE DIAGNOSTIK ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was versteht die Anthroposophische Medizin unter Wesensgliedern?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie lassen sie sich beschreiben?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wesensglieder als Zusammenhänge von Gesetzmäßigkeiten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das Wissen von Körper, Leben, Seele und Geist ist so alt wie die Menschheit. Rudolf Steiners Beitrag besteht jedoch darin, eine neue Zugangsweise zu diesen vier Erfahrungsfeldern aufgezeigt zu haben. Er verwendete für die von ihm in Medizin und Pädagogik eingeführte Terminologie die Worte „Leib“ bzw. „Organisation“.[1] Diese Termini machen nicht nur den Zusammenhang zwischen den Reichen der Natur und den Aggregatzuständen der Materie deutlich, sondern stehen auch für die differenzierte Ganzheit des Menschenwesens nach Geist (Ich-Organisation), Seele (astralische Organisation), Leben (ätherische Organisation) und Körper (physische Organisation). Sie zeigen die komplexen Zusammenhänge von Gesetzmäßigkeiten, durch die sich der Mensch erkennen, erleben, ausdrücken und betätigen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Anthroposophischen Medizin wird also nicht nur die naturwissenschaftliche Beschreibung von Aufbau und Funktion des menschlichen Körpers berücksichtigt, sondern auch die Wirkung der sogenannten Wesensglieder auf den Körper, die von der zugehörigen Gesetzmäßigkeit bestimmt werden und so in das Körpergeschehen eingreifen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Diagnostik der Wesensglieder ermöglicht ein differenziertes Erfassen des Inkarnationszustands des Menschen in Gesundheit und Krankheit, woraus sich der jeweils passende therapeutische Ansatz ableiten lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Physischer Leib – fest ====&lt;br /&gt;
Der physische Leib wird von Stoffen und Kräften im festen Aggregatzustand aufgebaut – sie machen die sinnlich beobachtbare Beschaffenheit des Körpers im Raum aus (griechisch &#039;&#039;physis&#039;&#039; = Körperbildung, Gestalt). Der ganzheitlich-systemische Begriff des Physischen umfasst den gesamten Bereich des Mineralisch-Anorganischen: Dazu gehören die Gesetze der Gravitation, der Mechanik, aber auch die Zerfalls- und Sterbeprozesse von Strukturen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was erkannt werden kann, wenn man dem menschlichen Organismus Stoffe, Gewebe und Partikel entnimmt und analysiert, gehört in das Gebiet des Physischen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ätherleib - flüssig ====&lt;br /&gt;
Der &#039;&#039;Ätherleib&#039;&#039; umfasst die Gesamtheit der Lebensprozesse. Diese sind an den flüssigen Aggregatzustand gebunden und liegen allen Vorgängen zugrunde, die chemische und physikalische Prozesse zu biochemischen und physiologischen Prozessen steigern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wort „Äther“ kommt aus dem Griechischen und heißt Himmel. Damit schließt das Ätherische auch den durchsonnten, blauen Himmelsraum ein, ohne den Leben auf der Erde nicht möglich wäre. Insbesondere die Pflanzenwelt wird davon bestimmt: Das zeigt sich z.B. in der sonnenvermittelten Fotosynthese, die Grundlage der Lebenstätigkeit aller Pflanzen ist. Doch auch ihre Biorhythmen haben ihre Zeitgeber in der Solar- und Lunarperiodik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Astralleib – gasförmig, luftig ====&lt;br /&gt;
Die Kräfte und Gesetzmäßigkeiten, die Bewegung, Bewusstsein und seelischen Ausdruck ermöglichen, bezeichnete Steiner mit &#039;&#039;Astralleib&#039;&#039;, lateinisch „aster“ (Stern). Das Weltall mit seinen Sternkonstellationen ist ein Bild davon: Jeder Planet, jeder Fixstern ist anders als der andere und doch stehen alle in konkreten, sich stets wandelnden Beziehungen zueinander, Konstellationen genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Physiologisch gesehen sind die Bewegungs-, Sprach- und Gefühlsäußerungen an das Vorhandensein von Luft gebunden. Der Astralleib kann nur über den Gaszustand der Materie in das Körpergeschehen eingreifen und ist auch im Hinblick auf seine Wirkungsweise von den Gesetzen bestimmt, die dem Gaszustand eigen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ich-Organisation - Wärme ====&lt;br /&gt;
Für den Gesetzeszusammenhang, der es der selbstbewussten Persönlichkeit erlaubt, sich zu erleben und auszudrücken, wählte Steiner den Begriff &#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;. Diese ist an die Gesetze der Thermodynamik, der Wärme, gebunden. Jeder Mensch erlebt sein Ich und die Persönlichkeitsäußerungen des Anderen in Form von jeweils zum Ausdruck kommenden Wärmedifferenzen bzw. als Wärme- und Kälteausstrahlung. Die kritische Temperatur des jeweiligen Elementes entscheidet, in welchem spezifischen Aggregatzustand die Materie erscheint. Das dem gesunden Körperleben des Menschen zugrundeliegende Wärmeoptimum liegt bei 37°. Es wird durch eine komplizierte Temperaturregulation im Rahmen definierter tages- und jahresrhythmischer Schwankungen konstant gehalten. Auch hängt es jeweils vom geistigen Wärmezustand (Begeisterung) ab, ob und wofür ein Mensch seine Kraft im Leben einsetzt und wie er seine Persönlichkeit zentriert und beherrscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Berechtigte Annahme komplexer Ordnungsprinzipien&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Mit der systemischen Begrifflichkeit der Wesensglieder ist einerseits die Brücke geschlagen zur aristotelischen Elementenlehre, die die Aggregatzustände konsequent mit den Naturreichen (Mineral, Pflanze, Tier, Mensch) verbindet. Andererseits kann dadurch auch ein konkreter Bezug hergestellt werden zur heutigen Faktenfülle naturwissenschaftlicher Forschungen als Grundlage für ein ganzheitliches Bild des Menschen, der sich in Körper, Seele und Geist gliedert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiners Vorgehensweise, übergeordnete Begriffe zu bilden, wird untermauert von Annahmen aus der Systemforschung, die längst von höheren, vernetzten Formgebern und Prozessgestaltern ausgeht, die sie entweder entdeckt oder hypothetisch angenommen hat: Man verwendet den Begriff „Feld“[2] oder spricht von „intraorganischen Ordnungsmustern“ aus der mathematisch-geometrischen Symmetrie und Asymmetrie, die sich nicht mithilfe der darwinistischen Paradigmen von Selektion, Mutation und Anpassung erklären lassen.[3] Auch die Frage nach der Symmetrie als einem universalen Kausalprinzip gehört hierher. All diese Überlegungen und Forschungen besagen, dass es letztlich Gedanken, Gesetze, übergreifende Gesetzeszusammenhänge sind, die sich in den Ordnungen und Wandlungen der Evolution abbilden bzw. diese vorantreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant sind in diesem Zusammenhang auch die derzeit oft gebrauchten Begriffe der Autoregulation, Selbstregulation oder Selbstheilung. Die Wesensgliederdiagnostik kann diese Begriffe mit einem differenzierten Inhalt füllen und dieses Selbst (griechisch: autos) in seinen körperlichen, seelischen und geistigen Ausdrucks- und Funktionsweisen beschreiben.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen.&#039;&#039; GA 37, Rudolf Steiner Verlag, Dornach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rupert Sheldrake, &#039;&#039;The presence of the past. Morphic resonance and the habits of nature.&#039;&#039;  Hammersmith, UK 1988.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Antonio Lima-de-Faria, &#039;&#039;Evolution without Selection. Form and Function by Autoevolution.&#039;&#039; New York 1988.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Werner Hahn/ Peter Weibel (Hrsg.), &#039;&#039;Evolutionäre Symmetrietheorie. Selbstorganisation und dynamische Systeme.&#039;&#039; Stuttgart 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== PARAMETER DER WESENSGLIEDER-DIAGNOSTIK ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen Parametern folgt die Wesensglieder-Diagnostik?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wesensglieder als Gesetzeszusammenhänge des Menschseins&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der phänomenologischen Philosophie und Psychologie ist man gewohnt, den Körper „Leib“ zu nennen. Man meint damit das individuell Geformte bzw. das „Gefäß&amp;quot;, das von allen Funktionen und Seelenerlebnissen ein Aus- und Abdruck ist. Rudolf Steiner verwendet als Bezeichnung für die Wesensglieder je nach Kontext die Ausdrücke „Leib“, „Organisation“ und „Organismus“ oder „Gesetzeszusammenhang“. In der Diagnostik wird der körperliche Ausdruck der Wesensglieder im Einzelnen beschrieben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Physischer Leib ====&lt;br /&gt;
Zu den Beurteilungsgrößen des physischen Leibes gehören neben Körpergröße und Körpergewicht die chemische Analyse (Labordiagnostik) sowie die Ausformung der einzelnen Organe, der konstitutionelle Habitus, und inwiefern dieser durchlässig ist für die Vorgänge des Lebens, der Seele und des Geistes – d.h. für den „Inkarnationszustand&amp;quot; des betreffenden Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ätherleib ====&lt;br /&gt;
Zur Diagnostik des ätherischen Organismus gehört neben dem Erfassen der aktuellen Gesamtvitalität und der Vitalität der einzelnen Organe auch die Beurteilung von Wachstum, Entwicklung und Regenerationsfähigkeit sowie des Säure-Basen-Verhältnisses, des Wasser- und Elektrolythaushaltes und des Zusammenspiels der Biorhythmen, aber auch die Erfassung der Art der Gedankenführung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Astralleib ====&lt;br /&gt;
Die Wirkungsweise des Astralleibes wird einerseits am Bewegungsspiel der Muskulatur und ihres Tonus abgelesen, andererseits aus der Art des Sprechens und der Atemführung sowie des Instinkt-Begierde-Verhaltens erschlossen. Empfindungsleben, „Sensibilität&amp;quot; und das Spektrum der Gefühlsäußerungen geben Aufschluss über seinen aktuellen Zustand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Stärke oder Schwäche der Ich-Organisation können am Zusammenspiel aller Funktionen und Wesensgliedertätigkeiten abgelesen werden. Jede Form von Integrations- und Kontrollverlust zeigt eine Schwächung oder Störungen im Bereich dieses Wesensgliedes an. An dieser Stelle ist es wichtig zu bemerken, dass die Ich-Organisation zwar dem geistigen Wesen Mensch, d.h. seinem Ich, die körperliche – und damit vergängliche –Möglichkeit zur Inkarnation bietet, mit dieser jedoch nicht identisch ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Faktenfülle durch Wesensgliederdiagnostik&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Des Öfteren wird gefragt, warum die Wesensglieder-Diagnostik nötig ist, welche zusätzlichen Informationen sie über das hinaus bieten kann, was eine sorgfältige und umfassende klinische Diagnostik ohnehin leistet. Dazu ist zu sagen, dass das sehr umfassende Studium des jeweiligen Wesensgliedes und der damit zusammenhängenden Gesetzmäßigkeit zusätzliche Informationen liefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die in der Tabelle unten angeführten Parameter implizieren eine große Faktenfülle und eröffnen durch ihre Zusammenschau neue Einsichtsmöglichkeiten in die menschliche Natur, vor allem auf den direkten Zusammenhang der seelisch-geistigen Funktionen mit den physiologisch-anatomischen Strukturen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;Wesensglied&#039;&#039;&#039; und  Naturgesetzlichkeit&lt;br /&gt;
|Selbsterleben und &lt;br /&gt;
kreative Handhabbarkeit&lt;br /&gt;
|Morphologie &lt;br /&gt;
Physiologie&lt;br /&gt;
|Physische Symptomatik&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;&#039;Wärmeorganismus&lt;br /&gt;
Thermodynamischer&lt;br /&gt;
Gesetzeszusammenhang&lt;br /&gt;
|Selbstbewusste &lt;br /&gt;
Gedankentätigkeit,&lt;br /&gt;
Intentionalität,&lt;br /&gt;
Initiative,&lt;br /&gt;
Dicht- und Sprachkunst&lt;br /&gt;
|Integrationsprozesse Gesamtgestalt&lt;br /&gt;
|Individuelle Wärmeverteilung „Ausstrahlung&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;Astralleib&#039;&#039;&#039;Luftorganismus&lt;br /&gt;
Aerodynamischer&lt;br /&gt;
Gesetzeszusammenhang&lt;br /&gt;
|Bewusstsein, Gefühl, Impulsivität, Bewegung&lt;br /&gt;
Musik und Gesang&lt;br /&gt;
|Atmung&lt;br /&gt;
Katabole Stoffwechselvorgänge&lt;br /&gt;
Heterostase&lt;br /&gt;
Differenzierung&lt;br /&gt;
Proportionen&lt;br /&gt;
|Muskeltonus&lt;br /&gt;
(Anspannung und Lösung)&lt;br /&gt;
Lufthaushalt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;Ätherleib&#039;&#039;&#039;Wasserorganismus &lt;br /&gt;
Hydrodynamischer&lt;br /&gt;
Gesetzeszusammenhang&lt;br /&gt;
|Auftrieb&lt;br /&gt;
Schwerelosigkeit Zeitprozesse&lt;br /&gt;
plastisches Gestalten&lt;br /&gt;
|Anabole Stoffwechselvorgänge&lt;br /&gt;
Synthese&lt;br /&gt;
Homöostase&lt;br /&gt;
Proliferation&lt;br /&gt;
|Turgor&lt;br /&gt;
Wasserhaushalt&lt;br /&gt;
Inkarnat&lt;br /&gt;
Hautdurchblutung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;Physischer Leib&#039;&#039;&#039;Feste Organisation&lt;br /&gt;
Gravitation&lt;br /&gt;
Gesetzeszusammenhänge der Festkörperphysik und Mechanik&lt;br /&gt;
|Egoität&lt;br /&gt;
Schwerpunkt erleben architektonisches Gestalten&lt;br /&gt;
|Ablagerungsprozesse&lt;br /&gt;
Strukturierungsprozesse&lt;br /&gt;
Form-Zusammenhalt&lt;br /&gt;
|Dichte&lt;br /&gt;
Gewicht&lt;br /&gt;
Laborparameter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tab. 1.1 Diagnostische Parameter im Funktionsbereich der Wesensglieder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FORSCHUNG UND WEITERENTWICKLUNG IN DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;In welche Richtungen wird in der Anthroposophischen Medizin geforscht?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Möglichkeiten der Evaluation gibt es?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Forschung und Evaluation&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aufgrund ihres natur- und geisteswissenschaftlichen Menschenbildes hat die anthroposophisch-medizinische Forschung zwei Arbeitsrichtungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Eine, die sich den derzeit vorgegebenen akademischen Standards anpasst und Unbedenklichkeit und &#039;&#039;&#039;Wirksamkeit anthroposophischer Arzneimittel&#039;&#039;&#039; untersucht. &lt;br /&gt;
# Und eine andere, die nach den &#039;&#039;&#039;geistigen Ursachen von Krankheit&#039;&#039;&#039; und den &#039;&#039;&#039;heilenden Möglichkeiten der Natur&#039;&#039;&#039; mit ihren Substanzen und Prozessen fragt. &lt;br /&gt;
# Zu jeder seriösen Forschung gehören auch effektive &#039;&#039;&#039;Möglichkeiten der Evaluation&#039;&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophische Medizin ist nicht nur historisch jung, sondern auch in ständiger Weiterentwicklung begriffen. Ihre weltweiten Arbeitszusammenhänge in Forschung, Ausbildung und Praxis werden in der Medizinischen Sektion am Goetheanum in der Schweiz koordiniert.[1] Dort findet sich auch eine Übersicht über die aktuelle Literatur, die Forschungsinstitute und Kliniken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ad 1. Studiendesigns für anthroposophische Arzneimittel ====&lt;br /&gt;
Gegenwärtig wird an Studiendesigns gearbeitet, die der Herkunft, Herstellung und Anwendung anthroposophischer Arzneimittel gerecht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Freiburger Arzt und Wissenschaftler &#039;&#039;Helmut Kiene&#039;&#039; ist die im Juli 2000 erschienene komplementäre Methodenlehre der klinischen Forschung zu verdanken, in der er eine Cognition-based Medicine der Evidence-based Medicine gegenüberstellt.[2] Diese Methodenlehre erstreckt sich auf folgende Evidenzbereiche:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wirksamkeitsnachweis&lt;br /&gt;
* Effektivitätsbeurteilung&lt;br /&gt;
* Therapievergleich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im „Freiburger Institut für angewandte Erkenntnistheorie und medizinische Methodologie“ wird derzeit an den praktischen Konsequenzen für ein neues Studiendesign gearbeitet, das sich auf hohem akademischem Niveau auf die individuelle Einzelfallanalyse stützt. Der Arbeit des Instituts entstammt auch die im Jahre 2003 erschienene umfassende Monographie zur Mistel in der Onkologie.[3] Mit diesem Buch liegt erstmals ein Werk vor, das den Stand der Forschung in Bezug auf die Misteltherapie bei onkologischen Erkrankungen für Mediziner, Wissenschaft­ler und Allgemeininteressierte verfügbar macht. Es leistet damit einen Beitrag zur wissenschaftlichen Diskussion wichtiger medizinischer Grundsatzthemen, aber auch zum Dialog der Denkstile. Es ist ein Beispiel einer gelungenen Synthese von naturwissenschaftlichem und geisteswissenschaftlichem Ansatz auf der Höhe der derzeit gültigen akademischen Standards.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ad 2. Grundlagenforschung zu Krankheit und Heilung ====&lt;br /&gt;
Die Grundlagenforschung befasst sich mit der Erarbeitung von Korrespondenzen zwischen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;&#039;Wesensgliedertätigkeit&#039;&#039;&#039; im Menschen,&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;&#039;Krankheitssymptomatik&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* bestimmten &#039;&#039;&#039;Prozessen in der Natur&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* und der &#039;&#039;&#039;Wirkung von Substanzen&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht darum, Naturprozesse aufzufinden und zu beschreiben, die für den jeweiligen Krankheitsfall die Selbstheilung anregen, einseitigen Funktionen entgegenwirken oder zu schwache Funktionen unterstützen können. Je genauer das therapeutische Ziel aufgrund der Erforschung des evolutiven Zusammenhanges von Mensch und Natur festgelegt werden kann, umso sicherer tritt in der Regel auch die erwünschte Wirkung beim Patienten ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Arzneimittelschatz der heute verfügbaren Anthroposophika entstammt der Zusammenarbeit von Ärzten, Pharmazeuten und Herstellern. Seit vielen Jahren fassen Anthroposophische Ärztinnen und Ärzte ihre Erfahrungen und Erkenntnisse zum Einsatz der Anthroposophischen Arzneimittel in einem Vademecum zusammen, das Fachkreisen zugänglich ist und ständig erweitert wird. Ideen zur Heilmittelfindung entstehen jeweils anhand konkreter Fragestellungen zum Patienten bzw. zu seiner Krankheitssituation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Ausgangsstoffe für die Arzneimittelherstellung mit Bezug auf Sicherheit und Unbedenklichkeit in der Regel schon bekannt sind, ist präklinische Forschung im Sinne von In-vitro- oder Tierversuchen nicht nötig. Wenn neue, noch nicht monographierte Naturstoffe Verwendung finden, unterliegen sie selbstverständlich dem allgemein üblichen Prozedere zur Feststellung von Wirksamkeit und Unbedenklichkeit der entsprechenden Substanz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von einem anthroposophischen Arzneimittel wird erwartet, dass es körperliche oder seelische Beschwerden mildern oder verschwinden lassen bzw. eine Krankheit verzögern, heilen oder womöglich auch verhindern kann. Da sich diese Art der Heilmittelfindung und -anwendung in der Regel am individuellen Patienten orientiert, sind Forschungs- und Evaluationsmethoden erforderlich, die diesem Umstand Rechnung tragen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ad 3. Projekte zur Evaluation der Anthroposophischen Medizin ====&lt;br /&gt;
Im Berliner Forschungsinstitut am Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe wurde mit einem Projekt zur Evaluation Anthroposophischer Medizin begonnen – dem EvaMed-Projekt. Ziel ist die Schaffung einer wissenschaftlich fundierten Datenbasis als Grundlage für den Nachweis zur Unbedenklichkeit und Wirksamkeit von Anthroposophika. Mittels informationstechnologisch gestützter Netzwerke wird Outcome- und Versorgungsforschung innerhalb der Anthroposophischen Medizin betrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der medizinischen Fakultät der Universität Witten-Herdecke wurde 2003 der Stiftungslehrstuhl für Medizintheorie und Komplementärmedizin unter &#039;&#039;Prof. Dr. Peter Matthiessen&#039;&#039; eingerichtet, zu dessen Aufgaben neben Forschung und Lehre auch die Implementierung eines Begleitstudienganges für Anthroposophische Medizin gehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Bern/Schweiz wurde bereits 1994 die „Kollegiale Instanz für Komplementärmedizin“ (KIKOM) eingerichtet und der Schweizer Arzt &#039;&#039;Dr. med. Peter Heusser&#039;&#039; mit der Dozentur für Anthroposophische Medizin beauftragt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Siehe unter: www.medsektion-goetheanum.org&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Helmut Kiene, &#039;&#039;Komplementäre Methodenlehre der klinischen Forschung: Cognition-based Medicine,&#039;&#039; Heidelberg – Berlin 2001.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Gunver S. Kienle/ Helmut Kiene, &#039;&#039;Mistel in der Onkologie: Fakten und konzeptionelle Grundlagen&#039;&#039;, Schattauer 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== AKTUALITÄT DER FORSCHUNGEN RUDOLF STEINERS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche von Rudolf Steiner vorausgesehenen Entwicklungen in der Medizin sind inzwischen Stand der Wissenschaft?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Von Steiner vorausgesehene medizinische Entwicklungen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Bezug auf die Medizin kann man feststellen, dass viele Aussagen in Bezug auf zukünftige medizinische Entwicklungen und Ergebnisse, die Rudolf Steiner vorausgesehen hat, mit denen er ganz selbstverständlich umging, wenn er über Medizin sprach, heute zum Allgemeingut der Wissenschaft gehören. Ich möchte im Folgenden zu jeder Ebene der menschlichen Konstitution Beispiele nennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Erbgut und Immunsystem – physische Ebene ====&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner sprach vor Heilpädagogen, Lehrern, Ärzten davon, dass das sich inkarnierende Kind selbst mit der Auswahl von Vater und Mutter und dem damit verbundenen Erbgut zu tun hat, und dass die sich inkarnierende Individualität selbst daran beteiligt ist, das Erbgut möglichst so zu mischen, wie es zu ihrem Inkarnationswillen passt. Er sagte auch, dass die sogenannten Kinderkrankheiten und fieberhaften Infekte, die während der ersten 8 – 9 Lebensjahre normalerweise gehäuft auftreten, der Individualität die Möglichkeit geben, den ererbten Leib sukzessive umzugestalten und an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genau diese Zusammenhänge wurden in den letzten Jahren im Rahmen der Epigenetik erforscht. Kein wissenschaftlich gebildeter Mensch glaubt mehr, dass das Erbgut ein geschlossenes System ist, das eine Marschroute vorgibt. Das Erbgut ist ein offenes System, das durch individuelle spirituelle Arbeit beeinflusst werden kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das führt heute zu völlig neuen Forschungsfragen auf dem Gebiet der &#039;&#039;„Mind-Body-Medicine“&#039;&#039;. Man erforscht dort die Wirkung von Medikation auf die neuronalen Verschaltungen, auf den Kreislauf usw. und merkt, dass die Medikation auch immunstimulierend wirkt, bzw. dass das Immunsystem dadurch verändert wird. Das Immunsystem wiederum ist das Schlüsselsystem, welches das Erbgut aktiviert und dafür sorgt, dass bestimmte Gene blockiert werden und nicht mehr funktionieren bzw. neue gezündet werden und anfangen zu funktionieren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir brauchen beide Ansätze, wenn wir eine wirklich humane menschliche Medizin schaffen wollen: Die Naturwissenschaft allein reicht nicht. Erst ergänzt um Erkenntnisse aus der Geisteswissenschaft wird Medizin wirklich menschengerecht. Denn es dauert viel zu lange, wenn erst jahrelang Nachweise von der Schädlichkeit einer Maßnahme erbracht werden müssen, bevor diese verboten wird, wie es der naturwissenschaftlichen Methodik entspricht. Dann kommt das Gute immer zu spät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Rudolf Steiners Forschungsmethode der Verifizierung&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Die Geisteswissenschaft macht methodisch das Umgekehrte. Sie macht aufgrund tiefer gehender Einblicke und Kenntnisse der menschlichen Konstitution Angaben über zu erwartende Ergebnisse einer Maßnahme. Man ist als Arzt und Therapeut immer frei, sich für das, was man für das Richtige hält, zu entscheiden. Das bedeutet, dass man für gut und richtig erkannte Maßnahmen und Methoden anwendet, auf diesem Wege verifiziert und anschließend dokumentiert, wie der Gedanke zum Tun und letztlich zu einem guten Ergebnis führte, wobei auftauchende Probleme reflektiert werden. Man erklärt z.B. genau, warum man eine Hypothese etwas modifizierte, um das gewünschte gute Ergebnis zu erzielen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das war die von Rudolf Steiner praktizierte Forschungsmethode: Aus profunder Menschenkenntnis und physiologischem Verständnis heraus eine Hypothese zu bilden und anschließend in der Praxis zu verifizieren, ob der hypothetisch angenommene Erfolg tatsächlich eintritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diesem Wege wurde in der anthroposophischen Medizin ein System für individuelle Einzelfalldokumentation auf hohem akademischem Niveau erarbeitet.[1] Es ist extrem viel Arbeit, diese Zusammenhänge so nachzuweisen, dass sie vor dem empirisch orientierten Denken der heutigen Zeit Bestand haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Rhythmusforschung – ätherische Ebene ====&lt;br /&gt;
Ein ähnlich begeisterndes Feld ist die Rhythmusforschung auf der ätherischen Ebene. Rudolf Steiner wurde nicht müde zu sagen: &#039;&#039;„Rhythmus trägt Leben“&#039;&#039;.[2] Beachtet und pflegt die Rhythmen – im meditativen Leben, in der Pädagogik, in der Medizin – und bedenkt, wann man was wie machen sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jedes Wesensglied hat seinen eigenen Rhythmus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039; folgt dem &#039;&#039;&#039;24-Stunden-Rhythmus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;Astralleib&#039;&#039; dem &#039;&#039;&#039;Wochenrhythmus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;Ätherleib&#039;&#039; dem &#039;&#039;&#039;Monatsrhythmus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;physische Leib&#039;&#039; dem &#039;&#039;&#039;Jahresrhythmus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir diese Rhythmen in unserem Lebensalltag beachten, verfügen wir über robuste Gesundheit – das ist heute alles durch die moderne Rhythmusforschung bestätigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Bindungs- und Beziehungsforschung – astrale Ebene ====&lt;br /&gt;
Auf seelischem Gebiet ist die Bindungs- und Beziehungsforschung angesiedelt. Heute ist klar nachgewiesen, was Rudolf Steiner immer wieder im paracelsischen Sinne betonte: dass die einzig wahre Arznei die Liebe ist. Was in der Arzt-Patienten-Beziehung als professionelle Liebe, als Hingabe an den Patienten wirkt, entspricht der Liebesqualität, die auch Lehrer- und Schülerseelen verbindet. Die Frage Steiners – &#039;&#039;„Kinder, habt ihr eure Lehrer lieb?“&#039;&#039; – war keine rhetorische Frage. Steiner scheute nicht davor zurück, ein Kind in die Parallelklasse zu schicken, wenn es seinen Lehrer nicht lieben konnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das findet in der heutigen Bindungsforschung seine Bestätigung: Eine Beziehung wirkt gesundend,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* wenn sie &#039;&#039;&#039;ehrlich&#039;&#039;&#039; ist, &lt;br /&gt;
* wenn sie von &#039;&#039;&#039;liebvollem Interesse für den anderen&#039;&#039;&#039; geprägt ist,&lt;br /&gt;
* wenn sie von &#039;&#039;&#039;Respekt vor der Autonomie des anderen&#039;&#039;&#039; getragen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind die drei christlichen Grundwerte – Wahrheit, Liebe, Freiheit – von denen wir in der Esoterik nicht müde werden zu sprechen. Alle esoterischen Übungen dienen der Entwicklung dieser Art von Menschlichkeit: dass es wahrhaftiger, liebvoller, freilassender, respektvoller wird im sozialen Miteinander. Dass das gegenseitige Verstehen gefördert wird, das Erwachen aneinander, das zum Verständnis führt. Nichts anderes wird helfen angesichts der Not und des Elends auf der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Traumatherapie – geistige Ebene ====&lt;br /&gt;
Auch auf geistigem Felde gibt es spannende Erkenntnisse. Es gibt heute sehr viele Verfahren, insbesondere auf dem Gebiet der Traumatherapie, die erkannt haben, dass ein schweres Trauma, ein schwerer Angriff auf Leib und Seele, nur als Initiation aufgefasst sinnstiftend verarbeitet werden kann. Es gibt keinen anderen Weg, der wirklich greift. Man kann gewisse Symptome zwar mit psychisch wirksamen Drogen dämpfen. Das ist aber keine Heilung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein schweres Trauma zu verarbeiten, ist ein langwieriger Prozess. Der erste Schritt besteht darin, das Trauma als Schwellenerlebnis in Bezug auf die geistige Welt zu erkennen. In der Folge gilt es dieses Erlebnis fruchtbar zu machen, indem man die Kräfte durchschauen lernt, die einen bedrücken und sie als luziferische und ahrimanische Gewalten unterscheiden lernt. Das gelingt erst vollends, wenn man auch die guten menschlichen Kräfte aufzufinden vermag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich möchte an dieser Stelle eine schlichte Herzmeditation vorlesen. In Rudolf Steiners Notizbuch stehen undatiert folgende Worte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich denke an mein Herz.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Es belebet mich.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Es erwärmet mich.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich vertraue fest auf das ewige Selbst,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;das in mir wirket,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;das mich trägt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Tragekraft an der Schwelle zu erkennen, ist für die eigene Identitätsfindung unerlässlich: dass man in sich die Instanz aufspürt, die angesichts der Vergänglichkeit und Zerbrechlichkeit des Leibes, unvergänglich und unzerbrechlich ist und einen über alle Abgründe des Lebens hinwegträgt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Initiationsweg ist für die anthroposophische Psychotherapie etwas Selbstverständliches. Wir können gar nicht über Entwicklung sprechen, wenn wir uns nicht auch mit all den Mühen auseinandersetzen, die der Entwicklung entgegenstehen. Deswegen fordert Rudolf Steiner in seinem Buch &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; im 1. Kapitel,[3] dass wir zwei Bücher studieren: Wenn wir das ernst nehmen, dürften wir gar nicht weiterlesen, ohne diese beiden Bücher studiert zu haben. Das eine ist &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der Höheren Welten?“,[4]&#039;&#039; das andere die &#039;&#039;„Geheimwissenschaft im Umriss“[5]&#039;&#039; – die Weltentwicklung und der Mensch. Ohne ein Wissen über die dort geschilderten Zusammenhänge und Entwicklungszyklen ist Anthroposophische Medizin nicht vollständig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man also bei uns in die Werkstatt blickt, sieht es sehr tätig und sehr optimistisch aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag auf der Welterziehertagung, Dornach 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Im „Freiburger Institut für angewandte Erkenntnistheorie und medizinische Methodologie“ wird derzeit an den praktischen Konsequenzen für ein neues Studiendesign gearbeitet, das sich auf hohem akademischem Niveau auf die individuelle Einzelfallanalyse stützt. Diese Methode wird in dem Werk von Helmut Keine beschrieben, &#039;&#039;Komplementäre Methodenlehre der klinischen Forschung: Cognition-based Medicine,&#039;&#039; Heidelberg – Berlin 2001.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://www.drhauschka.de/kosmos/werte/im-rhythmus/&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst.&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?&#039;&#039; GA 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Geheimwissenschaft im Umriss.&#039;&#039; GA 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== HEILSAMES ZUSAMMENSPIEL VON THERAPEUT UND PATIENT ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie geht man mit leidenden Patienten angemessen um?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie muss die eigene Seelenstimmung sein, dass sie den anderen da abholt, wo er ist?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielt der Patient bei seiner Heilung?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Professioneller Umgang mit dem Leiden anderer&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dem Leiden eines anderen Menschen in der richtigen Haltung zu begegnen, erfordert Fingerspitzengefühl und Professionalität. Wenn jemand z.B. deprimiert ist, helfen Sie ihm nicht, wenn Sie sagen: &#039;&#039;„Mir ging es auch schon einmal schlecht oder jetzt tun wir Ihnen hiermit etwas Gutes – Sie werden schon sehen, dass Sie sich dann wieder besser fühlen.“&#039;&#039; Ihm aus der eigenen Gesundheit heraus gut zuzureden ist laienhaft und wäre die falsche Herangehensweise. Das machen bereits die Nachbarn und Freunde – es wird endlos auf ihn eingeredet und am Ende geht es ihm nur noch schlechter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jemand, der deprimiert ist, muss dort abgeholt werden, wo er steht – das muss auch ein guter Psychotherapeut lernen. D.h. man muss den Betreffenden zunächst in seinem Leid bestätigen und Mitgefühl zeigen. Dann fühlt er sich ernst genommen und kann sich entspannen. Wenn jemand nicht reden will, wenn er nur ernst schaut, sollte man ruhig und sachlich mit ihm umgehen. Man darf schon ein feines Lächeln zeigen, aber kein provozierend aufmunterndes Verhalten an den Tag legen. Das wäre schon viel zu viel. Vor allem sollte man wach und präsent sein, sodass der andere spürt, man ist für ihn oder sie da. Das tut jedem gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Seele als Wahrnehmungsorgan für den anderen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner forderte in Bezug auf die Pflege – und eine therapeutische Anwendung ist auch eine pflegerische Maßnahme – dass die pflegenden Fachleute die Launen des Patienten studieren. Das bedeutet nun nicht, dass man sich über ihn erhebt und ihn nicht ernst nimmt, dass man sich als der große Analyst aufspielt und sein „schlechtes Benehmen“ verurteilt. Das ist alles nicht gemeint. Es geht vielmehr um ein hoch differenziertes, professionelles, seelisches Wahrnehmungsvermögen und um die Fähigkeit, sich so anzupassen an die Zustände eines anderen, dass man in der Lage ist, Seelenstimmung des Anderen in wahrzunehmen. Um das zu können, muss ich meine eigene Seele zum Wahrnehmungsorgan machen für den anderen – was ich nur kann, wenn ich die menschlichen Seelenzustände gut kenne. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der &#039;&#039;Theosophie&#039;&#039;[1], einem sehr empfehlenswerten Buch für Anfänger in der Anthroposophie, sagt Rudolf Steiner, man könne lernen, seine Sympathien und Antipathien zu einem Wahrnehmungsorgan umzubilden für die Seelenstimmungen eines anderen Menschen. Wenn mir also ein Verhalten unsympathisch ist und ich Antipathie empfinde, erfahre ich dadurch ganz objektiv etwas über mich &#039;&#039;und&#039;&#039; den anderen. Antipathie ist nicht zum Ärgern da – sie soll der Wahrnehmung und dem Erkennen dienen. Das Gleiche gilt für die Sympathie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entwicklungsgedanke macht Mut&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Als ich noch Medizinstudentin war, kurz vor meiner Promotion, machte ich ein Praktikum auf einer Rheumastation. Ich hatte dort mit einer älteren Frau zu tun, Mitte 60, um die ich mich als junge, unerfahrene Medizinerin enorm bemüht hatte, so wie man das als junger Mensch macht. Ich habe die Frau noch heute vor mir – denn die ersten Patienten vergisst man sein Leben lang nicht. Sie sagte plötzlich: &#039;&#039;„Ich weiß überhaupt nicht, warum Sie sich mit mir solche Mühe geben. Das lohnt sich doch alles gar nicht mehr.“&#039;&#039; Ich erschrak und wusste in dem Moment nicht, wie ich darauf reagieren sollte. Diesen Schreck hat sie natürlich auch wahrgenommen. Ich konnte nur sagen: &#039;&#039;„Sie machen mich sprachlos. Ich weiß nicht, was ich Ihnen antworten soll.“&#039;&#039; Nach einer Weile fielen mir ein paar wichtige anthroposophische Argumente ein: dass jeder Tag in der Entwicklung zählt und dass doch auch ein gesunder Mensch nicht weiß, ob er am nächsten Tag noch lebt oder einen Autounfall erleidet usw.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lebensmüdigkeit ist ein Zeichen dafür, dass jemand den Entwicklungsgedanken noch nicht kennenlernen durfte, dass ihm dieses kostbarste Geheimnis noch verschlossen ist. Dann sollte man sich Zeit nehmen, egal welches Alter der Betreffende hat, und ihm oder ihr den Entwicklungsgedanken nahebringen. Die schönsten Gelegenheiten dazu ergeben sich noch kurz vor dem Tod. Ein tiefes Verständnis für Entwicklung kann dazu beitragen, dass jemand mit dem festen Willen über die Schwelle geht, es im nächsten Leben von vornherein anders anzugehen, die Zeit für Entwicklung zu nützen, aus dem Wissen heraus, wozu sie dient und wohin die Reise geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ganzheitlicher Blick auf den Menschen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Therapeutische Anwendungen wirken völlig anders, wenn ein Patient aktiv mitarbeitet, wenn er das Gefühl hat, dass jeder Tag zählt und sich die Qualität seines restlichen Lebens dadurch verbessern kann und er in der Zeit, die ihm bleibt, vielleicht doch noch das eine oder andere tun, denken oder erleben kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn auch bei der sogenannten Physiotherapie, bei der es primär um den physischen Leib zu gehen scheint, darf man die anderen Ebenen und Aspekte nicht vergessen bzw. außer Acht lassen. Auch sie beeinflussen das Körpergeschehen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die Lebenskräfte &lt;br /&gt;
* die seelische Integrität&lt;br /&gt;
* die geistige Identität&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* das Entwicklungspotential&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wichtigste ist der letzte Aspekt: den Menschen als in Entwicklung begriffenes Wesen zu sehen, das an die Vergangenheit angeschlossen und auf die Zukunft hin ausgerichtet ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne das Wissen des Therapeuten um diese Ganzheit können Anwendungen nicht wirklich gut wirken. Andererseits können sie eine enorme Verstärkung erfahren, wenn der Therapeut die anthroposophische Seelenkunde kennt und auch die Bereitschaft aufbringt, sich selbst auf professionelle Weise seelisch und geistig weiterzuentwickeln. Dann wird sich der ganzheitliche Blick auf den Menschen dem Patienten atmosphärisch mitteilen und die Heilung begünstigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag anlässlich des Jubiläums des 100. Geburtstags von Werner Junge, Okt. 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Theosophie&#039;&#039;, GA 9.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE FÜNF EBENEN DES MENSCHSEINS IM MEDIZINISCHEN SYSTEM ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Ebenen des Menschseins gibt es?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welches medizinische System setzt auf welcher Ebene an?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verschiedene medizinische Systeme&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wir Menschen sind komplexe Wesen, die auf unterschiedlichen Ebenen angesprochen werden können. Jedes medizinische System setzt auf einer oder mehreren dieser Ebenen an. Im Folgenden möchte ich die einzelnen Systeme kurz umreißen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;&#039;Homöopathie&#039;&#039;&#039; ist eine alternativmedizinische Behandlungsmethode, die auf den ab 1796 veröffentlichten Vorstellungen des deutschen Arztes Samuel Hahnemann beruht. Die wichtigste Grundannahme ist das Ähnlichkeitsprinzip: &#039;&#039;„Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden“ (similia similibus curentur)&#039;&#039;. Danach solle ein homöopathisches Arzneimittel so ausgewählt werden, dass die Inhaltsstoffe der Grundsubstanz unverdünnt an Gesunden ähnliche Krankheitserscheinungen (Symptome) hervorrufen könnten wie die, an denen der Kranke leidet, wobei auch der „gemüthliche und geistige Charakter“ des Patienten berücksichtigt werden solle (vgl. wikipedia).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter &#039;&#039;&#039;Spagyrik&#039;&#039;&#039; (aus dem Griechischen spao „(heraus)ziehen, trennen“ und ageiro „vereinigen, zusammenführen“) werden verschiedene Heilsysteme zusammengefasst. Das therapeutische Ziel ist die positive Beeinflussung der „Lebenskraft“ und damit die Aktivierung der Selbstheilungskräfte. Grundlage bilden die antike Naturphilosophie (z.B. die „Elementenlehre“), die Signaturenlehre und die Humoralpathologie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit &#039;&#039;&#039;Psychosomatik&#039;&#039;&#039; wird in der Medizin die Betrachtungsweise und Lehre bezeichnet, in der die psychischen Fähigkeiten und Reaktionsweisen von Menschen in Gesundheit und Krankheit in ihrer Eigenart und Verflechtung mit körperlichen Vorgängen und sozialen Lebensbedingungen in Betracht gezogen werden. Ihre Erforschung und Umsetzung in der Krankenbehandlung erfolgt in der Psychosomatischen Medizin (vgl. wikipedia).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Psychotherapie&#039;&#039;&#039; wurde früher die Lehre von der Heilung der erkrankten Seele genannt, um sie von einer Psychologie als Lehre von der gesunden Seele und einer Psychiatrie als Lehre von der erkrankten Seele abzugrenzen. Heute wird die psychotherapeutische Behandlung bzw. Heilung im Zusammenhang mit Körper und Seele eines ganzheitlich gesehenen Menschen verstanden und erklärt. Davon zu unterscheiden ist die beratende Psychologie, die sich mit allgemeinen Problemen der Lebensführung befasst (vgl. wikipedia).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit &#039;&#039;&#039;Körpertherapie&#039;&#039;&#039; werden Behandlungsmethoden zur Verbesserung von Körperhaltung, Bewegungsabläufen sowie zur direkten oder indirekten Unterstützung von Körperfunktionen bezeichnet. Je nach Methode werden spezielle manuelle Techniken, Massagearten, Bäder bzw. Anleitungen zur Schulung von Haltungen und Bewegungen angewendet. Fast alle Körpertherapiemethoden betonen die Bedeutung psychosomatischer Wechselwirkungen und gehen davon aus, dass die Körpertherapie positive psychische Veränderungen bewirkt (vgl. wikipedia).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Integrativer Ansatz der Anthroposophischen Medizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin versucht alle gemeinsam in den Blick zu nehmen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Physische Eben&lt;br /&gt;
# Ätherische Ebene&lt;br /&gt;
# Astrale Ebene&lt;br /&gt;
# Identitäts-, Ich-Organisations-Ebene&lt;br /&gt;
# Geistige Orientierung, Weltanschauung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Physische Ebene und Medizin ====&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;Schulmedizin&#039;&#039; baut ganz auf der Erkenntnis des Physischen auf. Kliniken werden entsprechend zunehmend zu Technik-Zentren. Dass der Mensch sich dabei oft nicht menschlich behandelt fühlt, zeigt deutlich, dass das nicht genügt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ätherische Ebene und Medizin ====&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;Homöopathie&#039;&#039; und &#039;&#039;Spagyrik&#039;&#039; z.B. weiß man, dass alles Leben prozessual verläuft, dass alle Substanzen aus Prozessen hervorgehen und dass alle Wirksamkeit zeitabhängig ist, im Guten wie im Schlechten. Daraus ergeben sich viele weitere Therapieverfahren, die prozessorientiert sind, sich auch mit den Lebensgewohnheiten und -rhythmen befassen und mit dem Geheimnis von Entwicklung im therapeutischen Prozess arbeiten. Wenn man lernt sein Leben den Ätherkräften oder Lebenskräften gemäß zu gestalten, wird sich das gesundend auswirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Astrale Ebene und Medizin ====&lt;br /&gt;
Auf der Gefühlsebene geht es um unsere ungemein verwundbare Seele mit ihrer Gefühlswelt, deren Wirkung auf den Körper nicht unterschätzt werden darf. Hier setzen die &#039;&#039;Psychosomatik,&#039;&#039; alle &#039;&#039;Psychotherapieverfahren&#039;&#039; sowie auch diverse &#039;&#039;Körpertherapien&#039;&#039; an. Die Anthroposophische Medizin stellt sich die zentrale Frage:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie können wir einen Kranken, der leidet, so begleiten, dass er sich trotzdem als Teil einer wohlwollenden Schöpfung und damit als ein wichtiger Teil des Ganzen fühlt?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manchmal ist das Gefühlsleben so erstarrt und verkapselt, dass man es nicht mehr über Worte oder über ein Medikament erreichen kann. Wenn man so jemandem dann ein warmes Bad bereitet – wobei es auf genau die richtige Temperatur ankommt – und dieses Bad Düfte verströmt, die der Betreffende noch nie so richtig wahrgenommen hat, können der starke Wärmereiz, der Duft, die menschliche Nähe dazu führen, dass sich dieser Mensch im eigenen Körper wieder wohl und angenommen fühlt. Das ist nicht zu unterschätzen. Auch die Umgebung, in der das Bad stattfindet, ist entscheidend: Ob es dort nur öde, kalte Fliesen gibt oder ob die Wände angenehme Farben haben, ob dort ein Bild hängt usw. Man kann auch in der Sterbebegleitung Bäder miteinbeziehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Identität und Medizin ====&lt;br /&gt;
Das gilt auch für das Identitätserleben: Es hängt von der &#039;&#039;Art der Ansprache und Ausrichtung der Therapie&#039;&#039; auf die Bedürfnisse eines Patienten ab, ob er sich als Mensch, als Individualität, wahrgenommen fühlt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Weltanschauung und Medizin ====&lt;br /&gt;
Essentiell für die Gesundung ist aber auch eine &#039;&#039;geistige Ausrichtung bzw. Lebensanschauun&#039;&#039;g, die die Möglichkeit der Entwicklung impliziert. Viele Weltanschauungen heute sind so, dass sie von einem perfekten Selbstbild ausgehen, also von einem fertigen Ergebnis: Man will rasch mit der Ausbildung fertig sein, damit man mit möglichst wenig Aufwand viel Geld verdienen und daneben noch Spaß am Leben haben kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine menschengemäße Weltanschauung dagegen impliziert, dass man sich auf allen Ebenen, egal ob beruflich oder privat, nach demselben Entwicklungsziel ausrichtet. Die Arbeitszeit wird genauso als Entwicklungszeit gesehen wie die private Zeit: Alles ist Lebenszeit, ist Entwicklungszeit, bildet zusammen die eigene Biographie. Um das so sehen und wertschätzen zu können, braucht man eine entwicklungsorientierte Weltanschauung, die einem hilft, die unterschiedlichen Bereiche und Aspekte so zu verbinden, dass man jeden Augenblick zur Entwicklung nützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag anlässlich des Jubiläums des 100. Geburtstags von Werner Junge, Okt. 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FÜNF QUELLEN FÜR KRÄNKUNG UND HEILUNG ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen Zusammenhang gibt es zwischen kränkenden und heilenden Einflüssen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wie Kränkung und Heilung zusammenhängen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ich möchte als Ärztin den Zusammenhang zwischen heilenden, therapeutischen Impulsen und Krankheitsimpulsen erläutern – sie stammen beide aus denselben fünf Quellen, die uns unser Leben lang beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Quelle auf dem physischen Plan – Karma-Impuls ====&lt;br /&gt;
Dazu gehört alles, was uns Menschen auf dem physischen Plan begegnet und zustößt: Unendlich viel Kränkendes wirkt von Kind an von außen aus der Umwelt auf uns ein, nicht nur in ökologischer, sondern auch in beruflicher und privater Hinsicht, was oft besonders quälend ist. Das heißt, aus der uns umgebenden Umwelt treffen uns unser Leben lang zahlreiche negative Attacken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann jedoch durch eine bewusste Gestaltung der schicksalhaften äußeren Umstände, z.B. indem man gut überlegt, wie, wann und wo man sich auf Begegnungen einlässt, Kränkungen minimieren. Und man kann Kräfte im Inneren aufrufen, um mit solchen Kränkungen von außen besser zurechtzukommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Quelle auf dem ätherischen Plan – Gralsimpuls ====&lt;br /&gt;
Auf dieser Ebene können Gewohnheiten kränkend wirken sowie alles Hässliche, das uns über die Sinne und über unser Denken begegnet, alles, was mit Rhythmen zu tun hat, denen wir folgen oder nicht folgen. Dazu gehören auch unsere Charaktereigenschaften, denen wir mehr oder weniger ausgeliefert sind, mit denen wir mehr oder weniger ringen. Dazu gehört aber auch alles, was die Zeitgestalt unserer Biografie ausmacht: der Tagesablauf, die zeitliche Gestaltung der Woche, des Monats und des Jahres.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir unser Leben den Ätherkräften oder Lebenskräften gemäß gestalten lernen, wird sich das gesundend auf uns auswirken, dann kann aus dieser Quelle Gesundheit geschöpft werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Quelle auf dem astralen Plan – Sophia-Impuls ====&lt;br /&gt;
Hier sind seelische Beziehungen oft die Ursache für Kränkungen, besonders wenn sie sich auf der Gefühlsebene abspielen. Gefühle sind laut Rudolf Steiner Vorboten von Gesundungs- bzw. Kränkungstendenzen. Zu den Jungmedizinern[1] sagte er, der Arzt der Zukunft wäre in der Lage, den Gesundheitszustand seiner Patienten durch eine feine Beobachtung ihres Gefühlslebens zu diagnostizieren. Er würde ihre Gefühle anschauen und Gesundheits- und Krankheitsdispositionen benennen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Mensch weiß aus der Beobachtung seiner selbst und anderer, dass er krankheitsgefährdet ist, wenn er Mühe hat, seine Gefühle so auszubalancieren, wie er es normalerweise vermag. Wenn Kinder schlecht gelaunt sind, ist das für die Mutter meist ein deutliches Zeichen, dass sie etwas „ausbrüten“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Schwierige Gefühlskontrolle&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Wenn man anfängt sich zu schulen, z.B. indem man mit &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“&#039;&#039;[2] zu arbeiten beginnt, merkt man, wie ungehobelt und unerzogen das eigene Gefühlsleben noch ist. Mit dem Denken und dem Wollen zu arbeiten, ist relativ leicht. Das Gefühlsleben ist am schwersten zugänglich, weswegen bei den Nebenübungen die Gefühle erst an dritter Stelle genannt werden: Zuerst wird die Gedankenkontrolle geübt, dann die Willens- und Handlungskontrolle und erst als Drittes, Letztes, Schwierigstes im Seelenleben die Gefühlskontrolle. Man muss im Denken und Wollen quasi bereits Tritt gefasst haben, bevor man sich an diese sensible Mitte wagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Quelle auf der Ich-Ebene – Michael-Impuls ====&lt;br /&gt;
Mit der Ebene des Wortes sind wir beim Kern, beim Ich-Impuls, dem Michael-Impuls, angelangt. Man hat den Eindruck, diese Inspirationsquelle für Gesundheit und Krankheit war Rudolf Steiner besonders nahe. Sie betrifft ja die Ich-Ebene, auf der wir uns alle selbst am nächsten sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wirkt das Ich nun kränkend?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann es heilend wirken?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Paracelsus[3] nennt das Ich den „Indwendig-Arzt“. Für Albert Steffen[4] war offensichtlich: Das niedere Selbst kränkt, das Höhere Selbst heilt. So versuchte er auch in seinen Dramen das Niederste, aus dem heraus seine Figuren handelten und Verbrechen begingen, immer wieder in Zwiesprache zu bringen mit dem Hohen, dessen verzerrtes Abbild das Niedere ist, sodass die tiefe Selbstkränkung, wenn die niedere Natur siegt, durch das heilsame Einwirken des höheren Menschen ausgeglichen werden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Quelle auf dem menschheitlichen Plan – Christusimpuls ====&lt;br /&gt;
Die fünfte Quelle der Kränkung, die menschheitliche Situation im Sozialen, in der wir uns heute alle befinden, hat mit den rasanten Veränderungen der heutigen Zeit zu tun. Wenn man Menschen fragt, was sie am meisten kränkt oder womit sie am wenigsten zurechtkommen, sagen die meisten der durchschnittlichen und normal gesunden Menschen, dass sie an den immer schwerer zu durchschauenden menschheitlichen Krisen, Konflikten und Problemen der heutigen Zeit leiden. Das zu kompensieren, in alledem froh und lebensbejahend zu bleiben, sich angesichts dieser schwierigen Zeitverhältnisse aufrecht zu halten, macht dem Menschen heute viel mehr Mühe, als persönliche Probleme zu kompensieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese fünfte Krankheitsquelle kann nur durch eine menschheitlich weitblickende Perspektive zur Gesundheitsquelle verwandelt werden. Denn man läuft Gefahr am Augenblick zu verzweifeln, wenn man Krisen und Konflikte nicht in einem viel größeren Zusammenhang sehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag „Das Therapeutische in der Dichtung von Albert Steffen“ anlässlich der Steffen-Ausstellung am Goetheanum, Neujahr 2010&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Jungmedizinerkurs&#039;&#039;, GA 316.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?&#039;&#039;, GA 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Philippus Theophrastus Aureolus Bombastus von Hohenheim, getauft als Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, (* vermutlich 1493 in Egg, Kanton Schwyz; † 24. September 1541 in Salzburg) war ein Arzt, Alchemist, Astrologe, Mystiker, Laientheologe und Philosoph. Paracelsus hinterließ zahlreiche deutschsprachige Aufzeichnungen und Bücher medizinischen, astrologischen, philosophischen und theologischen Inhalts, die größtenteils erst nach seinem Tod gedruckt wurden. (wikipedia)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Albert Steffen (* 10. Dezember 1884 in Wynau; † 13. Juli 1963 in Dornach) war ein Schweizer Schriftsteller und Anthroposoph. Nach dem Tode Rudolf Steiners war Steffen ab 1925 dessen Nachfolger als Vorsitzender der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft. (wikipedia)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FÖRDERUNG VON PATIENTENKOMPETENZ ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist unter Patientenkompetenz zu verstehen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielt der Patient im Gesundheitssystem?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sind seine Möglichkeiten, ja Aufgaben in Bezug auf die nötigen Reformen des Gesundheitswesens?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Notwendige Demokratisierung des Gesundheitswesens&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Bereits 1920 hat Rudolf Steiner in einem seiner öffentlichen Vorträge die „Demokratisierung des Gesundheitswesens“ gefordert.[1] Ärzte, Apotheker, Hersteller und Verbraucher seien herausgefordert, gemeinsam und in Partnerschaft mit den Patienten bzw. Bürgern Mitverantwortung für die Gestaltung des Gesundheitswesens zu übernehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Zielsetzung fühlt sich die Anthroposophische Medizin bis heute verpflichtet. So werden der Gesundheitsaufklärung und Prävention, aber auch der Hilfestellung für eine vertretbare Selbstmedikation viel Aufmerksamkeit geschenkt.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinzu kommt ein großes Engagement für eine gesundheitsfördernde Erziehung und Umgebungsgestaltung einschließlich gesunder Ernährung und nachhaltiger biologischer und biologisch-dynamischer Landwirtschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Mündiger Patient als Regulator&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die inzwischen chronisch gewordene Diskussion um die Reform des Gesundheitswesens zeigt zudem deutlich, dass selbst die besten Ideen für eine Neustrukturierung des Gesundheitswesens zu keiner befriedigenden Kostenregulierung führen können, wenn sich nicht der mündige Patient mit als Regulator empfindet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gehört heute zur Patientenkompetenz, sich selbst auch Gedanken zur Gesundheitsvorsorge sowie zu bestimmten diagnostischen und therapeutischen Verfahren zu machen und letztlich zu bestimmen, was geschehen soll. Auch ist schon lange evident, in welch hohem Maß der Patient de facto für seine Gesundheit Verantwortung trägt. Spätestens anlässlich einer Operation wird ihm bewusst, dass der Arzt zwar über die damit verbundenen Risiken aufklärt und sein Bestes tut, er selbst jedoch mit den Risiken und Folgen zu leben hat und folglich Entscheidungsträger sein muss. Es ist keine Frage, dass medizinische Grundkenntnisse heute zur notwendigen Allgemeinbildung gehören und das menschliche Selbstverständnis in Gesundheit und Krankheit mit­prägen. Apotheker und Ärzte werden daher zunehmend in ihrer Lehr- und Berufskompetenz gefordert, um die erforderliche Hilfe zur Selbsthilfe leisten zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Artikel in der Deutschen Apothekerzeitung DAZ Nr. 39, 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Hygiene als soziale Frage, in: Physiologisch-Therapeutisches auf Grundlage der Geisteswissenschaft&#039;&#039;, GA 314. Dornach 1989, S. 221-261.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] M. Glöckler, B. Emde, &#039;&#039;Anthroposophische Medizin, in: Komplementärmedizin für die Kitteltasche. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation,&#039;&#039; Stuttgart 2009 und ders.: &#039;&#039;Anthroposophische Medizin, In: Komplementärmedizin für Kinder. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation&#039;&#039;, Stuttgart 2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ANTHROPOSOPHISCHE PSYCHOTHERAPIE ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist das Besondere an der anthroposophisch inspirierten Psychotherapie?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welches Licht wirft der Karma-Gedanke auf seelisch-geistige Probleme?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Lektüre zur anthroposophischen Psychotherapie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im Hinblick auf diese Schicksalsdramatik des Menschseins sind die &#039;&#039;Mysteriendramen[1]&#039;&#039; von Rudolf Steiner ein ganz zentrales Werk. Wenn mich Biografiearbeiter, Psychologen und Ärzte, die sich für Seelenkunde interessieren, fragen: &#039;&#039;„Wie kann man sich in das Gebiet des Seelischen aus Sicht der Anthroposophie einarbeiten?“,&#039;&#039; empfehle ich gerne die pädagogischen Vorträge von Rudolf Steiner über die drei Jahrsiebte,[2] aber auch das Studium von &#039;&#039;„Grundlegendes…“[3],&#039;&#039; begleitet von der Lektüre der Karmavorträge.[4] Diese Werke sind das Fundament einer vom Schicksalsgedanken inspirierten anthroposophischen Psychotherapie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich möchte im Folgenden in aller Kürze ein paar Gesetze nennen, wie sie uns Rudolf Steiner aus seiner Forschung mitgeteilt hat – zum Überprüfen, zum Umgang damit, zum Überlegen, ob sie hilfreich sind für Ihre Arbeit. Wir können diese Forschungsergebnisse z.B. auch als Arbeitshypothese nehmen bei unserem täglichen Tun. Wenn sie sich als fruchtbar erweisen, können Sie diesen Weg weiterverfolgen, wenn nicht, greifen Sie zu anderen Werkzeugen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Karmische Ursache für seelische Erkrankungen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Auf die Frage, worin die Ursache für seelische Erkrankungen läge, antwortete Rudolf Steiner in den &#039;&#039;„Offenbarungen des Karma“[5]&#039;&#039; und in der &#039;&#039;„Akasha-Chronik“[6]:&#039;&#039; &#039;&#039;„Die Ursache für seelische Erkrankungen liegt in einem mangelnden Interesse am anderen Menschen in einem früheren Erdenleben“&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier geht es nicht darum, durch welche Faktoren es zu diesem mangelnden Interesse kam, es ist rein phänomenal betrachtet, hat mit Schuld und Unschuld nichts zu tun. Fakt ist demnach: Ein Mensch, der in seinem Erdendasein kein warmes Interesse für andere Menschen entwickeln konnte – und sei es nur für &#039;&#039;einen&#039;&#039; Menschen – dem fehlt im nachtodlichen Leben, wenn das Menscheninnere, das Seelische, Außenwelt wird, die Orientierung. Er ist dann nicht in der Lage, sich an diesem neuen Äußeren so zu orientieren, dass er sich einen neuen Körper aufbauen kann, der beim Heranwachsen ein gesundes Seelenleben ermöglicht, wenn die Wesensgliederkräfte frei werden. Das möchte ich im Folgenden kurz näher erläutern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Wesensglieder und ihre leibgebundenen und leibfreien Kompetenzen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Zum&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Physischen Leib&#039;&#039; gehört unser physischer Körper, die Sinnesorgane und die daraus resultierende Gnade der Wahrnehmung.&lt;br /&gt;
* Zum &#039;&#039;&#039;Ätherleib&#039;&#039;&#039; gehören die unbewussten leibgebundenen Lebens- Wachstums- und Regenerationsprozesse und das leibfreie Denkvermögen.&lt;br /&gt;
* Zum &#039;&#039;&#039;Astralleib&#039;&#039;&#039; gehören die leiblichen Differenzierungsprozesse, die Bewegungskompetenz und das Fühlen als leibfreie seelisch regsame Kompetenz.&lt;br /&gt;
* Zur &#039;&#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;&#039; gehören die leiblichen Integrationsprozesse, die Erlangung der richtigen Proportionen beim körperlichen Wachstum und die leibfreie Fähigkeit in Ganzheiten zu denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kind gewinnt im &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;1. Jahrsiebt&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; mithilfe der &#039;&#039;ätherischen Wachstumskräfte&#039;&#039; bis zum Zahnwechsel an &#039;&#039;Größe&#039;&#039;. Die Kräfte, die ihre Arbeit getan haben, werden sukzessive leibfrei und stehen zunehmend dem DENKEN zur Verfügung. Das Freiwerden der ätherischen Kräfte aus dem Körper kulminiert in der &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Schulreife&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;. Dieser Höhepunkt wird auch &#039;&#039;&#039;Geburt des Ätherleibes&#039;&#039;&#039; genannt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;2. Jahrsiebt&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; reifen zusätzlich die &#039;&#039;seelischen Kompetenzen&#039;&#039; heran, indem die &#039;&#039;astralen Kräfte&#039;&#039; zuerst den &#039;&#039;Leib durchdifferenzieren&#039;&#039; und, wenn sie ihre Arbeit getan haben, sukzessive leibfrei werden und das FÜHLEN ermöglichen. Die Kulmination des Freiwerdens der astralen Kräfte aus dem Körper zur &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Geschlechtsreife&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; wird auch &#039;&#039;&#039;Geburt des Astralleibes&#039;&#039;&#039; genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;3. Jahrsiebt&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; reifen die &#039;&#039;geistigen Kompetenzen&#039;&#039; heran, indem die &#039;&#039;Integrations-Kräfte&#039;&#039; der Ich-Organisation den heranwachsenden Körper in eine &#039;&#039;stimmige Ganzheit&#039;&#039; verwandeln und anschließend als WOLLEN zur Verfügung stehen. Wenn der Jugendliche ausgewachsen ist, kulminiert dieser Prozess in der &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Mündigkeit&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; bzw. selbstverantwortlicher Handlungsfähigkeit und wird auch &#039;&#039;&#039;Geburt des Ich&#039;&#039;&#039; genannt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entsprechung von Lebensprozess und seelisch-geistiger Kompetenz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Alle leibfreien Kompetenzen sind verwandelte Lebenstätigkeit des Organismus: So wie wir dank der unbewussten Lebenskräfte die Nahrung zerkleinern und aufspalten (= analytisch) und anschließend zu menschlicher Substanz zusammensetzen (= synthetisch) – dieser Prozess wird Stoffwechsel genannt – so denken wir entsprechend mit den leibfrei gewordenen bewussten Ätherkräften auch analytisch und synthetisch. Das ist nur ein Beispiel für die Entsprechung von leibgebundener Lebenskraft und leibfreier Kompetenz im Denken, Fühlen und Wollen. Man kann sagen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Denken&#039;&#039;&#039; ist metamorphosierte &#039;&#039;leibfreie Wachstumskraft&#039;&#039; (Ätherleib).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Fühlen&#039;&#039;&#039; ist metamorphosierte &#039;&#039;leibfreie Astralität&#039;&#039; (Astralleib).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wollen&#039;&#039;&#039; ist leibfreie zur Verfügung stehende &#039;&#039;Ich-Tätigkeit&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem bisher Gesagten, wollte ich den innigen Zusammenhang zwischen leiblicher Konstitution und seelisch-geistiger Disposition deutlich machen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das heißt, es hängt von der Qualität der Organe und dem Ablauf der leiblichen Prozesse ab, ob die daraus hervorgegangenen seelischen Kräfte sich frei handhaben lassen oder ob sie den Menschen überfluten, attackieren und bezwingen – was sich dann als psychisches Störungsbild zeigen kann. Ist Letzteres der Fall, bedeutet das, dass die Ich-Kompetenz, die in das Erdeninstrument des Leibes hereinleuchten und sich ihm über die Ich-Organisation mitteilen möchte, sich an den Organen nicht richtig zu spiegeln vermag und sich auch nicht im Seelischen beheimaten kann, weil die aus dem Leib hervorgegangene Seelenkonfiguration es nicht oder nur eingeschränkt zulässt. Die Qualität des seelischen Erlebens hängt also immer auch von Art und Qualität der Leibbildung ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ringen mit Schwäche bringt zukünftige Stärke&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dazu ein Beispiel: Möglicherweise leidet man darunter, dass man seelisch nicht richtig in Beziehung kommen kann zu anderen Menschen. Man erlebt sich als in sich selbst gefangen – was laut Rudolf Steiner als karmische Ursache das fehlende Interesse an anderen hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesem großen Schmerz folgt jedoch im Nachtodlichen die große Befreiung, weil man so sehr mit den Beziehungen und mit sich selbst gerungen hat, dass man für die kommende Inkarnation ein besonders geeignetes Erdeninstrument bilden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit anderen Worten: Wenn wir interessiert und ehrlich miteinander umgehen, bauen wir damit gesunde Seelenkräfte für das nächste Leben auf. Unser Bemühen ist nicht nur für dieses Leben wichtig und gut und erleichtert uns das Leben und die Arbeit. Das Interesse an anderen Menschen und am sozialen Miteinander ist zugleich die Vorbereitung für eine besonders gesunde und starke Seele im nächsten Leben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag an der Jahreskonferenz der Med. Sekt. am Goetheanum zum Thema Anthroposophische Psychiatrie, Dornach 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Vier Mysteriendramen&#039;&#039;, 1910-13, GA 14.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft&#039;&#039;, in: &#039;&#039;Luzifer-Gnosis&#039;&#039;. GA 34. Dornach 1987.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Offenbarungen des Karma&#039;&#039;, GA 120.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Aus der Akasha-Chronik&#039;&#039;, GA 11.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FRAGEN ZUM THEMA ANTHROPOSOPHISCHE MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;FRAGE:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Wie ist es, wenn man in Asien über Anthroposophische Medizin spricht?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;ANTWORT:&#039;&#039;&#039; In Asien ist Spiritualität in der Medizin viel selbstverständlicher als in Europa.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu ein konkretes Beispiel: In Indien praktiziert man Ayurveda. Wenn man dort das Anthroposophische Menschenbild erklärt, erkennt man, dass es 1:1 dasselbe ist wie das Ayurvedische. Der einzige Unterschied besteht darin, dass das ayurvedische Menschenbild und Gesundheitsverständnis in Worten und Begriffen dargestellt sind, die es nicht erlauben, eine direkte Verständnisbrücke zur naturwissenschaftlichen Medizin zu bauen. Das aber kann die Terminologie der Anthroposophischen Medizin leisten. Daher interessieren sich die Kursteilnehmer für die Anthroposophische Medizin, weil sie dadurch ihr eigenes System besser verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ging es auch einer Freundin von mir – sie ist Inderin –, die durch die Anthroposophische Medizin ihre Hindu-Spiritualität neu entdeckte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir begleiten z.B. Kollegen, die Ayurveda-Ärzte bleiben wollen, indem wir sagen: Ihr könnt anthroposophischer Ayurveda-Arzt werden. Und so haben wir dort schon anthroposophische Homöopathen zertifiziert, anthroposophische Ayurveda-Ärzte sind in Ausbildung und Schulmediziner können „normale“ anthroposophische Ärzte werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;FRAGE:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Mich interessiert, wie man die Anthroposophie, die ja stark mit dem Christentum zusammenhängt, mit anderen Religionen verbinden kann.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;ANTWORT:&#039;&#039;&#039; Das Wesentliche am Christentum ist das rein Menschliche, von dem man in jeder Kultur sprechen kann. Für den Buddhistischen Kulturkreis wird es von Buddha verkörpert, der im Herzen und in der Aura lebt, in der Gerechtigkeit, in der Wahrheit, in der Liebe, in all den Werten, deren Pflege Menschlichkeit fördern. Nur ein Wert findet sich bevorzugt und eigentlich nur im Christentum und wird dort konsequent berücksichtigt: Wert und Würde der menschlichen Freiheit, so wie sie bei Johannes im 8. Kap. veranlagt ist: &#039;&#039;„Ihr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen“&#039;&#039;.[1] Da der Christus aber von sich selber sagt: &#039;&#039;„Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“&#039;&#039;, ist klar, dass er nicht die Freiheit verkörpert, aber uns zu freien Wesen machen möchte, zu seinen Freunden – &#039;&#039;„denn ein Knecht weiß nicht, was sein Herr tut“.&#039;&#039;&#039;[2]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Da die Anthroposophie auf dem Weg der „Philosophie der Freiheit“[3] von Steiner beruht, geht es bei allem um diesen zentralen christlichen Wert, auch wenn man den Namen des Christus nur nennt, wenn es passt oder gefragt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;FRAGE:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Sie hatten von dem Paradigmenwechsel vom pathogenetischen Krankheitsbild zum integrativ-salutogenetischen gesprochen und gemeint, dass das gut machbar wäre. Ich wollte Sie bitten, noch näher darauf einzugehen, weil wir uns auch im Rahmen des Studiums sehr viele Gedanken dazu machen und uns fragen, wie es gerade in der konkreten Umsetzung in einem normalen Krankenhaus möglich wäre, so einen Paradigmenwechsel vorzuleben&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;ANTWORT:&#039;&#039;&#039; Das ist in der Praxis zugegebenermaßen sehr schwer. Deswegen braucht es Netzwerke von vielen Medizinern, die sich gegenseitig immer wieder motivieren, Mut zusprechen, Tricks verraten, was man tatsächlich machen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meiner Erfahrung nach gibt es zwei Felder, bei denen man unmittelbar ansetzen kann, auch im kommunalen Krankenhaus: Man kann präventiv-medizinisch beraten, bei der Erziehung und Selbsterziehung ansetzen. -  Wir Ärzte müssen uns schon deshalb intensiv mit Pädagogik auseinandersetzen, weil fast alle Eltern Fragen zu diesem Thema haben. Da kann man viel tun. Dazu gehören auch Selbsterziehung und Meditation und alle Themen, die innere Entwicklungsarbeit betreffen. Auch hier kann man sofort ansetzen. Beides wirkt bereits in hohem Maße salutogenetisch und hilft, ein anderes Verständnis von Krankheit und Gesundheit zu bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem kann man schulmedizinische Präparate viel sorgfältiger indizieren als üblich – das Einverständnis des Patienten vorausgesetzt. Nicht aus Sicherheitsgründen bei jeder Krankheit „Gürtel und Hosenträger“ zum Einsatz bringen, bildlich gesprochen. Auch erlebe ich, dass in der Onkologie gerade Krebspatienten fragen: Gibt es nicht noch etwas anderes? Dann kann man von den Mistelpräparaten erzählen, auch im öffentlichen Krankenhaus. Wenn Patienten fragen, sollte man ehrlich antworten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner sprach von der Demokratisierung des Gesundheitswesens.[4] Patienten, Leistungserbringer, Krankenversicherungen, Kommunalpolitiker – sie gehören an einen Tisch und sollten auf Augenhöhe beraten, wie ein gerechtes Gesundheitswesen aussehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Schweiz, in der es eine Basis-Demokratie gibt, haben wir es nur durch Volksabstimmung geschafft, die Komplementärmedizin in die Bundesverfassung aufzunehmen. TCM (trad. Chinesische Med.), Homöopathie, Phytomedizin und Anthroposophische Medizin müssen von den Kassen über die Grundversicherung erstattet werden, weil diese Verfahren jetzt Bestandteil der Bundesverfassung sind, also praktisch Grundgesetz. Auch in Deutschland könnte es eine solche Volksbewegung geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir das schaffen würden, auf einem ähnlichen Wege eine demokratische Gesundheitsbewegung auf die Beine zu stellen, die verlangt, dass das Grundgesetz uns die freie Therapiewahl garantiert, dass man Ärzte und medizinische Verfahren selbst wählen darf und die Krankenkassen das bis zu einem gewissen Grad erstatten müssen, wären wir einen Riesenschritt weiter. Ohne den gegenseitigen Ansporn einer guten Vernetzung wird es aber nicht gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe kürzlich bei einer Tagung zur Organtransplantation Pim van Lommel getroffen. Er hielt einen schönen Vortrag über außerkörperliche Erfahrungen seiner kardiologischen Patienten, über das „ewige Bewusstsein“. Am Ende forderte er auch den Paradigmenwechsel, Spiritualität als Realität anzuerkennen, weil die außerkörperliche Erfahrung wahr ist und in die Medizin integriert werden muss. Ich fragte ihn, wie er sich das vorstellt. Er sagte, er erwarte nichts mehr von der Wissenschaft, sondern alles von der Zivilgesellschaft. Dort wäre noch gesunder Menschenverstand vorhanden. Die Wissenschaft sei „eingekauft“ und viel zu fremdbestimmt durch Gelder aus der Wirtschaft, von denen sie abhängig ist. Von der Seite könne man den Paradigmenwechsel nicht erwarten. Solange man viel Geld verdient mit der Krankheit, wird man nicht freiwillig einen Paradigmenwechsel anstreben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;FRAGE:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Ich fand sehr interessant, dass das Menschenbild in der Anthroposophischen Medizin sich auch vergleichen lässt mit dem Menschenbild anderer Ausrichtungen. Sie sprachen von einer transzendenten Ebene im Körper, die nach dem Tode den Körper verlässt. Gibt es dazu ein Konzept in der AM, das besagt, was mit dieser Ebene nach dem Tode passiert?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;ANTWORT:&#039;&#039;&#039; Ich schreibe einige Werke von Rudolf Steiner dazu auf: GA ist die Abkürzung für das Wort Gesamtausgabe, die 358 Bände umfasst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GA 27 ist das Grundlagenwerk für die Medizin,[5] in dem das neue Gesundheits-Paradigma beschrieben wird. Dort wird auch charakterisiert, wie es zu dem „ewigen Bewusstsein“ kommt und wie es funktioniert: Wir denken mit der Lebenstätigkeit – den ätherischen Kräften, die unser Körper nicht (mehr) für Wachstum und Regeneration braucht. Warum ist Beten, Spiritualität gesund? Weil es die Lebenskräfte sind, die wir dabei betätigen – was natürlich gesundend zurückwirkt auf den Körper. Körperleben und Gedankenleben (Geistesleben) sind nicht getrennt. Beim Altern nimmt das Geistesleben zu und das Körperleben ab, das unterscheidet sie, aber sie bleiben bis zum Tod immer verbunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Studium des Nachtodlichen würde ich euch raten, folgende Werke zu studieren: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
·      &#039;&#039;„Inneres Wesen des Menschen und Leben zwischen Tod und neuer Geburt“,&#039;&#039; GA 153.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
·      Dann gibt es noch einen sehr schönen Zyklus: &#039;&#039;„Der Tod als Lebenswandlung“,&#039;&#039; GA 182,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
·      und auch &#039;&#039;„Das Leben zwischen dem Tode und der neuen Geburt im Verhältnis zu den kosmischen Tatsachen“&#039;&#039;, GA 141.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
·      Mein Lieblingsbuch ist GA 10, &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten“&#039;&#039;, das Schulungsbuch für die Selbstentwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn das habe ich bemerkt: Wenn man keine echte Freude an der Selbstentwicklung hat, ist man auch nicht wirklich motiviert, andere in ihrer Entwicklung zu unterstützen. Man muss Experte werden in Sachen Entwicklung. Dazu gehört auch das Thema Unvollkommenheit, Spaß am Lernen – und nicht zu meinen, man dürfe keine Fehler machen. Durch meine kinder- und schulärztliche Tätigkeit bin ich zum Fehler-Apostel geworden. Jeder muss seine Fehler machen dürfen, weil man nur so authentisch wird. Angesichts von Fehlern sollten wir uns gegenseitig auf die Lektion hinweisen, die dadurch gelernt werden kann. Nur so können wir ein ungestörtes Verhältnis zu Fehlern entwickeln. Dieses Buch ist dabei eine große Hilfe. Es beschreibt die Entwicklung von Alpha zu Omega. Auch wenn Patienten weiterentwickelt sind als wir und Fragen bezüglich des inneren Weges haben, hilft es den Weg als Ganzes zu kennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur Anthroposophischen Medizin, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] &#039;&#039;Neues Testament, Johannes&#039;&#039; 8, 32.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ebenda, 15, 15.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Philosophie der Freiheit,&#039;&#039; GA 4, Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1995.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Hygiene als soziale Frage. In: Physiologisch-Therapeutisches auf Grundlage der Geisteswissenschaft.&#039;&#039; GA 314. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1989, S. 221 - 261.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner/Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen&#039;&#039;, GA 27 (1991).&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Offenborn</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Anthroposophische_Medizin&amp;diff=1255</id>
		<title>Anthroposophische Medizin</title>
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		<updated>2026-01-10T15:57:03Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Offenborn: Neuen Text eingefügt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= Anthroposophische Medizin – von Michaela Glöckler =&lt;br /&gt;
Auszüge aus Büchern und Vorträgen von [[Michaela Glöckler]]; Erstveröffentlichung auf https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== HUMANMEDIZIN DER ZUKUNFT ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was war Rudolf Steiners Vision einer Humanmedizin der Zukunft?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Herausforderungen müssen zu ihrer Verwirklichung gemeistert werden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Berücksichtigung der Individualität und Würde&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiners letztes Werk gibt einen umfassenden Ausblick auf eine Humanmedizin der Zukunft, in der sich die Erkenntnisse der naturwissenschaftlich-empirischen Forschung mit denen der anthroposophischen Geistesforschung zur Heilkunst verbinden können. Wäre der Mensch eine Maschine, so ließen sich Körper, Seele und Geist reparieren und steuern, sobald der Mechanismus durchschaut ist. Auch wenn dieses Paradigma immer noch hoch im Kurs steht: Die tägliche Erfahrung zeigt, dass dem nicht so ist. Jedes Individuum, jede menschliche Biografie ist einmalig und bedarf der individuellen (Selbst-)Erkenntnis, Pflege und Gestaltung. Nicht umsonst gibt es den schönen Begriff der Lebenskunst dafür, wenn diese individuellen Gestaltungsprozesse graduell gelingen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wird das Menschenbild auf die rein naturwissenschaftliche Ebene reduziert und Seele und Geist – hypothetisch – zu Ergebnissen von molekulargenetisch und biochemisch steuerbaren Prozessen gemacht, verliert der Begriff menschlicher Würde seinen Inhalt. Denn Wert und Inhalt erhält dieser Begriff durch die Möglichkeit der Entwicklung von Freiheit, Selbstverantwortung und einer Kultur des Gewissens, wie sie der Frühromantiker &#039;&#039;Novalis&#039;&#039; im zweiten Teil seines &#039;&#039;„Heinrich von Ofterdingen&#039;&#039;“ so prägnant beschrieben hat und wie sie auch der Anthroposophie zugrunde liegt.[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine solche Kultur lässt sich nicht von außen steuern, wohl aber kann sie sich entwickeln, wenn dies von vielen einzelnen Menschen individuell eingesehen und gewollt wird – wenngleich sie heute noch vielfach als „Torheit“ angesehen wird. Rudolf Steiner sagte dazu: &#039;&#039;„Aber was oft die Vernunft der kommenden Zeiten ist, das ist für die vorhergehenden Torheit.“[2]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verbindung von Materialismus und Spiritualität&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
So ging es Steiner auch dezidiert nicht um ein Entweder-Oder bezüglich Materialismus und Spiritualität, sondern um ein wirklichkeitsgemäßes Sowohl-als-auch:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Der Materialismus ist die Weltanschauung, die den Menschen betrachtet, insofern er hervorgegangen ist aus den Substanzen und Kräften dieser Erde. Und wenn auch mancher betont, der Mensch bestehe nicht bloß aus den Substanzen und Kräften dieser Erde, so haben wir doch keine Wissenschaft, die sich mit dem am Menschen beschäftigt, was nicht aus den Substanzen und Kräften dieser Erde kommt. Deshalb ist heute die Behauptung von vielen, die es von ihrem Standpunkt aus gut meinen, daß irgendwie das Ewige in dem Menschen dennoch verstanden werden könne, eine nicht ganz ehrliche. […] Und viele, die heute den Materialismus widerlegen wollen, wissen eigentlich nicht, was sie tun; denn sie ahnen nicht, welche ungeheure Bedeutung die Detailkenntnisse haben, die der Materialismus gebracht hat. Und sie ahnen nicht, was für eine Konsequenz für das Ganze der Menschenerkenntnis der Materialismus gebracht hat“.[3]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Es ist die Tragik des Materialismus, daß er nichts von der Materie weiß, wie sie in Wirklichkeit in den verschiedenen Gebieten des Daseins wirkt. [. . .] Er weiß gar nichts über die Wirkung der Materie, weil man darüber erst etwas erfährt, wenn man die in der Materie wirksame Geistigkeit, die die Kräfte darstellen, ins Auge fassen kann.[4]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von dieser &#039;&#039;„in der Materie wirksamen Geistigkeit“&#039;&#039; ist in &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst[5]&#039;&#039; die Rede – so wie sie aus Sicht der Anthroposophie im Weltall, der Natur und im Menschen anzutreffen ist. Diese ‚Kräfte‘ und ihre Gesetzmäßigkeiten ebenso zu studieren wie die Naturgesetze, ist und bleibt lebenslang Aufgabe und Herausforderung für jeden anthroposophischen Arzt. Das Ziel dieses Weges – der sich gesund entwickelnde Mensch – ist dabei ein inspirierendes Ideal für Forschung, Entwicklung und tägliche Arbeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[6]&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Zu Novalis siehe auch Kap. V sowie GA 59, 236–268 und Glöckler (2023c).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen&#039;&#039;, Kapitel 12, GA 27, Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1991, Seite 46.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Der übersinnliche Mensch, anthroposophisch erfasst&#039;&#039;, GA 231, 58f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Anthroposophie — Eine Zusammenfassung nach einundzwanzig Jahren. Zugleich eine Anleitung zu ihrer Vertretung vor der Welt&#039;&#039;, GA 234, 86.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen&#039;&#039;, Kapitel 12, GA 27, Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ITA WEGMAN UND DIE ENTWICKLUNG DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kam es zur Begründung der Anthroposophischen Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie entwickelte sich die Zusammenarbeit von Ita Wegmann und Rudolf Steiner?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Schicksalhafte Zusammenarbeit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin verdanken wir der Zusammenarbeit von Rudolf Steiner und &#039;&#039;Ita Wegman&#039;&#039;. Wegman bekam von Rudolf Steiner den Anstoß, nach ihrer Ausbildung in Schwedischer Massage auch noch Medizin zu studieren. Dafür musste sie jedoch das Abitur nachholen, was für die bereits Siebenundzwanzigjährige eine große Herausforderung war. In der Zeit der Prüfungsvorbereitung schrieb sie Rudolf Steiner einen bewegenden Brief, ob er nicht etwas wüsste, das ihr helfen würde, sich besser zu konzentrieren. Leider ist uns die Antwort nicht bekannt. Jedenfalls ging alles gut, und sie begann auf Anraten &#039;&#039;Marie Steiners&#039;&#039; ihr Studium in Zürich. Deren Begründung für die Ortswahl war: &#039;&#039;„Unsere ganze Bewegung kommt ja doch einmal in die Schweiz.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu diesem Zeitpunkt war jedoch noch keine Rede davon – die Zentren der anthroposophischen Arbeit waren München und Berlin. So vollzog sich die Verbindung von anthroposophischer Geisteswissenschaft und materialistischer Schulmedizin, die bis heute für die Weiterbildung zum Anthroposophischen Arzt unerlässlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1907, bei der Spaltung der theosophischen Gesellschaft, stellte sich Ita Wegman klar auf die Seite Rudolf Steiners und der Anthroposophie. Das war nicht selbstverständlich. Denn seit ihrem 18. Lebensjahr hatte sie sich dem Gedankengut der Theosophie gewidmet als Mitglied der Theosophischen Gesellschaft. Doch nach dem schicksalhaften Zusammentreffen mit Rudolf Steiner in Berlin war sie seine persönliche Schülerin geworden.[1] Ita Wegman engagierte sich dann mit anderen dafür, dass Rudolf Steiner oft in die Schweiz kam, um Vorträge zu halten. Wenn sie zu viel reiste, um auch in anderen Städten und in Deutschland seine Vorträge hören zu können – sie war auch 1911 in Prag bei dem Vortragszyklus über die okkulte Physiologie – ermahnte Rudolf Steiner sie, dass sie auch studieren müsste, um ihr Medizinstudium abzuschließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fruchtbare Konsequenzen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wegman war quasi der Prototyp eines anthroposophischen Arztes: nicht primär der Homöopathie oder einer spirituell-komplementärmedizinischen Richtung verbunden, sondern akademisch ausgebildet an einer renommierten Universität. Ihre fachärztliche Weiterbildung zur Gynäkologin absolvierte sie am Spital Liestal ganz in der Nähe von Dornach&#039;&#039;&#039;.&#039;&#039;&#039; Anschließend ließ sie sich in Basel als Allgemeinärztin nieder. 1921 entschloss sie sich, ein klinisch-therapeutisches Institut in Arlesheim zu eröffnen. Zu ihrer großen Freude sagte Rudolf Steiner zu, dort mit ihr zusammenzuarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist Ita Wegman eng mit der Geschichte der anthroposophisch-medizinischen Bewegung verbunden: Die Zusammenarbeit mit Rudolf Steiner reichte von der Beratung beim Abitur und beim Studium über die parallelen Studien der Mainstream-Medizin und der Anthroposophie bis hin zur Begründung der ersten Klinik und der gemeinsamen Behandlung vieler Patienten, wovon hunderte dokumentierter Krankengeschichten zeugen. Zuletzt, in seiner Krankheitszeit vor seinem Tode, begleitete sie Rudolf Steiner zusammen mit Ludwig Noll als seine Ärztin. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Krönung dieser Zusammenarbeit war jedoch die im Herbst 1923 begonnene Arbeit an dem ‚Medizinischen Buch’, das nach dem Tode Rudolf Steiners unter dem Titel &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[2]&#039;&#039; herauskam und dessen 18. Kapitel der Heileurythmie gewidmet ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Parzifal-Frage als entscheidender Impuls&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ita Wegman war es auch, die Rudolf Steiner im Sommer 1923 die für die gesamte anthroposophische Bewegung entscheidende Frage nach der Erneuerung der Mysterien gestellt hatte. Als dieser nach dem Brand des ersten Goetheanum und dem Versagen der Anthroposophischen Gesellschaft mit der Frage lebte, ob er einen Orden gründen und sich aus der Anthroposophischen Gesellschaft zurückziehen sollte, sagte sie zu ihm: &#039;&#039;„Aber Herr Doktor, Sie können doch die Gesellschaft nicht alleine lassen!“&#039;&#039; Im Sommer 1923 dann, in England, wurde ihr das zentrale Anliegen ihres Lebens bewusst, welches sie Rudolf Steiner gegenüber etwa so formulierte: &#039;&#039;„Ich möchte gerne eine Medizin haben, wie es sie zu den Zeiten der alten Mysterien gab – nur in christlicher Form.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Bernard Lievegoed&#039;&#039; hat wiederholt erzählt, wie Rudolf Steiner zu &#039;&#039;Zeylmans van Emmichhofen&#039;&#039; gesagt hätte, dass diese Frage Ita Wegmans für ihn „die Parzival-Frage“ gewesen wäre, die ihn veranlasst hätte, die Weihnachtstagung von 1923/24 zur Neubegründung der Anthroposophischen Gesellschaft abzuhalten. Ohne diese Frage wären die Neubegründung der Gesellschaft und die öffentliche Begründung der Hochschule für Geisteswissenschaft durch Rudolf Steiner gar nicht möglich gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Vom Wesen der Heileurythmie als Herzorgan der Anthroposophischen Medizin“,  1. Weltkonferenz für Heileurythmie am Goetheanum, 30. Mai 2008&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Peter Selg hat in seinem Buch zum Münchner Kongress 1907 dieses Schicksalsmoment neu dokumentiert und zugänglich gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ENTWICKLUNG UND DERZEITIGER STAND DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie hat sich die anthroposophische Medizin seit ihrer Entstehung entwickelt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;In welchen philosophischen und ethischen Prinzipien hat sie ihre Wurzeln?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Historische Entwicklung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von dem österreichischen Philosophen &#039;&#039;Dr. Rudolf Steiner&#039;&#039; (1861-1925) und der Ärztin &#039;&#039;Dr. med. Ita Wegman&#039;&#039; (1876-1943) in Zusammenarbeit mit weiteren Ärzten entwickelt. Die Grundlagen dieser Medizin wurden 1920-1924 im Rahmen von Kursen vermittelt, die Steiner auf Einladung von Ärzten und Medizinstudenten hielt, die nach einem Menschenbild suchten, das sich sowohl auf die Naturwissenschaft als auch auf die anthroposophische Geisteswissenschaft beruft. Ihr Anliegen war von vornherein nicht alternativ-medizinisch, sondern integrativ, d.h. es orientierte sich an der Wirklichkeit des Menschen selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inzwischen gibt es die Anthroposophische Medizin in über 80 Ländern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Europa sind einige größere Akutkliniken entstanden. Hinzu kommen Sanatorien, Reha-Einrichtungen und zahlreiche Arztpraxen aus nahezu allen Fachrichtungen sowie weltweit über 400 Institutionen für Menschen mit Behinderungen. In den letzten dreißig Jahren kamen neu Einrichtungen für die Altenpflege und die Suchtbehandlung dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophische Ärzte arbeiten auch in Kooperation mit Pädagogen als Schulärzte sowie in der medizinischen Forschung und in der Arzneimittelherstellung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ambulanten Bereich haben sich aus der interdisziplinären Zusammenarbeit von Ärzten, Krankenschwestern, Kunsttherapeuten, Physiotherapeuten u.a. vielerorts so genannte „Therapeutika&amp;quot; entwickelt, d.h. ein neuer Typ von Gemeinschaftspraxen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Erkenntnistheoretische Wurzeln&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Erkenntnistheoretisch und ethisch wurzelt die Anthroposophie in der Philosophie und Kunstauffassung des deutschen Idealismus, wie sie insbesondere von &#039;&#039;Goethe&#039;&#039; (1749-1832), &#039;&#039;Schiller&#039;&#039; (1759-1805), &#039;&#039;J. G. Fichte&#039;&#039; (1762-1814), &#039;&#039;Novalis&#039;&#039; (1772-1801) und &#039;&#039;Schelling&#039;&#039; (1775-1854) vertreten wurden. So trägt Steiners erkenntnistheoretisches Frühwerk (1884) den Titel: &#039;&#039;„Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung“.[1]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Suche nach einer im Geist gegründeten Anschauung vom Menschen, die sich selber stützen kann im Erarbeiten einer inneren und äußeren Evidenz, sowie der Wille zu Entwicklung von Autonomie und Verantwortung prägen die ethische Grundhaltung anthroposophischer Ärzte und Therapeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Weiterbildung zum anthroposophischen Arzt ist durch eine international vereinbarte Zertifizierung geregelt. Der anthroposophische Arzt hat die Verpflichtung, die Ergebnisse aus Steiners Geistesforschung selbständig nachzuvollziehen und anhand der eigenen Lebens- und Berufserfahrung zu überprüfen und weiterzuentwickeln. Werden Mitteilungen Steiners unreflektiert übernommen, besteht die Gefahr der Ideologisierung und Dogmatisierung, was der Anthroposophischen Medizin schadet bzw. ihrer Entwicklung im Wege steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Haltung der Mitverantwortung fördern&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Heinrich Schipperges&#039;&#039; führt in seinem Buch &#039;&#039;„Moderne Medizin im Spiegel der Geschichte“[2]&#039;&#039; aus, dass die gegenwärtige Medizin nach einer Phase des unaufhörlichen Fortschritts und trotz aller großartigen Leistungen zunehmend in eine bedrohliche Krise geraten ist. Genau genommen ist diese Krise jedoch die medizinische Spielart der Menschheitskrisen von heute: ökologische Katastrophen, Armut, Hunger, Genozid, Bildungsnotstand, Energiekrise u.a. Diesen Krisen ist gemeinsam, dass ihre Ursache in einem Menschen- und Naturverständnis liegt, das keinen inneren geistigen Zusammenhang zu den Naturerscheinungen und dem Menschen herstellt. Wird dieser Zusammenhang bewusst erlebt, führt er zu einem starken Gefühl der Solidarität mit dem gesamten Evolutionszusammenhang von Erde, Natur und Mensch. Diese mitfühlende Verantwortlichkeit für alles Lebendige möchte die Anthroposophische Medizin fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung,&#039;&#039; GA 2.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Heinrich Schipperges, &#039;&#039;Moderne Medizin im Spiegel der Geschichte,&#039;&#039; Stuttgart 1970.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== WARUM ANTHROPOSOPHIE IN DER MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wozu braucht es Anthroposophie?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern handelt es sich bei der Anthroposophischen Medizin um eine „Weltanschauungsmedizin“?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sind die grundlegenden Aspekte der Anthroposophischen Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Medizin als Ausdruck einer bestimmten Sicht auf Mensch, Natur und Umwelt&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophie (Anthropos = Mensch, Sophia = Weisheit, Wissenschaft) gilt bis heute als nicht leicht zugänglich. Auch wenn viele anthroposophische Initiativen auf den Gebieten der Heilpädagogik und Pädagogik, der Landwirtschaft und Medizin bekannt sind, bleibt das, was als integratives Welt- und Menschenbild der Anthroposophie dahintersteht, meist vage. Man weiß nicht so recht, ob es sich dabei um eine Philosophie handelt, eine Art Religion oder um eine diffizile oder auch „eklektische“ Weltanschauung. Man fragt angesichts der Vielfalt anthroposophischer Einrichtungen und Initiativen auch, ob der anthroposophische „Überbau“ dafür überhaupt nötig sei, ob man ähnlich Gutes nicht auch ohne diesen leisten könne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jedes medizinische System ist Ausdruck einer bestimmten Sicht auf Mensch, Natur und Umwelt und insofern eine „Weltanschauung“. Das gilt auch für den naturwissenschaftlichen Materialismus, für Idealismus, Realismus und andere philosophische oder geistige Orientierungen. Wer glaubt, keine Weltanschauung zu haben, hat seinen eigenen Standpunkt und, was diesen stützt, noch nicht reflektiert &#039;&#039;–&#039;&#039; was eines der Haupthindernisse ist, die „Normalität“ der Anthroposophischen Medizin anzuerkennen. Eine individuell erarbeitete Weltanschauung wie die Anthroposophie ist jedoch klar abzugrenzen von der familiären oder traditionellen Zugehörigkeit zu einer Glaubensgemeinschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Anthroposophie als Verständnishilfe&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Jedem ganzheitlichen medizinischen System – ob nun traditionell chinesische, ayurvedische oder homöopathische Medizin – liegt ein spirituelles Menschen- und Weltbild zugrunde, das die gemeinsame Evolution von Mensch, Erde und Weltall beschreibt. Neu ist bei der anthroposophischen Medizin nur, dass Steiner sich auf keine dieser alten Traditionen beruft, sondern einen Erkenntnisweg beschreibt, auf dem jeder &#039;&#039;selber&#039;&#039; die Möglichkeit entwickeln kann, sich mit seinem Wahrnehmungs- und Denkvermögen an die spirituellen Quellen anzuschließen.[1] Durch eigene Beobachtung, Empathie und situationsgerechtes Denken zu den nötigen Einsichten für Diagnose und Therapie zu kommen ist das Arbeitsideal – nicht nur eine traditionelle Heilweise oder Technik zu lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich war viele Jahre in verschiedenen asiatischen Ländern und auch weltweit mit einem Ausbildungsprogramm für Anthroposophische Medizin unterwegs. Es hat mich anfangs gewundert, dass Chinesen, Japaner, Taiwanesen, Inder, Indonesier, Philippiner sich für Anthroposophische Medizin interessieren. Als Motive nannten sie das Menschenbild der Anthroposophie, das ihnen hilft, die Brücke zu bilden zwischen dem heutigen Denken und den alten überlieferten Bildern und Werten ihrer Heilverfahren, die zwar gute Ergebnisse liefern, aber für den modernen Menschen oft nicht genau aufschlüsseln können, wie sie wirken. Die Anthroposophie half ihnen, ihre eigenen Medizinsysteme und ihre Wirkungsweisen besser zu verstehen. In Indien gab es ayurvedische Ärzte, die keine Zertifikate für Anthroposophische Medizin wollten, sondern zu uns kamen, um bessere Ayurveda-Ärzte zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Grundlegende Aspekte Anthroposophischer Medizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wer der Anthroposophie begegnet, trifft auf vier Aspekte, die je nachdem alle vier oder auch nur der eine oder andere das Interesse wecken und zum weiteren Studium anregen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Philosophischer Aspekt ====&lt;br /&gt;
Das philosophische Fundament der Anthroposophie schließt an die Erkenntnisweise Goethes an sowie an den deutschen Idealismus mit dessen Idealen von Freiheit und Würde, Wahrheit und Liebe.[2] Rudolf Steiner benannte sogar seine Anthroposophische Hochschule in Dornach nach Goethe: Goetheanum.[3] Das zeugt von der großen Wertschätzung, die er diesem Genie mitteleuropäischer Geistes- und Kulturgeschichte zeitlebens entgegenbrachte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für manche Menschen ist Philosophie nicht wichtig, man möchte gute Ideen für seine Arbeit und sein Leben haben und keine Zeit mit intellektuellen Grübeleien verlieren. Es gibt aber auch Menschen, die nur deshalb Anthroposophen werden, weil sie hier eine Erkenntnistheorie und deren philosophische Begründung finden, durch die sie sich selbst und ihren Zusammenhang mit der Welt besser verstehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Philosophie ist die Kunst des eigenständigen Denkens. Steiner formuliert diese „erkenntnis-künstlerische“ Herausforderung in seinem philosophischen Hauptwerk, „Die Philosophie der Freiheit“, so: &#039;&#039;„Man muss sich der Idee erlebend gegenüberstellen können; sonst gerät man unter ihre Knechtschaft.“[4]&#039;&#039; Das heißt, wer Gedanken und Ideen anderer übernimmt und nicht eigenständig bedenkt und bewertet, gerät in Abhängigkeit der Autoritäten, von denen diese Gedanken stammen. Mit Hilfe dieses Ansatzes, selbst hinzuschauen, zu fragen, zu bedenken, zu verstehen, ist jeder Student der Anthroposophie angeregt, seine eigene Philosophie zu reflektieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Aspekt der Selbstschulung ====&lt;br /&gt;
Anthroposophie beinhaltet einen Weg der Selbstschulung, welcher zu seelischer Weiterentwicklung, Selbsterkenntnis und Willensstärkung führt.[5] Es gibt heute viele Menschen, die auf der Suche nach einem interreligiösen Weg spiritueller Selbsterfahrung sind. Sie wollen sich nicht einer bestimmten Glaubensgemeinschaft oder einer bestimmten spirituellen Gruppierung anschließen. Sie suchen einen allgemein-menschlichen Weg für ihre innere Entwicklung. Einige davon finden diese Möglichkeit in der Anthroposophie und ihren Organisationen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Anthroposophische Gesellschaft international organisiert und offen für alle wissenschaftlichen, religiösen und künstlerischen Überzeugungen ist, findet man Vertreter der verschiedensten spirituellen Orientierungen. Angehörige der christlichen Konfessionen, des Buddhismus, Daoismus, Shintoismus, der Hindi-Religion, der Zarathustra-Spiritua­lität, des Judentums sowie einzelne Vertreter des Islam und viele ohne eine bestimmte spirituelle Ausrichtung können hier mehr über ihre eigene spirituelle Identität lernen, indem sie zusätzlich den Weg der Selbstschulung der Anthroposophie gehen. Was sie in dieser Gesellschaft verbindet, ist der Entwicklungsgedanke in der Anthroposophie sowie das Bestreben, das gesellschaftliche Leben menschlicher und zukunftsfähiger zu machen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Biologe &#039;&#039;Bernd Rosslenbroich&#039;&#039; wies in einer naturwissenschaftlichen Studie das Autonomieprinzip als Grundlage der gesamten Evolution nach, deren Gipfel die menschliche Entwicklung sei.[6] Dieses Autonomieprinzip liegt auch der anthroposophischen Selbstschulung zugrunde. Autonomie konstruktiv leben zu lernen ist nicht leicht. Scheitern und immer wieder neu Ansetzen gehören ebenso dazu wie die stille innere Ausrichtung des eigenen Lebens und Arbeitens an den Idealen von Freiheit und Würde, Ehrlichkeit und Liebe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Aspekt der Geisteswissenschaft ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wo aber ist der „Geist“ als Fundament dieser anthroposophisch-geisteswissenschaftlichen Weltsicht zu finden?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Selbständiges Denken als Ausdruck von Geist&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Die Antwort ist schlicht: das menschliche Denken. Normalerweise kennt jeder den Zustand des Gedanken-Habens, Wissens, Sich-Informierens oder sich in anerkannten bzw. vorgegebenen Denkmustern zu bewegen und diese wiedergeben zu können. Wer jedoch von der eigenen Denktätigkeit ausgeht, entdeckt auch denjenigen, der denkt, in seinem Denken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der idealistische Philosoph &#039;&#039;Johann Gottlieb Fichte[7]&#039;&#039; wies seine Studenten auf die zentral wichtige spirituelle Selbsterfahrung im Denken hin. Er führte mit ihnen die folgende Übung durch: Er fragte sie, ob sie die Wand des Hörsaals sähen. Dann sagte er: &#039;&#039;„Schließen Sie die Augen und denken Sie die Wand.“&#039;&#039; Und dann kam die alles entscheidende Aufforderung: &#039;&#039;„Und jetzt denken Sie den, der die Wand gedacht hat...“[8]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer das durchführt, kann in seinem Denken das eigene Selbst als reinen Tätigkeitsquell, als innere Aktivitätsbereitschaft, als Ich, als eigenständiges Wollen bemerken als rein energetische spirituelle Selbsterfahrung im Denken. Damit hat er einen sicheren Ausgangspunkt gewonnen, sich seine eigene Weltsicht zu erarbeiten. Er steht jetzt geistig auf eigenen Füßen und ist in der Lage, sein Denken immer perspektivenreicher auszubilden. Je mehr er versteht, desto mehr sieht er von der Welt. Und je mehr ihn die Welt interessiert und zum Nachdenken anregt, desto differenzierter und klarer wird sein Denken. Sich selbst und die Welt zu verstehen und dadurch zu einer authentischen Selbst- und Weltsicht zu kommen, ist die Weltanschauung der Anthroposophie. Seinen Zeitgenossen zu zeigen, dass sie &#039;&#039;„durch das Denken zur Wirklichkeit des Geistes kommen“&#039;&#039; können, war ein zentrales Anliegen Rudolf Steiners. Das eigene Ich als geistig reales Wesen im Denken erleben zu können, erschließt zugleich die spirituelle Dimension des Begriffs der menschlichen Würde als autonome und geistbewusste Kompetenz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner formulierte diesen Tatbestand gegen Ende seines Lebens noch einmal so: &#039;&#039;„Anthroposophie ist ein Erkenntnisweg, der das Geistige im Menschenwesen zum Geistigen im Weltall führen möchte“.[9]&#039;&#039; Grundlage dafür ist die Gedankenarbeit eines jeden einzelnen Menschen. Hannah Arendt nannte diese Selbsterfahrung im Titel ihres gleichnamigen Buches „Denken ohne Geländer“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Aspekt der Zusammenarbeit ====&lt;br /&gt;
Da Anthroposophie auf das sich zur Autonomie entwickelnde Individuum baut, findet man gerade unter Anthroposophen einen ausgeprägten Meinungs- und Standpunktepluralismus bis hin zur gern zitierten „Streitkultur“. Auch ist die Geschichte der Anthroposophischen Gesellschaft von eindrücklichen Krisen und Konflikten geprägt, die von dem Ringen um individuelle und soziale Kompetenz zeugen, einem Bemühen, das alles andere als einfach ist. Umso erfreulicher ist es, dass sich diese Gesellschaft bis heute nicht in verschiedene Gruppierungen gespalten hat, sondern der Wille zum gegenseitigen Verstehen und zur Entwicklung von Toleranz gegenüber anders Denkenden stets überwogen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von dem Dichter und Anthroposophen &#039;&#039;Christian Morgenstern&#039;&#039; (1871 - 1914) stammt ein Gedicht, das dieses Spannungsverhältnis zwischen der notwendigen Individualisierung einerseits und der Befähigung zur Gemeinschaftsbildung andererseits meisterlich zum Ausdruck bringt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Die zur Wahrheit wandern, wandern allein,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;keiner kann dem andern Wegbruder sein.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Eine Spanne gehn wir, scheint es, im Chor ...&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;bis zuletzt sich, sehn wir, jeder verlor.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Selbst der Liebste ringet irgendwo fern;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;doch wer&#039;s ganz vollbringet, siegt sich zum Stern,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;schafft, sein selbst Durchchrister, Neugottesgrund –&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;und ihn grüßt Geschwister Ewiger Bund.[10]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier wird in künstlerischer Form zum Ausdruck gebracht, dass größtmöglicher Individualismus und „Gemeinschaft im Geist“ sich nicht widersprechen müssen. Vielmehr erscheinen die Ideale der Französischen Revolution – der Freiheit des Individuums, der Gleichheit und der brüderlichen Solidarität – so erst in ihrem wahren Licht: Denn wenn man weiß, dass jeder „auf dem Weg ist“, wächst der Respekt vor der Einmaligkeit und Würde des anderen. Und gleichzeitig erlebt man, wie uns dieser Tatbestand des Werdens „gleich“ macht. Da wir aber sowohl „gleich“ als auch „individuell sehr verschieden“ sind, sind wir Menschen immer wieder auf gegenseitige brüderliche Hilfe angewiesen. Wir gewähren sie, wenn wir die Bedürfnisse des anderen sehen, respektieren und, wo möglich, erfüllen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Mathias Girke , PF Matthiessen (Hrsg.), &#039;&#039;Medizin und Menschenbild&#039;&#039;, Bad Homburg 2015.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung mit besonderer Rücksicht auf Schiller.&#039;&#039; GA 2. Dornach 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] www.goetheanum.org&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Philosophie der Freiheit&#039;&#039;, GA 4, Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1995.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Dargelegt in Steiners Selbstschulungsbuch &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?,&#039;&#039; GA 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Bernd Rosslenbroich, &#039;&#039;On the Origin of Autonomy. A New Look at the Major Transitions in Evolution&#039;&#039;, Hei-delberg, New York, Springer 2014.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Johann Gottlieb Fichte, Philosoph (1762 - 1814).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Überliefert von Steffens, einem Naturforscher und Zeitgenossen Fichtes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Anthroposophischer Leitsatz 1&#039;&#039;, 17. Februar 1924. In: Anthroposophische Leitsätze. GA 26, S. 6 (1989).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Christian Morgenstern, &#039;&#039;Wir fanden einen Pfad,&#039;&#039; Basel, Zbinden Verlag. 5. Aufl. 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ANTHROPOSOPHISCHES UND NATURWISSENSCHAFTLICHES KRANKHEITSVERSTÄNDNIS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ist Anthroposophische Medizin eine Glaubenssache?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann man in der Medizin konstruktiv mit unterschiedlichen Sichtweisen auf Krankheit umgehen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Anthroposophisches Krankheitsverständnis&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Um auf diese Fragen eingehen zu können, möchte ich vorab das Krankheitsverständnis aus der Anthroposophie heraus und das Schulmedizinische Krankheitsverständnis charakterisieren. Sie stehen nicht im Widerspruch zueinander, zumindest nicht aus Sicht der Anthroposophischen Medizin. Letztere versteht sich als eine Erweiterung der rein naturwissenschaftlichen Medizin, nicht als Gegensatz dazu. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Die Aufgabe ist, nun wirklich darauf zu kommen, welcher Unterschied besteht zwischen den Prozessen im menschlichen Organismus, die wir als Krankheitsprozesse bezeichnen und die doch im Grunde genommen ganz normale Naturprozesse sind, nur eben durch bestimmte Ursachen hervorgerufen sein müssen, und denjenigen Prozessen, die wir gewöhnlich als die gesunden bezeichnen und die die alltäglichen sind. Dieser durchgreifende Unterschied muss gefunden werden. Er wird nicht gefunden werden, wenn man nicht eingehen kann auf eine Betrachtungsweise des Menschen, die zum menschlichen Wesen wirklich führt.&amp;quot;&#039;&#039;[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Krankheit aus Sicht der naturwissenschaftlichen Medizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der naturwissenschaftlichen Medizin liegt der Fokus bei der Erforschung von Krankheitsursachen im Bereich des Netzwerkes molekulargenetischer Interaktionen. Dort wird nach Mutationen und „Fehlern&amp;quot; im Metabolismus gesucht. Damit ist aber das Kausalproblem nur von der Makro- auf die Mikroebene verlagert. Denn auch hier ist zu fragen, woher es kommt, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt beispielsweise eine Genmutation auftritt und ein Prozess, der bisher gesund ablief, nun mit einem Mal „verkehrt&amp;quot; bzw. Krankheit begünstigend stattfindet. Wenn der sogenannte Pathomechanismus aufgeklärt ist und die Ursache einer „Spontanmutation&amp;quot;, einem &#039;&#039;„inborn error of metabolism&amp;quot;&#039;&#039; oder einer exogenen Schädigung zugeschrieben wird, so ist damit dem Kranken noch nicht geholfen, der verstehen will, was seine Krankheit mit ihm, seiner Entwicklung und seinem Schicksal zu tun hat – oder der sich dafür interessiert, welche Einflüsse sein bewusstes oder unterbewusstes Seelenleben auf die Lebensfunktionen seiner Organe oder auf die Stabilität seines Immunsystems hat. Auch ist es letztlich unbefriedigend, sich als Mensch in die verschiedenen Forschungs- und Fachdisziplinen aufgeteilt zu sehen, ohne „das geistige Band&amp;quot; im Sinne &#039;&#039;Goethes&#039;&#039; zu haben, das die Zusammenschau der unterschiedlichen Sichtweisen ermöglicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Unterschiedliche Sichtweisen integrieren&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Paracelsus&#039;&#039;, der Integrationsmediziner am Beginn der Neuzeit, hat bereits eindrücklich auf dieses Dilemma hingewiesen.[2] Plastisch schildert er eine medizinische Szene aus dem damaligen Alltag: Sechs Ärzte sind um einen eben verstorbenen Cholerapatienten versammelt und sprechen darüber, was in seinem Falle wohl die Todesursache gewesen sein mag. Diese Szene sei hier in freier Form wiedergegeben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Erste&#039;&#039;&#039; sagt: &#039;&#039;„Für mich ist klar, dass er durch die Infektion mit dem Cholerabazillus gestorben ist. Der Krankheitserreger wurde mit dem Wasser aufgenommen, hat sich im Organismus ausgebreitet und die Krankheil hervorgerufen, die jetzt zum Tode geführt hat&amp;quot;.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Das finde ich merkwürdig&amp;quot;,&#039;&#039; sagt &#039;&#039;&#039;der Zweite&#039;&#039;&#039;. &#039;&#039;„Es sterben doch längst nicht alle Kranken, die sich mit dem Cholerabazillus angesteckt haben. Ich sehe die Todesursache vielmehr in der Tatsache, dass die Selbstheilungskräfte des Verstorbenen nicht stark genug waren, um die Infektion zu überwinden. Hätte er über mehr Widerstandskraft verfügt, so lebte er noch.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da lächelt &#039;&#039;&#039;der dritte Kollege&#039;&#039;&#039; und fragt: &#039;&#039;„Habt ihr denn nicht sein Horoskop gelesen? Da konnte man lesen, dass dieser Mensch durch die ganze Konfiguration seiner seelischen Veranlagung und seines inneren Schicksals zum Tod in dieser Zeit prädestiniert war. Sein Tod war vorherbestimmt.&amp;quot;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Das leuchtet mir nicht ein&amp;quot;,&#039;&#039; sagt &#039;&#039;&#039;der Vierte&#039;&#039;&#039;. &#039;&#039;„Wie viele Menschen leben unter derselben oder sehr ähnlichen Sternkonstellationen und kommen anders damit zurecht, gehen durchaus optimistischer mit der Herausforderung um, die ihre jeweilige Sternkonstellation für sie bedeutet. Meine Diagnose ist, dass er im Kern seiner ganzen Persönlichkeit, in seinem Ich, schwach war. Er hatte große Angst vor der Cholera, und nichts ist ein besserer Nährboden für Infektionen als Ängstlichkeit und Furcht. Ich habe viel schwächere Patienten die Krankheit überwinden sehen, weil sie mutiger waren und das Vertrauen nicht verloren.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Mir kommt das alles töricht vor&amp;quot;,&#039;&#039; schaltet sich jetzt &#039;&#039;&#039;der Fünfte&#039;&#039;&#039; in die Debatte ein: &#039;&#039;„Krankheit und Leid ist doch eine Geißel Gottes, ein Flagellum. Hätte Gott die Überwindung der Krankheit zugelassen, so hätte er diesem Betroffenen zur rechten Zeit den Arzt oder sonst eine Hilfe geschickt.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun blicken alle auf &#039;&#039;&#039;den Sechsten&#039;&#039;&#039;, der interessiert zugehört hat und fragen: „Wer von uns hat recht?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der bemerkt: &#039;&#039;„Jeder von euch hat recht. Jeder hat aber auch unrecht. Das Unrecht entsteht dadurch, dass jeder einzelne von euch nur an seine Sicht der Dinge glaubt und die Ansichten der anderen verneint oder missachtet. Das komplizierte Pentagramm Mensch muss individuell gelesen werden, um den jeweiligen Anteil an der Krankheitsursache herauszufinden. Ein solch differenziertes Lesen ist aber auch nötig, um die verschiedenen Wege kennen zu lernen, die zur Gesundheit, sprich: zur Überwindung der Krankheit führen.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Szene aus dem Werk des Paracelsus wird hier angeführt, um deutlich zu machen, dass ein tiefgreifendes Verständnis von Krankheitsursachen und Heilungsmöglichkeiten die verschiedenen Ebenen menschlicher Existenz und Lebensverwirklichung mitberücksichtigen muss. Das kann letztlich nur ein interdisziplinär-integrativer Ansatz leisten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaft und Medizin&#039;&#039;, GA 312.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Elise Wolfram und Paracelsus, &#039;&#039;Die okkulten Ursachen der Krankheiten. Volumen Paramirum&#039;&#039;, Unv. Nachdruck der Ausgabe von 1912, 4. Aufl. Dornach 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== SCHULMEDIZIN, ANTHROPOSOPHISCHE MEDIZIN UND ÄLTERE GANZHEITLICHE ANSÄTZE ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie steht die Anthroposophische Medizin zur Schulmedizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und wie ist ihr Verhältnis zu anderen alternativen Ansätzen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verhältnis der&#039;&#039; &#039;&#039;Anthroposophischen Medizin zur Schulmedizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Frage lässt sich kurz mit Nein beantworten. &#039;&#039;Rudolf Steiner&#039;&#039; (1861-1925) und &#039;&#039;Ita Wegman&#039;&#039; (1876-1943), die Begründer der Anthroposophischen Medizin, bemerken hierzu:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Nicht um eine Opposition gegen die mit den anerkannten wissenschaftlichen Methoden der Gegenwart arbeitende Medizin handelt es sich. Diese wird von uns in ihren Prinzipien voll anerkannt. Und wir haben die Meinung, dass das von uns Gegebene nur derjenige in der ärztlichen Kunst verwenden soll, der im Sinne dieser Prinzipien vollgültig Arzt sein kann.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Allein wir fügen zu dem, was man mit den heute anerkannten wissenschaftlichen Methoden über den Menschen wissen kann, noch weitere Erkenntnisse hinzu, die durch andere Methoden gefunden werden, und sehen uns daher gezwungen, aus dieser&#039;&#039; erweiterten &#039;&#039;Welt- und Menschenerkenntnis auch für eine Erweiterung der ärztlichen Kunst zu arbeiten.&amp;quot;[1]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die reguläre akademische Aus- und Weiterbildung ist ebenso Voraussetzung dafür, sich Anthroposophischer Arzt nennen zu können, wie das Studium der anthroposophischen Geisteswissenschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Salutogenetischer Ansatz bevorzugt&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Anthroposophischen Medizin liegt ein Konzept ganzheitlicher, integrativer Medizin zugrunde, die den Menschen (griechisch: anthropos) mit all seinen Erkenntnis- und Erlebnisformen (griechisch: sophia, wörtlich: Weisheit) in den Mittelpunkt stellt. Für die Praxis heißt dies, dass symptomatisch wirkende Arzneimittel, wie zum Beispiel Antipyretika, Antiphlogistika, Antihypertensiva, Antihistaminika oder die Substitution fehlender, körpereigener Stoffe, oder aber Analgetika und Psychopharmaka selbstverständlich da zur Anwendung kommen, wo die speziellen Medikamente und Therapieverfahren der anthroposophischen Therapierichtung nicht (mehr) hinreichen, die erforderliche Selbstregulation und Heilung zu stimulieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Hinblick auf das therapeutische Vorgehen wird der salutogenetische Ansatz bevorzugt, also die Anregung körpereigener, physiologischer Prozessantworten. Diese sind immer individuell. Therapieschemata haben zwar einen wesentlichen, Orientierung gebenden Stellenwert. In praxi gehen die Medikationen jedoch oft darüber hinaus, da sich die Behandlung am Einzelfall orientiert. Anthroposophische Ärzte schätzen die schulmedizinische Behandlung als Akut- und Notfallmedizin hoch, möchten jedoch nicht bei deren Grenzen und Einseitigkeiten stehen bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verhältnis zu älteren ganzheitlichen medizinischen Konzepten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Jedem ganzheitlichen medizinischen System – ob es sich nun um traditionell chinesische, ayurvedische oder homöopathische Medizin handelt – liegt ein spirituelles Weltbild zugrunde, das mehr oder weniger konkret die gemeinsame Evolution von Mensch, Erde und Weltall beschreibt. Rudolf Steiner bemerkt dazu im Hinblick auf seinen Ansatz[2]: &#039;&#039;„Ich möchte nicht versäumen, Sie darauf aufmerksam zu machen, dass dasjenige, was ich hier vortrage, nicht entlehnt ist älteren medizinischen Schriften, sondern auf durchaus gegenwärtiger geisteswissenschaftlicher Forschung beruht. Nur muss versucht werden, zuweilen in der Terminologie auf die ältere Literatur zurückzugreifen, weil ja die neuere Literatur eine Terminologie nach dieser Richtung hin noch nicht ausgebildet hat. Aber derjenige, der glauben würde, dass irgendetwas hier vorgetragen wird, was nur älteren Schriften entnommen ist, der würde sich eben sehr irren.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese von Steiner entwickelte neue Art der geistigen Forschung ermöglicht als anthroposophische Erkenntnismethodik und dank ihrer Forschungsergebnisse auch neue Einsichten in die ganzheitlichen Konzepte und spirituellen Traditionen der Medizin. Daher gibt es unter ihren Vertretern immer auch „Anthroposophen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Seiner und Ita Wegmann, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst. Dornach 1935, S. 9.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaft und Medizin&#039;&#039;, GA 312. Sechster Vortrag, Dornach, 26. März 1920. S. 118 (Ausgabe 1999).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== CHARAKTERISTIKA EINER SPIRITUELLEN MEDIZIN LAUT RUDOLF STEINER ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen Prinzipien folgt die von Rudolf Steiner und Ita Wegman beschriebene spirituelle Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wodurch äußert sich ihr allgemein-menschlicher Ansatz?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wodurch zeichnen sich eine spirituelle Chemie und Physik aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist unter Kulturtherapie zu verstehen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Krankheit aus zwei Blickwinkeln sehen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In dem Werk über Anthroposophische Medizin &#039;&#039;„Grundlegendes zu einer Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; von Rudolf Steiner und Ita Wegman werden unter anderem auch die Grundlagen einer spirituellen Medizin beschrieben.[1] Bereits die Überschrift des ersten Kapitels lässt dies anklingen, indem da von &#039;&#039;„wahrer Menschenwesen-Erkenntnis“&#039;&#039; die Rede ist. Die Wortwahl erinnert an die Initiationspraktiken der antiken Mysterien, wo es in allen Einweihungsgraden um wahre irdisch-kosmische Selbst- und Welterkenntnis ging. Doch konkret im Alltag: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Erwartet nicht jeder Kranke vom Arzt, dass dieser die Ursache seines Problems durchschaut und die notwendigen Maßnahmen einleitet?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Dass er die Wahrheit über seinen Zustand bestmöglich herausfindet?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher die Forderung der Autoren, der Wahrheit des Krankheitsgeschehens von zwei Seiten aus näherzukommen, indem die schulmedizinischen Diagnosefaktoren mit der geisteswissenschaftlichen Betrachtung verbunden werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Christuserkenntnis&#039;&#039; als &#039;&#039;zentrales Element&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;‚Wes Geistes Kind‘ aber ist diese Forderung?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“[2]&#039;&#039; wird der Christus als ‚großer Hüter der Schwelle‘ auf dem Erkenntnisweg dargestellt, der dem Schüler den Sinn der Erdenentwicklung, des Todes und der Wiedergeburt enthüllt. In der &#039;&#039;„Geheimwissenschaft im Umriß“[3]&#039;&#039; wird der Christus auch namentlich genannt und seine zentrale Bedeutung innerhalb der Schöpfung und für die Entwicklung der Menschheit geschildert.[4] In beiden Werken begegnet man einer zentralen Bezugnahme auf die Wesenheit des Christus in einer weder religiös noch konfessionell tingierten Weise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verfolgt man diesen Wesensbezug zu Christus im Steiner‘schen Vortragswerk, oder auch nur in der Schrift &#039;&#039;„Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit“&#039;&#039;,[5] so zeigt sich, dass für Steiner diejenige geistige Realität, die er mit dem historischen Christus identifiziert, in allen Aspekten und Dimensionen menschlichen Lebens und Entwickelns eine zentrale Rolle spielt – ganz im Sinne der johanneischen Aussage: &#039;&#039;„Durch es [das Wort] sind alle Dinge geworden, und nichts von allem Entstandenem ist anders als durch das Wort geworden.“[6]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Anthroposophisches Menschenbild und Schulungsweg&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Steinersche Christologie versteht sich als Weg zur Christuserkenntnis. Dieser Weg ist von seinem Selbstverständnis her unabhängig von traditionellen Glaubensüberzeugungen und religiösen Bekenntnissen. Es geht bei ihm im tiefsten Sinne um ‚wahre Menschenwesen-Erkenntnis‘, um das ecce homo. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die anthroposophische Menschenkunde befasst sich mit diesem allgemeinmenschlichen, rein geistigen Wesensgefüge des gesunden Menschenurbildes, das der uns bekannten Schöpfung innewohnt. Sie versucht verständlich zu machen, warum und wie in dieser Schöpfung alles mit allem geistig und physisch zusammenhängt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher kann sich ein japanischer Shintu-Priester in seiner spirituellen und wissenschaftlichen Praxis ebenso von dem anthroposophischen Erkenntnisweg und Menschenbild anregen und bereichern lassen wie ein buddhistischer Mönch, ein Brahmane oder ein Angehöriger des jüdischen oder muslimischen Glaubens oder ein materialistischer Naturwissenschaftler. Denn Christliche Spiritualität ist zugleich allgemeinmenschliche Spiritualität und die Spiritualität in den Naturerscheinungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Dienender Charakter der Substanz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ein weiteres wichtiges Merkmal der von Rudolf Steiner beschriebenen spirituellen Medizin ist ihr selbstlos dienendes Prinzip. Das Substanzverständnis der Anthroposophie, wie es im Grundlagenwerk der Anthroposophischen Medizin &#039;&#039;„Grundlegendes zur Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; erörtert wird,[7] beruht auf dieser Grundlage. So werden im 1. Kapitel die Substanzen in ihrem selbstlos dienenden Charakter gezeigt, wie sie sich den vier Kräftebereichen von Mineral-, Pflanzen-, Tier- und Menschenwelt unterordnen, wodurch sie zu deren jeweiliger Manifestation beitragen und dadurch alle Naturerscheinungen in die Sichtbarkeit bringen.[8]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erdensubstanz – im christlichen Bekenntnis symbolisiert durch Brot und Wein – ist nach diesem Verständnis nicht nur die physische Grundlage für die Erd- und Menschheits-entwicklung. Vielmehr zeigt sich ihr zutiefst christlicher Charakter daran, dass sie dient: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* im mineralischen Zustand den Todesprozessen,&lt;br /&gt;
* in der Pflanzenwelt den Lebensprozessen,&lt;br /&gt;
* in der tierischen Natur den seelischen Äußerungen und der Bewegungsfähigkeit.&lt;br /&gt;
* Im Menschen aber wird sie „Geist tragend“.[9]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor diesem Hintergrund sind dann Sätze in dem genannten Werk wie der folgende zu verstehen: &#039;&#039;„[…] dann wird man durch Einfügung eines Erdenstoffes in den menschlichen Organismus oder durch Behandlung mit einer Erdentätigkeit bewirken können, dass die höheren Glieder der Menschenwesenheit sich ungehindert entfalten können, oder auch, dass die Erdenstofflichkeit an dem Zugefügten die nötige Unterstützung findet, um auf den Weg zu kommen, auf dem sie Grundlage wird für irdisches Wirken des Geistigen.“[10]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Spirituelle Chemie und Physik der Zukunft&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der Schrift &#039;&#039;„Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit“[11]&#039;&#039; – präzisiert Rudolf Steiner diesen Aspekt auch noch im Hinblick auf die Entwicklung der Substantialität der Erde: &#039;&#039;„Künftig werden Chemiker und Physiker kommen, welche Chemie und Physik nicht so lehren, wie man sie heute lehrt [...] sondern welche lehren werden: ‚Die Materie ist aufgebaut in dem Sinne, wie der Christus sie nach und nach angeordnet hat!‘ – Man wird den Christus bis in die Gesetze der Chemie und Physik hinein finden. Eine spirituelle Chemie, eine spirituelle Physik ist das, was in der Zukunft kommen wird. Heute erscheint das ganz gewiß vielen Leuten als eine Träumerei oder Schlimmeres.&#039;&#039; &#039;&#039;Aber was oft die Vernunft der kommenden Zeiten ist, das ist für die vorhergehenden Torheit.“[12]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese selbstlos dienende Haltung wird von den in der anthroposophischen Pharmazie und Medizin Tätigen auf dem anthroposophischen Schulungsweg geübt und prägt den spirituellen Charakter dieser Bereiche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Heilsam wirken durch umfassende Kulturtherapie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin kann als Kulmination von Steiners Grundanliegen, heilsam zu wirken, gesehen werden. Alles, was er geschrieben und getan hat, stand und steht im Dienst einer umfassenden Kulturtherapie, die heilsam auf die zeitgeistigen pathologischen Tendenzen einwirken sollten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Rudolf Steiner unter Kulturpathologie verstand, stellte er im ersten Vortrag des Gründungskurses für die Waldorfpädagogik im August 1919 so dar: &#039;&#039;„Vergessen Sie nicht, indem Sie sich Ihrer Aufgabe widmen, daß die ganze heutige Kultur, bis in die Sphäre des Geistigen hinein, gestellt ist auf den Egoismus der Menschheit. [. . .] Wir leben in der Zeit, in der dieser Appell an den menschlichen Egoismus in allen Sphären bekämpft werden muß, wenn die Menschen nicht auf dem&#039;&#039; &#039;&#039;absteigenden Wege der Kultur, auf dem sie heute gehen, immer mehr und mehr abwärts gehen sollen.“[13]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; In Philosophie und Geistesleben ====&lt;br /&gt;
Im philosophischen Werk Steiners wird die Grundlage zur Kulturtherapie in Form eines tiefgreifenden Autonomieverständnisses gelegt. Freiheit und Liebe, die zur Selbstlosigkeit fähig sind, stehen dabei als menschliche Entwicklungsziele an zentraler Stelle. Sie sind Ausdruck menschlicher Würde und geistiger Gesundheit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; In der Pädagogik ====&lt;br /&gt;
Entsprechend wird im Zusammenhang von Steiners Darstellungen zur &#039;&#039;„Allgemeinen Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik“[14]&#039;&#039; eine ‚Physiologie und Psychologie der Freiheit‘ veranlagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; In der Kunst als Therapie ====&lt;br /&gt;
Und auch die künstlerische Tätigkeit versteht Steiner nicht als ästhetischen Selbstzweck. Sie hat Bewusstsein weckenden Charakter und mündet in allen Bereichen in therapeutische Wirksamkeit, wie in EH am Beispiel der Heileurythmie in Kapitel XVIII gezeigt wird. Der Leiter der Kolisko-Akademie, &#039;&#039;Armin Husemann&#039;&#039;, hat diesem Impuls einer therapeutisch ausgerichteten &#039;&#039;„Menschenwissenschaft durch Kunst“&#039;&#039; sein Lebenswerk gewidmet.[15]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[16]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?,&#039;&#039; GA 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Geheimwissenschaft im Umriss&#039;&#039;, GA 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Ebenda, Seite 219–225, 251–256 sowie 351–353.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit,&#039;&#039; GA 15.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Neues Testament, &#039;&#039;Johannes Kap. 1, 3.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen&#039;&#039;, GA 27, Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Christian Morgenstern (1871–1914) hat diesem dienenden Geschehen sein Gedicht &#039;&#039;Fußwaschung&#039;&#039; gewidmet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. Harlan, (2008).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Siehe FN1, S. 12.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit,&#039;&#039; GA 15.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Ebenda, S. 46.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik&#039;&#039;, GA 293, 26 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik&#039;&#039;, GA 293.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[15] Vgl. A. Husemann (2007 und 2024).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[16] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ANSPRUCH UND AUFGABE DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen Anspruch hat die Anthroposophische Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worin sieht sie ihre Aufgabe?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was war laut Rudolf Steiner das entscheidend Neue?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Bemühen der Anthroposophischen Medizin&#039;&#039; &#039;&#039;um mehr Menschlichkeit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin ist ein Kind des 20. Jahrhunderts. Sie hat den Anspruch, naturwissenschaftliche, philosophische und spirituelle Erkenntnisse und deren therapeutische Anwendungen in ein ganzheitliches Konzept zu integrieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als eigenständige medizinische Bewegung hat sie jedoch erst gut 80 Jahre Entwicklung hinter sich, weswegen sie noch nicht so breit im allgemeinen Bewusstsein verankert ist wie beispielsweise die Homöopathie. Darüber hinaus ist die Bezeichnung „Anthroposophische Medizin“ etwas schwer verständlich. Der Begriff „Homöopathie“ hat sich aus dem prinzipiellen Gegensatz zur gängigen „Allopathie“ gebildet. Er orientiert sich am Simile-Prinzip. „Anthroposophisch&amp;quot; heißt hingegen in der schlichtesten Übersetzung aus dem Griechischen einfach nur „menschlich&amp;quot;. Entsprechend hat sich die Anthroposophische Medizin zur Aufgabe gesetzt, im Umgang mit Krankheit und Gesundheit in Theorie und Praxis das Bewusstsein und die Entwicklung von mehr Menschlichkeit ins Zentrum allen Bemühens zu stellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wesensglieder-Diagnostik als neue Perspektive&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner war es wichtig, die Wesensglieder-Diagnostik und die sich daran anschließende Therapiefindung als das entscheidend Neue zu sehen, das durch die Anthroposophie in den gegenwärtigen Medizinbetrieb hereinkommen kann. Es ging ihm nicht primär darum, neue und womöglich wirksamere Medikamente zu finden für dieses und jenes. Vielmehr wollte er vermitteln, dass die Medizin durch ein Menschenbild bereichert werden kann, das befähigt, den Menschen primär als geistiges Wesen zu begreifen und ihn dadurch in Gesundheit und Krankheit neu zu sehen und behandeln zu lernen.[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Kapitel I von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; heißt es: &#039;&#039;„Der Mensch ist, was er ist, durch Leib, Ätherleib, Seele (astralischer Leib) und Ich (Geist).&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Er muss als Gesunder aus diesen Gliedern heraus angeschaut;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;er muss als Kranker in dem gestörten Gleichgewicht dieser Glieder wahrgenommen;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;es müssen zu seiner Gesundheit Heilmittel gefunden werden, die das gestörte Gleichgewicht wieder herstellen.“[2]&amp;lt;sup&amp;gt;,&amp;lt;/sup&amp;gt; [3]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anthroposophisch-medizinische Therapieansatz kann zudem sowohl alternativ als auch kombiniert mit schulmedizinischer Behandlung zur Anwendung kommen und erfreuliche Besserungen erzielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Erkrankung und Heilung als Kreisprozess verstehen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Methodisch kommt es Rudolf Steiner und Ita Wegman also darauf an, den Prozess der Erkrankung und den Prozess der Heilung als einen einzigen Kreisprozess zu verstehen, in dem der Organismus von Heilmitteln und Krankheitsdiät unterstützt werden muss, um wieder in den „Zustand der Gesundheit“ versetzt zu werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Die Erkrankung beginnt mit einer Irregularität in der Zusammensetzung des menschlichen Organismus mit Bezug auf seine in diesem Buch beschriebenen Teile. Sie ist an einem bestimmten Punkte angekommen, wenn man den Kranken in Behandlung bekommt. Man hat nun dafür zu sorgen, dass alle Vorgänge, die sich seit dem Beginn der Krankheit im menschlichen Organismus abgespielt haben, wieder zurückverlaufen, so dass man zuletzt bei dem Zustande der Gesundheit anlangt, in dem der Organismus vorher war. […] Die Heilmittel müssen daher so beschaffen sein, dass sie nicht nur den Krankheitsprozess zurücklaufen lassen, sondern auch die sich herabstimmende Vitalität wieder unterstützen. Einen Teil der letzteren Wirkung wird man der Krankheitsdiät überlassen müssen. Doch ist in der Regel bei ernsteren Krankheitsfällen der Organismus nicht gestimmt, in der Verarbeitung der Nahrungsmittel genügend Vitalität zu entwickeln. Es wird daher notwendig sein, auch die eigentliche Therapie so einzurichten, dass der Organismus in dieser Beziehung seine Unterstützung findet. […] Im Krankheitsverlaufe ist nicht nur der lokalisierte Krankheitsprozess, sondern die Gesamtveränderung des Organismus zu berücksichtigen und diese in den rückläufigen Prozess einzubeziehen. Wie das im Einzelnen zu denken ist, werden bestimmte Fälle, die wir nun charakterisieren wollen, zeigen.“&#039;&#039;[4] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;An der Heilung des erkrankten Planeten mitwirken&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Ruf nach einer menschengemäßen Medizin steht mit vielen Bestrebungen der letzten Jahrzehnte im Konsens.  So schreibt der berühmte  amerikanische Kardiologe &#039;&#039;Bernard Lown&#039;&#039; im Vorwort seines Medizin-Bestsellers &#039;&#039;„Die verlorene Kunst des Heilens&amp;quot;:[1]„Dieses Buch möge als ein  Kompass dienen (...), indem es eine Medizin beschreibt, in welcher der Mensch im Mittelpunkt aller wissenschaftlichen Dienstleistungen steht – nämlich ein modernes Gesundheitswesen mit einem menschlichen Gesicht.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lown nennt die heutigen großen Probleme beim Namen: Die ungerechte Weltordnung, die bewirkt, dass sich auch im neuen Jahrhundert die Kluft zwischen den armen Entwicklungsländern und den reichen Industrienationen immer schneller vertieft und viel zu viele der sieben Milliarden Menschen auf der Welt in einer quälenden, erbarmungslosen und erniedrigenden Armut leben. Er fordert von den Ärzten, aktiv beim Aufarbeiten der sozialen Missstände mitzuwirken sowie bei der Heilung unseres erkrankten Planeten. Das Wort des deutschen Pathologen &#039;&#039;Rudolf Virchow&#039;&#039; ist ihm Vorbild, dass Politik eine „Medizin im Großen&amp;quot; ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie aber wird eine medizinische Denkweise und Methode erarbeitet, die solches leisten kann?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztlich kann doch nur ein neues Denken über die alten, unerbittlich wachsenden Probleme dazu führen, diese nachhaltig zu lösen. Anthroposophische Medizin möchte in aller Konsequenz dazu beitragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Physiologisch-Therapeutisches auf Grundlage der Geisteswissenschaft. Zur Therapie und Hygiene,&#039;&#039; GA 314, S. 29 und S. 226 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, S. 12.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Formatierung Katharina Offenborn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe FN 2, S. 89f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Bernard Lown, &#039;&#039;Die verlorene Kunst des Heilens,&#039;&#039; Berlin 2002.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== GESUNDHEITSWISSENSCHAFTLICHER ANSATZ DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Bereiche umfasst der gesundheitswissenschaftliche Ansatz der Anthroposophischen Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht dabei um drei Bereiche:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Um den Bereich des Ätherisch-Lebendigen und die hier agierenden &#039;&#039;&#039;Rhythmen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
# Um das Zusammenspiel der Wesensglieder im so genannten &#039;&#039;&#039;dreigliedrigen Organismus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
# Um eine dem Menschengeist gemäße &#039;&#039;&#039;Erziehung und Selbsterziehung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;AD 1. ZUR RHYTHMUSFORSCHUNG&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gunther Hildebrandt&#039;&#039;, einer der führenden Rhythmus-Forscher im 20. Jahrhundert, hat sein Lebenswerk als Physiologe der systematischen Erarbeitung der rhythmischen Funktionen und deren adaptiven, erholsamen und stabilisierenden Wirkungen gewidmet.[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hatte in einer Vortragsnachschrift von Steiner gelesen, dass die rhythmische Organisation des Menschen ihren Ausdruck findet im Rhythmus der Blutzirkulation und dem Atemrhythmus und dass dieser Zusammenhang zu wenig beachtet wird. Beim erwachsenen Menschen haben diese beiden Rhythmen das Verhältnis 4:1. Das ist natürlich nur ein approximativer Durchschnittswert, der allerdings in seinen Abweichungen Auskunft gibt über Gesundheit und Krankheit des individuellen menschlichen Organismus. Diesen Hinweisen Steiners ist Hildebrandt mit den Methoden der Chronobiologie und der Rhythmusforschung nachgegangen. Anhand seiner Resultate konnte er belegen, wie sehr die anthroposophische Geisteswissenschaft mit der akademischen Naturwissenschaft übereinstimmt und dass sich neue Möglichkeiten des Verstehens erschließen, wenn man beide methodisch ernst nimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Rhythmusforschung am Beispiel Schlaf&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Hildebrandt konnte nachweisen, dass die Schlaferholung als zentral koordinierter Prozess nicht allein aus biochemischen und physiologischen Gesichtspunkten heraus erklärbar ist, sondern dass Selbstordnungsprinzipien am Geschehen beteiligt sind, die eine rhythmische Zeitstruktur haben und prozessual in Richtung Heilung oder Krankheit stimulierbar sind. Er konnte in vielfach bestätigten Befunden nachweisen, dass im Verlauf des Nachtschlafes die ganzzahlige Frequenzabstimmung zwischen Herz- und Atemrhythmus des gesunden Organismus bei jedem Menschen wieder hergestellt wird, und zwar unabhängig von der Richtung der am Tage aufgetretenen Abweichungen. Dasselbe konnte Hildebrandt auch hinsichtlich der ganzzahligen Frequenzabstimmungen von Atem- und Blutdruckrhythmus sowie von Blutdruckrhythmus und Minutenrhythmus der peripheren Durchblutung nachweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Arbeitsrhythmen der Wesensglieder und autochrone Biorhythmen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Des Weiteren konnte Hildebrandt zeigen, dass die von Steiner erforschten basalen Arbeitsrhythmen der Wesensglieder tatsächlich den evidenten, adaptiven und autochronen Biorhythmen des Menschen entsprechen. Auch konnte er belegen, dass diese hygiogenetischen Prozesse in der Regel reaktiv ausgelöst werden und ihre Zeitstruktur nicht von den Eigenrhythmen der Wesensglieder bestimmt werden, sondern reaktiv von deren harmonischen Frequenzmultiplen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Jahresrhythmen unter Einfluss des physischen Leibes ====&lt;br /&gt;
Regenerative und adaptive Rhythmen des physischen Leibes hängen mit dem Jahreslauf der Sonne sowie der annualen Rhythmik zusammen. Die heteronomen trophisch-plastischen Wachstumsprozesse mit der submultiplen Periodendauer des Jahresrhythmus werden überwiegend von den Einflüssen bestimmt, die der physische Leib auf die hygiogenetische Aktivität des Ätherleibes hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; 7-Tage-Rhythmus bestimmt vom Ätherleib ====&lt;br /&gt;
Regenerative und adaptive Rhythmen des ätherischen Leibes entsprechen dem Monatsrhythmus sowie der lunaren Rhythmik. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Monatsrhythmus bestimmt vom Astralleib ====&lt;br /&gt;
Adaptive und regenerative Rhythmen des Astralleibes von 7 Tagen entsprechen dem Wochenrhythmus, der zirkaheptanen Rhythmik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Rhythmisches Zusammenspiel von Ätherleib und Astralleib&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Die eigentlichen heilenden Prozesse, die sich als normgerichtete Regenerationsvorgänge äußern und eine funktionelle Normalisierung herbeiführen, werden im Zusammenwirken von Ätherleib und astralischem Leib zeitlich gegliedert. Ausdruck dieses Zusammenwirkens ist die Tatsache, dass der spontane Eigenrhythmus des Astralleibes mit 7 Tagen Periodendauer zugleich eine Submultiple des ätherischen Monatsrhythmus darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Eigenrhythmen der beiden Wesensglieder stehen bemerkenswerterweise auch im doppel-oktavischen harmonischen Verhältnis von 4:1. Das vielfach nachgewiesene Vorherrschen der zirkadianen Septanperiodik bei den spontanen und therapeutisch angestoßenen Selbstheilungsprozessen kann daher so gedeutet werden, dass der Astralleib mit seinem Eigenrhythmus den hygiogenetischen Prozessen eine Zeitstruktur vorgibt, der sich der Ätherleib durch Ausbildung einer submultiplen Periodik optimal einpasst.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; 24-Stunden-Rhythmen unter Führung der Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Adaptive und regenerative Rhythmen der Ich-Organisation entsprechen dem 24 Stunden-Rhythmus, der zirkadianen Rhythmik. Seine Forschungsergebnisse zusammenfassend führt Hildebrandt aus, dass die verschiedenen, stoffwechselbedingten Erholungsprozesse mit einer Periodendauer unter 24 Stunden, die dem Bestand und der Gesunderhaltung des Organismus dienen, der zeitlichen Führung seitens der Ich-Organisation unterliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;AD 2. ZUR FUNKTIONELLEN DREIGLIEDERUNG&#039;&#039; &#039;&#039;DES MENSCHLICHEN ORGANISMUS&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Gedanke der funktionellen Dreigliederung des menschlichen Organismus geht auf eine dreißigjährige Forschung Steiners zurück, die er erstmals 1917 publizierte.[3] Der Anatom und Morphologe Johannes W. Rohen griff diese Anregung in seinen Lehrbüchern für die Medizinstudenten auf.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Sichtweise des menschlichen Organismus verknüpft drei Aspekte miteinander:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Sie macht den polaren Bau des menschlichen Organismus funktionell und morphologisch transparent.&lt;br /&gt;
# Sie liefert eine pathologisch und therapeutisch relevante Erklärung des Leib-Seele-Problems.&lt;br /&gt;
# Sie führt nicht nur zu einer neuen Sicht auf die Entstehung von Krankheit, sondern auch zu einem Konzept für die Entstehung von Gesundheit (Salutogenese, Hygiogenese).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Polarität und ausgleichende Prozesse&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Morphologisch betrachtet sind die Rundheit der Schädelform und die radiale Form der Gliedmaßen echte Polaritäten. Entsprechend polar stehen auch die bewussten, im Kopf zentrierten Denk- und Sinnestätigkeiten den unterhalb des Zwerchfells lokalisierten unbewussten metabolischen Auf- und Abbauvorgängen gegenüber. Dazwischen entfalten sich die rhythmischen Transport- und Verteilungssysteme, wie sie von den Atmungsorganen und dem Herzen als Mittelpunkt des Kreislaufsystems ausgehen. Diese dreiteilige morphologische Grundgliederung bezeichnet Steiner mit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Nerven-Sinnes-System NSS&#039;&#039;&#039;: überwiegend im Kopf zentrierte &#039;&#039;„obere Organisation&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Rhythmisches System RS&#039;&#039;&#039;: überwiegend im Thorax lokalisierte &#039;&#039;„mittl. Organisation&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Stoffwechselsystem&#039;&#039;&#039;: überwiegend im Abdomen lokalisierte &#039;&#039;„untere Organisation&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Dreigliederung entspricht bereits die Polarität von Ektoderm und Entoderm und den sich aus dem Zusammenspiel beider ergebenden sekundären mesodermalen Strukturen in der Embryonalentwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Dreigliederung findet sich auch in der Formation des Skelettes wieder: Wirbelsäule und Brustkorb haben einen rhythmisch gegliederten Aufbau (Wirbel, Rippen), im Gegensatz zur radialen Form der Extremitäten und der sphärischen des Kopfes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die zeitlich-prozessuale und damit auch die physiologisch-biochemische Betrachtung ist jedoch das jeweils spezifisches Zusammenwirken der vier Wesensglieder in den drei Regionen des Körpers entscheidend:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbstverständlich gehört der Nervenzell-Stoffwechsel den Stoffwechselfunktionen an und umgekehrt ist das vegetative Nervensystem, das wahrnehmend und regulierend auf das gesamte Stoffwechselgeschehen einwirkt, Bestandteil des Nervensinnessystems.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entsprechend ist das rhythmische System mit seinen Funktionsleistungen auch im Nervensinnes-System und beim Stoffwechsel wirksam. Es stellt mit den kurzwelligen Rhythmen der elektrochemischen Hirnpotentiale im Sekundenbereich und den langwelligen Eigenrhythmen der Stoffwechselorgane (z.B. Magen / Darmmotilität) im Stundenbereich die gesamte rhythmische Funktionsordnung im dreigliedrigen Organismus dar. Bei der Dreigliederung handelt es sich also nicht um eine Dreiteilung, sondern um eine funktionelle Gliederung, die sich gleichzeitig räumlich im polaren Aufbau des Körpers abbildet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zusammenspiel der Wesensglieder im dreigliedrigen Organismus&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Werden die Funktionen des Nerven-Sinnes- und des Stoffwechselsystems mithilfe des rhythmischen Systems nicht genügend aufeinander abgestimmt, so tritt Krankheit auf:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Derjenige wird den menschlichen Organismus in seinem gesunden und kranken Zustand – oder besser gesagt: in seinem Gesund-Sein und seinem Gesund-Werden – nicht eigentlich verstehen können, der nicht berücksichtigt, dass die so genannten normalen Funktionen im Grunde nur Metamorphosen sind, auch derjenigen, die wir hervorrufen müssen, um pathologischen Zuständen zu begegnen&amp;quot;&#039;&#039;.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hildebrandt machte darauf aufmerksam, dass diese Aussage Steiners im Prinzip dem so genannten ersten Hauptsatz der Naturheilkunde entspricht, wie er zum Beispiel von Groote formuliert wurde: &#039;&#039;„Das, was den Gesunden gesund erhält, ist auch geeignet, den Kranken wieder gesund zu machen&amp;quot;&#039;&#039;.[6]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Inkarnierende und exkarnierende Wesensgliedertätigkeit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das Steinersche Paradigma von der Metamorphose der „inkarnierenden&amp;quot; Wesensgliedertätigkeit in die „exkarnierende&amp;quot;, die das seelisch-geistige Leben ermöglicht, ist einerseits Grundlage für ein neues Verständnis des Leib-Seele-Zusammenhangs. Es bietet aber auch bisher nicht dagewesene Möglichkeiten, die Fachgebiete der Erziehungswissenschaften und Medizin in ihrem Zusammenhang zu verstehen und für die Weiterentwicklung von Therapie und Pädagogik zu nutzen. Denken, Fühlen und Wollen als seelisch-erfahrbare Qualitäten werden in ihrem Leibbezug durchschaubar:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Der &#039;&#039;&#039;Ätherleib&#039;&#039;&#039; kann damit als &#039;&#039;Träger des Gedankenlebens&#039;&#039; erkannt werden,&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;&#039;Astralleib&#039;&#039;&#039; als &#039;&#039;Träger des Gefühlslebens&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* und die &#039;&#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;&#039; als &#039;&#039;Träger des Wollens bzw. Tuns&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die inkarnierende Wesensgliedertätigkeit ermöglicht Selbsterfahrung und ist somit die Grundlage von Selbstbewusstsein im Leib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die exkarnierende Wesensgliedertätigkeit, deren Medium das Denken ist, das „Leben im Geiste&amp;quot;, ist Grundlage für die Entwicklung eines bewussten, vom Leib emanzipierten, persönlichen Innenlebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die inkarnierende und die exkarnierende Wesensgliedertätigkeit hängen eng zusammen im Kontext der Entwicklung des Menschen. So entwickelt sich z.B. unser Denken erst aus der schrittweisen Emanzipation des Ätherleibes – von der leibgerichteten Tätigkeit hin zur leibfreien, rein gedanklichen Tätigkeit.[7] Wird die gesunde Inkarnation des Ätherleibes durch die Erziehung nicht unterstützt, sondern behindert durch kognitives Frühtraining und die Förderung abstrakten Denkens, emanzipiert sich der Ätherleib zu früh und ein Mangel an Vitalität in der zweiten Lebenshälfte ist die Folge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Alles hat seine Zeit&amp;quot; ist daher die Grundlage der Waldorfpädagogik und ihres altersspezifischen Lehrplans.[8](besser nicht in kursiv).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entwicklungsgerechte Förderung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Organsysteme des menschlichen Organismus bedürfen einer entwicklungsgerechten, altersspezifischen Förderung, um sich gesund aufbauen und genügend ausreifen zu können. Nur dadurch kann die Inkarnation aller Wesensglieder optimal gewährleistet werden. Damit wird auch die physiologische Lockerung der Wesensglieder im letzten Lebensdrittel auf möglichst gesunderhaltende Art und Weise vorbereitet. Jeder alternde Organismus hat zwar die Disposition zu chronischen Erkrankungen des älteren Menschen, ob es jedoch zum Ausbruch einer entsprechenden Krankheit kommt bzw. welchen Schweregrad sie erreicht, ist bis zu einem gewissen Grad abhängig davon, wie das Kind oder der Jugendliche die Zeit der Inkarnation der Wesensglieder durchlaufen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiteres Kriterium ist die Frage, ob in der Lebensmitte durch geistige Aktivität Lebensfragen und Konflikte so verarbeitet wurden, dass die zur Gesunderhaltung von Leib und Seele nötige Übereinstimmung mit sich und dem Schicksal hergestellt werden konnte. Aaron Antonovsky spricht von der Notwendigkeit, ein „Kohärenzgefühl“ sich und seinen Lebensumständen gegenüber zu erwerben.[9]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;AD 3.&#039;&#039; &#039;&#039;ERZIEHUNG UND SELBSTERZIEHUNG ALS QUELLE SALUTOGENER KOMPETENZ&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die von Rudolf Steiner konsequent verfolgte These einer Erziehung zur Freiheit und einer Lehre von der Gesundheit, basierend auf der Auseinandersetzung mit den Herausforderungen des Lebens auf geistiger, seelischer und körperlicher Ebene, erfährt auf vielfältige Weise Bestätigung durch:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Hygiogenese&#039;&#039;&#039; (Hildebrandt 1985),&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Salutogenese&#039;&#039;&#039; (Antonovsky 1997)&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Resilienzforschung&#039;&#039;&#039; (Opp/Fingerle/Freytag 1999)&lt;br /&gt;
* sowie die &#039;&#039;&#039;Erforschung der seelischen Gesundheit&#039;&#039;&#039; durch die humanistische Psychologie (Maslow 1981).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Erforschung der seelischen Gesundheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Maslow fand bei seinen Untersuchungen zur seelischen Gesundheit heraus, dass Menschen mit einer gesunden seelischen Gesamtverfassung sach- und nicht ich-bezogen handeln, dass sie tolerant und wahrhaftig sind, sich herzlich freuen, staunen und Dinge und Menschen bewundern können, dass sie Gefühle der Devotion aufbringen. Ihnen ist gemeinsam, dass sie auf die eine oder andere Art auf eine spirituelle Höhepunkt-Erfahrung, die so genannte Peak-Experience, zurückschauen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Maslow konnte zeigen, in wie hohem Maße die Arbeit an der eigenen Persönlichkeit und die persönliche Reife Einfluss auf den körperlichen Gesundheitszustand haben.[10]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Salutogenese – die Lehre von der Gesundheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Antonovsky entwickelte in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts seine Theorie der Salutogenese. Er untersuchte die Bedingungen für das Entstehen von Gesundheit und wählte als Kernbegriff den „Sense of Coherence“ – das Kohärenzgefühl. Die Entstehung von Kohärenzgefühls unterliegt drei Vorbedingungen: Die Welt muss als&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* verstehbar&lt;br /&gt;
* sinnhaft&lt;br /&gt;
* handhabbar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
erlebt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder in der Gesundheitsforschung Tätige kommt früher oder später zu der Überzeugung, dass Gesundheit ein labiler Zustand ist, der vom Individuum aktiv erhalten werden muss. Diese Auffassung steht im Gegensatz zum konventionellen, pathogenetischen Postulat, dass ein gesunder Organismus sich in „normaler&amp;quot;, geordneter Homöostase befindet, die durch eine Krankheit aus dem Gleichgewicht gebracht wird. Antonovsky stellt dem entgegen, dass es den geordneten Zustand der Homöostase nicht gibt, dass Gesundheit vielmehr das ständige Ringen mit heterostatischen Zuständen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er schreibt: &#039;&#039;„Zu jedem Zeitpunkt kann mindestens ein Drittel, möglicherweise mehr als die Hälfte der Bevölkerung in den Industrienationen aufgrund des einleuchtenden Parameters eines pathologischen Merkmals als krank bezeichnet werden. Das zeigt, dass Krankheit keine relativ seltene Abweichung irgendeiner Norm, sondern ein ubiquitäres Phänomen ist&amp;quot;&#039;&#039;.[11]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit ist so gesehen nicht die Abwesenheit von Krankheit, sondern die Beherrschung und Kompensierung vorhandener Krankheitstendenzen. Für diese gesundheitswissenschaftliche Sicht bietet das Konzept der Wesensglieder und ihr differenziertes Zusammenwirken im dreigliedrigen Organismus das notwendige theoretische und praxisrelevante Instrumentarium. Hinzu kommt, dass das Wesensgliederkonzept bisher das einzige Konzept ist, das dem denkenden Begreifen den Leib-Seele-Geist-Zusammenhang voll erschließen kann und die These von der „Blackbox&amp;quot; begründet hinterfragt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Amelung, W. / Hildebrandt, G. (Hrsg.), Balneologie und medizinische Klimatologie, Berlin 1985.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Gunther Hildebrandt, &#039;&#039;Physiologische Grundlagen der Hygiogenese&#039;&#039;, in: Peter Heusser (Hrsg.), &#039;&#039;Akademische Forschung in der anthroposophischen Medizin&#039;&#039;. Beispiel Hygiogenese: Natur- und geisteswissenschaftliche Zugänge zur Selbstheilungskraft des Menschen, Bern 1999.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Von Seelenrätseln&#039;&#039;, GA 21.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Johannes W. Rohen, &#039;&#039;Morphologie des menschlichen Organismus. Versuch einer goetheanischen Gestaltlehre des Menschen,&#039;&#039; Stuttgart 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Anthroposophische Grundlagen für ein erneuertes christlich-religiöses Wirken&#039;&#039;, GA 342, Dornach 1993.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] L. R. Groote, K. E. Rothschuh, &#039;&#039;Der Arzt im Angesicht von Leben, Krankheit und Tod&#039;&#039;, hrsg. von K. E. Rothschuh, Stuttgart 1961.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkt der Geisteswissenschaft&#039;&#039; in: &#039;&#039;Lucifer - Gnosis&#039;&#039;. 1903-1908, Dornach 1987;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M. Glöckler, &#039;&#039;Gesundheit und Schule. Schulärztliche Tätigkeit an Waldorf- und Rudolf-Steiner- Schulen.&#039;&#039; Dornach 1998.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Tobias Richter, &#039;&#039;Lehrplan&#039;&#039;, Stuttgart 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Aaron Antonovsky, &#039;&#039;Salutogenese. Zur Entmystifizierung der Gesundheit&#039;&#039;, Tübingen 1987.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Abraham Maslow, &#039;&#039;Motivation und Persönlichkeit&#039;&#039;, Hamburg 1981.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Siehe Fußnote 9.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== METHODISCHE GRUNDLAGEN DES ANTHROPOSOPHISCHEN ANSATZES ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worin wurzelt die Methodik des anthroposophischen Ansatzes?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wurzeln des anthroposophischen Ansatzes&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der anthroposophische Ansatz hat seine Wurzeln in der abendländischen Philosophie und der Erkenntnisdramatik des 20. Jahrhunderts. Er bemüht sich um ein spirituelles Verständnis von Mensch und Welt über die Weiterentwicklung des Denkens zu einer unmittelbaren geistigen Anschauung, von Steiner „Imagination“ genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Anthroposophische Medizin ====&lt;br /&gt;
Anthroposophische Medizin hat zum Ziel, sich am Menschen selbst zu orientieren und seinem Heilbedarf auf die jeweils bestmögliche Art zu entsprechen. So greift der konsequent integrativ-medizinische Ansatz nicht nur die verschiedenen Erkenntnis-, Erfahrungs- und Daseinsebenen des Menschen auf, sondern verfügt auch über eine Diversität methodischer Zugänge. Im Sinne des Goethe‘schen Paradigmas bedeutet das, die Art der Betrachtung von der Art des zu Betrachtenden abhängig zu machen. Da der Mensch selbst ein so vielschichtiges und kompliziertes Wesen ist, bedarf es zu seiner Erforschung und Beschreibung die dem jeweiligen Objekt der Erkenntnis angemessene Methode. Allerdings müssen die so erforschten Einzelaspekte dann untereinander vernetzt und konzeptionell so verknüpft werden, dass eine Ganzheit entsteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Die Medizin des 21. Jahrhunderts muss wieder neu den Menschen entdecken, der immer mehr in ultrastrukturelle Teile zerbricht, weil ihr eine auf die Ganzheit gerichtete Erkenntnismethode – die intuitive – fehlt“.&#039;&#039;[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Menschen in seiner Totalität zu erfassen, ist ohne Intuition und Empathie nicht möglich. Diese Ganzheit dann aber je nach Fragestellung und Blickwinkel methodisch und inhaltlich zu gliedern und auch deduktiv zugänglich zu machen, bedarf eines differenzierten Erkenntnisansatzes, wie er in den methodischen Grundlagen der anthroposophischen Geisteswissenschaft vorliegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Anthroposophische Geisteswissenschaft ====&lt;br /&gt;
Anthroposophische Geisteswissenschaft vermittelt keine „fertige&amp;quot; Weltanschauung. Vielmehr lehrt sie, sich eine eigene Weltsicht zu erarbeiten, indem sie bei der Ausbildung des „Selber-Denkens&amp;quot; ansetzt. Mit Hilfe dieses Ansatzes kann jeder Fragen aufgreifen, die ihn im Zusammenhang mit der eigenen Religion oder spirituellen Heilweise interessieren. So gibt es nicht nur Schulmediziner, sondern auch Homöopathen und Vertreter anderer Therapierichtungen, die sich zu anthroposophischen Ärzten weiterbilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Anthroposophische Arzneimittel ====&lt;br /&gt;
Aufgrund des integrativ-medizinischen Ansatzes können die Arzneimittel der anthroposo­phischen Therapierichtung weder methodisch noch von den Stoffgruppen her klar abgegrenzt werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Beispiel wird eine Vielzahl von Arzneimitteln aus natürlichen Rohstoffen hergestellt, ohne dass Anthroposophische Medizin deshalb identisch mit der Naturheilkunde wäre. Es werden über 250 Heilpflanzen verarbeitet, dennoch ist Anthroposophische Medizin keine Phytotherapie. Denn im gesamten Arzneimittelschatz haben gerade die aus natürlichen mineralischen Rohstoffen hergestellten Präparate eine besondere Bedeutung. Schließlich ist Anthroposophische Medizin auch nicht mit der Homöopathie identisch, obwohl sie mit ihr – in modifizierter Form – die Technik des Potenzierens und die Potenzbezeichnung für sehr viele mineralische, pflanzliche und einige tierische Arzneimittel gemeinsam hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch liegt eine größere Anzahl von Präparaten in konzentriert-stofflicher Form vor, allen voran die Präparate aus der weißbeerigen Mistel zur Krebsbehandlung oder das gern gebrauchte Mittel zur Kreislaufregulation Cardiodoron®. Dennoch ist die anthroposophische Therapierichtung nicht zu der allopathischen zu rechnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Volker Fintelmann, &#039;&#039;Intuitive Medizin,&#039;&#039; Hippokrates Verlag, Stuttgart: 1. Aufl. 1987, 5. Aufl. 2007.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== NOTWENDIGER PARADIGMENWECHSEL IN DER MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Warum bedarf die Schulmedizin einer Ergänzung durch eine ganzheitliche Sicht auf den Menschen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern kann die Anthroposophische Medizin zu einem Paradigmenwechsel beitragen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Notwendige Demokratisierung des Gesundheitswesens&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das naturwissenschaftliche medizinische System orientiert sich an der Pathologie. Aus wirtschaftlicher Perspektive folgt daraus: Je mehr Diagnostik und Therapie betrieben werden, umso so mehr Umsatz kann gemacht werden. Anders ausgedrückt: Mit der Krankheit Geld zu verdienen, fördert das Krankheitswesen. Würde man jedoch mit Prävention und Gesundheitsstrategien Umsätze machen und dafür in eine Gesundheitskasse einzahlen, würde dies entschieden zur Volksgesundheit beitragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner forderte bereits 1920 eine &#039;&#039;„Demokratisierung des Gesundheitswesens“.[1]&#039;&#039; Ärzte, Apotheker, Hersteller und Verbraucher sind gefragt, gemeinsam und in Partnerschaft mit den Patienten bzw. Vertretern der Zivilgesellschaft Mitverantwortung für die Gestaltung des Gesundheitswesens zu übernehmen und für die hierzu erforderliche Methodenvielfalt und Therapiefreiheit einzutreten.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Auf Prävention fokussieren&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Paradigmenwechsel könnte sich allem voran darin äußern, dass man der Gesundheitsforschung höchste Priorität gibt. Dies erfordert aber eine ganzheitliche Sicht auf den Menschen, weil Gesundheit nicht auf molekularer Ebene entsteht, sondern das komplexe Ergebnis des Zusammenwirkens geistiger, seelischer, ökologischer und körperlicher Vorgänge ist. Es gehört aber auch eine „physiologische Denkweise dazu“, die dies vermitteln kann. Diese bietet die Anthroposophische Medizin. Als Kinderärztin erlebte ich in der Praxis immer wieder mit Freude, wie lebens- und entwicklungsfreundlich diese physiologische Denkweise und das integrative Menschenbild der Anthroposophischen Medizin sind. Hierzu drei Beispiele:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== •  Vitamin D ====&lt;br /&gt;
Als das Vitamin D entdeckt wurde, reiste der anthroposophische Kinderarzt &#039;&#039;Wilhelm zur Linden&#039;&#039; von Kongress zu Kongress und informierte seine Kollegen, dass die Dosen, die sie den Kindern verabreichten – Vigantolstöße genannt – viel zu hoch und unphysiologisch wären und den Kindern nicht nur nützen, sondern auch schaden würden. Seine Warnungen blieben über Jahre ungehört – bis Studien und Beobachtungen in der Praxis endlich zeigten, wie recht er hatte.[3] Doch bis dahin hatten unzählige Kinder bereits Schaden genommen. Man hätte das durch eine gesunde Denkweise vermeiden können. denn später machte schließlich genau das, was zur Linden ganz zu Anfang schon empfohlen hatte: Man gab kleine, der Physiologie angenäherte Dosen, wie der Körper sie selbst bilden könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;•  &#039;&#039;&#039;Fieberbehandlung ====&lt;br /&gt;
Ein weiteres Beispiel betrifft die Fieberbehandlung. Als ich mein Kinderärzte-Staatsexamen machte, mussten wir noch ankreuzen, dass Fieber eine Krankheit ist, die fiebersenkend, antipyretisch behandelt werden müsse, sonst wäre die Antwort falsch gewesen. Für das Facharzt-Examen besorgte ich mir dann die neueste Auflage der Kinderheilkunde von Professor Simonis. Dort las ich, nur der unerfahrene Kinderarzt würde bei jedem Fieber ein fiebersenkendes Mittel verordnen. Der erfahrene wisse, dass Fieber immunstimulierend wirkt und entscheidend zur Krankheitsbekämpfung beiträgt. Fieber sei ein natürliches Virostatikum und Antibiotikum. Bakterien und Viren sterben zwischen 39° und 40°. Man müsse das Fieber nur intelligent begleiten. Das belegen mittlerweile auch andere Studien weltweit.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Teil bis heute wurden und werden viele Kinder aber „falsch“ behandelt, obwohl man eigentlich weiß, dass es nicht gut ist! Und das nur, weil man im Medizinstudium nicht lernt, mit dem Organismus und im Sinne seiner Funktionen zu denken und zu fühlen und ihn in seinem Sosein optimal zu unterstützen. Selbstverständlich gibt man ein Antipyretikum, wenn man das Fieber nicht beherrschen kann. Aber das ist nur in wenigen Fällen nötig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== •  Antibiotika ====&lt;br /&gt;
Noch in meiner Facharztprüfung Anfang der Achtziger musste ich die Schulmeinung wiedergeben, dass jede Mittelohrentzündung/Otitis Media breitbandantibiotisch behandelt werden müsse, jede! Mit großen Hochglanzprospekten wurden die Forschungen dazu vorgestellt. Dieselben Firmen der Pharmaindustrie hatten jedoch Mitte der Neunziger Jahre plötzlich großes Interesse daran, genau das Gegenteil zu beweisen: Damals hatte die Antibiotikaresistenz bestimmter Krankheitserreger so zugenommen, dass es für die Firmen teurer war, neue Antibiotika zu entwickeln, als die Einbußen durch Nichtbehandeln hinzunehmen. So „durfte“ man jetzt vernünftig behandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophische Ärzte haben jedenfalls – ebenso wie ihre Kollegen in Homöopathie und Komplementärmedizin – durch ihren nicht routinemäßigen, sondern individuell abgewogenen Einsatz von fiebersenkenden Mitteln und Antibiotika seit langem einen nachahmenswerten Beitrag geleistet, der heute so viel diskutierten Antibiotika-Resistenzentwicklung entgegenzuwirken.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner sagte, die Ärzte der Zukunft werden Lehrer in Gesundheitswissenschaft sein und die Lehrer der Zukunft werden Präventionsärzte für die Heranwachsenden sein.[6] Das ist ein Konzept, an dem es sich zu arbeiten lohnt, für das ich mich zunehmend begeistern kann, weil es genau der Beitrag ist, den die Medizin der Gegenwart für ihren Paradigmenwechsel braucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Was ist Anthroposophische Medizin?, Verlag am Goetheanum 2017&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Hygiene als soziale Frage. In: Physiologisch-Therapeutisches auf Grundlage der Geisteswissenschaft.&#039;&#039; GA 314. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1989, S. 221 - 261.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Mehr dazu unter: www.eliant.eu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Eine ausführliche Darstellung der Vitamin-D-Schäden findet sich bei M.S. Seelig, &#039;&#039;Vitamin D and cardiovascular, renal and brain damage in infancy and childhood.&#039;&#039; Ann. New York Acad. Sci. 1969, 147:539 - 582.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Ilene Claudius, Larry J. Baraff, &#039;&#039;Pediatric emergencies associated with fever.&#039;&#039; Emergency Medicine Clinics of North America 28: S. 67 - 84, 2010.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Hamre, Harald J. / Glockmann, Anja / Schwarz, Reinhard / Riley, David S. / Baars, Eric W. / Kiene, Helmut / Kienle, Gunver S.: Antibiotic Use in Children with Acute Respiratory or Ear Infections: Prospective Observational Comparison of Anthroposophic and Conventional Treatment under Routine Primary Care Conditions. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine 2014: &amp;lt;nowiki&amp;gt;http://dx.doi.org/10.1155/2014/243801&amp;lt;/nowiki&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Siehe auch: &#039;&#039;Waldorfpädagogik und Anthroposophische Medizin&#039;&#039;. Schwerpunktheft „Der Merkurstab“ 4:2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FÜNF URSACHEN FÜR KRANKHEIT UND FÜNF WEGE ZUR HEILUNG ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Ursachen für Erkrankung gibt es laut Paracelsus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und welche Wege der Heilung sieht die Anthroposophische Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fünf Ursachen für Krankheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Schon &#039;&#039;Paracelsus&#039;&#039;&#039;[1]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; hat gesagt, der Mensch sei ein fünfgliedriges Pentagramm.[2] Entsprechend gibt es fünf Wege, gesund bzw. krank zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesen Gedanken habe ich versucht, in die Anthroposophische Medizin und in die heutige Zeit zu übertragen. Ich stelle also Paracelsus’ Beispiel mit den Worten des einundzwanzigsten Jahrhunderts dar:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Physischer Standpunkt ====&lt;br /&gt;
Der erste Arzt vertritt den physischen Standpunkt: &#039;&#039;„Das ist doch klar: Der Patient ist durch den Cholerabazillus infiziert worden und letztlich an nicht mehr beherrschbaren Komplikationen verstorben.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ätherischer Standpunkt ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Eines wundert mich“,&#039;&#039; sagt der Zweite, &#039;&#039;„wenn gesichert ist, dass der Patient an einem Bazillus gestorben ist, warum sind dann nicht alle gestorben, die sich angesteckt haben? Denn die meisten meiner Patienten sind nicht gestorben. Also ist klar, dass der Patient gestorben ist, weil seine Selbstregulation versagt hat. Deshalb konnten auch die Komplikationen nicht beherrscht werden. Die Krankheitsursache liegt eindeutig im Ätherischen. Seine Abwehr war zu schwach, er hatte ein Immundefizit. Der Patient ist an seiner immunologischen Inkompetenz gestorben.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Astralischer Standpunkt ====&lt;br /&gt;
Der dritte Arzt spricht vom Aspekt des Astralleibes her: &#039;&#039;„Liebe Kollegen, Immunkompetenz und Bazillenwirkung sind nicht das Ende der Medizin! Ich kann euch sagen, woran es liegt, dass das Immunsystem eines Menschen dekompensiert: Habt ihr noch nie etwas von der Psychoneuroimmunologie gehört? Meine Forschungsergebnisse belegen, dass positive Gefühle das Immunsystem stärken. Negative Gefühle lassen das Immunsystem früher oder später insuffizient werden. Die Ursache für den Choleratod liegt also in den negativen Gefühlen des Patienten. Er war bitter, kritisch, nörgelig – enttäuscht über sein Leben. Ihr habt ihn doch gekannt! Er war seelisch nicht besonders konstruktiv. Das hält doch kein Mensch auf Dauer aus. Der Cholerabazillus war nur der Effektor. Der Patient war eigentlich schon am Ende. Die Todesursache liegt also im Seelischen.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Standpunkt der Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Schließlich meldet sich ein Vierter und beleuchtet das Ganze vom Aspekt der Ich-Organisation her: &#039;&#039;„Ich könnte allem folgen, was ihr sagt, aber mich wundert, dass ihr meint, das wären die wirklichen Ursachen. Meine Erfahrung ist, dass es vom eigenen Identitätsbewusstsein abhängt, ob jemand bereit ist, an seinen negativen Gefühlen zu arbeiten. In meiner medizinischen Erfahrung habe ich gelernt, Patienten zu motivieren, an ihren negativen Gefühlen zu arbeiten und diese zu überwinden. Dadurch entwickeln sie immunologische Kompetenzen. Selbstüberwindung und die Bereitschaft, aus dem Negativen etwas Positives zu gewinnen, habe ich als das stärkste Wirkprinzip entdeckt. Diejenigen, die keine Lust am Lernen, an der Verwandlung, die keine Lust haben, auch das Negative als zum Leben gehörig zu betrachten, sondern sich immer nur darüber beklagen, werden früher oder später krank. Keine Seele hält es aus, wenn in ihr ein lahmes, inaktives Ich wohnt. Also sage ich: Der Patient ist daran gestorben, dass er sich zu wenig mit sich und seinem Leben identifizieren konnte.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Schicksalsstandpunkt ====&lt;br /&gt;
Der fünfte Arzt sagt: &#039;&#039;„Ich habe das Horoskop des Patienten konsultiert – das stand auf Krise. Man muss zwar bis zuletzt alles tun, was möglich ist – aber gegen das Schicksal und Gottes Ratschluss sind wir ohnmächtig.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun sind alle gespannt, was Paracelsus selber dazu sagen werde. Er überrascht seine Kollegen, indem er sagt: &#039;&#039;„De quinte entibus. Liebe Kollegen, es gibt fünf Wege zur Krankheit und entsprechend auch zur Heilung. Deswegen habt ihr alle fünf recht.“ Ein guter Arzt hat all dies im Auge und greift da an, wo er seiner ärztlichen Intuition gemäß die größten Heilungschancen sieht. Erzwingen können wir nichts, aber wir können bis zuletzt um das Leben des Patienten ringen und für seine Heilung kämpfen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fünf Wege zur Heilung in der Anthroposophischen Medizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Auf der physischen Ebene: ====&lt;br /&gt;
Einsatz der Möglichkeiten der Schulmedizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Auf der ätherisch-prozessualen Ebene: ====&lt;br /&gt;
Prozessorientiert-wirksame Arzneimittel, Diät und Lebensstiländerungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Auf der astralen Ebene: ====&lt;br /&gt;
Neben dem therapeutischen Gespräch ist die Verordnung einer künstlerischen Therapie äußerst hilfreich. Darin können sich auch Kranke ausdrücken, die (noch) nicht bereit sind, über ihre Probleme zu sprechen. Auch Biographie-Arbeit hat sich bewährt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Auf der Ich-Ebene: ====&lt;br /&gt;
Wichtig ist die Beachtung der Identitätsfrage. Manchmal muss man hier das Hauptaugenmerk darauf richten und bei Selbstwertfragen oder Identitätsproblemen Wege zu Selbstschulung nennen. Oft hilft auch die Empfehlung der Lektüre von Steiners Buch zur Selbstschulung &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“[3]&#039;&#039; oder aber eine erneute Suche nach religiöser Sinnfindung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Auf der Ebene der spirituellen Orientierung: ====&lt;br /&gt;
Die Erarbeitung einer sinnstiftenden Weltanschauung ist das tragende Fundament einer gesunden Lebensführung. Hier ist jeder einzelne gefragt, das für ihn Stimmige zu suchen und die entsprechenden Gesichtspunkte im Leben anzuwenden und zu beherzigen. Der Arzt kann auf Grund seiner Lebenserfahrung und Empathie helfender Begleiter sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur Anthroposophischen Medizin, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Philippus Theophrastus Aureolus Bombastus von Hohenheim, getauft als Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, (* vermutlich 1493 in Egg, Kanton Schwyz; † 24. September 1541 in Salzburg) war ein Arzt, Alchemist, Astrologe, Mystiker, Laientheologe und Philosoph. Paracelsus hinterließ zahlreiche deutschsprachige Aufzeichnungen und Bücher medizinischen, astrologischen, philosophischen und theologischen Inhalts, die größtenteils erst nach seinem Tod gedruckt wurden. (wikipedia)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Paracelsus, &#039;&#039;Opus paramirum und De quinte entibus&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?&#039;&#039; GA 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== WIRKFAKTOREN IN DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wirkt Medizin generell?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Faktoren spielen dabei eine Rolle?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wie Anthroposophische Medizin wirkt&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Wirksamkeit der Anthroposophischen Medizin setzt sich aus verschiedenen Faktoren zusammen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Stoffliche Qualität ====&lt;br /&gt;
Schwefel wirkt anders als Phosphor oder anderes. Dieses Enzym hat diese Wirkung und ein anderes Hormon eine andere. Wenn ich ein bestimmtes Mittel gebe, muss ich das berücksichtigen. Das ist die rein stoffliche Wirkung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Pharmazeutisch-moralische Qualität ====&lt;br /&gt;
Es gibt verschiedene Stufen der ethisch-moralischen Zusatzwirkung. Wenn ein Pharmazeut seine Produkte mit Liebe herstellt, ist der Stoff nicht nur Träger seiner Eigenwirkung, sondern die positive Absicht, helfen zu wollen, überträgt sich vom Pharmazeuten auf das Produkt. Das ist eine pharmazeutische Qualität, die er moralisch beeinflussen kann. Das hat nicht nur mit Produktreinheit zu tun, ob unsauber oder sauber gearbeitet wird, sondern mit der moralischen Integrität dessen, der das Produkt herstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Ärztliche Qualität ====&lt;br /&gt;
Ärztliche Qualität entsteht, wenn ein Arzt ein Medikament aufgrund guter Überlegungen mit seinen eigenen Gedanken durchsetzt, mit seiner Liebe zum Patienten, mit seinem Willen, ihm zu helfen. Wenn er das Rezept aus dieser Gesinnung heraus dem Patienten gibt, geht diese innere Einstellung auf den Patienten über. Die Schulmedizin nennt das ‚Placebo-Effekt’, die ‚Droge Arzt’. Aber es gibt keinen Placebo-Effekt, es gibt nur Wirkungen, die man nicht versteht! Der Begriff des Placebos ist ein unwissenschaftlicher Lückenbüßer, den man auch so kennzeichnen müsste. Man muss verstehen, warum welches Placebo wie wirkt! Gute Gedanken sind wirksam:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ist es nichts, wenn einer einem anderen „alles Gute“ wünscht?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es macht einen Unterschied, wenn jemand lügt und dem anderen in Wirklichkeit nicht alles Gute wünscht!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich jemandem Gutes wünsche bzw. wenn ich als protestantischer Christ die Fürbitten mache oder als Katholik bete, hat das doch eine Wirkung! Ich mache das doch nicht zur Selbstbefriedigung, um mir zu zeigen, wie moralisch einwandfrei ich bin oder um dem Pfarrer zu gefallen! Ich mache es, weil ich davon überzeugt bin, dass Gedanken wirksam sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt destruktive Gedanken und positive Gedanken, die nicht nur auf mein Immunsystem, sondern auch auf die Immunsysteme meiner Mitwelt wirken. Hass auf andere Leute ist destruktiv, nicht nur für mich, sondern auch für die Anderen. Das sind astrale Attacken, die Verletzungen seelischer Art erzeugen können. Auch wenn sie unbewusst sind, wirken sie. Sensible Leute spüren genau, wenn Menschen sie hassen oder sie vernichten, betrügen oder mobben wollen. Es braucht nicht real zu passieren, man spürt bereits die Intention als etwas Destruktives. Solche Wirkungen sind kein Placebo-Effekt, sondern geistig-seelisch genau zu beschreiben und kommen entweder aus dem Denken, dem Fühlen oder der Intention von Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Ärztliche Intention als Zusatzwirkung&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Als Arzt gebe ich meine Intention dem Medikament mit. Rudolf Steiner sagt, der Arzt müsse seinem Arzneimittel eine „Aura“ mitgeben, eine Widmung. Wenn ich zum Beispiel Schwefel oder Phosphor oder Arnika verordne, denke ich in diesem Moment an diesen Menschen, an seine Lebenssituation und widme die Wirkung des betreffenden Mittels dieser Situation. Es ist eine weiter imponderable Zusatzwirkung zur normalen Arnika-Essenz im Fläschchen, wenn ich es einem älteren Menschen, der auf der Intensivstation liegt, als Umschlag verordne. Für diesen Menschen habe ich ganz andere Gedanken als für jemand anderen. Meine Gedanken sind Teil dieser individuellen Therapie. Auch eine Standardtherapie verordne ich individuell, weil jeder Mensch anders ist. Es gibt keine zwei gleichen Situationen, auch wenn ich vielfach dieselben bewährten Arzneimittel verwendet habe. Das ist die ärztliche Wirkkomponente.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Der Wille zur Gesundung ====&lt;br /&gt;
Die vierte Komponente betrifft den Eigenanteil des Patienten. Patienten wollen heute genau wissen: „Wofür ist das?“, „Wogegen ist das?“ Wenn sie dann den Beipackzettel lesen, bekommen sie oft Angst. Inzwischen gibt es auch anthroposophische Beipackzettel, auf denen beispielsweise steht: An Kindern nicht erprobt, bitte nicht unter 12 Jahren anwenden. Da bekommen Eltern Angst vor Arnika D6, weil es nicht erprobt ist, und halten es für gefährlich. Dadurch kann sich die positive Wirkung des Arzneimittels nicht voll entfalten. Oder die Mittel wirken nicht recht, weil der Patient eigentlich nicht wirklich gesund werden will. In diesem Fall braucht und will er seine Krankheit. Ein Patient, der nicht gesund werden will, muss erst einmal lernen, wieder gesund werden zu &#039;&#039;wollen&#039;&#039;. Er sucht noch die Flucht in die Krankheit, weil er diesen Schutzraum offenbar braucht. Das ist im Moment seine Identität. Ein Patient, der nicht gesund werden will, für den die Krankheit seine aktuell aushaltbare Gesundheit ist, verkraftet das Leben nicht. Er braucht eine andere Behandlung, als „auf Teufel-komm-raus“ gesund gemacht zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Ärzte haben keine Zeit für eine gründliche Anamnese. Sie behandeln oft auch Menschen, die von Arzt zu Arzt gehen und in Wirklichkeit gar nicht gesund werden wollen. Man hätte schon in der Erstbegegnung eine Biografiearbeit dazwischenschalten oder sagen müssen: „Ich glaube, Sie sind wirklich krank. In ihrer jetzigen Situation würde ich ihnen raten, dass Sie sich für den Prozess des Gesundwerdens genügend Zeit nehmen. Lassen Sie sich im Moment von Ihrem Job beurlauben. Ich gebe Ihnen ein Zeugnis und wir nehmen uns einen ganz langsamen Weg zur Gesundheit vor, damit Sie so werden, wie Sie werden wollen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein anderes therapeutisches Ziel, als jemanden so schnell wie möglich symptomfrei zu bekommen, damit er wieder funktioniert. Wirkliche Heilung kann erst erfolgen, wenn der „Gesund-mache-Wille“ des Arztes sich mit dem „Gesund-werde-Willen“ des Kranken verbinden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Gnade ====&lt;br /&gt;
Das fünfte Therapieprinzip heißt schlicht Gnade. Man kann nicht gegen das Schicksal angehen. Manchmal ist das Schicksal des Kranken so, dass man trotz aller erdenklichen Mühe nicht helfen kann. Das fünfte Prinzip wurzelt in der Überzeugung, dass das Leben nicht in der ärztlichen Kompetenz, sondern in der Hand Gottes liegt. Wenn der Krebs erneut ausbricht, gehe ich mit dem Patienten anders um als zu Beginn einer Krebserkrankung. Jetzt ist größtmögliche Ehrlichkeit gefragt. z.B. das Eingeständnis: &#039;&#039;„Wenn nicht ein Wunder geschieht, könnte es diesmal der Anfang vom Ende sein. Überlege, ob Du Deinem Leben eine vollkommen andere Wendung geben willst und kannst. Jetzt hast Du nichts mehr zu verlieren, Du kannst nur noch gewinnen. Schau mal, ob Du Dich von allem, was Dich zwingt, freimachen kannst und frage Dich, was Du mit deinem letzten Lebensabschnitt wirklich machen willst. Folge nur Dir selbst!“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann passieren manchmal ungeahnte Wunder. Manchmal braucht es diese Todesnähe, bis ein Patient wirklich zu sich kommt und weiß, was für ihn im Leben zählt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Beispiel einer terminalen Krebserkrankung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ich hörte von einem Patienten mit terminalem Krebs. Der Arzt hatte ihm maximal drei Monate gegeben. Er trennte sich daraufhin von all seinem Hab und Gut, verkaufte sein Haus und ging auf Weltreise. Er wollte nun endlich umsetzen, wofür er sich sein Leben lang keine Zeit genommen hatte. Nach seiner Heimkehr wollte er den Rest seines Geldes verschenken und sich auf das Sterben vorbereiten. Als er zurückkam, war der Krebs jedoch weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geschichte hat mir ein Kollege erzählt, der meinte, so etwas wäre eigentlich nicht möglich. Ebenso sah es die Uni-Klinik, in der er behandelt wurde. In der Schulmedizin nennt man das ‚Spontanheilung’. ‚Placebo-Effekt’ und ‚Spontanheilungen’ sind Begriffe, die zeigen, dass man sich in der Schulmedizin nicht mit Wirkfaktoren auseinandersetzen möchte, die etwas differenzierter sind und Spiritualität mit einbeziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur Anthroposophischen Medizin, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ICH-WESEN UND WESEN DER HEILWIRKUNGEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worauf basieren die Phänomene ‚Selbstheilung und ‚Selbstregulation‘?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie korrespondieren das Ich-Wesen des Menschen und das Wesen der Heilwirkungen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern ist der Mensch direkt für den Fortgang der Evolution verantwortlich?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ich-Organisation und Selbstregulation&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel VII von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; wird das Wesen der Heilwirkungen in unmittelbarer Anknüpfung an das bisher über die physiologischen Prozesse und deren Steuerung durch die Wesensglieder Dargestellte beleuchtet. In Kap. V beispielsweise wurde erklärt, inwiefern die Entwicklungspotentiale der natürlichen Evolution mit der Entstehung der ‚defizitären‘ menschlichen Konstitution an ihr Ende kommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Kap. VII nun gehen die Autoren auf eine weitere Besonderheit des Menschen ein – seine „systemimmanente Offenheit“, die eine Voraussetzung für die Entwicklung des seelisch-geistigen Potential ist: &#039;&#039;„Die menschliche Gesamtorganisation ist nicht ein in sich abgeschlossenes System von ineinandergreifenden Vorgängen. Wäre sie das, sie könnte nicht der Träger des Seelischen und Geistigen sein.“[2]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Phänomene ‚Selbstregulation‘ und ‚Selbstheilungskräfte‘ weisen auf die vielen inzwischen bekannten Einflussfaktoren, wie der Mensch die eigene Gesundheit körperlich, seelisch und geistig selbst beeinflussen kann.[3] Die auch von einzelnen Krankenkassen bereits beachtete Präventionsforschung sowie die daraus resultierenden Präventionsprogramme sind dadurch inspiriert. Aus anthroposophischer Sicht ist es letztlich die Ich-Organisation, die für Art und Umfang der Selbstregulation verantwortlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Das Wesen der Heilwirkungen in Mensch und Substanz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das im Titel von Kapitel VII angesprochene ‚Wesen der Heilwirkungen‘ bezieht sich zum einen auf das Ich-Wesen des Menschen selbst und zum anderen auf das Wesenhafte der Substanzbildung durch die Abbau- und Aufbauvorgänge, für deren Qualität die Ich-Organisation ebenfalls verantwortlich ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Begrifflichkeit ‚Substanz‘ hat im Lateinischen die Konnotation des sub, d.h. des ‚darunter‘ liegenden Materiellen. Im Griechischen hat das Wort ουσια noch die Doppelbedeutung von ‚Wesen‘ und ‚Substanz‘:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* D.h. die im Nervensystem zerfallende Substanz &#039;&#039;&#039;entlässt geistige Formkraft&#039;&#039;&#039;, geistig Wesenhaftes. Hier wird die Ich-Organisation zum Träger des bewussten Geisteslebens.&lt;br /&gt;
* Im Gewebeaufbau aus dem Blut hingegen &#039;&#039;&#039;werden gestaltende Formkräfte aufgenommen&#039;&#039;&#039;. Hier wird die im unbewussten Körperleben schaffende Ich-Organisation im Substanzstrom von Blutgewebe und Muttermilch wie getragen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Dreifache Entfremdung der Substanz im Menschen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im Kapitel I war das Schicksal der Substanz im menschlichen Organismus als ein dreifacher Entfremdungsprozess geschildert worden. Diese Begrifflichkeit mag zunächst erstaunen, ist aber sehr präzise gemeint. Im Zuge des Verdauungsprozesses wird die Nahrungssubstanz aus dem Lebenszusammenhang von Pflanze und Tier heraus in den abgebauten mineralischen Zustand versetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# In der &#039;&#039;&#039;Neubelebung&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;durch den Ätherleib&#039;&#039; des Menschen geschieht ein erster Entfremdungsschritt. &lt;br /&gt;
# In dem darauffolgenden Prozess der &#039;&#039;&#039;Durchseelung&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;durch den Astralleib&#039;&#039; wird die Substanz weiter ihrem mineralischen Zustand entfremdet.&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;Durch die Arbeit der Ich-Organisation&#039;&#039; an der Substanz erreicht sie ihre höchste Entfremdungsstufe vom Physisch-Mineralischen, indem sie &#039;&#039;&#039;Geist tragend&#039;&#039;&#039; wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Dienst der Ich-Organisation kommt die Substanz sozusagen wieder aus der Fremde ‚nach Hause‘, indem sie erneut zum Wärmezustand vergeistigt wird und nicht mehr stofflich fassbar ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Selbstheilungskräfte (aus dem Blut) aktivieren lernen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel VII werden die Selbstheilungskräfte nicht mit Blick auf ihre Funktion als körperliche Schutz- und Abwehrmechanismen des Immunsystems geschildert. Vielmehr werden sie als diejenigen Kräfte dargestellt, die dem Blut innewohnen, das den dreigliedrigen Organismus versorgt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* einerseits in Form der &#039;&#039;&#039;weißen Blutzellen&#039;&#039;&#039;, die für die körperliche Abwehr verantwortlich sind, &lt;br /&gt;
* insbesondere aber auch in Form der &#039;&#039;&#039;Tätigkeit der roten Blutkörperchen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* und der &#039;&#039;&#039;übrigen Bestandteile des Blutes&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Blut als Ganzes ist als Instrument der Ich-Organisation Träger der Selbstheilungskräfte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fortgang der Evolution wird maßgeblich von der Art und Weise mitbestimmt werden, wie der Mensch seine von der Natur emanzipierten ‚außerkörperlich‘ wirksamen seelisch-geistigen Potentiale handhabt – zum Segen oder Schaden seiner Mitwelt und seiner selbst. So trägt auch die Art des Umgangs mit dem eigenen Gedanken-, Gefühls- und Willenspotenzial zur Stärkung oder zur Schwächung der Regulationsfähigkeit der Ich-Organisation bei, was sich langfristig auf die gesamte weitere Entwicklung des betreffenden Menschen auswirkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist interessant, dass Rudolf Steiner und Ita Wegman in diesem Kapitel, das den Selbstheilungskräften gewidmet ist, &#039;&#039;„Stockungen im Unterleibe“[4]&#039;&#039; als Beispiel für die unzureichende Heilwirkung des Organismus anführen. Sehr oft sind Verstopfungssymptome und Darm-Koliken Ernährungs- und lebensstilbedingte Verdauungsstörungen, d.h. Probleme, deren Lösung in der Selbstverantwortung liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[5]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27, Kap. VII.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Siehe FN 1, S. 38.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Esch (2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe FN 1, S. 40.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== HEILENDE VERBINDUNG VON MENSCH UND NATUR ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern stehen Mensch und Natur in einer heilsamen Verbindung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Naturstoffe zur Arzneimittelherstellung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Natur ist nicht nur Lebensraum und Existenzgrundlage des Menschen. Ihre Stoffe und Kräfte liegen auch einer Fülle von Arzneimitteln zugrunde. Anthroposophische Arzneimittel sollen dazu beitragen, dass der Organismus – wann immer sinnvoll und möglich – in die Lage versetzt wird, eine Krankheit aus eigener Kraft zu überwinden. Sie stärken die gesundenden Kräfte und sind also vor allem darauf orientiert, die Körperfunktionen wieder ins Gleichgewicht zu bringen und die Abwehrkräfte zu stärken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der anthroposophischen Arzneimittelherstellung werden mineralische, pflanzliche, metallische und tierische Ausgangsstoffe verwendet: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gängige mineralische Substanzen sind u.a. Quarz, Schwefel oder Kalk.&lt;br /&gt;
* Bekannte Heilpflanzen sind z.B. Arnika, gelber Enzian oder Kamille.&lt;br /&gt;
* Als Metalle kommen häufig Gold, Silber, Kupfer, Eisen und Zinn in potenzierter Form zum Einsatz.&lt;br /&gt;
* Zu den tierischen Ausgangssubstanzen gehören z. B. Insektengifte von Biene, Ameise, Hornisse sowie Organextrakte von Säugetieren (aus Leber, Thymusdrüse, Nieren, Nerven u.a.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Reicher Arzneimittelschatz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Alle anthroposophischen Medikamente werden nach komplexen Vorgaben der von Rudolf Steiner und Ita Wegman begründeten anthroposophischen Medizin hergestellt.[1] Die meisten Ausgangsstoffe werden in hoher Verdünnung (homöopathisch potenziert) eingesetzt, nur sehr selten konzentriert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophische Arzneimittel enthalten häufig mehrere Inhaltsstoffe. Diese sind nicht nur kombiniert, sondern komponiert. Wie bei einem Orchester, so kommt es auch bei einem zusammengesetzten Arzneimittel darauf an, in welchen Anteilen die verschiedenen Einzelkomponenten gemischt sind. In dieser Art gemischt, ergeben sie eine andere Wirkung denn als Einzelbestandteile. So wie ein Orchester anders klingt als eine Violine allein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anthroposophische Arzneimittelschatz umfasst etwa 2000 Substanzen, Kombinationen und eine Vielzahl von Darreichungsformen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ampullen, Augentropfen, Dilutionen, Einreibungen (ölige), Emulsionen, flüssige Verdünnungen, Flüssigkeiten zur Inhalation, Flüssigkeiten zur äußeren Anwendung, Gelate, Globuli, Granulate, Injektionen, Kapseln, Lotionen, Metallspiegelfolien, Mischungen, Nasentropfen (ölige), Öle, Pasten, Pflaster, Puder, Pulver, Salben (fettarm), Salben, Sirup, Tabletten, Tees, Tinkturen zum äußeren Gebrauch, Triturationen, Tropfen, Vaginalglobuli, Vaginaltabletten, Verdünnungen (wässrige), Zäpfchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Der Mensch als umgekehrte Pflanze&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aus anthroposophischer Sicht gleicht der Mensch einer umgekehrten Pflanze: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* So wie der Mensch seine Nahrung – in Form von Nahrungsmitteln, aber auch als „seelische“ oder „geistige“ Nahrung in Form von Gedanken, Worten, Tatsachen aus Kunst und Wissenschaft, über den Kopf – aufnimmt, so versorgt sich die Pflanze über ihre Wurzeln mit den nötigen Nährstoffen.&lt;br /&gt;
* Umgekehrt verhält es sich mit der Fortpflanzungsregion. Diese ist bei der Pflanze oben, Luft und Licht gegenüber geöffnet, wohingegen sie beim Menschen nach unten und innen gelagert ist, zur Erde hin.&lt;br /&gt;
* Beiden gemeinsam ist, dass in der Mitte – bei der Pflanze über die Blätter, beim Menschen über die rhythmischen Funktionen von Atmung und Kreislauf – der Gasaustausch stattfindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Umgekehrte Wirkung der Pflanze auf den Menschen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
So wirken die Anwendungen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* von &#039;&#039;Wurzeln&#039;&#039; unterstützend und heilend bei Erkrankungen der &#039;&#039;Kopf- und Nerven-Sinnesorganisation&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* Teeabkochungen und -zubereitungen aus &#039;&#039;Blättern&#039;&#039; bei Störungen der &#039;&#039;rhythmischen Funktionen&#039;&#039; (insbesondere von Herz und Lunge),&lt;br /&gt;
* Zubereitungen aus &#039;&#039;Früchten&#039;&#039; bei &#039;&#039;Stoffwechsel- und Verdauungsstörungen&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entsprechendes gilt für die Ernährung. Wer darauf achtet, dass der Anteil von Wurzeln, Blattgemüse, Früchten und Samen ausgewogen ist, sorgt für eine an den Bedürfnissen des ganzen Körpers orientierte Ernährung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim therapeutischen Einsatz von mineralischen, pflanzlichen und tierischen Substanzen gilt es, „die Weltaufgabe dieser Substanzen zu verstehen“. Steiner regte an zu erforschen, welche Aufgabe ein bestimmtes chemisches Element oder eine Stoffkombination wie Wasser, Salz, Asche, Gerbstoffe oder Pyrit im Haushalt der Natur innehat. Die Signatur dieser Aufgabe bzw. Tätigkeit sagt auch aus, welche Wirkung die betreffende Substanz im menschlichen Organismus entfalten kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Menschen als Mikrokosmos kennenzulernen im Kontext der großen Weltentwicklung mit ihren Prozessen und Stoffzusammenhängen – nach alter Tradition Makrokosmos genannt – ist der Schlüssel zum Verständnis der anthroposophischen Arzneitherapie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Artikel in der Deutschen Apothekerzeitung DAZ Nr. 39, 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Seiner und Ita Wegmann, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27, Dornach 1935.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== SUBSTANZ-ERKENNTNIS ALS GRUNDLAGE FÜR HEILMITTEL-ERKENNTNIS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was meint Rudolf Steiner mit der Weltenaufgabe der Substanzen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was wird anhand der Beispiele Ameisensäure und Oxalsäure im Hinblick auf ihre Wirkung im Zellstoffwechsel aufgezeigt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern muss der Organismus als Tätigkeitszusammenhang begriffen werden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Weltenaufgabe der Substanzen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel XVII von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; liegt der Fokus auf einer konsequent prozessorientierten Substanz-Erkenntnis, über die Rudolf Steiner im Ärztekurs für die jungen Mediziner schreibt, dass es die Aufgabe des Arztes sei, &#039;&#039;„die Weltenaufgaben der Substanzen zu erkennen“.[2]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;„Grundlegendes…“&#039;&#039; formulieren die Autoren es so: &#039;&#039;„Wer die Wirkung von Heilmitteln beurteilen will, muss ein Auge haben für die Kräftewirkungen, die sich im menschlichen Organismus ergeben, wenn eine Substanz, die außer demselben gewisse Wirkungen zeigt, in irgendeiner Art in ihn eingeführt wird.“[3]&#039;&#039; Etwas von dieser ‚Weltenaufgabe‘ wird dort anhand der Ameisensäure und der Kleesäure aufgezeigt und damit auf die Bedeutung dieser Blickrichtung für bestimmte Prozesse im menschlichen Zellstoffwechsel hingewiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Beispiel: Aufgabe der Ameisensäure ====&lt;br /&gt;
Ameisensäure wird vom Menschen mit der Nahrung in der Regel nicht aufgenommen. Sie wird im Tierreich gebildet und als Abwehrstoff, insbesondere der Insekten, ausgeschieden – selten auch bei Pflanzen, wie z.B. in den Brennhaaren der Brennnesseln. Ihre ‚Weltaufgabe‘ ist inzwischen gut erforscht: Die rote Waldameise ist für die Gesunderhaltung der Wälder unentbehrlich. Sie steht daher auch unter Naturschutz, seitdem man ihre Bedeutung für die ‚Lebensgemeinschaft Wald‘ erkannt hat. Um einen Ameisenbau herum vernichtet jedes Volk pro Tag zehntausende Schädlinge bzw. deren Larven und Raupen (wie z.B. Borkenkäfer- und Blattwespenlarven) sowie Kadaver und Pilzmyzel in morschem Holz. So hilft die Ameisensäure dem Mikrobiom des Bodens, die verwesenden Pflanzenreste und das modernde Holz zu verarbeiten. Auch verbreiten Ameisen auf ihren Wegen tausende von Samen und tragen so zur Vielfalt im Wald bei sowie zur Verbesserung der Bodenbeschaffenheit. Instrument für ihre wertvollen reinigenden Tätigkeiten ist die Ameisensäure mit ihrer aggressiven Toxizität.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Beispiel: Aufgabe der Oxalsäure ====&lt;br /&gt;
Die Oxal- bzw. Kleesäure hingegen findet sich in allen Pflanzen und den meisten Bakterien und in unterschiedlichen Mengen in vielen Nahrungsmitteln wie z.B. in schwarzem Tee, Mangold oder Rhabarber. Nach der Aufnahme muss sie dann im Organismus zu ausscheidungsfähigen Endprodukten abgebaut werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein ‚Zuviel‘ führt zusammen mit Calcium im Darm zu schwer löslichen Salzen (Oxalaten), was Anlass geben kann für die Bildung von Blasen- und Nierensteinen. Oxalsäure ist ein pflanzliches Gift – für den Menschen können bereits Gramm-Mengen tödlich sein.[5] Als Kalzium-, Magnesium- oder Kaliumsalze sind die Oxalate allgegenwärtig und aus dem Zellstoffwechsel der Lebewesen nicht wegzudenken – bis hin zu den meisten Pilzen und Bakterien. Im Gegensatz zur Ameisensäure entfaltet die Oxalsäure ihre Wirkung nicht in dem Zwischenbereich zwischen dem Mineralisch-Physischen und dem Ätherisch-Lebendigen. Sie hat ihre Aufgabe in der Lebenswelt der Pflanzen – aber als Giftsubstanz im Grenzgebiet zum astralischen Kräftebereich. Da Gifte auch in schwacher Dosierung immer lebensfeindlich sind, regen sie den Organismus dazu an, auf unterschiedlichen Wegen diese Gifte schnellstmöglich abzubauen oder in Verbindung mit anderen Substanzen unschädlich zu machen. Diese Abbauvorgänge dienen im Organismus der Tiere und der Menschen der Bewusstseinsbildung, die sich, wie mehrfach erwähnt, auf Abbauvorgänge stützt.[6]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Biochemisch handelt es sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* bei der &#039;&#039;&#039;Ameisensäure&#039;&#039;&#039; um die einfachste Monocarbonsäure (Formica, HCOOH, ihre Salze heißen Formiate)  &lt;br /&gt;
* und bei der &#039;&#039;&#039;Oxal- bzw.&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Kleesäure&#039;&#039;&#039; und die einfachste Dicarbonsäure (Acidum oxalicum, HOOC-CO-CH2-COOH, ihre Salze heißen Oxalate).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Notwendige Verwandlung von Oxalsäure in Ameisensäure&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner hat erstaunlich oft über Bedeutung der biochemischen Verwandlung von Oxal- in Ameisensäure gesprochen.[7] Den Prozess der Bildung von Oxalsäure, der hauptsächlich in den Verdauungsorganen stattfände, hielt er für eine notwendige Grundlage dafür, dass der Mensch überhaupt leben könne – grundlegend also dafür, dass die Ätherkräfte zur Wirksamkeit kommen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihre Umwandlung in Ameisensäure aber sei eine entsprechende Grundlage für das Wirksamwerden der astralischen Kräfte in der physisch-ätherischen Konstitution. In einem Ärztevortrag führt er weiter aus, dass man im Falle der Ameisensäure dahin kommen müsse, zu erkennen, dass sie im Menschen, wie auch draußen in der Natur, die Aufgabe hat, gegenüber den Prozessen des Alterns, des Absterbens und des Vermoderns immer wieder weiteres Leben, weitere Entwicklung zu ermöglichen.[8] Auch führt er aus, dass &#039;&#039;„die heutige Physiologie“&#039;&#039; diese Prozesse erst finden müsse.[9]&amp;lt;sup&amp;gt;,&amp;lt;/sup&amp;gt; [10]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner und Wegman sahen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* in der &#039;&#039;&#039;Ameisensäure&#039;&#039;&#039; die Schlüsselsubstanz im Stoffwechsel des tierischen Organismus &lt;br /&gt;
* und in der &#039;&#039;&#039;Oxalsäure&#039;&#039;&#039; die Schlüsselsubstanz im pflanzlichen Zell-Metabolismus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Organismus als Tätigkeitszusammenhang begriffen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Abs. 2 wird deutlich gemacht, wie entscheidend es für einen Organismus ist, eine Substanz nicht nur zu besitzen, sondern auch den Bildeprozess zum Aufbau dieser Substanz zu leisten. Im Tun liegt das Wesen des Organismus, nicht in seinen Substanzen. Der Organismus ist nicht ein Stoffzusammenhang, sondern ein Tätigkeitszusammenhang. Der Stoff trägt den Anreiz zur Tätigkeit in sich. Hat er diesen Anreiz verloren, so hat er für die Organisation keine weitere Bedeutung.[11]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter diesem Gesichtspunkt kann auch die jeweilige Aufgabe der Ameisensäure und der Kleesäure im menschlichen Organismus verstanden werden. Hier ‚dienen‘ diese Substanzen der Ich-Organisation: &#039;&#039;„Die Ich-Organisation braucht diesen Übergang der organischen Substanz in den leblosen Zustand. Aber sie braucht eben den Vorgang des Überganges; nicht, was dann durch den Übergang entsteht. Ist nun das nach dem Leblosen hin sich Entwickelnde gebildet, so wird es im Innern des Organismus zur Last. Es muss entweder unmittelbar abgesondert werden, oder aufgelöst, um mittelbar hinwegzukommen. Geschieht nun für etwas, das aufgelöst werden sollte, diese Auflösung nicht, so häuft es sich im Organismus an und kann die Grundlage für gichtische oder rheumatische Zustände bilden.“[12]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Biologie werden die Phänomene dieses Übergangs zwischen Abbau und Aufbau im Falle der Gesundheit als metabolische Homöostase beschrieben, wobei deren ‚Regulator‘ ein noch nicht gefundener Faktor ist. Es wird aber das Erstaunen zum Ausdruck gebracht darüber, dass unabhängig davon, was und wie viel man gerade isst oder nicht und wie viel Oxalacetat gerade mit der Nahrung aufgenommen hat oder nicht, die Substanzen im sogenannten Stoffwechsel-Pol der Zellen konstant gehalten werden. D.h. in den Zellen sind die Enzyme des Katabolismus (Abbau) und Anabolismus (Aufbau) normalerweise derart reguliert, dass ein Gleichgewicht gewahrt bleibt. Wird dieses Gleichgewicht jedoch gestört, bedeutet dies den Beginn krankhafter Prozesse.[13]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[14]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, Ga 27, Kap. XVII.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Meditative Betrachtungen und Anleitungen zur Vertiefung der Heilkunst. Vorträge für Ärzte und Medizinstudierende,&#039;&#039; GA 316, S. 22.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Siehe FN 1, S. 82.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Der Kern eines Ameisenhaufens ist meist in alten Wurzelstöcken von Nadelhölzern oder Eichenstämmen angesiedelt; das Zusammenleben in der Ameisenkolonie ist ausgeprägt sozial. Eine Königin lebt bis zu 20 Jahre, Arbeitsameisen 5–6 Jahre. Sie entwickeln sich in klar definierten Temperaturbereichen (Ameisenpuppen brauchen 31°, Larven 28°, die Entwicklung der Eier nur 25°). Vgl. Jirikowski (2010), 105–107.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. Wollrab (2014), 621.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Vgl. Wolff (2013), 85, 263–269.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Mysteriengestaltungen,&#039;&#039; GA 232, 13. Vortrag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Vgl. FN 1, S. 22f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. FN 11, S. 193–195.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Dazu muss aus anthroposophisch-medizinischer Sicht gesagt werden, dass die geisteswissenschaftliche Biochemie, für die Hauschka und Wolff die Grundlagen erarbeitet haben (Vgl. Hauschka 2007, Wolff 2013), auf dem jeweils neuesten Stand der biochemischen Forschung weiter erarbeitet werden muss. Denn die Zusammenschau der Wesensglieder-Tätigkeiten als ganzheitliche Regulatoren und die immense Faktenfülle der molekulargenetischen Einsichten in das hochkomplexe Regelkreisgeschehen der Zellatmung ist für eine umfassende Integrativmedizin unverzichtbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Siehe FN 1, S. 82.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13]  Vgl. Sadava u. a. (2019), 265–271.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ANTHROPOSOPHISCHE HEILMITTEL-ERKENNTNIS AM BEISPIEL VON ANTIMON ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welcher Blickwinkel ist grundlegend im Hinblick auf die anthroposophische Heilmittel-Erkenntnis?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern weist Antimon Ähnlichkeiten mit dem Ätherischen auf?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wird es, auch in Kombination mit Schwefel, therapeutisch eingesetzt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wirksamkeit von Substanzen im Kontext irdisch-menschlicher Kraftsysteme&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel XVI von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; geht es um anthroposophischen Heilmittel-Erkenntnis. Die Grundlage davon ist der Blick auf das Verhalten bzw. die Wirksamkeit einer Substanz im Bereich der in Kapitel I geschilderten Kraftsysteme. Dabei geht es insbesondere um die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* von der Erde ausstrahlenden &lt;br /&gt;
* und in sie einstrahlenden Kräfte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„[...] es kommt darauf an, die Wirkungen zu beobachten, die sich aus dem Zusammenhange der inneren Kräftekonstitution einer Substanz im Verhältnis zu den Kräften ergeben, die von der Erde ausstrahlen oder in sie einstrahlen.“[2]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Antimon, Schwefel und die Austernschalenbildung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Diese Wirkungen werden am Beispiel des Antimons in seiner Beziehung zum Schwefel in Form des in der Natur vorkommenden Grauspießglanzes aufgezeigt (Sb2 S3, auch als Antimonit bzw. Stibnit bekannt), sowie an der Austernschalenbildung, die zum Verständnis der Typhusbehandlung beiträgt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Antimon ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Antimon&#039;&#039; kam bereits in der ägyptischen Medizin zur Anwendung, nimmt bei Paracelsus eine zentrale Stellung ein und hat bis in die Gegenwart immer neue Einsatzmöglichkeiten erfahren. Chemisch ist es dem Arsen verwandt und eine Menge von 100 mg bis etwa 1200 mg kann bereits tödlich sein. Eine gute Übersicht über seine Verwendung – einschließlich in der Anthroposophischen Medizin – findet sich bei &#039;&#039;Marxer[3]&#039;&#039; Die Bezeichnungen Antimon und Stibium für das chemische Symbol Sb stammen von den lateinischen Wörtern &#039;&#039;antimonium&#039;&#039; und &#039;&#039;stibium&#039;&#039; ab, die schon im Altertum für den Grauspießglanz verwendet wurden.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Schwefel ====&lt;br /&gt;
Schwefel ist eines der seltenen Minerale, die in kristallisierten polymorphen Formen in der Natur rein vorkommen und in der Struktur der orthorhombischen Raumgruppe Fddd die typisch gelbe α-Kristallform zeigen. Schwefel steht mit einem Anteil von geschätzt 0,048 Gew.-% an 15. Stelle unter den häufigsten Elementen der uns bekannten Erdkruste. Er wurde in Kometenschweifen nachgewiesen, ist auf der Erde zum einen vulkanischen Ursprungs und stammt zum anderen aus der Biosphäre von Bakterien, die aus schwefelhaltigen Mineralien Schwefel aufnehmen und Sedimente bilden sowie von Pflanze, Tier und Mensch, da er im Eiweißaufbau durch die beiden schwefelhaltigen Aminosäuren &#039;&#039;Cystin&#039;&#039; und &#039;&#039;Methionin&#039;&#039; festgebunden ist. Durch seinen niedrigen Schmelzpunkt und seine Fähigkeit zu sublimieren, verbindet er sich leicht über Luft und Wasser mit anderen Substanzen und realisiert so den alle Reiche der Natur verbindenden Schwefelkreislauf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Symptomatisch dafür ist auch eine ungewöhnliche mechanische Eigenschaft der Grausspießglanz-Kristalle: Sie zeigen eine auch an größeren Kristallen bei geringem Kraftaufwand fühlbare Biegsamkeit. Diese beruht auf einer geregelten innerkristallinen Gleitung, wie sie auch beim Eis und beim Steinsalz vorliegt – Substanzen, die für alle Lebewesen essenziell sind.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Austernschale ====&lt;br /&gt;
Die Austernschale ist als komplexes Kalkmineral schützendes Außenskelett der Auster und damit ein Mineral, ausgeschieden aus dem Lebensprozess eines Tieres bzw. einer Muschel. In ihrer therapeutischen Verwendung ist sie insbesondere in der Homöopathie bekannt mit dem Arzneimittelbild &#039;&#039;Calcium carbonicum&#039;&#039;. Sie wird zu den Vielkönnern oder Polychresten gezählt (von gr: πολύς - viel und χρηστός  - brauchbar).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Hinweise auf die Verwandtschaft von Antimon mit dem Ätherischen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Zusammenwirken von Zentral- und Universalkräften ====&lt;br /&gt;
Dadurch, dass das Antimon sich leicht und stabil mit dem Schwefel zu den orthorhombisch geformten Grauspießglanz/Antimonit-Kristallen verbindet, kann es die Neigung des Schwefels, in der Welt des Lebendigen aktiv zu werden und dadurch auch im Sinne der auf die Erde einstrahlenden ätherischen Kräfte zu wirken, unterstützen. Unter diesem Aspekt ist die Art und Weise, wie das Antimon in seiner Verbindung mit dem Schwefel kristallisiert, charakteristisch. Es kristallisiert in prismatisch-nadeligen grauschwarzen Kristallen, von feinst ziseliert bis zentimeterstark, immer von einem Zentrum weg – wenn der Kristallisationsprozess nicht durch äußere Umstände gestört wird. Dabei erstrecken sich die Antimonit-Nadeln radial in die Peripherie, wobei die Länge der Kristalle durchaus auch 1 m überschreiten kann. Wo er nur kann, strebt Antimonit die büschelförmige Gestaltung an. Er gliedert sich damit in Linien, die von der Erde weg- und den Kräften entgegenstreben, die im Äther wirken. Durch diese Kristallisationsweise bringt das Antimon das Zusammenwirken der Zentral- und der Universalkräfte wie archetypisch zum Ausdruck.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man bringt mit dem Antimon somit etwas in den menschlichen Organismus, das der Wirkung des Ätherleibes auf halbem Wege entgegenkommt.[6] Antimon kann dadurch im Körper die eiweißbildenden Kräfte zusammenhalten und so die Tätigkeit der Ich-Organisation im Eiweißaufbau unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Feinfaserigkeit durch Seigern ====&lt;br /&gt;
Auch dasjenige, was im Seigerprozess mit dem Antimon vor sich geht, weist auf die Äther-Verwandtschaft dieses Stoffes hin. ‚Seigern‘ kommt von dem gegenwärtig nicht mehr oft gebrauchten Wort etwas z.B. durch ein Sieb ‚durchseien‘. Unter ‚Seigerungen‘ versteht man daher Trennprozesse in gemischtem Schmelzgut. Es wird durch diesen Prozess feinfaserig.[7]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Niedriger Schmelzpunkt ====&lt;br /&gt;
Da das Antimon bereits bei 547° schmilzt, fließt es auf schräger Unterlage leicht aus dem Antimon haltigen Schmelzgut heraus, wo es dann bei Abkühlung zu 92–98 % reinem &#039;&#039;antimonium crudum&#039;&#039; kristallisiert.[8] Der niedrige Schmelzpunkt von 547° zeigt zudem die Nähe dieser mineralischen Substanz zum flüssigen Aggregatzustand, in dem die ätherischen Kräfte ihre Wirkung entfalten können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor diesem Hintergrund heißt es in dem oben erwähnten Werk:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Alles dieses zeigt, dass im Antimon die Tendenz enthalten ist, in das Ätherelement in dem Augenblick leicht überzugehen, in dem dazu die Bedingungen auch nur in geringem Grade vorhanden sind. Dem geistigen Schauen gelten alle diese Einzelheiten nur als Andeutungen; denn dieses nimmt die Beziehung zwischen Ich-Tätigkeit und Antimon-Wirksamkeit unmittelbar so wahr, dass die Antimonprozesse, in den menschlichen Organismus gebracht, so wirken, wie die Ich-Organisation.“[9]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zwei Indikationen als Beispiele für den Einsatz von Antimon&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aus dem breiten Spektrum der therapeutischen Einsatzmöglichkeiten werden nun zwei Indikationsgebiete an die Schilderung des Arzneimittelbildes angeschlossen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;&#039;Blutgerinnungsstörungen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
# und &#039;&#039;&#039;Typhus abdominalis/Parathyphus&#039;&#039;&#039;, eine gefährliche bakterielle Infektionskrankheit des Magen-Darmtraktes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während eine Therapie mit &#039;&#039;Antimon&#039;&#039; oder &#039;&#039;Stibium metallicum praep.&#039;&#039; bei Blutungsneigung aus der Darstellung des Arzneimittelbildes unmittelbar hervorgeht, ist dies für den Thyphus nicht so ohne weiteres ersichtlich – zumal dieser ja heute erfolgreich antibiotisch behandelt werden kann (Sterblichkeitsrate unter 1 %) und die Impfung bei Einreise in betroffene Gebiete empfohlen wird.[10]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Arzneimittelbild der Austernschale und Typhus&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was macht also eine Begleitbehandlung oder Alternativbehandlung zur Vermeidung des Einsatzes von Antibiotika sinnvoll?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um dies zu verstehen, braucht es – wie oben bereits angedeutet – zum Vergleich das Arzneimittelbild der Austernschale. Hier liegt ein Naturprozess vor, der etwas vollzieht, was für die Muschel richtig ist, für den Menschen aber zur Ursache typhöser Durchfall-Erkrankungen werden kann. Die Auster sondert in ihre Schale das kalkartig Mineralische ab:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Bei der Auster wird das Kalkartige abgesondert, um es der Eiweißwirkung nicht einzugliedern. Im menschlichen Organismus muss diese Eingliederung stattfinden. Die bloße Eiweißwirkung muss in eine solche umgewandelt werden, in der mitwirkt, was im Kalkartigen durch die Ich-Organisation an gestaltenden Kräften hervorgerufen werden kann. Das muss sich innerhalb der Blutbildung abspielen. Das Antimon wirkt der kalkausscheidenden Kraft entgegen und führt das Eiweiß, das seine Form bewahren will, durch seine Verwandtschaft mit dem Äther-Elemente in die Formlosigkeit hinüber, die für die Einflüsse des Kalkartigen oder Ähnlichem empfänglich ist.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Beim Typhus ist es klar, dass der krankhafte Zustand in einer mangelnden Überführung der Eiweißsubstanz in gestaltungsfähige Blutsubstanz besteht. Die Form der Diarrhöen, die auftritt, zeigt, dass schon im Darm die Unfähigkeit zu dieser Umwandlung beginnt.“[11]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Heilung der konstitutionellen Dysfunktionalität&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[12]&#039;&#039; heißt es&#039;&#039;,&#039;&#039; dass die Abwehrstoffe und Killerzellen eines guten Immunsystems im Blut zirkulieren, welches wiederum &#039;&#039;das&#039;&#039; Organ der Ich-Organisation ist.[13] Kann nun mithilfe einer Konstitutionsbehandlung, z.B. mit einem Antimonpräparat, und je nach Situation auch noch kombiniert mit anderen Heilmitteln, die Ich-Organisation und damit ihr Einfluss auf die Gestaltungskräfte im Blut gestärkt werden, so werden die Bakterien nicht nur beseitigt, wie es über eine antibiotische Therapie geschieht, sondern zugleich das Milieu saniert und damit künftigen Infektionen vorgebeugt. Das entspräche einer integrativen Therapie, die sich nicht nur auf die Beseitigung der Symptome konzentriert, sondern auf die Heilung der konstitutionellen Dysfunktionalität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dem erwähnten Werk schreiben die Autoren: &#039;&#039;„Wendet man bei typhösen Erscheinungen Antimonpräparate in entsprechender Zusammensetzung an, so erweisen sich diese als Heilmittel. Sie entkleiden die Eiweißsubstanz ihrer Eigenkräfte und machen sie geneigt, den Gestaltungskräften der Ich-Organisation sich einzufügen.“[14]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbstverständlich hat der primäre Fokus auf die Symptombeseitigung überall da seine Berechtigung, wo sie Leben rettet, weil die Abwehrkräfte des Körpers zu schwach sind für die notwendige Selbstregulation. Wo diese Möglichkeit jedoch gegeben ist, kann differenzierter vorgegangen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Wer Exaktheit nur in dem sieht, was die Chemie – auch die pharmazeutische – feststellt, der vernichtet die Möglichkeit, Anschauungen darüber zu gewinnen, was im Organismus bei Heilungsvorgängen geschieht.“[15]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[16]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ebenda, S. 77.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Vgl. Marxer (2000), siehe www.pharmazeutische-zeitung.de/titel-10- 2000; [6.1.2025].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Vgl. Holleman und Wiberg (2017), 940.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. Wimmenauer (1992), 223.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Siehe FN 1, S. 78.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Vgl. Holleman und Wiberg (2017), 942.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Siehe FN 1, S. 78f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Typhus ist weltweit verbreitet – besonders in warmen Ländern. Er wird durch kontaminierte Lebensmittel bzw. Trinkwasser übertragen und ist eine schwere Allgemeinerkrankung, die durch das Bakterium Salmonella typhi ausgelöst wird. Als Paratyphus bezeichnet man ein abgeschwächtes Krankheitsbild, dessen Erreger Salmonella Paratyphi A, B oder C ist. Übertragen wird die Infektion durch Trinkwasser oder Lebensmittel, die mit Fäkalien von infizierten Personen verunreinigt wurden. Leitsymptome sind hohes Fieber, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, langsamer Puls, trockener Husten, Bauchschmerzen, Milzvergrößerung und manchmal ein blasser, kleinfleckiger Ausschlag am Körper. Ein milder Verlauf ist möglich, doch manchmal kommt es zu schweren Komplikationen wie massiven Darmblutungen oder Abszessen in verschiedenen Organen. Durch den Einsatz von Antibiotika kann die Sterblichkeit auf unter 1% gesenkt werden. In Deutschland ist die Krankheit meldepflichtig – dem Bundesamt für Gesundheit werden pro Jahr zwischen 20 und 50 Fälle gemeldet. Wichtigste Mittel zur Vorbeugung sind Körperhygiene und Verzicht auf frische Salate und ungeschältes Obst – nach dem Ernährungsmotto: Cook it, peel it or forget it. Siehe www.bag.admin.ch/bag/de/home/krankheiten/krankheiten-im-ueberblick/typhus-abdominalis-paratyphus.html; [6.1.2025].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Siehe FN 1, S. 80.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“, GA 27.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] Siehe FN 3, Kapitel VI.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] Siehe FN 3, S. 80.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[15] Ebenda, S. 81.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[16] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ARZNEIMITTEL-SUBSTANZGRUPPEN UND WESENSGLIEDER ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Auf welchen Ebenen und worüber ist der Mensch mit der Natur innig verbunden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Naturanteile machen seine Konstitution aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wesensglieder und ihre Einbettung in die Natur&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Physischer Leib und Natur ====&lt;br /&gt;
Schon ein oberflächlicher Blick auf die Verbundenheit von Natur und Mensch zeigt, wie der Mensch die kristallinen Strukturen seines Körpers mit den Mineralien der ihn umgebenden Natur gemeinsam hat. Dieser sichtbare, mineralisch erscheinende Leib wird in der anthroposophischen Menschenkunde „Physischer Leib“ genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ätherleib und Natur ====&lt;br /&gt;
Werden und Vergehen, Leben und Sterben hat der Mensch mit der Pflanzenwelt gemeinsam. Diese Gesetzmäßigkeiten in ihrem Zusammenhang nennt Steiner „Ätherleib“, weil ohne das blaue Himmelslicht (griechisch o aither) kein Leben auf der Erde möglich wäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Astralleib und Natur ====&lt;br /&gt;
Atmung, Bewegung, Bewusstsein, Schmerz und Triebleben hat der Mensch mit den Tieren gemeinsam. Diese das Seelenleben konstituierenden Gesetze heißen in ihrer Gesamtheit „Astralleib“ von aster, lateinisch Stern. Die menschliche Seele fühlt sich der Sternenwelt mit ihren Rhythmen und Konstellationen verwandt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Rein menschliche Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Die Fähigkeit jedoch, lebenslang lernen und immer wieder neu und anders kulturschöpferisch tätig sein zu können, ist spezifisch menschlich. Daher gibt Steiner diesem die „Ich-Natur“ des Menschen möglich machenden Gesetzes-Zusammenhang den Namen „Ich-Organisation“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Mensch durch diese vier verschiedenen Gesetzes-Zusammenhänge sein Wesen sowohl integriert als auch differenziert äußern kann, gab Steiner ihnen den Namen „Wesensglieder“.[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Arzneimittelwirkung auf die Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Substanzgruppen aus dem Mineral-, Pflanzen-, Tier- und Menschenreich haben einen therapeutischen Bezug zu diesen Wesensgliedern:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Menschliche Substanz wie Muttermilch und in Form einer Blutspende stützt und erhält den physischen Leib.&lt;br /&gt;
* Präparate aus dem Tierreich regen den Ätherleib zu verstärkter Tätigkeit an,&lt;br /&gt;
* pflanzliche Arzneimittel wirken regulierend auf den Astralleib&lt;br /&gt;
* und Metalle und Mineralien auf die Ich-Organisation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Potenzierungsstufen und Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Auch die Potenzierungsstufen der nach homöopathischem Verfahren hergestellten Arzneimittel haben ihren Bezug zu den Wesensgliedern:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D1 – D4:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;physischen Organismus&#039;&#039; und seines Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D5 – D8:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;ätherischen Organismus&#039;&#039; und seines Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D10 – D15:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;astralischen Organismus&#039;&#039; und seines Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D20 – D60:&#039;&#039;&#039; Anregung der &#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039; und ihres Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Bezug auf die Dreigliederung des menschlichen Organismus gilt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D1 – D6:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;Stoffwechsel-Systems&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D6 – D18:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;rhythmischen Systems&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D18 – D30:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;Nerven-Sinnessystems&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Arzneimittelschatz der Anthroposophischen Medizin umfasst dementsprechend Ausgangssubstanzen mineralischer, pflanzlicher und tierischer Herkunft, die nach besonderen Verfahren vor allem von den Arzneimittelfirmen Weleda und Wala hergestellt werden.[2] In Deutschland wurden sie aufgrund des Arzneimittelgesetzes von 1976 in der vom Bundesgesundheitsamt – später Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) – eingerichteten Kommission C für die Zulassung aufbereitet. Ein Teil dieser regulativ wirksamen Arzneimittel ist sehr gut für die Selbstmedikation geeignet.[3]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Artikel in der Deutschen Apothekerzeitung DAZ Nr. 39, 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Theosophie, Einführung in übersinnliche Welterkenntnis und Menschenbestimmung,&#039;&#039; 2003 und ders. &#039;&#039;Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft&#039;&#039;. In: &#039;&#039;Lucifer-Gnosis&#039;&#039;. GA 34. Dornach 1987, 309-344.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] International Association of Anthroposophic Pharmacists IAAP. ­Anthroposophic Pharmaceutical Codex. Stuttgart, 2014.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] M. Glöckler, B. Emde, &#039;&#039;Anthroposophische Medizin&#039;&#039;, in: &#039;&#039;Komplementärmedizin für die Kitteltasche. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation&#039;&#039;, Stuttgart 2009 und ders.: &#039;&#039;Anthroposophische Medizin&#039;&#039;, in: &#039;&#039;Komplementärmedizin für Kinder. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation&#039;&#039;, Stuttgart 2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ARZNEIMITTEL AUS DER NATUR UND WESENSGLIEDER ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen inneren Zusammenhang sieht die anthroposophische Pharmazeutik zwischen Arzneimitteln aus der Natur und den menschlichen Wesensgliedern?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Qualitäten zeichnen die Muttermilch aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern sind Schwangerschaft und Stillzeit Naturvorbilder auch für zukünftige Entwicklungsstadien?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Korrelation von Arzneimitteln und Wesensgliedern&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der Anthroposophischen Pharmazeutik sieht man eine grundlegende Korrelation von Arzneimitteln aus der Natur und den menschlichen Wesensgliedern:[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So haben &#039;&#039;&#039;Mineralien&#039;&#039;&#039; eine unmittelbare Beziehung zur &#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;: Sie unterstützen die Ich-Organisation bei der Beherrschung der physischen Verhältnisse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Heilmittel aus dem Pflanzenreich&#039;&#039;&#039; auf die &#039;&#039;astralische Organisation&#039;&#039;: Die astralische Organisation wirkt lähmend auf die ätherische – pflanzliche Arzneimittel können regulierend auf diese lähmende Wirkung Einfluss nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Organpräparate&#039;&#039;&#039; und tierische Arzneimittel auf die &#039;&#039;ätherische Organisation:&#039;&#039; Diese hat die Aufgabe, physisch-tierische Substanzen in den Lebenszusammenhang aufzunehmen, was durch astralische Impulse angeregt werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Menschliche Substanz&#039;&#039;&#039; (wie Blutkonserven und Muttermilch) wirkt unmittelbar auf den &#039;&#039;physischen Leib,&#039;&#039; sodass sich die anderen Wesensglieder wieder besser einschalten und betätigen können. Anders ausgedrückt: Menschliche Substanz steht der Ich-Organisation unmittelbar für ihre Aufgabe zur Verfügung, das Ganze des Organismus bis in das Physische hinein zu beherrschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Was Muttermilch vermag&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Studiert man die Besonderheiten rund um die Bildung von Muttermilch, so verrät dies viel über die innige Bindung zwischen Mutter und Kind durch alle vier Wesensglieder hindurch: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die Muttermilch ist nach dem aktuellen Bedürfnis des Säuglings zusammengesetzt und variiert so auch von Tag zu Tag; &lt;br /&gt;
* Stillen fördert die Rückbildung der Gebärmutter;&lt;br /&gt;
* gestillte Kinder haben weniger Infekte und überstehen sie leichter, weil die Muttermilch wichtige Abwehrstoffe der Mutter enthält;&lt;br /&gt;
* ausschließliches Stillen in den ersten sechs Monaten kann das Kind vor Allergien und Asthma schützen;&lt;br /&gt;
* Wachstum und Beweglichkeit von Magen und Darm werden unmittelbar angeregt;&lt;br /&gt;
* die Zusammensetzung der Muttermilch mit Bezug auf Kohlenhydrate, Fette, Eiweißgehalt und Mineralstoffe ist zugleich ein ‚Naturvorbild‘ für eine gesunde Ernährung;&lt;br /&gt;
* die Immuntoleranz, d.h. die Selbstregulation des Immunsystems entwickelt sich bei gestillten Säuglingen nachhaltig besser.&lt;br /&gt;
* Durch Stillen wird das Risiko des plötzlichen Kindstodes um ca. die Hälfte gesenkt und vieles mehr.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Formelmilch gefütterte Säuglinge haben eine deutlich höhere Insulinkonzentration im Plasma, was mit der Entwicklung von Adipositas und einer möglichen Zunahme von Diabetes mellitus Typ 2 im Zusammenhang steht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Abnabelungsstadien und physisch-seelisch-geistige Muttermilch&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Nach der &#039;&#039;&#039;physischen Abnabelung&#039;&#039;&#039; vom physischen Leib der Mutter als der ernährenden Umgebung während der Schwangerschaft, folgt die Stillperiode.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann folgt die langsame &#039;&#039;&#039;ätherische Abnabelung&#039;&#039;&#039; und das Sich-Emanzipieren auf ätherischer Ebene, das mit dem Ende der Nachahmungsperiode ausklingt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;&#039;seelisch-astralische Abnabelung&#039;&#039;&#039; findet im 2. Jahrsiebt statt und kulminiert mit der Pubertät. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Arbeit des Ich jedoch an der Überwindung von allen möglichen Abhängigkeiten, die seine Autonomiebefähigung einschränken, stellt eine Art &#039;&#039;&#039;geistige Abnabelung&#039;&#039;&#039; dar. Diese zu bewerkstelligen bleibt eine lebenslange Herausforderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner spricht im pädagogischen Zusammenhang wiederholt über die Bedeutung der physischen Muttermilch für den gesunden Aufbau des physischen Leibes und die damit verbundene Stärkung der Ich-Organisation des Kindes. Für die Unterstützung der oben genannten weiteren Abnabelungsprozesse im Verlaufe der Schulzeit und Jugend, braucht es die ‚seelische‘ und zuletzt ‚geistige‘ Muttermilch, die dem Menschen in Form einer nährenden Entwicklungsumgebung und verständigen Entwicklungshelfern zukommen müssen.[3]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fallen solch hilfreiche Faktoren und Entwicklungsbegleiter weg oder können nur eingeschränkt wirken, ist dies oft mit körperlichen und oder seelischen gesundheitlichen Belastungen im weiteren Leben verbunden. Diesen so weit als möglich vorzubeugen, ist der Präventionsanspruch Anthroposophischer Medizin und Pädagogik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[4]&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
----[1] Warum das so ist, geht aus den Kapiteln I bis V aus &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27,&#039;&#039; hervor, in denen die Autoren, Rudolf Steiner und Ita Wegman, die Arbeit der Wesensglieder an den Substanzströmen schildern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Vgl. Soldner und Stellmann (2018), 220–238; Glöckler u. a. (2024b), 372–392.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik,&#039;&#039; GA 293, Vortrag 2. September 1919.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== WIRKSAMKEIT EINES HEILMITTELS VERMITTELN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie vermittelt der Arzt seinem Patienten, welches Heilmittel er braucht?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist dabei zu beachten, worauf kommt es an?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wirksamkeit der Gedanken und Gefühle miteinbeziehen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ideal wäre es, mit dem Patienten über ein Heilmittel in einer Art zu sprechen, dass etwas von der Wirksamkeit desselben auf den Patienten überspringt und dieser sich freut, dass er dieses Mittel bekommt, ja, dass er dankbar dafür ist. Der Patient sollte es mit dem Gefühl nehmen, er habe etwas besonders Gutes bekommen. Denn Freude und Dankbarkeit wirken therapeutisch – sie sind nicht „Placebo“, sondern real und wirksam. Wir müssen begreifen, dass das, &#039;&#039;was&#039;&#039; und &#039;&#039;wie&#039;&#039; wir über eine Sache denken, viel mehr als nichts ist: Was jemand weiß, ist etwas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ätherleib als Träger der zeitlichen und „ewigen“ Lebenskräfte entfaltet diese Doppelwirksamkeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ihm verdankt unser Körper einerseits &#039;&#039;&#039;Leben, Regeneration, Wachstum&#039;&#039;&#039; und die individuelle Lebenszeit&lt;br /&gt;
* Andererseits verdankt der Mensch ihm sein &#039;&#039;&#039;Gedankenleben&#039;&#039;&#039;, je älter er wird, umso mehr, das sich aus all den ätherischen Kräften speist, die der Körper nicht mehr „verkörpert“ halten kann (und muss) und die er damit in die „außerkörperliche Wirksamkeit“ entlässt. Die Gedanken können über den Tod des Menschen hinaus weiterleben und ihn tragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Medikamente wirken auf beide Aspekte des Lebens – sprich: Auch was ich über etwas denke, bewirkt etwas. Wenn ich die Arnikawirkung denke, wirkt sie bereits, denn Gedanken wirken immer, sind ein reales Wirkprinzip. &#039;&#039;„Hab Sonne im Herzen, ob&#039;s stürmt oder schneit“&#039;&#039;. Wenn ich die Sonne meditiere, habe ich Licht und Wärme im Herzen, selbst wenn ich Bauchweh habe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Denken vermindert Heilkraft, positive Gefühle verstärken sie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Indem ich denke, nehme ich der ätherischen Wirksamkeit im Körper aber auch etwas weg, weil es dieselben Kräfte sind, die dem Körper zur Gesundheit verhelfen. D.h, der Körper ist am gesündesten, wenn man nicht denkt, also im Schlaf, weil da die gesamten ätherischen Kräfte (auch diejenigen, die tagsüber außerkörperlich dem Denken dienen) in den physischen Leib einziehen und an seiner Regeneration arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am besten ist es, wenn der Patient über ein Heilmittel gerade so viel weiß, dass er sich freut und ihm ein bisschen warm wird bei dem Gedanken, dass er es jetzt einnehmen darf. Denn diese positiven Gefühle teilen sich auch dem Körper mit und beeinflussen den Stoffwechsel positiv. Positive Gefühle führen dem Ätherleib vom Seelischen her positive Kräfte zu, wie dies gesunde Ernährung vom Physischen her tut. Zuviel Nachdenken über die Wirkung mindert diese jedoch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch weniger zuträglich ist es, wenn ein Patient nicht so recht weiß, wie ein Mittel wirkt, oder Angst bekommt, wenn er den Beipackzettel liest. Dann fühlt er sich verunsichert – weswegen 40 Prozent der Medikamente in den Müll und nicht in den Magen der Patienten wandern. Wieder zuhause entscheiden sie, dass es ihnen eigentlich gar nicht so schlecht geht und nehmen das verordnete Medikament lieber nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur Anthroposophischen Medizin, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== EIGENE ERFAHRUNGEN BEIM ARZTSTUDIUM ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was wirkt auf den Menschen konstruktiv bindend?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was unterstützt einen Menschen in seiner Entwicklung?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was bedeutet es eigentlich zu helfen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Womit helfe ich und was macht mich sicher, dass ich dabei nicht ein neues Problem schaffe?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fragen als Motivation fürs Medizinstudium&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ich komme ursprünglich aus der Pädagogik und habe gemerkt, wie stark mein Einfluss als Erzieher auf das Kind ist, wie stark das Vorbild wirkt, weil die Schüler alles sehr umweltoffen nachahmen, auch noch in der Oberstufe. Der Einfluss reicht bis ins Gesundheitliche hinein. Ich erlebte daran, welch riesige Verantwortung man hat durch die Art, wie man als Mensch auf andere wirkt. Ich habe mich zum Medizinstudium entschlossen, weil ich herausfinden wollte, wie es zu dieser Wirkung kommt. In dem Zusammenhang bewegten mich die oben genannten Fragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angespornt von der Begeisterung die Antworten zu finden, begann ich mein Studium. Ich war damals 25 Jahre alt, eine Spätberufene also, und hatte das Glück, die Anthroposophie parallel zum Studium studieren zu können. Ich habe sozusagen als angehende Anthroposophin Medizin studiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich fühle mich sicher und gewiss, wenn es mir gelingt, ein anatomisches Substrat, ein Ergebnis, z.B. Phasen der Embryonalentwicklung, wirklich zu verstehen: etwas denken zu können und das, was ich denke, in dem, was ich sehe, als evident wiederzuerkennen; mein Denken und meine Wahrnehmung als kongruent zu erleben; wenn das, was ich denke, auch passiert oder ich es sehe. Dazu gehört auch, das, was ich sehe, zu verstehen, dass es mir nicht ein dunkles Rätsel bleibt; ein Evidenzerlebnis zu haben. Ich hatte durch die Anthroposophie die Möglichkeit, die Medizin sensibel zu hinterfragen und mir Evidenzerlebnisse zu erarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vieles lernt man, ohne es zu verstehen. Man hat etwas festgestellt und soll es anschließend wissen. Bei uns stand über allen Examensfragen: &#039;&#039;„Der Student soll wissen, dass…“&#039;&#039; und dann kamen die Multiple-Choice-Angebote, aus denen man das Richtige heraussuchen musste. Es ist nervtötend, wenn nur Wissen abgefragt wird und kein Verständnis. Nur in den mündlichen Prüfungen ging es manchmal um echtes Verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Stoffwechsel und Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In den ersten vier Vorträgen im &#039;&#039;„Landwirtschaftlichen Kurs“[1]&#039;&#039; spricht Steiner über die spirituelle Bedeutung von Phosphor, Schwefel, Stickstoff, Sauerstoff und Wasserstoff. Die ganze Eiweißchemie bzw. Biochemie unseres Körpers beruht auf diesen Elementen. So konnte ich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;&#039; mit dem &#039;&#039;Phosphor&#039;&#039; in Zusammenhang bringen,&lt;br /&gt;
* den &#039;&#039;&#039;Astralleib&#039;&#039;&#039; mit dem &#039;&#039;Stickstoff&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* den &#039;&#039;Sauerstoff&#039;&#039; mit dem Leben, dem &#039;&#039;&#039;Ätherischen&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* den &#039;&#039;Schwefel&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;zwischen dem physischen Leib und dem Ätherleib wirksam&#039;&#039;&#039; sehen – denn „er macht den physischen Leib geneigt, die Wirkungen des Ätherischen aufzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht hier um die Erkenntnis, wie die vier Wesensglieder im Stoffwechsel aktiv sind, wobei diese vier Hauptelemente wie Tore sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wasserstoff hat eine Sonderposition. Er gehört wesentlich zum Wärmeorganismus und ist sogar &#039;&#039;das&#039;&#039; Zentralelement des Wärmeorganismus. Er ist das leichteste Element, das von sich aus zur Sonne geht, der Gravitation nicht unterliegt, weil es zu leicht ist. Wenn es nicht regnen würde, würde der Wasserstoff die Erde verlassen und sich in der Sonne sammeln. Aber durch Regen, Blitze und Donner, diese enormen energetischen Entladungen, kommt es zur Knallgasverbindung, durch die der Wasserstoff wieder an den Sauerstoff gebunden wird und so wieder auf die Erde kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wissen als etwas Vorläufiges begreifen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ich habe mir in dem Zusammenhang nie die Frage gestellt, ob etwas richtig oder falsch ist, sondern ob es mir zugänglich ist oder nicht. Wenn ich etwas verstanden hatte, war es für mich gewiss.[2] Wenn anschließend jemand erklärte, dass dies nur ein Vorgipfel wäre und die wahre Wirklichkeit noch tiefer läge, noch etwas komplizierter sei, war ich auch dafür offen. Das vorherige Endergebnis gilt dann eben als vorläufig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und man muss auch nicht von Anfang an alles wissen. Ich habe manchen Patienten damit glücklich gemacht, dass ich sagte: &#039;&#039;„Wir beginnen erst einmal mit diesem Therapieansatz – ich werde mich aber noch mit Kollegen beraten, was in Ihrem Fall das Beste ist.“&#039;&#039; Wirkliches Wissen hat Prozesscharakter und kongruiert mit der wachsenden Lebenserfahrung, die durch die Menschen, mit denen wir zusammenleben und -arbeiten, bereichert wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur AM, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft (Landwirtschaftlicher Kurs), Acht Vorträge&#039;&#039;, Koberwitz bei Breslau, 07.06 – 16.06.1924.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Dazu siehe auch: Glöckler, Michaela: &#039;&#039;Einblicke in die anthroposophisch-medizinische Forschung und die Arbeit der Medizinischen Sektion&#039;&#039;. In: Christiane Haid, Constanza Kaliks, Seija Zimmermann (Hg.): &#039;&#039;Goetheanum - Freie Hochschule für Geisteswissenschaft. Geschichte und Forschung der Sektionen.&#039;&#039; Verlag am Goetheanum, Dornach 2017: Rudolf Steiner betonte wiederholt, dass es sich bei seinen Schilderungen und Sichtweisen um ein Wissen handle, das von ihm selbst erarbeitet wurde und als Wissen oder Erkenntnis und nicht als Glaubensinhalt vorgebracht werde. Daher möge man das von ihm Dargestellte als anregende Idee, als Arbeitshypothese nehmen und selbst prüfen, ob es der eigenen Lebenserfahrung und Erkenntnissuche standhalten und dem Leben dienen könne. Auch hoffte er, dass der akademisch geschulte Leser seiner Schriften die Anstrengung unternehmen würde, seine auf meditativen Wegen errungenen Einsichten mit Hilfe empirischer Forschungsmethoden nachzuweisen. Damit führte Steiner in den wissenschaftlichen Diskurs das Prinzip der internen bzw. inneren Evidenz ein: Was man - gestützt auf Erfahrung und Einsicht - als richtig erkannt hat, empfindet man als „innerlich evident“. Es bedarf dann aber auch noch der externen Evidenz, damit man anhand reproduzierbarer Fakten die Legitimität des als richtig Erkannten aufzeigen kann. Beide Evidenzen zusammen ergeben eine umfassende Erkenntnis von Mensch und Welt und die Möglichkeit, sich ein ganzheitliches Menschen- und Weltverständnis zu erarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE FÜNF FUNKTIONSBEREICHE IN DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Funktionsbereiche deckt die Anthroposophische Medizin ab?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Funktionsbereiche des Lebens&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Unser aller Leben spielt sich auf unterschiedlichen Ebenen ab, die ich hier Funktionsbereiche nennen möchte. Im Folgenden werde ich sie genauer beschreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Physischer Funktionsbereich: Leben im Raum ====&lt;br /&gt;
Alles Physische findet im Raum statt und gründet auf räumlich fassbare Strukturen. Der physische Leib des Menschen ist umso gesünder, je besser er an sein Milieu, die jeweilige Umwelt angepasst ist. Vieles an unserer Umwelt macht uns über Wasser, Ernährung und Luft krank, aber auch – wenn es passend wirkt – gesund. Physisch sind wir offene Systeme. Auch was wir über die Sinne aufnehmen, prägen wir uns ein, prägt uns. Alles Schöne wirkt aufbauend, alles Unschöne schwächt. Alles wirkt, egal ob wir sofort krank werden oder nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier ist die Domäne der Schulmedizin. Anthroposophische Ärzte sind zunächst alle auch Schulmediziner, das ist unsere Grundlage. Diagnostische Fragen zum Physischen lauten beispielsweise:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Sind Medikamente nötig, die am Ort des aktuellen Geschehens unmittelbar angreifen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ist eine Umgebungsveränderung vonnöten?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Muss in einem bestimmten Bereich Sinnesschulung nachgeholt bzw. verstärkt werden?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wären Achtsamkeitsübungen bzw. irgendetwas, das die physische Resonanz mit dem Umfeld verbessert, hilfreich?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ätherischer Funktionsbereich: Leben als Prozess ====&lt;br /&gt;
Auch im Ätherischen sind wir offene Systeme. Mit ätherischer Kraft bezeichnet man in der Anthroposophischen Medizin, was man in der orientalischen Tradition Chi oder Lebenskraft nennt. Das Ätherische umfasst alles Prozessuale, das eine Zeitstruktur und Rhythmus hat. Im aristotelischen Sinne befinden wir uns damit in der Kategorie der Zeit. Alles Ätherische ist prozessual, lebendig, zyklisch, miteinander zusammenhängend, voneinander abhängig. Selbst­­­regulation, Selbstheilungsprozesse, Regeneration, Wachstum, Gestaltung haben hier ihren Wirkort. Die anthroposophischen Arzneimittel, die alle prozessorientiert sind, setzen hier an. Viele werden auch mit homöopathischen Verfahren hergestellt. Alle Prozesse, die uns kränken und gesunden lassen, verlaufen im Zeitlichen. So können sich Verstöße gegen gesunde Lebensrhythmen, z.B. unregelmäßige Ernährung, negativ auswirken, sofern die Selbstregulation dies nicht kompensieren kann. Auch die Lebensgewohnheiten, die Art wie man seine Zeit strukturiert oder eben nicht strukturiert, – wie chaotisch oder geordnet man lebt – beeinflusst diesen Wirkbereich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn im Leben herrscht Ordnung, es ist ein geordneter Kosmos. Es wird durch die Sonne, die circadiane 24-Stunden-Rhythmik, durch den Wochenrhythmus und den lunaren Monatsrhythmus beeinflusst. Mit dieser „Bio-Kosmologie“ befasst sich die Rhythmusforschung. Die Sonne ist 150 Millionen Kilometer von uns entfernt. Wenn wir aber Sonnenbrand haben, haben wir ihn hier auf unserer Haut. Unser gesamter Knochenstoffwechsel hängt von der Sonne ab, auch die gesamte chlorophyllproduzierende Pflanzenwelt. Wir sind sonnengetragene Wesen, wir leben in diesem Sonnenraum. Es gibt kein Leben ohne Wasser und Sonne. Die Griechen nannten den durchsonnten blauen Himmel den Äther. Daher auch der Begriff „ätherische Organisation“ für diesen Funktionsbereich. Das Leben auf der Erde muss viel umfassender gedacht werden, als wir das gewöhnlich tun, wenn wir vom Leben sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diagnostische Fragen zum Ätherischen zielen daher auf die Lebensgewohnheiten ab: Ernährung, Schlaf, Work-Life-Balance, aber auch Rituale, Gewohnheiten, religiöse oder meditative Hilfsmittel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Astraler Funktionsbereich: seelisches Erleben in Beziehung zu sich und anderen ====&lt;br /&gt;
Hier geht es um das Gefühlsleben, um die unbewusste und bewusste Beziehungsgestaltung. Alles, was in einer Beziehung stattfindet, was im Gefühl und Bewusstsein lebt, geht über Raum und Zeit hinaus in die „Innerlichkeit“ und erhält durch die Erinnerbarkeit Dauer. Die Beziehung zu sich selbst und den Menschen und Dingen im Umfeld ist ein reicher Kosmos, ein komplexes Netzwerk, ist so etwas wie eine Sternenkonstellation. Das Wort „Aster“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet Stern. Mit diesem Begriff möchte Rudolf Steiner nicht nur an die seelischen Sternkonstellationen erinnern, denen wir angehören, sondern auch an die himmlische Heimat der Seele und deren Verwandtschaft mit der Sternenwelt, die auch in den astrologischen Traditionen zum Ausdruck kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beziehungen können sich wandeln, wir können unser Verhältnis zu ihnen ändern. Wenn sie kaputt gehen, tut es so weh, dass man früher oder später wieder daran arbeiten wird. Unter dem Gesichtspunkt der Reinkarnation gibt es noch einen weiteren Aspekt, der das Ringen um eine positive Entwicklung in unseren Beziehungen in seiner Bedeutsamkeit unterstreicht. Christian Morgenstern drückt dies in einem seiner Gedichte so aus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wir müssen immer wieder uns begegnen&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;und immer wieder durch einander leiden,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;bis eines Tages wir dies alles segnen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;An diesem Tage wird das Leiden weichen,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;das Leiden, welches Selbstsucht zeugte,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;das Leiden wenigstens, das Blindheit zeugte,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;das uns wie blinden Wald im Sturme beugte.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Dann werden wir in neues Ziel und Leben&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;wie Flüsse in ein Meer zusammenfließen,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;und kein Getrenntsein wird uns mehr verdrießen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Dann endlich wird das „... suchet nicht das Ihre“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wahrheit geworden sein in unsern Seelen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und wie an Kraft wird&#039;s uns an Glück nicht fehlen.[1]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diagnostische Fragen zu der astralen Wirkrichtung betreffen biographische Zusammenhänge und damit verbundene Krankheitsursachen. Oft können Biographiearbeit, künstlerische Therapien, Bewegungstherapien und Körperarbeit helfen, das Bewusstsein für sich selbst und die Menschen im eigenen Schicksalsfeld zu harmonisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Funktionsbereich der Ich-Organisation: als Individuum leben ====&lt;br /&gt;
Hier haben wir es mit dem Bereich zu tun, den Goethe „die Dauer im Wechsel“ nannte. Die Ich-Organisation ist gegenüber dem ewigen Wesen des Menschen, seinem spirituellen Kern, offen. Sie umfasst alle Gesetzmäßigkeiten, die mich vor mir selbst und vor anderen persönlich legitimieren, die nur die eigene Individualität betreffen, für die ich mir selbst die Arbeitsrichtung vorgeben kann. Von der eigenen Ich-Verfassung, vom Selbstwert-Gefühl und der Art der Identitätsbildung hängt es ab, wie lange man z.B. negative Gefühle zulässt oder wieviel Stresstoleranz man besitzt. Wer sein Leben, sein Schicksal, mit allen Hoch- und Tiefpunkten, als seinen persönlichen Entwicklungsweg sehen kann, findet in jeder Lebenslage Motive für das, was gerade hier und jetzt gelernt oder getan werden könnte und kann innere Ruhe und die Übereinstimmung mit sich bewahren. Die Resilienzforschung hat viele wertvolle Beweise dafür geliefert, in welch hohem Maße die Art des Umgangs mit sich selbst und der gewählte Lebensstil den Gesundheitszustand von Leib und Seele beeinflussen.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was muss geschehen, damit ein Mensch wieder zu einer positiven Identität und Lebenseinstellung findet, auch wenn seine Umstände traurig oder widrig sein mögen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Anregung für die innere Schulung, für sein Selbstmanagement, für seine Identität kann ich ihm vermitteln, damit er freudig und&#039;&#039; &#039;&#039;wahrhaft als Ich erleben kann?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fragen dieser Art bewegen den Arzt – aber auch Fragen der Prävention&#039;&#039;: Was kann in den Erziehungsjahren geleistet werden, nicht nur für eine gesunde körperliche Entwicklung, sondern auch für die seelische und insbesondere die geistige, Identität stiftende Entwicklung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Funktionsbereich der spirituellen Orientierung: Weltentwicklung bejahen ====&lt;br /&gt;
Hier treten wir aus unserem individuell Menschlichen völlig heraus. Der Kopf ist das Beziehungsorgan, das uns mit der ganzen Welt verbindet, ist unser offenes, rein zur unsichtbaren Welt der Gedanken, den Sinneseindrücken, Vorstellungen sowie dem Bewusstsein hin orientiertes Gebilde. Paracelsus[3] nannte diese Perspektive, die Art, wie wir mit den unsichtbaren Kräften des Denkens, Fühlens und Wollens umgehen, die Quinta Essentia. Die vier anderen „Essenzen“ haben mit den Aggregatzuständen fest, flüssig, gasförmig und Wärme zu tun, die alle noch physisch fassbar sind. Die Quinta Essentia jedoch ist rein spirituell, rein geistig. Sie wird uns zunehmend bewusst durch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* seelisch-geistige Verwandlungsprozesse dank meditativer Schulung,&lt;br /&gt;
* Verfeinerung der Gedanken,&lt;br /&gt;
* Gefühls- und Willenskultur der Achtsamkeit.&lt;br /&gt;
* Die Tugenden und verbindlichen Lebenswerte gehören ebenso in diesen Bereich, &lt;br /&gt;
* aber auch wie ich meine Beziehungen ordne, wie ich meine Identität erlebe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn wie ich mein äußeres und mein biografisch-zeitliches Leben veranlage, hängt letztlich davon ab, wie ich über mich und andere, über die Welt und Gott denke. Eine echte spirituelle Orientierung ist die stärkste salutogenetische Perspektive. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Erlösende menschheitliche Perspektive&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Meine Erfahrung ist, dass es heute immer mehr Menschen gibt, die von einer basalen Trauer und Sorge erfüllt sind in Bezug auf das Weltgeschehen und die Menschheitsentwicklung. Sie sind nicht krank oder deprimiert durch eine schlechte Lebensweise oder Drogen, auch nicht aufgrund negativer Beziehungen. Sie erleben sich vielmehr dadurch beeinträchtigt, dass sie den Eindruck haben, es geht mit der Menschheits- und Erdenentwicklung nicht gut voran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um dem konstruktiv begegnen zu können, braucht es eine große, umfassende, menschheitliche Perspektive, die aufzeigt, dass die Menschheit zwar heute eine besondere Krise durchmacht, verursacht durch den Zerfall von Werten und eine enge materialistisch-ökonomische Weltsicht. Es gilt jedoch zu verstehen, dass nur der Durchgang durch eine Periode des Verlustes spiritueller Perspektiven und humaner Entwicklungsbedingungen das Individuum aus allen kollektiven – auch der religiösen – Bindungen zu befreien vermag, damit es auf dieser Basis neu und selbstständig sein Verhältnis zum weiteren Verlauf der Geschichte zu bestimmen in der Lage ist. Nur ein echtes Verständnis dieser Entwicklungszusammenhänge kann dem sonst unweigerlich eintretenden Kulturpessimismus vorbeugen bzw. kann ihn heilen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anthroposophische Arzt wird seinen Patienten anamnestisch mit Bezug auf diese fünf Funktionsbereiche hin anschauen und womöglich befragen. Am Ende muss er intuitiv entscheiden, wie er den besten Zugang zu dem betreffenden Patienten finden kann, um den notwendigen Gesundungsprozess anzuregen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Mehr hierzu in: Was ist Anthroposophische Medizin? Verlag am Goetheanum, 2017&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Christian Morgenstern, &#039;&#039;Stuttg. Ausgabe, Band 2 Lyrik 1906 – 1914&#039;&#039;, Urachhaus Verlag, Stuttgart 1992, S. 217.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Siehe z.B. Fröhlich-Gildhoff, Klaus / Rönnau-Böse, Maike: &#039;&#039;Resilienz&#039;&#039;. Ernst Reinhardt Verlag, München 2015.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Philippus Theophrastus Aureolus Bombastus von Hohenheim, getauft als Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, (* vermutlich 1493 in Egg, Kanton Schwyz; † 24. September 1541 in Salzburg) war ein Arzt, Alchemist, Astrologe, Mystiker, Laientheologe und Philosoph. Paracelsus hinterließ zahlreiche deutschsprachige Aufzeichnungen und Bücher medizinischen, astrologischen, philosophischen und theologischen Inhalts, die größtenteils erst nach seinem Tod gedruckt wurden (wikipedia).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE WESENSGLIEDER UND IHRE DIAGNOSTIK ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was versteht die Anthroposophische Medizin unter Wesensgliedern?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie lassen sie sich beschreiben?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wesensglieder als Zusammenhänge von Gesetzmäßigkeiten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das Wissen von Körper, Leben, Seele und Geist ist so alt wie die Menschheit. Rudolf Steiners Beitrag besteht jedoch darin, eine neue Zugangsweise zu diesen vier Erfahrungsfeldern aufgezeigt zu haben. Er verwendete für die von ihm in Medizin und Pädagogik eingeführte Terminologie die Worte „Leib“ bzw. „Organisation“.[1] Diese Termini machen nicht nur den Zusammenhang zwischen den Reichen der Natur und den Aggregatzuständen der Materie deutlich, sondern stehen auch für die differenzierte Ganzheit des Menschenwesens nach Geist (Ich-Organisation), Seele (astralische Organisation), Leben (ätherische Organisation) und Körper (physische Organisation). Sie zeigen die komplexen Zusammenhänge von Gesetzmäßigkeiten, durch die sich der Mensch erkennen, erleben, ausdrücken und betätigen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Anthroposophischen Medizin wird also nicht nur die naturwissenschaftliche Beschreibung von Aufbau und Funktion des menschlichen Körpers berücksichtigt, sondern auch die Wirkung der sogenannten Wesensglieder auf den Körper, die von der zugehörigen Gesetzmäßigkeit bestimmt werden und so in das Körpergeschehen eingreifen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Diagnostik der Wesensglieder ermöglicht ein differenziertes Erfassen des Inkarnationszustands des Menschen in Gesundheit und Krankheit, woraus sich der jeweils passende therapeutische Ansatz ableiten lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Physischer Leib – fest ====&lt;br /&gt;
Der physische Leib wird von Stoffen und Kräften im festen Aggregatzustand aufgebaut – sie machen die sinnlich beobachtbare Beschaffenheit des Körpers im Raum aus (griechisch &#039;&#039;physis&#039;&#039; = Körperbildung, Gestalt). Der ganzheitlich-systemische Begriff des Physischen umfasst den gesamten Bereich des Mineralisch-Anorganischen: Dazu gehören die Gesetze der Gravitation, der Mechanik, aber auch die Zerfalls- und Sterbeprozesse von Strukturen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was erkannt werden kann, wenn man dem menschlichen Organismus Stoffe, Gewebe und Partikel entnimmt und analysiert, gehört in das Gebiet des Physischen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ätherleib - flüssig ====&lt;br /&gt;
Der &#039;&#039;Ätherleib&#039;&#039; umfasst die Gesamtheit der Lebensprozesse. Diese sind an den flüssigen Aggregatzustand gebunden und liegen allen Vorgängen zugrunde, die chemische und physikalische Prozesse zu biochemischen und physiologischen Prozessen steigern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wort „Äther“ kommt aus dem Griechischen und heißt Himmel. Damit schließt das Ätherische auch den durchsonnten, blauen Himmelsraum ein, ohne den Leben auf der Erde nicht möglich wäre. Insbesondere die Pflanzenwelt wird davon bestimmt: Das zeigt sich z.B. in der sonnenvermittelten Fotosynthese, die Grundlage der Lebenstätigkeit aller Pflanzen ist. Doch auch ihre Biorhythmen haben ihre Zeitgeber in der Solar- und Lunarperiodik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039;  Astralleib – gasförmig, luftig ====&lt;br /&gt;
Die Kräfte und Gesetzmäßigkeiten, die Bewegung, Bewusstsein und seelischen Ausdruck ermöglichen, bezeichnete Steiner mit &#039;&#039;Astralleib&#039;&#039;, lateinisch „aster“ (Stern). Das Weltall mit seinen Sternkonstellationen ist ein Bild davon: Jeder Planet, jeder Fixstern ist anders als der andere und doch stehen alle in konkreten, sich stets wandelnden Beziehungen zueinander, Konstellationen genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Physiologisch gesehen sind die Bewegungs-, Sprach- und Gefühlsäußerungen an das Vorhandensein von Luft gebunden. Der Astralleib kann nur über den Gaszustand der Materie in das Körpergeschehen eingreifen und ist auch im Hinblick auf seine Wirkungsweise von den Gesetzen bestimmt, die dem Gaszustand eigen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ich-Organisation - Wärme ====&lt;br /&gt;
Für den Gesetzeszusammenhang, der es der selbstbewussten Persönlichkeit erlaubt, sich zu erleben und auszudrücken, wählte Steiner den Begriff &#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;. Diese ist an die Gesetze der Thermodynamik, der Wärme, gebunden. Jeder Mensch erlebt sein Ich und die Persönlichkeitsäußerungen des Anderen in Form von jeweils zum Ausdruck kommenden Wärmedifferenzen bzw. als Wärme- und Kälteausstrahlung. Die kritische Temperatur des jeweiligen Elementes entscheidet, in welchem spezifischen Aggregatzustand die Materie erscheint. Das dem gesunden Körperleben des Menschen zugrundeliegende Wärmeoptimum liegt bei 37°. Es wird durch eine komplizierte Temperaturregulation im Rahmen definierter tages- und jahresrhythmischer Schwankungen konstant gehalten. Auch hängt es jeweils vom geistigen Wärmezustand (Begeisterung) ab, ob und wofür ein Mensch seine Kraft im Leben einsetzt und wie er seine Persönlichkeit zentriert und beherrscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Berechtigte Annahme komplexer Ordnungsprinzipien&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Mit der systemischen Begrifflichkeit der Wesensglieder ist einerseits die Brücke geschlagen zur aristotelischen Elementenlehre, die die Aggregatzustände konsequent mit den Naturreichen (Mineral, Pflanze, Tier, Mensch) verbindet. Andererseits kann dadurch auch ein konkreter Bezug hergestellt werden zur heutigen Faktenfülle naturwissenschaftlicher Forschungen als Grundlage für ein ganzheitliches Bild des Menschen, der sich in Körper, Seele und Geist gliedert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiners Vorgehensweise, übergeordnete Begriffe zu bilden, wird untermauert von Annahmen aus der Systemforschung, die längst von höheren, vernetzten Formgebern und Prozessgestaltern ausgeht, die sie entweder entdeckt oder hypothetisch angenommen hat: Man verwendet den Begriff „Feld“[2] oder spricht von „intraorganischen Ordnungsmustern“ aus der mathematisch-geometrischen Symmetrie und Asymmetrie, die sich nicht mithilfe der darwinistischen Paradigmen von Selektion, Mutation und Anpassung erklären lassen.[3] Auch die Frage nach der Symmetrie als einem universalen Kausalprinzip gehört hierher. All diese Überlegungen und Forschungen besagen, dass es letztlich Gedanken, Gesetze, übergreifende Gesetzeszusammenhänge sind, die sich in den Ordnungen und Wandlungen der Evolution abbilden bzw. diese vorantreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant sind in diesem Zusammenhang auch die derzeit oft gebrauchten Begriffe der Autoregulation, Selbstregulation oder Selbstheilung. Die Wesensgliederdiagnostik kann diese Begriffe mit einem differenzierten Inhalt füllen und dieses Selbst (griechisch: autos) in seinen körperlichen, seelischen und geistigen Ausdrucks- und Funktionsweisen beschreiben.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen.&#039;&#039; GA 37, Rudolf Steiner Verlag, Dornach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rupert Sheldrake, &#039;&#039;The presence of the past. Morphic resonance and the habits of nature.&#039;&#039;  Hammersmith, UK 1988.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Antonio Lima-de-Faria, &#039;&#039;Evolution without Selection. Form and Function by Autoevolution.&#039;&#039; New York 1988.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Werner Hahn/ Peter Weibel (Hrsg.), &#039;&#039;Evolutionäre Symmetrietheorie. Selbstorganisation und dynamische Systeme.&#039;&#039; Stuttgart 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== PARAMETER DER WESENSGLIEDER-DIAGNOSTIK ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen Parametern folgt die Wesensglieder-Diagnostik?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wesensglieder als Gesetzeszusammenhänge des Menschseins&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der phänomenologischen Philosophie und Psychologie ist man gewohnt, den Körper „Leib“ zu nennen. Man meint damit das individuell Geformte bzw. das „Gefäß&amp;quot;, das von allen Funktionen und Seelenerlebnissen ein Aus- und Abdruck ist. Rudolf Steiner verwendet als Bezeichnung für die Wesensglieder je nach Kontext die Ausdrücke „Leib“, „Organisation“ und „Organismus“ oder „Gesetzeszusammenhang“. In der Diagnostik wird der körperliche Ausdruck der Wesensglieder im Einzelnen beschrieben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Physischer Leib ====&lt;br /&gt;
Zu den Beurteilungsgrößen des physischen Leibes gehören neben Körpergröße und Körpergewicht die chemische Analyse (Labordiagnostik) sowie die Ausformung der einzelnen Organe, der konstitutionelle Habitus, und inwiefern dieser durchlässig ist für die Vorgänge des Lebens, der Seele und des Geistes – d.h. für den „Inkarnationszustand&amp;quot; des betreffenden Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ätherleib ====&lt;br /&gt;
Zur Diagnostik des ätherischen Organismus gehört neben dem Erfassen der aktuellen Gesamtvitalität und der Vitalität der einzelnen Organe auch die Beurteilung von Wachstum, Entwicklung und Regenerationsfähigkeit sowie des Säure-Basen-Verhältnisses, des Wasser- und Elektrolythaushaltes und des Zusammenspiels der Biorhythmen, aber auch die Erfassung der Art der Gedankenführung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Astralleib ====&lt;br /&gt;
Die Wirkungsweise des Astralleibes wird einerseits am Bewegungsspiel der Muskulatur und ihres Tonus abgelesen, andererseits aus der Art des Sprechens und der Atemführung sowie des Instinkt-Begierde-Verhaltens erschlossen. Empfindungsleben, „Sensibilität&amp;quot; und das Spektrum der Gefühlsäußerungen geben Aufschluss über seinen aktuellen Zustand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Stärke oder Schwäche der Ich-Organisation können am Zusammenspiel aller Funktionen und Wesensgliedertätigkeiten abgelesen werden. Jede Form von Integrations- und Kontrollverlust zeigt eine Schwächung oder Störungen im Bereich dieses Wesensgliedes an. An dieser Stelle ist es wichtig zu bemerken, dass die Ich-Organisation zwar dem geistigen Wesen Mensch, d.h. seinem Ich, die körperliche – und damit vergängliche –Möglichkeit zur Inkarnation bietet, mit dieser jedoch nicht identisch ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Faktenfülle durch Wesensgliederdiagnostik&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Des Öfteren wird gefragt, warum die Wesensglieder-Diagnostik nötig ist, welche zusätzlichen Informationen sie über das hinaus bieten kann, was eine sorgfältige und umfassende klinische Diagnostik ohnehin leistet. Dazu ist zu sagen, dass das sehr umfassende Studium des jeweiligen Wesensgliedes und der damit zusammenhängenden Gesetzmäßigkeit zusätzliche Informationen liefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die in der Tabelle unten angeführten Parameter implizieren eine große Faktenfülle und eröffnen durch ihre Zusammenschau neue Einsichtsmöglichkeiten in die menschliche Natur, vor allem auf den direkten Zusammenhang der seelisch-geistigen Funktionen mit den physiologisch-anatomischen Strukturen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;Wesensglied&#039;&#039;&#039; und  Naturgesetzlichkeit&lt;br /&gt;
|Selbsterleben und &lt;br /&gt;
kreative Handhabbarkeit&lt;br /&gt;
|Morphologie &lt;br /&gt;
Physiologie&lt;br /&gt;
|Physische Symptomatik&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;&#039;Wärmeorganismus&lt;br /&gt;
Thermodynamischer&lt;br /&gt;
Gesetzeszusammenhang&lt;br /&gt;
|Selbstbewusste &lt;br /&gt;
Gedankentätigkeit,&lt;br /&gt;
Intentionalität,&lt;br /&gt;
Initiative,&lt;br /&gt;
Dicht- und Sprachkunst&lt;br /&gt;
|Integrationsprozesse Gesamtgestalt&lt;br /&gt;
|Individuelle Wärmeverteilung „Ausstrahlung&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;Astralleib&#039;&#039;&#039;Luftorganismus&lt;br /&gt;
Aerodynamischer&lt;br /&gt;
Gesetzeszusammenhang&lt;br /&gt;
|Bewusstsein, Gefühl, Impulsivität, Bewegung&lt;br /&gt;
Musik und Gesang&lt;br /&gt;
|Atmung&lt;br /&gt;
Katabole Stoffwechselvorgänge&lt;br /&gt;
Heterostase&lt;br /&gt;
Differenzierung&lt;br /&gt;
Proportionen&lt;br /&gt;
|Muskeltonus&lt;br /&gt;
(Anspannung und Lösung)&lt;br /&gt;
Lufthaushalt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;Ätherleib&#039;&#039;&#039;Wasserorganismus &lt;br /&gt;
Hydrodynamischer&lt;br /&gt;
Gesetzeszusammenhang&lt;br /&gt;
|Auftrieb&lt;br /&gt;
Schwerelosigkeit Zeitprozesse&lt;br /&gt;
plastisches Gestalten&lt;br /&gt;
|Anabole Stoffwechselvorgänge&lt;br /&gt;
Synthese&lt;br /&gt;
Homöostase&lt;br /&gt;
Proliferation&lt;br /&gt;
|Turgor&lt;br /&gt;
Wasserhaushalt&lt;br /&gt;
Inkarnat&lt;br /&gt;
Hautdurchblutung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;Physischer Leib&#039;&#039;&#039;Feste Organisation&lt;br /&gt;
Gravitation&lt;br /&gt;
Gesetzeszusammenhänge der Festkörperphysik und Mechanik&lt;br /&gt;
|Egoität&lt;br /&gt;
Schwerpunkt erleben architektonisches Gestalten&lt;br /&gt;
|Ablagerungsprozesse&lt;br /&gt;
Strukturierungsprozesse&lt;br /&gt;
Form-Zusammenhalt&lt;br /&gt;
|Dichte&lt;br /&gt;
Gewicht&lt;br /&gt;
Laborparameter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tab. 1.1 Diagnostische Parameter im Funktionsbereich der Wesensglieder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FORSCHUNG UND WEITERENTWICKLUNG IN DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;In welche Richtungen wird in der Anthroposophischen Medizin geforscht?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Möglichkeiten der Evaluation gibt es?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Forschung und Evaluation&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aufgrund ihres natur- und geisteswissenschaftlichen Menschenbildes hat die anthroposophisch-medizinische Forschung zwei Arbeitsrichtungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Eine, die sich den derzeit vorgegebenen akademischen Standards anpasst und Unbedenklichkeit und &#039;&#039;&#039;Wirksamkeit anthroposophischer Arzneimittel&#039;&#039;&#039; untersucht. &lt;br /&gt;
# Und eine andere, die nach den &#039;&#039;&#039;geistigen Ursachen von Krankheit&#039;&#039;&#039; und den &#039;&#039;&#039;heilenden Möglichkeiten der Natur&#039;&#039;&#039; mit ihren Substanzen und Prozessen fragt. &lt;br /&gt;
# Zu jeder seriösen Forschung gehören auch effektive &#039;&#039;&#039;Möglichkeiten der Evaluation&#039;&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophische Medizin ist nicht nur historisch jung, sondern auch in ständiger Weiterentwicklung begriffen. Ihre weltweiten Arbeitszusammenhänge in Forschung, Ausbildung und Praxis werden in der Medizinischen Sektion am Goetheanum in der Schweiz koordiniert.[1] Dort findet sich auch eine Übersicht über die aktuelle Literatur, die Forschungsinstitute und Kliniken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ad 1. Studiendesigns für anthroposophische Arzneimittel ====&lt;br /&gt;
Gegenwärtig wird an Studiendesigns gearbeitet, die der Herkunft, Herstellung und Anwendung anthroposophischer Arzneimittel gerecht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Freiburger Arzt und Wissenschaftler &#039;&#039;Helmut Kiene&#039;&#039; ist die im Juli 2000 erschienene komplementäre Methodenlehre der klinischen Forschung zu verdanken, in der er eine Cognition-based Medicine der Evidence-based Medicine gegenüberstellt.[2] Diese Methodenlehre erstreckt sich auf folgende Evidenzbereiche:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wirksamkeitsnachweis&lt;br /&gt;
* Effektivitätsbeurteilung&lt;br /&gt;
* Therapievergleich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im „Freiburger Institut für angewandte Erkenntnistheorie und medizinische Methodologie“ wird derzeit an den praktischen Konsequenzen für ein neues Studiendesign gearbeitet, das sich auf hohem akademischem Niveau auf die individuelle Einzelfallanalyse stützt. Der Arbeit des Instituts entstammt auch die im Jahre 2003 erschienene umfassende Monographie zur Mistel in der Onkologie.[3] Mit diesem Buch liegt erstmals ein Werk vor, das den Stand der Forschung in Bezug auf die Misteltherapie bei onkologischen Erkrankungen für Mediziner, Wissenschaft­ler und Allgemeininteressierte verfügbar macht. Es leistet damit einen Beitrag zur wissenschaftlichen Diskussion wichtiger medizinischer Grundsatzthemen, aber auch zum Dialog der Denkstile. Es ist ein Beispiel einer gelungenen Synthese von naturwissenschaftlichem und geisteswissenschaftlichem Ansatz auf der Höhe der derzeit gültigen akademischen Standards.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ad 2. Grundlagenforschung zu Krankheit und Heilung ====&lt;br /&gt;
Die Grundlagenforschung befasst sich mit der Erarbeitung von Korrespondenzen zwischen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;&#039;Wesensgliedertätigkeit&#039;&#039;&#039; im Menschen,&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;&#039;Krankheitssymptomatik&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* bestimmten &#039;&#039;&#039;Prozessen in der Natur&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* und der &#039;&#039;&#039;Wirkung von Substanzen&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht darum, Naturprozesse aufzufinden und zu beschreiben, die für den jeweiligen Krankheitsfall die Selbstheilung anregen, einseitigen Funktionen entgegenwirken oder zu schwache Funktionen unterstützen können. Je genauer das therapeutische Ziel aufgrund der Erforschung des evolutiven Zusammenhanges von Mensch und Natur festgelegt werden kann, umso sicherer tritt in der Regel auch die erwünschte Wirkung beim Patienten ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Arzneimittelschatz der heute verfügbaren Anthroposophika entstammt der Zusammenarbeit von Ärzten, Pharmazeuten und Herstellern. Seit vielen Jahren fassen Anthroposophische Ärztinnen und Ärzte ihre Erfahrungen und Erkenntnisse zum Einsatz der Anthroposophischen Arzneimittel in einem Vademecum zusammen, das Fachkreisen zugänglich ist und ständig erweitert wird. Ideen zur Heilmittelfindung entstehen jeweils anhand konkreter Fragestellungen zum Patienten bzw. zu seiner Krankheitssituation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Ausgangsstoffe für die Arzneimittelherstellung mit Bezug auf Sicherheit und Unbedenklichkeit in der Regel schon bekannt sind, ist präklinische Forschung im Sinne von In-vitro- oder Tierversuchen nicht nötig. Wenn neue, noch nicht monographierte Naturstoffe Verwendung finden, unterliegen sie selbstverständlich dem allgemein üblichen Prozedere zur Feststellung von Wirksamkeit und Unbedenklichkeit der entsprechenden Substanz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von einem anthroposophischen Arzneimittel wird erwartet, dass es körperliche oder seelische Beschwerden mildern oder verschwinden lassen bzw. eine Krankheit verzögern, heilen oder womöglich auch verhindern kann. Da sich diese Art der Heilmittelfindung und -anwendung in der Regel am individuellen Patienten orientiert, sind Forschungs- und Evaluationsmethoden erforderlich, die diesem Umstand Rechnung tragen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ad 3. Projekte zur Evaluation der Anthroposophischen Medizin ====&lt;br /&gt;
Im Berliner Forschungsinstitut am Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe wurde mit einem Projekt zur Evaluation Anthroposophischer Medizin begonnen – dem EvaMed-Projekt. Ziel ist die Schaffung einer wissenschaftlich fundierten Datenbasis als Grundlage für den Nachweis zur Unbedenklichkeit und Wirksamkeit von Anthroposophika. Mittels informationstechnologisch gestützter Netzwerke wird Outcome- und Versorgungsforschung innerhalb der Anthroposophischen Medizin betrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der medizinischen Fakultät der Universität Witten-Herdecke wurde 2003 der Stiftungslehrstuhl für Medizintheorie und Komplementärmedizin unter &#039;&#039;Prof. Dr. Peter Matthiessen&#039;&#039; eingerichtet, zu dessen Aufgaben neben Forschung und Lehre auch die Implementierung eines Begleitstudienganges für Anthroposophische Medizin gehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Bern/Schweiz wurde bereits 1994 die „Kollegiale Instanz für Komplementärmedizin“ (KIKOM) eingerichtet und der Schweizer Arzt &#039;&#039;Dr. med. Peter Heusser&#039;&#039; mit der Dozentur für Anthroposophische Medizin beauftragt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Siehe unter: www.medsektion-goetheanum.org&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Helmut Kiene, &#039;&#039;Komplementäre Methodenlehre der klinischen Forschung: Cognition-based Medicine,&#039;&#039; Heidelberg – Berlin 2001.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Gunver S. Kienle/ Helmut Kiene, &#039;&#039;Mistel in der Onkologie: Fakten und konzeptionelle Grundlagen&#039;&#039;, Schattauer 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== AKTUALITÄT DER FORSCHUNGEN RUDOLF STEINERS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche von Rudolf Steiner vorausgesehenen Entwicklungen in der Medizin sind inzwischen Stand der Wissenschaft?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Von Steiner vorausgesehene medizinische Entwicklungen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Bezug auf die Medizin kann man feststellen, dass viele Aussagen in Bezug auf zukünftige medizinische Entwicklungen und Ergebnisse, die Rudolf Steiner vorausgesehen hat, mit denen er ganz selbstverständlich umging, wenn er über Medizin sprach, heute zum Allgemeingut der Wissenschaft gehören. Ich möchte im Folgenden zu jeder Ebene der menschlichen Konstitution Beispiele nennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Erbgut und Immunsystem – physische Ebene ====&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner sprach vor Heilpädagogen, Lehrern, Ärzten davon, dass das sich inkarnierende Kind selbst mit der Auswahl von Vater und Mutter und dem damit verbundenen Erbgut zu tun hat, und dass die sich inkarnierende Individualität selbst daran beteiligt ist, das Erbgut möglichst so zu mischen, wie es zu ihrem Inkarnationswillen passt. Er sagte auch, dass die sogenannten Kinderkrankheiten und fieberhaften Infekte, die während der ersten 8 – 9 Lebensjahre normalerweise gehäuft auftreten, der Individualität die Möglichkeit geben, den ererbten Leib sukzessive umzugestalten und an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genau diese Zusammenhänge wurden in den letzten Jahren im Rahmen der Epigenetik erforscht. Kein wissenschaftlich gebildeter Mensch glaubt mehr, dass das Erbgut ein geschlossenes System ist, das eine Marschroute vorgibt. Das Erbgut ist ein offenes System, das durch individuelle spirituelle Arbeit beeinflusst werden kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das führt heute zu völlig neuen Forschungsfragen auf dem Gebiet der &#039;&#039;„Mind-Body-Medicine“&#039;&#039;. Man erforscht dort die Wirkung von Medikation auf die neuronalen Verschaltungen, auf den Kreislauf usw. und merkt, dass die Medikation auch immunstimulierend wirkt, bzw. dass das Immunsystem dadurch verändert wird. Das Immunsystem wiederum ist das Schlüsselsystem, welches das Erbgut aktiviert und dafür sorgt, dass bestimmte Gene blockiert werden und nicht mehr funktionieren bzw. neue gezündet werden und anfangen zu funktionieren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir brauchen beide Ansätze, wenn wir eine wirklich humane menschliche Medizin schaffen wollen: Die Naturwissenschaft allein reicht nicht. Erst ergänzt um Erkenntnisse aus der Geisteswissenschaft wird Medizin wirklich menschengerecht. Denn es dauert viel zu lange, wenn erst jahrelang Nachweise von der Schädlichkeit einer Maßnahme erbracht werden müssen, bevor diese verboten wird, wie es der naturwissenschaftlichen Methodik entspricht. Dann kommt das Gute immer zu spät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Rudolf Steiners Forschungsmethode der Verifizierung&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Die Geisteswissenschaft macht methodisch das Umgekehrte. Sie macht aufgrund tiefer gehender Einblicke und Kenntnisse der menschlichen Konstitution Angaben über zu erwartende Ergebnisse einer Maßnahme. Man ist als Arzt und Therapeut immer frei, sich für das, was man für das Richtige hält, zu entscheiden. Das bedeutet, dass man für gut und richtig erkannte Maßnahmen und Methoden anwendet, auf diesem Wege verifiziert und anschließend dokumentiert, wie der Gedanke zum Tun und letztlich zu einem guten Ergebnis führte, wobei auftauchende Probleme reflektiert werden. Man erklärt z.B. genau, warum man eine Hypothese etwas modifizierte, um das gewünschte gute Ergebnis zu erzielen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das war die von Rudolf Steiner praktizierte Forschungsmethode: Aus profunder Menschenkenntnis und physiologischem Verständnis heraus eine Hypothese zu bilden und anschließend in der Praxis zu verifizieren, ob der hypothetisch angenommene Erfolg tatsächlich eintritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diesem Wege wurde in der anthroposophischen Medizin ein System für individuelle Einzelfalldokumentation auf hohem akademischem Niveau erarbeitet.[1] Es ist extrem viel Arbeit, diese Zusammenhänge so nachzuweisen, dass sie vor dem empirisch orientierten Denken der heutigen Zeit Bestand haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Rhythmusforschung – ätherische Ebene ====&lt;br /&gt;
Ein ähnlich begeisterndes Feld ist die Rhythmusforschung auf der ätherischen Ebene. Rudolf Steiner wurde nicht müde zu sagen: &#039;&#039;„Rhythmus trägt Leben“&#039;&#039;.[2] Beachtet und pflegt die Rhythmen – im meditativen Leben, in der Pädagogik, in der Medizin – und bedenkt, wann man was wie machen sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jedes Wesensglied hat seinen eigenen Rhythmus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039; folgt dem &#039;&#039;&#039;24-Stunden-Rhythmus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;Astralleib&#039;&#039; dem &#039;&#039;&#039;Wochenrhythmus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;Ätherleib&#039;&#039; dem &#039;&#039;&#039;Monatsrhythmus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;physische Leib&#039;&#039; dem &#039;&#039;&#039;Jahresrhythmus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir diese Rhythmen in unserem Lebensalltag beachten, verfügen wir über robuste Gesundheit – das ist heute alles durch die moderne Rhythmusforschung bestätigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Bindungs- und Beziehungsforschung – astrale Ebene ====&lt;br /&gt;
Auf seelischem Gebiet ist die Bindungs- und Beziehungsforschung angesiedelt. Heute ist klar nachgewiesen, was Rudolf Steiner immer wieder im paracelsischen Sinne betonte: dass die einzig wahre Arznei die Liebe ist. Was in der Arzt-Patienten-Beziehung als professionelle Liebe, als Hingabe an den Patienten wirkt, entspricht der Liebesqualität, die auch Lehrer- und Schülerseelen verbindet. Die Frage Steiners – &#039;&#039;„Kinder, habt ihr eure Lehrer lieb?“&#039;&#039; – war keine rhetorische Frage. Steiner scheute nicht davor zurück, ein Kind in die Parallelklasse zu schicken, wenn es seinen Lehrer nicht lieben konnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das findet in der heutigen Bindungsforschung seine Bestätigung: Eine Beziehung wirkt gesundend,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* wenn sie &#039;&#039;&#039;ehrlich&#039;&#039;&#039; ist, &lt;br /&gt;
* wenn sie von &#039;&#039;&#039;liebvollem Interesse für den anderen&#039;&#039;&#039; geprägt ist,&lt;br /&gt;
* wenn sie von &#039;&#039;&#039;Respekt vor der Autonomie des anderen&#039;&#039;&#039; getragen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind die drei christlichen Grundwerte – Wahrheit, Liebe, Freiheit – von denen wir in der Esoterik nicht müde werden zu sprechen. Alle esoterischen Übungen dienen der Entwicklung dieser Art von Menschlichkeit: dass es wahrhaftiger, liebvoller, freilassender, respektvoller wird im sozialen Miteinander. Dass das gegenseitige Verstehen gefördert wird, das Erwachen aneinander, das zum Verständnis führt. Nichts anderes wird helfen angesichts der Not und des Elends auf der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Traumatherapie – geistige Ebene ====&lt;br /&gt;
Auch auf geistigem Felde gibt es spannende Erkenntnisse. Es gibt heute sehr viele Verfahren, insbesondere auf dem Gebiet der Traumatherapie, die erkannt haben, dass ein schweres Trauma, ein schwerer Angriff auf Leib und Seele, nur als Initiation aufgefasst sinnstiftend verarbeitet werden kann. Es gibt keinen anderen Weg, der wirklich greift. Man kann gewisse Symptome zwar mit psychisch wirksamen Drogen dämpfen. Das ist aber keine Heilung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein schweres Trauma zu verarbeiten, ist ein langwieriger Prozess. Der erste Schritt besteht darin, das Trauma als Schwellenerlebnis in Bezug auf die geistige Welt zu erkennen. In der Folge gilt es dieses Erlebnis fruchtbar zu machen, indem man die Kräfte durchschauen lernt, die einen bedrücken und sie als luziferische und ahrimanische Gewalten unterscheiden lernt. Das gelingt erst vollends, wenn man auch die guten menschlichen Kräfte aufzufinden vermag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich möchte an dieser Stelle eine schlichte Herzmeditation vorlesen. In Rudolf Steiners Notizbuch stehen undatiert folgende Worte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich denke an mein Herz.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Es belebet mich.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Es erwärmet mich.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich vertraue fest auf das ewige Selbst,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;das in mir wirket,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;das mich trägt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Tragekraft an der Schwelle zu erkennen, ist für die eigene Identitätsfindung unerlässlich: dass man in sich die Instanz aufspürt, die angesichts der Vergänglichkeit und Zerbrechlichkeit des Leibes, unvergänglich und unzerbrechlich ist und einen über alle Abgründe des Lebens hinwegträgt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Initiationsweg ist für die anthroposophische Psychotherapie etwas Selbstverständliches. Wir können gar nicht über Entwicklung sprechen, wenn wir uns nicht auch mit all den Mühen auseinandersetzen, die der Entwicklung entgegenstehen. Deswegen fordert Rudolf Steiner in seinem Buch &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; im 1. Kapitel,[3] dass wir zwei Bücher studieren: Wenn wir das ernst nehmen, dürften wir gar nicht weiterlesen, ohne diese beiden Bücher studiert zu haben. Das eine ist &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der Höheren Welten?“,[4]&#039;&#039; das andere die &#039;&#039;„Geheimwissenschaft im Umriss“[5]&#039;&#039; – die Weltentwicklung und der Mensch. Ohne ein Wissen über die dort geschilderten Zusammenhänge und Entwicklungszyklen ist Anthroposophische Medizin nicht vollständig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man also bei uns in die Werkstatt blickt, sieht es sehr tätig und sehr optimistisch aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag auf der Welterziehertagung, Dornach 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Im „Freiburger Institut für angewandte Erkenntnistheorie und medizinische Methodologie“ wird derzeit an den praktischen Konsequenzen für ein neues Studiendesign gearbeitet, das sich auf hohem akademischem Niveau auf die individuelle Einzelfallanalyse stützt. Diese Methode wird in dem Werk von Helmut Keine beschrieben, &#039;&#039;Komplementäre Methodenlehre der klinischen Forschung: Cognition-based Medicine,&#039;&#039; Heidelberg – Berlin 2001.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://www.drhauschka.de/kosmos/werte/im-rhythmus/&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst.&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?&#039;&#039; GA 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Geheimwissenschaft im Umriss.&#039;&#039; GA 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== HEILSAMES ZUSAMMENSPIEL VON THERAPEUT UND PATIENT ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie geht man mit leidenden Patienten angemessen um?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie muss die eigene Seelenstimmung sein, dass sie den anderen da abholt, wo er ist?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielt der Patient bei seiner Heilung?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Professioneller Umgang mit dem Leiden anderer&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dem Leiden eines anderen Menschen in der richtigen Haltung zu begegnen, erfordert Fingerspitzengefühl und Professionalität. Wenn jemand z.B. deprimiert ist, helfen Sie ihm nicht, wenn Sie sagen: &#039;&#039;„Mir ging es auch schon einmal schlecht oder jetzt tun wir Ihnen hiermit etwas Gutes – Sie werden schon sehen, dass Sie sich dann wieder besser fühlen.“&#039;&#039; Ihm aus der eigenen Gesundheit heraus gut zuzureden ist laienhaft und wäre die falsche Herangehensweise. Das machen bereits die Nachbarn und Freunde – es wird endlos auf ihn eingeredet und am Ende geht es ihm nur noch schlechter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jemand, der deprimiert ist, muss dort abgeholt werden, wo er steht – das muss auch ein guter Psychotherapeut lernen. D.h. man muss den Betreffenden zunächst in seinem Leid bestätigen und Mitgefühl zeigen. Dann fühlt er sich ernst genommen und kann sich entspannen. Wenn jemand nicht reden will, wenn er nur ernst schaut, sollte man ruhig und sachlich mit ihm umgehen. Man darf schon ein feines Lächeln zeigen, aber kein provozierend aufmunterndes Verhalten an den Tag legen. Das wäre schon viel zu viel. Vor allem sollte man wach und präsent sein, sodass der andere spürt, man ist für ihn oder sie da. Das tut jedem gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Seele als Wahrnehmungsorgan für den anderen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner forderte in Bezug auf die Pflege – und eine therapeutische Anwendung ist auch eine pflegerische Maßnahme – dass die pflegenden Fachleute die Launen des Patienten studieren. Das bedeutet nun nicht, dass man sich über ihn erhebt und ihn nicht ernst nimmt, dass man sich als der große Analyst aufspielt und sein „schlechtes Benehmen“ verurteilt. Das ist alles nicht gemeint. Es geht vielmehr um ein hoch differenziertes, professionelles, seelisches Wahrnehmungsvermögen und um die Fähigkeit, sich so anzupassen an die Zustände eines anderen, dass man in der Lage ist, Seelenstimmung des Anderen in wahrzunehmen. Um das zu können, muss ich meine eigene Seele zum Wahrnehmungsorgan machen für den anderen – was ich nur kann, wenn ich die menschlichen Seelenzustände gut kenne. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der &#039;&#039;Theosophie&#039;&#039;[1], einem sehr empfehlenswerten Buch für Anfänger in der Anthroposophie, sagt Rudolf Steiner, man könne lernen, seine Sympathien und Antipathien zu einem Wahrnehmungsorgan umzubilden für die Seelenstimmungen eines anderen Menschen. Wenn mir also ein Verhalten unsympathisch ist und ich Antipathie empfinde, erfahre ich dadurch ganz objektiv etwas über mich &#039;&#039;und&#039;&#039; den anderen. Antipathie ist nicht zum Ärgern da – sie soll der Wahrnehmung und dem Erkennen dienen. Das Gleiche gilt für die Sympathie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entwicklungsgedanke macht Mut&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Als ich noch Medizinstudentin war, kurz vor meiner Promotion, machte ich ein Praktikum auf einer Rheumastation. Ich hatte dort mit einer älteren Frau zu tun, Mitte 60, um die ich mich als junge, unerfahrene Medizinerin enorm bemüht hatte, so wie man das als junger Mensch macht. Ich habe die Frau noch heute vor mir – denn die ersten Patienten vergisst man sein Leben lang nicht. Sie sagte plötzlich: &#039;&#039;„Ich weiß überhaupt nicht, warum Sie sich mit mir solche Mühe geben. Das lohnt sich doch alles gar nicht mehr.“&#039;&#039; Ich erschrak und wusste in dem Moment nicht, wie ich darauf reagieren sollte. Diesen Schreck hat sie natürlich auch wahrgenommen. Ich konnte nur sagen: &#039;&#039;„Sie machen mich sprachlos. Ich weiß nicht, was ich Ihnen antworten soll.“&#039;&#039; Nach einer Weile fielen mir ein paar wichtige anthroposophische Argumente ein: dass jeder Tag in der Entwicklung zählt und dass doch auch ein gesunder Mensch nicht weiß, ob er am nächsten Tag noch lebt oder einen Autounfall erleidet usw.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lebensmüdigkeit ist ein Zeichen dafür, dass jemand den Entwicklungsgedanken noch nicht kennenlernen durfte, dass ihm dieses kostbarste Geheimnis noch verschlossen ist. Dann sollte man sich Zeit nehmen, egal welches Alter der Betreffende hat, und ihm oder ihr den Entwicklungsgedanken nahebringen. Die schönsten Gelegenheiten dazu ergeben sich noch kurz vor dem Tod. Ein tiefes Verständnis für Entwicklung kann dazu beitragen, dass jemand mit dem festen Willen über die Schwelle geht, es im nächsten Leben von vornherein anders anzugehen, die Zeit für Entwicklung zu nützen, aus dem Wissen heraus, wozu sie dient und wohin die Reise geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ganzheitlicher Blick auf den Menschen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Therapeutische Anwendungen wirken völlig anders, wenn ein Patient aktiv mitarbeitet, wenn er das Gefühl hat, dass jeder Tag zählt und sich die Qualität seines restlichen Lebens dadurch verbessern kann und er in der Zeit, die ihm bleibt, vielleicht doch noch das eine oder andere tun, denken oder erleben kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn auch bei der sogenannten Physiotherapie, bei der es primär um den physischen Leib zu gehen scheint, darf man die anderen Ebenen und Aspekte nicht vergessen bzw. außer Acht lassen. Auch sie beeinflussen das Körpergeschehen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die Lebenskräfte &lt;br /&gt;
* die seelische Integrität&lt;br /&gt;
* die geistige Identität&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* das Entwicklungspotential&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wichtigste ist der letzte Aspekt: den Menschen als in Entwicklung begriffenes Wesen zu sehen, das an die Vergangenheit angeschlossen und auf die Zukunft hin ausgerichtet ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne das Wissen des Therapeuten um diese Ganzheit können Anwendungen nicht wirklich gut wirken. Andererseits können sie eine enorme Verstärkung erfahren, wenn der Therapeut die anthroposophische Seelenkunde kennt und auch die Bereitschaft aufbringt, sich selbst auf professionelle Weise seelisch und geistig weiterzuentwickeln. Dann wird sich der ganzheitliche Blick auf den Menschen dem Patienten atmosphärisch mitteilen und die Heilung begünstigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag anlässlich des Jubiläums des 100. Geburtstags von Werner Junge, Okt. 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Theosophie&#039;&#039;, GA 9.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE FÜNF EBENEN DES MENSCHSEINS IM MEDIZINISCHEN SYSTEM ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Ebenen des Menschseins gibt es?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welches medizinische System setzt auf welcher Ebene an?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verschiedene medizinische Systeme&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wir Menschen sind komplexe Wesen, die auf unterschiedlichen Ebenen angesprochen werden können. Jedes medizinische System setzt auf einer oder mehreren dieser Ebenen an. Im Folgenden möchte ich die einzelnen Systeme kurz umreißen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;&#039;Homöopathie&#039;&#039;&#039; ist eine alternativmedizinische Behandlungsmethode, die auf den ab 1796 veröffentlichten Vorstellungen des deutschen Arztes Samuel Hahnemann beruht. Die wichtigste Grundannahme ist das Ähnlichkeitsprinzip: &#039;&#039;„Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden“ (similia similibus curentur)&#039;&#039;. Danach solle ein homöopathisches Arzneimittel so ausgewählt werden, dass die Inhaltsstoffe der Grundsubstanz unverdünnt an Gesunden ähnliche Krankheitserscheinungen (Symptome) hervorrufen könnten wie die, an denen der Kranke leidet, wobei auch der „gemüthliche und geistige Charakter“ des Patienten berücksichtigt werden solle (vgl. wikipedia).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter &#039;&#039;&#039;Spagyrik&#039;&#039;&#039; (aus dem Griechischen spao „(heraus)ziehen, trennen“ und ageiro „vereinigen, zusammenführen“) werden verschiedene Heilsysteme zusammengefasst. Das therapeutische Ziel ist die positive Beeinflussung der „Lebenskraft“ und damit die Aktivierung der Selbstheilungskräfte. Grundlage bilden die antike Naturphilosophie (z.B. die „Elementenlehre“), die Signaturenlehre und die Humoralpathologie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit &#039;&#039;&#039;Psychosomatik&#039;&#039;&#039; wird in der Medizin die Betrachtungsweise und Lehre bezeichnet, in der die psychischen Fähigkeiten und Reaktionsweisen von Menschen in Gesundheit und Krankheit in ihrer Eigenart und Verflechtung mit körperlichen Vorgängen und sozialen Lebensbedingungen in Betracht gezogen werden. Ihre Erforschung und Umsetzung in der Krankenbehandlung erfolgt in der Psychosomatischen Medizin (vgl. wikipedia).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Psychotherapie&#039;&#039;&#039; wurde früher die Lehre von der Heilung der erkrankten Seele genannt, um sie von einer Psychologie als Lehre von der gesunden Seele und einer Psychiatrie als Lehre von der erkrankten Seele abzugrenzen. Heute wird die psychotherapeutische Behandlung bzw. Heilung im Zusammenhang mit Körper und Seele eines ganzheitlich gesehenen Menschen verstanden und erklärt. Davon zu unterscheiden ist die beratende Psychologie, die sich mit allgemeinen Problemen der Lebensführung befasst (vgl. wikipedia).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit &#039;&#039;&#039;Körpertherapie&#039;&#039;&#039; werden Behandlungsmethoden zur Verbesserung von Körperhaltung, Bewegungsabläufen sowie zur direkten oder indirekten Unterstützung von Körperfunktionen bezeichnet. Je nach Methode werden spezielle manuelle Techniken, Massagearten, Bäder bzw. Anleitungen zur Schulung von Haltungen und Bewegungen angewendet. Fast alle Körpertherapiemethoden betonen die Bedeutung psychosomatischer Wechselwirkungen und gehen davon aus, dass die Körpertherapie positive psychische Veränderungen bewirkt (vgl. wikipedia).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Integrativer Ansatz der Anthroposophischen Medizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin versucht alle gemeinsam in den Blick zu nehmen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Physische Eben&lt;br /&gt;
# Ätherische Ebene&lt;br /&gt;
# Astrale Ebene&lt;br /&gt;
# Identitäts-, Ich-Organisations-Ebene&lt;br /&gt;
# Geistige Orientierung, Weltanschauung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Physische Ebene und Medizin ====&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;Schulmedizin&#039;&#039; baut ganz auf der Erkenntnis des Physischen auf. Kliniken werden entsprechend zunehmend zu Technik-Zentren. Dass der Mensch sich dabei oft nicht menschlich behandelt fühlt, zeigt deutlich, dass das nicht genügt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ätherische Ebene und Medizin ====&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;Homöopathie&#039;&#039; und &#039;&#039;Spagyrik&#039;&#039; z.B. weiß man, dass alles Leben prozessual verläuft, dass alle Substanzen aus Prozessen hervorgehen und dass alle Wirksamkeit zeitabhängig ist, im Guten wie im Schlechten. Daraus ergeben sich viele weitere Therapieverfahren, die prozessorientiert sind, sich auch mit den Lebensgewohnheiten und -rhythmen befassen und mit dem Geheimnis von Entwicklung im therapeutischen Prozess arbeiten. Wenn man lernt sein Leben den Ätherkräften oder Lebenskräften gemäß zu gestalten, wird sich das gesundend auswirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Astrale Ebene und Medizin ====&lt;br /&gt;
Auf der Gefühlsebene geht es um unsere ungemein verwundbare Seele mit ihrer Gefühlswelt, deren Wirkung auf den Körper nicht unterschätzt werden darf. Hier setzen die &#039;&#039;Psychosomatik,&#039;&#039; alle &#039;&#039;Psychotherapieverfahren&#039;&#039; sowie auch diverse &#039;&#039;Körpertherapien&#039;&#039; an. Die Anthroposophische Medizin stellt sich die zentrale Frage:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie können wir einen Kranken, der leidet, so begleiten, dass er sich trotzdem als Teil einer wohlwollenden Schöpfung und damit als ein wichtiger Teil des Ganzen fühlt?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manchmal ist das Gefühlsleben so erstarrt und verkapselt, dass man es nicht mehr über Worte oder über ein Medikament erreichen kann. Wenn man so jemandem dann ein warmes Bad bereitet – wobei es auf genau die richtige Temperatur ankommt – und dieses Bad Düfte verströmt, die der Betreffende noch nie so richtig wahrgenommen hat, können der starke Wärmereiz, der Duft, die menschliche Nähe dazu führen, dass sich dieser Mensch im eigenen Körper wieder wohl und angenommen fühlt. Das ist nicht zu unterschätzen. Auch die Umgebung, in der das Bad stattfindet, ist entscheidend: Ob es dort nur öde, kalte Fliesen gibt oder ob die Wände angenehme Farben haben, ob dort ein Bild hängt usw. Man kann auch in der Sterbebegleitung Bäder miteinbeziehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Identität und Medizin ====&lt;br /&gt;
Das gilt auch für das Identitätserleben: Es hängt von der &#039;&#039;Art der Ansprache und Ausrichtung der Therapie&#039;&#039; auf die Bedürfnisse eines Patienten ab, ob er sich als Mensch, als Individualität, wahrgenommen fühlt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Weltanschauung und Medizin ====&lt;br /&gt;
Essentiell für die Gesundung ist aber auch eine &#039;&#039;geistige Ausrichtung bzw. Lebensanschauun&#039;&#039;g, die die Möglichkeit der Entwicklung impliziert. Viele Weltanschauungen heute sind so, dass sie von einem perfekten Selbstbild ausgehen, also von einem fertigen Ergebnis: Man will rasch mit der Ausbildung fertig sein, damit man mit möglichst wenig Aufwand viel Geld verdienen und daneben noch Spaß am Leben haben kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine menschengemäße Weltanschauung dagegen impliziert, dass man sich auf allen Ebenen, egal ob beruflich oder privat, nach demselben Entwicklungsziel ausrichtet. Die Arbeitszeit wird genauso als Entwicklungszeit gesehen wie die private Zeit: Alles ist Lebenszeit, ist Entwicklungszeit, bildet zusammen die eigene Biographie. Um das so sehen und wertschätzen zu können, braucht man eine entwicklungsorientierte Weltanschauung, die einem hilft, die unterschiedlichen Bereiche und Aspekte so zu verbinden, dass man jeden Augenblick zur Entwicklung nützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag anlässlich des Jubiläums des 100. Geburtstags von Werner Junge, Okt. 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FÜNF QUELLEN FÜR KRÄNKUNG UND HEILUNG ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen Zusammenhang gibt es zwischen kränkenden und heilenden Einflüssen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wie Kränkung und Heilung zusammenhängen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ich möchte als Ärztin den Zusammenhang zwischen heilenden, therapeutischen Impulsen und Krankheitsimpulsen erläutern – sie stammen beide aus denselben fünf Quellen, die uns unser Leben lang beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Quelle auf dem physischen Plan – Karma-Impuls ====&lt;br /&gt;
Dazu gehört alles, was uns Menschen auf dem physischen Plan begegnet und zustößt: Unendlich viel Kränkendes wirkt von Kind an von außen aus der Umwelt auf uns ein, nicht nur in ökologischer, sondern auch in beruflicher und privater Hinsicht, was oft besonders quälend ist. Das heißt, aus der uns umgebenden Umwelt treffen uns unser Leben lang zahlreiche negative Attacken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann jedoch durch eine bewusste Gestaltung der schicksalhaften äußeren Umstände, z.B. indem man gut überlegt, wie, wann und wo man sich auf Begegnungen einlässt, Kränkungen minimieren. Und man kann Kräfte im Inneren aufrufen, um mit solchen Kränkungen von außen besser zurechtzukommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Quelle auf dem ätherischen Plan – Gralsimpuls ====&lt;br /&gt;
Auf dieser Ebene können Gewohnheiten kränkend wirken sowie alles Hässliche, das uns über die Sinne und über unser Denken begegnet, alles, was mit Rhythmen zu tun hat, denen wir folgen oder nicht folgen. Dazu gehören auch unsere Charaktereigenschaften, denen wir mehr oder weniger ausgeliefert sind, mit denen wir mehr oder weniger ringen. Dazu gehört aber auch alles, was die Zeitgestalt unserer Biografie ausmacht: der Tagesablauf, die zeitliche Gestaltung der Woche, des Monats und des Jahres.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir unser Leben den Ätherkräften oder Lebenskräften gemäß gestalten lernen, wird sich das gesundend auf uns auswirken, dann kann aus dieser Quelle Gesundheit geschöpft werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Quelle auf dem astralen Plan – Sophia-Impuls ====&lt;br /&gt;
Hier sind seelische Beziehungen oft die Ursache für Kränkungen, besonders wenn sie sich auf der Gefühlsebene abspielen. Gefühle sind laut Rudolf Steiner Vorboten von Gesundungs- bzw. Kränkungstendenzen. Zu den Jungmedizinern[1] sagte er, der Arzt der Zukunft wäre in der Lage, den Gesundheitszustand seiner Patienten durch eine feine Beobachtung ihres Gefühlslebens zu diagnostizieren. Er würde ihre Gefühle anschauen und Gesundheits- und Krankheitsdispositionen benennen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Mensch weiß aus der Beobachtung seiner selbst und anderer, dass er krankheitsgefährdet ist, wenn er Mühe hat, seine Gefühle so auszubalancieren, wie er es normalerweise vermag. Wenn Kinder schlecht gelaunt sind, ist das für die Mutter meist ein deutliches Zeichen, dass sie etwas „ausbrüten“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Schwierige Gefühlskontrolle&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Wenn man anfängt sich zu schulen, z.B. indem man mit &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“&#039;&#039;[2] zu arbeiten beginnt, merkt man, wie ungehobelt und unerzogen das eigene Gefühlsleben noch ist. Mit dem Denken und dem Wollen zu arbeiten, ist relativ leicht. Das Gefühlsleben ist am schwersten zugänglich, weswegen bei den Nebenübungen die Gefühle erst an dritter Stelle genannt werden: Zuerst wird die Gedankenkontrolle geübt, dann die Willens- und Handlungskontrolle und erst als Drittes, Letztes, Schwierigstes im Seelenleben die Gefühlskontrolle. Man muss im Denken und Wollen quasi bereits Tritt gefasst haben, bevor man sich an diese sensible Mitte wagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Quelle auf der Ich-Ebene – Michael-Impuls ====&lt;br /&gt;
Mit der Ebene des Wortes sind wir beim Kern, beim Ich-Impuls, dem Michael-Impuls, angelangt. Man hat den Eindruck, diese Inspirationsquelle für Gesundheit und Krankheit war Rudolf Steiner besonders nahe. Sie betrifft ja die Ich-Ebene, auf der wir uns alle selbst am nächsten sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wirkt das Ich nun kränkend?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann es heilend wirken?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Paracelsus[3] nennt das Ich den „Indwendig-Arzt“. Für Albert Steffen[4] war offensichtlich: Das niedere Selbst kränkt, das Höhere Selbst heilt. So versuchte er auch in seinen Dramen das Niederste, aus dem heraus seine Figuren handelten und Verbrechen begingen, immer wieder in Zwiesprache zu bringen mit dem Hohen, dessen verzerrtes Abbild das Niedere ist, sodass die tiefe Selbstkränkung, wenn die niedere Natur siegt, durch das heilsame Einwirken des höheren Menschen ausgeglichen werden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Quelle auf dem menschheitlichen Plan – Christusimpuls ====&lt;br /&gt;
Die fünfte Quelle der Kränkung, die menschheitliche Situation im Sozialen, in der wir uns heute alle befinden, hat mit den rasanten Veränderungen der heutigen Zeit zu tun. Wenn man Menschen fragt, was sie am meisten kränkt oder womit sie am wenigsten zurechtkommen, sagen die meisten der durchschnittlichen und normal gesunden Menschen, dass sie an den immer schwerer zu durchschauenden menschheitlichen Krisen, Konflikten und Problemen der heutigen Zeit leiden. Das zu kompensieren, in alledem froh und lebensbejahend zu bleiben, sich angesichts dieser schwierigen Zeitverhältnisse aufrecht zu halten, macht dem Menschen heute viel mehr Mühe, als persönliche Probleme zu kompensieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese fünfte Krankheitsquelle kann nur durch eine menschheitlich weitblickende Perspektive zur Gesundheitsquelle verwandelt werden. Denn man läuft Gefahr am Augenblick zu verzweifeln, wenn man Krisen und Konflikte nicht in einem viel größeren Zusammenhang sehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag „Das Therapeutische in der Dichtung von Albert Steffen“ anlässlich der Steffen-Ausstellung am Goetheanum, Neujahr 2010&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Jungmedizinerkurs&#039;&#039;, GA 316.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?&#039;&#039;, GA 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Philippus Theophrastus Aureolus Bombastus von Hohenheim, getauft als Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, (* vermutlich 1493 in Egg, Kanton Schwyz; † 24. September 1541 in Salzburg) war ein Arzt, Alchemist, Astrologe, Mystiker, Laientheologe und Philosoph. Paracelsus hinterließ zahlreiche deutschsprachige Aufzeichnungen und Bücher medizinischen, astrologischen, philosophischen und theologischen Inhalts, die größtenteils erst nach seinem Tod gedruckt wurden. (wikipedia)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Albert Steffen (* 10. Dezember 1884 in Wynau; † 13. Juli 1963 in Dornach) war ein Schweizer Schriftsteller und Anthroposoph. Nach dem Tode Rudolf Steiners war Steffen ab 1925 dessen Nachfolger als Vorsitzender der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft. (wikipedia)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FÖRDERUNG VON PATIENTENKOMPETENZ ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist unter Patientenkompetenz zu verstehen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielt der Patient im Gesundheitssystem?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sind seine Möglichkeiten, ja Aufgaben in Bezug auf die nötigen Reformen des Gesundheitswesens?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Notwendige Demokratisierung des Gesundheitswesens&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Bereits 1920 hat Rudolf Steiner in einem seiner öffentlichen Vorträge die „Demokratisierung des Gesundheitswesens“ gefordert.[1] Ärzte, Apotheker, Hersteller und Verbraucher seien herausgefordert, gemeinsam und in Partnerschaft mit den Patienten bzw. Bürgern Mitverantwortung für die Gestaltung des Gesundheitswesens zu übernehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Zielsetzung fühlt sich die Anthroposophische Medizin bis heute verpflichtet. So werden der Gesundheitsaufklärung und Prävention, aber auch der Hilfestellung für eine vertretbare Selbstmedikation viel Aufmerksamkeit geschenkt.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinzu kommt ein großes Engagement für eine gesundheitsfördernde Erziehung und Umgebungsgestaltung einschließlich gesunder Ernährung und nachhaltiger biologischer und biologisch-dynamischer Landwirtschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Mündiger Patient als Regulator&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die inzwischen chronisch gewordene Diskussion um die Reform des Gesundheitswesens zeigt zudem deutlich, dass selbst die besten Ideen für eine Neustrukturierung des Gesundheitswesens zu keiner befriedigenden Kostenregulierung führen können, wenn sich nicht der mündige Patient mit als Regulator empfindet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gehört heute zur Patientenkompetenz, sich selbst auch Gedanken zur Gesundheitsvorsorge sowie zu bestimmten diagnostischen und therapeutischen Verfahren zu machen und letztlich zu bestimmen, was geschehen soll. Auch ist schon lange evident, in welch hohem Maß der Patient de facto für seine Gesundheit Verantwortung trägt. Spätestens anlässlich einer Operation wird ihm bewusst, dass der Arzt zwar über die damit verbundenen Risiken aufklärt und sein Bestes tut, er selbst jedoch mit den Risiken und Folgen zu leben hat und folglich Entscheidungsträger sein muss. Es ist keine Frage, dass medizinische Grundkenntnisse heute zur notwendigen Allgemeinbildung gehören und das menschliche Selbstverständnis in Gesundheit und Krankheit mit­prägen. Apotheker und Ärzte werden daher zunehmend in ihrer Lehr- und Berufskompetenz gefordert, um die erforderliche Hilfe zur Selbsthilfe leisten zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Artikel in der Deutschen Apothekerzeitung DAZ Nr. 39, 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Hygiene als soziale Frage, in: Physiologisch-Therapeutisches auf Grundlage der Geisteswissenschaft&#039;&#039;, GA 314. Dornach 1989, S. 221-261.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] M. Glöckler, B. Emde, &#039;&#039;Anthroposophische Medizin, in: Komplementärmedizin für die Kitteltasche. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation,&#039;&#039; Stuttgart 2009 und ders.: &#039;&#039;Anthroposophische Medizin, In: Komplementärmedizin für Kinder. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation&#039;&#039;, Stuttgart 2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ANTHROPOSOPHISCHE PSYCHOTHERAPIE ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist das Besondere an der anthroposophisch inspirierten Psychotherapie?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welches Licht wirft der Karma-Gedanke auf seelisch-geistige Probleme?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Lektüre zur anthroposophischen Psychotherapie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im Hinblick auf diese Schicksalsdramatik des Menschseins sind die &#039;&#039;Mysteriendramen[1]&#039;&#039; von Rudolf Steiner ein ganz zentrales Werk. Wenn mich Biografiearbeiter, Psychologen und Ärzte, die sich für Seelenkunde interessieren, fragen: &#039;&#039;„Wie kann man sich in das Gebiet des Seelischen aus Sicht der Anthroposophie einarbeiten?“,&#039;&#039; empfehle ich gerne die pädagogischen Vorträge von Rudolf Steiner über die drei Jahrsiebte,[2] aber auch das Studium von &#039;&#039;„Grundlegendes…“[3],&#039;&#039; begleitet von der Lektüre der Karmavorträge.[4] Diese Werke sind das Fundament einer vom Schicksalsgedanken inspirierten anthroposophischen Psychotherapie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich möchte im Folgenden in aller Kürze ein paar Gesetze nennen, wie sie uns Rudolf Steiner aus seiner Forschung mitgeteilt hat – zum Überprüfen, zum Umgang damit, zum Überlegen, ob sie hilfreich sind für Ihre Arbeit. Wir können diese Forschungsergebnisse z.B. auch als Arbeitshypothese nehmen bei unserem täglichen Tun. Wenn sie sich als fruchtbar erweisen, können Sie diesen Weg weiterverfolgen, wenn nicht, greifen Sie zu anderen Werkzeugen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Karmische Ursache für seelische Erkrankungen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Auf die Frage, worin die Ursache für seelische Erkrankungen läge, antwortete Rudolf Steiner in den &#039;&#039;„Offenbarungen des Karma“[5]&#039;&#039; und in der &#039;&#039;„Akasha-Chronik“[6]:&#039;&#039; &#039;&#039;„Die Ursache für seelische Erkrankungen liegt in einem mangelnden Interesse am anderen Menschen in einem früheren Erdenleben“&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier geht es nicht darum, durch welche Faktoren es zu diesem mangelnden Interesse kam, es ist rein phänomenal betrachtet, hat mit Schuld und Unschuld nichts zu tun. Fakt ist demnach: Ein Mensch, der in seinem Erdendasein kein warmes Interesse für andere Menschen entwickeln konnte – und sei es nur für &#039;&#039;einen&#039;&#039; Menschen – dem fehlt im nachtodlichen Leben, wenn das Menscheninnere, das Seelische, Außenwelt wird, die Orientierung. Er ist dann nicht in der Lage, sich an diesem neuen Äußeren so zu orientieren, dass er sich einen neuen Körper aufbauen kann, der beim Heranwachsen ein gesundes Seelenleben ermöglicht, wenn die Wesensgliederkräfte frei werden. Das möchte ich im Folgenden kurz näher erläutern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Wesensglieder und ihre leibgebundenen und leibfreien Kompetenzen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Zum&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Physischen Leib&#039;&#039; gehört unser physischer Körper, die Sinnesorgane und die daraus resultierende Gnade der Wahrnehmung.&lt;br /&gt;
* Zum &#039;&#039;&#039;Ätherleib&#039;&#039;&#039; gehören die unbewussten leibgebundenen Lebens- Wachstums- und Regenerationsprozesse und das leibfreie Denkvermögen.&lt;br /&gt;
* Zum &#039;&#039;&#039;Astralleib&#039;&#039;&#039; gehören die leiblichen Differenzierungsprozesse, die Bewegungskompetenz und das Fühlen als leibfreie seelisch regsame Kompetenz.&lt;br /&gt;
* Zur &#039;&#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;&#039; gehören die leiblichen Integrationsprozesse, die Erlangung der richtigen Proportionen beim körperlichen Wachstum und die leibfreie Fähigkeit in Ganzheiten zu denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kind gewinnt im &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;1. Jahrsiebt&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; mithilfe der &#039;&#039;ätherischen Wachstumskräfte&#039;&#039; bis zum Zahnwechsel an &#039;&#039;Größe&#039;&#039;. Die Kräfte, die ihre Arbeit getan haben, werden sukzessive leibfrei und stehen zunehmend dem DENKEN zur Verfügung. Das Freiwerden der ätherischen Kräfte aus dem Körper kulminiert in der &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Schulreife&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;. Dieser Höhepunkt wird auch &#039;&#039;&#039;Geburt des Ätherleibes&#039;&#039;&#039; genannt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;2. Jahrsiebt&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; reifen zusätzlich die &#039;&#039;seelischen Kompetenzen&#039;&#039; heran, indem die &#039;&#039;astralen Kräfte&#039;&#039; zuerst den &#039;&#039;Leib durchdifferenzieren&#039;&#039; und, wenn sie ihre Arbeit getan haben, sukzessive leibfrei werden und das FÜHLEN ermöglichen. Die Kulmination des Freiwerdens der astralen Kräfte aus dem Körper zur &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Geschlechtsreife&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; wird auch &#039;&#039;&#039;Geburt des Astralleibes&#039;&#039;&#039; genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;3. Jahrsiebt&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; reifen die &#039;&#039;geistigen Kompetenzen&#039;&#039; heran, indem die &#039;&#039;Integrations-Kräfte&#039;&#039; der Ich-Organisation den heranwachsenden Körper in eine &#039;&#039;stimmige Ganzheit&#039;&#039; verwandeln und anschließend als WOLLEN zur Verfügung stehen. Wenn der Jugendliche ausgewachsen ist, kulminiert dieser Prozess in der &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Mündigkeit&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; bzw. selbstverantwortlicher Handlungsfähigkeit und wird auch &#039;&#039;&#039;Geburt des Ich&#039;&#039;&#039; genannt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entsprechung von Lebensprozess und seelisch-geistiger Kompetenz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Alle leibfreien Kompetenzen sind verwandelte Lebenstätigkeit des Organismus: So wie wir dank der unbewussten Lebenskräfte die Nahrung zerkleinern und aufspalten (= analytisch) und anschließend zu menschlicher Substanz zusammensetzen (= synthetisch) – dieser Prozess wird Stoffwechsel genannt – so denken wir entsprechend mit den leibfrei gewordenen bewussten Ätherkräften auch analytisch und synthetisch. Das ist nur ein Beispiel für die Entsprechung von leibgebundener Lebenskraft und leibfreier Kompetenz im Denken, Fühlen und Wollen. Man kann sagen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Denken&#039;&#039;&#039; ist metamorphosierte &#039;&#039;leibfreie Wachstumskraft&#039;&#039; (Ätherleib).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Fühlen&#039;&#039;&#039; ist metamorphosierte &#039;&#039;leibfreie Astralität&#039;&#039; (Astralleib).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wollen&#039;&#039;&#039; ist leibfreie zur Verfügung stehende &#039;&#039;Ich-Tätigkeit&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem bisher Gesagten, wollte ich den innigen Zusammenhang zwischen leiblicher Konstitution und seelisch-geistiger Disposition deutlich machen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das heißt, es hängt von der Qualität der Organe und dem Ablauf der leiblichen Prozesse ab, ob die daraus hervorgegangenen seelischen Kräfte sich frei handhaben lassen oder ob sie den Menschen überfluten, attackieren und bezwingen – was sich dann als psychisches Störungsbild zeigen kann. Ist Letzteres der Fall, bedeutet das, dass die Ich-Kompetenz, die in das Erdeninstrument des Leibes hereinleuchten und sich ihm über die Ich-Organisation mitteilen möchte, sich an den Organen nicht richtig zu spiegeln vermag und sich auch nicht im Seelischen beheimaten kann, weil die aus dem Leib hervorgegangene Seelenkonfiguration es nicht oder nur eingeschränkt zulässt. Die Qualität des seelischen Erlebens hängt also immer auch von Art und Qualität der Leibbildung ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ringen mit Schwäche bringt zukünftige Stärke&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dazu ein Beispiel: Möglicherweise leidet man darunter, dass man seelisch nicht richtig in Beziehung kommen kann zu anderen Menschen. Man erlebt sich als in sich selbst gefangen – was laut Rudolf Steiner als karmische Ursache das fehlende Interesse an anderen hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesem großen Schmerz folgt jedoch im Nachtodlichen die große Befreiung, weil man so sehr mit den Beziehungen und mit sich selbst gerungen hat, dass man für die kommende Inkarnation ein besonders geeignetes Erdeninstrument bilden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit anderen Worten: Wenn wir interessiert und ehrlich miteinander umgehen, bauen wir damit gesunde Seelenkräfte für das nächste Leben auf. Unser Bemühen ist nicht nur für dieses Leben wichtig und gut und erleichtert uns das Leben und die Arbeit. Das Interesse an anderen Menschen und am sozialen Miteinander ist zugleich die Vorbereitung für eine besonders gesunde und starke Seele im nächsten Leben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag an der Jahreskonferenz der Med. Sekt. am Goetheanum zum Thema Anthroposophische Psychiatrie, Dornach 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Vier Mysteriendramen&#039;&#039;, 1910-13, GA 14.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft&#039;&#039;, in: &#039;&#039;Luzifer-Gnosis&#039;&#039;. GA 34. Dornach 1987.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Offenbarungen des Karma&#039;&#039;, GA 120.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Aus der Akasha-Chronik&#039;&#039;, GA 11.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FRAGEN ZUM THEMA ANTHROPOSOPHISCHE MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;FRAGE:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Wie ist es, wenn man in Asien über Anthroposophische Medizin spricht?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;ANTWORT:&#039;&#039;&#039; In Asien ist Spiritualität in der Medizin viel selbstverständlicher als in Europa.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu ein konkretes Beispiel: In Indien praktiziert man Ayurveda. Wenn man dort das Anthroposophische Menschenbild erklärt, erkennt man, dass es 1:1 dasselbe ist wie das Ayurvedische. Der einzige Unterschied besteht darin, dass das ayurvedische Menschenbild und Gesundheitsverständnis in Worten und Begriffen dargestellt sind, die es nicht erlauben, eine direkte Verständnisbrücke zur naturwissenschaftlichen Medizin zu bauen. Das aber kann die Terminologie der Anthroposophischen Medizin leisten. Daher interessieren sich die Kursteilnehmer für die Anthroposophische Medizin, weil sie dadurch ihr eigenes System besser verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ging es auch einer Freundin von mir – sie ist Inderin –, die durch die Anthroposophische Medizin ihre Hindu-Spiritualität neu entdeckte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir begleiten z.B. Kollegen, die Ayurveda-Ärzte bleiben wollen, indem wir sagen: Ihr könnt anthroposophischer Ayurveda-Arzt werden. Und so haben wir dort schon anthroposophische Homöopathen zertifiziert, anthroposophische Ayurveda-Ärzte sind in Ausbildung und Schulmediziner können „normale“ anthroposophische Ärzte werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;FRAGE:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Mich interessiert, wie man die Anthroposophie, die ja stark mit dem Christentum zusammenhängt, mit anderen Religionen verbinden kann.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;ANTWORT:&#039;&#039;&#039; Das Wesentliche am Christentum ist das rein Menschliche, von dem man in jeder Kultur sprechen kann. Für den Buddhistischen Kulturkreis wird es von Buddha verkörpert, der im Herzen und in der Aura lebt, in der Gerechtigkeit, in der Wahrheit, in der Liebe, in all den Werten, deren Pflege Menschlichkeit fördern. Nur ein Wert findet sich bevorzugt und eigentlich nur im Christentum und wird dort konsequent berücksichtigt: Wert und Würde der menschlichen Freiheit, so wie sie bei Johannes im 8. Kap. veranlagt ist: &#039;&#039;„Ihr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen“&#039;&#039;.[1] Da der Christus aber von sich selber sagt: &#039;&#039;„Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“&#039;&#039;, ist klar, dass er nicht die Freiheit verkörpert, aber uns zu freien Wesen machen möchte, zu seinen Freunden – &#039;&#039;„denn ein Knecht weiß nicht, was sein Herr tut“.&#039;&#039;&#039;[2]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Da die Anthroposophie auf dem Weg der „Philosophie der Freiheit“[3] von Steiner beruht, geht es bei allem um diesen zentralen christlichen Wert, auch wenn man den Namen des Christus nur nennt, wenn es passt oder gefragt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;FRAGE:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Sie hatten von dem Paradigmenwechsel vom pathogenetischen Krankheitsbild zum integrativ-salutogenetischen gesprochen und gemeint, dass das gut machbar wäre. Ich wollte Sie bitten, noch näher darauf einzugehen, weil wir uns auch im Rahmen des Studiums sehr viele Gedanken dazu machen und uns fragen, wie es gerade in der konkreten Umsetzung in einem normalen Krankenhaus möglich wäre, so einen Paradigmenwechsel vorzuleben&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;ANTWORT:&#039;&#039;&#039; Das ist in der Praxis zugegebenermaßen sehr schwer. Deswegen braucht es Netzwerke von vielen Medizinern, die sich gegenseitig immer wieder motivieren, Mut zusprechen, Tricks verraten, was man tatsächlich machen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meiner Erfahrung nach gibt es zwei Felder, bei denen man unmittelbar ansetzen kann, auch im kommunalen Krankenhaus: Man kann präventiv-medizinisch beraten, bei der Erziehung und Selbsterziehung ansetzen. -  Wir Ärzte müssen uns schon deshalb intensiv mit Pädagogik auseinandersetzen, weil fast alle Eltern Fragen zu diesem Thema haben. Da kann man viel tun. Dazu gehören auch Selbsterziehung und Meditation und alle Themen, die innere Entwicklungsarbeit betreffen. Auch hier kann man sofort ansetzen. Beides wirkt bereits in hohem Maße salutogenetisch und hilft, ein anderes Verständnis von Krankheit und Gesundheit zu bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem kann man schulmedizinische Präparate viel sorgfältiger indizieren als üblich – das Einverständnis des Patienten vorausgesetzt. Nicht aus Sicherheitsgründen bei jeder Krankheit „Gürtel und Hosenträger“ zum Einsatz bringen, bildlich gesprochen. Auch erlebe ich, dass in der Onkologie gerade Krebspatienten fragen: Gibt es nicht noch etwas anderes? Dann kann man von den Mistelpräparaten erzählen, auch im öffentlichen Krankenhaus. Wenn Patienten fragen, sollte man ehrlich antworten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner sprach von der Demokratisierung des Gesundheitswesens.[4] Patienten, Leistungserbringer, Krankenversicherungen, Kommunalpolitiker – sie gehören an einen Tisch und sollten auf Augenhöhe beraten, wie ein gerechtes Gesundheitswesen aussehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Schweiz, in der es eine Basis-Demokratie gibt, haben wir es nur durch Volksabstimmung geschafft, die Komplementärmedizin in die Bundesverfassung aufzunehmen. TCM (trad. Chinesische Med.), Homöopathie, Phytomedizin und Anthroposophische Medizin müssen von den Kassen über die Grundversicherung erstattet werden, weil diese Verfahren jetzt Bestandteil der Bundesverfassung sind, also praktisch Grundgesetz. Auch in Deutschland könnte es eine solche Volksbewegung geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir das schaffen würden, auf einem ähnlichen Wege eine demokratische Gesundheitsbewegung auf die Beine zu stellen, die verlangt, dass das Grundgesetz uns die freie Therapiewahl garantiert, dass man Ärzte und medizinische Verfahren selbst wählen darf und die Krankenkassen das bis zu einem gewissen Grad erstatten müssen, wären wir einen Riesenschritt weiter. Ohne den gegenseitigen Ansporn einer guten Vernetzung wird es aber nicht gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe kürzlich bei einer Tagung zur Organtransplantation Pim van Lommel getroffen. Er hielt einen schönen Vortrag über außerkörperliche Erfahrungen seiner kardiologischen Patienten, über das „ewige Bewusstsein“. Am Ende forderte er auch den Paradigmenwechsel, Spiritualität als Realität anzuerkennen, weil die außerkörperliche Erfahrung wahr ist und in die Medizin integriert werden muss. Ich fragte ihn, wie er sich das vorstellt. Er sagte, er erwarte nichts mehr von der Wissenschaft, sondern alles von der Zivilgesellschaft. Dort wäre noch gesunder Menschenverstand vorhanden. Die Wissenschaft sei „eingekauft“ und viel zu fremdbestimmt durch Gelder aus der Wirtschaft, von denen sie abhängig ist. Von der Seite könne man den Paradigmenwechsel nicht erwarten. Solange man viel Geld verdient mit der Krankheit, wird man nicht freiwillig einen Paradigmenwechsel anstreben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;FRAGE:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Ich fand sehr interessant, dass das Menschenbild in der Anthroposophischen Medizin sich auch vergleichen lässt mit dem Menschenbild anderer Ausrichtungen. Sie sprachen von einer transzendenten Ebene im Körper, die nach dem Tode den Körper verlässt. Gibt es dazu ein Konzept in der AM, das besagt, was mit dieser Ebene nach dem Tode passiert?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;ANTWORT:&#039;&#039;&#039; Ich schreibe einige Werke von Rudolf Steiner dazu auf: GA ist die Abkürzung für das Wort Gesamtausgabe, die 358 Bände umfasst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GA 27 ist das Grundlagenwerk für die Medizin,[5] in dem das neue Gesundheits-Paradigma beschrieben wird. Dort wird auch charakterisiert, wie es zu dem „ewigen Bewusstsein“ kommt und wie es funktioniert: Wir denken mit der Lebenstätigkeit – den ätherischen Kräften, die unser Körper nicht (mehr) für Wachstum und Regeneration braucht. Warum ist Beten, Spiritualität gesund? Weil es die Lebenskräfte sind, die wir dabei betätigen – was natürlich gesundend zurückwirkt auf den Körper. Körperleben und Gedankenleben (Geistesleben) sind nicht getrennt. Beim Altern nimmt das Geistesleben zu und das Körperleben ab, das unterscheidet sie, aber sie bleiben bis zum Tod immer verbunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Studium des Nachtodlichen würde ich euch raten, folgende Werke zu studieren: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
·      &#039;&#039;„Inneres Wesen des Menschen und Leben zwischen Tod und neuer Geburt“,&#039;&#039; GA 153.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
·      Dann gibt es noch einen sehr schönen Zyklus: &#039;&#039;„Der Tod als Lebenswandlung“,&#039;&#039; GA 182,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
·      und auch &#039;&#039;„Das Leben zwischen dem Tode und der neuen Geburt im Verhältnis zu den kosmischen Tatsachen“&#039;&#039;, GA 141.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
·      Mein Lieblingsbuch ist GA 10, &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten“&#039;&#039;, das Schulungsbuch für die Selbstentwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn das habe ich bemerkt: Wenn man keine echte Freude an der Selbstentwicklung hat, ist man auch nicht wirklich motiviert, andere in ihrer Entwicklung zu unterstützen. Man muss Experte werden in Sachen Entwicklung. Dazu gehört auch das Thema Unvollkommenheit, Spaß am Lernen – und nicht zu meinen, man dürfe keine Fehler machen. Durch meine kinder- und schulärztliche Tätigkeit bin ich zum Fehler-Apostel geworden. Jeder muss seine Fehler machen dürfen, weil man nur so authentisch wird. Angesichts von Fehlern sollten wir uns gegenseitig auf die Lektion hinweisen, die dadurch gelernt werden kann. Nur so können wir ein ungestörtes Verhältnis zu Fehlern entwickeln. Dieses Buch ist dabei eine große Hilfe. Es beschreibt die Entwicklung von Alpha zu Omega. Auch wenn Patienten weiterentwickelt sind als wir und Fragen bezüglich des inneren Weges haben, hilft es den Weg als Ganzes zu kennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur Anthroposophischen Medizin, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] &#039;&#039;Neues Testament, Johannes&#039;&#039; 8, 32.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ebenda, 15, 15.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Philosophie der Freiheit,&#039;&#039; GA 4, Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1995.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Hygiene als soziale Frage. In: Physiologisch-Therapeutisches auf Grundlage der Geisteswissenschaft.&#039;&#039; GA 314. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1989, S. 221 - 261.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner/Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen&#039;&#039;, GA 27 (1991).&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Offenborn</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Zur_%22Erweiterung_der_Heilkunst%22_%E2%80%93_von_Michaela_Gl%C3%B6ckler&amp;diff=1237</id>
		<title>Zur &quot;Erweiterung der Heilkunst&quot; – von Michaela Glöckler</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Zur_%22Erweiterung_der_Heilkunst%22_%E2%80%93_von_Michaela_Gl%C3%B6ckler&amp;diff=1237"/>
		<updated>2026-01-06T15:19:39Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Offenborn: /* Die verbindende Rolle des Denkens */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Auszüge aus Büchern und Vorträgen von [[Michaela Glöckler]]; Erstveröffentlichung auf &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE THEMENSCHWERPUNKTE VON „GRUNDLEGENDES FÜR EINE ERWEITERUNG DER HEILKUNST“ ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie ist dieses Grundlagenwerk der Anthroposophischen Medizin&#039;&#039;[1] &#039;&#039;aufgebaut?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zur inneren Gliederung des Werkes&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das Buch hat vier thematische Schwerpunkte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Mensch und Makrokosmos – Kap. 1 bis 7&lt;br /&gt;
# Ursachen für Stoffwechselerkrankungen – Kap. 8 bis 12&lt;br /&gt;
# Therapie-Kapitel – Kap. 13 bis 18&lt;br /&gt;
# Wirkprinzipien von Arzneimitteln und Heileurythmie – Kap. 19 bis 21&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In aller Kürze kann man sagen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;In den Kapiteln 1 bis 18&#039;&#039;&#039; wird das „medizinische System“ skizziert, das als Grundlage einer „rationellen Diagnostik und Therapie“ dienen möchte.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die beiden Schlusskapitel&#039;&#039;&#039; geben dann Einblick in die Praxis und zeigen, wie sich naturwissenschaftliche Medizin und das medizinische System der Anthroposophie gegenseitig ergänzen und inspirieren können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ad1. Mensch und Makrokosmos – Kap. 1 bis 7 ====&lt;br /&gt;
Hier werden die Grundlagen zum Verständnis der Gesundheit erörtert. Es wird das viergliedrige Menschenbild eingeführt in Form von vier regulierenden, ordnenden Kraftsystemen, die in ihrem Zusammenwirken die – funktionell dreigliedrige – menschliche Konstitution bilden. Auch wird das Verhältnis des gesunden Mikrokosmos Mensch zum Makrokosmos herausgearbeitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den ersten fünf Kapiteln werden darüber hinaus die Grundlagen für ein spirituelles Substanz-Verständnis gelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im ersten Kapitel&#039;&#039;&#039; wird das Geheimnis des Merkurstabs enthüllt, indem auf die Bedeutung der Metamorphose der Wachstumskräfte in Gedankenkräfte eingegangen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im zweiten Kapitel&#039;&#039;&#039; wird eingehend erläutert, wie Krankheit dadurch entstehen kann, dass der Mensch zwar geistig seelisch tätig ist, aber in Einseitigkeit und Irrtum verfällt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im dritten bis fünften Kapitel&#039;&#039;&#039; werden die mikrokosmische und makrokosmische Natur der menschlichen Wesensglieder und ihrer spezifischen Kräftekonfigurationen eingeführt. Es wird aber auch in zu Herzen gehender Weise geschildert, welchen Opfergang und welches Schicksal die Welt der irdisch gewordenen Substanzen dabei erfährt. Und wie dieser Opfergang der Substanzen seine Erlösung und Erfüllung findet, wenn die Substanz im Menschen &#039;&#039;„geisttragend“&#039;&#039; werden kann. Wenn &#039;&#039;„geistgetragene Menschenseelen“&#039;&#039; diesem Opfer zum Segen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im sechsten Kapitel&#039;&#039;&#039; wird dann das embryonale Bildegeschehen des menschlichen Körpers so dargestellt, dass man die physiologischen Prozesse des Wesensgliederwirkens denken lernen und sich für die verschiedenen Organbildungen anschaulich machen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im siebten Kapitel&#039;&#039;&#039; wird der entwicklungsoffene, in sich &#039;&#039;nicht&#039;&#039; abgeschlossene gesunde Gesamtorganismus geschildert und daran das Prinzip der Selbstkränkung und das Wesen der Selbstheilungskräfte verdeutlicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ad 2. Ursachen für Stoffwechselerkrankungen – Kap. 8 bis 12 ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Kapitel acht bis zwölf&#039;&#039;&#039; behandeln die fünf Hauptursachen pathologischer Prozesse. Sie beschreiben die fünf zentralen Ursachen der Entstehung von Erkrankungen des Stoffwechsels. Diese werden anhand der Wirkweise von Zucker, Eiweiß, Fett, Harnsäure und Wärme anschaulich gemacht. Dabei werden auch die diese Stoffwechselprozesse regulierenden Wesensglieder in ihrem leiblich-seelischen Wirken anschaulich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ad 3. Therapie-Kapitel – Kap. 13 bis 18 ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Es folgen fünf Therapie-Kapitel&#039;&#039;&#039;, in denen die therapeutische Regulierung des Verhältnisses zwischen Ätherleib und Astralleib im Mittelpunkt steht, dann die regulierende Kraft der Ich-Organisation, dann die mögliche Schwächung der physisch-ätherischen Konstitution im Laufe des Älterwerdens, das Prinzip der Arzneimittelfindung und die Einführung in das Wesen der Substanzerkenntnis als Grundlage der Heilmittel-Erkenntnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ad 4. Wirkprinzipien von Arzneimitteln und Heileurythmie – Kap. 19 bis 21 ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;In den letzten drei Kapiteln des Buches&#039;&#039;&#039; werden charakteristische Krankheitsfälle und typische Heilmittel vorgestellt. Sie sind dem Wirkprinzip der Heileurythmie gewidmet, geben einen Einblick in die Praxis der Anthroposophischen Medizin anhand von neun individuellen Krankheitsfällen und nennen den Einsatz von Arzneimitteln, die bestimmten typischen Erkrankungen angepasst sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;„Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; wurde bis heute bis auf wenige Anmerkungen und Hinweise zur Entstehung und Autorschaft unverändert nachgedruckt. Es hat über drei Generationen hinweg vielen Fachleuten auf dem Gebiet der Anthroposophischen Medizin die nötige Grundorientierung gegeben, um das akademisch erworbene Wissen auch unter spirituellen Gesichtspunkten anzuschauen und es so im Einzelfall praktisch anwendbar zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Werk stellt im Grunde einen Lehrgang dar, der – wie es Ita Wegman in ihrem damals nicht veröffentlichten Vorwort zu diesem Buch schreibt – jeden Arzt in die Lage versetzt, selbst die Krankheiten geistig anzuschauen, wenn er bereit ist, das „&#039;&#039;ganz richtige Lesen dieses Buches“&#039;&#039; zu üben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Raphael und die Mysterien von Krankheit und Heilung“, Medizinische Sektion am Goetheanum 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen,&#039;&#039; GA 27, Dornach 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Zu Rudolf Steiners Verständnis der Anthroposophischen Medizin als einer im Gegensatz zur Schulmedizin, wahrhaft rationellen‘ Heilkunst siehe auch das Vorwort der &#039;&#039;„Erweiterten Heilkunst“&#039;&#039;. Elemente für eine echte Ratio zusammenzutragen, wie sich aus der Diagnose die Therapie ergibt, war bereits Hauptanliegen im ersten Kursus für Mediziner im Jahr 1920 gewesen: Vgl. Steiners &#039;&#039;„Geisteswissenschaft und Medizin“&#039;&#039;, GA 312.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE KAPITEL I–VII: GRUNDLAGEN ZUM VERSTÄNDNIS DER GESUNDHEIT[1] ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was zeichnet den gesundheitswissenschaftlichen Ansatz der Anthroposophischen Medizin aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie unterscheidet er sich von dem pathogenetischen Ansatz der naturwissenschaftlich basierten Schulmedizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Reformen wünschte Rudolf Steiner bereits zu seinen Lebzeiten?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zukunftsweisender gesundheitswissenschaftlicher Ansatz der AM&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Kapitel I–VII umfassen den gesundheitswissenschaftlichen Ansatz der Anthroposophischen Medizin. Unter ‚Volksgesundheit‘ verstand man am Anfang des 20. Jahrhunderts im Wesentlichen hygienische Maßnahmen, genügend Schlaf, gesunde Ernährung und Lebensführung.[2] Noch heute stellen Medizinstudenten und Ärzte immer wieder erstaunt fest, wie wenig sie darüber hinaus während ihres Studiums über die Entstehung von Gesundheit erfahren haben im Gegensatz zur Aufklärung über Krankheitsentstehung, d.h. Pathogenese.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der pathogenetische Ansatz der naturwissenschaftlich basierten Medizin bzw. Schulmedizin hat gegenwärtig mit der molekulargenetischen Steuerungsebene eine gewisse Kulmination erreicht, die in Zukunft mithilfe der Digitalisierung noch weiter optimiert werden wird. Parallel zu dieser Entwicklung hat aber auch die Wissenschaft von den Nebenwirkungen der pathogenetisch fokussierten Therapie zugenommen.[3] Daher wird von naturwissenschaftlicher Seite argumentiert, dass ein Arzneimittel, das keinerlei Nebenwirkungen hat, auch nicht wirksam sein kann. Und alles Bestreben geht dahin, Nebenwirkungen bestmöglich zu minimieren bzw. durch den Einsatz anderer Arzneimittel zu kompensieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesem pathogenetisch orientierten Ansatz steht der gesundheitswissenschaftlich-salutogenetische gegenüber. Dieser hat seine Entwicklung und Kulmination noch vor sich. Er etabliert sich seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erst langsam in der akademischen Welt. Es ist jedoch zu hoffen, dass er dennoch in nicht allzu ferner Zeit die Mitte der Gesellschaft erreichen wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Paradigmenwechsel als politische und wirtschaftliche Herausforderung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Denn der Paradigmenwechsel der Umorientierung von der Verhütung von Krankheit zur Förderung von Gesundheit ist zwar proklamiert – ihn lebenspraktisch zu machen ist und bleibt aber die noch bestehende große soziale und politische und nicht zuletzt wirtschaftliche Herausforderung. Denn: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann man an der Gesundheit verdienen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wer macht dafür Lobbyarbeit?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und: Was braucht es alles zur auch gedanklich-konzeptionellen Neuausrichtung und Umstrukturierung der Ausbildung für die Gesundheitsberufe, insbesondere der Ärzteschaft?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Wie weit man davon noch entfernt ist, hat auch das weltweit durchgreifende Corona-Pandemie-Management gezeigt, das ausschließlich pathogenetisch orientiert war. Salutogenetisch orientierte Auffassungen bezüglich Erkrankungsrisiken, Prävention und Therapie wurden auch in der medialen Berichterstattung konsequent ausgeblendet oder sogar lächerlich gemacht und bekämpft. Dabei konnten nicht zuletzt auch die anthroposophischen Krankenhäuser auf ihren Intensivstationen dank ihres integrativmedizinischen Vorgehens&#039;&#039; &#039;&#039;auch bei Schwerkranken erstaunlich gute Behandlungsergebnisse aufzeigen.“[4]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die fortschrittliche Medizin ebenso pathogenetisch orientiert, wie es der heutige Mainstream der Medizin immer noch ist. Im Mittelpunkt stand das neue Paradigma einer modernen Zellularpathologie, mit der Aussicht, immer mehr pathologische Prozesse diagnostisch bis auf die molekulare Ebene im Zellstoffwechsel zu erforschen.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Rudolf Steiners Ruf nach Reformen in der Medizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Demgegenüber eröffnete Steiner seinen ersten Kurs für Anthroposophische Medizin 1920 mit den Worten: &#039;&#039;„[…] es ist ja ziemlich selbstverständlich, daß von dem, was Sie wahrscheinlich alle erwarten von der Zukunft des medizinischen Lebens, nur ein sehr geringer Teil in diesem Kursus wird angedeutet werden können, denn Sie alle werden ja mit mir darinnen übereinstimmen, daß ein wirkliches, zukunftssicheres Arbeiten auf dem medizinischen Felde von einer Reform des medizinischen Studiums als solchem abhängt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Man kann nicht mit dem, was man in einem Kursus mitteilen kann, eine solche Reform des medizinischen Studiums auch nur im Entferntesten anregen, höchstens in der Weise, daß in einer Anzahl von Menschen der Drang entsteht, mitzutun bei einer solchen Reform. […] Dasjenige, was in diesen Vorträgen beigebracht werden soll, das möchte ich erreichen dadurch, daß ich in einer Art von Programm verteile das zu Betrachtende in der folgenden Weise: Erstens möchte ich Ihnen geben einiges, das hinweist auf die Hindernisse, die im heutigen gebräuchlichen Studium bestehen gegen eine wirklich sachgemäße Erfassung des Krankheitswesens als solchem. Zweitens möchte ich dann andeuten, in welcher Richtung eine Erkenntnis des Menschen zu suchen ist, die eine wirkliche Grundlage für das medizinische Arbeiten abgeben kann. Drittens möchte ich auf die Möglichkeiten eines rationellen Heilwesens hinweisen durch die Erkenntnis der Beziehungen des Menschen zur übrigen Welt.“[6]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als viertes wünschte er sich Fragen aus dem Teilnehmerkreis, weil er seine Ausführungen ganz nach den Bedürfnissen der anwesenden Fachleute und Studierenden richten wollte.[7]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entwicklung von ganzheitlichen Therapieformen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Seither haben sich auch andere an der ‚Ganzheit Mensch‘ und einem neuen Gesundheits- bzw. Krankheitsverständnis orientierte Therapieformen entwickelt – insbesondere seit dem Zweiten Weltkrieg. Beispielhaft seien &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Gestalttherapie&#039;&#039;&#039;[8] genannt,&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Viktor Frankls (1905–1997)&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Logotherapie&#039;&#039;&#039;[9]&lt;br /&gt;
* und die &#039;&#039;&#039;humanistische Psychotherapie.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kapitel I bis VII zeigen den methodischen Ansatz für einen solchen Paradigmenwechsel aus anthroposophischer Perspektive auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[10]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Hierbei handelt es sich um Kapitel aus dem Grundlagenwerk von Rudolf Steiner und Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Siehe z. B. Steurer-Stuttgart (1919), Fuchs-Wolfring (1912), Dennig (1919).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Vgl. Ammon (2001); Stolze (2014).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Vgl. COVID-19: www.anthromedics.org/PRA-0939-DE; [6.1.2025].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. Schipperges (1985).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaft und Medizin,&#039;&#039; GA 312, S. 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Ebenda, S. 14.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Vgl. Boeckh (2015).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. Frankl (2005).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== KAPITEL VIII–XII: DIE FÜNF HAUPTURSACHEN PATHOLOGISCHER PROZESSE[1] ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worum geht es in diesen Kapiteln?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Parallelen gibt es zu Paracelsus Sichtweise auf Krankheitsursachen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Regulationsmöglichkeiten bietet das Wesensglieder-Konzept?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fünf prinzipielle pathophysiologische Erscheinungen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die fünf der Pathologie gewidmeten Kapitel haben paradigmatischen Charakter. Es geht nicht um einzelne Krankheitsbilder – obgleich Beispiele genannt werden – es geht um prinzipielle pathophysiologische Erscheinungen aufgrund typischer Ungleichgewichte im Zusammenspiel der Wesensglieder. So wundert es auch nicht, dass so prominente Krankheitsbilder wie z.B. der Krebs keine Erwähnung finden. Auch die Mistel (Viscum album), als das bekannteste anthroposophische Arzneimittel – obgleich bereits seit 1917 durch Wegman in ihrer Zürcher Praxis im Einsatz[2] – findet (in Kapitel XX) keine Erwähnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht vielmehr um Beschreibungen pathologischer Stoffwechselprozesse, die bei der Verdauung der Grundnahrungsmittel: Kohlenhydrate, Eiweiße, Fette auftreten können (Kap. VIII–X) sowie die Pathophysiologie der Gicht-Erkrankung, die als Beispiel einer meist hereditären, d.h. genetisch bedingten, Stoffwechselstörung auftritt (Kap. XI). Zuletzt werden in Kapitel XII typische Regulationsweisen im labilen Gesundheits-Krankheits-Kontinuum aufgezeigt, das jederzeit in Richtung Krankheit entgleisen oder sich in Richtung Gesundheit entwickeln kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es zeigt sich bei genauerem Hinsehen, dass diese fünf Schilderungen Schlüssel und Ausgangspunkt zum Verstehen aller Krankheitserscheinungen sind. Sie haben einen ebenso fundamentalen Charakter wie die anderen Kapitel im Kontext der Schrift, da die Autoren sich auf den methodischen Ansatz beschränken, den es dann unbegrenzt weiter auszugestalten und zu erforschen gilt. Die fünf Kapitel sind sozusagen Pathologie ‚in a nutshell‘, d.h. Pathologie im Keimzustand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Parallelen zu Paracelsus „quinque entibus“&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Interessanterweise sprach auch &#039;&#039;Paracelsus&#039;&#039; in seinem &#039;&#039;„Volumen Paramirum“&#039;&#039; von fünf Krankheitsursachen: &#039;&#039;„De quinque entibus“.&#039;&#039; Schaut man sich sein Konzept unter dem Aspekt der anthroposophischen Menschenkunde an, so ist darin – wie auch in den fünf Pathologie-Kapiteln der Erweiterung der Heilkunst – jeweils eines der vier Wesensglieder in der Hauptverantwortung für die entsprechende Regulationsstörung. &#039;&#039;Elise Wolfram (1868–1942)&#039;&#039; hat diesen Aspekt schon 1912 in einem viel beachteten Buch herausgearbeitet.[3] Sie war durch Steiners Ausführungen zu Paracelsus und seine Bedeutung für die Medizin dazu angeregt worden. Seither wurde dieser paracelsische Ansatz wiederholt von anthroposophischen Ärzten mündlich und schriftlich dargestellt.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;„Volumen Paramirum“&#039;&#039; lässt Paracelsus sechs Ärzte sich um einen an der Cholera verstorbenen Patienten versammeln, fünf als Vertreter bestimmter medizinischer Auffassungen (‚Sekten‘), während der sechste Paracelsus selbst ist. Gründlich werden in diesem Zusammenhang fünf mögliche Ursachen und deren jeweilige Beschleuniger abgehandelt: das ‚Ens astrale‘, ‚Ens veneni‘, ‚Ens naturale‘, ‚Ens spirituale‘ und ‚Ens deale‘. Man möchte wissen, welches ‚Ens‘ letztlich verantwortlich war für den Tod, denn nicht alle Cholerakranken starben bei der Epidemie. Es muss also verschiedene Ursachen geben, warum dieser Mensch erkrankt bzw. verstorben ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Ens astrale – physischer Leib ====&lt;br /&gt;
Hier liegt die Ursache entweder in den individuellen Schicksalsgegebenheiten eines Menschen, der durch seine Geburt in einer bestimmten Erdgegend, einem bestimmten Volks- und Familienzusammenhang sowie entsprechenden sozialen Verhältnissen lebt, und den daraus resultierenden, der Gesundheit schädlichen oder sie fördernden Einflüssen ausgesetzt ist. Diese primär physische Krankheitsursache, zu der auch das kontaminierte Wasser gehört, das die Cholera-Epidemie verursacht hat, wird bezeichnenderweise von Paracelsus ‚Ens astrale‘ genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird dabei auf das Geburtshoroskop verwiesen, auf den ganzen Schicksalskontext dieses bestimmten Menschen in seinem makro-mikrokosmischen Zusammenhang. Dabei unterscheidet Paracelsus klar den Einfluss der Gestirne auf den Menschen als ‚Ens virtutis‘ von dem ‚Ens seminis‘, dem von der Erde stammenden Erbgut, das für die Körperkonstitution verantwortlich ist und damit ebenfalls für möglichen Schutz vor Erkrankung oder aber begünstigend für ihr Auftreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überträgt man diese Vorstellungen in die anthroposophische Terminologie, so geht es hier um den Einfluss der physischen Organisation in Resonanz mit dem auf sie einwirkenden Schicksalsumkreis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ens veneni[5] – Ätherleib ====&lt;br /&gt;
Hier wird auf den Ursachenzusammenhang gewiesen, der mit der Ernährungsweise und dem Lebensstil zusammenhängt und dem rechten Maß im Sinne des berühmten Spruches: &#039;&#039;„Dosis facit venenum“&#039;&#039;, d.h., nur die richtige Dosierung, das richtige Maß des jeweils zur Anwendung kommenden Heilmittels ist das Gesundheit stiftende. Diesem Aspekt entspricht in der Anthroposophischen Medizin die ätherische Organisation und die sie umgebende Lebenswelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Ens naturale – Astralleib ====&lt;br /&gt;
Dieser Ursachenkontext verweist auf das individuelle Bewusstsein des Menschen und dessen Zusammenhang mit dem Makrokosmos. Die Vielheit der Erscheinungen in der Einheit des menschlichen Bewusstseinshorizontes: das Firmament, die Elemente, die ‚complexiones‘ (konstitutionelle Gegebenheiten), die ‚humores‘ (Körpersäfte). Mit all diesen Gegebenheiten setzt sich der Mensch in seinem bewussten Seelenleben auseinander und seine Gesundheit hängt davon ab, wie er sich darin fühlt und damit umgehen lernt. In der anthroposophischen Terminologie entspricht dies der astralischen Organisation als Träger des körperbezogenen, seelisch-gefühlsmäßigen Bewusstseins und des gedanklich wachen Geist- bzw. Selbst-Bewusstseins. Hier liegt die Krankheitsursache in der „Geist- und Seelenfähigkeit“ des Menschen[6] und deren Einfluss auf die ‚humores‘, d.h. die ätherisch-physische Konstitution.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Ens spirituale – Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Diese Betrachtungsebene betrifft bei Paracelsus die magische Beeinflussung von Wesen zu Wesen. Es geht um den Menschen, der, zwischen Göttern und Dämonen lebend, Verführungen ausgesetzt ist und dessen Gesundheit auch durch Fürbitte und Gebet beeinflusst werden kann. Geistiges wirkt in jeder Beziehung direkt auf Geistiges und von dort aus auf die ihm untergeordneten Ebenen der konstitutionellen Gegebenheit. In der anthroposophischen Terminologie entspricht dies der Ich-Organisation, die über den Wärme-Organismus auf den Luftorganismus als Träger der astralischen Kräfte wirkt und durch diesen auf den Flüssigkeitsorganismus als Träger der ätherischen Kräfte – und durch diesen wiederum auf die physische Organisation, die ihrerseits dann über die Sinne und die Betätigungen während des Tageslebens auf die Ich-Organisation zurückwirkt.[7]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Ens deale – Leibfreies Seelen- und Geistesleben ====&lt;br /&gt;
Paracelsus, dessen Denken und Handeln tief in der christlichen Theologie und Kultur verankert war, spricht hier das Hereingestellt-Sein des Menschen in einen gottgewollten Entwicklungskontext an, hinorientiert auf die beiden menschlichen Kernkompetenzen Freiheit und Liebe. Zusammengefasst heißt es bei Paracelsus: &#039;&#039;„Ihr wisset, daß alle Gesundheit und Krankheit von Gott kommt und nichts vom Menschen, und ihr müßt die Krankheiten der Menschen in zween Gruppen teilen, in natürliche und in solche zur Züchtigung. Die natürlichen, das sind das erste, zweite, dritte und vierte ens: das flagellum ist das fünfte.“[8]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten vier ‚Entien‘ entsprechen im anthroposophischen Kontext den vier Wesensgliedern, das fünfte hingegen der ‚quinta essentia‘, dem von der körperlichen Gebundenheit freien Seelen- und Geistesleben des Menschen, mit dem er sich bewusst in der göttlich-geistigen Welt verankern kann.[9] Es handelt sich dabei um das rein spirituelle Prinzip, von dem auch schon Aristoteles als ‚πέμπτη ουσία‘ (fünftes Seiendes) sprach: das fünfte ‚ens‘ im Sinne des Paracelsus. Hier liegt die Ursache für Krankheit und Tod sozusagen in der Hand Gottes. Hier waltet die Weisheit des Schicksals und nicht die ärztliche Kunst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Alte Sichtweisen durch Geisteswissenschaft aktualisiert&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Vergleich mit dem paracelsischen Verständnis von Krankheit und Gesundheit kann einerseits deutlich machen, wie mithilfe von Steiners Geisteswissenschaft spirituelle Sichtweisen aus früheren Jahrhunderten dem gegenwärtigen Bewusstseinszustand der Menschen neu zugänglich gemacht werden können. Andererseits kann ein solcher Vergleich auch deutlich machen, wie eigenständig und originär Steiners Forschungsansätze und Ausführungen sind. Seine Geisteswissenschaft versteht sich als ein zeitgemäßer Weg, sich das im Sinne Goethes ‚alte Wahre‘ erkennend und handelnd zu erschließen.[10]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;In den Kapiteln VIII–XI&#039;&#039;&#039; steht jeweils ein menschliches Wesensglied ursächlich für das Krankheitsgeschehen im Mittelpunkt. Wobei es stets die Schwäche der Ich-Organisation ist, die initial für die jeweils geschilderten Stoffwechselstörungen und pathologischen Prozesse verantwortlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Kapitel XII&#039;&#039;&#039; hingegen beschreibt das Ringen dieser Ich-Organisation, die konstitutionelle Balance aufrecht zu erhalten. Auffällig ist dabei, dass die vier ersten Pathologie-Kapitel in ihrer Gesamtheit Symptome und Erkrankungen beschreiben, die inzwischen als das Metabolische Syndrom bekannt sind.[11]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Das Metabolische Syndrom ====&lt;br /&gt;
Es umfasst einen Cluster von &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* (vor allem viszeraler) Adipositas, &lt;br /&gt;
* gestörter Glukosetoleranz,&lt;br /&gt;
* Fettstoffwechselstörungen,&lt;br /&gt;
* arterieller Hypertonie, einschließlich möglicher genetischer Prädispositionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gilt als Vorstufe des Diabetes mellitus Typ 2 und ist zudem prädiktiv für ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenhänge zwischen Adipositas und diversen Stoffwechselerkrankungen wurden auch schon zu Lebzeiten von Steiner und Wegman beschrieben.[12] Nach &#039;&#039;Hanefeld&#039;&#039; dokumentierte bereits &#039;&#039;Giovanni Battista Morgagni (1682–1771)&#039;&#039; den Zusammenhang zwischen viszeraler Fettsucht, Hypertonie, Gicht, Schlafapnoe und Arteriosklerose.[13] Allerdings wurde der pathophysiologische Zusammenhang dieser Erkrankungen und die das Metabolische Syndrom charakterisierende Insulinresistenz erst im Laufe des 20. Jahrhunderts deutlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Syndrome X ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gerald M. Reaven (1928–2018)&#039;&#039; wies in seiner &#039;&#039;„Banting Lecture“&#039;&#039; 1988 darauf hin und beschrieb den Symptomenkomplex als das &#039;&#039;„Syndrome X“.[14]&#039;&#039; Zu ihm gehören die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Insulinresistenz, &lt;br /&gt;
* Hyperinsulinämie,&lt;br /&gt;
* Glukosestoffwechselstörung,&lt;br /&gt;
* Fettstoffwechselstörung&lt;br /&gt;
* und Hypertonie.&lt;br /&gt;
* Erst viel später wurden weitere, pathophysiologisch relevante Aspekte wie die &lt;br /&gt;
* low-grade-inflammation beschrieben.[15]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Aktualität der beschriebenen Krankheitsprozesse&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Interessanterweise thematisiert &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[16]&#039;&#039; durch die Abfolge der Kapitel VIII–X bereits die syndromale Entität dieses heute als Metabolisches Syndrom bekannten Krankheitsgeschehens und weist darüber hinaus eindrücklich auf den Diabetes mellitus als Folge-Erkrankung hin (Kap. VIII).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Erwähnung „parasitäre[r] Wärmeherde“[17] im Kapitel X, im Zusammenhang mit dem Fettgewebe, bekommt unter dem Aspekt der inzwischen bekannten proinflammatorischen Wirksamkeit zahlreicher Adipokine eine geradezu überraschende Aktualität – ebenso wie der regulativ-systemische Ansatz zu Verständnis und Behandlung der Erkrankung. Auch wenn der Insulinmangel bei Diagnose und Therapie gegenwärtig immer noch im Vordergrund steht, so wurden doch inzwischen so viele unterschiedliche Beeinflussungen der Insulinresistenz bestimmter Gewebe und möglicher Gegenregulationsformen im Organismus bekannt, dass man auch hier vor einem äußerst komplexen Wechselursachenverhältnis multimodaler Einflussfaktoren steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für diese Komplexität öffnen die fünf Pathologiekapitel die Augen und zeigen zudem klar auf, welche ganzheitlichen Regulationsprinzipien unter den vier Wesensgliedern jeweils unterstützt oder abgeschwächt werden müssen. Das anthroposophische Wesensglieder-Konzept bietet in diesem Kontext die Möglichkeit, die physische, ätherische, astralische und Ich-Organisation als die für die Gesamtregulation des menschlichen Organismus verantwortlichen Gesetzeszusammenhänge sehen zu lernen.[18]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[19]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Hierbei handelt es sich um Kapitel aus dem Grundlagenwerk von Rudolf Steiner und Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Vgl. Zeylmans van Emmichoven (2022), 67 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Vgl. Wolfram (1991).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe www.anthromedics.org; [6.1.2025].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Von lat. venerum: Gift, Medizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6]  Vgl. FN 1, S. 16.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Siehe dazu die ergänzenden Hinweise im Stellenkommentar, Anm. zu EH, 82, S. 133–140.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Paracelsus (2010), 232.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. FN 1, Kap. I, Abs. 19.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] &#039;&#039;„Das Wahre war schon längst gefunden / Hat edle Geisterschaft verbunden / Das alte Wahre, fass’ es an.“&#039;&#039; WA I/2, 82.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Dem Internisten &#039;&#039;Matthias Girke&#039;&#039; und seiner Publikation &#039;&#039;„Innere Medizin“&#039;&#039; verdanke ich fachliche Unterstützung bezüglich Referenzen und Hinweisen zu den Kapiteln VIII–XII, insbesondere zum Metabolischen Syndrom und seinen Folge-Erkrankungen. Siehe Girke (2020).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Vgl. Balke und Nocito (2013), 77–83.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] Vgl. Hanefeld und Leonhardt (1996).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] Vgl. Reaven (1988), 1595–1607.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[15] Minihane u. a. (2015), 999–1012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[16] Vgl. FN 1.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[17] Vgl. FN 1, S. 52f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[18] Zum 250. Geburtsjahr &#039;&#039;Goethes&#039;&#039; 1999 wurde eine Vorlesungsreihe an der Universität Bern veranstaltet: Goethes Beitrag zur Erneuerung der Naturwissenschaften. In seiner Vorlesung zum Thema Typusidee und Genetik führte &#039;&#039;Johannes Wirz&#039;&#039; auch für die moderne Genetik aus: &#039;&#039;„Bereits regen einige Entwicklungsbiologen und Genetiker eine Neukonzeption der Gen-zentrierten Auffassung von Entwicklungsprozessen an. Duboule und Wilking schließen zum Beispiel, dass es keine Art/spezifischen Gene, sondern nur einen artspezifischen, differentiellen Gebrauch derselben gibt. […] Die kaum beachtete epigenetische Theorie von Waddington, welche die Vernetzung von Genen stärker betont als die Bedeutung einzelner Erbfaktoren, ist kürzlich durch eine viel beachtete Publikation von Strohmann wissenschaftsfähig geworden. [...] Der genetische Determinismus wird noch weiter relativiert, wenn, wie es die Tatsachen nahelegen, Lebewesen als organische Ganzheiten im Sinne Goethes verstanden werden. Das bedingt, dass ihnen neben DNA, Proteinen, Zellen und deren vielfältigen Interaktionen, die als Erscheinungsbedingungen vorhanden sein müssen, eine Qualität zugestanden wird, welche dieselben dirigiert. Die Idee der inneren Natur oder des Typus [gemäß Goethe, M. G.] fordert zudem ein erweitertes Verständnis von Vererbung.“&#039;&#039; (Wirz [2000], 324 f.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[19] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE KAPITEL XIII–XVIII: ZUR THERAPIE UND HEILKUNST[1] ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist mit der in diesen Kapiteln beschriebenen therapeutischen Denkweise gemeint?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie können Aufgabe und Wirkung einer Substanz – hier die Kieselsäure – im Organismus Vorbild für eine therapeutische Denkweise sein?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was verbindet Ich-Organisation und Kieselsäure?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Innerer Zusammenhang von Kapitel XIV, XVI und XVIII&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Diesen Kapiteln liegt eine Komposition zu Grunde, in der 2 × 3 Kapitel einen engeren inneren Zusammenhang haben, obgleich sie nicht aufeinander folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== a. Therapeutische Denkweise ====&lt;br /&gt;
Den Schlüssel zu dieser Komposition bietet der letzte Satz von Kapitel XVIII, wo es über die Heileurythmie heißt, &#039;&#039;„dass man sie durchaus als ein segensreiches Glied unserer hier dargestellten therapeutischen Denkweise ansprechen kann“.&#039;&#039;&#039;[2]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Dadurch entsteht ein unmittelbarer Bezug zu Kapitel XIV &#039;&#039;„Von der therapeutischen Denkweise“.&#039;&#039; Darin wird anhand der Wirkung der Kieselsäure im menschlichen Organismus das Wesen der in diesem Kontext gemeinten therapeutischen Denkweise geschildert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wer oder was bestimmt den Charakter einer bestimmten Denkweise?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemäß Rudolf Steiner und Ita Wegman übernimmt die Ich-Organisation, &#039;&#039;„die sich seelisch frei im Denken darlebt“,&#039;&#039;&#039;[3]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; diese Aufgabe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== b. Gestaltungskraft von Kalk und Kiesel ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was aber verbindet die Ich-Organisation mit der Kieselsäure?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dieser Frage tut sich ein weiteres Kapitel der anthroposophischen Substanz-Erkenntnis auf: die polare Wirkensweise von Kalk und Kiesel, auf die Steiner in vielen Vorträgen zu sprechen kommt. Im &#039;&#039;„Landwirtschaftlichen Kurs“&#039;&#039; heißt es, nachdem Steiner die eiweißbildenden Elemente Kohlenstoff, Sauerstoff, Stickstoff, Wasserstoff und Schwefel geschildert hat:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Um nun die feste Gestalt darzustellen, da muss es [alles Kohlenstoffhaltige, M.G.] sich auf ein tiefer liegendes Gerüste aufbauen und das ist dasjenige, was als ein ganz tiefliegendes Gerüst in unserem kalkartigen Knochengerüst enthalten ist, was aber auch enthalten ist in dem Kieseligen, das wir ja immer in uns tragen, sodass der Kohlenstoff im Menschen und auch im Tier bis zu einem gewissen Grade seine Gestaltungskraft maskiert. Er rankt sich hinauf an der Gestaltungskraft von Kalk und Kiesel. Kalk gibt ihm die irdische, Kiesel die kosmische Gestaltungskraft.“[4]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bergkristall (als SiO2 eine reine Silicium/Sauerstoffverbindung) erscheint unter diesem Aspekt wie ein Urbild. Kosmisches und irdisch machender Sauerstoff sind in reinster Stimmigkeit auf einander bezogen. Die kosmische Gestaltungskraft manifestiert sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* im Irdisch-Unbelebten in Form der Bildung von Urgestein. &lt;br /&gt;
* und bei den Lebewesen als Gerüstsubstanz.&lt;br /&gt;
* In der menschlichen Konstitution verwandelt sich in Folge der Metamorphose die leibliche Bildetätigkeit in Gedankentätigkeit in Form von Wahrnehmen und Denken und wendet sich so wieder dem Kosmos zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== c. Irdisch-kosmische Zusammenhänge verstehen ====&lt;br /&gt;
Aus anthroposophischer Perspektive[5] handelt es sich hierbei um die allumfassende kosmisch-ätherische Gestaltungskraft,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die einerseits dem Leib &#039;&#039;&#039;Leben&#039;&#039;&#039; einhaucht &lt;br /&gt;
* und andererseits Grundlage für selbstgeführtes &#039;&#039;&#039;Denken&#039;&#039;&#039; ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je mehr es gelingt, in solchen Zusammenhängen zu denken, Irdisches und Kosmisches in ihrem Aufeinander-bezogen-Sein zu erkennen, desto therapeutischer wird die Denkweise werden. Dann kann sie Lebenszusammenhänge verstehen, dem Leben dienen und gesunde individuelle und soziale Entwicklungen fördern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann kann sie endlich auch die Wunden heilen, die infolge der reduktionistischen Denkweise entstanden sind und weiter entstehen, wenn sich der atomistische Monismus nicht mit einem ganzheitlich-spirituellen Monismus Goethe’scher Prägung versöhnen lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Heileurythmie als ‚Tun‘ der Ich-Organisation&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der Heileurythmie wird diese irdisch-kosmische Tätigkeit der Ich-Organisation nicht nur ‚gedacht‘, sondern ‚getan‘. Denken, Fühlen und Wollen sind beim konzentrierten Ausüben der heileurythmischen Bewegungen dem Körper zugewendet, wodurch das Stoffwechselgeschehen und die rhythmischen Funktionen unmittelbar beeinflusst werden können. Wie sehr Bewegung und Atmungsregulierung den Gesundheitszustand beeinflussen können, ist inzwischen auch naturwissenschaftlich hinreichend belegt. Entsprechende Präventionsprogramme haben sich insbesondere in der Kardiologie seit Jahrzehnten bewährt.[6] Auch die Rehabilitationseinrichtungen bauen ihre Maßnahmen primär auf gesunde Ernährung, Bewegung, Gespräch und kulturelle Aktivitäten auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die innere Beziehung zwischen Kapitel XIV und XVIII wird ergänzt durch Kapitel XVI, das nicht ohne Grund in der Mitte steht. Dieses Kapitel handelt vom Antimon unter der Überschrift &#039;&#039;„Heilmittel-Erkenntnis“.&#039;&#039; Dabei werden die Antimonprozesse als diejenigen beschrieben, die in den menschlichen Organismus gebracht, so wirken wie die Ich-Organisation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Im menschlichen Organismus zeigt das Blut in seiner Strömung eine Tendenz, zu gerinnen. Diese Tendenz ist diejenige, die unter dem Einfluss der Ich-Organisation steht und unter ihr die Regulierung erfahren muss.“[7]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Innerer Zusammenhang von Kapitel XIII, XV und XVII&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die zweite Dreiheit handelt vom krankhaften Zusammenspiel der Wesensglieder und den für den therapeutischen Prozess charakteristischen Heilmitteln bzw. Arzneisubstanzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== a. Zwischen kränkenden und gesundenden Kräften ====&lt;br /&gt;
Hier steht das individuelle Therapiegeschehen im Vordergrund. So lautet die Überschrift von Kapitel XIII &#039;&#039;„Vom Wesen des Krankseins und der Heilung“&#039;&#039; und beginnt mit dem Wort ‚Schmerz‘ als einem Erlebnis im astralischen Leib und im Ich. Es folgt dann eine kurze Charakteristik des unterschiedlichen Zusammenwirkens der Wesensglieder im Laufe des Lebens zwischen Geburt und Tod. Hauptaugenmerk bei der Therapiefindung liegt hier auf dem sensiblen Zusammenspiel zwischen der kränkenden astralischen und der gesundenden ätherischen Organisation. Diese Betrachtung findet ihre Fortsetzung in Kapitel XV, wo es unter der Überschrift &#039;&#039;„Das Heilverfahren“&#039;&#039; heißt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Denn alle Entwicklung des menschlichen Organismus beruht darauf, dass ursprünglich die Gesamtgestaltung des physischen und ätherischen Leibes aus der Tätigkeit des Astralischen und der Ich-Organisation sich ergibt; dass aber mit zunehmendem Alter die astralische und Ich-Tätigkeit in der physischen und ätherischen Organisation weiterlaufen. Tun sie das nicht, so müssen der astralische Leib und die Ich-Organisation in einem Stadium ihrer Entwickelung in einer Art eingreifen, zu der sie in diesem Stadium nicht mehr geeignet sind.“&#039;&#039; [8]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== b. Ich-Organisation entlastende Heilmittel ====&lt;br /&gt;
Dann bedürfen sie der regulierenden Unterstützung durch Heilmittel, die die beiden oberen Wesensglieder von ihrem nicht mehr entwicklungsgerechten Eingreifen entlasten und die physische und ätherische Organisation so stärken, dass das unregelmäßige Eingreifen der oberen Wesensglieder zur Kompensation der geschwächten physisch-ätherischen Konstitution nicht mehr nötig ist. Zusätzlich kompliziert werden Diagnostik und Therapie dadurch, dass &#039;&#039;„die Richtung der Krankheitswirkungen“[9]&#039;&#039; ebenfalls verfolgt werden muss im Sinne der primären Ursache der Störung und deren Folge. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== c. Bedeutung von Ameisensäure und Kleesäure ====&lt;br /&gt;
Abgerundet wird die Betrachtung dieser Dreiheit mit Kapitel XVII &#039;&#039;„Substanz-Erkenntnis als Grundlage der Heilmittel-Erkenntnis“&#039;&#039;, in dem zwei Substanzen im Mittelpunkt stehen, die in der Biochemie des Zellstoffwechsels eine wichtige Rolle spielen: Ameisensäure und Kleesäure.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Hexagramm aus zwei Dreiecken&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Während die erste Dreiheit primär bezogen ist auf die Erscheinung der menschlichen Gestalt im Raum und ihrem Formaspekt im Reich der Natur, widmet sich die zweite Dreiheit dem Wandel der menschlichen Konstitution in der Zeit. Fügt man die beiden Dreiheiten zusammen, so ergibt sich das therapeutische Ur-Symbol des Hermes Trismegistos bzw. das Siegel Salomos, das Hexagramm, in dem ein Dreieck mit der Spitze nach unten sich durchdringt mit einem zweiten Dreieck, dessen Spitze nach oben weist. Es ist das ägyptisch-hermetische Zeichen für das harmonische Zusammenwirken von Makrokosmos und Mikrokosmos. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Spitze des ersten Dreiecks, die nach unten weist und dessen Basis oben ist, wäre Kapitel XIV. In der Heileurythmie wird über die rhythmisch wiederholten Bewegungsübungen daran gearbeitet, den Menschen im Raum bei der Wiederherstellung seiner urbildlichen aufrechten Gestalt zu unterstützen. Basis dafür ist eine therapeutische Denkweise, die innere Aufrichtekraft (wirklichkeitsgemäßes ‚aufrichtiges‘ Denken) und Heilmittel-Erkenntnis aus dem Mensch-Natur-Zusammenhang adäquat verbindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das zweite Dreieck, dessen Spitze nach oben weist und das seine Basis unten hat, handelt vom Schmerzerleben und dem Wesen der Krankheit als weckendem Begleiter des Menschen im Verlauf des Lebens. Es zeigt durch die Basis unten die starke Beziehung des Makrokosmos zum Menschen und den ihn umgebenden Naturreichen als heilsamem Begleiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Heilkunst als Kunstwerk Heilung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist also im Kontext dieser Ausführungen mit Heilkunst gemeint?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es handelt sich dabei um einen Diagnoseprozess, aus dem sich die Therapie unmittelbar ablesen lässt. Dazu braucht es solides medizinisches Grundlagenwissen – auch bezüglich der Gesetzmäßigkeiten der körperlich-seelischen Reifung und den Alterungsprozessen in der zweiten Lebenshälfte. Dieses Wissen und die dadurch möglichen therapeutischen Kompetenzen sind sozusagen das „Material“ für den künstlerischen Prozess. Damit aber im Einzelfall das &#039;&#039;„Kunstwerk Heilung“&#039;&#039; geschaffen werden kann, dazu braucht es die unmittelbare Beobachtung und die therapeutische Denkweise im Hier und Jetzt der konkret gegebenen Krankheitssituation in ihrem Umfeld. Im günstigen Fall sind Besserung und Heilung die Folge des therapeutischen Bemühens, an dem beide – der Behandelnde und der Betroffene – mitschöpferisch tätig sind. So gesehen handelt es sich immer auch um ein &#039;&#039;„soziales Kunstwerk“.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Dass dabei nicht nur medizinisches Wissen, sondern auch Fähigkeiten wie das Erfassen des rechten Zeitpunkts (ϰαιρός), diagnostische Empathie und therapeutische Intuition eine wichtige Rolle spielen, zeichnet den künstlerischen Prozess aus.“[10]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[11]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Hierbei handelt es sich um Kapitel aus dem Grundlagenwerk von Rudolf Steiner und Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Vgl. FN 1, S. 88.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Vgl. FN 1, S. 15.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft. Landwirtschaftlicher Kursus,&#039;&#039; GA 327, 66 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. FN 1, S. 6.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Siehe z.B. die Pocket-Leitlinie Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie. Giehlen u. a. (2021).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Vgl. FN 1, S. 79.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Vgl. FN 1, S. 74.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. FN 1, S. 75.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Vgl. Fintelmann (2016).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE KAPITEL XIX UND XX: EINBLICKE IN EINE RATIONELLE DIAGNOSTIK UND THERAPIE[1] ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit von Rudolf Steiner und Ita Wegman rund um dieses Werk?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Unter welchen Aspekten wurden die angeführten Krankengeschichten durchgesehen und veröffentlicht?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchem Zweck dienen diese Krankengeschichten?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Zur Entstehung der Textgrundlage&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während die Kapitel I bis XVIII in der Handschrift Steiners vorliegen, sind die beiden letzten Kapitel XIX und XX von Ita Wegman niedergeschrieben. Es gilt jedoch für alle 20 Kapitel dieses Buches, dass sie in intensiver gemeinsamer Arbeit von beiden Autoren verfasst wurden. Wann genau die einzelnen Kapitel entstanden sind, wissen wir zwar nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Walter Holtzapfel&#039;&#039; hatte aber als dritter Nachfolger in der Leitung der Medizinischen Sektion[2] noch viel Gelegenheit, mit Menschen zu sprechen, die den eineinhalbjährigen Prozess der Entstehung des Buches miterlebt haben. Von ihm stammt die Mitteilung, dass ein um das andere Kapitel &#039;&#039;„von den beiden Autoren gemeinsam durchgesprochen und dann zunächst von Frau Dr. Wegman formuliert und niedergeschrieben wurde. Gewiss stammt die endgültige Formulierung wohl fast immer von Rudolf Steiner.“[3]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zu den Krankengeschichten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Von den neun in das Buch aufgenommenen Krankengeschichten wurden der vierte und fünfte Fall bereits am 23. April 1924 im Rahmen einer Dornacher Ärztebesprechung von Ita Wegman vorgelesen und von Rudolf Steiner eingehend im Gespräch kommentiert.[4] So können wir davon ausgehen, dass zumindest diese Kasuistiken schon während des ersten halben Jahres der gemeinsamen Arbeit entstanden sind, d.h. dass von Beginn an die gemeinsame Arbeit am Buch stets auch in direkter Resonanz war mit konkreten Menschen und ihrem Krankheitsschicksal. Ganz abgesehen von den zahlreichen Vortragsreisen im Jahre 1924, bei denen Wegman ebenfalls mitreiste und wo ihnen jeweils Patienten vorgestellt und deren Therapie beraten worden war.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es muss an dieser Stelle aber auch klar hervorgehoben werden, dass es die Kollegin und enge Mitarbeiterin Ita Wegmans – &#039;&#039;Hilma Walter&#039;&#039; – gewesen ist, der die Dokumentationen der Krankengeschichten des &#039;&#039;„Klinisch-Therapeutischen Instituts“&#039;&#039; zu verdanken sind, die den für das Buch formulierten Texten zugrunde liegen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Dokumentationen wurden 2007 von &#039;&#039;Peter Selg&#039;&#039; in der Originalfassung herausgegeben, so dass sie heute eingehend studiert und auch im Detail mit der textlichen Abfassung in Kapitel XIX verglichen werden können.[6] So wird auch deutlich, was Wegman direkt aus Walters Kasuistiken übernommen hat und was von den Autoren gekürzt, neu formuliert und auch ausgelassen wurde. Walter hat dann auch in ihrer Endredaktion des Buches nach Steiners Tod vor der Drucklegung insbesondere die Krankengeschichten noch einmal gründlich durchgesehen und wo nötig noch etwas gestrichen, damit keiner der dort geschilderten Patientinnen und Patienten in dem gedruckten Buch wiedererkannt werden konnte.[7] Waren es doch fast ausnahmslos Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft, um die es jeweils ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zu Peter Selgs Dokumentation von Krankengeschichten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Selg hat für seine Publikation nicht nur die Krankenunterlagen dieser neun Patienten im Original studiert, sondern auch die zugehörigen Notizbucheinträge im Nachlass Hilma Walters, die Ärzte- und Patientenkorrespondenz Wegmans sowie weitere Nachlassunterlagen. So liegen die Krankengeschichten aus Kapitel XIX gesichtet und aufgearbeitet vor und sind Grundlage für weitere Forschung. Er schreibt dazu insbesondere im Hinblick auf noch zu leistende weitere Kontextualisierungen dieser Krankengeschichten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Je plastischer die Kranken- und Therapiegeschichten jedoch selbst werden (indem man zwischen dem Original der Krankenakte und der Buchwiedergabe vergleichen kann – M.G.), umso klarer wird das methodische Gewichtungs- und Auswahlverfahren der Buchdarstellung erkennbar. In diesem Sinne vermögen die hier erstmals publizierten Materialien, verschiedene Aspekte deutlicher hervortreten zu lassen, darunter auch die Zeitgestalt der (oft monatelangen) Behandlung, der einzelnen Schritte und Vorgehensweisen, der therapeutischen Erfolge, aber auch der Rückfälle und weiter bestehenden Schwierigkeiten, die Teil der Kranken- und Behandlungsgeschichte waren. Sie bieten daher Anlass und Voraussetzung für ein erneutes und eingehendes Studium der Kasuistiken selbst.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Im Rahmen dieser Dokumentation wurde konsequent davon abgesehen, die zur Darstellung kommenden diagnostischen und therapeutischen Prozesse im Einzelnen zu kommentieren und zu bewerten; ein solcher Kommentar – vor dem Hintergrund der gesamten anthroposophischen Physiologie, Pathophysiologie und Therapeutik und in Auseinandersetzung mit einer schulmedizinischen Interpretation der verschiedenen Krankheitsfälle – soll zu einem späteren Zeitpunkt erarbeitet und publiziert werden.“[8]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Leuchtende Vorbilder für&#039;&#039; &#039;&#039;Wesensgliederdiagnosen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Diese von Selg in Aussicht gestellte Publikation konnte jedoch bisher nicht realisiert werden, bzw. bleibt ein weiterhin lohnendes und erforderliches Desiderat. Denn beides – der Hintergrund der gesamten anthroposophischen Physiologie, Pathologie und Therapeutika sowie die schulmedizinische Kontextualisierung – sind große Arbeitsvorhaben, die eigentlich nur im Team zu leisten sind und viel Zeit erfordern. Dennoch kann jeder interessierte Arzt auch aus dem bis jetzt vorliegenden Material unschätzbare Anregungen für die eigene Arbeit entnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anthroposophische Internist &#039;&#039;Friedwart Husemann (1945–2022)&#039;&#039; schreibt in seinem Kurzporträt über die &#039;&#039;„Erweiterung der Heilkunst“:&#039;&#039; &#039;&#039;„Bei den Krankengeschichten geben die Autoren Wesensgliederdiagnosen und sehr individuelle Heilverfahren, die für den anthroposophischen Arzt von heute ein leuchtendes und selten erreichtes Vorbild darstellen.“[9]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[10]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Hierbei handelt es sich um Kapitel aus dem Grundlagenwerk von Rudolf Steiner und Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Nach Wegmans Tod wurde zunächst eine Interim-Gruppenleitung eingesetzt – bis dann 1963 die enge Mitarbeiterin Wegmans in ihrem Arlesheimer Klinisch-Therapeutischen Institut, &#039;&#039;Margarete Kirchner-Bockholt (1894–1973),&#039;&#039; für ihre Nachfolge nominiert wurde, die sie dann nach ihrem Ausscheiden an &#039;&#039;Holtzapfel&#039;&#039; übergab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Holtzapfel (1973), 51–53.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Physiologisch-Therapeutisches auf Grundlage der Geisteswissenschaft. Zur Therapie und Hygiene,&#039;&#039; GA 314, S. 337–349.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. Selg (2007), 15f. und 21f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Ebd., 22.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Ebd., 23f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Selg (2007), 25.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] F. Husemann (2018), 323.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE DER THERAPIEFINDUNG GEWIDMETEN KAPITEL XIV BIS XVIII ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Blickrichtungen werden in den jeweiligen Kapiteln skizziert?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fünf therapeutische Perspektiven&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In den genannten Kapiteln von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; werden fünf therapeutisch-menschenkundliche Blickrichtungen geschildert, die es im Einzelfall gegeneinander abzuwägen oder zu kombinieren gilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Der therapeutische Aspekt des Siliziumprozesses ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;In Kapitel XIV&#039;&#039; wird der Silizium-Prozess zum Vorbild der therapeutischen Denkweise. Diese richtet ihr Augenmerk darauf, inwiefern Krankheitssymptome Ausdruck mangelnder oder überhöhter gegenseitiger Wahrnehmung bzw. Resonanz zwischen den Organsystemen und ihren Funktionen sind. Sie weisen auf die Notwendigkeit richtiger Balance zwischen notwendiger Abgrenzung und ebenso notwendiger Wahrnehmung der Belange des Gesamtorganismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Regulierungsmöglichkeiten bei schwacher Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Im Kapitel XV&#039;&#039; werden verschiedene Regulierungsmöglichkeiten aufgezeigt, wenn die Ich-Organisation diese Aufgabe nicht mehr zureichend leisten kann. Wie in den Kapiteln I bis VII geschildert, zeigen Krankheitssymptome an, wie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* im physischen Leib die &#039;&#039;Mineralisierung&#039;&#039;, &lt;br /&gt;
* im ätherischen Leib die &#039;&#039;Wachstumsbereitschaft&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* sowie die vom Astralleib bewirkten &#039;&#039;Absonderungs- und Ablagerungsprozesse&#039;&#039; partiell überhandnehmen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wenn sich diese Wesensglieder der Integrationskraft der Ich-Organisation nicht (mehr) ausreichend fügen, weil diese an Kraft eingebüßt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Heilmittelerkenntnis ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;In Kapitel XVI&#039;&#039; geht es um die Heilmittelerkenntnis, die man gewinnt, wenn man &#039;&#039;„durch der Natur Examen geht“&#039;&#039;&#039;[2]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; und den Blick primär auf die Kräfte lenkt, die als Zentral- und Universalkräfte in der unbelebten und belebten Natur wirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Prozessorientierte Substanz-Erkenntnis ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;In&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Kapitel XVII&#039;&#039;&#039; liegt der Fokus auf einer konsequent prozessorientierten Substanz-Erkenntnis, die Steiner im Ärztekurs für die jungen Mediziner so formuliert hat: dass es die Aufgabe des Arztes sei, &#039;&#039;„die Weltenaufgaben der Substanzen zu erkennen“.&#039;&#039;&#039;[3]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Etwas von dieser ‚Weltenaufgabe‘ wird in der EH anhand der Ameisensäure und der Kleesäure aufgezeigt und damit auf die Bedeutung dieser Blickrichtung für bestimmte Prozesse im menschlichen Zellstoffwechsel hingewiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Therapeutischer Einfluss von Bewegungsübungen ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Kapitel XVIII&#039;&#039;&#039; enthält die fünfte therapeutische Blickrichtung: den regulierenden Einfluss von bewusst ausgeführten Bewegungsübungen auf die abbauenden und aufbauenden Stoffwechselprozesse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[4]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner und Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ausspruch des Paracelsus, auf den auch Steiner sich im ersten Ärztekurs von 1920 bezieht (vgl. oben, S. CXXX).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Meditative Betrachtungen und Anleitungen zur Vertiefung der Heilkunst. Vorträge für Ärzte und Medizinstudierende,&#039;&#039; GA 316, 22.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;DIE ICH-ORGANISATION IN DER DARSTELLUNG EINZELNER KAPITEL&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern ist die Ich-Organisation Trägerin von Gesundheit, aber auch Ursache für jegliche Krankheit?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wodurch beherrscht die Ich-Organisation die Erdenstoffe und Substanzen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wodurch werden Heilmittel zu Regulatoren und Unterstützern der Ich-Organisation?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Ich-Organisation als Verursacherin von Gesundheit und Krankheit&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ich-Organisation wird im Gang durch die Kapitel von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039;&#039;[1]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; als das Kraftsystem geschildert, das für die Erhaltung der Gesundheit und für den Erfolg von Heilungsvorgängen den Ausschlag gibt. Daher steht sie im Zusammenwirken mit der ätherischen Organisation als Trägerin der Regenerations- und Selbstheilungskräfte im Fokus jeder therapeutischen Intervention.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andererseits ist eben diese Ich-Organisation – zusammen mit dem Astralleib als außerkörperlich aktive ‚Geist- und Seelenfähigkeit‘ – zugleich Ursache und Grundlage dafür, dass wir krank werden und sterben können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zum Wirken der Ich-Organisation&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im Folgenden eine kurze Rekapitulation dessen, was in den einzelnen Kapiteln zur Wirkung der Ich-Organisation und den Substanzen in ihrem Dienst ausgeführt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel I – Der Substanzstrom fügt sich dem Ich = Gesundheit ====&lt;br /&gt;
In Kapitel I heißt es in Bezug auf alle Substanzen: &#039;&#039;„Die Wesenheit, welche diese Stofflichkeit als ‚Ich-Organisation‘ annimmt, ist zunächst die Form des Erdenstoffes, in der sich dieser am meisten seiner irdisch-physischen Art entfremdet.“&#039;&#039;&#039;[2]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Das bedeutet, dass sich der Substanzstrom nach seinem Durchgang durch die Bereiche der physischen, ätherischen und astralischen Kräfte auf der vierten Verwandlungsstufe dem &#039;&#039;„Weben und Wesen des ‚Ich‘“&#039;&#039; in der Form einfügt, dass er ‚Geist tragend‘ wird.[3]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kann dieser Verwandlungsprozess ungestört stattfinden, ist Gesundheit die Folge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel II – Ich-bedingte Störungen im Ätherischen ====&lt;br /&gt;
In Kapitel II werden Störungsmöglichkeiten aufgezeigt, indem zwei Formen des Krankseins geschildert werden, die jeweils durch ein zu starkes oder zu schwaches Untertauchen von Ich-Organisation und Astralleib in die physisch-ätherische Konstitution entstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt bedarf es der Regulation durch Arzneimittel, die auf die eine oder andere Weise die ätherische Organisation in ihrer Regenerations- und Selbstheilungsfähigkeit unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel III und IV – Über das Pflanzen- und Tierreich ====&lt;br /&gt;
In den Kapiteln III und IV wird die Ich-Organisation nicht erwähnt – hier stehen die ätherische und astralische Organisation und das durch sie mögliche Pflanzen- und Tierreich im Zentrum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deren gesundes Zusammenleben und -wirken ist im Haushalt der Natur im Sinne des ökologischen Gleichgewichts reguliert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel V – Menschengestalt dank des Wirkens der Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
In Kapitel V wird die Ich-Organisation neu eingeführt als das Kraftsystem, welches in der Lage ist, die verschiedenen Kräftebereiche – den physischen, den ätherisch-pflanzlichen sowie den astralisch-tierischen – ‚im Fluss zu halten‘. Das bedeutet, die menschliche Konstitution vor jeglicher Spezialisierung und Einseitigkeit zu bewahren. Dadurch verwandeln sich die Substanzströme im Bereich der physischen, ätherischen und astralischen Kräfte nochmals: Es entsteht ein dreifacher Substanzstrom, aus dem heraus sich die innere und äußere menschliche Gestalt bildet. Dadurch wird sie zum Träger des selbstbewussten Geisteslebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Bis in die kleinsten Teile seiner Substanz hinein ist der Mensch in seiner Gestaltung ein Ergebnis dieser Ich-Organisation.“[4]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel VI – Einfluss der Ich-Organisation auf Blut, Skelett und Gehirn ====&lt;br /&gt;
In Kapitel VI wird dies weiter erläutert, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* indem die gesamte &#039;&#039;Blutbildung&#039;&#039; bis hin zur Wirkung der Verdauungsenzyme als unter dem Einfluss der Ich-Organisation stehend geschildert wird.&lt;br /&gt;
* Und in der Bildung des &#039;&#039;Skeletts&#039;&#039; geht das Wesen der Ich-Organisation so vollständig auf, dass dieses als ihr physisches Abbild gesehen werden kann.&lt;br /&gt;
* Im &#039;&#039;Gehirn&#039;&#039; dagegen ist das Ich als geistige Wesenheit tätig. Seine formbildende, ins Physische hineinwirkende Kraft wird dort aber ganz vom Ätherischen sowie von den Eigenkräften des Physischen überwältigt. Dem Gehirn liegt die organisierende Kraft des Ich also nur leise zugrunde, da sie im Wirken des Lebendigen und in den physischen Eigenwirkungen untergeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist auch der Grund, warum das Gehirn zum Träger der geistigen Ich-Wirkung wird: Gerade weil die Ich-Organisation im Gehirn nicht organisch-physisch in Anspruch genommen wird, sind ihre Kräfte als solche völlig frei, sich geistig zu betätigen.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel VII – Ich-Organisation, Eisen und Selbstheilungskräfte ====&lt;br /&gt;
In Kapitel VII wird die Ich-Organisation als maßgeblich für die körpereigenen Selbstheilungskräfte eingeführt. Diese beruhen darauf, dass die Ich-Organisation in der Lage ist, das im Sinne der äußeren Natur noch kristallisationsfähige Eisen in ihre Gestaltungskräfte hinein zu ‚zwingen‘.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel VIII – Glukosestoffwechsel und Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Im Kapitel VIII wird der gesamte Glukosestoffwechsel als Instrument der Ich-Organisation dargestellt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Wo Zucker ist, da ist Ich-Organisation; wo Zucker entsteht, da tritt die Ich-Organisation auf, um die untermenschliche (vegetative, animalische) Körperlichkeit zum Menschlichen hin zu orientieren.“[6]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel IX – Ich-Organisation als Beherrscherin des Unorganischen ====&lt;br /&gt;
Kapitel IX schildert die Eigenschaft der Ich-Organisation, sich bis in die Kräfte des unorganisch Toten hinein als beherrschend zu zeigen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Alles, was in den Bereich der Ich-Organisation kommt, erstirbt. Daher gliedert sich die Ich-Organisation im physischen Leib rein unorganische Substanzen ein. Diese wirken im menschlichen physischen Organismus nicht so wie in der leblosen Natur außerhalb des Menschen; aber sie wirken doch eben unorganisch, d.h. ertötend.“[7]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel X – Erdenstoffe als Wärmelieferanten für die Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
In Kapitel X wird deutlich gemacht, was mit der Formulierung, dass sich alle Erdenstoffe dem &#039;&#039;„Weben und Wesen des ‚Ich‘ einfügen“,&#039;&#039; gemeint ist. Denn von jeder im menschlichen Körper befindlichen Substanz kommt für die Ich-Organisation nur so viel in Betracht, als bei deren Wirksamkeit Wärmeentfaltung stattfindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entzieht sich ein Wärmebezirk der Herrschaft der Ich-Organisation, so markiert dies den Beginn pathologischer Prozesse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel XI – Ich-Organisation und Harnsäureverteilung ====&lt;br /&gt;
In Kapitel XI heißt es: In der richtig verteilten Harnsäureablagerung &#039;&#039;„kommt zum Ausdrucke, ob zwischen der Ich-Organisation und dem astralischen Leib in irgendeinem Organ oder Organsysteme das rechte Verhältnis besteht.“[8]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel XII – Ich-Organisation und Ausscheidungstätigkeit ====&lt;br /&gt;
Kapitel XII beschreibt das Wesen der Ich-Organisation als reine Wärmeaktivität – sowohl bei der Organbildung durch Erhöhung oder Verminderung der Wärmezustände, als auch in den Tätigkeiten, die nach innen oder nach außen zu Ausscheidungen führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Insofern in diesen Ausscheidungen Stoffe eingelagert sind, &#039;&#039;„die bis zum Unorganischen getrieben sind, dann lebt in diesen auch die Ich-Organisation“[9]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel XIII – Ich-Organisation und Phosphor ====&lt;br /&gt;
In Kapitel XIII wird der Phosphor als das Element geschildert, welches eine besondere Beziehung zur Ich-Organisation hat: Phosphor findet sich im menschlichen Organismus als Phosphorsäure und phosphorsaure Salze im Eiweiß, im Faserstoff [das Blutgerinnungssystem, MG], im Gehirn, in den Knochen. Er drängt zu den unorganischen Substanzen hin, die in dem Bereich der Ich-Organisation ihre Bedeutung haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er regt die bewusste Tätigkeit des Menschen an.[10]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel XIV – Ich-Organisation und Kieselsäure ====&lt;br /&gt;
Kapitel XIV ist der Kieselsäure als der &#039;&#039;„physischen Grundlage der Ich-Organisation“&#039;&#039; gewidmet,– denn die Gestaltung des Körpers und der einzelnen Organe ist nur möglich mithilfe einer Substanz, die einerseits in der ganzen Gestaltungsfülle der Lebenswelt beherrschend auftritt und die andererseits eine größtmögliche Oberflächensensibilität und Resonanzfähigkeit besitzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ermöglicht ein sensibles und selbstbewusstes Leben in der Sinneswelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel XV – Heilmittel für altersbedingte Störungen im Kieselsäureorganismus ====&lt;br /&gt;
In Kapitel XV werden Heilmittelwirkungen geschildert, die altersbedingte Störungen im Kieselsäureorganismus regulieren können: &#039;&#039;„Denn alle Entwicklung des menschlichen Organismus beruht darauf, dass ursprünglich die Gesamtgestaltung des physischen und ätherischen Leibes aus der Tätigkeit des Astralischen und der Ich-Organisation sich ergibt; dass aber mit zunehmendem Alter die astralische und Ich-Tätigkeit in der physischen und ätherischen Organisation weiterlaufen. Tun sie das nicht, so müssen der astralische Leib und die Ich-Organisation in einem Stadium ihrer Entwickelung in einer Art eingreifen, zu der sie in diesem Stadium nicht mehr geeignet sind.“[11]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel XVI – Parallelen von Antimonprozessen und Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Kapitel XVI schließlich zeigt auf, dass Antimonprozesse so wirken, &#039;&#039;„wie die Ich-Organisation“.[12]&#039;&#039; Das wird am Beispiel des Antimons in seiner Beziehung zum Schwefel in Form des in der Natur vorkommenden Grauspießglanzes aufgezeigt (Sb2 S3, auch als Antimonit bzw. Stibnit bekannt), sowie am Prozess der Austernschalenbildung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für alle drei Substanzen, von denen hier die Rede ist, gilt, dass, wenn man sich näher mit ihnen befasst, dies das Verständnis der von Rudolf Steiner und Ita Wegman charakterisierten Wirkungsweisen untermauert. Denn es komme darauf an, &#039;&#039;„die Wirkungen zu beobachten, die sich aus dem Zusammenhange der inneren Kräftekonstitution einer Substanz im Verhältnis zu den Kräften ergeben, die von der Erde ausstrahlen oder in sie einstrahlen“.[13]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[14]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Siehe FN 1, S. 9.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe FN 1, S. 29.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5]  Siehe FN 1, S. 36.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Siehe FN 1, S. 44.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Siehe FN 1, S. 48.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Siehe FN 1, S. 57.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Siehe FN 1, S. 63.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Siehe FN 1, S. 67.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Siehe FN 1, S. 74.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Siehe FN 1, S. 79.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] Siehe FN 1, S. 77.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== „GRUNDLEGENDES FÜR EINE ERWEITERUNG DER HEILKUNST“ ALS MEDITATIONSBUCH ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern ist das im Titel genannte medizinische Grundlagenbuch[1] auch ein Meditationsbuch?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielt dabei das Denken?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Bedeutung hat das sinnlichkeitsfreie Denken für die Erfassung der inneren und äußeren Welt?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die verbindende Rolle des Denkens&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die anthroposophische Meditation nimmt ihren Ausgangspunkt beim Denken. Dieses geht auch wach wahrnehmend mit, wenn es um Körpermeditationen, Sinnesschulung und Wortmeditationen geht.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Immer spielt das Denken eine zentrale Rolle, wenn es um die Erfassung der Welten geht, in die der Mensch eingebunden ist:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;&#039;naturwissenschaftlichen Methoden&#039;&#039;&#039; beruhen auf einer Erforschung der &#039;&#039;„sinnenfällig gegebenen Welt“,[3]&#039;&#039; die mithilfe des Denkens analysiert wird, um die zugrunde liegenden Gesetzmäßigkeiten zu finden.&lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;&#039;geisteswissenschaftliche Methode&#039;&#039;&#039; im Sinne Steiners stützt sich auf das Denken, das zum Anschauungsorgan für Geistiges weiterentwickelt werden kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein gemäß der anthroposophischen Erkenntnisschulung &#039;&#039;„erkraftetes Denken“[4]&#039;&#039; wird methodisch bereits in Kapitel I beschrieben und liegt allen weiteren Ausführungen des Buches zugrunde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Verbindende zwischen Natur- und Geisteswissenschaft kann nicht im Bereich des sinnlich Wahrnehmbaren liegen. Es kann nur im Denken selber gefunden werden, da dies in beiden Bereichen gleichermaßen führend ist, wenn etwas verstanden werden soll. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Stärkung des sinnlichkeitsfreien Denkvermögens&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Auch für die anderen Grundschriften Rudolf Steiners gilt, dass ihre Lektüre das sinnlichkeitsfreie Denkvermögen stärkt. Doch ist dies bei dem Grundlagenwerk der Anthroposophischen Medizin[5] in besonderem Maße der Fall. Denn es ist so abgefasst, dass man ohne eigene echte Gedankenanstrengung kaum Gewinn davon hat bzw. das Werk als unzugänglich empfinden muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von daher auch in Kapitel I der Hinweis auf die beiden Schulungsbücher &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“[6]&#039;&#039; und &#039;&#039;„Die Geheimwissenschaft im Umriss“[7]&#039;&#039; sowie auf ergänzende Schriften und Vorträge, in denen die Übungen beschrieben sind zur Weiterentwicklung der Tätigkeiten des Denkens, Fühlens und Wollens. Damit ist klargestellt, dass Medizin nicht nur bedeutet, viel über den Menschen zu wissen, sondern auch, die geistigen Quellen zu kennen, denen der Mensch sein Dasein und seine Entwicklungskompetenz verdankt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Kritikern der Anthroposophie wird mit Bezug auf die meditative Selbstschulung gerne der Einwand erhoben, dass keiner der Schüler Steiners bisher die von ihm beschriebenen höheren und höchsten Einweihungsgrade erreicht habe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Meisterschaft durch Übung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wer jedoch den von Steiner empfohlenen Weg zur höheren Erkenntnis beschreitet, kann bei sachgemäßer Befolgung schon der allerersten Übungsanweisung: &#039;&#039;„Schaffe dir Augenblicke innerer Ruhe und lerne in diesen Augenblicken das Wesentliche von dem Unwesentlichen unterscheiden“,[8]&#039;&#039; an sich selbst erleben, wie stark die Wirkung einer solchen Übung ist, wenn man sie durchführt und beginnt, mit ihr zu leben. Dadurch hat man bereits eine Erfahrung gemacht, die Vertrauen stiftet, auch anderes zu versuchen oder auch Forschungsergebnisse Steiners zumindest hypothetisch für möglich zu halten und Leben und Erfahrung im Lichte einer solchen hypothetischen Annahme zu reflektieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das kann z.B. auch Medizinstudenten motivieren, den einen oder anderen Hinweis aus der anthroposophischen Geistesforschung zum Ausgangspunkt einer Doktorarbeit bzw. späteren Habilitation zu machen – was Steiner in seinen Kursen mehrfach vorgeschlagen hat und was auch wiederholt geschehen ist.[9]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[10]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Meditative Betrachtungen und Anleitungen zur Vertiefung der Heilkunst&#039;&#039;, Vorträge für Ärzte und Medizinstudierende, GA 316.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wahrheit und Wissenschaft, 11. Kapitel,&#039;&#039; GA 3.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Vorstufen zum Mysterium von Golgatha,&#039;&#039; GA 152, Seite 51–53.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Siehe FN 1.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?, GA 10.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Geheimwissenschaft im Umriss, GA 13.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Sie FN 4, 1. Kapitel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://medsektion-goetheanum.org/forschung/publications&amp;lt;/nowiki&amp;gt;; [6.1.2025].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Offenborn</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Zur_%22Erweiterung_der_Heilkunst%22_%E2%80%93_von_Michaela_Gl%C3%B6ckler&amp;diff=1236</id>
		<title>Zur &quot;Erweiterung der Heilkunst&quot; – von Michaela Glöckler</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Zur_%22Erweiterung_der_Heilkunst%22_%E2%80%93_von_Michaela_Gl%C3%B6ckler&amp;diff=1236"/>
		<updated>2026-01-06T15:11:47Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Offenborn: /* DIE KAPITEL XIII–XVIII: ZUR THERAPIE UND HEILKUNST[1] */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Auszüge aus Büchern und Vorträgen von [[Michaela Glöckler]]; Erstveröffentlichung auf &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE THEMENSCHWERPUNKTE VON „GRUNDLEGENDES FÜR EINE ERWEITERUNG DER HEILKUNST“ ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie ist dieses Grundlagenwerk der Anthroposophischen Medizin&#039;&#039;[1] &#039;&#039;aufgebaut?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zur inneren Gliederung des Werkes&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das Buch hat vier thematische Schwerpunkte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Mensch und Makrokosmos – Kap. 1 bis 7&lt;br /&gt;
# Ursachen für Stoffwechselerkrankungen – Kap. 8 bis 12&lt;br /&gt;
# Therapie-Kapitel – Kap. 13 bis 18&lt;br /&gt;
# Wirkprinzipien von Arzneimitteln und Heileurythmie – Kap. 19 bis 21&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In aller Kürze kann man sagen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;In den Kapiteln 1 bis 18&#039;&#039;&#039; wird das „medizinische System“ skizziert, das als Grundlage einer „rationellen Diagnostik und Therapie“ dienen möchte.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die beiden Schlusskapitel&#039;&#039;&#039; geben dann Einblick in die Praxis und zeigen, wie sich naturwissenschaftliche Medizin und das medizinische System der Anthroposophie gegenseitig ergänzen und inspirieren können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ad1. Mensch und Makrokosmos – Kap. 1 bis 7 ====&lt;br /&gt;
Hier werden die Grundlagen zum Verständnis der Gesundheit erörtert. Es wird das viergliedrige Menschenbild eingeführt in Form von vier regulierenden, ordnenden Kraftsystemen, die in ihrem Zusammenwirken die – funktionell dreigliedrige – menschliche Konstitution bilden. Auch wird das Verhältnis des gesunden Mikrokosmos Mensch zum Makrokosmos herausgearbeitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den ersten fünf Kapiteln werden darüber hinaus die Grundlagen für ein spirituelles Substanz-Verständnis gelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im ersten Kapitel&#039;&#039;&#039; wird das Geheimnis des Merkurstabs enthüllt, indem auf die Bedeutung der Metamorphose der Wachstumskräfte in Gedankenkräfte eingegangen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im zweiten Kapitel&#039;&#039;&#039; wird eingehend erläutert, wie Krankheit dadurch entstehen kann, dass der Mensch zwar geistig seelisch tätig ist, aber in Einseitigkeit und Irrtum verfällt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im dritten bis fünften Kapitel&#039;&#039;&#039; werden die mikrokosmische und makrokosmische Natur der menschlichen Wesensglieder und ihrer spezifischen Kräftekonfigurationen eingeführt. Es wird aber auch in zu Herzen gehender Weise geschildert, welchen Opfergang und welches Schicksal die Welt der irdisch gewordenen Substanzen dabei erfährt. Und wie dieser Opfergang der Substanzen seine Erlösung und Erfüllung findet, wenn die Substanz im Menschen &#039;&#039;„geisttragend“&#039;&#039; werden kann. Wenn &#039;&#039;„geistgetragene Menschenseelen“&#039;&#039; diesem Opfer zum Segen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im sechsten Kapitel&#039;&#039;&#039; wird dann das embryonale Bildegeschehen des menschlichen Körpers so dargestellt, dass man die physiologischen Prozesse des Wesensgliederwirkens denken lernen und sich für die verschiedenen Organbildungen anschaulich machen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im siebten Kapitel&#039;&#039;&#039; wird der entwicklungsoffene, in sich &#039;&#039;nicht&#039;&#039; abgeschlossene gesunde Gesamtorganismus geschildert und daran das Prinzip der Selbstkränkung und das Wesen der Selbstheilungskräfte verdeutlicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ad 2. Ursachen für Stoffwechselerkrankungen – Kap. 8 bis 12 ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Kapitel acht bis zwölf&#039;&#039;&#039; behandeln die fünf Hauptursachen pathologischer Prozesse. Sie beschreiben die fünf zentralen Ursachen der Entstehung von Erkrankungen des Stoffwechsels. Diese werden anhand der Wirkweise von Zucker, Eiweiß, Fett, Harnsäure und Wärme anschaulich gemacht. Dabei werden auch die diese Stoffwechselprozesse regulierenden Wesensglieder in ihrem leiblich-seelischen Wirken anschaulich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ad 3. Therapie-Kapitel – Kap. 13 bis 18 ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Es folgen fünf Therapie-Kapitel&#039;&#039;&#039;, in denen die therapeutische Regulierung des Verhältnisses zwischen Ätherleib und Astralleib im Mittelpunkt steht, dann die regulierende Kraft der Ich-Organisation, dann die mögliche Schwächung der physisch-ätherischen Konstitution im Laufe des Älterwerdens, das Prinzip der Arzneimittelfindung und die Einführung in das Wesen der Substanzerkenntnis als Grundlage der Heilmittel-Erkenntnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ad 4. Wirkprinzipien von Arzneimitteln und Heileurythmie – Kap. 19 bis 21 ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;In den letzten drei Kapiteln des Buches&#039;&#039;&#039; werden charakteristische Krankheitsfälle und typische Heilmittel vorgestellt. Sie sind dem Wirkprinzip der Heileurythmie gewidmet, geben einen Einblick in die Praxis der Anthroposophischen Medizin anhand von neun individuellen Krankheitsfällen und nennen den Einsatz von Arzneimitteln, die bestimmten typischen Erkrankungen angepasst sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;„Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; wurde bis heute bis auf wenige Anmerkungen und Hinweise zur Entstehung und Autorschaft unverändert nachgedruckt. Es hat über drei Generationen hinweg vielen Fachleuten auf dem Gebiet der Anthroposophischen Medizin die nötige Grundorientierung gegeben, um das akademisch erworbene Wissen auch unter spirituellen Gesichtspunkten anzuschauen und es so im Einzelfall praktisch anwendbar zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Werk stellt im Grunde einen Lehrgang dar, der – wie es Ita Wegman in ihrem damals nicht veröffentlichten Vorwort zu diesem Buch schreibt – jeden Arzt in die Lage versetzt, selbst die Krankheiten geistig anzuschauen, wenn er bereit ist, das „&#039;&#039;ganz richtige Lesen dieses Buches“&#039;&#039; zu üben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Raphael und die Mysterien von Krankheit und Heilung“, Medizinische Sektion am Goetheanum 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen,&#039;&#039; GA 27, Dornach 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Zu Rudolf Steiners Verständnis der Anthroposophischen Medizin als einer im Gegensatz zur Schulmedizin, wahrhaft rationellen‘ Heilkunst siehe auch das Vorwort der &#039;&#039;„Erweiterten Heilkunst“&#039;&#039;. Elemente für eine echte Ratio zusammenzutragen, wie sich aus der Diagnose die Therapie ergibt, war bereits Hauptanliegen im ersten Kursus für Mediziner im Jahr 1920 gewesen: Vgl. Steiners &#039;&#039;„Geisteswissenschaft und Medizin“&#039;&#039;, GA 312.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE KAPITEL I–VII: GRUNDLAGEN ZUM VERSTÄNDNIS DER GESUNDHEIT[1] ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was zeichnet den gesundheitswissenschaftlichen Ansatz der Anthroposophischen Medizin aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie unterscheidet er sich von dem pathogenetischen Ansatz der naturwissenschaftlich basierten Schulmedizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Reformen wünschte Rudolf Steiner bereits zu seinen Lebzeiten?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zukunftsweisender gesundheitswissenschaftlicher Ansatz der AM&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Kapitel I–VII umfassen den gesundheitswissenschaftlichen Ansatz der Anthroposophischen Medizin. Unter ‚Volksgesundheit‘ verstand man am Anfang des 20. Jahrhunderts im Wesentlichen hygienische Maßnahmen, genügend Schlaf, gesunde Ernährung und Lebensführung.[2] Noch heute stellen Medizinstudenten und Ärzte immer wieder erstaunt fest, wie wenig sie darüber hinaus während ihres Studiums über die Entstehung von Gesundheit erfahren haben im Gegensatz zur Aufklärung über Krankheitsentstehung, d.h. Pathogenese.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der pathogenetische Ansatz der naturwissenschaftlich basierten Medizin bzw. Schulmedizin hat gegenwärtig mit der molekulargenetischen Steuerungsebene eine gewisse Kulmination erreicht, die in Zukunft mithilfe der Digitalisierung noch weiter optimiert werden wird. Parallel zu dieser Entwicklung hat aber auch die Wissenschaft von den Nebenwirkungen der pathogenetisch fokussierten Therapie zugenommen.[3] Daher wird von naturwissenschaftlicher Seite argumentiert, dass ein Arzneimittel, das keinerlei Nebenwirkungen hat, auch nicht wirksam sein kann. Und alles Bestreben geht dahin, Nebenwirkungen bestmöglich zu minimieren bzw. durch den Einsatz anderer Arzneimittel zu kompensieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesem pathogenetisch orientierten Ansatz steht der gesundheitswissenschaftlich-salutogenetische gegenüber. Dieser hat seine Entwicklung und Kulmination noch vor sich. Er etabliert sich seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erst langsam in der akademischen Welt. Es ist jedoch zu hoffen, dass er dennoch in nicht allzu ferner Zeit die Mitte der Gesellschaft erreichen wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Paradigmenwechsel als politische und wirtschaftliche Herausforderung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Denn der Paradigmenwechsel der Umorientierung von der Verhütung von Krankheit zur Förderung von Gesundheit ist zwar proklamiert – ihn lebenspraktisch zu machen ist und bleibt aber die noch bestehende große soziale und politische und nicht zuletzt wirtschaftliche Herausforderung. Denn: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann man an der Gesundheit verdienen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wer macht dafür Lobbyarbeit?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und: Was braucht es alles zur auch gedanklich-konzeptionellen Neuausrichtung und Umstrukturierung der Ausbildung für die Gesundheitsberufe, insbesondere der Ärzteschaft?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Wie weit man davon noch entfernt ist, hat auch das weltweit durchgreifende Corona-Pandemie-Management gezeigt, das ausschließlich pathogenetisch orientiert war. Salutogenetisch orientierte Auffassungen bezüglich Erkrankungsrisiken, Prävention und Therapie wurden auch in der medialen Berichterstattung konsequent ausgeblendet oder sogar lächerlich gemacht und bekämpft. Dabei konnten nicht zuletzt auch die anthroposophischen Krankenhäuser auf ihren Intensivstationen dank ihres integrativmedizinischen Vorgehens&#039;&#039; &#039;&#039;auch bei Schwerkranken erstaunlich gute Behandlungsergebnisse aufzeigen.“[4]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die fortschrittliche Medizin ebenso pathogenetisch orientiert, wie es der heutige Mainstream der Medizin immer noch ist. Im Mittelpunkt stand das neue Paradigma einer modernen Zellularpathologie, mit der Aussicht, immer mehr pathologische Prozesse diagnostisch bis auf die molekulare Ebene im Zellstoffwechsel zu erforschen.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Rudolf Steiners Ruf nach Reformen in der Medizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Demgegenüber eröffnete Steiner seinen ersten Kurs für Anthroposophische Medizin 1920 mit den Worten: &#039;&#039;„[…] es ist ja ziemlich selbstverständlich, daß von dem, was Sie wahrscheinlich alle erwarten von der Zukunft des medizinischen Lebens, nur ein sehr geringer Teil in diesem Kursus wird angedeutet werden können, denn Sie alle werden ja mit mir darinnen übereinstimmen, daß ein wirkliches, zukunftssicheres Arbeiten auf dem medizinischen Felde von einer Reform des medizinischen Studiums als solchem abhängt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Man kann nicht mit dem, was man in einem Kursus mitteilen kann, eine solche Reform des medizinischen Studiums auch nur im Entferntesten anregen, höchstens in der Weise, daß in einer Anzahl von Menschen der Drang entsteht, mitzutun bei einer solchen Reform. […] Dasjenige, was in diesen Vorträgen beigebracht werden soll, das möchte ich erreichen dadurch, daß ich in einer Art von Programm verteile das zu Betrachtende in der folgenden Weise: Erstens möchte ich Ihnen geben einiges, das hinweist auf die Hindernisse, die im heutigen gebräuchlichen Studium bestehen gegen eine wirklich sachgemäße Erfassung des Krankheitswesens als solchem. Zweitens möchte ich dann andeuten, in welcher Richtung eine Erkenntnis des Menschen zu suchen ist, die eine wirkliche Grundlage für das medizinische Arbeiten abgeben kann. Drittens möchte ich auf die Möglichkeiten eines rationellen Heilwesens hinweisen durch die Erkenntnis der Beziehungen des Menschen zur übrigen Welt.“[6]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als viertes wünschte er sich Fragen aus dem Teilnehmerkreis, weil er seine Ausführungen ganz nach den Bedürfnissen der anwesenden Fachleute und Studierenden richten wollte.[7]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entwicklung von ganzheitlichen Therapieformen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Seither haben sich auch andere an der ‚Ganzheit Mensch‘ und einem neuen Gesundheits- bzw. Krankheitsverständnis orientierte Therapieformen entwickelt – insbesondere seit dem Zweiten Weltkrieg. Beispielhaft seien &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Gestalttherapie&#039;&#039;&#039;[8] genannt,&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Viktor Frankls (1905–1997)&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Logotherapie&#039;&#039;&#039;[9]&lt;br /&gt;
* und die &#039;&#039;&#039;humanistische Psychotherapie.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kapitel I bis VII zeigen den methodischen Ansatz für einen solchen Paradigmenwechsel aus anthroposophischer Perspektive auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[10]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Hierbei handelt es sich um Kapitel aus dem Grundlagenwerk von Rudolf Steiner und Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Siehe z. B. Steurer-Stuttgart (1919), Fuchs-Wolfring (1912), Dennig (1919).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Vgl. Ammon (2001); Stolze (2014).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Vgl. COVID-19: www.anthromedics.org/PRA-0939-DE; [6.1.2025].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. Schipperges (1985).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaft und Medizin,&#039;&#039; GA 312, S. 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Ebenda, S. 14.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Vgl. Boeckh (2015).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. Frankl (2005).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== KAPITEL VIII–XII: DIE FÜNF HAUPTURSACHEN PATHOLOGISCHER PROZESSE[1] ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worum geht es in diesen Kapiteln?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Parallelen gibt es zu Paracelsus Sichtweise auf Krankheitsursachen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Regulationsmöglichkeiten bietet das Wesensglieder-Konzept?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fünf prinzipielle pathophysiologische Erscheinungen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die fünf der Pathologie gewidmeten Kapitel haben paradigmatischen Charakter. Es geht nicht um einzelne Krankheitsbilder – obgleich Beispiele genannt werden – es geht um prinzipielle pathophysiologische Erscheinungen aufgrund typischer Ungleichgewichte im Zusammenspiel der Wesensglieder. So wundert es auch nicht, dass so prominente Krankheitsbilder wie z.B. der Krebs keine Erwähnung finden. Auch die Mistel (Viscum album), als das bekannteste anthroposophische Arzneimittel – obgleich bereits seit 1917 durch Wegman in ihrer Zürcher Praxis im Einsatz[2] – findet (in Kapitel XX) keine Erwähnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht vielmehr um Beschreibungen pathologischer Stoffwechselprozesse, die bei der Verdauung der Grundnahrungsmittel: Kohlenhydrate, Eiweiße, Fette auftreten können (Kap. VIII–X) sowie die Pathophysiologie der Gicht-Erkrankung, die als Beispiel einer meist hereditären, d.h. genetisch bedingten, Stoffwechselstörung auftritt (Kap. XI). Zuletzt werden in Kapitel XII typische Regulationsweisen im labilen Gesundheits-Krankheits-Kontinuum aufgezeigt, das jederzeit in Richtung Krankheit entgleisen oder sich in Richtung Gesundheit entwickeln kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es zeigt sich bei genauerem Hinsehen, dass diese fünf Schilderungen Schlüssel und Ausgangspunkt zum Verstehen aller Krankheitserscheinungen sind. Sie haben einen ebenso fundamentalen Charakter wie die anderen Kapitel im Kontext der Schrift, da die Autoren sich auf den methodischen Ansatz beschränken, den es dann unbegrenzt weiter auszugestalten und zu erforschen gilt. Die fünf Kapitel sind sozusagen Pathologie ‚in a nutshell‘, d.h. Pathologie im Keimzustand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Parallelen zu Paracelsus „quinque entibus“&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Interessanterweise sprach auch &#039;&#039;Paracelsus&#039;&#039; in seinem &#039;&#039;„Volumen Paramirum“&#039;&#039; von fünf Krankheitsursachen: &#039;&#039;„De quinque entibus“.&#039;&#039; Schaut man sich sein Konzept unter dem Aspekt der anthroposophischen Menschenkunde an, so ist darin – wie auch in den fünf Pathologie-Kapiteln der Erweiterung der Heilkunst – jeweils eines der vier Wesensglieder in der Hauptverantwortung für die entsprechende Regulationsstörung. &#039;&#039;Elise Wolfram (1868–1942)&#039;&#039; hat diesen Aspekt schon 1912 in einem viel beachteten Buch herausgearbeitet.[3] Sie war durch Steiners Ausführungen zu Paracelsus und seine Bedeutung für die Medizin dazu angeregt worden. Seither wurde dieser paracelsische Ansatz wiederholt von anthroposophischen Ärzten mündlich und schriftlich dargestellt.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;„Volumen Paramirum“&#039;&#039; lässt Paracelsus sechs Ärzte sich um einen an der Cholera verstorbenen Patienten versammeln, fünf als Vertreter bestimmter medizinischer Auffassungen (‚Sekten‘), während der sechste Paracelsus selbst ist. Gründlich werden in diesem Zusammenhang fünf mögliche Ursachen und deren jeweilige Beschleuniger abgehandelt: das ‚Ens astrale‘, ‚Ens veneni‘, ‚Ens naturale‘, ‚Ens spirituale‘ und ‚Ens deale‘. Man möchte wissen, welches ‚Ens‘ letztlich verantwortlich war für den Tod, denn nicht alle Cholerakranken starben bei der Epidemie. Es muss also verschiedene Ursachen geben, warum dieser Mensch erkrankt bzw. verstorben ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Ens astrale – physischer Leib ====&lt;br /&gt;
Hier liegt die Ursache entweder in den individuellen Schicksalsgegebenheiten eines Menschen, der durch seine Geburt in einer bestimmten Erdgegend, einem bestimmten Volks- und Familienzusammenhang sowie entsprechenden sozialen Verhältnissen lebt, und den daraus resultierenden, der Gesundheit schädlichen oder sie fördernden Einflüssen ausgesetzt ist. Diese primär physische Krankheitsursache, zu der auch das kontaminierte Wasser gehört, das die Cholera-Epidemie verursacht hat, wird bezeichnenderweise von Paracelsus ‚Ens astrale‘ genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird dabei auf das Geburtshoroskop verwiesen, auf den ganzen Schicksalskontext dieses bestimmten Menschen in seinem makro-mikrokosmischen Zusammenhang. Dabei unterscheidet Paracelsus klar den Einfluss der Gestirne auf den Menschen als ‚Ens virtutis‘ von dem ‚Ens seminis‘, dem von der Erde stammenden Erbgut, das für die Körperkonstitution verantwortlich ist und damit ebenfalls für möglichen Schutz vor Erkrankung oder aber begünstigend für ihr Auftreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überträgt man diese Vorstellungen in die anthroposophische Terminologie, so geht es hier um den Einfluss der physischen Organisation in Resonanz mit dem auf sie einwirkenden Schicksalsumkreis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ens veneni[5] – Ätherleib ====&lt;br /&gt;
Hier wird auf den Ursachenzusammenhang gewiesen, der mit der Ernährungsweise und dem Lebensstil zusammenhängt und dem rechten Maß im Sinne des berühmten Spruches: &#039;&#039;„Dosis facit venenum“&#039;&#039;, d.h., nur die richtige Dosierung, das richtige Maß des jeweils zur Anwendung kommenden Heilmittels ist das Gesundheit stiftende. Diesem Aspekt entspricht in der Anthroposophischen Medizin die ätherische Organisation und die sie umgebende Lebenswelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Ens naturale – Astralleib ====&lt;br /&gt;
Dieser Ursachenkontext verweist auf das individuelle Bewusstsein des Menschen und dessen Zusammenhang mit dem Makrokosmos. Die Vielheit der Erscheinungen in der Einheit des menschlichen Bewusstseinshorizontes: das Firmament, die Elemente, die ‚complexiones‘ (konstitutionelle Gegebenheiten), die ‚humores‘ (Körpersäfte). Mit all diesen Gegebenheiten setzt sich der Mensch in seinem bewussten Seelenleben auseinander und seine Gesundheit hängt davon ab, wie er sich darin fühlt und damit umgehen lernt. In der anthroposophischen Terminologie entspricht dies der astralischen Organisation als Träger des körperbezogenen, seelisch-gefühlsmäßigen Bewusstseins und des gedanklich wachen Geist- bzw. Selbst-Bewusstseins. Hier liegt die Krankheitsursache in der „Geist- und Seelenfähigkeit“ des Menschen[6] und deren Einfluss auf die ‚humores‘, d.h. die ätherisch-physische Konstitution.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Ens spirituale – Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Diese Betrachtungsebene betrifft bei Paracelsus die magische Beeinflussung von Wesen zu Wesen. Es geht um den Menschen, der, zwischen Göttern und Dämonen lebend, Verführungen ausgesetzt ist und dessen Gesundheit auch durch Fürbitte und Gebet beeinflusst werden kann. Geistiges wirkt in jeder Beziehung direkt auf Geistiges und von dort aus auf die ihm untergeordneten Ebenen der konstitutionellen Gegebenheit. In der anthroposophischen Terminologie entspricht dies der Ich-Organisation, die über den Wärme-Organismus auf den Luftorganismus als Träger der astralischen Kräfte wirkt und durch diesen auf den Flüssigkeitsorganismus als Träger der ätherischen Kräfte – und durch diesen wiederum auf die physische Organisation, die ihrerseits dann über die Sinne und die Betätigungen während des Tageslebens auf die Ich-Organisation zurückwirkt.[7]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Ens deale – Leibfreies Seelen- und Geistesleben ====&lt;br /&gt;
Paracelsus, dessen Denken und Handeln tief in der christlichen Theologie und Kultur verankert war, spricht hier das Hereingestellt-Sein des Menschen in einen gottgewollten Entwicklungskontext an, hinorientiert auf die beiden menschlichen Kernkompetenzen Freiheit und Liebe. Zusammengefasst heißt es bei Paracelsus: &#039;&#039;„Ihr wisset, daß alle Gesundheit und Krankheit von Gott kommt und nichts vom Menschen, und ihr müßt die Krankheiten der Menschen in zween Gruppen teilen, in natürliche und in solche zur Züchtigung. Die natürlichen, das sind das erste, zweite, dritte und vierte ens: das flagellum ist das fünfte.“[8]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten vier ‚Entien‘ entsprechen im anthroposophischen Kontext den vier Wesensgliedern, das fünfte hingegen der ‚quinta essentia‘, dem von der körperlichen Gebundenheit freien Seelen- und Geistesleben des Menschen, mit dem er sich bewusst in der göttlich-geistigen Welt verankern kann.[9] Es handelt sich dabei um das rein spirituelle Prinzip, von dem auch schon Aristoteles als ‚πέμπτη ουσία‘ (fünftes Seiendes) sprach: das fünfte ‚ens‘ im Sinne des Paracelsus. Hier liegt die Ursache für Krankheit und Tod sozusagen in der Hand Gottes. Hier waltet die Weisheit des Schicksals und nicht die ärztliche Kunst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Alte Sichtweisen durch Geisteswissenschaft aktualisiert&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Vergleich mit dem paracelsischen Verständnis von Krankheit und Gesundheit kann einerseits deutlich machen, wie mithilfe von Steiners Geisteswissenschaft spirituelle Sichtweisen aus früheren Jahrhunderten dem gegenwärtigen Bewusstseinszustand der Menschen neu zugänglich gemacht werden können. Andererseits kann ein solcher Vergleich auch deutlich machen, wie eigenständig und originär Steiners Forschungsansätze und Ausführungen sind. Seine Geisteswissenschaft versteht sich als ein zeitgemäßer Weg, sich das im Sinne Goethes ‚alte Wahre‘ erkennend und handelnd zu erschließen.[10]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;In den Kapiteln VIII–XI&#039;&#039;&#039; steht jeweils ein menschliches Wesensglied ursächlich für das Krankheitsgeschehen im Mittelpunkt. Wobei es stets die Schwäche der Ich-Organisation ist, die initial für die jeweils geschilderten Stoffwechselstörungen und pathologischen Prozesse verantwortlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Kapitel XII&#039;&#039;&#039; hingegen beschreibt das Ringen dieser Ich-Organisation, die konstitutionelle Balance aufrecht zu erhalten. Auffällig ist dabei, dass die vier ersten Pathologie-Kapitel in ihrer Gesamtheit Symptome und Erkrankungen beschreiben, die inzwischen als das Metabolische Syndrom bekannt sind.[11]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Das Metabolische Syndrom ====&lt;br /&gt;
Es umfasst einen Cluster von &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* (vor allem viszeraler) Adipositas, &lt;br /&gt;
* gestörter Glukosetoleranz,&lt;br /&gt;
* Fettstoffwechselstörungen,&lt;br /&gt;
* arterieller Hypertonie, einschließlich möglicher genetischer Prädispositionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gilt als Vorstufe des Diabetes mellitus Typ 2 und ist zudem prädiktiv für ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenhänge zwischen Adipositas und diversen Stoffwechselerkrankungen wurden auch schon zu Lebzeiten von Steiner und Wegman beschrieben.[12] Nach &#039;&#039;Hanefeld&#039;&#039; dokumentierte bereits &#039;&#039;Giovanni Battista Morgagni (1682–1771)&#039;&#039; den Zusammenhang zwischen viszeraler Fettsucht, Hypertonie, Gicht, Schlafapnoe und Arteriosklerose.[13] Allerdings wurde der pathophysiologische Zusammenhang dieser Erkrankungen und die das Metabolische Syndrom charakterisierende Insulinresistenz erst im Laufe des 20. Jahrhunderts deutlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Syndrome X ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gerald M. Reaven (1928–2018)&#039;&#039; wies in seiner &#039;&#039;„Banting Lecture“&#039;&#039; 1988 darauf hin und beschrieb den Symptomenkomplex als das &#039;&#039;„Syndrome X“.[14]&#039;&#039; Zu ihm gehören die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Insulinresistenz, &lt;br /&gt;
* Hyperinsulinämie,&lt;br /&gt;
* Glukosestoffwechselstörung,&lt;br /&gt;
* Fettstoffwechselstörung&lt;br /&gt;
* und Hypertonie.&lt;br /&gt;
* Erst viel später wurden weitere, pathophysiologisch relevante Aspekte wie die &lt;br /&gt;
* low-grade-inflammation beschrieben.[15]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Aktualität der beschriebenen Krankheitsprozesse&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Interessanterweise thematisiert &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[16]&#039;&#039; durch die Abfolge der Kapitel VIII–X bereits die syndromale Entität dieses heute als Metabolisches Syndrom bekannten Krankheitsgeschehens und weist darüber hinaus eindrücklich auf den Diabetes mellitus als Folge-Erkrankung hin (Kap. VIII).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Erwähnung „parasitäre[r] Wärmeherde“[17] im Kapitel X, im Zusammenhang mit dem Fettgewebe, bekommt unter dem Aspekt der inzwischen bekannten proinflammatorischen Wirksamkeit zahlreicher Adipokine eine geradezu überraschende Aktualität – ebenso wie der regulativ-systemische Ansatz zu Verständnis und Behandlung der Erkrankung. Auch wenn der Insulinmangel bei Diagnose und Therapie gegenwärtig immer noch im Vordergrund steht, so wurden doch inzwischen so viele unterschiedliche Beeinflussungen der Insulinresistenz bestimmter Gewebe und möglicher Gegenregulationsformen im Organismus bekannt, dass man auch hier vor einem äußerst komplexen Wechselursachenverhältnis multimodaler Einflussfaktoren steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für diese Komplexität öffnen die fünf Pathologiekapitel die Augen und zeigen zudem klar auf, welche ganzheitlichen Regulationsprinzipien unter den vier Wesensgliedern jeweils unterstützt oder abgeschwächt werden müssen. Das anthroposophische Wesensglieder-Konzept bietet in diesem Kontext die Möglichkeit, die physische, ätherische, astralische und Ich-Organisation als die für die Gesamtregulation des menschlichen Organismus verantwortlichen Gesetzeszusammenhänge sehen zu lernen.[18]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[19]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Hierbei handelt es sich um Kapitel aus dem Grundlagenwerk von Rudolf Steiner und Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Vgl. Zeylmans van Emmichoven (2022), 67 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Vgl. Wolfram (1991).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe www.anthromedics.org; [6.1.2025].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Von lat. venerum: Gift, Medizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6]  Vgl. FN 1, S. 16.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Siehe dazu die ergänzenden Hinweise im Stellenkommentar, Anm. zu EH, 82, S. 133–140.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Paracelsus (2010), 232.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. FN 1, Kap. I, Abs. 19.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] &#039;&#039;„Das Wahre war schon längst gefunden / Hat edle Geisterschaft verbunden / Das alte Wahre, fass’ es an.“&#039;&#039; WA I/2, 82.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Dem Internisten &#039;&#039;Matthias Girke&#039;&#039; und seiner Publikation &#039;&#039;„Innere Medizin“&#039;&#039; verdanke ich fachliche Unterstützung bezüglich Referenzen und Hinweisen zu den Kapiteln VIII–XII, insbesondere zum Metabolischen Syndrom und seinen Folge-Erkrankungen. Siehe Girke (2020).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Vgl. Balke und Nocito (2013), 77–83.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] Vgl. Hanefeld und Leonhardt (1996).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] Vgl. Reaven (1988), 1595–1607.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[15] Minihane u. a. (2015), 999–1012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[16] Vgl. FN 1.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[17] Vgl. FN 1, S. 52f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[18] Zum 250. Geburtsjahr &#039;&#039;Goethes&#039;&#039; 1999 wurde eine Vorlesungsreihe an der Universität Bern veranstaltet: Goethes Beitrag zur Erneuerung der Naturwissenschaften. In seiner Vorlesung zum Thema Typusidee und Genetik führte &#039;&#039;Johannes Wirz&#039;&#039; auch für die moderne Genetik aus: &#039;&#039;„Bereits regen einige Entwicklungsbiologen und Genetiker eine Neukonzeption der Gen-zentrierten Auffassung von Entwicklungsprozessen an. Duboule und Wilking schließen zum Beispiel, dass es keine Art/spezifischen Gene, sondern nur einen artspezifischen, differentiellen Gebrauch derselben gibt. […] Die kaum beachtete epigenetische Theorie von Waddington, welche die Vernetzung von Genen stärker betont als die Bedeutung einzelner Erbfaktoren, ist kürzlich durch eine viel beachtete Publikation von Strohmann wissenschaftsfähig geworden. [...] Der genetische Determinismus wird noch weiter relativiert, wenn, wie es die Tatsachen nahelegen, Lebewesen als organische Ganzheiten im Sinne Goethes verstanden werden. Das bedingt, dass ihnen neben DNA, Proteinen, Zellen und deren vielfältigen Interaktionen, die als Erscheinungsbedingungen vorhanden sein müssen, eine Qualität zugestanden wird, welche dieselben dirigiert. Die Idee der inneren Natur oder des Typus [gemäß Goethe, M. G.] fordert zudem ein erweitertes Verständnis von Vererbung.“&#039;&#039; (Wirz [2000], 324 f.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[19] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE KAPITEL XIII–XVIII: ZUR THERAPIE UND HEILKUNST[1] ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist mit der in diesen Kapiteln beschriebenen therapeutischen Denkweise gemeint?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie können Aufgabe und Wirkung einer Substanz – hier die Kieselsäure – im Organismus Vorbild für eine therapeutische Denkweise sein?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was verbindet Ich-Organisation und Kieselsäure?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Innerer Zusammenhang von Kapitel XIV, XVI und XVIII&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Diesen Kapiteln liegt eine Komposition zu Grunde, in der 2 × 3 Kapitel einen engeren inneren Zusammenhang haben, obgleich sie nicht aufeinander folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== a. Therapeutische Denkweise ====&lt;br /&gt;
Den Schlüssel zu dieser Komposition bietet der letzte Satz von Kapitel XVIII, wo es über die Heileurythmie heißt, &#039;&#039;„dass man sie durchaus als ein segensreiches Glied unserer hier dargestellten therapeutischen Denkweise ansprechen kann“.&#039;&#039;&#039;[2]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Dadurch entsteht ein unmittelbarer Bezug zu Kapitel XIV &#039;&#039;„Von der therapeutischen Denkweise“.&#039;&#039; Darin wird anhand der Wirkung der Kieselsäure im menschlichen Organismus das Wesen der in diesem Kontext gemeinten therapeutischen Denkweise geschildert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wer oder was bestimmt den Charakter einer bestimmten Denkweise?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemäß Rudolf Steiner und Ita Wegman übernimmt die Ich-Organisation, &#039;&#039;„die sich seelisch frei im Denken darlebt“,&#039;&#039;&#039;[3]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; diese Aufgabe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== b. Gestaltungskraft von Kalk und Kiesel ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was aber verbindet die Ich-Organisation mit der Kieselsäure?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dieser Frage tut sich ein weiteres Kapitel der anthroposophischen Substanz-Erkenntnis auf: die polare Wirkensweise von Kalk und Kiesel, auf die Steiner in vielen Vorträgen zu sprechen kommt. Im &#039;&#039;„Landwirtschaftlichen Kurs“&#039;&#039; heißt es, nachdem Steiner die eiweißbildenden Elemente Kohlenstoff, Sauerstoff, Stickstoff, Wasserstoff und Schwefel geschildert hat:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Um nun die feste Gestalt darzustellen, da muss es [alles Kohlenstoffhaltige, M.G.] sich auf ein tiefer liegendes Gerüste aufbauen und das ist dasjenige, was als ein ganz tiefliegendes Gerüst in unserem kalkartigen Knochengerüst enthalten ist, was aber auch enthalten ist in dem Kieseligen, das wir ja immer in uns tragen, sodass der Kohlenstoff im Menschen und auch im Tier bis zu einem gewissen Grade seine Gestaltungskraft maskiert. Er rankt sich hinauf an der Gestaltungskraft von Kalk und Kiesel. Kalk gibt ihm die irdische, Kiesel die kosmische Gestaltungskraft.“[4]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bergkristall (als SiO2 eine reine Silicium/Sauerstoffverbindung) erscheint unter diesem Aspekt wie ein Urbild. Kosmisches und irdisch machender Sauerstoff sind in reinster Stimmigkeit auf einander bezogen. Die kosmische Gestaltungskraft manifestiert sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* im Irdisch-Unbelebten in Form der Bildung von Urgestein. &lt;br /&gt;
* und bei den Lebewesen als Gerüstsubstanz.&lt;br /&gt;
* In der menschlichen Konstitution verwandelt sich in Folge der Metamorphose die leibliche Bildetätigkeit in Gedankentätigkeit in Form von Wahrnehmen und Denken und wendet sich so wieder dem Kosmos zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== c. Irdisch-kosmische Zusammenhänge verstehen ====&lt;br /&gt;
Aus anthroposophischer Perspektive[5] handelt es sich hierbei um die allumfassende kosmisch-ätherische Gestaltungskraft,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die einerseits dem Leib &#039;&#039;&#039;Leben&#039;&#039;&#039; einhaucht &lt;br /&gt;
* und andererseits Grundlage für selbstgeführtes &#039;&#039;&#039;Denken&#039;&#039;&#039; ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je mehr es gelingt, in solchen Zusammenhängen zu denken, Irdisches und Kosmisches in ihrem Aufeinander-bezogen-Sein zu erkennen, desto therapeutischer wird die Denkweise werden. Dann kann sie Lebenszusammenhänge verstehen, dem Leben dienen und gesunde individuelle und soziale Entwicklungen fördern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann kann sie endlich auch die Wunden heilen, die infolge der reduktionistischen Denkweise entstanden sind und weiter entstehen, wenn sich der atomistische Monismus nicht mit einem ganzheitlich-spirituellen Monismus Goethe’scher Prägung versöhnen lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Heileurythmie als ‚Tun‘ der Ich-Organisation&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der Heileurythmie wird diese irdisch-kosmische Tätigkeit der Ich-Organisation nicht nur ‚gedacht‘, sondern ‚getan‘. Denken, Fühlen und Wollen sind beim konzentrierten Ausüben der heileurythmischen Bewegungen dem Körper zugewendet, wodurch das Stoffwechselgeschehen und die rhythmischen Funktionen unmittelbar beeinflusst werden können. Wie sehr Bewegung und Atmungsregulierung den Gesundheitszustand beeinflussen können, ist inzwischen auch naturwissenschaftlich hinreichend belegt. Entsprechende Präventionsprogramme haben sich insbesondere in der Kardiologie seit Jahrzehnten bewährt.[6] Auch die Rehabilitationseinrichtungen bauen ihre Maßnahmen primär auf gesunde Ernährung, Bewegung, Gespräch und kulturelle Aktivitäten auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die innere Beziehung zwischen Kapitel XIV und XVIII wird ergänzt durch Kapitel XVI, das nicht ohne Grund in der Mitte steht. Dieses Kapitel handelt vom Antimon unter der Überschrift &#039;&#039;„Heilmittel-Erkenntnis“.&#039;&#039; Dabei werden die Antimonprozesse als diejenigen beschrieben, die in den menschlichen Organismus gebracht, so wirken wie die Ich-Organisation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Im menschlichen Organismus zeigt das Blut in seiner Strömung eine Tendenz, zu gerinnen. Diese Tendenz ist diejenige, die unter dem Einfluss der Ich-Organisation steht und unter ihr die Regulierung erfahren muss.“[7]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Innerer Zusammenhang von Kapitel XIII, XV und XVII&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die zweite Dreiheit handelt vom krankhaften Zusammenspiel der Wesensglieder und den für den therapeutischen Prozess charakteristischen Heilmitteln bzw. Arzneisubstanzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== a. Zwischen kränkenden und gesundenden Kräften ====&lt;br /&gt;
Hier steht das individuelle Therapiegeschehen im Vordergrund. So lautet die Überschrift von Kapitel XIII &#039;&#039;„Vom Wesen des Krankseins und der Heilung“&#039;&#039; und beginnt mit dem Wort ‚Schmerz‘ als einem Erlebnis im astralischen Leib und im Ich. Es folgt dann eine kurze Charakteristik des unterschiedlichen Zusammenwirkens der Wesensglieder im Laufe des Lebens zwischen Geburt und Tod. Hauptaugenmerk bei der Therapiefindung liegt hier auf dem sensiblen Zusammenspiel zwischen der kränkenden astralischen und der gesundenden ätherischen Organisation. Diese Betrachtung findet ihre Fortsetzung in Kapitel XV, wo es unter der Überschrift &#039;&#039;„Das Heilverfahren“&#039;&#039; heißt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Denn alle Entwicklung des menschlichen Organismus beruht darauf, dass ursprünglich die Gesamtgestaltung des physischen und ätherischen Leibes aus der Tätigkeit des Astralischen und der Ich-Organisation sich ergibt; dass aber mit zunehmendem Alter die astralische und Ich-Tätigkeit in der physischen und ätherischen Organisation weiterlaufen. Tun sie das nicht, so müssen der astralische Leib und die Ich-Organisation in einem Stadium ihrer Entwickelung in einer Art eingreifen, zu der sie in diesem Stadium nicht mehr geeignet sind.“&#039;&#039; [8]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== b. Ich-Organisation entlastende Heilmittel ====&lt;br /&gt;
Dann bedürfen sie der regulierenden Unterstützung durch Heilmittel, die die beiden oberen Wesensglieder von ihrem nicht mehr entwicklungsgerechten Eingreifen entlasten und die physische und ätherische Organisation so stärken, dass das unregelmäßige Eingreifen der oberen Wesensglieder zur Kompensation der geschwächten physisch-ätherischen Konstitution nicht mehr nötig ist. Zusätzlich kompliziert werden Diagnostik und Therapie dadurch, dass &#039;&#039;„die Richtung der Krankheitswirkungen“[9]&#039;&#039; ebenfalls verfolgt werden muss im Sinne der primären Ursache der Störung und deren Folge. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== c. Bedeutung von Ameisensäure und Kleesäure ====&lt;br /&gt;
Abgerundet wird die Betrachtung dieser Dreiheit mit Kapitel XVII &#039;&#039;„Substanz-Erkenntnis als Grundlage der Heilmittel-Erkenntnis“&#039;&#039;, in dem zwei Substanzen im Mittelpunkt stehen, die in der Biochemie des Zellstoffwechsels eine wichtige Rolle spielen: Ameisensäure und Kleesäure.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Hexagramm aus zwei Dreiecken&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Während die erste Dreiheit primär bezogen ist auf die Erscheinung der menschlichen Gestalt im Raum und ihrem Formaspekt im Reich der Natur, widmet sich die zweite Dreiheit dem Wandel der menschlichen Konstitution in der Zeit. Fügt man die beiden Dreiheiten zusammen, so ergibt sich das therapeutische Ur-Symbol des Hermes Trismegistos bzw. das Siegel Salomos, das Hexagramm, in dem ein Dreieck mit der Spitze nach unten sich durchdringt mit einem zweiten Dreieck, dessen Spitze nach oben weist. Es ist das ägyptisch-hermetische Zeichen für das harmonische Zusammenwirken von Makrokosmos und Mikrokosmos. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Spitze des ersten Dreiecks, die nach unten weist und dessen Basis oben ist, wäre Kapitel XIV. In der Heileurythmie wird über die rhythmisch wiederholten Bewegungsübungen daran gearbeitet, den Menschen im Raum bei der Wiederherstellung seiner urbildlichen aufrechten Gestalt zu unterstützen. Basis dafür ist eine therapeutische Denkweise, die innere Aufrichtekraft (wirklichkeitsgemäßes ‚aufrichtiges‘ Denken) und Heilmittel-Erkenntnis aus dem Mensch-Natur-Zusammenhang adäquat verbindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das zweite Dreieck, dessen Spitze nach oben weist und das seine Basis unten hat, handelt vom Schmerzerleben und dem Wesen der Krankheit als weckendem Begleiter des Menschen im Verlauf des Lebens. Es zeigt durch die Basis unten die starke Beziehung des Makrokosmos zum Menschen und den ihn umgebenden Naturreichen als heilsamem Begleiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Heilkunst als Kunstwerk Heilung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist also im Kontext dieser Ausführungen mit Heilkunst gemeint?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es handelt sich dabei um einen Diagnoseprozess, aus dem sich die Therapie unmittelbar ablesen lässt. Dazu braucht es solides medizinisches Grundlagenwissen – auch bezüglich der Gesetzmäßigkeiten der körperlich-seelischen Reifung und den Alterungsprozessen in der zweiten Lebenshälfte. Dieses Wissen und die dadurch möglichen therapeutischen Kompetenzen sind sozusagen das „Material“ für den künstlerischen Prozess. Damit aber im Einzelfall das &#039;&#039;„Kunstwerk Heilung“&#039;&#039; geschaffen werden kann, dazu braucht es die unmittelbare Beobachtung und die therapeutische Denkweise im Hier und Jetzt der konkret gegebenen Krankheitssituation in ihrem Umfeld. Im günstigen Fall sind Besserung und Heilung die Folge des therapeutischen Bemühens, an dem beide – der Behandelnde und der Betroffene – mitschöpferisch tätig sind. So gesehen handelt es sich immer auch um ein &#039;&#039;„soziales Kunstwerk“.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Dass dabei nicht nur medizinisches Wissen, sondern auch Fähigkeiten wie das Erfassen des rechten Zeitpunkts (ϰαιρός), diagnostische Empathie und therapeutische Intuition eine wichtige Rolle spielen, zeichnet den künstlerischen Prozess aus.“[10]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[11]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Hierbei handelt es sich um Kapitel aus dem Grundlagenwerk von Rudolf Steiner und Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Vgl. FN 1, S. 88.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Vgl. FN 1, S. 15.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft. Landwirtschaftlicher Kursus,&#039;&#039; GA 327, 66 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. FN 1, S. 6.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Siehe z.B. die Pocket-Leitlinie Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie. Giehlen u. a. (2021).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Vgl. FN 1, S. 79.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Vgl. FN 1, S. 74.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. FN 1, S. 75.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Vgl. Fintelmann (2016).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE KAPITEL XIX UND XX: EINBLICKE IN EINE RATIONELLE DIAGNOSTIK UND THERAPIE[1] ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit von Rudolf Steiner und Ita Wegman rund um dieses Werk?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Unter welchen Aspekten wurden die angeführten Krankengeschichten durchgesehen und veröffentlicht?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchem Zweck dienen diese Krankengeschichten?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Zur Entstehung der Textgrundlage&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während die Kapitel I bis XVIII in der Handschrift Steiners vorliegen, sind die beiden letzten Kapitel XIX und XX von Ita Wegman niedergeschrieben. Es gilt jedoch für alle 20 Kapitel dieses Buches, dass sie in intensiver gemeinsamer Arbeit von beiden Autoren verfasst wurden. Wann genau die einzelnen Kapitel entstanden sind, wissen wir zwar nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Walter Holtzapfel&#039;&#039; hatte aber als dritter Nachfolger in der Leitung der Medizinischen Sektion[2] noch viel Gelegenheit, mit Menschen zu sprechen, die den eineinhalbjährigen Prozess der Entstehung des Buches miterlebt haben. Von ihm stammt die Mitteilung, dass ein um das andere Kapitel &#039;&#039;„von den beiden Autoren gemeinsam durchgesprochen und dann zunächst von Frau Dr. Wegman formuliert und niedergeschrieben wurde. Gewiss stammt die endgültige Formulierung wohl fast immer von Rudolf Steiner.“[3]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zu den Krankengeschichten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Von den neun in das Buch aufgenommenen Krankengeschichten wurden der vierte und fünfte Fall bereits am 23. April 1924 im Rahmen einer Dornacher Ärztebesprechung von Ita Wegman vorgelesen und von Rudolf Steiner eingehend im Gespräch kommentiert.[4] So können wir davon ausgehen, dass zumindest diese Kasuistiken schon während des ersten halben Jahres der gemeinsamen Arbeit entstanden sind, d.h. dass von Beginn an die gemeinsame Arbeit am Buch stets auch in direkter Resonanz war mit konkreten Menschen und ihrem Krankheitsschicksal. Ganz abgesehen von den zahlreichen Vortragsreisen im Jahre 1924, bei denen Wegman ebenfalls mitreiste und wo ihnen jeweils Patienten vorgestellt und deren Therapie beraten worden war.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es muss an dieser Stelle aber auch klar hervorgehoben werden, dass es die Kollegin und enge Mitarbeiterin Ita Wegmans – &#039;&#039;Hilma Walter&#039;&#039; – gewesen ist, der die Dokumentationen der Krankengeschichten des &#039;&#039;„Klinisch-Therapeutischen Instituts“&#039;&#039; zu verdanken sind, die den für das Buch formulierten Texten zugrunde liegen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Dokumentationen wurden 2007 von &#039;&#039;Peter Selg&#039;&#039; in der Originalfassung herausgegeben, so dass sie heute eingehend studiert und auch im Detail mit der textlichen Abfassung in Kapitel XIX verglichen werden können.[6] So wird auch deutlich, was Wegman direkt aus Walters Kasuistiken übernommen hat und was von den Autoren gekürzt, neu formuliert und auch ausgelassen wurde. Walter hat dann auch in ihrer Endredaktion des Buches nach Steiners Tod vor der Drucklegung insbesondere die Krankengeschichten noch einmal gründlich durchgesehen und wo nötig noch etwas gestrichen, damit keiner der dort geschilderten Patientinnen und Patienten in dem gedruckten Buch wiedererkannt werden konnte.[7] Waren es doch fast ausnahmslos Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft, um die es jeweils ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zu Peter Selgs Dokumentation von Krankengeschichten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Selg hat für seine Publikation nicht nur die Krankenunterlagen dieser neun Patienten im Original studiert, sondern auch die zugehörigen Notizbucheinträge im Nachlass Hilma Walters, die Ärzte- und Patientenkorrespondenz Wegmans sowie weitere Nachlassunterlagen. So liegen die Krankengeschichten aus Kapitel XIX gesichtet und aufgearbeitet vor und sind Grundlage für weitere Forschung. Er schreibt dazu insbesondere im Hinblick auf noch zu leistende weitere Kontextualisierungen dieser Krankengeschichten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Je plastischer die Kranken- und Therapiegeschichten jedoch selbst werden (indem man zwischen dem Original der Krankenakte und der Buchwiedergabe vergleichen kann – M.G.), umso klarer wird das methodische Gewichtungs- und Auswahlverfahren der Buchdarstellung erkennbar. In diesem Sinne vermögen die hier erstmals publizierten Materialien, verschiedene Aspekte deutlicher hervortreten zu lassen, darunter auch die Zeitgestalt der (oft monatelangen) Behandlung, der einzelnen Schritte und Vorgehensweisen, der therapeutischen Erfolge, aber auch der Rückfälle und weiter bestehenden Schwierigkeiten, die Teil der Kranken- und Behandlungsgeschichte waren. Sie bieten daher Anlass und Voraussetzung für ein erneutes und eingehendes Studium der Kasuistiken selbst.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Im Rahmen dieser Dokumentation wurde konsequent davon abgesehen, die zur Darstellung kommenden diagnostischen und therapeutischen Prozesse im Einzelnen zu kommentieren und zu bewerten; ein solcher Kommentar – vor dem Hintergrund der gesamten anthroposophischen Physiologie, Pathophysiologie und Therapeutik und in Auseinandersetzung mit einer schulmedizinischen Interpretation der verschiedenen Krankheitsfälle – soll zu einem späteren Zeitpunkt erarbeitet und publiziert werden.“[8]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Leuchtende Vorbilder für&#039;&#039; &#039;&#039;Wesensgliederdiagnosen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Diese von Selg in Aussicht gestellte Publikation konnte jedoch bisher nicht realisiert werden, bzw. bleibt ein weiterhin lohnendes und erforderliches Desiderat. Denn beides – der Hintergrund der gesamten anthroposophischen Physiologie, Pathologie und Therapeutika sowie die schulmedizinische Kontextualisierung – sind große Arbeitsvorhaben, die eigentlich nur im Team zu leisten sind und viel Zeit erfordern. Dennoch kann jeder interessierte Arzt auch aus dem bis jetzt vorliegenden Material unschätzbare Anregungen für die eigene Arbeit entnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anthroposophische Internist &#039;&#039;Friedwart Husemann (1945–2022)&#039;&#039; schreibt in seinem Kurzporträt über die &#039;&#039;„Erweiterung der Heilkunst“:&#039;&#039; &#039;&#039;„Bei den Krankengeschichten geben die Autoren Wesensgliederdiagnosen und sehr individuelle Heilverfahren, die für den anthroposophischen Arzt von heute ein leuchtendes und selten erreichtes Vorbild darstellen.“[9]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[10]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Hierbei handelt es sich um Kapitel aus dem Grundlagenwerk von Rudolf Steiner und Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Nach Wegmans Tod wurde zunächst eine Interim-Gruppenleitung eingesetzt – bis dann 1963 die enge Mitarbeiterin Wegmans in ihrem Arlesheimer Klinisch-Therapeutischen Institut, &#039;&#039;Margarete Kirchner-Bockholt (1894–1973),&#039;&#039; für ihre Nachfolge nominiert wurde, die sie dann nach ihrem Ausscheiden an &#039;&#039;Holtzapfel&#039;&#039; übergab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Holtzapfel (1973), 51–53.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Physiologisch-Therapeutisches auf Grundlage der Geisteswissenschaft. Zur Therapie und Hygiene,&#039;&#039; GA 314, S. 337–349.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. Selg (2007), 15f. und 21f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Ebd., 22.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Ebd., 23f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Selg (2007), 25.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] F. Husemann (2018), 323.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE DER THERAPIEFINDUNG GEWIDMETEN KAPITEL XIV BIS XVIII ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Blickrichtungen werden in den jeweiligen Kapiteln skizziert?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fünf therapeutische Perspektiven&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In den genannten Kapiteln von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; werden fünf therapeutisch-menschenkundliche Blickrichtungen geschildert, die es im Einzelfall gegeneinander abzuwägen oder zu kombinieren gilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Der therapeutische Aspekt des Siliziumprozesses ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;In Kapitel XIV&#039;&#039; wird der Silizium-Prozess zum Vorbild der therapeutischen Denkweise. Diese richtet ihr Augenmerk darauf, inwiefern Krankheitssymptome Ausdruck mangelnder oder überhöhter gegenseitiger Wahrnehmung bzw. Resonanz zwischen den Organsystemen und ihren Funktionen sind. Sie weisen auf die Notwendigkeit richtiger Balance zwischen notwendiger Abgrenzung und ebenso notwendiger Wahrnehmung der Belange des Gesamtorganismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Regulierungsmöglichkeiten bei schwacher Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Im Kapitel XV&#039;&#039; werden verschiedene Regulierungsmöglichkeiten aufgezeigt, wenn die Ich-Organisation diese Aufgabe nicht mehr zureichend leisten kann. Wie in den Kapiteln I bis VII geschildert, zeigen Krankheitssymptome an, wie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* im physischen Leib die &#039;&#039;Mineralisierung&#039;&#039;, &lt;br /&gt;
* im ätherischen Leib die &#039;&#039;Wachstumsbereitschaft&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* sowie die vom Astralleib bewirkten &#039;&#039;Absonderungs- und Ablagerungsprozesse&#039;&#039; partiell überhandnehmen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wenn sich diese Wesensglieder der Integrationskraft der Ich-Organisation nicht (mehr) ausreichend fügen, weil diese an Kraft eingebüßt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Heilmittelerkenntnis ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;In Kapitel XVI&#039;&#039; geht es um die Heilmittelerkenntnis, die man gewinnt, wenn man &#039;&#039;„durch der Natur Examen geht“&#039;&#039;&#039;[2]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; und den Blick primär auf die Kräfte lenkt, die als Zentral- und Universalkräfte in der unbelebten und belebten Natur wirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Prozessorientierte Substanz-Erkenntnis ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;In&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Kapitel XVII&#039;&#039;&#039; liegt der Fokus auf einer konsequent prozessorientierten Substanz-Erkenntnis, die Steiner im Ärztekurs für die jungen Mediziner so formuliert hat: dass es die Aufgabe des Arztes sei, &#039;&#039;„die Weltenaufgaben der Substanzen zu erkennen“.&#039;&#039;&#039;[3]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Etwas von dieser ‚Weltenaufgabe‘ wird in der EH anhand der Ameisensäure und der Kleesäure aufgezeigt und damit auf die Bedeutung dieser Blickrichtung für bestimmte Prozesse im menschlichen Zellstoffwechsel hingewiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Therapeutischer Einfluss von Bewegungsübungen ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Kapitel XVIII&#039;&#039;&#039; enthält die fünfte therapeutische Blickrichtung: den regulierenden Einfluss von bewusst ausgeführten Bewegungsübungen auf die abbauenden und aufbauenden Stoffwechselprozesse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[4]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner und Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ausspruch des Paracelsus, auf den auch Steiner sich im ersten Ärztekurs von 1920 bezieht (vgl. oben, S. CXXX).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Meditative Betrachtungen und Anleitungen zur Vertiefung der Heilkunst. Vorträge für Ärzte und Medizinstudierende,&#039;&#039; GA 316, 22.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;DIE ICH-ORGANISATION IN DER DARSTELLUNG EINZELNER KAPITEL&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern ist die Ich-Organisation Trägerin von Gesundheit, aber auch Ursache für jegliche Krankheit?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wodurch beherrscht die Ich-Organisation die Erdenstoffe und Substanzen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wodurch werden Heilmittel zu Regulatoren und Unterstützern der Ich-Organisation?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Ich-Organisation als Verursacherin von Gesundheit und Krankheit&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ich-Organisation wird im Gang durch die Kapitel von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039;&#039;[1]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; als das Kraftsystem geschildert, das für die Erhaltung der Gesundheit und für den Erfolg von Heilungsvorgängen den Ausschlag gibt. Daher steht sie im Zusammenwirken mit der ätherischen Organisation als Trägerin der Regenerations- und Selbstheilungskräfte im Fokus jeder therapeutischen Intervention.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andererseits ist eben diese Ich-Organisation – zusammen mit dem Astralleib als außerkörperlich aktive ‚Geist- und Seelenfähigkeit‘ – zugleich Ursache und Grundlage dafür, dass wir krank werden und sterben können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zum Wirken der Ich-Organisation&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im Folgenden eine kurze Rekapitulation dessen, was in den einzelnen Kapiteln zur Wirkung der Ich-Organisation und den Substanzen in ihrem Dienst ausgeführt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel I – Der Substanzstrom fügt sich dem Ich = Gesundheit ====&lt;br /&gt;
In Kapitel I heißt es in Bezug auf alle Substanzen: &#039;&#039;„Die Wesenheit, welche diese Stofflichkeit als ‚Ich-Organisation‘ annimmt, ist zunächst die Form des Erdenstoffes, in der sich dieser am meisten seiner irdisch-physischen Art entfremdet.“&#039;&#039;&#039;[2]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Das bedeutet, dass sich der Substanzstrom nach seinem Durchgang durch die Bereiche der physischen, ätherischen und astralischen Kräfte auf der vierten Verwandlungsstufe dem &#039;&#039;„Weben und Wesen des ‚Ich‘“&#039;&#039; in der Form einfügt, dass er ‚Geist tragend‘ wird.[3]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kann dieser Verwandlungsprozess ungestört stattfinden, ist Gesundheit die Folge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel II – Ich-bedingte Störungen im Ätherischen ====&lt;br /&gt;
In Kapitel II werden Störungsmöglichkeiten aufgezeigt, indem zwei Formen des Krankseins geschildert werden, die jeweils durch ein zu starkes oder zu schwaches Untertauchen von Ich-Organisation und Astralleib in die physisch-ätherische Konstitution entstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt bedarf es der Regulation durch Arzneimittel, die auf die eine oder andere Weise die ätherische Organisation in ihrer Regenerations- und Selbstheilungsfähigkeit unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel III und IV – Über das Pflanzen- und Tierreich ====&lt;br /&gt;
In den Kapiteln III und IV wird die Ich-Organisation nicht erwähnt – hier stehen die ätherische und astralische Organisation und das durch sie mögliche Pflanzen- und Tierreich im Zentrum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deren gesundes Zusammenleben und -wirken ist im Haushalt der Natur im Sinne des ökologischen Gleichgewichts reguliert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel V – Menschengestalt dank des Wirkens der Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
In Kapitel V wird die Ich-Organisation neu eingeführt als das Kraftsystem, welches in der Lage ist, die verschiedenen Kräftebereiche – den physischen, den ätherisch-pflanzlichen sowie den astralisch-tierischen – ‚im Fluss zu halten‘. Das bedeutet, die menschliche Konstitution vor jeglicher Spezialisierung und Einseitigkeit zu bewahren. Dadurch verwandeln sich die Substanzströme im Bereich der physischen, ätherischen und astralischen Kräfte nochmals: Es entsteht ein dreifacher Substanzstrom, aus dem heraus sich die innere und äußere menschliche Gestalt bildet. Dadurch wird sie zum Träger des selbstbewussten Geisteslebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Bis in die kleinsten Teile seiner Substanz hinein ist der Mensch in seiner Gestaltung ein Ergebnis dieser Ich-Organisation.“[4]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel VI – Einfluss der Ich-Organisation auf Blut, Skelett und Gehirn ====&lt;br /&gt;
In Kapitel VI wird dies weiter erläutert, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* indem die gesamte &#039;&#039;Blutbildung&#039;&#039; bis hin zur Wirkung der Verdauungsenzyme als unter dem Einfluss der Ich-Organisation stehend geschildert wird.&lt;br /&gt;
* Und in der Bildung des &#039;&#039;Skeletts&#039;&#039; geht das Wesen der Ich-Organisation so vollständig auf, dass dieses als ihr physisches Abbild gesehen werden kann.&lt;br /&gt;
* Im &#039;&#039;Gehirn&#039;&#039; dagegen ist das Ich als geistige Wesenheit tätig. Seine formbildende, ins Physische hineinwirkende Kraft wird dort aber ganz vom Ätherischen sowie von den Eigenkräften des Physischen überwältigt. Dem Gehirn liegt die organisierende Kraft des Ich also nur leise zugrunde, da sie im Wirken des Lebendigen und in den physischen Eigenwirkungen untergeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist auch der Grund, warum das Gehirn zum Träger der geistigen Ich-Wirkung wird: Gerade weil die Ich-Organisation im Gehirn nicht organisch-physisch in Anspruch genommen wird, sind ihre Kräfte als solche völlig frei, sich geistig zu betätigen.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel VII – Ich-Organisation, Eisen und Selbstheilungskräfte ====&lt;br /&gt;
In Kapitel VII wird die Ich-Organisation als maßgeblich für die körpereigenen Selbstheilungskräfte eingeführt. Diese beruhen darauf, dass die Ich-Organisation in der Lage ist, das im Sinne der äußeren Natur noch kristallisationsfähige Eisen in ihre Gestaltungskräfte hinein zu ‚zwingen‘.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel VIII – Glukosestoffwechsel und Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Im Kapitel VIII wird der gesamte Glukosestoffwechsel als Instrument der Ich-Organisation dargestellt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Wo Zucker ist, da ist Ich-Organisation; wo Zucker entsteht, da tritt die Ich-Organisation auf, um die untermenschliche (vegetative, animalische) Körperlichkeit zum Menschlichen hin zu orientieren.“[6]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel IX – Ich-Organisation als Beherrscherin des Unorganischen ====&lt;br /&gt;
Kapitel IX schildert die Eigenschaft der Ich-Organisation, sich bis in die Kräfte des unorganisch Toten hinein als beherrschend zu zeigen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Alles, was in den Bereich der Ich-Organisation kommt, erstirbt. Daher gliedert sich die Ich-Organisation im physischen Leib rein unorganische Substanzen ein. Diese wirken im menschlichen physischen Organismus nicht so wie in der leblosen Natur außerhalb des Menschen; aber sie wirken doch eben unorganisch, d.h. ertötend.“[7]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel X – Erdenstoffe als Wärmelieferanten für die Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
In Kapitel X wird deutlich gemacht, was mit der Formulierung, dass sich alle Erdenstoffe dem &#039;&#039;„Weben und Wesen des ‚Ich‘ einfügen“,&#039;&#039; gemeint ist. Denn von jeder im menschlichen Körper befindlichen Substanz kommt für die Ich-Organisation nur so viel in Betracht, als bei deren Wirksamkeit Wärmeentfaltung stattfindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entzieht sich ein Wärmebezirk der Herrschaft der Ich-Organisation, so markiert dies den Beginn pathologischer Prozesse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel XI – Ich-Organisation und Harnsäureverteilung ====&lt;br /&gt;
In Kapitel XI heißt es: In der richtig verteilten Harnsäureablagerung &#039;&#039;„kommt zum Ausdrucke, ob zwischen der Ich-Organisation und dem astralischen Leib in irgendeinem Organ oder Organsysteme das rechte Verhältnis besteht.“[8]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel XII – Ich-Organisation und Ausscheidungstätigkeit ====&lt;br /&gt;
Kapitel XII beschreibt das Wesen der Ich-Organisation als reine Wärmeaktivität – sowohl bei der Organbildung durch Erhöhung oder Verminderung der Wärmezustände, als auch in den Tätigkeiten, die nach innen oder nach außen zu Ausscheidungen führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Insofern in diesen Ausscheidungen Stoffe eingelagert sind, &#039;&#039;„die bis zum Unorganischen getrieben sind, dann lebt in diesen auch die Ich-Organisation“[9]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel XIII – Ich-Organisation und Phosphor ====&lt;br /&gt;
In Kapitel XIII wird der Phosphor als das Element geschildert, welches eine besondere Beziehung zur Ich-Organisation hat: Phosphor findet sich im menschlichen Organismus als Phosphorsäure und phosphorsaure Salze im Eiweiß, im Faserstoff [das Blutgerinnungssystem, MG], im Gehirn, in den Knochen. Er drängt zu den unorganischen Substanzen hin, die in dem Bereich der Ich-Organisation ihre Bedeutung haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er regt die bewusste Tätigkeit des Menschen an.[10]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel XIV – Ich-Organisation und Kieselsäure ====&lt;br /&gt;
Kapitel XIV ist der Kieselsäure als der &#039;&#039;„physischen Grundlage der Ich-Organisation“&#039;&#039; gewidmet,– denn die Gestaltung des Körpers und der einzelnen Organe ist nur möglich mithilfe einer Substanz, die einerseits in der ganzen Gestaltungsfülle der Lebenswelt beherrschend auftritt und die andererseits eine größtmögliche Oberflächensensibilität und Resonanzfähigkeit besitzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ermöglicht ein sensibles und selbstbewusstes Leben in der Sinneswelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel XV – Heilmittel für altersbedingte Störungen im Kieselsäureorganismus ====&lt;br /&gt;
In Kapitel XV werden Heilmittelwirkungen geschildert, die altersbedingte Störungen im Kieselsäureorganismus regulieren können: &#039;&#039;„Denn alle Entwicklung des menschlichen Organismus beruht darauf, dass ursprünglich die Gesamtgestaltung des physischen und ätherischen Leibes aus der Tätigkeit des Astralischen und der Ich-Organisation sich ergibt; dass aber mit zunehmendem Alter die astralische und Ich-Tätigkeit in der physischen und ätherischen Organisation weiterlaufen. Tun sie das nicht, so müssen der astralische Leib und die Ich-Organisation in einem Stadium ihrer Entwickelung in einer Art eingreifen, zu der sie in diesem Stadium nicht mehr geeignet sind.“[11]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel XVI – Parallelen von Antimonprozessen und Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Kapitel XVI schließlich zeigt auf, dass Antimonprozesse so wirken, &#039;&#039;„wie die Ich-Organisation“.[12]&#039;&#039; Das wird am Beispiel des Antimons in seiner Beziehung zum Schwefel in Form des in der Natur vorkommenden Grauspießglanzes aufgezeigt (Sb2 S3, auch als Antimonit bzw. Stibnit bekannt), sowie am Prozess der Austernschalenbildung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für alle drei Substanzen, von denen hier die Rede ist, gilt, dass, wenn man sich näher mit ihnen befasst, dies das Verständnis der von Rudolf Steiner und Ita Wegman charakterisierten Wirkungsweisen untermauert. Denn es komme darauf an, &#039;&#039;„die Wirkungen zu beobachten, die sich aus dem Zusammenhange der inneren Kräftekonstitution einer Substanz im Verhältnis zu den Kräften ergeben, die von der Erde ausstrahlen oder in sie einstrahlen“.[13]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[14]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Siehe FN 1, S. 9.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe FN 1, S. 29.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5]  Siehe FN 1, S. 36.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Siehe FN 1, S. 44.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Siehe FN 1, S. 48.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Siehe FN 1, S. 57.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Siehe FN 1, S. 63.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Siehe FN 1, S. 67.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Siehe FN 1, S. 74.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Siehe FN 1, S. 79.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] Siehe FN 1, S. 77.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== „GRUNDLEGENDES FÜR EINE ERWEITERUNG DER HEILKUNST“ ALS MEDITATIONSBUCH ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern ist das im Titel genannte medizinische Grundlagenbuch[1] auch ein Meditationsbuch?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielt dabei das Denken?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Bedeutung hat das sinnlichkeitsfreie Denken für die Erfassung der inneren und äußeren Welt?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die verbindende Rolle des Denkens&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die anthroposophische Meditation nimmt ihren Ausgangspunkt beim Denken. Dieses geht auch wach wahrnehmend mit, wenn es um Körpermeditationen, Sinnesschulung und Wortmeditationen geht.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Immer spielt das Denken eine zentrale Rolle, wenn es um die Erfassung der Welten geht, in die der Mensch eingebunden ist:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;&#039;naturwissenschaftlichen Methoden&#039;&#039;&#039; beruhen auf einer Erforschung der &#039;&#039;„sinnenfällig gegebenen Welt“,[3]&#039;&#039; die mithilfe des Denkens analysiert wird, um die zugrunde liegenden Gesetzmäßigkeiten zu finden.&lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;&#039;geisteswissenschaftliche Methode&#039;&#039;&#039; im Sinne Steiners stützt sich auf das Denken, das zum Anschauungsorgan für Geistiges weiterentwickelt werden kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein gemäß der anthroposophischen Erkenntnisschulung &#039;&#039;„erkraftetes Denken“[4]&#039;&#039; wird methodisch bereits  in Kapitel I beschrieben und liegt allen weiteren Ausführungen des Buches zugrunde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Verbindende zwischen Natur- und Geisteswissenschaft kann nicht im Bereich des sinnlich Wahrnehmbaren liegen. Es kann nur im Denken selber gefunden werden, da dies in beiden Bereichen gleichermaßen führend ist, wenn etwas verstanden werden soll. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Stärkung des sinnlichkeitsfreien Denkvermögens&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Auch für die anderen Grundschriften Rudolf Steiners gilt, dass ihre Lektüre das sinnlichkeitsfreie Denkvermögen stärkt. Doch ist dies bei dem Grundlagenwerk der Anthroposophischen Medizin[5] in besonderem Maße der Fall. Denn es ist so abgefasst, dass man ohne eigene echte Gedankenanstrengung kaum Gewinn davon hat bzw. das Werk als unzugänglich empfinden muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von daher auch in Kapitel I der Hinweis auf die beiden Schulungsbücher &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“[6]&#039;&#039; und &#039;&#039;„Die Geheimwissenschaft im Umriss“[7]&#039;&#039; sowie auf ergänzende Schriften und Vorträge, in denen die Übungen beschrieben sind zur Weiterentwicklung der Tätigkeiten des Denkens, Fühlens und Wollens. Damit ist klargestellt, dass Medizin nicht nur bedeutet, viel über den Menschen zu wissen, sondern auch, die geistigen Quellen zu kennen, denen der Mensch sein Dasein und seine Entwicklungskompetenz verdankt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Kritikern der Anthroposophie wird mit Bezug auf die meditative Selbstschulung gerne der Einwand erhoben, dass keiner der Schüler Steiners bisher die von ihm beschriebenen höheren und höchsten Einweihungsgrade erreicht habe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Meisterschaft durch Übung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wer jedoch den von Steiner empfohlenen Weg zur höheren Erkenntnis beschreitet, kann bei sachgemäßer Befolgung schon der allerersten Übungsanweisung: &#039;&#039;„Schaffe dir Augenblicke innerer Ruhe und lerne in diesen Augenblicken das Wesentliche von dem Unwesentlichen unterscheiden“,[8]&#039;&#039; an sich selbst erleben, wie stark die Wirkung einer solchen Übung ist, wenn man sie durchführt und beginnt, mit ihr zu leben. Dadurch hat man bereits eine Erfahrung gemacht, die Vertrauen stiftet, auch anderes zu versuchen oder auch Forschungsergebnisse Steiners zumindest hypothetisch für möglich zu halten und Leben und Erfahrung im Lichte einer solchen hypothetischen Annahme zu reflektieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das kann z.B. auch Medizinstudenten motivieren, den einen oder anderen Hinweis aus der anthroposophischen Geistesforschung zum Ausgangspunkt einer Doktorarbeit bzw. späteren Habilitation zu machen – was Steiner in seinen Kursen mehrfach vorgeschlagen hat und was auch wiederholt geschehen ist.[9]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[10]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Meditative Betrachtungen und Anleitungen zur Vertiefung der Heilkunst&#039;&#039;, Vorträge für Ärzte und Medizinstudierende, GA 316.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wahrheit und Wissenschaft, 11. Kapitel,&#039;&#039; GA 3.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Vorstufen zum Mysterium von Golgatha,&#039;&#039; GA 152, Seite 51–53.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Siehe FN 1.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?, GA 10.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Geheimwissenschaft im Umriss, GA 13.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Sie FN 4, 1. Kapitel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://medsektion-goetheanum.org/forschung/publications&amp;lt;/nowiki&amp;gt;; [6.1.2025].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Offenborn</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Anthroposophische_Menschenkunde&amp;diff=1235</id>
		<title>Anthroposophische Menschenkunde</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Anthroposophische_Menschenkunde&amp;diff=1235"/>
		<updated>2026-01-06T14:52:16Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Offenborn: /* GEIST, SEELE UND LEIB UND WESENSGLIEDER */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= Anthroposophische Menschenkunde – von Michaela Glöckler =&lt;br /&gt;
Auszüge aus Büchern und Vorträgen von [[Michaela Glöckler]]; Erstveröffentlichung auf https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE FÜNF EBENEN DES ANTHROPOSOPHISCHEN MENSCHENBILDES ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sind die fünf Ebenen des anthroposophischen Menschenbildes?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern sind sie jeweils Ausdruck des menschlichen Seins?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann man sie positiv und negativ beeinflussen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Erkenntnis vom Menschen als Grundlage&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Zentrales Anliegen der An­throposophischen Medizin ist die Erkenntnis vom Menschen als Grundlage aller medizinisch-therapeutischen Interventionen. „Anthropos“ heißt auf Griechisch der Mensch, „sophia“ heißt Wissen, Kunde, Weisheit, Erkenntnis. Das Menschenbild aus der Anthroposophie ist demnach gekennzeichnet von einem weisheitsvollen Blick auf den Menschen, der dessen Vielschichtigkeit Rechnung trägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So werden auch die Ursachen für Krankheiten unterschiedlichen Schichten oder Ebenen des Menschen zugeordnet: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Manche sind durch unzureichende Pflege und schlechte Behandlung des physischen Leibes verursacht.&lt;br /&gt;
* Andere sind der Nichtbeachtung der Lebensrhythmen geschuldet.&lt;br /&gt;
* Wieder andere haben mit belastenden Beziehungen zu tun.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die fünf Ebenen des Menschseins&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Diese unterschiedlichen Daseinsebenen, auf denen wir agieren, jeweils anamnestisch zu er­fragen, gehört zum Grundkonzept der anthroposophischen Medizin. Der Arzt versucht mit Hilfe des Patienten zu ergründen, auf welchen der menschlichen Seins-Ebenen ständige Selbst- bzw. Fremdkränkung vorliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Genetisch-physisch-körperliche Ebene ====&lt;br /&gt;
Diese Ebene umfasst die Genetik, die Umwelt sowie die Epigenetik. Steiner hat seinerzeit bereits von den Phänomenen der Epigenetik gesprochen, obwohl es das Wort noch gar nicht gab. Er betonte dabei, dass das Erbgut wandelbar sei, dass es keine fixe Größe darstelle – und sah auch voraus, dass man das noch herausfinden werde. Das konnte sich zu seiner Zeit, in der man dem genetischen Determinismus huldigte, niemand vorstellen. Er nannte drei Faktoren, die das Erbgut beeinflussen und verändern: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Immunstimulierung durch Fieber =====&lt;br /&gt;
Wir wissen heute aus der Immunologie, dass die Immunparameter durch Fieber stimuliert werden, dass bestimmte Genbezirke, die vor einem Fieberschub noch geblockt waren, nach dem Fieberschub reagieren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Organbildung durch Sinneseindrücke =====&lt;br /&gt;
Zur physischen Ebene gehören auch die Sinne mit den dazugehörigen Sinnesorganen, deren Bedeutung Steiner in der sogenannten Sinneslehre umfassend beschreibt. Er unterscheidet zwölf Sinnesbezirke, die wiederum in geistig, seelisch und leiblich orientierte Sinne unterteilt werden. Sie seien hier nur kurz erwähnt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====== &#039;&#039;Geistig orientierte Sinne:&#039;&#039; ======&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Man kann das Ich eines anderen als Kraftgefüge wahrnehmen über den Ich-Sinn, &lt;br /&gt;
* Gedanken über den Gedanken- oder Begriffssinn,&lt;br /&gt;
* Worte über den Wort- oder Lautsinn.&lt;br /&gt;
* und verfügen über einen Wärmesinn,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====== &#039;&#039;Seelisch orientierte Sinne:&#039;&#039; ======&lt;br /&gt;
Wir können hören, sehen, riechen, schmecken&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====== &#039;&#039;Leiblich orientierte Sinne:&#039;&#039; ======&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wir verfügen über einen Gleichgewichtssinn, &lt;br /&gt;
* einen (Eigen)bewegungssinn,&lt;br /&gt;
* einen Lebenssinn&lt;br /&gt;
* und einen Tastsinn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Sinne sind entscheidend an Aufbau und Funktion des menschlichen Körpers beteiligt. Denn über die kindliche Nachahmung wirkt das sinnlich Wahrgenommene bis in die Organbildung hinein. Steiner wusste damals noch nichts von den Spiegelneuronen, beschrieb sie aber in ihrer Funktion, indem er sagte, das Kind ahme alles nach und jede Nachahmung stelle eine physiologische Tätigkeit dar, durch die sich die Konstitution des Kindes ändere. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Individualität als Entscheidungsinstanz =====&lt;br /&gt;
Steiner war zudem fest davon überzeugt – und das wird heute von der Beziehungs- und Bindungsforschung bestätigt – dass die Individualität des Kindes selbst das Erbgut so „komponiert“, wie es für das Leben und die Entwicklung dieses Menschen stimmig ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 2000 wurde das sogenannte &#039;&#039;„Human genom project“&#039;&#039; veröffentlicht, eine 10jährige Arbeit zur Entschlüsselung des menschlichen Genoms. Von der Zeitschrift &#039;&#039;„nature“&#039;&#039; gab es einen Sonderband dazu, der die Richtigkeit von Steiners Annahmen aus schulmedizinischer Sicht bestätigte. Dort wurde im Editorial gesagt, dass das Erbgut viel simpler aufgebaut und viel weniger spezifisch sei, als man bisher dachte. Die große Enttäuschung sei jedoch, dass man das Entscheidende nicht gefunden habe: das Regulator-Gen, das für die Gesamtgestalt und für die Form der einzelnen Organe zuständig ist. Dort hieß es so schön: &#039;&#039;„Die Gene funktionieren wie ein gutes Orchester, nur kennen wir den Dirigenten nicht.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner sagte seinerzeit, die Individualität des Kindes wäre dieser Dirigent. Das wurde auch von der Resilienz- und Salutogenese-Forschung bestätigt: Unabhängig von Erbgut und Milieu hängt es letztlich immer von dem jeweiligen Menschen ab, ob ein ungünstiges Milieu ihm zum Schaden gereicht und er eine frühkindliche Störung entwickelt oder ob er dadurch stärker wird. Alles hängt von seiner mitgebrachten individuellen Kompetenz ab und davon, ob diese im Umfeld auf eine entsprechende Resonanz trifft. Man hat herausgefunden, dass nicht das Milieu oder die Gene die wichtigsten Schutzfaktoren gegen kränkende Einflüsse sind – und damit entscheidend für eine gesunde menschliche Entwicklung –, sondern die tragende Beziehung, die ein Kind zu mindestens einem Menschen aufbauen kann. Eine solcherart schützende Beziehung wird von Ehrlichkeit, liebevollem Interesse und Respekt vor der Integrität, der Autonomie und den Grenzen des anderen geprägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ätherisch-zeitliche Ebene ====&lt;br /&gt;
Die ätherische Ebene betrifft die Zeit und die Prozesse, die in der Zeit ablaufen. Es ist nicht egal, wann man etwas macht – es muss alles zu seiner Zeit geschehen. Man spricht in dem Zusammenhang auch von Entwicklungsfenstern. Hierher gehört der Begriff der altersentsprechenden Erziehung sowie die Berücksichtigung von Rhythmen wie gesunde Essens- und Schlafenszeiten. All das wird zusammengefasst unter dem Begriff Biorhythmik. Dieses Gebiet wird in der Waldorfpädagogik sehr ernst genommen: Welche Unterrichtsstunden worauf folgen, aber auch das Thema des altersentsprechenden Lehrplans gehören hierher – nicht vom Inhalt her gesehen, den er vermitteln soll, sondern im Sinne einer Lehrplan-Physiologie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Für welche körperlich-seelische Erfahrungswelt ist ein Kind mit 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10 Jahren empfänglich?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wann sollte was unterrichtet werden, damit das Kind altersentsprechend körperlich geschickt und seelisch geweckt wird und in ihm seinem Alter gemäße Fragen wachgerufen werden als „Nahrung“, die es in einem bestimmten Lebensalter braucht?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein komplexes Gebiet, weshalb es auch den Schularzt braucht, der Lehrer und Eltern im Bereich der primären Prävention dahingehend berät, wie sie die Erziehungsprozesse durch gesundende Zeitabläufe begleiten und unterstützen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Lebensrhythmen des Menschen&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner stellte einen Bezug zwischen den heute bekannten Rhythmen und dem Menschen her:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Das &#039;&#039;Ich&#039;&#039; lebt im &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;24-Stunden-Rhythmus&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;Seele&#039;&#039; im &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Wochenrhythmus&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;: Um etwas seelisch zu verarbeiten, braucht man mindestens eine Woche – das bekommt man nicht an einem Tag hin.&lt;br /&gt;
* Die Lebensorganisation wird auch &#039;&#039;Ätherleib&#039;&#039; genannt und folgt dem &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;4-Wochen-Rhythmus&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;, d.h., wenn man eine schlechte Gewohnheit ablegen und stattdessen eine gute verankern will, braucht man dafür vier Wochen. Gute Gewohnheiten haben einen stabilisierenden Einfluss auf den Ätherleib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begriff „Ätherleib“ ist ein von Steiner benützter Terminus, der auf das blaue Himmelslicht zurückgeht. Er sagt, alles Leben auf der Erde, wie z.B. die Chlorophyll-Assimilation von Licht, findet unter Einfluss des durchsonnten blauen Himmels der Atmosphäre statt. Sie ist die direkte Energiequelle des gesamten Lebens. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Seelisch-astrale Ebene ====&lt;br /&gt;
Die wesentlichen Beziehungs- bzw. seelischen Faktoren sind Ehrlichkeit, liebevolles Interesse, Respekt vor der Autonomie. Entscheidend ist dabei jeweils, dass man diese Qualitäten zu fühlen imstande ist. Denn die Seele umfasst primär die Gefühlsebene. Was man nicht fühlt, ist für den Betreffenden nicht real. Interesse wird erst zu Liebe, wenn man den anderen meint und nicht insgeheim etwas für sich selbst haben möchte. Das gilt auch für den Respekt vor der Freiheit, der Autonomie des anderen. Wer sich freilassend geliebt und verstanden, aber auch ehrlich behandelt fühlt, kann mit Goethe sagen: &#039;&#039;„Ich fühlte mich in Deinen Augen gut.“&#039;&#039;  Das schrieb er seiner Geliebten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die uns anvertrauten Kinder und Patienten sollten sich in unseren Augen gut fühlen und nicht mit distanziertem, gleichgültigem Blick von oben herab angeschaut werden. Es gibt so viel Zweifel, Spott, Zynismus, aber auch so viele Ängste, die eine gesunde Beziehung verstellen und das Gefühlsleben korrumpieren können. Das wieder freizulegen, ist ein wichtiger Teil unserer Arbeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Individuelle Ich-Ebene ====&lt;br /&gt;
Das Ich ist das entscheidende Zentrum dieses Menschenbildes. Wir benennen mit „ich“, was wir uns selber zusprechen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ein Kind erkennt schon mit &#039;&#039;&#039;drei Jahren&#039;&#039;&#039;: Ich bin. &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Ein Neunjähriges&#039;&#039;&#039; fühlt zum ersten Mal die Einsamkeit des Ich-Seins, fühlt sich plötzlich nicht mehr selbstverständlich zur Familie gehörig: Es fühlt zum ersten Mal das Alleinsein, das Ausgesetztsein, die Verwundbarkeit als Ich.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Mit 16&#039;&#039;&#039; fühlt man erstmals die Verantwortung für das eigene Ich, für das, was man denkt, was man will. Man sagt nicht mehr alles frei heraus, sondern prüft, ob etwas stimmt. Man fühlt sich jetzt für sich und das, was man tut, verantwortlich.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Zwischen 20 und 23&#039;&#039;&#039; – das sind statistische Mittelwerte – beginnt man ernsthaft die eigene Existenz, das eigene Ich selbst zu hinterfragen: Wozu all das? Will ich das überhaupt und wenn ja, warum? Sie suchen nach ihrer wahren Identität und wollen sie in allem selbst bestimmen: spirituell, seelisch, wertemäßig, beziehungsmäßig. Wer diese Themen für sich durcharbeitet, kann dann auch formulieren, was er unter diesem Ich versteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Wahrhaft Mensch werden&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Aus Sicht der Anthroposophie sind wir Menschen dazu aufgerufen immer menschlicher zu werden, uns als „Werdewesen“ zu begreifen. Der Mensch unterscheidet sich wesentlich von Mineralien, Tieren und Pflanzen, von allem, was die Natur bietet, durch ein Merkmal: durch seine Unvollkommenheit. In der Natur ist alles vollkommen, keines der uns umgebenden Naturwesen könnte schöner oder perfekter sein – es sei denn, es ist umweltbedingt geschädigt. In vielen Hochreligionen wurden Tiere aufgrund ihrer Vollkommenheit als Götter verehrt. Der Mensch empfindet sich dagegen unvollkommen: Kein Mensch würde von sich sagen, er wäre vollumfänglich Mensch. Jeder ist sich bewusst, dass er noch menschlicher sein könnte und sollte. Deshalb ist das Credo der Anthroposophie: Wahrhaft Mensch werden zu wollen: Zu lernen, die eigenen Werte zu bestimmen und daraus das eigene Leben menschenwürdig zu gestalten; und so auf die eigene Umwelt zurückzuwirken, dass Leben unterstützt und nicht gekränkt und bedroht wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Spirituelle Ebene – Quinta Essentia ====&lt;br /&gt;
Paracelsuns nannte diese fünfte Ebene die „Quinta Essentia“. Diese Ebene ist zentral für das anthroposophische Menschenbild: Unser Denken, Fühlen und Wollen sind nicht körperlicher Natur und auf den Körper beschränkt, sondern können von jedem, der sich nur ein wenig auf sich selbst besinnt, als außerkörperliche Kompetenzen erlebt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder erleben ihr Metabewusstsein oder Metagedächtnis zum ersten Mal mit 9 Jahren. Das hängt mit dem genannten Gefühlserlebnis zusammen. Sie sehen sich plötzlich wie von außen und fühlen sich ihrer Familie und ihrem Freundeskreis nicht mehr selbstverständlich zugehörig. Sie fragen plötzlich, warum sie in diesen Zusammenhängen leben. Natürlich reflektieren die Neunjährigen das noch nicht. Aber die 23-Jährigen tun es, sie stellen sich total infrage – und das kann man nur, wenn man sich als „außer sich“, also wie von außen, erleben kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist Rudolf Steiners ganz großer Verdienst, das Denken, Fühlen und Wollen als außerkörperliche Kompetenzen entdeckt zu haben: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* dass das Gehirn unsere Gedanken, Gefühle und Absichten nicht hervorbringt, sondern nur spiegelt,&lt;br /&gt;
* dass der Mensch eine gedankliche, gefühlsmäßige, intentionale Aura hat, einen mehr oder weniger „heiligen Schein“ von Gedanken, Gefühlen und Bestrebungen, die tatsächlich außerkörperlich sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darauf möchte ich im Folgenden genauer eingehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Drei Entwicklungsgesten und Denken, Fühlen und Wollen&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Aus der Embryologie kennen wir drei unterschiedliche evolutive Dynamiken:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# die &#039;&#039;&#039;Proliferation&#039;&#039;&#039;, das reine Wachstum,&lt;br /&gt;
# die &#039;&#039;&#039;Differenzierung&#039;&#039;&#039;, z.B. das Einsprossen der Nerven oder die Differenzierung in männlich und weiblich,&lt;br /&gt;
# die &#039;&#039;&#039;Integration&#039;&#039;&#039; aller Teile zu einem Gesamtbild. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie haben wesentlich mit dem Denken, Fühlen und Wollen zu tun. Steiner sagt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gedanken&#039;&#039;&#039; seien umgewandelte, leibfrei gewordene Wachstums- und Regenerationskräfte des Körpers (&#039;&#039;Proliferation&#039;&#039;), die dort nicht mehr gebraucht werden. Diese außerkörperliche Gedankenkompetenz ermögliche das geistige Wachstum des Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &#039;&#039;&#039;außerkörperliche Gefühlsvermögen&#039;&#039;&#039; bilde sich aus leibfrei gewordenen, umgewandelten &#039;&#039;Differenzierungskräften&#039;&#039;, die den Körper bis zur Pubertät durchgestaltet haben und nun im Fühlen Polarisierung – Sympathie, Antipathie, Harmonie, Disharmonie, das gesamte Spiel der Gefühle – ermöglichen. Es ist die Grundlage unserer Empathie-Fähigkeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entsprechendes gelte für die &#039;&#039;&#039;Ich-Kompetenz des freien Wollens&#039;&#039;&#039;, das als leibfrei gewordene &#039;&#039;Integrationskraft&#039;&#039; die Voraussetzung und Basis für Selbstbestimmung ist. Diese Willenskompetenz lässt uns die eigene Entwicklung im Sinne einer Übereinstimmung von Denken, Fühlen und Handeln selbst in die Hand nehmen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses real geistig-körperliche Konzept der Doppelnatur des Menschen bildet die Basis des anthroposophischen Menschenbildes. Diese Doppelnatur wird in dem schönen Gedicht von Juan Ramon Jimenez treffend beschrieben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich bin nicht ich.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich bin der, der an meiner Seite geht,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;ohne dass ich ihn erblicke,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;der sanftmütig schweigt, wenn ich rede,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;den ich oft suche,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;den ich oft vergesse,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;der verzeiht, wenn ich hasse,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;der umherschweift, wo ich nicht bin,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;der aufrecht bleibt, wenn ich sterbe.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====== &#039;&#039;Inkarnation…&#039;&#039; ======&lt;br /&gt;
Als Geste ausgedrückt: Wir Menschen kommen aus einer geistigen Welt. Leben, Seele und Geist verbinden sich bei der Zeugung mit einem physischen Keim und bauen ihn im Zuge der Embryonalentwicklung auf. Nach der Geburt müssen wir uns im Zuge der Inkarnation mit Erbgut und Milieu auseinandersetzen. Im Laufe des Wachsens und Reifens treten die nicht mehr benötigten Wachstumskräfte heraus aus dem Leib und werden zu Gedanken-, Gefühls- und Willenskräften, wodurch man lernen kann, sich geistig selbst zu finden und selbst zu bestimmen. Wir entwickeln ein individuelles Denken, Fühlen und Wollen – individuell deshalb, weil diese Kompetenz den Lebenskräften unseres eigenen Körpers entstammt. Je älter wir werden, desto mehr Kräfte verlassen den Körper.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====== &#039;&#039;… und Exkarnation&#039;&#039; ======&lt;br /&gt;
Wenn wir sterben, wird auch der letzte Rest an Lebenskräften leibfrei: Das spirituelle Kraftgefüge, das den Körper lebenslang unterhalten und zusammengehalten hat, tritt heraus und macht in der geistigen Welt eine Metamorphose durch, verwandelt seinen Seins-Zustand und geht als außerkörperliches Leben, Seele und Geist in die geistige Welt ein, während der Körper ziemlich rasch zerfällt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da wir nie in einem Erdenleben ganz Mensch werden können, geht dieser Prozess selbstverständlich weiter durch wiederholte Erdenleben – aber mit dem klaren Ziel, immer menschlicher zu werden, immer autonomer, immer ich-hafter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Bernd Rosslenbroich&#039;&#039; hat in seinem wunderbaren Buch[1] nachgewiesen, dass die gesamte Evolution Autonomie fördert, die im Menschen gipfelt, der unausgesetzt an seiner Befreiung arbeitet. Angesichts der vielen Krisen und Kriege spüren wir deutlich, wie unfrei der Mensch noch ist, wie viel Befreiungsarbeit noch vor uns liegt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag „Das anthroposophische Menschenbild“, 2014&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Bernd Rosslenbroich, &#039;&#039;On the Origin of Autonomy&#039;&#039;, &#039;&#039;A New Look at the Major Transitions in Evolution&#039;&#039;, Heidelberg, New York, Springer 2014.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE MENSCHLICHE KONSTITUTION ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was unterscheidet den Menschen wesentlich von der Pflanzen- und Tierwelt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist der tiefere Grund für die defizitäre Ausgestaltung des Menschen im Vergleich mit Pflanze und Tier?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielt dabei die Ich-Organisation?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Der Mensch aus Sicht von Kapitel V&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Nach der Betrachtung des pflanzlichen und des tierischen Organismus wird im fünften Kapitel von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039;die menschliche Konstitution näher ins Auge gefasst. Dabei lassen sich drei Hauptabschnitte unterscheiden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die beiden ersten Absätze&#039;&#039;&#039; sind dem Vergleich der menschlichen und tierischen Gestaltbildung gewidmet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Absätze 3–9&#039;&#039;&#039;, insbesondere aber Absatz 5, beschreiben diese Gestaltbildung etwas genauer im Hinblick auf den darin zum Ausdruck kommenden dreifachen Substanzstrom.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Absätze 10–13&#039;&#039;&#039; beziehen sich auf das unterschiedliche Verhalten der astralischen und Ich-Organisation im schlafenden und wachen Zustand, einschließlich der unterschiedlichen Rollen, die der Sauerstoff in diesen beiden Lebenszuständen spielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ich-Organisation behindert natürliche Vervollkommnung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dabei wird das für die Ich-Organisation charakteristische Merkmal zum zentralen Thema: dass die Ich-Organisation die Substanz- und Formkräfte im physischen, ätherischen und astralischen Bereich an der vollen Ausgestaltung der menschlichen Konstitution hindert. Die Tatsache dieser daraus resultierenden Unfertigkeit auf physischer, ätherischer und astraler Ebene unterscheidet den Menschen von Pflanzen und Tieren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn diese erscheinen vollkommen ausgestaltet – jedes nach seiner Art. Dieser fundamentale Unterschied zwischen Mensch und Tier fiel bereits Platon auf. Er erkannte, dass der Mensch sich von den anderen Naturwesen dadurch unterscheidet, dass er defizitär, also unvollkommen ist.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Determinationsdefizit als Garant für Freiheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der Renaissance wurde diese Einsicht nicht nur aufgegriffen, sondern geradezu zum Hauptmerkmal erhoben, das den Menschen vom Tier unterscheidet. Denn man erkannte in dem konstitutionseigenen Determinationsdefizit der menschlichen Natur auch dessen Vorteil, das spezifisch menschliche Privileg: die Befähigung zur Selbstdetermination, zur Freiheit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Giovanni Pico della Mirandola ====&lt;br /&gt;
So hat &#039;&#039;Giovanni Pico della Mirandola (1463–1494)&#039;&#039; in seinem berühmten Traktat &#039;&#039;„De hominis dignitate“ („Über die Würde des Menschen“)&#039;&#039; diesem Umstand ebenfalls positive Bedeutung zugemessen und sie nicht im Lichte der traditionellen christlich-biblischen Deutung als ‚Sünden-Fall‘ dargestellt. Pico lässt Gottvater als ‚obersten Künstler‘ sagen: &#039;&#039;„Weder haben wir dich himmlisch, noch irdisch, weder sterblich, noch unsterblich geschaffen, damit du wie dein eigener, in Ehre frei entscheidender schöpferischer Bildhauer dich selbst zu der Gestalt ausformst, die du bevorzugst. Du kannst zum Niedrigeren, zum Tierischen entarten; du kannst aber auch zum Höheren, zum Göttlichen wiedergeboren werden, wenn deine Seele es so beschließt.“[3]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Gotthold Ephraim Lessing ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gotthold Ephraim Lessing (1729–1781)&#039;&#039; schreibt am Ende seiner Ausführungen über &#039;&#039;„Das Christentum der Vernunft“ (1753):&#039;&#039; &#039;&#039;„Da in der Reihe der Wesen unmöglich ein Sprung stattfinden kann, so müssen auch solche Wesen existieren, welche sich ihrer Vollkommenheiten nicht deutlich genug bewusst sind.“[4]&#039;&#039; In Lessings theologischer Grundüberzeugung ist Gott nicht nur der Inbegriff der allumfassenden Vollkommenheit, sondern er hat auch Bewusstsein davon. Wenn er nun Wesen zulässt – wie die Menschen es sind – die kein deutliches Bewusstsein ihrer Vollkommenheit haben, so sind diese Wesen offenbar noch im Prozess ihrer – Gott gewollten – Schöpfung bzw. Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Einsicht inspirierte Lessing dann auch zu seinen bekannten Ausführungen über &#039;&#039;„Die Erziehung des Menschengeschlechts“&#039;&#039;, wo es heißt: &#039;&#039;„Eben die Bahn, auf welcher das Geschlecht zu seiner Vollkommenheit gelangt, muss jeder einzelne Mensch (der eine früher, der andere später) erst durchlaufen haben. – [...] In einem und demselben Leben durchlaufen haben? Kann er in eben demselben Leben ein sinnlicher Jude und ein geistiger Christ gewesen sein? Kann er in eben demselben Leben beide überholet haben?“[5]&#039;&#039; Zum Schluss gipfelt diese Betrachtung dann in dem Bekenntnis zum Gedanken der Wiederverkörperung, dem er die Einsicht in seine eigene Entwicklungsbedürftigkeit und seine Sehnsucht nach Höherentwicklung verdankt: &#039;&#039;„Warum sollte ich nicht so oft wiederkommen, als ich neue Kenntnisse, neue Fertigkeiten zu erlangen geschickt bin? Bringe ich auf einmal so viel weg, dass es der Mühe wiederzukommen etwa nicht lohnet? [...] Ist nicht die ganze Ewigkeit mein?“[6]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Novalis ====&lt;br /&gt;
Auch in der Philosophie des deutschen Idealismus und der Frühromantik, spielt der Tatbestand der Entwicklungsbedürftigkeit des Menschen aufgrund des Defizit-Erlebens eine entscheidende Rolle. So lässt &#039;&#039;Novalis (1772–1801)&#039;&#039; im zweiten Teil seines &#039;&#039;„Heinrich von Ofterdingen“&#039;&#039; den Arzt Sylvester seinem Besucher Heinrich, der nach den Ursachen von allen Schrecken, Schmerzen, aller Not und allem Übel im Weltall fragt und wann man dessen nicht mehr bedürfe, die Antwort geben: &#039;&#039;„Wenn es nur Eine Kraft gibt – die Kraft des Gewissens – Wenn die Natur züchtig und sittlich geworden ist. Es gibt nur Eine Ursache des Übels – die allgemeine Schwäche, und diese Schwäche ist nichts als geringe sittliche Empfänglichkeit und Mangel an Reiz der Freiheit.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Heinrich: Macht mir doch die Natur des Gewissens begreiflich.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Sylvester: Wenn ich das könnte, so wär ich Gott, denn indem man das Gewissen begreift, entsteht es.“[7]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verzicht auf naturgegebene Vollkommenheit zugunsten von Menschlichkeit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die physiologisch bedingte Unvollkommenheit des Menschen und der damit verbundene seelisch-geistige, d. h. charakterliche Entwicklungs-Bedarf wird in Kapitel V darauf zurückgeführt, dass die menschliche Konstitution von Natur aus auf keiner Ebene ihrer Manifestation perfekt ausgestaltet ist. Die Gestaltungskräfte werden durch den Einfluss der Ich-Organisation zurückgedrängt, &#039;&#039;„im Flusse erhalten“&#039;&#039; und, wo nötig, überwunden&#039;&#039;.[8]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Man kann dies einerseits als &#039;&#039;&#039;generellen Verzicht auf Spezialisierung&#039;&#039;&#039; ansehen und an Goethe denken, der der Ansicht war, dass das Tier durch seine Organe belehrt würde, indem sie sozusagen instinktsicher ‚alles richtig machen‘, der Mensch aber seine Organe belehren müsse.[9]&lt;br /&gt;
* Man kann es aber auch als einen &#039;&#039;&#039;Akt aktiven, willentlichen Zurückdrängens&#039;&#039;&#039; der mineralischen, pflanzlichen und tierischen Natur ansehen, um die eigene Menschlichkeit entwickeln zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seiner Studie &#039;&#039;„Die Evolution des Menschen in Hinblick auf seine lange Jugendzeit“[10]&#039;&#039; hat &#039;&#039;Friedrich Alexander Kipp (1908–1997)&#039;&#039; diesen Tatbestand eindrucksvoll belegt. &#039;&#039;Wolfgang Schad (1935–2022)&#039;&#039; hat der Evolution von Tier und Mensch von der fossilen Frühgeschichte bis in die Gegenwart sein Lebenswerk gewidmet.[11] Sein Schüler und Nachfolger als Direktor des Instituts für Evolutionsbiologie der UW/H, &#039;&#039;Bernd Rosslenbroich&#039;&#039;, hat diese Forschungen in seiner Habilitationsschrift über die &#039;&#039;„Entwicklung der Autonomie im Kontext der Evolution der Arten bis hin zum Menschen“&#039;&#039; zusammengefasst.[12]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser inzwischen auch naturwissenschaftlich gut belegte Tatbestand kann deutlich machen, dass letztlich keinem Menschen die Entwicklungsarbeit an der eigenen ‚Menschwerdung‘ abgenommen werden kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[13]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Als Beispiel hierfür sei der Dialog Protagoras genannt. Siehe Platon (2016), 645–663.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Della Mirandola (2022), 14.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Lessing (1998), 27&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Lessing (2001), 98.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Ebd., 99.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Novalis (2013), 273.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Vgl. FN 1, S. 28.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] &#039;&#039;„Das Thier wird durch seine Organe belehrt; der Mensch belehrt die seinigen und beherrscht sie.“&#039;&#039; WA II, 42, 258.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Kipp (1980).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Schad (2012). Während sich der Schimpansenkopf kurz nach der Geburt in Aufbau und Vertikalität kaum von dem eines Menschenkindes unterscheidet, so ist dies im Laufe der kommenden Wochen und Monate zunehmend der Fall. Der Gesichtsschädel rückt nach vorne, die Stirne flacht sich nach hinten ab und die adulte Form hat das Menschenähnliche weitgehend verloren. Entsprechend ist es mit Armen, Händen, Beinen und Füßen. Auch sie sehen zunächst in der frühen Embryonalentwicklung menschenähnlich aus und weisen die gegliederte Zehen- und Fingerbildung auf. Besonders berührend ist dies im Verlauf der Entwicklung des Vogelflügels. Hier differenziert sich aus der zunächst fünffingerigen ›Hand‹ am Ende des Arms sukzessive das verkrüppelte ‚Fingerskelett‘ heraus, das sich zwar zur perfekten Navigation der Flügel eignet – aber eben nur dafür. Die Hand des Menschen bleibt hingegen lebenslang im Verzichtsmodus auf jede Form der Spezialisierung. Sie steht nicht im Dienst einer durch die Natur gegebenen Steuerung, sondern braucht die Impulsgebung zum ‚Handeln durch bewusstes Denken und Fühlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Vgl. Rosslenbroich (2007) und Kümmell (2020).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== GEIST, SEELE, LEIB UND WESENSGLIEDER ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wirken die vier Wesensglieder im Kontext der menschlichen Dreigliederung von Körper, Seele und Geist?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wo betätigen sie sich leibgebunden, wo leibfrei?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche entscheidende Rolle hat dabei die Ich-Organisation inne?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Dreigliederung und Zusammenwirken der vier Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Ausführungen zur Dreigliedrigkeit der Organbildungen und des Nervensystems in Kapitel VI von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; erfahren eine aufschlussreiche Präzisierung durch eine Darstellung zu Beginn des &#039;&#039;„Ärztekurses“&#039;&#039; von 1921.[2] Sie sei hier angeführt, um die äußerst knapp gefassten Aussagen dazu in den Kapiteln V und VI verständlicher zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dort wird die von Rudolf Steiner schon 1917 entwickelte Dreigliederung in &#039;&#039;„Von Seelenrätseln“[3]&#039;&#039; daraufhin angeschaut, wie die vier Wesensglieder im Nerven-Sinnes-System, der rhythmischen Funktionsordnung von Kreislauf und Atmung sowie im Stoffwechsel-Gliedmaßen-System jeweils unterschiedlich zusammenarbeiten. Daraus ergibt sich auch der anthroposophisch-anthropologische Ansatz zum Verständnis von ‚Leib‘, ‚Seele‘ und ‚Geist‘:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Geist – rein leibfreie Tätigkeit von Denken, Fühlen und Wollen ====&lt;br /&gt;
Von Geist kann gesprochen werden, wenn man die leibfreie, rein geistige – nicht verkörperte – Tätigkeit von Denken (Ätherleib), Fühlen (Astralleib) und Wollen (Ich-Organisation) im Auge hat. Diese konstitutionelle Gegebenheit findet sich nur im Bereich des im Kopf zentrierten Nerven-Sinnes-Systems. Geist, so gesehen, bedeutet präzise: außerhalb des Leibes sein, d.h. rein geistig tätig. Die drei – gestützt auf das Nerven-Sinnes-System – außerkörperlich wirksamen Wesensglieder, Ätherleib, Astralleib und Ich-Organisation, sind so gesehen in ihrem Zusammenwirken ‚der Geist des Menschen‘.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Seele – Selbstwahrnehmung und Empathie, mal leibgebunden, mal leibfrei ====&lt;br /&gt;
Seele im engeren Sinn ist das Zusammenspiel des träumenden Gefühlslebens mit dem schlafbewussten Willensleben, wie es sich im rhythmischen System darlebt. Hier wirkt Ich-Organisation wie im Nerven-Sinnes-Bereich als Willensvermögen leibfrei von außen, der Astralleib hingegen verbindet sich rhythmisch durch die Ausatmung stärker mit der Ich-Organisation und bei der Einatmung mehr mit der schlafenden physisch-ätherischen Konstitution, in der das Ätherische leiblich gebunden bleibt und der Denktätigkeit nicht zur Verfügung stehen kann. Dadurch bleibt bei jeder Gefühlsregung einerseits der subjektive Selbstbezug bzw. die Selbstwahrnehmung des Fühlenden erhalten. Andererseits ist dadurch aber auch eine selbstlose ‚spirituelle Empathie‘ möglich, da der leibfreie Anteil des Astralleibes in Form des Gefühlslebens in der Ausatmung an die leibfrei bleibende Ich-Organisation gebunden ist. Dadurch ist – je nach Intention des Ich – auch ein emotionales von sich Absehen-Können möglich, ein sich in die Situation eines anderen Menschen oder eines Vorgangs in der Umwelt wirklich Hereinversetzen-Könnens: Echte Empathie, selbstloses Mitfühlen mit dem Anderen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Leib – Ort der sich unbewusst vollziehenden Leibbildung ====&lt;br /&gt;
Leib hingegen ist der Ort, an dem im gesunden Zustand alle vier Wesensglieder an der Substanz tätig und damit vollständig ‚verleiblicht‘ und damit auch leibbildend und leiberhaltend wirken: im Stoffwechselsystem und seinem Zentralorgan, dem Blut als Träger des schlafenden Willenslebens. Was hier als willentliche Gestaltungskraft lebt, ist dem Wachbewusstsein entzogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ich-Organisation als lenkende Instanz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Bei den Gliedmaßen jedoch ist die Ich-Organisation im Gegensatz zum Stoffwechsel – wie in Kapitel II beschrieben – weniger stark verleiblicht, weswegen ‚freie‘, d.h. vom autonomen Denken ‚außen‘ gesteuerte Bewegungen möglich sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kennt man das anthroposophische Konzept der Ich-Organisation, die sowohl über die intentionale Sinneswahrnehmung bestimmt, als auch im Bereich von Denken, Fühlen und Wollen prominent die Bewusstseinsvorgänge lenkt, lässt sich die enorme Komplexität dieser vielfältigen Einflussfaktoren auf Wahrnehmen und Bewegen konkreter ordnen und praktisch handhaben. Es können sich darüber hinaus weiterführende ‚integrierende‘ und vor allem auch interdisziplinäre Forschungsansätze ergeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[4]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27, S. 34.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaftliche Gesichtspunkte zur Therapie&#039;&#039;, GA 313.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Von Seelenrätseln. Anthropologie und Anthroposophie,&#039;&#039; GA 21.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DENKEN, FÜHLEN UND WOLLEN UND LEIB, SEELE UND GEIST ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist der Unterschied zwischen der Dreigliederung und der Viergliederung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie hängen Leib, Seele und Geist mit Denken, Fühlen und Wollen zusammen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielen dabei die sogenannten Wesensglieder des Menschen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Scheinbarer Gegensatz von Dreigliederung und Viergliederung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Gegensatz zwischen dem &#039;&#039;Konzept von Geist, Seele und Leib&#039;&#039; – &#039;&#039;&#039;Dreigliederung&#039;&#039;&#039; – und dem &#039;&#039;Konzept der vier Wesensglieder (physischer, ätherischer, astraler und Ich-Organismus)&#039;&#039; – &#039;&#039;&#039;Viergliederung&#039;&#039;&#039; – ist nur ein scheinbarer. Es gibt zwei Stellen, in denen Rudolf Steiner den Zusammenhang von Dreigliederung und Viergliederung genauer erklärt. Einmal beleuchtet Steiner mehr den erzieherischen Prozess und im anderen Fall steht mehr der Heilprozess im Zentrum: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Zu den &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Lehrern&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; spricht er von dem prozessorientierten &#039;&#039;zeitlichen Aspekt&#039;&#039; der Wesensglieder, von den sogenannten Geburten in Jahrsiebten[1].&lt;br /&gt;
* Mit den &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Ärzten&#039;&#039;[2]&#039;&#039;&#039; bespricht er mehr den &#039;&#039;räumlichen Aspekt&#039;&#039; der Wesensglieder: wie die­se auf jeder Ebene des dreigliedrigen Menschen unter­schied­lich zusammen­ar­bei­ten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wesensgliederwirken in Geist, Leib und Seele&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im Grunde greifen wir zu kurz und zeichnen ein unscharfes Bild, wenn wir den Menschen platt materialistisch in Körper, Seele und Geist einteilen. Rudolf Steiner selbst sagt dazu: &#039;&#039;„Wer irgendwelche vorgefassten Meinungen oder gar Hypothesen mit diesen drei Worten verbindet, wird die folgenden Auseinandersetzungen notwendig missverstehen müssen.“&#039;&#039;&#039;[3]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Diese Dreigliederung macht nur Sinn, wenn man davon ausgeht, dass &#039;&#039;alle&#039;&#039; Kräfte, auch der physische Leib, geistiger Natur sind. Unter diesem Vorbehalt möchte ich sie in aller Kürze skizzieren und auch darauf eingehen, wie die Wesensglieder in welchem Bereich wirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. GEIST ====&lt;br /&gt;
Mit Geist wird die von der Materie ganz losgelöste Gesetzlichkeit bezeichnet, also diejenigen geistigen Kräfte, die im Zuge der Ausreifung des physischen Körpers wieder leibfrei geworden sind, die sich quasi wieder exkarniert haben. Dieser wieder leibfrei gewordene Geist hat dieselben Qualitäten wie die inkarnierten ätherischen, astralen und Ich-Organisations-Kräfte, durch die der Leib entstanden ist – mit nur einem Unterschied: Die im Körper wirkenden geistigen Kräfte arbeiten im Sinne der Naturgesetze. Die leibfreien Kräfte des Denkens, Fühlens und Wollens sind auf die individuelle Führung durch das Menschen-Ich angewiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geist ist laut Rudolf Steiner nicht das Gegenteil von Materie, sondern das außerkör­perliche Erleben unserer Wesensglieder im Denken, Fühlen und Wollen. Im Geist erwachen wir als Menschen, die &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gedanken &#039;&#039;&#039;bilden&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Gedanken differenzieren, abwägen, &#039;&#039;&#039;beurteilen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* sich mit Gedanken verbinden, Gedanken &#039;&#039;&#039;realisieren wollen&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner sagt in dem Zusammenhang auch, wir müssten lernen im Denken hell und dunkel als Qualitäten zu fühlen. Erst wenn wir die Stimmigkeit, Wahrhaftigkeit bzw. Verlo­genheit und „Verbogenheit“ unserer Gedanken fühlen könnten, wenn wir fähig würden, fühlend zu erkennen, ob Gedanken gerade oder krumm sind, erst dann wären wir urteilsfähig und fähig zu michaelischem Denken. Unser Denken wird also von unserem leibfreien Denken, Fühlen und Wollen gleichermaßen ermöglicht und ist eine rein außerkörperliche, geistige Tätigkeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Der &#039;&#039;&#039;leibfreie Ätherleib&#039;&#039;&#039; liefert das &#039;&#039;Baumaterial für die Gedanken&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
* Der &#039;&#039;&#039;leibfreie Astralleib&#039;&#039;&#039; ist für das &#039;&#039;Fühlen der Qualität der Gedanken&#039;&#039; zuständig.&lt;br /&gt;
* Aus der &#039;&#039;&#039;leibfreien Ich-Organisation&#039;&#039;&#039; kommt unser &#039;&#039;Wille zum Denken&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dergestalt selbständig denken zu lernen, ist Ziel der gesamten Waldorfpädagogik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. LEIB ====&lt;br /&gt;
Leib ist der mit der Materie verbundene Gesetzeszusammenhang bzw. der Ort, an dem sich alle vier Wesensglieder inkarniert haben – der Leib ist demnach inkarnierter Geist: Ich-Organisation, Astralleib und Ätherleib beleben, beseelen und durchgeistigen die menschliche physische Gestalt mit Geist, Seele und Leben. Jesus spricht vom Tempel des Leibes, in dem der Geist wohnt. Der physische Organismus ist nun wiederum dreigegliedert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Zur funktionellen Dreigliederung&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner forschte 30 Jahre lang zur funktionellen Dreigliederung des physischen Organismus,[4] und wenn er in dem Zusammenhang auch vom oberen, mittleren und unteren Menschen spricht, geht es nicht um eine Dreiteilung, sondern eine Gliederung in drei ineinandergreifende Funktionssysteme. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Das Nerven-Sinnes-System (NSS) ======&lt;br /&gt;
Das Nerven-Sinnes-System (NSS) ist die physische Grundlage der bewussten Denk- und Sinnestätigkeiten und ist im oberen Bereich, dem Kopf mit den Sinnesorganen und dem Gehirn, zentriert. Alle Bewusstseinsvorgänge werden von Astralleib und Ich-Organisation gemeinsam ermöglicht. Die Sinnestätigkeiten vollziehen sich unter der Regie des Ich und unter starker Beteiligung des Ätherischen, das sich jedoch aus dem Nervensystem weitgehend lösen dürfe, sagt Steiner. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Das rhythmische System (RS) ======&lt;br /&gt;
Das rhythmische System (RS) befindet sich im mittleren Bereich, im Brustraum. Es lenkt die rhythmischen Transport- und Verteilungssysteme, wie sie von den Atmungsorganen und dem Herzen als Mittelpunkt des Kreislaufsystems ausgehen, und wird stark vom dauerhaft inkarnierten Anteil des Ätherleibes beeinflusst. Würde der Ätherleib auch dort herausgehen, würden wir krank. Der Astralleib pendelt hier zwischen Drinnen und Draußen, insofern als er bei jeder Einatmung ein Stück weit in den physischen Leib hineingeht und sich bei jeder Ausatmung wieder ein Stück weit herauslöst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Das Stoffwechsel-Gliedmaßen-System (STGS) ======&lt;br /&gt;
Das dritte Funktionssystem, das Stoffwechselgliedmaßensystem, umfasst zwei ganz unterschiedliche Bereiche:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum einen regelt das unterhalb des Zwerchfells hauptsächlich im Bauchraum lokalisierte &#039;&#039;&#039;Stoffwechselsystem&#039;&#039;&#039; die unbewussten metabolischen Auf- und Abbauvorgänge. Doch jede Zelle, von den Haarspitzen bis zu den Fußspitzen, wird vom Stoffwechsel aufgebaut und unterhalten. Wenn die vier Wesensglieder hier gut verbunden sind und harmonisch zusammenarbeiten, könne der Mensch laut Steiner nicht krank werden, dann sei er gesund inkarniert. Alle internistischen Erkrankungen hängen mit einer Lockerung von Astralleib und Ich-Organisation aus der physisch-ätherischen Konstitution zusammen. Dann gerät der Stoffwechsel durcheinander und erzeugt diverse Krankheitstendenzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem &#039;&#039;&#039;Gliedmaßensystem&#039;&#039;&#039; dagegen könne sich die Ich-Organisation immer mehr befreien und zum vollgültigen freien Willensvermögen des Menschen werden, zu reinem freien Willen, unabhängig von Denken und Fühlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wesensglieder sind also, wie oben bereits skizziert, in den drei Systemen jeweils in unterschiedlicher Weise aktiv:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* im Nervensinnessystem (NSS) neuro-sensoriell&lt;br /&gt;
* im rhythmischen System (RS) rhythmisch&lt;br /&gt;
* im Stoffwechselsystem (StS) metabolisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. SEELE ====&lt;br /&gt;
Seele ist der Ort der Vermittlung zwischen Leib und Geist, sodass der Mensch mithilfe des Leibes sein individuelles geistiges Wesen erleben kann. In der Seele findet die innerlich gefühlte Begegnung mit sich selbst und der Welt statt. Die Seele atmet und schwingt zwischen Innen und Außen, zwischen Leib und Geist. Unser Seelen- bzw. Gefühlsleben wird von der Zusammenarbeit von &#039;&#039;leibfreier Ich-Organisation&#039;&#039; und &#039;&#039;leibfreiem Astralleib&#039;&#039; ermöglicht, ihr verdanken wir die Fähigkeit, ein Gefühl für unser Ich und die Welt zu entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitgefühl bedeutet, dass wir ganz beim anderen sind. Aufgrund der Möglichkeit außerkörperlich zu sein, können wir Mitgefühl und Empathie empfinden, können wir bei der Sache und dem anderen sein und uns auf etwas außerhalb unserer selbst konzentrieren; und wir können die Achtsamkeit aufbringen, dort zu sein, wo wir etwas beobachten. Geistesgegenwart bedeutet: Ich bin dort, wo mein Bewusstsein ist. Ich bin nicht mein Leib. Rudolf Steiner formuliert es so: &#039;&#039;„Das Ich ist in der Gesetzmäßigkeit der Dinge.“&#039;&#039; Das Ich ist am Ort des Geschehens. Das Ich steckt nicht im Leib, sondern dort, wo es hinwill, bei den Dingen und Inhalten, für die es sich interessiert. Ich und Welt sind dann eins.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst- und Umweltgefühl sind deshalb immer gemischt, das heißt, wir fühlen uns selbst immer mit, wenn wir die Welt bzw. einen anderen Menschen fühlen. Der &#039;&#039;Astralleib&#039;&#039; gaukelt uns quasi nur vor, dass es ein Innen und ein Außen gibt, eine Dualität. Einen Gegensatz von Welt und Mensch. &#039;&#039;Das Ich&#039;&#039; hingegen sieht das alles im Zusammenhang, als Polarität, die erst zusammengenommen das Ganze erfasst und umfasst. Denn es erkennt, dass draußen dieselben Gesetze wie im eigenen Inneren walten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Wesensglieder und Denken, Fühlen und Wollen&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
In beiden anfangs genannten Werken – &#039;&#039;den Leitsätzen[5]&#039;&#039;, konkret im Leitsatz zur Lichtnatur des Menschen, aber auch im 2. Medizinervortrag &#039;&#039;„Geisteswissenschaftliche Gesichtspunkte zur Therapie“[6]&#039;&#039; – spricht Rudolf Steiner über das Denken, Fühlen und Wollen in der Form, dass er sagt, dass wir alle drei mit Bewusstsein, Gefühl und Willen durchdringen können und auch sollen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Denken ======&lt;br /&gt;
Unser Denkvermögen verdanken wir, wie oben bereits ausgeführt, der engen Zusammenarbeit von Ätherleib, Astralleib und Ich-Organisation in leibfreiem Zustand, die sich am Gehirn reflektieren als unsere Gedan­kenaura. Dadurch sei es uns laut Steiner möglich, unsere Gedanken auch zu fühlen und zu wollen. Von wirklichem Denken könne man also erst sprechen, wenn man selbst &#039;&#039;&#039;Gedanken hervorbringen und auch fühlen kann, was man denkt&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Fühlen ======&lt;br /&gt;
Dann sagt er, das &#039;&#039;&#039;leibfreie Fühlen&#039;&#039;&#039; käme dadurch zustande, dass Astralleib und Ich-Organisation verbunden sind und zusammenwirken. Zu fühlen ohne Beteiligung des Denkens wird uns ermöglicht durch eine Kombination aus Willen und Gefühl. Das reine Gefühl unterscheidet sich insofern vom Denken, als dabei die &#039;&#039;Beteiligung des Ätherleibes fehlt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andererseits bekommen wir nur über das Denken Zugriff auf das eigene Fühlen: Rudolf Steiner benennt in der Theosophie[7] den Gedanken „Vater des Gefühls“. So ist das Erlangen von Gefühlskontrolle Ziel einer der sechs Nebenübungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir müssen aber auch unsere &#039;&#039;&#039;Handlungen (Wollen) fühlen&#039;&#039;&#039; lernen, um die Konsequenzen daraus erspüren zu können und zu wahrhaft moralischem Tun fähig zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039;  Wollen, reiner freier Wille ======&lt;br /&gt;
Der Wille hat zwei Betätigungsrichtungen, nach innen und nach außen hin: Damit der Wille in der Welt wirken kann, braucht er einen belebten, beseelten, durchgeistigten, ich-durchdrungenen Leib. Rudolf Steiner sagt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* der physische Leib sei &#039;&#039;von außen gesehener Wille&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Wille von innen gesehen&#039;&#039; sei der Wille, selbst zu denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ich-Organisation steht einerseits &#039;&#039;&#039;im Dienst des Denkens&#039;&#039;&#039;, andererseits &#039;&#039;&#039;im Dienst des Fühlens&#039;&#039;&#039; in Form von Mitleid bzw. von Mitfühlen: Ich will mit dir fühlen. Ich will dir etwas Liebes tun. Doch nur wenn die Ich-Organisation, als dritte Möglichkeit, &#039;&#039;&#039;im Dienst des Willens&#039;&#039;&#039; steht, ist dieser ganz autonom, handelt es sich um reinen freien Willen. Rudolf Steiner sagt, dieser reine freie Wille sei extrem in Gefahr:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Das Ich könne sich zu tief „reinsetzen“ – damit ist vor allem gemeint, dass es ganz unten drinsitzt und dadurch nicht frei ist. Man hat den Eindruck, der Jugendliche ist total abhängig von seinem Körper.&lt;br /&gt;
* Oder aber das Ich ist „rausgeschockt“, wie das bei traumatisierten Kindern der Fall ist. Sie wollen gar nicht richtig hinein in ihren Körper, wirken pathologisch leicht. Mich wundert immer, wie wenig „kernig“ sie laufen, also nicht kraftdurchdrungen und präsent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Willens-Typen – der zu lose verbundene und der zu dichte – haben gemeinsam, dass der Wille wenig zugänglich ist. Deswegen sind beide Typen hoch suchtgefährdet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag „Das anthroposophische Menschenbild“, Schulärztetagung 2014&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Bildnatur des Menschen&#039;&#039;, in: &#039;&#039;Anthroposophische Leitsätze&#039;&#039;, GA 26. Dornach 1998.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaftliche Gesichtspunkte zur Therapie.&#039;&#039; Neun Vorträge vor Ärzten und Medizinstudierenden 1921, GA 313.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Theosophie&#039;&#039;, Kapitel: &#039;&#039;Das Wesen des Menschen&#039;&#039;, GA 9, Dornach 1961, S. 24f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Von Seelenrätseln&#039;&#039;. GA 21, Dornach 1983 , S. 150.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Siehe FN 1.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Siehe FN 2.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Theosophie,&#039;&#039; GA 09.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FRIEDEN MIT DEN DRACHENKRÄFTEN IM MENSCHEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wofür sind die Drachenkräfte ein Bild?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Gefahr bedeuten sie für den Menschen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann er Frieden mit ihnen finden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worauf beruht der unmittelbare Zusammenhang von Stoffwechsel und Denken?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Drachenkräfte und die menschliche Konstitution&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der Apokalypse heißt es, dass die Drachen auf die Erde gestürzt wurden.[1] Der Mensch, die menschliche Natur, ist der Ort auf der Erde, wo sie gelandet sind. Außerhalb der menschlichen Natur ist kein Drache zu finden – hätte der Mensch nicht eingegriffen, bestünde in der Natur immer noch ein wunderbares ökologisches Gleichgewicht. Rudolf Steiner sagte dazu sinngemäß: &#039;&#039;„In der Natur hat der Vatergott für Frieden gesorgt. Im Menschen muss der Mensch selbst Frieden stiften.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Merkurstab der Mediziner bildet als stehende, nach oben hin offene Acht die menschliche Grundkonstitution, die der Natur des Menschen zugrunde liegt, ab. Der unmittelbare Zusammenhang zwischen gesundem und krankem Denken und Stoffwechsel lässt sich anhand davon gut verdeutlichen, da beide Prozesse ätherischer und damit lemniskatisch-polarer Natur sind, die einander bedingen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Der untere Teil&#039;&#039; steht für den physischen &#039;&#039;&#039;Leib&#039;&#039;&#039; mit den unbewussten inneren Stoffwechselprozessen, wo die leibgebundenen Ätherkräfte wirken: Bild dafür ist der &#039;&#039;„Stoffwechseldrache“ im Darm&#039;&#039; mit seinen Windungen&#039;&#039;,&#039;&#039; der unsere Instinkte, Triebe und Begierden bestimmt.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Der obere Teil&#039;&#039; steht für den geistigen Menschen, den &#039;&#039;&#039;Geist&#039;&#039;&#039;, und das bewusste Gedankenleben, das stark nach außen gerichtet ist und wo die leibfreien Ätherkräfte wirken: Bild dafür ist der „Gedankendrachen“, der &#039;&#039;zweiköpfige Drache des Luziferisch-Ahrimanischen&#039;&#039; &#039;&#039;mit den Windungen des Gehirns&#039;&#039;, der uns das freie Gedankenleben ermöglicht.&lt;br /&gt;
* Am Umschlagpunkt zwischen beiden steht das zwischen Innen und Außen Vermittelnde der &#039;&#039;&#039;Seele&#039;&#039;&#039; mit ihren Gefühlsregungen, auf die wir nur bedingt bewussten Einfluss haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;In sich Frieden schaffen durch Selbstüberwindung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Beide Drachen können uns verführen und Unfrieden und Zerstörung anrichten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wir können unsere &#039;&#039;Gedankenfreiheit&#039;&#039;, auf der Freiheit an sich beruht, &#039;&#039;missbrauchen&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
* Wir können uns auch von unserem leibgebundenen Willen, unserem Instinkt-, Trieb- und Begierde-Leben &#039;&#039;überwältigen lassen&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Drachenkräfte können aber auch von unten und/oder oben unsere &#039;&#039;Gefühle in Aufruhr bringen&#039;&#039; und so destruktiv wirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit das nicht eintritt, indem etwas Gutes am falschen Platz geschieht und dadurch „böse“ wird und schädigende Auswirkungen hat, müssen wir im Laufe unserer menschlichen Entwicklung lernen, diese drei Bereiche vom Ich aus in der richtigen Art zu beherrschen und zu kultivieren und so für Gleichgewicht und Frieden sorgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== a) Den Drachen im Darm befrieden ====&lt;br /&gt;
Nehmen wir das Beispiel der Verdauung: Im unbewussten Stoffwechselleben gelingt uns das weitgehend durch eine gesunde rhythmische Art, mit den Lebensvorgängen, mit unseren Ess- und Schlafgewohnheiten sowie der Fortpflanzungsmöglichkeit umzugehen. Die Stoffwechselprozesse dienen dazu, unseren Leib gesund zu erhalten. Dazu gehören Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme sowie die Atmung. Alle Nahrung wird im Verdauungstrakt komplett zerstört, damit der Mensch sie verdauen und daraus menschliche Substanz aufbauen kann. Diese Zerstörungskräfte gehören zu dem Drachen, der in den Darmwindungen haust. Solange diese Drachenkräfte sich auf die Verdauungsarbeit beschränken, haben wir keine Probleme:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn die Natur muss in uns Mensch werden &#039;&#039;&#039;(= verdauen)&#039;&#039;&#039;, damit wir einen gesunden Körper, ein starkes biologisches Ego, aufbauen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== b) Den Drachen im Gehirn befrieden ====&lt;br /&gt;
Das Gedankenleben kann als eine Art umgekehrter Ernährungs- oder Verdauungsprozess angesehen werden. Denn wenn wir im Denken aktiv und geistig beweglich sind, wollen wir die Zusammenhänge der Welt wirklich verstehen. Dazu müssen wir aus uns herausgehen und zum anderen hingehen, müssen wir uns der Wahrheit der Dinge annähern, müssen sie uns zu eigen machen, uns ganz mit ihr verbinden. Erkennen ist so gesehen spirituelle Empathie, geistige Kommunion: Man identifiziert sich mit dem, was man verstehen will. Wenn ich z.B. denke 2 + 2 = 4, muss ich diesen Prozess mit- und nachvollziehen, sonst verstehe ich ihn nicht. Das bedeutet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch muss im Denken zur Welt werden &#039;&#039;&#039;(= erkennen)&#039;&#039;&#039;, wenn er zu wahrheitsgemäßen Erkenntnissen kommen will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Auswirkung falschen Denkens auf die Verdauung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wenn wir uns nun das Ganze umgekehrt vorstellen: Wenn es uns beim Denken, repräsentiert vom oberen Teil der Lemniskate, überhaupt nicht um Erkenntnis von Wahrheit, sondern nur um die Ansammlung von Informationen geht, um möglichst viel Input und Wissen, wenn wir uns quasi gedanklich „zumüllen“ und nicht gewillt sind, selber zu denken und zu urteilen bzw. wenn alle Gedanken nur um uns selbst kreisen, hat das unmittelbare Auswirkungen auf den anderen Bereich des Wirkens der Drachenkräfte, die Verdauung. Dann werden die Stoffwechselprozesse unseres Köpers aufgrund der polar arbeitenden Natur des Ätherleibes ebenfalls in entgegengesetzter Weise aktiv werden: Wir werden für Krankheitserreger offen sein und so eine Immunschwäche entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Umgekehrt haben unsere Ernährung und unsere Lebensgewohnheiten auch immense Auswirkungen darauf, ob unser Gedankenleben sich über das rein Materielle aufzuschwingen in der Lage ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Konsequenzen folgen einem ätherischen Gesetz, auf dem das spirituelle Krankheitsverständnis der Anthroposophischen Medizin gründet: Was sich in der einen Hälfte der Lemniskate nach innen richtet, wechselt im Kreuzungspunkt die Richtung und geht nach außen – und umgekehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Anregung und Auswirkung von destruktivem Potential&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Alle destruktiven Neigungen entspringen einerseits unserem Stoffwechsel, andererseits negativen Gedanken und Wahrnehmungsinhalten über die Sinne. Auch die egoistisch ausgelebte Sexualität gehört dazu: Destruktivität und Sexualität sind dann unlöslich miteinander verbunden. Das wird verstärkt von den Bildern, die besonders diese Bereiche ansprechen, wie es in der heutigen Spaßindustrie geschieht. Diese von oben und unten kommenden, fehlgeleiteten Kräfte regen das destruktive Potential im Menschen an und wirken sich auch kränkend auf das Seelische aus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir diese Zusammenhänge begreifen, können wir auch verstehen, warum so viele böse Neigungen und so viel Egoismus in die Seele einstrahlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Innerer Friede durch geistige Arbeit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Diese Einstrahlungen in unser Denken und Fühlen müssen fortwährend durch innere geistige Arbeit ausgeglichen, also geheilt und befriedet werden, indem man sich bis ins Gefühl mit der Wahrheitswelt verbindet. Wer sich mit edlen, guten, sinnvollen Zielen emotional verbindet, kann seinen Egoismus in den Dienst des Guten stellen. Rudolf Steiner formuliert es sinngemäß so: Der sich befreiende, auf sich selbst gestellte, autonome Mensch, der nicht ständig etwas für sich braucht, kann zur Verfügung stehen, kann seinen ganz individuellen Kulturbeitrag durch die Überwindung des Bösen &#039;&#039;in sich&#039;&#039; leisten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man erkennt den Freiheitsgrad von Menschen an ihrer Verfügbarkeit – das ist ein spirituelles Gesetz: Je freier ich bin, desto souveräner kann ich meine individuellen Fähigkeiten, anstatt sie auf Selbstoptimierung auszurichten, instrumentalisieren und für die Dinge einsetzen, die mir wesentlich sind. Ich entscheide dann selbst, wofür ich mich engagieren will und wo nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Ich im Netz. Was geschieht mit uns im Internet?“, Amthor Verlag, Heidenheim 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Neues Testament, &#039;&#039;Apokalypse 12, 9.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ZUR FUNKTIONELLEN DREIGLIEDERUNG DES MENSCHLICHEN ORGANISMUS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist unter der funktionellen Dreigliederung des menschlichen Organismus gemeint?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ergebnis von 30 Jahren Forschung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Gedanke der funktionellen Dreigliederung des menschlichen Organismus beruht auf dreißig Jahren Forschung Rudolf Steiners über den Leib-Seele-Zusammenhang, die er erstmals 1917 im Anhang seines Buches &#039;&#039;„Von Seelenrätseln“&#039;&#039; publizierte.[1] Er kam zu der Einsicht, dass die menschlichen Seelenfähigkeiten des Denkens, Fühlens und Wollens nicht vom Nervensystem &#039;&#039;erzeugt&#039;&#039; werden – im Gegenteil: Das Nervensystem wird durch sie aufgebaut und durch regelmäßige Nutzung erhalten. Er erkannte darüber hinaus, dass die genannten seelischen Grundfähigkeiten sich durch den ganzen Menschen ausdrücken, der schon von der dritten, vierten Woche der Embryonalentwicklung an eine dreigliedrige Gestalt aufweist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Dreigliederung und Denken, Fühlen und Wollen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Steiner fand heraus, dass sich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* nur das wachbewusste &#039;&#039;Denken und die Sinnesbeobachtung&#039;&#039; auf die Funktion des &#039;&#039;&#039;Nerven-Sinnes-Systems&#039;&#039;&#039; stützen. Dazu gehören auch die Vorstellungen, die wir uns von unseren Gefühls- und Willenserlebnissen machen.&lt;br /&gt;
* Das &#039;&#039;Gefühlsleben&#039;&#039; hingegen zeigte sich ihm in unmittelbarer funktioneller Resonanz mit der &#039;&#039;&#039;rhythmischen Funktionsordnung&#039;&#039;&#039; von Herz-Kreislaufsystem und Atmung.&lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;Willenstätigkeit&#039;&#039; wiederum sah er als Ausdruck der &#039;&#039;&#039;Stoffwechsel- und Gliedmaßentätigkeit&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Man muss nur die Physiologie des Atmungsrhythmus im rechten Lichte sehen, so wird man umfänglich zur Anerkennung des Satzes kommen: die Seele erlebt fühlend, indem sie sich dabei ähnlich auf den Atmungsrhythmus stützt wie im Vorstellen auf die Nervenvorgänge. - Und bezüglich des Wollens findet man, dass dieses sich in ähnlicher Art stützt auf Stoffwechselvorgänge. Wieder muss da in Betracht gezogen werden, was alles an Verzweigungen und Ausläufern der Stoffwechselvorgänge im ganzen Organismus in Betracht kommt. Wie dann, wenn etwas ‚vorgestellt‘ wird, sich ein Nervenvorgang abspielt, aufgrund dessen die Seele sich ihres Vorgestellten bewusstwird, wie ferner dann, wenn etwas ‚gefühlt‘ wird, eine Modifikation des Atmungsrhythmus verläuft, durch die der Seele ein Gefühl auflebt: so geht, wenn etwas ‚gewollt‘ wird, ein Stoffwechselvorgang vor sich, der die leibliche Grundlage ist für das als Wollen in der Seele Erlebte.“&#039;&#039;&#039;[2]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Begründung mit wissenschaftlichen Mitteln&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Erlanger Anatomie-Professor &#039;&#039;Dr. Johannes Rohen&#039;&#039; trug in seinen Lehrbüchern für Anatomie[3] dieser funktionellen dreigliedrigen anatomischen Ordnung Rechnung. &#039;&#039;Professor Dr. rer. nat. Wolfgang Schad&#039;&#039; arbeitete diesen Aspekt in einer konsequent durchgeführten Darstellung der Entwicklung der Wirbeltiere im Vergleich zum Menschen auf.[4] Rudolf Steiner war sich bewusst, dass seine Entdeckung der seelischen Dreigliederung in Verbindung mit der körperlich-physiologischen und deren naturwissenschaftliche Begründung einer umfangreichen Publikation bedurft hätte, die er während des Ersten Weltkrieges jedoch nicht leisten konnte. Er schreibt: &#039;&#039;„Ihre Begründung kann durchaus mit den heute vorhandenen wissenschaftlichen Mitteln gegeben werden. Dies würde der Gegenstand eines umfangreichen Buches sein, das in diesem Augenblicke zu schreiben, mir die Verhältnisse nicht gestatten.“&#039;&#039;&#039;[5]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Schad und Rohen haben diese umfangreiche Arbeit inzwischen weitgehend geleistet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was macht diese Sichtweise des menschlichen Organismus auch für den gesundheits-wissenschaftlichen Ansatz so wertvoll?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie verknüpft drei Aspekte miteinander:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Sie macht den polaren Bau des menschlichen Organismus funktionell und morphologisch transparent.&lt;br /&gt;
# Sie liefert eine pathologisch und therapeutisch relevante Erklärung des Leib-Seele-Zusammenhangs.&lt;br /&gt;
# Sie führt nicht nur zu einer neuen Sicht auf die Entstehung von Krankheit, sondern auch zu einem Konzept für die Entstehung und Erhaltung von Gesundheit (Salutogenese, Hygiogenese).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Polarität und ausgleichende Mitte&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Morphologisch betrachtet sind die Rundheit der Schädelform und die radiale Form der Gliedmaßen echte Polaritäten. Entsprechend polar stehen auch die bewussten, im Kopf zentrierten Denk- und Sinnestätigkeiten den unterhalb des Zwerchfells lokalisierten unbewussten metabolischen Auf- und Abbauvorgängen gegenüber. Dazwischen entfalten sich die rhythmischen Transport- und Verteilungssysteme, wie sie von den Atmungsorganen und dem Herzen als Mittelpunkt des Kreislaufsystems ausgehen. Diese dreiteilige morphologische Grundgliederung bezeichnet Steiner mit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Nerven-Sinnes-System&#039;&#039; (NSS): die überwiegend im Kopf zentrierte &#039;&#039;&#039;„obere Organisation&amp;quot;&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;rhythmisches System&#039;&#039; (RS): die überwiegend im Thorax lokalisierte &#039;&#039;&#039;„mittlere Organisation&amp;quot;&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Stoffwechsel-Gliedmaßensystem&#039;&#039; (STGS): die überwiegend im Abdomen lokalisierte &#039;&#039;&#039;„untere Organisation&amp;quot;&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Dreigliederung entspricht bereits die Polarität von Ektoderm und Entoderm und den sich aus dem Zusammenspiel beider ergebenden sekundären mesodermalen Strukturen in der Embryonalentwicklung. Sie findet sich aber auch in der Formation des Skelettes wieder: Wirbelsäule und Brustkorb haben einen rhythmisch gegliederten Aufbau (Wirbel, Rippen), im Gegensatz zur radialen Form der Extremitäten und der sphärischen des Kopfes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Beispiele sollen verdeutlichen, dass sich die funktionelle Gliederung nach drei Funktionsaspekten räumlich im polaren Aufbau des Körpers mit einer rhythmisch gestalteten Mitte abbilden.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Dreigliederung anstatt Dreiteilung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Bei der funktionellen Dreigliederung geht es nicht um eine Dreiteilung in drei streng abgegrenzte Körper-Regionen, sondern um das Ineinandergreifen drei unterschiedlicher Funktionsweisen, die sich in allen drei Bereichen wiederfinden lassen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Selbstverständlich gehört auch der &#039;&#039;Nervenzell-Stoffwechsel&#039;&#039; den &#039;&#039;&#039;Stoffwechsel-funktionen&#039;&#039;&#039; an. &lt;br /&gt;
* Umgekehrt ist das &#039;&#039;vegetative Nervensystem&#039;&#039;, das wahrnehmend und regulierend auf das gesamte Stoffwechselgeschehen einwirkt, Bestandteil des &#039;&#039;&#039;Nervensinnessystems&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
* Entsprechend ist das rhythmische System mit seinen Funktionsleistungen auch im Nervensinnes-System und beim Stoffwechsel wirksam: Die &#039;&#039;kurzwelligen Rhythmen der elektrochemischen Hirnpotentiale&#039;&#039; im Sekundenbereich und die &#039;&#039;langwelligen Eigenrhythmen der Stoffwechselorgane&#039;&#039; (z.B. Magen / Darmmotilität) im Stundenbereich sind Teil der &#039;&#039;&#039;rhythmischen Gesamtordnung&#039;&#039;&#039; im dreigliedrigen Organismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Beispiele sollen verdeutlichen, dass es sich bei der Dreigliederung nicht um eine Dreiteilung, sondern um eine funktionelle Gliederung nach drei Funktionsaspekten handelt, die sich gleichzeitig räumlich im polaren Aufbau des Körpers abbildet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Von Seelenrätseln&#039;&#039;. GA 21. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1983.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ebenda, S. 152 - 153.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] U.a.: Johannes W. Rohen, &#039;&#039;Morphologie des menschlichen Organismus. Versuch einer goetheanischen Gestaltlehre des Menschen,&#039;&#039; Stuttgart 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Wolfgang Schad, &#039;&#039;Säugetiere und Mensch. Zur Gestaltbiologie vom Gesichtspunkt der Dreigliederung&#039;&#039;. Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 1985.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Von Seelenrätseln&#039;&#039;. GA 21. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1983 , S. 150.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== BEGABUNGEN DES PHYSISCHEN LEIBES ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was verdanken wir dem physischen Leib?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wozu befähigt er uns?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Erleben der eigenen Egoität durch den Körper&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der physische Leib ist in Form, Funktion und Plastizität seiner Organe die Grundlage für jedwede Begabungsäußerung des Menschen. Seine Größe, seine Kraft, die Qualität der Sinneswahrnehmungen durch die Sinnesorgane – all das setzt Maßstäbe für bestimmte Entwicklungen und auch Grenzen für bestimmte Leistungsmöglichkeiten. Wer mit einem absoluten Gehör geboren wird, ist prädisponiert für eine musikalische Begabung, und wer einen kräftigen Muskelbau hat, ist zu physischer Kraftentfaltung oder zu sportlichen Höchstleistungen veranlagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt aber auch eine Reihe verborgener Qualitäten, die wir unserem physischen Leib verdanken, allen voran das Erlebnis unserer Egoität, unserer individuellen Persönlichkeit. Nur dadurch, dass wir in einem von der Umwelt abgegrenzten Leib tätig sind, können wir zu dem Erlebnis unserer Eigenheit kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn schon im Bereich des Ätherischen, das keine Raumstruktur mehr hat, sondern eine zyklisch arbeitende Zeitstruktur besitzt, ist die Abgrenzung und damit auch das Erleben der Eigenheit und Eigenständigkeit nicht mehr in der Weise gegeben wie im Physischen. Daher ist die Pflege der Integrität des physischen Leibes von so großer Bedeutung, insbesondere während der Vorschulzeit. Übergriffe im Physischen, ob nun in Form von übertriebener Zärtlichkeit, Gewalt oder aber als sexueller Missbrauch, stellen über seine vielfältig miteinander vernetzten Sinnesorgane immer zentrale Angriffe auf das Persönlichkeits- und Selbsterleben des Kindes dar und veranlagen im physischen Leib bleibende Kränkungen bzw. Störungen im Selbsterleben und der daraus erwachsenden Selbstachtung. Das Gefühl, Herr im eigenen Hause zu sein, ist die Basis eines gesunden Selbsterlebens im Physischen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Gesundes Denken durch gesunde Physis&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Doch auch ein klares Vorstellungsvermögen ist an die Intaktheit des physischen Gehirns und der Sinnesorgane gebunden. So wahr es ist, dass die Gedanken ihren Sitz im ätherischen Organismus haben, so wahr und selbstverständlich ist es auch, dass sie nur mithilfe des Gehirns und der daran angeschlossenen Sinnesorgane als Vorstellungen reflektiert werden können. Daher hat die Pflege der Sinnesfunktionen,[1] des Bewegungsspiels und der körperlichen Geschicklichkeit eine wichtige Bedeutung im Hinblick auf die Gehirnbildung und die Ausbildung eines gesunden Vorstellungslebens. Der physische Leib verdankt seine Ausformung nicht nur Vererbung und Umwelt, sondern auch dem Interesse und der Aufmerksamkeit, mit denen das Kind seiner Umwelt begegnet und Beziehungen zu bestimmten Menschen aufnimmt: Indem es sie nachahmt, wird sein Körper auf sinnvolle Weise tätig. Denn jede Form von körperlicher Tätigkeit stimuliert zugleich die physiologischen Abläufe und damit auch die Bildung der Organe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der physische Leib dient so&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* der Selbstwahrnehmung im Physischen, der Egoität im besten Sinne des Wortes&lt;br /&gt;
* dem Ätherleib als Grundlage für Reflexion und Vorstellungsvermögen&lt;br /&gt;
* dem Astralleib als Grundlage für sein Empfindungsleben&lt;br /&gt;
* dem „Ich“-Wesen des Menschen vermittelt er die Fülle an Wahrnehmungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Schädigung durch Fehlstimulation der Sinne&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die allgemeine Bewegungsarmut, technisches Spielzeug, durch das Kinder nur zu wenig Eigenbewegung anregt werden, das sie stattdessen zu Kontrolleuren sich raffiniert bewegender Spielzeuge macht, und nicht zuletzt der Fernseh- und Medienkonsum gehören zu den Faktoren, die den physischen Leib am schlimmsten schädigen. Kaum etwas wirkt verheerender als die umfassende Fehlstimulation der Sinne durch den Bildschirm:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Keine Farbe stimmt mit der der Wirklichkeit überein.&lt;br /&gt;
* Keine Proportion, kein Größenverhältnis entspricht einer normalen Sinnesbeobachtung, bei der sich alle Sinne – Auge, Ohr, Geschmack, Geruch usw. – aufeinander abstimmen und in ihrem Zusammenwirken zur Totalität eines bestimmten Sinneseindrucks beitragen.&lt;br /&gt;
* Nicht einmal das Auge hat die Möglichkeit, das räumliche Sehen zu üben, da alle Bilder zweidimensional auf der Fläche erscheinen. Die Augenmuskeln können sich dem Sinneseindruck nicht aktiv anpassen, indem sie sich, wie sonst beim Sehen, um den Gegenstand herum oder mit dem Gegenstand bewegen. Beim Fernsehen wird dem Auge diese Aktivität abgenommen: Das Bild auf dem Schirm bewegt sich, das Auge ist reglos und starr auf den Bildschirm gerichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man macht sich diesen Effekt in Augenkliniken zunutze, um die Augen bei Augenmuskeloperationen möglichst ruhigzustellen: Nichts wirkt effizienter, als einige Stunden fernzusehen. Denn selbst im Schlaf bewegen sich die Augäpfel in regelmäßigen Abständen hinter den geschlossenen Lidern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer die Inkarnation des Menschen-Ich im physischen Leib in umfassender Weise fördern möchte, sieht sich gezwungen – auch wenn dies gegenwärtig aus dem Rahmen üblicher Kulturgewohnheiten fällt –, den Bildschirm und technisches Spielzeug insbesondere aus dem Vorschulalter komplett zu verbannen und dem Kind die Auseinandersetzung mit der Umwelt so, wie sie wirklich ist, zu gönnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Folgen von Medienkonsum im Vorschulalter&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der Schule zeigen sich die Folgen einer Fehlerziehung auf diesem Gebiet in Form von&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Nachahmungsschwäche&lt;br /&gt;
* einer nicht genügend ausgebildeten Bewegungsorganisation&lt;br /&gt;
* Störungen in der Abstimmung der Sinnesfunktionen aufeinander&lt;br /&gt;
* Defiziten in der Sprachentwicklung&lt;br /&gt;
* Unfähigkeit, intentional mit gerichteter Aufmerksamkeit zuzuhören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn am Bildschirm nimmt man ständig mehr Informationen auf, als man verarbeiten kann, und man lernt auch nicht wiederzugeben, was man gehört und gesehen hat. Überdies werden Medien oft als Geräuschkulisse genommen, während man sich mit etwas ganz anderem beschäftigt. Entsprechend wird auch der Lehrer oft als Geräuschkulisse erlebt und behandelt – und nicht wie ein Mensch, dem man mit Interesse und Aufmerksamkeit begegnen sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der schlimmste Schaden für das spätere Leben erwächst jedoch aus der Inaktivität des eigenen Denkens: Das Gehirn bildet sich zu einem Instrument passiver Informationsaufnahme und -verarbeitung. Aktiv zu hinterfragen, sich auseinanderzusetzen, sich selbst Bilder von einer Sache zu machen, selbständig zu denken – dafür eignet es sich kaum noch. Das führt dazu, dass die Bereitschaft, selbst aktiv und kreativ zu werden, aber insbesondere der Wille, selbstständig zu denken, nachlassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ergebnis ist eine „Zuschauergesellschaft“, die zwar intelligent registriert, jedoch damit rechnet, dass es für jedes Problem einen Zuständigen gibt und Selbständigkeit und Mitverantwortung immer weniger gefragt sind. Demgemäß hört man immer wieder von erfolgreichen, kreativen Menschen, die im späteren Leben dankbar auf ihre fernsehfreie bzw. fernseharme Kindheit zurückblicken bzw. jetzt froh sind, dass sie in Kindheit und Jugend viel zupacken mussten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Übung macht den Meister&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Zudem zeigt die tägliche Erfahrung bei jedem sportlichen Training, dass der physische Leib nur durch Aktivität seine Funktionen ausbilden kann. Das Gleiche gilt auch für die feineren inneren Vorgänge im Leibe. Was nicht geübt wird, bleibt unentwickelt, was fehlstimuliert wird, bildet eine ungeordnete Veranlagung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je jünger der physische Leib ist, umso bildsamer und prägbarer und umso verwundbarer ist er. Erst mit zunehmendem Alter kann er kränkenden Einflüssen mehr Widerstandskraft entgegensetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wird die Sinneserziehung vernachlässigt und der Welt, den Menschen und den täglichen Begebenheiten keine liebevolle Aufmerksamkeit geschenkt, werden schwerwiegende Behinderungen der Selbst- und Welterfahrung veranlagt, die schon in der Schulzeit zu Desinteresse und Lernstörungen führen können. Diese Entwicklung gehört zu den wichtigsten Ursachen, warum der Drogenkonsum in unserer Zeit so zunimmt: Der Erlebnismangel und der damit verbundene Mangel an Selbsterfahrung durch nicht oder fehlausgebildete Sinnesfunktionen wird früher oder später als unerträglich empfunden – man sucht dann eine Ersatzbefriedigung in der durch die Drogen vermittelten Erlebnisintensität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Begabungen und Behinderungen“, 8. Kapitel, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2004&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Beiträge zur Rudolf Steiner Gesamtausgabe, Nr. 34: &#039;&#039;Aufzeichnungen Rudolf Steiners zur Sinneslehre.&#039;&#039; Dornach, Sommer 1971.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== BEGABUNGEN DES ÄTHERLEIBES ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sind die Begabungen des Ätherleibes?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Gesetzmäßigkeiten, die tote Materie am Leben erhalten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Laut Rudolf Steiner umfasst der Lebens- bzw. Ätherleib alle Gesetzmäßigkeiten, die in der Lage sind, tote Materie am Leben – im Lebenszusammenhang – zu erhalten.[1] Der Begriff „Leib“ steht für den Funktionszusammenhang des Lebendigen, Belebenden. Das Wort „Äther“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet „himmelblau“ bzw. „blauer Himmel“, „Firmament“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Wortkombination macht Sinn, weil das blaue Himmelslicht, der von der Sonne erhellte Himmelsraum, die Pflanzenwelt mit Energie versorgt, durch die sie Blattgrün, das Chlorophyll, bilden kann. So wie die Pflanze nur dank dieser Verbindung mit dem Kosmos und der Sonne leben kann, so verfügt auch der Mensch, dem die Pflanzenwelt als Nahrung dient, über einen in sich geschlossenen individualisierten Lebensorganismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Tätigkeit des Ätherleibes im menschlichen Organismus ist polar orientiert:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
·      Ein Teil dient am Lebensanfang vor allem dem Wachstum und später der Regeneration des physischen Leibes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
·      Der andere Teil löst sich von Anfang an im Laufe der Entwicklung bzw. später im Zuge des Alterungsprozesses in dem Maße aus der Leibgebundenheit heraus, in dem Wachstums- und Reifungsschritte vollendet wurden und diese Lebenskräfte nicht mehr für Wachstum oder Regeneration gebraucht werden: Sie verlassen den physischen Leib und ermöglichen ein sich lebenslang entwickelndes Gedankenleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Einflüsse auf den Ätherleib&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Diese bahnbrechende Einsicht in den Leib-Seele-Zusammenhang verdanken wir Rudolf Steiner: Er entdeckte die Doppelfunktion des Ätherischen und damit den Schlüssel, wieso und inwiefern das Gedanken- und Geistesleben des Menschen Einfluss hat auf die körperliche Gesundheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Was den Ätherleib stärkt ====&lt;br /&gt;
Gedächtnisschwächen sind Willensschwächen im Gedankenleben. Sie können positiv beeinflusst werden durch Aufmerksamkeitsübungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann z.B. allein oder mit einem Kind zusammen konzentriert ein Ding, einen Vorgang oder ein Lebewesen beobachten, es von allen Seiten betrachten und mit Hilfe der Sinne als Wahrnehmungsinhalt aufnehmen und einprägen. Oder man legt gemeinsam etwas an einen bestimmten Ort, den man sich genau anschaut und merkt – das stärkt die Erinnerungsfähigkeit daran, wo man etwas hingelegt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wichtiges Stärkungsmittel für den Ätherleib sind gute Gewohnheiten: regelmäßige Essens- und Schlafenszeiten, Wechsel von Arbeit und Spiel etc. Alles, was mit Rhythmus und Regelmäßigkeit zusammenhängt, ist ätherisches Gebiet – denn „Rhythmus trägt Leben“, wie Rudolf Steiner es dem Chemiker Rudolf Hauschka gegenüber ausdrückte.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher ist auch regelmäßiges Üben, wie es beim künstlerischen Tun üblich ist, so gesundend. Das gilt auch für regelmäßiges kontemplatives oder religiöses Üben wie Beten, abendliche Rückschau auf den Tag und das Üben von Qualitäten wie Dankbarkeit, Andacht, Ehrfurcht, Zufriedenheit, Friedensfähigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das Auf-sich-wirken-Lassen von „Ganzheiten“ – wie schöne Landschaften, Bildwerke, Musikstücke – stärkt den Lebenszusammenhang des Ätherleibes. Besonders wichtig ist jedoch ein soziales Klima der Wahrhaftigkeit. Denn im Kontext der sorgfältig aufeinander abgestimmten Lebensfunktionen zieht jede Störung der „Stimmigkeit“ und des aufeinander Abgestimmt-Seins funktionelle Störungen nach sich, die sich im Laufe der Zeit zunehmend bemerkbar machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht nur der lebendige Körper braucht Pflege. Auch der Gedankenorganismus bedarf der Pflege durch übereinstimmende Gedanken, Integrität, Transparenz und Wahrhaftigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Was den Ätherleib schwächt ====&lt;br /&gt;
Verlogenheit, Argwohn und Zweifel zehren an den ätherischen Kräften und untergraben den Lebenszusammenhang und das Zusammenstimmen der Lebensfunktionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inkohärentes Denken schädigt den physischen Leib während der Nacht, wenn der bei Tag leibfreie Ätherleib sich im Schlaf wieder mit dem leibgebundenen Anteil verbindet, um an der Regeneration des Leibes zu arbeiten. Dann teilen sich Schädigungen, die der tagsüber dem Denken dienende ätherische Organismus erfahren hat, unmittelbar dem physischen Leib mit. Am nächsten Morgen ist der Erfrischung eine leise Kränkung beigemischt. Setzen sich solche destruktiven Einflüsse über Jahre hinweg fort, kann das noch in diesem Erdenleben zur Ausbildung einer Krankheit führen. Wenn der Ätherleib über viel Überschusskraft verfügt, kommt es erst im nächsten Erdenleben zu Krankheitsdispositionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Pflege der ätherischen Kräfte und Monatstugenden&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Zur Pflege der ätherischen Kräfte des Erwachsenen kann die Arbeit an den sogenannten Monatstugenden eine große Hilfe sein.[3] Das stößt neue Gewohnheiten und eine Gesinnung der Wahrhaftigkeit, Liebe und Großzügigkeit an. Die Tugenden werden jeweils einen Monat lang geübt – denn der Vier-Wochen-Rhythmus stärkt die ätherischen Kräftezusammenhänge. Rudolf Steiner empfiehlt, diese Monatstugenden regelmäßig zu üben und darauf zu achten, wie sich dabei die jeweilige Tugend vertieft, aber auch verwandelt und zu einer &#039;&#039;neuen Tugend&#039;&#039; wird, die dann ganz das Ergebnis der eigenen Arbeit an der ersten ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Monatstugenden sind:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
April                &#039;&#039;&#039;Ehrfurcht&#039;&#039;&#039;                                           wird zu            Opferkraft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mai                 &#039;&#039;&#039;Inneres Gleichgewicht&#039;&#039;&#039;                      wird zu            Fortschritt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Juni                 &#039;&#039;&#039;Ausdauer&#039;&#039;&#039;                                           wird zu            Treue&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Juli                  &#039;&#039;&#039;Selbstlosigkeit&#039;&#039;&#039;                                   wird zu            Katharsis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
August            &#039;&#039;&#039;Mitleid&#039;&#039;&#039;                                               wird zu            Freiheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
September     &#039;&#039;&#039;Höflichkeit&#039;&#039;&#039;                                         wird zu            Herzenstakt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oktober          &#039;&#039;&#039;Zufriedenheit&#039;&#039;&#039;                                    wird zu            Gelassenheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
November      &#039;&#039;&#039;Geduld&#039;&#039;&#039;                                               wird zu            Einsicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dezember      &#039;&#039;&#039;Gedankenkontrolle  &#039;&#039;&#039;                         wird zu                                            Wahrheitsempfinden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Januar            &#039;&#039;&#039;Mut&#039;&#039;&#039;                                                    wird zu            Erlöserkraft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Februar          &#039;&#039;&#039;Diskretion&#039;&#039;&#039;                                          wird zu            Meditationskraft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
März               &#039;&#039;&#039;Großmut&#039;&#039;&#039;                                            wird zu            Liebe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das mag auf Anhieb etwas kompliziert klingen, hängt jedoch mit unserer Ich-Natur zusammen: Die erstgenannten Tugenden sind gleichsam in unserer allgemeinmenschlichen Konstitution veranlagt. Jeder Mensch kann die Ansätze dazu bei sich entdecken und darauf aufbauend mit dem Üben beginnen. Die &#039;&#039;zweitgenannten Tugenden&#039;&#039; ergeben sich erst aus der Arbeit an den erstgenannten. Das Bemerkenswerte ist, dass sie sich nur entwickeln, wenn man die erstgenannten Tugenden um ihrer selbst willen übt, aus Liebe dazu und zur Menschwerdung überhaupt – also nicht nur, um im Leben mehr Erfolg zu haben und „Charakterstärke“ zu besitzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Begabungen und Behinderungen“, 8. Kapitel, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2004&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Theosophie.&#039;&#039; GA 9.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] vgl. Rudolf Hauschka, &#039;&#039;Wetterleuchten einer Zeitenwende&#039;&#039;. Bad Boll 1997.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Anweisungen für eine esoterische Schulung&#039;&#039;. GA 245, vergriffen. Neu in: &#039;&#039;Seelenübungen mit Wort- und Sinnbildmeditationen.&#039;&#039; GA 267, Dornach 1997.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== EINFLUSS VON ÄL UND AL AUF DEN NATRIUM-KALIUM-GRADIENTEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie beeinflussen insbesondere der Ätherleib und der Astralleib in Ruhe und Erregung den Natrium-Kalium-Gradienten?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann der Mensch durch Ernährung und Lebensführung ausgleichend ein greifen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Wirkung hat die Heilpflanze Anagallis arvense?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zusammenspiel von Ätherleib und Astralleib auf zellulärer Ebene&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Otto Wolff&#039;&#039; hat in seiner &#039;&#039;„Biochemie“&#039;&#039; den Bezug von Kalium und Natrium zu Ätherleib und Astralleib herausgearbeitet.[1] Auf zellulärer Ebene zeigt sich das Zusammenspiel von Ätherleib und Astralleib an der Zellmembran:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Im Ruhezustand&#039;&#039;&#039; ist in der Zelle überwiegend Kalium vorhanden, im extrazellulären Milieu herrscht Natrium vor. Hier arbeitet der Ätherleib am &#039;&#039;Aufbau des Organismus&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Bei Erregung&#039;&#039;&#039; strömt Kalium aus und Natrium in die Zelle ein. Dabei dominiert der Astralleib. Dadurch wird die ätherische Aufbautätigkeit gegenüber der dominierenden astralischen, die &#039;&#039;abbauend&#039;&#039; ist, geschwächt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während das Kalium den Ätherleib darin unterstützt, das Wasser in lebendiger Zirkulation zu halten und damit auch eine die Diurese regulierende Wirkung hat, bewirkt ein erhöhter Natriumgehalt bei Mensch und Tier – z. B. in Form salzreicher Ernährung – Wassereinlagerung und hohen Blutdruck. Dauerstress und Bewegungsmangel, sowie eine gemüsearme – und damit kaliumarme Ernährung – fördern eine Verschiebung des Natrium-Kalium-Gradienten und den Überschuss an fixen Säurebildnern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Anagallis arvense (Ackergauchheil) als Heilpflanze&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In den letzten Absätzen von Kapitel VII von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[2]&#039;&#039; wird darauf hingewiesen, dass man dem ‚Naturvorbild‘ der Selbstheilung im gesunden Organismus auch Analogien für den Krankheitsfall entnehmen kann. In diesem Zusammenhang erwähnen Rudolf Steiner und Ita Wegman die Heilpflanze &#039;&#039;Anagallis arvense&#039;&#039;, mit ihren kleinen rot oder blau blühenden fünfzähligen Blütensternen. Sie ist eine in der Volksmedizin gut bekannte Gift- und Arzneipflanze mit diuretischer und narkotischer Wirkung bei Tier und Mensch. In hohen Dosen kann ihre Einnahme auch töten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Autoren berufen sich hier nicht auf die schon bekannten Inhaltstoffe, sondern auf das besondere Verhältnis, das in dieser Pflanze zwischen Kalium und Natrium gegeben ist, durch die – wenn es von außen zugeführt wird – die Ich-Organisation im Darmgebiet angeregt wird.[3] Diese Wirkung kann noch dadurch verstärkt werden, dass man nach dem Modell dieser Heilpflanze eine mineralische Komposition herstellt, indem man Kalium und Natrium mit Schwefel verbindet (Natrium- und Kaliumsulfuricum): &#039;&#039;„[...] Der Schwefel hat nämlich die Eigentümlichkeit, dass er dem Aufhalten des Eiweißzerfalles dient; er hält gewissermaßen die organisierenden Kräfte in der Eiweißsubstanz zusammen.“[4]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist interessant, dass Rudolf Steiner und Ita Wegman in diesem Kapitel, das den Selbstheilungskräften gewidmet ist, &#039;&#039;„Stockungen im Unterleibe“[5]&#039;&#039; als Beispiel für die unzureichende Heilwirkung des Organismus anführen. Sehr oft sind Verstopfungssymptome und Darm-Koliken Ernährungs- und lebensstilbedingte Verdauungsstörungen, d.h. Probleme, deren Lösung in der Selbstverantwortung der Betroffenen liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[6]&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. Wolff (2013) 293–297.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27, Kap. VII.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Kalium kommt reichlich in allen Pflanzenaschen (‚Pottasche‘ mit viel Kaliumcarbonat) vor und ist für die Wasseraufnahme in die Pflanze essentiell.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe FN 2, S. 41.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Siehe FN 2, S. 40.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== BEGABUNGEN DES ASTRALLEIBES ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Kompetenzen und Fähigkeiten verdanken wir dem Astralleib?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wirkt er auf die anderen Wesensglieder?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wirkung des Astralleibs auf die anderen Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dem Astralleib verdanken wir&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;im Physischen&#039;&#039; die Bewegungsfähigkeit und die Emotions- und Begierdenatur, die Mensch und Tier gemeinsam haben&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;im Ätherischen&#039;&#039; die Veranlagung unserer Triebnatur&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;im Astralischen&#039;&#039;, befreit vom Physischen und Ätherischen, als leibfreie, rein seelische Tätigkeit das Gefühlsleben der Seele&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;im ich-haft Geistigen&#039;&#039; die Möglichkeit der Bewusstseinsbildung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Einflüsse auf den Astralleib&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Was den Astralleib schwächt ====&lt;br /&gt;
Nichts schwächt den Astralleib mehr als selbstbezogenes Brüten in sich selbst wie unfruchtbare „Nabelschau“, aber auch gewohnheitsmäßiges Kritisieren anderer. Das hat zur Folge, dass „sich nichts mehr bewegt“, dass durch die Fixierung auf sich selbst oder ein Problem Stagnation statt Verwandlung herrscht. Auch das Verweilen bei Reuegefühlen und Gewissensbissen lähmt die Regsamkeit des Astralleibes. Führen Gewissensbisse allerdings dazu, den Menschen auf Fehler und Schwächen hinzuweisen, sind sie wertvoll. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Was den Astralleib stärkt ====&lt;br /&gt;
Interesse und Offenheit gegenüber Welt und Mensch stärken und pflegen den Astralleib. Wohlwollen und Zuversicht sind Kräfte, die den Astralleib beweglich halten, anregen und ihm helfen, mit den Sympathien und Antipathien – sprich, der wogenden Gefühlswelt des Astralischen – konstruktiv umzugehen, sodass der Mensch Vorlieben und Abneigungen nicht nur auslebt, sondern als Signale zu verstehen lernt, die ihm etwas über sich selbst und andere sagen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entscheidend ist jedoch, dass das Gefühlsleben von Gedanken durchzogen wird, also einen klaren „Anschluss“ an das denkende Erkennen bekommt und sich von seinem kindlichen Verhaftet-Sein an den Leib und das an ihn gebundene Wollen lösen lernt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim kleinen Kind ist es berechtigt, dass es seinen Trieben, Begierden und Neigungen unmittelbar und spontan folgt und diese erst am Vorbild der Erwachsenen durch die Nachahmungsfähigkeit erzogen und geformt werden. Im Erwachsenenalter hat dieses Sich-Ausleben keine Berechtigung mehr. Die orientierende Kraft der Nachahmung sollte im Verlauf des Erziehungsprozesses vom freien verantwortlichen Gebrauch des eigenen Willens ersetzt und das Gefühlsleben an das erwachende und immer selbstständiger werdende Denken angeschlossen worden sein. Misslingt dieser Anschluss an das Denken, wird das Gefühlsleben sekundär wieder an den Leib gebunden. Dann ist der Mensch seinen bedürfnisorientierten Emotionen ausgeliefert: Er muss ihnen folgen, auch wenn seine Vernunft dagegenspricht und ihn davon abhalten möchte. Damit ist die konstitutionelle Voraussetzung geschaffen, ein Triebtäter zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die sogenannten Nebenübungen – Gedanken-, Handlungs- und Gefühlskontrolle, Positivität und Unbefangenheit sowie deren Zusammenwirken – sind grundlegende Hilfen bei der Selbsterziehung des Erwachsenen, den Astralleib zu pflegen und unter die Herrschaft des Ich zu bringen.[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Begabungen und Behinderungen“, 8. Kapitel, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2004&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner&#039;&#039;, Die Geheimwissenschaft im Umriss.&#039;&#039; GA 13, Dornach I989, und &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?&#039;&#039;, GA 10, Dornach 1993.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Siehe auch Florin Lowndes, &#039;&#039;Die Belebung des Herzchakra&#039;&#039;. Stuttgart 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DER ASTRALLEIB ALS EMPFINDENDER ORGANISMUS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielt der Astralleib als empfindender Organismus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sind die typischen embryonalen Bildegesten des Astralischen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern ist unser astralisches Kräftesystem der Inspiration zugänglich?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Vom lebendigen zum empfindenden Organismus&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im Zentrum des IV. Kapitels von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; steht der ‚Astralleib‘ als Träger der menschlichen (und der tierischen) Empfindungen. Das Astralische ist ein ganzheitlich wirksames Kräftesystem, welches den lebendigen zum empfindenden Organismus umgestaltet und dadurch auch das Stoffwechselgeschehen grundlegend verändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Was in der &#039;&#039;&#039;ätherischen Organisation&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;unbewusstes Leben&#039;&#039; ist, und damit selbstlose Hingabe an die Kräfte der irdischen und kosmischen Umgebung, &lt;br /&gt;
* kann durch das &#039;&#039;&#039;Astralische&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;bewusstwerden&#039;&#039; und so zu einem individuellen Erleben, der Empfindung, führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Rätselhafte (Sinnes)empfindung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der gegenwärtigen naturwissenschaftlich orientierten Medizin wird die Empfindung primär neurophysiologisch und neuropsychologisch definiert. Auf dem Gebiet der Sinnesphysiologie gilt sie gemäß dem Reiz/Reaktionsprinzip als Elementarvorgang, als primär gegeben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Abweichung von diesem Trend sah &#039;&#039;Herbert Hensel&#039;&#039; die Sinnesphysiologie nicht nur als Eintrittstor in das Feld vielfältiger Phänomene im Bereich der Sinneswahrnehmungen an, sondern als eigenständiges Gebiet der Naturwissenschaft und als geeignet, neue Grundlagen für epistemologisches Denken zu bilden.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer sich mit der Wahrnehmung des Menschen befasst, wird in einen Bereich geführt, der vor und zwischen allen positiven Wissenschaften liegt. Die Sinneslehre als autonome Wissenschaft ist ein Niemandsland zwischen den etablierten Disziplinen. Gerade dadurch ist sie berufen, bei einer Neubesinnung auf die Grundlagen der Wissenschaften mitzuwirken und neue Erkenntniswege zu bahnen.[3]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Aus dem Physischen herausgehobene astralische Organisation&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel IV wird das astralische Kräftesystem (der Astralleib) in seinem Verhältnis zum Ätherischen und Physischen als aus diesen Kräftesystemen ‚herausgehoben‘ beschrieben.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am pflanzlichen Atmungsorgan – dem flächenhaften Blatt – zeigt sich im Laufe des Tag-Nacht-Rhythmus das Zusammenspiel der physischen und ätherischen Kräfte. Charakteristisch für die tierische und menschliche Organbildung sind dagegen die Prozesse der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Einstülpung, &lt;br /&gt;
* Organ-Abfaltung&lt;br /&gt;
* und Ausstülpung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie sind Bildegesten astralischer Natur und beginnen bereits in der frühen Embryonalentwicklung mit der sogenannten Gastrulation[5] und Neurulation[6]. Dadurch entstehen Innenräume und Berühr- und Begegnungsflächen, die für die weitere Zell- und Organdifferenzierung entscheidend sind. Wer dieses komplexe und großteils gleichzeitig verlaufende Organbildungsgeschehen ‚steuert‘, ist bisher nicht bekannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner und Ita Wegman beschreiben diesen aufeinander bezogenen Kräftebereich bereits in Kapitel I des genannten Werkes als den astralischen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;&#039;Pflanzensubstanz&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;überlässt sich ganz&#039;&#039; der Betätigung der aus- und einstrahlenden Außenkräfte des Ätherischen.&lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;&#039;tierische (und die menschliche) Substanzbildung&#039;&#039;&#039; zeigt dagegen, dass sie Wirkungen unterliegt, die sie &#039;&#039;von diesen Kräften unabhängig&#039;&#039; macht.[7]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Induktionsvorgänge im Zuge der Organbildung&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gut erforscht sind jedoch die sogenannten Induktionsvorgänge, d.h. man weiß, welche Gewebe zu welchem Zeitpunkt durch die gegenseitige Berührung das Auswandern bestimmter Zellen oder durch das Aussenden bestimmter Signalstoffe die Bildung eines Organs veranlagen, stimulieren oder vollenden helfen. Meist sind mehrere Faktoren dieser Art an der Organbildung beteiligt. Inzwischen gilt auch als gesichertes Wissen, dass die Induktionsprozesse vom umliegenden Gewebe, also von der Peripherie her, gesteuert werden und nicht zentral vom genetischen Apparat:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Gegenwärtig weisen die meisten Untersuchungsergebnisse darauf hin, dass weniger der genetische Apparat selbst, als vielmehr die unmittelbare Umgebung einschließlich der benachbarten Gewebe, diese Entscheidung, was sich wann differenziert und entwickelt, maßgeblich bestimmen. So erscheint die für die normale Funktion eines Organs notwendige hochdifferenzierte Struktur durch die exakte Koordination der Bildungsprozesse einzelner ihrer Bauelemente während der Embryonalentwicklung sowie durch die Interaktionen von Einzelfaktoren erreicht zu werden. Das induzierende Gewebe nennt man Induktor und das induzierte Gewebe Indukt. Dabei haben Experimente insbesondere bei der Bildung des Auges gezeigt, dass das Indukt sehr spezifisch sein muss, der Induktor jedoch deutlich unspezifischer sein kann; entscheidend ist jedoch der richtige Zeitpunkt in der Begegnung zwischen Induktor und Indukt für die Bildung eines gesunden Organs am richtigen Ort im Zusammenhang mit den zeitgleich sich bildenden Organen an anderen Orten. Drei Prozesse laufen so zeitlich präzise aufeinander abgestimmt ab: die Proliferation (Zellwachstum), die Differenzierung von Zellen und Organen, und die Induktion und damit auch Integration der einzelnen Bildungen in das Ganze.“[8]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Der Inspiration unmittelbar zugänglich&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die astralischen Kräfte sind der inspirierten Erkenntnis unmittelbar zugänglich: &#039;&#039;„Spricht man aber von ‚astralischer Welt‘, so geht man in Gemäßheit dessen, was das inspirierte Bewusstsein beobachtet, von den Wirkungen aus dem Weltumfang zu bestimmten Geist-Wesenheiten über, die in diesen Wirkungen sich offenbaren, wie in den von der Erde ausgehenden Kräften sich die Erdenstoffe offenbaren. Man spricht von aus den Weltenfernen wirkenden konkreten Geist-Wesenheiten, wie man beim sinnlichen Anblick des nächtlichen Himmels von Sternen und Sternbildern spricht. Daher der Ausdruck ‚astralische Welt‘.[9]&amp;lt;sup&amp;gt;,&amp;lt;/sup&amp;gt; [10]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ergänzend dazu heißt es in Kapitel IV: &#039;&#039;„Die ausstrahlenden Kräfte sind die irdischen, die einstrahlenden diejenigen des Welt-Umkreises der Erde; in den ‚astralischen‘ ist etwas vorhanden, das den beiden Kräftearten übergeordnet ist. Dies macht die Erde selbst erst zum Weltenkörper, zum ‚Stern‘ (astrum). Durch die physischen Kräfte sondert sie sich aus dem Weltall heraus, durch die ätherischen lässt sie dieses auf sich wirken; durch die ‚astralischen‘ Kräfte wird sie eine selbständige Individualität im Weltall.“[11]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ineinandergreifen von Physischem, Ätherischem und Astralischem&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In diesem Kontext wird verständlich, warum die Überschrift des IV. Kapitels &#039;&#039;„Vom Wesen des empfindenden Organismus“&#039;&#039; lautet. Tiere offenbaren eigenständig Wesenhaftes durch Empfindung, Bewegung, Intentionalität. Doch geht es den Autoren nicht nur darum, die unterschiedlichen Erscheinungsformen von Mineral, Pflanze und Tier dem Einfluss der verschiedenen Kräftewirkungen zuzuschreiben. Vielmehr ist der Blick wieder auf die Erdenstofflichkeit gerichtet, die sich unter dem Einfluss des dritten Kräftebereiches gegenüber der Pflanzensubstanz noch einmal grundlegend ändert und dadurch zum Träger der Empfindung werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Dominanz der astralischen Kräfte wird auch die Wirkungsweise der physischen und ätherischen Kräfte modifiziert. Beide Kräftebereiche sind den astralischen Kräften untergeordnet, wodurch es zu den Phänomenen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Tod&#039;&#039;&#039; (vorherrschende &#039;&#039;physische Kräfte&#039;&#039;),&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Schlaf&#039;&#039;&#039; (vorherrschende &#039;&#039;ätherische Kräfte&#039;&#039;),&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wachen&#039;&#039;&#039; (vorherrschende &#039;&#039;astralische Kräfte&#039;&#039;) kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während des Lebens wird der physische Leib des Tieres (und des Menschen) durch den Ätherleib daran gehindert, sich soweit mineralisierend und verhärtend zu betätigen, dass der Tod die Folge wäre. Entsprechend braucht der Ätherleib immer wieder Perioden, in denen er die Todesprozesse im physischen Leib kompensieren kann. Dafür muss er sich den astralischen Kräften so weit entziehen, dass Schlaf eintreten kann und der Astralleib für eine Zeit seiner Wirkmacht als Träger individuellen Bewusstseins und individueller Wesensäußerung enthoben wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Musikalische Natur des Astralischen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
So wie die ätherischen Kräfte plastisch-bildnerisch tätig sind, so sind die astralischen Kräfte im weitesten Sinne musikalischer Natur. Sie wirken über die Gesetze der Differenzierung, Intervallbildung, Polarisierung, der Dissonanz, Konsonanz und Resonanz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Sie finden sich in reiner Form in den Zahlengesetzen, die in Chemie und Biochemie beim Binden und Lösen der Stoffe walten. &lt;br /&gt;
* Aber auch – wie seit dem Altertum bekannt – in den Zahlengesetzen, die die Bewegungen der Sterne beherrschen, so wie dies von den Pythagoräern als Weltharmonik angesehen wurde und später dann von &#039;&#039;Kepler&#039;&#039; detaillierter ausgearbeitet worden ist.[12]&amp;lt;sup&amp;gt;,&amp;lt;/sup&amp;gt; [13] &lt;br /&gt;
* Dass Klänge eine differenzierende Wirkung auf Stoffe ausüben können, kann auch durch Experimente im Stil der Cladni’schen Klangfiguren anschaulich gemacht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[14]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27, Kap. IV.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Vgl. hierzu die Würdigung des Lebenswerkes von Herbert Hensel durch Gunther Hildebrandt (1983), 281f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Hensel (1989), 45–69. Herbert Hensel war nicht nur ein international renommierter Sinnesphysiologe, sondern auch Anthroposoph. Sein Urteil über Steiners Beitrag zur Wissenschaft ist auch im Kontext der EH hilfreich: „Die Bedeutung der Anthroposophie für die empirischen Wissenschaften liegt vor allem darin, daß sie Anregungen gibt und neue Fragestellungen aufwirft, die dann von der empirischen Forschung aufgegriffen und selbstständig bearbeitet werden können. Das bedeutet keine Beschränkung der geistigen Freiheit des Forschers, da er die Antworten auf die Fragen durch eigene Arbeit finden muß.“ Hensel (1989), 70–77.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Vgl. FN 1, S 24: &#039;&#039;„Man hat im tierischen Organismus einen Kräftebereich, der gegenüber dem von der Erde ausstrahlenden und in sie einstrahlenden unabhängig ist.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Gastrulation (von griech. gaster „Bauch eines Gefäßes“[1]) bezeichnet eine Phase der Embryogenese der vielzelligen Tiere, zu denen auch der Mensch gehört. Dabei stülpt sich die Blastula ein und es kommt zur Ausbildung der Keimblätter. (&amp;lt;nowiki&amp;gt;https://de.wikipedia.org/wiki/Gastrulation&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, ges. 29.11.2025).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Als Neurulation bezeichnet man die Bildung eines Neuralrohrs bei Chordatieren und damit auch beim Menschen. Das Neuralrohr ist die embryonale Anlage des späteren Zentralnervensystems (&amp;lt;nowiki&amp;gt;https://de.wikipedia.org/wiki/Neurulation&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, ges. 29.11.2025).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Vgl. FN 1, Kapitel IV, Abs. 3.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Vgl. Moore (2013), 15, 76, 559.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. FN 1, S. 8. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] ‚aster‘ heißt sowohl in der griechischen als auch in der lateinischen Sprache: Stern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Vgl. FN 1, S. 25.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Noch Goethe erwähnt „der Brudersphären Wettgesang“ zu Beginn des Faust im Prolog im Himmel. Siehe auch Livio (2023).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] Vgl. A. Husemann (2024).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== BEGABUNGEN DER ICH-ORGANISATION ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wodurch bemerken wir das Wirken der Ich-Organisation?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie können wir die Ich-Organisation in ihrem Wirken stärken?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ich-Organisation und Wärme&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Ich-Organisation stimmt im physischen Leib das Wirken aller Gesetzmäßigkeiten so aufeinander ab, dass dadurch eine bestimmte Persönlichkeit zur Erscheinung kommt. Ihre Hauptaufgabe besteht in der Integration in den Gesamtzusammenhang, in das Gesamtbild. Sie ist zuständig für die Gestaltung des Menschen hinsichtlich Form, Größe und Proportion und bedient sich dabei der Wärmeprozesse. So wie die Gesetzmäßigkeiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;des Physischen&#039;&#039;&#039; dem Aggregatzustand &#039;&#039;des Festen&#039;&#039; entsprechen,&lt;br /&gt;
* diejenigen &#039;&#039;&#039;des Ätherischen&#039;&#039;&#039; den Gesetzmäßigkeiten &#039;&#039;des Flüssigen&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* und die &#039;&#039;&#039;des Astralischen&#039;&#039;&#039; den Gesetzmäßigkeiten &#039;&#039;des Luftförmigen&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* so äußert sich &#039;&#039;&#039;die Ich-Organisation&#039;&#039;&#039; unmittelbar durch die Gesetzmäßigkeiten &#039;&#039;der Wärme.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztlich hängt es vom Wärmezustand des Organismus ab, in welcher Form eine Substanz vorliegt und wie schnell bzw. langsam sie sich mit anderen Substanzen verbindet oder sich von ihnen trennt. Die Arbeit der Ich-Organisation kann so an der Wärmewirkung abgelesen werden. Interessanterweise beschränkt sich dieser Wärmebildungs- und Verteilungsprozess im Menschen nie nur auf das Physische; die Wärme wird auch seelisch erlebt und wirkt geistig anregend. Umgekehrt wirkt eine im Seelisch-Geistigen „auflodernde“ Begeisterung bis ins körperliche Erleben hinein durchwärmend und positiv stimulierend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Sinneswelt hat die Wärme eine Brückenfunktion zwischen dem Physischen und dem Geistigen, die vergleichbar ist mit der Brückenfunktion des Denkens zwischen Materie und Geist. Wärme kann sowohl in physischer als auch in seelisch-geistiger Form auftreten und ist doch immer Wärme. Dadurch, dass dieses Wärmewesen von der Ich-Organisation individuell genützt wird, bekommt der geistig-physische Wesenszusammenhang sein persönliches Gepräge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Was die Ich-Organisation als Wärmeorganismus stärkt&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Durch die Ich-Organisation und ihre nicht materielle Wärmewirkung kann auch unser wahres höheres bzw. „besseres“ Selbst, unser ewiges Wesen hereinleuchten, ja sogar an&#039;&#039;wesend&#039;&#039; sein. Gestärkt wird die Ich-Organisation von positiven menschlichen Begegnungen. In der zwischen Menschen entstehenden seelisch-geistigen Wärme erlebt sich der Einzelne bestätigt und gefördert. Dabei sind ethische Werte und Lebensideale die besten Schulungsmittel:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wahrhaftigkeit im Umgang miteinander         &lt;br /&gt;
* Respekt vor der Freiheit und Würde des anderen&lt;br /&gt;
* Interesse an dessen Schicksal&lt;br /&gt;
* Anerkennen seiner Stärken&lt;br /&gt;
* Akzeptanz seiner Schwächen&lt;br /&gt;
* Vertrauen in seine weitere Entwicklung zum Guten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Der ewige Wesenskern&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das Ich, der ewige Wesenskern, lebt in der Kontinuität. Es geht durch viele Erdenleben und wird sich immer mehr seiner selbst bewusst; es stammt aus urferner Vergangenheit und schreitet weiter auf ein leuchtendes Entwicklungsziel zu. Qualitäten wie Zuverlässigkeit, Kontinuität, Belastbarkeit, Tragfähigkeit, Durchhaltevermögen usw., die im Leben und in menschlichen Beziehungen zum Tragen kommen, unterstützen die Ich-Organisation. Freundschaften, in denen gemeinsame Ziele oder Arbeitsaufgaben das Verbindende sind, erweisen sich als besondere Kraftquelle für das Ich wie auch die Arbeit an den Kernidealen des menschlichen Werdens: Wahrhaftigkeit, Liebefähigkeit, Freiheit für sich und die anderen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dank der Losgelöstheit des Gedankenorganismus vom physischen Leib hat das Ich als denkendes Wesen auch die Möglichkeit, von sich selbst abzusehen und anderes in den Mittelpunkt seines Interesses zu stellen. Das ist die Voraussetzung für Selbstlosigkeit, die sich das Ich auf dem Erkenntnisweg erarbeiten kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese wenigen Andeutungen können verständlich machen, warum in einer Zeit, in der menschliche Beziehungen so starken Belastungen ausgesetzt sind und vielfach im gegenseitigen Unverständnis und Sich-nicht-ertragen-Können auseinanderbrechen, auch die Ich-Kraft und das damit verbundene Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl eine immense Schwächung erfahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Begabungen und Behinderungen“, 8. Kapitel, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2004&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== BLUT, NERV UND WESENSGLIEDER[1] ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielen die Wesensglieder bei Bildung und Funktion von Blut- und Nervensystem?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welcher Regie folgen sie?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen inneren Zusammenhang haben Blut und Knochen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;A Blutbildung und die Rolle der Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das erste funktionsfähige Organsystem im werdenden Embryo ist das Herz-Kreislauf-System. Es entsteht aus dem konfluierenden Zusammenwachsen der ab der dritten Woche entstehenden Blutinseln im intra- und extraembryonalen Bindegewebe – auch der in Bildung begriffenen Plazenta – und stellt so die Ernährung des Embryos sicher. Diese Blutinseln bestehen aus Plasma (Wasser, Nährstoffe, Elektrolyte, Mineral- und Schutzstoffe) sowie aus weißen und roten Blutzellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner und Ita Wegman schildern im ersten Absatz von Kapitel VI von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[2]&#039;&#039; die Blutbildung in Fortsetzung der Nahrungsaufnahme. Dabei handelt es sich um einen konsekutiv-ganzheitlichen Blutbildungsprozess, bei dem die Wesensglieder nacheinander – unter der Gesamtregie der Ich-Organisation[3] – ihren Haupteinfluss geltend machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== • Physischer Leib und Verdauungssekretion ====&lt;br /&gt;
Diese ist eine bewusste durch die Sinnestätigkeit des Schmeckens, Riechens und Schluckens begleitete Tätigkeit. Die dadurch angeregte Mobilisierung von Speichel, Magen- und Pankreassekreten beeinflussen dann nachhaltig die weiteren – unbewussten – Verdauungsprozesse. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== • Astralleib und Blutbildung in den inneren Organen ====&lt;br /&gt;
Bei der weiteren Blutbildung im Bereich der inneren Organe tritt die Tätigkeit des astralischen Leibes in den Vordergrund. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== • Ätherleib und roter Blutfarbstoff ====&lt;br /&gt;
Beim Aufbau des roten Blutfarbstoffs für die Sauerstoffaufnahme hat der Ätherleib seine Haupttätigkeit. In diesem Zusammenhang ist interessant, dass die Chlorophylle, die bei der Pflanze durch die energetische Lichtaufnahme entstehen, in ihrer biochemischen Struktur den Häm-Molekülen im Farbstoff der roten Blutkörperchen sehr ähnlich sind. Anstelle des Eisenions als Zentralatom, das den Sauerstoff aus der Atemluft lose bindet und dem Blut seine rote Farbe gibt, steht im Chlorophyll das Magnesium-Ion im Zentrum.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== • Ausatmung von Kohlendioxid als Endpunkt der Blutbildung ====&lt;br /&gt;
Als letzter Akt des Blutbildungsprozesses wird dann die Ausatmung des Kohlendioxids genannt, die hauptsächlich über die Atemluft erfolgt. Dabei spielen die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) eine ebenso zentrale Rolle wie bei der Sauerstoffaufnahme. Sie können das aus den Abbauprozessen im Körper (sogenannte Zellatmung) stammende Kohlendioxid ebenso am Häm-Molekül binden wie den Sauerstoff aus der Luft. Die Menge der Aufnahme und Abgabe ist vom jeweiligen Partialdruck der Gase abhängig. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Regulierung des Kohlendioxidgehaltes des Blutes hat auch Einfluss auf die Funktion des Gehirns. Kohlenstoff ist ja die Gerüstsubstanz aller Lebewesen und Zentralelement der Biochemie – ganz gleich, ob es sich um Fette, Kohlenhydrate, Eiweiße, Vitamine oder Enzyme handelt. Sie alle haben ein Kohlenstoffgerüst. Entsprechend ist auch das Calciumcarbonat als Salz der Kohlensäure wesentlicher Gerüststoff für den Knochenbau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über diese fundamentalen Grundkenntnisse hinausgehend beschreiben die Autoren die notwendige Präsenz der Kohlensäure im Gehirn, um dort die für das Denken und Wahrnehmen nötige Neigung zu erzeugen, &#039;&#039;„ins Leblose, Unorganische überzugehen“[5].&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;B Bildung des dreigliedrigen Nervensystems und Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Bildung des Nervensystems verläuft im Gegensatz zu dem eben Dargestellten in dreifacher Weise verschieden. Das Nervensystem ist von vornherein – ebenfalls ab der dritten Embryonalwoche – dreigliedrig veranlagt und dient im reifen Zustand der Entfaltung von drei verschiedenen Bewusstseinszuständen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wachbewusstsein&#039;&#039;&#039; (Gehirn und Sinnesorgane),&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Traumbewusstsein&#039;&#039;&#039; (Rückenmark, Hirnstamm)&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Schlafbewusstsein&#039;&#039;&#039; (vegetatives Nervensystem).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Vegetatives Nervensystem und Ätherleib ====&lt;br /&gt;
Das vegetative Nervensystem dient dem Ätherleib zur unbewussten Wahrnehmung der Vorgänge im Organismus. Astralische und Ich-Organisation können hier nicht innerlich organisierend, sondern – so die Autoren – nur ‚von außen‘ auf dieses einwirken. Deswegen braucht das vegetative Nervensystem für seine Gesundheit ein positiv-harmonisch gestimmtes Gefühlsleben (Astralleib) und eine entsprechende Identität (Ich-Organisation). D.h. für die Gesunderhaltung des Vegetativums braucht es die im Sinne der heutigen Salutogenese[6] und der Mindful-Stress-Reduction-Techniken[7] der Gegenwart ein positives Kohärenzgefühl mit Bezug auf die jeweiligen Lebensereignisse. Rudolf Steiner und Ita Wegman betonen: &#039;&#039;„Affekte und Leidenschaften haben eine dauernde, bedeutsame Wirkung auf den Sympathikus. Kummer, Sorgen richten dieses Nervensystem allmählich zugrunde.“[8]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Rückenmark, Hirnstamm und Astralleib ====&lt;br /&gt;
Das Rückenmark mit seiner reflektorischen Tätigkeit dient dem Astralleib als Instrument des instinktiv-fühlenden Reagierens auf alles, was seelisch erlebt wird. 3. Gehirn, Sinne und Ich-Organisation Die 12 Gehirnnerven hingegen dienen primär der Ich-Organisation zur bewussten Wahrnehmung.[9] Menschliche Gesamtgestalt durch Zusammenwirken von AL und Ich So ist die Gesamtgestalt des Menschen ein Bild des Zusammenwirkens von astralischer und Ich-Organisation. In Abs. 6 wird dies so formuliert: &#039;&#039;„Man wird das Gehirn des Menschen nur begreifen, wenn man in ihm die knochenbildende Tendenz sehen kann, die im allerersten Entstehen unterbrochen wird. Und man durchschaut die Knochenbildung nur dann, wenn man in ihr eine völlig zu Ende gekommene Gehirn-Impulswirkung erkennt, die von außen, von den Impulsen des mittleren Organismus, durchzogen wird, wo astralisch bedingte Nervenorgane mit ätherisch bedingter Blutsubstanz zusammen tätig sind.“[10]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Das Blut, das im Inneren der platten Knochen gebildet wird, stellt das unmittelbar schöpferische &#039;&#039;&#039;Instrument der Ich-Organisation&#039;&#039;&#039; dar, das Skelett dagegen ihren im physischen Organismus zum Abschluss gekommenen äußeren Ausdruck. &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Instrument der astralischen Organisation&#039;&#039;&#039; hingegen ist das Nervensystem, das von der Ich-Organisation zum Träger des individuell-autonomen Selbstbewusstseins – im Unterschied zum Tier – umgebildet werden muss (‚herausgehoben‘, wie es in Kapitel V[11] hieß).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher muss beim Gehirn als Träger des menschlichen Wachbewusstseins die knochenbildende Tendenz – d.h. die Hinneigung zum Toten, Mineralischen, auf die sich physiologisch die Ich Organisation stützt,[12] – ‚leise‘ zugrunde liegen. In seinen Prager Vorträgen über &#039;&#039;„Okkulte Physiologie“&#039;&#039; von 1911 hatte Rudolf Steiner diesen Sachverhalt so formuliert: &#039;&#039;„Insofern unser Ich als bewußtes Ich auftritt, hat es zum Werkzeug das Blutsystem, insofern unser Ich vorgebildet ist als Form und Gestalt, liegt ihm zugrunde ein kosmisches Kraftsystem, das hindrängt zur festen Gestaltung, das sich am dichtesten zum Ausdruck bringt in unserem Knochensystem.“[13]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[14]&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Für dieses Kapitel verdanke ich Branko Furst – Associate Professor, Department of Anaestesiology, Albany Medical College, Albany/USA – wertvolle Hinweise (vgl. Furst [2014]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner und Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Vgl. FN 2, S. 33 u. 35: &#039;&#039;„Indem die Blutbildung in der Fortgestaltung der aufgenommenen Nahrungsstoffe erfolgt, steht der ganze Blutbildungsvorgang unter dem Einfluss der Ich-Organisation.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Vgl. Heldt und Piechulla (2014).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Siehe FN 2, S. 34.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Vgl. Antonovsky (1997); Wydler u. a. (2000). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Vgl. Dobos (2019).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] I: Riechen. II–IV: Sehen. V: Kauen. VI: Augenbewegung, Pupillenmotorik, Gesichtssensibilität. VII: Mimik, Gesichtsnerv. VIII: Hören, Gleichgewicht. IX: Zunge, Rachen, Schlucken. X: Hauptnerv des Parasympathikus, Regulation der inneren Organe. XI: Kopfdrehung, Schulterhebung. XII: Zungenbewegung. Sie sind entweder direkt bestimmten Hirnregionen (I und II) eigen oder entspringen aus umschriebenen Hirnnervenkernen, die spezialisierte Nervenzellansammlungen sind, die somatomotorische, somatosensible, sensorische bzw. vegetative Fasern enthalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Siehe FN 2, S. 35.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Von: FN 2.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Ebenda, S. 48.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Eine okkulte Physiologie,&#039;&#039; GA 128, S. 139 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== WÄRME, BLUT UND ICH-ORGANISATION ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern ist das Blut ein wesentliches Tätigkeitsfeld des inkarnierten Ich-Anteils, der Ich-Organisation?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern ist Wärme ein Ausdruck des Wirkens der Ich-Organisation?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche drei Ich-Anteile beschreibt Rudolf Steiner?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;A Wärme, Ich-Anteile und Blut&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Da Wärme ausstrahlend ist, immateriell, und folglich auch in sich keine Grenzen hat, bedarf es der Inkarnation dieser Wärmegesetzlichkeit in einen begrenzten Leib, damit sich dadurch ein abgegrenztes, autonomes Selbstbewusstsein bilden kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Diesen Anteil nennt Steiner &#039;&#039;&#039;Ich-Organisation.&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* Davon zu unterscheiden ist &#039;&#039;&#039;das ewige Ich&#039;&#039;&#039;, das von Erdenleben zu Erdenleben durch verschiedene Verkörperungen hindurch zunehmend Bewusstsein von seiner ewigen Natur bekommen kann, indem es sich gemäß seiner Schicksalsgegebenheiten immer wieder neu seine Wesensglieder bildet und seiner menschlichen Identität vergewissert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wärme steht an der Grenze zwischen dem Materiellen und dem Nichtmateriellen.[1] Zwischen dem rein geistigen ewigen Ich, das sich nach Steiner nicht inkarniert und dem materiell fassbaren Blutorgan, in dem die sich inkarnierende Ich-Organisation ganz und gar tätig ist, liegt die regulierende Wirkung der geistigen, seelischen und physischen Wärme. So wie sich nach anthroposophischem Verständnis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die physische Organisation auf den &#039;&#039;&#039;festen Aggregatzustand&#039;&#039;&#039; stützt, &lt;br /&gt;
* die ätherische auf den &#039;&#039;&#039;flüssigen&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* die astralische auf die &#039;&#039;&#039;Luft&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* so die Ich-Organisation auf die &#039;&#039;&#039;Wärme&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Blut kommt über das Eng- und Weitstellen der arteriellen Blutgefäße eine wichtige Rolle in der Wärmeregulation zu. In der und durch die Wärme ist die Ich-Organisation in der gesamten Konstitution tätig und sorgt im Blut dafür, dass das Blut &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* weder &#039;&#039;&#039;zu stark gerinnt&#039;&#039;&#039;, so dass Blutgerinnsel entstehen können, &lt;br /&gt;
* noch, dass es &#039;&#039;&#039;zu flüssig wird&#039;&#039;&#039;, wie dies bei der Bluterkrankheit (Hämophilie) oder sekundär bei Gerinnungsfaktormangel infolge der Verbrauchskoagulopathie (DIC) der Fall ist.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;B Dreifacher Ich-Begriff und Blutbildung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Anknüpfend an einen aristotelischen Denkansatz formuliert Steiner seinen Ich-Begriff: &#039;&#039;„Wenn wir das Ich im reinen Gedanken fassen, dann sind wir in einem Zentrum, wo das reine Denken zugleich essentiell sein materielles Wesen hervorbringt. Wenn Sie das Ich im Denken fassen, so ist ein dreifaches Ich vorhanden:&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;ein reines Ich&#039;&#039;&#039;, das zu den Universalen &#039;&#039;&#039;‚ante rem‘&#039;&#039;&#039; gehört,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;ein Ich, in dem Sie drinnen sind,&#039;&#039;&#039; das zu den Universalien &#039;&#039;&#039;‚in re‘&#039;&#039;&#039; gehört,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;und &#039;&#039;&#039;ein Ich, das Sie begreifen,&#039;&#039;&#039; das zu den Universalien &#039;&#039;&#039;‚post rem‘&#039;&#039;&#039; gehört.[3]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Aber noch etwas ganz Besonderes ist hier: für das Ich verhält es sich so, daß, wenn man sich zum wirklichen Erfassen des Ich aufschwingt, diese drei ‚Ichs‘ zusammenfallen. Das Ich lebt in sich, indem es seinen reinen Begriff hervorbringt und im Begriff als Realität leben kann. Für das Ich ist es nicht gleichgültig, was das reine Denken tut, denn das reine Denken ist der Schöpfer des Ich. Hier fällt der Begriff des Schöpferischen mit dem Materiellen zusammen, und man braucht nur einzusehen, daß wir in allen anderen Erkenntnisprozessen zunächst an eine Grenze stoßen, nur beim Ich nicht: dieses umfassen wir in seinem innersten Wesen, indem wir es im reinen Denken ergreifen [...] Es ist also in dem durch einen reinen Denkakt erfaßten und damit zugleich geschaffenen Ich etwas vorhanden, durch das wir die Grenze durchdringen, die für alles andere zwischen Form und Materie gesetzt werden muß.“[4]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Schritte der Blut- und Organbildung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der hier in dreifacher Weise gefasste Ich-Begriff findet sich in der Beschreibung der Blutbildung wieder, wie sie Rudolf Steiner und Ita Wegman im Kapitel VI von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[5]&#039;&#039; beschreiben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Nahrungsmittel („post rem“) werden aus der Umwelt aufgenommen &lt;br /&gt;
* und von den rein geistigen Wesensglieder-Formkräften („ante rem“) ergriffen,&lt;br /&gt;
* die den Umwandlungsprozess in einen neuen „in re“-Zusammenhang ermöglichen: das menschliche Blut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch wird es zum schöpferischen, organbildenden Instrument der Ich-Organisation. Dass vom Blut alle Organbildung ausgeht, zeigen die Phänomene der Organbildung während der Embryonalentwicklung. Indem Blutgefäße in ein bestimmtes Gewebe einsprossen und die für Wachstum und Entwicklung notwendigen Ernährungsprozesse ermöglichen, wird auch die Zellproliferation des betreffenden Organgewebes induziert. Durch die dann einsprossenden Nerven wird die Differenzierung zu den organspezifischen Zellen angestoßen. Begleitet werden diese beiden Prozesse jedoch stets durch einen dritten regulierenden Prozess, der für die adäquate Integration in den Gesamtorganismus sorgt.[6]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die astralische Organisation als Träger von Bewusstseinsprozessen, welche beim Menschen als selbstbewusster Wachzustand, Traum- und unbewusstes Schlafbewusstsein auftreten, erfordern eine dementsprechende dreigliedrige Organanlage des Nervensystems und damit auch des ganzen Organismus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[7]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Brücke zwischen der Weltgeistigkeit und dem Physischen des Menschen. Die Suche nach der neuen Isis, der göttlichen Sophia. Der Mensch in seinem Zusammenhang mit dem Kosmos, Band II.,&#039;&#039; GA 202, Vortrag vom 17.12.1920; Penter (2021), 333–348.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Vgl. Kuehn (2022), 36–42.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Formatierung und Hervorhebung von K. Offenborn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Philosophie und Anthroposophie. Gesammelte Aufsätze,&#039;&#039; GA 35, 102f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27, Kap. VI.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Vgl. Rohen und Lütjen-Drecoll (2022).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DAS BLUT ALS INSTRUMENT DES ICH ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern kann das Blut als Instrument des Ich bezeichnet werden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielt das Eisen für die Gesundung des Blutes?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie verhält sich das Blut zum Physischen und wie zum Ätherischen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Selbstheilungskräfte aus dem Blut&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel VII von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; werden die Selbstheilungskräfte nicht mit Blick auf ihre Funktion als körperliche Schutz- und Abwehrmechanismen des Immunsystems geschildert. Vielmehr werden sie als diejenigen Kräfte dargestellt, die dem Blut innewohnen, das den dreigliedrigen Organismus versorgt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* einerseits in Form der &#039;&#039;&#039;weißen Blutzellen&#039;&#039;&#039;, die für die körperliche Abwehr verantwortlich sind, &lt;br /&gt;
* insbesondere aber auch in Form der &#039;&#039;&#039;Tätigkeit der roten Blutkörperchen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* und der &#039;&#039;&#039;übrigen Bestandteile des Blutes&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Blut als Ganzes ist als Instrument der Ich-Organisation Träger der Selbstheilungskräfte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Warum das Blut Eisen braucht&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dieses Thema wird im dritten Vortrag des &#039;&#039;Ärzte-Kurses von 1920[2]&#039;&#039; eingehender erläutert. Dort wird die Frage: &#039;&#039;‚Warum braucht das Blut das Eisen?‘&#039;&#039; eine Kardinalfrage der ganzen medizinischen Wissenschaft genannt. Rudolf Steiner erläutert:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Das Blut braucht das Eisen nämlich. [...] Das Blut ist einfach durch seine eigene Wesenheit krank und muß fortwährend kuriert werden durch den Eisenzusatz. Das heißt, wir haben in dem Prozesse, der in unserem Blute sich vollzieht, einen fortwährenden Heilungsprozess in uns tragend. Will der Arzt durch der Natur Examen gehen [ein Ausdruck des Paracelsus], so muss er vor allen Dingen nicht einen schon abnormen Prozeß der Natur betrachten, sondern einen normalen Prozeß. Und der Blutprozeß ist sicher ein normaler, aber er ist zu gleicher Zeit ein solcher, wo fortwährend die Natur selbst heilen muß, wo fortwährend die Natur durch das zugesetzte Mineral, durch das Eisen heilen muss. So daß wir, wenn wir uns graphisch darstellen wollten dasjenige, was mit dem Blute geschieht, sagen müssen: Dasjenige, was das Blut durch seine eigene Konstitution ohne das Eisen hat, ist eine Kurve oder eine Linie die abwärts führt und die ankommen würde zuletzt bei der vollständigen Auflösung des Blutes, während dasjenige was das Eisen im Blute bewirkt, es fortwährend aufwärts führt, es fortwährend heilt. Wir haben in der Tat da einen Prozeß, der ein normaler ist und der zu gleicher Zeit ein solcher ist, der nachgebildet werden muss, wenn wir überhaupt an Heilungsprozesse denken wollen. Da können wir wirklich durch der Natur Examen gehen, denn da sehen wir, wie die Natur Prozesse vollführt, indem sie dasjenige, was außermenschlich ist, das Metall mit seinen Kräften, dem Menschlichen zuführt. Und wir sehen zu gleicher Zeit, wie dasjenige, was im Organismus unbedingt bleiben will, wie das Blut, [...] geheilt werden muß; dasjenige, was aus dem Organismus herausstrebt, wie die Milch, daß das nicht geheilt zu werden braucht, sondern daß das, wenn es Bildekräfte enthält, in gesunder Weise diese Bildekräfte in den anderen Organismus überführen kann. Das ist eine gewisse Polarität, und ich sage: eine gewisse, nicht eine ganze Polarität zwischen dem Blute und der Milch, die aber ins Auge gefasst werden muß, denn man kann daran eben sehr viel studieren.“[3]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Das Blut in seinem Verhältnis zum Physischen und zum Ätherischen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In den 2020 erschienenen Studienkommentaren zum medizinischen Werk Rudolf Steiners gehen die Herausgeber auch dieser Frage nach und suchen einer Beantwortung näherzukommen, wie diese Passage zu verstehen ist. Sie beziehen dabei auch die vorbereitenden Notizen Rudolf Steiners ein, die inzwischen in der Neuherausgabe zum 100-jährigen Jubiläum des Kurses in diesen integriert worden sind. Genauer notierte sich Steiner in seinen vorbereitenden Notizen: &#039;&#039;„Das Blut [...]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;hat abgestoßen die physischen Bildekräfte&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;und wirkt durch die an es gebundenen ätherischen.“&#039;&#039; [4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== @ Abstoßung physischer Bildekräfte ====&lt;br /&gt;
Unter Abstoßung physischer Bildekräfte im Blut kann zunächst an den Zellkernverlust der Erythrozyten – die immerhin ‚den Hauptbestandteil des Blutes‘ darstellen – gedacht werden. Denn mit der Abstoßung des zellulären Erbguts und der Mitochondrien während des Reifungsprozesses verliert der Erythrozyt insofern seine ‚äußere Bildungsfähigkeit‘, als eine Zellteilung d.h. Fortpflanzung bzw. ein kernvermittelter Stoffwechsel durch diese Abstoßung nicht mehr möglich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== @ Wirkung der ätherischen Kräfte im Flüssigen ====&lt;br /&gt;
Die Distanzierung des Blutes von den Kräften der physischen Gestaltbildung zeigt sich aber auch in der durchwegs flüssig-viskösen Form des Blutplasmas, die sich in der hohen Verformbarkeit der zellulären Elemente fortsetzt. An den flüssig-beweglichen Aggregatzustand ist zudem die Wirkung der lebendigen Bildekräfte gebunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Gerinnung des Blutes durch Berührung mit dem Physischen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Bei einer Berührung des Blutes mit der physischen Außenwelt kommt es bekanntlich unmittelbar zur Gerinnung, ein Phänomen, welches der Physiologe &#039;&#039;Thomas H. Huxley&#039;&#039; in dem von Steiner gut studierten Lehrbuch wie folgt anführt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Berührung mit nicht lebendem Stoffe beschleunigt die Gerinnung. Daher gerinnt das Blut, welches in eine Schüssel gelassen wird, zuerst da, wo es mit den Wänden der Schüssel in Berührung kommt; und ein Draht, in eine lebende Vene gesteckt, bedeckt sich mit Fibrin, trotzdem vollkommen flüssiges Blut ihn umgibt [...] Andererseits verzögert oder vermindert unmittelbare Berührung mit lebendigem Stoffe die Gerinnung des Blutes. So bleibt Blut sehr lange flüssig in einem Stück Vene, welches an beiden Enden zugebunden ist.“[5]&#039;&#039; [...] Diese Kardinalfrage, &#039;&#039;„was hinter der Erscheinung des Blutes verborgen liegt“&#039;&#039;[6], &#039;&#039;„was als geistige Wesenheit hinter dem Blut liegt“[7]&#039;&#039;, durchzieht das gesamte Vortragswerk Steiners bis in kulturelle, mythologische und religiöse Zusammenhänge.[8]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Blut als äußeres Werkzeug des Ich&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der &#039;&#039;„Okkulten Physiologie“&#039;&#039; lesen wir dazu: &#039;&#039;„Wie das Urbild zu seiner Offenbarung, zu seinem Abbild [...] müssen wir das Blut als äußeres Werkzeug für das Ich ansehen, für alles, was wir als unser innerstes Seelenzentrum, das Ich, bezeichnen.“[9]&#039;&#039; In seinem Vortrag &#039;&#039;„Blut ist ein ganz besonderer Saft“&#039;&#039; von 1906, in dem Rudolf Steiner an den gleichlautenden Ausspruch des Mephistopheles im Faust anknüpft, heißt es dazu:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Das Blut erfährt durch [...] Sauerstoffaufnahme eine Erneuerung. Dasjenige Blut, welches das menschliche Innere gleichsam dem hereinströmenden Sauerstoff anbietet, ist eine Art von Giftstoff für den Organismus, eine Art Vernichter und Zerstörer. Dieses blaurote Blut wird umgewandelt durch Aufnahme von Sauerstoff, durch eine Art Verbrennungsprozess, in rotes, lebensschaffendes Blut. Dieses Blut, das in alle Teile des Körpers dringt, in allen Teilen des Körpers die Ernährungsstoffe ablagert, hat die Aufgabe, die Stoffe der Außenwelt unmittelbar in sich aufzunehmen und auf dem kürzesten Wege zur Ernährung des Wesens zu verwenden. Der Mensch und die höheren Tiere haben nötig, erst diese Ernährungsstoffe in das Blut überzuführen, das Blut zu bilden, den Sauerstoff der Luft in das Blut aufzunehmen und den Körper durch das Blut aufzubauen und zu erhalten. [...] Im Blute ist also ein wirklicher Doppelgänger des Menschen vorhanden, der ihn fortwährend begleitet, aus dem er fortwährend seine neuen Kräfte schöpft und an den er dasjenige, was er nicht mehr braucht, abgibt. [...] Wie durch das Gehirn die Außenwelt verinnerlicht wird, so wird durch das Blut diese Innenwelt in dem Leib des Menschen zu einem äußeren Ausdruck umgeschaffen. [...] Im Blute liegt das Prinzip für die Ich-Werdung. Ein Ich kann nur da zum Ausdruck kommen, wo ein Wesen die Bilder, die es von der Außenwelt erzeugt, in sich selbst zu gestalten vermag. Ein Ich-Wesen muß fähig sein, die Außenwelt in sich aufzunehmen und innerhalb seiner selbst wieder zu erzeugen. Hätte der Mensch bloß Gehirn, so könnte er nur Bilder der Außenwelt in sich erzeugen und in sich erleben; er würde dann zu sich nur sagen können: die Außenwelt ist in mir als Spiegelbild noch einmal wiederholt; kann er aber diese Wiederholung der Außenwelt zu einer neuen Gestalt aufbauen, dann ist diese Gestalt nicht mehr bloß die Außenwelt: sie ist ‚Ich‘.“[10]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[11]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27, Kap. VII.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaft und Medizin,&#039;&#039; GA 312.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Siehe FN 2, S. 71f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Formatierung K. Offenborn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Huxley 1910, 75.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Erkenntnis des Übersinnlichen in unserer Zeit und deren Bedeutung für das heutige Leben,&#039;&#039; GA 55, S. 41.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Ebenda, S. 42.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Heusser u. a. (2020), 423–425.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Eine okkulte Physiologie,&#039;&#039; GA 128, S. 39.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Siehe FN 6, S. 43–57.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== KNOCHENBILDUNG UNTER DER FÜHRUNG DER ICH-ORGANISATION ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist die Rolle der Ich-Organisation im Rahmen der Wesensgliedertätigkeit?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Tätigkeiten obliegen der Ich-Organisation bei der Knochenbildung ab der Embryonalentwicklung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Warum ist ein gesundes Maß an Schlaf wichtig für uns?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Knochenbildung als Beispiel&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Am Beispiel der Knochenbildung – dem weitesten Weg, den ein Organ bzw. Organsystem bei seiner Bildung zu durchlaufen hat – schildern Rudolf Steiner und Ita Wegman in Kapitel XII von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; die Aufbau-Tätigkeit der Wesensglieder von der Embryonalentwicklung an.[2] Die Knochenbildung beginnt als ein multifokales embryonales Entwicklungsgeschehen, das im Skelett des Erwachsenen gipfelt, als der aufrechten Menschengestalt, dem physischen Abbild des Ich[3] oder im Sinne der Bibel in der Gottebenbildlichkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So komplex die Zusammenhänge auch sind, die in den 13 Absätzen von Kapitel XII beschrieben werden, so klar und systematisch erscheint der Aufbau. Zwanzigmal wird das Wort ‚Ich-Organisation‘ genannt, als die für den Grad des jeweils erforderlichen Aufbau- und Abbaugeschehens verantwortliche Instanz, der sich die Gesetzmäßigkeiten des physischen, ätherischen und astralischen Wirkbereichs unterordnen (müssen). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zehn „Tätigkeiten“ der Ich-Organisation bei der Knochenbildung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dabei werden zehn Prozessschritte in Betracht gezogen, die die Tätigkeit der Ich-Organisation kennzeichnen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Abscheiden unorganisch fester Substanz ====&lt;br /&gt;
Dieses Abscheiden des Festen aus dem halbflüssigen Zustand des embryonalen Ernährungsangebots und deren Eingliederung in den eigenen Ätherleib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Differenzierung der verschiedenen Organanlagen ====&lt;br /&gt;
Körpereigenes Eiweiß – Domäne des Ätherischen – wird zur Aufnahme von Luft und den damit verbundenen astralischen Gesetzmäßigkeiten gebracht. Der dadurch impulsierte Kohlenstoffmetabolismus ermöglicht die Differenzierung der verschiedenen Organanlagen aus der &#039;&#039;„noch undifferenzierten Organsubstanz“&#039;&#039;, wobei der Verzicht auf ‚perfekt-tierische Differenzierung‘ von der Ich-Organisation &#039;&#039;„gewissermaßen aufgesetzt“&#039;&#039; wird.[4] Man kann das Wort ‚aufsetzen‘ bildlich als ‚Krone aufsetzen‘ deuten – es steckt hier aber auch die Qualität des ‚sich Durchsetzens‘ darin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Differenzierte Handhabung von Wärme ====&lt;br /&gt;
Die Wirkmacht der Ich-Organisation beruht auf ihrer Herrschaft über den Wärmezustand, den sie differenziert handhaben kann: &#039;&#039;„Diese Ich-Organisation lebt ganz in Wärmezuständen. Sie holt aus der allgemeinen Astralwesenheit die einzelnen Organe heraus. Sie betätigt sich dabei an der allgemeinen, durch das Astralische herbeigeführten Substanz so, dass sie den Wärmezustand eines sich vorbereitenden Organs entweder erhöht oder vermindert.“&#039;&#039; [5] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Verminderung von Wärme ====&lt;br /&gt;
Verminderung von Wärme führt zur Aufnahme von Salzsubstanzen.[6]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Erhöhung von Wärme ====&lt;br /&gt;
Erhöhung von Wärme dient der Auflösung von Organischem.[7]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 6. Erkrankung als Regulationsmöglichkeit ====&lt;br /&gt;
Möglichkeiten zu erkranken, wenn der Organismus nicht genügend Wärme für ein Organgebiet zur Verfügung stellen kann, und dieses daher zu verhärten droht; oder, wenn ein Organ fertig ausgebildet ist, die Dynamik zwischen Organgebrauch und dessen Regeneration gestört ist.[8]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 7. Arteriosklerose als notwendiges „&#039;&#039;Austreiben der Ich-Organisation“&#039;&#039; ====&lt;br /&gt;
Das Krankheitsbild der Arteriosklerose ist die Folge eines solchen &#039;&#039;„Austreibens der Ich-Organisation“&#039;&#039; aus einem Organ, das nicht verhärten soll, sondern zwischen Flüssigem und Luftförmigen in den Prozessen der Auflösung gehalten werden muss.[9]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 8. Abkühlung zur Drosselung des Astralischen ====&lt;br /&gt;
Mögliche Gestaltmissbildungen treten auf, wenn es der Ich-Organisation nicht gelingt, den für dieses Organgebiet notwendigen Abkühlungsgrad zu erreichen. Dann setzen sich im astralischen Wirkbereich der eine oder andere mögliche Gestaltbildungsprozess durch. Als Beispiel werden rachitische Erkrankungen genannt, d.h. ganz generell Knochenstoffwechselstörungen, zu denen maßgeblich auch die Osteoporose gehört.[10]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 9. Integration von Ausscheidungsprodukten ====&lt;br /&gt;
Hier geht es um die Biochemie der exokrinen und endokrinen Drüsenerzeugnisse. Diese werden als differenzierte Absonderungs- und Ausscheidungsprodukte der astralischen Tätigkeit geschildert, die von der Ich-Organisation in das Ganze integriert und reguliert werden müssen im Sinne des &#039;&#039;„Nichts zu viel und nichts zu wenig“[11]&#039;&#039;– der Ur-Tugend des Maßhaltens, des Gleichgewichtwahrens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Verrichtung dieser Tätigkeiten liegt etwas, das der Organismus für seinen Bestand braucht. Diese Tätigkeit ist ebenso notwendig, wie diejenige, die Stoffe in den Organismus aufnimmt oder in ihm ablagert. Denn in dem gesunden Verhältnis der beiden Tätigkeiten liegt das Wesen der organischen Wirksamkeit.[12]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 10. Regulation von Harnsäure, die dem bewussten Denken dient ====&lt;br /&gt;
Der letzte Absatz widmet sich nochmals der Harnsäure. Sie steht als Ausscheidungsprodukt unter der Herrschaft des Astralleibes. Ihre Regulation hingegen – dass nicht zu viel und nicht zu wenig ausgeschieden wird – hängt von der Kompetenz der Ich-Organisation ab, insbesondere bei einer Substanz, die &#039;&#039;„bis zum Unorganischen getrieben“&#039;&#039; ist,[13] d.h. Kristalle bilden kann, wie die Harnsäure, die dem bewussten Denken dient.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Gesundes Schlafmaß als Aufgabe&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Daher ist der dem Ausscheidungsvorgang entgegengesetzte ‚Gegendruck‘ wichtig für die gesunde Regelung des Schlaf-Wach-Rhythmus. Dieser Gegendruck hat sein physiologisches Korrelat in der Rückresorption von 90 % der Harnsäure aus dem glomerulären Primärfiltrat der Nieren, wie in der Einleitung zu Kapitel XI erwähnt wurde. &#039;&#039;Otto Wolff&#039;&#039; weist in dem Zusammenhang auf zwei Experimente hin, die von anthroposophischen Ärzten durchgeführt wurden. Sie konnten einen Harnsäureanstieg im Urin feststellen nach einer bestimmten Zeit mathematischen Denkens.[14] Ein mögliches Zeichen für die verstärkte Denktätigkeit der Ich-Organisation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der zum Schluss angeführte Schlaf, als die Voraussetzung für die Erhaltung der Gesundheit, wird damit auch zu einer Aufgabe für den individuellen Menschen, sein Schlafmaß im Einklang mit den Erfordernissen seines wachen Tageslebens zu regeln. Mit langem und kurzem Schlaf ist hier nicht irgendeine statistisch zu empfehlende mittlere Schlafdauer gemeint, sondern die Fähigkeit des Organismus, sich rundum zu erholen.[15]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[16]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27, Kap. VII.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ähnliches gilt natürlich für die Entwicklung aller Organsysteme. Was Biologen und Biochemiker bis heute immer weiter im Detail erforschen – das Wesen der Organmatrix –, wird hier als die &#039;&#039;„allgemeinere Substanz“&#039;&#039; bezeichnet, &#039;&#039;„aus der heraus alle die einzelnen Organe des Körpers gebildet werden können“ (S. 60).&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Siehe FN 1, S. 59.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Ebenda, S. 60.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Siehe FN 1, Kap. XII, Abs. 6.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Ebenda, Abs. 7, 8.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Ebenda, Abs. 9.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Siehe FN 1, S. 61f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Ebenda, S. 62f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Ebenda, S. 63.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] Vgl. Wolff (2013), 284.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[15] Vgl. Girke (2017), 4–12; Fintelmann (2017), 18–25.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[16] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== BEDEUTUNG VON HARNSÄURE IN BLUT UND GEHIRN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was besagt die geisteswissenschaftliche Sicht auf die Harnsäure?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern unterscheidet sich ihr Aufbau bei Mensch und Tier?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche wichtigen Funktionen hat die Harnsäure in Blut und Gehirn?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Geisteswissenschaftliche Sicht auf den Aufbau von Harnsäure beim Menschen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel XI von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; werden neben ihrer Beteiligung an der Entstehung von Gicht weitere Rollen der Harnsäure beschrieben, die sie nur im menschlichen Organismus innehat. Denn im Gegensatz zum Menschen bauen die meisten Säugetiere die Purin-Nukleotide zu Allantoin ab, einer leicht löslichen Substanz, die noch dazu ein gutes Wundheilmittel ist und auch in der Heilpflanze Symphytum vorkommt.[2] Obwohl dieser Abbauweg Tieren problemlos möglich ist, wird das menschliche Purinabbauprodukt, die Harnsäure, vom menschlichen Organismus ‚mühsam‘ in der Leber aufgebaut – und nicht etwa auf einem möglichen einfacheren Weg aus dem ebenfalls in der Leber gebildeten Harnstoff. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus biologischer Sicht ist dies unverständlich – aus geisteswissenschaftlicher Sicht jedoch klar: Wenn es auf die Tätigkeiten im Organismus ankommt und nicht nur auf das Vorhandensein bestimmter Stoffe, dann ist offenbar der Aufbau der Harnsäure und die durch sie mögliche Kristallbildung, z. B. für die gesunde Hirnfunktion, wichtig; aber offenbar auch für eine feine Durchimprägnierung des ganzen Organismus mit dieser fein verteilten Harnsäure.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Anregung des AL durch Harnsäure&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[3]&#039;&#039; heißt es dazu: &#039;&#039;„Nun ist im Organismus der astralische Leib der Vermittler der Tätigkeit der Ich-Organisation für den ätherischen und physischen Leib. Diese muss in die Organe die leblosen Substanzen und Kräfte tragen. Nur durch diese Imprägnierung der Organe mit Unorganischem kann der Mensch das bewusste Wesen sein, dass er ist. Organische Substanz und organische Kraft würde das menschliche Bewusstsein zum tierischen herabdämpfen. Der astralische Leib macht durch seine Tätigkeit die Organe geneigt, die unorganischen Einlagerungen der Ich-Organisation aufzunehmen. Er ist gewissermaßen für sie der Wegmacher.“[4]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die Strukturformeln von Koffein und Tein der Harnsäure sehr ähnlich sind – auch sie regen die astralische Organisation an und bewirken neben der Anregung des Bewusstseins auch eine Verstärkung der Urinausscheidung und eine Erhöhung des Blutdrucks. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der menschliche Astralleib arbeitet in gesunder Weise, wenn die Harnsäureausscheidung im Stoffwechselgebiet gelingt und die Imprägnierung mit Unorganischem ausgewogen ist. &#039;&#039;„Es wird wenig Harnsäure ausgeschieden, dafür umso mehr Unorganisches im Sinne der Ich-Organisation eingelagert.“[5]&#039;&#039; Ist das jedoch nicht der Fall, tritt seine Tätigkeit im Gehirn zurück&#039;&#039;.&#039;&#039; Die Harnsäure wird so gesehen zum Indikator dafür, &#039;&#039;„ob zwischen der Ich-Organisation und dem astralischen Leib in irgendeinem Organ oder Organsysteme das rechte Verhältnis besteht.“[6]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wichtige Funktionen von Harnsäure&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Rolle der Harnsäure im Blut – antioxidative Wirkung ====&lt;br /&gt;
Dem Harnsäuregehalt im Blut des Menschen wird &#039;&#039;„eine wichtige Rolle im antioxidativen, nicht-enzymatischen Schutzsystem zuerkannt, weil die chemische Struktur des Moleküls Harnsäure diese zu einem effizienten, wasserlöslichen Radikalfänger macht“.[7]&#039;&#039; Damit ist für die von Steiner beschriebene feine ‚Imprägnierung‘ des gesamten Organismus mit Harnsäure aus naturwissenschaftlicher Sicht ein interessanter Beleg gegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Rolle der Harnsäure im Gehirn – „funktionelles Denksubstrat“ ====&lt;br /&gt;
Inzwischen mehren sich auch Forschungsergebnisse, die den von Rudolf Steiner beschriebenen Zusammenhang von Harnsäurepräsenz im Gehirn und der Denktätigkeit nahelegen.[8] Hier bietet der neue Kontext, in den Rudolf Steiner die Harnsäure stellt, mögliche Anregungen für weitere Forschungsarbeiten. Denn bisher interessierte man sich mit Bezug auf die Denk- und Bewusstseinsvorgänge primär für die Biochemie der Neurotransmitter und die Funktion der verschiedenen Hirnareale – nicht jedoch für Salzbildungsprozesse und Mineralisierungsvorgänge im Nervensystem.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für das anthroposophische Verständnis kommt jedoch in Betracht, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* wo eine bestimmte Substanz im Organismus auftaucht, &lt;br /&gt;
* und ob sie auf dem Aufbau- oder Abbauwege ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn daran entscheidet sich, ob sie mehr dem Leben (Aufbau) oder dem Bewusstsein (Abbau) dient, was in salzartigen Ablagerungen zum Ausdruck kommt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Harnsäure als Denkhilfe&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wolff beschreibt die Bedeutung der Harnsäure so:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Diese liegt offensichtlich nicht auf physiologischem Feld, denn da kann sie nur hinderlich sein im Sinne des Auftretens von Gicht. Vielmehr muss sie mit einer spezifisch menschlichen Fähigkeit, über die das Tier nicht verfügt, zu tun haben – und das ist das Denken. [. . .] Dieses stützt sich auf den Kristallisationsvorgang; daher bezeichnet man es auch – wenn es gekonnt praktiziert wird – als glasklar. Die Folgerichtigkeit der Logik ist notwendigerweise mit irdischen Gesetzmäßigkeiten gekoppelt und deswegen zwingend. Es müssen also Erdenkräfte für diesen Vorgang zur Verfügung stehen. Dazu bedarf es einer Substanz, die aus dem Leben (Ätherleib) stammt und außerdem Bewusstseins-Elemente (Astralleib/Stickstoff) enthält und in den mineralischen Zustand übergehen kann. Diese Bedingungen erfüllt nur eine einzige Substanz, die Harnsäure. Der Zucker z.B. kann wohl kristallisieren, ist aber so leicht löslich, daß er innerhalb des Organismus nicht kristallisieren kann. Alle Eiweiße können zwar ebenfalls in den toten Zustand übergehen, dann aber verhärten sie (z.B. Haare, Nägel), ohne zu kristallisieren. (Dass die ‚Mikrokristalle‘ der Aminosäuren und Enzyme oder der Fette in diesem Sinne keine wirklichen Kristalle sind, wurde im entsprechenden Kapitel ausführlich dargestellt.) Somit kann man sagen: Harnsäure ist das funktionelle Denksubstrat.“[9]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man darf gespannt sein, was eine solche bisher noch nicht vollständig durch valide Forschung verifizierte Arbeitshypothese in Zukunft noch für das Verständnis von Denken und Bewusstsein liefern wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[10]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27, S. 51.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Vgl. Wolff (2013), 280 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27, S. 51.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe FN 1, S. 56.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Siehe FN 1, S. 57.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Löffler (2022), 474. Vgl. auch Cicha (2022).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Vgl. Cicha (2022), 10 und 110, Harnsäurewerte und Einfluss auf die Kognition: 69 Publikationen wurden ausgewertet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Wolff (2013), 282f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== SILIZIUM UND WAHRNEHMUNGSFÄHIGKEIT ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist laut Rudolf Steiner und Ita Wegman die Grundlage aller Wahrnehmungsfähigkeit im menschlichen Organismus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sagt das Zuviel oder Zuwenig von Silizium im Gewebe aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann therapeutisch damit umgegangen werden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Gegenseitige Wahrnehmungsfähigkeit in der Natur&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Heute weiß man, dass Pflanzen mithilfe ihrer Wurzeln über weite Entfernungen miteinander kommunizieren können und dass es ganze Biotope gibt, die sich gegenseitig unterstützen und in gewisser Weise auch voneinander abhängig sind. &#039;&#039;Alexander von Humboldt (1769–1859)&#039;&#039; war einer der ersten, dessen Forschungen und Hypothesen sich in den Sätzen zusammenfassen lassen: &#039;&#039;„Alles ist in Wechselwirkung. Nichts steht für sich allein, ein gemeinsames Band umschlingt die ganze organische Natur.“[1]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So mutet es nahezu selbstverständlich an, wenn gesagt wird, dass auch Zellen miteinander kommunizieren und dass außer den vielfach schon bekannten Rezeptoren für Hormone, Botenstoffe und sonstige Transmittersubstanzen immer mehr Resonanz- und Signalübertragungsmöglichkeiten entdeckt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner und Ita Wegman beschreiben in Kapitel XIV von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[2]&#039;&#039; ebenfalls diese gegenseitige Wahrnehmungsfähigkeit der Organe untereinander: &#039;&#039;„Aber es ist doch der ganze menschliche Organismus von sich gegenseitig beeinflussenden Wahrnehmungen durchzogen und muss es sein, damit alles in ihm gesund zusammenwirkt.“[3]&#039;&#039; Die Tatsache, dass jedes Organ &#039;&#039;„außerdem, dass es dieser oder jener Funktion im Organismus dient, noch Sinnesorgan“ ist,[4]&#039;&#039; sehen die Autoren als Voraussetzung für die Gesundheit des Organismus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Rolle von Silizium im menschlichen Gewebe&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Therapeutisches Denken kann dadurch gelernt werden, dass man sich angesichts einer Pathologie immer auch die Frage stellt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Organfunktion nimmt eine andere zu wenig oder zu stark wahr?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wo kommt es zu einer zu starken Wahrnehmung und damit verbunden zu einer verminderten Wahrnehmung an einem anderen Ort?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grundlage für diese Fähigkeit der adäquaten Abgrenzung einerseits und notwendigen Sensibilität bzw. Wahrnehmungsfähigkeit andererseits ist laut Steiner und Wegman die feinst verteilte Kieselsäure im gesamten Organismus. Fakt ist, dass Silizium in Form der biologisch aktiven Kieselsäure in nahezu jeder Zelle vorkommt. In höherer Konzentration ist es da vorhanden, wo es bindegewebige Strukturen gibt oder eine gewisse Durchsichtigkeit gefragt ist, wie z.B. beim Auge. Bemerkenswert ist in dem Zusammenhang, dass im embryonalen Bindegewebe und bei jungen Kindern der Siliziumgehalt im Gewebe am höchsten ist und im Laufe des Älterwerdens insgesamt abnimmt. Daher wird auch daran geforscht, inwiefern sich bestimmte Formen der Alzheimererkrankung durch rechtzeitige Intervention mit kieselsäurehaltigen Präparaten bessern lassen und inwiefern vorbeugende Maßnahmen angezeigt sind.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Insgesamt besitzt der Organismus 1–2g Silizium, welches damit – neben Eisen und Zink – eines der häufigsten sogenannten Spurenelemente ist.[6] Allerdings kennt man nur bei den beiden erstgenannten deren konkreten biochemisch-physiologischen Wirkmechanismus. Dieser wurde im Hinblick auf die Kieselsäure aus naturwissenschaftlicher Sicht noch nicht entdeckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Gesunde Wahrnehmungsfähigkeit und das richtige Maß&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Es ist der Kieselsäure-Organismus, auf dem die gegenseitige Empfindlichkeit der Organe beruht, die wiederum einer gesunden Lebenstätigkeit zugrunde liegen. Es geht dabei auch um das richtige Verhältnis von&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Innenwahrnehmung&#039;&#039;&#039;, die Seelen- und Geist-Entfaltung betreffend&lt;br /&gt;
* und von &#039;&#039;&#039;Außenwahrnehmung&#039;&#039;&#039; der Naturwirkungen.[7]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesunde Wahrnehmung hängt auch mit einer klaren Entscheidung für ‚Mein‘ und ‚Dein‘, sowie für ‚Ich‘ und ‚Welt‘ zusammen. Dazu gehört&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* einerseits die Fähigkeit, sich klar abzugrenzen,&lt;br /&gt;
* andererseits aber auch sensibel zu bleiben für das Fremde, Andere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese doppelte Fähigkeit ist für die körperliche, seelische und geistige Integrität gleichermaßen notwendig. Sie ist tatsächlich Voraussetzung und Grundlage für Gesundheit in jeder Hinsicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber auch für die Kieselsäure gilt, was in Kapitel XI über die Harnsäure gesagt wird: Sie darf nicht in zu reichem Maße vorliegen. Gut ist, was von der Ich-Organisation vollumfänglich genutzt werden kann. Überschüssige Kieselsäuremengen müssen mithilfe der astralischen Organisation über den Harn oder auf anderen Stoffwechselwegen ausgeschieden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fragen zur Kieselsäure als Nahrungsergänzungsmittel&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Hauptquelle für die Zufuhr von Kieselsäure ist pflanzliche Ernährung. Denn es ist die Kieselsäure, die den Pflanzen eine biegsame Struktur verleiht. Besonders hervorgehoben sei hier der Bambus im asiatischen Raum, der bis zu 30 m hoch werden kann und etwa zu 70 % aus Kieselsäureverbindungen besteht. Der heimische Ackerschachtelhalm weist nur bis zu 10% Kieselsäureverbindungen auf – dafür aber in einer besonderen Form, nämlich nicht als Kieselsäurekristalle, sondern in kolloidaler Opal-Struktur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man jedoch die Kieselsäure als Nahrungsergänzungsmittel einnimmt, sollte man dies immer im Zusammenhang mit einer Mahlzeit tun, da die Kieselsäure am besten aufgenommen wird, wenn sie fein verteilt in der Nahrung vorkommt. Wer nun aber meint, schütterem Haar, schlaffer Haut oder brüchigen Nägeln durch die Einnahme von Kieselsäure beizukommen, sieht sich in der Regel getäuscht. Es ist eben dies genau die Frage:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Genügt es, eine Substanz zu essen, von der man meint oder weiß, dass sie einem an einem bestimmten Ort fehlt oder muss man nicht viel eher danach fragen, wie bzw. auf welchen Wegen diese Substanz dorthin kommt, wo der Mangel herrscht, und wo vielleicht andernorts zu viel davon vorhanden ist?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und was man tun muss, damit hier eine Regulation stattfinden kann und grundsätzlich die Wahrnehmungsfähigkeit der Organe untereinander unterstützt wird, so dass ein ‚Zuviel‘ oder ‚Zuwenig‘ wahrgenommen und ausgeglichen werden kann?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um diese Fragen geht es in Kapitel XIV, sowie um entsprechende therapeutische Antworten. In Absatz 8–14 werden zudem verschiedene Symptome geschildert, an denen ärztlicherseits ein ‚Zuviel‘ oder ‚Zuwenig‘ erkannt werden und in welcher Form die Kieselsäure therapeutisch eingesetzt werden kann.[8] Dabei kommt auch hier einer Schwefelkur eine besondere Bedeutung zu, wie das schon in Kapitel XIII angeführt wurde, weil dadurch „&#039;&#039;die Verteilung der&#039;&#039; &#039;&#039;lokalisierten Kieselsäurewirkung auf den ganzen Organismus“[9]&#039;&#039; gefördert werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[10]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. A. von Humboldt (1803), 27r.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27, Kapitel XIV.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Ebenda, S. 70.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. Gillette-Guyonnet u. a. (2007), 119–124.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Vgl. Ternes (2013); Voronkov u. a. (2022).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Vgl. FN 2, S. 70.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Siehe auch die Ausarbeitungen und Indikationen im Vademecum, bei Anthromedics und im Archiv des Merkurstabs, die eine Fülle therapeutischer Erfahrungen beinhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. FN 2, S. 72.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== SINNES- UND TATENMENSCH ALS INSTRUMENTE DES ICH ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern sind die Sinne und die Gliedmaßen des Menschen Kontaktorgane?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann Schule die Kontaktfähigkeit ihrer Schüler verstärken?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie schult man die eigene Intuitionsfähigkeit?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zweifacher Kontakt mit der Umgebung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der physische Leib tritt auf zweierlei Art mit seiner Umgebung unmittelbar in Kontakt:  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Einmal über die &#039;&#039;&#039;Sinne(sorgane)&#039;&#039;&#039;, durch die die leibfreien Wesensglieder wie hi­naus­gehen und wahrnehmen. &lt;br /&gt;
* Zweitens dienen die &#039;&#039;&#039;Gliedmaßen&#039;&#039;&#039; als Instrumente der Kontaktaufnahme. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann auch sagen, die Kontaktaufnahme geschieht über die Anschauung und die Tat – insofern spreche ich von Sinnes- und Tatenmensch. Das ist aber nicht das Gleiche wie die Einteilung in Nervensinnessystem und Stoffwechsel-Gliedmaßensystem als Teile der Drei­gliederung. Der Sinnes- und der Tatenmensch werden hier als Instrumente des Ich betrachtet, durch das die Drei­glie­derung als Dreiheit in der Einheit verbunden bleibt. Wir fallen nicht pathologisch bzw. psy­chotisch in Denken, Fühlen und Wollen auseinander, sondern wir sind trotz all unserer unterschiedlichen Schwerpunkte in der La­ge, das System als Gesamtheit zusammenzuhalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Gestörter Kontakt zur Sinneswelt&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Setzt sich einer der drei Bereiche des dreigegliederten Organismus durch, so äußert sich das  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* entweder als &#039;&#039;&#039;Angst&#039;&#039;&#039;, die mit dem Bewusstsein assoziiert ist&lt;br /&gt;
* oder als &#039;&#039;&#039;Aggression und Wut,&#039;&#039;&#039; die mit dem Stoffwechsel assoziiert sind&lt;br /&gt;
* oder als &#039;&#039;&#039;Klammern&#039;&#039;&#039; an der Mama oder anderen Menschen aufgrund von Einsamkeit und Sich-vernachlässigt-Fühlen, Sich-allein-Fühlen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In allen drei Fällen haben die Betroffenen einen gravierend gestörten Kon­takt zur Um- und Mitwelt. Sie tun meist nur, was sie wollen, anstatt das, was sie sollen. Dieses Verhalten zeigt, dass das Verhältnis zur Welt wie auch zum eigenen Willen gestört ist. Das ist alles Ausdruck einer primären Ich-Inkar­nationsstörung, d.h. das Ich konnte sich nicht um das ganze System kümmern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Prävention und Therapie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Als Prävention und Therapie sind die Sinne über künstlerisches Üben bzw. anschaulichen, bildhaften, charakterisierenden, künstlerisch gestalteten Unterricht anzusprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Anschauung vertiefen und kultivieren (Sinnesmensch) ====&lt;br /&gt;
Bei Verhaltensstörungen und Schwierigkeiten in der Unterstufe, sagt Rudolf Steiner, solle der Lehrer eine sinnige Geschichte erzählen, in der er genau die Verhaltensstörungen der Kinder aufgreift und ins Bild bringt und so den Kindern vor Augen stellt, wodurch das völlig freie unschuldige Ich die Situation anschauen und daraus heilende, ordnende Botschaften empfangen kann, die es dann über das Denken, Fühlen und Wollen auf die anderen Wesensglieder überträgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch alles Kognitive soll über die Sinne vermittelt werden, weil über den Weg von der Eins (Ich-Aktivität) in die Drei (Denken, Fühlen und Wollen) die Zusammenhaltekraft unterstützt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Gliedmaßenmensch schulen (Tatenmensch) ====&lt;br /&gt;
Die zweite Hauptaufgabe besteht in der Schulung des leibfreien Willens durch eine Locke­rung der Ich-Organisation aus den Gliedmaßen insbesondere durch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gymnastik,&lt;br /&gt;
* Heileurythmie&lt;br /&gt;
* Eurythmie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner sagt, die gesamte Zukunftsentwicklung des Menschen hänge davon ab, dass sich die Ich-Organisation aus den Gliedmaßen herauszulösen und immer mehr mit der Umgebung zu verbinden lernt. Diese Willensverbindung mit dem anderen nennen wir In­tuition.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Intuition über Nacht&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Um mit den Schülern an den erforderlichen Fähigkeiten arbeiten zu können, um zu wis­sen, was sie brauchen, müssen Lehrer und Schularzt über therapeutische bzw. päda­gogische Intuition verfügen. Dieser leibfreie, tief unbewusste Willen hat nichts mit dem Astralleib zu tun (der ihn bewusst machen könnte). Er ist reine Ich-Kraft, reine Halte­kraft, reine geistige Präsenz. Wenn wir durch diese Kraft auch unserem Denken und Fühlen Orientierung geben – weil das Ich einheitlich gestaltend wirkt – dann kann dieser aus den Gliedmaßen gelöste freie Wille als Intuitionskraft einen wirklichen Kontakt herstellen zu den Kindern, Eltern und Lehrern – und die unmittelbaren Botschaften dieser Menschen aufnehmen. Rudolf Steiner sagt, wir könnten uns in diese Richtung entwickeln, wenn wir mit dem Gebet in die Nacht gehen: &#039;&#039;„Nicht mein, sondern dein Wille geschehe!“&#039;&#039;[1] Fragen wir zudem die Betreffenden im Geiste: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie muss ich mich verhalten, dass es besser wird mit dir?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was muss ich dir geben, was brauchst du von mir?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wird die Antwort am nächsten Morgen im Bewusstsein aufleuchten, weil sich das Ich über Nacht in den Kosmos hinausbegeben und mit den Engeln geredet hat. Wenn es sich da­nach wieder mit dem Körper verbindet, prägt sich die mitgebrachte intuitive Botschaft dem Denken ein. Man hat dann, wenn man Glück hat, einen Einfall, ein Bild und weiß plötz­lich, was zu tun ist, was für diesen Menschen und diese Situation richtig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles in diesem Zusammenhang kompliziert Erscheinende, auch das Rätsel, wie man an diese intuitive Schicht herankommt, wird verständlich, wenn man Dreigliederung und Viergliederung im Zusammenhang betrachtet. Wenn man versteht, wie Intuition men­schen­kundlich zustandekommt, kann man sie übend viel bewusster handhaben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag „Schulabsenz und die Gründe dafür“, Schulärztetagung 2014&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Neues Testament, &#039;&#039;Lukas&#039;&#039; 22, 42.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE METAMORPHOSE DER WACHSTUMSKRÄFTE IN GEDANKENKRÄFTE ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist unter der Metamorphose der Wachstumskräfte in Gedankenkräfte gemeint?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wann und wo vollzieht sich diese Verwandlung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Denkkräfte sind verfeinerte Wachstumskräfte&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Diese im Ätherleibe wirksamen Kräfte betätigen sich im Beginne des menschlichen Erdenlebens&#039;&#039; – &#039;&#039;am deutlichsten während der Embryonalzeit&#039;&#039; – &#039;&#039;als Gestaltungs- und Wachstumskräfte. Im Verlaufe des Erdenlebens emanzipiert sich ein Teil dieser Kräfte von der Betätigung in Gestaltung und Wachstum und wird Denkkräfte, eben jene Kräfte, die für das gewöhnliche Bewusstsein die schattenhafte Gedankenwelt hervorbringen.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Es ist von der allergrößten Bedeutung zu wissen, dass die gewöhnlichen Denkkräfte des Menschen die verfeinerten Gestaltungs- und Wachstumskräfte sind. Im Gestalten und Wachsen des menschlichen Organismus offenbart sich ein Geistiges. Denn dieses Geistige erscheint dann im Lebensverlaufe als die geistige Denkkraft.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und diese Denkkraft ist nur ein Teil der im Ätherischen webenden menschlichen Gestaltungs- und Wachstumskraft. Der andere Teil bleibt seiner im menschlichen Lebensbeginne innegehabten Aufgabe getreu. Nur weil der Mensch, wenn seine Gestaltung und sein Wachstum vorgerückt, das ist, bis zu einem gewissen Grade abgeschlossen sind, sich noch weiter entwickelt, kann das Ätherisch-Geistige, das im Organismus webt und lebt, im weiteren Leben als Denkkraft auftreten.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;So offenbart sich der imaginativen geistigen Anschauung die bildsame (plastische) Kraft als ein Ätherisch-Geistiges von der einen Seite, das von der anderen Seite als der Seelen-Inhalt des Denkens auftritt.“&#039;&#039;&#039;[1]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner beschreibt weiter, wie sich auch Astralleib und Ich-Organisation entsprechend der Metamorphose der Wachstumskräfte in Gedankenkräfte im Zuge von Wachstum und Entwicklung aus dem physischen Leib heraus „metamorphosieren“ und frei werden für die Seelentätigkeiten von Fühlen und Wollen. Sie tun dies „auf den Bahnen des Ätherischen“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ort der Herauslösung der Ätherkräfte&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;An welchem Ort aber kann diese Herauslösung stattfinden?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt nur ein Organ, in dem das strömende Blut als Träger der vier Ätherarten zum Stillstand kommt und der Ätherkraft dadurch die Möglichkeit gibt „zu sterben“, d.h. aus dem physischen Lebenszusammenhang herauszugehen: &#039;&#039;&#039;das Herz&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende der Diastole, in der sogenannten „Diastase“, tritt ein winziger Moment ein, in dem jede Fließeinheit des strömenden Blutes zum vollständigen Stillstand kommt, bevor die Austreibungsphase der systolischen Herzbewegung beginnt. Unser bewusstes Seelenleben wird sozusagen aus dem Herzensgrund heraus geboren,[2]&amp;lt;sup&amp;gt;, [3]&amp;lt;/sup&amp;gt; am Gehirn reflektiert und dann mehr oder weniger frei, bewusst und „herzlich“ gehandhabt. Das „Denken mit dem Herzen“ hat diesen besonderen physiologischen Bezug: Wenn das, was gedacht wird, „zu Herzen“ geht und von dort herzlich weiterwirkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Raphael und die Mysterien von Krankheit und Heilung“, Medizinische Sektion am Goetheanum 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen.&#039;&#039; GA 27, Dornach 1991, S. 12-13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Medizinische Sektion am Goetheanum (Hrsg.), &#039;&#039;Meditationen zur Herztätigkeit gegeben von Rudolf Steiner.&#039;&#039; Dornach 2014.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Christoph Rubens, Peter Selg (Hrsg.), &#039;&#039;Das menschliche Herz, Kardiologie in der Anthroposophischen Medizin,&#039;&#039; Arlesheim 2014.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== UNSER SEELENLEBEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist unter Seele zu verstehen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sind charakteristische Merkmale der menschlichen Seele?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Seele als Innenraum mit beweglichen Grenzen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Was unsere Seele ausmacht, können wir nur durch Beobachtung des eigenen Innenlebens erschließen. Unsere Seele ist gleichsam ein in sich geschlossener Innen­raum, in dem sich jeder für sich allein bewegt und der sich von dem aller anderen unterscheidet. So gesehen, ist die Seele der Lebensraum unserer Persönlich­keit. Er kann sich weiten oder eng werden, je nach unseren Lebensumständen und wie wir damit umgehen. Er kann in der Depression so zusam­menschrumpfen, dass wir nur noch uns selbst erleben und kein Interesse und keine Anteilnahme an der Welt mehr aufbringen können. Umgekehrt kann er im Zustand voller seelischer Gesundheit so weit werden wie die Welt. Wir können die Probleme um uns herum wahr- und ernstnehmen, und in uns seelisch bewegen. Der Seelenraum ist dann so weit, wie unser Bewusstsein reicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Mensch, der sich für viele und vieles interessiert, hat in der Re­gel keine Zeit, über ein ge­wisses Maß hinaus persönliche Probleme zu bewegen. Er kann es sich nicht lei­sten über Unangenehmes zu brüten, damit zu hadern, darüber unzufrieden zu sein. Er wird nicht allzu viel Energie ins Grübeln über die eigene Befindlichkeit investieren. Das geschieht aber umso mehr, je enger und selbstbezogener der eigene Seelenhorizont ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere Seele ist demnach immer in Bewegung und hat keine endgültigen Grenzen. Sie ist unser persönliches Erlebnisfeld, das von Gesundheit und Krankheit, von den jeweiligen Lebensum­ständen, sprich, von unserem Schicksal, stark geprägt wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Bewusstes Gestalten des Seelenraumes&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aber eines müssen wir uns klarmachen: Unsere Persönlichkeit braucht diesen seelischen Lebensraum. Unser Lebensglück hängt davon ab, ob wir lernen, diesen Raum bewusst selbst mitzugestalten und ihn nicht nur durch Einflüsse von außen bestimmen zu lassen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie ist ein solches Mitgestalten möglich?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Seelen­raum leben unsere Gedanken, Wünsche, Erinnerun­gen, Erfahrungen, unsere Lebensmotive, Gefühle und Wil­lensintentionen. Eine Fülle von Empfindungen, Gefühlen, Trieben und Absichten hängt mit unserem Körper zusammen. Wenn wir z.B. hungrig sind und Lust auf dieses und jenes haben, wonach unser Körper verlangt, wird ein großer Teil unseres Seelenlebens unmittelbar davon geprägt. D.h. sehr viele Seelenregungen entstammen Bedürfnissen, die wir eindeutig als leib­gebunden empfinden. Dazu gehört z.B. auch, dass, wenn wir einen schweren Durchfall haben, wir uns seelisch schlapp und lustlos fühlen. Oder dass wir, wenn wir sehr müde sind, uns plötz­lich nicht mehr so engagieren können, einfach weil wir nicht mehr dazu in der Lage sind, weil wir „kaputt“ sind. Derartige Er­fahrungen führen dazu, dass manche Menschen meinen, das Seelenleben an sich wäre leibge­bunden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beschäftigt man sich jedoch intensiver mit dem eigenen See­lenleben, merkt man, dass das nicht stimmt. Beim Tier ist die Leibge­bundenheit außerordentlich stark, weil die Verhaltensmuster innerhalb einer Gattung einander ähnlich sind und bleiben. Gerade das ist beim Menschen völlig anders: Er kann sich an jede neue Umgebung anpassen, kann immer neue Lernprozesse in Angriff nehmen. Wir Menschen haben nicht nur unbegrenzte Anpassungsmöglichkeiten an die Umgebung, sondern auch unbegrenzte Möglichkeiten uns zu distanzieren, uns innerlich abzugrenzen – auch von uns selbst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manche Menschen haben eine krumme Nase oder schielen und haben deswegen ihr ganzes Leben lang Komplexe. Sie schaffen es nicht, sich innerlich mit einer körperlichen Eigenheit abzufinden. Dann wiederum gibt es andere, die sich bis etwa Mitte zwanzig noch krause Locken wünschen oder auch beim Friseur machen lassen – bis sie sich mit ihrem So-Sein identifizieren können bzw. sich innerlich von dem äußeren Makel distanzieren. Gelingt es uns, eine ge­wisse Unabhängigkeit vom Körper zu gewinnen, quasi die eigene Körperbezogenheit in dieser Hinsicht zu verringern, dann gewinnen wir eine viel freiere Einstellung uns selbst und anderen Menschen gegenüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl.&#039;&#039; &#039;&#039;Vortrag, „Die männliche und weibliche Konstitution“, 1987&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== SEELENLEBEN, ERZIEHUNG UND KÖRPERBAU ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern wird unser Seelenleben von unserer Erziehung bzw. von unserem Körperbau bestimmt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worin liegt der Freiraum, das eigene Schicksal mitzugestalten?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Individuelle Möglichkeiten der Mitgestaltung     &#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wir Menschen haben nicht nur unbegrenzte Anpassungsmöglichkeiten &#039;&#039;an&#039;&#039; die Umgebung, sondern auch unbegrenzte Möglichkeiten uns zu distanzieren, uns innerlich abzugrenzen – auch von uns selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich hängt sehr viel von der Erziehung ab. Wem ständig eingeredet wurde, dass er zu dick ist oder dies und das nicht so ist, wie es sein sollte, wird ziemlich lange von einem solchen Trauma bestimmt werden. Ganz anders ein Mensch, dessen Blick früh auf wesentliche, über das Persönliche hinausgehende Dinge gelenkt worden ist, und der so angenommen wurde, wie er war. Im Krieg gab es oft Menschen, die um anderer willen lange Zeit Hunger ertragen konnten. Andere wiederum waren so verzweifelt oder selbstbezogen, dass sie ihr eigenes Kind aussetzten, um selber satt zu werden. In solchen Situationen treten gewaltige Unterschiede zutage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es hängt sehr stark von den eigenen Erfahrungen und Erlebnis­sen und vom persönlichen Entwicklungsstand ab, inwieweit das Seelenleben als vom Körper bestimmt oder als von ihm auf unterschiedliche Weise beeinflusst erlebt wird. Das ist auch richtig so – jeder Mensch hat das Recht auf sein eigenes Entwicklungstempo. Keinem kann ein Vorwurf dar­aus gemacht werden, dass er „noch nicht weiter ist“. Und die Tatsache, dass es Menschen gibt, die anders oder auch reifer sind als man selbst, sollte lediglich Ansporn sein, sich in dieser oder jener Richtung selber auf den Weg zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Schicksal mitgestalten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Sich über bestimmte Verhaltensweisen ande­rer moralisch zu entrüsten, bedeutet einen Rückschritt in der eigenen Entwicklung – und der Verurteilte wird dadurch auf seinem Weg nicht weitergebracht. Den Weg der Entwicklung muss jeder selber gehen. Dass wir einander dabei nur selten etwas abnehmen können, ist bisweilen schwer zu ertragen. Andererseits beruht unsere Freiheit gerade darauf, dass wir dazu aufgerufen sind, unser Schicksal mitzugestalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenfassend können wir sagen, der Leib begrenzt das Seelenleben in einer charakteristischen Weise:[1] In einem zarten Körper lebt es sich anders als in einem stämmigen oder schweren Körper. In einem Körper, der starken Trieben unterworfen ist, lebt es sich seelisch anders als in einem Körper, dessen Organ­funktionen in Harmonie miteinander stehen, sodass kein starker Triebdruck entsteht. Aber auch hier ist es so, dass der Mensch im Laufe seines Lebens sehr viel, bis ins Kör­perliche herein, aus eigener Kraft an sich selbst verändern kann, ja selbst bis in seine Organfunktionen hinein. Ein ganz großer Irrtum ist es zu meinen, so wie man ist, müsse man sein gan­zes Leben lang bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl.&#039;&#039; &#039;&#039;Vortrag, „Die männliche und weibliche Konstitution“, 1987&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Theosophie,&#039;&#039; aus Kapitel &#039;&#039;Leib. Seele und Geist,&#039;&#039; GA 9.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ZWÖLF SINNESFUNKTIONEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Möglichkeiten eröffnen uns die zwölf von Rudolf Steiner beschriebenen Sinnesfunktionen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zwölf Sinnesmodalitäten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der anthroposophischen Menschenkunde werden zwölf Sinnesmodalitäten beschrieben.[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.    Der &#039;&#039;&#039;Tastsinn&#039;&#039;&#039; vermittelt &#039;&#039;Selbsterleben an der Körpergrenze&#039;&#039; und Geborgenheit durch Berührung und Körperkontakt; aus beidem resultiert Existenzvertrauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.    Der &#039;&#039;&#039;Lebenssinn&#039;&#039;&#039; vermittelt &#039;&#039;Behaglichkeits- und Harmonieerleben&#039;&#039; und ein Empfinden dafür, ob die Vorgänge im eigenen Körper, aber auch diejenigen, die im Umkreis wahrgenommen werden, zusammenstimmen oder nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3.    Der &#039;&#039;&#039;Eigenbewegungssinn&#039;&#039;&#039; vermittelt die &#039;&#039;Wahrnehmung der eigenen Bewegung&#039;&#039;; daraus erwächst das Erlebnis von Freiheit und Selbstbeherrschung als Folge der freien Beherrschung des Bewegungsspiels.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4.    Der &#039;&#039;&#039;Gleichgewichtssinn&#039;&#039;&#039; vermittelt das &#039;&#039;Erleben der Lage im Raum&#039;&#039;, des jeweiligen Gleichgewichtszustands und der damit verbundenen Fähigkeit, den Gleichgewichtspunkt auch zu empfinden – was zum Erleben von innerer Ruhe führt. Die spätere Fähigkeit, innere Ruhe, seelisches Gleichgewicht zu üben, hat darin ihre Empfindungsgrundlage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5.    Der &#039;&#039;&#039;Geruchssinn&#039;&#039;&#039; vermittelt &#039;&#039;Verbundenheit mit den Duftstoffen&#039;&#039;, begleitet von starker Sympathie oder Antipathie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6.    Der &#039;&#039;&#039;Geschmackssinn&#039;&#039;&#039; vermittelt die &#039;&#039;Qualitäten süß, sauer, salzig, bitter&#039;&#039; und, zusammen mit dem Geruchssinn, von differenzierten Geschmackskompositionen, begleitet von starkem Sympathie- oder Antipathieerleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7.    Der &#039;&#039;&#039;Sehsinn&#039;&#039;&#039; vermittelt &#039;&#039;Licht- und Farberleben&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;8.    &#039;&#039;Der &#039;&#039;&#039;Wärmesinn&#039;&#039;&#039; vermittelt &#039;&#039;Wärme- und Kälteerleben.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9.    Der &#039;&#039;&#039;Hörsinn&#039;&#039;&#039; vermittelt &#039;&#039;Tonerlebnisse&#039;&#039; &#039;&#039;und erschließt das Erleben des seelischen Innenraums&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10.  Der &#039;&#039;&#039;Wortsinn&#039;&#039;&#039; vermittelt &#039;&#039;Gestalt- und Physiognomie-Erleben&#039;&#039;, bis hin zum Erfassen der Lautgestaltung eines Wortes und seiner Eigenbedeutung. Zum Beispiel sagt „Ljubow“ etwas anderes aus über das Wesen der Liebe als „Amour“, „Amore“ oder „Love“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
11.  Der &#039;&#039;&#039;Gedankensinn&#039;&#039;&#039; vermittelt unmittelbares &#039;&#039;Sinnerfassen eines Gedankens&#039;&#039; beziehungsweise eines Gedankenzusammenhanges.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
12.  Der &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Ich-Sinn&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; vermittelt die &#039;&#039;Wesenserfahrung eines anderen Ich&#039;&#039;. Er ermöglicht die Wahrnehmung der geistigen Kraftkonfiguration eines anderen Menschen und ein Erleben von dessen Wesensart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zweifaches Erleben über die Sinne&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Jede Sinneserfahrung beinhaltet immer ein zweifaches Erleben: das Erleben des Objektes – z.B. der Geruch einer Speise – und das Selbsterleben, Wohlgefühl oder Ekel, das dadurch ausgelöst wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Sinnesentwicklung und Leiberfahrung“ heißt das grundlegende Buch von Karl König, das er vor dem Hintergrund seiner therapeutischen Erfahrung als Arzt in der Heilpädagogik geschrieben hat.[2] Es hängt in hohem Maße vom Gebrauch der Sinne ab, insbesondere in den ersten Lebensjahren, ob sich die Leiberfahrung so gestaltet, dass der sich entwickelnde Mensch daran in umfassender Weise sich selbst erleben und „sich finden“ kann oder ob durch Defizite in der Sinneserfahrung diese Selbsterfahrung nur eingeschränkt möglich war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Begabungen und Behinderungen“, 8. Kapitel, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2004&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Anthroposophie. Ein Fragment aus dem Jahre 1910&#039;&#039;. GA 45, Dornach 1980, und Vortrag am 29. August 1919, in: &#039;&#039;Allgemeine Menschenkunde&#039;&#039; &#039;&#039;als Grundlage der Pädagogik.&#039;&#039; GA 293, Dornach 1992.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine ausführlichere Darstellung der zwölf menschlichen Sinnestätigkeiten und ihrer Pflege durch die Erziehung findet sich in Wolfgang Goebel / Michaela Glöckler: &#039;&#039;Kindersprechstunde.&#039;&#039; Stuttgart 1995.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Albert Soesman, &#039;&#039;Die zwölf Sinne –Tore der Seele.&#039;&#039; Stuttgart 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Karl König, &#039;&#039;Sinnesentwicklung und Leiberfahrung.&#039;&#039; Stuttgart 1997.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ATMUNG, KREISLAUF – GEFÜHLSLEBEN UND KUNST ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie hängen Gefühlsleben und Leibesentwicklung zusammen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Rhythmische Tätigkeit von Herz und Lungen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Blicken wir auf den Zusammenhang von Leib und Seele, so finden wir im Organismus zwei Organsysteme, die ein getreues Abbild der musikalisch-rhythmischen Qualität des Gefühlslebens sind: Atmung und Kreislauf. Herz und Lungen sind unentwegt von der Geburt bis zum Tod rhythmisch tätig. Sie vermitteln durch Spannung und Entspannung, Betätigung und Ruhe unausge­setzt zwischen Selbst und Welt (Atmung) sowie zwi­schen Körperzentrum und Körperperipherie (Herz).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher erstaunt es nicht, dass jede Sinnesempfindung und jedes Gefühl auf Atmung und Herzschlag einen unmittelbaren Einfluss haben. Eine aufregende Nachricht lässt uns tief Luft holen und das Herz schneller schlagen. Unter Anspan­nung wechseln flache, schnelle und tiefe Atemzüge auf unharmonische Weise einander ab. In der Aufre­gung kann das Herz bis zum Halse klopfen und vor Schreck stol­pern, ja sogar fast „stehenbleiben“. Umgekehrt kann ruhiges, geführtes Atmen (z.B. beim Zahnarzt oder bei der Geburt) die Angst nehmen und die Schmerzen erträglicher machen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Gefühlsleben hängt mit den differenzierenden Wachstumskräften zusammen. Die Differenzierung von Geweben und Organen während der Embryonalentwicklung beruht auf bestimmten Proportionen und Zahlenverhältnissen, die ihrerseits wieder musikalisch darstell­bar sind.[1] Im Zusammenspiel von Herz- und Atemrhythmus fin­det die musikalische Konstitution des menschlichen Organis­mus ihr Zentrum. Werden die differen­zierenden Kräfte nach der Ausreifung des mittleren Systems leibfrei, bilden sie die Grundlage für die seelische Fähigkeit des Fühlens. D.h. das Erwachen und Erleben von Gefühlen ist an diese Organe genauso gebunden wie die Bildung und das Bewusstwerden von Gedan­ken an das Nervensystem. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Voraussetzungen für ein gesundes Gefühlsleben&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner hat diese Tatsache nach 30jähriger Forschung erstmals 1917 in seinem Buch „Von Seelen­rätseln“ beschrieben.[2] Will man einem Kind eine gute Lebensgrundgestimmtheit mit auf den Weg geben, so müssen die heranreifenden rhythmischen Systeme von Atmung und Kreislauf in gesunder Weise angeregt und unterstützt werden: Ein gesundes soziales Klima im Umkreis des Kindes, wie z.B. ein harmonisches Familienleben, bildet die wichtigste Voraussetzung. Folgt der Tageslauf einem gesunden Rhythmus, in dem Arbeit und Ruhe sich sinn­voll abwechseln, so kann beim Kind ein Gefühl von Gebor­genheit und Sicherheit entstehen. Es erlebt sich eingebettet in sinnvolle Zusammenhänge und wiederkehrende Ereignisse, auf die es sich verlassen und freuen kann, und mit denen es auch rechnet. Auf diese Weise ent­steht eine stabile Grundlage, um späteren Stress-Situationen gewachsen zu sein. Denn auf der Basis einer harmonischen Grundgestimmtheit lassen sich extreme Situationen leichter aushalten und ausbalancieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Künstlerischer Ansatz als Unterstützung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Gelingt es, Kinder in der Schule gefühlsmäßig zu erreichen und in jeder Unterrichtsstunde mit Spannung und Lösung zu arbeiten, Freudiges und Ern­stes zum Erlebnis zu bringen, so wird vonseiten der Erziehung das Notwendige getan, um regulierend und stimulierend auf die Ent­wicklung von Atmung und Kreislauf einzuwirken. Wo dies in der Kindheit nicht möglich war, stellen sich dem Erwachsenen unter Umständen schwere Aufgaben für die Selbsterziehung. Nur bei wenigen Menschen werden heutzutage in Familie und Schule die Voraussetzungen für einen aus­geglichenen Gemütszustand geschaffen. Meist muss lebenslang selbst daran gearbeitet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die künstlerischen Therapien können dabei eine große Hilfe sein. Denn in der Kunst haben wir es mit denselben Gesetzmäßigkeiten zu tun, nach denen der Leib gebildet ist:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;&#039;Gesetze des Lebendigen&#039;&#039;&#039;, des Wachsens, Ge­staltens und Bildens finden wir in &#039;&#039;Plastik und Architektur&#039;&#039; wieder.&lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;&#039;Gesetze, die dem Gefühlsleben zugrundeliegen&#039;&#039;&#039;, in &#039;&#039;Malerei und Musik.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Und die &#039;&#039;&#039;Gesetze des Willenslebens&#039;&#039;&#039; in &#039;&#039;Sprache und Eurythmie&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Kapitel&#039;&#039; „&#039;&#039;Wie sind Leib, Seele und Geist in Gesundheit und Krankheit verbunden?&#039;&#039;“, &#039;&#039;Elternsprechstunde, Verlag Urachhaus, Stuttgart&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. Armin Husemann, &#039;&#039;Der musikalische Bau des Menschen&#039;&#039;, Stuttgart 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Von Seelenrätseln&#039;&#039;, GA 21.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE SIEBEN LEBENSPROZESSE ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was versteht Rudolf Steiner unter den sieben Lebensprozessen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann man jeden einzelnen charakterisieren?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie lassen sie sich auf soziale Prozesse anwenden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Lebensprozesse auf allen Ebenen des Menschseins         &#039;&#039;&#039;                 &#039;&#039;&#039;&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ein Einzeller kann alles, ist omnipotent. Auch eine gesunde befruchtete menschliche Eizelle ist omnipotent: Sie ist sensibel, beweglich, kann sich ernähren, zeigt alle sieben Lebensprozesse. Die nachfolgend charakterisierten Lebensprozesse haben ihre Gültigkeit auf allen Ebenen des körperlichen, seelischen und geistigen Lebens, aber auch für die verschiedenen sozialen Prozesse. Ein sozialer Konflikt zeigt immer an, dass mindestens einer der Lebensprozesse in seiner Funktion nachhaltig gestört ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Öffnung, Atmung ====&lt;br /&gt;
Am Anfang allen Lebens steht die Öffnung gegenüber der Umwelt. Etwas Totes braucht kein Milieu und keinen Umkreis, aus dem es und für den es lebt. Wenn etwas ins Leben kommt, schafft es sich den Umkreis, den es braucht. Totes kann liegen, wo es will, für Millionen von Jahren, das stört niemanden. Etwas Lebendiges kann nur existieren, wenn ein Umkreis vorhanden ist, mit dem ein Wechselspiel von Aufnehmen und Abgeben stattfindet. Das macht alles Leben verwundbar. Leben ist ein offenes System, ist in Entwicklung, ist prozessual, hat einen Anfang und ein Ende. Leben fängt also mit dem Sich-Öffnen an. Wenn Ei und Sperma sich begegnen, ist die Ei-Oberfläche für einen Moment offen für das Sperma, es kann hinein und dann ist sie wieder geschlossen. Damit beginnt das Leben. Zur Öffnung gegenüber dem Umkreis gehören auch die Öffnungen der Sinne, die Atmung, die Ernährung. Nur wo geistige und soziale Offenheit herrscht, menschliche Offenheit, kann Leben gedeihen. Wir können nicht auf Dauer zumachen, den Atem anhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Wärmung, Anpassung ====&lt;br /&gt;
Den zweiten Prozess nennt Rudolf Steiner Wärmung, das Anwärmen, warming-up. Es ist ein Prozess des Warmwerdens mit den Gegebenheiten. Gelingt die Anpassung nicht, das Warm-Werden mit dem Aufgenommenen, fühlt sich der Organismus belastet und kann erkranken. Z.B. erkältet man sich, wenn man die Atemluft nicht genügend anwärmen kann, bevor sie weiter in den Körper eindringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Ernährung ====&lt;br /&gt;
Wenn man mit dem Aufgenommenen warm geworden ist, fängt die Ernährungsarbeit an. Diese ist an Verwandlungsprozesse geknüpft. Ernährung bedeutet immer auch Zerstörung des Gewordenen, um dem Werdenden oder auch einem anderen Wesen in seinem Lebenszusammenhang zu dienen, damit es zu etwas Neuem werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Sonderung, Entscheidung, Ausscheidung ====&lt;br /&gt;
Wenn Ernährung stattgefunden hat, kommt der Punkt, an dem sich die Frage stellt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was muss behalten werden, was ist weiter zu gebrauchen, und was muss wieder ausgeschieden werden?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Entscheidung steht an, physiologisch gesehen die Ausscheidung. Sonderung ist im Seelischen die Entscheidung zwischen Ja oder Nein. Das ist ein ganz wichtiger Lebensprozess, vor allem im Sozialen – aber auch im Denken, wenn ich entscheiden muss, ob etwas für mich stimmt oder nicht, ob man in einer Art und Weise weitermachen soll oder nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Selbsterhaltung ====&lt;br /&gt;
Fünf ist die Zahl der Krise, da bleiben die Prozesse oft stecken. Denn der fünfte Prozess – Selbsterhaltung – ist im Grunde wunderschön: Jetzt hat man alles, was man braucht, man ist stark, keiner kann einen so schnell umschmeißen. Man ist abgesichert, hat Haus und Garten, ein Auto, Geld, eine Familie, eine Karriere. Eigentlich braucht man doch nichts mehr... und genau das verursacht die Krise. Man sollte sich fragen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Bin ich nur für mich und meinen Eigenbedarf da?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Genügt es, mich selbst zu versorgen, oder gibt es noch etwas anderes zu tun?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 6. Wachstum ====&lt;br /&gt;
Wachstum geschieht, wenn mehr gebildet wird, mehr angesammelt, als man für sich braucht. Das kann bis ins hohe Alter so gehen. So besteht z.B. der Patientenverband „Gesundheit aktiv“ zu fast 90 % aus Rentnern. Wir bekommen keinen jungen Nachwuchs, es ist ganz mühsam, noch Mitglieder zu werben. Doch diese rührenden Rentner, die zu 70 % wirklich kein Geld haben, spenden im Jahr 10 € oder 20 €. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überschusskraft zu haben bedeutet, dass man in der Lage ist zu schauen, wo man noch etwas unterstützen kann, wo man über sich hinauswachsen kann und der Mitwelt etwas mitgeben bzw. zurückgeben kann, um so seine Dankbarkeit und Lebensfreude zu zeigen. Wir können ja niemals für all das danken und all das zurückgeben, was wir im Laufe unseres Lebens bekommen haben. Da bleibt immer ein gewaltiger Rest an Geschenktem. Der Wachstumsprozess kann das ein bisschen ins Bewusstsein bringen, indem man überlegt, für wen oder für was man etwas übrighat, sodass anderes gefördert und entwickelt wird oder neu entstehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 7. Reproduktion ====&lt;br /&gt;
Der siebte Lebensprozess führt ganz in die Selbstlosigkeit: Reproduktion bedeutet unter diesem Aspekt, etwas vollkommen von sich abzulösen und gehen zu lassen. Physisches Urbild für den gesunden siebenten Lebensprozess ist das Durchschneiden der Nabelschnur. Der schmerzliche Schnitt bringt die Selbstüberwindung, die dafür nötig ist, ins Bewusstsein. Wenn man etwas aus sich heraussetzt, löst es sich los und man lässt es gehen – wie eine gute Mutter, die ihr Kind gehen lässt, ohne einen Vertrag mit ihm zu machen, wie viele Karten und Telefonanrufe kommen müssen, damit der junge Mensch – auch wenn er nicht mehr zuhause lebt – weiterhin ein gutes Kind bleiben kann. Man vermittelt ihm: „Du bist jetzt dein eigener Herr. Ich werden dir zwar noch helfen, bin aber nicht mehr der Bestimmer. Du hängst nicht mehr an meiner Nabelschnur.“ Das ist Reproduktion im Sinne des Zugestehens von Eigenwürde, des Ermöglichens von Eigenleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entartung der Lebensprozesse in zwei Richtungen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Alle Lebensprozesse können nach zwei Richtungen hin pathologisch entarten und aus dem gesunden Lebenszusammenhang aufgrund eines Zuviels oder Zuwenigs wie herausfallen. Gesundheit ist immer ein Sowohl-als-auch, ist ein labiles Gleichgewicht, ein ständiges Ringen – ist nie ein Entweder-Oder. Nimmt ein Pol überhand, wird etwas krankhaft. Der Mensch als Krisenwesen ist auf jeder Etappe seiner Entwicklung neu verwundbar und gefährdet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.    Eine &#039;&#039;&#039;Störung des Öffnungsprozesses&#039;&#039;&#039; liegt vor, wenn jemand zu offen bzw. zu verschlossen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.    Eine &#039;&#039;&#039;Störung des Anwärmungsprozesses&#039;&#039;&#039; liegt vor, wenn jemand sich zu stark anpasst bzw. sich gar nicht anpassen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3.    Eine &#039;&#039;&#039;Störung des Ernährungsprozesses&#039;&#039;&#039; liegt vor, wenn jemand zu viel bzw. zu wenig isst oder nimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4.    Eine &#039;&#039;&#039;Störung des Sonderungsprozesses&#039;&#039;&#039; liegt vor, wenn jemand immer alles wegwirft oder weggibt, aber auch, wenn man ein Messi[1] ist, nichts wegschmeißen kann und deshalb zwei Garagen voll mit Müll und Sachen hat, die einen sehr belasten, weil man gar keine Verwendung dafür hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5.    Eine &#039;&#039;&#039;Störung des Selbsterhaltungsprozesses&#039;&#039;&#039; liegt vor, wenn jemand nie mit sich zufrieden ist und immer das Gefühl hat, seine Leistung genüge nicht, wenn er nie echte Freude erleben kann über das, was er geschafft und erschaffen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6.    Eine &#039;&#039;&#039;Störung des Wachstumsprozesses&#039;&#039;&#039; liegt vor, wenn man keine Überschusskräfte entwickelt bzw. keine Dankbarkeit zu empfinden in der Lage ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7.    Eine &#039;&#039;&#039;Störung des Reproduktionsprozesses&#039;&#039;&#039; liegt vor, wenn jemand nicht in der Lage ist, etwas gehen zu lassen. Viele soziale Krankheiten rühren nur daher. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erleben wir die sieben Lebensprozesse in ihrer Pathologie, müssen wir sie z.B. im Rahmen der Therapie so handhaben, dass wir auf das gesunde Ideal blicken und entsprechend dem Ungesunden, Lebensfeindlichen gegenzusteuern versuchen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Lebensprozesse auf das Gedankenleben angewandt&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im Folgenden ein kleines konkretes Beispiel, das eigene Denken betreffend: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Jemand nimmt einen anthroposophischen Gedanken auf, &lt;br /&gt;
# arbeitet ihn durch, um damit warm zu werden,&lt;br /&gt;
# prüft, ob dieser Gedanke ihn ernährt oder nicht&lt;br /&gt;
# und sondert ihn aus, wenn er damit nichts anfangen kann.&lt;br /&gt;
# Wenn ja, macht er sich den Gedanken wirklich zu eigen und schaut, was er für das eigene Leben bedeutet. &lt;br /&gt;
# Mit der Zeit sammelt er Erfahrungen im Umgang damit, &lt;br /&gt;
# um schließlich herauszufinden, was er damit für die Welt tun kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophie möchte ja jeden individuellen Menschen ansprechen, der sich selbst zu verstehen versucht, der aber darüber hinaus auch das allen Gemeinsame, das Allgemein-Menschliche, erkennen möchte. Es geht eben um beides: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* um das Ganz-individuell-Werden &lt;br /&gt;
* und um das Über-sich-hinaus-Wachsen in das ganz Allgemeine.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag „Der Lebenssinn in Diagnostik und Therapie“, gehalten am 8. Januar 2016 an der Kunsttherapietagung&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Es gab auch einmal eine Tagung hier am Goetheanum über das Messi-Syndrom. Da zeigte sich, dass es in allen gesellschaftlichen Schichten und Weltanschauungen vorkommt. Es gibt auch Anthroposophen, die nichts wegschmeißen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== SCHWELLEN ZWISCHEN KÖRPER, SEELE UND GEIST ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Schwellen gibt es zwischen Körper, Seele und Geist?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Schwellen kennen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Es ist wichtig, die Schwellen zwischen dem Körper-, dem Seelen- und dem Geistesleben gut zu kennen. Physiologisch gesehen ist das Diaphragma, das Zwerchfell, eine solche Schwelle: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Alles,  was sich darunter befindet, hat mit unbewussten Vorgängen im Körper zu tun = &#039;&#039;&#039;Körperleben&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* Oberhalb des Zwerchfells kann der Mensch immerhin den Herzschlag und die Atmung     spüren, ist sich dieser Vorgänge ziemlich bewusst. Beide Systeme hängen eng mit dem &#039;&#039;&#039;Seelenleben&#039;&#039;&#039; zusammen.     &lt;br /&gt;
* In  seinem Denken, seinem Gedankenleben (= &#039;&#039;&#039;Geistesleben&#039;&#039;&#039;), ist man ganz be­wusst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Eine weitere Schwelle entdeckt man, wenn man begreift, dass die Gedanken sich nicht im Kopf befinden, sondern dass man sie &#039;&#039;um&#039;&#039; den Kopf herum wahrnehmen kann. Hellsichtige Menschen benützen das Wort &#039;&#039;&#039;„Aura“&#039;&#039;&#039; dafür. Gemäß der anthroposophischen Begrifflichkeit setzt sich die Aura aus unserem leibfreien Gedanken-, Gefühls- und Willenssystem zusammen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Meditativer Zugang zur Wärme“, Vortrag an der französischen Ärztetagung am Goetheanum, 13.03.2008&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== PHYSIOLOGIE DES EGOISMUS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern ist die Verdauung ein Bild für den Egoismus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Warum nennt Steiner die Verdauung als „Herd des Bösen“?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verdauung ist gesunder Egoismus&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Es gibt kein wahreres, stimmigeres Bild für den Egoismus als die Verdauung: Der physische Leib wird dadurch gebildet, dass die Natursubstanzen sich durch die Stoffwechseltätigkeit des Menschen verwandeln lassen in körpereigene Substanz. Der physische Leib des Menschen ist somit ein Ergebnis der verarbeiteten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* mineralischen&lt;br /&gt;
* tierischen&lt;br /&gt;
* pflanzlichen&lt;br /&gt;
* und, im Falle der Muttermilch, auch der menschlichen Welt. Denn auch die Muttermilch wird zerstört und in körpereigene Substanz umgewandelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das heißt, alle vier Naturreiche werden in einer Weise verarbeitet, dass jeder Mensch seinen eigenen Körper daraus aufbaut. Sprich: Eine gute Verdauung geht mit einer kompletten Zerstörung der Natur einher. Das ist reinster physiologischer Egoismus, den wir brauchen, um überhaupt leben zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verdauung als Herd des Bösen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Doch Rudolf Steiner nennt die Verdauung auch „Herd des Bösen“, denn in der Verdauung sind Kraft und Potential vorhanden, alles zu zerstören. Dem physiologischen Zerstörungsprozess des Verdauens verdankt der Mensch das instinktive Wissen, wie er die ganze Welt zerstören kann bzw. wie er perfide Waffen erfinden kann, die den „overkill“ umsetzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sprechen in der Medizin auch vom biologischen Ego mit all seinen Sensibilitäten, einemstraff organisierten System. Dazu gehört auch das Immunsystem mit seinen Immunbarrieren usw. Über die freiwerdenden Bildekräfte aus dem gesunden Ego-System der Verdauung, nachdem sie es gebildet haben, strahlt beim &#039;&#039;gesunden&#039;&#039; Kind Egoismus nun auch ins Seelische hinein, allerdings unbewusst, das wäre das Normale. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch Erlebnisse der Traumatisierung und Schädigung, durch jede Form der Ängstigung wird dieser normalerweise unbewusste Egoismus jedoch bewusst, weil sie das verwundbare Selbst angreifen. Dadurch wird der zunächst unbewusste Egoismus zunehmend verstärkt – mit leidvollen Auswirkungen für die betroffenen Kinder und ihr soziales Umfeld. Und auch für ihre Erzieher sind diese Kinder eine große Herausforderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob Erziehung zur Selbstlosigkeit gelingt oder nicht, hängt also von der Art ab, wie mit dem Kind vonseiten seiner Umwelt umgegangen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Ängste im Jugendalter und ihre Überwindung“,&#039;&#039; Vortrag auf der Schulärztetagung 2013&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== URSÄCHLICHER ZUSAMMENHANG VON ANGST UND DENKEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was hat das Denken mit Angst zu tun?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern sitzt uns Angst tatsächlich „in den Knochen“?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Angst als physiologisch-geistiges Phänomen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Unter jeder psychischen Krankheit liegt immer auch ein mehr oder weniger ausgeprägtes Angstpotential. Das liegt daran, dass unser Gefühlsleben angstdurchdrungen ist. Angst ist das Ergebnis einer „kosmischen Antipathie“, die unsere Knochen verdichtet,[1] die uns aber auch die Möglichkeit der Reflexion schenkt. Rudolf Steiner sagt in der &#039;&#039;„Allgemeinen Menschenkunde“&#039;&#039;[2]:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Das &#039;&#039;&#039;Gefühlsleben&#039;&#039;&#039; verdankt seine &#039;&#039;Sympathiefähigkeit&#039;&#039;, also alle positiven, sympathischen, offenen Gefühle, dem Willen, der Handlungsbereitschaft.&lt;br /&gt;
* Und es verdankt die &#039;&#039;Antipathie&#039;&#039;, also alle Angst, alles Zurückweisen, alle Impulse, anderes auf Distanz zu halten, dem &#039;&#039;&#039;Denken&#039;&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Denken und Reflexion als antipathische Vorgänge&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das Denkvermögen ist das Ergebnis der ätherischen Kräfte, mit denen der Mensch sich aus dem Makrokosmos herausgebildet hat, mit denen er den Körper bis hin zu den Knochen und Zähnen, dieser ganz dichten Materie, aufgebaut hat, und die, einmal leibfrei geworden, am Gehirn reflektiert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind allesamt rein antipathische Vorgänge:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* das Herausgesondert-Werden&lt;br /&gt;
* die Bildung von etwas Eigenem mit eigenen Grenzen&lt;br /&gt;
* das Freiwerden der grenzbildenden Kräfte aus dem Leib&lt;br /&gt;
* die Reflexion dieser Kräfte am Gehirn als unser Denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kompetenz zu reflektieren, zurückzuwerfen, Antipathie zu entwickeln usw. stellt eine grundlegende Bereitschaft der menschlichen Konstitution dar und ist ein völlig natürlicher funktionaler Prozess. Im seelischen Erleben treffen sich der &#039;&#039;sympathische Wille&#039;&#039; zuzupacken und das reflektierende &#039;&#039;antipathische Denken&#039;&#039; – das wird uns durch die Gefühlspolarität des Astralleibes bewusst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Hilfen im Umgang mit Angst im Schulalter&#039;&#039;“, Vortrag auf der Schulärztetagung 2013  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner sagt, der Großteil der Leibesangst säße im Knochen, weil er am stärksten mineralisiert sei. Er sagt sogar, Knochen bestünden aus kristallisierter Angst. Ahriman verdanken wir die mineralische Konstitution unseres Leibes und damit auch die Furcht. Denn die Kräfte, die unsere Organe bilden, treten später auch im Seelischen als Bildekräfte auf: Die organ- und auch knochenbildenden Kräfte strahlen quasi in das Seelische hinein. Das seelische Erleben von Angst ist also etwas ganz Natürliches und hat konstitutionelle Gründe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik.&#039;&#039; GA 293.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ZWISCHEN TIER UND MENSCH UNTERSCHEIDEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sind die wichtigsten Unterschiede zwischen Mensch und Tier?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worin sind sie begründet?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worin liegt der Sinn des menschlichen Andersseins?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Herausforderungen und Aufgaben sind damit verbunden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verwischten Unterschied neu erfassen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der prinzipielle Unterschied zwischen Mensch und Tier wurde als Folge der darwinistischen Evolutionstheorie in den letzten hundert Jahren zunehmend verwischt. Daher ist es wichtig, diesen Unterschied neu zu erfassen, wenn man den Menschen als einzigartiges „Wesen Mensch“ und nicht als Tier verstehen möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Tier ist es zwar möglich, sich individuell seelisch zu äußern – keine zwei Hunde gleichen sich in Bezug auf ihr Verhalten vollständig, auch wenn sie dem gleichen Wurf angehören –, aber es ist dennoch keinem einzigen Hund möglich, sich nicht wie ein regulärer Hund zu benehmen. In der tierischen Entwicklung fehlt der Faktor „individuelle Entwicklung“, der mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Offenheit&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Risikobereitschaft&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Scheitern-Können&#039;&#039;, was mit&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Aufgeben-Wollen&#039;&#039; einhergeht und in die&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Unberechenbarkeit&#039;&#039; der spezifisch menschlichen Existenz führt&lt;br /&gt;
* mit der ganzen typisch menschlichen &#039;&#039;Selbstfindungsproblematik&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* mitsamt ihren &#039;&#039;Identitätskrisen&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* und dem &#039;&#039;Erreichen des Nullpunktes&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus diesen menschlichen Schwächen erwächst, indem wir sie verstehen und überwinden, das enorme menschliche Potential, Mitschöpfer seiner Existenz zu sein. Das erfordert jedoch Entwicklungswillen, Arbeit an sich selbst, Selbstverantwortung und den Willen zur Freiheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht stellen wir Menschen uns deshalb gegenwärtig so gerne auf eine Stufe mit dem Tier, weil wir es insgeheim um seine fraglose Identität und um sein immer artgemäßes Verhalten beneiden. Die weisheitsvollen Gesetzmäßigkeiten der mineralischen Welt, der ätherischen Lebenszusammenhänge und der seelischen Verinnerlichungsmöglichkeiten kommen zwar in jedem einzelnen Tier-Individuum seinen Möglichkeiten gemäß auch individuell zum Ausdruck, immer auf instinktiv vollkommene und selbstverständliche Art und Weise. Kindheit, Jugend und Erwachsenwerden des Tieres werden von artgemäßen Instinkten bestimmt und können naturgegeben ausgelebt werden. Gerade diese instinktive Selbstverständlichkeit der Entwicklung, ist dem Menschen nicht gegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Lange Kindheit als Zeit für selbstbestimmte Entwicklung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Zoologe &#039;&#039;Friedrich Kipp&#039;&#039; ging in seinem Buch &#039;&#039;„Die Entwicklung des Menschen im Hinblick auf seine lange Jugendzeit“&#039;&#039; dem Unterschied zwischen Tier und Mensch evolutionsbiologisch nach.[1] Er zeigt auf, dass der Mensch eine im Vergleich zu den Säugetieren lange Kindheit und Jugend hat mit einer ausgedehnten Spiel- und Lernphase, wodurch seine Fähigkeit, sich lebenslang ändern und anpassen zu können, entscheidend unterstützt wird. Das zeigt: Der Mensch ist auf bewusste Selbstentwicklung hin veranlagt. Körperlich behält er im Vergleich zu den Tieren lange eine unspezialisierte, embryonal-kindliche Form bei. Dies hat zur Folge, dass Kinder, die sich ausgiebig bewegen und in hohem Ausmaß spielen und kreativ sein durften, in der Regel auch bis ins hohe Alter beweglich und schöpferisch bleiben. Je früher Kinder hingegen in Kindergarten und Schule konditioniert, verschult und damit festgelegt werden, umso größer ist die Gefahr, dass sie später wenig schöpferisch und sehr angepasst leben und früher alt und auch krank werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daran kann unmittelbar abgelesen werden, dass in den Menschen eine über das Tier hinausgehende, völlig andere Gesetzmäßigkeit hereinragen muss: Eine Gesetzmäßigkeit, durch die er gezwungen ist, die Verantwortung für seine Entwicklung selbst in die Hand zu nehmen, da er sie nicht seinen körpereigenen Instinkten überlassen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verwundbarkeit als Entwicklungsmerkmal&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die menschliche Entwicklung ist gekennzeichnet von einer größtmöglichen Offenheit und Verwundbarkeit. Alles, worauf das Tier sich weitestgehend verlassen kann, ist beim Menschen nicht von Natur aus gegeben: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* dass es die richtige Wahl der Nahrungsmittel trifft,&lt;br /&gt;
* dass es nicht zu viel und nicht zu wenig isst,&lt;br /&gt;
* dass es sich artgemäß fortpflanzt,&lt;br /&gt;
* dass sein Schlaf-Wachrhythmus geregelt ist,&lt;br /&gt;
* dass sein Sozialverhalten dem entspricht, was man von ihm erwartet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All das muss im Laufe des gesamten Lebens nicht nur errungen, sondern auch weiter ausgebildet, kultiviert und „vermenschlicht“ werden. Wie viele Arztbesuche würden entfallen, wenn es keine Ess-, Schlaf- und (sexuellen) Beziehungsprobleme gäbe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon eine so einfache Überlegung macht deutlich, wie revolutionär, wie dramatisch und grundsätzlich der Unterschied zwischen Mensch und Tier ist. Wenn beim Tier die Geschlechtsreife eintritt, ist sein artgemäßes Verhalten bereits gesichert, und es lebt individuell und sozial in geregelten Bahnen. Beim Menschen hingegen ist die Geschlechtsreife dadurch gekennzeichnet, dass alle noch so gutgemeinten erzieherischen Bemühungen aus den früheren Jahren fruchtlos erscheinen. Eigenes, Unerwartetes macht sich geltend – das ist ein wahrhaft revolutionärer Vorgang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entwicklungsoffenheit als Herausforderung und Chance&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Mit diesem Eigenen, Unerwarteten, mit dieser Entwicklungsoffenheit hängt aber auch all das zusammen, was besonderen Begabungen und Behinderungen zugrunde liegt. Und nur der Mensch muss lernen, mit Begabungen und Behinderungen zu leben und mit ihnen umzugehen, nicht jedoch die ihm seelisch verwandten Tiere. Man hat Skelette von wasserköpfigen Kindern gefunden, die aus der Steinzeit stammten, und hat daraus geschlossen, dass die Fürsorge für behinderte Kinder so alt ist, wie Menschen Behinderungen wahrnehmen und pflegen konnten. Ein behindertes Tier in der freien Wildbahn wird sehr bald vom ökologischen System „verarbeitet“: Es stirbt, weil es sich nicht ernähren und verteidigen kann – es wird aufgefressen, ihm kann nicht geholfen werden. So wird auch dafür gesorgt, dass schwerwiegende Behinderungen unter Tieren nicht weitervererbt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was könnte ein Tier auch in der Auseinandersetzung mit einer Behinderung gewinnen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da ihm das Selbstbewusstsein und die damit verbundene persönliche Betroffenheit fehlen, könnte es damit gar nichts anfangen. Es würde sinnlos leiden. Dem Tier ist es nicht gegeben, durch Leid und Schmerz Erfahrungen zu machen, die es in seiner Entwicklung weiterbringen. Denn es ist von Natur aus zur Vollkommenheit veranlagt. Das kann durch persönliche Anstrengung nicht noch weiter gesteigert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Leid und Schmerz als Lernhilfen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Gerade das ist beim Menschen grundsätzlich anders: Für ihn sind Leid und Schmerz Herausforderungen, denen er sich während seiner ganzen Entwicklung bewusst stellen muss und durch die er Erfahrungen machen kann und Einsichten gewinnen lernt, die durch nichts anderes zu gewinnen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Natur zeigt sich das Geistige – wenn es durch menschliche Eingriffe nicht gestört wird – wirksam in den weisheitsvoll aufeinander abgestimmten Regelkreisen der ökologischen Zusammenhänge. Krankheit und Behinderung treten hier nur am Rande als flüchtige Erscheinungen auf, da kranke Pflanzen bald zugrunde gehen, ebenso wie geschwächte und geschädigte Tiere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Pflanze und Tier erkranken, wenn die &#039;&#039;&#039;äußeren Lebensumstände&#039;&#039;&#039; ihrer Art nicht mehr entsprechen und wenn in irgendeiner Form nicht zu kompensierende Mangelerlebnisse auftreten, was Nahrung, Klima und – im Falle von Nutz- und Haustieren – deren nicht artgerechte Haltung betrifft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Demgegenüber besitzt der Mensch die Möglichkeit, mit Krankheiten und Behinderungen unter Umständen jahrzehntelang zu leben und umzugehen. Doch nicht nur das.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Beim Menschen treten zu diesen schädigenden Einflüssen von außen noch etwas hinzu: &#039;&#039;&#039;innere Krankheitsursachen&#039;&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kräfte, die beim Menschen als freie, seelisch-geistige Betätigungsmöglichkeiten in Erscheinung treten, entstammen ja Kraftzusammenhängen, die den Leib aufbauen und erhalten. Beim Tier offenbaren sich die entsprechenden Kräfte als leibgebundene instinktive Weisheit und artgerechtes Sozialverhalten. Irrtum und Missbrauch dieser Kräfte sind ausgeschlossen, indem sie der unbewussten Regelung durch das Naturgesetz unterliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ausgleich des Instinktdefizits durch Lernwillen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das ist beim Menschen anders. Er hat ein großes Instinktdefizit, einen Mangel an naturgegebener Weisheit, an automatisch regulierenden und stärkenden Kräften. Den Menschen stärkende Kräfte entspringen stattdessen dem Seelen- und Geistesleben, d.h. der Mensch kann und muss durch aktive Lernprozesse ersetzen, was ihm an Instinkten fehlt. Andererseits hat er dadurch die Möglichkeit, diese vom Leib emanzipierten seelischen und geistigen Entwicklungspotentiale zur Zerstörung von sich und anderen zu missbrauchen. Hiermit gemeint sind nicht nur &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die Schädigungsmöglichkeiten, die mit falscher Ernährung, zu wenig Schlaf, einer &#039;&#039;&#039;ungesunden Lebensweise&#039;&#039;&#039; und mangelnder Hygiene zusammenhängen,&lt;br /&gt;
* sondern vor allem diejenigen Schädigungsmöglichkeiten, die durch ein &#039;&#039;&#039;unwahres Denken, ein destruktives Gefühlsleben und durch fehlgeleitete Willenshandlungen&#039;&#039;&#039; zustande kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist ein langer Entwicklungsweg, bis man reif ist für den freien Gebrauch dieser Seelen- und Geisteskräfte. Die damit verbundenen Lernprozesse sind dadurch störanfällig, dass sich der Mensch geistig, seelisch und auch an Leben und Leib „irren kann“. Darin liegt ein tiefer Sinn. Denn wenn er den zuletzt in Form von Krankheit und Behinderung organisch gewordenen „Irrtum“ erlebt, kann er sich dadurch weiterentwickeln. Auch liegt etwas Trostreiches in dem Gedanken, dass man Fehler und Irrtümer selber als solche erleben und damit die Voraussetzungen schaffen kann, sie selbstständig zurechtzurücken und zu verwandeln. Unter diesem Gesichtspunkt erscheinen Begabung und Behinderung in einem völlig anderen Licht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verantwortung übernehmen für Entwicklung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Es wäre allerdings einseitig, aus dem Vorgebrachten den Schluss zu ziehen, hier tauche, nur mit neuen Begründungen, die alte Lehre wieder auf, dass Krankheit von Sünde und Fehlverhalten komme. Viel wesentlicher ist es, aus diesen Zusammenhängen die Frage abzuleiten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Woher kommen Begabungen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Woher kommen angeborene Fähigkeiten, Genialität?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Könnten sie nicht gerade das Ergebnis durchgemachter Behinderungen und Krankheiten in einem früheren Erdenleben sein?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir leben heute in einer Zeit, in der die Menschen zunehmend empfinden, dass sie selbst für ihre Gesundheit und ihre Entwicklung Verantwortung übernehmen müssen. Dafür sorgt nicht nur der sich anbahnende wirtschaftliche Zusammenbruch der Gesundheits- und Sozialsysteme, sondern auch, dass der Mensch sich immer stärker als auf sich selbst gestellt erlebt. Angesichts der vielfältigen Folgen menschlichen Handelns in der Natur, der Umwelt und im Wirtschafts- und Sozialleben erkennen wir, dass wir es letztlich selber sind, von denen wir und unsere Umwelt abhängen. Wir sind viel mehr mit den Folgen unserer Taten konfrontiert; sie werden vom Einzelnen viel stärker erlebt als dies noch vor vierzig, fünfzig Jahren der Fall war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Zukunft wird entscheidend sein, dass möglichst viele Menschen sich ihrer Verantwortung bewusstwerden und aus dieser Einsicht heraus energisch an einer Vermenschlichung der kulturellen Verhältnisse arbeiten. Auch wenn noch nie so viele Menschen auf der Erde gelebt haben wie gegenwärtig, kann man andererseits auch sagen, dass die Defizite an Menschlichkeit nie so stark in Erscheinung getreten sind wie im letzten Jahrhundert mit seinen endlosen Kriegen, Zerstörungen und epidemischen Zuständen von Unzufriedenheit, Depression und Verzweiflung. Und so ist es kein Wunder, dass sich viele Menschen aufgrund dieser Tatsachen wie an einer Schwelle erleben, an der sie wachgerüttelt werden, sich selbst zu erkennen. Viele empfinden auch eine gewisse Sehnsucht, sich ihre Mitverantwortung für das Ganze bewusst zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Begabungen und Behinderungen“, 5. Und 6. Kapitel, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2004&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. dazu Friedrich A. Kipp, &#039;&#039;Die Evolution des Menschen im Hinblick auf seine lange Jugendzeit&#039;&#039;, Stuttgart 1991, ferner: Wolfgang Schad, &#039;&#039;Säugetiere und Mensch&#039;&#039;, Stuttgart 1971.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Offenborn</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Anthroposophische_Menschenkunde&amp;diff=1234</id>
		<title>Anthroposophische Menschenkunde</title>
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		<updated>2026-01-06T14:50:57Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Offenborn: /* DIE MENSCHLICHE KONSTITUTION */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= Anthroposophische Menschenkunde – von Michaela Glöckler =&lt;br /&gt;
Auszüge aus Büchern und Vorträgen von [[Michaela Glöckler]]; Erstveröffentlichung auf https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE FÜNF EBENEN DES ANTHROPOSOPHISCHEN MENSCHENBILDES ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sind die fünf Ebenen des anthroposophischen Menschenbildes?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern sind sie jeweils Ausdruck des menschlichen Seins?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann man sie positiv und negativ beeinflussen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Erkenntnis vom Menschen als Grundlage&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Zentrales Anliegen der An­throposophischen Medizin ist die Erkenntnis vom Menschen als Grundlage aller medizinisch-therapeutischen Interventionen. „Anthropos“ heißt auf Griechisch der Mensch, „sophia“ heißt Wissen, Kunde, Weisheit, Erkenntnis. Das Menschenbild aus der Anthroposophie ist demnach gekennzeichnet von einem weisheitsvollen Blick auf den Menschen, der dessen Vielschichtigkeit Rechnung trägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So werden auch die Ursachen für Krankheiten unterschiedlichen Schichten oder Ebenen des Menschen zugeordnet: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Manche sind durch unzureichende Pflege und schlechte Behandlung des physischen Leibes verursacht.&lt;br /&gt;
* Andere sind der Nichtbeachtung der Lebensrhythmen geschuldet.&lt;br /&gt;
* Wieder andere haben mit belastenden Beziehungen zu tun.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die fünf Ebenen des Menschseins&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Diese unterschiedlichen Daseinsebenen, auf denen wir agieren, jeweils anamnestisch zu er­fragen, gehört zum Grundkonzept der anthroposophischen Medizin. Der Arzt versucht mit Hilfe des Patienten zu ergründen, auf welchen der menschlichen Seins-Ebenen ständige Selbst- bzw. Fremdkränkung vorliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Genetisch-physisch-körperliche Ebene ====&lt;br /&gt;
Diese Ebene umfasst die Genetik, die Umwelt sowie die Epigenetik. Steiner hat seinerzeit bereits von den Phänomenen der Epigenetik gesprochen, obwohl es das Wort noch gar nicht gab. Er betonte dabei, dass das Erbgut wandelbar sei, dass es keine fixe Größe darstelle – und sah auch voraus, dass man das noch herausfinden werde. Das konnte sich zu seiner Zeit, in der man dem genetischen Determinismus huldigte, niemand vorstellen. Er nannte drei Faktoren, die das Erbgut beeinflussen und verändern: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Immunstimulierung durch Fieber =====&lt;br /&gt;
Wir wissen heute aus der Immunologie, dass die Immunparameter durch Fieber stimuliert werden, dass bestimmte Genbezirke, die vor einem Fieberschub noch geblockt waren, nach dem Fieberschub reagieren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Organbildung durch Sinneseindrücke =====&lt;br /&gt;
Zur physischen Ebene gehören auch die Sinne mit den dazugehörigen Sinnesorganen, deren Bedeutung Steiner in der sogenannten Sinneslehre umfassend beschreibt. Er unterscheidet zwölf Sinnesbezirke, die wiederum in geistig, seelisch und leiblich orientierte Sinne unterteilt werden. Sie seien hier nur kurz erwähnt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====== &#039;&#039;Geistig orientierte Sinne:&#039;&#039; ======&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Man kann das Ich eines anderen als Kraftgefüge wahrnehmen über den Ich-Sinn, &lt;br /&gt;
* Gedanken über den Gedanken- oder Begriffssinn,&lt;br /&gt;
* Worte über den Wort- oder Lautsinn.&lt;br /&gt;
* und verfügen über einen Wärmesinn,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====== &#039;&#039;Seelisch orientierte Sinne:&#039;&#039; ======&lt;br /&gt;
Wir können hören, sehen, riechen, schmecken&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====== &#039;&#039;Leiblich orientierte Sinne:&#039;&#039; ======&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wir verfügen über einen Gleichgewichtssinn, &lt;br /&gt;
* einen (Eigen)bewegungssinn,&lt;br /&gt;
* einen Lebenssinn&lt;br /&gt;
* und einen Tastsinn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Sinne sind entscheidend an Aufbau und Funktion des menschlichen Körpers beteiligt. Denn über die kindliche Nachahmung wirkt das sinnlich Wahrgenommene bis in die Organbildung hinein. Steiner wusste damals noch nichts von den Spiegelneuronen, beschrieb sie aber in ihrer Funktion, indem er sagte, das Kind ahme alles nach und jede Nachahmung stelle eine physiologische Tätigkeit dar, durch die sich die Konstitution des Kindes ändere. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Individualität als Entscheidungsinstanz =====&lt;br /&gt;
Steiner war zudem fest davon überzeugt – und das wird heute von der Beziehungs- und Bindungsforschung bestätigt – dass die Individualität des Kindes selbst das Erbgut so „komponiert“, wie es für das Leben und die Entwicklung dieses Menschen stimmig ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 2000 wurde das sogenannte &#039;&#039;„Human genom project“&#039;&#039; veröffentlicht, eine 10jährige Arbeit zur Entschlüsselung des menschlichen Genoms. Von der Zeitschrift &#039;&#039;„nature“&#039;&#039; gab es einen Sonderband dazu, der die Richtigkeit von Steiners Annahmen aus schulmedizinischer Sicht bestätigte. Dort wurde im Editorial gesagt, dass das Erbgut viel simpler aufgebaut und viel weniger spezifisch sei, als man bisher dachte. Die große Enttäuschung sei jedoch, dass man das Entscheidende nicht gefunden habe: das Regulator-Gen, das für die Gesamtgestalt und für die Form der einzelnen Organe zuständig ist. Dort hieß es so schön: &#039;&#039;„Die Gene funktionieren wie ein gutes Orchester, nur kennen wir den Dirigenten nicht.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner sagte seinerzeit, die Individualität des Kindes wäre dieser Dirigent. Das wurde auch von der Resilienz- und Salutogenese-Forschung bestätigt: Unabhängig von Erbgut und Milieu hängt es letztlich immer von dem jeweiligen Menschen ab, ob ein ungünstiges Milieu ihm zum Schaden gereicht und er eine frühkindliche Störung entwickelt oder ob er dadurch stärker wird. Alles hängt von seiner mitgebrachten individuellen Kompetenz ab und davon, ob diese im Umfeld auf eine entsprechende Resonanz trifft. Man hat herausgefunden, dass nicht das Milieu oder die Gene die wichtigsten Schutzfaktoren gegen kränkende Einflüsse sind – und damit entscheidend für eine gesunde menschliche Entwicklung –, sondern die tragende Beziehung, die ein Kind zu mindestens einem Menschen aufbauen kann. Eine solcherart schützende Beziehung wird von Ehrlichkeit, liebevollem Interesse und Respekt vor der Integrität, der Autonomie und den Grenzen des anderen geprägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ätherisch-zeitliche Ebene ====&lt;br /&gt;
Die ätherische Ebene betrifft die Zeit und die Prozesse, die in der Zeit ablaufen. Es ist nicht egal, wann man etwas macht – es muss alles zu seiner Zeit geschehen. Man spricht in dem Zusammenhang auch von Entwicklungsfenstern. Hierher gehört der Begriff der altersentsprechenden Erziehung sowie die Berücksichtigung von Rhythmen wie gesunde Essens- und Schlafenszeiten. All das wird zusammengefasst unter dem Begriff Biorhythmik. Dieses Gebiet wird in der Waldorfpädagogik sehr ernst genommen: Welche Unterrichtsstunden worauf folgen, aber auch das Thema des altersentsprechenden Lehrplans gehören hierher – nicht vom Inhalt her gesehen, den er vermitteln soll, sondern im Sinne einer Lehrplan-Physiologie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Für welche körperlich-seelische Erfahrungswelt ist ein Kind mit 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10 Jahren empfänglich?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wann sollte was unterrichtet werden, damit das Kind altersentsprechend körperlich geschickt und seelisch geweckt wird und in ihm seinem Alter gemäße Fragen wachgerufen werden als „Nahrung“, die es in einem bestimmten Lebensalter braucht?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein komplexes Gebiet, weshalb es auch den Schularzt braucht, der Lehrer und Eltern im Bereich der primären Prävention dahingehend berät, wie sie die Erziehungsprozesse durch gesundende Zeitabläufe begleiten und unterstützen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Lebensrhythmen des Menschen&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner stellte einen Bezug zwischen den heute bekannten Rhythmen und dem Menschen her:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Das &#039;&#039;Ich&#039;&#039; lebt im &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;24-Stunden-Rhythmus&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;Seele&#039;&#039; im &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Wochenrhythmus&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;: Um etwas seelisch zu verarbeiten, braucht man mindestens eine Woche – das bekommt man nicht an einem Tag hin.&lt;br /&gt;
* Die Lebensorganisation wird auch &#039;&#039;Ätherleib&#039;&#039; genannt und folgt dem &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;4-Wochen-Rhythmus&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;, d.h., wenn man eine schlechte Gewohnheit ablegen und stattdessen eine gute verankern will, braucht man dafür vier Wochen. Gute Gewohnheiten haben einen stabilisierenden Einfluss auf den Ätherleib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begriff „Ätherleib“ ist ein von Steiner benützter Terminus, der auf das blaue Himmelslicht zurückgeht. Er sagt, alles Leben auf der Erde, wie z.B. die Chlorophyll-Assimilation von Licht, findet unter Einfluss des durchsonnten blauen Himmels der Atmosphäre statt. Sie ist die direkte Energiequelle des gesamten Lebens. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Seelisch-astrale Ebene ====&lt;br /&gt;
Die wesentlichen Beziehungs- bzw. seelischen Faktoren sind Ehrlichkeit, liebevolles Interesse, Respekt vor der Autonomie. Entscheidend ist dabei jeweils, dass man diese Qualitäten zu fühlen imstande ist. Denn die Seele umfasst primär die Gefühlsebene. Was man nicht fühlt, ist für den Betreffenden nicht real. Interesse wird erst zu Liebe, wenn man den anderen meint und nicht insgeheim etwas für sich selbst haben möchte. Das gilt auch für den Respekt vor der Freiheit, der Autonomie des anderen. Wer sich freilassend geliebt und verstanden, aber auch ehrlich behandelt fühlt, kann mit Goethe sagen: &#039;&#039;„Ich fühlte mich in Deinen Augen gut.“&#039;&#039;  Das schrieb er seiner Geliebten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die uns anvertrauten Kinder und Patienten sollten sich in unseren Augen gut fühlen und nicht mit distanziertem, gleichgültigem Blick von oben herab angeschaut werden. Es gibt so viel Zweifel, Spott, Zynismus, aber auch so viele Ängste, die eine gesunde Beziehung verstellen und das Gefühlsleben korrumpieren können. Das wieder freizulegen, ist ein wichtiger Teil unserer Arbeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Individuelle Ich-Ebene ====&lt;br /&gt;
Das Ich ist das entscheidende Zentrum dieses Menschenbildes. Wir benennen mit „ich“, was wir uns selber zusprechen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ein Kind erkennt schon mit &#039;&#039;&#039;drei Jahren&#039;&#039;&#039;: Ich bin. &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Ein Neunjähriges&#039;&#039;&#039; fühlt zum ersten Mal die Einsamkeit des Ich-Seins, fühlt sich plötzlich nicht mehr selbstverständlich zur Familie gehörig: Es fühlt zum ersten Mal das Alleinsein, das Ausgesetztsein, die Verwundbarkeit als Ich.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Mit 16&#039;&#039;&#039; fühlt man erstmals die Verantwortung für das eigene Ich, für das, was man denkt, was man will. Man sagt nicht mehr alles frei heraus, sondern prüft, ob etwas stimmt. Man fühlt sich jetzt für sich und das, was man tut, verantwortlich.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Zwischen 20 und 23&#039;&#039;&#039; – das sind statistische Mittelwerte – beginnt man ernsthaft die eigene Existenz, das eigene Ich selbst zu hinterfragen: Wozu all das? Will ich das überhaupt und wenn ja, warum? Sie suchen nach ihrer wahren Identität und wollen sie in allem selbst bestimmen: spirituell, seelisch, wertemäßig, beziehungsmäßig. Wer diese Themen für sich durcharbeitet, kann dann auch formulieren, was er unter diesem Ich versteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Wahrhaft Mensch werden&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Aus Sicht der Anthroposophie sind wir Menschen dazu aufgerufen immer menschlicher zu werden, uns als „Werdewesen“ zu begreifen. Der Mensch unterscheidet sich wesentlich von Mineralien, Tieren und Pflanzen, von allem, was die Natur bietet, durch ein Merkmal: durch seine Unvollkommenheit. In der Natur ist alles vollkommen, keines der uns umgebenden Naturwesen könnte schöner oder perfekter sein – es sei denn, es ist umweltbedingt geschädigt. In vielen Hochreligionen wurden Tiere aufgrund ihrer Vollkommenheit als Götter verehrt. Der Mensch empfindet sich dagegen unvollkommen: Kein Mensch würde von sich sagen, er wäre vollumfänglich Mensch. Jeder ist sich bewusst, dass er noch menschlicher sein könnte und sollte. Deshalb ist das Credo der Anthroposophie: Wahrhaft Mensch werden zu wollen: Zu lernen, die eigenen Werte zu bestimmen und daraus das eigene Leben menschenwürdig zu gestalten; und so auf die eigene Umwelt zurückzuwirken, dass Leben unterstützt und nicht gekränkt und bedroht wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Spirituelle Ebene – Quinta Essentia ====&lt;br /&gt;
Paracelsuns nannte diese fünfte Ebene die „Quinta Essentia“. Diese Ebene ist zentral für das anthroposophische Menschenbild: Unser Denken, Fühlen und Wollen sind nicht körperlicher Natur und auf den Körper beschränkt, sondern können von jedem, der sich nur ein wenig auf sich selbst besinnt, als außerkörperliche Kompetenzen erlebt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder erleben ihr Metabewusstsein oder Metagedächtnis zum ersten Mal mit 9 Jahren. Das hängt mit dem genannten Gefühlserlebnis zusammen. Sie sehen sich plötzlich wie von außen und fühlen sich ihrer Familie und ihrem Freundeskreis nicht mehr selbstverständlich zugehörig. Sie fragen plötzlich, warum sie in diesen Zusammenhängen leben. Natürlich reflektieren die Neunjährigen das noch nicht. Aber die 23-Jährigen tun es, sie stellen sich total infrage – und das kann man nur, wenn man sich als „außer sich“, also wie von außen, erleben kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist Rudolf Steiners ganz großer Verdienst, das Denken, Fühlen und Wollen als außerkörperliche Kompetenzen entdeckt zu haben: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* dass das Gehirn unsere Gedanken, Gefühle und Absichten nicht hervorbringt, sondern nur spiegelt,&lt;br /&gt;
* dass der Mensch eine gedankliche, gefühlsmäßige, intentionale Aura hat, einen mehr oder weniger „heiligen Schein“ von Gedanken, Gefühlen und Bestrebungen, die tatsächlich außerkörperlich sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darauf möchte ich im Folgenden genauer eingehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Drei Entwicklungsgesten und Denken, Fühlen und Wollen&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Aus der Embryologie kennen wir drei unterschiedliche evolutive Dynamiken:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# die &#039;&#039;&#039;Proliferation&#039;&#039;&#039;, das reine Wachstum,&lt;br /&gt;
# die &#039;&#039;&#039;Differenzierung&#039;&#039;&#039;, z.B. das Einsprossen der Nerven oder die Differenzierung in männlich und weiblich,&lt;br /&gt;
# die &#039;&#039;&#039;Integration&#039;&#039;&#039; aller Teile zu einem Gesamtbild. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie haben wesentlich mit dem Denken, Fühlen und Wollen zu tun. Steiner sagt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gedanken&#039;&#039;&#039; seien umgewandelte, leibfrei gewordene Wachstums- und Regenerationskräfte des Körpers (&#039;&#039;Proliferation&#039;&#039;), die dort nicht mehr gebraucht werden. Diese außerkörperliche Gedankenkompetenz ermögliche das geistige Wachstum des Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &#039;&#039;&#039;außerkörperliche Gefühlsvermögen&#039;&#039;&#039; bilde sich aus leibfrei gewordenen, umgewandelten &#039;&#039;Differenzierungskräften&#039;&#039;, die den Körper bis zur Pubertät durchgestaltet haben und nun im Fühlen Polarisierung – Sympathie, Antipathie, Harmonie, Disharmonie, das gesamte Spiel der Gefühle – ermöglichen. Es ist die Grundlage unserer Empathie-Fähigkeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entsprechendes gelte für die &#039;&#039;&#039;Ich-Kompetenz des freien Wollens&#039;&#039;&#039;, das als leibfrei gewordene &#039;&#039;Integrationskraft&#039;&#039; die Voraussetzung und Basis für Selbstbestimmung ist. Diese Willenskompetenz lässt uns die eigene Entwicklung im Sinne einer Übereinstimmung von Denken, Fühlen und Handeln selbst in die Hand nehmen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses real geistig-körperliche Konzept der Doppelnatur des Menschen bildet die Basis des anthroposophischen Menschenbildes. Diese Doppelnatur wird in dem schönen Gedicht von Juan Ramon Jimenez treffend beschrieben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich bin nicht ich.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich bin der, der an meiner Seite geht,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;ohne dass ich ihn erblicke,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;der sanftmütig schweigt, wenn ich rede,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;den ich oft suche,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;den ich oft vergesse,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;der verzeiht, wenn ich hasse,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;der umherschweift, wo ich nicht bin,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;der aufrecht bleibt, wenn ich sterbe.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====== &#039;&#039;Inkarnation…&#039;&#039; ======&lt;br /&gt;
Als Geste ausgedrückt: Wir Menschen kommen aus einer geistigen Welt. Leben, Seele und Geist verbinden sich bei der Zeugung mit einem physischen Keim und bauen ihn im Zuge der Embryonalentwicklung auf. Nach der Geburt müssen wir uns im Zuge der Inkarnation mit Erbgut und Milieu auseinandersetzen. Im Laufe des Wachsens und Reifens treten die nicht mehr benötigten Wachstumskräfte heraus aus dem Leib und werden zu Gedanken-, Gefühls- und Willenskräften, wodurch man lernen kann, sich geistig selbst zu finden und selbst zu bestimmen. Wir entwickeln ein individuelles Denken, Fühlen und Wollen – individuell deshalb, weil diese Kompetenz den Lebenskräften unseres eigenen Körpers entstammt. Je älter wir werden, desto mehr Kräfte verlassen den Körper.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====== &#039;&#039;… und Exkarnation&#039;&#039; ======&lt;br /&gt;
Wenn wir sterben, wird auch der letzte Rest an Lebenskräften leibfrei: Das spirituelle Kraftgefüge, das den Körper lebenslang unterhalten und zusammengehalten hat, tritt heraus und macht in der geistigen Welt eine Metamorphose durch, verwandelt seinen Seins-Zustand und geht als außerkörperliches Leben, Seele und Geist in die geistige Welt ein, während der Körper ziemlich rasch zerfällt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da wir nie in einem Erdenleben ganz Mensch werden können, geht dieser Prozess selbstverständlich weiter durch wiederholte Erdenleben – aber mit dem klaren Ziel, immer menschlicher zu werden, immer autonomer, immer ich-hafter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Bernd Rosslenbroich&#039;&#039; hat in seinem wunderbaren Buch[1] nachgewiesen, dass die gesamte Evolution Autonomie fördert, die im Menschen gipfelt, der unausgesetzt an seiner Befreiung arbeitet. Angesichts der vielen Krisen und Kriege spüren wir deutlich, wie unfrei der Mensch noch ist, wie viel Befreiungsarbeit noch vor uns liegt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag „Das anthroposophische Menschenbild“, 2014&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Bernd Rosslenbroich, &#039;&#039;On the Origin of Autonomy&#039;&#039;, &#039;&#039;A New Look at the Major Transitions in Evolution&#039;&#039;, Heidelberg, New York, Springer 2014.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE MENSCHLICHE KONSTITUTION ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was unterscheidet den Menschen wesentlich von der Pflanzen- und Tierwelt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist der tiefere Grund für die defizitäre Ausgestaltung des Menschen im Vergleich mit Pflanze und Tier?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielt dabei die Ich-Organisation?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Der Mensch aus Sicht von Kapitel V&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Nach der Betrachtung des pflanzlichen und des tierischen Organismus wird im fünften Kapitel von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039;die menschliche Konstitution näher ins Auge gefasst. Dabei lassen sich drei Hauptabschnitte unterscheiden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die beiden ersten Absätze&#039;&#039;&#039; sind dem Vergleich der menschlichen und tierischen Gestaltbildung gewidmet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Absätze 3–9&#039;&#039;&#039;, insbesondere aber Absatz 5, beschreiben diese Gestaltbildung etwas genauer im Hinblick auf den darin zum Ausdruck kommenden dreifachen Substanzstrom.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Absätze 10–13&#039;&#039;&#039; beziehen sich auf das unterschiedliche Verhalten der astralischen und Ich-Organisation im schlafenden und wachen Zustand, einschließlich der unterschiedlichen Rollen, die der Sauerstoff in diesen beiden Lebenszuständen spielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ich-Organisation behindert natürliche Vervollkommnung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dabei wird das für die Ich-Organisation charakteristische Merkmal zum zentralen Thema: dass die Ich-Organisation die Substanz- und Formkräfte im physischen, ätherischen und astralischen Bereich an der vollen Ausgestaltung der menschlichen Konstitution hindert. Die Tatsache dieser daraus resultierenden Unfertigkeit auf physischer, ätherischer und astraler Ebene unterscheidet den Menschen von Pflanzen und Tieren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn diese erscheinen vollkommen ausgestaltet – jedes nach seiner Art. Dieser fundamentale Unterschied zwischen Mensch und Tier fiel bereits Platon auf. Er erkannte, dass der Mensch sich von den anderen Naturwesen dadurch unterscheidet, dass er defizitär, also unvollkommen ist.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Determinationsdefizit als Garant für Freiheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der Renaissance wurde diese Einsicht nicht nur aufgegriffen, sondern geradezu zum Hauptmerkmal erhoben, das den Menschen vom Tier unterscheidet. Denn man erkannte in dem konstitutionseigenen Determinationsdefizit der menschlichen Natur auch dessen Vorteil, das spezifisch menschliche Privileg: die Befähigung zur Selbstdetermination, zur Freiheit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Giovanni Pico della Mirandola ====&lt;br /&gt;
So hat &#039;&#039;Giovanni Pico della Mirandola (1463–1494)&#039;&#039; in seinem berühmten Traktat &#039;&#039;„De hominis dignitate“ („Über die Würde des Menschen“)&#039;&#039; diesem Umstand ebenfalls positive Bedeutung zugemessen und sie nicht im Lichte der traditionellen christlich-biblischen Deutung als ‚Sünden-Fall‘ dargestellt. Pico lässt Gottvater als ‚obersten Künstler‘ sagen: &#039;&#039;„Weder haben wir dich himmlisch, noch irdisch, weder sterblich, noch unsterblich geschaffen, damit du wie dein eigener, in Ehre frei entscheidender schöpferischer Bildhauer dich selbst zu der Gestalt ausformst, die du bevorzugst. Du kannst zum Niedrigeren, zum Tierischen entarten; du kannst aber auch zum Höheren, zum Göttlichen wiedergeboren werden, wenn deine Seele es so beschließt.“[3]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Gotthold Ephraim Lessing ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gotthold Ephraim Lessing (1729–1781)&#039;&#039; schreibt am Ende seiner Ausführungen über &#039;&#039;„Das Christentum der Vernunft“ (1753):&#039;&#039; &#039;&#039;„Da in der Reihe der Wesen unmöglich ein Sprung stattfinden kann, so müssen auch solche Wesen existieren, welche sich ihrer Vollkommenheiten nicht deutlich genug bewusst sind.“[4]&#039;&#039; In Lessings theologischer Grundüberzeugung ist Gott nicht nur der Inbegriff der allumfassenden Vollkommenheit, sondern er hat auch Bewusstsein davon. Wenn er nun Wesen zulässt – wie die Menschen es sind – die kein deutliches Bewusstsein ihrer Vollkommenheit haben, so sind diese Wesen offenbar noch im Prozess ihrer – Gott gewollten – Schöpfung bzw. Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Einsicht inspirierte Lessing dann auch zu seinen bekannten Ausführungen über &#039;&#039;„Die Erziehung des Menschengeschlechts“&#039;&#039;, wo es heißt: &#039;&#039;„Eben die Bahn, auf welcher das Geschlecht zu seiner Vollkommenheit gelangt, muss jeder einzelne Mensch (der eine früher, der andere später) erst durchlaufen haben. – [...] In einem und demselben Leben durchlaufen haben? Kann er in eben demselben Leben ein sinnlicher Jude und ein geistiger Christ gewesen sein? Kann er in eben demselben Leben beide überholet haben?“[5]&#039;&#039; Zum Schluss gipfelt diese Betrachtung dann in dem Bekenntnis zum Gedanken der Wiederverkörperung, dem er die Einsicht in seine eigene Entwicklungsbedürftigkeit und seine Sehnsucht nach Höherentwicklung verdankt: &#039;&#039;„Warum sollte ich nicht so oft wiederkommen, als ich neue Kenntnisse, neue Fertigkeiten zu erlangen geschickt bin? Bringe ich auf einmal so viel weg, dass es der Mühe wiederzukommen etwa nicht lohnet? [...] Ist nicht die ganze Ewigkeit mein?“[6]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Novalis ====&lt;br /&gt;
Auch in der Philosophie des deutschen Idealismus und der Frühromantik, spielt der Tatbestand der Entwicklungsbedürftigkeit des Menschen aufgrund des Defizit-Erlebens eine entscheidende Rolle. So lässt &#039;&#039;Novalis (1772–1801)&#039;&#039; im zweiten Teil seines &#039;&#039;„Heinrich von Ofterdingen“&#039;&#039; den Arzt Sylvester seinem Besucher Heinrich, der nach den Ursachen von allen Schrecken, Schmerzen, aller Not und allem Übel im Weltall fragt und wann man dessen nicht mehr bedürfe, die Antwort geben: &#039;&#039;„Wenn es nur Eine Kraft gibt – die Kraft des Gewissens – Wenn die Natur züchtig und sittlich geworden ist. Es gibt nur Eine Ursache des Übels – die allgemeine Schwäche, und diese Schwäche ist nichts als geringe sittliche Empfänglichkeit und Mangel an Reiz der Freiheit.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Heinrich: Macht mir doch die Natur des Gewissens begreiflich.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Sylvester: Wenn ich das könnte, so wär ich Gott, denn indem man das Gewissen begreift, entsteht es.“[7]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verzicht auf naturgegebene Vollkommenheit zugunsten von Menschlichkeit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die physiologisch bedingte Unvollkommenheit des Menschen und der damit verbundene seelisch-geistige, d. h. charakterliche Entwicklungs-Bedarf wird in Kapitel V darauf zurückgeführt, dass die menschliche Konstitution von Natur aus auf keiner Ebene ihrer Manifestation perfekt ausgestaltet ist. Die Gestaltungskräfte werden durch den Einfluss der Ich-Organisation zurückgedrängt, &#039;&#039;„im Flusse erhalten“&#039;&#039; und, wo nötig, überwunden&#039;&#039;.[8]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Man kann dies einerseits als &#039;&#039;&#039;generellen Verzicht auf Spezialisierung&#039;&#039;&#039; ansehen und an Goethe denken, der der Ansicht war, dass das Tier durch seine Organe belehrt würde, indem sie sozusagen instinktsicher ‚alles richtig machen‘, der Mensch aber seine Organe belehren müsse.[9]&lt;br /&gt;
* Man kann es aber auch als einen &#039;&#039;&#039;Akt aktiven, willentlichen Zurückdrängens&#039;&#039;&#039; der mineralischen, pflanzlichen und tierischen Natur ansehen, um die eigene Menschlichkeit entwickeln zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seiner Studie &#039;&#039;„Die Evolution des Menschen in Hinblick auf seine lange Jugendzeit“[10]&#039;&#039; hat &#039;&#039;Friedrich Alexander Kipp (1908–1997)&#039;&#039; diesen Tatbestand eindrucksvoll belegt. &#039;&#039;Wolfgang Schad (1935–2022)&#039;&#039; hat der Evolution von Tier und Mensch von der fossilen Frühgeschichte bis in die Gegenwart sein Lebenswerk gewidmet.[11] Sein Schüler und Nachfolger als Direktor des Instituts für Evolutionsbiologie der UW/H, &#039;&#039;Bernd Rosslenbroich&#039;&#039;, hat diese Forschungen in seiner Habilitationsschrift über die &#039;&#039;„Entwicklung der Autonomie im Kontext der Evolution der Arten bis hin zum Menschen“&#039;&#039; zusammengefasst.[12]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser inzwischen auch naturwissenschaftlich gut belegte Tatbestand kann deutlich machen, dass letztlich keinem Menschen die Entwicklungsarbeit an der eigenen ‚Menschwerdung‘ abgenommen werden kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[13]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Als Beispiel hierfür sei der Dialog Protagoras genannt. Siehe Platon (2016), 645–663.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Della Mirandola (2022), 14.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Lessing (1998), 27&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Lessing (2001), 98.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Ebd., 99.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Novalis (2013), 273.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Vgl. FN 1, S. 28.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] &#039;&#039;„Das Thier wird durch seine Organe belehrt; der Mensch belehrt die seinigen und beherrscht sie.“&#039;&#039; WA II, 42, 258.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Kipp (1980).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Schad (2012). Während sich der Schimpansenkopf kurz nach der Geburt in Aufbau und Vertikalität kaum von dem eines Menschenkindes unterscheidet, so ist dies im Laufe der kommenden Wochen und Monate zunehmend der Fall. Der Gesichtsschädel rückt nach vorne, die Stirne flacht sich nach hinten ab und die adulte Form hat das Menschenähnliche weitgehend verloren. Entsprechend ist es mit Armen, Händen, Beinen und Füßen. Auch sie sehen zunächst in der frühen Embryonalentwicklung menschenähnlich aus und weisen die gegliederte Zehen- und Fingerbildung auf. Besonders berührend ist dies im Verlauf der Entwicklung des Vogelflügels. Hier differenziert sich aus der zunächst fünffingerigen ›Hand‹ am Ende des Arms sukzessive das verkrüppelte ‚Fingerskelett‘ heraus, das sich zwar zur perfekten Navigation der Flügel eignet – aber eben nur dafür. Die Hand des Menschen bleibt hingegen lebenslang im Verzichtsmodus auf jede Form der Spezialisierung. Sie steht nicht im Dienst einer durch die Natur gegebenen Steuerung, sondern braucht die Impulsgebung zum ‚Handeln durch bewusstes Denken und Fühlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Vgl. Rosslenbroich (2007) und Kümmell (2020).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== GEIST, SEELE UND LEIB UND WESENSGLIEDER ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wirken die vier Wesensglieder im Kontext der menschlichen Dreigliederung von Körper, Seele und Geist?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wo betätigen sie sich leibgebunden, wo leibfrei?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche entscheidende Rolle hat dabei die Ich-Organisation inne?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Dreigliederung und Zusammenwirken der vier Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Ausführungen zur Dreigliedrigkeit der Organbildungen und des Nervensystems in Kapitel VI von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; erfahren eine aufschlussreiche Präzisierung durch eine Darstellung zu Beginn des &#039;&#039;„Ärztekurses“&#039;&#039; von 1921.[2] Sie sei hier angeführt, um die äußerst knapp gefassten Aussagen dazu in den Kapiteln V und VI verständlicher zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dort wird die von Rudolf Steiner schon 1917 entwickelte Dreigliederung in &#039;&#039;„Von Seelenrätseln“[3]&#039;&#039; daraufhin angeschaut, wie die vier Wesensglieder im Nerven-Sinnes-System, der rhythmischen Funktionsordnung von Kreislauf und Atmung sowie im Stoffwechsel-Gliedmaßen-System jeweils unterschiedlich zusammenarbeiten. Daraus ergibt sich auch der anthroposophisch-anthropologische Ansatz zum Verständnis von ‚Leib‘, ‚Seele‘ und ‚Geist‘:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Geist – rein leibfreie Tätigkeit von Denken, Fühlen und Wollen ====&lt;br /&gt;
Von Geist kann gesprochen werden, wenn man die leibfreie, rein geistige – nicht verkörperte – Tätigkeit von Denken (Ätherleib), Fühlen (Astralleib) und Wollen (Ich-Organisation) im Auge hat. Diese konstitutionelle Gegebenheit findet sich nur im Bereich des im Kopf zentrierten Nerven-Sinnes-Systems. Geist, so gesehen, bedeutet präzise: außerhalb des Leibes sein, d.h. rein geistig tätig. Die drei – gestützt auf das Nerven-Sinnes-System – außerkörperlich wirksamen Wesensglieder, Ätherleib, Astralleib und Ich-Organisation, sind so gesehen in ihrem Zusammenwirken ‚der Geist des Menschen‘.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Seele – Selbstwahrnehmung und Empathie, mal leibgebunden, mal leibfrei ====&lt;br /&gt;
Seele im engeren Sinn ist das Zusammenspiel des träumenden Gefühlslebens mit dem schlafbewussten Willensleben, wie es sich im rhythmischen System darlebt. Hier wirkt Ich-Organisation wie im Nerven-Sinnes-Bereich als Willensvermögen leibfrei von außen, der Astralleib hingegen verbindet sich rhythmisch durch die Ausatmung stärker mit der Ich-Organisation und bei der Einatmung mehr mit der schlafenden physisch-ätherischen Konstitution, in der das Ätherische leiblich gebunden bleibt und der Denktätigkeit nicht zur Verfügung stehen kann. Dadurch bleibt bei jeder Gefühlsregung einerseits der subjektive Selbstbezug bzw. die Selbstwahrnehmung des Fühlenden erhalten. Andererseits ist dadurch aber auch eine selbstlose ‚spirituelle Empathie‘ möglich, da der leibfreie Anteil des Astralleibes in Form des Gefühlslebens in der Ausatmung an die leibfrei bleibende Ich-Organisation gebunden ist. Dadurch ist – je nach Intention des Ich – auch ein emotionales von sich Absehen-Können möglich, ein sich in die Situation eines anderen Menschen oder eines Vorgangs in der Umwelt wirklich Hereinversetzen-Könnens: Echte Empathie, selbstloses Mitfühlen mit dem Anderen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Leib – Ort der sich unbewusst vollziehenden Leibbildung ====&lt;br /&gt;
Leib hingegen ist der Ort, an dem im gesunden Zustand alle vier Wesensglieder an der Substanz tätig und damit vollständig ‚verleiblicht‘ und damit auch leibbildend und leiberhaltend wirken: im Stoffwechselsystem und seinem Zentralorgan, dem Blut als Träger des schlafenden Willenslebens. Was hier als willentliche Gestaltungskraft lebt, ist dem Wachbewusstsein entzogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ich-Organisation als lenkende Instanz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Bei den Gliedmaßen jedoch ist die Ich-Organisation im Gegensatz zum Stoffwechsel – wie in Kapitel II beschrieben – weniger stark verleiblicht, weswegen ‚freie‘, d.h. vom autonomen Denken ‚außen‘ gesteuerte Bewegungen möglich sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kennt man das anthroposophische Konzept der Ich-Organisation, die sowohl über die intentionale Sinneswahrnehmung bestimmt, als auch im Bereich von Denken, Fühlen und Wollen prominent die Bewusstseinsvorgänge lenkt, lässt sich die enorme Komplexität dieser vielfältigen Einflussfaktoren auf Wahrnehmen und Bewegen konkreter ordnen und praktisch handhaben. Es können sich darüber hinaus weiterführende ‚integrierende‘ und vor allem auch interdisziplinäre Forschungsansätze ergeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[4]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27, S. 34.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaftliche Gesichtspunkte zur Therapie&#039;&#039;, GA 313.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Von Seelenrätseln. Anthropologie und Anthroposophie,&#039;&#039; GA 21.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DENKEN, FÜHLEN UND WOLLEN UND LEIB, SEELE UND GEIST ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist der Unterschied zwischen der Dreigliederung und der Viergliederung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie hängen Leib, Seele und Geist mit Denken, Fühlen und Wollen zusammen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielen dabei die sogenannten Wesensglieder des Menschen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Scheinbarer Gegensatz von Dreigliederung und Viergliederung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Gegensatz zwischen dem &#039;&#039;Konzept von Geist, Seele und Leib&#039;&#039; – &#039;&#039;&#039;Dreigliederung&#039;&#039;&#039; – und dem &#039;&#039;Konzept der vier Wesensglieder (physischer, ätherischer, astraler und Ich-Organismus)&#039;&#039; – &#039;&#039;&#039;Viergliederung&#039;&#039;&#039; – ist nur ein scheinbarer. Es gibt zwei Stellen, in denen Rudolf Steiner den Zusammenhang von Dreigliederung und Viergliederung genauer erklärt. Einmal beleuchtet Steiner mehr den erzieherischen Prozess und im anderen Fall steht mehr der Heilprozess im Zentrum: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Zu den &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Lehrern&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; spricht er von dem prozessorientierten &#039;&#039;zeitlichen Aspekt&#039;&#039; der Wesensglieder, von den sogenannten Geburten in Jahrsiebten[1].&lt;br /&gt;
* Mit den &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Ärzten&#039;&#039;[2]&#039;&#039;&#039; bespricht er mehr den &#039;&#039;räumlichen Aspekt&#039;&#039; der Wesensglieder: wie die­se auf jeder Ebene des dreigliedrigen Menschen unter­schied­lich zusammen­ar­bei­ten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wesensgliederwirken in Geist, Leib und Seele&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im Grunde greifen wir zu kurz und zeichnen ein unscharfes Bild, wenn wir den Menschen platt materialistisch in Körper, Seele und Geist einteilen. Rudolf Steiner selbst sagt dazu: &#039;&#039;„Wer irgendwelche vorgefassten Meinungen oder gar Hypothesen mit diesen drei Worten verbindet, wird die folgenden Auseinandersetzungen notwendig missverstehen müssen.“&#039;&#039;&#039;[3]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Diese Dreigliederung macht nur Sinn, wenn man davon ausgeht, dass &#039;&#039;alle&#039;&#039; Kräfte, auch der physische Leib, geistiger Natur sind. Unter diesem Vorbehalt möchte ich sie in aller Kürze skizzieren und auch darauf eingehen, wie die Wesensglieder in welchem Bereich wirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. GEIST ====&lt;br /&gt;
Mit Geist wird die von der Materie ganz losgelöste Gesetzlichkeit bezeichnet, also diejenigen geistigen Kräfte, die im Zuge der Ausreifung des physischen Körpers wieder leibfrei geworden sind, die sich quasi wieder exkarniert haben. Dieser wieder leibfrei gewordene Geist hat dieselben Qualitäten wie die inkarnierten ätherischen, astralen und Ich-Organisations-Kräfte, durch die der Leib entstanden ist – mit nur einem Unterschied: Die im Körper wirkenden geistigen Kräfte arbeiten im Sinne der Naturgesetze. Die leibfreien Kräfte des Denkens, Fühlens und Wollens sind auf die individuelle Führung durch das Menschen-Ich angewiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geist ist laut Rudolf Steiner nicht das Gegenteil von Materie, sondern das außerkör­perliche Erleben unserer Wesensglieder im Denken, Fühlen und Wollen. Im Geist erwachen wir als Menschen, die &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gedanken &#039;&#039;&#039;bilden&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Gedanken differenzieren, abwägen, &#039;&#039;&#039;beurteilen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* sich mit Gedanken verbinden, Gedanken &#039;&#039;&#039;realisieren wollen&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner sagt in dem Zusammenhang auch, wir müssten lernen im Denken hell und dunkel als Qualitäten zu fühlen. Erst wenn wir die Stimmigkeit, Wahrhaftigkeit bzw. Verlo­genheit und „Verbogenheit“ unserer Gedanken fühlen könnten, wenn wir fähig würden, fühlend zu erkennen, ob Gedanken gerade oder krumm sind, erst dann wären wir urteilsfähig und fähig zu michaelischem Denken. Unser Denken wird also von unserem leibfreien Denken, Fühlen und Wollen gleichermaßen ermöglicht und ist eine rein außerkörperliche, geistige Tätigkeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Der &#039;&#039;&#039;leibfreie Ätherleib&#039;&#039;&#039; liefert das &#039;&#039;Baumaterial für die Gedanken&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
* Der &#039;&#039;&#039;leibfreie Astralleib&#039;&#039;&#039; ist für das &#039;&#039;Fühlen der Qualität der Gedanken&#039;&#039; zuständig.&lt;br /&gt;
* Aus der &#039;&#039;&#039;leibfreien Ich-Organisation&#039;&#039;&#039; kommt unser &#039;&#039;Wille zum Denken&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dergestalt selbständig denken zu lernen, ist Ziel der gesamten Waldorfpädagogik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. LEIB ====&lt;br /&gt;
Leib ist der mit der Materie verbundene Gesetzeszusammenhang bzw. der Ort, an dem sich alle vier Wesensglieder inkarniert haben – der Leib ist demnach inkarnierter Geist: Ich-Organisation, Astralleib und Ätherleib beleben, beseelen und durchgeistigen die menschliche physische Gestalt mit Geist, Seele und Leben. Jesus spricht vom Tempel des Leibes, in dem der Geist wohnt. Der physische Organismus ist nun wiederum dreigegliedert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Zur funktionellen Dreigliederung&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner forschte 30 Jahre lang zur funktionellen Dreigliederung des physischen Organismus,[4] und wenn er in dem Zusammenhang auch vom oberen, mittleren und unteren Menschen spricht, geht es nicht um eine Dreiteilung, sondern eine Gliederung in drei ineinandergreifende Funktionssysteme. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Das Nerven-Sinnes-System (NSS) ======&lt;br /&gt;
Das Nerven-Sinnes-System (NSS) ist die physische Grundlage der bewussten Denk- und Sinnestätigkeiten und ist im oberen Bereich, dem Kopf mit den Sinnesorganen und dem Gehirn, zentriert. Alle Bewusstseinsvorgänge werden von Astralleib und Ich-Organisation gemeinsam ermöglicht. Die Sinnestätigkeiten vollziehen sich unter der Regie des Ich und unter starker Beteiligung des Ätherischen, das sich jedoch aus dem Nervensystem weitgehend lösen dürfe, sagt Steiner. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Das rhythmische System (RS) ======&lt;br /&gt;
Das rhythmische System (RS) befindet sich im mittleren Bereich, im Brustraum. Es lenkt die rhythmischen Transport- und Verteilungssysteme, wie sie von den Atmungsorganen und dem Herzen als Mittelpunkt des Kreislaufsystems ausgehen, und wird stark vom dauerhaft inkarnierten Anteil des Ätherleibes beeinflusst. Würde der Ätherleib auch dort herausgehen, würden wir krank. Der Astralleib pendelt hier zwischen Drinnen und Draußen, insofern als er bei jeder Einatmung ein Stück weit in den physischen Leib hineingeht und sich bei jeder Ausatmung wieder ein Stück weit herauslöst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Das Stoffwechsel-Gliedmaßen-System (STGS) ======&lt;br /&gt;
Das dritte Funktionssystem, das Stoffwechselgliedmaßensystem, umfasst zwei ganz unterschiedliche Bereiche:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum einen regelt das unterhalb des Zwerchfells hauptsächlich im Bauchraum lokalisierte &#039;&#039;&#039;Stoffwechselsystem&#039;&#039;&#039; die unbewussten metabolischen Auf- und Abbauvorgänge. Doch jede Zelle, von den Haarspitzen bis zu den Fußspitzen, wird vom Stoffwechsel aufgebaut und unterhalten. Wenn die vier Wesensglieder hier gut verbunden sind und harmonisch zusammenarbeiten, könne der Mensch laut Steiner nicht krank werden, dann sei er gesund inkarniert. Alle internistischen Erkrankungen hängen mit einer Lockerung von Astralleib und Ich-Organisation aus der physisch-ätherischen Konstitution zusammen. Dann gerät der Stoffwechsel durcheinander und erzeugt diverse Krankheitstendenzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem &#039;&#039;&#039;Gliedmaßensystem&#039;&#039;&#039; dagegen könne sich die Ich-Organisation immer mehr befreien und zum vollgültigen freien Willensvermögen des Menschen werden, zu reinem freien Willen, unabhängig von Denken und Fühlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wesensglieder sind also, wie oben bereits skizziert, in den drei Systemen jeweils in unterschiedlicher Weise aktiv:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* im Nervensinnessystem (NSS) neuro-sensoriell&lt;br /&gt;
* im rhythmischen System (RS) rhythmisch&lt;br /&gt;
* im Stoffwechselsystem (StS) metabolisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. SEELE ====&lt;br /&gt;
Seele ist der Ort der Vermittlung zwischen Leib und Geist, sodass der Mensch mithilfe des Leibes sein individuelles geistiges Wesen erleben kann. In der Seele findet die innerlich gefühlte Begegnung mit sich selbst und der Welt statt. Die Seele atmet und schwingt zwischen Innen und Außen, zwischen Leib und Geist. Unser Seelen- bzw. Gefühlsleben wird von der Zusammenarbeit von &#039;&#039;leibfreier Ich-Organisation&#039;&#039; und &#039;&#039;leibfreiem Astralleib&#039;&#039; ermöglicht, ihr verdanken wir die Fähigkeit, ein Gefühl für unser Ich und die Welt zu entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitgefühl bedeutet, dass wir ganz beim anderen sind. Aufgrund der Möglichkeit außerkörperlich zu sein, können wir Mitgefühl und Empathie empfinden, können wir bei der Sache und dem anderen sein und uns auf etwas außerhalb unserer selbst konzentrieren; und wir können die Achtsamkeit aufbringen, dort zu sein, wo wir etwas beobachten. Geistesgegenwart bedeutet: Ich bin dort, wo mein Bewusstsein ist. Ich bin nicht mein Leib. Rudolf Steiner formuliert es so: &#039;&#039;„Das Ich ist in der Gesetzmäßigkeit der Dinge.“&#039;&#039; Das Ich ist am Ort des Geschehens. Das Ich steckt nicht im Leib, sondern dort, wo es hinwill, bei den Dingen und Inhalten, für die es sich interessiert. Ich und Welt sind dann eins.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst- und Umweltgefühl sind deshalb immer gemischt, das heißt, wir fühlen uns selbst immer mit, wenn wir die Welt bzw. einen anderen Menschen fühlen. Der &#039;&#039;Astralleib&#039;&#039; gaukelt uns quasi nur vor, dass es ein Innen und ein Außen gibt, eine Dualität. Einen Gegensatz von Welt und Mensch. &#039;&#039;Das Ich&#039;&#039; hingegen sieht das alles im Zusammenhang, als Polarität, die erst zusammengenommen das Ganze erfasst und umfasst. Denn es erkennt, dass draußen dieselben Gesetze wie im eigenen Inneren walten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Wesensglieder und Denken, Fühlen und Wollen&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
In beiden anfangs genannten Werken – &#039;&#039;den Leitsätzen[5]&#039;&#039;, konkret im Leitsatz zur Lichtnatur des Menschen, aber auch im 2. Medizinervortrag &#039;&#039;„Geisteswissenschaftliche Gesichtspunkte zur Therapie“[6]&#039;&#039; – spricht Rudolf Steiner über das Denken, Fühlen und Wollen in der Form, dass er sagt, dass wir alle drei mit Bewusstsein, Gefühl und Willen durchdringen können und auch sollen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Denken ======&lt;br /&gt;
Unser Denkvermögen verdanken wir, wie oben bereits ausgeführt, der engen Zusammenarbeit von Ätherleib, Astralleib und Ich-Organisation in leibfreiem Zustand, die sich am Gehirn reflektieren als unsere Gedan­kenaura. Dadurch sei es uns laut Steiner möglich, unsere Gedanken auch zu fühlen und zu wollen. Von wirklichem Denken könne man also erst sprechen, wenn man selbst &#039;&#039;&#039;Gedanken hervorbringen und auch fühlen kann, was man denkt&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Fühlen ======&lt;br /&gt;
Dann sagt er, das &#039;&#039;&#039;leibfreie Fühlen&#039;&#039;&#039; käme dadurch zustande, dass Astralleib und Ich-Organisation verbunden sind und zusammenwirken. Zu fühlen ohne Beteiligung des Denkens wird uns ermöglicht durch eine Kombination aus Willen und Gefühl. Das reine Gefühl unterscheidet sich insofern vom Denken, als dabei die &#039;&#039;Beteiligung des Ätherleibes fehlt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andererseits bekommen wir nur über das Denken Zugriff auf das eigene Fühlen: Rudolf Steiner benennt in der Theosophie[7] den Gedanken „Vater des Gefühls“. So ist das Erlangen von Gefühlskontrolle Ziel einer der sechs Nebenübungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir müssen aber auch unsere &#039;&#039;&#039;Handlungen (Wollen) fühlen&#039;&#039;&#039; lernen, um die Konsequenzen daraus erspüren zu können und zu wahrhaft moralischem Tun fähig zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039;  Wollen, reiner freier Wille ======&lt;br /&gt;
Der Wille hat zwei Betätigungsrichtungen, nach innen und nach außen hin: Damit der Wille in der Welt wirken kann, braucht er einen belebten, beseelten, durchgeistigten, ich-durchdrungenen Leib. Rudolf Steiner sagt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* der physische Leib sei &#039;&#039;von außen gesehener Wille&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Wille von innen gesehen&#039;&#039; sei der Wille, selbst zu denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ich-Organisation steht einerseits &#039;&#039;&#039;im Dienst des Denkens&#039;&#039;&#039;, andererseits &#039;&#039;&#039;im Dienst des Fühlens&#039;&#039;&#039; in Form von Mitleid bzw. von Mitfühlen: Ich will mit dir fühlen. Ich will dir etwas Liebes tun. Doch nur wenn die Ich-Organisation, als dritte Möglichkeit, &#039;&#039;&#039;im Dienst des Willens&#039;&#039;&#039; steht, ist dieser ganz autonom, handelt es sich um reinen freien Willen. Rudolf Steiner sagt, dieser reine freie Wille sei extrem in Gefahr:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Das Ich könne sich zu tief „reinsetzen“ – damit ist vor allem gemeint, dass es ganz unten drinsitzt und dadurch nicht frei ist. Man hat den Eindruck, der Jugendliche ist total abhängig von seinem Körper.&lt;br /&gt;
* Oder aber das Ich ist „rausgeschockt“, wie das bei traumatisierten Kindern der Fall ist. Sie wollen gar nicht richtig hinein in ihren Körper, wirken pathologisch leicht. Mich wundert immer, wie wenig „kernig“ sie laufen, also nicht kraftdurchdrungen und präsent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Willens-Typen – der zu lose verbundene und der zu dichte – haben gemeinsam, dass der Wille wenig zugänglich ist. Deswegen sind beide Typen hoch suchtgefährdet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag „Das anthroposophische Menschenbild“, Schulärztetagung 2014&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Bildnatur des Menschen&#039;&#039;, in: &#039;&#039;Anthroposophische Leitsätze&#039;&#039;, GA 26. Dornach 1998.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaftliche Gesichtspunkte zur Therapie.&#039;&#039; Neun Vorträge vor Ärzten und Medizinstudierenden 1921, GA 313.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Theosophie&#039;&#039;, Kapitel: &#039;&#039;Das Wesen des Menschen&#039;&#039;, GA 9, Dornach 1961, S. 24f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Von Seelenrätseln&#039;&#039;. GA 21, Dornach 1983 , S. 150.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Siehe FN 1.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Siehe FN 2.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Theosophie,&#039;&#039; GA 09.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FRIEDEN MIT DEN DRACHENKRÄFTEN IM MENSCHEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wofür sind die Drachenkräfte ein Bild?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Gefahr bedeuten sie für den Menschen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann er Frieden mit ihnen finden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worauf beruht der unmittelbare Zusammenhang von Stoffwechsel und Denken?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Drachenkräfte und die menschliche Konstitution&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der Apokalypse heißt es, dass die Drachen auf die Erde gestürzt wurden.[1] Der Mensch, die menschliche Natur, ist der Ort auf der Erde, wo sie gelandet sind. Außerhalb der menschlichen Natur ist kein Drache zu finden – hätte der Mensch nicht eingegriffen, bestünde in der Natur immer noch ein wunderbares ökologisches Gleichgewicht. Rudolf Steiner sagte dazu sinngemäß: &#039;&#039;„In der Natur hat der Vatergott für Frieden gesorgt. Im Menschen muss der Mensch selbst Frieden stiften.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Merkurstab der Mediziner bildet als stehende, nach oben hin offene Acht die menschliche Grundkonstitution, die der Natur des Menschen zugrunde liegt, ab. Der unmittelbare Zusammenhang zwischen gesundem und krankem Denken und Stoffwechsel lässt sich anhand davon gut verdeutlichen, da beide Prozesse ätherischer und damit lemniskatisch-polarer Natur sind, die einander bedingen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Der untere Teil&#039;&#039; steht für den physischen &#039;&#039;&#039;Leib&#039;&#039;&#039; mit den unbewussten inneren Stoffwechselprozessen, wo die leibgebundenen Ätherkräfte wirken: Bild dafür ist der &#039;&#039;„Stoffwechseldrache“ im Darm&#039;&#039; mit seinen Windungen&#039;&#039;,&#039;&#039; der unsere Instinkte, Triebe und Begierden bestimmt.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Der obere Teil&#039;&#039; steht für den geistigen Menschen, den &#039;&#039;&#039;Geist&#039;&#039;&#039;, und das bewusste Gedankenleben, das stark nach außen gerichtet ist und wo die leibfreien Ätherkräfte wirken: Bild dafür ist der „Gedankendrachen“, der &#039;&#039;zweiköpfige Drache des Luziferisch-Ahrimanischen&#039;&#039; &#039;&#039;mit den Windungen des Gehirns&#039;&#039;, der uns das freie Gedankenleben ermöglicht.&lt;br /&gt;
* Am Umschlagpunkt zwischen beiden steht das zwischen Innen und Außen Vermittelnde der &#039;&#039;&#039;Seele&#039;&#039;&#039; mit ihren Gefühlsregungen, auf die wir nur bedingt bewussten Einfluss haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;In sich Frieden schaffen durch Selbstüberwindung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Beide Drachen können uns verführen und Unfrieden und Zerstörung anrichten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wir können unsere &#039;&#039;Gedankenfreiheit&#039;&#039;, auf der Freiheit an sich beruht, &#039;&#039;missbrauchen&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
* Wir können uns auch von unserem leibgebundenen Willen, unserem Instinkt-, Trieb- und Begierde-Leben &#039;&#039;überwältigen lassen&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Drachenkräfte können aber auch von unten und/oder oben unsere &#039;&#039;Gefühle in Aufruhr bringen&#039;&#039; und so destruktiv wirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit das nicht eintritt, indem etwas Gutes am falschen Platz geschieht und dadurch „böse“ wird und schädigende Auswirkungen hat, müssen wir im Laufe unserer menschlichen Entwicklung lernen, diese drei Bereiche vom Ich aus in der richtigen Art zu beherrschen und zu kultivieren und so für Gleichgewicht und Frieden sorgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== a) Den Drachen im Darm befrieden ====&lt;br /&gt;
Nehmen wir das Beispiel der Verdauung: Im unbewussten Stoffwechselleben gelingt uns das weitgehend durch eine gesunde rhythmische Art, mit den Lebensvorgängen, mit unseren Ess- und Schlafgewohnheiten sowie der Fortpflanzungsmöglichkeit umzugehen. Die Stoffwechselprozesse dienen dazu, unseren Leib gesund zu erhalten. Dazu gehören Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme sowie die Atmung. Alle Nahrung wird im Verdauungstrakt komplett zerstört, damit der Mensch sie verdauen und daraus menschliche Substanz aufbauen kann. Diese Zerstörungskräfte gehören zu dem Drachen, der in den Darmwindungen haust. Solange diese Drachenkräfte sich auf die Verdauungsarbeit beschränken, haben wir keine Probleme:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn die Natur muss in uns Mensch werden &#039;&#039;&#039;(= verdauen)&#039;&#039;&#039;, damit wir einen gesunden Körper, ein starkes biologisches Ego, aufbauen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== b) Den Drachen im Gehirn befrieden ====&lt;br /&gt;
Das Gedankenleben kann als eine Art umgekehrter Ernährungs- oder Verdauungsprozess angesehen werden. Denn wenn wir im Denken aktiv und geistig beweglich sind, wollen wir die Zusammenhänge der Welt wirklich verstehen. Dazu müssen wir aus uns herausgehen und zum anderen hingehen, müssen wir uns der Wahrheit der Dinge annähern, müssen sie uns zu eigen machen, uns ganz mit ihr verbinden. Erkennen ist so gesehen spirituelle Empathie, geistige Kommunion: Man identifiziert sich mit dem, was man verstehen will. Wenn ich z.B. denke 2 + 2 = 4, muss ich diesen Prozess mit- und nachvollziehen, sonst verstehe ich ihn nicht. Das bedeutet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch muss im Denken zur Welt werden &#039;&#039;&#039;(= erkennen)&#039;&#039;&#039;, wenn er zu wahrheitsgemäßen Erkenntnissen kommen will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Auswirkung falschen Denkens auf die Verdauung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wenn wir uns nun das Ganze umgekehrt vorstellen: Wenn es uns beim Denken, repräsentiert vom oberen Teil der Lemniskate, überhaupt nicht um Erkenntnis von Wahrheit, sondern nur um die Ansammlung von Informationen geht, um möglichst viel Input und Wissen, wenn wir uns quasi gedanklich „zumüllen“ und nicht gewillt sind, selber zu denken und zu urteilen bzw. wenn alle Gedanken nur um uns selbst kreisen, hat das unmittelbare Auswirkungen auf den anderen Bereich des Wirkens der Drachenkräfte, die Verdauung. Dann werden die Stoffwechselprozesse unseres Köpers aufgrund der polar arbeitenden Natur des Ätherleibes ebenfalls in entgegengesetzter Weise aktiv werden: Wir werden für Krankheitserreger offen sein und so eine Immunschwäche entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Umgekehrt haben unsere Ernährung und unsere Lebensgewohnheiten auch immense Auswirkungen darauf, ob unser Gedankenleben sich über das rein Materielle aufzuschwingen in der Lage ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Konsequenzen folgen einem ätherischen Gesetz, auf dem das spirituelle Krankheitsverständnis der Anthroposophischen Medizin gründet: Was sich in der einen Hälfte der Lemniskate nach innen richtet, wechselt im Kreuzungspunkt die Richtung und geht nach außen – und umgekehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Anregung und Auswirkung von destruktivem Potential&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Alle destruktiven Neigungen entspringen einerseits unserem Stoffwechsel, andererseits negativen Gedanken und Wahrnehmungsinhalten über die Sinne. Auch die egoistisch ausgelebte Sexualität gehört dazu: Destruktivität und Sexualität sind dann unlöslich miteinander verbunden. Das wird verstärkt von den Bildern, die besonders diese Bereiche ansprechen, wie es in der heutigen Spaßindustrie geschieht. Diese von oben und unten kommenden, fehlgeleiteten Kräfte regen das destruktive Potential im Menschen an und wirken sich auch kränkend auf das Seelische aus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir diese Zusammenhänge begreifen, können wir auch verstehen, warum so viele böse Neigungen und so viel Egoismus in die Seele einstrahlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Innerer Friede durch geistige Arbeit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Diese Einstrahlungen in unser Denken und Fühlen müssen fortwährend durch innere geistige Arbeit ausgeglichen, also geheilt und befriedet werden, indem man sich bis ins Gefühl mit der Wahrheitswelt verbindet. Wer sich mit edlen, guten, sinnvollen Zielen emotional verbindet, kann seinen Egoismus in den Dienst des Guten stellen. Rudolf Steiner formuliert es sinngemäß so: Der sich befreiende, auf sich selbst gestellte, autonome Mensch, der nicht ständig etwas für sich braucht, kann zur Verfügung stehen, kann seinen ganz individuellen Kulturbeitrag durch die Überwindung des Bösen &#039;&#039;in sich&#039;&#039; leisten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man erkennt den Freiheitsgrad von Menschen an ihrer Verfügbarkeit – das ist ein spirituelles Gesetz: Je freier ich bin, desto souveräner kann ich meine individuellen Fähigkeiten, anstatt sie auf Selbstoptimierung auszurichten, instrumentalisieren und für die Dinge einsetzen, die mir wesentlich sind. Ich entscheide dann selbst, wofür ich mich engagieren will und wo nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Ich im Netz. Was geschieht mit uns im Internet?“, Amthor Verlag, Heidenheim 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Neues Testament, &#039;&#039;Apokalypse 12, 9.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ZUR FUNKTIONELLEN DREIGLIEDERUNG DES MENSCHLICHEN ORGANISMUS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist unter der funktionellen Dreigliederung des menschlichen Organismus gemeint?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ergebnis von 30 Jahren Forschung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Gedanke der funktionellen Dreigliederung des menschlichen Organismus beruht auf dreißig Jahren Forschung Rudolf Steiners über den Leib-Seele-Zusammenhang, die er erstmals 1917 im Anhang seines Buches &#039;&#039;„Von Seelenrätseln“&#039;&#039; publizierte.[1] Er kam zu der Einsicht, dass die menschlichen Seelenfähigkeiten des Denkens, Fühlens und Wollens nicht vom Nervensystem &#039;&#039;erzeugt&#039;&#039; werden – im Gegenteil: Das Nervensystem wird durch sie aufgebaut und durch regelmäßige Nutzung erhalten. Er erkannte darüber hinaus, dass die genannten seelischen Grundfähigkeiten sich durch den ganzen Menschen ausdrücken, der schon von der dritten, vierten Woche der Embryonalentwicklung an eine dreigliedrige Gestalt aufweist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Dreigliederung und Denken, Fühlen und Wollen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Steiner fand heraus, dass sich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* nur das wachbewusste &#039;&#039;Denken und die Sinnesbeobachtung&#039;&#039; auf die Funktion des &#039;&#039;&#039;Nerven-Sinnes-Systems&#039;&#039;&#039; stützen. Dazu gehören auch die Vorstellungen, die wir uns von unseren Gefühls- und Willenserlebnissen machen.&lt;br /&gt;
* Das &#039;&#039;Gefühlsleben&#039;&#039; hingegen zeigte sich ihm in unmittelbarer funktioneller Resonanz mit der &#039;&#039;&#039;rhythmischen Funktionsordnung&#039;&#039;&#039; von Herz-Kreislaufsystem und Atmung.&lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;Willenstätigkeit&#039;&#039; wiederum sah er als Ausdruck der &#039;&#039;&#039;Stoffwechsel- und Gliedmaßentätigkeit&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Man muss nur die Physiologie des Atmungsrhythmus im rechten Lichte sehen, so wird man umfänglich zur Anerkennung des Satzes kommen: die Seele erlebt fühlend, indem sie sich dabei ähnlich auf den Atmungsrhythmus stützt wie im Vorstellen auf die Nervenvorgänge. - Und bezüglich des Wollens findet man, dass dieses sich in ähnlicher Art stützt auf Stoffwechselvorgänge. Wieder muss da in Betracht gezogen werden, was alles an Verzweigungen und Ausläufern der Stoffwechselvorgänge im ganzen Organismus in Betracht kommt. Wie dann, wenn etwas ‚vorgestellt‘ wird, sich ein Nervenvorgang abspielt, aufgrund dessen die Seele sich ihres Vorgestellten bewusstwird, wie ferner dann, wenn etwas ‚gefühlt‘ wird, eine Modifikation des Atmungsrhythmus verläuft, durch die der Seele ein Gefühl auflebt: so geht, wenn etwas ‚gewollt‘ wird, ein Stoffwechselvorgang vor sich, der die leibliche Grundlage ist für das als Wollen in der Seele Erlebte.“&#039;&#039;&#039;[2]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Begründung mit wissenschaftlichen Mitteln&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Erlanger Anatomie-Professor &#039;&#039;Dr. Johannes Rohen&#039;&#039; trug in seinen Lehrbüchern für Anatomie[3] dieser funktionellen dreigliedrigen anatomischen Ordnung Rechnung. &#039;&#039;Professor Dr. rer. nat. Wolfgang Schad&#039;&#039; arbeitete diesen Aspekt in einer konsequent durchgeführten Darstellung der Entwicklung der Wirbeltiere im Vergleich zum Menschen auf.[4] Rudolf Steiner war sich bewusst, dass seine Entdeckung der seelischen Dreigliederung in Verbindung mit der körperlich-physiologischen und deren naturwissenschaftliche Begründung einer umfangreichen Publikation bedurft hätte, die er während des Ersten Weltkrieges jedoch nicht leisten konnte. Er schreibt: &#039;&#039;„Ihre Begründung kann durchaus mit den heute vorhandenen wissenschaftlichen Mitteln gegeben werden. Dies würde der Gegenstand eines umfangreichen Buches sein, das in diesem Augenblicke zu schreiben, mir die Verhältnisse nicht gestatten.“&#039;&#039;&#039;[5]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Schad und Rohen haben diese umfangreiche Arbeit inzwischen weitgehend geleistet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was macht diese Sichtweise des menschlichen Organismus auch für den gesundheits-wissenschaftlichen Ansatz so wertvoll?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie verknüpft drei Aspekte miteinander:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Sie macht den polaren Bau des menschlichen Organismus funktionell und morphologisch transparent.&lt;br /&gt;
# Sie liefert eine pathologisch und therapeutisch relevante Erklärung des Leib-Seele-Zusammenhangs.&lt;br /&gt;
# Sie führt nicht nur zu einer neuen Sicht auf die Entstehung von Krankheit, sondern auch zu einem Konzept für die Entstehung und Erhaltung von Gesundheit (Salutogenese, Hygiogenese).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Polarität und ausgleichende Mitte&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Morphologisch betrachtet sind die Rundheit der Schädelform und die radiale Form der Gliedmaßen echte Polaritäten. Entsprechend polar stehen auch die bewussten, im Kopf zentrierten Denk- und Sinnestätigkeiten den unterhalb des Zwerchfells lokalisierten unbewussten metabolischen Auf- und Abbauvorgängen gegenüber. Dazwischen entfalten sich die rhythmischen Transport- und Verteilungssysteme, wie sie von den Atmungsorganen und dem Herzen als Mittelpunkt des Kreislaufsystems ausgehen. Diese dreiteilige morphologische Grundgliederung bezeichnet Steiner mit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Nerven-Sinnes-System&#039;&#039; (NSS): die überwiegend im Kopf zentrierte &#039;&#039;&#039;„obere Organisation&amp;quot;&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;rhythmisches System&#039;&#039; (RS): die überwiegend im Thorax lokalisierte &#039;&#039;&#039;„mittlere Organisation&amp;quot;&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Stoffwechsel-Gliedmaßensystem&#039;&#039; (STGS): die überwiegend im Abdomen lokalisierte &#039;&#039;&#039;„untere Organisation&amp;quot;&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Dreigliederung entspricht bereits die Polarität von Ektoderm und Entoderm und den sich aus dem Zusammenspiel beider ergebenden sekundären mesodermalen Strukturen in der Embryonalentwicklung. Sie findet sich aber auch in der Formation des Skelettes wieder: Wirbelsäule und Brustkorb haben einen rhythmisch gegliederten Aufbau (Wirbel, Rippen), im Gegensatz zur radialen Form der Extremitäten und der sphärischen des Kopfes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Beispiele sollen verdeutlichen, dass sich die funktionelle Gliederung nach drei Funktionsaspekten räumlich im polaren Aufbau des Körpers mit einer rhythmisch gestalteten Mitte abbilden.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Dreigliederung anstatt Dreiteilung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Bei der funktionellen Dreigliederung geht es nicht um eine Dreiteilung in drei streng abgegrenzte Körper-Regionen, sondern um das Ineinandergreifen drei unterschiedlicher Funktionsweisen, die sich in allen drei Bereichen wiederfinden lassen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Selbstverständlich gehört auch der &#039;&#039;Nervenzell-Stoffwechsel&#039;&#039; den &#039;&#039;&#039;Stoffwechsel-funktionen&#039;&#039;&#039; an. &lt;br /&gt;
* Umgekehrt ist das &#039;&#039;vegetative Nervensystem&#039;&#039;, das wahrnehmend und regulierend auf das gesamte Stoffwechselgeschehen einwirkt, Bestandteil des &#039;&#039;&#039;Nervensinnessystems&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
* Entsprechend ist das rhythmische System mit seinen Funktionsleistungen auch im Nervensinnes-System und beim Stoffwechsel wirksam: Die &#039;&#039;kurzwelligen Rhythmen der elektrochemischen Hirnpotentiale&#039;&#039; im Sekundenbereich und die &#039;&#039;langwelligen Eigenrhythmen der Stoffwechselorgane&#039;&#039; (z.B. Magen / Darmmotilität) im Stundenbereich sind Teil der &#039;&#039;&#039;rhythmischen Gesamtordnung&#039;&#039;&#039; im dreigliedrigen Organismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Beispiele sollen verdeutlichen, dass es sich bei der Dreigliederung nicht um eine Dreiteilung, sondern um eine funktionelle Gliederung nach drei Funktionsaspekten handelt, die sich gleichzeitig räumlich im polaren Aufbau des Körpers abbildet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Von Seelenrätseln&#039;&#039;. GA 21. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1983.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ebenda, S. 152 - 153.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] U.a.: Johannes W. Rohen, &#039;&#039;Morphologie des menschlichen Organismus. Versuch einer goetheanischen Gestaltlehre des Menschen,&#039;&#039; Stuttgart 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Wolfgang Schad, &#039;&#039;Säugetiere und Mensch. Zur Gestaltbiologie vom Gesichtspunkt der Dreigliederung&#039;&#039;. Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 1985.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Von Seelenrätseln&#039;&#039;. GA 21. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1983 , S. 150.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== BEGABUNGEN DES PHYSISCHEN LEIBES ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was verdanken wir dem physischen Leib?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wozu befähigt er uns?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Erleben der eigenen Egoität durch den Körper&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der physische Leib ist in Form, Funktion und Plastizität seiner Organe die Grundlage für jedwede Begabungsäußerung des Menschen. Seine Größe, seine Kraft, die Qualität der Sinneswahrnehmungen durch die Sinnesorgane – all das setzt Maßstäbe für bestimmte Entwicklungen und auch Grenzen für bestimmte Leistungsmöglichkeiten. Wer mit einem absoluten Gehör geboren wird, ist prädisponiert für eine musikalische Begabung, und wer einen kräftigen Muskelbau hat, ist zu physischer Kraftentfaltung oder zu sportlichen Höchstleistungen veranlagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt aber auch eine Reihe verborgener Qualitäten, die wir unserem physischen Leib verdanken, allen voran das Erlebnis unserer Egoität, unserer individuellen Persönlichkeit. Nur dadurch, dass wir in einem von der Umwelt abgegrenzten Leib tätig sind, können wir zu dem Erlebnis unserer Eigenheit kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn schon im Bereich des Ätherischen, das keine Raumstruktur mehr hat, sondern eine zyklisch arbeitende Zeitstruktur besitzt, ist die Abgrenzung und damit auch das Erleben der Eigenheit und Eigenständigkeit nicht mehr in der Weise gegeben wie im Physischen. Daher ist die Pflege der Integrität des physischen Leibes von so großer Bedeutung, insbesondere während der Vorschulzeit. Übergriffe im Physischen, ob nun in Form von übertriebener Zärtlichkeit, Gewalt oder aber als sexueller Missbrauch, stellen über seine vielfältig miteinander vernetzten Sinnesorgane immer zentrale Angriffe auf das Persönlichkeits- und Selbsterleben des Kindes dar und veranlagen im physischen Leib bleibende Kränkungen bzw. Störungen im Selbsterleben und der daraus erwachsenden Selbstachtung. Das Gefühl, Herr im eigenen Hause zu sein, ist die Basis eines gesunden Selbsterlebens im Physischen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Gesundes Denken durch gesunde Physis&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Doch auch ein klares Vorstellungsvermögen ist an die Intaktheit des physischen Gehirns und der Sinnesorgane gebunden. So wahr es ist, dass die Gedanken ihren Sitz im ätherischen Organismus haben, so wahr und selbstverständlich ist es auch, dass sie nur mithilfe des Gehirns und der daran angeschlossenen Sinnesorgane als Vorstellungen reflektiert werden können. Daher hat die Pflege der Sinnesfunktionen,[1] des Bewegungsspiels und der körperlichen Geschicklichkeit eine wichtige Bedeutung im Hinblick auf die Gehirnbildung und die Ausbildung eines gesunden Vorstellungslebens. Der physische Leib verdankt seine Ausformung nicht nur Vererbung und Umwelt, sondern auch dem Interesse und der Aufmerksamkeit, mit denen das Kind seiner Umwelt begegnet und Beziehungen zu bestimmten Menschen aufnimmt: Indem es sie nachahmt, wird sein Körper auf sinnvolle Weise tätig. Denn jede Form von körperlicher Tätigkeit stimuliert zugleich die physiologischen Abläufe und damit auch die Bildung der Organe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der physische Leib dient so&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* der Selbstwahrnehmung im Physischen, der Egoität im besten Sinne des Wortes&lt;br /&gt;
* dem Ätherleib als Grundlage für Reflexion und Vorstellungsvermögen&lt;br /&gt;
* dem Astralleib als Grundlage für sein Empfindungsleben&lt;br /&gt;
* dem „Ich“-Wesen des Menschen vermittelt er die Fülle an Wahrnehmungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Schädigung durch Fehlstimulation der Sinne&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die allgemeine Bewegungsarmut, technisches Spielzeug, durch das Kinder nur zu wenig Eigenbewegung anregt werden, das sie stattdessen zu Kontrolleuren sich raffiniert bewegender Spielzeuge macht, und nicht zuletzt der Fernseh- und Medienkonsum gehören zu den Faktoren, die den physischen Leib am schlimmsten schädigen. Kaum etwas wirkt verheerender als die umfassende Fehlstimulation der Sinne durch den Bildschirm:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Keine Farbe stimmt mit der der Wirklichkeit überein.&lt;br /&gt;
* Keine Proportion, kein Größenverhältnis entspricht einer normalen Sinnesbeobachtung, bei der sich alle Sinne – Auge, Ohr, Geschmack, Geruch usw. – aufeinander abstimmen und in ihrem Zusammenwirken zur Totalität eines bestimmten Sinneseindrucks beitragen.&lt;br /&gt;
* Nicht einmal das Auge hat die Möglichkeit, das räumliche Sehen zu üben, da alle Bilder zweidimensional auf der Fläche erscheinen. Die Augenmuskeln können sich dem Sinneseindruck nicht aktiv anpassen, indem sie sich, wie sonst beim Sehen, um den Gegenstand herum oder mit dem Gegenstand bewegen. Beim Fernsehen wird dem Auge diese Aktivität abgenommen: Das Bild auf dem Schirm bewegt sich, das Auge ist reglos und starr auf den Bildschirm gerichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man macht sich diesen Effekt in Augenkliniken zunutze, um die Augen bei Augenmuskeloperationen möglichst ruhigzustellen: Nichts wirkt effizienter, als einige Stunden fernzusehen. Denn selbst im Schlaf bewegen sich die Augäpfel in regelmäßigen Abständen hinter den geschlossenen Lidern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer die Inkarnation des Menschen-Ich im physischen Leib in umfassender Weise fördern möchte, sieht sich gezwungen – auch wenn dies gegenwärtig aus dem Rahmen üblicher Kulturgewohnheiten fällt –, den Bildschirm und technisches Spielzeug insbesondere aus dem Vorschulalter komplett zu verbannen und dem Kind die Auseinandersetzung mit der Umwelt so, wie sie wirklich ist, zu gönnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Folgen von Medienkonsum im Vorschulalter&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der Schule zeigen sich die Folgen einer Fehlerziehung auf diesem Gebiet in Form von&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Nachahmungsschwäche&lt;br /&gt;
* einer nicht genügend ausgebildeten Bewegungsorganisation&lt;br /&gt;
* Störungen in der Abstimmung der Sinnesfunktionen aufeinander&lt;br /&gt;
* Defiziten in der Sprachentwicklung&lt;br /&gt;
* Unfähigkeit, intentional mit gerichteter Aufmerksamkeit zuzuhören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn am Bildschirm nimmt man ständig mehr Informationen auf, als man verarbeiten kann, und man lernt auch nicht wiederzugeben, was man gehört und gesehen hat. Überdies werden Medien oft als Geräuschkulisse genommen, während man sich mit etwas ganz anderem beschäftigt. Entsprechend wird auch der Lehrer oft als Geräuschkulisse erlebt und behandelt – und nicht wie ein Mensch, dem man mit Interesse und Aufmerksamkeit begegnen sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der schlimmste Schaden für das spätere Leben erwächst jedoch aus der Inaktivität des eigenen Denkens: Das Gehirn bildet sich zu einem Instrument passiver Informationsaufnahme und -verarbeitung. Aktiv zu hinterfragen, sich auseinanderzusetzen, sich selbst Bilder von einer Sache zu machen, selbständig zu denken – dafür eignet es sich kaum noch. Das führt dazu, dass die Bereitschaft, selbst aktiv und kreativ zu werden, aber insbesondere der Wille, selbstständig zu denken, nachlassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ergebnis ist eine „Zuschauergesellschaft“, die zwar intelligent registriert, jedoch damit rechnet, dass es für jedes Problem einen Zuständigen gibt und Selbständigkeit und Mitverantwortung immer weniger gefragt sind. Demgemäß hört man immer wieder von erfolgreichen, kreativen Menschen, die im späteren Leben dankbar auf ihre fernsehfreie bzw. fernseharme Kindheit zurückblicken bzw. jetzt froh sind, dass sie in Kindheit und Jugend viel zupacken mussten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Übung macht den Meister&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Zudem zeigt die tägliche Erfahrung bei jedem sportlichen Training, dass der physische Leib nur durch Aktivität seine Funktionen ausbilden kann. Das Gleiche gilt auch für die feineren inneren Vorgänge im Leibe. Was nicht geübt wird, bleibt unentwickelt, was fehlstimuliert wird, bildet eine ungeordnete Veranlagung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je jünger der physische Leib ist, umso bildsamer und prägbarer und umso verwundbarer ist er. Erst mit zunehmendem Alter kann er kränkenden Einflüssen mehr Widerstandskraft entgegensetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wird die Sinneserziehung vernachlässigt und der Welt, den Menschen und den täglichen Begebenheiten keine liebevolle Aufmerksamkeit geschenkt, werden schwerwiegende Behinderungen der Selbst- und Welterfahrung veranlagt, die schon in der Schulzeit zu Desinteresse und Lernstörungen führen können. Diese Entwicklung gehört zu den wichtigsten Ursachen, warum der Drogenkonsum in unserer Zeit so zunimmt: Der Erlebnismangel und der damit verbundene Mangel an Selbsterfahrung durch nicht oder fehlausgebildete Sinnesfunktionen wird früher oder später als unerträglich empfunden – man sucht dann eine Ersatzbefriedigung in der durch die Drogen vermittelten Erlebnisintensität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Begabungen und Behinderungen“, 8. Kapitel, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2004&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Beiträge zur Rudolf Steiner Gesamtausgabe, Nr. 34: &#039;&#039;Aufzeichnungen Rudolf Steiners zur Sinneslehre.&#039;&#039; Dornach, Sommer 1971.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== BEGABUNGEN DES ÄTHERLEIBES ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sind die Begabungen des Ätherleibes?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Gesetzmäßigkeiten, die tote Materie am Leben erhalten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Laut Rudolf Steiner umfasst der Lebens- bzw. Ätherleib alle Gesetzmäßigkeiten, die in der Lage sind, tote Materie am Leben – im Lebenszusammenhang – zu erhalten.[1] Der Begriff „Leib“ steht für den Funktionszusammenhang des Lebendigen, Belebenden. Das Wort „Äther“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet „himmelblau“ bzw. „blauer Himmel“, „Firmament“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Wortkombination macht Sinn, weil das blaue Himmelslicht, der von der Sonne erhellte Himmelsraum, die Pflanzenwelt mit Energie versorgt, durch die sie Blattgrün, das Chlorophyll, bilden kann. So wie die Pflanze nur dank dieser Verbindung mit dem Kosmos und der Sonne leben kann, so verfügt auch der Mensch, dem die Pflanzenwelt als Nahrung dient, über einen in sich geschlossenen individualisierten Lebensorganismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Tätigkeit des Ätherleibes im menschlichen Organismus ist polar orientiert:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
·      Ein Teil dient am Lebensanfang vor allem dem Wachstum und später der Regeneration des physischen Leibes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
·      Der andere Teil löst sich von Anfang an im Laufe der Entwicklung bzw. später im Zuge des Alterungsprozesses in dem Maße aus der Leibgebundenheit heraus, in dem Wachstums- und Reifungsschritte vollendet wurden und diese Lebenskräfte nicht mehr für Wachstum oder Regeneration gebraucht werden: Sie verlassen den physischen Leib und ermöglichen ein sich lebenslang entwickelndes Gedankenleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Einflüsse auf den Ätherleib&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Diese bahnbrechende Einsicht in den Leib-Seele-Zusammenhang verdanken wir Rudolf Steiner: Er entdeckte die Doppelfunktion des Ätherischen und damit den Schlüssel, wieso und inwiefern das Gedanken- und Geistesleben des Menschen Einfluss hat auf die körperliche Gesundheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Was den Ätherleib stärkt ====&lt;br /&gt;
Gedächtnisschwächen sind Willensschwächen im Gedankenleben. Sie können positiv beeinflusst werden durch Aufmerksamkeitsübungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann z.B. allein oder mit einem Kind zusammen konzentriert ein Ding, einen Vorgang oder ein Lebewesen beobachten, es von allen Seiten betrachten und mit Hilfe der Sinne als Wahrnehmungsinhalt aufnehmen und einprägen. Oder man legt gemeinsam etwas an einen bestimmten Ort, den man sich genau anschaut und merkt – das stärkt die Erinnerungsfähigkeit daran, wo man etwas hingelegt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wichtiges Stärkungsmittel für den Ätherleib sind gute Gewohnheiten: regelmäßige Essens- und Schlafenszeiten, Wechsel von Arbeit und Spiel etc. Alles, was mit Rhythmus und Regelmäßigkeit zusammenhängt, ist ätherisches Gebiet – denn „Rhythmus trägt Leben“, wie Rudolf Steiner es dem Chemiker Rudolf Hauschka gegenüber ausdrückte.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher ist auch regelmäßiges Üben, wie es beim künstlerischen Tun üblich ist, so gesundend. Das gilt auch für regelmäßiges kontemplatives oder religiöses Üben wie Beten, abendliche Rückschau auf den Tag und das Üben von Qualitäten wie Dankbarkeit, Andacht, Ehrfurcht, Zufriedenheit, Friedensfähigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das Auf-sich-wirken-Lassen von „Ganzheiten“ – wie schöne Landschaften, Bildwerke, Musikstücke – stärkt den Lebenszusammenhang des Ätherleibes. Besonders wichtig ist jedoch ein soziales Klima der Wahrhaftigkeit. Denn im Kontext der sorgfältig aufeinander abgestimmten Lebensfunktionen zieht jede Störung der „Stimmigkeit“ und des aufeinander Abgestimmt-Seins funktionelle Störungen nach sich, die sich im Laufe der Zeit zunehmend bemerkbar machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht nur der lebendige Körper braucht Pflege. Auch der Gedankenorganismus bedarf der Pflege durch übereinstimmende Gedanken, Integrität, Transparenz und Wahrhaftigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Was den Ätherleib schwächt ====&lt;br /&gt;
Verlogenheit, Argwohn und Zweifel zehren an den ätherischen Kräften und untergraben den Lebenszusammenhang und das Zusammenstimmen der Lebensfunktionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inkohärentes Denken schädigt den physischen Leib während der Nacht, wenn der bei Tag leibfreie Ätherleib sich im Schlaf wieder mit dem leibgebundenen Anteil verbindet, um an der Regeneration des Leibes zu arbeiten. Dann teilen sich Schädigungen, die der tagsüber dem Denken dienende ätherische Organismus erfahren hat, unmittelbar dem physischen Leib mit. Am nächsten Morgen ist der Erfrischung eine leise Kränkung beigemischt. Setzen sich solche destruktiven Einflüsse über Jahre hinweg fort, kann das noch in diesem Erdenleben zur Ausbildung einer Krankheit führen. Wenn der Ätherleib über viel Überschusskraft verfügt, kommt es erst im nächsten Erdenleben zu Krankheitsdispositionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Pflege der ätherischen Kräfte und Monatstugenden&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Zur Pflege der ätherischen Kräfte des Erwachsenen kann die Arbeit an den sogenannten Monatstugenden eine große Hilfe sein.[3] Das stößt neue Gewohnheiten und eine Gesinnung der Wahrhaftigkeit, Liebe und Großzügigkeit an. Die Tugenden werden jeweils einen Monat lang geübt – denn der Vier-Wochen-Rhythmus stärkt die ätherischen Kräftezusammenhänge. Rudolf Steiner empfiehlt, diese Monatstugenden regelmäßig zu üben und darauf zu achten, wie sich dabei die jeweilige Tugend vertieft, aber auch verwandelt und zu einer &#039;&#039;neuen Tugend&#039;&#039; wird, die dann ganz das Ergebnis der eigenen Arbeit an der ersten ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Monatstugenden sind:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
April                &#039;&#039;&#039;Ehrfurcht&#039;&#039;&#039;                                           wird zu            Opferkraft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mai                 &#039;&#039;&#039;Inneres Gleichgewicht&#039;&#039;&#039;                      wird zu            Fortschritt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Juni                 &#039;&#039;&#039;Ausdauer&#039;&#039;&#039;                                           wird zu            Treue&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Juli                  &#039;&#039;&#039;Selbstlosigkeit&#039;&#039;&#039;                                   wird zu            Katharsis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
August            &#039;&#039;&#039;Mitleid&#039;&#039;&#039;                                               wird zu            Freiheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
September     &#039;&#039;&#039;Höflichkeit&#039;&#039;&#039;                                         wird zu            Herzenstakt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oktober          &#039;&#039;&#039;Zufriedenheit&#039;&#039;&#039;                                    wird zu            Gelassenheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
November      &#039;&#039;&#039;Geduld&#039;&#039;&#039;                                               wird zu            Einsicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dezember      &#039;&#039;&#039;Gedankenkontrolle  &#039;&#039;&#039;                         wird zu                                            Wahrheitsempfinden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Januar            &#039;&#039;&#039;Mut&#039;&#039;&#039;                                                    wird zu            Erlöserkraft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Februar          &#039;&#039;&#039;Diskretion&#039;&#039;&#039;                                          wird zu            Meditationskraft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
März               &#039;&#039;&#039;Großmut&#039;&#039;&#039;                                            wird zu            Liebe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das mag auf Anhieb etwas kompliziert klingen, hängt jedoch mit unserer Ich-Natur zusammen: Die erstgenannten Tugenden sind gleichsam in unserer allgemeinmenschlichen Konstitution veranlagt. Jeder Mensch kann die Ansätze dazu bei sich entdecken und darauf aufbauend mit dem Üben beginnen. Die &#039;&#039;zweitgenannten Tugenden&#039;&#039; ergeben sich erst aus der Arbeit an den erstgenannten. Das Bemerkenswerte ist, dass sie sich nur entwickeln, wenn man die erstgenannten Tugenden um ihrer selbst willen übt, aus Liebe dazu und zur Menschwerdung überhaupt – also nicht nur, um im Leben mehr Erfolg zu haben und „Charakterstärke“ zu besitzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Begabungen und Behinderungen“, 8. Kapitel, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2004&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Theosophie.&#039;&#039; GA 9.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] vgl. Rudolf Hauschka, &#039;&#039;Wetterleuchten einer Zeitenwende&#039;&#039;. Bad Boll 1997.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Anweisungen für eine esoterische Schulung&#039;&#039;. GA 245, vergriffen. Neu in: &#039;&#039;Seelenübungen mit Wort- und Sinnbildmeditationen.&#039;&#039; GA 267, Dornach 1997.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== EINFLUSS VON ÄL UND AL AUF DEN NATRIUM-KALIUM-GRADIENTEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie beeinflussen insbesondere der Ätherleib und der Astralleib in Ruhe und Erregung den Natrium-Kalium-Gradienten?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann der Mensch durch Ernährung und Lebensführung ausgleichend ein greifen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Wirkung hat die Heilpflanze Anagallis arvense?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zusammenspiel von Ätherleib und Astralleib auf zellulärer Ebene&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Otto Wolff&#039;&#039; hat in seiner &#039;&#039;„Biochemie“&#039;&#039; den Bezug von Kalium und Natrium zu Ätherleib und Astralleib herausgearbeitet.[1] Auf zellulärer Ebene zeigt sich das Zusammenspiel von Ätherleib und Astralleib an der Zellmembran:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Im Ruhezustand&#039;&#039;&#039; ist in der Zelle überwiegend Kalium vorhanden, im extrazellulären Milieu herrscht Natrium vor. Hier arbeitet der Ätherleib am &#039;&#039;Aufbau des Organismus&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Bei Erregung&#039;&#039;&#039; strömt Kalium aus und Natrium in die Zelle ein. Dabei dominiert der Astralleib. Dadurch wird die ätherische Aufbautätigkeit gegenüber der dominierenden astralischen, die &#039;&#039;abbauend&#039;&#039; ist, geschwächt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während das Kalium den Ätherleib darin unterstützt, das Wasser in lebendiger Zirkulation zu halten und damit auch eine die Diurese regulierende Wirkung hat, bewirkt ein erhöhter Natriumgehalt bei Mensch und Tier – z. B. in Form salzreicher Ernährung – Wassereinlagerung und hohen Blutdruck. Dauerstress und Bewegungsmangel, sowie eine gemüsearme – und damit kaliumarme Ernährung – fördern eine Verschiebung des Natrium-Kalium-Gradienten und den Überschuss an fixen Säurebildnern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Anagallis arvense (Ackergauchheil) als Heilpflanze&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In den letzten Absätzen von Kapitel VII von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[2]&#039;&#039; wird darauf hingewiesen, dass man dem ‚Naturvorbild‘ der Selbstheilung im gesunden Organismus auch Analogien für den Krankheitsfall entnehmen kann. In diesem Zusammenhang erwähnen Rudolf Steiner und Ita Wegman die Heilpflanze &#039;&#039;Anagallis arvense&#039;&#039;, mit ihren kleinen rot oder blau blühenden fünfzähligen Blütensternen. Sie ist eine in der Volksmedizin gut bekannte Gift- und Arzneipflanze mit diuretischer und narkotischer Wirkung bei Tier und Mensch. In hohen Dosen kann ihre Einnahme auch töten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Autoren berufen sich hier nicht auf die schon bekannten Inhaltstoffe, sondern auf das besondere Verhältnis, das in dieser Pflanze zwischen Kalium und Natrium gegeben ist, durch die – wenn es von außen zugeführt wird – die Ich-Organisation im Darmgebiet angeregt wird.[3] Diese Wirkung kann noch dadurch verstärkt werden, dass man nach dem Modell dieser Heilpflanze eine mineralische Komposition herstellt, indem man Kalium und Natrium mit Schwefel verbindet (Natrium- und Kaliumsulfuricum): &#039;&#039;„[...] Der Schwefel hat nämlich die Eigentümlichkeit, dass er dem Aufhalten des Eiweißzerfalles dient; er hält gewissermaßen die organisierenden Kräfte in der Eiweißsubstanz zusammen.“[4]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist interessant, dass Rudolf Steiner und Ita Wegman in diesem Kapitel, das den Selbstheilungskräften gewidmet ist, &#039;&#039;„Stockungen im Unterleibe“[5]&#039;&#039; als Beispiel für die unzureichende Heilwirkung des Organismus anführen. Sehr oft sind Verstopfungssymptome und Darm-Koliken Ernährungs- und lebensstilbedingte Verdauungsstörungen, d.h. Probleme, deren Lösung in der Selbstverantwortung der Betroffenen liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[6]&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. Wolff (2013) 293–297.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27, Kap. VII.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Kalium kommt reichlich in allen Pflanzenaschen (‚Pottasche‘ mit viel Kaliumcarbonat) vor und ist für die Wasseraufnahme in die Pflanze essentiell.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe FN 2, S. 41.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Siehe FN 2, S. 40.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== BEGABUNGEN DES ASTRALLEIBES ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Kompetenzen und Fähigkeiten verdanken wir dem Astralleib?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wirkt er auf die anderen Wesensglieder?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wirkung des Astralleibs auf die anderen Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dem Astralleib verdanken wir&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;im Physischen&#039;&#039; die Bewegungsfähigkeit und die Emotions- und Begierdenatur, die Mensch und Tier gemeinsam haben&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;im Ätherischen&#039;&#039; die Veranlagung unserer Triebnatur&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;im Astralischen&#039;&#039;, befreit vom Physischen und Ätherischen, als leibfreie, rein seelische Tätigkeit das Gefühlsleben der Seele&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;im ich-haft Geistigen&#039;&#039; die Möglichkeit der Bewusstseinsbildung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Einflüsse auf den Astralleib&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Was den Astralleib schwächt ====&lt;br /&gt;
Nichts schwächt den Astralleib mehr als selbstbezogenes Brüten in sich selbst wie unfruchtbare „Nabelschau“, aber auch gewohnheitsmäßiges Kritisieren anderer. Das hat zur Folge, dass „sich nichts mehr bewegt“, dass durch die Fixierung auf sich selbst oder ein Problem Stagnation statt Verwandlung herrscht. Auch das Verweilen bei Reuegefühlen und Gewissensbissen lähmt die Regsamkeit des Astralleibes. Führen Gewissensbisse allerdings dazu, den Menschen auf Fehler und Schwächen hinzuweisen, sind sie wertvoll. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Was den Astralleib stärkt ====&lt;br /&gt;
Interesse und Offenheit gegenüber Welt und Mensch stärken und pflegen den Astralleib. Wohlwollen und Zuversicht sind Kräfte, die den Astralleib beweglich halten, anregen und ihm helfen, mit den Sympathien und Antipathien – sprich, der wogenden Gefühlswelt des Astralischen – konstruktiv umzugehen, sodass der Mensch Vorlieben und Abneigungen nicht nur auslebt, sondern als Signale zu verstehen lernt, die ihm etwas über sich selbst und andere sagen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entscheidend ist jedoch, dass das Gefühlsleben von Gedanken durchzogen wird, also einen klaren „Anschluss“ an das denkende Erkennen bekommt und sich von seinem kindlichen Verhaftet-Sein an den Leib und das an ihn gebundene Wollen lösen lernt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim kleinen Kind ist es berechtigt, dass es seinen Trieben, Begierden und Neigungen unmittelbar und spontan folgt und diese erst am Vorbild der Erwachsenen durch die Nachahmungsfähigkeit erzogen und geformt werden. Im Erwachsenenalter hat dieses Sich-Ausleben keine Berechtigung mehr. Die orientierende Kraft der Nachahmung sollte im Verlauf des Erziehungsprozesses vom freien verantwortlichen Gebrauch des eigenen Willens ersetzt und das Gefühlsleben an das erwachende und immer selbstständiger werdende Denken angeschlossen worden sein. Misslingt dieser Anschluss an das Denken, wird das Gefühlsleben sekundär wieder an den Leib gebunden. Dann ist der Mensch seinen bedürfnisorientierten Emotionen ausgeliefert: Er muss ihnen folgen, auch wenn seine Vernunft dagegenspricht und ihn davon abhalten möchte. Damit ist die konstitutionelle Voraussetzung geschaffen, ein Triebtäter zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die sogenannten Nebenübungen – Gedanken-, Handlungs- und Gefühlskontrolle, Positivität und Unbefangenheit sowie deren Zusammenwirken – sind grundlegende Hilfen bei der Selbsterziehung des Erwachsenen, den Astralleib zu pflegen und unter die Herrschaft des Ich zu bringen.[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Begabungen und Behinderungen“, 8. Kapitel, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2004&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner&#039;&#039;, Die Geheimwissenschaft im Umriss.&#039;&#039; GA 13, Dornach I989, und &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?&#039;&#039;, GA 10, Dornach 1993.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Siehe auch Florin Lowndes, &#039;&#039;Die Belebung des Herzchakra&#039;&#039;. Stuttgart 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DER ASTRALLEIB ALS EMPFINDENDER ORGANISMUS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielt der Astralleib als empfindender Organismus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sind die typischen embryonalen Bildegesten des Astralischen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern ist unser astralisches Kräftesystem der Inspiration zugänglich?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Vom lebendigen zum empfindenden Organismus&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im Zentrum des IV. Kapitels von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; steht der ‚Astralleib‘ als Träger der menschlichen (und der tierischen) Empfindungen. Das Astralische ist ein ganzheitlich wirksames Kräftesystem, welches den lebendigen zum empfindenden Organismus umgestaltet und dadurch auch das Stoffwechselgeschehen grundlegend verändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Was in der &#039;&#039;&#039;ätherischen Organisation&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;unbewusstes Leben&#039;&#039; ist, und damit selbstlose Hingabe an die Kräfte der irdischen und kosmischen Umgebung, &lt;br /&gt;
* kann durch das &#039;&#039;&#039;Astralische&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;bewusstwerden&#039;&#039; und so zu einem individuellen Erleben, der Empfindung, führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Rätselhafte (Sinnes)empfindung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der gegenwärtigen naturwissenschaftlich orientierten Medizin wird die Empfindung primär neurophysiologisch und neuropsychologisch definiert. Auf dem Gebiet der Sinnesphysiologie gilt sie gemäß dem Reiz/Reaktionsprinzip als Elementarvorgang, als primär gegeben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Abweichung von diesem Trend sah &#039;&#039;Herbert Hensel&#039;&#039; die Sinnesphysiologie nicht nur als Eintrittstor in das Feld vielfältiger Phänomene im Bereich der Sinneswahrnehmungen an, sondern als eigenständiges Gebiet der Naturwissenschaft und als geeignet, neue Grundlagen für epistemologisches Denken zu bilden.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer sich mit der Wahrnehmung des Menschen befasst, wird in einen Bereich geführt, der vor und zwischen allen positiven Wissenschaften liegt. Die Sinneslehre als autonome Wissenschaft ist ein Niemandsland zwischen den etablierten Disziplinen. Gerade dadurch ist sie berufen, bei einer Neubesinnung auf die Grundlagen der Wissenschaften mitzuwirken und neue Erkenntniswege zu bahnen.[3]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Aus dem Physischen herausgehobene astralische Organisation&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel IV wird das astralische Kräftesystem (der Astralleib) in seinem Verhältnis zum Ätherischen und Physischen als aus diesen Kräftesystemen ‚herausgehoben‘ beschrieben.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am pflanzlichen Atmungsorgan – dem flächenhaften Blatt – zeigt sich im Laufe des Tag-Nacht-Rhythmus das Zusammenspiel der physischen und ätherischen Kräfte. Charakteristisch für die tierische und menschliche Organbildung sind dagegen die Prozesse der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Einstülpung, &lt;br /&gt;
* Organ-Abfaltung&lt;br /&gt;
* und Ausstülpung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie sind Bildegesten astralischer Natur und beginnen bereits in der frühen Embryonalentwicklung mit der sogenannten Gastrulation[5] und Neurulation[6]. Dadurch entstehen Innenräume und Berühr- und Begegnungsflächen, die für die weitere Zell- und Organdifferenzierung entscheidend sind. Wer dieses komplexe und großteils gleichzeitig verlaufende Organbildungsgeschehen ‚steuert‘, ist bisher nicht bekannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner und Ita Wegman beschreiben diesen aufeinander bezogenen Kräftebereich bereits in Kapitel I des genannten Werkes als den astralischen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;&#039;Pflanzensubstanz&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;überlässt sich ganz&#039;&#039; der Betätigung der aus- und einstrahlenden Außenkräfte des Ätherischen.&lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;&#039;tierische (und die menschliche) Substanzbildung&#039;&#039;&#039; zeigt dagegen, dass sie Wirkungen unterliegt, die sie &#039;&#039;von diesen Kräften unabhängig&#039;&#039; macht.[7]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Induktionsvorgänge im Zuge der Organbildung&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gut erforscht sind jedoch die sogenannten Induktionsvorgänge, d.h. man weiß, welche Gewebe zu welchem Zeitpunkt durch die gegenseitige Berührung das Auswandern bestimmter Zellen oder durch das Aussenden bestimmter Signalstoffe die Bildung eines Organs veranlagen, stimulieren oder vollenden helfen. Meist sind mehrere Faktoren dieser Art an der Organbildung beteiligt. Inzwischen gilt auch als gesichertes Wissen, dass die Induktionsprozesse vom umliegenden Gewebe, also von der Peripherie her, gesteuert werden und nicht zentral vom genetischen Apparat:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Gegenwärtig weisen die meisten Untersuchungsergebnisse darauf hin, dass weniger der genetische Apparat selbst, als vielmehr die unmittelbare Umgebung einschließlich der benachbarten Gewebe, diese Entscheidung, was sich wann differenziert und entwickelt, maßgeblich bestimmen. So erscheint die für die normale Funktion eines Organs notwendige hochdifferenzierte Struktur durch die exakte Koordination der Bildungsprozesse einzelner ihrer Bauelemente während der Embryonalentwicklung sowie durch die Interaktionen von Einzelfaktoren erreicht zu werden. Das induzierende Gewebe nennt man Induktor und das induzierte Gewebe Indukt. Dabei haben Experimente insbesondere bei der Bildung des Auges gezeigt, dass das Indukt sehr spezifisch sein muss, der Induktor jedoch deutlich unspezifischer sein kann; entscheidend ist jedoch der richtige Zeitpunkt in der Begegnung zwischen Induktor und Indukt für die Bildung eines gesunden Organs am richtigen Ort im Zusammenhang mit den zeitgleich sich bildenden Organen an anderen Orten. Drei Prozesse laufen so zeitlich präzise aufeinander abgestimmt ab: die Proliferation (Zellwachstum), die Differenzierung von Zellen und Organen, und die Induktion und damit auch Integration der einzelnen Bildungen in das Ganze.“[8]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Der Inspiration unmittelbar zugänglich&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die astralischen Kräfte sind der inspirierten Erkenntnis unmittelbar zugänglich: &#039;&#039;„Spricht man aber von ‚astralischer Welt‘, so geht man in Gemäßheit dessen, was das inspirierte Bewusstsein beobachtet, von den Wirkungen aus dem Weltumfang zu bestimmten Geist-Wesenheiten über, die in diesen Wirkungen sich offenbaren, wie in den von der Erde ausgehenden Kräften sich die Erdenstoffe offenbaren. Man spricht von aus den Weltenfernen wirkenden konkreten Geist-Wesenheiten, wie man beim sinnlichen Anblick des nächtlichen Himmels von Sternen und Sternbildern spricht. Daher der Ausdruck ‚astralische Welt‘.[9]&amp;lt;sup&amp;gt;,&amp;lt;/sup&amp;gt; [10]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ergänzend dazu heißt es in Kapitel IV: &#039;&#039;„Die ausstrahlenden Kräfte sind die irdischen, die einstrahlenden diejenigen des Welt-Umkreises der Erde; in den ‚astralischen‘ ist etwas vorhanden, das den beiden Kräftearten übergeordnet ist. Dies macht die Erde selbst erst zum Weltenkörper, zum ‚Stern‘ (astrum). Durch die physischen Kräfte sondert sie sich aus dem Weltall heraus, durch die ätherischen lässt sie dieses auf sich wirken; durch die ‚astralischen‘ Kräfte wird sie eine selbständige Individualität im Weltall.“[11]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ineinandergreifen von Physischem, Ätherischem und Astralischem&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In diesem Kontext wird verständlich, warum die Überschrift des IV. Kapitels &#039;&#039;„Vom Wesen des empfindenden Organismus“&#039;&#039; lautet. Tiere offenbaren eigenständig Wesenhaftes durch Empfindung, Bewegung, Intentionalität. Doch geht es den Autoren nicht nur darum, die unterschiedlichen Erscheinungsformen von Mineral, Pflanze und Tier dem Einfluss der verschiedenen Kräftewirkungen zuzuschreiben. Vielmehr ist der Blick wieder auf die Erdenstofflichkeit gerichtet, die sich unter dem Einfluss des dritten Kräftebereiches gegenüber der Pflanzensubstanz noch einmal grundlegend ändert und dadurch zum Träger der Empfindung werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Dominanz der astralischen Kräfte wird auch die Wirkungsweise der physischen und ätherischen Kräfte modifiziert. Beide Kräftebereiche sind den astralischen Kräften untergeordnet, wodurch es zu den Phänomenen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Tod&#039;&#039;&#039; (vorherrschende &#039;&#039;physische Kräfte&#039;&#039;),&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Schlaf&#039;&#039;&#039; (vorherrschende &#039;&#039;ätherische Kräfte&#039;&#039;),&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wachen&#039;&#039;&#039; (vorherrschende &#039;&#039;astralische Kräfte&#039;&#039;) kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während des Lebens wird der physische Leib des Tieres (und des Menschen) durch den Ätherleib daran gehindert, sich soweit mineralisierend und verhärtend zu betätigen, dass der Tod die Folge wäre. Entsprechend braucht der Ätherleib immer wieder Perioden, in denen er die Todesprozesse im physischen Leib kompensieren kann. Dafür muss er sich den astralischen Kräften so weit entziehen, dass Schlaf eintreten kann und der Astralleib für eine Zeit seiner Wirkmacht als Träger individuellen Bewusstseins und individueller Wesensäußerung enthoben wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Musikalische Natur des Astralischen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
So wie die ätherischen Kräfte plastisch-bildnerisch tätig sind, so sind die astralischen Kräfte im weitesten Sinne musikalischer Natur. Sie wirken über die Gesetze der Differenzierung, Intervallbildung, Polarisierung, der Dissonanz, Konsonanz und Resonanz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Sie finden sich in reiner Form in den Zahlengesetzen, die in Chemie und Biochemie beim Binden und Lösen der Stoffe walten. &lt;br /&gt;
* Aber auch – wie seit dem Altertum bekannt – in den Zahlengesetzen, die die Bewegungen der Sterne beherrschen, so wie dies von den Pythagoräern als Weltharmonik angesehen wurde und später dann von &#039;&#039;Kepler&#039;&#039; detaillierter ausgearbeitet worden ist.[12]&amp;lt;sup&amp;gt;,&amp;lt;/sup&amp;gt; [13] &lt;br /&gt;
* Dass Klänge eine differenzierende Wirkung auf Stoffe ausüben können, kann auch durch Experimente im Stil der Cladni’schen Klangfiguren anschaulich gemacht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[14]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27, Kap. IV.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Vgl. hierzu die Würdigung des Lebenswerkes von Herbert Hensel durch Gunther Hildebrandt (1983), 281f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Hensel (1989), 45–69. Herbert Hensel war nicht nur ein international renommierter Sinnesphysiologe, sondern auch Anthroposoph. Sein Urteil über Steiners Beitrag zur Wissenschaft ist auch im Kontext der EH hilfreich: „Die Bedeutung der Anthroposophie für die empirischen Wissenschaften liegt vor allem darin, daß sie Anregungen gibt und neue Fragestellungen aufwirft, die dann von der empirischen Forschung aufgegriffen und selbstständig bearbeitet werden können. Das bedeutet keine Beschränkung der geistigen Freiheit des Forschers, da er die Antworten auf die Fragen durch eigene Arbeit finden muß.“ Hensel (1989), 70–77.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Vgl. FN 1, S 24: &#039;&#039;„Man hat im tierischen Organismus einen Kräftebereich, der gegenüber dem von der Erde ausstrahlenden und in sie einstrahlenden unabhängig ist.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Gastrulation (von griech. gaster „Bauch eines Gefäßes“[1]) bezeichnet eine Phase der Embryogenese der vielzelligen Tiere, zu denen auch der Mensch gehört. Dabei stülpt sich die Blastula ein und es kommt zur Ausbildung der Keimblätter. (&amp;lt;nowiki&amp;gt;https://de.wikipedia.org/wiki/Gastrulation&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, ges. 29.11.2025).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Als Neurulation bezeichnet man die Bildung eines Neuralrohrs bei Chordatieren und damit auch beim Menschen. Das Neuralrohr ist die embryonale Anlage des späteren Zentralnervensystems (&amp;lt;nowiki&amp;gt;https://de.wikipedia.org/wiki/Neurulation&amp;lt;/nowiki&amp;gt;, ges. 29.11.2025).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Vgl. FN 1, Kapitel IV, Abs. 3.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Vgl. Moore (2013), 15, 76, 559.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. FN 1, S. 8. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] ‚aster‘ heißt sowohl in der griechischen als auch in der lateinischen Sprache: Stern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Vgl. FN 1, S. 25.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Noch Goethe erwähnt „der Brudersphären Wettgesang“ zu Beginn des Faust im Prolog im Himmel. Siehe auch Livio (2023).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] Vgl. A. Husemann (2024).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== BEGABUNGEN DER ICH-ORGANISATION ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wodurch bemerken wir das Wirken der Ich-Organisation?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie können wir die Ich-Organisation in ihrem Wirken stärken?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ich-Organisation und Wärme&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Ich-Organisation stimmt im physischen Leib das Wirken aller Gesetzmäßigkeiten so aufeinander ab, dass dadurch eine bestimmte Persönlichkeit zur Erscheinung kommt. Ihre Hauptaufgabe besteht in der Integration in den Gesamtzusammenhang, in das Gesamtbild. Sie ist zuständig für die Gestaltung des Menschen hinsichtlich Form, Größe und Proportion und bedient sich dabei der Wärmeprozesse. So wie die Gesetzmäßigkeiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;des Physischen&#039;&#039;&#039; dem Aggregatzustand &#039;&#039;des Festen&#039;&#039; entsprechen,&lt;br /&gt;
* diejenigen &#039;&#039;&#039;des Ätherischen&#039;&#039;&#039; den Gesetzmäßigkeiten &#039;&#039;des Flüssigen&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* und die &#039;&#039;&#039;des Astralischen&#039;&#039;&#039; den Gesetzmäßigkeiten &#039;&#039;des Luftförmigen&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* so äußert sich &#039;&#039;&#039;die Ich-Organisation&#039;&#039;&#039; unmittelbar durch die Gesetzmäßigkeiten &#039;&#039;der Wärme.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztlich hängt es vom Wärmezustand des Organismus ab, in welcher Form eine Substanz vorliegt und wie schnell bzw. langsam sie sich mit anderen Substanzen verbindet oder sich von ihnen trennt. Die Arbeit der Ich-Organisation kann so an der Wärmewirkung abgelesen werden. Interessanterweise beschränkt sich dieser Wärmebildungs- und Verteilungsprozess im Menschen nie nur auf das Physische; die Wärme wird auch seelisch erlebt und wirkt geistig anregend. Umgekehrt wirkt eine im Seelisch-Geistigen „auflodernde“ Begeisterung bis ins körperliche Erleben hinein durchwärmend und positiv stimulierend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Sinneswelt hat die Wärme eine Brückenfunktion zwischen dem Physischen und dem Geistigen, die vergleichbar ist mit der Brückenfunktion des Denkens zwischen Materie und Geist. Wärme kann sowohl in physischer als auch in seelisch-geistiger Form auftreten und ist doch immer Wärme. Dadurch, dass dieses Wärmewesen von der Ich-Organisation individuell genützt wird, bekommt der geistig-physische Wesenszusammenhang sein persönliches Gepräge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Was die Ich-Organisation als Wärmeorganismus stärkt&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Durch die Ich-Organisation und ihre nicht materielle Wärmewirkung kann auch unser wahres höheres bzw. „besseres“ Selbst, unser ewiges Wesen hereinleuchten, ja sogar an&#039;&#039;wesend&#039;&#039; sein. Gestärkt wird die Ich-Organisation von positiven menschlichen Begegnungen. In der zwischen Menschen entstehenden seelisch-geistigen Wärme erlebt sich der Einzelne bestätigt und gefördert. Dabei sind ethische Werte und Lebensideale die besten Schulungsmittel:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wahrhaftigkeit im Umgang miteinander         &lt;br /&gt;
* Respekt vor der Freiheit und Würde des anderen&lt;br /&gt;
* Interesse an dessen Schicksal&lt;br /&gt;
* Anerkennen seiner Stärken&lt;br /&gt;
* Akzeptanz seiner Schwächen&lt;br /&gt;
* Vertrauen in seine weitere Entwicklung zum Guten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Der ewige Wesenskern&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das Ich, der ewige Wesenskern, lebt in der Kontinuität. Es geht durch viele Erdenleben und wird sich immer mehr seiner selbst bewusst; es stammt aus urferner Vergangenheit und schreitet weiter auf ein leuchtendes Entwicklungsziel zu. Qualitäten wie Zuverlässigkeit, Kontinuität, Belastbarkeit, Tragfähigkeit, Durchhaltevermögen usw., die im Leben und in menschlichen Beziehungen zum Tragen kommen, unterstützen die Ich-Organisation. Freundschaften, in denen gemeinsame Ziele oder Arbeitsaufgaben das Verbindende sind, erweisen sich als besondere Kraftquelle für das Ich wie auch die Arbeit an den Kernidealen des menschlichen Werdens: Wahrhaftigkeit, Liebefähigkeit, Freiheit für sich und die anderen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dank der Losgelöstheit des Gedankenorganismus vom physischen Leib hat das Ich als denkendes Wesen auch die Möglichkeit, von sich selbst abzusehen und anderes in den Mittelpunkt seines Interesses zu stellen. Das ist die Voraussetzung für Selbstlosigkeit, die sich das Ich auf dem Erkenntnisweg erarbeiten kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese wenigen Andeutungen können verständlich machen, warum in einer Zeit, in der menschliche Beziehungen so starken Belastungen ausgesetzt sind und vielfach im gegenseitigen Unverständnis und Sich-nicht-ertragen-Können auseinanderbrechen, auch die Ich-Kraft und das damit verbundene Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl eine immense Schwächung erfahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Begabungen und Behinderungen“, 8. Kapitel, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2004&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== BLUT, NERV UND WESENSGLIEDER[1] ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielen die Wesensglieder bei Bildung und Funktion von Blut- und Nervensystem?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welcher Regie folgen sie?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen inneren Zusammenhang haben Blut und Knochen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;A Blutbildung und die Rolle der Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das erste funktionsfähige Organsystem im werdenden Embryo ist das Herz-Kreislauf-System. Es entsteht aus dem konfluierenden Zusammenwachsen der ab der dritten Woche entstehenden Blutinseln im intra- und extraembryonalen Bindegewebe – auch der in Bildung begriffenen Plazenta – und stellt so die Ernährung des Embryos sicher. Diese Blutinseln bestehen aus Plasma (Wasser, Nährstoffe, Elektrolyte, Mineral- und Schutzstoffe) sowie aus weißen und roten Blutzellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner und Ita Wegman schildern im ersten Absatz von Kapitel VI von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[2]&#039;&#039; die Blutbildung in Fortsetzung der Nahrungsaufnahme. Dabei handelt es sich um einen konsekutiv-ganzheitlichen Blutbildungsprozess, bei dem die Wesensglieder nacheinander – unter der Gesamtregie der Ich-Organisation[3] – ihren Haupteinfluss geltend machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== • Physischer Leib und Verdauungssekretion ====&lt;br /&gt;
Diese ist eine bewusste durch die Sinnestätigkeit des Schmeckens, Riechens und Schluckens begleitete Tätigkeit. Die dadurch angeregte Mobilisierung von Speichel, Magen- und Pankreassekreten beeinflussen dann nachhaltig die weiteren – unbewussten – Verdauungsprozesse. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== • Astralleib und Blutbildung in den inneren Organen ====&lt;br /&gt;
Bei der weiteren Blutbildung im Bereich der inneren Organe tritt die Tätigkeit des astralischen Leibes in den Vordergrund. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== • Ätherleib und roter Blutfarbstoff ====&lt;br /&gt;
Beim Aufbau des roten Blutfarbstoffs für die Sauerstoffaufnahme hat der Ätherleib seine Haupttätigkeit. In diesem Zusammenhang ist interessant, dass die Chlorophylle, die bei der Pflanze durch die energetische Lichtaufnahme entstehen, in ihrer biochemischen Struktur den Häm-Molekülen im Farbstoff der roten Blutkörperchen sehr ähnlich sind. Anstelle des Eisenions als Zentralatom, das den Sauerstoff aus der Atemluft lose bindet und dem Blut seine rote Farbe gibt, steht im Chlorophyll das Magnesium-Ion im Zentrum.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== • Ausatmung von Kohlendioxid als Endpunkt der Blutbildung ====&lt;br /&gt;
Als letzter Akt des Blutbildungsprozesses wird dann die Ausatmung des Kohlendioxids genannt, die hauptsächlich über die Atemluft erfolgt. Dabei spielen die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) eine ebenso zentrale Rolle wie bei der Sauerstoffaufnahme. Sie können das aus den Abbauprozessen im Körper (sogenannte Zellatmung) stammende Kohlendioxid ebenso am Häm-Molekül binden wie den Sauerstoff aus der Luft. Die Menge der Aufnahme und Abgabe ist vom jeweiligen Partialdruck der Gase abhängig. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Regulierung des Kohlendioxidgehaltes des Blutes hat auch Einfluss auf die Funktion des Gehirns. Kohlenstoff ist ja die Gerüstsubstanz aller Lebewesen und Zentralelement der Biochemie – ganz gleich, ob es sich um Fette, Kohlenhydrate, Eiweiße, Vitamine oder Enzyme handelt. Sie alle haben ein Kohlenstoffgerüst. Entsprechend ist auch das Calciumcarbonat als Salz der Kohlensäure wesentlicher Gerüststoff für den Knochenbau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über diese fundamentalen Grundkenntnisse hinausgehend beschreiben die Autoren die notwendige Präsenz der Kohlensäure im Gehirn, um dort die für das Denken und Wahrnehmen nötige Neigung zu erzeugen, &#039;&#039;„ins Leblose, Unorganische überzugehen“[5].&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;B Bildung des dreigliedrigen Nervensystems und Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Bildung des Nervensystems verläuft im Gegensatz zu dem eben Dargestellten in dreifacher Weise verschieden. Das Nervensystem ist von vornherein – ebenfalls ab der dritten Embryonalwoche – dreigliedrig veranlagt und dient im reifen Zustand der Entfaltung von drei verschiedenen Bewusstseinszuständen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wachbewusstsein&#039;&#039;&#039; (Gehirn und Sinnesorgane),&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Traumbewusstsein&#039;&#039;&#039; (Rückenmark, Hirnstamm)&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Schlafbewusstsein&#039;&#039;&#039; (vegetatives Nervensystem).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Vegetatives Nervensystem und Ätherleib ====&lt;br /&gt;
Das vegetative Nervensystem dient dem Ätherleib zur unbewussten Wahrnehmung der Vorgänge im Organismus. Astralische und Ich-Organisation können hier nicht innerlich organisierend, sondern – so die Autoren – nur ‚von außen‘ auf dieses einwirken. Deswegen braucht das vegetative Nervensystem für seine Gesundheit ein positiv-harmonisch gestimmtes Gefühlsleben (Astralleib) und eine entsprechende Identität (Ich-Organisation). D.h. für die Gesunderhaltung des Vegetativums braucht es die im Sinne der heutigen Salutogenese[6] und der Mindful-Stress-Reduction-Techniken[7] der Gegenwart ein positives Kohärenzgefühl mit Bezug auf die jeweiligen Lebensereignisse. Rudolf Steiner und Ita Wegman betonen: &#039;&#039;„Affekte und Leidenschaften haben eine dauernde, bedeutsame Wirkung auf den Sympathikus. Kummer, Sorgen richten dieses Nervensystem allmählich zugrunde.“[8]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Rückenmark, Hirnstamm und Astralleib ====&lt;br /&gt;
Das Rückenmark mit seiner reflektorischen Tätigkeit dient dem Astralleib als Instrument des instinktiv-fühlenden Reagierens auf alles, was seelisch erlebt wird. 3. Gehirn, Sinne und Ich-Organisation Die 12 Gehirnnerven hingegen dienen primär der Ich-Organisation zur bewussten Wahrnehmung.[9] Menschliche Gesamtgestalt durch Zusammenwirken von AL und Ich So ist die Gesamtgestalt des Menschen ein Bild des Zusammenwirkens von astralischer und Ich-Organisation. In Abs. 6 wird dies so formuliert: &#039;&#039;„Man wird das Gehirn des Menschen nur begreifen, wenn man in ihm die knochenbildende Tendenz sehen kann, die im allerersten Entstehen unterbrochen wird. Und man durchschaut die Knochenbildung nur dann, wenn man in ihr eine völlig zu Ende gekommene Gehirn-Impulswirkung erkennt, die von außen, von den Impulsen des mittleren Organismus, durchzogen wird, wo astralisch bedingte Nervenorgane mit ätherisch bedingter Blutsubstanz zusammen tätig sind.“[10]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Das Blut, das im Inneren der platten Knochen gebildet wird, stellt das unmittelbar schöpferische &#039;&#039;&#039;Instrument der Ich-Organisation&#039;&#039;&#039; dar, das Skelett dagegen ihren im physischen Organismus zum Abschluss gekommenen äußeren Ausdruck. &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Instrument der astralischen Organisation&#039;&#039;&#039; hingegen ist das Nervensystem, das von der Ich-Organisation zum Träger des individuell-autonomen Selbstbewusstseins – im Unterschied zum Tier – umgebildet werden muss (‚herausgehoben‘, wie es in Kapitel V[11] hieß).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher muss beim Gehirn als Träger des menschlichen Wachbewusstseins die knochenbildende Tendenz – d.h. die Hinneigung zum Toten, Mineralischen, auf die sich physiologisch die Ich Organisation stützt,[12] – ‚leise‘ zugrunde liegen. In seinen Prager Vorträgen über &#039;&#039;„Okkulte Physiologie“&#039;&#039; von 1911 hatte Rudolf Steiner diesen Sachverhalt so formuliert: &#039;&#039;„Insofern unser Ich als bewußtes Ich auftritt, hat es zum Werkzeug das Blutsystem, insofern unser Ich vorgebildet ist als Form und Gestalt, liegt ihm zugrunde ein kosmisches Kraftsystem, das hindrängt zur festen Gestaltung, das sich am dichtesten zum Ausdruck bringt in unserem Knochensystem.“[13]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[14]&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Für dieses Kapitel verdanke ich Branko Furst – Associate Professor, Department of Anaestesiology, Albany Medical College, Albany/USA – wertvolle Hinweise (vgl. Furst [2014]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner und Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Vgl. FN 2, S. 33 u. 35: &#039;&#039;„Indem die Blutbildung in der Fortgestaltung der aufgenommenen Nahrungsstoffe erfolgt, steht der ganze Blutbildungsvorgang unter dem Einfluss der Ich-Organisation.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Vgl. Heldt und Piechulla (2014).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Siehe FN 2, S. 34.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Vgl. Antonovsky (1997); Wydler u. a. (2000). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Vgl. Dobos (2019).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] I: Riechen. II–IV: Sehen. V: Kauen. VI: Augenbewegung, Pupillenmotorik, Gesichtssensibilität. VII: Mimik, Gesichtsnerv. VIII: Hören, Gleichgewicht. IX: Zunge, Rachen, Schlucken. X: Hauptnerv des Parasympathikus, Regulation der inneren Organe. XI: Kopfdrehung, Schulterhebung. XII: Zungenbewegung. Sie sind entweder direkt bestimmten Hirnregionen (I und II) eigen oder entspringen aus umschriebenen Hirnnervenkernen, die spezialisierte Nervenzellansammlungen sind, die somatomotorische, somatosensible, sensorische bzw. vegetative Fasern enthalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Siehe FN 2, S. 35.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Von: FN 2.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Ebenda, S. 48.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Eine okkulte Physiologie,&#039;&#039; GA 128, S. 139 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== WÄRME, BLUT UND ICH-ORGANISATION ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern ist das Blut ein wesentliches Tätigkeitsfeld des inkarnierten Ich-Anteils, der Ich-Organisation?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern ist Wärme ein Ausdruck des Wirkens der Ich-Organisation?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche drei Ich-Anteile beschreibt Rudolf Steiner?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;A Wärme, Ich-Anteile und Blut&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Da Wärme ausstrahlend ist, immateriell, und folglich auch in sich keine Grenzen hat, bedarf es der Inkarnation dieser Wärmegesetzlichkeit in einen begrenzten Leib, damit sich dadurch ein abgegrenztes, autonomes Selbstbewusstsein bilden kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Diesen Anteil nennt Steiner &#039;&#039;&#039;Ich-Organisation.&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* Davon zu unterscheiden ist &#039;&#039;&#039;das ewige Ich&#039;&#039;&#039;, das von Erdenleben zu Erdenleben durch verschiedene Verkörperungen hindurch zunehmend Bewusstsein von seiner ewigen Natur bekommen kann, indem es sich gemäß seiner Schicksalsgegebenheiten immer wieder neu seine Wesensglieder bildet und seiner menschlichen Identität vergewissert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wärme steht an der Grenze zwischen dem Materiellen und dem Nichtmateriellen.[1] Zwischen dem rein geistigen ewigen Ich, das sich nach Steiner nicht inkarniert und dem materiell fassbaren Blutorgan, in dem die sich inkarnierende Ich-Organisation ganz und gar tätig ist, liegt die regulierende Wirkung der geistigen, seelischen und physischen Wärme. So wie sich nach anthroposophischem Verständnis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die physische Organisation auf den &#039;&#039;&#039;festen Aggregatzustand&#039;&#039;&#039; stützt, &lt;br /&gt;
* die ätherische auf den &#039;&#039;&#039;flüssigen&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* die astralische auf die &#039;&#039;&#039;Luft&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* so die Ich-Organisation auf die &#039;&#039;&#039;Wärme&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Blut kommt über das Eng- und Weitstellen der arteriellen Blutgefäße eine wichtige Rolle in der Wärmeregulation zu. In der und durch die Wärme ist die Ich-Organisation in der gesamten Konstitution tätig und sorgt im Blut dafür, dass das Blut &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* weder &#039;&#039;&#039;zu stark gerinnt&#039;&#039;&#039;, so dass Blutgerinnsel entstehen können, &lt;br /&gt;
* noch, dass es &#039;&#039;&#039;zu flüssig wird&#039;&#039;&#039;, wie dies bei der Bluterkrankheit (Hämophilie) oder sekundär bei Gerinnungsfaktormangel infolge der Verbrauchskoagulopathie (DIC) der Fall ist.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;B Dreifacher Ich-Begriff und Blutbildung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Anknüpfend an einen aristotelischen Denkansatz formuliert Steiner seinen Ich-Begriff: &#039;&#039;„Wenn wir das Ich im reinen Gedanken fassen, dann sind wir in einem Zentrum, wo das reine Denken zugleich essentiell sein materielles Wesen hervorbringt. Wenn Sie das Ich im Denken fassen, so ist ein dreifaches Ich vorhanden:&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;ein reines Ich&#039;&#039;&#039;, das zu den Universalen &#039;&#039;&#039;‚ante rem‘&#039;&#039;&#039; gehört,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;ein Ich, in dem Sie drinnen sind,&#039;&#039;&#039; das zu den Universalien &#039;&#039;&#039;‚in re‘&#039;&#039;&#039; gehört,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;und &#039;&#039;&#039;ein Ich, das Sie begreifen,&#039;&#039;&#039; das zu den Universalien &#039;&#039;&#039;‚post rem‘&#039;&#039;&#039; gehört.[3]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Aber noch etwas ganz Besonderes ist hier: für das Ich verhält es sich so, daß, wenn man sich zum wirklichen Erfassen des Ich aufschwingt, diese drei ‚Ichs‘ zusammenfallen. Das Ich lebt in sich, indem es seinen reinen Begriff hervorbringt und im Begriff als Realität leben kann. Für das Ich ist es nicht gleichgültig, was das reine Denken tut, denn das reine Denken ist der Schöpfer des Ich. Hier fällt der Begriff des Schöpferischen mit dem Materiellen zusammen, und man braucht nur einzusehen, daß wir in allen anderen Erkenntnisprozessen zunächst an eine Grenze stoßen, nur beim Ich nicht: dieses umfassen wir in seinem innersten Wesen, indem wir es im reinen Denken ergreifen [...] Es ist also in dem durch einen reinen Denkakt erfaßten und damit zugleich geschaffenen Ich etwas vorhanden, durch das wir die Grenze durchdringen, die für alles andere zwischen Form und Materie gesetzt werden muß.“[4]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Schritte der Blut- und Organbildung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der hier in dreifacher Weise gefasste Ich-Begriff findet sich in der Beschreibung der Blutbildung wieder, wie sie Rudolf Steiner und Ita Wegman im Kapitel VI von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[5]&#039;&#039; beschreiben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Nahrungsmittel („post rem“) werden aus der Umwelt aufgenommen &lt;br /&gt;
* und von den rein geistigen Wesensglieder-Formkräften („ante rem“) ergriffen,&lt;br /&gt;
* die den Umwandlungsprozess in einen neuen „in re“-Zusammenhang ermöglichen: das menschliche Blut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch wird es zum schöpferischen, organbildenden Instrument der Ich-Organisation. Dass vom Blut alle Organbildung ausgeht, zeigen die Phänomene der Organbildung während der Embryonalentwicklung. Indem Blutgefäße in ein bestimmtes Gewebe einsprossen und die für Wachstum und Entwicklung notwendigen Ernährungsprozesse ermöglichen, wird auch die Zellproliferation des betreffenden Organgewebes induziert. Durch die dann einsprossenden Nerven wird die Differenzierung zu den organspezifischen Zellen angestoßen. Begleitet werden diese beiden Prozesse jedoch stets durch einen dritten regulierenden Prozess, der für die adäquate Integration in den Gesamtorganismus sorgt.[6]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die astralische Organisation als Träger von Bewusstseinsprozessen, welche beim Menschen als selbstbewusster Wachzustand, Traum- und unbewusstes Schlafbewusstsein auftreten, erfordern eine dementsprechende dreigliedrige Organanlage des Nervensystems und damit auch des ganzen Organismus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[7]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Brücke zwischen der Weltgeistigkeit und dem Physischen des Menschen. Die Suche nach der neuen Isis, der göttlichen Sophia. Der Mensch in seinem Zusammenhang mit dem Kosmos, Band II.,&#039;&#039; GA 202, Vortrag vom 17.12.1920; Penter (2021), 333–348.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Vgl. Kuehn (2022), 36–42.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Formatierung und Hervorhebung von K. Offenborn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Philosophie und Anthroposophie. Gesammelte Aufsätze,&#039;&#039; GA 35, 102f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27, Kap. VI.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Vgl. Rohen und Lütjen-Drecoll (2022).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DAS BLUT ALS INSTRUMENT DES ICH ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern kann das Blut als Instrument des Ich bezeichnet werden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielt das Eisen für die Gesundung des Blutes?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie verhält sich das Blut zum Physischen und wie zum Ätherischen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Selbstheilungskräfte aus dem Blut&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel VII von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; werden die Selbstheilungskräfte nicht mit Blick auf ihre Funktion als körperliche Schutz- und Abwehrmechanismen des Immunsystems geschildert. Vielmehr werden sie als diejenigen Kräfte dargestellt, die dem Blut innewohnen, das den dreigliedrigen Organismus versorgt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* einerseits in Form der &#039;&#039;&#039;weißen Blutzellen&#039;&#039;&#039;, die für die körperliche Abwehr verantwortlich sind, &lt;br /&gt;
* insbesondere aber auch in Form der &#039;&#039;&#039;Tätigkeit der roten Blutkörperchen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* und der &#039;&#039;&#039;übrigen Bestandteile des Blutes&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Blut als Ganzes ist als Instrument der Ich-Organisation Träger der Selbstheilungskräfte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Warum das Blut Eisen braucht&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dieses Thema wird im dritten Vortrag des &#039;&#039;Ärzte-Kurses von 1920[2]&#039;&#039; eingehender erläutert. Dort wird die Frage: &#039;&#039;‚Warum braucht das Blut das Eisen?‘&#039;&#039; eine Kardinalfrage der ganzen medizinischen Wissenschaft genannt. Rudolf Steiner erläutert:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Das Blut braucht das Eisen nämlich. [...] Das Blut ist einfach durch seine eigene Wesenheit krank und muß fortwährend kuriert werden durch den Eisenzusatz. Das heißt, wir haben in dem Prozesse, der in unserem Blute sich vollzieht, einen fortwährenden Heilungsprozess in uns tragend. Will der Arzt durch der Natur Examen gehen [ein Ausdruck des Paracelsus], so muss er vor allen Dingen nicht einen schon abnormen Prozeß der Natur betrachten, sondern einen normalen Prozeß. Und der Blutprozeß ist sicher ein normaler, aber er ist zu gleicher Zeit ein solcher, wo fortwährend die Natur selbst heilen muß, wo fortwährend die Natur durch das zugesetzte Mineral, durch das Eisen heilen muss. So daß wir, wenn wir uns graphisch darstellen wollten dasjenige, was mit dem Blute geschieht, sagen müssen: Dasjenige, was das Blut durch seine eigene Konstitution ohne das Eisen hat, ist eine Kurve oder eine Linie die abwärts führt und die ankommen würde zuletzt bei der vollständigen Auflösung des Blutes, während dasjenige was das Eisen im Blute bewirkt, es fortwährend aufwärts führt, es fortwährend heilt. Wir haben in der Tat da einen Prozeß, der ein normaler ist und der zu gleicher Zeit ein solcher ist, der nachgebildet werden muss, wenn wir überhaupt an Heilungsprozesse denken wollen. Da können wir wirklich durch der Natur Examen gehen, denn da sehen wir, wie die Natur Prozesse vollführt, indem sie dasjenige, was außermenschlich ist, das Metall mit seinen Kräften, dem Menschlichen zuführt. Und wir sehen zu gleicher Zeit, wie dasjenige, was im Organismus unbedingt bleiben will, wie das Blut, [...] geheilt werden muß; dasjenige, was aus dem Organismus herausstrebt, wie die Milch, daß das nicht geheilt zu werden braucht, sondern daß das, wenn es Bildekräfte enthält, in gesunder Weise diese Bildekräfte in den anderen Organismus überführen kann. Das ist eine gewisse Polarität, und ich sage: eine gewisse, nicht eine ganze Polarität zwischen dem Blute und der Milch, die aber ins Auge gefasst werden muß, denn man kann daran eben sehr viel studieren.“[3]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Das Blut in seinem Verhältnis zum Physischen und zum Ätherischen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In den 2020 erschienenen Studienkommentaren zum medizinischen Werk Rudolf Steiners gehen die Herausgeber auch dieser Frage nach und suchen einer Beantwortung näherzukommen, wie diese Passage zu verstehen ist. Sie beziehen dabei auch die vorbereitenden Notizen Rudolf Steiners ein, die inzwischen in der Neuherausgabe zum 100-jährigen Jubiläum des Kurses in diesen integriert worden sind. Genauer notierte sich Steiner in seinen vorbereitenden Notizen: &#039;&#039;„Das Blut [...]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;hat abgestoßen die physischen Bildekräfte&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;und wirkt durch die an es gebundenen ätherischen.“&#039;&#039; [4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== @ Abstoßung physischer Bildekräfte ====&lt;br /&gt;
Unter Abstoßung physischer Bildekräfte im Blut kann zunächst an den Zellkernverlust der Erythrozyten – die immerhin ‚den Hauptbestandteil des Blutes‘ darstellen – gedacht werden. Denn mit der Abstoßung des zellulären Erbguts und der Mitochondrien während des Reifungsprozesses verliert der Erythrozyt insofern seine ‚äußere Bildungsfähigkeit‘, als eine Zellteilung d.h. Fortpflanzung bzw. ein kernvermittelter Stoffwechsel durch diese Abstoßung nicht mehr möglich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== @ Wirkung der ätherischen Kräfte im Flüssigen ====&lt;br /&gt;
Die Distanzierung des Blutes von den Kräften der physischen Gestaltbildung zeigt sich aber auch in der durchwegs flüssig-viskösen Form des Blutplasmas, die sich in der hohen Verformbarkeit der zellulären Elemente fortsetzt. An den flüssig-beweglichen Aggregatzustand ist zudem die Wirkung der lebendigen Bildekräfte gebunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Gerinnung des Blutes durch Berührung mit dem Physischen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Bei einer Berührung des Blutes mit der physischen Außenwelt kommt es bekanntlich unmittelbar zur Gerinnung, ein Phänomen, welches der Physiologe &#039;&#039;Thomas H. Huxley&#039;&#039; in dem von Steiner gut studierten Lehrbuch wie folgt anführt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Berührung mit nicht lebendem Stoffe beschleunigt die Gerinnung. Daher gerinnt das Blut, welches in eine Schüssel gelassen wird, zuerst da, wo es mit den Wänden der Schüssel in Berührung kommt; und ein Draht, in eine lebende Vene gesteckt, bedeckt sich mit Fibrin, trotzdem vollkommen flüssiges Blut ihn umgibt [...] Andererseits verzögert oder vermindert unmittelbare Berührung mit lebendigem Stoffe die Gerinnung des Blutes. So bleibt Blut sehr lange flüssig in einem Stück Vene, welches an beiden Enden zugebunden ist.“[5]&#039;&#039; [...] Diese Kardinalfrage, &#039;&#039;„was hinter der Erscheinung des Blutes verborgen liegt“&#039;&#039;[6], &#039;&#039;„was als geistige Wesenheit hinter dem Blut liegt“[7]&#039;&#039;, durchzieht das gesamte Vortragswerk Steiners bis in kulturelle, mythologische und religiöse Zusammenhänge.[8]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Blut als äußeres Werkzeug des Ich&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der &#039;&#039;„Okkulten Physiologie“&#039;&#039; lesen wir dazu: &#039;&#039;„Wie das Urbild zu seiner Offenbarung, zu seinem Abbild [...] müssen wir das Blut als äußeres Werkzeug für das Ich ansehen, für alles, was wir als unser innerstes Seelenzentrum, das Ich, bezeichnen.“[9]&#039;&#039; In seinem Vortrag &#039;&#039;„Blut ist ein ganz besonderer Saft“&#039;&#039; von 1906, in dem Rudolf Steiner an den gleichlautenden Ausspruch des Mephistopheles im Faust anknüpft, heißt es dazu:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Das Blut erfährt durch [...] Sauerstoffaufnahme eine Erneuerung. Dasjenige Blut, welches das menschliche Innere gleichsam dem hereinströmenden Sauerstoff anbietet, ist eine Art von Giftstoff für den Organismus, eine Art Vernichter und Zerstörer. Dieses blaurote Blut wird umgewandelt durch Aufnahme von Sauerstoff, durch eine Art Verbrennungsprozess, in rotes, lebensschaffendes Blut. Dieses Blut, das in alle Teile des Körpers dringt, in allen Teilen des Körpers die Ernährungsstoffe ablagert, hat die Aufgabe, die Stoffe der Außenwelt unmittelbar in sich aufzunehmen und auf dem kürzesten Wege zur Ernährung des Wesens zu verwenden. Der Mensch und die höheren Tiere haben nötig, erst diese Ernährungsstoffe in das Blut überzuführen, das Blut zu bilden, den Sauerstoff der Luft in das Blut aufzunehmen und den Körper durch das Blut aufzubauen und zu erhalten. [...] Im Blute ist also ein wirklicher Doppelgänger des Menschen vorhanden, der ihn fortwährend begleitet, aus dem er fortwährend seine neuen Kräfte schöpft und an den er dasjenige, was er nicht mehr braucht, abgibt. [...] Wie durch das Gehirn die Außenwelt verinnerlicht wird, so wird durch das Blut diese Innenwelt in dem Leib des Menschen zu einem äußeren Ausdruck umgeschaffen. [...] Im Blute liegt das Prinzip für die Ich-Werdung. Ein Ich kann nur da zum Ausdruck kommen, wo ein Wesen die Bilder, die es von der Außenwelt erzeugt, in sich selbst zu gestalten vermag. Ein Ich-Wesen muß fähig sein, die Außenwelt in sich aufzunehmen und innerhalb seiner selbst wieder zu erzeugen. Hätte der Mensch bloß Gehirn, so könnte er nur Bilder der Außenwelt in sich erzeugen und in sich erleben; er würde dann zu sich nur sagen können: die Außenwelt ist in mir als Spiegelbild noch einmal wiederholt; kann er aber diese Wiederholung der Außenwelt zu einer neuen Gestalt aufbauen, dann ist diese Gestalt nicht mehr bloß die Außenwelt: sie ist ‚Ich‘.“[10]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[11]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27, Kap. VII.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaft und Medizin,&#039;&#039; GA 312.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Siehe FN 2, S. 71f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Formatierung K. Offenborn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Huxley 1910, 75.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Erkenntnis des Übersinnlichen in unserer Zeit und deren Bedeutung für das heutige Leben,&#039;&#039; GA 55, S. 41.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Ebenda, S. 42.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Heusser u. a. (2020), 423–425.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Eine okkulte Physiologie,&#039;&#039; GA 128, S. 39.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Siehe FN 6, S. 43–57.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== KNOCHENBILDUNG UNTER DER FÜHRUNG DER ICH-ORGANISATION ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist die Rolle der Ich-Organisation im Rahmen der Wesensgliedertätigkeit?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Tätigkeiten obliegen der Ich-Organisation bei der Knochenbildung ab der Embryonalentwicklung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Warum ist ein gesundes Maß an Schlaf wichtig für uns?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Knochenbildung als Beispiel&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Am Beispiel der Knochenbildung – dem weitesten Weg, den ein Organ bzw. Organsystem bei seiner Bildung zu durchlaufen hat – schildern Rudolf Steiner und Ita Wegman in Kapitel XII von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; die Aufbau-Tätigkeit der Wesensglieder von der Embryonalentwicklung an.[2] Die Knochenbildung beginnt als ein multifokales embryonales Entwicklungsgeschehen, das im Skelett des Erwachsenen gipfelt, als der aufrechten Menschengestalt, dem physischen Abbild des Ich[3] oder im Sinne der Bibel in der Gottebenbildlichkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So komplex die Zusammenhänge auch sind, die in den 13 Absätzen von Kapitel XII beschrieben werden, so klar und systematisch erscheint der Aufbau. Zwanzigmal wird das Wort ‚Ich-Organisation‘ genannt, als die für den Grad des jeweils erforderlichen Aufbau- und Abbaugeschehens verantwortliche Instanz, der sich die Gesetzmäßigkeiten des physischen, ätherischen und astralischen Wirkbereichs unterordnen (müssen). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zehn „Tätigkeiten“ der Ich-Organisation bei der Knochenbildung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dabei werden zehn Prozessschritte in Betracht gezogen, die die Tätigkeit der Ich-Organisation kennzeichnen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Abscheiden unorganisch fester Substanz ====&lt;br /&gt;
Dieses Abscheiden des Festen aus dem halbflüssigen Zustand des embryonalen Ernährungsangebots und deren Eingliederung in den eigenen Ätherleib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Differenzierung der verschiedenen Organanlagen ====&lt;br /&gt;
Körpereigenes Eiweiß – Domäne des Ätherischen – wird zur Aufnahme von Luft und den damit verbundenen astralischen Gesetzmäßigkeiten gebracht. Der dadurch impulsierte Kohlenstoffmetabolismus ermöglicht die Differenzierung der verschiedenen Organanlagen aus der &#039;&#039;„noch undifferenzierten Organsubstanz“&#039;&#039;, wobei der Verzicht auf ‚perfekt-tierische Differenzierung‘ von der Ich-Organisation &#039;&#039;„gewissermaßen aufgesetzt“&#039;&#039; wird.[4] Man kann das Wort ‚aufsetzen‘ bildlich als ‚Krone aufsetzen‘ deuten – es steckt hier aber auch die Qualität des ‚sich Durchsetzens‘ darin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Differenzierte Handhabung von Wärme ====&lt;br /&gt;
Die Wirkmacht der Ich-Organisation beruht auf ihrer Herrschaft über den Wärmezustand, den sie differenziert handhaben kann: &#039;&#039;„Diese Ich-Organisation lebt ganz in Wärmezuständen. Sie holt aus der allgemeinen Astralwesenheit die einzelnen Organe heraus. Sie betätigt sich dabei an der allgemeinen, durch das Astralische herbeigeführten Substanz so, dass sie den Wärmezustand eines sich vorbereitenden Organs entweder erhöht oder vermindert.“&#039;&#039; [5] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Verminderung von Wärme ====&lt;br /&gt;
Verminderung von Wärme führt zur Aufnahme von Salzsubstanzen.[6]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Erhöhung von Wärme ====&lt;br /&gt;
Erhöhung von Wärme dient der Auflösung von Organischem.[7]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 6. Erkrankung als Regulationsmöglichkeit ====&lt;br /&gt;
Möglichkeiten zu erkranken, wenn der Organismus nicht genügend Wärme für ein Organgebiet zur Verfügung stellen kann, und dieses daher zu verhärten droht; oder, wenn ein Organ fertig ausgebildet ist, die Dynamik zwischen Organgebrauch und dessen Regeneration gestört ist.[8]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 7. Arteriosklerose als notwendiges „&#039;&#039;Austreiben der Ich-Organisation“&#039;&#039; ====&lt;br /&gt;
Das Krankheitsbild der Arteriosklerose ist die Folge eines solchen &#039;&#039;„Austreibens der Ich-Organisation“&#039;&#039; aus einem Organ, das nicht verhärten soll, sondern zwischen Flüssigem und Luftförmigen in den Prozessen der Auflösung gehalten werden muss.[9]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 8. Abkühlung zur Drosselung des Astralischen ====&lt;br /&gt;
Mögliche Gestaltmissbildungen treten auf, wenn es der Ich-Organisation nicht gelingt, den für dieses Organgebiet notwendigen Abkühlungsgrad zu erreichen. Dann setzen sich im astralischen Wirkbereich der eine oder andere mögliche Gestaltbildungsprozess durch. Als Beispiel werden rachitische Erkrankungen genannt, d.h. ganz generell Knochenstoffwechselstörungen, zu denen maßgeblich auch die Osteoporose gehört.[10]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 9. Integration von Ausscheidungsprodukten ====&lt;br /&gt;
Hier geht es um die Biochemie der exokrinen und endokrinen Drüsenerzeugnisse. Diese werden als differenzierte Absonderungs- und Ausscheidungsprodukte der astralischen Tätigkeit geschildert, die von der Ich-Organisation in das Ganze integriert und reguliert werden müssen im Sinne des &#039;&#039;„Nichts zu viel und nichts zu wenig“[11]&#039;&#039;– der Ur-Tugend des Maßhaltens, des Gleichgewichtwahrens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Verrichtung dieser Tätigkeiten liegt etwas, das der Organismus für seinen Bestand braucht. Diese Tätigkeit ist ebenso notwendig, wie diejenige, die Stoffe in den Organismus aufnimmt oder in ihm ablagert. Denn in dem gesunden Verhältnis der beiden Tätigkeiten liegt das Wesen der organischen Wirksamkeit.[12]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 10. Regulation von Harnsäure, die dem bewussten Denken dient ====&lt;br /&gt;
Der letzte Absatz widmet sich nochmals der Harnsäure. Sie steht als Ausscheidungsprodukt unter der Herrschaft des Astralleibes. Ihre Regulation hingegen – dass nicht zu viel und nicht zu wenig ausgeschieden wird – hängt von der Kompetenz der Ich-Organisation ab, insbesondere bei einer Substanz, die &#039;&#039;„bis zum Unorganischen getrieben“&#039;&#039; ist,[13] d.h. Kristalle bilden kann, wie die Harnsäure, die dem bewussten Denken dient.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Gesundes Schlafmaß als Aufgabe&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Daher ist der dem Ausscheidungsvorgang entgegengesetzte ‚Gegendruck‘ wichtig für die gesunde Regelung des Schlaf-Wach-Rhythmus. Dieser Gegendruck hat sein physiologisches Korrelat in der Rückresorption von 90 % der Harnsäure aus dem glomerulären Primärfiltrat der Nieren, wie in der Einleitung zu Kapitel XI erwähnt wurde. &#039;&#039;Otto Wolff&#039;&#039; weist in dem Zusammenhang auf zwei Experimente hin, die von anthroposophischen Ärzten durchgeführt wurden. Sie konnten einen Harnsäureanstieg im Urin feststellen nach einer bestimmten Zeit mathematischen Denkens.[14] Ein mögliches Zeichen für die verstärkte Denktätigkeit der Ich-Organisation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der zum Schluss angeführte Schlaf, als die Voraussetzung für die Erhaltung der Gesundheit, wird damit auch zu einer Aufgabe für den individuellen Menschen, sein Schlafmaß im Einklang mit den Erfordernissen seines wachen Tageslebens zu regeln. Mit langem und kurzem Schlaf ist hier nicht irgendeine statistisch zu empfehlende mittlere Schlafdauer gemeint, sondern die Fähigkeit des Organismus, sich rundum zu erholen.[15]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[16]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27, Kap. VII.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ähnliches gilt natürlich für die Entwicklung aller Organsysteme. Was Biologen und Biochemiker bis heute immer weiter im Detail erforschen – das Wesen der Organmatrix –, wird hier als die &#039;&#039;„allgemeinere Substanz“&#039;&#039; bezeichnet, &#039;&#039;„aus der heraus alle die einzelnen Organe des Körpers gebildet werden können“ (S. 60).&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Siehe FN 1, S. 59.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Ebenda, S. 60.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Siehe FN 1, Kap. XII, Abs. 6.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Ebenda, Abs. 7, 8.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Ebenda, Abs. 9.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Siehe FN 1, S. 61f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Ebenda, S. 62f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Ebenda, S. 63.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] Vgl. Wolff (2013), 284.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[15] Vgl. Girke (2017), 4–12; Fintelmann (2017), 18–25.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[16] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== BEDEUTUNG VON HARNSÄURE IN BLUT UND GEHIRN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was besagt die geisteswissenschaftliche Sicht auf die Harnsäure?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern unterscheidet sich ihr Aufbau bei Mensch und Tier?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche wichtigen Funktionen hat die Harnsäure in Blut und Gehirn?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Geisteswissenschaftliche Sicht auf den Aufbau von Harnsäure beim Menschen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel XI von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; werden neben ihrer Beteiligung an der Entstehung von Gicht weitere Rollen der Harnsäure beschrieben, die sie nur im menschlichen Organismus innehat. Denn im Gegensatz zum Menschen bauen die meisten Säugetiere die Purin-Nukleotide zu Allantoin ab, einer leicht löslichen Substanz, die noch dazu ein gutes Wundheilmittel ist und auch in der Heilpflanze Symphytum vorkommt.[2] Obwohl dieser Abbauweg Tieren problemlos möglich ist, wird das menschliche Purinabbauprodukt, die Harnsäure, vom menschlichen Organismus ‚mühsam‘ in der Leber aufgebaut – und nicht etwa auf einem möglichen einfacheren Weg aus dem ebenfalls in der Leber gebildeten Harnstoff. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus biologischer Sicht ist dies unverständlich – aus geisteswissenschaftlicher Sicht jedoch klar: Wenn es auf die Tätigkeiten im Organismus ankommt und nicht nur auf das Vorhandensein bestimmter Stoffe, dann ist offenbar der Aufbau der Harnsäure und die durch sie mögliche Kristallbildung, z. B. für die gesunde Hirnfunktion, wichtig; aber offenbar auch für eine feine Durchimprägnierung des ganzen Organismus mit dieser fein verteilten Harnsäure.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Anregung des AL durch Harnsäure&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[3]&#039;&#039; heißt es dazu: &#039;&#039;„Nun ist im Organismus der astralische Leib der Vermittler der Tätigkeit der Ich-Organisation für den ätherischen und physischen Leib. Diese muss in die Organe die leblosen Substanzen und Kräfte tragen. Nur durch diese Imprägnierung der Organe mit Unorganischem kann der Mensch das bewusste Wesen sein, dass er ist. Organische Substanz und organische Kraft würde das menschliche Bewusstsein zum tierischen herabdämpfen. Der astralische Leib macht durch seine Tätigkeit die Organe geneigt, die unorganischen Einlagerungen der Ich-Organisation aufzunehmen. Er ist gewissermaßen für sie der Wegmacher.“[4]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die Strukturformeln von Koffein und Tein der Harnsäure sehr ähnlich sind – auch sie regen die astralische Organisation an und bewirken neben der Anregung des Bewusstseins auch eine Verstärkung der Urinausscheidung und eine Erhöhung des Blutdrucks. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der menschliche Astralleib arbeitet in gesunder Weise, wenn die Harnsäureausscheidung im Stoffwechselgebiet gelingt und die Imprägnierung mit Unorganischem ausgewogen ist. &#039;&#039;„Es wird wenig Harnsäure ausgeschieden, dafür umso mehr Unorganisches im Sinne der Ich-Organisation eingelagert.“[5]&#039;&#039; Ist das jedoch nicht der Fall, tritt seine Tätigkeit im Gehirn zurück&#039;&#039;.&#039;&#039; Die Harnsäure wird so gesehen zum Indikator dafür, &#039;&#039;„ob zwischen der Ich-Organisation und dem astralischen Leib in irgendeinem Organ oder Organsysteme das rechte Verhältnis besteht.“[6]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wichtige Funktionen von Harnsäure&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Rolle der Harnsäure im Blut – antioxidative Wirkung ====&lt;br /&gt;
Dem Harnsäuregehalt im Blut des Menschen wird &#039;&#039;„eine wichtige Rolle im antioxidativen, nicht-enzymatischen Schutzsystem zuerkannt, weil die chemische Struktur des Moleküls Harnsäure diese zu einem effizienten, wasserlöslichen Radikalfänger macht“.[7]&#039;&#039; Damit ist für die von Steiner beschriebene feine ‚Imprägnierung‘ des gesamten Organismus mit Harnsäure aus naturwissenschaftlicher Sicht ein interessanter Beleg gegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Rolle der Harnsäure im Gehirn – „funktionelles Denksubstrat“ ====&lt;br /&gt;
Inzwischen mehren sich auch Forschungsergebnisse, die den von Rudolf Steiner beschriebenen Zusammenhang von Harnsäurepräsenz im Gehirn und der Denktätigkeit nahelegen.[8] Hier bietet der neue Kontext, in den Rudolf Steiner die Harnsäure stellt, mögliche Anregungen für weitere Forschungsarbeiten. Denn bisher interessierte man sich mit Bezug auf die Denk- und Bewusstseinsvorgänge primär für die Biochemie der Neurotransmitter und die Funktion der verschiedenen Hirnareale – nicht jedoch für Salzbildungsprozesse und Mineralisierungsvorgänge im Nervensystem.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für das anthroposophische Verständnis kommt jedoch in Betracht, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* wo eine bestimmte Substanz im Organismus auftaucht, &lt;br /&gt;
* und ob sie auf dem Aufbau- oder Abbauwege ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn daran entscheidet sich, ob sie mehr dem Leben (Aufbau) oder dem Bewusstsein (Abbau) dient, was in salzartigen Ablagerungen zum Ausdruck kommt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Harnsäure als Denkhilfe&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wolff beschreibt die Bedeutung der Harnsäure so:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Diese liegt offensichtlich nicht auf physiologischem Feld, denn da kann sie nur hinderlich sein im Sinne des Auftretens von Gicht. Vielmehr muss sie mit einer spezifisch menschlichen Fähigkeit, über die das Tier nicht verfügt, zu tun haben – und das ist das Denken. [. . .] Dieses stützt sich auf den Kristallisationsvorgang; daher bezeichnet man es auch – wenn es gekonnt praktiziert wird – als glasklar. Die Folgerichtigkeit der Logik ist notwendigerweise mit irdischen Gesetzmäßigkeiten gekoppelt und deswegen zwingend. Es müssen also Erdenkräfte für diesen Vorgang zur Verfügung stehen. Dazu bedarf es einer Substanz, die aus dem Leben (Ätherleib) stammt und außerdem Bewusstseins-Elemente (Astralleib/Stickstoff) enthält und in den mineralischen Zustand übergehen kann. Diese Bedingungen erfüllt nur eine einzige Substanz, die Harnsäure. Der Zucker z.B. kann wohl kristallisieren, ist aber so leicht löslich, daß er innerhalb des Organismus nicht kristallisieren kann. Alle Eiweiße können zwar ebenfalls in den toten Zustand übergehen, dann aber verhärten sie (z.B. Haare, Nägel), ohne zu kristallisieren. (Dass die ‚Mikrokristalle‘ der Aminosäuren und Enzyme oder der Fette in diesem Sinne keine wirklichen Kristalle sind, wurde im entsprechenden Kapitel ausführlich dargestellt.) Somit kann man sagen: Harnsäure ist das funktionelle Denksubstrat.“[9]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man darf gespannt sein, was eine solche bisher noch nicht vollständig durch valide Forschung verifizierte Arbeitshypothese in Zukunft noch für das Verständnis von Denken und Bewusstsein liefern wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[10]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27, S. 51.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Vgl. Wolff (2013), 280 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27, S. 51.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe FN 1, S. 56.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Siehe FN 1, S. 57.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Löffler (2022), 474. Vgl. auch Cicha (2022).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Vgl. Cicha (2022), 10 und 110, Harnsäurewerte und Einfluss auf die Kognition: 69 Publikationen wurden ausgewertet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Wolff (2013), 282f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== SILIZIUM UND WAHRNEHMUNGSFÄHIGKEIT ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist laut Rudolf Steiner und Ita Wegman die Grundlage aller Wahrnehmungsfähigkeit im menschlichen Organismus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sagt das Zuviel oder Zuwenig von Silizium im Gewebe aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann therapeutisch damit umgegangen werden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Gegenseitige Wahrnehmungsfähigkeit in der Natur&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Heute weiß man, dass Pflanzen mithilfe ihrer Wurzeln über weite Entfernungen miteinander kommunizieren können und dass es ganze Biotope gibt, die sich gegenseitig unterstützen und in gewisser Weise auch voneinander abhängig sind. &#039;&#039;Alexander von Humboldt (1769–1859)&#039;&#039; war einer der ersten, dessen Forschungen und Hypothesen sich in den Sätzen zusammenfassen lassen: &#039;&#039;„Alles ist in Wechselwirkung. Nichts steht für sich allein, ein gemeinsames Band umschlingt die ganze organische Natur.“[1]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So mutet es nahezu selbstverständlich an, wenn gesagt wird, dass auch Zellen miteinander kommunizieren und dass außer den vielfach schon bekannten Rezeptoren für Hormone, Botenstoffe und sonstige Transmittersubstanzen immer mehr Resonanz- und Signalübertragungsmöglichkeiten entdeckt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner und Ita Wegman beschreiben in Kapitel XIV von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[2]&#039;&#039; ebenfalls diese gegenseitige Wahrnehmungsfähigkeit der Organe untereinander: &#039;&#039;„Aber es ist doch der ganze menschliche Organismus von sich gegenseitig beeinflussenden Wahrnehmungen durchzogen und muss es sein, damit alles in ihm gesund zusammenwirkt.“[3]&#039;&#039; Die Tatsache, dass jedes Organ &#039;&#039;„außerdem, dass es dieser oder jener Funktion im Organismus dient, noch Sinnesorgan“ ist,[4]&#039;&#039; sehen die Autoren als Voraussetzung für die Gesundheit des Organismus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Rolle von Silizium im menschlichen Gewebe&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Therapeutisches Denken kann dadurch gelernt werden, dass man sich angesichts einer Pathologie immer auch die Frage stellt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Organfunktion nimmt eine andere zu wenig oder zu stark wahr?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wo kommt es zu einer zu starken Wahrnehmung und damit verbunden zu einer verminderten Wahrnehmung an einem anderen Ort?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grundlage für diese Fähigkeit der adäquaten Abgrenzung einerseits und notwendigen Sensibilität bzw. Wahrnehmungsfähigkeit andererseits ist laut Steiner und Wegman die feinst verteilte Kieselsäure im gesamten Organismus. Fakt ist, dass Silizium in Form der biologisch aktiven Kieselsäure in nahezu jeder Zelle vorkommt. In höherer Konzentration ist es da vorhanden, wo es bindegewebige Strukturen gibt oder eine gewisse Durchsichtigkeit gefragt ist, wie z.B. beim Auge. Bemerkenswert ist in dem Zusammenhang, dass im embryonalen Bindegewebe und bei jungen Kindern der Siliziumgehalt im Gewebe am höchsten ist und im Laufe des Älterwerdens insgesamt abnimmt. Daher wird auch daran geforscht, inwiefern sich bestimmte Formen der Alzheimererkrankung durch rechtzeitige Intervention mit kieselsäurehaltigen Präparaten bessern lassen und inwiefern vorbeugende Maßnahmen angezeigt sind.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Insgesamt besitzt der Organismus 1–2g Silizium, welches damit – neben Eisen und Zink – eines der häufigsten sogenannten Spurenelemente ist.[6] Allerdings kennt man nur bei den beiden erstgenannten deren konkreten biochemisch-physiologischen Wirkmechanismus. Dieser wurde im Hinblick auf die Kieselsäure aus naturwissenschaftlicher Sicht noch nicht entdeckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Gesunde Wahrnehmungsfähigkeit und das richtige Maß&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Es ist der Kieselsäure-Organismus, auf dem die gegenseitige Empfindlichkeit der Organe beruht, die wiederum einer gesunden Lebenstätigkeit zugrunde liegen. Es geht dabei auch um das richtige Verhältnis von&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Innenwahrnehmung&#039;&#039;&#039;, die Seelen- und Geist-Entfaltung betreffend&lt;br /&gt;
* und von &#039;&#039;&#039;Außenwahrnehmung&#039;&#039;&#039; der Naturwirkungen.[7]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesunde Wahrnehmung hängt auch mit einer klaren Entscheidung für ‚Mein‘ und ‚Dein‘, sowie für ‚Ich‘ und ‚Welt‘ zusammen. Dazu gehört&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* einerseits die Fähigkeit, sich klar abzugrenzen,&lt;br /&gt;
* andererseits aber auch sensibel zu bleiben für das Fremde, Andere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese doppelte Fähigkeit ist für die körperliche, seelische und geistige Integrität gleichermaßen notwendig. Sie ist tatsächlich Voraussetzung und Grundlage für Gesundheit in jeder Hinsicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber auch für die Kieselsäure gilt, was in Kapitel XI über die Harnsäure gesagt wird: Sie darf nicht in zu reichem Maße vorliegen. Gut ist, was von der Ich-Organisation vollumfänglich genutzt werden kann. Überschüssige Kieselsäuremengen müssen mithilfe der astralischen Organisation über den Harn oder auf anderen Stoffwechselwegen ausgeschieden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fragen zur Kieselsäure als Nahrungsergänzungsmittel&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Hauptquelle für die Zufuhr von Kieselsäure ist pflanzliche Ernährung. Denn es ist die Kieselsäure, die den Pflanzen eine biegsame Struktur verleiht. Besonders hervorgehoben sei hier der Bambus im asiatischen Raum, der bis zu 30 m hoch werden kann und etwa zu 70 % aus Kieselsäureverbindungen besteht. Der heimische Ackerschachtelhalm weist nur bis zu 10% Kieselsäureverbindungen auf – dafür aber in einer besonderen Form, nämlich nicht als Kieselsäurekristalle, sondern in kolloidaler Opal-Struktur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man jedoch die Kieselsäure als Nahrungsergänzungsmittel einnimmt, sollte man dies immer im Zusammenhang mit einer Mahlzeit tun, da die Kieselsäure am besten aufgenommen wird, wenn sie fein verteilt in der Nahrung vorkommt. Wer nun aber meint, schütterem Haar, schlaffer Haut oder brüchigen Nägeln durch die Einnahme von Kieselsäure beizukommen, sieht sich in der Regel getäuscht. Es ist eben dies genau die Frage:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Genügt es, eine Substanz zu essen, von der man meint oder weiß, dass sie einem an einem bestimmten Ort fehlt oder muss man nicht viel eher danach fragen, wie bzw. auf welchen Wegen diese Substanz dorthin kommt, wo der Mangel herrscht, und wo vielleicht andernorts zu viel davon vorhanden ist?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und was man tun muss, damit hier eine Regulation stattfinden kann und grundsätzlich die Wahrnehmungsfähigkeit der Organe untereinander unterstützt wird, so dass ein ‚Zuviel‘ oder ‚Zuwenig‘ wahrgenommen und ausgeglichen werden kann?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um diese Fragen geht es in Kapitel XIV, sowie um entsprechende therapeutische Antworten. In Absatz 8–14 werden zudem verschiedene Symptome geschildert, an denen ärztlicherseits ein ‚Zuviel‘ oder ‚Zuwenig‘ erkannt werden und in welcher Form die Kieselsäure therapeutisch eingesetzt werden kann.[8] Dabei kommt auch hier einer Schwefelkur eine besondere Bedeutung zu, wie das schon in Kapitel XIII angeführt wurde, weil dadurch „&#039;&#039;die Verteilung der&#039;&#039; &#039;&#039;lokalisierten Kieselsäurewirkung auf den ganzen Organismus“[9]&#039;&#039; gefördert werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[10]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. A. von Humboldt (1803), 27r.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27, Kapitel XIV.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Ebenda, S. 70.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. Gillette-Guyonnet u. a. (2007), 119–124.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Vgl. Ternes (2013); Voronkov u. a. (2022).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Vgl. FN 2, S. 70.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Siehe auch die Ausarbeitungen und Indikationen im Vademecum, bei Anthromedics und im Archiv des Merkurstabs, die eine Fülle therapeutischer Erfahrungen beinhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. FN 2, S. 72.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== SINNES- UND TATENMENSCH ALS INSTRUMENTE DES ICH ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern sind die Sinne und die Gliedmaßen des Menschen Kontaktorgane?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann Schule die Kontaktfähigkeit ihrer Schüler verstärken?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie schult man die eigene Intuitionsfähigkeit?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zweifacher Kontakt mit der Umgebung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der physische Leib tritt auf zweierlei Art mit seiner Umgebung unmittelbar in Kontakt:  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Einmal über die &#039;&#039;&#039;Sinne(sorgane)&#039;&#039;&#039;, durch die die leibfreien Wesensglieder wie hi­naus­gehen und wahrnehmen. &lt;br /&gt;
* Zweitens dienen die &#039;&#039;&#039;Gliedmaßen&#039;&#039;&#039; als Instrumente der Kontaktaufnahme. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann auch sagen, die Kontaktaufnahme geschieht über die Anschauung und die Tat – insofern spreche ich von Sinnes- und Tatenmensch. Das ist aber nicht das Gleiche wie die Einteilung in Nervensinnessystem und Stoffwechsel-Gliedmaßensystem als Teile der Drei­gliederung. Der Sinnes- und der Tatenmensch werden hier als Instrumente des Ich betrachtet, durch das die Drei­glie­derung als Dreiheit in der Einheit verbunden bleibt. Wir fallen nicht pathologisch bzw. psy­chotisch in Denken, Fühlen und Wollen auseinander, sondern wir sind trotz all unserer unterschiedlichen Schwerpunkte in der La­ge, das System als Gesamtheit zusammenzuhalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Gestörter Kontakt zur Sinneswelt&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Setzt sich einer der drei Bereiche des dreigegliederten Organismus durch, so äußert sich das  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* entweder als &#039;&#039;&#039;Angst&#039;&#039;&#039;, die mit dem Bewusstsein assoziiert ist&lt;br /&gt;
* oder als &#039;&#039;&#039;Aggression und Wut,&#039;&#039;&#039; die mit dem Stoffwechsel assoziiert sind&lt;br /&gt;
* oder als &#039;&#039;&#039;Klammern&#039;&#039;&#039; an der Mama oder anderen Menschen aufgrund von Einsamkeit und Sich-vernachlässigt-Fühlen, Sich-allein-Fühlen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In allen drei Fällen haben die Betroffenen einen gravierend gestörten Kon­takt zur Um- und Mitwelt. Sie tun meist nur, was sie wollen, anstatt das, was sie sollen. Dieses Verhalten zeigt, dass das Verhältnis zur Welt wie auch zum eigenen Willen gestört ist. Das ist alles Ausdruck einer primären Ich-Inkar­nationsstörung, d.h. das Ich konnte sich nicht um das ganze System kümmern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Prävention und Therapie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Als Prävention und Therapie sind die Sinne über künstlerisches Üben bzw. anschaulichen, bildhaften, charakterisierenden, künstlerisch gestalteten Unterricht anzusprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Anschauung vertiefen und kultivieren (Sinnesmensch) ====&lt;br /&gt;
Bei Verhaltensstörungen und Schwierigkeiten in der Unterstufe, sagt Rudolf Steiner, solle der Lehrer eine sinnige Geschichte erzählen, in der er genau die Verhaltensstörungen der Kinder aufgreift und ins Bild bringt und so den Kindern vor Augen stellt, wodurch das völlig freie unschuldige Ich die Situation anschauen und daraus heilende, ordnende Botschaften empfangen kann, die es dann über das Denken, Fühlen und Wollen auf die anderen Wesensglieder überträgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch alles Kognitive soll über die Sinne vermittelt werden, weil über den Weg von der Eins (Ich-Aktivität) in die Drei (Denken, Fühlen und Wollen) die Zusammenhaltekraft unterstützt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Gliedmaßenmensch schulen (Tatenmensch) ====&lt;br /&gt;
Die zweite Hauptaufgabe besteht in der Schulung des leibfreien Willens durch eine Locke­rung der Ich-Organisation aus den Gliedmaßen insbesondere durch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gymnastik,&lt;br /&gt;
* Heileurythmie&lt;br /&gt;
* Eurythmie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner sagt, die gesamte Zukunftsentwicklung des Menschen hänge davon ab, dass sich die Ich-Organisation aus den Gliedmaßen herauszulösen und immer mehr mit der Umgebung zu verbinden lernt. Diese Willensverbindung mit dem anderen nennen wir In­tuition.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Intuition über Nacht&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Um mit den Schülern an den erforderlichen Fähigkeiten arbeiten zu können, um zu wis­sen, was sie brauchen, müssen Lehrer und Schularzt über therapeutische bzw. päda­gogische Intuition verfügen. Dieser leibfreie, tief unbewusste Willen hat nichts mit dem Astralleib zu tun (der ihn bewusst machen könnte). Er ist reine Ich-Kraft, reine Halte­kraft, reine geistige Präsenz. Wenn wir durch diese Kraft auch unserem Denken und Fühlen Orientierung geben – weil das Ich einheitlich gestaltend wirkt – dann kann dieser aus den Gliedmaßen gelöste freie Wille als Intuitionskraft einen wirklichen Kontakt herstellen zu den Kindern, Eltern und Lehrern – und die unmittelbaren Botschaften dieser Menschen aufnehmen. Rudolf Steiner sagt, wir könnten uns in diese Richtung entwickeln, wenn wir mit dem Gebet in die Nacht gehen: &#039;&#039;„Nicht mein, sondern dein Wille geschehe!“&#039;&#039;[1] Fragen wir zudem die Betreffenden im Geiste: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie muss ich mich verhalten, dass es besser wird mit dir?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was muss ich dir geben, was brauchst du von mir?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wird die Antwort am nächsten Morgen im Bewusstsein aufleuchten, weil sich das Ich über Nacht in den Kosmos hinausbegeben und mit den Engeln geredet hat. Wenn es sich da­nach wieder mit dem Körper verbindet, prägt sich die mitgebrachte intuitive Botschaft dem Denken ein. Man hat dann, wenn man Glück hat, einen Einfall, ein Bild und weiß plötz­lich, was zu tun ist, was für diesen Menschen und diese Situation richtig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles in diesem Zusammenhang kompliziert Erscheinende, auch das Rätsel, wie man an diese intuitive Schicht herankommt, wird verständlich, wenn man Dreigliederung und Viergliederung im Zusammenhang betrachtet. Wenn man versteht, wie Intuition men­schen­kundlich zustandekommt, kann man sie übend viel bewusster handhaben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag „Schulabsenz und die Gründe dafür“, Schulärztetagung 2014&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Neues Testament, &#039;&#039;Lukas&#039;&#039; 22, 42.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE METAMORPHOSE DER WACHSTUMSKRÄFTE IN GEDANKENKRÄFTE ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist unter der Metamorphose der Wachstumskräfte in Gedankenkräfte gemeint?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wann und wo vollzieht sich diese Verwandlung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Denkkräfte sind verfeinerte Wachstumskräfte&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Diese im Ätherleibe wirksamen Kräfte betätigen sich im Beginne des menschlichen Erdenlebens&#039;&#039; – &#039;&#039;am deutlichsten während der Embryonalzeit&#039;&#039; – &#039;&#039;als Gestaltungs- und Wachstumskräfte. Im Verlaufe des Erdenlebens emanzipiert sich ein Teil dieser Kräfte von der Betätigung in Gestaltung und Wachstum und wird Denkkräfte, eben jene Kräfte, die für das gewöhnliche Bewusstsein die schattenhafte Gedankenwelt hervorbringen.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Es ist von der allergrößten Bedeutung zu wissen, dass die gewöhnlichen Denkkräfte des Menschen die verfeinerten Gestaltungs- und Wachstumskräfte sind. Im Gestalten und Wachsen des menschlichen Organismus offenbart sich ein Geistiges. Denn dieses Geistige erscheint dann im Lebensverlaufe als die geistige Denkkraft.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und diese Denkkraft ist nur ein Teil der im Ätherischen webenden menschlichen Gestaltungs- und Wachstumskraft. Der andere Teil bleibt seiner im menschlichen Lebensbeginne innegehabten Aufgabe getreu. Nur weil der Mensch, wenn seine Gestaltung und sein Wachstum vorgerückt, das ist, bis zu einem gewissen Grade abgeschlossen sind, sich noch weiter entwickelt, kann das Ätherisch-Geistige, das im Organismus webt und lebt, im weiteren Leben als Denkkraft auftreten.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;So offenbart sich der imaginativen geistigen Anschauung die bildsame (plastische) Kraft als ein Ätherisch-Geistiges von der einen Seite, das von der anderen Seite als der Seelen-Inhalt des Denkens auftritt.“&#039;&#039;&#039;[1]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner beschreibt weiter, wie sich auch Astralleib und Ich-Organisation entsprechend der Metamorphose der Wachstumskräfte in Gedankenkräfte im Zuge von Wachstum und Entwicklung aus dem physischen Leib heraus „metamorphosieren“ und frei werden für die Seelentätigkeiten von Fühlen und Wollen. Sie tun dies „auf den Bahnen des Ätherischen“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ort der Herauslösung der Ätherkräfte&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;An welchem Ort aber kann diese Herauslösung stattfinden?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt nur ein Organ, in dem das strömende Blut als Träger der vier Ätherarten zum Stillstand kommt und der Ätherkraft dadurch die Möglichkeit gibt „zu sterben“, d.h. aus dem physischen Lebenszusammenhang herauszugehen: &#039;&#039;&#039;das Herz&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende der Diastole, in der sogenannten „Diastase“, tritt ein winziger Moment ein, in dem jede Fließeinheit des strömenden Blutes zum vollständigen Stillstand kommt, bevor die Austreibungsphase der systolischen Herzbewegung beginnt. Unser bewusstes Seelenleben wird sozusagen aus dem Herzensgrund heraus geboren,[2]&amp;lt;sup&amp;gt;, [3]&amp;lt;/sup&amp;gt; am Gehirn reflektiert und dann mehr oder weniger frei, bewusst und „herzlich“ gehandhabt. Das „Denken mit dem Herzen“ hat diesen besonderen physiologischen Bezug: Wenn das, was gedacht wird, „zu Herzen“ geht und von dort herzlich weiterwirkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Raphael und die Mysterien von Krankheit und Heilung“, Medizinische Sektion am Goetheanum 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen.&#039;&#039; GA 27, Dornach 1991, S. 12-13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Medizinische Sektion am Goetheanum (Hrsg.), &#039;&#039;Meditationen zur Herztätigkeit gegeben von Rudolf Steiner.&#039;&#039; Dornach 2014.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Christoph Rubens, Peter Selg (Hrsg.), &#039;&#039;Das menschliche Herz, Kardiologie in der Anthroposophischen Medizin,&#039;&#039; Arlesheim 2014.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== UNSER SEELENLEBEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist unter Seele zu verstehen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sind charakteristische Merkmale der menschlichen Seele?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Seele als Innenraum mit beweglichen Grenzen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Was unsere Seele ausmacht, können wir nur durch Beobachtung des eigenen Innenlebens erschließen. Unsere Seele ist gleichsam ein in sich geschlossener Innen­raum, in dem sich jeder für sich allein bewegt und der sich von dem aller anderen unterscheidet. So gesehen, ist die Seele der Lebensraum unserer Persönlich­keit. Er kann sich weiten oder eng werden, je nach unseren Lebensumständen und wie wir damit umgehen. Er kann in der Depression so zusam­menschrumpfen, dass wir nur noch uns selbst erleben und kein Interesse und keine Anteilnahme an der Welt mehr aufbringen können. Umgekehrt kann er im Zustand voller seelischer Gesundheit so weit werden wie die Welt. Wir können die Probleme um uns herum wahr- und ernstnehmen, und in uns seelisch bewegen. Der Seelenraum ist dann so weit, wie unser Bewusstsein reicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Mensch, der sich für viele und vieles interessiert, hat in der Re­gel keine Zeit, über ein ge­wisses Maß hinaus persönliche Probleme zu bewegen. Er kann es sich nicht lei­sten über Unangenehmes zu brüten, damit zu hadern, darüber unzufrieden zu sein. Er wird nicht allzu viel Energie ins Grübeln über die eigene Befindlichkeit investieren. Das geschieht aber umso mehr, je enger und selbstbezogener der eigene Seelenhorizont ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere Seele ist demnach immer in Bewegung und hat keine endgültigen Grenzen. Sie ist unser persönliches Erlebnisfeld, das von Gesundheit und Krankheit, von den jeweiligen Lebensum­ständen, sprich, von unserem Schicksal, stark geprägt wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Bewusstes Gestalten des Seelenraumes&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aber eines müssen wir uns klarmachen: Unsere Persönlichkeit braucht diesen seelischen Lebensraum. Unser Lebensglück hängt davon ab, ob wir lernen, diesen Raum bewusst selbst mitzugestalten und ihn nicht nur durch Einflüsse von außen bestimmen zu lassen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie ist ein solches Mitgestalten möglich?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Seelen­raum leben unsere Gedanken, Wünsche, Erinnerun­gen, Erfahrungen, unsere Lebensmotive, Gefühle und Wil­lensintentionen. Eine Fülle von Empfindungen, Gefühlen, Trieben und Absichten hängt mit unserem Körper zusammen. Wenn wir z.B. hungrig sind und Lust auf dieses und jenes haben, wonach unser Körper verlangt, wird ein großer Teil unseres Seelenlebens unmittelbar davon geprägt. D.h. sehr viele Seelenregungen entstammen Bedürfnissen, die wir eindeutig als leib­gebunden empfinden. Dazu gehört z.B. auch, dass, wenn wir einen schweren Durchfall haben, wir uns seelisch schlapp und lustlos fühlen. Oder dass wir, wenn wir sehr müde sind, uns plötz­lich nicht mehr so engagieren können, einfach weil wir nicht mehr dazu in der Lage sind, weil wir „kaputt“ sind. Derartige Er­fahrungen führen dazu, dass manche Menschen meinen, das Seelenleben an sich wäre leibge­bunden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beschäftigt man sich jedoch intensiver mit dem eigenen See­lenleben, merkt man, dass das nicht stimmt. Beim Tier ist die Leibge­bundenheit außerordentlich stark, weil die Verhaltensmuster innerhalb einer Gattung einander ähnlich sind und bleiben. Gerade das ist beim Menschen völlig anders: Er kann sich an jede neue Umgebung anpassen, kann immer neue Lernprozesse in Angriff nehmen. Wir Menschen haben nicht nur unbegrenzte Anpassungsmöglichkeiten an die Umgebung, sondern auch unbegrenzte Möglichkeiten uns zu distanzieren, uns innerlich abzugrenzen – auch von uns selbst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manche Menschen haben eine krumme Nase oder schielen und haben deswegen ihr ganzes Leben lang Komplexe. Sie schaffen es nicht, sich innerlich mit einer körperlichen Eigenheit abzufinden. Dann wiederum gibt es andere, die sich bis etwa Mitte zwanzig noch krause Locken wünschen oder auch beim Friseur machen lassen – bis sie sich mit ihrem So-Sein identifizieren können bzw. sich innerlich von dem äußeren Makel distanzieren. Gelingt es uns, eine ge­wisse Unabhängigkeit vom Körper zu gewinnen, quasi die eigene Körperbezogenheit in dieser Hinsicht zu verringern, dann gewinnen wir eine viel freiere Einstellung uns selbst und anderen Menschen gegenüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl.&#039;&#039; &#039;&#039;Vortrag, „Die männliche und weibliche Konstitution“, 1987&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== SEELENLEBEN, ERZIEHUNG UND KÖRPERBAU ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern wird unser Seelenleben von unserer Erziehung bzw. von unserem Körperbau bestimmt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worin liegt der Freiraum, das eigene Schicksal mitzugestalten?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Individuelle Möglichkeiten der Mitgestaltung     &#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wir Menschen haben nicht nur unbegrenzte Anpassungsmöglichkeiten &#039;&#039;an&#039;&#039; die Umgebung, sondern auch unbegrenzte Möglichkeiten uns zu distanzieren, uns innerlich abzugrenzen – auch von uns selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich hängt sehr viel von der Erziehung ab. Wem ständig eingeredet wurde, dass er zu dick ist oder dies und das nicht so ist, wie es sein sollte, wird ziemlich lange von einem solchen Trauma bestimmt werden. Ganz anders ein Mensch, dessen Blick früh auf wesentliche, über das Persönliche hinausgehende Dinge gelenkt worden ist, und der so angenommen wurde, wie er war. Im Krieg gab es oft Menschen, die um anderer willen lange Zeit Hunger ertragen konnten. Andere wiederum waren so verzweifelt oder selbstbezogen, dass sie ihr eigenes Kind aussetzten, um selber satt zu werden. In solchen Situationen treten gewaltige Unterschiede zutage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es hängt sehr stark von den eigenen Erfahrungen und Erlebnis­sen und vom persönlichen Entwicklungsstand ab, inwieweit das Seelenleben als vom Körper bestimmt oder als von ihm auf unterschiedliche Weise beeinflusst erlebt wird. Das ist auch richtig so – jeder Mensch hat das Recht auf sein eigenes Entwicklungstempo. Keinem kann ein Vorwurf dar­aus gemacht werden, dass er „noch nicht weiter ist“. Und die Tatsache, dass es Menschen gibt, die anders oder auch reifer sind als man selbst, sollte lediglich Ansporn sein, sich in dieser oder jener Richtung selber auf den Weg zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Schicksal mitgestalten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Sich über bestimmte Verhaltensweisen ande­rer moralisch zu entrüsten, bedeutet einen Rückschritt in der eigenen Entwicklung – und der Verurteilte wird dadurch auf seinem Weg nicht weitergebracht. Den Weg der Entwicklung muss jeder selber gehen. Dass wir einander dabei nur selten etwas abnehmen können, ist bisweilen schwer zu ertragen. Andererseits beruht unsere Freiheit gerade darauf, dass wir dazu aufgerufen sind, unser Schicksal mitzugestalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenfassend können wir sagen, der Leib begrenzt das Seelenleben in einer charakteristischen Weise:[1] In einem zarten Körper lebt es sich anders als in einem stämmigen oder schweren Körper. In einem Körper, der starken Trieben unterworfen ist, lebt es sich seelisch anders als in einem Körper, dessen Organ­funktionen in Harmonie miteinander stehen, sodass kein starker Triebdruck entsteht. Aber auch hier ist es so, dass der Mensch im Laufe seines Lebens sehr viel, bis ins Kör­perliche herein, aus eigener Kraft an sich selbst verändern kann, ja selbst bis in seine Organfunktionen hinein. Ein ganz großer Irrtum ist es zu meinen, so wie man ist, müsse man sein gan­zes Leben lang bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl.&#039;&#039; &#039;&#039;Vortrag, „Die männliche und weibliche Konstitution“, 1987&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Theosophie,&#039;&#039; aus Kapitel &#039;&#039;Leib. Seele und Geist,&#039;&#039; GA 9.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ZWÖLF SINNESFUNKTIONEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Möglichkeiten eröffnen uns die zwölf von Rudolf Steiner beschriebenen Sinnesfunktionen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zwölf Sinnesmodalitäten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der anthroposophischen Menschenkunde werden zwölf Sinnesmodalitäten beschrieben.[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.    Der &#039;&#039;&#039;Tastsinn&#039;&#039;&#039; vermittelt &#039;&#039;Selbsterleben an der Körpergrenze&#039;&#039; und Geborgenheit durch Berührung und Körperkontakt; aus beidem resultiert Existenzvertrauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.    Der &#039;&#039;&#039;Lebenssinn&#039;&#039;&#039; vermittelt &#039;&#039;Behaglichkeits- und Harmonieerleben&#039;&#039; und ein Empfinden dafür, ob die Vorgänge im eigenen Körper, aber auch diejenigen, die im Umkreis wahrgenommen werden, zusammenstimmen oder nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3.    Der &#039;&#039;&#039;Eigenbewegungssinn&#039;&#039;&#039; vermittelt die &#039;&#039;Wahrnehmung der eigenen Bewegung&#039;&#039;; daraus erwächst das Erlebnis von Freiheit und Selbstbeherrschung als Folge der freien Beherrschung des Bewegungsspiels.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4.    Der &#039;&#039;&#039;Gleichgewichtssinn&#039;&#039;&#039; vermittelt das &#039;&#039;Erleben der Lage im Raum&#039;&#039;, des jeweiligen Gleichgewichtszustands und der damit verbundenen Fähigkeit, den Gleichgewichtspunkt auch zu empfinden – was zum Erleben von innerer Ruhe führt. Die spätere Fähigkeit, innere Ruhe, seelisches Gleichgewicht zu üben, hat darin ihre Empfindungsgrundlage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5.    Der &#039;&#039;&#039;Geruchssinn&#039;&#039;&#039; vermittelt &#039;&#039;Verbundenheit mit den Duftstoffen&#039;&#039;, begleitet von starker Sympathie oder Antipathie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6.    Der &#039;&#039;&#039;Geschmackssinn&#039;&#039;&#039; vermittelt die &#039;&#039;Qualitäten süß, sauer, salzig, bitter&#039;&#039; und, zusammen mit dem Geruchssinn, von differenzierten Geschmackskompositionen, begleitet von starkem Sympathie- oder Antipathieerleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7.    Der &#039;&#039;&#039;Sehsinn&#039;&#039;&#039; vermittelt &#039;&#039;Licht- und Farberleben&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;8.    &#039;&#039;Der &#039;&#039;&#039;Wärmesinn&#039;&#039;&#039; vermittelt &#039;&#039;Wärme- und Kälteerleben.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9.    Der &#039;&#039;&#039;Hörsinn&#039;&#039;&#039; vermittelt &#039;&#039;Tonerlebnisse&#039;&#039; &#039;&#039;und erschließt das Erleben des seelischen Innenraums&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10.  Der &#039;&#039;&#039;Wortsinn&#039;&#039;&#039; vermittelt &#039;&#039;Gestalt- und Physiognomie-Erleben&#039;&#039;, bis hin zum Erfassen der Lautgestaltung eines Wortes und seiner Eigenbedeutung. Zum Beispiel sagt „Ljubow“ etwas anderes aus über das Wesen der Liebe als „Amour“, „Amore“ oder „Love“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
11.  Der &#039;&#039;&#039;Gedankensinn&#039;&#039;&#039; vermittelt unmittelbares &#039;&#039;Sinnerfassen eines Gedankens&#039;&#039; beziehungsweise eines Gedankenzusammenhanges.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
12.  Der &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Ich-Sinn&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; vermittelt die &#039;&#039;Wesenserfahrung eines anderen Ich&#039;&#039;. Er ermöglicht die Wahrnehmung der geistigen Kraftkonfiguration eines anderen Menschen und ein Erleben von dessen Wesensart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zweifaches Erleben über die Sinne&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Jede Sinneserfahrung beinhaltet immer ein zweifaches Erleben: das Erleben des Objektes – z.B. der Geruch einer Speise – und das Selbsterleben, Wohlgefühl oder Ekel, das dadurch ausgelöst wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Sinnesentwicklung und Leiberfahrung“ heißt das grundlegende Buch von Karl König, das er vor dem Hintergrund seiner therapeutischen Erfahrung als Arzt in der Heilpädagogik geschrieben hat.[2] Es hängt in hohem Maße vom Gebrauch der Sinne ab, insbesondere in den ersten Lebensjahren, ob sich die Leiberfahrung so gestaltet, dass der sich entwickelnde Mensch daran in umfassender Weise sich selbst erleben und „sich finden“ kann oder ob durch Defizite in der Sinneserfahrung diese Selbsterfahrung nur eingeschränkt möglich war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Begabungen und Behinderungen“, 8. Kapitel, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2004&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Anthroposophie. Ein Fragment aus dem Jahre 1910&#039;&#039;. GA 45, Dornach 1980, und Vortrag am 29. August 1919, in: &#039;&#039;Allgemeine Menschenkunde&#039;&#039; &#039;&#039;als Grundlage der Pädagogik.&#039;&#039; GA 293, Dornach 1992.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine ausführlichere Darstellung der zwölf menschlichen Sinnestätigkeiten und ihrer Pflege durch die Erziehung findet sich in Wolfgang Goebel / Michaela Glöckler: &#039;&#039;Kindersprechstunde.&#039;&#039; Stuttgart 1995.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Albert Soesman, &#039;&#039;Die zwölf Sinne –Tore der Seele.&#039;&#039; Stuttgart 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Karl König, &#039;&#039;Sinnesentwicklung und Leiberfahrung.&#039;&#039; Stuttgart 1997.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ATMUNG, KREISLAUF – GEFÜHLSLEBEN UND KUNST ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie hängen Gefühlsleben und Leibesentwicklung zusammen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Rhythmische Tätigkeit von Herz und Lungen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Blicken wir auf den Zusammenhang von Leib und Seele, so finden wir im Organismus zwei Organsysteme, die ein getreues Abbild der musikalisch-rhythmischen Qualität des Gefühlslebens sind: Atmung und Kreislauf. Herz und Lungen sind unentwegt von der Geburt bis zum Tod rhythmisch tätig. Sie vermitteln durch Spannung und Entspannung, Betätigung und Ruhe unausge­setzt zwischen Selbst und Welt (Atmung) sowie zwi­schen Körperzentrum und Körperperipherie (Herz).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher erstaunt es nicht, dass jede Sinnesempfindung und jedes Gefühl auf Atmung und Herzschlag einen unmittelbaren Einfluss haben. Eine aufregende Nachricht lässt uns tief Luft holen und das Herz schneller schlagen. Unter Anspan­nung wechseln flache, schnelle und tiefe Atemzüge auf unharmonische Weise einander ab. In der Aufre­gung kann das Herz bis zum Halse klopfen und vor Schreck stol­pern, ja sogar fast „stehenbleiben“. Umgekehrt kann ruhiges, geführtes Atmen (z.B. beim Zahnarzt oder bei der Geburt) die Angst nehmen und die Schmerzen erträglicher machen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Gefühlsleben hängt mit den differenzierenden Wachstumskräften zusammen. Die Differenzierung von Geweben und Organen während der Embryonalentwicklung beruht auf bestimmten Proportionen und Zahlenverhältnissen, die ihrerseits wieder musikalisch darstell­bar sind.[1] Im Zusammenspiel von Herz- und Atemrhythmus fin­det die musikalische Konstitution des menschlichen Organis­mus ihr Zentrum. Werden die differen­zierenden Kräfte nach der Ausreifung des mittleren Systems leibfrei, bilden sie die Grundlage für die seelische Fähigkeit des Fühlens. D.h. das Erwachen und Erleben von Gefühlen ist an diese Organe genauso gebunden wie die Bildung und das Bewusstwerden von Gedan­ken an das Nervensystem. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Voraussetzungen für ein gesundes Gefühlsleben&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner hat diese Tatsache nach 30jähriger Forschung erstmals 1917 in seinem Buch „Von Seelen­rätseln“ beschrieben.[2] Will man einem Kind eine gute Lebensgrundgestimmtheit mit auf den Weg geben, so müssen die heranreifenden rhythmischen Systeme von Atmung und Kreislauf in gesunder Weise angeregt und unterstützt werden: Ein gesundes soziales Klima im Umkreis des Kindes, wie z.B. ein harmonisches Familienleben, bildet die wichtigste Voraussetzung. Folgt der Tageslauf einem gesunden Rhythmus, in dem Arbeit und Ruhe sich sinn­voll abwechseln, so kann beim Kind ein Gefühl von Gebor­genheit und Sicherheit entstehen. Es erlebt sich eingebettet in sinnvolle Zusammenhänge und wiederkehrende Ereignisse, auf die es sich verlassen und freuen kann, und mit denen es auch rechnet. Auf diese Weise ent­steht eine stabile Grundlage, um späteren Stress-Situationen gewachsen zu sein. Denn auf der Basis einer harmonischen Grundgestimmtheit lassen sich extreme Situationen leichter aushalten und ausbalancieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Künstlerischer Ansatz als Unterstützung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Gelingt es, Kinder in der Schule gefühlsmäßig zu erreichen und in jeder Unterrichtsstunde mit Spannung und Lösung zu arbeiten, Freudiges und Ern­stes zum Erlebnis zu bringen, so wird vonseiten der Erziehung das Notwendige getan, um regulierend und stimulierend auf die Ent­wicklung von Atmung und Kreislauf einzuwirken. Wo dies in der Kindheit nicht möglich war, stellen sich dem Erwachsenen unter Umständen schwere Aufgaben für die Selbsterziehung. Nur bei wenigen Menschen werden heutzutage in Familie und Schule die Voraussetzungen für einen aus­geglichenen Gemütszustand geschaffen. Meist muss lebenslang selbst daran gearbeitet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die künstlerischen Therapien können dabei eine große Hilfe sein. Denn in der Kunst haben wir es mit denselben Gesetzmäßigkeiten zu tun, nach denen der Leib gebildet ist:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;&#039;Gesetze des Lebendigen&#039;&#039;&#039;, des Wachsens, Ge­staltens und Bildens finden wir in &#039;&#039;Plastik und Architektur&#039;&#039; wieder.&lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;&#039;Gesetze, die dem Gefühlsleben zugrundeliegen&#039;&#039;&#039;, in &#039;&#039;Malerei und Musik.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Und die &#039;&#039;&#039;Gesetze des Willenslebens&#039;&#039;&#039; in &#039;&#039;Sprache und Eurythmie&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Kapitel&#039;&#039; „&#039;&#039;Wie sind Leib, Seele und Geist in Gesundheit und Krankheit verbunden?&#039;&#039;“, &#039;&#039;Elternsprechstunde, Verlag Urachhaus, Stuttgart&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. Armin Husemann, &#039;&#039;Der musikalische Bau des Menschen&#039;&#039;, Stuttgart 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Von Seelenrätseln&#039;&#039;, GA 21.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE SIEBEN LEBENSPROZESSE ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was versteht Rudolf Steiner unter den sieben Lebensprozessen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann man jeden einzelnen charakterisieren?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie lassen sie sich auf soziale Prozesse anwenden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Lebensprozesse auf allen Ebenen des Menschseins         &#039;&#039;&#039;                 &#039;&#039;&#039;&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ein Einzeller kann alles, ist omnipotent. Auch eine gesunde befruchtete menschliche Eizelle ist omnipotent: Sie ist sensibel, beweglich, kann sich ernähren, zeigt alle sieben Lebensprozesse. Die nachfolgend charakterisierten Lebensprozesse haben ihre Gültigkeit auf allen Ebenen des körperlichen, seelischen und geistigen Lebens, aber auch für die verschiedenen sozialen Prozesse. Ein sozialer Konflikt zeigt immer an, dass mindestens einer der Lebensprozesse in seiner Funktion nachhaltig gestört ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Öffnung, Atmung ====&lt;br /&gt;
Am Anfang allen Lebens steht die Öffnung gegenüber der Umwelt. Etwas Totes braucht kein Milieu und keinen Umkreis, aus dem es und für den es lebt. Wenn etwas ins Leben kommt, schafft es sich den Umkreis, den es braucht. Totes kann liegen, wo es will, für Millionen von Jahren, das stört niemanden. Etwas Lebendiges kann nur existieren, wenn ein Umkreis vorhanden ist, mit dem ein Wechselspiel von Aufnehmen und Abgeben stattfindet. Das macht alles Leben verwundbar. Leben ist ein offenes System, ist in Entwicklung, ist prozessual, hat einen Anfang und ein Ende. Leben fängt also mit dem Sich-Öffnen an. Wenn Ei und Sperma sich begegnen, ist die Ei-Oberfläche für einen Moment offen für das Sperma, es kann hinein und dann ist sie wieder geschlossen. Damit beginnt das Leben. Zur Öffnung gegenüber dem Umkreis gehören auch die Öffnungen der Sinne, die Atmung, die Ernährung. Nur wo geistige und soziale Offenheit herrscht, menschliche Offenheit, kann Leben gedeihen. Wir können nicht auf Dauer zumachen, den Atem anhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Wärmung, Anpassung ====&lt;br /&gt;
Den zweiten Prozess nennt Rudolf Steiner Wärmung, das Anwärmen, warming-up. Es ist ein Prozess des Warmwerdens mit den Gegebenheiten. Gelingt die Anpassung nicht, das Warm-Werden mit dem Aufgenommenen, fühlt sich der Organismus belastet und kann erkranken. Z.B. erkältet man sich, wenn man die Atemluft nicht genügend anwärmen kann, bevor sie weiter in den Körper eindringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Ernährung ====&lt;br /&gt;
Wenn man mit dem Aufgenommenen warm geworden ist, fängt die Ernährungsarbeit an. Diese ist an Verwandlungsprozesse geknüpft. Ernährung bedeutet immer auch Zerstörung des Gewordenen, um dem Werdenden oder auch einem anderen Wesen in seinem Lebenszusammenhang zu dienen, damit es zu etwas Neuem werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Sonderung, Entscheidung, Ausscheidung ====&lt;br /&gt;
Wenn Ernährung stattgefunden hat, kommt der Punkt, an dem sich die Frage stellt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was muss behalten werden, was ist weiter zu gebrauchen, und was muss wieder ausgeschieden werden?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Entscheidung steht an, physiologisch gesehen die Ausscheidung. Sonderung ist im Seelischen die Entscheidung zwischen Ja oder Nein. Das ist ein ganz wichtiger Lebensprozess, vor allem im Sozialen – aber auch im Denken, wenn ich entscheiden muss, ob etwas für mich stimmt oder nicht, ob man in einer Art und Weise weitermachen soll oder nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Selbsterhaltung ====&lt;br /&gt;
Fünf ist die Zahl der Krise, da bleiben die Prozesse oft stecken. Denn der fünfte Prozess – Selbsterhaltung – ist im Grunde wunderschön: Jetzt hat man alles, was man braucht, man ist stark, keiner kann einen so schnell umschmeißen. Man ist abgesichert, hat Haus und Garten, ein Auto, Geld, eine Familie, eine Karriere. Eigentlich braucht man doch nichts mehr... und genau das verursacht die Krise. Man sollte sich fragen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Bin ich nur für mich und meinen Eigenbedarf da?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Genügt es, mich selbst zu versorgen, oder gibt es noch etwas anderes zu tun?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 6. Wachstum ====&lt;br /&gt;
Wachstum geschieht, wenn mehr gebildet wird, mehr angesammelt, als man für sich braucht. Das kann bis ins hohe Alter so gehen. So besteht z.B. der Patientenverband „Gesundheit aktiv“ zu fast 90 % aus Rentnern. Wir bekommen keinen jungen Nachwuchs, es ist ganz mühsam, noch Mitglieder zu werben. Doch diese rührenden Rentner, die zu 70 % wirklich kein Geld haben, spenden im Jahr 10 € oder 20 €. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überschusskraft zu haben bedeutet, dass man in der Lage ist zu schauen, wo man noch etwas unterstützen kann, wo man über sich hinauswachsen kann und der Mitwelt etwas mitgeben bzw. zurückgeben kann, um so seine Dankbarkeit und Lebensfreude zu zeigen. Wir können ja niemals für all das danken und all das zurückgeben, was wir im Laufe unseres Lebens bekommen haben. Da bleibt immer ein gewaltiger Rest an Geschenktem. Der Wachstumsprozess kann das ein bisschen ins Bewusstsein bringen, indem man überlegt, für wen oder für was man etwas übrighat, sodass anderes gefördert und entwickelt wird oder neu entstehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 7. Reproduktion ====&lt;br /&gt;
Der siebte Lebensprozess führt ganz in die Selbstlosigkeit: Reproduktion bedeutet unter diesem Aspekt, etwas vollkommen von sich abzulösen und gehen zu lassen. Physisches Urbild für den gesunden siebenten Lebensprozess ist das Durchschneiden der Nabelschnur. Der schmerzliche Schnitt bringt die Selbstüberwindung, die dafür nötig ist, ins Bewusstsein. Wenn man etwas aus sich heraussetzt, löst es sich los und man lässt es gehen – wie eine gute Mutter, die ihr Kind gehen lässt, ohne einen Vertrag mit ihm zu machen, wie viele Karten und Telefonanrufe kommen müssen, damit der junge Mensch – auch wenn er nicht mehr zuhause lebt – weiterhin ein gutes Kind bleiben kann. Man vermittelt ihm: „Du bist jetzt dein eigener Herr. Ich werden dir zwar noch helfen, bin aber nicht mehr der Bestimmer. Du hängst nicht mehr an meiner Nabelschnur.“ Das ist Reproduktion im Sinne des Zugestehens von Eigenwürde, des Ermöglichens von Eigenleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entartung der Lebensprozesse in zwei Richtungen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Alle Lebensprozesse können nach zwei Richtungen hin pathologisch entarten und aus dem gesunden Lebenszusammenhang aufgrund eines Zuviels oder Zuwenigs wie herausfallen. Gesundheit ist immer ein Sowohl-als-auch, ist ein labiles Gleichgewicht, ein ständiges Ringen – ist nie ein Entweder-Oder. Nimmt ein Pol überhand, wird etwas krankhaft. Der Mensch als Krisenwesen ist auf jeder Etappe seiner Entwicklung neu verwundbar und gefährdet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.    Eine &#039;&#039;&#039;Störung des Öffnungsprozesses&#039;&#039;&#039; liegt vor, wenn jemand zu offen bzw. zu verschlossen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.    Eine &#039;&#039;&#039;Störung des Anwärmungsprozesses&#039;&#039;&#039; liegt vor, wenn jemand sich zu stark anpasst bzw. sich gar nicht anpassen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3.    Eine &#039;&#039;&#039;Störung des Ernährungsprozesses&#039;&#039;&#039; liegt vor, wenn jemand zu viel bzw. zu wenig isst oder nimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4.    Eine &#039;&#039;&#039;Störung des Sonderungsprozesses&#039;&#039;&#039; liegt vor, wenn jemand immer alles wegwirft oder weggibt, aber auch, wenn man ein Messi[1] ist, nichts wegschmeißen kann und deshalb zwei Garagen voll mit Müll und Sachen hat, die einen sehr belasten, weil man gar keine Verwendung dafür hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5.    Eine &#039;&#039;&#039;Störung des Selbsterhaltungsprozesses&#039;&#039;&#039; liegt vor, wenn jemand nie mit sich zufrieden ist und immer das Gefühl hat, seine Leistung genüge nicht, wenn er nie echte Freude erleben kann über das, was er geschafft und erschaffen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6.    Eine &#039;&#039;&#039;Störung des Wachstumsprozesses&#039;&#039;&#039; liegt vor, wenn man keine Überschusskräfte entwickelt bzw. keine Dankbarkeit zu empfinden in der Lage ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7.    Eine &#039;&#039;&#039;Störung des Reproduktionsprozesses&#039;&#039;&#039; liegt vor, wenn jemand nicht in der Lage ist, etwas gehen zu lassen. Viele soziale Krankheiten rühren nur daher. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erleben wir die sieben Lebensprozesse in ihrer Pathologie, müssen wir sie z.B. im Rahmen der Therapie so handhaben, dass wir auf das gesunde Ideal blicken und entsprechend dem Ungesunden, Lebensfeindlichen gegenzusteuern versuchen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Lebensprozesse auf das Gedankenleben angewandt&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im Folgenden ein kleines konkretes Beispiel, das eigene Denken betreffend: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Jemand nimmt einen anthroposophischen Gedanken auf, &lt;br /&gt;
# arbeitet ihn durch, um damit warm zu werden,&lt;br /&gt;
# prüft, ob dieser Gedanke ihn ernährt oder nicht&lt;br /&gt;
# und sondert ihn aus, wenn er damit nichts anfangen kann.&lt;br /&gt;
# Wenn ja, macht er sich den Gedanken wirklich zu eigen und schaut, was er für das eigene Leben bedeutet. &lt;br /&gt;
# Mit der Zeit sammelt er Erfahrungen im Umgang damit, &lt;br /&gt;
# um schließlich herauszufinden, was er damit für die Welt tun kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophie möchte ja jeden individuellen Menschen ansprechen, der sich selbst zu verstehen versucht, der aber darüber hinaus auch das allen Gemeinsame, das Allgemein-Menschliche, erkennen möchte. Es geht eben um beides: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* um das Ganz-individuell-Werden &lt;br /&gt;
* und um das Über-sich-hinaus-Wachsen in das ganz Allgemeine.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag „Der Lebenssinn in Diagnostik und Therapie“, gehalten am 8. Januar 2016 an der Kunsttherapietagung&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Es gab auch einmal eine Tagung hier am Goetheanum über das Messi-Syndrom. Da zeigte sich, dass es in allen gesellschaftlichen Schichten und Weltanschauungen vorkommt. Es gibt auch Anthroposophen, die nichts wegschmeißen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== SCHWELLEN ZWISCHEN KÖRPER, SEELE UND GEIST ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Schwellen gibt es zwischen Körper, Seele und Geist?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Schwellen kennen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Es ist wichtig, die Schwellen zwischen dem Körper-, dem Seelen- und dem Geistesleben gut zu kennen. Physiologisch gesehen ist das Diaphragma, das Zwerchfell, eine solche Schwelle: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Alles,  was sich darunter befindet, hat mit unbewussten Vorgängen im Körper zu tun = &#039;&#039;&#039;Körperleben&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* Oberhalb des Zwerchfells kann der Mensch immerhin den Herzschlag und die Atmung     spüren, ist sich dieser Vorgänge ziemlich bewusst. Beide Systeme hängen eng mit dem &#039;&#039;&#039;Seelenleben&#039;&#039;&#039; zusammen.     &lt;br /&gt;
* In  seinem Denken, seinem Gedankenleben (= &#039;&#039;&#039;Geistesleben&#039;&#039;&#039;), ist man ganz be­wusst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Eine weitere Schwelle entdeckt man, wenn man begreift, dass die Gedanken sich nicht im Kopf befinden, sondern dass man sie &#039;&#039;um&#039;&#039; den Kopf herum wahrnehmen kann. Hellsichtige Menschen benützen das Wort &#039;&#039;&#039;„Aura“&#039;&#039;&#039; dafür. Gemäß der anthroposophischen Begrifflichkeit setzt sich die Aura aus unserem leibfreien Gedanken-, Gefühls- und Willenssystem zusammen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Meditativer Zugang zur Wärme“, Vortrag an der französischen Ärztetagung am Goetheanum, 13.03.2008&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== PHYSIOLOGIE DES EGOISMUS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern ist die Verdauung ein Bild für den Egoismus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Warum nennt Steiner die Verdauung als „Herd des Bösen“?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verdauung ist gesunder Egoismus&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Es gibt kein wahreres, stimmigeres Bild für den Egoismus als die Verdauung: Der physische Leib wird dadurch gebildet, dass die Natursubstanzen sich durch die Stoffwechseltätigkeit des Menschen verwandeln lassen in körpereigene Substanz. Der physische Leib des Menschen ist somit ein Ergebnis der verarbeiteten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* mineralischen&lt;br /&gt;
* tierischen&lt;br /&gt;
* pflanzlichen&lt;br /&gt;
* und, im Falle der Muttermilch, auch der menschlichen Welt. Denn auch die Muttermilch wird zerstört und in körpereigene Substanz umgewandelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das heißt, alle vier Naturreiche werden in einer Weise verarbeitet, dass jeder Mensch seinen eigenen Körper daraus aufbaut. Sprich: Eine gute Verdauung geht mit einer kompletten Zerstörung der Natur einher. Das ist reinster physiologischer Egoismus, den wir brauchen, um überhaupt leben zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verdauung als Herd des Bösen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Doch Rudolf Steiner nennt die Verdauung auch „Herd des Bösen“, denn in der Verdauung sind Kraft und Potential vorhanden, alles zu zerstören. Dem physiologischen Zerstörungsprozess des Verdauens verdankt der Mensch das instinktive Wissen, wie er die ganze Welt zerstören kann bzw. wie er perfide Waffen erfinden kann, die den „overkill“ umsetzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sprechen in der Medizin auch vom biologischen Ego mit all seinen Sensibilitäten, einemstraff organisierten System. Dazu gehört auch das Immunsystem mit seinen Immunbarrieren usw. Über die freiwerdenden Bildekräfte aus dem gesunden Ego-System der Verdauung, nachdem sie es gebildet haben, strahlt beim &#039;&#039;gesunden&#039;&#039; Kind Egoismus nun auch ins Seelische hinein, allerdings unbewusst, das wäre das Normale. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch Erlebnisse der Traumatisierung und Schädigung, durch jede Form der Ängstigung wird dieser normalerweise unbewusste Egoismus jedoch bewusst, weil sie das verwundbare Selbst angreifen. Dadurch wird der zunächst unbewusste Egoismus zunehmend verstärkt – mit leidvollen Auswirkungen für die betroffenen Kinder und ihr soziales Umfeld. Und auch für ihre Erzieher sind diese Kinder eine große Herausforderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob Erziehung zur Selbstlosigkeit gelingt oder nicht, hängt also von der Art ab, wie mit dem Kind vonseiten seiner Umwelt umgegangen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Ängste im Jugendalter und ihre Überwindung“,&#039;&#039; Vortrag auf der Schulärztetagung 2013&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== URSÄCHLICHER ZUSAMMENHANG VON ANGST UND DENKEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was hat das Denken mit Angst zu tun?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern sitzt uns Angst tatsächlich „in den Knochen“?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Angst als physiologisch-geistiges Phänomen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Unter jeder psychischen Krankheit liegt immer auch ein mehr oder weniger ausgeprägtes Angstpotential. Das liegt daran, dass unser Gefühlsleben angstdurchdrungen ist. Angst ist das Ergebnis einer „kosmischen Antipathie“, die unsere Knochen verdichtet,[1] die uns aber auch die Möglichkeit der Reflexion schenkt. Rudolf Steiner sagt in der &#039;&#039;„Allgemeinen Menschenkunde“&#039;&#039;[2]:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Das &#039;&#039;&#039;Gefühlsleben&#039;&#039;&#039; verdankt seine &#039;&#039;Sympathiefähigkeit&#039;&#039;, also alle positiven, sympathischen, offenen Gefühle, dem Willen, der Handlungsbereitschaft.&lt;br /&gt;
* Und es verdankt die &#039;&#039;Antipathie&#039;&#039;, also alle Angst, alles Zurückweisen, alle Impulse, anderes auf Distanz zu halten, dem &#039;&#039;&#039;Denken&#039;&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Denken und Reflexion als antipathische Vorgänge&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das Denkvermögen ist das Ergebnis der ätherischen Kräfte, mit denen der Mensch sich aus dem Makrokosmos herausgebildet hat, mit denen er den Körper bis hin zu den Knochen und Zähnen, dieser ganz dichten Materie, aufgebaut hat, und die, einmal leibfrei geworden, am Gehirn reflektiert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind allesamt rein antipathische Vorgänge:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* das Herausgesondert-Werden&lt;br /&gt;
* die Bildung von etwas Eigenem mit eigenen Grenzen&lt;br /&gt;
* das Freiwerden der grenzbildenden Kräfte aus dem Leib&lt;br /&gt;
* die Reflexion dieser Kräfte am Gehirn als unser Denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kompetenz zu reflektieren, zurückzuwerfen, Antipathie zu entwickeln usw. stellt eine grundlegende Bereitschaft der menschlichen Konstitution dar und ist ein völlig natürlicher funktionaler Prozess. Im seelischen Erleben treffen sich der &#039;&#039;sympathische Wille&#039;&#039; zuzupacken und das reflektierende &#039;&#039;antipathische Denken&#039;&#039; – das wird uns durch die Gefühlspolarität des Astralleibes bewusst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Hilfen im Umgang mit Angst im Schulalter&#039;&#039;“, Vortrag auf der Schulärztetagung 2013  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner sagt, der Großteil der Leibesangst säße im Knochen, weil er am stärksten mineralisiert sei. Er sagt sogar, Knochen bestünden aus kristallisierter Angst. Ahriman verdanken wir die mineralische Konstitution unseres Leibes und damit auch die Furcht. Denn die Kräfte, die unsere Organe bilden, treten später auch im Seelischen als Bildekräfte auf: Die organ- und auch knochenbildenden Kräfte strahlen quasi in das Seelische hinein. Das seelische Erleben von Angst ist also etwas ganz Natürliches und hat konstitutionelle Gründe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik.&#039;&#039; GA 293.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ZWISCHEN TIER UND MENSCH UNTERSCHEIDEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sind die wichtigsten Unterschiede zwischen Mensch und Tier?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worin sind sie begründet?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worin liegt der Sinn des menschlichen Andersseins?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Herausforderungen und Aufgaben sind damit verbunden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verwischten Unterschied neu erfassen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der prinzipielle Unterschied zwischen Mensch und Tier wurde als Folge der darwinistischen Evolutionstheorie in den letzten hundert Jahren zunehmend verwischt. Daher ist es wichtig, diesen Unterschied neu zu erfassen, wenn man den Menschen als einzigartiges „Wesen Mensch“ und nicht als Tier verstehen möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Tier ist es zwar möglich, sich individuell seelisch zu äußern – keine zwei Hunde gleichen sich in Bezug auf ihr Verhalten vollständig, auch wenn sie dem gleichen Wurf angehören –, aber es ist dennoch keinem einzigen Hund möglich, sich nicht wie ein regulärer Hund zu benehmen. In der tierischen Entwicklung fehlt der Faktor „individuelle Entwicklung“, der mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Offenheit&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Risikobereitschaft&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Scheitern-Können&#039;&#039;, was mit&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Aufgeben-Wollen&#039;&#039; einhergeht und in die&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Unberechenbarkeit&#039;&#039; der spezifisch menschlichen Existenz führt&lt;br /&gt;
* mit der ganzen typisch menschlichen &#039;&#039;Selbstfindungsproblematik&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* mitsamt ihren &#039;&#039;Identitätskrisen&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* und dem &#039;&#039;Erreichen des Nullpunktes&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus diesen menschlichen Schwächen erwächst, indem wir sie verstehen und überwinden, das enorme menschliche Potential, Mitschöpfer seiner Existenz zu sein. Das erfordert jedoch Entwicklungswillen, Arbeit an sich selbst, Selbstverantwortung und den Willen zur Freiheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht stellen wir Menschen uns deshalb gegenwärtig so gerne auf eine Stufe mit dem Tier, weil wir es insgeheim um seine fraglose Identität und um sein immer artgemäßes Verhalten beneiden. Die weisheitsvollen Gesetzmäßigkeiten der mineralischen Welt, der ätherischen Lebenszusammenhänge und der seelischen Verinnerlichungsmöglichkeiten kommen zwar in jedem einzelnen Tier-Individuum seinen Möglichkeiten gemäß auch individuell zum Ausdruck, immer auf instinktiv vollkommene und selbstverständliche Art und Weise. Kindheit, Jugend und Erwachsenwerden des Tieres werden von artgemäßen Instinkten bestimmt und können naturgegeben ausgelebt werden. Gerade diese instinktive Selbstverständlichkeit der Entwicklung, ist dem Menschen nicht gegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Lange Kindheit als Zeit für selbstbestimmte Entwicklung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Zoologe &#039;&#039;Friedrich Kipp&#039;&#039; ging in seinem Buch &#039;&#039;„Die Entwicklung des Menschen im Hinblick auf seine lange Jugendzeit“&#039;&#039; dem Unterschied zwischen Tier und Mensch evolutionsbiologisch nach.[1] Er zeigt auf, dass der Mensch eine im Vergleich zu den Säugetieren lange Kindheit und Jugend hat mit einer ausgedehnten Spiel- und Lernphase, wodurch seine Fähigkeit, sich lebenslang ändern und anpassen zu können, entscheidend unterstützt wird. Das zeigt: Der Mensch ist auf bewusste Selbstentwicklung hin veranlagt. Körperlich behält er im Vergleich zu den Tieren lange eine unspezialisierte, embryonal-kindliche Form bei. Dies hat zur Folge, dass Kinder, die sich ausgiebig bewegen und in hohem Ausmaß spielen und kreativ sein durften, in der Regel auch bis ins hohe Alter beweglich und schöpferisch bleiben. Je früher Kinder hingegen in Kindergarten und Schule konditioniert, verschult und damit festgelegt werden, umso größer ist die Gefahr, dass sie später wenig schöpferisch und sehr angepasst leben und früher alt und auch krank werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daran kann unmittelbar abgelesen werden, dass in den Menschen eine über das Tier hinausgehende, völlig andere Gesetzmäßigkeit hereinragen muss: Eine Gesetzmäßigkeit, durch die er gezwungen ist, die Verantwortung für seine Entwicklung selbst in die Hand zu nehmen, da er sie nicht seinen körpereigenen Instinkten überlassen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verwundbarkeit als Entwicklungsmerkmal&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die menschliche Entwicklung ist gekennzeichnet von einer größtmöglichen Offenheit und Verwundbarkeit. Alles, worauf das Tier sich weitestgehend verlassen kann, ist beim Menschen nicht von Natur aus gegeben: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* dass es die richtige Wahl der Nahrungsmittel trifft,&lt;br /&gt;
* dass es nicht zu viel und nicht zu wenig isst,&lt;br /&gt;
* dass es sich artgemäß fortpflanzt,&lt;br /&gt;
* dass sein Schlaf-Wachrhythmus geregelt ist,&lt;br /&gt;
* dass sein Sozialverhalten dem entspricht, was man von ihm erwartet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All das muss im Laufe des gesamten Lebens nicht nur errungen, sondern auch weiter ausgebildet, kultiviert und „vermenschlicht“ werden. Wie viele Arztbesuche würden entfallen, wenn es keine Ess-, Schlaf- und (sexuellen) Beziehungsprobleme gäbe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon eine so einfache Überlegung macht deutlich, wie revolutionär, wie dramatisch und grundsätzlich der Unterschied zwischen Mensch und Tier ist. Wenn beim Tier die Geschlechtsreife eintritt, ist sein artgemäßes Verhalten bereits gesichert, und es lebt individuell und sozial in geregelten Bahnen. Beim Menschen hingegen ist die Geschlechtsreife dadurch gekennzeichnet, dass alle noch so gutgemeinten erzieherischen Bemühungen aus den früheren Jahren fruchtlos erscheinen. Eigenes, Unerwartetes macht sich geltend – das ist ein wahrhaft revolutionärer Vorgang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entwicklungsoffenheit als Herausforderung und Chance&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Mit diesem Eigenen, Unerwarteten, mit dieser Entwicklungsoffenheit hängt aber auch all das zusammen, was besonderen Begabungen und Behinderungen zugrunde liegt. Und nur der Mensch muss lernen, mit Begabungen und Behinderungen zu leben und mit ihnen umzugehen, nicht jedoch die ihm seelisch verwandten Tiere. Man hat Skelette von wasserköpfigen Kindern gefunden, die aus der Steinzeit stammten, und hat daraus geschlossen, dass die Fürsorge für behinderte Kinder so alt ist, wie Menschen Behinderungen wahrnehmen und pflegen konnten. Ein behindertes Tier in der freien Wildbahn wird sehr bald vom ökologischen System „verarbeitet“: Es stirbt, weil es sich nicht ernähren und verteidigen kann – es wird aufgefressen, ihm kann nicht geholfen werden. So wird auch dafür gesorgt, dass schwerwiegende Behinderungen unter Tieren nicht weitervererbt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was könnte ein Tier auch in der Auseinandersetzung mit einer Behinderung gewinnen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da ihm das Selbstbewusstsein und die damit verbundene persönliche Betroffenheit fehlen, könnte es damit gar nichts anfangen. Es würde sinnlos leiden. Dem Tier ist es nicht gegeben, durch Leid und Schmerz Erfahrungen zu machen, die es in seiner Entwicklung weiterbringen. Denn es ist von Natur aus zur Vollkommenheit veranlagt. Das kann durch persönliche Anstrengung nicht noch weiter gesteigert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Leid und Schmerz als Lernhilfen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Gerade das ist beim Menschen grundsätzlich anders: Für ihn sind Leid und Schmerz Herausforderungen, denen er sich während seiner ganzen Entwicklung bewusst stellen muss und durch die er Erfahrungen machen kann und Einsichten gewinnen lernt, die durch nichts anderes zu gewinnen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Natur zeigt sich das Geistige – wenn es durch menschliche Eingriffe nicht gestört wird – wirksam in den weisheitsvoll aufeinander abgestimmten Regelkreisen der ökologischen Zusammenhänge. Krankheit und Behinderung treten hier nur am Rande als flüchtige Erscheinungen auf, da kranke Pflanzen bald zugrunde gehen, ebenso wie geschwächte und geschädigte Tiere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Pflanze und Tier erkranken, wenn die &#039;&#039;&#039;äußeren Lebensumstände&#039;&#039;&#039; ihrer Art nicht mehr entsprechen und wenn in irgendeiner Form nicht zu kompensierende Mangelerlebnisse auftreten, was Nahrung, Klima und – im Falle von Nutz- und Haustieren – deren nicht artgerechte Haltung betrifft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Demgegenüber besitzt der Mensch die Möglichkeit, mit Krankheiten und Behinderungen unter Umständen jahrzehntelang zu leben und umzugehen. Doch nicht nur das.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Beim Menschen treten zu diesen schädigenden Einflüssen von außen noch etwas hinzu: &#039;&#039;&#039;innere Krankheitsursachen&#039;&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kräfte, die beim Menschen als freie, seelisch-geistige Betätigungsmöglichkeiten in Erscheinung treten, entstammen ja Kraftzusammenhängen, die den Leib aufbauen und erhalten. Beim Tier offenbaren sich die entsprechenden Kräfte als leibgebundene instinktive Weisheit und artgerechtes Sozialverhalten. Irrtum und Missbrauch dieser Kräfte sind ausgeschlossen, indem sie der unbewussten Regelung durch das Naturgesetz unterliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ausgleich des Instinktdefizits durch Lernwillen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das ist beim Menschen anders. Er hat ein großes Instinktdefizit, einen Mangel an naturgegebener Weisheit, an automatisch regulierenden und stärkenden Kräften. Den Menschen stärkende Kräfte entspringen stattdessen dem Seelen- und Geistesleben, d.h. der Mensch kann und muss durch aktive Lernprozesse ersetzen, was ihm an Instinkten fehlt. Andererseits hat er dadurch die Möglichkeit, diese vom Leib emanzipierten seelischen und geistigen Entwicklungspotentiale zur Zerstörung von sich und anderen zu missbrauchen. Hiermit gemeint sind nicht nur &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die Schädigungsmöglichkeiten, die mit falscher Ernährung, zu wenig Schlaf, einer &#039;&#039;&#039;ungesunden Lebensweise&#039;&#039;&#039; und mangelnder Hygiene zusammenhängen,&lt;br /&gt;
* sondern vor allem diejenigen Schädigungsmöglichkeiten, die durch ein &#039;&#039;&#039;unwahres Denken, ein destruktives Gefühlsleben und durch fehlgeleitete Willenshandlungen&#039;&#039;&#039; zustande kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist ein langer Entwicklungsweg, bis man reif ist für den freien Gebrauch dieser Seelen- und Geisteskräfte. Die damit verbundenen Lernprozesse sind dadurch störanfällig, dass sich der Mensch geistig, seelisch und auch an Leben und Leib „irren kann“. Darin liegt ein tiefer Sinn. Denn wenn er den zuletzt in Form von Krankheit und Behinderung organisch gewordenen „Irrtum“ erlebt, kann er sich dadurch weiterentwickeln. Auch liegt etwas Trostreiches in dem Gedanken, dass man Fehler und Irrtümer selber als solche erleben und damit die Voraussetzungen schaffen kann, sie selbstständig zurechtzurücken und zu verwandeln. Unter diesem Gesichtspunkt erscheinen Begabung und Behinderung in einem völlig anderen Licht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verantwortung übernehmen für Entwicklung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Es wäre allerdings einseitig, aus dem Vorgebrachten den Schluss zu ziehen, hier tauche, nur mit neuen Begründungen, die alte Lehre wieder auf, dass Krankheit von Sünde und Fehlverhalten komme. Viel wesentlicher ist es, aus diesen Zusammenhängen die Frage abzuleiten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Woher kommen Begabungen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Woher kommen angeborene Fähigkeiten, Genialität?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Könnten sie nicht gerade das Ergebnis durchgemachter Behinderungen und Krankheiten in einem früheren Erdenleben sein?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir leben heute in einer Zeit, in der die Menschen zunehmend empfinden, dass sie selbst für ihre Gesundheit und ihre Entwicklung Verantwortung übernehmen müssen. Dafür sorgt nicht nur der sich anbahnende wirtschaftliche Zusammenbruch der Gesundheits- und Sozialsysteme, sondern auch, dass der Mensch sich immer stärker als auf sich selbst gestellt erlebt. Angesichts der vielfältigen Folgen menschlichen Handelns in der Natur, der Umwelt und im Wirtschafts- und Sozialleben erkennen wir, dass wir es letztlich selber sind, von denen wir und unsere Umwelt abhängen. Wir sind viel mehr mit den Folgen unserer Taten konfrontiert; sie werden vom Einzelnen viel stärker erlebt als dies noch vor vierzig, fünfzig Jahren der Fall war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Zukunft wird entscheidend sein, dass möglichst viele Menschen sich ihrer Verantwortung bewusstwerden und aus dieser Einsicht heraus energisch an einer Vermenschlichung der kulturellen Verhältnisse arbeiten. Auch wenn noch nie so viele Menschen auf der Erde gelebt haben wie gegenwärtig, kann man andererseits auch sagen, dass die Defizite an Menschlichkeit nie so stark in Erscheinung getreten sind wie im letzten Jahrhundert mit seinen endlosen Kriegen, Zerstörungen und epidemischen Zuständen von Unzufriedenheit, Depression und Verzweiflung. Und so ist es kein Wunder, dass sich viele Menschen aufgrund dieser Tatsachen wie an einer Schwelle erleben, an der sie wachgerüttelt werden, sich selbst zu erkennen. Viele empfinden auch eine gewisse Sehnsucht, sich ihre Mitverantwortung für das Ganze bewusst zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Begabungen und Behinderungen“, 5. Und 6. Kapitel, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2004&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. dazu Friedrich A. Kipp, &#039;&#039;Die Evolution des Menschen im Hinblick auf seine lange Jugendzeit&#039;&#039;, Stuttgart 1991, ferner: Wolfgang Schad, &#039;&#039;Säugetiere und Mensch&#039;&#039;, Stuttgart 1971.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Offenborn</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Ern%C3%A4hrung_und_Verdauung&amp;diff=1233</id>
		<title>Ernährung und Verdauung</title>
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		<updated>2026-01-06T14:28:28Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Offenborn: /* ZUCKERSTOFFWECHSEL UND DIABETES MELLITUS AUS SICHT DER AM */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= Ernährung und Verdauung – von Michaela Glöckler =&lt;br /&gt;
Auszüge aus Büchern und Vorträgen von [[Michaela Glöckler]]; Erstveröffentlichung auf https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= GRUNDLEGENDES ZUR ERNÄHRUNG =&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist wichtig zu beachten im Hinblick auf Ernährung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielen die Wesensglieder bei der Verdauung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist unter physischer, seelischer und geistiger Nahrung zu verstehen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Allgemeine Aspekte zur Ernährung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der anthroposophischen Ernährungstherapie kommen neben dem Fokus auf Inhaltsstoffe, Komposition und Schmackhaftigkeit der Nahrung weitere Aspekte in Betracht. Diese sind sowohl für eine gesunde Ernährung hilfreich als auch im Krankheitsfall. Sie ergeben sich aus der Betrachtung der menschlichen Konstitution:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Jahreszeitlich verfügbare Nahrungsmittel bevorzugen, möglichst frisch und schonend zubereitet&lt;br /&gt;
* Maßvoll und mit Genuss essen – in Dankbarkeit für den Erhalt des Lebens&lt;br /&gt;
* Nahrungsmittel aus artgerechter Pflanzen- und Tierhaltung und nachhaltig biologisch-dynamisch bewirtschafteter Boden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Beteiligung der Wesensglieder am Verdauungsprozess&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ernährung ist immer auch Transformation, Verwandlung. Alle vier Wesensglieder sind dabei beteiligt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Aufgabe der physischen Organisation ====&lt;br /&gt;
Die physische Organisation nimmt die Stoffe, aus denen unsere Ernährung besteht, auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Aufgabe der ätherischen Organisation ====&lt;br /&gt;
Jenseits der Darmpassage wird die Nahrungssubstanz durch Aufnahme in das Pfortader-Blut, das zur Leber führt, in den Lebenszusammenhang der ätherischen Organisation aufgenommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Aufgabe der astralischen Organisation ====&lt;br /&gt;
Die astralische Organisation sorgt dafür, in den gesamten Verdauungskanal Verdauungsfermente ausgeschieden werden. Indem das Blut mit den Nahrungsstoffen durch die Nieren fließt, kommt es in den Bereich der seelischen Funktionsdynamik dieses Organsystems von Ausdehnung und Zusammenziehung, Konzentration und Verdünnung. Dadurch werden die Nahrungsstoffe „durchseelt“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Aufgabe der Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Jetzt werden sie dem Einfluss der Ich-Organisation zugeführt, die für deren Abbau sorgt indem sie diese so erwärmt, dass sie „geisttragend“ werden und nicht mehr materiell darstellbar sind. An dieser Aufnahme in den Wärmezustand ist maßgeblich das Herzorgan beteiligt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Metamorphose der Wachstumskräfte in Gedankenkräfte&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im Herzen findet die Metamorphose der Wachstumskräfte in Gedankenkräfte statt. Denn hier kommt das Lebenskraft tragende Blut am Ende jeder Diastole für Bruchteile von Sekunden zum Stillstand, bevor es durch die neuerliche Systole bzw. Herzmuskelkontraktion wieder in die großen Körperschlagadern der Aorta und des Truncus Pulmonalis ausgeworfen wird. Dieser kurze Stillstand des Blutes ist für den ätherischen Organismus wie ein kleiner Sterbeimpuls für einen kleinen Teil des Blutes, indem seine zirkulierende Lebensregsamkeit jäh unterbunden wird. Im Zusammenspiel von ätherischer, astralischer und Ich-Organisation löst sich Lebenskraft aus dem Körper, um sich in leibfreies seelisch-geistiges Potential umzuwandeln, das jetzt für unser Denken zur Verfügung steht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Literatur zum Thema Ernährung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner hat diese geistig-physische Ernährungsphysiologie in den ersten fünf Kapiteln des Buches &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; dargestellt und empfohlen, jede ernste Erkrankung im Kontext der Therapie auch ernährungstherapeutisch zu begleiten, um die durch den Krankheitsprozess herabgestimmte Vitalität durch diätetische Maßnahmen zu unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein umfassendes Grundlagenwerk zu dieser krankheitsbezogenen, detaillierten anthroposophischen Ernährungstherapie steht noch aus. Es gibt aber bedeutende Pioniere wie &#039;&#039;Gerhard Schmidt, Udo Renzenbrink&#039;&#039; und &#039;&#039;Petra Kühne&#039;&#039;, die schon zu wesentlichen Grundaspekten der Ernährung, zu Ernährungsempfehlungen bei verschiedenen Krankheitsbildern sowie zu der therapeutischen Anwendung einzelner Nahrungsmittel publiziert haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Dr. med.&#039;&#039; &#039;&#039;Otto Wolff, der&#039;&#039; Altmeister der Anthroposophischen Medizin schrieb nach dem Zweiten Weltkrieg – eine vielgelesene Einführung mit dem Titel: &#039;&#039;„Was essen wir eigentlich?“&#039;&#039;.[2] Auch sein mehrbändiges Werk, das auf der Grundlagenarbeit von &#039;&#039;Friedrich Husemann&#039;&#039; beruht und den Titel trägt: &#039;&#039;„Das Bild des Menschen als Grundlage der Heilkunst“[3]&#039;&#039; ist in diesem Zusammenhang sehr lesenswert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch den Ernährungsvorgang wird die substanzielle Struktur der Organe und Organsysteme kontinuierlich im „Fließgleichgewicht“ gehalten und im Laufe der Jahre immer wieder vollständig ausgetauscht. Das heißt, die in der Körpersubstanz wirksamen und dirigierenden vier organisierenden Kraftsysteme bleiben identisch, wohingegen die Nahrungsstoffe kommen und gehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verhältnis von physischer, seelischer und geistiger Nahrung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Von der Kindheit bis ins hohe Alter vollzieht sich so ein Wandel, auch in der Art und Weise, wie sich physische und geistige Nahrung zueinander verhalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;In der Kindheit&#039;&#039;&#039; überwiegt die Bedeutung der &#039;&#039;physischen Ernährung&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Im Alter&#039;&#039;&#039; brauchen wir vor allem &#039;&#039;geistige Ernährung&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;seelische Nahrung&#039;&#039; ist &#039;&#039;&#039;lebenslang&#039;&#039;&#039; gleichbleibend wichtig: Gefühle des Friedens, der Dankbarkeit, der Liebe und Zuversicht, des Mutes und der Hoffnung – insbesondere aber der Demut und Verehrung gegenüber der Wahrheit – wirken aufbauend und Leben erhaltend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Praxisbuch zu einer dieserart seelischen und geistigen Ernährung für die verschiedenen Lebensalter im Zusammenhang mit der jeweils physischen steht ebenfalls noch aus. In der genannten Literatur finden sich jedoch schon diverse Anregungen dazu. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Maßvolles Essen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Muss der Körper zu viel verdauen, erlahmt die seelisch-geistige Aktivität. Müdigkeit und vermehrtes Schlafbedürfnis sind die Folge. &lt;br /&gt;
* Wird zu wenig und überwiegend leicht Verdauliches gegessen, sind erhöhte Wachheit, auch Nervosität und etwas „außer sich sein“ die Folge. Oft wird dies verstärkt durch Einschlafstörungen und ein damit verbundenes chronisches Schlafdefizit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch möglichst regelmäßiges und maßvolles Essen für ein altersentsprechendes Gleichgewicht zwischen der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit zu sorgen, ist eine lebenslange Aufgabe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesen Zusammenhang differenziert zu erarbeiten, erscheint mir vor allem im Hinblick auf die Zukunft notwendig. Gibt es doch einerseits den Umstand, dass ein Großteil der Menschheit zu viel isst, jeder neunte Mensch dennoch abends hungrig ins Bett geht. Und nur wenige können sich eine biologisch wertvolle und nachhaltig angebaute Nahrung leisten. Hier ist ein Bewusstseinswandel, eine umfassende Neuorientierung nötig, die auch die Erziehungsfragen miteinschließen kann, die zu einem Verständnis der geistigen Ernährung beitragen. Denn &#039;&#039;„der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeglichen Wort, das aus dem Mund Gottes geht“.[4]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geistige und physische Ernährung unterstützen einander. Entscheidend ist, dass der Gesunderhaltung der Böden und des Saatguts mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung zukommt. Daher gibt es bedeutsame Initiativen, wo auf dem Boden der anthroposophischen Heilpädagogik und Sozialtherapie die Belange der biologisch-dynamischen Landwirtschaft und der Saatgutforschung voll integriert sind, wie z.B. in der Lebensgemeinschaft Bingenheim.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vgl. „&#039;&#039;Kindersprechstunde, Ein medizinisch-pädagogischer Ratgeber. Erkrankungen, Bedingungen gesunder Entwicklung, Erziehungsfragen aus ärztlicher Sicht“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner/Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen,&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Otto Wolff, &#039;&#039;Was essen wir eigentlich?, Praktische Gesichtspunkte zur Ernährung.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Otto Wolff, &#039;&#039;Das Bild des Menschen als Grundlage der Heilkunst,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Neues Testament, &#039;&#039;Matthäus, 4, 4.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Die Lebensgemeinschaft Bingenheim ist ein anthroposophischer Lebensort für Menschen mit einer &amp;quot;geistigen Beeinträchtigung&amp;quot;. Sie bietet Naturkostprodukte aus eigener Erzeugung im Naturkostladen Allerleirauh und verschiedene Werkstätten an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ERNÄHRUNG UND GEDANKENLEBEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wirkt sich unsere Ernährung auf unser Denken aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Faktoren müssen dabei berücksichtigt werden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Materialistisches Denken als Ernährungsproblem&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im Folgenden seien ein paar Aspekte zur Bedeutung der Ernäh­rung für das Gedankenleben hervorgehoben: Gesund gewachsene Pflanzen, die selber starke Wachstums- und Bildekräfte enthalten, verlangen dem Menschen eine stärkere Anstrengung der Verdauungsarbeit ab als überzüch­tete, mit Pflanzenschutzmitteln behandelte, weniger robuste Indi­viduen. Gesunde, vielseitige Ernährung bewirkt so eine differen­zierte Anregung aller Verdauungsvorgänge. Dies hat jedoch nicht nur leibliche Gesundheit zur Folge, sondern wirkt sich auch aus auf die Aktivität und Disposition zum schöpferischen Denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner wurde einmal von &#039;&#039;Ehrenfried Pfeiffer&#039;&#039; gefragt, warum es so schwer sei, die materialistischen Denkgewohnheiten in unserer Zeit zu überwinden. Seine Antwort war: &#039;&#039;„Das ist ein Er­nährungsproblem.“&#039;&#039; Leicht verdauliche, einseitige Kost führt nicht nur zu einer gewissen Trägheit der Verdauungsorgane, sondern ver­anlagt auch zur Trägheit des Gedankenlebens. Wer nur denken kann, was sich durch die Sinneswahrnehmungen gleichsam wie von selber aufdrängt und den Verstand ausschließlich zum Kombinieren von Sinneseindrücken verwendet, kommt an die schöpferischen Möglichkeiten seines Denkens nicht heran. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer ein aktives, von der Sinneserfahrung losgelöstes Denken praktizieren möchte, muss sich innerlich mehr anstrengen – was durch bereits in frühen Jahren gut aktivierte Verdauungsprozesse gefördert werden kann. Und so kann deutlich werden, in welch hohem Maße die bewusste Pflege des wachsenden, sich entwickelnden Körpers durch Ernährung, einen guten Schlaf-Wach-Rhythmus und angemessene hygienische Bedingun­gen die spätere seelisch-geistige Entwicklung unterstützen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Regeneration durch geistige Ernährung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Andererseits geben in der zweiten Lebenshälfte ein aktives Gei­stesleben und eine gleichsam „geistige Ernährung“ die notwendige Anregung, um die nachlassenden Regenerationsprozesse im Körper zu unterstützen. Schon in der Lebensmitte ist die Art und Weise, wie wir denken und wie wir uns selbst erziehen, entschei­dend dafür, wie stabil unser Gesundheitszustand ist. Dafür sind nicht allein die leibliche Versorgung und das Essen ausschlaggebend. Man kann sogar die Ernährung vorübergehend vernachlässigen oder infolge starker Beanspruchung durch die tägliche Arbeit über längere Zeiten überhaupt auf regelmäßige Mahlzeiten verzichten, wenn genügend Begeisterung und innere Motivation für die Arbeit da ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im letzten Lebensdrittel muss allerdings ein neues Gleichgewicht zwischen körperlicher und seelischer An­strengung gefunden werden, damit nicht das eine auf Kosten des anderen zu sehr in den Vordergrund tritt und eines der beiden beeinträchtigt wird. Je älter man jedoch wird, umso entscheidender ist die „geistige Ernährung“ für die Gesundheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Je mehr die Gedanken eines Menschen über sich selbst und die Welt den inneren und äußeren menschlichen Entwicklungsgesetzen folgen, umso gesünder wird er sein.&lt;br /&gt;
* Je unmenschlicher und lebensfremder die Gedanken eines Menschen sind, umso stärker kränken sie den natürli­chen Lebenszusammenhang, zu dem sowohl das Körperleben als auch das Gedankenleben gehören. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide sind letztlich ganz auf das Menschliche hin orientiert. So gesehen hat jede Krankheit einen doppelten Aspekt, dem man mit folgenden Fragen auf die Spur kommt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie konnte der Leib diese spezifische Kränkung erfahren, warum reichten die Regenerationskräfte nicht aus?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und welche Gedanken, welche bewussten Tätigkeiten sind jetzt nötig, um den Heilungsverlauf entsprechend zu unterstützen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie geben dem Gespräch zwischen Arzt und Patient eine über das Physische hinausgehende Dimension und eröffnen neue Möglichkeiten, Entwicklung zu begleiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Kapitel „Zusammenhänge der menschlichen Denktätigkeit“, Elternsprechstunde, Verlag Urachhaus, Stuttgart&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== VERDAUUNG UND EGOISMUS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern ist die Verdauung ein Bild für den Egoismus?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Warum nennt Steiner die Verdauung als „Herd des Bösen“?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verdauung ist gesunder Egoismus&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Es gibt kein wahreres, stimmigeres Bild für den Egoismus als die Verdauung: Der physische Leib wird dadurch gebildet, dass die Natursubstanzen sich durch die Stoffwechseltätigkeit des Menschen verwandeln lassen in körpereigene Substanz. Der physische Leib des Menschen ist somit ein Ergebnis der verarbeiteten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* mineralischen&lt;br /&gt;
* tierischen&lt;br /&gt;
* pflanzlichen&lt;br /&gt;
* und, im Falle der Muttermilch, auch der menschlichen Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn auch die Muttermilch wird zerstört und in körpereigene Substanz umgewandelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das heißt, alle vier Naturreiche werden in einer Weise verarbeitet, dass jeder Mensch seinen eigenen Körper daraus aufbaut. Sprich: Eine gute Verdauung geht mit einer kompletten Zerstörung der Natur einher. Das ist reinster physiologischer Egoismus, den wir brauchen, um überhaupt leben zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verdauung als Herd des Bösen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Doch Rudolf Steiner nennt die Verdauung auch „Herd des Bösen“, denn in der Verdauung sind Kraft und Potential vorhanden, alles zu zerstören. Dem physiologischen Zerstörungsprozess des Verdauens verdankt der Mensch das instinktive Wissen, wie er die ganze Welt zerstören kann bzw. wie er perfide Waffen erfinden kann, die den „overkill“ umsetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sprechen in der Medizin auch vom biologischen Ego mit all seinen Sensibilitäten, einemstraff organisierten System. Dazu gehört auch das Immunsystem mit seinen Immunbarrieren usw. Über die freiwerdenden Bildekräfte aus dem gesunden Ego-System der Verdauung, nachdem sie es gebildet haben, strahlt beim gesunden Kind Egoismus nun auch ins Seelische hinein, allerdings unbewusst, das wäre das Normale.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch Erlebnisse der Traumatisierung und Schädigung, durch jede Form der Ängstigung wird dieser Egoismus jedoch bewusst, indem das verwundbare Selbst angesprochen. Dadurch wird der zunächst unbewusste Egoismus zunehmend verstärkt – mit leidvollen Auswirkungen für die betroffenen Kinder und ihr soziales Umfeld. Und auch für ihre Erzieher sind diese Kinder eine große Herausforderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob Erziehung zur Selbstlosigkeit gelingt oder nicht, hängt also von der Art ab, wie mit dem Kind vonseiten seiner Umwelt umgegangen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Ängste im Jugendalter und ihre Überwindung“, Vortrag auf der Schulärztetagung 2013&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== STOFFWECHSEL UND DENKEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern ist die offene Lemniskate Symbol für den Menschen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worauf beruht der unmittelbare Zusammenhang von Stoffwechsel und Denken?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Offene Lemniskate als Symbol der&#039;&#039; &#039;&#039;menschlichen Konstitution&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Merkurstab der Mediziner ist eine offene Lemniskate. Kein Symbol kann die polare Funktionsdynamik des Ätherischen besser zum Ausdruck bringen als die offene Lemniskate. Sie bildet als stehende, nach oben hin offene Acht die menschliche Grundkonstitution ab, die der Natur des Menschen zugrunde liegt. Die körperbezogene Wirkung der ätherischen Organisation und die dem Gedankenleben dienende Wirkung haben eine entsprechend entgegengesetzte Orientierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Der untere Teil&#039;&#039; steht für den physischen &#039;&#039;&#039;Leib&#039;&#039;&#039; mit den unbewussten inneren Stoffwechselprozessen, wo die leibgebundenen Ätherkräfte als Triebe und Instinkte wirken. Wir laufen Gefahr, uns von unserem &#039;&#039;leibgebundenen Willen&#039;&#039;, unserem Instinkt-, Trieb- und Begierde-Leben&#039;&#039;, überwältigen zu lassen&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Der obere Teil&#039;&#039; steht für den geistigen Menschen, den &#039;&#039;&#039;Geist&#039;&#039;&#039; und das bewusste Gedankenleben, das stark nach außen gerichtet ist und wo die leibfreien Ätherkräfte wirken. Wir sind als denkende Wesen in der Lage, unsere &#039;&#039;Gedankenfreiheit&#039;&#039;, auf der Freiheit an sich beruht, für egoistische Zwecke zu &#039;&#039;missbrauchen&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Am Umschlagpunkt&#039;&#039;     zwischen beiden steht das zwischen innen und außen Vermittelnde der &#039;&#039;&#039;Seele&#039;&#039;&#039; mit ihren Gefühlsregungen,     auf die wir nur bedingt bewussten Einfluss haben. Die     aus dem oberen und unteren Teil einstrahlenden Kräfte können dabei &#039;&#039;destruktiv     auf unsere Gefühle, unsere seelische Mitte, einwirken.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle destruktiven Neigungen entspringen also einerseits unserem Stoffwechsel, andererseits negativen Wahrnehmungsinhalten über die Sinne sowie egoistischem Denken. Auch die egoistisch ausgelebte Sexualität gehört dazu: Destruktivität und Sexualität sind dann unlöslich miteinander verbunden. Das wird verstärkt von den Bildern, die besonders diese Bereiche ansprechen, wie es in der heutigen Sex- und Spaßindustrie geschieht. Diese von oben und unten kommenden, fehlgeleiteten Kräfte regen das destruktive Potential im Menschen an und wirken sich auch kränkend auf das Seelische aus. Wenn wir diese Zusammenhänge begreifen, können wir verstehen, warum so viele böse Neigungen und so viel Egoismus in die Seele einstrahlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wechselwirkung von Denken und Verdauung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das hat Konsequenzen, die einem ätherischen Gesetz folgen, auf dem das spirituelle Krankheitsverständnis der Anthroposophischen Medizin gründet: Was sich in der einen Hälfte der Lemniskate nach innen richtet, wechselt im Kreuzungspunkt die Richtung und geht nach außen – und umgekehrt. Der unmittelbare Zusammenhang zwischen gesundem und krankem Denken und Stoffwechsel lässt sich anhand davon gut verdeutlichen als ätherische Prozesse, die einander bedingen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn es uns beim Denken, repräsentiert vom oberen Teil der Lemniskate, also überhaupt nicht um Erkenntnis von Wahrheit geht, sondern wenn alle Gedanken nur um uns selbst kreisen bzw. es uns nur um die Ansammlung von Informationen geht, um möglichst viel Input und Wissen, wenn wir uns quasi gedanklich „zumüllen“ und nicht gewillt sind, selber zu denken und zu urteilen, indem wir uns der Welt öffnen, hat das unmittelbare Auswirkungen auf die Verdauung. Denn dann werden die Stoffwechselprozesse unseres Köpers aufgrund der polar arbeitenden Natur des Ätherleibes ebenfalls in entgegengesetzter Weise aktiv werden: Wir werden für Krankheitserreger offen sein und so eine Immunschwäche entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Umgekehrt haben unsere Ernährung und unsere Lebensgewohnheiten auch immense Auswirkungen darauf, ob unser Gedankenleben sich über das rein Materielle aufzuschwingen in der Lage ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Frieden schaffen durch Selbstüberwindung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Um dem vorzubeugen, dass etwas Gutes am falschen Platz geschieht und dadurch „böse“ wird und schädigende Auswirkungen hat, müssen wir im Laufe unserer menschlichen Entwicklung lernen, diese drei Bereiche vom Ich aus in der richtigen Art zu beherrschen und zu kultivieren und so für Gleichgewicht und Frieden sorgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Die Zerstörungskräfte im Darm befrieden ====&lt;br /&gt;
Nehmen wir das Beispiel der Verdauung: Im unbewussten Stoffwechselleben gelingt uns das weitgehend durch eine gesunde rhythmische Art, mit den Lebensvorgängen, mit unseren Ess- und Schlafgewohnheiten sowie der Fortpflanzungsmöglichkeit umzugehen. Die Stoffwechselprozesse dienen dazu, unseren Leib gesund zu erhalten. Dazu gehören Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme sowie die Atmung. Alle Nahrung wird im Verdauungstrakt komplett zerstört, damit der Mensch sie verdauen und daraus menschliche Substanz aufbauen kann. Solange diese Zerstörungskräfte sich auf die Verdauungsarbeit beschränken, haben wir keine Probleme: Denn &#039;&#039;&#039;die Natur muss in uns Mensch werden&#039;&#039;&#039; (= verdauen), damit wir einen gesunden Körper, ein starkes biologisches Ego, aufbauen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Die Zerstörungskräfte im Gehirn befrieden ====&lt;br /&gt;
Das Gedankenleben kann als eine Art umgekehrter Ernährungs- oder Verdauungsprozess angesehen werden. Denn wenn wir im Denken aktiv und geistig beweglich sind, wollen wir die Zusammenhänge der Welt wirklich verstehen. Dazu müssen wir aus uns herausgehen und zum anderen hingehen, müssen wir uns der Wahrheit der Dinge annähern, müssen sie uns zu eigen machen, uns ganz mit ihr verbinden. Erkennen ist so gesehen spirituelle Empathie, geistige Kommunion: Man identifiziert sich mit dem, was man verstehen will. Wenn ich z.B. denke 2 + 2 = 4, muss ich diesen Prozess mit- und nachvollziehen, sonst verstehe ich ihn nicht. Das bedeutet: &#039;&#039;&#039;Der Mensch muss im Denken zur Welt werden&#039;&#039;&#039; (= erkennen), wenn er zu wahrheitsgemäßen Erkenntnissen kommen will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Innerer Friede durch geistige Arbeit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Auf diese Weise müssen wir fortwährend die destruktiven Einstrahlungen in unser Denken und Fühlen durch innere geistige Arbeit ausgleichen und befrieden, indem wir uns bis ins Gefühl hinein mit der Wahrheitswelt verbinden. Wer sich mit edlen, guten, sinnvollen Zielen emotional verbindet, kann seinen Egoismus in den Dienst des Guten stellen. Rudolf Steiner formuliert es sinngemäß so: Der sich befreiende, auf sich selbst gestellte, autonome Mensch, der nicht ständig etwas für sich braucht, kann zur Verfügung stehen, kann seinen ganz individuellen Kulturbeitrag durch die Überwindung des Bösen &#039;&#039;in sich&#039;&#039; leisten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man erkennt den Freiheitsgrad von Menschen an ihrer Verfügbarkeit – das ist ein spirituelles Gesetz: Je freier ich bin, desto souveräner kann ich meine individuellen Fähigkeiten, anstatt sie auf Selbstoptimierung auszurichten, instrumentalisieren und für die Dinge einsetzen, die mir wesentlich sind. Ich entscheide dann selbst, wofür ich mich engagieren will und wo nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Ich im Netz. Was geschieht mit uns im Internet?“, Amthor Verlag, Heidenheim 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== VERDAUUNG UND TRANSSUBSTANTIATION ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist das tiefe Geheimnis von Verdauung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;In welcher Verbindung steht der Verdauungsvorgang zur Transsubstantiation?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was vollzieht sich während der Transsubstantiation und Kommunion innerhalb des Gottesdienstes wie z.B. der Menschenweihehandlung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verwandlung durch Hingabe&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wer auf den Zusammenhang zwischen religiöser Hingabe, Willen und Stoffwechseltätigkeit aufmerksam geworden ist, hat damit den Schlüssel in der Hand zum Verständnis körperlicher, seelischer und geistiger Verwandlung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir die Nahrungsaufnahme betrachten, ist es ganz offensichtlich, dass sich alle drei Naturreiche dem Menschen hingeben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;das Mineralreich&#039;&#039;&#039; in den &#039;&#039;Salzen und Spurenelementen&#039;&#039; wie Kupfer und Magnesium,&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;das Pflanzenreich&#039;&#039;&#039; in der ganzen Vielfalt von &#039;&#039;Obst, Getreide und Gemüse&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;das Tierreich&#039;&#039;&#039; in dem &#039;&#039;Fleisch, den Eiern und Milchprodukten&#039;&#039;, die wir verzehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So wie das Mineral die Lebensgrundlage der Pflanze ist und die Pflanze die des Tieres, so sind alle drei durch ihre Hingabe die Lebensgrundlage des Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Natur wird Mensch&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Naturwesen, die sich als Mineral, Pflanze und Tier dem Menschen opfern, werden in menschliche Substanz verwandelt, werden Mensch. Unbewusst lebt in der Natur eine tiefe Sehnsucht nach dem Menschen und dem Menschlichen und so ist alles darauf eingerichtet, dass der Mensch werden kann: dass er durch die Natur ernährt wird, dass er sie aber im Ernährt-Werden auch mitnimmt in das selbstbewusste menschliche Erleben. Der menschliche Stoffwechsel leistet unausgesetzt diese Verwandlungsarbeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Sehnsucht lebt unbewusst, halbbewusst oder vollbewusst im Menschen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Goethe&#039;&#039; hat diese Sehnsucht in wunderbarer Weise zum Ausdruck gebracht, als er sich im hohen Alter nochmals in inniger Liebe einem jungen Mädchen zuwandte und dann in der Marienbader Elegie folgenden Vers schrieb:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;In unsers Busens Reine wohnt ein Streben,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Sich einem Höhern, Reinern, Unbekannten&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Aus Dankbarkeit freiwillig hinzugeben,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Enträtselnd sich den ewig Ungenannten;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wir heißen&#039;s: fromm sein! - Solcher sel&#039;gen Höhe&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Fühl&#039; ich mich teilhaft, wenn ich vor ihr stehe.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Hingabe an das höhere Reich der Gedankensphäre&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Auch der Mensch möchte immer mehr Mensch werden: Er erlebt nur zu deutlich, wie viel ihm dazu noch fehlt. Um sich zur vollen Menschlichkeit hin entwickeln zu können, braucht der Mensch die Fähigkeit, die Mineral, Pflanze und Tier haben, wenn sie sich an das nächsthöhere Naturreich, und damit dem Menschen, hingeben: Er braucht die Fähigkeit der Hingabe an ein höheres „Reich&amp;quot;, dem er sich „opfern&amp;quot; kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses höhere Reich erscheint jedoch nicht mehr in sinnlich sichtbarer Form als Naturreich, denn die Natur hat im Menschen ihren Abschluss, ihre Krönung gefunden. Dieses höhere Reich tritt in der Gedankensphäre in Erscheinung in Form von unsichtbaren, aber dafür denkbaren idealen Realitäten. Im Denken können wir die Ziele unserer Entwicklung, unserer Zukunft, erfassen. Wir können uns denkend daran orientieren und uns ihnen begeistert hingeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die religiösen Vorstellungen aller Religionen sind erfüllt von Bildern der Vollkommenheit, von Zukunftsperspektiven, Wandlungsmotiven und moralischen Werten. Das Motiv vom Opfer, das gebracht werden muss, wenn die Verwandlung in eine geistergebene, höhere menschliche Natur gelingen soll, ist dabei von zentraler Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verdauung ist Transsubstantiation&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wie oben ausgeführt ist der sich im Leib vollziehende Verdauungsprozess bereits ein Transsubstantiationsprozess. Denn die aufgenommene Nahrung wird verflüssigt, in den ganzen Organismus aufgenommen und schließlich im Stoffwechsel-Verbrennungsprozess in Wärme verwandelt. Wärme ist bereits die Brücke zwischen dem Physischen und dem Geistigen. Physische Wärme ist schon nichts Stoffliches mehr, kann jedoch noch mit dem Thermometer gemessen werden. Wir kennen Wärme aber auch als rein seelische und geistige Wärme, als Begeisterung. Durch die Verdauung wird also die Substanz Träger der menschlichen Seelen- und Geisteswärme.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner beschreibt den Zusammenhang der Wesensglieder mit den Elementen folgendermaßen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Das &#039;&#039;&#039;Ich&#039;&#039;&#039;, bzw. die Ich-Organisation mit ihren Gesetzen, &#039;&#039;korreliert mit der Wärme&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;&#039;Astralleib&#039;&#039;&#039; mit den &#039;&#039;Luftprozessen des Organismus&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;&#039;ätherische Leib&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;mit den Flüssigkeiten&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* und der &#039;&#039;&#039;physische Leib&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;mit den festen Substanzen&#039;&#039; [1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So gesehen vollzieht sich geistige Kommunion in jedem Menschen, wenn sich Substanz verwandelt und so dem menschlichen Ich dient.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner sagt in &#039;&#039;„Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung“&#039;&#039;: &#039;&#039;„Das Wahrnehmen der Idee in der Wirklichkeit ist die wahre Kommunion des Menschen.&amp;quot;&#039;&#039; [2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Transsubstantiation innerhalb des Gottesdienstes&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Prozess der Transsubstantiation wird im Geschehen am Altar allgemeinmenschlich-objektiv vollzogen und sichtbar und hörbar gemacht, indem Brot und Wein als Träger geistiger Wirkungen mit bestimmten Gedanken, Gefühlen und Handlungsimpulsen durchdrungen werden. Am Altar wird letztlich sichtbar gemacht, was das wahre Wesen der Verdauung ist: die Vergeistigung der Substanz zum Träger heiligster Gedanken, Gefühle und Taten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nimmt der Mensch diese so vergeistigte Substanz durch die Kommunion in sich auf, bedeutet das eine Stärkung seiner eigenen Verwandlungsfähigkeit und seiner Verbundenheit mit dem Ziel menschlicher Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Welchen Auftrag hat die Religion in Erziehung und Heilkunst?“ aus „Die Heilkraft der Religion“, Stuttgart 1997&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] z.B. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaft und Medizin&#039;&#039;, GA 312.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung&#039;&#039;. GA 2.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== VERDAUUNG UND IMMUNSYSTEM ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen Einfluss hat die Verdauung auf das Immunsystem?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie hängen Verdauung und Immunsystem zusammen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Was Immunschwäche hervorruft&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wenn der physische Körper gut verdaut, arbeitet unser Immunsystem ausgezeichnet. Immunität resultiert aus der Fähigkeit des Körpers, alles zu transformieren und abzuweisen, was nicht dem eigenen biologischen System entspricht. Immunität ist Egoismus pur – im körperlichen Bereich. Immunität ist Ausdruck der Kraft der Identifikation mit uns selbst. Unser Körper wird in dem Moment krank, in dem diese Selbstidentifikation gestört ist: Der Körper, der erfüllt sein sollte von gesundem Egoismus, wird selbstlos, wird krank.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Autoimmunreaktion tritt auf, wenn der Körper denkt, &#039;&#039;er selbst&#039;&#039; wäre etwas Fremdes und sich daraufhin selbst zerstört. Das ist ein Zeichen der Entfremdung seiner selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Immunität&#039;&#039;&#039; ist &#039;&#039;biologischer Egoismus.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Immunschwäche&#039;&#039;&#039; oder     Krankheit ist &#039;&#039;biologischer Altruismus&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn der Mensch krank wird, gedeihen plötzlich jede Menge Bakterien und Keime im Organismus. Der Körper öffnet sich der Welt und wird ein Tummelplatz für Fremdprozesse und Parasiten, für Geschwülste, „kleine Bäume“ und „Pflanzen“. Wasser sammelt sich in den Beinen. Die Wärme isoliert sich und erzeugt Fieber. Der Mensch öffnet sich, wird sozial und selbstlos – im Äußeren. Der Körper verliert dadurch seine biologische Integrität und Identität, seinen gesunden biologischen Egoismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ein &#039;&#039;egozentrischer Geist&#039;&#039;     stimuliert den biologischen Altruismus und schwächt das Immunsystem.&lt;br /&gt;
* Eine &#039;&#039;weltorientierte Geisteshaltung&#039;&#039;     fördert die Verdauung. Eine gesunde Verdauung wiederum, fördert eine     gesunde altruistische Geisteshaltung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag „Die Gesetzmäßigkeiten des Merkurstabs“, 25.09.2007&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ZUCKERSTOFFWECHSEL UND DIABETES MELLITUS AUS SICHT DER AM ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielt die Ich-Organisation beim Zuckerstoffwechsel?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie sind die anderen Wesensglieder daran beteiligt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Sicht hat die Anthroposophische Medizin auf die Ursachen von Diabetes mellitus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Vermenschlichung durch Ich-Organisation&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Zu Beginn von Kapitel VIII von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; wird das Autonomieprinzip jedes lebendigen Organismus betont. Es besagt, dass alles, was von außen als Nahrung aufgenommen wird, sich der Natur des aufnehmenden Organismus fügen muss. Im Falle des Menschen bedeutet das, dass sie sich dem integrierenden und regulierenden Prinzip der Ich-Organisation beugen muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Bezug auf die Verwandlung von Kohlenhydraten in Zucker formuliert Rudolf Steiner es so: &#039;&#039;„Wo Zucker ist, da ist Ich-Organisation; wo Zucker entsteht, da tritt die Ich-Organisation auf, um die [...] Körperlichkeit zum Menschlichen hin zu orientieren.“[2]&#039;&#039; Diese Funktion der Ich-Organisation steht im Zentrum des gesamten Verdauungsgeschehens und hat mit dem physischen Kraftsystem zu tun.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Schrittweise Verwandlung der Kohlenhydrate in Glukose&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im Falle der Kohlenhydrate geht dieser Prozess von der Nahrungsaufnahme bis zur Bereitstellung von Glukose für die Energiegewinnung im gesamten Organismus. Die Glukose ist der zentrale Baustein im Zellstoffwechsel und Grundlage für den Aufbau aller organischen Substanzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ø  Im Mund: durch Speichel-Amylase ====&lt;br /&gt;
Die Kohlenhydrat-Verdauung der komplexeren Stärkemoleküle aus Nahrungsmitteln wie Kartoffeln und Getreide beginnt mit der Produktion von Speichel-Ptyalin (alpha-Amylase) beim Kauen. Es wird durch den hohen Salzsäuregehalt im Magen jedoch wieder deaktiviert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ø  Im Magen: durch Salzsäure, und Luft ====&lt;br /&gt;
Die Vorbereitung für den weiteren enzymatischen Abbau findet im Magen statt. Die starke Ansäuerung und die Durchmischung mit Wasser und etwas Luft lassen die langkettigen und stark verknäulten Amylose- und Amylopektin-Moleküle der Stärke aufquellen. Sie werden so durch die damit verbundene enorme Oberflächenvergrößerung für die weitere enzymatische Aufspaltung gut angreifbar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ø  In Zwölffingerdarm und oberem Dünndarm durch alkalisches Milieu ====&lt;br /&gt;
Das alkalische Milieu im Zwölffingerdarm und oberen Dünndarm bewirkt dann wieder die Aktivierung des Pankreas-Ptyalins bzw. der Pankreasamylase für die definitive Aufspaltung der so im Magen vorbereiteten Stärkesubstanz in Zucker.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Geschmacksrichtungen und Wesensglieder&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Der &#039;&#039;&#039;süße Geschmack&#039;&#039;&#039; ist nach Rudolf Steiner Anregung für die Tätigkeit der &#039;&#039;Ich-Organisation.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Der &#039;&#039;&#039;saure Geschmack&#039;&#039;&#039; bedeutet eine entsprechende Anregung des &#039;&#039;Astralleibes&#039;&#039;,[3] dessen Domäne im Magen der hohe Gehalt an Salzsäure ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Das &#039;&#039;&#039;alkalische (bittere) Milieu&#039;&#039;&#039; hingegen ist das Arbeitsgebiet der &#039;&#039;ätherischen Organisation&#039;&#039;.[4]&lt;br /&gt;
* Der &#039;&#039;&#039;Salzgeschmack&#039;&#039;&#039; hingegen hilft dem &#039;&#039;physischen Leib&#039;&#039; sich konsolidiert zu halten. So geben auch Geschmacksvorlieben der Patientinnen und Patienten einen wichtigen Hinweis auf die konstitutionellen Gegebenheiten der Wesensglieder.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ursachen und Symptome von Diabetes mellitus&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Absätze 9–14 von Kapitel VIII sind dem Krankheitsbild Diabetes gewidmet – jedoch nicht, wie in der Schulmedizin üblich, als ‚Insulinmangelsyndrom‘, sondern als von der Ich-Organisation nicht bewältigte Zuckerverarbeitung. Was sie im Zellstoffwechsel sozusagen ‚liegen lassen‘ muss, verbleibt im Blut und muss vom Astralleib verarbeitet werden, der den Zucker aber nur ausscheiden kann, was er dann über den Urin auch tut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Schwäche der Ich-Organisation durch Kopflastigkeit und Stress ====&lt;br /&gt;
Als Ursache für diese Schwächung der Ich-Organisation wird angegeben: &#039;&#039;„Es befördert alles die Zuckerkrankheit, was die Ich-Organisation aus der in die Körpertätigkeit eingreifenden Wirksamkeit herausreißt: Aufregungen, die nicht vereinzelt, sondern in Wiederholungen auftreten; intellektuelle Überanstrengungen; erbliche Belastung, die eine normale Eingliederung der Ich-Organisation in den Gesamtorganismus verhindert. Das alles ist zugleich damit verbunden, dass in der Kopforganisation solche Vorgänge stattfinden, die eigentlich Parallelvorgänge der geistig-seelischen Tätigkeit sein sollten; die aber, weil diese Tätigkeit zu schnell oder zu langsam verläuft, aus dem Parallelismus herausfallen. Es denkt gewissermaßen das Nervensystem selbständig neben dem denkenden Menschen.“[6]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Typisches Stresssymptom ist, dass man bei dem, was man denkt und tut, nicht mehr ganz dabei ist. Auch sprechen viele Betroffene schneller als sie denken – ebenfalls Zeichen einer eingeschränkten ‚Ich-Präsenz‘ und Geistesgegenwart, die innere Ruhe und Konzentration voraussetzen. Hier werden die psychosomatischen Ursachen für die diabetestypischen neurodegenerativen Prozesse verortet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Steiner jedenfalls waren auch Erziehungseinflüsse evident: &#039;&#039;„Aber wer nun den ganzen menschlichen Lebenslauf überblickt, der findet, daß manche Diabetes davon herkommt, daß das Gedächtnis in unrichtiger Weise zwischen dem Zahnwechsel und der Geschlechtsreife entweder belastet worden ist oder sonst in unrichtiger Weise behandelt worden ist.“[7]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegenwärtig sind die Auswirkungen traumatischer Kindheitserfahrungen (early toxic stress) auf die Gesundheit im späteren Leben dokumentiert und scheinen der Steinerschen Sichtweise Recht zu geben.[8] Zu den wesentlichen Elementen der Anthroposophischen Medizin gehört jedenfalls die lebensgeschichtliche Betrachtung des Patienten, deren Bedeutung auch hinsichtlich anderer Erkrankungen nicht zu unterschätzen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Furunkel durch Dysfunktion zwischen AL und ÄL ====&lt;br /&gt;
Die entzündlichen Begleiterscheinungen in Form der Furunkelbildungen führen Steiner und Wegman auf die von der astralischen Organisation nicht genügend beherrschte ätherische Organisation zurück. Denn um die ätherische Organisation vom Astralleib aus zu dirigieren und die ihm eigenen Differenzierungsprozesse im Ätherischen vorzunehmen, braucht es wiederum die zureichende Integration der astralischen Organisation in den Funktionszusammenhang der Ich-Organisation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Methodisch Wegweisendes&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Methodisch weist dieses Kapitel somit klar den Weg zur krankhaften Symptomatik, wie sie aus der oben geschilderten Ganzheit herausfällt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei jeder sportlichen Tätigkeit und muskulären Aktivität der Ich-Organisation wird Glukose aus dem Blut aufgenommen, wodurch der Blutzucker gesenkt wird. Umgekehrt kommt es zu einem Blutzuckeranstieg, wenn sich die astralische Organisation bewusstseinsmäßig engagiert. Die Ich-Organisation hat gegenüber der astralischen Wirksamkeit – in Form von Bewegung und Bewusstsein – eine regulierende und integrierende Funktion, die sie über das Blut als ihrem ureigenen Instrument wahrnimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An keiner Stelle wird in Kapitel VIII an den damals aktuellen Stand der Diabetes-Forschung angeknüpft.[9] Dieses Voraussetzen der naturwissenschaftlichen Ergebnisse und des aktuellen Standes von Wissen und Erfahrung auf medizinischem Gebiet und die Fokussierung auf das in methodischer Hinsicht Wegweisende als Grundduktus von &#039;&#039;„Grundlegendes…“,[10]&#039;&#039; zeigt sich auch hier in aller Deutlichkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Diabetes Typ 1 und Typ 2&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die beiden Diabetesformen Typ 1 und Typ 2 waren zur Zeit der Veröffentlichung des Buches bereits phänomenologisch differenziert. So wurde von &#039;&#039;Étienne Lancereaux (1829–1910)&#039;&#039; zwischen einem ‚mageren‘ und einem ‚fetten‘ Diabetes mellitus unterschieden und damit auf die später als Typ 1 und Typ 2 bekannten Diabetesformen gewiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Medizinhistorisch wurde hingegen erst viel später nach Zusammenhängen des Diabetes zum intestinalen Microbiom gesucht. Für den Diabetes mellitus Typ 2 und das Metabolische Syndrom sind diese zwischenzeitlich gut dokumentiert, für den Typ 1 stellen sich noch zahlreiche unbeantwortete Fragen.[11]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ursachen für Typ 1 ====&lt;br /&gt;
Die Ursachen für den Typ-1-Diabetes sind komplex und noch nicht ausreichend verstanden. Neben einer genetischen Disposition gibt es unterschiedlich gesicherte Risikofaktoren wie durchgemachte Infektionen, Stilldauer, Lebensgewohnheiten, Lichtexposition (Vitamin D3-assoziiert) und auch psychische Faktoren. Vorgeburtlich prädisponierende Faktoren sind eine präkonzeptionelle mütterliche und väterliche Adipositas. Ebenso geht ein höheres Alter der Mutter mit einem erhöhten Diabetes-Typ-1-Risiko einher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angst und depressive Symptome werden bei Patienten mit Typ-1-Diabetes vermehrt angetroffen.[12] Sie haben selbstverständlich sehr verschiedene Ursachen und lebensgeschichtliche Auswirkungen auf den Erkrankungsverlauf, machen aber darauf aufmerksam, dass in der Behandlung auch auf die seelische Ebene zu achten ist. Die gegenwärtig bereits gut etablierte Psychodiabetologie hat medizinhistorische Vorläufer. Steiner und Wegman jedenfalls weisen schon früh auf diese seelische und geistige Dimension der Erkrankung hin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ursachen für Typ 2 ====&lt;br /&gt;
Inzwischen sind die Auswirkungen seelischer Stress-Faktoren für den Typ-2-Diabetes vielfältig bestätigt worden durch die Forschungen im 20. und beginnenden 21. Jahrhundert. Beispielsweise führen Stressbelastungen zu anhaltenden Blutzuckererhöhungen bei Patienten mit Diabetes.[13]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Für beide Charakteristisches ====&lt;br /&gt;
Beide Erkrankungen stehen aber nicht isoliert und getrennt nebeneinander. So kommt die für den Typ-2-Diabetes charakteristische &#039;&#039;&#039;Insulinresistenz&#039;&#039;&#039; auch beim Diabetes mellitus Typ 1 vor, wie dessen &#039;&#039;&#039;Insulinmangel&#039;&#039;&#039; auch den Typ-2-Diabetes begleiten kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[14]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27, S. 44.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Auch die beim Essen mitaufgenommene Luft, welche die so genannte Magenblase bildet, ist aus anthroposophischer Perspektive für die astralische Organisation bei ihrer Arbeit im Magen wesentlich, da sie bei der Durchmischung der Nahrungsmittel eine wichtige Rolle spielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Die Bedeutung der Bitterstoffe für die menschliche Gesundheit hat in den letzten Jahrzehnten durch die Entdeckung der Bitterstoffrezeptoren, über die bekannten im Mund hinaus, auch im Bereich der Haut, der Lunge und des Darms zunehmend Beachtung gefunden (Vgl. Hänsel und Sticher 2010). Steiner hat ihre Bedeutung für die Aktivierung der ätherischen Kräfte im Rahmen seiner medizinischen Vorträge immer wieder hervorgehoben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. Kohlhase u. a. (2018), 13–22.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Siehe FN 1, S. 45f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die pädagogische Praxis vom Gesichtspunkte geisteswissenschaftlicher Menschenerkenntnis. Die Erziehung des Kindes und jüngeren Menschen,&#039;&#039; GA 306, S. 28.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Vgl. Danese und McEwen (2012, 29): &#039;&#039;„A series of classic papers from the Adverse ChildhoodExperiences (ACE) Study started a prolific area of investigation by uncovering the link between retrospective reports of childhood adversities and risk for age-related disease including cardiovascular disease and type-2 diabetes in individuals from a health maintenance organization“.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Medizinhistorisch erfolgte 1922 die erste Behandlung eines Kindes mit Insulin. 1923 erhielten &#039;&#039;Frederick Banting (1891–1941)&#039;&#039; und &#039;&#039;John MacLeod (1876–1935)&#039;&#039; den Nobelpreis für die Entdeckung des Insulins (Siehe Mehnert und Schulz 1994). Allerdings stellte der Ungar &#039;&#039;Nicolae Paulescu (1869–1931)&#039;&#039; bereits 1916 aus Inselzellen der Rinderbauchspeicheldrüse ein wässriges Extrakt (‚Pankrein‘) her und behandelte zuckerkranke Hunde (Vgl. Lehmann und Seufert 2015).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Vgl. FN 1.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Vgl. Siljander u. a. (2019), 512–521.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Vgl. Köstner u. a. (2022), 197–207.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] Vgl. Moberg u. a. (1994), 247–251.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== PROTEINSTOFFWECHSEL UND ALBUMINURIE AUS SICHT DER AM ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielt die Ich-Organisation beim Proteinstoffwechsel?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie ist der Astralleib daran beteiligt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Sicht hat die Anthroposophische Medizin auf die Ursachen von Albuminurie?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ätherisches Kraftsystem und Proteinstoffwechsel&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Während in Kapitel VIII von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; das Verhältnis der Ich-Organisation zum physischen Kraftsystem mit dem Zuckerstoffwechsel im Zentrum stand, ist es in Kapitel IX ihr Verhältnis zum ätherischen Kraftsystem und dem hier zentral stehenden Proteinstoffwechsel. Leitsymptom einer dysfunktionalen Ich-Organisation im Bereich der ätherischen Bildekräfte ist die Albuminurie, die pathologische Eiweißausscheidung über die Nieren.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Das Eiweiß ist diejenige Substanz des lebenden Körpers, die von seinen Bildekräften in der mannigfaltigsten Art umgewandelt werden kann, so dass, was sich aus der umgeformten Eiweißubstanz ergibt, in den Formen der Organe und des ganzen Organismus erscheint. Um in solcher Art verwendet werden zu können, muss das Eiweiß die Fähigkeit haben, jede Form, die sich aus der Natur seiner materiellen Teile ergibt, in dem Augenblicke zu verlieren, in dem es im Organismus aufgerufen wird, einer von ihm geforderten Form zu dienen.“[3]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Unterschiedliche Aufgaben und Wirkfelder des Eiweißzerfalls&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Es ist also eine vornehmliche Eigenschaft des Eiweißes im Organismus, dass es jederzeit bereit ist, in seine Bestandteile zu zerfallen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* zum einen in die &#039;&#039;&#039;20 proteinogenen Aminosäuren&#039;&#039;&#039;, die dem Aufbau des Eiweißes im Organismus dienen, &lt;br /&gt;
* zum anderen aber auch in die die &#039;&#039;&#039;Aminosäuren konstituierenden Elemente&#039;&#039;&#039;: Kohlenstoff, Sauerstoff, Stickstoff, Wasserstoff und Schwefel.&lt;br /&gt;
* Daneben gibt es noch gut &#039;&#039;&#039;250 weitere Aminosäuren, die Zucker&#039;&#039;&#039; und keine Proteine bilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Zerfall vollzieht sich an unterschiedlichen Orten im menschlichen Organismus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ø  In den Nerven/Sinnesorganen ====&lt;br /&gt;
Wie in Kapitel VI beschrieben, dient der Eiweißzerfall der Bewusstseinsbildung. Der Eiweißzerfall findet organbezogen spezifisch in den Nerven/Sinnesorganen statt und bedarf zu seiner Regeneration des Schlafes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ø  Im Verdauungstrakt ====&lt;br /&gt;
Im Verdauungstrakt hingegen dient der Eiweißzerfall dem daraufhin folgenden Aufbau des körpereigenen artspezifischen Eiweißes und dem damit verbundenen spezifischen Immunsystem als dem Instrument der Ich-Organisation im Ätherischen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Proteinstoffwechsel und Ich-Organisation&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Es ist nun notwendig, dass der Mensch, um das Nahrungs-Eiweiß gesund zu verdauen, eine so starke Ich-Organisation habe, dass alles für den menschlichen Organismus notwendige Eiweiß in den Bereich des menschlichen Ätherleibes übergehen kann. Ist das nicht der Fall, so entsteht eine überschüssige Tätigkeit dieses Ätherleibes. Der erhält nicht genug von der Ich-Organisation vorbereitete Eiweißubstanz für seine Tätigkeit. Die Folge davon ist, dass die auf die Belebung des von der Ich-Organisation aufgenommenen Eiweißes orientierte Tätigkeit sich des Eiweißes bemächtigt, das noch fremde Ätherwirkungen enthält.“[4]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die entscheidende Vorbereitung für den Eiweiß-Aufbau durch die Ich-Organisation ist, so gesehen, die vollkommene Abtötung der aus dem Nahrungsmittel stammenden, noch vorhandenen ‚fremden‘ Ätherwirkungen. Das fremde Leben muss sterben, damit das eigene Körperleben gesund aufleben kann: &#039;&#039;„Alles, was in den Bereich der Ich-Organisation kommt, erstirbt.“[5]&#039;&#039; Das bedeutet: Die in den aufgenommenen Nahrungsmitteln noch vorhandenen ‚ätherischen Fremdwirkungen‘ müssen überwunden und zum Austreten aus dem Organismus gebracht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zusammenwirken von Ich-Organisation und AL&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dem dienen laut Steiner und Wegman die Abbauvorgänge, bei denen die astralische und die Ich-Organisation zusammenwirken: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Während die &#039;&#039;&#039;astralische Organisation&#039;&#039;&#039; Lebendiges nur &#039;&#039;ablähmen&#039;&#039; könne, &lt;br /&gt;
* sei es Aufgabe der &#039;&#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;&#039;, die Sterbeprozesse zu beherrschen und die Eiweißsubstanz in ihre anorganischen Bestandteile zu &#039;&#039;zerlegen&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst dann komme die Eiweißsubstanz unter die Einwirkung des menschlichen physischen Leibes, &#039;&#039;„der in seiner Form ein Ergebnis der menschlichen Ich-Organisation ist“[6]&#039;&#039; Die physische Organisation als ganzheitliches Gestaltungsprinzip unterscheide sich von der anorganischen Natur außerhalb des menschlichen Organismus dadurch, dass in ihr die Gesetze, die die anorganische Materie beherrschen, sich der Tätigkeit der Ich-Organisation fügen und die von ihr bestimmten Gestaltungen annehmen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Proteinabbau und Peptidbindungen im Detail&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das mit der Nahrung aufgenommene Eiweiß wird im Magen primär von dem/der im Fundus sezernierten Pepsin/Peptidase (auflösendes Enzym) angegriffen und dann weiter durch die Pankreas-Peptidase (pepsis, altgriechisch: Verdauung) in Peptone zersetzt. Unter Pepton versteht man ein Gemisch aus Aminosäuren und Aminosäureverbindungen, d.h. Peptiden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Proteinabbau geschieht über Endopeptidasen, deren maßgeblicher Vertreter das Trypsin ist. Diese Eiweiß abbauenden Enzyme können die Proteine an bestimmten Stellen spalten und in Aminosäuren zerlegen – je nach Darmregion in verschiedene Peptidbindungen. Unter Peptidbindung versteht man die Verbindung zweier Aminosäuren und mehr – bis hin zu hochkomplexen Eiweißstrukturen.[7]&amp;lt;sup&amp;gt;,&amp;lt;/sup&amp;gt; [8]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Recht hat man die enorme Vielfalt an Eiweißstoffen und deren komplexe Strukturen mit einem biochemischen Alphabet verglichen. Denn die 20 Aminosäuren – vergleichbar den Buchstaben im Alphabet – können diese enorme Vielfalt an Substraten zustande bringen. Dabei lässt sich diese Vielfalt aus den Aminosäuren ebenso wenig erklären, wie sich ein Gedicht aus den Buchstaben erklären lässt, aus denen seine Worte zusammengesetzt sind – geschweige denn der ganze Kulturreichtum menschlichen Schrifttums.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Albuminurie als Folge von unzureichendem Proteinabbau&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Bei unzureichendem Proteinabbau durch die astralische und die Ich-Organisation gelangt noch mit Fremdleben behaftetes Eiweiß in das Blut und muss ausgeschieden werden. In &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; heißt es zum Eiweißmetabolismus: &#039;&#039;„Nun sind die Kräfte, die im Menschen die Ausscheidung bewirken, an den Bereich des astralischen Leibes gebunden. Indem dieser bei der Albuminurie gezwungen ist, eine Tätigkeit auszuführen, auf die hin er nicht orientiert ist, verkümmert seine Tätigkeit für diejenigen Stellen des menschlichen Organismus, an denen sie sich entfalten sollte. Das ist in den Nierenepithelien. In der Schädigung der Nierenepithelien ist ein Symptom vorhanden für die Ablenkung der für sie bestimmten Tätigkeit des astralischen Leibes. Man sieht aus diesem Zusammenhange, wo die Heilung bei der Albuminurie einsetzen muss. Es ist die Kraft der Ich-Organisation in der Pankreasdrüse, die zu schwach ist, zu verstärken.“[9]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Besondere an dieser Sichtweise ist, dass hier primär das Wesensgliederwirken geschildert wird. Deren dysfunktionales Zusammenwirken bringt die Krankheitssymptome hervor. Therapeutische Ansätze zeigen – wo vorhanden – ebenfalls nur den prinzipiellen Ansatz für eine Wiederherstellung des harmonischen Zusammenwirkens an. Es liegen inzwischen aber gediegene internistische Expertisen vor.[10]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[11]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27, S. 44.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Für dieses Kapitel verdanke ich dem Internisten und Mitbegründer des Gemeinschaftskrankenhauses Havelhöhe, &#039;&#039;Matthias Girke&#039;&#039;, wertvolle Hinweise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Siehe FN1, S. 47.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe FN1, S. 49.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Siehe FN1, S. 48.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Jede Aminosäure hat ein sogenanntes Aminoende in Form einer Stickstoff/Wasserstoff-Verbindung (NH) und ein Carboxylende in Form einer Kohlenstoff/Sauerstoff-Verbindung (CO). Das Besondere dabei ist nun, dass das Carboxylende sauer reagiert und das Aminoende basisch. D.h., die Eiweißstruktur verhält sich wie ein ‚lebendiges Salz‘, da Salze aus der Verbindung von Säuren und Laugen herauskristallisieren, wie beispielsweise das Kochsalz aus Natronlauge und Salzsäure. Dieser salzähnlichen Struktur verdankt das Eiweiß auch seine Fähigkeit, das Säure/Basengleichgewicht im Blut zu unterstützen, da es dadurch ausgleichende Puffereigenschaften besitzt. Ähnliche Eigenschaften besitzt auch der Schwefel als sogenanntes amphoteres Element, weswegen er sich sowohl leicht mit Säuren als auch mit Laugen verbinden kann und selber nicht zu den klassischen Laugen- oder Säurebildnern gehört. Schwefelhaltige Aminosäuren spielen daher eine entscheidende Rolle im aktiven Bezirk von Enzymen, weil sie leicht die verschiedensten Bindungen eingehen können. (Vgl. Zeeck 2020, 266–275).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Insulin ist beispielsweise ein Peptidhormon, das aus zwei Peptidketten besteht, die durch Disulfidbrücken (S-S/Schwefel) miteinander verbunden sind und eine komplexe Tertiärstruktur bilden.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Siehe FN1, S. 50.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Vgl. Girke (2020) u. Girke u. a. (2020).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FETTSTOFFWECHSEL UND DIE „TRÜGERISCHEN LOKALEN SYMPTOMENKOMPLEXE“ AUS SICHT DER AM ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielt die Ich-Organisation beim Fettstoffwechsel?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wirkt sich eine geschwächte Ich-Organisation auf die anderen Wesensglieder aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sind laut Steiner und Wegman geeignete Präventions- und Therapiemaßnahmen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Rolle der Ich-Organisation bei der Verdauung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel VIII von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; wurde bereits auf die verschiedenen Bereiche des Verdauungssystems Bezug genommen, in denen die drei Grundnahrungsmittel Kohlenhydrate, Eiweiß und Fette primär verarbeitet werden: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Bei den &#039;&#039;&#039;Kohlenhydraten&#039;&#039;&#039; begann die Verdauungsarbeit bereits &#039;&#039;im Mund&#039;&#039;, &lt;br /&gt;
* beim &#039;&#039;&#039;Eiweiß&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;im Magen&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
* Bei den &#039;&#039;&#039;Fetten&#039;&#039;&#039; erfolgt die Aufspaltung in Glycerin und Fettsäuren erst &#039;&#039;im oberen Dünndarm&#039;&#039;, wo die Pankreasenzyme ihre volle Wirksamkeit entfalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ø  Ich-Organisation und Kohlenhydratstoffwechsel ====&lt;br /&gt;
Aus anthroposophischer Perspektive hat die Ich-Organisation mit dem Kohlenhydratstoffwechsel sozusagen die meiste Arbeit – einschließlich der zentralen Rolle, die die Glukose als Hauptenergielieferant im Zellstoffwechsel spielt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ø  Ich-Organisation und Eiweißstoffwechsel ====&lt;br /&gt;
Dann folgen die Eiweiße und ihre Beherrschung im Dienst von Aufbau, Gestaltbildung, Regeneration, körpereigener Abwehr. Häufigste Symptomatik, wenn dies nicht regelhaft verläuft, ist der allergische Formenkreis. Der allergischen Reaktionsbereitschaft liegt die im vorigen Kapitel geschilderte Dysfunktionalität der Ich-Organisation im Ätherischen ebenfalls zu Grunde, so dass sich die Eiweiße nicht vollständig genug zur ‚eigenen‘ Körpersubstanz umwandeln können. Gegen die dadurch noch vorhandenen Fremdwirkungen wehrt sich das Immunsystem dann in Form der allergischen Reaktion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ø  Ich-Organisation und Fettstoffwechsel ====&lt;br /&gt;
Allergische Reaktionen kommen bei den Fetten so gut wie nicht vor. Bei der Verdauung dieser Substanz hat die Ich-Organisation sozusagen ‚am wenigsten Arbeit‘. Die Pflanzen bilden ihre Öle und Fette als Speichersubstanz im Samen. Dieser ist zwar Träger des Erbgutes, hat jedoch noch kein eignes Leben, weswegen er auch unter geeigneten klimatischen Bedingungen nahezu unbegrenzt haltbar ist. Hier ist am wenigsten ‚Fremdes‘ zu überwinden. Die Fette dienen im tierischen und menschlichen Organismus zum einen der Bildung von Depotschutz und Speichersubstanzen. Zum anderen sind sie – je nach Kettenlänge der Fettsäuren im dreigliedrigen Organismus – unterschiedlich am Stoffwechselgeschehen beteiligt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;&#039;kurzkettigen&#039;&#039;&#039;, hoch ungesättigten Fettsäuren bis zu einer Kettenläge von C 14 sind hochgradig stoffwechselaktiv. &lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;&#039;langkettigen&#039;&#039;&#039; bis C 24 kommen fast ausschließlich im Nervensystem vor als maßgeblicher Bestandteil der Cerebroside, die in den Markscheiden (Myelin) in Form der Glycosphingolipide für Stabilität und Isolierung der Nervenbahnen sorgen. &lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;&#039;mittelkettigen&#039;&#039;&#039; bis C 18 nehmen hingegen als Hauptbestandteil gesunder Nahrungsfette eine mittlere Stellung ein. Sie spielen sowohl als Depotfett eine Rolle, können aber auch in ungesättigt-stoffwechselaktiver Form im ganzen Körper vorkommen.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wärme durch Fettverbrennung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Allen Fetten ist gemeinsam, dass bei ihrem ‚Verbrennen‘ im Zellstoffwechsel zu den Endbausteinen Kohlendioxid und Wasser mehr als doppelt so viel Wärme frei wird, als dies bei Kohlenhydraten und Eiweißen geschieht, nämlich 9,3 kcal pro Gramm (kcal/g) im Gegensatz zu jeweils 4,1 kcal/g beim oxidativen Abbau von Kohlenhydraten und Eiweiß. Im tierischen Organismus wird die Wärmebildung durch ihren artspezifischen Astralleib harmonisch geregelt, so wie auch die Depot- und Stoffwechselaktivität der Spaltprodukte des Fettes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im menschlichen Organismus ist das anders. Hier hat die Ich-Organisation nach Steiner und Wegman die Aufgabe, dem Fettstoffwechsel insgesamt die &#039;&#039;„Orientierung zum Menschlichen hin“&#039;&#039; zu ermöglichen – durch Zurückhaltung bzw. Überwindung der animalischen Natur: durch Beherrschung des Astralleibes durch die Ich-Organisation. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bekannt ist auch der hohe Wärme- und Energieverbrauch im Nerven/Sinnesbereich als Grundlage der Bewusstseinsbildung, weswegen auch das Tragen von Mützen und Hüten zum Schutz vor Kälte und Wind nicht nur eine wichtige Unterstützung des Wärmeorganismus und damit der Funktionalität der Ich-Organisation ist. Es unterstützt auch die bewusste seelisch-geistige Tätigkeit im Milieu der seelischen und geistigen Wärme gemäß Kapitel V.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Bedeutung des Fettanteils der Muttermilch&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Abs. 5 des X. Kapitels kommen die Autoren zum zweiten Mal neben dem Kapitel VII auf die Bedeutung der Muttermilch zu sprechen. Der Fettanteil in der Muttermilch dient nicht den Bildeprozessen im eigenen Körper, sondern dem Wesen des Ungeborenen. Es ist eine vollkommen ‚vermenschlichte‘ Substanz, die so auch die Bildekräfte der Ich-Organisation der Mutter, die in der Wärme leben, direkt aus der warmen Mutterbrust in den warmen Körper des Säuglings überträgt. Mit dieser ununterbrochenen Wärmekette ist ein Höchstmaß an Muttermilchqualität verbunden und die bestmögliche Ernährung in der ersten Zeit außerhalb des Mutterleibes. Die dringenden Empfehlungen anthroposophischer Ärzte und Hebammen zum Stillen gehen auch auf diesen Zusammenhang zurück[3] ebenso die Erfolge der ‚Rooming in‘-Praxis in den Kinderabteilungen anthroposophischer Krankenhäuser.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;„Trügerische lokale Symptomenkomplexe“&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Da die Ich-Organisation über den jeweiligen Wärmezustand der Organe ihre Integrationsarbeit leistet, muss sie sich dabei auf die Wärmebildung im Fettstoffwechsel stützen. Und je nachdem, in welchem Organ es – aus welchen Gründen auch immer – zu einer Über- oder Unterversorgung mit Wärme kommt, treten die in der Kapitelüberschrift genannten &#039;&#039;„trügerischen lokalen Symptomenkomplexe“&#039;&#039; auf, denen die drei letzten Absätze des Kapitels gewidmet sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Adipositas durch „parasitäre Wärmeherde“ ====&lt;br /&gt;
An erster Stelle wird in Abs. 6 eine Fettaufnahme genannt, die die Ich-Organisation nicht in den von ihr beherrschten Stoffwechselvorgängen ‚aufzehren‘ kann. Dann bleiben Fettreserven im Körper liegen, die nicht in gesunder Wärmewirkung durch Aufnahme in die Aktivität der Ich-Organisation aufgehen können. Steiner und Wegman nennen sie &#039;&#039;„parasitäre Wärmeherde“&#039;&#039;, die in der Lage sind, die Lebensvorgänge anderer Organe zu „beirren“.[5] Ein ‚Zuviel‘ an Wärme bedeutet aber die Neigung zu entzündlichen Prozessen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner beschreibt in diesem Zusammenhang für die Lehrer der Waldorfschule auch die Bedeutung der Gliedmaßenaktivität für die gesunde Entwicklung: &#039;&#039;„Unsere Glieder sind in hohem Grade geistig, und sie sind es, welche an unserem Leib zehren, wenn sie sich bewegen. Und der Leib ist darauf angewiesen, in sich dasjenige zu entwickeln, wozu der Mensch eigentlich veranlagt ist von seiner Geburt an. Bewegen sich die Glieder zuwenig oder bewegen sie sich nicht entsprechend, dann zehren sie nicht genug am Leibe.“[6]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inzwischen ist auch bekannt, dass Adipositas zur vermehrten Infiltration des Fettgewebes mit Entzündungszellen führt.[7]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Durchwärmende Bewegung&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Kommt es demgegenüber zu einer vermehrten Aktivität der Ich-Organisation in Bewegung und körperlicher Aktivität, so bilden sich diese parasitären Entzündungsprozesse zurück. Willensaktivität, Bewegung und Lebensstilinterventionen können daher die Krankheitsprogression und die CRP-Spiegel positiv beeinflussen.[8] Zwischenzeitlich ist auch wissenschaftlich mehrfach dokumentiert, dass Bewegung die chronische Entzündung reduziert: Die bewegungsaktive Wesensgliederwirksamkeit im Stoffwechsel-Gliedmaßen-System führt die chronische Inflammation mit ihrer nachfolgenden reaktiven Sklerotisierungstendenz heilsam in die Wärme.[9] Auch die Bedeutung der Ernährung für die kognitiven Prozesse konnte inzwischen herausgearbeitet werden.[10]&amp;lt;sup&amp;gt;,&amp;lt;/sup&amp;gt; [11]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Neigung zur Verhärtung und Versteifung durch Wärmeverminderung ====&lt;br /&gt;
In Abs. 7 wird das Umgekehrte geschildert: Was geschieht, wenn es der Ich-Organisation nicht möglich ist, über ihre Stoffwechselaktivität hinaus auch noch genügend Wärmeentwicklung bereitzustellen, &#039;&#039;„um die Muskel- und Knochen-Mechanik in Ordnung zu halten“&#039;&#039;&#039;[12]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;. Die Folge einer solchen Wärmeverminderung bedeutet die Neigung zur Verhärtung und Versteifung sowie zum Brüchigwerden der Knochen (z.B. Osteoporose).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Neigung zu „überreichlicher, den Organismus überlastender Nahrungsaufnahme“ ====&lt;br /&gt;
Im letzten Absatz wird als Folge der parasitären Wärmeherde und ihres Einflusses auf die Stoffwechselorgane die Neigung zu &#039;&#039;„überreichlicher, den Organismus überlastender Nahrungsaufnahme“[13]&#039;&#039; beschrieben. Damit ist sowohl die Veranlagung zu Adipositas gemeint (Übergewicht) als auch eine lokale Überversorgung eines Organgebietes auf Kosten einer Unterversorgung eines anderen. Das auf diese Weise unterversorgte Organ erleidet dadurch Einbußen in seiner gesunden Funktionsfähigkeit – z.B. kann ein Ungleichgewicht entstehen zwischen der Gallenabsonderung in der Leber und der Sammlung und Konzentrierung in der Gallenblase im Verhältnis zur Sekretionsleistung der Bauchspeicheldrüse. Zu den dadurch möglicherweise entstehenden Krankheitsbildern gehören auch die Arteriosklerose/koronare Herzkrankheit sowie Krebserkrankungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist schon lange bekannt, dass hier drei Prozesse aufeinanderfolgen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# eine &#039;&#039;&#039;entzündliche Neigung&#039;&#039;&#039;, &lt;br /&gt;
# auf die der Organismus z.B. mit &#039;&#039;&#039;Fettablagerungen in den Blutgefäßen&#039;&#039;&#039; reagiert (Atherosklerose),&lt;br /&gt;
# die dann in eine &#039;&#039;&#039;manifeste Sklerose&#039;&#039;&#039; übergehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wo sklerotische Erscheinungen auftreten, wird sichtbar, dass Substanzen aus dem Leben herausfallen, sodass dadurch mineralisierende Zerfallsprozesse am falschen Ort auftreten können. Die ätherische Organisation kann das physische Organ nicht mehr zureichend beleben und beginnt in ihrem eigenen Bereich zu wuchern, was zu pathologischem Zellwachstum einer beginnenden Krebserkrankung führen kann, das von der astralischen Organisation entsprechend nicht mehr genügend differenziert und von der Ich-Organisation integriert werden kann.[14]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Prävention durch Stärkung des Wärmeorganismus in Kindheit und Jugend&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Den Pädagogen gegenüber berichtet Steiner, wie sie der Neigung, parasitäre Wärmeherde zu entwickeln, im heranwachsenden Kind dadurch entgegenwirken können, dass sie im Grundschulalter auf lebendig-künstlerische Art unterrichten und die Wissensinhalte nicht intellektuell-definitorisch-kühl vortragen. Dann kann die sukzessive stattfindende Metamorphose der astralischen Kräfte zwischen dem 7. und 14. Lebensjahr so erfolgen, dass sich dieses freiwerdende Gefühlsleben warm und mit Sympathie an die neuen Gedanken anschließen kann. Dadurch wird dann zugleich die Fähigkeit der Ich-Organisation unterstützt, den Wärmeorganismus auch vom Seelisch-Geistigen aus in seiner regulierenden Wirkung differenziert zu handhaben.[15]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese positive Wirkung, die das Gedankenleben in Verbindung mit dem Gefühl in Form von Idealismus und Begeisterung auf den Wärmeorganismus haben kann, spielt auch auf dem anthroposophischen Schulungsweg eine zentrale Rolle, weswegen die Grundübung dazu bereits im ersten Kapitel von &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“&#039;&#039; steht: &#039;&#039;„Jede Idee, die dir nicht zum Ideal wird, ertötet in deiner Seele eine Kraft; jede Idee, die aber zum Ideal wird, erschafft in dir Lebenskräfte.“[16]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[17]&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27, S. 51.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Siehe auch die Beschreibung des Fettstoffwechsels bei Wolff (2013), 119–188.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Vgl. Glöckler u. a. (2024b).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Das Gemeinschaftskrankenhaus in Herdecke – 1969 eröffnet – war das erste in Deutschland, wo die Mutter/Kind-Einheit auf der Geburtshilfestation Standard war und alles geschah, um das Stillen und die Mutter/Kind-Einheit zu fördern, aber auch das Dabeisein-Können der Väter bei der Geburt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Siehe FN1, S. 52f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik,&#039;&#039; GA 293, S. 196.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Adipozyten produzieren proinflammatorische Zytokine wie z.B. TNF-α, Interleukin-1, Interleukin-6, MCP (Monocyte Chemoattractant Protein). Dabei ist der Entzündungsmarker CRP (C-reaktives Protein), der finnischen Diabetes-Präventionsstudie zufolge, der beste Prädiktor für die Progression zum manifesten Diabetes bei Patienten mit gestörter Glukose-Toleranz. Damit verbindet sich mit dem vor allem visceralen, weißen Fettgewebe ein chronischer Entzündungswärmeprozess parasitärer Art. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Vgl. Martin und Weiß (2008), 30–40; Belalcazar u. a. (2010), 2297–2303.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Nieß und Thiel (2017), 112–126.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Vgl. Witte u. a. (2009), 1255–1260.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Die hier zusammengestellten Referenzen 247–250 sind der Publikation &#039;&#039;„Innere Medizin“&#039;&#039; von &#039;&#039;Girke&#039;&#039; entnommen: Siehe Girke (2020), 597–736.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Siehe FN 1, S. 53.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] Vgl. Girke (2020), 345–351.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[15] Siehe FN 8, S. 210 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[16] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?,&#039;&#039; GA 10, &#039;&#039;S&#039;&#039; 28.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[17] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE ZWIENATUR DES MENSCHEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist unter Zwienatur des Menschen zu verstehen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie erklärt sich dadurch der Zusammenhang von Denken und Verdauung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Selbsterkenntnis zur Verwandlung in etwas Neues&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der mittelalterliche Mystiker Meister Eckehart prägte diesen Satz: &#039;&#039;„Wäre ich ein König und wüsste es nicht, ich wäre kein König.“&#039;&#039; Es genügt nicht, ein wunderbares, von Gott geschaffenes Menschen-Ich zu sein, wenn ich mich nicht als Ich erfassen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um jedoch mein Ich in seiner Wesenhaftigkeit erfassen zu können, muss ich das Eingeschlossen-Sein in einen ganz individuellen Leib, den ich mir selber bilde, erleben. Erst wenn ich mich durch das Eingebunden-Sein in die Naturgesetze selbst gebildet habe, kann das Geistige frei vom Naturgesetz werden und das Ich in der Freiheit des Denkens erwachen. Dann kann ich mit derselben Lebenskraft, die der „alten Schöpfung“ der Natur zugrunde liegt, an der neuen Schöpfung im reinen, freien Denken arbeiten – diesmal befreit vom Gesetz der Natur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Stoffwechselbetonter und erkenntnisgestützter Anteil&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Seine Zwienatur macht sich dem Menschen auf seelisch-geistiger Ebene ständig bemerkbar: Er muss zwischen seinen Interessen und denen seiner Umwelt das zweischneidige Schwert des Ich führen, muss mit den Kräften des Verbindens und des Trennens umgehen lernen, muss lernen sich zu verbinden und sich zu trennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch ist auch als denkender Mensch und als körperliches, stoffwechselbetontes Wesen eine Zwienatur – da kommt der medizinische Aspekt zum Tragen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Den &#039;&#039;körperlich-stoffwechselbetonten Aspekt&#039;&#039; nennen wir das unbewusste Körper­leben.&lt;br /&gt;
* Den &#039;&#039;erkenntnisgestützten Aspekt&#039;&#039; nennen wir Geistesleben oder Gedankenleben, das bewusste Körperleben.&lt;br /&gt;
* Es gehört zu den wichtigsten Forschungsergebnissen Rudolf Steiners, den Zusammenhang zwischen dem unbewussten Stoffwechsel, zu dem auch die Fähigkeit zur Regeneration gehört, und der bewussten Gedankentätigkeit entdeckt und beschrieben zu haben. &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Wenn der Mensch verdaut&#039;&#039;, nimmt er die Stoffe ganz in sich hinein, absorbiert sie und verwandelt sie in sich selbst.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Wenn der Mensch nachdenkt&#039;&#039;, ist er nicht bei sich, sondern „ganz bei der Sache“, wie wir so schön sagen. Er konzentriert sich und wird von dem Thema, das zu durchdenken ist, völlig absorbiert. Wenn ich „zwei plus zwei ist vier“ denke, bin ich in meinem Bewusstsein bei den Zahlen und nicht bei mir und meinen persönlichen Angelegenheiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Denken versus Verdauung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Gedankenarbeit und Erkenntnisarbeit verlaufen also polar zur Verdauungstätigkeit: Im Verdauen wird die Welt Mensch, beim Erkennen wird der Mensch Welt. Je mehr ich bei der Sache bin, je mehr ich mein Denken zur Berührungsfläche werden lasse mit der Welt, umso stärker werde ich im Geistigen, desto mehr komme ich von mir los – dank der wunderbaren ätherischen Regenbogenbrückenkräfte. Dann bin ich gesund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn bestimmte Ziele jedoch nicht angestrebt und deshalb auch nicht erreicht werden, wenn es so ist, wie es in der Apokalypse heißt, dass die Menschen sich nicht ändern, dass sie in ihrer Entwicklung stehen bleiben, dass sie nichts tun und nicht vom Fleck kommen, wenn es irgendwann solche Formen annimmt, wie es symbolisiert wird durch „die Hure Babylon“, dass alle Güter der Welt im Dienst des Egos stehen, dann werden alle möglichen Leiden und Schmerzen die Folge sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sind der alten Gesetzmäßigkeit, die uns ausführlich erklärt wird im Buch der Apoka­lypse, noch nicht zur Gänze entwachsen. Diese Gesetze bilden immer noch den Grundstock unserer Natur. Es wird auch deutlich gemacht, dass jeder selbst den Schlüssel in der Hand hat, um dem entgegen zu wirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Zusammenstellung von Vorträgen über „Die sieben Siegel der Apokalypse“, 2007&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== SUBSTANZSTRÖME BEI AUFBAU UND ABBAU ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Umwandlungsschritte erfährt die Nahrungssubstanz im Zuge der Verdauung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie agieren Substanzen im Bereich des Physischen, Ätherischen, Astralischen und unter dem Einfluss der Ich-Organisation?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Einander entgegengesetzte Substanzströme&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der menschlichen Konstitution finden entsprechend den jeweiligen Gesetzeszusam-menhängen der ätherischen, astralischen und Ich-Organisation drei sehr unterschiedliche Umwandlungsschritte der durch die Nahrung aufgenommenen und dann vom Organismus weiterverarbeiteten Substanzen statt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst…“&#039;&#039; sprechen die Autoren von zwei verschiedenen „Substanzströmen“:[1] Die im Wachzustand durch die astralische und Ich-Organisation initiierten abbauenden Substanzströme sind dem Aufbaugeschehen, das durch den Ätherleib besorgt wird, entgegengesetzt. Das erklärt die Notwendigkeit, Schlafphasen und Wachphasen abwechseln zu lassen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Im Schlaf überwiegt der&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Aufbau&#039;&#039;&#039; durch &#039;&#039;das&#039;&#039; &#039;&#039;Ätherische&#039;&#039;, wodurch die aufbauenden Lebensprozesse wie Wachstum und Regeneration erstarken. &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Im Wachen überwiegt der&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Abbau&#039;&#039;&#039;, indem &#039;&#039;Astralleib und Ich-Organisation&#039;&#039; ihre Aktivität entfalten, wodurch wir Bewusstsein erlangen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits in der 1918 erschienenen zweiten Auflage von „&#039;&#039;Die Philosophie der Freiheit“,[2]&#039;&#039; begründete Rudolf Steiner philosophisch, dass dem Entstehen von Bewusstsein (Astralleib) und Selbstbewusstsein (Ich-Organisation) Abbauprozesse zugrunde liegen (müssen). Das führte er auch in seinem Vortragswerk immer wieder aus.[3] In &#039;&#039;„Erweiterung der Heilkunst…“[4]&#039;&#039; wird dieses Geschehen von der körperlich-substanziellen Seite aus im Verlaufe der einzelnen Kapitel des Buches eingehend beschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verhältnis von Substanzwirkung und jeweiliger Kräftewirkung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Was für das anthroposophische Substanzverständnis und die damit verbundene Art der Arzneimittelfindung und -herstellung wichtig ist, wird in Kapitel 1 auf den Punkt gebracht: Die Substanzen ändern ihre ‚Wesensoffenbarung’ und damit ihre Wirkung je nachdem, mit welchem Kräftebereich und Gesetzeszusammenhang (Wesensglied) sie es in Mensch und Natur zu tun haben: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Im physischen Kräftebereich&#039;&#039;&#039; zeigen Substanzen ihre mineralischen Materialeigen-schaften im Kontext der &#039;&#039;Aggregatzustände&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Im ätherischen Kräftebereich&#039;&#039;&#039; entfaltet sich der ganze Reichtum biochemischer Prozesse in der Bildung sekundärer Pflanzenstoffe und artspezifischer Eiweißkonfi-guration bei Mensch und Tier – was die offenkundigste &#039;&#039;Auswirkung von Ernährung&#039;&#039; ist.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Im astralischen Kräftebereich&#039;&#039;&#039; zeigen sich die katabolen (abbauenden), degenerativen Prozesse, die &#039;&#039;Bewusstsein ermöglichen&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
* Wohingegen &#039;&#039;&#039;im Kräftebereich der Ich-Organisation&#039;&#039;&#039; die Substanz &#039;&#039;Geist tragend&#039;&#039; &#039;&#039;wird&#039;&#039;, was aber körperlich bedeutet, dass sie abstirbt. Ein Hinweis auf die Bedeutsamkeit dieses Todesprozesses sind die Jesusworte: &#039;&#039;„Der Mensch lebt nicht von Brot allein, …“&#039;&#039;.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man wird bei einer solchen Betrachtung an das Novalis-Wort erinnert: &#039;&#039;„Wenn ein Geist stirbt, wird er Mensch – Wenn d[er] Mensch stirbt, wird er Geist.“[6]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Gesundheit als Gleichgewicht zwischen Auf- und Abbau&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Gesundheit liegt vor bzw. tritt ein, wenn die Substanzprozesse in den jeweiligen Kräfte-bereichen sich das Gleichgewicht halten können. Je mehr dieses Gleichgewicht gestört ist, desto eher treten Krankheitserscheinungen auf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die prozessorientierten Arzneimittel der anthroposophischen Pharmazie haben daher primär die Aufgabe regulierend zu wirken, indem sie das Gleichgewicht wiederherstellen.[7] Sie unterstützen dabei die integrierende Kompetenz der Ich-Organisation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[8]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegmann, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst…“,&#039;&#039; GA 27, S. 28 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Vgl. dazu die Zusätze zur 2. Auflage von Rudolf Steiner, „&#039;&#039;Die&#039;&#039; &#039;&#039;Philosophie der Freiheit&#039;&#039;“ von 1918.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Z. B. Rudolf Steiner, „&#039;&#039;Geschichtliche Notwendigkeit und Freiheit. Schicksalseinwirkungen aus der Welt der Toten. Geistige Wesen und ihre Wirkungen, Band III“&#039;&#039;, GA 179, S. 122–125.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe FN 1.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Neues Testament, &#039;&#039;Matthäus Kap. 4, 4.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Novalis (2013), S. 436.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Vgl. Pedersen und Meyer (2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Offenborn</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Immunsystem_und_Immunisierung&amp;diff=1232</id>
		<title>Immunsystem und Immunisierung</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Immunsystem_und_Immunisierung&amp;diff=1232"/>
		<updated>2026-01-01T14:04:24Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Offenborn: Neuen Text eingefügt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= Immunsystem und Immunisierung – von Michaela Glöckler =&lt;br /&gt;
Auszüge aus Büchern und Vorträgen von [[Michaela Glöckler]]; Erstveröffentlichung auf https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== IMMUNSYSTEM UND MOTIVATION ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was können wir zur Stärkung unseres Immunsystems tun?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was drücken Lachen und Weinen aus?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Heilende Motivation und Ich-Regsamkeit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Zunächst ein paar Anmerkungen, damit wir die gesundheitliche Seite besser verstehen. Jede Hausfrau und Mutter hat Folgendes schon erlebt: Wenn sie ihre Arbeit fröhlich und motiviert verrichtet, werden bei einer Grippewelle alle in ihrer Umgebung krank, sie selbst steckt sich aber nicht an – eine klassische Erfahrung. Im Urlaub oder wenn sie Zeit hat, wird sie auch mal krank, falls sie es braucht, aber wenn es darauf ankommt, bleibt sie gesund. Diese Erfahrung wurde inzwischen durch viele Studien bestätigt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Trauer, Stress, Angst und Schmerz&#039;&#039;&#039; schwächen das Immunsystem,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Motivation, Freude, Zuversicht und     Zufriedenheit&#039;&#039;&#039; stärken es.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rahmen einer Studie wurden die Ehemänner von Frauen, bei denen Brustkrebs diagnostiziert worden war, untersucht. Man bemerkte bei ihnen sechs Wochen nach der Diagnosestellung einen signifikanten Anstieg an allen möglichen Infekten – Darmgrippen, Erkältungskrankheiten, Lungenentzündungen. Die untersuchten Männer erkrankten viel häufiger als die Ehemänner gesunder Frauen. Auslöser war die nahe Beziehung zum leidenden Ehepartner. Unter therapeutischer Begleitung wurde dann Trauerarbeit und Motivationsarbeit geleistet. Es wurden Perspektiven erarbeitet, z.B. wie sie ihren Frauen helfen könnten, was sie für sie tun könnten beim weiteren Verlauf der Krankheit. Das hat nach weiteren sechs Wochen einen Rückgang der Infekte bis hin zu einer weitgehenden Normalisierung bewirkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wie Regeneration geschieht&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Ätherleib kann den physischen Leib nur mithilfe der Stärke und Klarheit des Ich regenerieren. Die Ich-Kraft und die Regsamkeit des Astralleibs müssen sich in der richtigen Weise in den Aufbauprozess einschalten, um den Ätherleib bei der Erhaltung und Regeneration unseres physischen Leibes unterstützen zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Im Schmerz und im Leid erstarrt der Astralleib, verliert seine Wendigkeit und auch das wirkt sich auf den Ätherleib aus, auf die Bewegung, die der Astralleib mit dem Ätherleib macht.&lt;br /&gt;
* Lachen, Heiterkeit und Humor bewirken, dass der Astralleib sich entspannt, wieder regsam wird und sich förmlich in den physisch-ätherischen Organismus ergießt. Deshalb wird uns beim Lachen meist so richtig warm. Und wenn wir uns anschauen, worüber wir lachen, so erkennen wir oft ganz bestimmte Aufweck-Motive, die unserem Ich helfen, sich etwas bewusst zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Freude, Lachen, Heiterkeit und Lebenszuversicht wirken sich stärkend auf die Arbeit des Ätherleibs am physischen Leib aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zwischen Lachen und Weinen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Lachen&#039;&#039;&#039; ist immer ein Ausdruck von Überschusskräften des Ich. Deswegen wirkt sich das Lachen inkarnierend aus, auch wenn es den Organismus lockert. Diese Lockerung wirkt sich nicht als Verlust an Bewusstsein aus, sondern verstärkt die Verbindung zur Welt. Das Ergebnis ist ein runderes, freudigeres In-mir-drin-Sein. Freude und Lachen sind Inkarnationshilfen. So gesehen ist verständlich, warum Kinder so gerne lachen: weil sie sich inkarnieren wollen. Deshalb muss man sie auch zum Lachen bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wenn wir Überschusskräfte, „Oberwasser“, haben gegenüber der Welt, &#039;&#039;&#039;lachen wir&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
* Wenn uns etwas zu sehr bedrückt, wenn ein Eindruck seitens der Welt zu stark ist und wir nicht dagegen ankommen, &#039;&#039;&#039;weinen wir&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Weinen&#039;&#039;&#039; und Schmerz verbindet uns mit uns selbst und wirft uns auf uns selbst zurück. Schmerz kann, wenn man sich darin verschließt und verhärtet, zur Exkarnation führen, zum Rückzug aus dem Leben, zur Trauer, zur Verzweiflung, zu einer Schwächung des Immunsystems, zu einer erhöhten Anfälligkeit für Krankheiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch das Bedrückt-Sein und durch unsere Anstrengung damit umzugehen, bringen wir uns andererseits selbst auf den Weg der Entwicklung voran – ständig schwankend zwischen den Polen von Lachen und Weinen. Indem wir uns entwickeln, wird die Meisterschaft des Ich gegenüber den Einflüssen der Welt größer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag „Lachen und Gesundheit“, Dornach, 02.05.1997&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== HERZ UND IMMUNSYSTEM ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie beeinflusst das Herz unser Immunsystem?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Gemeinsame Vorläuferzellen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Normalerweise assoziiert man das Herz nicht mit dem Immunsystem. Das Immunsystem entwickelt sich jedoch von Anfang an als integrierter Bestandteil des Blutes: Die Bildung von Blut, Blutgefäßen und Herz als Zentralorgan des Blutgefäßsystems sind von der frühen Embryonalentwicklung an eine Einheit. Sie haben gemeinsame Vorläuferzellen, die sogenannten Hämangioblasten, die sich bereits vor der Gastrulation am Ende der zweiten und zu Beginn der dritten Entwicklungswoche herausbilden. Von diesen Stammzellen für die Blutbildung stammen nicht nur die Zellen ab, die die Blutgefäße bilden – einschließlich der beiden Herzschläuche, aus denen das spätere Herzorgan hervorgeht – sondern auch die Blutzellen selbst:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die roten Blutkörperchen &#039;&#039;&#039;(Erythrozyten)&#039;&#039;&#039; für den Sauerstofftransport&lt;br /&gt;
* und die sogenannten weißen immunkompetenten Zellen &#039;&#039;&#039;(Leukozyten)&#039;&#039;&#039; zum Schutz des Organismus vor schädigenden Einflüssen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessanterweise beginnt die Blut- und Blutgefäßbildung nahezu zeitgleich in den sogenannten embryonalen Hüllen – dem Dottersack, der Allantois, dem Haftstiel und dem Chorion. Sobald sich zu Beginn der dritten Woche die ersten Blutgefäße auf dem Dottersack und der Allantois differenziert haben, beginnt auch die Blut- und Blutgefäßbildung im Embryo selbst. Allerorten entstehen kleine Blutinseln, aus denen sich bald Gefäßabschnitte und beweglich bleibende Blutzellen herausdifferenzieren und sich sukzessive zu größeren Gefäßabschnitten verbinden, in denen sich das Blut bewegt. Der erste Anstoß zur Bildung des Herz-Kreislaufsystems kommt also aus dem Bereich der embryonalen Hüllen, die sich der Embryo ausbildet, bevor er darin selbst zu wachsen beginnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Gleichzeitige Entwicklung von Zentrum und Umkreis&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das verweist auf einen entscheidenden Zusammenhang als Urgeste alles Lebendigen: Ohne ein adäquates Milieu, ohne einen Umkreis, aus dem man und für den man lebt, ist Leben nicht möglich. So ist es nicht verwunderlich, dass der Embryo zunächst sein Milieu ausbildet, bevor er darin selbst zu reifen beginnt. Dieses Zusammenspiel von Zentrum und Peripherie liegt der Bildung des Herz-Kreislaufsystems von Anfang an archetypisch zugrunde. Beides entwickelt sich gleichzeitig aufeinander zu, keines kann ohne das andere sein. Im Folgenden möchte ich die Entwicklung von Kreislauf und Immunsystem in ihrer Verschränkung etwas detaillierter aufzeigen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; 1. Monat ====&lt;br /&gt;
Schon der früh entwickelte &#039;&#039;Dottersackkreislauf&#039;&#039; unterstützt sogleich die Ernährungs- und Atmungsfunktion des Embryos aufgrund sensibler Wahrnehmungs- und Rückkoppelungs-Prozesse, die den jeweiligen Bedarf an Nährstoffen und Sauerstoff feststellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um den 21. Tag herum bekommt dann auch die &#039;&#039;primitive Herzanlage&#039;&#039; unterhalb des Kopfes des Embryos Anschluss an die Blutgefäße, die sich im Embryo gebildet haben, und beginnt zu schlagen.[1] Neueste Forschungen haben diese umfassende Wahrnehmungsfunktion der Blutgefäßgewebe (Endothelien) für das sich in der Folge entwickelnde Herz-Kreislaufsystem gezeigt.[2] Daher kann auch, wer sich den Bildeprozess von Herz und Kreislauf vor Augen führt, im Herzen keine Pumpe sehen, sondern versteht es vielmehr als ein koordinierendes und impulsierendes Zentrum einer ebenfalls aktiv pulsierenden und ihm zuarbeitenden Peripherie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon bei einem 26 Tage alten Embryo und dem frühembryonalen Kreislauf führen die nährstoffreichen Blutgefäße vom Chorion (Vorläufer der späteren Placenta) durch den Haftstiel (der späteren Nabelschnur) in den Embryo und von dort in den venösen Gefäßen das sauerstoffärmere Blut mit den Abbauprodukten zurück zum Chorion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei liegt die erstaunliche Tatsache vor, dass alle später sehr spezialisierten Zellen des Blutes, der Blutgefäße mit ihrer glatten Muskulatur und dem Herzen selbst mit seiner spezialisierten Herzmuskelstruktur &#039;&#039;eine&#039;&#039; gemeinsame Vorläuferzellart haben: die kardiovaskuläre Vorläuferzelle &#039;&#039;Hämangioblast&#039;&#039; genannt. Alle blutbildenden und Blutgefäße bildenden Zellen stammen von dieser omnipotenten Mesodermzelle ab. Die mesodermalen Zellen bilden das sogenannte mittlere Keimblatt, das in der dritten Woche der Embryonalentwicklung zwischen dem äußeren Keimblatt (Ektoderm) und dem inneren Keimblatt (Entoderm) entsteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ab 2. Monat ====&lt;br /&gt;
Ab dem 2. Monat steigt der Blutbedarf kontinuierlich an. Nach dem Chorion, als wichtigstem Ort der Blutbildung in den ersten Wochen, erfolgt jetzt die intensive Blutbildungstätigkeit zuerst in der Leber, die in der neunten Woche 10 % des gesamten Körpergewichtes des Embryos ausmacht. Später folgen dann die Milz und zuletzt das Knochenmark als Orte der Blutbildung sowie die sich entwickelnden Lymphknoten, während die Leber ihre Blutbildungstätigkeit einstellt. All diese Organe sind fähig, Blutstammzellen zu bilden als Vorläufer der roten Blutkörperchen und die Fülle an differenzierten immun-kompetenten weißen Zellen. Das Lymphsystem hat in diesem Zusammenhang insofern eine Sonderstellung, als es sich erst ab der fünften Woche herauszubilden beginnt, ungefähr zwei Wochen später als das Blutgefäßsystem, da Vorläuferzellen auf diese Funktionen hinorientiert sind.[3]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Herz-Kreislaufsystem ist das erste funktionierende Organsystem des Embryos, in dem bereits Ende der dritten Woche die Zirkulation des Blutes einsetzt und das Herz zu schlagen beginnt. Es begleitet als Organsystem die gesamte Embryonalentwicklung und entwickelt sich bis zuletzt in Resonanz mit diesem Geschehen weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ab der Geburt ====&lt;br /&gt;
Den Schlusspunkt erreicht dieser Prozess nach der Geburt, wenn der fetale Kreislauf beendet wird und der an die Lungen und die Außenluft angeschlossene definitive Kreislauf beginnt. Kein Organ kann sich während der embryonalen und fetalen Entwicklung bilden und weiter ausreifen, wenn nicht Blutgefäße dort einwandern, die Wachstumsprozesse stimulieren und die notwendigen Nährstoffe und den Abtransport von Abbauprodukten sicherstellen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fazit:&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dabei erfüllen das Blut- und das Lymphsystem als „flüssige Organsysteme“ folgende  Aufgaben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Die roten Blutkörperchen agieren zusammen mit den die Blutgefäße auskleidenden Zellen, den Gefäß-Endothelien, als &#039;&#039;&#039;„mobile Sensoren“&#039;&#039;&#039;, die den Sauerstoffbedarf nicht nur in den Lungen, sondern im gesamten Organismus wahrnehmen und dadurch auch die Sauerstoffversorgung der Gewebe bedarfsgerecht regeln können.&lt;br /&gt;
# Die roten Blutkörperchen dienen dem &#039;&#039;&#039;Sauerstofftransport und der Kohlendioxidaufnahme.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
# Die Blutflüssigkeit garantiert den &#039;&#039;&#039;Transport und die Verteilung der Nährstoffe&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
# Die sogenannten weißen Blutzellen (Lymphozyten/20 bis 50% und Leukozyten) stehen im Dienst der &#039;&#039;&#039;Abwehr von Viren, Bakterien und Schadstoffen&#039;&#039;&#039;. Sie dienen zusammen mit anderen Barrierefunktionen des Körpers, wie zum Beispiel der Haut, ganz generell dem Schutz vor schädlichen Einflüssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. M. Glöckler (Hrsg.), Th. Hardtmuth, Ch. Hueck, A. Neider (Hrsg.), H. Ramm, B. Ruf, „Corona und das Rätsel der Immunität. Ermutigende Gedanken, wissenschaftliche Einsichten und soziale Ideen zur Überwindung der Corona-Krise“, 2020 Akanthos Akademie e.V., Stuttgart&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. Keith L. Moore; Persaud, T.V.M.; Torchia, Mark G. (Hrsg.): &#039;&#039;Embryologie. Lehrbuch und Atlas der Entwicklungsgeschichte des Menschen.&#039;&#039; 3. Aufl. Schattauer, Stuttgart/New York 1990, S.69 ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2]Vgl. Branko Furst: &#039;&#039;Autonomie der Blutbewegung. Ein neuer Blick auf Herz und Kreislauf.&#039;&#039; Salumed, Berlin 2020, (Titel der amerikanischen Originalausgabe: The Heart and Circulation. An integrative Model. Edition 2. Springer Nature, Berlin 2020) S. 42.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Siehe ebenda, S.116/17.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== KÖRPERLICHE, SEELISCHE UND GEISTIGE IMMUNISIERUNG ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie hängen Lebensalter und Immunisierung zusammen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Immunisierungsebenen und Altersabschnitte&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== - Körperliche Immunisierung ====&lt;br /&gt;
In der Zeit zwischen null und zwanzig, in der unser Körper sich entwickelt, bis er ausgewachsen ist, treten akute Infekte auf, je früher, desto öfter: Ein Erwachsener mit einer Mittelohrentzündung ist eine Seltenheit. Ein Kind mit einer Mittelohrentzündung ist etwas völlig Normales. In einem Winter vier bis fünf Male krank zu sein, ist für ein Vierjähriges normal – bei einem Erwachsenen ist das oft ein Hinweis auf schwere Erkrankungen. Im Erwachsenenalter sind Infekte oft hochproblematisch, ganz unabhängig davon, ob es sich um eine Kinderkrankheit oder nur um Husten, Schnupfen und Heiserkeit handelt. In der ersten Lebensspanne jedoch sind all diese Erkrankungen normal, weil die Immunisierung, der Aufbau des Immunsystems, zur körperlichen Entwicklung gehört. Das Immunsystem entwickelt sich nur in der Auseinandersetzung mit der Welt und mit Krankheitserregern – entweder still oder laut:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* „Laut“ bedeutet, das Kind bekommt Fieber und ist richtig krank.&lt;br /&gt;
* „Still“ bedeutet, es ist etwas angeschlagen, fühlt sich nach einer Weile aber wieder wohl – es hat den Infekt still durchgemacht. Das wird auch stille Feiung genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Akute Infekte sind normal und erwünscht. Sie haben alle die Aufgabe, das Immunsystem zu stimulieren. Der Sinn der akuten Infekte in Kindheit und Jugend ist ganz offenkundig: Sie dienen der &#039;&#039;körperlichen Immunisierung&#039;&#039; und veranlagen Gesundheit für das ganze Leben. Übrigens zeigen auch viele Praxisversuche, dass Kinderkrankheiten die Krebsanfälligkeit im späteren Leben verringern. Das ist leicht einzusehen. Es bleiben diesbezüglich noch viele interessante Forschungsfelder für die Wissenschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== - Seelische Immunisierung ====&lt;br /&gt;
Die Haupterkrankungen im zweiten Lebensviertel, zwischen 20 und 40, sind keine akuten Infekte mehr. Menschen, die sich eine körperlich-immunologische „Grundausstattung“ erworben haben, egal ob zu 80% oder zu 100%, werden normalerweise zwischen 20 und 40 nicht mehr krank. Viele haben höchstens einen Schnupfen, den sie aber kaum bemerken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber alle haben psychosomatische Probleme oder Schwierigkeiten am Arbeitsplatz bzw. im Privatleben und/oder vegetative Dystonien unterschiedlichster Art: Herzstiche, Kopfschmerzen, Verdauungsprobleme, Schlafstörungen. Es gibt keinen Menschen, der in dieser Zeit keine seelischen Probleme hätte. Diese Probleme müssen ihn nicht unbedingt zum Arzt oder in Therapie bringen, dennoch wird er ziemlich damit ringen müssen. Sie dienen der &#039;&#039;seelischen Immunisierung,&#039;&#039; indem sie den Betreffenden „zwingen“, seelisch an sich zu arbeiten, eine höhere Stresstoleranz und mehr Verständnis zu entwickeln, sich besser wehren zu lernen, usw. Jeder muss sich in diesem Zeitraum eine dicke Haut erwerben, muss lernen, selbst zu bestimmen, was er sich „unter die Haut gehen“ lässt und was daran abprallen soll. Was der Körper zu unterscheiden lernen musste, muss nun auch die Seele erlernen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was lasse ich an mich heran, was weise ich ab?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wo ziehe ich im Seelischen die Grenze zwischen dem Innen und Außen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Schwaben haben wir ein schönes Wort: &#039;&#039;„Mit 40 wird der Schwabe erst gescheit...“.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner sagte, vor dem 42. Lebensjahr wäre man im Sozialen nicht voll kompetent, egal wie klug jemand wäre, und sollte nicht öffentlich als esoterischer Lehrer auftreten. Es würde noch etwas zur seelischen Reifung fehlen, die seelische Immunisierung wäre noch nicht abgeschlossen. Das sind biografisch-evolutionäre Gesetzmäßigkeiten. Die Seele, Empfindungs-, Verstandes- und Bewusstseinsseele, braucht Zeit sich zu entwickeln. Das Ich lernt durch diese Zustände hindurch, sich schrittweise in der eigenen Seele zu beheimaten und sich bewusstseinsmäßig der Welt gegenüber zu behaupten. Dadurch erlangt der Mensch seelische Stabilität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== - Geistige Immunisierung ====&lt;br /&gt;
Für das letzte Lebensdrittel sind chronische Erkrankungen typisch: Diabetes Typ 2, Rheuma, das nicht allzu stark auftritt, Verschleißerscheinungen an den Bandscheiben, Gelenksarthrosen, Gallen- und Magen-Darm-Probleme, Herz-Kreislauf-Probleme. Die verschiedenen Systeme funktionieren nicht mehr so ganz – und sei es nur, dass man eine Brille braucht, weil die Augen nicht mehr so mitmachen. Die Beschwerden sind anfangs aber noch gut mit dem Leben vereinbar. Das Ausmaß dieser Störungen kann individuell sehr unterschiedlich sein, doch jeder wird damit konfrontiert, keiner bleibt verschont. Mit dem Auftreten einer chronischen Krankheit weiß man plötzlich, dass es nie mehr „gut“ wird, dass man nie mehr ganz gesund wird. Man fragt sich:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was geschieht, wenn sich alles noch mehr verschlechtert, was kommt danach?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Sinn dieser Funktionsstörungen und Erkrankungen, die jeden mehr oder weniger betreffen, liegt offen zutage: Der Mensch muss sich mit der Vergänglichkeit seines Körpers auseinandersetzen. Dadurch macht er sich mit dem Gedanken an den Tod, an die völlige Zerstörung des Körpers, vertraut. Chronische Krankheiten entsprechen den „Boten des Todes“ aus dem Märchen der Brüder Grimm, die jeder mehr oder weniger stark am eigenen Leib erlebt. Dabei geht es um &#039;&#039;geistige Immunisierung&#039;&#039;: Der Geist lernt in der Auseinandersetzung mit chronischen Krankheiten, sich in seiner Unabhängigkeit von Leib und Seele, in seiner eigenen Identität, zu erfassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag „Kinderkrankheiten angstfrei behandeln“, Filderstadt, Impfkongress 2009&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== VERDAUUNG UND IMMUNSYSTEM ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen Einfluss hat die Verdauung auf das Immunsystem?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie hängen Verdauung und Denken zusammen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was geschieht, wenn unser Denken die gesunde Wirkungsweise des Ätherischen im Körper nachahmt?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Auswirkungen hat es, wenn sich das Denken nur um das liebe Ego kümmert, also nur um sich selbst kreist?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Doppelnatur des Ätherischen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Unser ätherischer Organismus hat eine Doppelnatur, die Rudolf Steiner über Jahrzehnte erforscht hat.[1] Mit diesem Forschungsergebnis stellte er die Pädagogik und die Medizin auf eine vollkommen neue Grundlage. Auf dieser Basis lassen sich der unmittelbare Zusammenhang zwischen Verdauung und Denken, aber auch wie beides mit dem Immunsystem zusammenhängt, erklären. Es ist Aufgabe der Anthroposophischen Medizin, diese Erkenntnisse in die Schulmedizin einfließen zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiners Forschungsergebnisse über die Metamorphose der inkarnierten in exkarnierte ätherische Kräfte besagen, dass wir unser Denken denselben ätherischen Kräften verdanken, die auch unseren Körper aufbauen, regenerieren und heilen – mit einem Unterschied:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;inkarnierten ätherischen Kräfte&#039;&#039; in ihrer Funktion als Träger der Inkarnation, die zuständig sind für den Aufbau des Körpers, &#039;&#039;&#039;wirken&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;ohne unser bewusstes Zutun&#039;&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
* Wir sind uns aber unseres Denkens, das wir den &#039;&#039;exkarnierten ätherischen Kräften&#039;&#039; verdanken, bewusst. Wenn wir denken, sind wir ganz wach, &#039;&#039;&#039;sind wir&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;uns unserer selbst und unseres Gedankenlebens bewusst&#039;&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Studium der &#039;&#039;„Philosophie der Freiheit“&#039;&#039;[2] studieren wir im Grunde unser Gedankenleben. Indem wir unsere Gedanken betrachten, schauen wir laut Steiner unseren Ätherleib an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ätherischen Kräfte in ihrer Funktion als Träger des Denkens sind aus dem Körper herausgetretene, also leibfrei gewordene, Ätherkräfte, die sich am Gehirn reflektieren und so unserem Denken dienen. Der Ausdruck „reflektieren“ ist geisteswissenschaftlich präzise und korrekt. Das Gehirn ist das Reflektionsorgan für ätherische Kräfte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Besondere an unserem ätherischen Organismus ist also, dass wir ihn zum Denken, aber auch zum Wachsen, Heilen und Regenerieren benützen. Die offene Lemniskate des Merkurstabes ist ein getreues Abbild der Wirkungsweise dieser Doppelnatur: Wenn auf der einen Seite etwas geschieht, passiert auf der anderen Seite das Gegenstück dazu. Alle Prozesse, die sich im unteren geschlossenen Bereich der Lemniskate (die dem körpergebundenen Ätherwirken entspricht) innen abspielen, strahlen jenseits des Nullpunkts im Bereich der nach oben hin offenen Lemniskate (die den leibfreien Ätherkräften des Denkens entspricht) nach außen. So arbeitet der Ätherleib – er kehrt an der Schwelle (des Bewusstseins) alles um. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Immunität und Verdauung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Für die unbewussten Verdauungsprozesse gilt: Die Welt muss sterben, die Nahrung muss komplett zerstückelt werden, damit der Mensch am Leben bleibt. Wenn der physische Körper gut verdaut und unterscheiden kann, was er braucht und was nicht, arbeitet unser Immunsystem ausgezeichnet. Immunität resultiert aus der Fähigkeit des Körpers, alles zu transformieren und abzuweisen, was nicht dem eigenen biologischen System entspricht. Immunität ist Egoismus pur – allerdings nur im körperlichen Bereich. Immunität ist Ausdruck der Kraft der Identifikation mit sich selbst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der physische Körper wird in dem Moment krank, in dem diese Selbstidentifikation gestört wird: Der Körper, der erfüllt sein sollte von gesundem Egoismus, wird selbstlos und damit offen für Einflüsse von außen, die ihn krank machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Immunität&#039;&#039;&#039; ist &#039;&#039;biologischer Egoismus.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Immunschwäche&#039;&#039;&#039; oder     Krankheit ist &#039;&#039;biologischer Altruismus&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Autoimmunreaktion tritt z.B. auf, wenn der Körper denkt, &#039;&#039;er selbst&#039;&#039; wäre etwas Fremdes und sich daraufhin selbst zerstört. Das ist ein Zeichen der Entfremdung seiner selbst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fatale Auswirkungen der Umkehrung der Kräfte&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wenn wir den „Tötungsanspruch“ des Verdauungstraktes ins Denken übertragen, wendet er sich gemäß der Gesetzmäßigkeit der offenen Lemniskate nach außen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Egozentriertes Denken führt zu weltoffener Verdauung ====&lt;br /&gt;
Das äußert sich dann so, dass wir meinen, dass alles um uns ruhig sterben kann, hauptsächlich wir überleben. Das Denken wird egozentriert anstatt, seine weltoffene Orientierung zu bewahren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das kann eine lange Zeit gutgehen, weil der Ätherleib sehr stark ist. Wenn Menschen aber über mehrere Generationen selbstbezogene Gedanken hegen, hat diese egozentrierte, zerstückelnd-analytische Zerstörungswut des Ätherischen im bewussten Denken fatale Auswirkungen. Sie wirkt nicht nur im Sozialen destruktiv, sondern führt dazu, dass der Körper ein unbewusstes, weltorientiertes Stoffwechselleben entwickelt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Eine schlechte Verdauung führt zu schwacher Immunität ====&lt;br /&gt;
Die Verdauung verliert ihre Kraft der Zerstückelung, sie funktioniert immer schlechter, weil die Stoffe nicht mehr genügend zerkleinert werden. Dazu kommt, dass Krankheitserreger nicht mehr abgewehrt, sondern mit „offenen Armen“ aufgenommen werden. Sie überschwemmen ungehindert den gesamten Organismus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn der Mensch krank wird, gedeihen plötzlich jede Menge Bakterien und Keime im Organismus. Der Körper öffnet sich der Welt und wird ein Tummelplatz für Fremdprozesse und Parasiten, für Geschwülste, „kleine Bäume“ und „Pflanzen“. Wasser sammelt sich in den Beinen. Die Wärme isoliert sich und erzeugt Fieber. Der Mensch öffnet sich, wird sozial und selbstlos – im Äußeren. Der Körper verliert dadurch seine biologische Integrität und Identität, seinen gesunden biologischen Egoismus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein Ausdruck von Immunschwäche, ein Nachlassen der Selbstregulation. Der Körper kann die nötigen Gleichgewichtszustände nicht mehr herstellen, er wird durch die selbstbezogene Geisteshaltung geschwächt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ein &#039;&#039;&#039;egozentrischer Geist&#039;&#039;&#039; stimuliert den biologischen Altruismus und &#039;&#039;schwächt das Immunsystem.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* Eine &#039;&#039;&#039;weltorientierte Geisteshaltung&#039;&#039;&#039; fördert die Verdauung und &#039;&#039;stärkt damit die Immunität.&#039;&#039; Umgekehrt ermöglicht eine gesunde Verdauung eine gesunde altruistische Geisteshaltung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Schlimmste, was dem Menschen passieren kann, ist eine Umkehrung der ätherischen Kräfte, die durch geistige Egozentrik ausgelöst wird und die der materialistischen Denkart unserer Zeit entspricht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sehen: Krankheitszustände sind immer Metamorphosen körperlicher Selbstlosigkeit. Sie sind zugleich aber eine unbewusste Initiation: In den Krankheitszuständen ahmen wir unbewusst auf körperlicher Ebene geistige Entwicklungsmöglichkeiten nach. Begreifen wir das, können wir die Wirkdynamik wieder in eine gesunde Richtung lenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag „Die Gesetzmäßigkeiten des Merkurstabs“, 25.09.2007&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Philosophie der Freiheit,&#039;&#039; GA 4.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DENKEN, FÜHLEN, WOLLEN UND IMMUNSYSTEM ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie beeinflussen unser Denken, Fühlen und Wollen unser Immunsystem?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern bedingen sie einander?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern wirken Stoffwechsel und Denken polar?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Einfluss des Denkens auf die Lebensprozesse&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Leben und Denken bedingen einander“&#039;&#039; – so lautet das salutogenetische Paradigma der Anthroposophischen Medizin. Die ätherischen Kräfte, die unseren Körper aufbauen und die Seelenkräfte, mit denen wir denken, haben nicht nur &#039;&#039;irgendetwas&#039;&#039; miteinander zu tun. Auch in der konventionellen Medizin weiß man, dass ein positiv denkender Mensch ein gut funktionierendes Immunsystem aufweist. Man versteht aber nicht so richtig, warum das so ist. Diesen Zusammenhang möchte ich im Folgenden anhand der Forschungsergebnisse Rudolf Steiners näher darstellen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ita Wegman&#039;&#039; und Rudolf Steiner erklärten den Zusammenhang zwischen den körperbezogenen Prozessen und den daraus resultierenden leibfreien Kompetenzen in ihrem gemeinsamen Werk &#039;&#039;„Grundlegendes…“&#039;&#039; wie folgt:[1] &#039;&#039;„Es ist von der allergrößten Bedeutung zu wissen, dass die gewöhnlichen Denkkräfte des Menschen die verfeinerten Gestaltungs- und Wachstumskräfte sind. Im Gestalten und Wachsen des menschlichen Organismus offenbart sich ein Geistiges. Denn dieses Geistige erscheint dann im Lebensverlaufe als die geistige Denkkraft.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Metamorphose der Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Doch nicht nur das Denken, auch das Fühlen und Wollen entspringen Kräften, die bis zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Entwicklung primär am und im Körper wirken, bis sie ihre Arbeit getan haben und &#039;&#039;„&#039;&#039;entlassen&#039;&#039;“&#039;&#039; werden können. Diese Kräftezusammenhänge sind unterschiedlicher Natur und folgen eigenen Gesetzmäßigkeiten. Die im Menschen wirksamen Gesetzeszusammenhänge nennt Rudolf Steiner auch Wesensglieder, die im Laufe der Entwicklung spezifische Aufgaben im menschlichen Organismus erfüllen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ätherleib und Denken ====&lt;br /&gt;
Wie oben schon erwähnt, liegen dieselben Kräfte, die &#039;&#039;Wachstum und Regeneration&#039;&#039; ermöglichen, auch unserem Denkvermögen zugrunde – zuerst leibgebunden, dann leibfrei geworden. Die Bildungs- und Gestaltungsfähigkeit des Ätherischen entspricht dem Element des &#039;&#039;&#039;Wassers&#039;&#039;&#039; als Träger des Lebens: Es ist inkompressibel, bildend und gestaltend. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Astralleib und Fühlen ====&lt;br /&gt;
Die Kräfte, die auf körperlicher Ebene für die &#039;&#039;Differenzierung und Polarisierung&#039;&#039; unserer Zellen und Funktionen zuständig sind, wie z.B. der Geschlechterdifferenzierung, sind dieselben wie diejenigen, die auf seelischer Ebene unserem Fühlen im Spannungsfeld von Sympathie und Antipathie zugrunde liegen: Im ersten Fall sind sie inkarniert, im anderen Fall exkarniert. Die Differenzierung ist eine Fähigkeit des Astralischen und entspricht dem Element der polarisierenden &#039;&#039;&#039;Luft&#039;&#039;&#039;; Luftdruck, unterschiedliche Grade der Verdünnung und der Kompression gibt es nur bei diesem Element. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ich-Organisation und Wollen ====&lt;br /&gt;
Dank der &#039;&#039;Integrationskraft&#039;&#039; unserer Ich-Organisation bringen wir unseren Körper, unsere Seele und unseren Geist in Übereinstimmung miteinander – integrieren wir Geistiges im Physischen. Die integrative Kompetenz der Ich-Organisation entspricht dem Element der integrierenden &#039;&#039;&#039;Wärme&#039;&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Physischer Leib als Ort der Inkarnation ====&lt;br /&gt;
Der physische Leib ist der Raum, in dem die anderen Wesensglieder wirken, ist der Ort ihrer  Inkarnation, von dem sie aber auch wieder entlassen werden, um uns als leibfreie Kompetenzen zur Verfügung zu stehen. Die &#039;&#039;Abgegrenztheit&#039;&#039; des Körpers, seine Fähigkeit sich von der Umgebung abzuheben, entspricht dem Element des &#039;&#039;&#039;Festen&#039;&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Freiwerdende seelisch-geistige Kräfte&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die im heranreifenden Körper gehaltenen Kräfte aus den Wesensgliedern werden sukzessive frei, sobald das entsprechende System innerhalb der ersten drei Jahrsiebte bis spätestens zur Mündigkeit herangereift ist. Das heißt, sobald sie ihre Arbeit getan haben in Form von proliferierender, differenzierender und integrierender Körpertätigkeit, werden sie frei für die seelische Entwicklungsarbeit und stehen dem herangereiften Menschen als leibfreie seelisch-geistige Kompetenzen zur Verfügung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Kräfte, die den Kopf und das &#039;&#039;&#039;Nerven-Sinnes-System&#039;&#039;&#039; gestalten, werden zuerst frei, schon innerhalb des 1. Jahrsiebtes und etwas danach. Das Kind hat schon mit neun Jahren seine volle Sinnes- und &#039;&#039;Denkkompetenz&#039;&#039; erreicht. &lt;br /&gt;
* Die Kräfte, die das &#039;&#039;&#039;rhythmische System&#039;&#039;&#039; gestalten und dem &#039;&#039;Fühlen&#039;&#039; zugrunde liegen, brauchen dafür vierzehn bis sechzehn Jahre, werden also innerhalb des 2. Jahrsiebtes und etwas danach. &lt;br /&gt;
* Die Kräfte, die für den &#039;&#039;&#039;Stoffwechsel und den Körperbau&#039;&#039;&#039; zuständig sind und die mit einem kompetenten authentischen &#039;&#039;Wollen&#039;&#039; zusammenhängen, werden zwischen dem 18. und 22. Lebensjahr leibfrei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kräfte, die unseren Gedankenorganismus bilden, sind uns bewusst – ganz im Gegensatz zum unbewussten Wirken der Wesensglieder im Körper bei Wachstum, Regeneration und Stoffwechsel. Es handelt sich aber um dieselben Kräfte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Einfluss auf das Immunsystem bei Tag und bei Nacht&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Mit diesem Schlüssel zum Verständnis wird klar: Stoffwechseltätigkeit ist Ausdruck von inkarniertem Geist: Ich-Organisation, Astralleib und Ätherleib wirken gemeinsam auf den Körper und die Substanzbildung im Menschen ein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinzu kommt ein weiterer wichtiger Aspekt: Die Art, wie wir tagsüber gedacht, gefühlt und gehandelt haben, behindert oder fördert nachts im Schlaf die Regeneration unseres Organismus. Denn in der Nacht spalten wir uns nicht auf in ein bewusstes und ein unbewusstes Leben – alles, was nachts geschieht, entzieht sich unserem Bewusstsein. Beim Einschlafen begibt sich der Ätherleib ganz und gar hinein in unseren physischen Leib, um insbesondere an der Regeneration des Nervensystems zu arbeiten, während Astralleib und Ich-Organisation, denen wir unser Bewusstsein verdanken, das Nerven-Sinnes-System verlassen. Solange dieser Zustand währt, schlafen wir. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den erschütterndsten Ausführungen für uns Ärzte im &#039;&#039;„Pastoral-Medizinischer Kurs“&#039;&#039;&#039;[2]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; gehört die hier sinngemäß wiedergegebene Aussage Rudolf Steiners: &#039;&#039;„Die meisten Menschen denken, sie schlafen sich gesund – die wenigsten wissen, dass sie sich auch oft krank schlafen.“&#039;&#039; Mit anderen Worten: Wir werden nachts physiologisch beeinflusst von unseren Irrtümern und unseren Problemen, von unserem nicht lebens- und wahrheitsgemäßen Denken, Fühlen und Wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Gesundheit bzw. Krankheit durch Stoffwechsel und Denken&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Zuletzt seien noch folgende Zusammenhänge zwischen Stoffwechsel und Denken genannt, die unser Immunsystem zutiefst betreffen, indem sie sich entweder gesundend oder kränkend auswirken: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Gesund durch egozentrierten Stoffwechsel und weltoffenes Denken ====&lt;br /&gt;
Solange der &#039;&#039;körpergebundene Ätherleib&#039;&#039; auf uns nicht bewusste Weise über den Stoffwechsel unseren Leib aufbaut und dabei ganz immunsystemorientiert und auf unser biologisches Ego, auf unseren unverwechselbaren, individuellen, persönlichen Organismus, ausgerichtet arbeitet, bleiben wir gesund. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und solange der &#039;&#039;leibfreie Ätherleib&#039;&#039; in Form unseres bewussten Denkens entsprechend polar dazu arbeitet, arbeitet, hält uns das ebenfalls gesund. Das bedeutet, unser Denken sollte so weltoffen sein, dass man die eigenen persönlichen Standpunkte den kosmischen Gesetzmäßigkeiten wie selbstverständlich unterordnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Krank durch weltoffenen Stoffwechsel und egozentriertes Denken ====&lt;br /&gt;
Wird der &#039;&#039;körpergebundene Ätherleib&#039;&#039; in seinem Wirken über den Stoffwechsel dagegen zu weltoffen, dringen Stoffe in den Organismus ein, mit denen er nicht umgehen kann, wie es bei Allergien der Fall ist. Das macht uns krank.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wird die &#039;&#039;leibfreie Ätherkompetenz&#039;&#039; unseres Denkens andererseits zu egozentriert und selbstbezogen eingesetzt, wirkt sich das ebenfalls schwächend auf unser Immunsystem aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag „Schicksalswürde und spirituelles Begreifen der Demenz“, Dornach, 09.05. 2008&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen,&#039;&#039; GA 27, Dornach 1991, S. 12-13. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Das Zusammenwirken von Ärzten und Seelsorgern. Pastoral-Medizinischer Kurs&#039;&#039;, GA 318.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ABWEHRKRÄFTE ENTWICKELN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Warum kann eine idealistische Lebenseinstellung sich so positiv auf die kör­pereigenen Abwehrkräfte auswirken?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und umgekehrt, woher kommt es, dass Menschen, die an Trauer, Stress oder Unzufriedenheit leiden und dem Leben eher kritisch und skeptisch gegenüberstehen, über weniger Abwehrkräfte verfügen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Warum Idealismus das Immunsystem stärkt&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Idealistische, engagiert-religiös gestimmte Menschen haben ein besseres Immunsystem, eine bessere körpereigene Abwehr, als verunsi­cherte, innerlich haltlose Menschen. Das ist zwar schon von je­her bekannt – auch in den Zeiten der großen Seuchen waren die Ängstlichen diejenigen, die leichter von der Krankheit dahingerafft wurden als die Mutigen. Inzwischen wurde dieses Phänomen jedoch auch in der psychosomatischen Medizin wissenschaftlich erforscht. Die Frage ist nur, inwiefern idealistisches Denken und körpereigene Abwehr konkret miteinander zusammenhängen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Mensch erlebt, dass er, wenn er sich begeistert, rote Backen und warme Füße hat, weil dann das Blut besser zirkuliert. Man weiß auch, dass eine Mutter ihre grippekranke Familie pflegen kann, ohne sich selbst anzustecken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie lässt sich das erklären?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Fra­ge wird weitgehend durch ein Forschungsergeb­nis Rudolf Steiners beantwortet, das er folgendermaßen formuliert: &#039;&#039;„Es ist von der allergrößten Bedeutung zu wissen, dass die gewöhnlichen Denkkräfte des Menschen die verfeinerten Gestaltungs- und Wachstumskräfte sind.“&#039;&#039;&#039;[1]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Hier wird also gesagt, dass die gewöhnli­chen Denkkräfte des Menschen den Lebens-, Wachstums- und Regenerationskräften des Organismus entsprechen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gedanken sind demnach nicht nur das in allen Erscheinungen Wirksame, sondern können auch – stoffbefreit – das Geistig-Wesenhafte im Menschen offenbaren. Der Mensch ist so gebaut, dass das­jenige, was naturgesetzlich und überhaupt gesetzlich in ihm wirkt, nicht nur in seinem körperlichen Funktionieren aufgeht, sondern dass er dieses in Form von Gedanken zur Verfügung hat, in dem Maße, wie das körperliche Wachstum zum Abschluss kommt. Dadurch kann er sich ein Leben lang geistig „wachstumsfähig“ d.h. lernfähig erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wichtige Unterschiede zwischen Mensch und Tier&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Bei den Tieren ist das anders, weil hier die Wachstumskraft na­hezu ganz in der körperlichen Verwirklichung aufgeht, nachdem sie geschlechtsreif geworden sind. Deshalb besitzen sie später nur noch wenig oder gar keine Lernfähigkeit mehr. Dafür kommt eine instinktgebundene Weisheitsfülle in ihrem Körper und in ihrem seelischen Verhalten in so vollkommener Weise zum Ausdruck, dass wir als Menschen nur bewundernd auf ihre immer vollendete Daseinsverwirklichung hinblicken können. Dies zeigt sich bis hin zu der letzten Schwanzfeder eines arktischen Vogels, der bei einer Temperatur von – 40° Celsius noch eine Körpertemperatur von + 40&amp;lt;sup&amp;gt;0&amp;lt;/sup&amp;gt; aufrechterhalten kann und sein Leben sinnvoll eingebettet in den Naturzusammenhang verbringt. Er braucht nicht über seine Zukunftsentwicklung nachzudenken oder an seiner gegenwärtigen zu zweifeln. Bei den Tieren ist die Weisheit instinkt- und organgebunden und äußert sich in entsprechenden arteigenen Verhaltensweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch hingegen verfügt über Hände, denen man nicht ansehen kann, ob sie im nächsten Augenblick einen Dolch erheben oder aber den Nebenmenschen liebevoll streicheln wollen. Er hat einen weitgehend ungeprägten, unspezialisierten Organismus. Nicht einmal im Erhalten seines körperlichen Gleichgewichtszu­standes ist er stabil. Auch diesen muss er sich ständig durch eigene Aktivität erwerben und aufrechterhalten. Z.B., wenn die Konzentration nachlässt und wir müde sind, stolpern wir leichter und haben mehr Mühe, im Gleichgewicht zu bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Gedanken und Gefühle aufgrund von Überschusskräften&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Ausgleich für diesen Mangel an leibgebundener Weisheit steht uns jedoch ein Überschuss an Seelen- und Geistesleben in Form handhabbarer Gefühle, Willensimpulse und Gedanken zur Verfügung – das erlaubt ein freies Spiel an Möglichkeiten. Der Mensch verfügt „zur Hälfte“ über eine naturgegebene Weisheit, weswegen wir zum Glück die Arbeit unseres Magens und unseres Darms nicht bewusst beaufsichtigen müssen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite hat er jedoch ein etwa ebenso großes Potential an gedanklicher Betätigungsmöglichkeit zur freien Verfügung und bezahlt dies mit einem Körper, der weniger instinktsicher ist, dem angeborene, weisheitsvoll tätige Verhaltensmuster weitestgehend fehlen. Deswegen kann der Mensch aber auch seine Bewusstseinsentwicklung fortsetzen, nachdem die körperliche Entwicklung abgeschlossen ist. Er kann Idealen nachstreben, sich verwandeln, die Kultur verändern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er kann aber auch krank werden, wenn er lange genug Dinge gedacht hat, die nicht mit der Harmonie seines im Körper verankerten Gesetzesgefüges übereinstimmen, das heißt, die nicht menschengemäß sind. Jede Lüge, jede Unwahrhaftigkeit widerspricht der weisheitsvollen Ordnung seines Organismus. Ein unklares Gedankenleben muss sich demnach auf die Dauer kränkend auf diesen auswirken. Ebenso kann man sich durch anhaltende Emotionen kränken. Zehrende Sorgen können „an die Nieren“ gehen, andere Probleme laden sich auf Leber oder Galle ab. Es ist immer wieder erstaunlich, wie groß der Einfluss des Gedanken- und Gefühlslebens auf die Regenerationskraft des Organismus – und damit auf das Immunsystem – ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Kapitel „Zusammenhänge der menschlichen Denktätigkeit“, Elternsprechstunde, Verlag Urachhaus, Stuttgart&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&amp;lt;sup&amp;gt;[1]&amp;lt;/sup&amp;gt; R. Steiner, Ita Wegmann, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen&#039;&#039;, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== EMPFÄNGLICHKEIT FÜR BAKTERIELLE INFEKTIONEN REDUZIEREN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wodurch wird ein Organismus empfänglich für bakterielle Infektionen wie z.B. Typhus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche unterschiedlichen Erklärungsmodelle gibt es dafür?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was hat ein gutes Immunsystem mit der Ich-Organisation zu tun?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ansteckung durch Mikroben oder passendes Milieu?&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Bei einer Typhusepidemie beispielsweise erkrankt längst nicht jeder, der mit kontaminierten Nahrungsmitteln oder Wasser in Kontakt kommt. Von denen aber, die erkranken, erkrankt die Mehrzahl nur leicht, andere mittelschwer, und wieder andere schwerst bis hin zu tödlichem Ausgang. Diese Art der Verteilung gibt es auch bei anderen Epidemien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Vergleich ein Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit. Am 21. März 2020 wurde im Wädenswiler Anzeiger ein Leitartikel zur Covid-Infektion publiziert, der mit einem Rückblick auf einen Wissenschaftsstreit vor rund 150 Jahren begann: &#039;&#039;„Auf der einen Seite war Louis Pasteur (1822–1895), ein angesehener Biologe und Chemiker, der Mikroorganismen im Zentrum des Infektionsgeschehens sah, während seine Zeitgenossen Pierre Jaques Antonie Béchamp und Claude Bernard die ‚Milieuseite‘ vertraten. Bernard fasste seine Erkenntnisse so zusammen: „Die Mikrobe ist nichts, die Empfänglichkeit der Umgebung ist alles“ (‚Le microbe n’est rien, le terrain c’est tout‘). Die genannten Forscher lieferten sich zeitlebens einen heftigen Konkurrenzkampf, den Pasteur aufgrund seines sozialen Status und seiner finanziellen Möglichkeiten für sich entschied. Erst auf dem Sterbebett – so wird es zumindest überliefert – hat Pasteur dann doch eingestanden, dass Bernard der Wahrheit näher war.“&#039;&#039;&#039;[1]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner geht im „&#039;&#039;Ärztekurs“ von 1920&#039;&#039; ausführlich auf dieses Thema ein. Er bringt die Betrachtung über die Empfänglichkeit des Wirtes für die Infektion (‚Milieuseite‘) in ein Bild, indem er die Bakterien/Bazillen mit Kühen vergleicht, die dorthin gehen, wo fette Weiden sind, und sich auf kargen Böden nicht gerne aufhalten. Genauso verhalte es sich mit der ‚Bazillentheorie‘.[2] Was er damit ausdrücken wollte: Diese Kleinstlebewesen existieren immer im Organismus, aber sie werden nur virulent, wenn ein geeignetes Nährmedium dafür vorhanden ist. Ist dieses nicht vorhanden, ist der Mensch nicht ansteckungsgefährdet bzw. hat er – wie man heute sagen würde – ein gutes Immunsystem.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Heilung der konstitutionellen Dysfunktionalität&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wo aber zirkulieren die Abwehrstoffe und die Killerzellen des guten Immunsystems?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im XVI. Kapitel von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[3]&#039;&#039; heißt es&#039;&#039;,&#039;&#039; dass sie im Blut zirkulieren, welches das Organ der Ich-Organisation ist.[4] Kann nun mithilfe einer Konstitutionsbehandlung, z.B. mit einem Antimonpräparat, und je nach Situation auch noch kombiniert mit anderen Heilmitteln, die Ich-Organisation und damit ihr Einfluss auf die Gestaltungskräfte im Blut gestärkt werden, so werden die Bakterien nicht nur beseitigt, wie es über eine antibiotische Therapie geschieht, sondern zugleich wird auch das Milieu saniert und damit künftigen Infektionen vorgebeugt. Das entspräche einer integrativen Therapie, die sich nicht nur auf die Beseitigung der Symptome konzentriert, sondern auf die Heilung der konstitutionellen Dysfunktionalität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dem erwähnten Werk schreiben die Autoren: &#039;&#039;„Wendet man bei typhösen Erscheinungen Antimonpräparate in entsprechender Zusammensetzung an, so erweisen sich diese als Heilmittel. Sie entkleiden die Eiweißsubstanz ihrer Eigenkräfte und machen sie geneigt, den Gestaltungskräften der Ich-Organisation sich einzufügen.“[5]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbstverständlich hat der primäre Fokus auf die Symptombeseitigung überall da seine Berechtigung, wo sie Leben rettet, weil die Abwehrkräfte des Körpers zu schwach sind für die notwendige Selbstregulation. Wo diese Möglichkeit jedoch gegeben ist, kann in Bezug auf das Heilverfahren differenzierter vorgegangen werden: &#039;&#039;„Wer Exaktheit nur in dem sieht, was die Chemie – auch die pharmazeutische – feststellt, der vernichtet die Möglichkeit, Anschauungen darüber zu gewinnen, was im Organismus bei Heilungsvorgängen geschieht.“[6]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[7]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://waedenswiler-anzeiger.ch/2020/03/21/die-mikrobe-ist-nichts-das-milieu-ist-alles/&amp;lt;/nowiki&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaft und Medizin,&#039;&#039; GA 312, 80.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“, GA 27.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Ebenda, Kapitel VI.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Siehe FN 3, S. 80.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Ebenda, S. 81.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Offenborn</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Anthroposophische_Medizin&amp;diff=1231</id>
		<title>Anthroposophische Medizin</title>
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		<updated>2025-12-31T09:35:36Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Offenborn: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= Anthroposophische Medizin – von Michaela Glöckler =&lt;br /&gt;
Auszüge aus Büchern und Vorträgen von [[Michaela Glöckler]]; Erstveröffentlichung auf https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== HUMANMEDIZIN DER ZUKUNFT ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was war Rudolf Steiners Vision einer Humanmedizin der Zukunft?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Herausforderungen müssen zu ihrer Verwirklichung gemeistert werden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Berücksichtigung der Individualität und Würde&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiners letztes Werk gibt einen umfassenden Ausblick auf eine Humanmedizin der Zukunft, in der sich die Erkenntnisse der naturwissenschaftlich-empirischen Forschung mit denen der anthroposophischen Geistesforschung zur Heilkunst verbinden können. Wäre der Mensch eine Maschine, so ließen sich Körper, Seele und Geist reparieren und steuern, sobald der Mechanismus durchschaut ist. Auch wenn dieses Paradigma immer noch hoch im Kurs steht: Die tägliche Erfahrung zeigt, dass dem nicht so ist. Jedes Individuum, jede menschliche Biografie ist einmalig und bedarf der individuellen (Selbst-)Erkenntnis, Pflege und Gestaltung. Nicht umsonst gibt es den schönen Begriff der Lebenskunst dafür, wenn diese individuellen Gestaltungsprozesse graduell gelingen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wird das Menschenbild auf die rein naturwissenschaftliche Ebene reduziert und Seele und Geist – hypothetisch – zu Ergebnissen von molekulargenetisch und biochemisch steuerbaren Prozessen gemacht, verliert der Begriff menschlicher Würde seinen Inhalt. Denn Wert und Inhalt erhält dieser Begriff durch die Möglichkeit der Entwicklung von Freiheit, Selbstverantwortung und einer Kultur des Gewissens, wie sie der Frühromantiker &#039;&#039;Novalis&#039;&#039; im zweiten Teil seines &#039;&#039;„Heinrich von Ofterdingen&#039;&#039;“ so prägnant beschrieben hat und wie sie auch der Anthroposophie zugrunde liegt.[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine solche Kultur lässt sich nicht von außen steuern, wohl aber kann sie sich entwickeln, wenn dies von vielen einzelnen Menschen individuell eingesehen und gewollt wird – wenngleich sie heute noch vielfach als „Torheit“ angesehen wird. Rudolf Steiner sagte dazu: &#039;&#039;„Aber was oft die Vernunft der kommenden Zeiten ist, das ist für die vorhergehenden Torheit.“[2]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verbindung von Materialismus und Spiritualität&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
So ging es Steiner auch dezidiert nicht um ein Entweder-Oder bezüglich Materialismus und Spiritualität, sondern um ein wirklichkeitsgemäßes Sowohl-als-auch:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Der Materialismus ist die Weltanschauung, die den Menschen betrachtet, insofern er hervorgegangen ist aus den Substanzen und Kräften dieser Erde. Und wenn auch mancher betont, der Mensch bestehe nicht bloß aus den Substanzen und Kräften dieser Erde, so haben wir doch keine Wissenschaft, die sich mit dem am Menschen beschäftigt, was nicht aus den Substanzen und Kräften dieser Erde kommt. Deshalb ist heute die Behauptung von vielen, die es von ihrem Standpunkt aus gut meinen, daß irgendwie das Ewige in dem Menschen dennoch verstanden werden könne, eine nicht ganz ehrliche. […] Und viele, die heute den Materialismus widerlegen wollen, wissen eigentlich nicht, was sie tun; denn sie ahnen nicht, welche ungeheure Bedeutung die Detailkenntnisse haben, die der Materialismus gebracht hat. Und sie ahnen nicht, was für eine Konsequenz für das Ganze der Menschenerkenntnis der Materialismus gebracht hat“.[3]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Es ist die Tragik des Materialismus, daß er nichts von der Materie weiß, wie sie in Wirklichkeit in den verschiedenen Gebieten des Daseins wirkt. [. . .] Er weiß gar nichts über die Wirkung der Materie, weil man darüber erst etwas erfährt, wenn man die in der Materie wirksame Geistigkeit, die die Kräfte darstellen, ins Auge fassen kann.[4]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von dieser &#039;&#039;„in der Materie wirksamen Geistigkeit“&#039;&#039; ist in &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst[5]&#039;&#039; die Rede – so wie sie aus Sicht der Anthroposophie im Weltall, der Natur und im Menschen anzutreffen ist. Diese ‚Kräfte‘ und ihre Gesetzmäßigkeiten ebenso zu studieren wie die Naturgesetze, ist und bleibt lebenslang Aufgabe und Herausforderung für jeden anthroposophischen Arzt. Das Ziel dieses Weges – der sich gesund entwickelnde Mensch – ist dabei ein inspirierendes Ideal für Forschung, Entwicklung und tägliche Arbeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[6]&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Zu Novalis siehe auch Kap. V sowie GA 59, 236–268 und Glöckler (2023c).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen&#039;&#039;, Kapitel 12, GA 27, Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1991, Seite 46.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Der übersinnliche Mensch, anthroposophisch erfasst&#039;&#039;, GA 231, 58f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Anthroposophie — Eine Zusammenfassung nach einundzwanzig Jahren. Zugleich eine Anleitung zu ihrer Vertretung vor der Welt&#039;&#039;, GA 234, 86.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen&#039;&#039;, Kapitel 12, GA 27, Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ITA WEGMAN UND DIE ENTWICKLUNG DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kam es zur Begründung der Anthroposophischen Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie entwickelte sich die Zusammenarbeit von Ita Wegmann und Rudolf Steiner?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Schicksalhafte Zusammenarbeit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin verdanken wir der Zusammenarbeit von Rudolf Steiner und &#039;&#039;Ita Wegman&#039;&#039;. Wegman bekam von Rudolf Steiner den Anstoß, nach ihrer Ausbildung in Schwedischer Massage auch noch Medizin zu studieren. Dafür musste sie jedoch das Abitur nachholen, was für die bereits Siebenundzwanzigjährige eine große Herausforderung war. In der Zeit der Prüfungsvorbereitung schrieb sie Rudolf Steiner einen bewegenden Brief, ob er nicht etwas wüsste, das ihr helfen würde, sich besser zu konzentrieren. Leider ist uns die Antwort nicht bekannt. Jedenfalls ging alles gut, und sie begann auf Anraten &#039;&#039;Marie Steiners&#039;&#039; ihr Studium in Zürich. Deren Begründung für die Ortswahl war: &#039;&#039;„Unsere ganze Bewegung kommt ja doch einmal in die Schweiz.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu diesem Zeitpunkt war jedoch noch keine Rede davon – die Zentren der anthroposophischen Arbeit waren München und Berlin. So vollzog sich die Verbindung von anthroposophischer Geisteswissenschaft und materialistischer Schulmedizin, die bis heute für die Weiterbildung zum Anthroposophischen Arzt unerlässlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1907, bei der Spaltung der theosophischen Gesellschaft, stellte sich Ita Wegman klar auf die Seite Rudolf Steiners und der Anthroposophie. Das war nicht selbstverständlich. Denn seit ihrem 18. Lebensjahr hatte sie sich dem Gedankengut der Theosophie gewidmet als Mitglied der Theosophischen Gesellschaft. Doch nach dem schicksalhaften Zusammentreffen mit Rudolf Steiner in Berlin war sie seine persönliche Schülerin geworden.[1] Ita Wegman engagierte sich dann mit anderen dafür, dass Rudolf Steiner oft in die Schweiz kam, um Vorträge zu halten. Wenn sie zu viel reiste, um auch in anderen Städten und in Deutschland seine Vorträge hören zu können – sie war auch 1911 in Prag bei dem Vortragszyklus über die okkulte Physiologie – ermahnte Rudolf Steiner sie, dass sie auch studieren müsste, um ihr Medizinstudium abzuschließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fruchtbare Konsequenzen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wegman war quasi der Prototyp eines anthroposophischen Arztes: nicht primär der Homöopathie oder einer spirituell-komplementärmedizinischen Richtung verbunden, sondern akademisch ausgebildet an einer renommierten Universität. Ihre fachärztliche Weiterbildung zur Gynäkologin absolvierte sie am Spital Liestal ganz in der Nähe von Dornach&#039;&#039;&#039;.&#039;&#039;&#039; Anschließend ließ sie sich in Basel als Allgemeinärztin nieder. 1921 entschloss sie sich, ein klinisch-therapeutisches Institut in Arlesheim zu eröffnen. Zu ihrer großen Freude sagte Rudolf Steiner zu, dort mit ihr zusammenzuarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist Ita Wegman eng mit der Geschichte der anthroposophisch-medizinischen Bewegung verbunden: Die Zusammenarbeit mit Rudolf Steiner reichte von der Beratung beim Abitur und beim Studium über die parallelen Studien der Mainstream-Medizin und der Anthroposophie bis hin zur Begründung der ersten Klinik und der gemeinsamen Behandlung vieler Patienten, wovon hunderte dokumentierter Krankengeschichten zeugen. Zuletzt, in seiner Krankheitszeit vor seinem Tode, begleitete sie Rudolf Steiner zusammen mit Ludwig Noll als seine Ärztin. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Krönung dieser Zusammenarbeit war jedoch die im Herbst 1923 begonnene Arbeit an dem ‚Medizinischen Buch’, das nach dem Tode Rudolf Steiners unter dem Titel &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[2]&#039;&#039; herauskam und dessen 18. Kapitel der Heileurythmie gewidmet ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Parzifal-Frage als entscheidender Impuls&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ita Wegman war es auch, die Rudolf Steiner im Sommer 1923 die für die gesamte anthroposophische Bewegung entscheidende Frage nach der Erneuerung der Mysterien gestellt hatte. Als dieser nach dem Brand des ersten Goetheanum und dem Versagen der Anthroposophischen Gesellschaft mit der Frage lebte, ob er einen Orden gründen und sich aus der Anthroposophischen Gesellschaft zurückziehen sollte, sagte sie zu ihm: &#039;&#039;„Aber Herr Doktor, Sie können doch die Gesellschaft nicht alleine lassen!“&#039;&#039; Im Sommer 1923 dann, in England, wurde ihr das zentrale Anliegen ihres Lebens bewusst, welches sie Rudolf Steiner gegenüber etwa so formulierte: &#039;&#039;„Ich möchte gerne eine Medizin haben, wie es sie zu den Zeiten der alten Mysterien gab – nur in christlicher Form.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Bernard Lievegoed&#039;&#039; hat wiederholt erzählt, wie Rudolf Steiner zu &#039;&#039;Zeylmans van Emmichhofen&#039;&#039; gesagt hätte, dass diese Frage Ita Wegmans für ihn „die Parzival-Frage“ gewesen wäre, die ihn veranlasst hätte, die Weihnachtstagung von 1923/24 zur Neubegründung der Anthroposophischen Gesellschaft abzuhalten. Ohne diese Frage wären die Neubegründung der Gesellschaft und die öffentliche Begründung der Hochschule für Geisteswissenschaft durch Rudolf Steiner gar nicht möglich gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Vom Wesen der Heileurythmie als Herzorgan der Anthroposophischen Medizin“,  1. Weltkonferenz für Heileurythmie am Goetheanum, 30. Mai 2008&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Peter Selg hat in seinem Buch zum Münchner Kongress 1907 dieses Schicksalsmoment neu dokumentiert und zugänglich gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ENTWICKLUNG UND DERZEITIGER STAND DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie hat sich die anthroposophische Medizin seit ihrer Entstehung entwickelt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;In welchen philosophischen und ethischen Prinzipien hat sie ihre Wurzeln?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Historische Entwicklung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von dem österreichischen Philosophen &#039;&#039;Dr. Rudolf Steiner&#039;&#039; (1861-1925) und der Ärztin &#039;&#039;Dr. med. Ita Wegman&#039;&#039; (1876-1943) in Zusammenarbeit mit weiteren Ärzten entwickelt. Die Grundlagen dieser Medizin wurden 1920-1924 im Rahmen von Kursen vermittelt, die Steiner auf Einladung von Ärzten und Medizinstudenten hielt, die nach einem Menschenbild suchten, das sich sowohl auf die Naturwissenschaft als auch auf die anthroposophische Geisteswissenschaft beruft. Ihr Anliegen war von vornherein nicht alternativ-medizinisch, sondern integrativ, d.h. es orientierte sich an der Wirklichkeit des Menschen selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inzwischen gibt es die Anthroposophische Medizin in über 80 Ländern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Europa sind einige größere Akutkliniken entstanden. Hinzu kommen Sanatorien, Reha-Einrichtungen und zahlreiche Arztpraxen aus nahezu allen Fachrichtungen sowie weltweit über 400 Institutionen für Menschen mit Behinderungen. In den letzten dreißig Jahren kamen neu Einrichtungen für die Altenpflege und die Suchtbehandlung dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophische Ärzte arbeiten auch in Kooperation mit Pädagogen als Schulärzte sowie in der medizinischen Forschung und in der Arzneimittelherstellung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ambulanten Bereich haben sich aus der interdisziplinären Zusammenarbeit von Ärzten, Krankenschwestern, Kunsttherapeuten, Physiotherapeuten u.a. vielerorts so genannte „Therapeutika&amp;quot; entwickelt, d.h. ein neuer Typ von Gemeinschaftspraxen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Erkenntnistheoretische Wurzeln&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Erkenntnistheoretisch und ethisch wurzelt die Anthroposophie in der Philosophie und Kunstauffassung des deutschen Idealismus, wie sie insbesondere von &#039;&#039;Goethe&#039;&#039; (1749-1832), &#039;&#039;Schiller&#039;&#039; (1759-1805), &#039;&#039;J. G. Fichte&#039;&#039; (1762-1814), &#039;&#039;Novalis&#039;&#039; (1772-1801) und &#039;&#039;Schelling&#039;&#039; (1775-1854) vertreten wurden. So trägt Steiners erkenntnistheoretisches Frühwerk (1884) den Titel: &#039;&#039;„Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung“.[1]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Suche nach einer im Geist gegründeten Anschauung vom Menschen, die sich selber stützen kann im Erarbeiten einer inneren und äußeren Evidenz, sowie der Wille zu Entwicklung von Autonomie und Verantwortung prägen die ethische Grundhaltung anthroposophischer Ärzte und Therapeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Weiterbildung zum anthroposophischen Arzt ist durch eine international vereinbarte Zertifizierung geregelt. Der anthroposophische Arzt hat die Verpflichtung, die Ergebnisse aus Steiners Geistesforschung selbständig nachzuvollziehen und anhand der eigenen Lebens- und Berufserfahrung zu überprüfen und weiterzuentwickeln. Werden Mitteilungen Steiners unreflektiert übernommen, besteht die Gefahr der Ideologisierung und Dogmatisierung, was der Anthroposophischen Medizin schadet bzw. ihrer Entwicklung im Wege steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Haltung der Mitverantwortung fördern&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Heinrich Schipperges&#039;&#039; führt in seinem Buch &#039;&#039;„Moderne Medizin im Spiegel der Geschichte“[2]&#039;&#039; aus, dass die gegenwärtige Medizin nach einer Phase des unaufhörlichen Fortschritts und trotz aller großartigen Leistungen zunehmend in eine bedrohliche Krise geraten ist. Genau genommen ist diese Krise jedoch die medizinische Spielart der Menschheitskrisen von heute: ökologische Katastrophen, Armut, Hunger, Genozid, Bildungsnotstand, Energiekrise u.a. Diesen Krisen ist gemeinsam, dass ihre Ursache in einem Menschen- und Naturverständnis liegt, das keinen inneren geistigen Zusammenhang zu den Naturerscheinungen und dem Menschen herstellt. Wird dieser Zusammenhang bewusst erlebt, führt er zu einem starken Gefühl der Solidarität mit dem gesamten Evolutionszusammenhang von Erde, Natur und Mensch. Diese mitfühlende Verantwortlichkeit für alles Lebendige möchte die Anthroposophische Medizin fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung,&#039;&#039; GA 2.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Heinrich Schipperges, &#039;&#039;Moderne Medizin im Spiegel der Geschichte,&#039;&#039; Stuttgart 1970.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== WARUM ANTHROPOSOPHIE IN DER MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wozu braucht es Anthroposophie?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern handelt es sich bei der Anthroposophischen Medizin um eine „Weltanschauungsmedizin“?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sind die grundlegenden Aspekte der Anthroposophischen Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Medizin als Ausdruck einer bestimmten Sicht auf Mensch, Natur und Umwelt&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophie (Anthropos = Mensch, Sophia = Weisheit, Wissenschaft) gilt bis heute als nicht leicht zugänglich. Auch wenn viele anthroposophische Initiativen auf den Gebieten der Heilpädagogik und Pädagogik, der Landwirtschaft und Medizin bekannt sind, bleibt das, was als integratives Welt- und Menschenbild der Anthroposophie dahintersteht, meist vage. Man weiß nicht so recht, ob es sich dabei um eine Philosophie handelt, eine Art Religion oder um eine diffizile oder auch „eklektische“ Weltanschauung. Man fragt angesichts der Vielfalt anthroposophischer Einrichtungen und Initiativen auch, ob der anthroposophische „Überbau“ dafür überhaupt nötig sei, ob man ähnlich Gutes nicht auch ohne diesen leisten könne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jedes medizinische System ist Ausdruck einer bestimmten Sicht auf Mensch, Natur und Umwelt und insofern eine „Weltanschauung“. Das gilt auch für den naturwissenschaftlichen Materialismus, für Idealismus, Realismus und andere philosophische oder geistige Orientierungen. Wer glaubt, keine Weltanschauung zu haben, hat seinen eigenen Standpunkt und, was diesen stützt, noch nicht reflektiert &#039;&#039;–&#039;&#039; was eines der Haupthindernisse ist, die „Normalität“ der Anthroposophischen Medizin anzuerkennen. Eine individuell erarbeitete Weltanschauung wie die Anthroposophie ist jedoch klar abzugrenzen von der familiären oder traditionellen Zugehörigkeit zu einer Glaubensgemeinschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Anthroposophie als Verständnishilfe&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Jedem ganzheitlichen medizinischen System – ob nun traditionell chinesische, ayurvedische oder homöopathische Medizin – liegt ein spirituelles Menschen- und Weltbild zugrunde, das die gemeinsame Evolution von Mensch, Erde und Weltall beschreibt. Neu ist bei der anthroposophischen Medizin nur, dass Steiner sich auf keine dieser alten Traditionen beruft, sondern einen Erkenntnisweg beschreibt, auf dem jeder &#039;&#039;selber&#039;&#039; die Möglichkeit entwickeln kann, sich mit seinem Wahrnehmungs- und Denkvermögen an die spirituellen Quellen anzuschließen.[1] Durch eigene Beobachtung, Empathie und situationsgerechtes Denken zu den nötigen Einsichten für Diagnose und Therapie zu kommen ist das Arbeitsideal – nicht nur eine traditionelle Heilweise oder Technik zu lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich war viele Jahre in verschiedenen asiatischen Ländern und auch weltweit mit einem Ausbildungsprogramm für Anthroposophische Medizin unterwegs. Es hat mich anfangs gewundert, dass Chinesen, Japaner, Taiwanesen, Inder, Indonesier, Philippiner sich für Anthroposophische Medizin interessieren. Als Motive nannten sie das Menschenbild der Anthroposophie, das ihnen hilft, die Brücke zu bilden zwischen dem heutigen Denken und den alten überlieferten Bildern und Werten ihrer Heilverfahren, die zwar gute Ergebnisse liefern, aber für den modernen Menschen oft nicht genau aufschlüsseln können, wie sie wirken. Die Anthroposophie half ihnen, ihre eigenen Medizinsysteme und ihre Wirkungsweisen besser zu verstehen. In Indien gab es ayurvedische Ärzte, die keine Zertifikate für Anthroposophische Medizin wollten, sondern zu uns kamen, um bessere Ayurveda-Ärzte zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Grundlegende Aspekte Anthroposophischer Medizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wer der Anthroposophie begegnet, trifft auf vier Aspekte, die je nachdem alle vier oder auch nur der eine oder andere das Interesse wecken und zum weiteren Studium anregen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Philosophischer Aspekt ====&lt;br /&gt;
Das philosophische Fundament der Anthroposophie schließt an die Erkenntnisweise Goethes an sowie an den deutschen Idealismus mit dessen Idealen von Freiheit und Würde, Wahrheit und Liebe.[2] Rudolf Steiner benannte sogar seine Anthroposophische Hochschule in Dornach nach Goethe: Goetheanum.[3] Das zeugt von der großen Wertschätzung, die er diesem Genie mitteleuropäischer Geistes- und Kulturgeschichte zeitlebens entgegenbrachte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für manche Menschen ist Philosophie nicht wichtig, man möchte gute Ideen für seine Arbeit und sein Leben haben und keine Zeit mit intellektuellen Grübeleien verlieren. Es gibt aber auch Menschen, die nur deshalb Anthroposophen werden, weil sie hier eine Erkenntnistheorie und deren philosophische Begründung finden, durch die sie sich selbst und ihren Zusammenhang mit der Welt besser verstehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Philosophie ist die Kunst des eigenständigen Denkens. Steiner formuliert diese „erkenntnis-künstlerische“ Herausforderung in seinem philosophischen Hauptwerk, „Die Philosophie der Freiheit“, so: &#039;&#039;„Man muss sich der Idee erlebend gegenüberstellen können; sonst gerät man unter ihre Knechtschaft.“[4]&#039;&#039; Das heißt, wer Gedanken und Ideen anderer übernimmt und nicht eigenständig bedenkt und bewertet, gerät in Abhängigkeit der Autoritäten, von denen diese Gedanken stammen. Mit Hilfe dieses Ansatzes, selbst hinzuschauen, zu fragen, zu bedenken, zu verstehen, ist jeder Student der Anthroposophie angeregt, seine eigene Philosophie zu reflektieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Aspekt der Selbstschulung ====&lt;br /&gt;
Anthroposophie beinhaltet einen Weg der Selbstschulung, welcher zu seelischer Weiterentwicklung, Selbsterkenntnis und Willensstärkung führt.[5] Es gibt heute viele Menschen, die auf der Suche nach einem interreligiösen Weg spiritueller Selbsterfahrung sind. Sie wollen sich nicht einer bestimmten Glaubensgemeinschaft oder einer bestimmten spirituellen Gruppierung anschließen. Sie suchen einen allgemein-menschlichen Weg für ihre innere Entwicklung. Einige davon finden diese Möglichkeit in der Anthroposophie und ihren Organisationen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Anthroposophische Gesellschaft international organisiert und offen für alle wissenschaftlichen, religiösen und künstlerischen Überzeugungen ist, findet man Vertreter der verschiedensten spirituellen Orientierungen. Angehörige der christlichen Konfessionen, des Buddhismus, Daoismus, Shintoismus, der Hindi-Religion, der Zarathustra-Spiritua­lität, des Judentums sowie einzelne Vertreter des Islam und viele ohne eine bestimmte spirituelle Ausrichtung können hier mehr über ihre eigene spirituelle Identität lernen, indem sie zusätzlich den Weg der Selbstschulung der Anthroposophie gehen. Was sie in dieser Gesellschaft verbindet, ist der Entwicklungsgedanke in der Anthroposophie sowie das Bestreben, das gesellschaftliche Leben menschlicher und zukunftsfähiger zu machen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Biologe &#039;&#039;Bernd Rosslenbroich&#039;&#039; wies in einer naturwissenschaftlichen Studie das Autonomieprinzip als Grundlage der gesamten Evolution nach, deren Gipfel die menschliche Entwicklung sei.[6] Dieses Autonomieprinzip liegt auch der anthroposophischen Selbstschulung zugrunde. Autonomie konstruktiv leben zu lernen ist nicht leicht. Scheitern und immer wieder neu Ansetzen gehören ebenso dazu wie die stille innere Ausrichtung des eigenen Lebens und Arbeitens an den Idealen von Freiheit und Würde, Ehrlichkeit und Liebe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Aspekt der Geisteswissenschaft ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wo aber ist der „Geist“ als Fundament dieser anthroposophisch-geisteswissenschaftlichen Weltsicht zu finden?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Selbständiges Denken als Ausdruck von Geist&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Die Antwort ist schlicht: das menschliche Denken. Normalerweise kennt jeder den Zustand des Gedanken-Habens, Wissens, Sich-Informierens oder sich in anerkannten bzw. vorgegebenen Denkmustern zu bewegen und diese wiedergeben zu können. Wer jedoch von der eigenen Denktätigkeit ausgeht, entdeckt auch denjenigen, der denkt, in seinem Denken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der idealistische Philosoph &#039;&#039;Johann Gottlieb Fichte[7]&#039;&#039; wies seine Studenten auf die zentral wichtige spirituelle Selbsterfahrung im Denken hin. Er führte mit ihnen die folgende Übung durch: Er fragte sie, ob sie die Wand des Hörsaals sähen. Dann sagte er: &#039;&#039;„Schließen Sie die Augen und denken Sie die Wand.“&#039;&#039; Und dann kam die alles entscheidende Aufforderung: &#039;&#039;„Und jetzt denken Sie den, der die Wand gedacht hat...“[8]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer das durchführt, kann in seinem Denken das eigene Selbst als reinen Tätigkeitsquell, als innere Aktivitätsbereitschaft, als Ich, als eigenständiges Wollen bemerken als rein energetische spirituelle Selbsterfahrung im Denken. Damit hat er einen sicheren Ausgangspunkt gewonnen, sich seine eigene Weltsicht zu erarbeiten. Er steht jetzt geistig auf eigenen Füßen und ist in der Lage, sein Denken immer perspektivenreicher auszubilden. Je mehr er versteht, desto mehr sieht er von der Welt. Und je mehr ihn die Welt interessiert und zum Nachdenken anregt, desto differenzierter und klarer wird sein Denken. Sich selbst und die Welt zu verstehen und dadurch zu einer authentischen Selbst- und Weltsicht zu kommen, ist die Weltanschauung der Anthroposophie. Seinen Zeitgenossen zu zeigen, dass sie &#039;&#039;„durch das Denken zur Wirklichkeit des Geistes kommen“&#039;&#039; können, war ein zentrales Anliegen Rudolf Steiners. Das eigene Ich als geistig reales Wesen im Denken erleben zu können, erschließt zugleich die spirituelle Dimension des Begriffs der menschlichen Würde als autonome und geistbewusste Kompetenz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner formulierte diesen Tatbestand gegen Ende seines Lebens noch einmal so: &#039;&#039;„Anthroposophie ist ein Erkenntnisweg, der das Geistige im Menschenwesen zum Geistigen im Weltall führen möchte“.[9]&#039;&#039; Grundlage dafür ist die Gedankenarbeit eines jeden einzelnen Menschen. Hannah Arendt nannte diese Selbsterfahrung im Titel ihres gleichnamigen Buches „Denken ohne Geländer“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Aspekt der Zusammenarbeit ====&lt;br /&gt;
Da Anthroposophie auf das sich zur Autonomie entwickelnde Individuum baut, findet man gerade unter Anthroposophen einen ausgeprägten Meinungs- und Standpunktepluralismus bis hin zur gern zitierten „Streitkultur“. Auch ist die Geschichte der Anthroposophischen Gesellschaft von eindrücklichen Krisen und Konflikten geprägt, die von dem Ringen um individuelle und soziale Kompetenz zeugen, einem Bemühen, das alles andere als einfach ist. Umso erfreulicher ist es, dass sich diese Gesellschaft bis heute nicht in verschiedene Gruppierungen gespalten hat, sondern der Wille zum gegenseitigen Verstehen und zur Entwicklung von Toleranz gegenüber anders Denkenden stets überwogen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von dem Dichter und Anthroposophen &#039;&#039;Christian Morgenstern&#039;&#039; (1871 - 1914) stammt ein Gedicht, das dieses Spannungsverhältnis zwischen der notwendigen Individualisierung einerseits und der Befähigung zur Gemeinschaftsbildung andererseits meisterlich zum Ausdruck bringt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Die zur Wahrheit wandern, wandern allein,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;keiner kann dem andern Wegbruder sein.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Eine Spanne gehn wir, scheint es, im Chor ...&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;bis zuletzt sich, sehn wir, jeder verlor.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Selbst der Liebste ringet irgendwo fern;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;doch wer&#039;s ganz vollbringet, siegt sich zum Stern,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;schafft, sein selbst Durchchrister, Neugottesgrund –&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;und ihn grüßt Geschwister Ewiger Bund.[10]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier wird in künstlerischer Form zum Ausdruck gebracht, dass größtmöglicher Individualismus und „Gemeinschaft im Geist“ sich nicht widersprechen müssen. Vielmehr erscheinen die Ideale der Französischen Revolution – der Freiheit des Individuums, der Gleichheit und der brüderlichen Solidarität – so erst in ihrem wahren Licht: Denn wenn man weiß, dass jeder „auf dem Weg ist“, wächst der Respekt vor der Einmaligkeit und Würde des anderen. Und gleichzeitig erlebt man, wie uns dieser Tatbestand des Werdens „gleich“ macht. Da wir aber sowohl „gleich“ als auch „individuell sehr verschieden“ sind, sind wir Menschen immer wieder auf gegenseitige brüderliche Hilfe angewiesen. Wir gewähren sie, wenn wir die Bedürfnisse des anderen sehen, respektieren und, wo möglich, erfüllen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Mathias Girke , PF Matthiessen (Hrsg.), &#039;&#039;Medizin und Menschenbild&#039;&#039;, Bad Homburg 2015.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung mit besonderer Rücksicht auf Schiller.&#039;&#039; GA 2. Dornach 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] www.goetheanum.org&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Philosophie der Freiheit&#039;&#039;, GA 4, Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1995.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Dargelegt in Steiners Selbstschulungsbuch &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?,&#039;&#039; GA 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Bernd Rosslenbroich, &#039;&#039;On the Origin of Autonomy. A New Look at the Major Transitions in Evolution&#039;&#039;, Hei-delberg, New York, Springer 2014.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Johann Gottlieb Fichte, Philosoph (1762 - 1814).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Überliefert von Steffens, einem Naturforscher und Zeitgenossen Fichtes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Anthroposophischer Leitsatz 1&#039;&#039;, 17. Februar 1924. In: Anthroposophische Leitsätze. GA 26, S. 6 (1989).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Christian Morgenstern, &#039;&#039;Wir fanden einen Pfad,&#039;&#039; Basel, Zbinden Verlag. 5. Aufl. 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ANTHROPOSOPHISCHES UND NATURWISSENSCHAFTLICHES KRANKHEITSVERSTÄNDNIS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ist Anthroposophische Medizin eine Glaubenssache?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann man in der Medizin konstruktiv mit unterschiedlichen Sichtweisen auf Krankheit umgehen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Anthroposophisches Krankheitsverständnis&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Um auf diese Fragen eingehen zu können, möchte ich vorab das Krankheitsverständnis aus der Anthroposophie heraus und das Schulmedizinische Krankheitsverständnis charakterisieren. Sie stehen nicht im Widerspruch zueinander, zumindest nicht aus Sicht der Anthroposophischen Medizin. Letztere versteht sich als eine Erweiterung der rein naturwissenschaftlichen Medizin, nicht als Gegensatz dazu. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Die Aufgabe ist, nun wirklich darauf zu kommen, welcher Unterschied besteht zwischen den Prozessen im menschlichen Organismus, die wir als Krankheitsprozesse bezeichnen und die doch im Grunde genommen ganz normale Naturprozesse sind, nur eben durch bestimmte Ursachen hervorgerufen sein müssen, und denjenigen Prozessen, die wir gewöhnlich als die gesunden bezeichnen und die die alltäglichen sind. Dieser durchgreifende Unterschied muss gefunden werden. Er wird nicht gefunden werden, wenn man nicht eingehen kann auf eine Betrachtungsweise des Menschen, die zum menschlichen Wesen wirklich führt.&amp;quot;&#039;&#039;[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Krankheit aus Sicht der naturwissenschaftlichen Medizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der naturwissenschaftlichen Medizin liegt der Fokus bei der Erforschung von Krankheitsursachen im Bereich des Netzwerkes molekulargenetischer Interaktionen. Dort wird nach Mutationen und „Fehlern&amp;quot; im Metabolismus gesucht. Damit ist aber das Kausalproblem nur von der Makro- auf die Mikroebene verlagert. Denn auch hier ist zu fragen, woher es kommt, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt beispielsweise eine Genmutation auftritt und ein Prozess, der bisher gesund ablief, nun mit einem Mal „verkehrt&amp;quot; bzw. Krankheit begünstigend stattfindet. Wenn der sogenannte Pathomechanismus aufgeklärt ist und die Ursache einer „Spontanmutation&amp;quot;, einem &#039;&#039;„inborn error of metabolism&amp;quot;&#039;&#039; oder einer exogenen Schädigung zugeschrieben wird, so ist damit dem Kranken noch nicht geholfen, der verstehen will, was seine Krankheit mit ihm, seiner Entwicklung und seinem Schicksal zu tun hat – oder der sich dafür interessiert, welche Einflüsse sein bewusstes oder unterbewusstes Seelenleben auf die Lebensfunktionen seiner Organe oder auf die Stabilität seines Immunsystems hat. Auch ist es letztlich unbefriedigend, sich als Mensch in die verschiedenen Forschungs- und Fachdisziplinen aufgeteilt zu sehen, ohne „das geistige Band&amp;quot; im Sinne &#039;&#039;Goethes&#039;&#039; zu haben, das die Zusammenschau der unterschiedlichen Sichtweisen ermöglicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Unterschiedliche Sichtweisen integrieren&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Paracelsus&#039;&#039;, der Integrationsmediziner am Beginn der Neuzeit, hat bereits eindrücklich auf dieses Dilemma hingewiesen.[2] Plastisch schildert er eine medizinische Szene aus dem damaligen Alltag: Sechs Ärzte sind um einen eben verstorbenen Cholerapatienten versammelt und sprechen darüber, was in seinem Falle wohl die Todesursache gewesen sein mag. Diese Szene sei hier in freier Form wiedergegeben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Erste&#039;&#039;&#039; sagt: &#039;&#039;„Für mich ist klar, dass er durch die Infektion mit dem Cholerabazillus gestorben ist. Der Krankheitserreger wurde mit dem Wasser aufgenommen, hat sich im Organismus ausgebreitet und die Krankheil hervorgerufen, die jetzt zum Tode geführt hat&amp;quot;.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Das finde ich merkwürdig&amp;quot;,&#039;&#039; sagt &#039;&#039;&#039;der Zweite&#039;&#039;&#039;. &#039;&#039;„Es sterben doch längst nicht alle Kranken, die sich mit dem Cholerabazillus angesteckt haben. Ich sehe die Todesursache vielmehr in der Tatsache, dass die Selbstheilungskräfte des Verstorbenen nicht stark genug waren, um die Infektion zu überwinden. Hätte er über mehr Widerstandskraft verfügt, so lebte er noch.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da lächelt &#039;&#039;&#039;der dritte Kollege&#039;&#039;&#039; und fragt: &#039;&#039;„Habt ihr denn nicht sein Horoskop gelesen? Da konnte man lesen, dass dieser Mensch durch die ganze Konfiguration seiner seelischen Veranlagung und seines inneren Schicksals zum Tod in dieser Zeit prädestiniert war. Sein Tod war vorherbestimmt.&amp;quot;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Das leuchtet mir nicht ein&amp;quot;,&#039;&#039; sagt &#039;&#039;&#039;der Vierte&#039;&#039;&#039;. &#039;&#039;„Wie viele Menschen leben unter derselben oder sehr ähnlichen Sternkonstellationen und kommen anders damit zurecht, gehen durchaus optimistischer mit der Herausforderung um, die ihre jeweilige Sternkonstellation für sie bedeutet. Meine Diagnose ist, dass er im Kern seiner ganzen Persönlichkeit, in seinem Ich, schwach war. Er hatte große Angst vor der Cholera, und nichts ist ein besserer Nährboden für Infektionen als Ängstlichkeit und Furcht. Ich habe viel schwächere Patienten die Krankheit überwinden sehen, weil sie mutiger waren und das Vertrauen nicht verloren.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Mir kommt das alles töricht vor&amp;quot;,&#039;&#039; schaltet sich jetzt &#039;&#039;&#039;der Fünfte&#039;&#039;&#039; in die Debatte ein: &#039;&#039;„Krankheit und Leid ist doch eine Geißel Gottes, ein Flagellum. Hätte Gott die Überwindung der Krankheit zugelassen, so hätte er diesem Betroffenen zur rechten Zeit den Arzt oder sonst eine Hilfe geschickt.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun blicken alle auf &#039;&#039;&#039;den Sechsten&#039;&#039;&#039;, der interessiert zugehört hat und fragen: „Wer von uns hat recht?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der bemerkt: &#039;&#039;„Jeder von euch hat recht. Jeder hat aber auch unrecht. Das Unrecht entsteht dadurch, dass jeder einzelne von euch nur an seine Sicht der Dinge glaubt und die Ansichten der anderen verneint oder missachtet. Das komplizierte Pentagramm Mensch muss individuell gelesen werden, um den jeweiligen Anteil an der Krankheitsursache herauszufinden. Ein solch differenziertes Lesen ist aber auch nötig, um die verschiedenen Wege kennen zu lernen, die zur Gesundheit, sprich: zur Überwindung der Krankheit führen.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Szene aus dem Werk des Paracelsus wird hier angeführt, um deutlich zu machen, dass ein tiefgreifendes Verständnis von Krankheitsursachen und Heilungsmöglichkeiten die verschiedenen Ebenen menschlicher Existenz und Lebensverwirklichung mitberücksichtigen muss. Das kann letztlich nur ein interdisziplinär-integrativer Ansatz leisten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaft und Medizin&#039;&#039;, GA 312.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Elise Wolfram und Paracelsus, &#039;&#039;Die okkulten Ursachen der Krankheiten. Volumen Paramirum&#039;&#039;, Unv. Nachdruck der Ausgabe von 1912, 4. Aufl. Dornach 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== SCHULMEDIZIN, ANTHROPOSOPHISCHE MEDIZIN UND ÄLTERE GANZHEITLICHE ANSÄTZE ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie steht die Anthroposophische Medizin zur Schulmedizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und wie ist ihr Verhältnis zu anderen alternativen Ansätzen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verhältnis der&#039;&#039; &#039;&#039;Anthroposophischen Medizin zur Schulmedizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Frage lässt sich kurz mit Nein beantworten. &#039;&#039;Rudolf Steiner&#039;&#039; (1861-1925) und &#039;&#039;Ita Wegman&#039;&#039; (1876-1943), die Begründer der Anthroposophischen Medizin, bemerken hierzu:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Nicht um eine Opposition gegen die mit den anerkannten wissenschaftlichen Methoden der Gegenwart arbeitende Medizin handelt es sich. Diese wird von uns in ihren Prinzipien voll anerkannt. Und wir haben die Meinung, dass das von uns Gegebene nur derjenige in der ärztlichen Kunst verwenden soll, der im Sinne dieser Prinzipien vollgültig Arzt sein kann.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Allein wir fügen zu dem, was man mit den heute anerkannten wissenschaftlichen Methoden über den Menschen wissen kann, noch weitere Erkenntnisse hinzu, die durch andere Methoden gefunden werden, und sehen uns daher gezwungen, aus dieser&#039;&#039; erweiterten &#039;&#039;Welt- und Menschenerkenntnis auch für eine Erweiterung der ärztlichen Kunst zu arbeiten.&amp;quot;[1]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die reguläre akademische Aus- und Weiterbildung ist ebenso Voraussetzung dafür, sich Anthroposophischer Arzt nennen zu können, wie das Studium der anthroposophischen Geisteswissenschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Salutogenetischer Ansatz bevorzugt&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Anthroposophischen Medizin liegt ein Konzept ganzheitlicher, integrativer Medizin zugrunde, die den Menschen (griechisch: anthropos) mit all seinen Erkenntnis- und Erlebnisformen (griechisch: sophia, wörtlich: Weisheit) in den Mittelpunkt stellt. Für die Praxis heißt dies, dass symptomatisch wirkende Arzneimittel, wie zum Beispiel Antipyretika, Antiphlogistika, Antihypertensiva, Antihistaminika oder die Substitution fehlender, körpereigener Stoffe, oder aber Analgetika und Psychopharmaka selbstverständlich da zur Anwendung kommen, wo die speziellen Medikamente und Therapieverfahren der anthroposophischen Therapierichtung nicht (mehr) hinreichen, die erforderliche Selbstregulation und Heilung zu stimulieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Hinblick auf das therapeutische Vorgehen wird der salutogenetische Ansatz bevorzugt, also die Anregung körpereigener, physiologischer Prozessantworten. Diese sind immer individuell. Therapieschemata haben zwar einen wesentlichen, Orientierung gebenden Stellenwert. In praxi gehen die Medikationen jedoch oft darüber hinaus, da sich die Behandlung am Einzelfall orientiert. Anthroposophische Ärzte schätzen die schulmedizinische Behandlung als Akut- und Notfallmedizin hoch, möchten jedoch nicht bei deren Grenzen und Einseitigkeiten stehen bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verhältnis zu älteren ganzheitlichen medizinischen Konzepten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Jedem ganzheitlichen medizinischen System – ob es sich nun um traditionell chinesische, ayurvedische oder homöopathische Medizin handelt – liegt ein spirituelles Weltbild zugrunde, das mehr oder weniger konkret die gemeinsame Evolution von Mensch, Erde und Weltall beschreibt. Rudolf Steiner bemerkt dazu im Hinblick auf seinen Ansatz[2]: &#039;&#039;„Ich möchte nicht versäumen, Sie darauf aufmerksam zu machen, dass dasjenige, was ich hier vortrage, nicht entlehnt ist älteren medizinischen Schriften, sondern auf durchaus gegenwärtiger geisteswissenschaftlicher Forschung beruht. Nur muss versucht werden, zuweilen in der Terminologie auf die ältere Literatur zurückzugreifen, weil ja die neuere Literatur eine Terminologie nach dieser Richtung hin noch nicht ausgebildet hat. Aber derjenige, der glauben würde, dass irgendetwas hier vorgetragen wird, was nur älteren Schriften entnommen ist, der würde sich eben sehr irren.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese von Steiner entwickelte neue Art der geistigen Forschung ermöglicht als anthroposophische Erkenntnismethodik und dank ihrer Forschungsergebnisse auch neue Einsichten in die ganzheitlichen Konzepte und spirituellen Traditionen der Medizin. Daher gibt es unter ihren Vertretern immer auch „Anthroposophen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Seiner und Ita Wegmann, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst. Dornach 1935, S. 9.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaft und Medizin&#039;&#039;, GA 312. Sechster Vortrag, Dornach, 26. März 1920. S. 118 (Ausgabe 1999).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== CHARAKTERISTIKA EINER SPIRITUELLEN MEDIZIN LAUT RUDOLF STEINER ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen Prinzipien folgt die von Rudolf Steiner und Ita Wegman beschriebene spirituelle Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wodurch äußert sich ihr allgemein-menschlicher Ansatz?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wodurch zeichnen sich eine spirituelle Chemie und Physik aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist unter Kulturtherapie zu verstehen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Krankheit aus zwei Blickwinkeln sehen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In dem Werk über Anthroposophische Medizin &#039;&#039;„Grundlegendes zu einer Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; von Rudolf Steiner und Ita Wegman werden unter anderem auch die Grundlagen einer spirituellen Medizin beschrieben.[1] Bereits die Überschrift des ersten Kapitels lässt dies anklingen, indem da von &#039;&#039;„wahrer Menschenwesen-Erkenntnis“&#039;&#039; die Rede ist. Die Wortwahl erinnert an die Initiationspraktiken der antiken Mysterien, wo es in allen Einweihungsgraden um wahre irdisch-kosmische Selbst- und Welterkenntnis ging. Doch konkret im Alltag: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Erwartet nicht jeder Kranke vom Arzt, dass dieser die Ursache seines Problems durchschaut und die notwendigen Maßnahmen einleitet?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Dass er die Wahrheit über seinen Zustand bestmöglich herausfindet?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher die Forderung der Autoren, der Wahrheit des Krankheitsgeschehens von zwei Seiten aus näherzukommen, indem die schulmedizinischen Diagnosefaktoren mit der geisteswissenschaftlichen Betrachtung verbunden werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Christuserkenntnis&#039;&#039; als &#039;&#039;zentrales Element&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;‚Wes Geistes Kind‘ aber ist diese Forderung?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“[2]&#039;&#039; wird der Christus als ‚großer Hüter der Schwelle‘ auf dem Erkenntnisweg dargestellt, der dem Schüler den Sinn der Erdenentwicklung, des Todes und der Wiedergeburt enthüllt. In der &#039;&#039;„Geheimwissenschaft im Umriß“[3]&#039;&#039; wird der Christus auch namentlich genannt und seine zentrale Bedeutung innerhalb der Schöpfung und für die Entwicklung der Menschheit geschildert.[4] In beiden Werken begegnet man einer zentralen Bezugnahme auf die Wesenheit des Christus in einer weder religiös noch konfessionell tingierten Weise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verfolgt man diesen Wesensbezug zu Christus im Steiner‘schen Vortragswerk, oder auch nur in der Schrift &#039;&#039;„Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit“&#039;&#039;,[5] so zeigt sich, dass für Steiner diejenige geistige Realität, die er mit dem historischen Christus identifiziert, in allen Aspekten und Dimensionen menschlichen Lebens und Entwickelns eine zentrale Rolle spielt – ganz im Sinne der johanneischen Aussage: &#039;&#039;„Durch es [das Wort] sind alle Dinge geworden, und nichts von allem Entstandenem ist anders als durch das Wort geworden.“[6]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Anthroposophisches Menschenbild und Schulungsweg&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Steinersche Christologie versteht sich als Weg zur Christuserkenntnis. Dieser Weg ist von seinem Selbstverständnis her unabhängig von traditionellen Glaubensüberzeugungen und religiösen Bekenntnissen. Es geht bei ihm im tiefsten Sinne um ‚wahre Menschenwesen-Erkenntnis‘, um das ecce homo. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die anthroposophische Menschenkunde befasst sich mit diesem allgemeinmenschlichen, rein geistigen Wesensgefüge des gesunden Menschenurbildes, das der uns bekannten Schöpfung innewohnt. Sie versucht verständlich zu machen, warum und wie in dieser Schöpfung alles mit allem geistig und physisch zusammenhängt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher kann sich ein japanischer Shintu-Priester in seiner spirituellen und wissenschaftlichen Praxis ebenso von dem anthroposophischen Erkenntnisweg und Menschenbild anregen und bereichern lassen wie ein buddhistischer Mönch, ein Brahmane oder ein Angehöriger des jüdischen oder muslimischen Glaubens oder ein materialistischer Naturwissenschaftler. Denn Christliche Spiritualität ist zugleich allgemeinmenschliche Spiritualität und die Spiritualität in den Naturerscheinungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Dienender Charakter der Substanz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ein weiteres wichtiges Merkmal der von Rudolf Steiner beschriebenen spirituellen Medizin ist ihr selbstlos dienendes Prinzip. Das Substanzverständnis der Anthroposophie, wie es im Grundlagenwerk der Anthroposophischen Medizin &#039;&#039;„Grundlegendes zur Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; erörtert wird,[7] beruht auf dieser Grundlage. So werden im 1. Kapitel die Substanzen in ihrem selbstlos dienenden Charakter gezeigt, wie sie sich den vier Kräftebereichen von Mineral-, Pflanzen-, Tier- und Menschenwelt unterordnen, wodurch sie zu deren jeweiliger Manifestation beitragen und dadurch alle Naturerscheinungen in die Sichtbarkeit bringen.[8]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erdensubstanz – im christlichen Bekenntnis symbolisiert durch Brot und Wein – ist nach diesem Verständnis nicht nur die physische Grundlage für die Erd- und Menschheits-entwicklung. Vielmehr zeigt sich ihr zutiefst christlicher Charakter daran, dass sie dient: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* im mineralischen Zustand den Todesprozessen,&lt;br /&gt;
* in der Pflanzenwelt den Lebensprozessen,&lt;br /&gt;
* in der tierischen Natur den seelischen Äußerungen und der Bewegungsfähigkeit.&lt;br /&gt;
* Im Menschen aber wird sie „Geist tragend“.[9]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor diesem Hintergrund sind dann Sätze in dem genannten Werk wie der folgende zu verstehen: &#039;&#039;„[…] dann wird man durch Einfügung eines Erdenstoffes in den menschlichen Organismus oder durch Behandlung mit einer Erdentätigkeit bewirken können, dass die höheren Glieder der Menschenwesenheit sich ungehindert entfalten können, oder auch, dass die Erdenstofflichkeit an dem Zugefügten die nötige Unterstützung findet, um auf den Weg zu kommen, auf dem sie Grundlage wird für irdisches Wirken des Geistigen.“[10]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Spirituelle Chemie und Physik der Zukunft&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der Schrift &#039;&#039;„Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit“[11]&#039;&#039; – präzisiert Rudolf Steiner diesen Aspekt auch noch im Hinblick auf die Entwicklung der Substantialität der Erde: &#039;&#039;„Künftig werden Chemiker und Physiker kommen, welche Chemie und Physik nicht so lehren, wie man sie heute lehrt [...] sondern welche lehren werden: ‚Die Materie ist aufgebaut in dem Sinne, wie der Christus sie nach und nach angeordnet hat!‘ – Man wird den Christus bis in die Gesetze der Chemie und Physik hinein finden. Eine spirituelle Chemie, eine spirituelle Physik ist das, was in der Zukunft kommen wird. Heute erscheint das ganz gewiß vielen Leuten als eine Träumerei oder Schlimmeres.&#039;&#039; &#039;&#039;Aber was oft die Vernunft der kommenden Zeiten ist, das ist für die vorhergehenden Torheit.“[12]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese selbstlos dienende Haltung wird von den in der anthroposophischen Pharmazie und Medizin Tätigen auf dem anthroposophischen Schulungsweg geübt und prägt den spirituellen Charakter dieser Bereiche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Heilsam wirken durch umfassende Kulturtherapie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin kann als Kulmination von Steiners Grundanliegen, heilsam zu wirken, gesehen werden. Alles, was er geschrieben und getan hat, stand und steht im Dienst einer umfassenden Kulturtherapie, die heilsam auf die zeitgeistigen pathologischen Tendenzen einwirken sollten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Rudolf Steiner unter Kulturpathologie verstand, stellte er im ersten Vortrag des Gründungskurses für die Waldorfpädagogik im August 1919 so dar: &#039;&#039;„Vergessen Sie nicht, indem Sie sich Ihrer Aufgabe widmen, daß die ganze heutige Kultur, bis in die Sphäre des Geistigen hinein, gestellt ist auf den Egoismus der Menschheit. [. . .] Wir leben in der Zeit, in der dieser Appell an den menschlichen Egoismus in allen Sphären bekämpft werden muß, wenn die Menschen nicht auf dem&#039;&#039; &#039;&#039;absteigenden Wege der Kultur, auf dem sie heute gehen, immer mehr und mehr abwärts gehen sollen.“[13]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; In Philosophie und Geistesleben ====&lt;br /&gt;
Im philosophischen Werk Steiners wird die Grundlage zur Kulturtherapie in Form eines tiefgreifenden Autonomieverständnisses gelegt. Freiheit und Liebe, die zur Selbstlosigkeit fähig sind, stehen dabei als menschliche Entwicklungsziele an zentraler Stelle. Sie sind Ausdruck menschlicher Würde und geistiger Gesundheit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; In der Pädagogik ====&lt;br /&gt;
Entsprechend wird im Zusammenhang von Steiners Darstellungen zur &#039;&#039;„Allgemeinen Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik“[14]&#039;&#039; eine ‚Physiologie und Psychologie der Freiheit‘ veranlagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; In der Kunst als Therapie ====&lt;br /&gt;
Und auch die künstlerische Tätigkeit versteht Steiner nicht als ästhetischen Selbstzweck. Sie hat Bewusstsein weckenden Charakter und mündet in allen Bereichen in therapeutische Wirksamkeit, wie in EH am Beispiel der Heileurythmie in Kapitel XVIII gezeigt wird. Der Leiter der Kolisko-Akademie, &#039;&#039;Armin Husemann&#039;&#039;, hat diesem Impuls einer therapeutisch ausgerichteten &#039;&#039;„Menschenwissenschaft durch Kunst“&#039;&#039; sein Lebenswerk gewidmet.[15]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[16]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?,&#039;&#039; GA 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Geheimwissenschaft im Umriss&#039;&#039;, GA 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Ebenda, Seite 219–225, 251–256 sowie 351–353.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit,&#039;&#039; GA 15.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Neues Testament, &#039;&#039;Johannes Kap. 1, 3.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen&#039;&#039;, GA 27, Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Christian Morgenstern (1871–1914) hat diesem dienenden Geschehen sein Gedicht &#039;&#039;Fußwaschung&#039;&#039; gewidmet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. Harlan, (2008).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Siehe FN1, S. 12.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit,&#039;&#039; GA 15.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Ebenda, S. 46.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik&#039;&#039;, GA 293, 26 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik&#039;&#039;, GA 293.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[15] Vgl. A. Husemann (2007 und 2024).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[16] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ANSPRUCH UND AUFGABE DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen Anspruch hat die Anthroposophische Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worin sieht sie ihre Aufgabe?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was war laut Rudolf Steiner das entscheidend Neue?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Bemühen der Anthroposophischen Medizin&#039;&#039; &#039;&#039;um mehr Menschlichkeit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin ist ein Kind des 20. Jahrhunderts. Sie hat den Anspruch, naturwissenschaftliche, philosophische und spirituelle Erkenntnisse und deren therapeutische Anwendungen in ein ganzheitliches Konzept zu integrieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als eigenständige medizinische Bewegung hat sie jedoch erst gut 80 Jahre Entwicklung hinter sich, weswegen sie noch nicht so breit im allgemeinen Bewusstsein verankert ist wie beispielsweise die Homöopathie. Darüber hinaus ist die Bezeichnung „Anthroposophische Medizin“ etwas schwer verständlich. Der Begriff „Homöopathie“ hat sich aus dem prinzipiellen Gegensatz zur gängigen „Allopathie“ gebildet. Er orientiert sich am Simile-Prinzip. „Anthroposophisch&amp;quot; heißt hingegen in der schlichtesten Übersetzung aus dem Griechischen einfach nur „menschlich&amp;quot;. Entsprechend hat sich die Anthroposophische Medizin zur Aufgabe gesetzt, im Umgang mit Krankheit und Gesundheit in Theorie und Praxis das Bewusstsein und die Entwicklung von mehr Menschlichkeit ins Zentrum allen Bemühens zu stellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wesensglieder-Diagnostik als neue Perspektive&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner war es wichtig, die Wesensglieder-Diagnostik und die sich daran anschließende Therapiefindung als das entscheidend Neue zu sehen, das durch die Anthroposophie in den gegenwärtigen Medizinbetrieb hereinkommen kann. Es ging ihm nicht primär darum, neue und womöglich wirksamere Medikamente zu finden für dieses und jenes. Vielmehr wollte er vermitteln, dass die Medizin durch ein Menschenbild bereichert werden kann, das befähigt, den Menschen primär als geistiges Wesen zu begreifen und ihn dadurch in Gesundheit und Krankheit neu zu sehen und behandeln zu lernen.[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Kapitel I von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; heißt es: &#039;&#039;„Der Mensch ist, was er ist, durch Leib, Ätherleib, Seele (astralischer Leib) und Ich (Geist).&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Er muss als Gesunder aus diesen Gliedern heraus angeschaut;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;er muss als Kranker in dem gestörten Gleichgewicht dieser Glieder wahrgenommen;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;es müssen zu seiner Gesundheit Heilmittel gefunden werden, die das gestörte Gleichgewicht wieder herstellen.“[2]&amp;lt;sup&amp;gt;,&amp;lt;/sup&amp;gt; [3]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anthroposophisch-medizinische Therapieansatz kann zudem sowohl alternativ als auch kombiniert mit schulmedizinischer Behandlung zur Anwendung kommen und erfreuliche Besserungen erzielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Erkrankung und Heilung als Kreisprozess verstehen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Methodisch kommt es Rudolf Steiner und Ita Wegman also darauf an, den Prozess der Erkrankung und den Prozess der Heilung als einen einzigen Kreisprozess zu verstehen, in dem der Organismus von Heilmitteln und Krankheitsdiät unterstützt werden muss, um wieder in den „Zustand der Gesundheit“ versetzt zu werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Die Erkrankung beginnt mit einer Irregularität in der Zusammensetzung des menschlichen Organismus mit Bezug auf seine in diesem Buch beschriebenen Teile. Sie ist an einem bestimmten Punkte angekommen, wenn man den Kranken in Behandlung bekommt. Man hat nun dafür zu sorgen, dass alle Vorgänge, die sich seit dem Beginn der Krankheit im menschlichen Organismus abgespielt haben, wieder zurückverlaufen, so dass man zuletzt bei dem Zustande der Gesundheit anlangt, in dem der Organismus vorher war. […] Die Heilmittel müssen daher so beschaffen sein, dass sie nicht nur den Krankheitsprozess zurücklaufen lassen, sondern auch die sich herabstimmende Vitalität wieder unterstützen. Einen Teil der letzteren Wirkung wird man der Krankheitsdiät überlassen müssen. Doch ist in der Regel bei ernsteren Krankheitsfällen der Organismus nicht gestimmt, in der Verarbeitung der Nahrungsmittel genügend Vitalität zu entwickeln. Es wird daher notwendig sein, auch die eigentliche Therapie so einzurichten, dass der Organismus in dieser Beziehung seine Unterstützung findet. […] Im Krankheitsverlaufe ist nicht nur der lokalisierte Krankheitsprozess, sondern die Gesamtveränderung des Organismus zu berücksichtigen und diese in den rückläufigen Prozess einzubeziehen. Wie das im Einzelnen zu denken ist, werden bestimmte Fälle, die wir nun charakterisieren wollen, zeigen.“&#039;&#039;[4] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;An der Heilung des erkrankten Planeten mitwirken&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Ruf nach einer menschengemäßen Medizin steht mit vielen Bestrebungen der letzten Jahrzehnte im Konsens.  So schreibt der berühmte  amerikanische Kardiologe &#039;&#039;Bernard Lown&#039;&#039; im Vorwort seines Medizin-Bestsellers &#039;&#039;„Die verlorene Kunst des Heilens&amp;quot;:[1]„Dieses Buch möge als ein  Kompass dienen (...), indem es eine Medizin beschreibt, in welcher der Mensch im Mittelpunkt aller wissenschaftlichen Dienstleistungen steht – nämlich ein modernes Gesundheitswesen mit einem menschlichen Gesicht.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lown nennt die heutigen großen Probleme beim Namen: Die ungerechte Weltordnung, die bewirkt, dass sich auch im neuen Jahrhundert die Kluft zwischen den armen Entwicklungsländern und den reichen Industrienationen immer schneller vertieft und viel zu viele der sieben Milliarden Menschen auf der Welt in einer quälenden, erbarmungslosen und erniedrigenden Armut leben. Er fordert von den Ärzten, aktiv beim Aufarbeiten der sozialen Missstände mitzuwirken sowie bei der Heilung unseres erkrankten Planeten. Das Wort des deutschen Pathologen &#039;&#039;Rudolf Virchow&#039;&#039; ist ihm Vorbild, dass Politik eine „Medizin im Großen&amp;quot; ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie aber wird eine medizinische Denkweise und Methode erarbeitet, die solches leisten kann?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztlich kann doch nur ein neues Denken über die alten, unerbittlich wachsenden Probleme dazu führen, diese nachhaltig zu lösen. Anthroposophische Medizin möchte in aller Konsequenz dazu beitragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Physiologisch-Therapeutisches auf Grundlage der Geisteswissenschaft. Zur Therapie und Hygiene,&#039;&#039; GA 314, S. 29 und S. 226 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, S. 12.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Formatierung Katharina Offenborn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe FN 2, S. 89f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Bernard Lown, &#039;&#039;Die verlorene Kunst des Heilens,&#039;&#039; Berlin 2002.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== GESUNDHEITSWISSENSCHAFTLICHER ANSATZ DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Bereiche umfasst der gesundheitswissenschaftliche Ansatz der Anthroposophischen Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht dabei um drei Bereiche:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Um den Bereich des Ätherisch-Lebendigen und die hier agierenden &#039;&#039;&#039;Rhythmen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
# Um das Zusammenspiel der Wesensglieder im so genannten &#039;&#039;&#039;dreigliedrigen Organismus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
# Um eine dem Menschengeist gemäße &#039;&#039;&#039;Erziehung und Selbsterziehung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;AD 1. ZUR RHYTHMUSFORSCHUNG&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gunther Hildebrandt&#039;&#039;, einer der führenden Rhythmus-Forscher im 20. Jahrhundert, hat sein Lebenswerk als Physiologe der systematischen Erarbeitung der rhythmischen Funktionen und deren adaptiven, erholsamen und stabilisierenden Wirkungen gewidmet.[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hatte in einer Vortragsnachschrift von Steiner gelesen, dass die rhythmische Organisation des Menschen ihren Ausdruck findet im Rhythmus der Blutzirkulation und dem Atemrhythmus und dass dieser Zusammenhang zu wenig beachtet wird. Beim erwachsenen Menschen haben diese beiden Rhythmen das Verhältnis 4:1. Das ist natürlich nur ein approximativer Durchschnittswert, der allerdings in seinen Abweichungen Auskunft gibt über Gesundheit und Krankheit des individuellen menschlichen Organismus. Diesen Hinweisen Steiners ist Hildebrandt mit den Methoden der Chronobiologie und der Rhythmusforschung nachgegangen. Anhand seiner Resultate konnte er belegen, wie sehr die anthroposophische Geisteswissenschaft mit der akademischen Naturwissenschaft übereinstimmt und dass sich neue Möglichkeiten des Verstehens erschließen, wenn man beide methodisch ernst nimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Rhythmusforschung am Beispiel Schlaf&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Hildebrandt konnte nachweisen, dass die Schlaferholung als zentral koordinierter Prozess nicht allein aus biochemischen und physiologischen Gesichtspunkten heraus erklärbar ist, sondern dass Selbstordnungsprinzipien am Geschehen beteiligt sind, die eine rhythmische Zeitstruktur haben und prozessual in Richtung Heilung oder Krankheit stimulierbar sind. Er konnte in vielfach bestätigten Befunden nachweisen, dass im Verlauf des Nachtschlafes die ganzzahlige Frequenzabstimmung zwischen Herz- und Atemrhythmus des gesunden Organismus bei jedem Menschen wieder hergestellt wird, und zwar unabhängig von der Richtung der am Tage aufgetretenen Abweichungen. Dasselbe konnte Hildebrandt auch hinsichtlich der ganzzahligen Frequenzabstimmungen von Atem- und Blutdruckrhythmus sowie von Blutdruckrhythmus und Minutenrhythmus der peripheren Durchblutung nachweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Arbeitsrhythmen der Wesensglieder und autochrone Biorhythmen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Des Weiteren konnte Hildebrandt zeigen, dass die von Steiner erforschten basalen Arbeitsrhythmen der Wesensglieder tatsächlich den evidenten, adaptiven und autochronen Biorhythmen des Menschen entsprechen. Auch konnte er belegen, dass diese hygiogenetischen Prozesse in der Regel reaktiv ausgelöst werden und ihre Zeitstruktur nicht von den Eigenrhythmen der Wesensglieder bestimmt werden, sondern reaktiv von deren harmonischen Frequenzmultiplen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Jahresrhythmen unter Einfluss des physischen Leibes ====&lt;br /&gt;
Regenerative und adaptive Rhythmen des physischen Leibes hängen mit dem Jahreslauf der Sonne sowie der annualen Rhythmik zusammen. Die heteronomen trophisch-plastischen Wachstumsprozesse mit der submultiplen Periodendauer des Jahresrhythmus werden überwiegend von den Einflüssen bestimmt, die der physische Leib auf die hygiogenetische Aktivität des Ätherleibes hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; 7-Tage-Rhythmus bestimmt vom Ätherleib ====&lt;br /&gt;
Regenerative und adaptive Rhythmen des ätherischen Leibes entsprechen dem Monatsrhythmus sowie der lunaren Rhythmik. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Monatsrhythmus bestimmt vom Astralleib ====&lt;br /&gt;
Adaptive und regenerative Rhythmen des Astralleibes von 7 Tagen entsprechen dem Wochenrhythmus, der zirkaheptanen Rhythmik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Rhythmisches Zusammenspiel von Ätherleib und Astralleib&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Die eigentlichen heilenden Prozesse, die sich als normgerichtete Regenerationsvorgänge äußern und eine funktionelle Normalisierung herbeiführen, werden im Zusammenwirken von Ätherleib und astralischem Leib zeitlich gegliedert. Ausdruck dieses Zusammenwirkens ist die Tatsache, dass der spontane Eigenrhythmus des Astralleibes mit 7 Tagen Periodendauer zugleich eine Submultiple des ätherischen Monatsrhythmus darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Eigenrhythmen der beiden Wesensglieder stehen bemerkenswerterweise auch im doppel-oktavischen harmonischen Verhältnis von 4:1. Das vielfach nachgewiesene Vorherrschen der zirkadianen Septanperiodik bei den spontanen und therapeutisch angestoßenen Selbstheilungsprozessen kann daher so gedeutet werden, dass der Astralleib mit seinem Eigenrhythmus den hygiogenetischen Prozessen eine Zeitstruktur vorgibt, der sich der Ätherleib durch Ausbildung einer submultiplen Periodik optimal einpasst.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; 24-Stunden-Rhythmen unter Führung der Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Adaptive und regenerative Rhythmen der Ich-Organisation entsprechen dem 24 Stunden-Rhythmus, der zirkadianen Rhythmik. Seine Forschungsergebnisse zusammenfassend führt Hildebrandt aus, dass die verschiedenen, stoffwechselbedingten Erholungsprozesse mit einer Periodendauer unter 24 Stunden, die dem Bestand und der Gesunderhaltung des Organismus dienen, der zeitlichen Führung seitens der Ich-Organisation unterliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;AD 2. ZUR FUNKTIONELLEN DREIGLIEDERUNG&#039;&#039; &#039;&#039;DES MENSCHLICHEN ORGANISMUS&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Gedanke der funktionellen Dreigliederung des menschlichen Organismus geht auf eine dreißigjährige Forschung Steiners zurück, die er erstmals 1917 publizierte.[3] Der Anatom und Morphologe Johannes W. Rohen griff diese Anregung in seinen Lehrbüchern für die Medizinstudenten auf.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Sichtweise des menschlichen Organismus verknüpft drei Aspekte miteinander:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Sie macht den polaren Bau des menschlichen Organismus funktionell und morphologisch transparent.&lt;br /&gt;
# Sie liefert eine pathologisch und therapeutisch relevante Erklärung des Leib-Seele-Problems.&lt;br /&gt;
# Sie führt nicht nur zu einer neuen Sicht auf die Entstehung von Krankheit, sondern auch zu einem Konzept für die Entstehung von Gesundheit (Salutogenese, Hygiogenese).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Polarität und ausgleichende Prozesse&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Morphologisch betrachtet sind die Rundheit der Schädelform und die radiale Form der Gliedmaßen echte Polaritäten. Entsprechend polar stehen auch die bewussten, im Kopf zentrierten Denk- und Sinnestätigkeiten den unterhalb des Zwerchfells lokalisierten unbewussten metabolischen Auf- und Abbauvorgängen gegenüber. Dazwischen entfalten sich die rhythmischen Transport- und Verteilungssysteme, wie sie von den Atmungsorganen und dem Herzen als Mittelpunkt des Kreislaufsystems ausgehen. Diese dreiteilige morphologische Grundgliederung bezeichnet Steiner mit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Nerven-Sinnes-System NSS&#039;&#039;&#039;: überwiegend im Kopf zentrierte &#039;&#039;„obere Organisation&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Rhythmisches System RS&#039;&#039;&#039;: überwiegend im Thorax lokalisierte &#039;&#039;„mittl. Organisation&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Stoffwechselsystem&#039;&#039;&#039;: überwiegend im Abdomen lokalisierte &#039;&#039;„untere Organisation&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Dreigliederung entspricht bereits die Polarität von Ektoderm und Entoderm und den sich aus dem Zusammenspiel beider ergebenden sekundären mesodermalen Strukturen in der Embryonalentwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Dreigliederung findet sich auch in der Formation des Skelettes wieder: Wirbelsäule und Brustkorb haben einen rhythmisch gegliederten Aufbau (Wirbel, Rippen), im Gegensatz zur radialen Form der Extremitäten und der sphärischen des Kopfes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die zeitlich-prozessuale und damit auch die physiologisch-biochemische Betrachtung ist jedoch das jeweils spezifisches Zusammenwirken der vier Wesensglieder in den drei Regionen des Körpers entscheidend:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbstverständlich gehört der Nervenzell-Stoffwechsel den Stoffwechselfunktionen an und umgekehrt ist das vegetative Nervensystem, das wahrnehmend und regulierend auf das gesamte Stoffwechselgeschehen einwirkt, Bestandteil des Nervensinnessystems.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entsprechend ist das rhythmische System mit seinen Funktionsleistungen auch im Nervensinnes-System und beim Stoffwechsel wirksam. Es stellt mit den kurzwelligen Rhythmen der elektrochemischen Hirnpotentiale im Sekundenbereich und den langwelligen Eigenrhythmen der Stoffwechselorgane (z.B. Magen / Darmmotilität) im Stundenbereich die gesamte rhythmische Funktionsordnung im dreigliedrigen Organismus dar. Bei der Dreigliederung handelt es sich also nicht um eine Dreiteilung, sondern um eine funktionelle Gliederung, die sich gleichzeitig räumlich im polaren Aufbau des Körpers abbildet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zusammenspiel der Wesensglieder im dreigliedrigen Organismus&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Werden die Funktionen des Nerven-Sinnes- und des Stoffwechselsystems mithilfe des rhythmischen Systems nicht genügend aufeinander abgestimmt, so tritt Krankheit auf:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Derjenige wird den menschlichen Organismus in seinem gesunden und kranken Zustand – oder besser gesagt: in seinem Gesund-Sein und seinem Gesund-Werden – nicht eigentlich verstehen können, der nicht berücksichtigt, dass die so genannten normalen Funktionen im Grunde nur Metamorphosen sind, auch derjenigen, die wir hervorrufen müssen, um pathologischen Zuständen zu begegnen&amp;quot;&#039;&#039;.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hildebrandt machte darauf aufmerksam, dass diese Aussage Steiners im Prinzip dem so genannten ersten Hauptsatz der Naturheilkunde entspricht, wie er zum Beispiel von Groote formuliert wurde: &#039;&#039;„Das, was den Gesunden gesund erhält, ist auch geeignet, den Kranken wieder gesund zu machen&amp;quot;&#039;&#039;.[6]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Inkarnierende und exkarnierende Wesensgliedertätigkeit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das Steinersche Paradigma von der Metamorphose der „inkarnierenden&amp;quot; Wesensgliedertätigkeit in die „exkarnierende&amp;quot;, die das seelisch-geistige Leben ermöglicht, ist einerseits Grundlage für ein neues Verständnis des Leib-Seele-Zusammenhangs. Es bietet aber auch bisher nicht dagewesene Möglichkeiten, die Fachgebiete der Erziehungswissenschaften und Medizin in ihrem Zusammenhang zu verstehen und für die Weiterentwicklung von Therapie und Pädagogik zu nutzen. Denken, Fühlen und Wollen als seelisch-erfahrbare Qualitäten werden in ihrem Leibbezug durchschaubar:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Der &#039;&#039;&#039;Ätherleib&#039;&#039;&#039; kann damit als &#039;&#039;Träger des Gedankenlebens&#039;&#039; erkannt werden,&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;&#039;Astralleib&#039;&#039;&#039; als &#039;&#039;Träger des Gefühlslebens&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* und die &#039;&#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;&#039; als &#039;&#039;Träger des Wollens bzw. Tuns&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die inkarnierende Wesensgliedertätigkeit ermöglicht Selbsterfahrung und ist somit die Grundlage von Selbstbewusstsein im Leib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die exkarnierende Wesensgliedertätigkeit, deren Medium das Denken ist, das „Leben im Geiste&amp;quot;, ist Grundlage für die Entwicklung eines bewussten, vom Leib emanzipierten, persönlichen Innenlebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die inkarnierende und die exkarnierende Wesensgliedertätigkeit hängen eng zusammen im Kontext der Entwicklung des Menschen. So entwickelt sich z.B. unser Denken erst aus der schrittweisen Emanzipation des Ätherleibes – von der leibgerichteten Tätigkeit hin zur leibfreien, rein gedanklichen Tätigkeit.[7] Wird die gesunde Inkarnation des Ätherleibes durch die Erziehung nicht unterstützt, sondern behindert durch kognitives Frühtraining und die Förderung abstrakten Denkens, emanzipiert sich der Ätherleib zu früh und ein Mangel an Vitalität in der zweiten Lebenshälfte ist die Folge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Alles hat seine Zeit&amp;quot; ist daher die Grundlage der Waldorfpädagogik und ihres altersspezifischen Lehrplans.[8](besser nicht in kursiv).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entwicklungsgerechte Förderung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Organsysteme des menschlichen Organismus bedürfen einer entwicklungsgerechten, altersspezifischen Förderung, um sich gesund aufbauen und genügend ausreifen zu können. Nur dadurch kann die Inkarnation aller Wesensglieder optimal gewährleistet werden. Damit wird auch die physiologische Lockerung der Wesensglieder im letzten Lebensdrittel auf möglichst gesunderhaltende Art und Weise vorbereitet. Jeder alternde Organismus hat zwar die Disposition zu chronischen Erkrankungen des älteren Menschen, ob es jedoch zum Ausbruch einer entsprechenden Krankheit kommt bzw. welchen Schweregrad sie erreicht, ist bis zu einem gewissen Grad abhängig davon, wie das Kind oder der Jugendliche die Zeit der Inkarnation der Wesensglieder durchlaufen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiteres Kriterium ist die Frage, ob in der Lebensmitte durch geistige Aktivität Lebensfragen und Konflikte so verarbeitet wurden, dass die zur Gesunderhaltung von Leib und Seele nötige Übereinstimmung mit sich und dem Schicksal hergestellt werden konnte. Aaron Antonovsky spricht von der Notwendigkeit, ein „Kohärenzgefühl“ sich und seinen Lebensumständen gegenüber zu erwerben.[9]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;AD 3.&#039;&#039; &#039;&#039;ERZIEHUNG UND SELBSTERZIEHUNG ALS QUELLE SALUTOGENER KOMPETENZ&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die von Rudolf Steiner konsequent verfolgte These einer Erziehung zur Freiheit und einer Lehre von der Gesundheit, basierend auf der Auseinandersetzung mit den Herausforderungen des Lebens auf geistiger, seelischer und körperlicher Ebene, erfährt auf vielfältige Weise Bestätigung durch:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Hygiogenese&#039;&#039;&#039; (Hildebrandt 1985),&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Salutogenese&#039;&#039;&#039; (Antonovsky 1997)&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Resilienzforschung&#039;&#039;&#039; (Opp/Fingerle/Freytag 1999)&lt;br /&gt;
* sowie die &#039;&#039;&#039;Erforschung der seelischen Gesundheit&#039;&#039;&#039; durch die humanistische Psychologie (Maslow 1981).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Erforschung der seelischen Gesundheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Maslow fand bei seinen Untersuchungen zur seelischen Gesundheit heraus, dass Menschen mit einer gesunden seelischen Gesamtverfassung sach- und nicht ich-bezogen handeln, dass sie tolerant und wahrhaftig sind, sich herzlich freuen, staunen und Dinge und Menschen bewundern können, dass sie Gefühle der Devotion aufbringen. Ihnen ist gemeinsam, dass sie auf die eine oder andere Art auf eine spirituelle Höhepunkt-Erfahrung, die so genannte Peak-Experience, zurückschauen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Maslow konnte zeigen, in wie hohem Maße die Arbeit an der eigenen Persönlichkeit und die persönliche Reife Einfluss auf den körperlichen Gesundheitszustand haben.[10]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Salutogenese – die Lehre von der Gesundheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Antonovsky entwickelte in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts seine Theorie der Salutogenese. Er untersuchte die Bedingungen für das Entstehen von Gesundheit und wählte als Kernbegriff den „Sense of Coherence“ – das Kohärenzgefühl. Die Entstehung von Kohärenzgefühls unterliegt drei Vorbedingungen: Die Welt muss als&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* verstehbar&lt;br /&gt;
* sinnhaft&lt;br /&gt;
* handhabbar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
erlebt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder in der Gesundheitsforschung Tätige kommt früher oder später zu der Überzeugung, dass Gesundheit ein labiler Zustand ist, der vom Individuum aktiv erhalten werden muss. Diese Auffassung steht im Gegensatz zum konventionellen, pathogenetischen Postulat, dass ein gesunder Organismus sich in „normaler&amp;quot;, geordneter Homöostase befindet, die durch eine Krankheit aus dem Gleichgewicht gebracht wird. Antonovsky stellt dem entgegen, dass es den geordneten Zustand der Homöostase nicht gibt, dass Gesundheit vielmehr das ständige Ringen mit heterostatischen Zuständen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er schreibt: &#039;&#039;„Zu jedem Zeitpunkt kann mindestens ein Drittel, möglicherweise mehr als die Hälfte der Bevölkerung in den Industrienationen aufgrund des einleuchtenden Parameters eines pathologischen Merkmals als krank bezeichnet werden. Das zeigt, dass Krankheit keine relativ seltene Abweichung irgendeiner Norm, sondern ein ubiquitäres Phänomen ist&amp;quot;&#039;&#039;.[11]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit ist so gesehen nicht die Abwesenheit von Krankheit, sondern die Beherrschung und Kompensierung vorhandener Krankheitstendenzen. Für diese gesundheitswissenschaftliche Sicht bietet das Konzept der Wesensglieder und ihr differenziertes Zusammenwirken im dreigliedrigen Organismus das notwendige theoretische und praxisrelevante Instrumentarium. Hinzu kommt, dass das Wesensgliederkonzept bisher das einzige Konzept ist, das dem denkenden Begreifen den Leib-Seele-Geist-Zusammenhang voll erschließen kann und die These von der „Blackbox&amp;quot; begründet hinterfragt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Amelung, W. / Hildebrandt, G. (Hrsg.), Balneologie und medizinische Klimatologie, Berlin 1985.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Gunther Hildebrandt, &#039;&#039;Physiologische Grundlagen der Hygiogenese&#039;&#039;, in: Peter Heusser (Hrsg.), &#039;&#039;Akademische Forschung in der anthroposophischen Medizin&#039;&#039;. Beispiel Hygiogenese: Natur- und geisteswissenschaftliche Zugänge zur Selbstheilungskraft des Menschen, Bern 1999.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Von Seelenrätseln&#039;&#039;, GA 21.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Johannes W. Rohen, &#039;&#039;Morphologie des menschlichen Organismus. Versuch einer goetheanischen Gestaltlehre des Menschen,&#039;&#039; Stuttgart 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Anthroposophische Grundlagen für ein erneuertes christlich-religiöses Wirken&#039;&#039;, GA 342, Dornach 1993.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] L. R. Groote, K. E. Rothschuh, &#039;&#039;Der Arzt im Angesicht von Leben, Krankheit und Tod&#039;&#039;, hrsg. von K. E. Rothschuh, Stuttgart 1961.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkt der Geisteswissenschaft&#039;&#039; in: &#039;&#039;Lucifer - Gnosis&#039;&#039;. 1903-1908, Dornach 1987;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M. Glöckler, &#039;&#039;Gesundheit und Schule. Schulärztliche Tätigkeit an Waldorf- und Rudolf-Steiner- Schulen.&#039;&#039; Dornach 1998.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Tobias Richter, &#039;&#039;Lehrplan&#039;&#039;, Stuttgart 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Aaron Antonovsky, &#039;&#039;Salutogenese. Zur Entmystifizierung der Gesundheit&#039;&#039;, Tübingen 1987.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Abraham Maslow, &#039;&#039;Motivation und Persönlichkeit&#039;&#039;, Hamburg 1981.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Siehe Fußnote 9.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== METHODISCHE GRUNDLAGEN DES ANTHROPOSOPHISCHEN ANSATZES ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worin wurzelt die Methodik des anthroposophischen Ansatzes?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wurzeln des anthroposophischen Ansatzes&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der anthroposophische Ansatz hat seine Wurzeln in der abendländischen Philosophie und der Erkenntnisdramatik des 20. Jahrhunderts. Er bemüht sich um ein spirituelles Verständnis von Mensch und Welt über die Weiterentwicklung des Denkens zu einer unmittelbaren geistigen Anschauung, von Steiner „Imagination“ genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039;        Anthroposophische Medizin ====&lt;br /&gt;
Anthroposophische Medizin hat zum Ziel, sich am Menschen selbst zu orientieren und seinem Heilbedarf auf die jeweils bestmögliche Art zu entsprechen. So greift der konsequent integrativ-medizinische Ansatz nicht nur die verschiedenen Erkenntnis-, Erfahrungs- und Daseinsebenen des Menschen auf, sondern verfügt auch über eine Diversität methodischer Zugänge. Im Sinne des Goethe‘schen Paradigmas bedeutet das, die Art der Betrachtung von der Art des zu Betrachtenden abhängig zu machen. Da der Mensch selbst ein so vielschichtiges und kompliziertes Wesen ist, bedarf es zu seiner Erforschung und Beschreibung die dem jeweiligen Objekt der Erkenntnis angemessene Methode. Allerdings müssen die so erforschten Einzelaspekte dann untereinander vernetzt und konzeptionell so verknüpft werden, dass eine Ganzheit entsteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Die Medizin des 21. Jahrhunderts muss wieder neu den Menschen entdecken, der immer mehr in ultrastrukturelle Teile zerbricht, weil ihr eine auf die Ganzheit gerichtete Erkenntnismethode – die intuitive – fehlt“.&#039;&#039;[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Menschen in seiner Totalität zu erfassen, ist ohne Intuition und Empathie nicht möglich. Diese Ganzheit dann aber je nach Fragestellung und Blickwinkel methodisch und inhaltlich zu gliedern und auch deduktiv zugänglich zu machen, bedarf eines differenzierten Erkenntnisansatzes, wie er in den methodischen Grundlagen der anthroposophischen Geisteswissenschaft vorliegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039;       Anthroposophische Geisteswissenschaft ====&lt;br /&gt;
Anthroposophische Geisteswissenschaft vermittelt keine „fertige&amp;quot; Weltanschauung. Vielmehr lehrt sie, sich eine eigene Weltsicht zu erarbeiten, indem sie bei der Ausbildung des „Selber-Denkens&amp;quot; ansetzt. Mit Hilfe dieses Ansatzes kann jeder Fragen aufgreifen, die ihn im Zusammenhang mit der eigenen Religion oder spirituellen Heilweise interessieren. So gibt es nicht nur Schulmediziner, sondern auch Homöopathen und Vertreter anderer Therapierichtungen, die sich zu anthroposophischen Ärzten weiterbilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039;       Anthroposophische Arzneimittel ====&lt;br /&gt;
Aufgrund des integrativ-medizinischen Ansatzes können die Arzneimittel der anthroposo­phischen Therapierichtung weder methodisch noch von den Stoffgruppen her klar abgegrenzt werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Beispiel wird eine Vielzahl von Arzneimitteln aus natürlichen Rohstoffen hergestellt, ohne dass Anthroposophische Medizin deshalb identisch mit der Naturheilkunde wäre. Es werden über 250 Heilpflanzen verarbeitet, dennoch ist Anthroposophische Medizin keine Phytotherapie. Denn im gesamten Arzneimittelschatz haben gerade die aus natürlichen mineralischen Rohstoffen hergestellten Präparate eine besondere Bedeutung. Schließlich ist Anthroposophische Medizin auch nicht mit der Homöopathie identisch, obwohl sie mit ihr – in modifizierter Form – die Technik des Potenzierens und die Potenzbezeichnung für sehr viele mineralische, pflanzliche und einige tierische Arzneimittel gemeinsam hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch liegt eine größere Anzahl von Präparaten in konzentriert-stofflicher Form vor, allen voran die Präparate aus der weißbeerigen Mistel zur Krebsbehandlung oder das gern gebrauchte Mittel zur Kreislaufregulation Cardiodoron®. Dennoch ist die anthroposophische Therapierichtung nicht zu der allopathischen zu rechnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Volker Fintelmann, &#039;&#039;Intuitive Medizin,&#039;&#039; Hippokrates Verlag, Stuttgart: 1. Aufl. 1987, 5. Aufl. 2007.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== NOTWENDIGER PARADIGMENWECHSEL IN DER MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Warum bedarf die Schulmedizin einer Ergänzung durch eine ganzheitliche Sicht auf den Menschen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern kann die Anthroposophische Medizin zu einem Paradigmenwechsel beitragen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Notwendige Demokratisierung des Gesundheitswesens&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das naturwissenschaftliche medizinische System orientiert sich an der Pathologie. Aus wirtschaftlicher Perspektive folgt daraus: Je mehr Diagnostik und Therapie betrieben werden, umso so mehr Umsatz kann gemacht werden. Anders ausgedrückt: Mit der Krankheit Geld zu verdienen, fördert das Krankheitswesen. Würde man jedoch mit Prävention und Gesundheitsstrategien Umsätze machen und dafür in eine Gesundheitskasse einzahlen, würde dies entschieden zur Volksgesundheit beitragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner forderte bereits 1920 eine &#039;&#039;„Demokratisierung des Gesundheitswesens“.[1]&#039;&#039; Ärzte, Apotheker, Hersteller und Verbraucher sind gefragt, gemeinsam und in Partnerschaft mit den Patienten bzw. Vertretern der Zivilgesellschaft Mitverantwortung für die Gestaltung des Gesundheitswesens zu übernehmen und für die hierzu erforderliche Methodenvielfalt und Therapiefreiheit einzutreten.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Auf Prävention fokussieren&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Paradigmenwechsel könnte sich allem voran darin äußern, dass man der Gesundheitsforschung höchste Priorität gibt. Dies erfordert aber eine ganzheitliche Sicht auf den Menschen, weil Gesundheit nicht auf molekularer Ebene entsteht, sondern das komplexe Ergebnis des Zusammenwirkens geistiger, seelischer, ökologischer und körperlicher Vorgänge ist. Es gehört aber auch eine „physiologische Denkweise dazu“, die dies vermitteln kann. Diese bietet die Anthroposophische Medizin. Als Kinderärztin erlebte ich in der Praxis immer wieder mit Freude, wie lebens- und entwicklungsfreundlich diese physiologische Denkweise und das integrative Menschenbild der Anthroposophischen Medizin sind. Hierzu drei Beispiele:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== •  Vitamin D ====&lt;br /&gt;
Als das Vitamin D entdeckt wurde, reiste der anthroposophische Kinderarzt &#039;&#039;Wilhelm zur Linden&#039;&#039; von Kongress zu Kongress und informierte seine Kollegen, dass die Dosen, die sie den Kindern verabreichten – Vigantolstöße genannt – viel zu hoch und unphysiologisch wären und den Kindern nicht nur nützen, sondern auch schaden würden. Seine Warnungen blieben über Jahre ungehört – bis Studien und Beobachtungen in der Praxis endlich zeigten, wie recht er hatte.[3] Doch bis dahin hatten unzählige Kinder bereits Schaden genommen. Man hätte das durch eine gesunde Denkweise vermeiden können. denn später machte schließlich genau das, was zur Linden ganz zu Anfang schon empfohlen hatte: Man gab kleine, der Physiologie angenäherte Dosen, wie der Körper sie selbst bilden könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;•  &#039;&#039;&#039;Fieberbehandlung ====&lt;br /&gt;
Ein weiteres Beispiel betrifft die Fieberbehandlung. Als ich mein Kinderärzte-Staatsexamen machte, mussten wir noch ankreuzen, dass Fieber eine Krankheit ist, die fiebersenkend, antipyretisch behandelt werden müsse, sonst wäre die Antwort falsch gewesen. Für das Facharzt-Examen besorgte ich mir dann die neueste Auflage der Kinderheilkunde von Professor Simonis. Dort las ich, nur der unerfahrene Kinderarzt würde bei jedem Fieber ein fiebersenkendes Mittel verordnen. Der erfahrene wisse, dass Fieber immunstimulierend wirkt und entscheidend zur Krankheitsbekämpfung beiträgt. Fieber sei ein natürliches Virostatikum und Antibiotikum. Bakterien und Viren sterben zwischen 39° und 40°. Man müsse das Fieber nur intelligent begleiten. Das belegen mittlerweile auch andere Studien weltweit.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Teil bis heute wurden und werden viele Kinder aber „falsch“ behandelt, obwohl man eigentlich weiß, dass es nicht gut ist! Und das nur, weil man im Medizinstudium nicht lernt, mit dem Organismus und im Sinne seiner Funktionen zu denken und zu fühlen und ihn in seinem Sosein optimal zu unterstützen. Selbstverständlich gibt man ein Antipyretikum, wenn man das Fieber nicht beherrschen kann. Aber das ist nur in wenigen Fällen nötig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== •  Antibiotika ====&lt;br /&gt;
Noch in meiner Facharztprüfung Anfang der Achtziger musste ich die Schulmeinung wiedergeben, dass jede Mittelohrentzündung/Otitis Media breitbandantibiotisch behandelt werden müsse, jede! Mit großen Hochglanzprospekten wurden die Forschungen dazu vorgestellt. Dieselben Firmen der Pharmaindustrie hatten jedoch Mitte der Neunziger Jahre plötzlich großes Interesse daran, genau das Gegenteil zu beweisen: Damals hatte die Antibiotikaresistenz bestimmter Krankheitserreger so zugenommen, dass es für die Firmen teurer war, neue Antibiotika zu entwickeln, als die Einbußen durch Nichtbehandeln hinzunehmen. So „durfte“ man jetzt vernünftig behandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophische Ärzte haben jedenfalls – ebenso wie ihre Kollegen in Homöopathie und Komplementärmedizin – durch ihren nicht routinemäßigen, sondern individuell abgewogenen Einsatz von fiebersenkenden Mitteln und Antibiotika seit langem einen nachahmenswerten Beitrag geleistet, der heute so viel diskutierten Antibiotika-Resistenzentwicklung entgegenzuwirken.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner sagte, die Ärzte der Zukunft werden Lehrer in Gesundheitswissenschaft sein und die Lehrer der Zukunft werden Präventionsärzte für die Heranwachsenden sein.[6] Das ist ein Konzept, an dem es sich zu arbeiten lohnt, für das ich mich zunehmend begeistern kann, weil es genau der Beitrag ist, den die Medizin der Gegenwart für ihren Paradigmenwechsel braucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Was ist Anthroposophische Medizin?, Verlag am Goetheanum 2017&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Hygiene als soziale Frage. In: Physiologisch-Therapeutisches auf Grundlage der Geisteswissenschaft.&#039;&#039; GA 314. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1989, S. 221 - 261.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Mehr dazu unter: www.eliant.eu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Eine ausführliche Darstellung der Vitamin-D-Schäden findet sich bei M.S. Seelig, &#039;&#039;Vitamin D and cardiovascular, renal and brain damage in infancy and childhood.&#039;&#039; Ann. New York Acad. Sci. 1969, 147:539 - 582.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Ilene Claudius, Larry J. Baraff, &#039;&#039;Pediatric emergencies associated with fever.&#039;&#039; Emergency Medicine Clinics of North America 28: S. 67 - 84, 2010.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Hamre, Harald J. / Glockmann, Anja / Schwarz, Reinhard / Riley, David S. / Baars, Eric W. / Kiene, Helmut / Kienle, Gunver S.: Antibiotic Use in Children with Acute Respiratory or Ear Infections: Prospective Observational Comparison of Anthroposophic and Conventional Treatment under Routine Primary Care Conditions. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine 2014: &amp;lt;nowiki&amp;gt;http://dx.doi.org/10.1155/2014/243801&amp;lt;/nowiki&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Siehe auch: &#039;&#039;Waldorfpädagogik und Anthroposophische Medizin&#039;&#039;. Schwerpunktheft „Der Merkurstab“ 4:2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FÜNF URSACHEN FÜR KRANKHEIT UND FÜNF WEGE ZUR HEILUNG ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Ursachen für Erkrankung gibt es laut Paracelsus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und welche Wege der Heilung sieht die Anthroposophische Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fünf Ursachen für Krankheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Schon &#039;&#039;Paracelsus&#039;&#039;&#039;[1]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; hat gesagt, der Mensch sei ein fünfgliedriges Pentagramm.[2] Entsprechend gibt es fünf Wege, gesund bzw. krank zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesen Gedanken habe ich versucht, in die Anthroposophische Medizin und in die heutige Zeit zu übertragen. Ich stelle also Paracelsus’ Beispiel mit den Worten des einundzwanzigsten Jahrhunderts dar:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Physischer Standpunkt ====&lt;br /&gt;
Der erste Arzt vertritt den physischen Standpunkt: &#039;&#039;„Das ist doch klar: Der Patient ist durch den Cholerabazillus infiziert worden und letztlich an nicht mehr beherrschbaren Komplikationen verstorben.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ätherischer Standpunkt ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Eines wundert mich“,&#039;&#039; sagt der Zweite, &#039;&#039;„wenn gesichert ist, dass der Patient an einem Bazillus gestorben ist, warum sind dann nicht alle gestorben, die sich angesteckt haben? Denn die meisten meiner Patienten sind nicht gestorben. Also ist klar, dass der Patient gestorben ist, weil seine Selbstregulation versagt hat. Deshalb konnten auch die Komplikationen nicht beherrscht werden. Die Krankheitsursache liegt eindeutig im Ätherischen. Seine Abwehr war zu schwach, er hatte ein Immundefizit. Der Patient ist an seiner immunologischen Inkompetenz gestorben.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Astralischer Standpunkt ====&lt;br /&gt;
Der dritte Arzt spricht vom Aspekt des Astralleibes her: &#039;&#039;„Liebe Kollegen, Immunkompetenz und Bazillenwirkung sind nicht das Ende der Medizin! Ich kann euch sagen, woran es liegt, dass das Immunsystem eines Menschen dekompensiert: Habt ihr noch nie etwas von der Psychoneuroimmunologie gehört? Meine Forschungsergebnisse belegen, dass positive Gefühle das Immunsystem stärken. Negative Gefühle lassen das Immunsystem früher oder später insuffizient werden. Die Ursache für den Choleratod liegt also in den negativen Gefühlen des Patienten. Er war bitter, kritisch, nörgelig – enttäuscht über sein Leben. Ihr habt ihn doch gekannt! Er war seelisch nicht besonders konstruktiv. Das hält doch kein Mensch auf Dauer aus. Der Cholerabazillus war nur der Effektor. Der Patient war eigentlich schon am Ende. Die Todesursache liegt also im Seelischen.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Standpunkt der Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Schließlich meldet sich ein Vierter und beleuchtet das Ganze vom Aspekt der Ich-Organisation her: &#039;&#039;„Ich könnte allem folgen, was ihr sagt, aber mich wundert, dass ihr meint, das wären die wirklichen Ursachen. Meine Erfahrung ist, dass es vom eigenen Identitätsbewusstsein abhängt, ob jemand bereit ist, an seinen negativen Gefühlen zu arbeiten. In meiner medizinischen Erfahrung habe ich gelernt, Patienten zu motivieren, an ihren negativen Gefühlen zu arbeiten und diese zu überwinden. Dadurch entwickeln sie immunologische Kompetenzen. Selbstüberwindung und die Bereitschaft, aus dem Negativen etwas Positives zu gewinnen, habe ich als das stärkste Wirkprinzip entdeckt. Diejenigen, die keine Lust am Lernen, an der Verwandlung, die keine Lust haben, auch das Negative als zum Leben gehörig zu betrachten, sondern sich immer nur darüber beklagen, werden früher oder später krank. Keine Seele hält es aus, wenn in ihr ein lahmes, inaktives Ich wohnt. Also sage ich: Der Patient ist daran gestorben, dass er sich zu wenig mit sich und seinem Leben identifizieren konnte.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Schicksalsstandpunkt ====&lt;br /&gt;
Der fünfte Arzt sagt: &#039;&#039;„Ich habe das Horoskop des Patienten konsultiert – das stand auf Krise. Man muss zwar bis zuletzt alles tun, was möglich ist – aber gegen das Schicksal und Gottes Ratschluss sind wir ohnmächtig.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun sind alle gespannt, was Paracelsus selber dazu sagen werde. Er überrascht seine Kollegen, indem er sagt: &#039;&#039;„De quinte entibus. Liebe Kollegen, es gibt fünf Wege zur Krankheit und entsprechend auch zur Heilung. Deswegen habt ihr alle fünf recht.“ Ein guter Arzt hat all dies im Auge und greift da an, wo er seiner ärztlichen Intuition gemäß die größten Heilungschancen sieht. Erzwingen können wir nichts, aber wir können bis zuletzt um das Leben des Patienten ringen und für seine Heilung kämpfen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fünf Wege zur Heilung in der Anthroposophischen Medizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Auf der physischen Ebene: ====&lt;br /&gt;
Einsatz der Möglichkeiten der Schulmedizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Auf der ätherisch-prozessualen Ebene: ====&lt;br /&gt;
Prozessorientiert-wirksame Arzneimittel, Diät und Lebensstiländerungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Auf der astralen Ebene: ====&lt;br /&gt;
Neben dem therapeutischen Gespräch ist die Verordnung einer künstlerischen Therapie äußerst hilfreich. Darin können sich auch Kranke ausdrücken, die (noch) nicht bereit sind, über ihre Probleme zu sprechen. Auch Biographie-Arbeit hat sich bewährt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Auf der Ich-Ebene: ====&lt;br /&gt;
Wichtig ist die Beachtung der Identitätsfrage. Manchmal muss man hier das Hauptaugenmerk darauf richten und bei Selbstwertfragen oder Identitätsproblemen Wege zu Selbstschulung nennen. Oft hilft auch die Empfehlung der Lektüre von Steiners Buch zur Selbstschulung &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“[3]&#039;&#039; oder aber eine erneute Suche nach religiöser Sinnfindung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Auf der Ebene der spirituellen Orientierung: ====&lt;br /&gt;
Die Erarbeitung einer sinnstiftenden Weltanschauung ist das tragende Fundament einer gesunden Lebensführung. Hier ist jeder einzelne gefragt, das für ihn Stimmige zu suchen und die entsprechenden Gesichtspunkte im Leben anzuwenden und zu beherzigen. Der Arzt kann auf Grund seiner Lebenserfahrung und Empathie helfender Begleiter sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur Anthroposophischen Medizin, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Philippus Theophrastus Aureolus Bombastus von Hohenheim, getauft als Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, (* vermutlich 1493 in Egg, Kanton Schwyz; † 24. September 1541 in Salzburg) war ein Arzt, Alchemist, Astrologe, Mystiker, Laientheologe und Philosoph. Paracelsus hinterließ zahlreiche deutschsprachige Aufzeichnungen und Bücher medizinischen, astrologischen, philosophischen und theologischen Inhalts, die größtenteils erst nach seinem Tod gedruckt wurden. (wikipedia)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Paracelsus, &#039;&#039;Opus paramirum und De quinte entibus&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?&#039;&#039; GA 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== WIRKFAKTOREN IN DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wirkt Medizin generell?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Faktoren spielen dabei eine Rolle?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wie Anthroposophische Medizin wirkt&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Wirksamkeit der Anthroposophischen Medizin setzt sich aus verschiedenen Faktoren zusammen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Stoffliche Qualität ====&lt;br /&gt;
Schwefel wirkt anders als Phosphor oder anderes. Dieses Enzym hat diese Wirkung und ein anderes Hormon eine andere. Wenn ich ein bestimmtes Mittel gebe, muss ich das berücksichtigen. Das ist die rein stoffliche Wirkung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Pharmazeutisch-moralische Qualität ====&lt;br /&gt;
Es gibt verschiedene Stufen der ethisch-moralischen Zusatzwirkung. Wenn ein Pharmazeut seine Produkte mit Liebe herstellt, ist der Stoff nicht nur Träger seiner Eigenwirkung, sondern die positive Absicht, helfen zu wollen, überträgt sich vom Pharmazeuten auf das Produkt. Das ist eine pharmazeutische Qualität, die er moralisch beeinflussen kann. Das hat nicht nur mit Produktreinheit zu tun, ob unsauber oder sauber gearbeitet wird, sondern mit der moralischen Integrität dessen, der das Produkt herstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Ärztliche Qualität ====&lt;br /&gt;
Ärztliche Qualität entsteht, wenn ein Arzt ein Medikament aufgrund guter Überlegungen mit seinen eigenen Gedanken durchsetzt, mit seiner Liebe zum Patienten, mit seinem Willen, ihm zu helfen. Wenn er das Rezept aus dieser Gesinnung heraus dem Patienten gibt, geht diese innere Einstellung auf den Patienten über. Die Schulmedizin nennt das ‚Placebo-Effekt’, die ‚Droge Arzt’. Aber es gibt keinen Placebo-Effekt, es gibt nur Wirkungen, die man nicht versteht! Der Begriff des Placebos ist ein unwissenschaftlicher Lückenbüßer, den man auch so kennzeichnen müsste. Man muss verstehen, warum welches Placebo wie wirkt! Gute Gedanken sind wirksam:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ist es nichts, wenn einer einem anderen „alles Gute“ wünscht?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es macht einen Unterschied, wenn jemand lügt und dem anderen in Wirklichkeit nicht alles Gute wünscht!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich jemandem Gutes wünsche bzw. wenn ich als protestantischer Christ die Fürbitten mache oder als Katholik bete, hat das doch eine Wirkung! Ich mache das doch nicht zur Selbstbefriedigung, um mir zu zeigen, wie moralisch einwandfrei ich bin oder um dem Pfarrer zu gefallen! Ich mache es, weil ich davon überzeugt bin, dass Gedanken wirksam sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt destruktive Gedanken und positive Gedanken, die nicht nur auf mein Immunsystem, sondern auch auf die Immunsysteme meiner Mitwelt wirken. Hass auf andere Leute ist destruktiv, nicht nur für mich, sondern auch für die Anderen. Das sind astrale Attacken, die Verletzungen seelischer Art erzeugen können. Auch wenn sie unbewusst sind, wirken sie. Sensible Leute spüren genau, wenn Menschen sie hassen oder sie vernichten, betrügen oder mobben wollen. Es braucht nicht real zu passieren, man spürt bereits die Intention als etwas Destruktives. Solche Wirkungen sind kein Placebo-Effekt, sondern geistig-seelisch genau zu beschreiben und kommen entweder aus dem Denken, dem Fühlen oder der Intention von Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Ärztliche Intention als Zusatzwirkung&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Als Arzt gebe ich meine Intention dem Medikament mit. Rudolf Steiner sagt, der Arzt müsse seinem Arzneimittel eine „Aura“ mitgeben, eine Widmung. Wenn ich zum Beispiel Schwefel oder Phosphor oder Arnika verordne, denke ich in diesem Moment an diesen Menschen, an seine Lebenssituation und widme die Wirkung des betreffenden Mittels dieser Situation. Es ist eine weiter imponderable Zusatzwirkung zur normalen Arnika-Essenz im Fläschchen, wenn ich es einem älteren Menschen, der auf der Intensivstation liegt, als Umschlag verordne. Für diesen Menschen habe ich ganz andere Gedanken als für jemand anderen. Meine Gedanken sind Teil dieser individuellen Therapie. Auch eine Standardtherapie verordne ich individuell, weil jeder Mensch anders ist. Es gibt keine zwei gleichen Situationen, auch wenn ich vielfach dieselben bewährten Arzneimittel verwendet habe. Das ist die ärztliche Wirkkomponente.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Der Wille zur Gesundung ====&lt;br /&gt;
Die vierte Komponente betrifft den Eigenanteil des Patienten. Patienten wollen heute genau wissen: „Wofür ist das?“, „Wogegen ist das?“ Wenn sie dann den Beipackzettel lesen, bekommen sie oft Angst. Inzwischen gibt es auch anthroposophische Beipackzettel, auf denen beispielsweise steht: An Kindern nicht erprobt, bitte nicht unter 12 Jahren anwenden. Da bekommen Eltern Angst vor Arnika D6, weil es nicht erprobt ist, und halten es für gefährlich. Dadurch kann sich die positive Wirkung des Arzneimittels nicht voll entfalten. Oder die Mittel wirken nicht recht, weil der Patient eigentlich nicht wirklich gesund werden will. In diesem Fall braucht und will er seine Krankheit. Ein Patient, der nicht gesund werden will, muss erst einmal lernen, wieder gesund werden zu &#039;&#039;wollen&#039;&#039;. Er sucht noch die Flucht in die Krankheit, weil er diesen Schutzraum offenbar braucht. Das ist im Moment seine Identität. Ein Patient, der nicht gesund werden will, für den die Krankheit seine aktuell aushaltbare Gesundheit ist, verkraftet das Leben nicht. Er braucht eine andere Behandlung, als „auf Teufel-komm-raus“ gesund gemacht zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Ärzte haben keine Zeit für eine gründliche Anamnese. Sie behandeln oft auch Menschen, die von Arzt zu Arzt gehen und in Wirklichkeit gar nicht gesund werden wollen. Man hätte schon in der Erstbegegnung eine Biografiearbeit dazwischenschalten oder sagen müssen: „Ich glaube, Sie sind wirklich krank. In ihrer jetzigen Situation würde ich ihnen raten, dass Sie sich für den Prozess des Gesundwerdens genügend Zeit nehmen. Lassen Sie sich im Moment von Ihrem Job beurlauben. Ich gebe Ihnen ein Zeugnis und wir nehmen uns einen ganz langsamen Weg zur Gesundheit vor, damit Sie so werden, wie Sie werden wollen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein anderes therapeutisches Ziel, als jemanden so schnell wie möglich symptomfrei zu bekommen, damit er wieder funktioniert. Wirkliche Heilung kann erst erfolgen, wenn der „Gesund-mache-Wille“ des Arztes sich mit dem „Gesund-werde-Willen“ des Kranken verbinden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Gnade ====&lt;br /&gt;
Das fünfte Therapieprinzip heißt schlicht Gnade. Man kann nicht gegen das Schicksal angehen. Manchmal ist das Schicksal des Kranken so, dass man trotz aller erdenklichen Mühe nicht helfen kann. Das fünfte Prinzip wurzelt in der Überzeugung, dass das Leben nicht in der ärztlichen Kompetenz, sondern in der Hand Gottes liegt. Wenn der Krebs erneut ausbricht, gehe ich mit dem Patienten anders um als zu Beginn einer Krebserkrankung. Jetzt ist größtmögliche Ehrlichkeit gefragt. z.B. das Eingeständnis: &#039;&#039;„Wenn nicht ein Wunder geschieht, könnte es diesmal der Anfang vom Ende sein. Überlege, ob Du Deinem Leben eine vollkommen andere Wendung geben willst und kannst. Jetzt hast Du nichts mehr zu verlieren, Du kannst nur noch gewinnen. Schau mal, ob Du Dich von allem, was Dich zwingt, freimachen kannst und frage Dich, was Du mit deinem letzten Lebensabschnitt wirklich machen willst. Folge nur Dir selbst!“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann passieren manchmal ungeahnte Wunder. Manchmal braucht es diese Todesnähe, bis ein Patient wirklich zu sich kommt und weiß, was für ihn im Leben zählt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Beispiel einer terminalen Krebserkrankung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ich hörte von einem Patienten mit terminalem Krebs. Der Arzt hatte ihm maximal drei Monate gegeben. Er trennte sich daraufhin von all seinem Hab und Gut, verkaufte sein Haus und ging auf Weltreise. Er wollte nun endlich umsetzen, wofür er sich sein Leben lang keine Zeit genommen hatte. Nach seiner Heimkehr wollte er den Rest seines Geldes verschenken und sich auf das Sterben vorbereiten. Als er zurückkam, war der Krebs jedoch weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geschichte hat mir ein Kollege erzählt, der meinte, so etwas wäre eigentlich nicht möglich. Ebenso sah es die Uni-Klinik, in der er behandelt wurde. In der Schulmedizin nennt man das ‚Spontanheilung’. ‚Placebo-Effekt’ und ‚Spontanheilungen’ sind Begriffe, die zeigen, dass man sich in der Schulmedizin nicht mit Wirkfaktoren auseinandersetzen möchte, die etwas differenzierter sind und Spiritualität mit einbeziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur Anthroposophischen Medizin, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ICH-WESEN UND WESEN DER HEILWIRKUNGEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worauf basieren die Phänomene ‚Selbstheilung und ‚Selbstregulation‘?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie korrespondieren das Ich-Wesen des Menschen und das Wesen der Heilwirkungen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern ist der Mensch direkt für den Fortgang der Evolution verantwortlich?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ich-Organisation und Selbstregulation&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel VII von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; wird das Wesen der Heilwirkungen in unmittelbarer Anknüpfung an das bisher über die physiologischen Prozesse und deren Steuerung durch die Wesensglieder Dargestellte beleuchtet. In Kap. V beispielsweise wurde erklärt, inwiefern die Entwicklungspotentiale der natürlichen Evolution mit der Entstehung der ‚defizitären‘ menschlichen Konstitution an ihr Ende kommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Kap. VII nun gehen die Autoren auf eine weitere Besonderheit des Menschen ein – seine „systemimmanente Offenheit“, die eine Voraussetzung für die Entwicklung des seelisch-geistigen Potential ist: &#039;&#039;„Die menschliche Gesamtorganisation ist nicht ein in sich abgeschlossenes System von ineinandergreifenden Vorgängen. Wäre sie das, sie könnte nicht der Träger des Seelischen und Geistigen sein.“[2]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Phänomene ‚Selbstregulation‘ und ‚Selbstheilungskräfte‘ weisen auf die vielen inzwischen bekannten Einflussfaktoren, wie der Mensch die eigene Gesundheit körperlich, seelisch und geistig selbst beeinflussen kann.[3] Die auch von einzelnen Krankenkassen bereits beachtete Präventionsforschung sowie die daraus resultierenden Präventionsprogramme sind dadurch inspiriert. Aus anthroposophischer Sicht ist es letztlich die Ich-Organisation, die für Art und Umfang der Selbstregulation verantwortlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Das Wesen der Heilwirkungen in Mensch und Substanz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das im Titel von Kapitel VII angesprochene ‚Wesen der Heilwirkungen‘ bezieht sich zum einen auf das Ich-Wesen des Menschen selbst und zum anderen auf das Wesenhafte der Substanzbildung durch die Abbau- und Aufbauvorgänge, für deren Qualität die Ich-Organisation ebenfalls verantwortlich ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Begrifflichkeit ‚Substanz‘ hat im Lateinischen die Konnotation des sub, d.h. des ‚darunter‘ liegenden Materiellen. Im Griechischen hat das Wort ουσια noch die Doppelbedeutung von ‚Wesen‘ und ‚Substanz‘:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* D.h. die im Nervensystem zerfallende Substanz &#039;&#039;&#039;entlässt geistige Formkraft&#039;&#039;&#039;, geistig Wesenhaftes. Hier wird die Ich-Organisation zum Träger des bewussten Geisteslebens.&lt;br /&gt;
* Im Gewebeaufbau aus dem Blut hingegen &#039;&#039;&#039;werden gestaltende Formkräfte aufgenommen&#039;&#039;&#039;. Hier wird die im unbewussten Körperleben schaffende Ich-Organisation im Substanzstrom von Blutgewebe und Muttermilch wie getragen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Dreifache Entfremdung der Substanz im Menschen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im Kapitel I war das Schicksal der Substanz im menschlichen Organismus als ein dreifacher Entfremdungsprozess geschildert worden. Diese Begrifflichkeit mag zunächst erstaunen, ist aber sehr präzise gemeint. Im Zuge des Verdauungsprozesses wird die Nahrungssubstanz aus dem Lebenszusammenhang von Pflanze und Tier heraus in den abgebauten mineralischen Zustand versetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# In der &#039;&#039;&#039;Neubelebung&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;durch den Ätherleib&#039;&#039; des Menschen geschieht ein erster Entfremdungsschritt. &lt;br /&gt;
# In dem darauffolgenden Prozess der &#039;&#039;&#039;Durchseelung&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;durch den Astralleib&#039;&#039; wird die Substanz weiter ihrem mineralischen Zustand entfremdet.&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;Durch die Arbeit der Ich-Organisation&#039;&#039; an der Substanz erreicht sie ihre höchste Entfremdungsstufe vom Physisch-Mineralischen, indem sie &#039;&#039;&#039;Geist tragend&#039;&#039;&#039; wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Dienst der Ich-Organisation kommt die Substanz sozusagen wieder aus der Fremde ‚nach Hause‘, indem sie erneut zum Wärmezustand vergeistigt wird und nicht mehr stofflich fassbar ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Selbstheilungskräfte (aus dem Blut) aktivieren lernen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel VII werden die Selbstheilungskräfte nicht mit Blick auf ihre Funktion als körperliche Schutz- und Abwehrmechanismen des Immunsystems geschildert. Vielmehr werden sie als diejenigen Kräfte dargestellt, die dem Blut innewohnen, das den dreigliedrigen Organismus versorgt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* einerseits in Form der &#039;&#039;&#039;weißen Blutzellen&#039;&#039;&#039;, die für die körperliche Abwehr verantwortlich sind, &lt;br /&gt;
* insbesondere aber auch in Form der &#039;&#039;&#039;Tätigkeit der roten Blutkörperchen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* und der &#039;&#039;&#039;übrigen Bestandteile des Blutes&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Blut als Ganzes ist als Instrument der Ich-Organisation Träger der Selbstheilungskräfte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fortgang der Evolution wird maßgeblich von der Art und Weise mitbestimmt werden, wie der Mensch seine von der Natur emanzipierten ‚außerkörperlich‘ wirksamen seelisch-geistigen Potentiale handhabt – zum Segen oder Schaden seiner Mitwelt und seiner selbst. So trägt auch die Art des Umgangs mit dem eigenen Gedanken-, Gefühls- und Willenspotenzial zur Stärkung oder zur Schwächung der Regulationsfähigkeit der Ich-Organisation bei, was sich langfristig auf die gesamte weitere Entwicklung des betreffenden Menschen auswirkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist interessant, dass Rudolf Steiner und Ita Wegman in diesem Kapitel, das den Selbstheilungskräften gewidmet ist, &#039;&#039;„Stockungen im Unterleibe“[4]&#039;&#039; als Beispiel für die unzureichende Heilwirkung des Organismus anführen. Sehr oft sind Verstopfungssymptome und Darm-Koliken Ernährungs- und lebensstilbedingte Verdauungsstörungen, d.h. Probleme, deren Lösung in der Selbstverantwortung liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[5]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27, Kap. VII.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Siehe FN 1, S. 38.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Esch (2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe FN 1, S. 40.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== HEILENDE VERBINDUNG VON MENSCH UND NATUR ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern stehen Mensch und Natur in einer heilsamen Verbindung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Naturstoffe zur Arzneimittelherstellung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Natur ist nicht nur Lebensraum und Existenzgrundlage des Menschen. Ihre Stoffe und Kräfte liegen auch einer Fülle von Arzneimitteln zugrunde. Anthroposophische Arzneimittel sollen dazu beitragen, dass der Organismus – wann immer sinnvoll und möglich – in die Lage versetzt wird, eine Krankheit aus eigener Kraft zu überwinden. Sie stärken die gesundenden Kräfte und sind also vor allem darauf orientiert, die Körperfunktionen wieder ins Gleichgewicht zu bringen und die Abwehrkräfte zu stärken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der anthroposophischen Arzneimittelherstellung werden mineralische, pflanzliche, metallische und tierische Ausgangsstoffe verwendet: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gängige mineralische Substanzen sind u.a. Quarz, Schwefel oder Kalk.&lt;br /&gt;
* Bekannte Heilpflanzen sind z.B. Arnika, gelber Enzian oder Kamille.&lt;br /&gt;
* Als Metalle kommen häufig Gold, Silber, Kupfer, Eisen und Zinn in potenzierter Form zum Einsatz.&lt;br /&gt;
* Zu den tierischen Ausgangssubstanzen gehören z. B. Insektengifte von Biene, Ameise, Hornisse sowie Organextrakte von Säugetieren (aus Leber, Thymusdrüse, Nieren, Nerven u.a.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Reicher Arzneimittelschatz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Alle anthroposophischen Medikamente werden nach komplexen Vorgaben der von Rudolf Steiner und Ita Wegman begründeten anthroposophischen Medizin hergestellt.[1] Die meisten Ausgangsstoffe werden in hoher Verdünnung (homöopathisch potenziert) eingesetzt, nur sehr selten konzentriert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophische Arzneimittel enthalten häufig mehrere Inhaltsstoffe. Diese sind nicht nur kombiniert, sondern komponiert. Wie bei einem Orchester, so kommt es auch bei einem zusammengesetzten Arzneimittel darauf an, in welchen Anteilen die verschiedenen Einzelkomponenten gemischt sind. In dieser Art gemischt, ergeben sie eine andere Wirkung denn als Einzelbestandteile. So wie ein Orchester anders klingt als eine Violine allein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anthroposophische Arzneimittelschatz umfasst etwa 2000 Substanzen, Kombinationen und eine Vielzahl von Darreichungsformen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ampullen, Augentropfen, Dilutionen, Einreibungen (ölige), Emulsionen, flüssige Verdünnungen, Flüssigkeiten zur Inhalation, Flüssigkeiten zur äußeren Anwendung, Gelate, Globuli, Granulate, Injektionen, Kapseln, Lotionen, Metallspiegelfolien, Mischungen, Nasentropfen (ölige), Öle, Pasten, Pflaster, Puder, Pulver, Salben (fettarm), Salben, Sirup, Tabletten, Tees, Tinkturen zum äußeren Gebrauch, Triturationen, Tropfen, Vaginalglobuli, Vaginaltabletten, Verdünnungen (wässrige), Zäpfchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Der Mensch als umgekehrte Pflanze&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aus anthroposophischer Sicht gleicht der Mensch einer umgekehrten Pflanze: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* So wie der Mensch seine Nahrung – in Form von Nahrungsmitteln, aber auch als „seelische“ oder „geistige“ Nahrung in Form von Gedanken, Worten, Tatsachen aus Kunst und Wissenschaft, über den Kopf – aufnimmt, so versorgt sich die Pflanze über ihre Wurzeln mit den nötigen Nährstoffen.&lt;br /&gt;
* Umgekehrt verhält es sich mit der Fortpflanzungsregion. Diese ist bei der Pflanze oben, Luft und Licht gegenüber geöffnet, wohingegen sie beim Menschen nach unten und innen gelagert ist, zur Erde hin.&lt;br /&gt;
* Beiden gemeinsam ist, dass in der Mitte – bei der Pflanze über die Blätter, beim Menschen über die rhythmischen Funktionen von Atmung und Kreislauf – der Gasaustausch stattfindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Umgekehrte Wirkung der Pflanze auf den Menschen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
So wirken die Anwendungen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* von &#039;&#039;Wurzeln&#039;&#039; unterstützend und heilend bei Erkrankungen der &#039;&#039;Kopf- und Nerven-Sinnesorganisation&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* Teeabkochungen und -zubereitungen aus &#039;&#039;Blättern&#039;&#039; bei Störungen der &#039;&#039;rhythmischen Funktionen&#039;&#039; (insbesondere von Herz und Lunge),&lt;br /&gt;
* Zubereitungen aus &#039;&#039;Früchten&#039;&#039; bei &#039;&#039;Stoffwechsel- und Verdauungsstörungen&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entsprechendes gilt für die Ernährung. Wer darauf achtet, dass der Anteil von Wurzeln, Blattgemüse, Früchten und Samen ausgewogen ist, sorgt für eine an den Bedürfnissen des ganzen Körpers orientierte Ernährung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim therapeutischen Einsatz von mineralischen, pflanzlichen und tierischen Substanzen gilt es, „die Weltaufgabe dieser Substanzen zu verstehen“. Steiner regte an zu erforschen, welche Aufgabe ein bestimmtes chemisches Element oder eine Stoffkombination wie Wasser, Salz, Asche, Gerbstoffe oder Pyrit im Haushalt der Natur innehat. Die Signatur dieser Aufgabe bzw. Tätigkeit sagt auch aus, welche Wirkung die betreffende Substanz im menschlichen Organismus entfalten kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Menschen als Mikrokosmos kennenzulernen im Kontext der großen Weltentwicklung mit ihren Prozessen und Stoffzusammenhängen – nach alter Tradition Makrokosmos genannt – ist der Schlüssel zum Verständnis der anthroposophischen Arzneitherapie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Artikel in der Deutschen Apothekerzeitung DAZ Nr. 39, 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Seiner und Ita Wegmann, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27, Dornach 1935.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== SUBSTANZ-ERKENNTNIS ALS GRUNDLAGE FÜR HEILMITTEL-ERKENNTNIS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was meint Rudolf Steiner mit der Weltenaufgabe der Substanzen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was wird anhand der Beispiele Ameisensäure und Oxalsäure im Hinblick auf ihre Wirkung im Zellstoffwechsel aufgezeigt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern muss der Organismus als Tätigkeitszusammenhang begriffen werden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Weltenaufgabe der Substanzen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel XVII von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; liegt der Fokus auf einer konsequent prozessorientierten Substanz-Erkenntnis, über die Rudolf Steiner im Ärztekurs für die jungen Mediziner schreibt, dass es die Aufgabe des Arztes sei, &#039;&#039;„die Weltenaufgaben der Substanzen zu erkennen“.[2]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;„Grundlegendes…“&#039;&#039; formulieren die Autoren es so: &#039;&#039;„Wer die Wirkung von Heilmitteln beurteilen will, muss ein Auge haben für die Kräftewirkungen, die sich im menschlichen Organismus ergeben, wenn eine Substanz, die außer demselben gewisse Wirkungen zeigt, in irgendeiner Art in ihn eingeführt wird.“[3]&#039;&#039; Etwas von dieser ‚Weltenaufgabe‘ wird dort anhand der Ameisensäure und der Kleesäure aufgezeigt und damit auf die Bedeutung dieser Blickrichtung für bestimmte Prozesse im menschlichen Zellstoffwechsel hingewiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Beispiel: Aufgabe der Ameisensäure ====&lt;br /&gt;
Ameisensäure wird vom Menschen mit der Nahrung in der Regel nicht aufgenommen. Sie wird im Tierreich gebildet und als Abwehrstoff, insbesondere der Insekten, ausgeschieden – selten auch bei Pflanzen, wie z.B. in den Brennhaaren der Brennnesseln. Ihre ‚Weltaufgabe‘ ist inzwischen gut erforscht: Die rote Waldameise ist für die Gesunderhaltung der Wälder unentbehrlich. Sie steht daher auch unter Naturschutz, seitdem man ihre Bedeutung für die ‚Lebensgemeinschaft Wald‘ erkannt hat. Um einen Ameisenbau herum vernichtet jedes Volk pro Tag zehntausende Schädlinge bzw. deren Larven und Raupen (wie z.B. Borkenkäfer- und Blattwespenlarven) sowie Kadaver und Pilzmyzel in morschem Holz. So hilft die Ameisensäure dem Mikrobiom des Bodens, die verwesenden Pflanzenreste und das modernde Holz zu verarbeiten. Auch verbreiten Ameisen auf ihren Wegen tausende von Samen und tragen so zur Vielfalt im Wald bei sowie zur Verbesserung der Bodenbeschaffenheit. Instrument für ihre wertvollen reinigenden Tätigkeiten ist die Ameisensäure mit ihrer aggressiven Toxizität.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Beispiel: Aufgabe der Oxalsäure ====&lt;br /&gt;
Die Oxal- bzw. Kleesäure hingegen findet sich in allen Pflanzen und den meisten Bakterien und in unterschiedlichen Mengen in vielen Nahrungsmitteln wie z.B. in schwarzem Tee, Mangold oder Rhabarber. Nach der Aufnahme muss sie dann im Organismus zu ausscheidungsfähigen Endprodukten abgebaut werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein ‚Zuviel‘ führt zusammen mit Calcium im Darm zu schwer löslichen Salzen (Oxalaten), was Anlass geben kann für die Bildung von Blasen- und Nierensteinen. Oxalsäure ist ein pflanzliches Gift – für den Menschen können bereits Gramm-Mengen tödlich sein.[5] Als Kalzium-, Magnesium- oder Kaliumsalze sind die Oxalate allgegenwärtig und aus dem Zellstoffwechsel der Lebewesen nicht wegzudenken – bis hin zu den meisten Pilzen und Bakterien. Im Gegensatz zur Ameisensäure entfaltet die Oxalsäure ihre Wirkung nicht in dem Zwischenbereich zwischen dem Mineralisch-Physischen und dem Ätherisch-Lebendigen. Sie hat ihre Aufgabe in der Lebenswelt der Pflanzen – aber als Giftsubstanz im Grenzgebiet zum astralischen Kräftebereich. Da Gifte auch in schwacher Dosierung immer lebensfeindlich sind, regen sie den Organismus dazu an, auf unterschiedlichen Wegen diese Gifte schnellstmöglich abzubauen oder in Verbindung mit anderen Substanzen unschädlich zu machen. Diese Abbauvorgänge dienen im Organismus der Tiere und der Menschen der Bewusstseinsbildung, die sich, wie mehrfach erwähnt, auf Abbauvorgänge stützt.[6]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Biochemisch handelt es sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* bei der &#039;&#039;&#039;Ameisensäure&#039;&#039;&#039; um die einfachste Monocarbonsäure (Formica, HCOOH, ihre Salze heißen Formiate)  &lt;br /&gt;
* und bei der &#039;&#039;&#039;Oxal- bzw.&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Kleesäure&#039;&#039;&#039; und die einfachste Dicarbonsäure (Acidum oxalicum, HOOC-CO-CH2-COOH, ihre Salze heißen Oxalate).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Notwendige Verwandlung von Oxalsäure in Ameisensäure&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner hat erstaunlich oft über Bedeutung der biochemischen Verwandlung von Oxal- in Ameisensäure gesprochen.[7] Den Prozess der Bildung von Oxalsäure, der hauptsächlich in den Verdauungsorganen stattfände, hielt er für eine notwendige Grundlage dafür, dass der Mensch überhaupt leben könne – grundlegend also dafür, dass die Ätherkräfte zur Wirksamkeit kommen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihre Umwandlung in Ameisensäure aber sei eine entsprechende Grundlage für das Wirksamwerden der astralischen Kräfte in der physisch-ätherischen Konstitution. In einem Ärztevortrag führt er weiter aus, dass man im Falle der Ameisensäure dahin kommen müsse, zu erkennen, dass sie im Menschen, wie auch draußen in der Natur, die Aufgabe hat, gegenüber den Prozessen des Alterns, des Absterbens und des Vermoderns immer wieder weiteres Leben, weitere Entwicklung zu ermöglichen.[8] Auch führt er aus, dass &#039;&#039;„die heutige Physiologie“&#039;&#039; diese Prozesse erst finden müsse.[9]&amp;lt;sup&amp;gt;,&amp;lt;/sup&amp;gt; [10]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner und Wegman sahen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* in der &#039;&#039;&#039;Ameisensäure&#039;&#039;&#039; die Schlüsselsubstanz im Stoffwechsel des tierischen Organismus &lt;br /&gt;
* und in der &#039;&#039;&#039;Oxalsäure&#039;&#039;&#039; die Schlüsselsubstanz im pflanzlichen Zell-Metabolismus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Organismus als Tätigkeitszusammenhang begriffen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Abs. 2 wird deutlich gemacht, wie entscheidend es für einen Organismus ist, eine Substanz nicht nur zu besitzen, sondern auch den Bildeprozess zum Aufbau dieser Substanz zu leisten. Im Tun liegt das Wesen des Organismus, nicht in seinen Substanzen. Der Organismus ist nicht ein Stoffzusammenhang, sondern ein Tätigkeitszusammenhang. Der Stoff trägt den Anreiz zur Tätigkeit in sich. Hat er diesen Anreiz verloren, so hat er für die Organisation keine weitere Bedeutung.[11]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter diesem Gesichtspunkt kann auch die jeweilige Aufgabe der Ameisensäure und der Kleesäure im menschlichen Organismus verstanden werden. Hier ‚dienen‘ diese Substanzen der Ich-Organisation: &#039;&#039;„Die Ich-Organisation braucht diesen Übergang der organischen Substanz in den leblosen Zustand. Aber sie braucht eben den Vorgang des Überganges; nicht, was dann durch den Übergang entsteht. Ist nun das nach dem Leblosen hin sich Entwickelnde gebildet, so wird es im Innern des Organismus zur Last. Es muss entweder unmittelbar abgesondert werden, oder aufgelöst, um mittelbar hinwegzukommen. Geschieht nun für etwas, das aufgelöst werden sollte, diese Auflösung nicht, so häuft es sich im Organismus an und kann die Grundlage für gichtische oder rheumatische Zustände bilden.“[12]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Biologie werden die Phänomene dieses Übergangs zwischen Abbau und Aufbau im Falle der Gesundheit als metabolische Homöostase beschrieben, wobei deren ‚Regulator‘ ein noch nicht gefundener Faktor ist. Es wird aber das Erstaunen zum Ausdruck gebracht darüber, dass unabhängig davon, was und wie viel man gerade isst oder nicht und wie viel Oxalacetat gerade mit der Nahrung aufgenommen hat oder nicht, die Substanzen im sogenannten Stoffwechsel-Pol der Zellen konstant gehalten werden. D.h. in den Zellen sind die Enzyme des Katabolismus (Abbau) und Anabolismus (Aufbau) normalerweise derart reguliert, dass ein Gleichgewicht gewahrt bleibt. Wird dieses Gleichgewicht jedoch gestört, bedeutet dies den Beginn krankhafter Prozesse.[13]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[14]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, Ga 27, Kap. XVII.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Meditative Betrachtungen und Anleitungen zur Vertiefung der Heilkunst. Vorträge für Ärzte und Medizinstudierende,&#039;&#039; GA 316, S. 22.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Siehe FN 1, S. 82.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Der Kern eines Ameisenhaufens ist meist in alten Wurzelstöcken von Nadelhölzern oder Eichenstämmen angesiedelt; das Zusammenleben in der Ameisenkolonie ist ausgeprägt sozial. Eine Königin lebt bis zu 20 Jahre, Arbeitsameisen 5–6 Jahre. Sie entwickeln sich in klar definierten Temperaturbereichen (Ameisenpuppen brauchen 31°, Larven 28°, die Entwicklung der Eier nur 25°). Vgl. Jirikowski (2010), 105–107.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. Wollrab (2014), 621.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Vgl. Wolff (2013), 85, 263–269.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Mysteriengestaltungen,&#039;&#039; GA 232, 13. Vortrag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Vgl. FN 1, S. 22f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. FN 11, S. 193–195.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Dazu muss aus anthroposophisch-medizinischer Sicht gesagt werden, dass die geisteswissenschaftliche Biochemie, für die Hauschka und Wolff die Grundlagen erarbeitet haben (Vgl. Hauschka 2007, Wolff 2013), auf dem jeweils neuesten Stand der biochemischen Forschung weiter erarbeitet werden muss. Denn die Zusammenschau der Wesensglieder-Tätigkeiten als ganzheitliche Regulatoren und die immense Faktenfülle der molekulargenetischen Einsichten in das hochkomplexe Regelkreisgeschehen der Zellatmung ist für eine umfassende Integrativmedizin unverzichtbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Siehe FN 1, S. 82.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13]  Vgl. Sadava u. a. (2019), 265–271.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ANTHROPOSOPHISCHE HEILMITTEL-ERKENNTNIS AM BEISPIEL VON ANTIMON ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welcher Blickwinkel ist grundlegend im Hinblick auf die anthroposophische Heilmittel-Erkenntnis?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern weist Antimon Ähnlichkeiten mit dem Ätherischen auf?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wird es, auch in Kombination mit Schwefel, therapeutisch eingesetzt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wirksamkeit von Substanzen im Kontext irdisch-menschlicher Kraftsysteme&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel XVI von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; geht es um anthroposophischen Heilmittel-Erkenntnis. Die Grundlage davon ist der Blick auf das Verhalten bzw. die Wirksamkeit einer Substanz im Bereich der in Kapitel I geschilderten Kraftsysteme. Dabei geht es insbesondere um die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* von der Erde ausstrahlenden &lt;br /&gt;
* und in sie einstrahlenden Kräfte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„[...] es kommt darauf an, die Wirkungen zu beobachten, die sich aus dem Zusammenhange der inneren Kräftekonstitution einer Substanz im Verhältnis zu den Kräften ergeben, die von der Erde ausstrahlen oder in sie einstrahlen.“[2]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Antimon, Schwefel und die Austernschalenbildung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Diese Wirkungen werden am Beispiel des Antimons in seiner Beziehung zum Schwefel in Form des in der Natur vorkommenden Grauspießglanzes aufgezeigt (Sb2 S3, auch als Antimonit bzw. Stibnit bekannt), sowie an der Austernschalenbildung, die zum Verständnis der Typhusbehandlung beiträgt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Antimon ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Antimon&#039;&#039; kam bereits in der ägyptischen Medizin zur Anwendung, nimmt bei Paracelsus eine zentrale Stellung ein und hat bis in die Gegenwart immer neue Einsatzmöglichkeiten erfahren. Chemisch ist es dem Arsen verwandt und eine Menge von 100 mg bis etwa 1200 mg kann bereits tödlich sein. Eine gute Übersicht über seine Verwendung – einschließlich in der Anthroposophischen Medizin – findet sich bei &#039;&#039;Marxer[3]&#039;&#039; Die Bezeichnungen Antimon und Stibium für das chemische Symbol Sb stammen von den lateinischen Wörtern &#039;&#039;antimonium&#039;&#039; und &#039;&#039;stibium&#039;&#039; ab, die schon im Altertum für den Grauspießglanz verwendet wurden.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Schwefel ====&lt;br /&gt;
Schwefel ist eines der seltenen Minerale, die in kristallisierten polymorphen Formen in der Natur rein vorkommen und in der Struktur der orthorhombischen Raumgruppe Fddd die typisch gelbe α-Kristallform zeigen. Schwefel steht mit einem Anteil von geschätzt 0,048 Gew.-% an 15. Stelle unter den häufigsten Elementen der uns bekannten Erdkruste. Er wurde in Kometenschweifen nachgewiesen, ist auf der Erde zum einen vulkanischen Ursprungs und stammt zum anderen aus der Biosphäre von Bakterien, die aus schwefelhaltigen Mineralien Schwefel aufnehmen und Sedimente bilden sowie von Pflanze, Tier und Mensch, da er im Eiweißaufbau durch die beiden schwefelhaltigen Aminosäuren &#039;&#039;Cystin&#039;&#039; und &#039;&#039;Methionin&#039;&#039; festgebunden ist. Durch seinen niedrigen Schmelzpunkt und seine Fähigkeit zu sublimieren, verbindet er sich leicht über Luft und Wasser mit anderen Substanzen und realisiert so den alle Reiche der Natur verbindenden Schwefelkreislauf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Symptomatisch dafür ist auch eine ungewöhnliche mechanische Eigenschaft der Grausspießglanz-Kristalle: Sie zeigen eine auch an größeren Kristallen bei geringem Kraftaufwand fühlbare Biegsamkeit. Diese beruht auf einer geregelten innerkristallinen Gleitung, wie sie auch beim Eis und beim Steinsalz vorliegt – Substanzen, die für alle Lebewesen essenziell sind.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Austernschale ====&lt;br /&gt;
Die Austernschale ist als komplexes Kalkmineral schützendes Außenskelett der Auster und damit ein Mineral, ausgeschieden aus dem Lebensprozess eines Tieres bzw. einer Muschel. In ihrer therapeutischen Verwendung ist sie insbesondere in der Homöopathie bekannt mit dem Arzneimittelbild &#039;&#039;Calcium carbonicum&#039;&#039;. Sie wird zu den Vielkönnern oder Polychresten gezählt (von gr: πολύς - viel und χρηστός  - brauchbar).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Hinweise auf die Verwandtschaft von Antimon mit dem Ätherischen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Zusammenwirken von Zentral- und Universalkräften ====&lt;br /&gt;
Dadurch, dass das Antimon sich leicht und stabil mit dem Schwefel zu den orthorhombisch geformten Grauspießglanz/Antimonit-Kristallen verbindet, kann es die Neigung des Schwefels, in der Welt des Lebendigen aktiv zu werden und dadurch auch im Sinne der auf die Erde einstrahlenden ätherischen Kräfte zu wirken, unterstützen. Unter diesem Aspekt ist die Art und Weise, wie das Antimon in seiner Verbindung mit dem Schwefel kristallisiert, charakteristisch. Es kristallisiert in prismatisch-nadeligen grauschwarzen Kristallen, von feinst ziseliert bis zentimeterstark, immer von einem Zentrum weg – wenn der Kristallisationsprozess nicht durch äußere Umstände gestört wird. Dabei erstrecken sich die Antimonit-Nadeln radial in die Peripherie, wobei die Länge der Kristalle durchaus auch 1 m überschreiten kann. Wo er nur kann, strebt Antimonit die büschelförmige Gestaltung an. Er gliedert sich damit in Linien, die von der Erde weg- und den Kräften entgegenstreben, die im Äther wirken. Durch diese Kristallisationsweise bringt das Antimon das Zusammenwirken der Zentral- und der Universalkräfte wie archetypisch zum Ausdruck.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man bringt mit dem Antimon somit etwas in den menschlichen Organismus, das der Wirkung des Ätherleibes auf halbem Wege entgegenkommt.[6] Antimon kann dadurch im Körper die eiweißbildenden Kräfte zusammenhalten und so die Tätigkeit der Ich-Organisation im Eiweißaufbau unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Feinfaserigkeit durch Seigern ====&lt;br /&gt;
Auch dasjenige, was im Seigerprozess mit dem Antimon vor sich geht, weist auf die Äther-Verwandtschaft dieses Stoffes hin. ‚Seigern‘ kommt von dem gegenwärtig nicht mehr oft gebrauchten Wort etwas z.B. durch ein Sieb ‚durchseien‘. Unter ‚Seigerungen‘ versteht man daher Trennprozesse in gemischtem Schmelzgut. Es wird durch diesen Prozess feinfaserig.[7]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Niedriger Schmelzpunkt ====&lt;br /&gt;
Da das Antimon bereits bei 547° schmilzt, fließt es auf schräger Unterlage leicht aus dem Antimon haltigen Schmelzgut heraus, wo es dann bei Abkühlung zu 92–98 % reinem &#039;&#039;antimonium crudum&#039;&#039; kristallisiert.[8] Der niedrige Schmelzpunkt von 547° zeigt zudem die Nähe dieser mineralischen Substanz zum flüssigen Aggregatzustand, in dem die ätherischen Kräfte ihre Wirkung entfalten können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor diesem Hintergrund heißt es in dem oben erwähnten Werk:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Alles dieses zeigt, dass im Antimon die Tendenz enthalten ist, in das Ätherelement in dem Augenblick leicht überzugehen, in dem dazu die Bedingungen auch nur in geringem Grade vorhanden sind. Dem geistigen Schauen gelten alle diese Einzelheiten nur als Andeutungen; denn dieses nimmt die Beziehung zwischen Ich-Tätigkeit und Antimon-Wirksamkeit unmittelbar so wahr, dass die Antimonprozesse, in den menschlichen Organismus gebracht, so wirken, wie die Ich-Organisation.“[9]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zwei Indikationen als Beispiele für den Einsatz von Antimon&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aus dem breiten Spektrum der therapeutischen Einsatzmöglichkeiten werden nun zwei Indikationsgebiete an die Schilderung des Arzneimittelbildes angeschlossen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;&#039;Blutgerinnungsstörungen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
# und &#039;&#039;&#039;Typhus abdominalis/Parathyphus&#039;&#039;&#039;, eine gefährliche bakterielle Infektionskrankheit des Magen-Darmtraktes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während eine Therapie mit &#039;&#039;Antimon&#039;&#039; oder &#039;&#039;Stibium metallicum praep.&#039;&#039; bei Blutungsneigung aus der Darstellung des Arzneimittelbildes unmittelbar hervorgeht, ist dies für den Thyphus nicht so ohne weiteres ersichtlich – zumal dieser ja heute erfolgreich antibiotisch behandelt werden kann (Sterblichkeitsrate unter 1 %) und die Impfung bei Einreise in betroffene Gebiete empfohlen wird.[10]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Arzneimittelbild der Austernschale und Typhus&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was macht also eine Begleitbehandlung oder Alternativbehandlung zur Vermeidung des Einsatzes von Antibiotika sinnvoll?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um dies zu verstehen, braucht es – wie oben bereits angedeutet – zum Vergleich das Arzneimittelbild der Austernschale. Hier liegt ein Naturprozess vor, der etwas vollzieht, was für die Muschel richtig ist, für den Menschen aber zur Ursache typhöser Durchfall-Erkrankungen werden kann. Die Auster sondert in ihre Schale das kalkartig Mineralische ab:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Bei der Auster wird das Kalkartige abgesondert, um es der Eiweißwirkung nicht einzugliedern. Im menschlichen Organismus muss diese Eingliederung stattfinden. Die bloße Eiweißwirkung muss in eine solche umgewandelt werden, in der mitwirkt, was im Kalkartigen durch die Ich-Organisation an gestaltenden Kräften hervorgerufen werden kann. Das muss sich innerhalb der Blutbildung abspielen. Das Antimon wirkt der kalkausscheidenden Kraft entgegen und führt das Eiweiß, das seine Form bewahren will, durch seine Verwandtschaft mit dem Äther-Elemente in die Formlosigkeit hinüber, die für die Einflüsse des Kalkartigen oder Ähnlichem empfänglich ist.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Beim Typhus ist es klar, dass der krankhafte Zustand in einer mangelnden Überführung der Eiweißsubstanz in gestaltungsfähige Blutsubstanz besteht. Die Form der Diarrhöen, die auftritt, zeigt, dass schon im Darm die Unfähigkeit zu dieser Umwandlung beginnt.“[11]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Heilung der konstitutionellen Dysfunktionalität&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[12]&#039;&#039; heißt es&#039;&#039;,&#039;&#039; dass die Abwehrstoffe und Killerzellen eines guten Immunsystems im Blut zirkulieren, welches wiederum &#039;&#039;das&#039;&#039; Organ der Ich-Organisation ist.[13] Kann nun mithilfe einer Konstitutionsbehandlung, z.B. mit einem Antimonpräparat, und je nach Situation auch noch kombiniert mit anderen Heilmitteln, die Ich-Organisation und damit ihr Einfluss auf die Gestaltungskräfte im Blut gestärkt werden, so werden die Bakterien nicht nur beseitigt, wie es über eine antibiotische Therapie geschieht, sondern zugleich das Milieu saniert und damit künftigen Infektionen vorgebeugt. Das entspräche einer integrativen Therapie, die sich nicht nur auf die Beseitigung der Symptome konzentriert, sondern auf die Heilung der konstitutionellen Dysfunktionalität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dem erwähnten Werk schreiben die Autoren: &#039;&#039;„Wendet man bei typhösen Erscheinungen Antimonpräparate in entsprechender Zusammensetzung an, so erweisen sich diese als Heilmittel. Sie entkleiden die Eiweißsubstanz ihrer Eigenkräfte und machen sie geneigt, den Gestaltungskräften der Ich-Organisation sich einzufügen.“[14]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbstverständlich hat der primäre Fokus auf die Symptombeseitigung überall da seine Berechtigung, wo sie Leben rettet, weil die Abwehrkräfte des Körpers zu schwach sind für die notwendige Selbstregulation. Wo diese Möglichkeit jedoch gegeben ist, kann differenzierter vorgegangen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Wer Exaktheit nur in dem sieht, was die Chemie – auch die pharmazeutische – feststellt, der vernichtet die Möglichkeit, Anschauungen darüber zu gewinnen, was im Organismus bei Heilungsvorgängen geschieht.“[15]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[16]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ebenda, S. 77.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Vgl. Marxer (2000), siehe www.pharmazeutische-zeitung.de/titel-10- 2000; [6.1.2025].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Vgl. Holleman und Wiberg (2017), 940.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. Wimmenauer (1992), 223.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Siehe FN 1, S. 78.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Vgl. Holleman und Wiberg (2017), 942.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Siehe FN 1, S. 78f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Typhus ist weltweit verbreitet – besonders in warmen Ländern. Er wird durch kontaminierte Lebensmittel bzw. Trinkwasser übertragen und ist eine schwere Allgemeinerkrankung, die durch das Bakterium Salmonella typhi ausgelöst wird. Als Paratyphus bezeichnet man ein abgeschwächtes Krankheitsbild, dessen Erreger Salmonella Paratyphi A, B oder C ist. Übertragen wird die Infektion durch Trinkwasser oder Lebensmittel, die mit Fäkalien von infizierten Personen verunreinigt wurden. Leitsymptome sind hohes Fieber, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, langsamer Puls, trockener Husten, Bauchschmerzen, Milzvergrößerung und manchmal ein blasser, kleinfleckiger Ausschlag am Körper. Ein milder Verlauf ist möglich, doch manchmal kommt es zu schweren Komplikationen wie massiven Darmblutungen oder Abszessen in verschiedenen Organen. Durch den Einsatz von Antibiotika kann die Sterblichkeit auf unter 1% gesenkt werden. In Deutschland ist die Krankheit meldepflichtig – dem Bundesamt für Gesundheit werden pro Jahr zwischen 20 und 50 Fälle gemeldet. Wichtigste Mittel zur Vorbeugung sind Körperhygiene und Verzicht auf frische Salate und ungeschältes Obst – nach dem Ernährungsmotto: Cook it, peel it or forget it. Siehe www.bag.admin.ch/bag/de/home/krankheiten/krankheiten-im-ueberblick/typhus-abdominalis-paratyphus.html; [6.1.2025].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Siehe FN 1, S. 80.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“, GA 27.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] Siehe FN 3, Kapitel VI.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] Siehe FN 3, S. 80.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[15] Ebenda, S. 81.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[16] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ARZNEIMITTEL-SUBSTANZGRUPPEN UND WESENSGLIEDER ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Auf welchen Ebenen und worüber ist der Mensch mit der Natur innig verbunden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Naturanteile machen seine Konstitution aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wesensglieder und ihre Einbettung in die Natur&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Physischer Leib und Natur ====&lt;br /&gt;
Schon ein oberflächlicher Blick auf die Verbundenheit von Natur und Mensch zeigt, wie der Mensch die kristallinen Strukturen seines Körpers mit den Mineralien der ihn umgebenden Natur gemeinsam hat. Dieser sichtbare, mineralisch erscheinende Leib wird in der anthroposophischen Menschenkunde „Physischer Leib“ genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ätherleib und Natur ====&lt;br /&gt;
Werden und Vergehen, Leben und Sterben hat der Mensch mit der Pflanzenwelt gemeinsam. Diese Gesetzmäßigkeiten in ihrem Zusammenhang nennt Steiner „Ätherleib“, weil ohne das blaue Himmelslicht (griechisch o aither) kein Leben auf der Erde möglich wäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Astralleib und Natur ====&lt;br /&gt;
Atmung, Bewegung, Bewusstsein, Schmerz und Triebleben hat der Mensch mit den Tieren gemeinsam. Diese das Seelenleben konstituierenden Gesetze heißen in ihrer Gesamtheit „Astralleib“ von aster, lateinisch Stern. Die menschliche Seele fühlt sich der Sternenwelt mit ihren Rhythmen und Konstellationen verwandt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Rein menschliche Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Die Fähigkeit jedoch, lebenslang lernen und immer wieder neu und anders kulturschöpferisch tätig sein zu können, ist spezifisch menschlich. Daher gibt Steiner diesem die „Ich-Natur“ des Menschen möglich machenden Gesetzes-Zusammenhang den Namen „Ich-Organisation“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Mensch durch diese vier verschiedenen Gesetzes-Zusammenhänge sein Wesen sowohl integriert als auch differenziert äußern kann, gab Steiner ihnen den Namen „Wesensglieder“.[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Arzneimittelwirkung auf die Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Substanzgruppen aus dem Mineral-, Pflanzen-, Tier- und Menschenreich haben einen therapeutischen Bezug zu diesen Wesensgliedern:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Menschliche Substanz wie Muttermilch und in Form einer Blutspende stützt und erhält den physischen Leib.&lt;br /&gt;
* Präparate aus dem Tierreich regen den Ätherleib zu verstärkter Tätigkeit an,&lt;br /&gt;
* pflanzliche Arzneimittel wirken regulierend auf den Astralleib&lt;br /&gt;
* und Metalle und Mineralien auf die Ich-Organisation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Potenzierungsstufen und Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Auch die Potenzierungsstufen der nach homöopathischem Verfahren hergestellten Arzneimittel haben ihren Bezug zu den Wesensgliedern:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D1 – D4:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;physischen Organismus&#039;&#039; und seines Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D5 – D8:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;ätherischen Organismus&#039;&#039; und seines Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D10 – D15:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;astralischen Organismus&#039;&#039; und seines Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D20 – D60:&#039;&#039;&#039; Anregung der &#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039; und ihres Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Bezug auf die Dreigliederung des menschlichen Organismus gilt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D1 – D6:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;Stoffwechsel-Systems&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D6 – D18:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;rhythmischen Systems&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D18 – D30:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;Nerven-Sinnessystems&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Arzneimittelschatz der Anthroposophischen Medizin umfasst dementsprechend Ausgangssubstanzen mineralischer, pflanzlicher und tierischer Herkunft, die nach besonderen Verfahren vor allem von den Arzneimittelfirmen Weleda und Wala hergestellt werden.[2] In Deutschland wurden sie aufgrund des Arzneimittelgesetzes von 1976 in der vom Bundesgesundheitsamt – später Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) – eingerichteten Kommission C für die Zulassung aufbereitet. Ein Teil dieser regulativ wirksamen Arzneimittel ist sehr gut für die Selbstmedikation geeignet.[3]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Artikel in der Deutschen Apothekerzeitung DAZ Nr. 39, 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Theosophie, Einführung in übersinnliche Welterkenntnis und Menschenbestimmung,&#039;&#039; 2003 und ders. &#039;&#039;Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft&#039;&#039;. In: &#039;&#039;Lucifer-Gnosis&#039;&#039;. GA 34. Dornach 1987, 309-344.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] International Association of Anthroposophic Pharmacists IAAP. ­Anthroposophic Pharmaceutical Codex. Stuttgart, 2014.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] M. Glöckler, B. Emde, &#039;&#039;Anthroposophische Medizin&#039;&#039;, in: &#039;&#039;Komplementärmedizin für die Kitteltasche. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation&#039;&#039;, Stuttgart 2009 und ders.: &#039;&#039;Anthroposophische Medizin&#039;&#039;, in: &#039;&#039;Komplementärmedizin für Kinder. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation&#039;&#039;, Stuttgart 2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== WIRKSAMKEIT EINES HEILMITTELS VERMITTELN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie vermittelt der Arzt seinem Patienten, welches Heilmittel er braucht?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist dabei zu beachten, worauf kommt es an?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wirksamkeit der Gedanken und Gefühle miteinbeziehen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ideal wäre es, mit dem Patienten über ein Heilmittel in einer Art zu sprechen, dass etwas von der Wirksamkeit desselben auf den Patienten überspringt und dieser sich freut, dass er dieses Mittel bekommt, ja, dass er dankbar dafür ist. Der Patient sollte es mit dem Gefühl nehmen, er habe etwas besonders Gutes bekommen. Denn Freude und Dankbarkeit wirken therapeutisch – sie sind nicht „Placebo“, sondern real und wirksam. Wir müssen begreifen, dass das, &#039;&#039;was&#039;&#039; und &#039;&#039;wie&#039;&#039; wir über eine Sache denken, viel mehr als nichts ist: Was jemand weiß, ist etwas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ätherleib als Träger der zeitlichen und „ewigen“ Lebenskräfte entfaltet diese Doppelwirksamkeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ihm verdankt unser Körper einerseits &#039;&#039;&#039;Leben, Regeneration, Wachstum&#039;&#039;&#039; und die individuelle Lebenszeit&lt;br /&gt;
* Andererseits verdankt der Mensch ihm sein &#039;&#039;&#039;Gedankenleben&#039;&#039;&#039;, je älter er wird, umso mehr, das sich aus all den ätherischen Kräften speist, die der Körper nicht mehr „verkörpert“ halten kann (und muss) und die er damit in die „außerkörperliche Wirksamkeit“ entlässt. Die Gedanken können über den Tod des Menschen hinaus weiterleben und ihn tragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Medikamente wirken auf beide Aspekte des Lebens – sprich: Auch was ich über etwas denke, bewirkt etwas. Wenn ich die Arnikawirkung denke, wirkt sie bereits, denn Gedanken wirken immer, sind ein reales Wirkprinzip. &#039;&#039;„Hab Sonne im Herzen, ob&#039;s stürmt oder schneit“&#039;&#039;. Wenn ich die Sonne meditiere, habe ich Licht und Wärme im Herzen, selbst wenn ich Bauchweh habe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Denken vermindert Heilkraft, positive Gefühle verstärken sie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Indem ich denke, nehme ich der ätherischen Wirksamkeit im Körper aber auch etwas weg, weil es dieselben Kräfte sind, die dem Körper zur Gesundheit verhelfen. D.h, der Körper ist am gesündesten, wenn man nicht denkt, also im Schlaf, weil da die gesamten ätherischen Kräfte (auch diejenigen, die tagsüber außerkörperlich dem Denken dienen) in den physischen Leib einziehen und an seiner Regeneration arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am besten ist es, wenn der Patient über ein Heilmittel gerade so viel weiß, dass er sich freut und ihm ein bisschen warm wird bei dem Gedanken, dass er es jetzt einnehmen darf. Denn diese positiven Gefühle teilen sich auch dem Körper mit und beeinflussen den Stoffwechsel positiv. Positive Gefühle führen dem Ätherleib vom Seelischen her positive Kräfte zu, wie dies gesunde Ernährung vom Physischen her tut. Zuviel Nachdenken über die Wirkung mindert diese jedoch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch weniger zuträglich ist es, wenn ein Patient nicht so recht weiß, wie ein Mittel wirkt, oder Angst bekommt, wenn er den Beipackzettel liest. Dann fühlt er sich verunsichert – weswegen 40 Prozent der Medikamente in den Müll und nicht in den Magen der Patienten wandern. Wieder zuhause entscheiden sie, dass es ihnen eigentlich gar nicht so schlecht geht und nehmen das verordnete Medikament lieber nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur Anthroposophischen Medizin, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== EIGENE ERFAHRUNGEN BEIM ARZTSTUDIUM ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was wirkt auf den Menschen konstruktiv bindend?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was unterstützt einen Menschen in seiner Entwicklung?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was bedeutet es eigentlich zu helfen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Womit helfe ich und was macht mich sicher, dass ich dabei nicht ein neues Problem schaffe?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fragen als Motivation fürs Medizinstudium&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ich komme ursprünglich aus der Pädagogik und habe gemerkt, wie stark mein Einfluss als Erzieher auf das Kind ist, wie stark das Vorbild wirkt, weil die Schüler alles sehr umweltoffen nachahmen, auch noch in der Oberstufe. Der Einfluss reicht bis ins Gesundheitliche hinein. Ich erlebte daran, welch riesige Verantwortung man hat durch die Art, wie man als Mensch auf andere wirkt. Ich habe mich zum Medizinstudium entschlossen, weil ich herausfinden wollte, wie es zu dieser Wirkung kommt. In dem Zusammenhang bewegten mich die oben genannten Fragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angespornt von der Begeisterung die Antworten zu finden, begann ich mein Studium. Ich war damals 25 Jahre alt, eine Spätberufene also, und hatte das Glück, die Anthroposophie parallel zum Studium studieren zu können. Ich habe sozusagen als angehende Anthroposophin Medizin studiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich fühle mich sicher und gewiss, wenn es mir gelingt, ein anatomisches Substrat, ein Ergebnis, z.B. Phasen der Embryonalentwicklung, wirklich zu verstehen: etwas denken zu können und das, was ich denke, in dem, was ich sehe, als evident wiederzuerkennen; mein Denken und meine Wahrnehmung als kongruent zu erleben; wenn das, was ich denke, auch passiert oder ich es sehe. Dazu gehört auch, das, was ich sehe, zu verstehen, dass es mir nicht ein dunkles Rätsel bleibt; ein Evidenzerlebnis zu haben. Ich hatte durch die Anthroposophie die Möglichkeit, die Medizin sensibel zu hinterfragen und mir Evidenzerlebnisse zu erarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vieles lernt man, ohne es zu verstehen. Man hat etwas festgestellt und soll es anschließend wissen. Bei uns stand über allen Examensfragen: &#039;&#039;„Der Student soll wissen, dass…“&#039;&#039; und dann kamen die Multiple-Choice-Angebote, aus denen man das Richtige heraussuchen musste. Es ist nervtötend, wenn nur Wissen abgefragt wird und kein Verständnis. Nur in den mündlichen Prüfungen ging es manchmal um echtes Verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Stoffwechsel und Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In den ersten vier Vorträgen im &#039;&#039;„Landwirtschaftlichen Kurs“[1]&#039;&#039; spricht Steiner über die spirituelle Bedeutung von Phosphor, Schwefel, Stickstoff, Sauerstoff und Wasserstoff. Die ganze Eiweißchemie bzw. Biochemie unseres Körpers beruht auf diesen Elementen. So konnte ich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;&#039; mit dem &#039;&#039;Phosphor&#039;&#039; in Zusammenhang bringen,&lt;br /&gt;
* den &#039;&#039;&#039;Astralleib&#039;&#039;&#039; mit dem &#039;&#039;Stickstoff&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* den &#039;&#039;Sauerstoff&#039;&#039; mit dem Leben, dem &#039;&#039;&#039;Ätherischen&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* den &#039;&#039;Schwefel&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;zwischen dem physischen Leib und dem Ätherleib wirksam&#039;&#039;&#039; sehen – denn „er macht den physischen Leib geneigt, die Wirkungen des Ätherischen aufzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht hier um die Erkenntnis, wie die vier Wesensglieder im Stoffwechsel aktiv sind, wobei diese vier Hauptelemente wie Tore sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wasserstoff hat eine Sonderposition. Er gehört wesentlich zum Wärmeorganismus und ist sogar &#039;&#039;das&#039;&#039; Zentralelement des Wärmeorganismus. Er ist das leichteste Element, das von sich aus zur Sonne geht, der Gravitation nicht unterliegt, weil es zu leicht ist. Wenn es nicht regnen würde, würde der Wasserstoff die Erde verlassen und sich in der Sonne sammeln. Aber durch Regen, Blitze und Donner, diese enormen energetischen Entladungen, kommt es zur Knallgasverbindung, durch die der Wasserstoff wieder an den Sauerstoff gebunden wird und so wieder auf die Erde kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wissen als etwas Vorläufiges begreifen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ich habe mir in dem Zusammenhang nie die Frage gestellt, ob etwas richtig oder falsch ist, sondern ob es mir zugänglich ist oder nicht. Wenn ich etwas verstanden hatte, war es für mich gewiss.[2] Wenn anschließend jemand erklärte, dass dies nur ein Vorgipfel wäre und die wahre Wirklichkeit noch tiefer läge, noch etwas komplizierter sei, war ich auch dafür offen. Das vorherige Endergebnis gilt dann eben als vorläufig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und man muss auch nicht von Anfang an alles wissen. Ich habe manchen Patienten damit glücklich gemacht, dass ich sagte: &#039;&#039;„Wir beginnen erst einmal mit diesem Therapieansatz – ich werde mich aber noch mit Kollegen beraten, was in Ihrem Fall das Beste ist.“&#039;&#039; Wirkliches Wissen hat Prozesscharakter und kongruiert mit der wachsenden Lebenserfahrung, die durch die Menschen, mit denen wir zusammenleben und -arbeiten, bereichert wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur AM, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft (Landwirtschaftlicher Kurs), Acht Vorträge&#039;&#039;, Koberwitz bei Breslau, 07.06 – 16.06.1924.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Dazu siehe auch: Glöckler, Michaela: &#039;&#039;Einblicke in die anthroposophisch-medizinische Forschung und die Arbeit der Medizinischen Sektion&#039;&#039;. In: Christiane Haid, Constanza Kaliks, Seija Zimmermann (Hg.): &#039;&#039;Goetheanum - Freie Hochschule für Geisteswissenschaft. Geschichte und Forschung der Sektionen.&#039;&#039; Verlag am Goetheanum, Dornach 2017: Rudolf Steiner betonte wiederholt, dass es sich bei seinen Schilderungen und Sichtweisen um ein Wissen handle, das von ihm selbst erarbeitet wurde und als Wissen oder Erkenntnis und nicht als Glaubensinhalt vorgebracht werde. Daher möge man das von ihm Dargestellte als anregende Idee, als Arbeitshypothese nehmen und selbst prüfen, ob es der eigenen Lebenserfahrung und Erkenntnissuche standhalten und dem Leben dienen könne. Auch hoffte er, dass der akademisch geschulte Leser seiner Schriften die Anstrengung unternehmen würde, seine auf meditativen Wegen errungenen Einsichten mit Hilfe empirischer Forschungsmethoden nachzuweisen. Damit führte Steiner in den wissenschaftlichen Diskurs das Prinzip der internen bzw. inneren Evidenz ein: Was man - gestützt auf Erfahrung und Einsicht - als richtig erkannt hat, empfindet man als „innerlich evident“. Es bedarf dann aber auch noch der externen Evidenz, damit man anhand reproduzierbarer Fakten die Legitimität des als richtig Erkannten aufzeigen kann. Beide Evidenzen zusammen ergeben eine umfassende Erkenntnis von Mensch und Welt und die Möglichkeit, sich ein ganzheitliches Menschen- und Weltverständnis zu erarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE FÜNF FUNKTIONSBEREICHE IN DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Funktionsbereiche deckt die Anthroposophische Medizin ab?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Funktionsbereiche des Lebens&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Unser aller Leben spielt sich auf unterschiedlichen Ebenen ab, die ich hier Funktionsbereiche nennen möchte. Im Folgenden werde ich sie genauer beschreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Physischer Funktionsbereich: Leben im Raum ====&lt;br /&gt;
Alles Physische findet im Raum statt und gründet auf räumlich fassbare Strukturen. Der physische Leib des Menschen ist umso gesünder, je besser er an sein Milieu, die jeweilige Umwelt angepasst ist. Vieles an unserer Umwelt macht uns über Wasser, Ernährung und Luft krank, aber auch – wenn es passend wirkt – gesund. Physisch sind wir offene Systeme. Auch was wir über die Sinne aufnehmen, prägen wir uns ein, prägt uns. Alles Schöne wirkt aufbauend, alles Unschöne schwächt. Alles wirkt, egal ob wir sofort krank werden oder nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier ist die Domäne der Schulmedizin. Anthroposophische Ärzte sind zunächst alle auch Schulmediziner, das ist unsere Grundlage. Diagnostische Fragen zum Physischen lauten beispielsweise:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Sind Medikamente nötig, die am Ort des aktuellen Geschehens unmittelbar angreifen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ist eine Umgebungsveränderung vonnöten?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Muss in einem bestimmten Bereich Sinnesschulung nachgeholt bzw. verstärkt werden?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wären Achtsamkeitsübungen bzw. irgendetwas, das die physische Resonanz mit dem Umfeld verbessert, hilfreich?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ätherischer Funktionsbereich: Leben als Prozess ====&lt;br /&gt;
Auch im Ätherischen sind wir offene Systeme. Mit ätherischer Kraft bezeichnet man in der Anthroposophischen Medizin, was man in der orientalischen Tradition Chi oder Lebenskraft nennt. Das Ätherische umfasst alles Prozessuale, das eine Zeitstruktur und Rhythmus hat. Im aristotelischen Sinne befinden wir uns damit in der Kategorie der Zeit. Alles Ätherische ist prozessual, lebendig, zyklisch, miteinander zusammenhängend, voneinander abhängig. Selbst­­­regulation, Selbstheilungsprozesse, Regeneration, Wachstum, Gestaltung haben hier ihren Wirkort. Die anthroposophischen Arzneimittel, die alle prozessorientiert sind, setzen hier an. Viele werden auch mit homöopathischen Verfahren hergestellt. Alle Prozesse, die uns kränken und gesunden lassen, verlaufen im Zeitlichen. So können sich Verstöße gegen gesunde Lebensrhythmen, z.B. unregelmäßige Ernährung, negativ auswirken, sofern die Selbstregulation dies nicht kompensieren kann. Auch die Lebensgewohnheiten, die Art wie man seine Zeit strukturiert oder eben nicht strukturiert, – wie chaotisch oder geordnet man lebt – beeinflusst diesen Wirkbereich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn im Leben herrscht Ordnung, es ist ein geordneter Kosmos. Es wird durch die Sonne, die circadiane 24-Stunden-Rhythmik, durch den Wochenrhythmus und den lunaren Monatsrhythmus beeinflusst. Mit dieser „Bio-Kosmologie“ befasst sich die Rhythmusforschung. Die Sonne ist 150 Millionen Kilometer von uns entfernt. Wenn wir aber Sonnenbrand haben, haben wir ihn hier auf unserer Haut. Unser gesamter Knochenstoffwechsel hängt von der Sonne ab, auch die gesamte chlorophyllproduzierende Pflanzenwelt. Wir sind sonnengetragene Wesen, wir leben in diesem Sonnenraum. Es gibt kein Leben ohne Wasser und Sonne. Die Griechen nannten den durchsonnten blauen Himmel den Äther. Daher auch der Begriff „ätherische Organisation“ für diesen Funktionsbereich. Das Leben auf der Erde muss viel umfassender gedacht werden, als wir das gewöhnlich tun, wenn wir vom Leben sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diagnostische Fragen zum Ätherischen zielen daher auf die Lebensgewohnheiten ab: Ernährung, Schlaf, Work-Life-Balance, aber auch Rituale, Gewohnheiten, religiöse oder meditative Hilfsmittel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Astraler Funktionsbereich: seelisches Erleben in Beziehung zu sich und anderen ====&lt;br /&gt;
Hier geht es um das Gefühlsleben, um die unbewusste und bewusste Beziehungsgestaltung. Alles, was in einer Beziehung stattfindet, was im Gefühl und Bewusstsein lebt, geht über Raum und Zeit hinaus in die „Innerlichkeit“ und erhält durch die Erinnerbarkeit Dauer. Die Beziehung zu sich selbst und den Menschen und Dingen im Umfeld ist ein reicher Kosmos, ein komplexes Netzwerk, ist so etwas wie eine Sternenkonstellation. Das Wort „Aster“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet Stern. Mit diesem Begriff möchte Rudolf Steiner nicht nur an die seelischen Sternkonstellationen erinnern, denen wir angehören, sondern auch an die himmlische Heimat der Seele und deren Verwandtschaft mit der Sternenwelt, die auch in den astrologischen Traditionen zum Ausdruck kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beziehungen können sich wandeln, wir können unser Verhältnis zu ihnen ändern. Wenn sie kaputt gehen, tut es so weh, dass man früher oder später wieder daran arbeiten wird. Unter dem Gesichtspunkt der Reinkarnation gibt es noch einen weiteren Aspekt, der das Ringen um eine positive Entwicklung in unseren Beziehungen in seiner Bedeutsamkeit unterstreicht. Christian Morgenstern drückt dies in einem seiner Gedichte so aus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wir müssen immer wieder uns begegnen&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;und immer wieder durch einander leiden,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;bis eines Tages wir dies alles segnen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;An diesem Tage wird das Leiden weichen,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;das Leiden, welches Selbstsucht zeugte,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;das Leiden wenigstens, das Blindheit zeugte,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;das uns wie blinden Wald im Sturme beugte.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Dann werden wir in neues Ziel und Leben&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;wie Flüsse in ein Meer zusammenfließen,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;und kein Getrenntsein wird uns mehr verdrießen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Dann endlich wird das „... suchet nicht das Ihre“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wahrheit geworden sein in unsern Seelen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und wie an Kraft wird&#039;s uns an Glück nicht fehlen.[1]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diagnostische Fragen zu der astralen Wirkrichtung betreffen biographische Zusammenhänge und damit verbundene Krankheitsursachen. Oft können Biographiearbeit, künstlerische Therapien, Bewegungstherapien und Körperarbeit helfen, das Bewusstsein für sich selbst und die Menschen im eigenen Schicksalsfeld zu harmonisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Funktionsbereich der Ich-Organisation: als Individuum leben ====&lt;br /&gt;
Hier haben wir es mit dem Bereich zu tun, den Goethe „die Dauer im Wechsel“ nannte. Die Ich-Organisation ist gegenüber dem ewigen Wesen des Menschen, seinem spirituellen Kern, offen. Sie umfasst alle Gesetzmäßigkeiten, die mich vor mir selbst und vor anderen persönlich legitimieren, die nur die eigene Individualität betreffen, für die ich mir selbst die Arbeitsrichtung vorgeben kann. Von der eigenen Ich-Verfassung, vom Selbstwert-Gefühl und der Art der Identitätsbildung hängt es ab, wie lange man z.B. negative Gefühle zulässt oder wieviel Stresstoleranz man besitzt. Wer sein Leben, sein Schicksal, mit allen Hoch- und Tiefpunkten, als seinen persönlichen Entwicklungsweg sehen kann, findet in jeder Lebenslage Motive für das, was gerade hier und jetzt gelernt oder getan werden könnte und kann innere Ruhe und die Übereinstimmung mit sich bewahren. Die Resilienzforschung hat viele wertvolle Beweise dafür geliefert, in welch hohem Maße die Art des Umgangs mit sich selbst und der gewählte Lebensstil den Gesundheitszustand von Leib und Seele beeinflussen.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was muss geschehen, damit ein Mensch wieder zu einer positiven Identität und Lebenseinstellung findet, auch wenn seine Umstände traurig oder widrig sein mögen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Anregung für die innere Schulung, für sein Selbstmanagement, für seine Identität kann ich ihm vermitteln, damit er freudig und&#039;&#039; &#039;&#039;wahrhaft als Ich erleben kann?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fragen dieser Art bewegen den Arzt – aber auch Fragen der Prävention&#039;&#039;: Was kann in den Erziehungsjahren geleistet werden, nicht nur für eine gesunde körperliche Entwicklung, sondern auch für die seelische und insbesondere die geistige, Identität stiftende Entwicklung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Funktionsbereich der spirituellen Orientierung: Weltentwicklung bejahen ====&lt;br /&gt;
Hier treten wir aus unserem individuell Menschlichen völlig heraus. Der Kopf ist das Beziehungsorgan, das uns mit der ganzen Welt verbindet, ist unser offenes, rein zur unsichtbaren Welt der Gedanken, den Sinneseindrücken, Vorstellungen sowie dem Bewusstsein hin orientiertes Gebilde. Paracelsus[3] nannte diese Perspektive, die Art, wie wir mit den unsichtbaren Kräften des Denkens, Fühlens und Wollens umgehen, die Quinta Essentia. Die vier anderen „Essenzen“ haben mit den Aggregatzuständen fest, flüssig, gasförmig und Wärme zu tun, die alle noch physisch fassbar sind. Die Quinta Essentia jedoch ist rein spirituell, rein geistig. Sie wird uns zunehmend bewusst durch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* seelisch-geistige Verwandlungsprozesse dank meditativer Schulung,&lt;br /&gt;
* Verfeinerung der Gedanken,&lt;br /&gt;
* Gefühls- und Willenskultur der Achtsamkeit.&lt;br /&gt;
* Die Tugenden und verbindlichen Lebenswerte gehören ebenso in diesen Bereich, &lt;br /&gt;
* aber auch wie ich meine Beziehungen ordne, wie ich meine Identität erlebe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn wie ich mein äußeres und mein biografisch-zeitliches Leben veranlage, hängt letztlich davon ab, wie ich über mich und andere, über die Welt und Gott denke. Eine echte spirituelle Orientierung ist die stärkste salutogenetische Perspektive. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Erlösende menschheitliche Perspektive&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Meine Erfahrung ist, dass es heute immer mehr Menschen gibt, die von einer basalen Trauer und Sorge erfüllt sind in Bezug auf das Weltgeschehen und die Menschheitsentwicklung. Sie sind nicht krank oder deprimiert durch eine schlechte Lebensweise oder Drogen, auch nicht aufgrund negativer Beziehungen. Sie erleben sich vielmehr dadurch beeinträchtigt, dass sie den Eindruck haben, es geht mit der Menschheits- und Erdenentwicklung nicht gut voran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um dem konstruktiv begegnen zu können, braucht es eine große, umfassende, menschheitliche Perspektive, die aufzeigt, dass die Menschheit zwar heute eine besondere Krise durchmacht, verursacht durch den Zerfall von Werten und eine enge materialistisch-ökonomische Weltsicht. Es gilt jedoch zu verstehen, dass nur der Durchgang durch eine Periode des Verlustes spiritueller Perspektiven und humaner Entwicklungsbedingungen das Individuum aus allen kollektiven – auch der religiösen – Bindungen zu befreien vermag, damit es auf dieser Basis neu und selbstständig sein Verhältnis zum weiteren Verlauf der Geschichte zu bestimmen in der Lage ist. Nur ein echtes Verständnis dieser Entwicklungszusammenhänge kann dem sonst unweigerlich eintretenden Kulturpessimismus vorbeugen bzw. kann ihn heilen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anthroposophische Arzt wird seinen Patienten anamnestisch mit Bezug auf diese fünf Funktionsbereiche hin anschauen und womöglich befragen. Am Ende muss er intuitiv entscheiden, wie er den besten Zugang zu dem betreffenden Patienten finden kann, um den notwendigen Gesundungsprozess anzuregen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Mehr hierzu in: Was ist Anthroposophische Medizin? Verlag am Goetheanum, 2017&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Christian Morgenstern, &#039;&#039;Stuttg. Ausgabe, Band 2 Lyrik 1906 – 1914&#039;&#039;, Urachhaus Verlag, Stuttgart 1992, S. 217.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Siehe z.B. Fröhlich-Gildhoff, Klaus / Rönnau-Böse, Maike: &#039;&#039;Resilienz&#039;&#039;. Ernst Reinhardt Verlag, München 2015.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Philippus Theophrastus Aureolus Bombastus von Hohenheim, getauft als Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, (* vermutlich 1493 in Egg, Kanton Schwyz; † 24. September 1541 in Salzburg) war ein Arzt, Alchemist, Astrologe, Mystiker, Laientheologe und Philosoph. Paracelsus hinterließ zahlreiche deutschsprachige Aufzeichnungen und Bücher medizinischen, astrologischen, philosophischen und theologischen Inhalts, die größtenteils erst nach seinem Tod gedruckt wurden (wikipedia).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE WESENSGLIEDER UND IHRE DIAGNOSTIK ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was versteht die Anthroposophische Medizin unter Wesensgliedern?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie lassen sie sich beschreiben?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wesensglieder als Zusammenhänge von Gesetzmäßigkeiten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das Wissen von Körper, Leben, Seele und Geist ist so alt wie die Menschheit. Rudolf Steiners Beitrag besteht jedoch darin, eine neue Zugangsweise zu diesen vier Erfahrungsfeldern aufgezeigt zu haben. Er verwendete für die von ihm in Medizin und Pädagogik eingeführte Terminologie die Worte „Leib“ bzw. „Organisation“.[1] Diese Termini machen nicht nur den Zusammenhang zwischen den Reichen der Natur und den Aggregatzuständen der Materie deutlich, sondern stehen auch für die differenzierte Ganzheit des Menschenwesens nach Geist (Ich-Organisation), Seele (astralische Organisation), Leben (ätherische Organisation) und Körper (physische Organisation). Sie zeigen die komplexen Zusammenhänge von Gesetzmäßigkeiten, durch die sich der Mensch erkennen, erleben, ausdrücken und betätigen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Anthroposophischen Medizin wird also nicht nur die naturwissenschaftliche Beschreibung von Aufbau und Funktion des menschlichen Körpers berücksichtigt, sondern auch die Wirkung der sogenannten Wesensglieder auf den Körper, die von der zugehörigen Gesetzmäßigkeit bestimmt werden und so in das Körpergeschehen eingreifen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Diagnostik der Wesensglieder ermöglicht ein differenziertes Erfassen des Inkarnationszustands des Menschen in Gesundheit und Krankheit, woraus sich der jeweils passende therapeutische Ansatz ableiten lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Physischer Leib – fest ====&lt;br /&gt;
Der physische Leib wird von Stoffen und Kräften im festen Aggregatzustand aufgebaut – sie machen die sinnlich beobachtbare Beschaffenheit des Körpers im Raum aus (griechisch &#039;&#039;physis&#039;&#039; = Körperbildung, Gestalt). Der ganzheitlich-systemische Begriff des Physischen umfasst den gesamten Bereich des Mineralisch-Anorganischen: Dazu gehören die Gesetze der Gravitation, der Mechanik, aber auch die Zerfalls- und Sterbeprozesse von Strukturen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was erkannt werden kann, wenn man dem menschlichen Organismus Stoffe, Gewebe und Partikel entnimmt und analysiert, gehört in das Gebiet des Physischen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ätherleib - flüssig ====&lt;br /&gt;
Der &#039;&#039;Ätherleib&#039;&#039; umfasst die Gesamtheit der Lebensprozesse. Diese sind an den flüssigen Aggregatzustand gebunden und liegen allen Vorgängen zugrunde, die chemische und physikalische Prozesse zu biochemischen und physiologischen Prozessen steigern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wort „Äther“ kommt aus dem Griechischen und heißt Himmel. Damit schließt das Ätherische auch den durchsonnten, blauen Himmelsraum ein, ohne den Leben auf der Erde nicht möglich wäre. Insbesondere die Pflanzenwelt wird davon bestimmt: Das zeigt sich z.B. in der sonnenvermittelten Fotosynthese, die Grundlage der Lebenstätigkeit aller Pflanzen ist. Doch auch ihre Biorhythmen haben ihre Zeitgeber in der Solar- und Lunarperiodik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039;  Astralleib – gasförmig, luftig ====&lt;br /&gt;
Die Kräfte und Gesetzmäßigkeiten, die Bewegung, Bewusstsein und seelischen Ausdruck ermöglichen, bezeichnete Steiner mit &#039;&#039;Astralleib&#039;&#039;, lateinisch „aster“ (Stern). Das Weltall mit seinen Sternkonstellationen ist ein Bild davon: Jeder Planet, jeder Fixstern ist anders als der andere und doch stehen alle in konkreten, sich stets wandelnden Beziehungen zueinander, Konstellationen genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Physiologisch gesehen sind die Bewegungs-, Sprach- und Gefühlsäußerungen an das Vorhandensein von Luft gebunden. Der Astralleib kann nur über den Gaszustand der Materie in das Körpergeschehen eingreifen und ist auch im Hinblick auf seine Wirkungsweise von den Gesetzen bestimmt, die dem Gaszustand eigen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ich-Organisation - Wärme ====&lt;br /&gt;
Für den Gesetzeszusammenhang, der es der selbstbewussten Persönlichkeit erlaubt, sich zu erleben und auszudrücken, wählte Steiner den Begriff &#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;. Diese ist an die Gesetze der Thermodynamik, der Wärme, gebunden. Jeder Mensch erlebt sein Ich und die Persönlichkeitsäußerungen des Anderen in Form von jeweils zum Ausdruck kommenden Wärmedifferenzen bzw. als Wärme- und Kälteausstrahlung. Die kritische Temperatur des jeweiligen Elementes entscheidet, in welchem spezifischen Aggregatzustand die Materie erscheint. Das dem gesunden Körperleben des Menschen zugrundeliegende Wärmeoptimum liegt bei 37°. Es wird durch eine komplizierte Temperaturregulation im Rahmen definierter tages- und jahresrhythmischer Schwankungen konstant gehalten. Auch hängt es jeweils vom geistigen Wärmezustand (Begeisterung) ab, ob und wofür ein Mensch seine Kraft im Leben einsetzt und wie er seine Persönlichkeit zentriert und beherrscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Berechtigte Annahme komplexer Ordnungsprinzipien&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Mit der systemischen Begrifflichkeit der Wesensglieder ist einerseits die Brücke geschlagen zur aristotelischen Elementenlehre, die die Aggregatzustände konsequent mit den Naturreichen (Mineral, Pflanze, Tier, Mensch) verbindet. Andererseits kann dadurch auch ein konkreter Bezug hergestellt werden zur heutigen Faktenfülle naturwissenschaftlicher Forschungen als Grundlage für ein ganzheitliches Bild des Menschen, der sich in Körper, Seele und Geist gliedert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiners Vorgehensweise, übergeordnete Begriffe zu bilden, wird untermauert von Annahmen aus der Systemforschung, die längst von höheren, vernetzten Formgebern und Prozessgestaltern ausgeht, die sie entweder entdeckt oder hypothetisch angenommen hat: Man verwendet den Begriff „Feld“[2] oder spricht von „intraorganischen Ordnungsmustern“ aus der mathematisch-geometrischen Symmetrie und Asymmetrie, die sich nicht mithilfe der darwinistischen Paradigmen von Selektion, Mutation und Anpassung erklären lassen.[3] Auch die Frage nach der Symmetrie als einem universalen Kausalprinzip gehört hierher. All diese Überlegungen und Forschungen besagen, dass es letztlich Gedanken, Gesetze, übergreifende Gesetzeszusammenhänge sind, die sich in den Ordnungen und Wandlungen der Evolution abbilden bzw. diese vorantreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant sind in diesem Zusammenhang auch die derzeit oft gebrauchten Begriffe der Autoregulation, Selbstregulation oder Selbstheilung. Die Wesensgliederdiagnostik kann diese Begriffe mit einem differenzierten Inhalt füllen und dieses Selbst (griechisch: autos) in seinen körperlichen, seelischen und geistigen Ausdrucks- und Funktionsweisen beschreiben.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen.&#039;&#039; GA 37, Rudolf Steiner Verlag, Dornach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rupert Sheldrake, &#039;&#039;The presence of the past. Morphic resonance and the habits of nature.&#039;&#039;  Hammersmith, UK 1988.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Antonio Lima-de-Faria, &#039;&#039;Evolution without Selection. Form and Function by Autoevolution.&#039;&#039; New York 1988.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Werner Hahn/ Peter Weibel (Hrsg.), &#039;&#039;Evolutionäre Symmetrietheorie. Selbstorganisation und dynamische Systeme.&#039;&#039; Stuttgart 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== PARAMETER DER WESENSGLIEDER-DIAGNOSTIK ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen Parametern folgt die Wesensglieder-Diagnostik?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wesensglieder als Gesetzeszusammenhänge des Menschseins&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der phänomenologischen Philosophie und Psychologie ist man gewohnt, den Körper „Leib“ zu nennen. Man meint damit das individuell Geformte bzw. das „Gefäß&amp;quot;, das von allen Funktionen und Seelenerlebnissen ein Aus- und Abdruck ist. Rudolf Steiner verwendet als Bezeichnung für die Wesensglieder je nach Kontext die Ausdrücke „Leib“, „Organisation“ und „Organismus“ oder „Gesetzeszusammenhang“. In der Diagnostik wird der körperliche Ausdruck der Wesensglieder im Einzelnen beschrieben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Physischer Leib ====&lt;br /&gt;
Zu den Beurteilungsgrößen des physischen Leibes gehören neben Körpergröße und Körpergewicht die chemische Analyse (Labordiagnostik) sowie die Ausformung der einzelnen Organe, der konstitutionelle Habitus, und inwiefern dieser durchlässig ist für die Vorgänge des Lebens, der Seele und des Geistes – d.h. für den „Inkarnationszustand&amp;quot; des betreffenden Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ätherleib ====&lt;br /&gt;
Zur Diagnostik des ätherischen Organismus gehört neben dem Erfassen der aktuellen Gesamtvitalität und der Vitalität der einzelnen Organe auch die Beurteilung von Wachstum, Entwicklung und Regenerationsfähigkeit sowie des Säure-Basen-Verhältnisses, des Wasser- und Elektrolythaushaltes und des Zusammenspiels der Biorhythmen, aber auch die Erfassung der Art der Gedankenführung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Astralleib ====&lt;br /&gt;
Die Wirkungsweise des Astralleibes wird einerseits am Bewegungsspiel der Muskulatur und ihres Tonus abgelesen, andererseits aus der Art des Sprechens und der Atemführung sowie des Instinkt-Begierde-Verhaltens erschlossen. Empfindungsleben, „Sensibilität&amp;quot; und das Spektrum der Gefühlsäußerungen geben Aufschluss über seinen aktuellen Zustand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Stärke oder Schwäche der Ich-Organisation können am Zusammenspiel aller Funktionen und Wesensgliedertätigkeiten abgelesen werden. Jede Form von Integrations- und Kontrollverlust zeigt eine Schwächung oder Störungen im Bereich dieses Wesensgliedes an. An dieser Stelle ist es wichtig zu bemerken, dass die Ich-Organisation zwar dem geistigen Wesen Mensch, d.h. seinem Ich, die körperliche – und damit vergängliche –Möglichkeit zur Inkarnation bietet, mit dieser jedoch nicht identisch ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Faktenfülle durch Wesensgliederdiagnostik&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Des Öfteren wird gefragt, warum die Wesensglieder-Diagnostik nötig ist, welche zusätzlichen Informationen sie über das hinaus bieten kann, was eine sorgfältige und umfassende klinische Diagnostik ohnehin leistet. Dazu ist zu sagen, dass das sehr umfassende Studium des jeweiligen Wesensgliedes und der damit zusammenhängenden Gesetzmäßigkeit zusätzliche Informationen liefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die in der Tabelle unten angeführten Parameter implizieren eine große Faktenfülle und eröffnen durch ihre Zusammenschau neue Einsichtsmöglichkeiten in die menschliche Natur, vor allem auf den direkten Zusammenhang der seelisch-geistigen Funktionen mit den physiologisch-anatomischen Strukturen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;Wesensglied&#039;&#039;&#039; und  Naturgesetzlichkeit&lt;br /&gt;
|Selbsterleben und &lt;br /&gt;
kreative Handhabbarkeit&lt;br /&gt;
|Morphologie &lt;br /&gt;
Physiologie&lt;br /&gt;
|Physische Symptomatik&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;&#039;Wärmeorganismus&lt;br /&gt;
Thermodynamischer&lt;br /&gt;
Gesetzeszusammenhang&lt;br /&gt;
|Selbstbewusste &lt;br /&gt;
Gedankentätigkeit,&lt;br /&gt;
Intentionalität,&lt;br /&gt;
Initiative,&lt;br /&gt;
Dicht- und Sprachkunst&lt;br /&gt;
|Integrationsprozesse Gesamtgestalt&lt;br /&gt;
|Individuelle Wärmeverteilung „Ausstrahlung&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;Astralleib&#039;&#039;&#039;Luftorganismus&lt;br /&gt;
Aerodynamischer&lt;br /&gt;
Gesetzeszusammenhang&lt;br /&gt;
|Bewusstsein, Gefühl, Impulsivität, Bewegung&lt;br /&gt;
Musik und Gesang&lt;br /&gt;
|Atmung&lt;br /&gt;
Katabole Stoffwechselvorgänge&lt;br /&gt;
Heterostase&lt;br /&gt;
Differenzierung&lt;br /&gt;
Proportionen&lt;br /&gt;
|Muskeltonus&lt;br /&gt;
(Anspannung und Lösung)&lt;br /&gt;
Lufthaushalt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;Ätherleib&#039;&#039;&#039;Wasserorganismus &lt;br /&gt;
Hydrodynamischer&lt;br /&gt;
Gesetzeszusammenhang&lt;br /&gt;
|Auftrieb&lt;br /&gt;
Schwerelosigkeit Zeitprozesse&lt;br /&gt;
plastisches Gestalten&lt;br /&gt;
|Anabole Stoffwechselvorgänge&lt;br /&gt;
Synthese&lt;br /&gt;
Homöostase&lt;br /&gt;
Proliferation&lt;br /&gt;
|Turgor&lt;br /&gt;
Wasserhaushalt&lt;br /&gt;
Inkarnat&lt;br /&gt;
Hautdurchblutung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;Physischer Leib&#039;&#039;&#039;Feste Organisation&lt;br /&gt;
Gravitation&lt;br /&gt;
Gesetzeszusammenhänge der Festkörperphysik und Mechanik&lt;br /&gt;
|Egoität&lt;br /&gt;
Schwerpunkt erleben architektonisches Gestalten&lt;br /&gt;
|Ablagerungsprozesse&lt;br /&gt;
Strukturierungsprozesse&lt;br /&gt;
Form-Zusammenhalt&lt;br /&gt;
|Dichte&lt;br /&gt;
Gewicht&lt;br /&gt;
Laborparameter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tab. 1.1 Diagnostische Parameter im Funktionsbereich der Wesensglieder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FORSCHUNG UND WEITERENTWICKLUNG IN DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;In welche Richtungen wird in der Anthroposophischen Medizin geforscht?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Möglichkeiten der Evaluation gibt es?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Forschung und Evaluation&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aufgrund ihres natur- und geisteswissenschaftlichen Menschenbildes hat die anthroposophisch-medizinische Forschung zwei Arbeitsrichtungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Eine, die sich den derzeit vorgegebenen akademischen Standards anpasst und Unbedenklichkeit und &#039;&#039;&#039;Wirksamkeit anthroposophischer Arzneimittel&#039;&#039;&#039; untersucht. &lt;br /&gt;
# Und eine andere, die nach den &#039;&#039;&#039;geistigen Ursachen von Krankheit&#039;&#039;&#039; und den &#039;&#039;&#039;heilenden Möglichkeiten der Natur&#039;&#039;&#039; mit ihren Substanzen und Prozessen fragt. &lt;br /&gt;
# Zu jeder seriösen Forschung gehören auch effektive &#039;&#039;&#039;Möglichkeiten der Evaluation&#039;&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophische Medizin ist nicht nur historisch jung, sondern auch in ständiger Weiterentwicklung begriffen. Ihre weltweiten Arbeitszusammenhänge in Forschung, Ausbildung und Praxis werden in der Medizinischen Sektion am Goetheanum in der Schweiz koordiniert.[1] Dort findet sich auch eine Übersicht über die aktuelle Literatur, die Forschungsinstitute und Kliniken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ad 1. Studiendesigns für anthroposophische Arzneimittel ====&lt;br /&gt;
Gegenwärtig wird an Studiendesigns gearbeitet, die der Herkunft, Herstellung und Anwendung anthroposophischer Arzneimittel gerecht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Freiburger Arzt und Wissenschaftler &#039;&#039;Helmut Kiene&#039;&#039; ist die im Juli 2000 erschienene komplementäre Methodenlehre der klinischen Forschung zu verdanken, in der er eine Cognition-based Medicine der Evidence-based Medicine gegenüberstellt.[2] Diese Methodenlehre erstreckt sich auf folgende Evidenzbereiche:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wirksamkeitsnachweis&lt;br /&gt;
* Effektivitätsbeurteilung&lt;br /&gt;
* Therapievergleich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im „Freiburger Institut für angewandte Erkenntnistheorie und medizinische Methodologie“ wird derzeit an den praktischen Konsequenzen für ein neues Studiendesign gearbeitet, das sich auf hohem akademischem Niveau auf die individuelle Einzelfallanalyse stützt. Der Arbeit des Instituts entstammt auch die im Jahre 2003 erschienene umfassende Monographie zur Mistel in der Onkologie.[3] Mit diesem Buch liegt erstmals ein Werk vor, das den Stand der Forschung in Bezug auf die Misteltherapie bei onkologischen Erkrankungen für Mediziner, Wissenschaft­ler und Allgemeininteressierte verfügbar macht. Es leistet damit einen Beitrag zur wissenschaftlichen Diskussion wichtiger medizinischer Grundsatzthemen, aber auch zum Dialog der Denkstile. Es ist ein Beispiel einer gelungenen Synthese von naturwissenschaftlichem und geisteswissenschaftlichem Ansatz auf der Höhe der derzeit gültigen akademischen Standards.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ad 2. Grundlagenforschung zu Krankheit und Heilung ====&lt;br /&gt;
Die Grundlagenforschung befasst sich mit der Erarbeitung von Korrespondenzen zwischen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;&#039;Wesensgliedertätigkeit&#039;&#039;&#039; im Menschen,&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;&#039;Krankheitssymptomatik&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* bestimmten &#039;&#039;&#039;Prozessen in der Natur&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* und der &#039;&#039;&#039;Wirkung von Substanzen&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht darum, Naturprozesse aufzufinden und zu beschreiben, die für den jeweiligen Krankheitsfall die Selbstheilung anregen, einseitigen Funktionen entgegenwirken oder zu schwache Funktionen unterstützen können. Je genauer das therapeutische Ziel aufgrund der Erforschung des evolutiven Zusammenhanges von Mensch und Natur festgelegt werden kann, umso sicherer tritt in der Regel auch die erwünschte Wirkung beim Patienten ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Arzneimittelschatz der heute verfügbaren Anthroposophika entstammt der Zusammenarbeit von Ärzten, Pharmazeuten und Herstellern. Seit vielen Jahren fassen Anthroposophische Ärztinnen und Ärzte ihre Erfahrungen und Erkenntnisse zum Einsatz der Anthroposophischen Arzneimittel in einem Vademecum zusammen, das Fachkreisen zugänglich ist und ständig erweitert wird. Ideen zur Heilmittelfindung entstehen jeweils anhand konkreter Fragestellungen zum Patienten bzw. zu seiner Krankheitssituation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Ausgangsstoffe für die Arzneimittelherstellung mit Bezug auf Sicherheit und Unbedenklichkeit in der Regel schon bekannt sind, ist präklinische Forschung im Sinne von In-vitro- oder Tierversuchen nicht nötig. Wenn neue, noch nicht monographierte Naturstoffe Verwendung finden, unterliegen sie selbstverständlich dem allgemein üblichen Prozedere zur Feststellung von Wirksamkeit und Unbedenklichkeit der entsprechenden Substanz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von einem anthroposophischen Arzneimittel wird erwartet, dass es körperliche oder seelische Beschwerden mildern oder verschwinden lassen bzw. eine Krankheit verzögern, heilen oder womöglich auch verhindern kann. Da sich diese Art der Heilmittelfindung und -anwendung in der Regel am individuellen Patienten orientiert, sind Forschungs- und Evaluationsmethoden erforderlich, die diesem Umstand Rechnung tragen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ad 3. Projekte zur Evaluation der Anthroposophischen Medizin ====&lt;br /&gt;
Im Berliner Forschungsinstitut am Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe wurde mit einem Projekt zur Evaluation Anthroposophischer Medizin begonnen – dem EvaMed-Projekt. Ziel ist die Schaffung einer wissenschaftlich fundierten Datenbasis als Grundlage für den Nachweis zur Unbedenklichkeit und Wirksamkeit von Anthroposophika. Mittels informationstechnologisch gestützter Netzwerke wird Outcome- und Versorgungsforschung innerhalb der Anthroposophischen Medizin betrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der medizinischen Fakultät der Universität Witten-Herdecke wurde 2003 der Stiftungslehrstuhl für Medizintheorie und Komplementärmedizin unter &#039;&#039;Prof. Dr. Peter Matthiessen&#039;&#039; eingerichtet, zu dessen Aufgaben neben Forschung und Lehre auch die Implementierung eines Begleitstudienganges für Anthroposophische Medizin gehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Bern/Schweiz wurde bereits 1994 die „Kollegiale Instanz für Komplementärmedizin“ (KIKOM) eingerichtet und der Schweizer Arzt &#039;&#039;Dr. med. Peter Heusser&#039;&#039; mit der Dozentur für Anthroposophische Medizin beauftragt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Siehe unter: www.medsektion-goetheanum.org&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Helmut Kiene, &#039;&#039;Komplementäre Methodenlehre der klinischen Forschung: Cognition-based Medicine,&#039;&#039; Heidelberg – Berlin 2001.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Gunver S. Kienle/ Helmut Kiene, &#039;&#039;Mistel in der Onkologie: Fakten und konzeptionelle Grundlagen&#039;&#039;, Schattauer 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== AKTUALITÄT DER FORSCHUNGEN RUDOLF STEINERS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche von Rudolf Steiner vorausgesehenen Entwicklungen in der Medizin sind inzwischen Stand der Wissenschaft?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Von Steiner vorausgesehene medizinische Entwicklungen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Bezug auf die Medizin kann man feststellen, dass viele Aussagen in Bezug auf zukünftige medizinische Entwicklungen und Ergebnisse, die Rudolf Steiner vorausgesehen hat, mit denen er ganz selbstverständlich umging, wenn er über Medizin sprach, heute zum Allgemeingut der Wissenschaft gehören. Ich möchte im Folgenden zu jeder Ebene der menschlichen Konstitution Beispiele nennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Erbgut und Immunsystem – physische Ebene ====&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner sprach vor Heilpädagogen, Lehrern, Ärzten davon, dass das sich inkarnierende Kind selbst mit der Auswahl von Vater und Mutter und dem damit verbundenen Erbgut zu tun hat, und dass die sich inkarnierende Individualität selbst daran beteiligt ist, das Erbgut möglichst so zu mischen, wie es zu ihrem Inkarnationswillen passt. Er sagte auch, dass die sogenannten Kinderkrankheiten und fieberhaften Infekte, die während der ersten 8 – 9 Lebensjahre normalerweise gehäuft auftreten, der Individualität die Möglichkeit geben, den ererbten Leib sukzessive umzugestalten und an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genau diese Zusammenhänge wurden in den letzten Jahren im Rahmen der Epigenetik erforscht. Kein wissenschaftlich gebildeter Mensch glaubt mehr, dass das Erbgut ein geschlossenes System ist, das eine Marschroute vorgibt. Das Erbgut ist ein offenes System, das durch individuelle spirituelle Arbeit beeinflusst werden kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das führt heute zu völlig neuen Forschungsfragen auf dem Gebiet der &#039;&#039;„Mind-Body-Medicine“&#039;&#039;. Man erforscht dort die Wirkung von Medikation auf die neuronalen Verschaltungen, auf den Kreislauf usw. und merkt, dass die Medikation auch immunstimulierend wirkt, bzw. dass das Immunsystem dadurch verändert wird. Das Immunsystem wiederum ist das Schlüsselsystem, welches das Erbgut aktiviert und dafür sorgt, dass bestimmte Gene blockiert werden und nicht mehr funktionieren bzw. neue gezündet werden und anfangen zu funktionieren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir brauchen beide Ansätze, wenn wir eine wirklich humane menschliche Medizin schaffen wollen: Die Naturwissenschaft allein reicht nicht. Erst ergänzt um Erkenntnisse aus der Geisteswissenschaft wird Medizin wirklich menschengerecht. Denn es dauert viel zu lange, wenn erst jahrelang Nachweise von der Schädlichkeit einer Maßnahme erbracht werden müssen, bevor diese verboten wird, wie es der naturwissenschaftlichen Methodik entspricht. Dann kommt das Gute immer zu spät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Rudolf Steiners Forschungsmethode der Verifizierung&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Die Geisteswissenschaft macht methodisch das Umgekehrte. Sie macht aufgrund tiefer gehender Einblicke und Kenntnisse der menschlichen Konstitution Angaben über zu erwartende Ergebnisse einer Maßnahme. Man ist als Arzt und Therapeut immer frei, sich für das, was man für das Richtige hält, zu entscheiden. Das bedeutet, dass man für gut und richtig erkannte Maßnahmen und Methoden anwendet, auf diesem Wege verifiziert und anschließend dokumentiert, wie der Gedanke zum Tun und letztlich zu einem guten Ergebnis führte, wobei auftauchende Probleme reflektiert werden. Man erklärt z.B. genau, warum man eine Hypothese etwas modifizierte, um das gewünschte gute Ergebnis zu erzielen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das war die von Rudolf Steiner praktizierte Forschungsmethode: Aus profunder Menschenkenntnis und physiologischem Verständnis heraus eine Hypothese zu bilden und anschließend in der Praxis zu verifizieren, ob der hypothetisch angenommene Erfolg tatsächlich eintritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diesem Wege wurde in der anthroposophischen Medizin ein System für individuelle Einzelfalldokumentation auf hohem akademischem Niveau erarbeitet.[1] Es ist extrem viel Arbeit, diese Zusammenhänge so nachzuweisen, dass sie vor dem empirisch orientierten Denken der heutigen Zeit Bestand haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Rhythmusforschung – ätherische Ebene ====&lt;br /&gt;
Ein ähnlich begeisterndes Feld ist die Rhythmusforschung auf der ätherischen Ebene. Rudolf Steiner wurde nicht müde zu sagen: &#039;&#039;„Rhythmus trägt Leben“&#039;&#039;.[2] Beachtet und pflegt die Rhythmen – im meditativen Leben, in der Pädagogik, in der Medizin – und bedenkt, wann man was wie machen sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jedes Wesensglied hat seinen eigenen Rhythmus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039; folgt dem &#039;&#039;&#039;24-Stunden-Rhythmus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;Astralleib&#039;&#039; dem &#039;&#039;&#039;Wochenrhythmus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;Ätherleib&#039;&#039; dem &#039;&#039;&#039;Monatsrhythmus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;physische Leib&#039;&#039; dem &#039;&#039;&#039;Jahresrhythmus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir diese Rhythmen in unserem Lebensalltag beachten, verfügen wir über robuste Gesundheit – das ist heute alles durch die moderne Rhythmusforschung bestätigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Bindungs- und Beziehungsforschung – astrale Ebene ====&lt;br /&gt;
Auf seelischem Gebiet ist die Bindungs- und Beziehungsforschung angesiedelt. Heute ist klar nachgewiesen, was Rudolf Steiner immer wieder im paracelsischen Sinne betonte: dass die einzig wahre Arznei die Liebe ist. Was in der Arzt-Patienten-Beziehung als professionelle Liebe, als Hingabe an den Patienten wirkt, entspricht der Liebesqualität, die auch Lehrer- und Schülerseelen verbindet. Die Frage Steiners – &#039;&#039;„Kinder, habt ihr eure Lehrer lieb?“&#039;&#039; – war keine rhetorische Frage. Steiner scheute nicht davor zurück, ein Kind in die Parallelklasse zu schicken, wenn es seinen Lehrer nicht lieben konnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das findet in der heutigen Bindungsforschung seine Bestätigung: Eine Beziehung wirkt gesundend,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* wenn sie &#039;&#039;&#039;ehrlich&#039;&#039;&#039; ist, &lt;br /&gt;
* wenn sie von &#039;&#039;&#039;liebvollem Interesse für den anderen&#039;&#039;&#039; geprägt ist,&lt;br /&gt;
* wenn sie von &#039;&#039;&#039;Respekt vor der Autonomie des anderen&#039;&#039;&#039; getragen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind die drei christlichen Grundwerte – Wahrheit, Liebe, Freiheit – von denen wir in der Esoterik nicht müde werden zu sprechen. Alle esoterischen Übungen dienen der Entwicklung dieser Art von Menschlichkeit: dass es wahrhaftiger, liebvoller, freilassender, respektvoller wird im sozialen Miteinander. Dass das gegenseitige Verstehen gefördert wird, das Erwachen aneinander, das zum Verständnis führt. Nichts anderes wird helfen angesichts der Not und des Elends auf der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Traumatherapie – geistige Ebene ====&lt;br /&gt;
Auch auf geistigem Felde gibt es spannende Erkenntnisse. Es gibt heute sehr viele Verfahren, insbesondere auf dem Gebiet der Traumatherapie, die erkannt haben, dass ein schweres Trauma, ein schwerer Angriff auf Leib und Seele, nur als Initiation aufgefasst sinnstiftend verarbeitet werden kann. Es gibt keinen anderen Weg, der wirklich greift. Man kann gewisse Symptome zwar mit psychisch wirksamen Drogen dämpfen. Das ist aber keine Heilung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein schweres Trauma zu verarbeiten, ist ein langwieriger Prozess. Der erste Schritt besteht darin, das Trauma als Schwellenerlebnis in Bezug auf die geistige Welt zu erkennen. In der Folge gilt es dieses Erlebnis fruchtbar zu machen, indem man die Kräfte durchschauen lernt, die einen bedrücken und sie als luziferische und ahrimanische Gewalten unterscheiden lernt. Das gelingt erst vollends, wenn man auch die guten menschlichen Kräfte aufzufinden vermag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich möchte an dieser Stelle eine schlichte Herzmeditation vorlesen. In Rudolf Steiners Notizbuch stehen undatiert folgende Worte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich denke an mein Herz.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Es belebet mich.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Es erwärmet mich.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich vertraue fest auf das ewige Selbst,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;das in mir wirket,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;das mich trägt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Tragekraft an der Schwelle zu erkennen, ist für die eigene Identitätsfindung unerlässlich: dass man in sich die Instanz aufspürt, die angesichts der Vergänglichkeit und Zerbrechlichkeit des Leibes, unvergänglich und unzerbrechlich ist und einen über alle Abgründe des Lebens hinwegträgt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Initiationsweg ist für die anthroposophische Psychotherapie etwas Selbstverständliches. Wir können gar nicht über Entwicklung sprechen, wenn wir uns nicht auch mit all den Mühen auseinandersetzen, die der Entwicklung entgegenstehen. Deswegen fordert Rudolf Steiner in seinem Buch &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; im 1. Kapitel,[3] dass wir zwei Bücher studieren: Wenn wir das ernst nehmen, dürften wir gar nicht weiterlesen, ohne diese beiden Bücher studiert zu haben. Das eine ist &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der Höheren Welten?“,[4]&#039;&#039; das andere die &#039;&#039;„Geheimwissenschaft im Umriss“[5]&#039;&#039; – die Weltentwicklung und der Mensch. Ohne ein Wissen über die dort geschilderten Zusammenhänge und Entwicklungszyklen ist Anthroposophische Medizin nicht vollständig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man also bei uns in die Werkstatt blickt, sieht es sehr tätig und sehr optimistisch aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag auf der Welterziehertagung, Dornach 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Im „Freiburger Institut für angewandte Erkenntnistheorie und medizinische Methodologie“ wird derzeit an den praktischen Konsequenzen für ein neues Studiendesign gearbeitet, das sich auf hohem akademischem Niveau auf die individuelle Einzelfallanalyse stützt. Diese Methode wird in dem Werk von Helmut Keine beschrieben, &#039;&#039;Komplementäre Methodenlehre der klinischen Forschung: Cognition-based Medicine,&#039;&#039; Heidelberg – Berlin 2001.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://www.drhauschka.de/kosmos/werte/im-rhythmus/&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst.&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?&#039;&#039; GA 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Geheimwissenschaft im Umriss.&#039;&#039; GA 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== HEILSAMES ZUSAMMENSPIEL VON THERAPEUT UND PATIENT ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie geht man mit leidenden Patienten angemessen um?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie muss die eigene Seelenstimmung sein, dass sie den anderen da abholt, wo er ist?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielt der Patient bei seiner Heilung?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Professioneller Umgang mit dem Leiden anderer&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dem Leiden eines anderen Menschen in der richtigen Haltung zu begegnen, erfordert Fingerspitzengefühl und Professionalität. Wenn jemand z.B. deprimiert ist, helfen Sie ihm nicht, wenn Sie sagen: &#039;&#039;„Mir ging es auch schon einmal schlecht oder jetzt tun wir Ihnen hiermit etwas Gutes – Sie werden schon sehen, dass Sie sich dann wieder besser fühlen.“&#039;&#039; Ihm aus der eigenen Gesundheit heraus gut zuzureden ist laienhaft und wäre die falsche Herangehensweise. Das machen bereits die Nachbarn und Freunde – es wird endlos auf ihn eingeredet und am Ende geht es ihm nur noch schlechter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jemand, der deprimiert ist, muss dort abgeholt werden, wo er steht – das muss auch ein guter Psychotherapeut lernen. D.h. man muss den Betreffenden zunächst in seinem Leid bestätigen und Mitgefühl zeigen. Dann fühlt er sich ernst genommen und kann sich entspannen. Wenn jemand nicht reden will, wenn er nur ernst schaut, sollte man ruhig und sachlich mit ihm umgehen. Man darf schon ein feines Lächeln zeigen, aber kein provozierend aufmunterndes Verhalten an den Tag legen. Das wäre schon viel zu viel. Vor allem sollte man wach und präsent sein, sodass der andere spürt, man ist für ihn oder sie da. Das tut jedem gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Seele als Wahrnehmungsorgan für den anderen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner forderte in Bezug auf die Pflege – und eine therapeutische Anwendung ist auch eine pflegerische Maßnahme – dass die pflegenden Fachleute die Launen des Patienten studieren. Das bedeutet nun nicht, dass man sich über ihn erhebt und ihn nicht ernst nimmt, dass man sich als der große Analyst aufspielt und sein „schlechtes Benehmen“ verurteilt. Das ist alles nicht gemeint. Es geht vielmehr um ein hoch differenziertes, professionelles, seelisches Wahrnehmungsvermögen und um die Fähigkeit, sich so anzupassen an die Zustände eines anderen, dass man in der Lage ist, Seelenstimmung des Anderen in wahrzunehmen. Um das zu können, muss ich meine eigene Seele zum Wahrnehmungsorgan machen für den anderen – was ich nur kann, wenn ich die menschlichen Seelenzustände gut kenne. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der &#039;&#039;Theosophie&#039;&#039;[1], einem sehr empfehlenswerten Buch für Anfänger in der Anthroposophie, sagt Rudolf Steiner, man könne lernen, seine Sympathien und Antipathien zu einem Wahrnehmungsorgan umzubilden für die Seelenstimmungen eines anderen Menschen. Wenn mir also ein Verhalten unsympathisch ist und ich Antipathie empfinde, erfahre ich dadurch ganz objektiv etwas über mich &#039;&#039;und&#039;&#039; den anderen. Antipathie ist nicht zum Ärgern da – sie soll der Wahrnehmung und dem Erkennen dienen. Das Gleiche gilt für die Sympathie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entwicklungsgedanke macht Mut&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Als ich noch Medizinstudentin war, kurz vor meiner Promotion, machte ich ein Praktikum auf einer Rheumastation. Ich hatte dort mit einer älteren Frau zu tun, Mitte 60, um die ich mich als junge, unerfahrene Medizinerin enorm bemüht hatte, so wie man das als junger Mensch macht. Ich habe die Frau noch heute vor mir – denn die ersten Patienten vergisst man sein Leben lang nicht. Sie sagte plötzlich: &#039;&#039;„Ich weiß überhaupt nicht, warum Sie sich mit mir solche Mühe geben. Das lohnt sich doch alles gar nicht mehr.“&#039;&#039; Ich erschrak und wusste in dem Moment nicht, wie ich darauf reagieren sollte. Diesen Schreck hat sie natürlich auch wahrgenommen. Ich konnte nur sagen: &#039;&#039;„Sie machen mich sprachlos. Ich weiß nicht, was ich Ihnen antworten soll.“&#039;&#039; Nach einer Weile fielen mir ein paar wichtige anthroposophische Argumente ein: dass jeder Tag in der Entwicklung zählt und dass doch auch ein gesunder Mensch nicht weiß, ob er am nächsten Tag noch lebt oder einen Autounfall erleidet usw.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lebensmüdigkeit ist ein Zeichen dafür, dass jemand den Entwicklungsgedanken noch nicht kennenlernen durfte, dass ihm dieses kostbarste Geheimnis noch verschlossen ist. Dann sollte man sich Zeit nehmen, egal welches Alter der Betreffende hat, und ihm oder ihr den Entwicklungsgedanken nahebringen. Die schönsten Gelegenheiten dazu ergeben sich noch kurz vor dem Tod. Ein tiefes Verständnis für Entwicklung kann dazu beitragen, dass jemand mit dem festen Willen über die Schwelle geht, es im nächsten Leben von vornherein anders anzugehen, die Zeit für Entwicklung zu nützen, aus dem Wissen heraus, wozu sie dient und wohin die Reise geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ganzheitlicher Blick auf den Menschen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Therapeutische Anwendungen wirken völlig anders, wenn ein Patient aktiv mitarbeitet, wenn er das Gefühl hat, dass jeder Tag zählt und sich die Qualität seines restlichen Lebens dadurch verbessern kann und er in der Zeit, die ihm bleibt, vielleicht doch noch das eine oder andere tun, denken oder erleben kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn auch bei der sogenannten Physiotherapie, bei der es primär um den physischen Leib zu gehen scheint, darf man die anderen Ebenen und Aspekte nicht vergessen bzw. außer Acht lassen. Auch sie beeinflussen das Körpergeschehen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die Lebenskräfte &lt;br /&gt;
* die seelische Integrität&lt;br /&gt;
* die geistige Identität&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* das Entwicklungspotential&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wichtigste ist der letzte Aspekt: den Menschen als in Entwicklung begriffenes Wesen zu sehen, das an die Vergangenheit angeschlossen und auf die Zukunft hin ausgerichtet ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne das Wissen des Therapeuten um diese Ganzheit können Anwendungen nicht wirklich gut wirken. Andererseits können sie eine enorme Verstärkung erfahren, wenn der Therapeut die anthroposophische Seelenkunde kennt und auch die Bereitschaft aufbringt, sich selbst auf professionelle Weise seelisch und geistig weiterzuentwickeln. Dann wird sich der ganzheitliche Blick auf den Menschen dem Patienten atmosphärisch mitteilen und die Heilung begünstigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag anlässlich des Jubiläums des 100. Geburtstags von Werner Junge, Okt. 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Theosophie&#039;&#039;, GA 9.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE FÜNF EBENEN DES MENSCHSEINS IM MEDIZINISCHEN SYSTEM ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Ebenen des Menschseins gibt es?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welches medizinische System setzt auf welcher Ebene an?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verschiedene medizinische Systeme&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wir Menschen sind komplexe Wesen, die auf unterschiedlichen Ebenen angesprochen werden können. Jedes medizinische System setzt auf einer oder mehreren dieser Ebenen an. Im Folgenden möchte ich die einzelnen Systeme kurz umreißen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;&#039;Homöopathie&#039;&#039;&#039; ist eine alternativmedizinische Behandlungsmethode, die auf den ab 1796 veröffentlichten Vorstellungen des deutschen Arztes Samuel Hahnemann beruht. Die wichtigste Grundannahme ist das Ähnlichkeitsprinzip: &#039;&#039;„Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden“ (similia similibus curentur)&#039;&#039;. Danach solle ein homöopathisches Arzneimittel so ausgewählt werden, dass die Inhaltsstoffe der Grundsubstanz unverdünnt an Gesunden ähnliche Krankheitserscheinungen (Symptome) hervorrufen könnten wie die, an denen der Kranke leidet, wobei auch der „gemüthliche und geistige Charakter“ des Patienten berücksichtigt werden solle (vgl. wikipedia).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter &#039;&#039;&#039;Spagyrik&#039;&#039;&#039; (aus dem Griechischen spao „(heraus)ziehen, trennen“ und ageiro „vereinigen, zusammenführen“) werden verschiedene Heilsysteme zusammengefasst. Das therapeutische Ziel ist die positive Beeinflussung der „Lebenskraft“ und damit die Aktivierung der Selbstheilungskräfte. Grundlage bilden die antike Naturphilosophie (z.B. die „Elementenlehre“), die Signaturenlehre und die Humoralpathologie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit &#039;&#039;&#039;Psychosomatik&#039;&#039;&#039; wird in der Medizin die Betrachtungsweise und Lehre bezeichnet, in der die psychischen Fähigkeiten und Reaktionsweisen von Menschen in Gesundheit und Krankheit in ihrer Eigenart und Verflechtung mit körperlichen Vorgängen und sozialen Lebensbedingungen in Betracht gezogen werden. Ihre Erforschung und Umsetzung in der Krankenbehandlung erfolgt in der Psychosomatischen Medizin (vgl. wikipedia).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Psychotherapie&#039;&#039;&#039; wurde früher die Lehre von der Heilung der erkrankten Seele genannt, um sie von einer Psychologie als Lehre von der gesunden Seele und einer Psychiatrie als Lehre von der erkrankten Seele abzugrenzen. Heute wird die psychotherapeutische Behandlung bzw. Heilung im Zusammenhang mit Körper und Seele eines ganzheitlich gesehenen Menschen verstanden und erklärt. Davon zu unterscheiden ist die beratende Psychologie, die sich mit allgemeinen Problemen der Lebensführung befasst (vgl. wikipedia).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit &#039;&#039;&#039;Körpertherapie&#039;&#039;&#039; werden Behandlungsmethoden zur Verbesserung von Körperhaltung, Bewegungsabläufen sowie zur direkten oder indirekten Unterstützung von Körperfunktionen bezeichnet. Je nach Methode werden spezielle manuelle Techniken, Massagearten, Bäder bzw. Anleitungen zur Schulung von Haltungen und Bewegungen angewendet. Fast alle Körpertherapiemethoden betonen die Bedeutung psychosomatischer Wechselwirkungen und gehen davon aus, dass die Körpertherapie positive psychische Veränderungen bewirkt (vgl. wikipedia).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Integrativer Ansatz der Anthroposophischen Medizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin versucht alle gemeinsam in den Blick zu nehmen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Physische Eben&lt;br /&gt;
# Ätherische Ebene&lt;br /&gt;
# Astrale Ebene&lt;br /&gt;
# Identitäts-, Ich-Organisations-Ebene&lt;br /&gt;
# Geistige Orientierung, Weltanschauung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Physische Ebene und Medizin ====&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;Schulmedizin&#039;&#039; baut ganz auf der Erkenntnis des Physischen auf. Kliniken werden entsprechend zunehmend zu Technik-Zentren. Dass der Mensch sich dabei oft nicht menschlich behandelt fühlt, zeigt deutlich, dass das nicht genügt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ätherische Ebene und Medizin ====&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;Homöopathie&#039;&#039; und &#039;&#039;Spagyrik&#039;&#039; z.B. weiß man, dass alles Leben prozessual verläuft, dass alle Substanzen aus Prozessen hervorgehen und dass alle Wirksamkeit zeitabhängig ist, im Guten wie im Schlechten. Daraus ergeben sich viele weitere Therapieverfahren, die prozessorientiert sind, sich auch mit den Lebensgewohnheiten und -rhythmen befassen und mit dem Geheimnis von Entwicklung im therapeutischen Prozess arbeiten. Wenn man lernt sein Leben den Ätherkräften oder Lebenskräften gemäß zu gestalten, wird sich das gesundend auswirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Astrale Ebene und Medizin ====&lt;br /&gt;
Auf der Gefühlsebene geht es um unsere ungemein verwundbare Seele mit ihrer Gefühlswelt, deren Wirkung auf den Körper nicht unterschätzt werden darf. Hier setzen die &#039;&#039;Psychosomatik,&#039;&#039; alle &#039;&#039;Psychotherapieverfahren&#039;&#039; sowie auch diverse &#039;&#039;Körpertherapien&#039;&#039; an. Die Anthroposophische Medizin stellt sich die zentrale Frage:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie können wir einen Kranken, der leidet, so begleiten, dass er sich trotzdem als Teil einer wohlwollenden Schöpfung und damit als ein wichtiger Teil des Ganzen fühlt?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manchmal ist das Gefühlsleben so erstarrt und verkapselt, dass man es nicht mehr über Worte oder über ein Medikament erreichen kann. Wenn man so jemandem dann ein warmes Bad bereitet – wobei es auf genau die richtige Temperatur ankommt – und dieses Bad Düfte verströmt, die der Betreffende noch nie so richtig wahrgenommen hat, können der starke Wärmereiz, der Duft, die menschliche Nähe dazu führen, dass sich dieser Mensch im eigenen Körper wieder wohl und angenommen fühlt. Das ist nicht zu unterschätzen. Auch die Umgebung, in der das Bad stattfindet, ist entscheidend: Ob es dort nur öde, kalte Fliesen gibt oder ob die Wände angenehme Farben haben, ob dort ein Bild hängt usw. Man kann auch in der Sterbebegleitung Bäder miteinbeziehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Identität und Medizin ====&lt;br /&gt;
Das gilt auch für das Identitätserleben: Es hängt von der &#039;&#039;Art der Ansprache und Ausrichtung der Therapie&#039;&#039; auf die Bedürfnisse eines Patienten ab, ob er sich als Mensch, als Individualität, wahrgenommen fühlt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Weltanschauung und Medizin ====&lt;br /&gt;
Essentiell für die Gesundung ist aber auch eine &#039;&#039;geistige Ausrichtung bzw. Lebensanschauun&#039;&#039;g, die die Möglichkeit der Entwicklung impliziert. Viele Weltanschauungen heute sind so, dass sie von einem perfekten Selbstbild ausgehen, also von einem fertigen Ergebnis: Man will rasch mit der Ausbildung fertig sein, damit man mit möglichst wenig Aufwand viel Geld verdienen und daneben noch Spaß am Leben haben kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine menschengemäße Weltanschauung dagegen impliziert, dass man sich auf allen Ebenen, egal ob beruflich oder privat, nach demselben Entwicklungsziel ausrichtet. Die Arbeitszeit wird genauso als Entwicklungszeit gesehen wie die private Zeit: Alles ist Lebenszeit, ist Entwicklungszeit, bildet zusammen die eigene Biographie. Um das so sehen und wertschätzen zu können, braucht man eine entwicklungsorientierte Weltanschauung, die einem hilft, die unterschiedlichen Bereiche und Aspekte so zu verbinden, dass man jeden Augenblick zur Entwicklung nützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag anlässlich des Jubiläums des 100. Geburtstags von Werner Junge, Okt. 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FÜNF QUELLEN FÜR KRÄNKUNG UND HEILUNG ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen Zusammenhang gibt es zwischen kränkenden und heilenden Einflüssen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wie Kränkung und Heilung zusammenhängen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ich möchte als Ärztin den Zusammenhang zwischen heilenden, therapeutischen Impulsen und Krankheitsimpulsen erläutern – sie stammen beide aus denselben fünf Quellen, die uns unser Leben lang beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Quelle auf dem physischen Plan – Karma-Impuls ====&lt;br /&gt;
Dazu gehört alles, was uns Menschen auf dem physischen Plan begegnet und zustößt: Unendlich viel Kränkendes wirkt von Kind an von außen aus der Umwelt auf uns ein, nicht nur in ökologischer, sondern auch in beruflicher und privater Hinsicht, was oft besonders quälend ist. Das heißt, aus der uns umgebenden Umwelt treffen uns unser Leben lang zahlreiche negative Attacken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann jedoch durch eine bewusste Gestaltung der schicksalhaften äußeren Umstände, z.B. indem man gut überlegt, wie, wann und wo man sich auf Begegnungen einlässt, Kränkungen minimieren. Und man kann Kräfte im Inneren aufrufen, um mit solchen Kränkungen von außen besser zurechtzukommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Quelle auf dem ätherischen Plan – Gralsimpuls ====&lt;br /&gt;
Auf dieser Ebene können Gewohnheiten kränkend wirken sowie alles Hässliche, das uns über die Sinne und über unser Denken begegnet, alles, was mit Rhythmen zu tun hat, denen wir folgen oder nicht folgen. Dazu gehören auch unsere Charaktereigenschaften, denen wir mehr oder weniger ausgeliefert sind, mit denen wir mehr oder weniger ringen. Dazu gehört aber auch alles, was die Zeitgestalt unserer Biografie ausmacht: der Tagesablauf, die zeitliche Gestaltung der Woche, des Monats und des Jahres.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir unser Leben den Ätherkräften oder Lebenskräften gemäß gestalten lernen, wird sich das gesundend auf uns auswirken, dann kann aus dieser Quelle Gesundheit geschöpft werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Quelle auf dem astralen Plan – Sophia-Impuls ====&lt;br /&gt;
Hier sind seelische Beziehungen oft die Ursache für Kränkungen, besonders wenn sie sich auf der Gefühlsebene abspielen. Gefühle sind laut Rudolf Steiner Vorboten von Gesundungs- bzw. Kränkungstendenzen. Zu den Jungmedizinern[1] sagte er, der Arzt der Zukunft wäre in der Lage, den Gesundheitszustand seiner Patienten durch eine feine Beobachtung ihres Gefühlslebens zu diagnostizieren. Er würde ihre Gefühle anschauen und Gesundheits- und Krankheitsdispositionen benennen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Mensch weiß aus der Beobachtung seiner selbst und anderer, dass er krankheitsgefährdet ist, wenn er Mühe hat, seine Gefühle so auszubalancieren, wie er es normalerweise vermag. Wenn Kinder schlecht gelaunt sind, ist das für die Mutter meist ein deutliches Zeichen, dass sie etwas „ausbrüten“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Schwierige Gefühlskontrolle&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Wenn man anfängt sich zu schulen, z.B. indem man mit &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“&#039;&#039;[2] zu arbeiten beginnt, merkt man, wie ungehobelt und unerzogen das eigene Gefühlsleben noch ist. Mit dem Denken und dem Wollen zu arbeiten, ist relativ leicht. Das Gefühlsleben ist am schwersten zugänglich, weswegen bei den Nebenübungen die Gefühle erst an dritter Stelle genannt werden: Zuerst wird die Gedankenkontrolle geübt, dann die Willens- und Handlungskontrolle und erst als Drittes, Letztes, Schwierigstes im Seelenleben die Gefühlskontrolle. Man muss im Denken und Wollen quasi bereits Tritt gefasst haben, bevor man sich an diese sensible Mitte wagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Quelle auf der Ich-Ebene – Michael-Impuls ====&lt;br /&gt;
Mit der Ebene des Wortes sind wir beim Kern, beim Ich-Impuls, dem Michael-Impuls, angelangt. Man hat den Eindruck, diese Inspirationsquelle für Gesundheit und Krankheit war Rudolf Steiner besonders nahe. Sie betrifft ja die Ich-Ebene, auf der wir uns alle selbst am nächsten sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wirkt das Ich nun kränkend?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann es heilend wirken?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Paracelsus[3] nennt das Ich den „Indwendig-Arzt“. Für Albert Steffen[4] war offensichtlich: Das niedere Selbst kränkt, das Höhere Selbst heilt. So versuchte er auch in seinen Dramen das Niederste, aus dem heraus seine Figuren handelten und Verbrechen begingen, immer wieder in Zwiesprache zu bringen mit dem Hohen, dessen verzerrtes Abbild das Niedere ist, sodass die tiefe Selbstkränkung, wenn die niedere Natur siegt, durch das heilsame Einwirken des höheren Menschen ausgeglichen werden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Quelle auf dem menschheitlichen Plan – Christusimpuls ====&lt;br /&gt;
Die fünfte Quelle der Kränkung, die menschheitliche Situation im Sozialen, in der wir uns heute alle befinden, hat mit den rasanten Veränderungen der heutigen Zeit zu tun. Wenn man Menschen fragt, was sie am meisten kränkt oder womit sie am wenigsten zurechtkommen, sagen die meisten der durchschnittlichen und normal gesunden Menschen, dass sie an den immer schwerer zu durchschauenden menschheitlichen Krisen, Konflikten und Problemen der heutigen Zeit leiden. Das zu kompensieren, in alledem froh und lebensbejahend zu bleiben, sich angesichts dieser schwierigen Zeitverhältnisse aufrecht zu halten, macht dem Menschen heute viel mehr Mühe, als persönliche Probleme zu kompensieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese fünfte Krankheitsquelle kann nur durch eine menschheitlich weitblickende Perspektive zur Gesundheitsquelle verwandelt werden. Denn man läuft Gefahr am Augenblick zu verzweifeln, wenn man Krisen und Konflikte nicht in einem viel größeren Zusammenhang sehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag „Das Therapeutische in der Dichtung von Albert Steffen“ anlässlich der Steffen-Ausstellung am Goetheanum, Neujahr 2010&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Jungmedizinerkurs&#039;&#039;, GA 316.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?&#039;&#039;, GA 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Philippus Theophrastus Aureolus Bombastus von Hohenheim, getauft als Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, (* vermutlich 1493 in Egg, Kanton Schwyz; † 24. September 1541 in Salzburg) war ein Arzt, Alchemist, Astrologe, Mystiker, Laientheologe und Philosoph. Paracelsus hinterließ zahlreiche deutschsprachige Aufzeichnungen und Bücher medizinischen, astrologischen, philosophischen und theologischen Inhalts, die größtenteils erst nach seinem Tod gedruckt wurden. (wikipedia)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Albert Steffen (* 10. Dezember 1884 in Wynau; † 13. Juli 1963 in Dornach) war ein Schweizer Schriftsteller und Anthroposoph. Nach dem Tode Rudolf Steiners war Steffen ab 1925 dessen Nachfolger als Vorsitzender der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft. (wikipedia)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FÖRDERUNG VON PATIENTENKOMPETENZ ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist unter Patientenkompetenz zu verstehen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielt der Patient im Gesundheitssystem?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sind seine Möglichkeiten, ja Aufgaben in Bezug auf die nötigen Reformen des Gesundheitswesens?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Notwendige Demokratisierung des Gesundheitswesens&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Bereits 1920 hat Rudolf Steiner in einem seiner öffentlichen Vorträge die „Demokratisierung des Gesundheitswesens“ gefordert.[1] Ärzte, Apotheker, Hersteller und Verbraucher seien herausgefordert, gemeinsam und in Partnerschaft mit den Patienten bzw. Bürgern Mitverantwortung für die Gestaltung des Gesundheitswesens zu übernehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Zielsetzung fühlt sich die Anthroposophische Medizin bis heute verpflichtet. So werden der Gesundheitsaufklärung und Prävention, aber auch der Hilfestellung für eine vertretbare Selbstmedikation viel Aufmerksamkeit geschenkt.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinzu kommt ein großes Engagement für eine gesundheitsfördernde Erziehung und Umgebungsgestaltung einschließlich gesunder Ernährung und nachhaltiger biologischer und biologisch-dynamischer Landwirtschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Mündiger Patient als Regulator&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die inzwischen chronisch gewordene Diskussion um die Reform des Gesundheitswesens zeigt zudem deutlich, dass selbst die besten Ideen für eine Neustrukturierung des Gesundheitswesens zu keiner befriedigenden Kostenregulierung führen können, wenn sich nicht der mündige Patient mit als Regulator empfindet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gehört heute zur Patientenkompetenz, sich selbst auch Gedanken zur Gesundheitsvorsorge sowie zu bestimmten diagnostischen und therapeutischen Verfahren zu machen und letztlich zu bestimmen, was geschehen soll. Auch ist schon lange evident, in welch hohem Maß der Patient de facto für seine Gesundheit Verantwortung trägt. Spätestens anlässlich einer Operation wird ihm bewusst, dass der Arzt zwar über die damit verbundenen Risiken aufklärt und sein Bestes tut, er selbst jedoch mit den Risiken und Folgen zu leben hat und folglich Entscheidungsträger sein muss. Es ist keine Frage, dass medizinische Grundkenntnisse heute zur notwendigen Allgemeinbildung gehören und das menschliche Selbstverständnis in Gesundheit und Krankheit mit­prägen. Apotheker und Ärzte werden daher zunehmend in ihrer Lehr- und Berufskompetenz gefordert, um die erforderliche Hilfe zur Selbsthilfe leisten zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Artikel in der Deutschen Apothekerzeitung DAZ Nr. 39, 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Hygiene als soziale Frage, in: Physiologisch-Therapeutisches auf Grundlage der Geisteswissenschaft&#039;&#039;, GA 314. Dornach 1989, S. 221-261.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] M. Glöckler, B. Emde, &#039;&#039;Anthroposophische Medizin, in: Komplementärmedizin für die Kitteltasche. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation,&#039;&#039; Stuttgart 2009 und ders.: &#039;&#039;Anthroposophische Medizin, In: Komplementärmedizin für Kinder. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation&#039;&#039;, Stuttgart 2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ANTHROPOSOPHISCHE PSYCHOTHERAPIE ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist das Besondere an der anthroposophisch inspirierten Psychotherapie?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welches Licht wirft der Karma-Gedanke auf seelisch-geistige Probleme?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Lektüre zur anthroposophischen Psychotherapie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im Hinblick auf diese Schicksalsdramatik des Menschseins sind die &#039;&#039;Mysteriendramen[1]&#039;&#039; von Rudolf Steiner ein ganz zentrales Werk. Wenn mich Biografiearbeiter, Psychologen und Ärzte, die sich für Seelenkunde interessieren, fragen: &#039;&#039;„Wie kann man sich in das Gebiet des Seelischen aus Sicht der Anthroposophie einarbeiten?“,&#039;&#039; empfehle ich gerne die pädagogischen Vorträge von Rudolf Steiner über die drei Jahrsiebte,[2] aber auch das Studium von &#039;&#039;„Grundlegendes…“[3],&#039;&#039; begleitet von der Lektüre der Karmavorträge.[4] Diese Werke sind das Fundament einer vom Schicksalsgedanken inspirierten anthroposophischen Psychotherapie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich möchte im Folgenden in aller Kürze ein paar Gesetze nennen, wie sie uns Rudolf Steiner aus seiner Forschung mitgeteilt hat – zum Überprüfen, zum Umgang damit, zum Überlegen, ob sie hilfreich sind für Ihre Arbeit. Wir können diese Forschungsergebnisse z.B. auch als Arbeitshypothese nehmen bei unserem täglichen Tun. Wenn sie sich als fruchtbar erweisen, können Sie diesen Weg weiterverfolgen, wenn nicht, greifen Sie zu anderen Werkzeugen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Karmische Ursache für seelische Erkrankungen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Auf die Frage, worin die Ursache für seelische Erkrankungen läge, antwortete Rudolf Steiner in den &#039;&#039;„Offenbarungen des Karma“[5]&#039;&#039; und in der &#039;&#039;„Akasha-Chronik“[6]:&#039;&#039; &#039;&#039;„Die Ursache für seelische Erkrankungen liegt in einem mangelnden Interesse am anderen Menschen in einem früheren Erdenleben“&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier geht es nicht darum, durch welche Faktoren es zu diesem mangelnden Interesse kam, es ist rein phänomenal betrachtet, hat mit Schuld und Unschuld nichts zu tun. Fakt ist demnach: Ein Mensch, der in seinem Erdendasein kein warmes Interesse für andere Menschen entwickeln konnte – und sei es nur für &#039;&#039;einen&#039;&#039; Menschen – dem fehlt im nachtodlichen Leben, wenn das Menscheninnere, das Seelische, Außenwelt wird, die Orientierung. Er ist dann nicht in der Lage, sich an diesem neuen Äußeren so zu orientieren, dass er sich einen neuen Körper aufbauen kann, der beim Heranwachsen ein gesundes Seelenleben ermöglicht, wenn die Wesensgliederkräfte frei werden. Das möchte ich im Folgenden kurz näher erläutern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Wesensglieder und ihre leibgebundenen und leibfreien Kompetenzen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Zum&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Physischen Leib&#039;&#039; gehört unser physischer Körper, die Sinnesorgane und die daraus resultierende Gnade der Wahrnehmung.&lt;br /&gt;
* Zum &#039;&#039;&#039;Ätherleib&#039;&#039;&#039; gehören die unbewussten leibgebundenen Lebens- Wachstums- und Regenerationsprozesse und das leibfreie Denkvermögen.&lt;br /&gt;
* Zum &#039;&#039;&#039;Astralleib&#039;&#039;&#039; gehören die leiblichen Differenzierungsprozesse, die Bewegungskompetenz und das Fühlen als leibfreie seelisch regsame Kompetenz.&lt;br /&gt;
* Zur &#039;&#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;&#039; gehören die leiblichen Integrationsprozesse, die Erlangung der richtigen Proportionen beim körperlichen Wachstum und die leibfreie Fähigkeit in Ganzheiten zu denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kind gewinnt im &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;1. Jahrsiebt&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; mithilfe der &#039;&#039;ätherischen Wachstumskräfte&#039;&#039; bis zum Zahnwechsel an &#039;&#039;Größe&#039;&#039;. Die Kräfte, die ihre Arbeit getan haben, werden sukzessive leibfrei und stehen zunehmend dem DENKEN zur Verfügung. Das Freiwerden der ätherischen Kräfte aus dem Körper kulminiert in der &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Schulreife&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;. Dieser Höhepunkt wird auch &#039;&#039;&#039;Geburt des Ätherleibes&#039;&#039;&#039; genannt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;2. Jahrsiebt&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; reifen zusätzlich die &#039;&#039;seelischen Kompetenzen&#039;&#039; heran, indem die &#039;&#039;astralen Kräfte&#039;&#039; zuerst den &#039;&#039;Leib durchdifferenzieren&#039;&#039; und, wenn sie ihre Arbeit getan haben, sukzessive leibfrei werden und das FÜHLEN ermöglichen. Die Kulmination des Freiwerdens der astralen Kräfte aus dem Körper zur &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Geschlechtsreife&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; wird auch &#039;&#039;&#039;Geburt des Astralleibes&#039;&#039;&#039; genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;3. Jahrsiebt&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; reifen die &#039;&#039;geistigen Kompetenzen&#039;&#039; heran, indem die &#039;&#039;Integrations-Kräfte&#039;&#039; der Ich-Organisation den heranwachsenden Körper in eine &#039;&#039;stimmige Ganzheit&#039;&#039; verwandeln und anschließend als WOLLEN zur Verfügung stehen. Wenn der Jugendliche ausgewachsen ist, kulminiert dieser Prozess in der &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Mündigkeit&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; bzw. selbstverantwortlicher Handlungsfähigkeit und wird auch &#039;&#039;&#039;Geburt des Ich&#039;&#039;&#039; genannt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entsprechung von Lebensprozess und seelisch-geistiger Kompetenz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Alle leibfreien Kompetenzen sind verwandelte Lebenstätigkeit des Organismus: So wie wir dank der unbewussten Lebenskräfte die Nahrung zerkleinern und aufspalten (= analytisch) und anschließend zu menschlicher Substanz zusammensetzen (= synthetisch) – dieser Prozess wird Stoffwechsel genannt – so denken wir entsprechend mit den leibfrei gewordenen bewussten Ätherkräften auch analytisch und synthetisch. Das ist nur ein Beispiel für die Entsprechung von leibgebundener Lebenskraft und leibfreier Kompetenz im Denken, Fühlen und Wollen. Man kann sagen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Denken&#039;&#039;&#039; ist metamorphosierte &#039;&#039;leibfreie Wachstumskraft&#039;&#039; (Ätherleib).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Fühlen&#039;&#039;&#039; ist metamorphosierte &#039;&#039;leibfreie Astralität&#039;&#039; (Astralleib).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wollen&#039;&#039;&#039; ist leibfreie zur Verfügung stehende &#039;&#039;Ich-Tätigkeit&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem bisher Gesagten, wollte ich den innigen Zusammenhang zwischen leiblicher Konstitution und seelisch-geistiger Disposition deutlich machen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das heißt, es hängt von der Qualität der Organe und dem Ablauf der leiblichen Prozesse ab, ob die daraus hervorgegangenen seelischen Kräfte sich frei handhaben lassen oder ob sie den Menschen überfluten, attackieren und bezwingen – was sich dann als psychisches Störungsbild zeigen kann. Ist Letzteres der Fall, bedeutet das, dass die Ich-Kompetenz, die in das Erdeninstrument des Leibes hereinleuchten und sich ihm über die Ich-Organisation mitteilen möchte, sich an den Organen nicht richtig zu spiegeln vermag und sich auch nicht im Seelischen beheimaten kann, weil die aus dem Leib hervorgegangene Seelenkonfiguration es nicht oder nur eingeschränkt zulässt. Die Qualität des seelischen Erlebens hängt also immer auch von Art und Qualität der Leibbildung ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ringen mit Schwäche bringt zukünftige Stärke&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dazu ein Beispiel: Möglicherweise leidet man darunter, dass man seelisch nicht richtig in Beziehung kommen kann zu anderen Menschen. Man erlebt sich als in sich selbst gefangen – was laut Rudolf Steiner als karmische Ursache das fehlende Interesse an anderen hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesem großen Schmerz folgt jedoch im Nachtodlichen die große Befreiung, weil man so sehr mit den Beziehungen und mit sich selbst gerungen hat, dass man für die kommende Inkarnation ein besonders geeignetes Erdeninstrument bilden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit anderen Worten: Wenn wir interessiert und ehrlich miteinander umgehen, bauen wir damit gesunde Seelenkräfte für das nächste Leben auf. Unser Bemühen ist nicht nur für dieses Leben wichtig und gut und erleichtert uns das Leben und die Arbeit. Das Interesse an anderen Menschen und am sozialen Miteinander ist zugleich die Vorbereitung für eine besonders gesunde und starke Seele im nächsten Leben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag an der Jahreskonferenz der Med. Sekt. am Goetheanum zum Thema Anthroposophische Psychiatrie, Dornach 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Vier Mysteriendramen&#039;&#039;, 1910-13, GA 14.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft&#039;&#039;, in: &#039;&#039;Luzifer-Gnosis&#039;&#039;. GA 34. Dornach 1987.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Offenbarungen des Karma&#039;&#039;, GA 120.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Aus der Akasha-Chronik&#039;&#039;, GA 11.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FRAGEN ZUM THEMA ANTHROPOSOPHISCHE MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;FRAGE:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Wie ist es, wenn man in Asien über Anthroposophische Medizin spricht?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;ANTWORT:&#039;&#039;&#039; In Asien ist Spiritualität in der Medizin viel selbstverständlicher als in Europa.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu ein konkretes Beispiel: In Indien praktiziert man Ayurveda. Wenn man dort das Anthroposophische Menschenbild erklärt, erkennt man, dass es 1:1 dasselbe ist wie das Ayurvedische. Der einzige Unterschied besteht darin, dass das ayurvedische Menschenbild und Gesundheitsverständnis in Worten und Begriffen dargestellt sind, die es nicht erlauben, eine direkte Verständnisbrücke zur naturwissenschaftlichen Medizin zu bauen. Das aber kann die Terminologie der Anthroposophischen Medizin leisten. Daher interessieren sich die Kursteilnehmer für die Anthroposophische Medizin, weil sie dadurch ihr eigenes System besser verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ging es auch einer Freundin von mir – sie ist Inderin –, die durch die Anthroposophische Medizin ihre Hindu-Spiritualität neu entdeckte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir begleiten z.B. Kollegen, die Ayurveda-Ärzte bleiben wollen, indem wir sagen: Ihr könnt anthroposophischer Ayurveda-Arzt werden. Und so haben wir dort schon anthroposophische Homöopathen zertifiziert, anthroposophische Ayurveda-Ärzte sind in Ausbildung und Schulmediziner können „normale“ anthroposophische Ärzte werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;FRAGE:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Mich interessiert, wie man die Anthroposophie, die ja stark mit dem Christentum zusammenhängt, mit anderen Religionen verbinden kann.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;ANTWORT:&#039;&#039;&#039; Das Wesentliche am Christentum ist das rein Menschliche, von dem man in jeder Kultur sprechen kann. Für den Buddhistischen Kulturkreis wird es von Buddha verkörpert, der im Herzen und in der Aura lebt, in der Gerechtigkeit, in der Wahrheit, in der Liebe, in all den Werten, deren Pflege Menschlichkeit fördern. Nur ein Wert findet sich bevorzugt und eigentlich nur im Christentum und wird dort konsequent berücksichtigt: Wert und Würde der menschlichen Freiheit, so wie sie bei Johannes im 8. Kap. veranlagt ist: &#039;&#039;„Ihr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen“&#039;&#039;.[1] Da der Christus aber von sich selber sagt: &#039;&#039;„Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“&#039;&#039;, ist klar, dass er nicht die Freiheit verkörpert, aber uns zu freien Wesen machen möchte, zu seinen Freunden – &#039;&#039;„denn ein Knecht weiß nicht, was sein Herr tut“.&#039;&#039;&#039;[2]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Da die Anthroposophie auf dem Weg der „Philosophie der Freiheit“[3] von Steiner beruht, geht es bei allem um diesen zentralen christlichen Wert, auch wenn man den Namen des Christus nur nennt, wenn es passt oder gefragt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;FRAGE:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Sie hatten von dem Paradigmenwechsel vom pathogenetischen Krankheitsbild zum integrativ-salutogenetischen gesprochen und gemeint, dass das gut machbar wäre. Ich wollte Sie bitten, noch näher darauf einzugehen, weil wir uns auch im Rahmen des Studiums sehr viele Gedanken dazu machen und uns fragen, wie es gerade in der konkreten Umsetzung in einem normalen Krankenhaus möglich wäre, so einen Paradigmenwechsel vorzuleben&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;ANTWORT:&#039;&#039;&#039; Das ist in der Praxis zugegebenermaßen sehr schwer. Deswegen braucht es Netzwerke von vielen Medizinern, die sich gegenseitig immer wieder motivieren, Mut zusprechen, Tricks verraten, was man tatsächlich machen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meiner Erfahrung nach gibt es zwei Felder, bei denen man unmittelbar ansetzen kann, auch im kommunalen Krankenhaus: Man kann präventiv-medizinisch beraten, bei der Erziehung und Selbsterziehung ansetzen. -  Wir Ärzte müssen uns schon deshalb intensiv mit Pädagogik auseinandersetzen, weil fast alle Eltern Fragen zu diesem Thema haben. Da kann man viel tun. Dazu gehören auch Selbsterziehung und Meditation und alle Themen, die innere Entwicklungsarbeit betreffen. Auch hier kann man sofort ansetzen. Beides wirkt bereits in hohem Maße salutogenetisch und hilft, ein anderes Verständnis von Krankheit und Gesundheit zu bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem kann man schulmedizinische Präparate viel sorgfältiger indizieren als üblich – das Einverständnis des Patienten vorausgesetzt. Nicht aus Sicherheitsgründen bei jeder Krankheit „Gürtel und Hosenträger“ zum Einsatz bringen, bildlich gesprochen. Auch erlebe ich, dass in der Onkologie gerade Krebspatienten fragen: Gibt es nicht noch etwas anderes? Dann kann man von den Mistelpräparaten erzählen, auch im öffentlichen Krankenhaus. Wenn Patienten fragen, sollte man ehrlich antworten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner sprach von der Demokratisierung des Gesundheitswesens.[4] Patienten, Leistungserbringer, Krankenversicherungen, Kommunalpolitiker – sie gehören an einen Tisch und sollten auf Augenhöhe beraten, wie ein gerechtes Gesundheitswesen aussehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Schweiz, in der es eine Basis-Demokratie gibt, haben wir es nur durch Volksabstimmung geschafft, die Komplementärmedizin in die Bundesverfassung aufzunehmen. TCM (trad. Chinesische Med.), Homöopathie, Phytomedizin und Anthroposophische Medizin müssen von den Kassen über die Grundversicherung erstattet werden, weil diese Verfahren jetzt Bestandteil der Bundesverfassung sind, also praktisch Grundgesetz. Auch in Deutschland könnte es eine solche Volksbewegung geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir das schaffen würden, auf einem ähnlichen Wege eine demokratische Gesundheitsbewegung auf die Beine zu stellen, die verlangt, dass das Grundgesetz uns die freie Therapiewahl garantiert, dass man Ärzte und medizinische Verfahren selbst wählen darf und die Krankenkassen das bis zu einem gewissen Grad erstatten müssen, wären wir einen Riesenschritt weiter. Ohne den gegenseitigen Ansporn einer guten Vernetzung wird es aber nicht gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe kürzlich bei einer Tagung zur Organtransplantation Pim van Lommel getroffen. Er hielt einen schönen Vortrag über außerkörperliche Erfahrungen seiner kardiologischen Patienten, über das „ewige Bewusstsein“. Am Ende forderte er auch den Paradigmenwechsel, Spiritualität als Realität anzuerkennen, weil die außerkörperliche Erfahrung wahr ist und in die Medizin integriert werden muss. Ich fragte ihn, wie er sich das vorstellt. Er sagte, er erwarte nichts mehr von der Wissenschaft, sondern alles von der Zivilgesellschaft. Dort wäre noch gesunder Menschenverstand vorhanden. Die Wissenschaft sei „eingekauft“ und viel zu fremdbestimmt durch Gelder aus der Wirtschaft, von denen sie abhängig ist. Von der Seite könne man den Paradigmenwechsel nicht erwarten. Solange man viel Geld verdient mit der Krankheit, wird man nicht freiwillig einen Paradigmenwechsel anstreben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;FRAGE:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Ich fand sehr interessant, dass das Menschenbild in der Anthroposophischen Medizin sich auch vergleichen lässt mit dem Menschenbild anderer Ausrichtungen. Sie sprachen von einer transzendenten Ebene im Körper, die nach dem Tode den Körper verlässt. Gibt es dazu ein Konzept in der AM, das besagt, was mit dieser Ebene nach dem Tode passiert?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;ANTWORT:&#039;&#039;&#039; Ich schreibe einige Werke von Rudolf Steiner dazu auf: GA ist die Abkürzung für das Wort Gesamtausgabe, die 358 Bände umfasst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GA 27 ist das Grundlagenwerk für die Medizin,[5] in dem das neue Gesundheits-Paradigma beschrieben wird. Dort wird auch charakterisiert, wie es zu dem „ewigen Bewusstsein“ kommt und wie es funktioniert: Wir denken mit der Lebenstätigkeit – den ätherischen Kräften, die unser Körper nicht (mehr) für Wachstum und Regeneration braucht. Warum ist Beten, Spiritualität gesund? Weil es die Lebenskräfte sind, die wir dabei betätigen – was natürlich gesundend zurückwirkt auf den Körper. Körperleben und Gedankenleben (Geistesleben) sind nicht getrennt. Beim Altern nimmt das Geistesleben zu und das Körperleben ab, das unterscheidet sie, aber sie bleiben bis zum Tod immer verbunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Studium des Nachtodlichen würde ich euch raten, folgende Werke zu studieren: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
·      &#039;&#039;„Inneres Wesen des Menschen und Leben zwischen Tod und neuer Geburt“,&#039;&#039; GA 153.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
·      Dann gibt es noch einen sehr schönen Zyklus: &#039;&#039;„Der Tod als Lebenswandlung“,&#039;&#039; GA 182,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
·      und auch &#039;&#039;„Das Leben zwischen dem Tode und der neuen Geburt im Verhältnis zu den kosmischen Tatsachen“&#039;&#039;, GA 141.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
·      Mein Lieblingsbuch ist GA 10, &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten“&#039;&#039;, das Schulungsbuch für die Selbstentwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn das habe ich bemerkt: Wenn man keine echte Freude an der Selbstentwicklung hat, ist man auch nicht wirklich motiviert, andere in ihrer Entwicklung zu unterstützen. Man muss Experte werden in Sachen Entwicklung. Dazu gehört auch das Thema Unvollkommenheit, Spaß am Lernen – und nicht zu meinen, man dürfe keine Fehler machen. Durch meine kinder- und schulärztliche Tätigkeit bin ich zum Fehler-Apostel geworden. Jeder muss seine Fehler machen dürfen, weil man nur so authentisch wird. Angesichts von Fehlern sollten wir uns gegenseitig auf die Lektion hinweisen, die dadurch gelernt werden kann. Nur so können wir ein ungestörtes Verhältnis zu Fehlern entwickeln. Dieses Buch ist dabei eine große Hilfe. Es beschreibt die Entwicklung von Alpha zu Omega. Auch wenn Patienten weiterentwickelt sind als wir und Fragen bezüglich des inneren Weges haben, hilft es den Weg als Ganzes zu kennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur Anthroposophischen Medizin, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] &#039;&#039;Neues Testament, Johannes&#039;&#039; 8, 32.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ebenda, 15, 15.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Philosophie der Freiheit,&#039;&#039; GA 4, Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1995.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Hygiene als soziale Frage. In: Physiologisch-Therapeutisches auf Grundlage der Geisteswissenschaft.&#039;&#039; GA 314. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1989, S. 221 - 261.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner/Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen&#039;&#039;, GA 27 (1991).&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Offenborn</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Anthroposophische_Medizin&amp;diff=1230</id>
		<title>Anthroposophische Medizin</title>
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		<updated>2025-12-30T11:04:02Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Offenborn: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= Anthroposophische Medizin – von Michaela Glöckler =&lt;br /&gt;
Auszüge aus Büchern und Vorträgen von [[Michaela Glöckler]]; Erstveröffentlichung auf https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== HUMANMEDIZIN DER ZUKUNFT ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was war Rudolf Steiners Vision einer Humanmedizin der Zukunft?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Herausforderungen müssen zu ihrer Verwirklichung gemeistert werden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Berücksichtigung der Individualität und Würde&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiners letztes Werk gibt einen umfassenden Ausblick auf eine Humanmedizin der Zukunft, in der sich die Erkenntnisse der naturwissenschaftlich-empirischen Forschung mit denen der anthroposophischen Geistesforschung zur Heilkunst verbinden können. Wäre der Mensch eine Maschine, so ließen sich Körper, Seele und Geist reparieren und steuern, sobald der Mechanismus durchschaut ist. Auch wenn dieses Paradigma immer noch hoch im Kurs steht: Die tägliche Erfahrung zeigt, dass dem nicht so ist. Jedes Individuum, jede menschliche Biografie ist einmalig und bedarf der individuellen (Selbst-)Erkenntnis, Pflege und Gestaltung. Nicht umsonst gibt es den schönen Begriff der Lebenskunst dafür, wenn diese individuellen Gestaltungsprozesse graduell gelingen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wird das Menschenbild auf die rein naturwissenschaftliche Ebene reduziert und Seele und Geist – hypothetisch – zu Ergebnissen von molekulargenetisch und biochemisch steuerbaren Prozessen gemacht, verliert der Begriff menschlicher Würde seinen Inhalt. Denn Wert und Inhalt erhält dieser Begriff durch die Möglichkeit der Entwicklung von Freiheit, Selbstverantwortung und einer Kultur des Gewissens, wie sie der Frühromantiker &#039;&#039;Novalis&#039;&#039; im zweiten Teil seines &#039;&#039;„Heinrich von Ofterdingen&#039;&#039;“ so prägnant beschrieben hat und wie sie auch der Anthroposophie zugrunde liegt.[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine solche Kultur lässt sich nicht von außen steuern, wohl aber kann sie sich entwickeln, wenn dies von vielen einzelnen Menschen individuell eingesehen und gewollt wird – wenngleich sie heute noch vielfach als „Torheit“ angesehen wird. Rudolf Steiner sagte dazu: &#039;&#039;„Aber was oft die Vernunft der kommenden Zeiten ist, das ist für die vorhergehenden Torheit.“[2]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verbindung von Materialismus und Spiritualität&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
So ging es Steiner auch dezidiert nicht um ein Entweder-Oder bezüglich Materialismus und Spiritualität, sondern um ein wirklichkeitsgemäßes Sowohl-als-auch:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Der Materialismus ist die Weltanschauung, die den Menschen betrachtet, insofern er hervorgegangen ist aus den Substanzen und Kräften dieser Erde. Und wenn auch mancher betont, der Mensch bestehe nicht bloß aus den Substanzen und Kräften dieser Erde, so haben wir doch keine Wissenschaft, die sich mit dem am Menschen beschäftigt, was nicht aus den Substanzen und Kräften dieser Erde kommt. Deshalb ist heute die Behauptung von vielen, die es von ihrem Standpunkt aus gut meinen, daß irgendwie das Ewige in dem Menschen dennoch verstanden werden könne, eine nicht ganz ehrliche. […] Und viele, die heute den Materialismus widerlegen wollen, wissen eigentlich nicht, was sie tun; denn sie ahnen nicht, welche ungeheure Bedeutung die Detailkenntnisse haben, die der Materialismus gebracht hat. Und sie ahnen nicht, was für eine Konsequenz für das Ganze der Menschenerkenntnis der Materialismus gebracht hat“.[3]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Es ist die Tragik des Materialismus, daß er nichts von der Materie weiß, wie sie in Wirklichkeit in den verschiedenen Gebieten des Daseins wirkt. [. . .] Er weiß gar nichts über die Wirkung der Materie, weil man darüber erst etwas erfährt, wenn man die in der Materie wirksame Geistigkeit, die die Kräfte darstellen, ins Auge fassen kann.[4]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von dieser &#039;&#039;„in der Materie wirksamen Geistigkeit“&#039;&#039; ist in &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst[5]&#039;&#039; die Rede – so wie sie aus Sicht der Anthroposophie im Weltall, der Natur und im Menschen anzutreffen ist. Diese ‚Kräfte‘ und ihre Gesetzmäßigkeiten ebenso zu studieren wie die Naturgesetze, ist und bleibt lebenslang Aufgabe und Herausforderung für jeden anthroposophischen Arzt. Das Ziel dieses Weges – der sich gesund entwickelnde Mensch – ist dabei ein inspirierendes Ideal für Forschung, Entwicklung und tägliche Arbeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[6]&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Zu Novalis siehe auch Kap. V sowie GA 59, 236–268 und Glöckler (2023c).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen&#039;&#039;, Kapitel 12, GA 27, Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1991, Seite 46.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Der übersinnliche Mensch, anthroposophisch erfasst&#039;&#039;, GA 231, 58f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Anthroposophie — Eine Zusammenfassung nach einundzwanzig Jahren. Zugleich eine Anleitung zu ihrer Vertretung vor der Welt&#039;&#039;, GA 234, 86.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen&#039;&#039;, Kapitel 12, GA 27, Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ITA WEGMAN UND DIE ENTWICKLUNG DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kam es zur Begründung der Anthroposophischen Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie entwickelte sich die Zusammenarbeit von Ita Wegmann und Rudolf Steiner?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Schicksalhafte Zusammenarbeit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin verdanken wir der Zusammenarbeit von Rudolf Steiner und &#039;&#039;Ita Wegman&#039;&#039;. Wegman bekam von Rudolf Steiner den Anstoß, nach ihrer Ausbildung in Schwedischer Massage auch noch Medizin zu studieren. Dafür musste sie jedoch das Abitur nachholen, was für die bereits Siebenundzwanzigjährige eine große Herausforderung war. In der Zeit der Prüfungsvorbereitung schrieb sie Rudolf Steiner einen bewegenden Brief, ob er nicht etwas wüsste, das ihr helfen würde, sich besser zu konzentrieren. Leider ist uns die Antwort nicht bekannt. Jedenfalls ging alles gut, und sie begann auf Anraten &#039;&#039;Marie Steiners&#039;&#039; ihr Studium in Zürich. Deren Begründung für die Ortswahl war: &#039;&#039;„Unsere ganze Bewegung kommt ja doch einmal in die Schweiz.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu diesem Zeitpunkt war jedoch noch keine Rede davon – die Zentren der anthroposophischen Arbeit waren München und Berlin. So vollzog sich die Verbindung von anthroposophischer Geisteswissenschaft und materialistischer Schulmedizin, die bis heute für die Weiterbildung zum Anthroposophischen Arzt unerlässlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1907, bei der Spaltung der theosophischen Gesellschaft, stellte sich Ita Wegman klar auf die Seite Rudolf Steiners und der Anthroposophie. Das war nicht selbstverständlich. Denn seit ihrem 18. Lebensjahr hatte sie sich dem Gedankengut der Theosophie gewidmet als Mitglied der Theosophischen Gesellschaft. Doch nach dem schicksalhaften Zusammentreffen mit Rudolf Steiner in Berlin war sie seine persönliche Schülerin geworden.[1] Ita Wegman engagierte sich dann mit anderen dafür, dass Rudolf Steiner oft in die Schweiz kam, um Vorträge zu halten. Wenn sie zu viel reiste, um auch in anderen Städten und in Deutschland seine Vorträge hören zu können – sie war auch 1911 in Prag bei dem Vortragszyklus über die okkulte Physiologie – ermahnte Rudolf Steiner sie, dass sie auch studieren müsste, um ihr Medizinstudium abzuschließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fruchtbare Konsequenzen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wegman war quasi der Prototyp eines anthroposophischen Arztes: nicht primär der Homöopathie oder einer spirituell-komplementärmedizinischen Richtung verbunden, sondern akademisch ausgebildet an einer renommierten Universität. Ihre fachärztliche Weiterbildung zur Gynäkologin absolvierte sie am Spital Liestal ganz in der Nähe von Dornach&#039;&#039;&#039;.&#039;&#039;&#039; Anschließend ließ sie sich in Basel als Allgemeinärztin nieder. 1921 entschloss sie sich, ein klinisch-therapeutisches Institut in Arlesheim zu eröffnen. Zu ihrer großen Freude sagte Rudolf Steiner zu, dort mit ihr zusammenzuarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist Ita Wegman eng mit der Geschichte der anthroposophisch-medizinischen Bewegung verbunden: Die Zusammenarbeit mit Rudolf Steiner reichte von der Beratung beim Abitur und beim Studium über die parallelen Studien der Mainstream-Medizin und der Anthroposophie bis hin zur Begründung der ersten Klinik und der gemeinsamen Behandlung vieler Patienten, wovon hunderte dokumentierter Krankengeschichten zeugen. Zuletzt, in seiner Krankheitszeit vor seinem Tode, begleitete sie Rudolf Steiner zusammen mit Ludwig Noll als seine Ärztin. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Krönung dieser Zusammenarbeit war jedoch die im Herbst 1923 begonnene Arbeit an dem ‚Medizinischen Buch’, das nach dem Tode Rudolf Steiners unter dem Titel &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039;&#039;[2]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; herauskam und dessen 18. Kapitel der Heileurythmie gewidmet ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Parzifal-Frage als entscheidender Impuls&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ita Wegman war es auch, die Rudolf Steiner im Sommer 1923 die für die gesamte anthroposophische Bewegung entscheidende Frage nach der Erneuerung der Mysterien gestellt hatte. Als dieser nach dem Brand des ersten Goetheanum und dem Versagen der Anthroposophischen Gesellschaft mit der Frage lebte, ob er einen Orden gründen und sich aus der Anthroposophischen Gesellschaft zurückziehen sollte, sagte sie zu ihm: &#039;&#039;„Aber Herr Doktor, Sie können doch die Gesellschaft nicht alleine lassen!“&#039;&#039; Im Sommer 1923 dann, in England, wurde ihr das zentrale Anliegen ihres Lebens bewusst, welches sie Rudolf Steiner gegenüber etwa so formulierte: &#039;&#039;„Ich möchte gerne eine Medizin haben, wie es sie zu den Zeiten der alten Mysterien gab – nur in christlicher Form.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Bernard Lievegoed&#039;&#039; hat wiederholt erzählt, wie Rudolf Steiner zu &#039;&#039;Zeylmans van Emmichhofen&#039;&#039; gesagt hätte, dass diese Frage Ita Wegmans für ihn „die Parzival-Frage“ gewesen wäre, die ihn veranlasst hätte, die Weihnachtstagung von 1923/24 zur Neubegründung der Anthroposophischen Gesellschaft abzuhalten. Ohne diese Frage wären die Neubegründung der Gesellschaft und die öffentliche Begründung der Hochschule für Geisteswissenschaft durch Rudolf Steiner gar nicht möglich gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Vom Wesen der Heileurythmie als Herzorgan der Anthroposophischen Medizin“,  1. Weltkonferenz für Heileurythmie am Goetheanum, 30. Mai 2008&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Peter Selg hat in seinem Buch zum Münchner Kongress 1907 dieses Schicksalsmoment neu dokumentiert und zugänglich gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ENTWICKLUNG UND DERZEITIGER STAND DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie hat sich die anthroposophische Medizin seit ihrer Entstehung entwickelt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;In welchen philosophischen und ethischen Prinzipien hat sie ihre Wurzeln?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Historische Entwicklung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von dem österreichischen Philosophen &#039;&#039;Dr. Rudolf Steiner&#039;&#039; (1861-1925) und der Ärztin &#039;&#039;Dr. med. Ita Wegman&#039;&#039; (1876-1943) in Zusammenarbeit mit weiteren Ärzten entwickelt. Die Grundlagen dieser Medizin wurden 1920-1924 im Rahmen von Kursen vermittelt, die Steiner auf Einladung von Ärzten und Medizinstudenten hielt, die nach einem Menschenbild suchten, das sich sowohl auf die Naturwissenschaft als auch auf die anthroposophische Geisteswissenschaft beruft. Ihr Anliegen war von vornherein nicht alternativ-medizinisch, sondern integrativ, d.h. es orientierte sich an der Wirklichkeit des Menschen selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inzwischen gibt es die Anthroposophische Medizin in über 80 Ländern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Europa sind einige größere Akutkliniken entstanden. Hinzu kommen Sanatorien, Reha-Einrichtungen und zahlreiche Arztpraxen aus nahezu allen Fachrichtungen sowie weltweit über 400 Institutionen für Menschen mit Behinderungen. In den letzten dreißig Jahren kamen neu Einrichtungen für die Altenpflege und die Suchtbehandlung dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophische Ärzte arbeiten auch in Kooperation mit Pädagogen als Schulärzte sowie in der medizinischen Forschung und in der Arzneimittelherstellung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ambulanten Bereich haben sich aus der interdisziplinären Zusammenarbeit von Ärzten, Krankenschwestern, Kunsttherapeuten, Physiotherapeuten u.a. vielerorts so genannte „Therapeutika&amp;quot; entwickelt, d.h. ein neuer Typ von Gemeinschaftspraxen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Erkenntnistheoretische Wurzeln&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Erkenntnistheoretisch und ethisch wurzelt die Anthroposophie in der Philosophie und Kunstauffassung des deutschen Idealismus, wie sie insbesondere von &#039;&#039;Goethe&#039;&#039; (1749-1832), &#039;&#039;Schiller&#039;&#039; (1759-1805), &#039;&#039;J. G. Fichte&#039;&#039; (1762-1814), &#039;&#039;Novalis&#039;&#039; (1772-1801) und &#039;&#039;Schelling&#039;&#039; (1775-1854) vertreten wurden. So trägt Steiners erkenntnistheoretisches Frühwerk (1884) den Titel: &#039;&#039;„Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung“.[1]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Suche nach einer im Geist gegründeten Anschauung vom Menschen, die sich selber stützen kann im Erarbeiten einer inneren und äußeren Evidenz, sowie der Wille zu Entwicklung von Autonomie und Verantwortung prägen die ethische Grundhaltung anthroposophischer Ärzte und Therapeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Weiterbildung zum anthroposophischen Arzt ist durch eine international vereinbarte Zertifizierung geregelt. Der anthroposophische Arzt hat die Verpflichtung, die Ergebnisse aus Steiners Geistesforschung selbständig nachzuvollziehen und anhand der eigenen Lebens- und Berufserfahrung zu überprüfen und weiterzuentwickeln. Werden Mitteilungen Steiners unreflektiert übernommen, besteht die Gefahr der Ideologisierung und Dogmatisierung, was der Anthroposophischen Medizin schadet bzw. ihrer Entwicklung im Wege steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Haltung der Mitverantwortung fördern&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Heinrich Schipperges&#039;&#039; führt in seinem Buch &#039;&#039;„Moderne Medizin im Spiegel der Geschichte“[2]&#039;&#039; aus, dass die gegenwärtige Medizin nach einer Phase des unaufhörlichen Fortschritts und trotz aller großartigen Leistungen zunehmend in eine bedrohliche Krise geraten ist. Genau genommen ist diese Krise jedoch die medizinische Spielart der Menschheitskrisen von heute: ökologische Katastrophen, Armut, Hunger, Genozid, Bildungsnotstand, Energiekrise u.a. Diesen Krisen ist gemeinsam, dass ihre Ursache in einem Menschen- und Naturverständnis liegt, das keinen inneren geistigen Zusammenhang zu den Naturerscheinungen und dem Menschen herstellt. Wird dieser Zusammenhang bewusst erlebt, führt er zu einem starken Gefühl der Solidarität mit dem gesamten Evolutionszusammenhang von Erde, Natur und Mensch. Diese mitfühlende Verantwortlichkeit für alles Lebendige möchte die Anthroposophische Medizin fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung,&#039;&#039; GA 2.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Heinrich Schipperges, &#039;&#039;Moderne Medizin im Spiegel der Geschichte,&#039;&#039; Stuttgart 1970.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== WARUM ANTHROPOSOPHIE IN DER MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wozu braucht es Anthroposophie?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern handelt es sich bei der Anthroposophischen Medizin um eine „Weltanschauungsmedizin“?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sind die grundlegenden Aspekte der Anthroposophischen Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Medizin als Ausdruck einer bestimmten Sicht auf Mensch, Natur und Umwelt&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophie (Anthropos = Mensch, Sophia = Weisheit, Wissenschaft) gilt bis heute als nicht leicht zugänglich. Auch wenn viele anthroposophische Initiativen auf den Gebieten der Heilpädagogik und Pädagogik, der Landwirtschaft und Medizin bekannt sind, bleibt das, was als integratives Welt- und Menschenbild der Anthroposophie dahintersteht, meist vage. Man weiß nicht so recht, ob es sich dabei um eine Philosophie handelt, eine Art Religion oder um eine diffizile oder auch „eklektische“ Weltanschauung. Man fragt angesichts der Vielfalt anthroposophischer Einrichtungen und Initiativen auch, ob der anthroposophische „Überbau“ dafür überhaupt nötig sei, ob man ähnlich Gutes nicht auch ohne diesen leisten könne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jedes medizinische System ist Ausdruck einer bestimmten Sicht auf Mensch, Natur und Umwelt und insofern eine „Weltanschauung“. Das gilt auch für den naturwissenschaftlichen Materialismus, für Idealismus, Realismus und andere philosophische oder geistige Orientierungen. Wer glaubt, keine Weltanschauung zu haben, hat seinen eigenen Standpunkt und, was diesen stützt, noch nicht reflektiert &#039;&#039;–&#039;&#039; was eines der Haupthindernisse ist, die „Normalität“ der Anthroposophischen Medizin anzuerkennen. Eine individuell erarbeitete Weltanschauung wie die Anthroposophie ist jedoch klar abzugrenzen von der familiären oder traditionellen Zugehörigkeit zu einer Glaubensgemeinschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Anthroposophie als Verständnishilfe&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Jedem ganzheitlichen medizinischen System – ob nun traditionell chinesische, ayurvedische oder homöopathische Medizin – liegt ein spirituelles Menschen- und Weltbild zugrunde, das die gemeinsame Evolution von Mensch, Erde und Weltall beschreibt. Neu ist bei der anthroposophischen Medizin nur, dass Steiner sich auf keine dieser alten Traditionen beruft, sondern einen Erkenntnisweg beschreibt, auf dem jeder &#039;&#039;selber&#039;&#039; die Möglichkeit entwickeln kann, sich mit seinem Wahrnehmungs- und Denkvermögen an die spirituellen Quellen anzuschließen.[1] Durch eigene Beobachtung, Empathie und situationsgerechtes Denken zu den nötigen Einsichten für Diagnose und Therapie zu kommen ist das Arbeitsideal – nicht nur eine traditionelle Heilweise oder Technik zu lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich war viele Jahre in verschiedenen asiatischen Ländern und auch weltweit mit einem Ausbildungsprogramm für Anthroposophische Medizin unterwegs. Es hat mich anfangs gewundert, dass Chinesen, Japaner, Taiwanesen, Inder, Indonesier, Philippiner sich für Anthroposophische Medizin interessieren. Als Motive nannten sie das Menschenbild der Anthroposophie, das ihnen hilft, die Brücke zu bilden zwischen dem heutigen Denken und den alten überlieferten Bildern und Werten ihrer Heilverfahren, die zwar gute Ergebnisse liefern, aber für den modernen Menschen oft nicht genau aufschlüsseln können, wie sie wirken. Die Anthroposophie half ihnen, ihre eigenen Medizinsysteme und ihre Wirkungsweisen besser zu verstehen. In Indien gab es ayurvedische Ärzte, die keine Zertifikate für Anthroposophische Medizin wollten, sondern zu uns kamen, um bessere Ayurveda-Ärzte zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Grundlegende Aspekte Anthroposophischer Medizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wer der Anthroposophie begegnet, trifft auf vier Aspekte, die je nachdem alle vier oder auch nur der eine oder andere das Interesse wecken und zum weiteren Studium anregen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Philosophischer Aspekt ====&lt;br /&gt;
Das philosophische Fundament der Anthroposophie schließt an die Erkenntnisweise Goethes an sowie an den deutschen Idealismus mit dessen Idealen von Freiheit und Würde, Wahrheit und Liebe.[2] Rudolf Steiner benannte sogar seine Anthroposophische Hochschule in Dornach nach Goethe: Goetheanum.[3] Das zeugt von der großen Wertschätzung, die er diesem Genie mitteleuropäischer Geistes- und Kulturgeschichte zeitlebens entgegenbrachte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für manche Menschen ist Philosophie nicht wichtig, man möchte gute Ideen für seine Arbeit und sein Leben haben und keine Zeit mit intellektuellen Grübeleien verlieren. Es gibt aber auch Menschen, die nur deshalb Anthroposophen werden, weil sie hier eine Erkenntnistheorie und deren philosophische Begründung finden, durch die sie sich selbst und ihren Zusammenhang mit der Welt besser verstehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Philosophie ist die Kunst des eigenständigen Denkens. Steiner formuliert diese „erkenntnis-künstlerische“ Herausforderung in seinem philosophischen Hauptwerk, „Die Philosophie der Freiheit“, so: &#039;&#039;„Man muss sich der Idee erlebend gegenüberstellen können; sonst gerät man unter ihre Knechtschaft.“[4]&#039;&#039; Das heißt, wer Gedanken und Ideen anderer übernimmt und nicht eigenständig bedenkt und bewertet, gerät in Abhängigkeit der Autoritäten, von denen diese Gedanken stammen. Mit Hilfe dieses Ansatzes, selbst hinzuschauen, zu fragen, zu bedenken, zu verstehen, ist jeder Student der Anthroposophie angeregt, seine eigene Philosophie zu reflektieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Aspekt der Selbstschulung ====&lt;br /&gt;
Anthroposophie beinhaltet einen Weg der Selbstschulung, welcher zu seelischer Weiterentwicklung, Selbsterkenntnis und Willensstärkung führt.[5] Es gibt heute viele Menschen, die auf der Suche nach einem interreligiösen Weg spiritueller Selbsterfahrung sind. Sie wollen sich nicht einer bestimmten Glaubensgemeinschaft oder einer bestimmten spirituellen Gruppierung anschließen. Sie suchen einen allgemein-menschlichen Weg für ihre innere Entwicklung. Einige davon finden diese Möglichkeit in der Anthroposophie und ihren Organisationen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Anthroposophische Gesellschaft international organisiert und offen für alle wissenschaftlichen, religiösen und künstlerischen Überzeugungen ist, findet man Vertreter der verschiedensten spirituellen Orientierungen. Angehörige der christlichen Konfessionen, des Buddhismus, Daoismus, Shintoismus, der Hindi-Religion, der Zarathustra-Spiritua­lität, des Judentums sowie einzelne Vertreter des Islam und viele ohne eine bestimmte spirituelle Ausrichtung können hier mehr über ihre eigene spirituelle Identität lernen, indem sie zusätzlich den Weg der Selbstschulung der Anthroposophie gehen. Was sie in dieser Gesellschaft verbindet, ist der Entwicklungsgedanke in der Anthroposophie sowie das Bestreben, das gesellschaftliche Leben menschlicher und zukunftsfähiger zu machen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Biologe &#039;&#039;Bernd Rosslenbroich&#039;&#039; wies in einer naturwissenschaftlichen Studie das Autonomieprinzip als Grundlage der gesamten Evolution nach, deren Gipfel die menschliche Entwicklung sei.[6] Dieses Autonomieprinzip liegt auch der anthroposophischen Selbstschulung zugrunde. Autonomie konstruktiv leben zu lernen ist nicht leicht. Scheitern und immer wieder neu Ansetzen gehören ebenso dazu wie die stille innere Ausrichtung des eigenen Lebens und Arbeitens an den Idealen von Freiheit und Würde, Ehrlichkeit und Liebe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Aspekt der Geisteswissenschaft ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wo aber ist der „Geist“ als Fundament dieser anthroposophisch-geisteswissenschaftlichen Weltsicht zu finden?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Selbständiges Denken als Ausdruck von Geist&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Die Antwort ist schlicht: das menschliche Denken. Normalerweise kennt jeder den Zustand des Gedanken-Habens, Wissens, Sich-Informierens oder sich in anerkannten bzw. vorgegebenen Denkmustern zu bewegen und diese wiedergeben zu können. Wer jedoch von der eigenen Denktätigkeit ausgeht, entdeckt auch denjenigen, der denkt, in seinem Denken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der idealistische Philosoph &#039;&#039;Johann Gottlieb Fichte[7]&#039;&#039; wies seine Studenten auf die zentral wichtige spirituelle Selbsterfahrung im Denken hin. Er führte mit ihnen die folgende Übung durch: Er fragte sie, ob sie die Wand des Hörsaals sähen. Dann sagte er: &#039;&#039;„Schließen Sie die Augen und denken Sie die Wand.“&#039;&#039; Und dann kam die alles entscheidende Aufforderung: &#039;&#039;„Und jetzt denken Sie den, der die Wand gedacht hat...“[8]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer das durchführt, kann in seinem Denken das eigene Selbst als reinen Tätigkeitsquell, als innere Aktivitätsbereitschaft, als Ich, als eigenständiges Wollen bemerken als rein energetische spirituelle Selbsterfahrung im Denken. Damit hat er einen sicheren Ausgangspunkt gewonnen, sich seine eigene Weltsicht zu erarbeiten. Er steht jetzt geistig auf eigenen Füßen und ist in der Lage, sein Denken immer perspektivenreicher auszubilden. Je mehr er versteht, desto mehr sieht er von der Welt. Und je mehr ihn die Welt interessiert und zum Nachdenken anregt, desto differenzierter und klarer wird sein Denken. Sich selbst und die Welt zu verstehen und dadurch zu einer authentischen Selbst- und Weltsicht zu kommen, ist die Weltanschauung der Anthroposophie. Seinen Zeitgenossen zu zeigen, dass sie &#039;&#039;„durch das Denken zur Wirklichkeit des Geistes kommen“&#039;&#039; können, war ein zentrales Anliegen Rudolf Steiners. Das eigene Ich als geistig reales Wesen im Denken erleben zu können, erschließt zugleich die spirituelle Dimension des Begriffs der menschlichen Würde als autonome und geistbewusste Kompetenz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner formulierte diesen Tatbestand gegen Ende seines Lebens noch einmal so: &#039;&#039;„Anthroposophie ist ein Erkenntnisweg, der das Geistige im Menschenwesen zum Geistigen im Weltall führen möchte“.[9]&#039;&#039; Grundlage dafür ist die Gedankenarbeit eines jeden einzelnen Menschen. Hannah Arendt nannte diese Selbsterfahrung im Titel ihres gleichnamigen Buches „Denken ohne Geländer“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Aspekt der Zusammenarbeit ====&lt;br /&gt;
Da Anthroposophie auf das sich zur Autonomie entwickelnde Individuum baut, findet man gerade unter Anthroposophen einen ausgeprägten Meinungs- und Standpunktepluralismus bis hin zur gern zitierten „Streitkultur“. Auch ist die Geschichte der Anthroposophischen Gesellschaft von eindrücklichen Krisen und Konflikten geprägt, die von dem Ringen um individuelle und soziale Kompetenz zeugen, einem Bemühen, das alles andere als einfach ist. Umso erfreulicher ist es, dass sich diese Gesellschaft bis heute nicht in verschiedene Gruppierungen gespalten hat, sondern der Wille zum gegenseitigen Verstehen und zur Entwicklung von Toleranz gegenüber anders Denkenden stets überwogen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von dem Dichter und Anthroposophen &#039;&#039;Christian Morgenstern&#039;&#039; (1871 - 1914) stammt ein Gedicht, das dieses Spannungsverhältnis zwischen der notwendigen Individualisierung einerseits und der Befähigung zur Gemeinschaftsbildung andererseits meisterlich zum Ausdruck bringt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Die zur Wahrheit wandern, wandern allein,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;keiner kann dem andern Wegbruder sein.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Eine Spanne gehn wir, scheint es, im Chor ...&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;bis zuletzt sich, sehn wir, jeder verlor.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Selbst der Liebste ringet irgendwo fern;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;doch wer&#039;s ganz vollbringet, siegt sich zum Stern,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;schafft, sein selbst Durchchrister, Neugottesgrund –&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;und ihn grüßt Geschwister Ewiger Bund.[10]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier wird in künstlerischer Form zum Ausdruck gebracht, dass größtmöglicher Individualismus und „Gemeinschaft im Geist“ sich nicht widersprechen müssen. Vielmehr erscheinen die Ideale der Französischen Revolution – der Freiheit des Individuums, der Gleichheit und der brüderlichen Solidarität – so erst in ihrem wahren Licht: Denn wenn man weiß, dass jeder „auf dem Weg ist“, wächst der Respekt vor der Einmaligkeit und Würde des anderen. Und gleichzeitig erlebt man, wie uns dieser Tatbestand des Werdens „gleich“ macht. Da wir aber sowohl „gleich“ als auch „individuell sehr verschieden“ sind, sind wir Menschen immer wieder auf gegenseitige brüderliche Hilfe angewiesen. Wir gewähren sie, wenn wir die Bedürfnisse des anderen sehen, respektieren und, wo möglich, erfüllen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Mathias Girke , PF Matthiessen (Hrsg.), &#039;&#039;Medizin und Menschenbild&#039;&#039;, Bad Homburg 2015.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung mit besonderer Rücksicht auf Schiller.&#039;&#039; GA 2. Dornach 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] www.goetheanum.org&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Philosophie der Freiheit&#039;&#039;, GA 4, Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1995.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Dargelegt in Steiners Selbstschulungsbuch &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?,&#039;&#039; GA 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Bernd Rosslenbroich, &#039;&#039;On the Origin of Autonomy. A New Look at the Major Transitions in Evolution&#039;&#039;, Hei-delberg, New York, Springer 2014.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Johann Gottlieb Fichte, Philosoph (1762 - 1814).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Überliefert von Steffens, einem Naturforscher und Zeitgenossen Fichtes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Anthroposophischer Leitsatz 1&#039;&#039;, 17. Februar 1924. In: Anthroposophische Leitsätze. GA 26, S. 6 (1989).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Christian Morgenstern, &#039;&#039;Wir fanden einen Pfad,&#039;&#039; Basel, Zbinden Verlag. 5. Aufl. 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ANTHROPOSOPHISCHES UND NATURWISSENSCHAFTLICHES KRANKHEITSVERSTÄNDNIS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ist Anthroposophische Medizin eine Glaubenssache?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann man in der Medizin konstruktiv mit unterschiedlichen Sichtweisen auf Krankheit umgehen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Anthroposophisches Krankheitsverständnis&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Um auf diese Fragen eingehen zu können, möchte ich vorab das Krankheitsverständnis aus der Anthroposophie heraus und das Schulmedizinische Krankheitsverständnis charakterisieren. Sie stehen nicht im Widerspruch zueinander, zumindest nicht aus Sicht der Anthroposophischen Medizin. Letztere versteht sich als eine Erweiterung der rein naturwissenschaftlichen Medizin, nicht als Gegensatz dazu. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Die Aufgabe ist, nun wirklich darauf zu kommen, welcher Unterschied besteht zwischen den Prozessen im menschlichen Organismus, die wir als Krankheitsprozesse bezeichnen und die doch im Grunde genommen ganz normale Naturprozesse sind, nur eben durch bestimmte Ursachen hervorgerufen sein müssen, und denjenigen Prozessen, die wir gewöhnlich als die gesunden bezeichnen und die die alltäglichen sind. Dieser durchgreifende Unterschied muss gefunden werden. Er wird nicht gefunden werden, wenn man nicht eingehen kann auf eine Betrachtungsweise des Menschen, die zum menschlichen Wesen wirklich führt.&amp;quot;&#039;&#039; [1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Krankheit aus Sicht der naturwissenschaftlichen Medizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der naturwissenschaftlichen Medizin liegt der Fokus bei der Erforschung von Krankheitsursachen im Bereich des Netzwerkes molekulargenetischer Interaktionen. Dort wird nach Mutationen und „Fehlern&amp;quot; im Metabolismus gesucht. Damit ist aber das Kausalproblem nur von der Makro- auf die Mikroebene verlagert. Denn auch hier ist zu fragen, woher es kommt, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt beispielsweise eine Genmutation auftritt und ein Prozess, der bisher gesund ablief, nun mit einem Mal „verkehrt&amp;quot; bzw. Krankheit begünstigend stattfindet. Wenn der sogenannte Pathomechanismus aufgeklärt ist und die Ursache einer „Spontanmutation&amp;quot;, einem &#039;&#039;„inborn error of metabolism&amp;quot;&#039;&#039; oder einer exogenen Schädigung zugeschrieben wird, so ist damit dem Kranken noch nicht geholfen, der verstehen will, was seine Krankheit mit ihm, seiner Entwicklung und seinem Schicksal zu tun hat – oder der sich dafür interessiert, welche Einflüsse sein bewusstes oder unterbewusstes Seelenleben auf die Lebensfunktionen seiner Organe oder auf die Stabilität seines Immunsystems hat. Auch ist es letztlich unbefriedigend, sich als Mensch in die verschiedenen Forschungs- und Fachdisziplinen aufgeteilt zu sehen, ohne „das geistige Band&amp;quot; im Sinne &#039;&#039;Goethes&#039;&#039; zu haben, das die Zusammenschau der unterschiedlichen Sichtweisen ermöglicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Unterschiedliche Sichtweisen integrieren&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Paracelsus&#039;&#039;, der Integrationsmediziner am Beginn der Neuzeit, hat bereits eindrücklich auf dieses Dilemma hingewiesen.[2] Plastisch schildert er eine medizinische Szene aus dem damaligen Alltag: Sechs Ärzte sind um einen eben verstorbenen Cholerapatienten versammelt und sprechen darüber, was in seinem Falle wohl die Todesursache gewesen sein mag. Diese Szene sei hier in freier Form wiedergegeben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Erste&#039;&#039;&#039; sagt: &#039;&#039;„Für mich ist klar, dass er durch die Infektion mit dem Cholerabazillus gestorben ist. Der Krankheitserreger wurde mit dem Wasser aufgenommen, hat sich im Organismus ausgebreitet und die Krankheil hervorgerufen, die jetzt zum Tode geführt hat&amp;quot;.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Das finde ich merkwürdig&amp;quot;,&#039;&#039; sagt &#039;&#039;&#039;der Zweite&#039;&#039;&#039;. &#039;&#039;„Es sterben doch längst nicht alle Kranken, die sich mit dem Cholerabazillus angesteckt haben. Ich sehe die Todesursache vielmehr in der Tatsache, dass die Selbstheilungskräfte des Verstorbenen nicht stark genug waren, um die Infektion zu überwinden. Hätte er über mehr Widerstandskraft verfügt, so lebte er noch.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da lächelt &#039;&#039;&#039;der dritte Kollege&#039;&#039;&#039; und fragt: &#039;&#039;„Habt ihr denn nicht sein Horoskop gelesen? Da konnte man lesen, dass dieser Mensch durch die ganze Konfiguration seiner seelischen Veranlagung und seines inneren Schicksals zum Tod in dieser Zeit prädestiniert war. Sein Tod war vorherbestimmt.&amp;quot;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Das leuchtet mir nicht ein&amp;quot;,&#039;&#039; sagt &#039;&#039;&#039;der Vierte&#039;&#039;&#039;. &#039;&#039;„Wie viele Menschen leben unter derselben oder sehr ähnlichen Sternkonstellationen und kommen anders damit zurecht, gehen durchaus optimistischer mit der Herausforderung um, die ihre jeweilige Sternkonstellation für sie bedeutet. Meine Diagnose ist, dass er im Kern seiner ganzen Persönlichkeit, in seinem Ich, schwach war. Er hatte große Angst vor der Cholera, und nichts ist ein besserer Nährboden für Infektionen als Ängstlichkeit und Furcht. Ich habe viel schwächere Patienten die Krankheit überwinden sehen, weil sie mutiger waren und das Vertrauen nicht verloren.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Mir kommt das alles töricht vor&amp;quot;,&#039;&#039; schaltet sich jetzt &#039;&#039;&#039;der Fünfte&#039;&#039;&#039; in die Debatte ein: &#039;&#039;„Krankheit und Leid ist doch eine Geißel Gottes, ein Flagellum. Hätte Gott die Überwindung der Krankheit zugelassen, so hätte er diesem Betroffenen zur rechten Zeit den Arzt oder sonst eine Hilfe geschickt.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun blicken alle auf &#039;&#039;&#039;den Sechsten&#039;&#039;&#039;, der interessiert zugehört hat und fragen: „Wer von uns hat recht?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der bemerkt: &#039;&#039;„Jeder von euch hat recht. Jeder hat aber auch unrecht. Das Unrecht entsteht dadurch, dass jeder einzelne von euch nur an seine Sicht der Dinge glaubt und die Ansichten der anderen verneint oder missachtet. Das komplizierte Pentagramm Mensch muss individuell gelesen werden, um den jeweiligen Anteil an der Krankheitsursache herauszufinden. Ein solch differenziertes Lesen ist aber auch nötig, um die verschiedenen Wege kennen zu lernen, die zur Gesundheit, sprich: zur Überwindung der Krankheit führen.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Szene aus dem Werk des Paracelsus wird hier angeführt, um deutlich zu machen, dass ein tiefgreifendes Verständnis von Krankheitsursachen und Heilungsmöglichkeiten die verschiedenen Ebenen menschlicher Existenz und Lebensverwirklichung mitberücksichtigen muss. Das kann letztlich nur ein interdisziplinär-integrativer Ansatz leisten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaft und Medizin&#039;&#039;, GA 312.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Elise Wolfram und Paracelsus, &#039;&#039;Die okkulten Ursachen der Krankheiten. Volumen Paramirum&#039;&#039;, Unv. Nachdruck der Ausgabe von 1912, 4. Aufl. Dornach 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== SCHULMEDIZIN, ANTHROPOSOPHISCHE MEDIZIN UND ÄLTERE GANZHEITLICHE ANSÄTZE ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie steht die Anthroposophische Medizin zur Schulmedizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und wie ist ihr Verhältnis zu anderen alternativen Ansätzen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verhältnis der&#039;&#039; &#039;&#039;Anthroposophischen Medizin zur Schulmedizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Frage lässt sich kurz mit Nein beantworten. &#039;&#039;Rudolf Steiner&#039;&#039; (1861-1925) und &#039;&#039;Ita Wegman&#039;&#039; (1876-1943), die Begründer der Anthroposophischen Medizin, bemerken hierzu:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Nicht um eine Opposition gegen die mit den anerkannten wissenschaftlichen Methoden der Gegenwart arbeitende Medizin handelt es sich. Diese wird von uns in ihren Prinzipien voll anerkannt. Und wir haben die Meinung, dass das von uns Gegebene nur derjenige in der ärztlichen Kunst verwenden soll, der im Sinne dieser Prinzipien vollgültig Arzt sein kann.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Allein wir fügen zu dem, was man mit den heute anerkannten wissenschaftlichen Methoden über den Menschen wissen kann, noch weitere Erkenntnisse hinzu, die durch andere Methoden gefunden werden, und sehen uns daher gezwungen, aus dieser&#039;&#039; erweiterten &#039;&#039;Welt- und Menschenerkenntnis auch für eine Erweiterung der ärztlichen Kunst zu arbeiten.&amp;quot;[1]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die reguläre akademische Aus- und Weiterbildung ist ebenso Voraussetzung dafür, sich Anthroposophischer Arzt nennen zu können, wie das Studium der anthroposophischen Geisteswissenschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Salutogenetischer Ansatz bevorzugt&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Anthroposophischen Medizin liegt ein Konzept ganzheitlicher, integrativer Medizin zugrunde, die den Menschen (griechisch: anthropos) mit all seinen Erkenntnis- und Erlebnisformen (griechisch: sophia, wörtlich: Weisheit) in den Mittelpunkt stellt. Für die Praxis heißt dies, dass symptomatisch wirkende Arzneimittel, wie zum Beispiel Antipyretika, Antiphlogistika, Antihypertensiva, Antihistaminika oder die Substitution fehlender, körpereigener Stoffe, oder aber Analgetika und Psychopharmaka selbstverständlich da zur Anwendung kommen, wo die speziellen Medikamente und Therapieverfahren der anthroposophischen Therapierichtung nicht (mehr) hinreichen, die erforderliche Selbstregulation und Heilung zu stimulieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Hinblick auf das therapeutische Vorgehen wird der salutogenetische Ansatz bevorzugt, also die Anregung körpereigener, physiologischer Prozessantworten. Diese sind immer individuell. Therapieschemata haben zwar einen wesentlichen, Orientierung gebenden Stellenwert. In praxi gehen die Medikationen jedoch oft darüber hinaus, da sich die Behandlung am Einzelfall orientiert. Anthroposophische Ärzte schätzen die schulmedizinische Behandlung als Akut- und Notfallmedizin hoch, möchten jedoch nicht bei deren Grenzen und Einseitigkeiten stehen bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verhältnis zu älteren ganzheitlichen medizinischen Konzepten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Jedem ganzheitlichen medizinischen System – ob es sich nun um traditionell chinesische, ayurvedische oder homöopathische Medizin handelt – liegt ein spirituelles Weltbild zugrunde, das mehr oder weniger konkret die gemeinsame Evolution von Mensch, Erde und Weltall beschreibt. Rudolf Steiner bemerkt dazu im Hinblick auf seinen Ansatz[2]: &#039;&#039;„Ich möchte nicht versäumen, Sie darauf aufmerksam zu machen, dass dasjenige, was ich hier vortrage, nicht entlehnt ist älteren medizinischen Schriften, sondern auf durchaus gegenwärtiger geisteswissenschaftlicher Forschung beruht. Nur muss versucht werden, zuweilen in der Terminologie auf die ältere Literatur zurückzugreifen, weil ja die neuere Literatur eine Terminologie nach dieser Richtung hin noch nicht ausgebildet hat. Aber derjenige, der glauben würde, dass irgendetwas hier vorgetragen wird, was nur älteren Schriften entnommen ist, der würde sich eben sehr irren.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese von Steiner entwickelte neue Art der geistigen Forschung ermöglicht als anthroposophische Erkenntnismethodik und dank ihrer Forschungsergebnisse auch neue Einsichten in die ganzheitlichen Konzepte und spirituellen Traditionen der Medizin. Daher gibt es unter ihren Vertretern immer auch „Anthroposophen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Seiner und Ita Wegmann, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst. Dornach 1935, S. 9.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaft und Medizin&#039;&#039;, GA 312. Sechster Vortrag, Dornach, 26. März 1920. S. 118 (Ausgabe 1999).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== CHARAKTERISTIKA EINER SPIRITUELLEN MEDIZIN LAUT RUDOLF STEINER ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen Prinzipien folgt die von Rudolf Steiner und Ita Wegman beschriebene spirituelle Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wodurch äußert sich ihr allgemein-menschlicher Ansatz?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wodurch zeichnen sich eine spirituelle Chemie und Physik aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist unter Kulturtherapie zu verstehen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Krankheit aus zwei Blickwinkeln sehen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In dem Werk über Anthroposophische Medizin &#039;&#039;„Grundlegendes zu einer Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; von Rudolf Steiner und Ita Wegman werden unter anderem auch die Grundlagen einer spirituellen Medizin beschrieben.[1] Bereits die Überschrift des ersten Kapitels lässt dies anklingen, indem da von &#039;&#039;„wahrer Menschenwesen-Erkenntnis“&#039;&#039; die Rede ist. Die Wortwahl erinnert an die Initiationspraktiken der antiken Mysterien, wo es in allen Einweihungsgraden um wahre irdisch-kosmische Selbst- und Welterkenntnis ging. Doch konkret im Alltag: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Erwartet nicht jeder Kranke vom Arzt, dass dieser die Ursache seines Problems durchschaut und die notwendigen Maßnahmen einleitet?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Dass er die Wahrheit über seinen Zustand bestmöglich herausfindet?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher die Forderung der Autoren, der Wahrheit des Krankheitsgeschehens von zwei Seiten aus näherzukommen, indem die schulmedizinischen Diagnosefaktoren mit der geisteswissenschaftlichen Betrachtung verbunden werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Christuserkenntnis&#039;&#039; als &#039;&#039;zentrales Element&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;‚Wes Geistes Kind‘ aber ist diese Forderung?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“[2]&#039;&#039; wird der Christus als ‚großer Hüter der Schwelle‘ auf dem Erkenntnisweg dargestellt, der dem Schüler den Sinn der Erdenentwicklung, des Todes und der Wiedergeburt enthüllt. In der &#039;&#039;„Geheimwissenschaft im Umriß“[3]&#039;&#039; wird der Christus auch namentlich genannt und seine zentrale Bedeutung innerhalb der Schöpfung und für die Entwicklung der Menschheit geschildert.[4] In beiden Werken begegnet man einer zentralen Bezugnahme auf die Wesenheit des Christus in einer weder religiös noch konfessionell tingierten Weise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verfolgt man diesen Wesensbezug zu Christus im Steiner‘schen Vortragswerk, oder auch nur in der Schrift &#039;&#039;„Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit“&#039;&#039;,[5] so zeigt sich, dass für Steiner diejenige geistige Realität, die er mit dem historischen Christus identifiziert, in allen Aspekten und Dimensionen menschlichen Lebens und Entwickelns eine zentrale Rolle spielt – ganz im Sinne der johanneischen Aussage: &#039;&#039;„Durch es [das Wort] sind alle Dinge geworden, und nichts von allem Entstandenem ist anders als durch das Wort geworden.“[6]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Anthroposophisches Menschenbild und Schulungsweg&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Steinersche Christologie versteht sich als Weg zur Christuserkenntnis. Dieser Weg ist von seinem Selbstverständnis her unabhängig von traditionellen Glaubensüberzeugungen und religiösen Bekenntnissen. Es geht bei ihm im tiefsten Sinne um ‚wahre Menschenwesen-Erkenntnis‘, um das ecce homo. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die anthroposophische Menschenkunde befasst sich mit diesem allgemeinmenschlichen, rein geistigen Wesensgefüge des gesunden Menschenurbildes, das der uns bekannten Schöpfung innewohnt. Sie versucht verständlich zu machen, warum und wie in dieser Schöpfung alles mit allem geistig und physisch zusammenhängt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher kann sich ein japanischer Shintu-Priester in seiner spirituellen und wissenschaftlichen Praxis ebenso von dem anthroposophischen Erkenntnisweg und Menschenbild anregen und bereichern lassen wie ein buddhistischer Mönch, ein Brahmane oder ein Angehöriger des jüdischen oder muslimischen Glaubens oder ein materialistischer Naturwissenschaftler. Denn Christliche Spiritualität ist zugleich allgemeinmenschliche Spiritualität und die Spiritualität in den Naturerscheinungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Dienender Charakter der Substanz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ein weiteres wichtiges Merkmal der von Rudolf Steiner beschriebenen spirituellen Medizin ist ihr selbstlos dienendes Prinzip. Das Substanzverständnis der Anthroposophie, wie es im Grundlagenwerk der Anthroposophischen Medizin &#039;&#039;„Grundlegendes zur Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; erörtert wird,[7] beruht auf dieser Grundlage. So werden im 1. Kapitel die Substanzen in ihrem selbstlos dienenden Charakter gezeigt, wie sie sich den vier Kräftebereichen von Mineral-, Pflanzen-, Tier- und Menschenwelt unterordnen, wodurch sie zu deren jeweiliger Manifestation beitragen und dadurch alle Naturerscheinungen in die Sichtbarkeit bringen.[8]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erdensubstanz – im christlichen Bekenntnis symbolisiert durch Brot und Wein – ist nach diesem Verständnis nicht nur die physische Grundlage für die Erd- und Menschheits-entwicklung. Vielmehr zeigt sich ihr zutiefst christlicher Charakter daran, dass sie dient: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* im mineralischen Zustand den Todesprozessen,&lt;br /&gt;
* in der Pflanzenwelt den Lebensprozessen,&lt;br /&gt;
* in der tierischen Natur den seelischen Äußerungen und der Bewegungsfähigkeit.&lt;br /&gt;
* Im Menschen aber wird sie „Geist tragend“.[9]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor diesem Hintergrund sind dann Sätze in dem genannten Werk wie der folgende zu verstehen: &#039;&#039;„[…] dann wird man durch Einfügung eines Erdenstoffes in den menschlichen Organismus oder durch Behandlung mit einer Erdentätigkeit bewirken können, dass die höheren Glieder der Menschenwesenheit sich ungehindert entfalten können, oder auch, dass die Erdenstofflichkeit an dem Zugefügten die nötige Unterstützung findet, um auf den Weg zu kommen, auf dem sie Grundlage wird für irdisches Wirken des Geistigen.“[10]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Spirituelle Chemie und Physik der Zukunft&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der Schrift &#039;&#039;„Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit“[11]&#039;&#039; – präzisiert Rudolf Steiner diesen Aspekt auch noch im Hinblick auf die Entwicklung der Substantialität der Erde: &#039;&#039;„Künftig werden Chemiker und Physiker kommen, welche Chemie und Physik nicht so lehren, wie man sie heute lehrt [...] sondern welche lehren werden: ‚Die Materie ist aufgebaut in dem Sinne, wie der Christus sie nach und nach angeordnet hat!‘ – Man wird den Christus bis in die Gesetze der Chemie und Physik hinein finden. Eine spirituelle Chemie, eine spirituelle Physik ist das, was in der Zukunft kommen wird. Heute erscheint das ganz gewiß vielen Leuten als eine Träumerei oder Schlimmeres.&#039;&#039; &#039;&#039;Aber was oft die Vernunft der kommenden Zeiten ist, das ist für die vorhergehenden Torheit.“[12]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese selbstlos dienende Haltung wird von den in der anthroposophischen Pharmazie und Medizin Tätigen auf dem anthroposophischen Schulungsweg geübt und prägt den spirituellen Charakter dieser Bereiche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Heilsam wirken durch umfassende Kulturtherapie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin kann als Kulmination von Steiners Grundanliegen, heilsam zu wirken, gesehen werden. Alles, was er geschrieben und getan hat, stand und steht im Dienst einer umfassenden Kulturtherapie, die heilsam auf die zeitgeistigen pathologischen Tendenzen einwirken sollten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Rudolf Steiner unter Kulturpathologie verstand, stellte er im ersten Vortrag des Gründungskurses für die Waldorfpädagogik im August 1919 so dar: &#039;&#039;„Vergessen Sie nicht, indem Sie sich Ihrer Aufgabe widmen, daß die ganze heutige Kultur, bis in die Sphäre des Geistigen hinein, gestellt ist auf den Egoismus der Menschheit. [. . .] Wir leben in der Zeit, in der dieser Appell an den menschlichen Egoismus in allen Sphären bekämpft werden muß, wenn die Menschen nicht auf dem&#039;&#039; &#039;&#039;absteigenden Wege der Kultur, auf dem sie heute gehen, immer mehr und mehr abwärts gehen sollen.“[13]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; In Philosophie und Geistesleben ====&lt;br /&gt;
Im philosophischen Werk Steiners wird die Grundlage zur Kulturtherapie in Form eines tiefgreifenden Autonomieverständnisses gelegt. Freiheit und Liebe, die zur Selbstlosigkeit fähig sind, stehen dabei als menschliche Entwicklungsziele an zentraler Stelle. Sie sind Ausdruck menschlicher Würde und geistiger Gesundheit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; In der Pädagogik ====&lt;br /&gt;
Entsprechend wird im Zusammenhang von Steiners Darstellungen zur &#039;&#039;„Allgemeinen Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik“[14]&#039;&#039; eine ‚Physiologie und Psychologie der Freiheit‘ veranlagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; In der Kunst als Therapie ====&lt;br /&gt;
Und auch die künstlerische Tätigkeit versteht Steiner nicht als ästhetischen Selbstzweck. Sie hat Bewusstsein weckenden Charakter und mündet in allen Bereichen in therapeutische Wirksamkeit, wie in EH am Beispiel der Heileurythmie in Kapitel XVIII gezeigt wird. Der Leiter der Kolisko-Akademie, &#039;&#039;Armin Husemann&#039;&#039;, hat diesem Impuls einer therapeutisch ausgerichteten &#039;&#039;„Menschenwissenschaft durch Kunst“&#039;&#039; sein Lebenswerk gewidmet.[15]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[16]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?,&#039;&#039; GA 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Geheimwissenschaft im Umriss&#039;&#039;, GA 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Ebenda, Seite 219–225, 251–256 sowie 351–353.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit,&#039;&#039; GA 15.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Neues Testament, &#039;&#039;Johannes Kap. 1, 3.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen&#039;&#039;, GA 27, Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Christian Morgenstern (1871–1914) hat diesem dienenden Geschehen sein Gedicht &#039;&#039;Fußwaschung&#039;&#039; gewidmet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. Harlan, (2008).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Siehe FN1, S. 12.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit,&#039;&#039; GA 15.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Ebenda, S. 46.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik&#039;&#039;, GA 293, 26 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik&#039;&#039;, GA 293.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[15] Vgl. A. Husemann (2007 und 2024).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[16] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ANSPRUCH UND AUFGABE DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen Anspruch hat die Anthroposophische Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worin sieht sie ihre Aufgabe?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was war laut Rudolf Steiner das entscheidend Neue?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Bemühen der Anthroposophischen Medizin&#039;&#039; &#039;&#039;um mehr Menschlichkeit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin ist ein Kind des 20. Jahrhunderts. Sie hat den Anspruch, naturwissenschaftliche, philosophische und spirituelle Erkenntnisse und deren therapeutische Anwendungen in ein ganzheitliches Konzept zu integrieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als eigenständige medizinische Bewegung hat sie jedoch erst gut 80 Jahre Entwicklung hinter sich, weswegen sie noch nicht so breit im allgemeinen Bewusstsein verankert ist wie beispielsweise die Homöopathie. Darüber hinaus ist die Bezeichnung „Anthroposophische Medizin“ etwas schwer verständlich. Der Begriff „Homöopathie“ hat sich aus dem prinzipiellen Gegensatz zur gängigen „Allopathie“ gebildet. Er orientiert sich am Simile-Prinzip. „Anthroposophisch&amp;quot; heißt hingegen in der schlichtesten Übersetzung aus dem Griechischen einfach nur „menschlich&amp;quot;. Entsprechend hat sich die Anthroposophische Medizin zur Aufgabe gesetzt, im Umgang mit Krankheit und Gesundheit in Theorie und Praxis das Bewusstsein und die Entwicklung von mehr Menschlichkeit ins Zentrum allen Bemühens zu stellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wesensglieder-Diagnostik als neue Perspektive&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner war es wichtig, die Wesensglieder-Diagnostik und die sich daran anschließende Therapiefindung als das entscheidend Neue zu sehen, das durch die Anthroposophie in den gegenwärtigen Medizinbetrieb hereinkommen kann. Es ging ihm nicht primär darum, neue und womöglich wirksamere Medikamente zu finden für dieses und jenes. Vielmehr wollte er vermitteln, dass die Medizin durch ein Menschenbild bereichert werden kann, das befähigt, den Menschen primär als geistiges Wesen zu begreifen und ihn dadurch in Gesundheit und Krankheit neu zu sehen und behandeln zu lernen.[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Kapitel I von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; heißt es: &#039;&#039;„Der Mensch ist, was er ist, durch Leib, Ätherleib, Seele (astralischer Leib) und Ich (Geist).&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Er muss als Gesunder aus diesen Gliedern heraus angeschaut;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;er muss als Kranker in dem gestörten Gleichgewicht dieser Glieder wahrgenommen;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;es müssen zu seiner Gesundheit Heilmittel gefunden werden, die das gestörte Gleichgewicht wieder herstellen.“[2]&amp;lt;sup&amp;gt;,&amp;lt;/sup&amp;gt; [3]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anthroposophisch-medizinische Therapieansatz kann zudem sowohl alternativ als auch kombiniert mit schulmedizinischer Behandlung zur Anwendung kommen und erfreuliche Besserungen erzielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Erkrankung und Heilung als Kreisprozess verstehen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Methodisch kommt es Rudolf Steiner und Ita Wegman also darauf an, den Prozess der Erkrankung und den Prozess der Heilung als einen einzigen Kreisprozess zu verstehen, in dem der Organismus von Heilmitteln und Krankheitsdiät unterstützt werden muss, um wieder in den „Zustand der Gesundheit“ versetzt zu werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Die Erkrankung beginnt mit einer Irregularität in der Zusammensetzung des menschlichen Organismus mit Bezug auf seine in diesem Buch beschriebenen Teile. Sie ist an einem bestimmten Punkte angekommen, wenn man den Kranken in Behandlung bekommt. Man hat nun dafür zu sorgen, dass alle Vorgänge, die sich seit dem Beginn der Krankheit im menschlichen Organismus abgespielt haben, wieder zurückverlaufen, so dass man zuletzt bei dem Zustande der Gesundheit anlangt, in dem der Organismus vorher war. […] Die Heilmittel müssen daher so beschaffen sein, dass sie nicht nur den Krankheitsprozess zurücklaufen lassen, sondern auch die sich herabstimmende Vitalität wieder unterstützen. Einen Teil der letzteren Wirkung wird man der Krankheitsdiät überlassen müssen. Doch ist in der Regel bei ernsteren Krankheitsfällen der Organismus nicht gestimmt, in der Verarbeitung der Nahrungsmittel genügend Vitalität zu entwickeln. Es wird daher notwendig sein, auch die eigentliche Therapie so einzurichten, dass der Organismus in dieser Beziehung seine Unterstützung findet. […] Im Krankheitsverlaufe ist nicht nur der lokalisierte Krankheitsprozess, sondern die Gesamtveränderung des Organismus zu berücksichtigen und diese in den rückläufigen Prozess einzubeziehen. Wie das im Einzelnen zu denken ist, werden bestimmte Fälle, die wir nun charakterisieren wollen, zeigen.“&#039;&#039;[4] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;An der Heilung des erkrankten Planeten mitwirken&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Ruf nach einer menschengemäßen Medizin steht mit vielen Bestrebungen der letzten Jahrzehnte im Konsens.  So schreibt der berühmte  amerikanische Kardiologe &#039;&#039;Bernard Lown&#039;&#039; im Vorwort seines Medizin-Bestsellers &#039;&#039;„Die verlorene Kunst des Heilens&amp;quot;:[1]„Dieses Buch möge als ein  Kompass dienen (...), indem es eine Medizin beschreibt, in welcher der Mensch im Mittelpunkt aller wissenschaftlichen Dienstleistungen steht – nämlich ein modernes Gesundheitswesen mit einem menschlichen Gesicht.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lown nennt die heutigen großen Probleme beim Namen: Die ungerechte Weltordnung, die bewirkt, dass sich auch im neuen Jahrhundert die Kluft zwischen den armen Entwicklungsländern und den reichen Industrienationen immer schneller vertieft und viel zu viele der sieben Milliarden Menschen auf der Welt in einer quälenden, erbarmungslosen und erniedrigenden Armut leben. Er fordert von den Ärzten, aktiv beim Aufarbeiten der sozialen Missstände mitzuwirken sowie bei der Heilung unseres erkrankten Planeten. Das Wort des deutschen Pathologen &#039;&#039;Rudolf Virchow&#039;&#039; ist ihm Vorbild, dass Politik eine „Medizin im Großen&amp;quot; ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie aber wird eine medizinische Denkweise und Methode erarbeitet, die solches leisten kann?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztlich kann doch nur ein neues Denken über die alten, unerbittlich wachsenden Probleme dazu führen, diese nachhaltig zu lösen. Anthroposophische Medizin möchte in aller Konsequenz dazu beitragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Physiologisch-Therapeutisches auf Grundlage der Geisteswissenschaft. Zur Therapie und Hygiene,&#039;&#039; GA 314, S. 29 und S. 226 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, S. 12.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Formatierung Katharina Offenborn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe FN 2, S. 89f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Bernard Lown, &#039;&#039;Die verlorene Kunst des Heilens,&#039;&#039; Berlin 2002.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== GESUNDHEITSWISSENSCHAFTLICHER ANSATZ DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Bereiche umfasst der gesundheitswissenschaftliche Ansatz der Anthroposophischen Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht dabei um drei Bereiche:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Um den Bereich des Ätherisch-Lebendigen und die hier agierenden &#039;&#039;&#039;Rhythmen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
# Um das Zusammenspiel der Wesensglieder im so genannten &#039;&#039;&#039;dreigliedrigen Organismus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
# Um eine dem Menschengeist gemäße &#039;&#039;&#039;Erziehung und Selbsterziehung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;AD 1. ZUR RHYTHMUSFORSCHUNG&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gunther Hildebrandt&#039;&#039;, einer der führenden Rhythmus-Forscher im 20. Jahrhundert, hat sein Lebenswerk als Physiologe der systematischen Erarbeitung der rhythmischen Funktionen und deren adaptiven, erholsamen und stabilisierenden Wirkungen gewidmet.[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hatte in einer Vortragsnachschrift von Steiner gelesen, dass die rhythmische Organisation des Menschen ihren Ausdruck findet im Rhythmus der Blutzirkulation und dem Atemrhythmus und dass dieser Zusammenhang zu wenig beachtet wird. Beim erwachsenen Menschen haben diese beiden Rhythmen das Verhältnis 4:1. Das ist natürlich nur ein approximativer Durchschnittswert, der allerdings in seinen Abweichungen Auskunft gibt über Gesundheit und Krankheit des individuellen menschlichen Organismus. Diesen Hinweisen Steiners ist Hildebrandt mit den Methoden der Chronobiologie und der Rhythmusforschung nachgegangen. Anhand seiner Resultate konnte er belegen, wie sehr die anthroposophische Geisteswissenschaft mit der akademischen Naturwissenschaft übereinstimmt und dass sich neue Möglichkeiten des Verstehens erschließen, wenn man beide methodisch ernst nimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Rhythmusforschung am Beispiel Schlaf&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Hildebrandt konnte nachweisen, dass die Schlaferholung als zentral koordinierter Prozess nicht allein aus biochemischen und physiologischen Gesichtspunkten heraus erklärbar ist, sondern dass Selbstordnungsprinzipien am Geschehen beteiligt sind, die eine rhythmische Zeitstruktur haben und prozessual in Richtung Heilung oder Krankheit stimulierbar sind. Er konnte in vielfach bestätigten Befunden nachweisen, dass im Verlauf des Nachtschlafes die ganzzahlige Frequenzabstimmung zwischen Herz- und Atemrhythmus des gesunden Organismus bei jedem Menschen wieder hergestellt wird, und zwar unabhängig von der Richtung der am Tage aufgetretenen Abweichungen. Dasselbe konnte Hildebrandt auch hinsichtlich der ganzzahligen Frequenzabstimmungen von Atem- und Blutdruckrhythmus sowie von Blutdruckrhythmus und Minutenrhythmus der peripheren Durchblutung nachweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Arbeitsrhythmen der Wesensglieder und autochrone Biorhythmen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Des Weiteren konnte Hildebrandt zeigen, dass die von Steiner erforschten basalen Arbeitsrhythmen der Wesensglieder tatsächlich den evidenten, adaptiven und autochronen Biorhythmen des Menschen entsprechen. Auch konnte er belegen, dass diese hygiogenetischen Prozesse in der Regel reaktiv ausgelöst werden und ihre Zeitstruktur nicht von den Eigenrhythmen der Wesensglieder bestimmt werden, sondern reaktiv von deren harmonischen Frequenzmultiplen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Jahresrhythmen unter Einfluss des physischen Leibes ====&lt;br /&gt;
Regenerative und adaptive Rhythmen des physischen Leibes hängen mit dem Jahreslauf der Sonne sowie der annualen Rhythmik zusammen. Die heteronomen trophisch-plastischen Wachstumsprozesse mit der submultiplen Periodendauer des Jahresrhythmus werden überwiegend von den Einflüssen bestimmt, die der physische Leib auf die hygiogenetische Aktivität des Ätherleibes hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; 7-Tage-Rhythmus bestimmt vom Ätherleib ====&lt;br /&gt;
Regenerative und adaptive Rhythmen des ätherischen Leibes entsprechen dem Monatsrhythmus sowie der lunaren Rhythmik. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Monatsrhythmus bestimmt vom Astralleib ====&lt;br /&gt;
Adaptive und regenerative Rhythmen des Astralleibes von 7 Tagen entsprechen dem Wochenrhythmus, der zirkaheptanen Rhythmik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Rhythmisches Zusammenspiel von Ätherleib und Astralleib&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Die eigentlichen heilenden Prozesse, die sich als normgerichtete Regenerationsvorgänge äußern und eine funktionelle Normalisierung herbeiführen, werden im Zusammenwirken von Ätherleib und astralischem Leib zeitlich gegliedert. Ausdruck dieses Zusammenwirkens ist die Tatsache, dass der spontane Eigenrhythmus des Astralleibes mit 7 Tagen Periodendauer zugleich eine Submultiple des ätherischen Monatsrhythmus darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Eigenrhythmen der beiden Wesensglieder stehen bemerkenswerterweise auch im doppel-oktavischen harmonischen Verhältnis von 4:1. Das vielfach nachgewiesene Vorherrschen der zirkadianen Septanperiodik bei den spontanen und therapeutisch angestoßenen Selbstheilungsprozessen kann daher so gedeutet werden, dass der Astralleib mit seinem Eigenrhythmus den hygiogenetischen Prozessen eine Zeitstruktur vorgibt, der sich der Ätherleib durch Ausbildung einer submultiplen Periodik optimal einpasst.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; 24-Stunden-Rhythmen unter Führung der Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Adaptive und regenerative Rhythmen der Ich-Organisation entsprechen dem 24 Stunden-Rhythmus, der zirkadianen Rhythmik. Seine Forschungsergebnisse zusammenfassend führt Hildebrandt aus, dass die verschiedenen, stoffwechselbedingten Erholungsprozesse mit einer Periodendauer unter 24 Stunden, die dem Bestand und der Gesunderhaltung des Organismus dienen, der zeitlichen Führung seitens der Ich-Organisation unterliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;AD 2. ZUR FUNKTIONELLEN DREIGLIEDERUNG&#039;&#039; &#039;&#039;DES MENSCHLICHEN ORGANISMUS&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Gedanke der funktionellen Dreigliederung des menschlichen Organismus geht auf eine dreißigjährige Forschung Steiners zurück, die er erstmals 1917 publizierte.[3] Der Anatom und Morphologe Johannes W. Rohen griff diese Anregung in seinen Lehrbüchern für die Medizinstudenten auf.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Sichtweise des menschlichen Organismus verknüpft drei Aspekte miteinander:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Sie macht den polaren Bau des menschlichen Organismus funktionell und morphologisch transparent.&lt;br /&gt;
# Sie liefert eine pathologisch und therapeutisch relevante Erklärung des Leib-Seele-Problems.&lt;br /&gt;
# Sie führt nicht nur zu einer neuen Sicht auf die Entstehung von Krankheit, sondern auch zu einem Konzept für die Entstehung von Gesundheit (Salutogenese, Hygiogenese).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Polarität und ausgleichende Prozesse&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Morphologisch betrachtet sind die Rundheit der Schädelform und die radiale Form der Gliedmaßen echte Polaritäten. Entsprechend polar stehen auch die bewussten, im Kopf zentrierten Denk- und Sinnestätigkeiten den unterhalb des Zwerchfells lokalisierten unbewussten metabolischen Auf- und Abbauvorgängen gegenüber. Dazwischen entfalten sich die rhythmischen Transport- und Verteilungssysteme, wie sie von den Atmungsorganen und dem Herzen als Mittelpunkt des Kreislaufsystems ausgehen. Diese dreiteilige morphologische Grundgliederung bezeichnet Steiner mit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Nerven-Sinnes-System NSS&#039;&#039;&#039;: überwiegend im Kopf zentrierte &#039;&#039;„obere Organisation&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Rhythmisches System RS&#039;&#039;&#039;: überwiegend im Thorax lokalisierte &#039;&#039;„mittl. Organisation&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Stoffwechselsystem&#039;&#039;&#039;: überwiegend im Abdomen lokalisierte &#039;&#039;„untere Organisation&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Dreigliederung entspricht bereits die Polarität von Ektoderm und Entoderm und den sich aus dem Zusammenspiel beider ergebenden sekundären mesodermalen Strukturen in der Embryonalentwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Dreigliederung findet sich auch in der Formation des Skelettes wieder: Wirbelsäule und Brustkorb haben einen rhythmisch gegliederten Aufbau (Wirbel, Rippen), im Gegensatz zur radialen Form der Extremitäten und der sphärischen des Kopfes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die zeitlich-prozessuale und damit auch die physiologisch-biochemische Betrachtung ist jedoch das jeweils spezifisches Zusammenwirken der vier Wesensglieder in den drei Regionen des Körpers entscheidend:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbstverständlich gehört der Nervenzell-Stoffwechsel den Stoffwechselfunktionen an und umgekehrt ist das vegetative Nervensystem, das wahrnehmend und regulierend auf das gesamte Stoffwechselgeschehen einwirkt, Bestandteil des Nervensinnessystems.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entsprechend ist das rhythmische System mit seinen Funktionsleistungen auch im Nervensinnes-System und beim Stoffwechsel wirksam. Es stellt mit den kurzwelligen Rhythmen der elektrochemischen Hirnpotentiale im Sekundenbereich und den langwelligen Eigenrhythmen der Stoffwechselorgane (z.B. Magen / Darmmotilität) im Stundenbereich die gesamte rhythmische Funktionsordnung im dreigliedrigen Organismus dar. Bei der Dreigliederung handelt es sich also nicht um eine Dreiteilung, sondern um eine funktionelle Gliederung, die sich gleichzeitig räumlich im polaren Aufbau des Körpers abbildet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zusammenspiel der Wesensglieder im dreigliedrigen Organismus&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Werden die Funktionen des Nerven-Sinnes- und des Stoffwechselsystems mithilfe des rhythmischen Systems nicht genügend aufeinander abgestimmt, so tritt Krankheit auf:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Derjenige wird den menschlichen Organismus in seinem gesunden und kranken Zustand – oder besser gesagt: in seinem Gesund-Sein und seinem Gesund-Werden – nicht eigentlich verstehen können, der nicht berücksichtigt, dass die so genannten normalen Funktionen im Grunde nur Metamorphosen sind, auch derjenigen, die wir hervorrufen müssen, um pathologischen Zuständen zu begegnen&amp;quot;&#039;&#039;.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hildebrandt machte darauf aufmerksam, dass diese Aussage Steiners im Prinzip dem so genannten ersten Hauptsatz der Naturheilkunde entspricht, wie er zum Beispiel von Groote formuliert wurde: &#039;&#039;„Das, was den Gesunden gesund erhält, ist auch geeignet, den Kranken wieder gesund zu machen&amp;quot;&#039;&#039;.[6]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Inkarnierende und exkarnierende Wesensgliedertätigkeit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das Steinersche Paradigma von der Metamorphose der „inkarnierenden&amp;quot; Wesensgliedertätigkeit in die „exkarnierende&amp;quot;, die das seelisch-geistige Leben ermöglicht, ist einerseits Grundlage für ein neues Verständnis des Leib-Seele-Zusammenhangs. Es bietet aber auch bisher nicht dagewesene Möglichkeiten, die Fachgebiete der Erziehungswissenschaften und Medizin in ihrem Zusammenhang zu verstehen und für die Weiterentwicklung von Therapie und Pädagogik zu nutzen. Denken, Fühlen und Wollen als seelisch-erfahrbare Qualitäten werden in ihrem Leibbezug durchschaubar:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Der &#039;&#039;&#039;Ätherleib&#039;&#039;&#039; kann damit als &#039;&#039;Träger des Gedankenlebens&#039;&#039; erkannt werden,&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;&#039;Astralleib&#039;&#039;&#039; als &#039;&#039;Träger des Gefühlslebens&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* und die &#039;&#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;&#039; als &#039;&#039;Träger des Wollens bzw. Tuns&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die inkarnierende Wesensgliedertätigkeit ermöglicht Selbsterfahrung und ist somit die Grundlage von Selbstbewusstsein im Leib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die exkarnierende Wesensgliedertätigkeit, deren Medium das Denken ist, das „Leben im Geiste&amp;quot;, ist Grundlage für die Entwicklung eines bewussten, vom Leib emanzipierten, persönlichen Innenlebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die inkarnierende und die exkarnierende Wesensgliedertätigkeit hängen eng zusammen im Kontext der Entwicklung des Menschen. So entwickelt sich z.B. unser Denken erst aus der schrittweisen Emanzipation des Ätherleibes – von der leibgerichteten Tätigkeit hin zur leibfreien, rein gedanklichen Tätigkeit.[7] Wird die gesunde Inkarnation des Ätherleibes durch die Erziehung nicht unterstützt, sondern behindert durch kognitives Frühtraining und die Förderung abstrakten Denkens, emanzipiert sich der Ätherleib zu früh und ein Mangel an Vitalität in der zweiten Lebenshälfte ist die Folge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Alles hat seine Zeit&amp;quot; ist daher die Grundlage der Waldorfpädagogik und ihres altersspezifischen Lehrplans.[8](besser nicht in kursiv).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entwicklungsgerechte Förderung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Organsysteme des menschlichen Organismus bedürfen einer entwicklungsgerechten, altersspezifischen Förderung, um sich gesund aufbauen und genügend ausreifen zu können. Nur dadurch kann die Inkarnation aller Wesensglieder optimal gewährleistet werden. Damit wird auch die physiologische Lockerung der Wesensglieder im letzten Lebensdrittel auf möglichst gesunderhaltende Art und Weise vorbereitet. Jeder alternde Organismus hat zwar die Disposition zu chronischen Erkrankungen des älteren Menschen, ob es jedoch zum Ausbruch einer entsprechenden Krankheit kommt bzw. welchen Schweregrad sie erreicht, ist bis zu einem gewissen Grad abhängig davon, wie das Kind oder der Jugendliche die Zeit der Inkarnation der Wesensglieder durchlaufen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiteres Kriterium ist die Frage, ob in der Lebensmitte durch geistige Aktivität Lebensfragen und Konflikte so verarbeitet wurden, dass die zur Gesunderhaltung von Leib und Seele nötige Übereinstimmung mit sich und dem Schicksal hergestellt werden konnte. Aaron Antonovsky spricht von der Notwendigkeit, ein „Kohärenzgefühl“ sich und seinen Lebensumständen gegenüber zu erwerben.[9]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;AD 3.&#039;&#039; &#039;&#039;ERZIEHUNG UND SELBSTERZIEHUNG ALS QUELLE SALUTOGENER KOMPETENZ&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die von Rudolf Steiner konsequent verfolgte These einer Erziehung zur Freiheit und einer Lehre von der Gesundheit, basierend auf der Auseinandersetzung mit den Herausforderungen des Lebens auf geistiger, seelischer und körperlicher Ebene, erfährt auf vielfältige Weise Bestätigung durch:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Hygiogenese&#039;&#039;&#039; (Hildebrandt 1985),&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Salutogenese&#039;&#039;&#039; (Antonovsky 1997)&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Resilienzforschung&#039;&#039;&#039; (Opp/Fingerle/Freytag 1999)&lt;br /&gt;
* sowie die &#039;&#039;&#039;Erforschung der seelischen Gesundheit&#039;&#039;&#039; durch die humanistische Psychologie (Maslow 1981).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Erforschung der seelischen Gesundheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Maslow fand bei seinen Untersuchungen zur seelischen Gesundheit heraus, dass Menschen mit einer gesunden seelischen Gesamtverfassung sach- und nicht ich-bezogen handeln, dass sie tolerant und wahrhaftig sind, sich herzlich freuen, staunen und Dinge und Menschen bewundern können, dass sie Gefühle der Devotion aufbringen. Ihnen ist gemeinsam, dass sie auf die eine oder andere Art auf eine spirituelle Höhepunkt-Erfahrung, die so genannte Peak-Experience, zurückschauen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Maslow konnte zeigen, in wie hohem Maße die Arbeit an der eigenen Persönlichkeit und die persönliche Reife Einfluss auf den körperlichen Gesundheitszustand haben.[10]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Salutogenese – die Lehre von der Gesundheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Antonovsky entwickelte in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts seine Theorie der Salutogenese. Er untersuchte die Bedingungen für das Entstehen von Gesundheit und wählte als Kernbegriff den „Sense of Coherence“ – das Kohärenzgefühl. Die Entstehung von Kohärenzgefühls unterliegt drei Vorbedingungen: Die Welt muss als&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* verstehbar&lt;br /&gt;
* sinnhaft&lt;br /&gt;
* handhabbar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
erlebt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder in der Gesundheitsforschung Tätige kommt früher oder später zu der Überzeugung, dass Gesundheit ein labiler Zustand ist, der vom Individuum aktiv erhalten werden muss. Diese Auffassung steht im Gegensatz zum konventionellen, pathogenetischen Postulat, dass ein gesunder Organismus sich in „normaler&amp;quot;, geordneter Homöostase befindet, die durch eine Krankheit aus dem Gleichgewicht gebracht wird. Antonovsky stellt dem entgegen, dass es den geordneten Zustand der Homöostase nicht gibt, dass Gesundheit vielmehr das ständige Ringen mit heterostatischen Zuständen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er schreibt: &#039;&#039;„Zu jedem Zeitpunkt kann mindestens ein Drittel, möglicherweise mehr als die Hälfte der Bevölkerung in den Industrienationen aufgrund des einleuchtenden Parameters eines pathologischen Merkmals als krank bezeichnet werden. Das zeigt, dass Krankheit keine relativ seltene Abweichung irgendeiner Norm, sondern ein ubiquitäres Phänomen ist&amp;quot;&#039;&#039;.[11]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit ist so gesehen nicht die Abwesenheit von Krankheit, sondern die Beherrschung und Kompensierung vorhandener Krankheitstendenzen. Für diese gesundheitswissenschaftliche Sicht bietet das Konzept der Wesensglieder und ihr differenziertes Zusammenwirken im dreigliedrigen Organismus das notwendige theoretische und praxisrelevante Instrumentarium. Hinzu kommt, dass das Wesensgliederkonzept bisher das einzige Konzept ist, das dem denkenden Begreifen den Leib-Seele-Geist-Zusammenhang voll erschließen kann und die These von der „Blackbox&amp;quot; begründet hinterfragt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Amelung, W. / Hildebrandt, G. (Hrsg.), Balneologie und medizinische Klimatologie, Berlin 1985.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Gunther Hildebrandt, &#039;&#039;Physiologische Grundlagen der Hygiogenese&#039;&#039;, in: Peter Heusser (Hrsg.), &#039;&#039;Akademische Forschung in der anthroposophischen Medizin&#039;&#039;. Beispiel Hygiogenese: Natur- und geisteswissenschaftliche Zugänge zur Selbstheilungskraft des Menschen, Bern 1999.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Von Seelenrätseln&#039;&#039;, GA 21.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Johannes W. Rohen, &#039;&#039;Morphologie des menschlichen Organismus. Versuch einer goetheanischen Gestaltlehre des Menschen,&#039;&#039; Stuttgart 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Anthroposophische Grundlagen für ein erneuertes christlich-religiöses Wirken&#039;&#039;, GA 342, Dornach 1993.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] L. R. Groote, K. E. Rothschuh, &#039;&#039;Der Arzt im Angesicht von Leben, Krankheit und Tod&#039;&#039;, hrsg. von K. E. Rothschuh, Stuttgart 1961.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkt der Geisteswissenschaft&#039;&#039; in: &#039;&#039;Lucifer - Gnosis&#039;&#039;. 1903-1908, Dornach 1987;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M. Glöckler, &#039;&#039;Gesundheit und Schule. Schulärztliche Tätigkeit an Waldorf- und Rudolf-Steiner- Schulen.&#039;&#039; Dornach 1998.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Tobias Richter, &#039;&#039;Lehrplan&#039;&#039;, Stuttgart 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Aaron Antonovsky, &#039;&#039;Salutogenese. Zur Entmystifizierung der Gesundheit&#039;&#039;, Tübingen 1987.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Abraham Maslow, &#039;&#039;Motivation und Persönlichkeit&#039;&#039;, Hamburg 1981.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Siehe Fußnote 9.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== METHODISCHE GRUNDLAGEN DES ANTHROPOSOPHISCHEN ANSATZES ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worin wurzelt die Methodik des anthroposophischen Ansatzes?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wurzeln des anthroposophischen Ansatzes&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der anthroposophische Ansatz hat seine Wurzeln in der abendländischen Philosophie und der Erkenntnisdramatik des 20. Jahrhunderts. Er bemüht sich um ein spirituelles Verständnis von Mensch und Welt über die Weiterentwicklung des Denkens zu einer unmittelbaren geistigen Anschauung, von Steiner „Imagination“ genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039;        Anthroposophische Medizin ====&lt;br /&gt;
Anthroposophische Medizin hat zum Ziel, sich am Menschen selbst zu orientieren und seinem Heilbedarf auf die jeweils bestmögliche Art zu entsprechen. So greift der konsequent integrativ-medizinische Ansatz nicht nur die verschiedenen Erkenntnis-, Erfahrungs- und Daseinsebenen des Menschen auf, sondern verfügt auch über eine Diversität methodischer Zugänge. Im Sinne des Goethe‘schen Paradigmas bedeutet das, die Art der Betrachtung von der Art des zu Betrachtenden abhängig zu machen. Da der Mensch selbst ein so vielschichtiges und kompliziertes Wesen ist, bedarf es zu seiner Erforschung und Beschreibung die dem jeweiligen Objekt der Erkenntnis angemessene Methode. Allerdings müssen die so erforschten Einzelaspekte dann untereinander vernetzt und konzeptionell so verknüpft werden, dass eine Ganzheit entsteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Die Medizin des 21. Jahrhunderts muss wieder neu den Menschen entdecken, der immer mehr in ultrastrukturelle Teile zerbricht, weil ihr eine auf die Ganzheit gerichtete Erkenntnismethode – die intuitive – fehlt“.&#039;&#039;[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Menschen in seiner Totalität zu erfassen, ist ohne Intuition und Empathie nicht möglich. Diese Ganzheit dann aber je nach Fragestellung und Blickwinkel methodisch und inhaltlich zu gliedern und auch deduktiv zugänglich zu machen, bedarf eines differenzierten Erkenntnisansatzes, wie er in den methodischen Grundlagen der anthroposophischen Geisteswissenschaft vorliegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039;       Anthroposophische Geisteswissenschaft ====&lt;br /&gt;
Anthroposophische Geisteswissenschaft vermittelt keine „fertige&amp;quot; Weltanschauung. Vielmehr lehrt sie, sich eine eigene Weltsicht zu erarbeiten, indem sie bei der Ausbildung des „Selber-Denkens&amp;quot; ansetzt. Mit Hilfe dieses Ansatzes kann jeder Fragen aufgreifen, die ihn im Zusammenhang mit der eigenen Religion oder spirituellen Heilweise interessieren. So gibt es nicht nur Schulmediziner, sondern auch Homöopathen und Vertreter anderer Therapierichtungen, die sich zu anthroposophischen Ärzten weiterbilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039;       Anthroposophische Arzneimittel ====&lt;br /&gt;
Aufgrund des integrativ-medizinischen Ansatzes können die Arzneimittel der anthroposo­phischen Therapierichtung weder methodisch noch von den Stoffgruppen her klar abgegrenzt werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Beispiel wird eine Vielzahl von Arzneimitteln aus natürlichen Rohstoffen hergestellt, ohne dass Anthroposophische Medizin deshalb identisch mit der Naturheilkunde wäre. Es werden über 250 Heilpflanzen verarbeitet, dennoch ist Anthroposophische Medizin keine Phytotherapie. Denn im gesamten Arzneimittelschatz haben gerade die aus natürlichen mineralischen Rohstoffen hergestellten Präparate eine besondere Bedeutung. Schließlich ist Anthroposophische Medizin auch nicht mit der Homöopathie identisch, obwohl sie mit ihr – in modifizierter Form – die Technik des Potenzierens und die Potenzbezeichnung für sehr viele mineralische, pflanzliche und einige tierische Arzneimittel gemeinsam hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch liegt eine größere Anzahl von Präparaten in konzentriert-stofflicher Form vor, allen voran die Präparate aus der weißbeerigen Mistel zur Krebsbehandlung oder das gern gebrauchte Mittel zur Kreislaufregulation Cardiodoron®. Dennoch ist die anthroposophische Therapierichtung nicht zu der allopathischen zu rechnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Volker Fintelmann, &#039;&#039;Intuitive Medizin,&#039;&#039; Hippokrates Verlag, Stuttgart: 1. Aufl. 1987, 5. Aufl. 2007.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== NOTWENDIGER PARADIGMENWECHSEL IN DER MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Warum bedarf die Schulmedizin einer Ergänzung durch eine ganzheitliche Sicht auf den Menschen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern kann die Anthroposophische Medizin zu einem Paradigmenwechsel beitragen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Notwendige Demokratisierung des Gesundheitswesens&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das naturwissenschaftliche medizinische System orientiert sich an der Pathologie. Aus wirtschaftlicher Perspektive folgt daraus: Je mehr Diagnostik und Therapie betrieben werden, umso so mehr Umsatz kann gemacht werden. Anders ausgedrückt: Mit der Krankheit Geld zu verdienen, fördert das Krankheitswesen. Würde man jedoch mit Prävention und Gesundheitsstrategien Umsätze machen und dafür in eine Gesundheitskasse einzahlen, würde dies entschieden zur Volksgesundheit beitragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner forderte bereits 1920 eine &#039;&#039;„Demokratisierung des Gesundheitswesens“.[1]&#039;&#039; Ärzte, Apotheker, Hersteller und Verbraucher sind gefragt, gemeinsam und in Partnerschaft mit den Patienten bzw. Vertretern der Zivilgesellschaft Mitverantwortung für die Gestaltung des Gesundheitswesens zu übernehmen und für die hierzu erforderliche Methodenvielfalt und Therapiefreiheit einzutreten.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Auf Prävention fokussieren&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Paradigmenwechsel könnte sich allem voran darin äußern, dass man der Gesundheitsforschung höchste Priorität gibt. Dies erfordert aber eine ganzheitliche Sicht auf den Menschen, weil Gesundheit nicht auf molekularer Ebene entsteht, sondern das komplexe Ergebnis des Zusammenwirkens geistiger, seelischer, ökologischer und körperlicher Vorgänge ist. Es gehört aber auch eine „physiologische Denkweise dazu“, die dies vermitteln kann. Diese bietet die Anthroposophische Medizin. Als Kinderärztin erlebte ich in der Praxis immer wieder mit Freude, wie lebens- und entwicklungsfreundlich diese physiologische Denkweise und das integrative Menschenbild der Anthroposophischen Medizin sind. Hierzu drei Beispiele:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== •  Vitamin D ====&lt;br /&gt;
Als das Vitamin D entdeckt wurde, reiste der anthroposophische Kinderarzt &#039;&#039;Wilhelm zur Linden&#039;&#039; von Kongress zu Kongress und informierte seine Kollegen, dass die Dosen, die sie den Kindern verabreichten – Vigantolstöße genannt – viel zu hoch und unphysiologisch wären und den Kindern nicht nur nützen, sondern auch schaden würden. Seine Warnungen blieben über Jahre ungehört – bis Studien und Beobachtungen in der Praxis endlich zeigten, wie recht er hatte.[3] Doch bis dahin hatten unzählige Kinder bereits Schaden genommen. Man hätte das durch eine gesunde Denkweise vermeiden können. denn später machte schließlich genau das, was zur Linden ganz zu Anfang schon empfohlen hatte: Man gab kleine, der Physiologie angenäherte Dosen, wie der Körper sie selbst bilden könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;•  &#039;&#039;&#039;Fieberbehandlung ====&lt;br /&gt;
Ein weiteres Beispiel betrifft die Fieberbehandlung. Als ich mein Kinderärzte-Staatsexamen machte, mussten wir noch ankreuzen, dass Fieber eine Krankheit ist, die fiebersenkend, antipyretisch behandelt werden müsse, sonst wäre die Antwort falsch gewesen. Für das Facharzt-Examen besorgte ich mir dann die neueste Auflage der Kinderheilkunde von Professor Simonis. Dort las ich, nur der unerfahrene Kinderarzt würde bei jedem Fieber ein fiebersenkendes Mittel verordnen. Der erfahrene wisse, dass Fieber immunstimulierend wirkt und entscheidend zur Krankheitsbekämpfung beiträgt. Fieber sei ein natürliches Virostatikum und Antibiotikum. Bakterien und Viren sterben zwischen 39° und 40°. Man müsse das Fieber nur intelligent begleiten. Das belegen mittlerweile auch andere Studien weltweit.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Teil bis heute wurden und werden viele Kinder aber „falsch“ behandelt, obwohl man eigentlich weiß, dass es nicht gut ist! Und das nur, weil man im Medizinstudium nicht lernt, mit dem Organismus und im Sinne seiner Funktionen zu denken und zu fühlen und ihn in seinem Sosein optimal zu unterstützen. Selbstverständlich gibt man ein Antipyretikum, wenn man das Fieber nicht beherrschen kann. Aber das ist nur in wenigen Fällen nötig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== •  Antibiotika ====&lt;br /&gt;
Noch in meiner Facharztprüfung Anfang der Achtziger musste ich die Schulmeinung wiedergeben, dass jede Mittelohrentzündung/Otitis Media breitbandantibiotisch behandelt werden müsse, jede! Mit großen Hochglanzprospekten wurden die Forschungen dazu vorgestellt. Dieselben Firmen der Pharmaindustrie hatten jedoch Mitte der Neunziger Jahre plötzlich großes Interesse daran, genau das Gegenteil zu beweisen: Damals hatte die Antibiotikaresistenz bestimmter Krankheitserreger so zugenommen, dass es für die Firmen teurer war, neue Antibiotika zu entwickeln, als die Einbußen durch Nichtbehandeln hinzunehmen. So „durfte“ man jetzt vernünftig behandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophische Ärzte haben jedenfalls – ebenso wie ihre Kollegen in Homöopathie und Komplementärmedizin – durch ihren nicht routinemäßigen, sondern individuell abgewogenen Einsatz von fiebersenkenden Mitteln und Antibiotika seit langem einen nachahmenswerten Beitrag geleistet, der heute so viel diskutierten Antibiotika-Resistenzentwicklung entgegenzuwirken.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner sagte, die Ärzte der Zukunft werden Lehrer in Gesundheitswissenschaft sein und die Lehrer der Zukunft werden Präventionsärzte für die Heranwachsenden sein.[6] Das ist ein Konzept, an dem es sich zu arbeiten lohnt, für das ich mich zunehmend begeistern kann, weil es genau der Beitrag ist, den die Medizin der Gegenwart für ihren Paradigmenwechsel braucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Was ist Anthroposophische Medizin?, Verlag am Goetheanum 2017&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Hygiene als soziale Frage. In: Physiologisch-Therapeutisches auf Grundlage der Geisteswissenschaft.&#039;&#039; GA 314. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1989, S. 221 - 261.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Mehr dazu unter: www.eliant.eu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Eine ausführliche Darstellung der Vitamin-D-Schäden findet sich bei M.S. Seelig, &#039;&#039;Vitamin D and cardiovascular, renal and brain damage in infancy and childhood.&#039;&#039; Ann. New York Acad. Sci. 1969, 147:539 - 582.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Ilene Claudius, Larry J. Baraff, &#039;&#039;Pediatric emergencies associated with fever.&#039;&#039; Emergency Medicine Clinics of North America 28: S. 67 - 84, 2010.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Hamre, Harald J. / Glockmann, Anja / Schwarz, Reinhard / Riley, David S. / Baars, Eric W. / Kiene, Helmut / Kienle, Gunver S.: Antibiotic Use in Children with Acute Respiratory or Ear Infections: Prospective Observational Comparison of Anthroposophic and Conventional Treatment under Routine Primary Care Conditions. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine 2014: &amp;lt;nowiki&amp;gt;http://dx.doi.org/10.1155/2014/243801&amp;lt;/nowiki&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Siehe auch: &#039;&#039;Waldorfpädagogik und Anthroposophische Medizin&#039;&#039;. Schwerpunktheft „Der Merkurstab“ 4:2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FÜNF URSACHEN FÜR KRANKHEIT UND FÜNF WEGE ZUR HEILUNG ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Ursachen für Erkrankung gibt es laut Paracelsus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und welche Wege der Heilung sieht die Anthroposophische Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fünf Ursachen für Krankheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Schon &#039;&#039;Paracelsus&#039;&#039;&#039;[1]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; hat gesagt, der Mensch sei ein fünfgliedriges Pentagramm.[2] Entsprechend gibt es fünf Wege, gesund bzw. krank zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesen Gedanken habe ich versucht, in die Anthroposophische Medizin und in die heutige Zeit zu übertragen. Ich stelle also Paracelsus’ Beispiel mit den Worten des einundzwanzigsten Jahrhunderts dar:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Physischer Standpunkt ====&lt;br /&gt;
Der erste Arzt vertritt den physischen Standpunkt: &#039;&#039;„Das ist doch klar: Der Patient ist durch den Cholerabazillus infiziert worden und letztlich an nicht mehr beherrschbaren Komplikationen verstorben.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ätherischer Standpunkt ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Eines wundert mich“,&#039;&#039; sagt der Zweite, &#039;&#039;„wenn gesichert ist, dass der Patient an einem Bazillus gestorben ist, warum sind dann nicht alle gestorben, die sich angesteckt haben? Denn die meisten meiner Patienten sind nicht gestorben. Also ist klar, dass der Patient gestorben ist, weil seine Selbstregulation versagt hat. Deshalb konnten auch die Komplikationen nicht beherrscht werden. Die Krankheitsursache liegt eindeutig im Ätherischen. Seine Abwehr war zu schwach, er hatte ein Immundefizit. Der Patient ist an seiner immunologischen Inkompetenz gestorben.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Astralischer Standpunkt ====&lt;br /&gt;
Der dritte Arzt spricht vom Aspekt des Astralleibes her: &#039;&#039;„Liebe Kollegen, Immunkompetenz und Bazillenwirkung sind nicht das Ende der Medizin! Ich kann euch sagen, woran es liegt, dass das Immunsystem eines Menschen dekompensiert: Habt ihr noch nie etwas von der Psychoneuroimmunologie gehört? Meine Forschungsergebnisse belegen, dass positive Gefühle das Immunsystem stärken. Negative Gefühle lassen das Immunsystem früher oder später insuffizient werden. Die Ursache für den Choleratod liegt also in den negativen Gefühlen des Patienten. Er war bitter, kritisch, nörgelig – enttäuscht über sein Leben. Ihr habt ihn doch gekannt! Er war seelisch nicht besonders konstruktiv. Das hält doch kein Mensch auf Dauer aus. Der Cholerabazillus war nur der Effektor. Der Patient war eigentlich schon am Ende. Die Todesursache liegt also im Seelischen.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Standpunkt der Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Schließlich meldet sich ein Vierter und beleuchtet das Ganze vom Aspekt der Ich-Organisation her: &#039;&#039;„Ich könnte allem folgen, was ihr sagt, aber mich wundert, dass ihr meint, das wären die wirklichen Ursachen. Meine Erfahrung ist, dass es vom eigenen Identitätsbewusstsein abhängt, ob jemand bereit ist, an seinen negativen Gefühlen zu arbeiten. In meiner medizinischen Erfahrung habe ich gelernt, Patienten zu motivieren, an ihren negativen Gefühlen zu arbeiten und diese zu überwinden. Dadurch entwickeln sie immunologische Kompetenzen. Selbstüberwindung und die Bereitschaft, aus dem Negativen etwas Positives zu gewinnen, habe ich als das stärkste Wirkprinzip entdeckt. Diejenigen, die keine Lust am Lernen, an der Verwandlung, die keine Lust haben, auch das Negative als zum Leben gehörig zu betrachten, sondern sich immer nur darüber beklagen, werden früher oder später krank. Keine Seele hält es aus, wenn in ihr ein lahmes, inaktives Ich wohnt. Also sage ich: Der Patient ist daran gestorben, dass er sich zu wenig mit sich und seinem Leben identifizieren konnte.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Schicksalsstandpunkt ====&lt;br /&gt;
Der fünfte Arzt sagt: &#039;&#039;„Ich habe das Horoskop des Patienten konsultiert – das stand auf Krise. Man muss zwar bis zuletzt alles tun, was möglich ist – aber gegen das Schicksal und Gottes Ratschluss sind wir ohnmächtig.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun sind alle gespannt, was Paracelsus selber dazu sagen werde. Er überrascht seine Kollegen, indem er sagt: &#039;&#039;„De quinte entibus. Liebe Kollegen, es gibt fünf Wege zur Krankheit und entsprechend auch zur Heilung. Deswegen habt ihr alle fünf recht.“ Ein guter Arzt hat all dies im Auge und greift da an, wo er seiner ärztlichen Intuition gemäß die größten Heilungschancen sieht. Erzwingen können wir nichts, aber wir können bis zuletzt um das Leben des Patienten ringen und für seine Heilung kämpfen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fünf Wege zur Heilung in der Anthroposophischen Medizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Auf der physischen Ebene: ====&lt;br /&gt;
Einsatz der Möglichkeiten der Schulmedizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Auf der ätherisch-prozessualen Ebene: ====&lt;br /&gt;
Prozessorientiert-wirksame Arzneimittel, Diät und Lebensstiländerungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Auf der astralen Ebene: ====&lt;br /&gt;
Neben dem therapeutischen Gespräch ist die Verordnung einer künstlerischen Therapie äußerst hilfreich. Darin können sich auch Kranke ausdrücken, die (noch) nicht bereit sind, über ihre Probleme zu sprechen. Auch Biographie-Arbeit hat sich bewährt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Auf der Ich-Ebene: ====&lt;br /&gt;
Wichtig ist die Beachtung der Identitätsfrage. Manchmal muss man hier das Hauptaugenmerk darauf richten und bei Selbstwertfragen oder Identitätsproblemen Wege zu Selbstschulung nennen. Oft hilft auch die Empfehlung der Lektüre von Steiners Buch zur Selbstschulung &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“&#039;&#039;&#039;[3]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; oder aber eine erneute Suche nach religiöser Sinnfindung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Auf der Ebene der spirituellen Orientierung: ====&lt;br /&gt;
Die Erarbeitung einer sinnstiftenden Weltanschauung ist das tragende Fundament einer gesunden Lebensführung. Hier ist jeder einzelne gefragt, das für ihn Stimmige zu suchen und die entsprechenden Gesichtspunkte im Leben anzuwenden und zu beherzigen. Der Arzt kann auf Grund seiner Lebenserfahrung und Empathie helfender Begleiter sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur Anthroposophischen Medizin, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Philippus Theophrastus Aureolus Bombastus von Hohenheim, getauft als Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, (* vermutlich 1493 in Egg, Kanton Schwyz; † 24. September 1541 in Salzburg) war ein Arzt, Alchemist, Astrologe, Mystiker, Laientheologe und Philosoph. Paracelsus hinterließ zahlreiche deutschsprachige Aufzeichnungen und Bücher medizinischen, astrologischen, philosophischen und theologischen Inhalts, die größtenteils erst nach seinem Tod gedruckt wurden. (wikipedia)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Paracelsus, &#039;&#039;Opus paramirum und De quinte entibus&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?&#039;&#039; GA 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== WIRKFAKTOREN IN DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wirkt Medizin generell?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Faktoren spielen dabei eine Rolle?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wie Anthroposophische Medizin wirkt&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Wirksamkeit der Anthroposophischen Medizin setzt sich aus verschiedenen Faktoren zusammen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Stoffliche Qualität ====&lt;br /&gt;
Schwefel wirkt anders als Phosphor oder anderes. Dieses Enzym hat diese Wirkung und ein anderes Hormon eine andere. Wenn ich ein bestimmtes Mittel gebe, muss ich das berücksichtigen. Das ist die rein stoffliche Wirkung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Pharmazeutisch-moralische Qualität ====&lt;br /&gt;
Es gibt verschiedene Stufen der ethisch-moralischen Zusatzwirkung. Wenn ein Pharmazeut seine Produkte mit Liebe herstellt, ist der Stoff nicht nur Träger seiner Eigenwirkung, sondern die positive Absicht, helfen zu wollen, überträgt sich vom Pharmazeuten auf das Produkt. Das ist eine pharmazeutische Qualität, die er moralisch beeinflussen kann. Das hat nicht nur mit Produktreinheit zu tun, ob unsauber oder sauber gearbeitet wird, sondern mit der moralischen Integrität dessen, der das Produkt herstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Ärztliche Qualität ====&lt;br /&gt;
Ärztliche Qualität entsteht, wenn ein Arzt ein Medikament aufgrund guter Überlegungen mit seinen eigenen Gedanken durchsetzt, mit seiner Liebe zum Patienten, mit seinem Willen, ihm zu helfen. Wenn er das Rezept aus dieser Gesinnung heraus dem Patienten gibt, geht diese innere Einstellung auf den Patienten über. Die Schulmedizin nennt das ‚Placebo-Effekt’, die ‚Droge Arzt’. Aber es gibt keinen Placebo-Effekt, es gibt nur Wirkungen, die man nicht versteht! Der Begriff des Placebos ist ein unwissenschaftlicher Lückenbüßer, den man auch so kennzeichnen müsste. Man muss verstehen, warum welches Placebo wie wirkt! Gute Gedanken sind wirksam:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ist es nichts, wenn einer einem anderen „alles Gute“ wünscht?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es macht einen Unterschied, wenn jemand lügt und dem anderen in Wirklichkeit nicht alles Gute wünscht!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich jemandem Gutes wünsche bzw. wenn ich als protestantischer Christ die Fürbitten mache oder als Katholik bete, hat das doch eine Wirkung! Ich mache das doch nicht zur Selbstbefriedigung, um mir zu zeigen, wie moralisch einwandfrei ich bin oder um dem Pfarrer zu gefallen! Ich mache es, weil ich davon überzeugt bin, dass Gedanken wirksam sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt destruktive Gedanken und positive Gedanken, die nicht nur auf mein Immunsystem, sondern auch auf die Immunsysteme meiner Mitwelt wirken. Hass auf andere Leute ist destruktiv, nicht nur für mich, sondern auch für die Anderen. Das sind astrale Attacken, die Verletzungen seelischer Art erzeugen können. Auch wenn sie unbewusst sind, wirken sie. Sensible Leute spüren genau, wenn Menschen sie hassen oder sie vernichten, betrügen oder mobben wollen. Es braucht nicht real zu passieren, man spürt bereits die Intention als etwas Destruktives. Solche Wirkungen sind kein Placebo-Effekt, sondern geistig-seelisch genau zu beschreiben und kommen entweder aus dem Denken, dem Fühlen oder der Intention von Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Ärztliche Intention als Zusatzwirkung&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Als Arzt gebe ich meine Intention dem Medikament mit. Rudolf Steiner sagt, der Arzt müsse seinem Arzneimittel eine „Aura“ mitgeben, eine Widmung. Wenn ich zum Beispiel Schwefel oder Phosphor oder Arnika verordne, denke ich in diesem Moment an diesen Menschen, an seine Lebenssituation und widme die Wirkung des betreffenden Mittels dieser Situation. Es ist eine weiter imponderable Zusatzwirkung zur normalen Arnika-Essenz im Fläschchen, wenn ich es einem älteren Menschen, der auf der Intensivstation liegt, als Umschlag verordne. Für diesen Menschen habe ich ganz andere Gedanken als für jemand anderen. Meine Gedanken sind Teil dieser individuellen Therapie. Auch eine Standardtherapie verordne ich individuell, weil jeder Mensch anders ist. Es gibt keine zwei gleichen Situationen, auch wenn ich vielfach dieselben bewährten Arzneimittel verwendet habe. Das ist die ärztliche Wirkkomponente.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Der Wille zur Gesundung ====&lt;br /&gt;
Die vierte Komponente betrifft den Eigenanteil des Patienten. Patienten wollen heute genau wissen: „Wofür ist das?“, „Wogegen ist das?“ Wenn sie dann den Beipackzettel lesen, bekommen sie oft Angst. Inzwischen gibt es auch anthroposophische Beipackzettel, auf denen beispielsweise steht: An Kindern nicht erprobt, bitte nicht unter 12 Jahren anwenden. Da bekommen Eltern Angst vor Arnika D6, weil es nicht erprobt ist, und halten es für gefährlich. Dadurch kann sich die positive Wirkung des Arzneimittels nicht voll entfalten. Oder die Mittel wirken nicht recht, weil der Patient eigentlich nicht wirklich gesund werden will. In diesem Fall braucht und will er seine Krankheit. Ein Patient, der nicht gesund werden will, muss erst einmal lernen, wieder gesund werden zu &#039;&#039;wollen&#039;&#039;. Er sucht noch die Flucht in die Krankheit, weil er diesen Schutzraum offenbar braucht. Das ist im Moment seine Identität. Ein Patient, der nicht gesund werden will, für den die Krankheit seine aktuell aushaltbare Gesundheit ist, verkraftet das Leben nicht. Er braucht eine andere Behandlung, als „auf Teufel-komm-raus“ gesund gemacht zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Ärzte haben keine Zeit für eine gründliche Anamnese. Sie behandeln oft auch Menschen, die von Arzt zu Arzt gehen und in Wirklichkeit gar nicht gesund werden wollen. Man hätte schon in der Erstbegegnung eine Biografiearbeit dazwischenschalten oder sagen müssen: „Ich glaube, Sie sind wirklich krank. In ihrer jetzigen Situation würde ich ihnen raten, dass Sie sich für den Prozess des Gesundwerdens genügend Zeit nehmen. Lassen Sie sich im Moment von Ihrem Job beurlauben. Ich gebe Ihnen ein Zeugnis und wir nehmen uns einen ganz langsamen Weg zur Gesundheit vor, damit Sie so werden, wie Sie werden wollen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein anderes therapeutisches Ziel, als jemanden so schnell wie möglich symptomfrei zu bekommen, damit er wieder funktioniert. Wirkliche Heilung kann erst erfolgen, wenn der „Gesund-mache-Wille“ des Arztes sich mit dem „Gesund-werde-Willen“ des Kranken verbinden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Gnade ====&lt;br /&gt;
Das fünfte Therapieprinzip heißt schlicht Gnade. Man kann nicht gegen das Schicksal angehen. Manchmal ist das Schicksal des Kranken so, dass man trotz aller erdenklichen Mühe nicht helfen kann. Das fünfte Prinzip wurzelt in der Überzeugung, dass das Leben nicht in der ärztlichen Kompetenz, sondern in der Hand Gottes liegt. Wenn der Krebs erneut ausbricht, gehe ich mit dem Patienten anders um als zu Beginn einer Krebserkrankung. Jetzt ist größtmögliche Ehrlichkeit gefragt. z.B. das Eingeständnis: &#039;&#039;„Wenn nicht ein Wunder geschieht, könnte es diesmal der Anfang vom Ende sein. Überlege, ob Du Deinem Leben eine vollkommen andere Wendung geben willst und kannst. Jetzt hast Du nichts mehr zu verlieren, Du kannst nur noch gewinnen. Schau mal, ob Du Dich von allem, was Dich zwingt, freimachen kannst und frage Dich, was Du mit deinem letzten Lebensabschnitt wirklich machen willst. Folge nur Dir selbst!“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann passieren manchmal ungeahnte Wunder. Manchmal braucht es diese Todesnähe, bis ein Patient wirklich zu sich kommt und weiß, was für ihn im Leben zählt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Beispiel einer terminalen Krebserkrankung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ich hörte von einem Patienten mit terminalem Krebs. Der Arzt hatte ihm maximal drei Monate gegeben. Er trennte sich daraufhin von all seinem Hab und Gut, verkaufte sein Haus und ging auf Weltreise. Er wollte nun endlich umsetzen, wofür er sich sein Leben lang keine Zeit genommen hatte. Nach seiner Heimkehr wollte er den Rest seines Geldes verschenken und sich auf das Sterben vorbereiten. Als er zurückkam, war der Krebs jedoch weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geschichte hat mir ein Kollege erzählt, der meinte, so etwas wäre eigentlich nicht möglich. Ebenso sah es die Uni-Klinik, in der er behandelt wurde. In der Schulmedizin nennt man das ‚Spontanheilung’. ‚Placebo-Effekt’ und ‚Spontanheilungen’ sind Begriffe, die zeigen, dass man sich in der Schulmedizin nicht mit Wirkfaktoren auseinandersetzen möchte, die etwas differenzierter sind und Spiritualität mit einbeziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur Anthroposophischen Medizin, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ICH-WESEN UND WESEN DER HEILWIRKUNGEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worauf basieren die Phänomene ‚Selbstheilung und ‚Selbstregulation‘?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie korrespondieren das Ich-Wesen des Menschen und das Wesen der Heilwirkungen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern ist der Mensch direkt für den Fortgang der Evolution verantwortlich?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ich-Organisation und Selbstregulation&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel VII von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; wird das Wesen der Heilwirkungen in unmittelbarer Anknüpfung an das bisher über die physiologischen Prozesse und deren Steuerung durch die Wesensglieder Dargestellte beleuchtet. In Kap. V beispielsweise wurde erklärt, inwiefern die Entwicklungspotentiale der natürlichen Evolution mit der Entstehung der ‚defizitären‘ menschlichen Konstitution an ihr Ende kommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Kap. VII nun gehen die Autoren auf eine weitere Besonderheit des Menschen ein – seine „systemimmanente Offenheit“, die eine Voraussetzung für die Entwicklung des seelisch-geistigen Potential ist: &#039;&#039;„Die menschliche Gesamtorganisation ist nicht ein in sich abgeschlossenes System von ineinandergreifenden Vorgängen. Wäre sie das, sie könnte nicht der Träger des Seelischen und Geistigen sein.“[2]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Phänomene ‚Selbstregulation‘ und ‚Selbstheilungskräfte‘ weisen auf die vielen inzwischen bekannten Einflussfaktoren, wie der Mensch die eigene Gesundheit körperlich, seelisch und geistig selbst beeinflussen kann.[3] Die auch von einzelnen Krankenkassen bereits beachtete Präventionsforschung sowie die daraus resultierenden Präventionsprogramme sind dadurch inspiriert. Aus anthroposophischer Sicht ist es letztlich die Ich-Organisation, die für Art und Umfang der Selbstregulation verantwortlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Das Wesen der Heilwirkungen in Mensch und Substanz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das im Titel von Kapitel VII angesprochene ‚Wesen der Heilwirkungen‘ bezieht sich zum einen auf das Ich-Wesen des Menschen selbst und zum anderen auf das Wesenhafte der Substanzbildung durch die Abbau- und Aufbauvorgänge, für deren Qualität die Ich-Organisation ebenfalls verantwortlich ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Begrifflichkeit ‚Substanz‘ hat im Lateinischen die Konnotation des sub, d.h. des ‚darunter‘ liegenden Materiellen. Im Griechischen hat das Wort ουσια noch die Doppelbedeutung von ‚Wesen‘ und ‚Substanz‘:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* D.h. die im Nervensystem zerfallende Substanz &#039;&#039;&#039;entlässt geistige Formkraft&#039;&#039;&#039;, geistig Wesenhaftes. Hier wird die Ich-Organisation zum Träger des bewussten Geisteslebens.&lt;br /&gt;
* Im Gewebeaufbau aus dem Blut hingegen &#039;&#039;&#039;werden gestaltende Formkräfte aufgenommen&#039;&#039;&#039;. Hier wird die im unbewussten Körperleben schaffende Ich-Organisation im Substanzstrom von Blutgewebe und Muttermilch wie getragen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Dreifache Entfremdung der Substanz im Menschen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im Kapitel I war das Schicksal der Substanz im menschlichen Organismus als ein dreifacher Entfremdungsprozess geschildert worden. Diese Begrifflichkeit mag zunächst erstaunen, ist aber sehr präzise gemeint. Im Zuge des Verdauungsprozesses wird die Nahrungssubstanz aus dem Lebenszusammenhang von Pflanze und Tier heraus in den abgebauten mineralischen Zustand versetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# In der &#039;&#039;&#039;Neubelebung&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;durch den Ätherleib&#039;&#039; des Menschen geschieht ein erster Entfremdungsschritt. &lt;br /&gt;
# In dem darauffolgenden Prozess der &#039;&#039;&#039;Durchseelung&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;durch den Astralleib&#039;&#039; wird die Substanz weiter ihrem mineralischen Zustand entfremdet.&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;Durch die Arbeit der Ich-Organisation&#039;&#039; an der Substanz erreicht sie ihre höchste Entfremdungsstufe vom Physisch-Mineralischen, indem sie &#039;&#039;&#039;Geist tragend&#039;&#039;&#039; wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Dienst der Ich-Organisation kommt die Substanz sozusagen wieder aus der Fremde ‚nach Hause‘, indem sie erneut zum Wärmezustand vergeistigt wird und nicht mehr stofflich fassbar ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Selbstheilungskräfte (aus dem Blut) aktivieren lernen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel VII werden die Selbstheilungskräfte nicht mit Blick auf ihre Funktion als körperliche Schutz- und Abwehrmechanismen des Immunsystems geschildert. Vielmehr werden sie als diejenigen Kräfte dargestellt, die dem Blut innewohnen, das den dreigliedrigen Organismus versorgt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* einerseits in Form der &#039;&#039;&#039;weißen Blutzellen&#039;&#039;&#039;, die für die körperliche Abwehr verantwortlich sind, &lt;br /&gt;
* insbesondere aber auch in Form der &#039;&#039;&#039;Tätigkeit der roten Blutkörperchen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* und der &#039;&#039;&#039;übrigen Bestandteile des Blutes&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Blut als Ganzes ist als Instrument der Ich-Organisation Träger der Selbstheilungskräfte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fortgang der Evolution wird maßgeblich von der Art und Weise mitbestimmt werden, wie der Mensch seine von der Natur emanzipierten ‚außerkörperlich‘ wirksamen seelisch-geistigen Potentiale handhabt – zum Segen oder Schaden seiner Mitwelt und seiner selbst. So trägt auch die Art des Umgangs mit dem eigenen Gedanken-, Gefühls- und Willenspotenzial zur Stärkung oder zur Schwächung der Regulationsfähigkeit der Ich-Organisation bei, was sich langfristig auf die gesamte weitere Entwicklung des betreffenden Menschen auswirkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist interessant, dass Rudolf Steiner und Ita Wegman in diesem Kapitel, das den Selbstheilungskräften gewidmet ist, &#039;&#039;„Stockungen im Unterleibe“[4]&#039;&#039; als Beispiel für die unzureichende Heilwirkung des Organismus anführen. Sehr oft sind Verstopfungssymptome und Darm-Koliken Ernährungs- und lebensstilbedingte Verdauungsstörungen, d.h. Probleme, deren Lösung in der Selbstverantwortung liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[5]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27, Kap. VII.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Siehe FN 1, S. 38.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Esch (2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe FN 1, S. 40.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== HEILENDE VERBINDUNG VON MENSCH UND NATUR ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern stehen Mensch und Natur in einer heilsamen Verbindung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Naturstoffe zur Arzneimittelherstellung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Natur ist nicht nur Lebensraum und Existenzgrundlage des Menschen. Ihre Stoffe und Kräfte liegen auch einer Fülle von Arzneimitteln zugrunde. Anthroposophische Arzneimittel sollen dazu beitragen, dass der Organismus – wann immer sinnvoll und möglich – in die Lage versetzt wird, eine Krankheit aus eigener Kraft zu überwinden. Sie stärken die gesundenden Kräfte und sind also vor allem darauf orientiert, die Körperfunktionen wieder ins Gleichgewicht zu bringen und die Abwehrkräfte zu stärken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der anthroposophischen Arzneimittelherstellung werden mineralische, pflanzliche, metallische und tierische Ausgangsstoffe verwendet: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gängige mineralische Substanzen sind u.a. Quarz, Schwefel oder Kalk.&lt;br /&gt;
* Bekannte Heilpflanzen sind z.B. Arnika, gelber Enzian oder Kamille.&lt;br /&gt;
* Als Metalle kommen häufig Gold, Silber, Kupfer, Eisen und Zinn in potenzierter Form zum Einsatz.&lt;br /&gt;
* Zu den tierischen Ausgangssubstanzen gehören z. B. Insektengifte von Biene, Ameise, Hornisse sowie Organextrakte von Säugetieren (aus Leber, Thymusdrüse, Nieren, Nerven u.a.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Reicher Arzneimittelschatz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Alle anthroposophischen Medikamente werden nach komplexen Vorgaben der von Rudolf Steiner und Ita Wegman begründeten anthroposophischen Medizin hergestellt.[1] Die meisten Ausgangsstoffe werden in hoher Verdünnung (homöopathisch potenziert) eingesetzt, nur sehr selten konzentriert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophische Arzneimittel enthalten häufig mehrere Inhaltsstoffe. Diese sind nicht nur kombiniert, sondern komponiert. Wie bei einem Orchester, so kommt es auch bei einem zusammengesetzten Arzneimittel darauf an, in welchen Anteilen die verschiedenen Einzelkomponenten gemischt sind. In dieser Art gemischt, ergeben sie eine andere Wirkung denn als Einzelbestandteile. So wie ein Orchester anders klingt als eine Violine allein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anthroposophische Arzneimittelschatz umfasst etwa 2000 Substanzen, Kombinationen und eine Vielzahl von Darreichungsformen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ampullen, Augentropfen, Dilutionen, Einreibungen (ölige), Emulsionen, flüssige Verdünnungen, Flüssigkeiten zur Inhalation, Flüssigkeiten zur äußeren Anwendung, Gelate, Globuli, Granulate, Injektionen, Kapseln, Lotionen, Metallspiegelfolien, Mischungen, Nasentropfen (ölige), Öle, Pasten, Pflaster, Puder, Pulver, Salben (fettarm), Salben, Sirup, Tabletten, Tees, Tinkturen zum äußeren Gebrauch, Triturationen, Tropfen, Vaginalglobuli, Vaginaltabletten, Verdünnungen (wässrige), Zäpfchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Der Mensch als umgekehrte Pflanze&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aus anthroposophischer Sicht gleicht der Mensch einer umgekehrten Pflanze: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* So wie der Mensch seine Nahrung – in Form von Nahrungsmitteln, aber auch als „seelische“ oder „geistige“ Nahrung in Form von Gedanken, Worten, Tatsachen aus Kunst und Wissenschaft, über den Kopf – aufnimmt, so versorgt sich die Pflanze über ihre Wurzeln mit den nötigen Nährstoffen.&lt;br /&gt;
* Umgekehrt verhält es sich mit der Fortpflanzungsregion. Diese ist bei der Pflanze oben, Luft und Licht gegenüber geöffnet, wohingegen sie beim Menschen nach unten und innen gelagert ist, zur Erde hin.&lt;br /&gt;
* Beiden gemeinsam ist, dass in der Mitte – bei der Pflanze über die Blätter, beim Menschen über die rhythmischen Funktionen von Atmung und Kreislauf – der Gasaustausch stattfindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Umgekehrte Wirkung der Pflanze auf den Menschen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
So wirken die Anwendungen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* von &#039;&#039;Wurzeln&#039;&#039; unterstützend und heilend bei Erkrankungen der &#039;&#039;Kopf- und Nerven-Sinnesorganisation&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* Teeabkochungen und -zubereitungen aus &#039;&#039;Blättern&#039;&#039; bei Störungen der &#039;&#039;rhythmischen Funktionen&#039;&#039; (insbesondere von Herz und Lunge),&lt;br /&gt;
* Zubereitungen aus &#039;&#039;Früchten&#039;&#039; bei &#039;&#039;Stoffwechsel- und Verdauungsstörungen&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entsprechendes gilt für die Ernährung. Wer darauf achtet, dass der Anteil von Wurzeln, Blattgemüse, Früchten und Samen ausgewogen ist, sorgt für eine an den Bedürfnissen des ganzen Körpers orientierte Ernährung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim therapeutischen Einsatz von mineralischen, pflanzlichen und tierischen Substanzen gilt es, „die Weltaufgabe dieser Substanzen zu verstehen“. Steiner regte an zu erforschen, welche Aufgabe ein bestimmtes chemisches Element oder eine Stoffkombination wie Wasser, Salz, Asche, Gerbstoffe oder Pyrit im Haushalt der Natur innehat. Die Signatur dieser Aufgabe bzw. Tätigkeit sagt auch aus, welche Wirkung die betreffende Substanz im menschlichen Organismus entfalten kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Menschen als Mikrokosmos kennenzulernen im Kontext der großen Weltentwicklung mit ihren Prozessen und Stoffzusammenhängen – nach alter Tradition Makrokosmos genannt – ist der Schlüssel zum Verständnis der anthroposophischen Arzneitherapie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Artikel in der Deutschen Apothekerzeitung DAZ Nr. 39, 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Seiner und Ita Wegmann, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27, Dornach 1935.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== SUBSTANZ-ERKENNTNIS ALS GRUNDLAGE FÜR HEILMITTEL-ERKENNTNIS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was meint Rudolf Steiner mit der Weltenaufgabe der Substanzen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was wird anhand der Beispiele Ameisensäure und Oxalsäure im Hinblick auf ihre Wirkung im Zellstoffwechsel aufgezeigt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern muss der Organismus als Tätigkeitszusammenhang begriffen werden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Weltenaufgabe der Substanzen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel XVII von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; liegt der Fokus auf einer konsequent prozessorientierten Substanz-Erkenntnis, über die Rudolf Steiner im Ärztekurs für die jungen Mediziner schreibt, dass es die Aufgabe des Arztes sei, &#039;&#039;„die Weltenaufgaben der Substanzen zu erkennen“.[2]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;„Grundlegendes…“&#039;&#039; formulieren die Autoren es so: &#039;&#039;„Wer die Wirkung von Heilmitteln beurteilen will, muss ein Auge haben für die Kräftewirkungen, die sich im menschlichen Organismus ergeben, wenn eine Substanz, die außer demselben gewisse Wirkungen zeigt, in irgendeiner Art in ihn eingeführt wird.“&#039;&#039;&#039;[3]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Etwas von dieser ‚Weltenaufgabe‘ wird dort anhand der Ameisensäure und der Kleesäure aufgezeigt und damit auf die Bedeutung dieser Blickrichtung für bestimmte Prozesse im menschlichen Zellstoffwechsel hingewiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Beispiel: Aufgabe der Ameisensäure ====&lt;br /&gt;
Ameisensäure wird vom Menschen mit der Nahrung in der Regel nicht aufgenommen. Sie wird im Tierreich gebildet und als Abwehrstoff, insbesondere der Insekten, ausgeschieden – selten auch bei Pflanzen, wie z.B. in den Brennhaaren der Brennnesseln. Ihre ‚Weltaufgabe‘ ist inzwischen gut erforscht: Die rote Waldameise ist für die Gesunderhaltung der Wälder unentbehrlich. Sie steht daher auch unter Naturschutz, seitdem man ihre Bedeutung für die ‚Lebensgemeinschaft Wald‘ erkannt hat. Um einen Ameisenbau herum vernichtet jedes Volk pro Tag zehntausende Schädlinge bzw. deren Larven und Raupen (wie z.B. Borkenkäfer- und Blattwespenlarven) sowie Kadaver und Pilzmyzel in morschem Holz. So hilft die Ameisensäure dem Mikrobiom des Bodens, die verwesenden Pflanzenreste und das modernde Holz zu verarbeiten. Auch verbreiten Ameisen auf ihren Wegen tausende von Samen und tragen so zur Vielfalt im Wald bei sowie zur Verbesserung der Bodenbeschaffenheit. Instrument für ihre wertvollen reinigenden Tätigkeiten ist die Ameisensäure mit ihrer aggressiven Toxizität.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Beispiel: Aufgabe der Oxalsäure ====&lt;br /&gt;
Die Oxal- bzw. Kleesäure hingegen findet sich in allen Pflanzen und den meisten Bakterien und in unterschiedlichen Mengen in vielen Nahrungsmitteln wie z.B. in schwarzem Tee, Mangold oder Rhabarber. Nach der Aufnahme muss sie dann im Organismus zu ausscheidungsfähigen Endprodukten abgebaut werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein ‚Zuviel‘ führt zusammen mit Calcium im Darm zu schwer löslichen Salzen (Oxalaten), was Anlass geben kann für die Bildung von Blasen- und Nierensteinen. Oxalsäure ist ein pflanzliches Gift – für den Menschen können bereits Gramm-Mengen tödlich sein.[5] Als Kalzium-, Magnesium- oder Kaliumsalze sind die Oxalate allgegenwärtig und aus dem Zellstoffwechsel der Lebewesen nicht wegzudenken – bis hin zu den meisten Pilzen und Bakterien. Im Gegensatz zur Ameisensäure entfaltet die Oxalsäure ihre Wirkung nicht in dem Zwischenbereich zwischen dem Mineralisch-Physischen und dem Ätherisch-Lebendigen. Sie hat ihre Aufgabe in der Lebenswelt der Pflanzen – aber als Giftsubstanz im Grenzgebiet zum astralischen Kräftebereich. Da Gifte auch in schwacher Dosierung immer lebensfeindlich sind, regen sie den Organismus dazu an, auf unterschiedlichen Wegen diese Gifte schnellstmöglich abzubauen oder in Verbindung mit anderen Substanzen unschädlich zu machen. Diese Abbauvorgänge dienen im Organismus der Tiere und der Menschen der Bewusstseinsbildung, die sich, wie mehrfach erwähnt, auf Abbauvorgänge stützt.[6]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Biochemisch handelt es sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* bei der &#039;&#039;&#039;Ameisensäure&#039;&#039;&#039; um die einfachste Monocarbonsäure (Formica, HCOOH, ihre Salze heißen Formiate)  &lt;br /&gt;
* und bei der &#039;&#039;&#039;Oxal- bzw.&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Kleesäure&#039;&#039;&#039; und die einfachste Dicarbonsäure (Acidum oxalicum, HOOC-CO-CH2-COOH, ihre Salze heißen Oxalate).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Notwendige Verwandlung von Oxalsäure in Ameisensäure&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner hat erstaunlich oft über Bedeutung der biochemischen Verwandlung von Oxal- in Ameisensäure gesprochen.[7] Den Prozess der Bildung von Oxalsäure, der hauptsächlich in den Verdauungsorganen stattfände, hielt er für eine notwendige Grundlage dafür, dass der Mensch überhaupt leben könne – grundlegend also dafür, dass die Ätherkräfte zur Wirksamkeit kommen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihre Umwandlung in Ameisensäure aber sei eine entsprechende Grundlage für das Wirksamwerden der astralischen Kräfte in der physisch-ätherischen Konstitution. In einem Ärztevortrag führt er weiter aus, dass man im Falle der Ameisensäure dahin kommen müsse, zu erkennen, dass sie im Menschen, wie auch draußen in der Natur, die Aufgabe hat, gegenüber den Prozessen des Alterns, des Absterbens und des Vermoderns immer wieder weiteres Leben, weitere Entwicklung zu ermöglichen.[8] Auch führt er aus, dass &#039;&#039;„die heutige Physiologie“&#039;&#039; diese Prozesse erst finden müsse.[9]&amp;lt;sup&amp;gt;,&amp;lt;/sup&amp;gt; [10]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner und Wegman sahen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* in der &#039;&#039;&#039;Ameisensäure&#039;&#039;&#039; die Schlüsselsubstanz im Stoffwechsel des tierischen Organismus &lt;br /&gt;
* und in der &#039;&#039;&#039;Oxalsäure&#039;&#039;&#039; die Schlüsselsubstanz im pflanzlichen Zell-Metabolismus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Organismus als Tätigkeitszusammenhang begriffen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Abs. 2 wird deutlich gemacht, wie entscheidend es für einen Organismus ist, eine Substanz nicht nur zu besitzen, sondern auch den Bildeprozess zum Aufbau dieser Substanz zu leisten. Im Tun liegt das Wesen des Organismus, nicht in seinen Substanzen. Der Organismus ist nicht ein Stoffzusammenhang, sondern ein Tätigkeitszusammenhang. Der Stoff trägt den Anreiz zur Tätigkeit in sich. Hat er diesen Anreiz verloren, so hat er für die Organisation keine weitere Bedeutung.[11]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter diesem Gesichtspunkt kann auch die jeweilige Aufgabe der Ameisensäure und der Kleesäure im menschlichen Organismus verstanden werden. Hier ‚dienen‘ diese Substanzen der Ich-Organisation: &#039;&#039;„Die Ich-Organisation braucht diesen Übergang der organischen Substanz in den leblosen Zustand. Aber sie braucht eben den Vorgang des Überganges; nicht, was dann durch den Übergang entsteht. Ist nun das nach dem Leblosen hin sich Entwickelnde gebildet, so wird es im Innern des Organismus zur Last. Es muss entweder unmittelbar abgesondert werden, oder aufgelöst, um mittelbar hinwegzukommen. Geschieht nun für etwas, das aufgelöst werden sollte, diese Auflösung nicht, so häuft es sich im Organismus an und kann die Grundlage für gichtische oder rheumatische Zustände bilden.“[12]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Biologie werden die Phänomene dieses Übergangs zwischen Abbau und Aufbau im Falle der Gesundheit als metabolische Homöostase beschrieben, wobei deren ‚Regulator‘ ein noch nicht gefundener Faktor ist. Es wird aber das Erstaunen zum Ausdruck gebracht darüber, dass unabhängig davon, was und wie viel man gerade isst oder nicht und wie viel Oxalacetat gerade mit der Nahrung aufgenommen hat oder nicht, die Substanzen im sogenannten Stoffwechsel-Pol der Zellen konstant gehalten werden. D.h. in den Zellen sind die Enzyme des Katabolismus (Abbau) und Anabolismus (Aufbau) normalerweise derart reguliert, dass ein Gleichgewicht gewahrt bleibt. Wird dieses Gleichgewicht jedoch gestört, bedeutet dies den Beginn krankhafter Prozesse.[13]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[14]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, Ga 27, Kap. XVII.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Meditative Betrachtungen und Anleitungen zur Vertiefung der Heilkunst. Vorträge für Ärzte und Medizinstudierende,&#039;&#039; GA 316, S. 22.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Siehe FN 1, S. 82.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Der Kern eines Ameisenhaufens ist meist in alten Wurzelstöcken von Nadelhölzern oder Eichenstämmen angesiedelt; das Zusammenleben in der Ameisenkolonie ist ausgeprägt sozial. Eine Königin lebt bis zu 20 Jahre, Arbeitsameisen 5–6 Jahre. Sie entwickeln sich in klar definierten Temperaturbereichen (Ameisenpuppen brauchen 31°, Larven 28°, die Entwicklung der Eier nur 25°). Vgl. Jirikowski (2010), 105–107.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. Wollrab (2014), 621.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Vgl. Wolff (2013), 85, 263–269.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Mysteriengestaltungen,&#039;&#039; GA 232, 13. Vortrag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Vgl. FN 1, S. 22f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. FN 11, S. 193–195.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Dazu muss aus anthroposophisch-medizinischer Sicht gesagt werden, dass die geisteswissenschaftliche Biochemie, für die Hauschka und Wolff die Grundlagen erarbeitet haben (Vgl. Hauschka 2007, Wolff 2013), auf dem jeweils neuesten Stand der biochemischen Forschung weiter erarbeitet werden muss. Denn die Zusammenschau der Wesensglieder-Tätigkeiten als ganzheitliche Regulatoren und die immense Faktenfülle der molekulargenetischen Einsichten in das hochkomplexe Regelkreisgeschehen der Zellatmung ist für eine umfassende Integrativmedizin unverzichtbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Siehe FN 1, S. 82.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13]  Vgl. Sadava u. a. (2019), 265–271.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ANTHROPOSOPHISCHE HEILMITTEL-ERKENNTNIS AM BEISPIEL VON ANTIMON ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welcher Blickwinkel ist grundlegend im Hinblick auf die anthroposophische Heilmittel-Erkenntnis?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern weist Antimon Ähnlichkeiten mit dem Ätherischen auf?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wird es, auch in Kombination mit Schwefel, therapeutisch eingesetzt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wirksamkeit von Substanzen im Kontext irdisch-menschlicher Kraftsysteme&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel XVI von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; geht es um anthroposophischen Heilmittel-Erkenntnis. Die Grundlage davon ist der Blick auf das Verhalten bzw. die Wirksamkeit einer Substanz im Bereich der in Kapitel I geschilderten Kraftsysteme. Dabei geht es insbesondere um die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* von der Erde ausstrahlenden &lt;br /&gt;
* und in sie einstrahlenden Kräfte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„[...] es kommt darauf an, die Wirkungen zu beobachten, die sich aus dem Zusammenhange der inneren Kräftekonstitution einer Substanz im Verhältnis zu den Kräften ergeben, die von der Erde ausstrahlen oder in sie einstrahlen.“[2]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Antimon, Schwefel und die Austernschalenbildung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Diese Wirkungen werden am Beispiel des Antimons in seiner Beziehung zum Schwefel in Form des in der Natur vorkommenden Grauspießglanzes aufgezeigt (Sb2 S3, auch als Antimonit bzw. Stibnit bekannt), sowie an der Austernschalenbildung, die zum Verständnis der Typhusbehandlung beiträgt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Antimon ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Antimon&#039;&#039; kam bereits in der ägyptischen Medizin zur Anwendung, nimmt bei Paracelsus eine zentrale Stellung ein und hat bis in die Gegenwart immer neue Einsatzmöglichkeiten erfahren. Chemisch ist es dem Arsen verwandt und eine Menge von 100 mg bis etwa 1200 mg kann bereits tödlich sein. Eine gute Übersicht über seine Verwendung – einschließlich in der Anthroposophischen Medizin – findet sich bei &#039;&#039;Marxer[3]&#039;&#039; Die Bezeichnungen Antimon und Stibium für das chemische Symbol Sb stammen von den lateinischen Wörtern &#039;&#039;antimonium&#039;&#039; und &#039;&#039;stibium&#039;&#039; ab, die schon im Altertum für den Grauspießglanz verwendet wurden.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Schwefel ====&lt;br /&gt;
Schwefel ist eines der seltenen Minerale, die in kristallisierten polymorphen Formen in der Natur rein vorkommen und in der Struktur der orthorhombischen Raumgruppe Fddd die typisch gelbe α-Kristallform zeigen. Schwefel steht mit einem Anteil von geschätzt 0,048 Gew.-% an 15. Stelle unter den häufigsten Elementen der uns bekannten Erdkruste. Er wurde in Kometenschweifen nachgewiesen, ist auf der Erde zum einen vulkanischen Ursprungs und stammt zum anderen aus der Biosphäre von Bakterien, die aus schwefelhaltigen Mineralien Schwefel aufnehmen und Sedimente bilden sowie von Pflanze, Tier und Mensch, da er im Eiweißaufbau durch die beiden schwefelhaltigen Aminosäuren &#039;&#039;Cystin&#039;&#039; und &#039;&#039;Methionin&#039;&#039; festgebunden ist. Durch seinen niedrigen Schmelzpunkt und seine Fähigkeit zu sublimieren, verbindet er sich leicht über Luft und Wasser mit anderen Substanzen und realisiert so den alle Reiche der Natur verbindenden Schwefelkreislauf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Symptomatisch dafür ist auch eine ungewöhnliche mechanische Eigenschaft der Grausspießglanz-Kristalle: Sie zeigen eine auch an größeren Kristallen bei geringem Kraftaufwand fühlbare Biegsamkeit. Diese beruht auf einer geregelten innerkristallinen Gleitung, wie sie auch beim Eis und beim Steinsalz vorliegt – Substanzen, die für alle Lebewesen essenziell sind.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Austernschale ====&lt;br /&gt;
Die Austernschale ist als komplexes Kalkmineral schützendes Außenskelett der Auster und damit ein Mineral, ausgeschieden aus dem Lebensprozess eines Tieres bzw. einer Muschel. In ihrer therapeutischen Verwendung ist sie insbesondere in der Homöopathie bekannt mit dem Arzneimittelbild &#039;&#039;Calcium carbonicum&#039;&#039;. Sie wird zu den Vielkönnern oder Polychresten gezählt (von gr: πολύς - viel und χρηστός  - brauchbar).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Hinweise auf die Verwandtschaft von Antimon mit dem Ätherischen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Zusammenwirken von Zentral- und Universalkräften ====&lt;br /&gt;
Dadurch, dass das Antimon sich leicht und stabil mit dem Schwefel zu den orthorhombisch geformten Grauspießglanz/Antimonit-Kristallen verbindet, kann es die Neigung des Schwefels, in der Welt des Lebendigen aktiv zu werden und dadurch auch im Sinne der auf die Erde einstrahlenden ätherischen Kräfte zu wirken, unterstützen. Unter diesem Aspekt ist die Art und Weise, wie das Antimon in seiner Verbindung mit dem Schwefel kristallisiert, charakteristisch. Es kristallisiert in prismatisch-nadeligen grauschwarzen Kristallen, von feinst ziseliert bis zentimeterstark, immer von einem Zentrum weg – wenn der Kristallisationsprozess nicht durch äußere Umstände gestört wird. Dabei erstrecken sich die Antimonit-Nadeln radial in die Peripherie, wobei die Länge der Kristalle durchaus auch 1 m überschreiten kann. Wo er nur kann, strebt Antimonit die büschelförmige Gestaltung an. Er gliedert sich damit in Linien, die von der Erde weg- und den Kräften entgegenstreben, die im Äther wirken. Durch diese Kristallisationsweise bringt das Antimon das Zusammenwirken der Zentral- und der Universalkräfte wie archetypisch zum Ausdruck.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man bringt mit dem Antimon somit etwas in den menschlichen Organismus, das der Wirkung des Ätherleibes auf halbem Wege entgegenkommt.[6] Antimon kann dadurch im Körper die eiweißbildenden Kräfte zusammenhalten und so die Tätigkeit der Ich-Organisation im Eiweißaufbau unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Feinfaserigkeit durch Seigern ====&lt;br /&gt;
Auch dasjenige, was im Seigerprozess mit dem Antimon vor sich geht, weist auf die Äther-Verwandtschaft dieses Stoffes hin. ‚Seigern‘ kommt von dem gegenwärtig nicht mehr oft gebrauchten Wort etwas z.B. durch ein Sieb ‚durchseien‘. Unter ‚Seigerungen‘ versteht man daher Trennprozesse in gemischtem Schmelzgut. Es wird durch diesen Prozess feinfaserig.[7]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Niedriger Schmelzpunkt ====&lt;br /&gt;
Da das Antimon bereits bei 547° schmilzt, fließt es auf schräger Unterlage leicht aus dem Antimon haltigen Schmelzgut heraus, wo es dann bei Abkühlung zu 92–98 % reinem &#039;&#039;antimonium crudum&#039;&#039; kristallisiert.[8] Der niedrige Schmelzpunkt von 547° zeigt zudem die Nähe dieser mineralischen Substanz zum flüssigen Aggregatzustand, in dem die ätherischen Kräfte ihre Wirkung entfalten können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor diesem Hintergrund heißt es in dem oben erwähnten Werk:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Alles dieses zeigt, dass im Antimon die Tendenz enthalten ist, in das Ätherelement in dem Augenblick leicht überzugehen, in dem dazu die Bedingungen auch nur in geringem Grade vorhanden sind. Dem geistigen Schauen gelten alle diese Einzelheiten nur als Andeutungen; denn dieses nimmt die Beziehung zwischen Ich-Tätigkeit und Antimon-Wirksamkeit unmittelbar so wahr, dass die Antimonprozesse, in den menschlichen Organismus gebracht, so wirken, wie die Ich-Organisation.“[9]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zwei Indikationen als Beispiele für den Einsatz von Antimon&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aus dem breiten Spektrum der therapeutischen Einsatzmöglichkeiten werden nun zwei Indikationsgebiete an die Schilderung des Arzneimittelbildes angeschlossen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;&#039;Blutgerinnungsstörungen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
# und &#039;&#039;&#039;Typhus abdominalis/Parathyphus&#039;&#039;&#039;, eine gefährliche bakterielle Infektionskrankheit des Magen-Darmtraktes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während eine Therapie mit &#039;&#039;Antimon&#039;&#039; oder &#039;&#039;Stibium metallicum praep.&#039;&#039; bei Blutungsneigung aus der Darstellung des Arzneimittelbildes unmittelbar hervorgeht, ist dies für den Thyphus nicht so ohne weiteres ersichtlich – zumal dieser ja heute erfolgreich antibiotisch behandelt werden kann (Sterblichkeitsrate unter 1 %) und die Impfung bei Einreise in betroffene Gebiete empfohlen wird.[10]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Arzneimittelbild der Austernschale und Typhus&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was macht also eine Begleitbehandlung oder Alternativbehandlung zur Vermeidung des Einsatzes von Antibiotika sinnvoll?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um dies zu verstehen, braucht es – wie oben bereits angedeutet – zum Vergleich das Arzneimittelbild der Austernschale. Hier liegt ein Naturprozess vor, der etwas vollzieht, was für die Muschel richtig ist, für den Menschen aber zur Ursache typhöser Durchfall-Erkrankungen werden kann. Die Auster sondert in ihre Schale das kalkartig Mineralische ab:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Bei der Auster wird das Kalkartige abgesondert, um es der Eiweißwirkung nicht einzugliedern. Im menschlichen Organismus muss diese Eingliederung stattfinden. Die bloße Eiweißwirkung muss in eine solche umgewandelt werden, in der mitwirkt, was im Kalkartigen durch die Ich-Organisation an gestaltenden Kräften hervorgerufen werden kann. Das muss sich innerhalb der Blutbildung abspielen. Das Antimon wirkt der kalkausscheidenden Kraft entgegen und führt das Eiweiß, das seine Form bewahren will, durch seine Verwandtschaft mit dem Äther-Elemente in die Formlosigkeit hinüber, die für die Einflüsse des Kalkartigen oder Ähnlichem empfänglich ist.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Beim Typhus ist es klar, dass der krankhafte Zustand in einer mangelnden Überführung der Eiweißsubstanz in gestaltungsfähige Blutsubstanz besteht. Die Form der Diarrhöen, die auftritt, zeigt, dass schon im Darm die Unfähigkeit zu dieser Umwandlung beginnt.“[11]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Heilung der konstitutionellen Dysfunktionalität&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[12]&#039;&#039; heißt es&#039;&#039;,&#039;&#039; dass die Abwehrstoffe und Killerzellen eines guten Immunsystems im Blut zirkulieren, welches wiederum &#039;&#039;das&#039;&#039; Organ der Ich-Organisation ist.[13] Kann nun mithilfe einer Konstitutionsbehandlung, z.B. mit einem Antimonpräparat, und je nach Situation auch noch kombiniert mit anderen Heilmitteln, die Ich-Organisation und damit ihr Einfluss auf die Gestaltungskräfte im Blut gestärkt werden, so werden die Bakterien nicht nur beseitigt, wie es über eine antibiotische Therapie geschieht, sondern zugleich das Milieu saniert und damit künftigen Infektionen vorgebeugt. Das entspräche einer integrativen Therapie, die sich nicht nur auf die Beseitigung der Symptome konzentriert, sondern auf die Heilung der konstitutionellen Dysfunktionalität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dem erwähnten Werk schreiben die Autoren: &#039;&#039;„Wendet man bei typhösen Erscheinungen Antimonpräparate in entsprechender Zusammensetzung an, so erweisen sich diese als Heilmittel. Sie entkleiden die Eiweißsubstanz ihrer Eigenkräfte und machen sie geneigt, den Gestaltungskräften der Ich-Organisation sich einzufügen.“[14]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbstverständlich hat der primäre Fokus auf die Symptombeseitigung überall da seine Berechtigung, wo sie Leben rettet, weil die Abwehrkräfte des Körpers zu schwach sind für die notwendige Selbstregulation. Wo diese Möglichkeit jedoch gegeben ist, kann differenzierter vorgegangen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Wer Exaktheit nur in dem sieht, was die Chemie – auch die pharmazeutische – feststellt, der vernichtet die Möglichkeit, Anschauungen darüber zu gewinnen, was im Organismus bei Heilungsvorgängen geschieht.“[15]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[16]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ebenda, S. 77.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Vgl. Marxer (2000), siehe www.pharmazeutische-zeitung.de/titel-10- 2000; [6.1.2025].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Vgl. Holleman und Wiberg (2017), 940.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. Wimmenauer (1992), 223.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Siehe FN 1, S. 78.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Vgl. Holleman und Wiberg (2017), 942.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Siehe FN 1, S. 78f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Typhus ist weltweit verbreitet – besonders in warmen Ländern. Er wird durch kontaminierte Lebensmittel bzw. Trinkwasser übertragen und ist eine schwere Allgemeinerkrankung, die durch das Bakterium Salmonella typhi ausgelöst wird. Als Paratyphus bezeichnet man ein abgeschwächtes Krankheitsbild, dessen Erreger Salmonella Paratyphi A, B oder C ist. Übertragen wird die Infektion durch Trinkwasser oder Lebensmittel, die mit Fäkalien von infizierten Personen verunreinigt wurden. Leitsymptome sind hohes Fieber, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, langsamer Puls, trockener Husten, Bauchschmerzen, Milzvergrößerung und manchmal ein blasser, kleinfleckiger Ausschlag am Körper. Ein milder Verlauf ist möglich, doch manchmal kommt es zu schweren Komplikationen wie massiven Darmblutungen oder Abszessen in verschiedenen Organen. Durch den Einsatz von Antibiotika kann die Sterblichkeit auf unter 1% gesenkt werden. In Deutschland ist die Krankheit meldepflichtig – dem Bundesamt für Gesundheit werden pro Jahr zwischen 20 und 50 Fälle gemeldet. Wichtigste Mittel zur Vorbeugung sind Körperhygiene und Verzicht auf frische Salate und ungeschältes Obst – nach dem Ernährungsmotto: Cook it, peel it or forget it. Siehe www.bag.admin.ch/bag/de/home/krankheiten/krankheiten-im-ueberblick/typhus-abdominalis-paratyphus.html; [6.1.2025].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Siehe FN 1, S. 80.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“, GA 27.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] Siehe FN 3, Kapitel VI.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] Siehe FN 3, S. 80.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[15] Ebenda, S. 81.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[16] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ARZNEIMITTEL-SUBSTANZGRUPPEN UND WESENSGLIEDER ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Auf welchen Ebenen und worüber ist der Mensch mit der Natur innig verbunden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Naturanteile machen seine Konstitution aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wesensglieder und ihre Einbettung in die Natur&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Physischer Leib und Natur ====&lt;br /&gt;
Schon ein oberflächlicher Blick auf die Verbundenheit von Natur und Mensch zeigt, wie der Mensch die kristallinen Strukturen seines Körpers mit den Mineralien der ihn umgebenden Natur gemeinsam hat. Dieser sichtbare, mineralisch erscheinende Leib wird in der anthroposophischen Menschenkunde „Physischer Leib“ genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ätherleib und Natur ====&lt;br /&gt;
Werden und Vergehen, Leben und Sterben hat der Mensch mit der Pflanzenwelt gemeinsam. Diese Gesetzmäßigkeiten in ihrem Zusammenhang nennt Steiner „Ätherleib“, weil ohne das blaue Himmelslicht (griechisch o aither) kein Leben auf der Erde möglich wäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Astralleib und Natur ====&lt;br /&gt;
Atmung, Bewegung, Bewusstsein, Schmerz und Triebleben hat der Mensch mit den Tieren gemeinsam. Diese das Seelenleben konstituierenden Gesetze heißen in ihrer Gesamtheit „Astralleib“ von aster, lateinisch Stern. Die menschliche Seele fühlt sich der Sternenwelt mit ihren Rhythmen und Konstellationen verwandt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Rein menschliche Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Die Fähigkeit jedoch, lebenslang lernen und immer wieder neu und anders kulturschöpferisch tätig sein zu können, ist spezifisch menschlich. Daher gibt Steiner diesem die „Ich-Natur“ des Menschen möglich machenden Gesetzes-Zusammenhang den Namen „Ich-Organisation“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Mensch durch diese vier verschiedenen Gesetzes-Zusammenhänge sein Wesen sowohl integriert als auch differenziert äußern kann, gab Steiner ihnen den Namen „Wesensglieder“.[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Arzneimittelwirkung auf die Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Substanzgruppen aus dem Mineral-, Pflanzen-, Tier- und Menschenreich haben einen therapeutischen Bezug zu diesen Wesensgliedern:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Menschliche Substanz wie Muttermilch und in Form einer Blutspende stützt und erhält den physischen Leib.&lt;br /&gt;
* Präparate aus dem Tierreich regen den Ätherleib zu verstärkter Tätigkeit an,&lt;br /&gt;
* pflanzliche Arzneimittel wirken regulierend auf den Astralleib&lt;br /&gt;
* und Metalle und Mineralien auf die Ich-Organisation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Potenzierungsstufen und Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Auch die Potenzierungsstufen der nach homöopathischem Verfahren hergestellten Arzneimittel haben ihren Bezug zu den Wesensgliedern:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D1 – D4:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;physischen Organismus&#039;&#039; und seines Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D5 – D8:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;ätherischen Organismus&#039;&#039; und seines Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D10 – D15:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;astralischen Organismus&#039;&#039; und seines Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D20 – D60:&#039;&#039;&#039; Anregung der &#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039; und ihres Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Bezug auf die Dreigliederung des menschlichen Organismus gilt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D1 – D6:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;Stoffwechsel-Systems&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D6 – D18:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;rhythmischen Systems&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D18 – D30:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;Nerven-Sinnessystems&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Arzneimittelschatz der Anthroposophischen Medizin umfasst dementsprechend Ausgangssubstanzen mineralischer, pflanzlicher und tierischer Herkunft, die nach besonderen Verfahren vor allem von den Arzneimittelfirmen Weleda und Wala hergestellt werden.[2] In Deutschland wurden sie aufgrund des Arzneimittelgesetzes von 1976 in der vom Bundesgesundheitsamt – später Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) – eingerichteten Kommission C für die Zulassung aufbereitet. Ein Teil dieser regulativ wirksamen Arzneimittel ist sehr gut für die Selbstmedikation geeignet.[3]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Artikel in der Deutschen Apothekerzeitung DAZ Nr. 39, 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Theosophie, Einführung in übersinnliche Welterkenntnis und Menschenbestimmung,&#039;&#039; 2003 und ders. &#039;&#039;Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft&#039;&#039;. In: &#039;&#039;Lucifer-Gnosis&#039;&#039;. GA 34. Dornach 1987, 309-344.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] International Association of Anthroposophic Pharmacists IAAP. ­Anthroposophic Pharmaceutical Codex. Stuttgart, 2014.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] M. Glöckler, B. Emde, &#039;&#039;Anthroposophische Medizin&#039;&#039;, in: &#039;&#039;Komplementärmedizin für die Kitteltasche. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation&#039;&#039;, Stuttgart 2009 und ders.: &#039;&#039;Anthroposophische Medizin&#039;&#039;, in: &#039;&#039;Komplementärmedizin für Kinder. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation&#039;&#039;, Stuttgart 2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== WIRKSAMKEIT EINES HEILMITTELS VERMITTELN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie vermittelt der Arzt seinem Patienten, welches Heilmittel er braucht?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist dabei zu beachten, worauf kommt es an?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wirksamkeit der Gedanken und Gefühle miteinbeziehen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ideal wäre es, mit dem Patienten über ein Heilmittel in einer Art zu sprechen, dass etwas von der Wirksamkeit desselben auf den Patienten überspringt und dieser sich freut, dass er dieses Mittel bekommt, ja, dass er dankbar dafür ist. Der Patient sollte es mit dem Gefühl nehmen, er habe etwas besonders Gutes bekommen. Denn Freude und Dankbarkeit wirken therapeutisch – sie sind nicht „Placebo“, sondern real und wirksam. Wir müssen begreifen, dass das, &#039;&#039;was&#039;&#039; und &#039;&#039;wie&#039;&#039; wir über eine Sache denken, viel mehr als nichts ist: Was jemand weiß, ist etwas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ätherleib als Träger der zeitlichen und „ewigen“ Lebenskräfte entfaltet diese Doppelwirksamkeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ihm verdankt unser Körper einerseits &#039;&#039;&#039;Leben, Regeneration, Wachstum&#039;&#039;&#039; und die individuelle Lebenszeit&lt;br /&gt;
* Andererseits verdankt der Mensch ihm sein &#039;&#039;&#039;Gedankenleben&#039;&#039;&#039;, je älter er wird, umso mehr, das sich aus all den ätherischen Kräften speist, die der Körper nicht mehr „verkörpert“ halten kann (und muss) und die er damit in die „außerkörperliche Wirksamkeit“ entlässt. Die Gedanken können über den Tod des Menschen hinaus weiterleben und ihn tragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Medikamente wirken auf beide Aspekte des Lebens – sprich: Auch was ich über etwas denke, bewirkt etwas. Wenn ich die Arnikawirkung denke, wirkt sie bereits, denn Gedanken wirken immer, sind ein reales Wirkprinzip. &#039;&#039;„Hab Sonne im Herzen, ob&#039;s stürmt oder schneit“&#039;&#039;. Wenn ich die Sonne meditiere, habe ich Licht und Wärme im Herzen, selbst wenn ich Bauchweh habe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Denken vermindert Heilkraft, positive Gefühle verstärken sie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Indem ich denke, nehme ich der ätherischen Wirksamkeit im Körper aber auch etwas weg, weil es dieselben Kräfte sind, die dem Körper zur Gesundheit verhelfen. D.h, der Körper ist am gesündesten, wenn man nicht denkt, also im Schlaf, weil da die gesamten ätherischen Kräfte (auch diejenigen, die tagsüber außerkörperlich dem Denken dienen) in den physischen Leib einziehen und an seiner Regeneration arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am besten ist es, wenn der Patient über ein Heilmittel gerade so viel weiß, dass er sich freut und ihm ein bisschen warm wird bei dem Gedanken, dass er es jetzt einnehmen darf. Denn diese positiven Gefühle teilen sich auch dem Körper mit und beeinflussen den Stoffwechsel positiv. Positive Gefühle führen dem Ätherleib vom Seelischen her positive Kräfte zu, wie dies gesunde Ernährung vom Physischen her tut. Zuviel Nachdenken über die Wirkung mindert diese jedoch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch weniger zuträglich ist es, wenn ein Patient nicht so recht weiß, wie ein Mittel wirkt, oder Angst bekommt, wenn er den Beipackzettel liest. Dann fühlt er sich verunsichert – weswegen 40 Prozent der Medikamente in den Müll und nicht in den Magen der Patienten wandern. Wieder zuhause entscheiden sie, dass es ihnen eigentlich gar nicht so schlecht geht und nehmen das verordnete Medikament lieber nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur Anthroposophischen Medizin, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== EIGENE ERFAHRUNGEN BEIM ARZTSTUDIUM ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was wirkt auf den Menschen konstruktiv bindend?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was unterstützt einen Menschen in seiner Entwicklung?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was bedeutet es eigentlich zu helfen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Womit helfe ich und was macht mich sicher, dass ich dabei nicht ein neues Problem schaffe?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fragen als Motivation fürs Medizinstudium&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ich komme ursprünglich aus der Pädagogik und habe gemerkt, wie stark mein Einfluss als Erzieher auf das Kind ist, wie stark das Vorbild wirkt, weil die Schüler alles sehr umweltoffen nachahmen, auch noch in der Oberstufe. Der Einfluss reicht bis ins Gesundheitliche hinein. Ich erlebte daran, welch riesige Verantwortung man hat durch die Art, wie man als Mensch auf andere wirkt. Ich habe mich zum Medizinstudium entschlossen, weil ich herausfinden wollte, wie es zu dieser Wirkung kommt. In dem Zusammenhang bewegten mich die oben genannten Fragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angespornt von der Begeisterung die Antworten zu finden, begann ich mein Studium. Ich war damals 25 Jahre alt, eine Spätberufene also, und hatte das Glück, die Anthroposophie parallel zum Studium studieren zu können. Ich habe sozusagen als angehende Anthroposophin Medizin studiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich fühle mich sicher und gewiss, wenn es mir gelingt, ein anatomisches Substrat, ein Ergebnis, z.B. Phasen der Embryonalentwicklung, wirklich zu verstehen: etwas denken zu können und das, was ich denke, in dem, was ich sehe, als evident wiederzuerkennen; mein Denken und meine Wahrnehmung als kongruent zu erleben; wenn das, was ich denke, auch passiert oder ich es sehe. Dazu gehört auch, das, was ich sehe, zu verstehen, dass es mir nicht ein dunkles Rätsel bleibt; ein Evidenzerlebnis zu haben. Ich hatte durch die Anthroposophie die Möglichkeit, die Medizin sensibel zu hinterfragen und mir Evidenzerlebnisse zu erarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vieles lernt man, ohne es zu verstehen. Man hat etwas festgestellt und soll es anschließend wissen. Bei uns stand über allen Examensfragen: &#039;&#039;„Der Student soll wissen, dass…“&#039;&#039; und dann kamen die Multiple-Choice-Angebote, aus denen man das Richtige heraussuchen musste. Es ist nervtötend, wenn nur Wissen abgefragt wird und kein Verständnis. Nur in den mündlichen Prüfungen ging es manchmal um echtes Verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Stoffwechsel und Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In den ersten vier Vorträgen im &#039;&#039;„Landwirtschaftlichen Kurs“&#039;&#039;&#039;[1]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; spricht Steiner über die spirituelle Bedeutung von Phosphor, Schwefel, Stickstoff, Sauerstoff und Wasserstoff. Die ganze Eiweißchemie bzw. Biochemie unseres Körpers beruht auf diesen Elementen. So konnte ich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;&#039; mit dem &#039;&#039;Phosphor&#039;&#039; in Zusammenhang bringen,&lt;br /&gt;
* den &#039;&#039;&#039;Astralleib&#039;&#039;&#039; mit dem &#039;&#039;Stickstoff&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* den &#039;&#039;Sauerstoff&#039;&#039; mit dem Leben, dem &#039;&#039;&#039;Ätherischen&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* den &#039;&#039;Schwefel&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;zwischen dem physischen Leib und dem Ätherleib wirksam&#039;&#039;&#039; sehen – denn „er macht den physischen Leib geneigt, die Wirkungen des Ätherischen aufzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht hier um die Erkenntnis, wie die vier Wesensglieder im Stoffwechsel aktiv sind, wobei diese vier Hauptelemente wie Tore sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wasserstoff hat eine Sonderposition. Er gehört wesentlich zum Wärmeorganismus und ist sogar &#039;&#039;das&#039;&#039; Zentralelement des Wärmeorganismus. Er ist das leichteste Element, das von sich aus zur Sonne geht, der Gravitation nicht unterliegt, weil es zu leicht ist. Wenn es nicht regnen würde, würde der Wasserstoff die Erde verlassen und sich in der Sonne sammeln. Aber durch Regen, Blitze und Donner, diese enormen energetischen Entladungen, kommt es zur Knallgasverbindung, durch die der Wasserstoff wieder an den Sauerstoff gebunden wird und so wieder auf die Erde kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wissen als etwas Vorläufiges begreifen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ich habe mir in dem Zusammenhang nie die Frage gestellt, ob etwas richtig oder falsch ist, sondern ob es mir zugänglich ist oder nicht. Wenn ich etwas verstanden hatte, war es für mich gewiss.[2] Wenn anschließend jemand erklärte, dass dies nur ein Vorgipfel wäre und die wahre Wirklichkeit noch tiefer läge, noch etwas komplizierter sei, war ich auch dafür offen. Das vorherige Endergebnis gilt dann eben als vorläufig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und man muss auch nicht von Anfang an alles wissen. Ich habe manchen Patienten damit glücklich gemacht, dass ich sagte: &#039;&#039;„Wir beginnen erst einmal mit diesem Therapieansatz – ich werde mich aber noch mit Kollegen beraten, was in Ihrem Fall das Beste ist.“&#039;&#039; Wirkliches Wissen hat Prozesscharakter und kongruiert mit der wachsenden Lebenserfahrung, die durch die Menschen, mit denen wir zusammenleben und -arbeiten, bereichert wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur AM, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft (Landwirtschaftlicher Kurs), Acht Vorträge&#039;&#039;, Koberwitz bei Breslau, 07.06 – 16.06.1924.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Dazu siehe auch: Glöckler, Michaela: &#039;&#039;Einblicke in die anthroposophisch-medizinische Forschung und die Arbeit der Medizinischen Sektion&#039;&#039;. In: Christiane Haid, Constanza Kaliks, Seija Zimmermann (Hg.): &#039;&#039;Goetheanum - Freie Hochschule für Geisteswissenschaft. Geschichte und Forschung der Sektionen.&#039;&#039; Verlag am Goetheanum, Dornach 2017: Rudolf Steiner betonte wiederholt, dass es sich bei seinen Schilderungen und Sichtweisen um ein Wissen handle, das von ihm selbst erarbeitet wurde und als Wissen oder Erkenntnis und nicht als Glaubensinhalt vorgebracht werde. Daher möge man das von ihm Dargestellte als anregende Idee, als Arbeitshypothese nehmen und selbst prüfen, ob es der eigenen Lebenserfahrung und Erkenntnissuche standhalten und dem Leben dienen könne. Auch hoffte er, dass der akademisch geschulte Leser seiner Schriften die Anstrengung unternehmen würde, seine auf meditativen Wegen errungenen Einsichten mit Hilfe empirischer Forschungsmethoden nachzuweisen. Damit führte Steiner in den wissenschaftlichen Diskurs das Prinzip der internen bzw. inneren Evidenz ein: Was man - gestützt auf Erfahrung und Einsicht - als richtig erkannt hat, empfindet man als „innerlich evident“. Es bedarf dann aber auch noch der externen Evidenz, damit man anhand reproduzierbarer Fakten die Legitimität des als richtig Erkannten aufzeigen kann. Beide Evidenzen zusammen ergeben eine umfassende Erkenntnis von Mensch und Welt und die Möglichkeit, sich ein ganzheitliches Menschen- und Weltverständnis zu erarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE FÜNF FUNKTIONSBEREICHE IN DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Funktionsbereiche deckt die Anthroposophische Medizin ab?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Funktionsbereiche des Lebens&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Unser aller Leben spielt sich auf unterschiedlichen Ebenen ab, die ich hier Funktionsbereiche nennen möchte. Im Folgenden werde ich sie genauer beschreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Physischer Funktionsbereich: Leben im Raum ====&lt;br /&gt;
Alles Physische findet im Raum statt und gründet auf räumlich fassbare Strukturen. Der physische Leib des Menschen ist umso gesünder, je besser er an sein Milieu, die jeweilige Umwelt angepasst ist. Vieles an unserer Umwelt macht uns über Wasser, Ernährung und Luft krank, aber auch – wenn es passend wirkt – gesund. Physisch sind wir offene Systeme. Auch was wir über die Sinne aufnehmen, prägen wir uns ein, prägt uns. Alles Schöne wirkt aufbauend, alles Unschöne schwächt. Alles wirkt, egal ob wir sofort krank werden oder nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier ist die Domäne der Schulmedizin. Anthroposophische Ärzte sind zunächst alle auch Schulmediziner, das ist unsere Grundlage. Diagnostische Fragen zum Physischen lauten beispielsweise:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Sind Medikamente nötig, die am Ort des aktuellen Geschehens unmittelbar angreifen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ist eine Umgebungsveränderung vonnöten?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Muss in einem bestimmten Bereich Sinnesschulung nachgeholt bzw. verstärkt werden?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wären Achtsamkeitsübungen bzw. irgendetwas, das die physische Resonanz mit dem Umfeld verbessert, hilfreich?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ätherischer Funktionsbereich: Leben als Prozess ====&lt;br /&gt;
Auch im Ätherischen sind wir offene Systeme. Mit ätherischer Kraft bezeichnet man in der Anthroposophischen Medizin, was man in der orientalischen Tradition Chi oder Lebenskraft nennt. Das Ätherische umfasst alles Prozessuale, das eine Zeitstruktur und Rhythmus hat. Im aristotelischen Sinne befinden wir uns damit in der Kategorie der Zeit. Alles Ätherische ist prozessual, lebendig, zyklisch, miteinander zusammenhängend, voneinander abhängig. Selbst­­­regulation, Selbstheilungsprozesse, Regeneration, Wachstum, Gestaltung haben hier ihren Wirkort. Die anthroposophischen Arzneimittel, die alle prozessorientiert sind, setzen hier an. Viele werden auch mit homöopathischen Verfahren hergestellt. Alle Prozesse, die uns kränken und gesunden lassen, verlaufen im Zeitlichen. So können sich Verstöße gegen gesunde Lebensrhythmen, z.B. unregelmäßige Ernährung, negativ auswirken, sofern die Selbstregulation dies nicht kompensieren kann. Auch die Lebensgewohnheiten, die Art wie man seine Zeit strukturiert oder eben nicht strukturiert, – wie chaotisch oder geordnet man lebt – beeinflusst diesen Wirkbereich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn im Leben herrscht Ordnung, es ist ein geordneter Kosmos. Es wird durch die Sonne, die circadiane 24-Stunden-Rhythmik, durch den Wochenrhythmus und den lunaren Monatsrhythmus beeinflusst. Mit dieser „Bio-Kosmologie“ befasst sich die Rhythmusforschung. Die Sonne ist 150 Millionen Kilometer von uns entfernt. Wenn wir aber Sonnenbrand haben, haben wir ihn hier auf unserer Haut. Unser gesamter Knochenstoffwechsel hängt von der Sonne ab, auch die gesamte chlorophyllproduzierende Pflanzenwelt. Wir sind sonnengetragene Wesen, wir leben in diesem Sonnenraum. Es gibt kein Leben ohne Wasser und Sonne. Die Griechen nannten den durchsonnten blauen Himmel den Äther. Daher auch der Begriff „ätherische Organisation“ für diesen Funktionsbereich. Das Leben auf der Erde muss viel umfassender gedacht werden, als wir das gewöhnlich tun, wenn wir vom Leben sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diagnostische Fragen zum Ätherischen zielen daher auf die Lebensgewohnheiten ab: Ernährung, Schlaf, Work-Life-Balance, aber auch Rituale, Gewohnheiten, religiöse oder meditative Hilfsmittel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Astraler Funktionsbereich: seelisches Erleben in Beziehung zu sich und anderen ====&lt;br /&gt;
Hier geht es um das Gefühlsleben, um die unbewusste und bewusste Beziehungsgestaltung. Alles, was in einer Beziehung stattfindet, was im Gefühl und Bewusstsein lebt, geht über Raum und Zeit hinaus in die „Innerlichkeit“ und erhält durch die Erinnerbarkeit Dauer. Die Beziehung zu sich selbst und den Menschen und Dingen im Umfeld ist ein reicher Kosmos, ein komplexes Netzwerk, ist so etwas wie eine Sternenkonstellation. Das Wort „Aster“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet Stern. Mit diesem Begriff möchte Rudolf Steiner nicht nur an die seelischen Sternkonstellationen erinnern, denen wir angehören, sondern auch an die himmlische Heimat der Seele und deren Verwandtschaft mit der Sternenwelt, die auch in den astrologischen Traditionen zum Ausdruck kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beziehungen können sich wandeln, wir können unser Verhältnis zu ihnen ändern. Wenn sie kaputt gehen, tut es so weh, dass man früher oder später wieder daran arbeiten wird. Unter dem Gesichtspunkt der Reinkarnation gibt es noch einen weiteren Aspekt, der das Ringen um eine positive Entwicklung in unseren Beziehungen in seiner Bedeutsamkeit unterstreicht. Christian Morgenstern drückt dies in einem seiner Gedichte so aus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wir müssen immer wieder uns begegnen&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;und immer wieder durch einander leiden,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;bis eines Tages wir dies alles segnen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;An diesem Tage wird das Leiden weichen,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;das Leiden, welches Selbstsucht zeugte,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;das Leiden wenigstens, das Blindheit zeugte,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;das uns wie blinden Wald im Sturme beugte.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Dann werden wir in neues Ziel und Leben&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;wie Flüsse in ein Meer zusammenfließen,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;und kein Getrenntsein wird uns mehr verdrießen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Dann endlich wird das „... suchet nicht das Ihre“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wahrheit geworden sein in unsern Seelen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und wie an Kraft wird&#039;s uns an Glück nicht fehlen.&#039;&#039;&#039;[1]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diagnostische Fragen zu der astralen Wirkrichtung betreffen biographische Zusammenhänge und damit verbundene Krankheitsursachen. Oft können Biographiearbeit, künstlerische Therapien, Bewegungstherapien und Körperarbeit helfen, das Bewusstsein für sich selbst und die Menschen im eigenen Schicksalsfeld zu harmonisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Funktionsbereich der Ich-Organisation: als Individuum leben ====&lt;br /&gt;
Hier haben wir es mit dem Bereich zu tun, den Goethe „die Dauer im Wechsel“ nannte. Die Ich-Organisation ist gegenüber dem ewigen Wesen des Menschen, seinem spirituellen Kern, offen. Sie umfasst alle Gesetzmäßigkeiten, die mich vor mir selbst und vor anderen persönlich legitimieren, die nur die eigene Individualität betreffen, für die ich mir selbst die Arbeitsrichtung vorgeben kann. Von der eigenen Ich-Verfassung, vom Selbstwert-Gefühl und der Art der Identitätsbildung hängt es ab, wie lange man z.B. negative Gefühle zulässt oder wieviel Stresstoleranz man besitzt. Wer sein Leben, sein Schicksal, mit allen Hoch- und Tiefpunkten, als seinen persönlichen Entwicklungsweg sehen kann, findet in jeder Lebenslage Motive für das, was gerade hier und jetzt gelernt oder getan werden könnte und kann innere Ruhe und die Übereinstimmung mit sich bewahren. Die Resilienzforschung hat viele wertvolle Beweise dafür geliefert, in welch hohem Maße die Art des Umgangs mit sich selbst und der gewählte Lebensstil den Gesundheitszustand von Leib und Seele beeinflussen.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was muss geschehen, damit ein Mensch wieder zu einer positiven Identität und Lebenseinstellung findet, auch wenn seine Umstände traurig oder widrig sein mögen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Anregung für die innere Schulung, für sein Selbstmanagement, für seine Identität kann ich ihm vermitteln, damit er freudig und&#039;&#039; &#039;&#039;wahrhaft als Ich erleben kann?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fragen dieser Art bewegen den Arzt – aber auch Fragen der Prävention&#039;&#039;: Was kann in den Erziehungsjahren geleistet werden, nicht nur für eine gesunde körperliche Entwicklung, sondern auch für die seelische und insbesondere die geistige, Identität stiftende Entwicklung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Funktionsbereich der spirituellen Orientierung: Weltentwicklung bejahen ====&lt;br /&gt;
Hier treten wir aus unserem individuell Menschlichen völlig heraus. Der Kopf ist das Beziehungsorgan, das uns mit der ganzen Welt verbindet, ist unser offenes, rein zur unsichtbaren Welt der Gedanken, den Sinneseindrücken, Vorstellungen sowie dem Bewusstsein hin orientiertes Gebilde. Paracelsus[3] nannte diese Perspektive, die Art, wie wir mit den unsichtbaren Kräften des Denkens, Fühlens und Wollens umgehen, die Quinta Essentia. Die vier anderen „Essenzen“ haben mit den Aggregatzuständen fest, flüssig, gasförmig und Wärme zu tun, die alle noch physisch fassbar sind. Die Quinta Essentia jedoch ist rein spirituell, rein geistig. Sie wird uns zunehmend bewusst durch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* seelisch-geistige Verwandlungsprozesse dank meditativer Schulung,&lt;br /&gt;
* Verfeinerung der Gedanken,&lt;br /&gt;
* Gefühls- und Willenskultur der Achtsamkeit.&lt;br /&gt;
* Die Tugenden und verbindlichen Lebenswerte gehören ebenso in diesen Bereich, &lt;br /&gt;
* aber auch wie ich meine Beziehungen ordne, wie ich meine Identität erlebe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn wie ich mein äußeres und mein biografisch-zeitliches Leben veranlage, hängt letztlich davon ab, wie ich über mich und andere, über die Welt und Gott denke. Eine echte spirituelle Orientierung ist die stärkste salutogenetische Perspektive. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Erlösende menschheitliche Perspektive&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Meine Erfahrung ist, dass es heute immer mehr Menschen gibt, die von einer basalen Trauer und Sorge erfüllt sind in Bezug auf das Weltgeschehen und die Menschheitsentwicklung. Sie sind nicht krank oder deprimiert durch eine schlechte Lebensweise oder Drogen, auch nicht aufgrund negativer Beziehungen. Sie erleben sich vielmehr dadurch beeinträchtigt, dass sie den Eindruck haben, es geht mit der Menschheits- und Erdenentwicklung nicht gut voran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um dem konstruktiv begegnen zu können, braucht es eine große, umfassende, menschheitliche Perspektive, die aufzeigt, dass die Menschheit zwar heute eine besondere Krise durchmacht, verursacht durch den Zerfall von Werten und eine enge materialistisch-ökonomische Weltsicht. Es gilt jedoch zu verstehen, dass nur der Durchgang durch eine Periode des Verlustes spiritueller Perspektiven und humaner Entwicklungsbedingungen das Individuum aus allen kollektiven – auch der religiösen – Bindungen zu befreien vermag, damit es auf dieser Basis neu und selbstständig sein Verhältnis zum weiteren Verlauf der Geschichte zu bestimmen in der Lage ist. Nur ein echtes Verständnis dieser Entwicklungszusammenhänge kann dem sonst unweigerlich eintretenden Kulturpessimismus vorbeugen bzw. kann ihn heilen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anthroposophische Arzt wird seinen Patienten anamnestisch mit Bezug auf diese fünf Funktionsbereiche hin anschauen und womöglich befragen. Am Ende muss er intuitiv entscheiden, wie er den besten Zugang zu dem betreffenden Patienten finden kann, um den notwendigen Gesundungsprozess anzuregen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Mehr hierzu in: Was ist Anthroposophische Medizin? Verlag am Goetheanum, 2017&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Christian Morgenstern, &#039;&#039;Stuttg. Ausgabe, Band 2 Lyrik 1906 – 1914&#039;&#039;, Urachhaus Verlag, Stuttgart 1992, S. 217.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Siehe z.B. Fröhlich-Gildhoff, Klaus / Rönnau-Böse, Maike: &#039;&#039;Resilienz&#039;&#039;. Ernst Reinhardt Verlag, München 2015.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Philippus Theophrastus Aureolus Bombastus von Hohenheim, getauft als Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, (* vermutlich 1493 in Egg, Kanton Schwyz; † 24. September 1541 in Salzburg) war ein Arzt, Alchemist, Astrologe, Mystiker, Laientheologe und Philosoph. Paracelsus hinterließ zahlreiche deutschsprachige Aufzeichnungen und Bücher medizinischen, astrologischen, philosophischen und theologischen Inhalts, die größtenteils erst nach seinem Tod gedruckt wurden (wikipedia).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE WESENSGLIEDER UND IHRE DIAGNOSTIK ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was versteht die Anthroposophische Medizin unter Wesensgliedern?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie lassen sie sich beschreiben?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wesensglieder als Zusammenhänge von Gesetzmäßigkeiten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das Wissen von Körper, Leben, Seele und Geist ist so alt wie die Menschheit. Rudolf Steiners Beitrag besteht jedoch darin, eine neue Zugangsweise zu diesen vier Erfahrungsfeldern aufgezeigt zu haben. Er verwendete für die von ihm in Medizin und Pädagogik eingeführte Terminologie die Worte „Leib“ bzw. „Organisation“.[1] Diese Termini machen nicht nur den Zusammenhang zwischen den Reichen der Natur und den Aggregatzuständen der Materie deutlich, sondern stehen auch für die differenzierte Ganzheit des Menschenwesens nach Geist (Ich-Organisation), Seele (astralische Organisation), Leben (ätherische Organisation) und Körper (physische Organisation). Sie zeigen die komplexen Zusammenhänge von Gesetzmäßigkeiten, durch die sich der Mensch erkennen, erleben, ausdrücken und betätigen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Anthroposophischen Medizin wird also nicht nur die naturwissenschaftliche Beschreibung von Aufbau und Funktion des menschlichen Körpers berücksichtigt, sondern auch die Wirkung der sogenannten Wesensglieder auf den Körper, die von der zugehörigen Gesetzmäßigkeit bestimmt werden und so in das Körpergeschehen eingreifen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Diagnostik der Wesensglieder ermöglicht ein differenziertes Erfassen des Inkarnationszustands des Menschen in Gesundheit und Krankheit, woraus sich der jeweils passende therapeutische Ansatz ableiten lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Physischer Leib – fest ====&lt;br /&gt;
Der physische Leib wird von Stoffen und Kräften im festen Aggregatzustand aufgebaut – sie machen die sinnlich beobachtbare Beschaffenheit des Körpers im Raum aus (griechisch &#039;&#039;physis&#039;&#039; = Körperbildung, Gestalt). Der ganzheitlich-systemische Begriff des Physischen umfasst den gesamten Bereich des Mineralisch-Anorganischen: Dazu gehören die Gesetze der Gravitation, der Mechanik, aber auch die Zerfalls- und Sterbeprozesse von Strukturen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was erkannt werden kann, wenn man dem menschlichen Organismus Stoffe, Gewebe und Partikel entnimmt und analysiert, gehört in das Gebiet des Physischen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ätherleib - flüssig ====&lt;br /&gt;
Der &#039;&#039;Ätherleib&#039;&#039; umfasst die Gesamtheit der Lebensprozesse. Diese sind an den flüssigen Aggregatzustand gebunden und liegen allen Vorgängen zugrunde, die chemische und physikalische Prozesse zu biochemischen und physiologischen Prozessen steigern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wort „Äther“ kommt aus dem Griechischen und heißt Himmel. Damit schließt das Ätherische auch den durchsonnten, blauen Himmelsraum ein, ohne den Leben auf der Erde nicht möglich wäre. Insbesondere die Pflanzenwelt wird davon bestimmt: Das zeigt sich z.B. in der sonnenvermittelten Fotosynthese, die Grundlage der Lebenstätigkeit aller Pflanzen ist. Doch auch ihre Biorhythmen haben ihre Zeitgeber in der Solar- und Lunarperiodik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039;  Astralleib – gasförmig, luftig ====&lt;br /&gt;
Die Kräfte und Gesetzmäßigkeiten, die Bewegung, Bewusstsein und seelischen Ausdruck ermöglichen, bezeichnete Steiner mit &#039;&#039;Astralleib&#039;&#039;, lateinisch „aster“ (Stern). Das Weltall mit seinen Sternkonstellationen ist ein Bild davon: Jeder Planet, jeder Fixstern ist anders als der andere und doch stehen alle in konkreten, sich stets wandelnden Beziehungen zueinander, Konstellationen genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Physiologisch gesehen sind die Bewegungs-, Sprach- und Gefühlsäußerungen an das Vorhandensein von Luft gebunden. Der Astralleib kann nur über den Gaszustand der Materie in das Körpergeschehen eingreifen und ist auch im Hinblick auf seine Wirkungsweise von den Gesetzen bestimmt, die dem Gaszustand eigen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ich-Organisation - Wärme ====&lt;br /&gt;
Für den Gesetzeszusammenhang, der es der selbstbewussten Persönlichkeit erlaubt, sich zu erleben und auszudrücken, wählte Steiner den Begriff &#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;. Diese ist an die Gesetze der Thermodynamik, der Wärme, gebunden. Jeder Mensch erlebt sein Ich und die Persönlichkeitsäußerungen des Anderen in Form von jeweils zum Ausdruck kommenden Wärmedifferenzen bzw. als Wärme- und Kälteausstrahlung. Die kritische Temperatur des jeweiligen Elementes entscheidet, in welchem spezifischen Aggregatzustand die Materie erscheint. Das dem gesunden Körperleben des Menschen zugrundeliegende Wärmeoptimum liegt bei 37°. Es wird durch eine komplizierte Temperaturregulation im Rahmen definierter tages- und jahresrhythmischer Schwankungen konstant gehalten. Auch hängt es jeweils vom geistigen Wärmezustand (Begeisterung) ab, ob und wofür ein Mensch seine Kraft im Leben einsetzt und wie er seine Persönlichkeit zentriert und beherrscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Berechtigte Annahme komplexer Ordnungsprinzipien&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Mit der systemischen Begrifflichkeit der Wesensglieder ist einerseits die Brücke geschlagen zur aristotelischen Elementenlehre, die die Aggregatzustände konsequent mit den Naturreichen (Mineral, Pflanze, Tier, Mensch) verbindet. Andererseits kann dadurch auch ein konkreter Bezug hergestellt werden zur heutigen Faktenfülle naturwissenschaftlicher Forschungen als Grundlage für ein ganzheitliches Bild des Menschen, der sich in Körper, Seele und Geist gliedert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiners Vorgehensweise, übergeordnete Begriffe zu bilden, wird untermauert von Annahmen aus der Systemforschung, die längst von höheren, vernetzten Formgebern und Prozessgestaltern ausgeht, die sie entweder entdeckt oder hypothetisch angenommen hat: Man verwendet den Begriff „Feld“[2] oder spricht von „intraorganischen Ordnungsmustern“ aus der mathematisch-geometrischen Symmetrie und Asymmetrie, die sich nicht mithilfe der darwinistischen Paradigmen von Selektion, Mutation und Anpassung erklären lassen.[3] Auch die Frage nach der Symmetrie als einem universalen Kausalprinzip gehört hierher. All diese Überlegungen und Forschungen besagen, dass es letztlich Gedanken, Gesetze, übergreifende Gesetzeszusammenhänge sind, die sich in den Ordnungen und Wandlungen der Evolution abbilden bzw. diese vorantreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant sind in diesem Zusammenhang auch die derzeit oft gebrauchten Begriffe der Autoregulation, Selbstregulation oder Selbstheilung. Die Wesensgliederdiagnostik kann diese Begriffe mit einem differenzierten Inhalt füllen und dieses Selbst (griechisch: autos) in seinen körperlichen, seelischen und geistigen Ausdrucks- und Funktionsweisen beschreiben.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen.&#039;&#039; GA 37, Rudolf Steiner Verlag, Dornach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rupert Sheldrake, &#039;&#039;The presence of the past. Morphic resonance and the habits of nature.&#039;&#039;  Hammersmith, UK 1988.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Antonio Lima-de-Faria, &#039;&#039;Evolution without Selection. Form and Function by Autoevolution.&#039;&#039; New York 1988.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Werner Hahn/ Peter Weibel (Hrsg.), &#039;&#039;Evolutionäre Symmetrietheorie. Selbstorganisation und dynamische Systeme.&#039;&#039; Stuttgart 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== PARAMETER DER WESENSGLIEDER-DIAGNOSTIK ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen Parametern folgt die Wesensglieder-Diagnostik?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wesensglieder als Gesetzeszusammenhänge des Menschseins&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der phänomenologischen Philosophie und Psychologie ist man gewohnt, den Körper „Leib“ zu nennen. Man meint damit das individuell Geformte bzw. das „Gefäß&amp;quot;, das von allen Funktionen und Seelenerlebnissen ein Aus- und Abdruck ist. Rudolf Steiner verwendet als Bezeichnung für die Wesensglieder je nach Kontext die Ausdrücke „Leib“, „Organisation“ und „Organismus“ oder „Gesetzeszusammenhang“. In der Diagnostik wird der körperliche Ausdruck der Wesensglieder im Einzelnen beschrieben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Physischer Leib ====&lt;br /&gt;
Zu den Beurteilungsgrößen des physischen Leibes gehören neben Körpergröße und Körpergewicht die chemische Analyse (Labordiagnostik) sowie die Ausformung der einzelnen Organe, der konstitutionelle Habitus, und inwiefern dieser durchlässig ist für die Vorgänge des Lebens, der Seele und des Geistes – d.h. für den „Inkarnationszustand&amp;quot; des betreffenden Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ätherleib ====&lt;br /&gt;
Zur Diagnostik des ätherischen Organismus gehört neben dem Erfassen der aktuellen Gesamtvitalität und der Vitalität der einzelnen Organe auch die Beurteilung von Wachstum, Entwicklung und Regenerationsfähigkeit sowie des Säure-Basen-Verhältnisses, des Wasser- und Elektrolythaushaltes und des Zusammenspiels der Biorhythmen, aber auch die Erfassung der Art der Gedankenführung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Astralleib ====&lt;br /&gt;
Die Wirkungsweise des Astralleibes wird einerseits am Bewegungsspiel der Muskulatur und ihres Tonus abgelesen, andererseits aus der Art des Sprechens und der Atemführung sowie des Instinkt-Begierde-Verhaltens erschlossen. Empfindungsleben, „Sensibilität&amp;quot; und das Spektrum der Gefühlsäußerungen geben Aufschluss über seinen aktuellen Zustand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Stärke oder Schwäche der Ich-Organisation können am Zusammenspiel aller Funktionen und Wesensgliedertätigkeiten abgelesen werden. Jede Form von Integrations- und Kontrollverlust zeigt eine Schwächung oder Störungen im Bereich dieses Wesensgliedes an. An dieser Stelle ist es wichtig zu bemerken, dass die Ich-Organisation zwar dem geistigen Wesen Mensch, d.h. seinem Ich, die körperliche – und damit vergängliche –Möglichkeit zur Inkarnation bietet, mit dieser jedoch nicht identisch ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Faktenfülle durch Wesensgliederdiagnostik&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Des Öfteren wird gefragt, warum die Wesensglieder-Diagnostik nötig ist, welche zusätzlichen Informationen sie über das hinaus bieten kann, was eine sorgfältige und umfassende klinische Diagnostik ohnehin leistet. Dazu ist zu sagen, dass das sehr umfassende Studium des jeweiligen Wesensgliedes und der damit zusammenhängenden Gesetzmäßigkeit zusätzliche Informationen liefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die in der Tabelle unten angeführten Parameter implizieren eine große Faktenfülle und eröffnen durch ihre Zusammenschau neue Einsichtsmöglichkeiten in die menschliche Natur, vor allem auf den direkten Zusammenhang der seelisch-geistigen Funktionen mit den physiologisch-anatomischen Strukturen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;Wesensglied&#039;&#039;&#039; und  Naturgesetzlichkeit&lt;br /&gt;
|Selbsterleben und &lt;br /&gt;
kreative Handhabbarkeit&lt;br /&gt;
|Morphologie &lt;br /&gt;
Physiologie&lt;br /&gt;
|Physische Symptomatik&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;&#039;Wärmeorganismus&lt;br /&gt;
Thermodynamischer&lt;br /&gt;
Gesetzeszusammenhang&lt;br /&gt;
|Selbstbewusste &lt;br /&gt;
Gedankentätigkeit,&lt;br /&gt;
Intentionalität,&lt;br /&gt;
Initiative,&lt;br /&gt;
Dicht- und Sprachkunst&lt;br /&gt;
|Integrationsprozesse Gesamtgestalt&lt;br /&gt;
|Individuelle Wärmeverteilung „Ausstrahlung&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;Astralleib&#039;&#039;&#039;Luftorganismus&lt;br /&gt;
Aerodynamischer&lt;br /&gt;
Gesetzeszusammenhang&lt;br /&gt;
|Bewusstsein, Gefühl, Impulsivität, Bewegung&lt;br /&gt;
Musik und Gesang&lt;br /&gt;
|Atmung&lt;br /&gt;
Katabole Stoffwechselvorgänge&lt;br /&gt;
Heterostase&lt;br /&gt;
Differenzierung&lt;br /&gt;
Proportionen&lt;br /&gt;
|Muskeltonus&lt;br /&gt;
(Anspannung und Lösung)&lt;br /&gt;
Lufthaushalt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;Ätherleib&#039;&#039;&#039;Wasserorganismus &lt;br /&gt;
Hydrodynamischer&lt;br /&gt;
Gesetzeszusammenhang&lt;br /&gt;
|Auftrieb&lt;br /&gt;
Schwerelosigkeit Zeitprozesse&lt;br /&gt;
plastisches Gestalten&lt;br /&gt;
|Anabole Stoffwechselvorgänge&lt;br /&gt;
Synthese&lt;br /&gt;
Homöostase&lt;br /&gt;
Proliferation&lt;br /&gt;
|Turgor&lt;br /&gt;
Wasserhaushalt&lt;br /&gt;
Inkarnat&lt;br /&gt;
Hautdurchblutung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;Physischer Leib&#039;&#039;&#039;Feste Organisation&lt;br /&gt;
Gravitation&lt;br /&gt;
Gesetzeszusammenhänge der Festkörperphysik und Mechanik&lt;br /&gt;
|Egoität&lt;br /&gt;
Schwerpunkt erleben architektonisches Gestalten&lt;br /&gt;
|Ablagerungsprozesse&lt;br /&gt;
Strukturierungsprozesse&lt;br /&gt;
Form-Zusammenhalt&lt;br /&gt;
|Dichte&lt;br /&gt;
Gewicht&lt;br /&gt;
Laborparameter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tab. 1.1 Diagnostische Parameter im Funktionsbereich der Wesensglieder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FORSCHUNG UND WEITERENTWICKLUNG IN DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;In welche Richtungen wird in der Anthroposophischen Medizin geforscht?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Möglichkeiten der Evaluation gibt es?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Forschung und Evaluation&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aufgrund ihres natur- und geisteswissenschaftlichen Menschenbildes hat die anthroposophisch-medizinische Forschung zwei Arbeitsrichtungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Eine, die sich den derzeit vorgegebenen akademischen Standards anpasst und Unbedenklichkeit und &#039;&#039;&#039;Wirksamkeit anthroposophischer Arzneimittel&#039;&#039;&#039; untersucht. &lt;br /&gt;
# Und eine andere, die nach den &#039;&#039;&#039;geistigen Ursachen von Krankheit&#039;&#039;&#039; und den &#039;&#039;&#039;heilenden Möglichkeiten der Natur&#039;&#039;&#039; mit ihren Substanzen und Prozessen fragt. &lt;br /&gt;
# Zu jeder seriösen Forschung gehören auch effektive &#039;&#039;&#039;Möglichkeiten der Evaluation&#039;&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophische Medizin ist nicht nur historisch jung, sondern auch in ständiger Weiterentwicklung begriffen. Ihre weltweiten Arbeitszusammenhänge in Forschung, Ausbildung und Praxis werden in der Medizinischen Sektion am Goetheanum in der Schweiz koordiniert.[1] Dort findet sich auch eine Übersicht über die aktuelle Literatur, die Forschungsinstitute und Kliniken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ad 1. Studiendesigns für anthroposophische Arzneimittel ====&lt;br /&gt;
Gegenwärtig wird an Studiendesigns gearbeitet, die der Herkunft, Herstellung und Anwendung anthroposophischer Arzneimittel gerecht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Freiburger Arzt und Wissenschaftler &#039;&#039;Helmut Kiene&#039;&#039; ist die im Juli 2000 erschienene komplementäre Methodenlehre der klinischen Forschung zu verdanken, in der er eine Cognition-based Medicine der Evidence-based Medicine gegenüberstellt.[2] Diese Methodenlehre erstreckt sich auf folgende Evidenzbereiche:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wirksamkeitsnachweis&lt;br /&gt;
* Effektivitätsbeurteilung&lt;br /&gt;
* Therapievergleich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im „Freiburger Institut für angewandte Erkenntnistheorie und medizinische Methodologie“ wird derzeit an den praktischen Konsequenzen für ein neues Studiendesign gearbeitet, das sich auf hohem akademischem Niveau auf die individuelle Einzelfallanalyse stützt. Der Arbeit des Instituts entstammt auch die im Jahre 2003 erschienene umfassende Monographie zur Mistel in der Onkologie.[3] Mit diesem Buch liegt erstmals ein Werk vor, das den Stand der Forschung in Bezug auf die Misteltherapie bei onkologischen Erkrankungen für Mediziner, Wissenschaft­ler und Allgemeininteressierte verfügbar macht. Es leistet damit einen Beitrag zur wissenschaftlichen Diskussion wichtiger medizinischer Grundsatzthemen, aber auch zum Dialog der Denkstile. Es ist ein Beispiel einer gelungenen Synthese von naturwissenschaftlichem und geisteswissenschaftlichem Ansatz auf der Höhe der derzeit gültigen akademischen Standards.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ad 2. Grundlagenforschung zu Krankheit und Heilung ====&lt;br /&gt;
Die Grundlagenforschung befasst sich mit der Erarbeitung von Korrespondenzen zwischen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;&#039;Wesensgliedertätigkeit&#039;&#039;&#039; im Menschen,&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;&#039;Krankheitssymptomatik&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* bestimmten &#039;&#039;&#039;Prozessen in der Natur&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* und der &#039;&#039;&#039;Wirkung von Substanzen&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht darum, Naturprozesse aufzufinden und zu beschreiben, die für den jeweiligen Krankheitsfall die Selbstheilung anregen, einseitigen Funktionen entgegenwirken oder zu schwache Funktionen unterstützen können. Je genauer das therapeutische Ziel aufgrund der Erforschung des evolutiven Zusammenhanges von Mensch und Natur festgelegt werden kann, umso sicherer tritt in der Regel auch die erwünschte Wirkung beim Patienten ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Arzneimittelschatz der heute verfügbaren Anthroposophika entstammt der Zusammenarbeit von Ärzten, Pharmazeuten und Herstellern. Seit vielen Jahren fassen Anthroposophische Ärztinnen und Ärzte ihre Erfahrungen und Erkenntnisse zum Einsatz der Anthroposophischen Arzneimittel in einem Vademecum zusammen, das Fachkreisen zugänglich ist und ständig erweitert wird. Ideen zur Heilmittelfindung entstehen jeweils anhand konkreter Fragestellungen zum Patienten bzw. zu seiner Krankheitssituation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Ausgangsstoffe für die Arzneimittelherstellung mit Bezug auf Sicherheit und Unbedenklichkeit in der Regel schon bekannt sind, ist präklinische Forschung im Sinne von In-vitro- oder Tierversuchen nicht nötig. Wenn neue, noch nicht monographierte Naturstoffe Verwendung finden, unterliegen sie selbstverständlich dem allgemein üblichen Prozedere zur Feststellung von Wirksamkeit und Unbedenklichkeit der entsprechenden Substanz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von einem anthroposophischen Arzneimittel wird erwartet, dass es körperliche oder seelische Beschwerden mildern oder verschwinden lassen bzw. eine Krankheit verzögern, heilen oder womöglich auch verhindern kann. Da sich diese Art der Heilmittelfindung und -anwendung in der Regel am individuellen Patienten orientiert, sind Forschungs- und Evaluationsmethoden erforderlich, die diesem Umstand Rechnung tragen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ad 3. Projekte zur Evaluation der Anthroposophischen Medizin ====&lt;br /&gt;
Im Berliner Forschungsinstitut am Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe wurde mit einem Projekt zur Evaluation Anthroposophischer Medizin begonnen – dem EvaMed-Projekt. Ziel ist die Schaffung einer wissenschaftlich fundierten Datenbasis als Grundlage für den Nachweis zur Unbedenklichkeit und Wirksamkeit von Anthroposophika. Mittels informationstechnologisch gestützter Netzwerke wird Outcome- und Versorgungsforschung innerhalb der Anthroposophischen Medizin betrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der medizinischen Fakultät der Universität Witten-Herdecke wurde 2003 der Stiftungslehrstuhl für Medizintheorie und Komplementärmedizin unter &#039;&#039;Prof. Dr. Peter Matthiessen&#039;&#039; eingerichtet, zu dessen Aufgaben neben Forschung und Lehre auch die Implementierung eines Begleitstudienganges für Anthroposophische Medizin gehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Bern/Schweiz wurde bereits 1994 die „Kollegiale Instanz für Komplementärmedizin“ (KIKOM) eingerichtet und der Schweizer Arzt &#039;&#039;Dr. med. Peter Heusser&#039;&#039; mit der Dozentur für Anthroposophische Medizin beauftragt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Siehe unter: www.medsektion-goetheanum.org&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Helmut Kiene, &#039;&#039;Komplementäre Methodenlehre der klinischen Forschung: Cognition-based Medicine,&#039;&#039; Heidelberg – Berlin 2001.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Gunver S. Kienle/ Helmut Kiene, &#039;&#039;Mistel in der Onkologie: Fakten und konzeptionelle Grundlagen&#039;&#039;, Schattauer 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== AKTUALITÄT DER FORSCHUNGEN RUDOLF STEINERS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche von Rudolf Steiner vorausgesehenen Entwicklungen in der Medizin sind inzwischen Stand der Wissenschaft?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Von Steiner vorausgesehene medizinische Entwicklungen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Bezug auf die Medizin kann man feststellen, dass viele Aussagen in Bezug auf zukünftige medizinische Entwicklungen und Ergebnisse, die Rudolf Steiner vorausgesehen hat, mit denen er ganz selbstverständlich umging, wenn er über Medizin sprach, heute zum Allgemeingut der Wissenschaft gehören. Ich möchte im Folgenden zu jeder Ebene der menschlichen Konstitution Beispiele nennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Erbgut und Immunsystem – physische Ebene ====&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner sprach vor Heilpädagogen, Lehrern, Ärzten davon, dass das sich inkarnierende Kind selbst mit der Auswahl von Vater und Mutter und dem damit verbundenen Erbgut zu tun hat, und dass die sich inkarnierende Individualität selbst daran beteiligt ist, das Erbgut möglichst so zu mischen, wie es zu ihrem Inkarnationswillen passt. Er sagte auch, dass die sogenannten Kinderkrankheiten und fieberhaften Infekte, die während der ersten 8 – 9 Lebensjahre normalerweise gehäuft auftreten, der Individualität die Möglichkeit geben, den ererbten Leib sukzessive umzugestalten und an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genau diese Zusammenhänge wurden in den letzten Jahren im Rahmen der Epigenetik erforscht. Kein wissenschaftlich gebildeter Mensch glaubt mehr, dass das Erbgut ein geschlossenes System ist, das eine Marschroute vorgibt. Das Erbgut ist ein offenes System, das durch individuelle spirituelle Arbeit beeinflusst werden kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das führt heute zu völlig neuen Forschungsfragen auf dem Gebiet der &#039;&#039;„Mind-Body-Medicine“&#039;&#039;. Man erforscht dort die Wirkung von Medikation auf die neuronalen Verschaltungen, auf den Kreislauf usw. und merkt, dass die Medikation auch immunstimulierend wirkt, bzw. dass das Immunsystem dadurch verändert wird. Das Immunsystem wiederum ist das Schlüsselsystem, welches das Erbgut aktiviert und dafür sorgt, dass bestimmte Gene blockiert werden und nicht mehr funktionieren bzw. neue gezündet werden und anfangen zu funktionieren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir brauchen beide Ansätze, wenn wir eine wirklich humane menschliche Medizin schaffen wollen: Die Naturwissenschaft allein reicht nicht. Erst ergänzt um Erkenntnisse aus der Geisteswissenschaft wird Medizin wirklich menschengerecht. Denn es dauert viel zu lange, wenn erst jahrelang Nachweise von der Schädlichkeit einer Maßnahme erbracht werden müssen, bevor diese verboten wird, wie es der naturwissenschaftlichen Methodik entspricht. Dann kommt das Gute immer zu spät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Rudolf Steiners Forschungsmethode der Verifizierung&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Die Geisteswissenschaft macht methodisch das Umgekehrte. Sie macht aufgrund tiefer gehender Einblicke und Kenntnisse der menschlichen Konstitution Angaben über zu erwartende Ergebnisse einer Maßnahme. Man ist als Arzt und Therapeut immer frei, sich für das, was man für das Richtige hält, zu entscheiden. Das bedeutet, dass man für gut und richtig erkannte Maßnahmen und Methoden anwendet, auf diesem Wege verifiziert und anschließend dokumentiert, wie der Gedanke zum Tun und letztlich zu einem guten Ergebnis führte, wobei auftauchende Probleme reflektiert werden. Man erklärt z.B. genau, warum man eine Hypothese etwas modifizierte, um das gewünschte gute Ergebnis zu erzielen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das war die von Rudolf Steiner praktizierte Forschungsmethode: Aus profunder Menschenkenntnis und physiologischem Verständnis heraus eine Hypothese zu bilden und anschließend in der Praxis zu verifizieren, ob der hypothetisch angenommene Erfolg tatsächlich eintritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diesem Wege wurde in der anthroposophischen Medizin ein System für individuelle Einzelfalldokumentation auf hohem akademischem Niveau erarbeitet.[1] Es ist extrem viel Arbeit, diese Zusammenhänge so nachzuweisen, dass sie vor dem empirisch orientierten Denken der heutigen Zeit Bestand haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Rhythmusforschung – ätherische Ebene ====&lt;br /&gt;
Ein ähnlich begeisterndes Feld ist die Rhythmusforschung auf der ätherischen Ebene. Rudolf Steiner wurde nicht müde zu sagen: &#039;&#039;„Rhythmus trägt Leben“&#039;&#039;.[2] Beachtet und pflegt die Rhythmen – im meditativen Leben, in der Pädagogik, in der Medizin – und bedenkt, wann man was wie machen sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jedes Wesensglied hat seinen eigenen Rhythmus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039; folgt dem &#039;&#039;&#039;24-Stunden-Rhythmus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;Astralleib&#039;&#039; dem &#039;&#039;&#039;Wochenrhythmus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;Ätherleib&#039;&#039; dem &#039;&#039;&#039;Monatsrhythmus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;physische Leib&#039;&#039; dem &#039;&#039;&#039;Jahresrhythmus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir diese Rhythmen in unserem Lebensalltag beachten, verfügen wir über robuste Gesundheit – das ist heute alles durch die moderne Rhythmusforschung bestätigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Bindungs- und Beziehungsforschung – astrale Ebene ====&lt;br /&gt;
Auf seelischem Gebiet ist die Bindungs- und Beziehungsforschung angesiedelt. Heute ist klar nachgewiesen, was Rudolf Steiner immer wieder im paracelsischen Sinne betonte: dass die einzig wahre Arznei die Liebe ist. Was in der Arzt-Patienten-Beziehung als professionelle Liebe, als Hingabe an den Patienten wirkt, entspricht der Liebesqualität, die auch Lehrer- und Schülerseelen verbindet. Die Frage Steiners – &#039;&#039;„Kinder, habt ihr eure Lehrer lieb?“&#039;&#039; – war keine rhetorische Frage. Steiner scheute nicht davor zurück, ein Kind in die Parallelklasse zu schicken, wenn es seinen Lehrer nicht lieben konnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das findet in der heutigen Bindungsforschung seine Bestätigung: Eine Beziehung wirkt gesundend,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* wenn sie &#039;&#039;&#039;ehrlich&#039;&#039;&#039; ist, &lt;br /&gt;
* wenn sie von &#039;&#039;&#039;liebvollem Interesse für den anderen&#039;&#039;&#039; geprägt ist,&lt;br /&gt;
* wenn sie von &#039;&#039;&#039;Respekt vor der Autonomie des anderen&#039;&#039;&#039; getragen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind die drei christlichen Grundwerte – Wahrheit, Liebe, Freiheit – von denen wir in der Esoterik nicht müde werden zu sprechen. Alle esoterischen Übungen dienen der Entwicklung dieser Art von Menschlichkeit: dass es wahrhaftiger, liebvoller, freilassender, respektvoller wird im sozialen Miteinander. Dass das gegenseitige Verstehen gefördert wird, das Erwachen aneinander, das zum Verständnis führt. Nichts anderes wird helfen angesichts der Not und des Elends auf der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Traumatherapie – geistige Ebene ====&lt;br /&gt;
Auch auf geistigem Felde gibt es spannende Erkenntnisse. Es gibt heute sehr viele Verfahren, insbesondere auf dem Gebiet der Traumatherapie, die erkannt haben, dass ein schweres Trauma, ein schwerer Angriff auf Leib und Seele, nur als Initiation aufgefasst sinnstiftend verarbeitet werden kann. Es gibt keinen anderen Weg, der wirklich greift. Man kann gewisse Symptome zwar mit psychisch wirksamen Drogen dämpfen. Das ist aber keine Heilung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein schweres Trauma zu verarbeiten, ist ein langwieriger Prozess. Der erste Schritt besteht darin, das Trauma als Schwellenerlebnis in Bezug auf die geistige Welt zu erkennen. In der Folge gilt es dieses Erlebnis fruchtbar zu machen, indem man die Kräfte durchschauen lernt, die einen bedrücken und sie als luziferische und ahrimanische Gewalten unterscheiden lernt. Das gelingt erst vollends, wenn man auch die guten menschlichen Kräfte aufzufinden vermag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich möchte an dieser Stelle eine schlichte Herzmeditation vorlesen. In Rudolf Steiners Notizbuch stehen undatiert folgende Worte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich denke an mein Herz.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Es belebet mich.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Es erwärmet mich.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich vertraue fest auf das ewige Selbst,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;das in mir wirket,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;das mich trägt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Tragekraft an der Schwelle zu erkennen, ist für die eigene Identitätsfindung unerlässlich: dass man in sich die Instanz aufspürt, die angesichts der Vergänglichkeit und Zerbrechlichkeit des Leibes, unvergänglich und unzerbrechlich ist und einen über alle Abgründe des Lebens hinwegträgt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Initiationsweg ist für die anthroposophische Psychotherapie etwas Selbstverständliches. Wir können gar nicht über Entwicklung sprechen, wenn wir uns nicht auch mit all den Mühen auseinandersetzen, die der Entwicklung entgegenstehen. Deswegen fordert Rudolf Steiner in seinem Buch &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; im 1. Kapitel,[3] dass wir zwei Bücher studieren: Wenn wir das ernst nehmen, dürften wir gar nicht weiterlesen, ohne diese beiden Bücher studiert zu haben. Das eine ist &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der Höheren Welten?“,[4]&#039;&#039; das andere die &#039;&#039;„Geheimwissenschaft im Umriss“[5]&#039;&#039; – die Weltentwicklung und der Mensch. Ohne ein Wissen über die dort geschilderten Zusammenhänge und Entwicklungszyklen ist Anthroposophische Medizin nicht vollständig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man also bei uns in die Werkstatt blickt, sieht es sehr tätig und sehr optimistisch aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag auf der Welterziehertagung, Dornach 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Im „Freiburger Institut für angewandte Erkenntnistheorie und medizinische Methodologie“ wird derzeit an den praktischen Konsequenzen für ein neues Studiendesign gearbeitet, das sich auf hohem akademischem Niveau auf die individuelle Einzelfallanalyse stützt. Diese Methode wird in dem Werk von Helmut Keine beschrieben, &#039;&#039;Komplementäre Methodenlehre der klinischen Forschung: Cognition-based Medicine,&#039;&#039; Heidelberg – Berlin 2001.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://www.drhauschka.de/kosmos/werte/im-rhythmus/&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst.&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?&#039;&#039; GA 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Geheimwissenschaft im Umriss.&#039;&#039; GA 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== HEILSAMES ZUSAMMENSPIEL VON THERAPEUT UND PATIENT ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie geht man mit leidenden Patienten angemessen um?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie muss die eigene Seelenstimmung sein, dass sie den anderen da abholt, wo er ist?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielt der Patient bei seiner Heilung?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Professioneller Umgang mit dem Leiden anderer&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dem Leiden eines anderen Menschen in der richtigen Haltung zu begegnen, erfordert Fingerspitzengefühl und Professionalität. Wenn jemand z.B. deprimiert ist, helfen Sie ihm nicht, wenn Sie sagen: &#039;&#039;„Mir ging es auch schon einmal schlecht oder jetzt tun wir Ihnen hiermit etwas Gutes – Sie werden schon sehen, dass Sie sich dann wieder besser fühlen.“&#039;&#039; Ihm aus der eigenen Gesundheit heraus gut zuzureden ist laienhaft und wäre die falsche Herangehensweise. Das machen bereits die Nachbarn und Freunde – es wird endlos auf ihn eingeredet und am Ende geht es ihm nur noch schlechter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jemand, der deprimiert ist, muss dort abgeholt werden, wo er steht – das muss auch ein guter Psychotherapeut lernen. D.h. man muss den Betreffenden zunächst in seinem Leid bestätigen und Mitgefühl zeigen. Dann fühlt er sich ernst genommen und kann sich entspannen. Wenn jemand nicht reden will, wenn er nur ernst schaut, sollte man ruhig und sachlich mit ihm umgehen. Man darf schon ein feines Lächeln zeigen, aber kein provozierend aufmunterndes Verhalten an den Tag legen. Das wäre schon viel zu viel. Vor allem sollte man wach und präsent sein, sodass der andere spürt, man ist für ihn oder sie da. Das tut jedem gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Seele als Wahrnehmungsorgan für den anderen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner forderte in Bezug auf die Pflege – und eine therapeutische Anwendung ist auch eine pflegerische Maßnahme – dass die pflegenden Fachleute die Launen des Patienten studieren. Das bedeutet nun nicht, dass man sich über ihn erhebt und ihn nicht ernst nimmt, dass man sich als der große Analyst aufspielt und sein „schlechtes Benehmen“ verurteilt. Das ist alles nicht gemeint. Es geht vielmehr um ein hoch differenziertes, professionelles, seelisches Wahrnehmungsvermögen und um die Fähigkeit, sich so anzupassen an die Zustände eines anderen, dass man in der Lage ist, Seelenstimmung des Anderen in wahrzunehmen. Um das zu können, muss ich meine eigene Seele zum Wahrnehmungsorgan machen für den anderen – was ich nur kann, wenn ich die menschlichen Seelenzustände gut kenne. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der &#039;&#039;Theosophie&#039;&#039;[1], einem sehr empfehlenswerten Buch für Anfänger in der Anthroposophie, sagt Rudolf Steiner, man könne lernen, seine Sympathien und Antipathien zu einem Wahrnehmungsorgan umzubilden für die Seelenstimmungen eines anderen Menschen. Wenn mir also ein Verhalten unsympathisch ist und ich Antipathie empfinde, erfahre ich dadurch ganz objektiv etwas über mich &#039;&#039;und&#039;&#039; den anderen. Antipathie ist nicht zum Ärgern da – sie soll der Wahrnehmung und dem Erkennen dienen. Das Gleiche gilt für die Sympathie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entwicklungsgedanke macht Mut&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Als ich noch Medizinstudentin war, kurz vor meiner Promotion, machte ich ein Praktikum auf einer Rheumastation. Ich hatte dort mit einer älteren Frau zu tun, Mitte 60, um die ich mich als junge, unerfahrene Medizinerin enorm bemüht hatte, so wie man das als junger Mensch macht. Ich habe die Frau noch heute vor mir – denn die ersten Patienten vergisst man sein Leben lang nicht. Sie sagte plötzlich: &#039;&#039;„Ich weiß überhaupt nicht, warum Sie sich mit mir solche Mühe geben. Das lohnt sich doch alles gar nicht mehr.“&#039;&#039; Ich erschrak und wusste in dem Moment nicht, wie ich darauf reagieren sollte. Diesen Schreck hat sie natürlich auch wahrgenommen. Ich konnte nur sagen: &#039;&#039;„Sie machen mich sprachlos. Ich weiß nicht, was ich Ihnen antworten soll.“&#039;&#039; Nach einer Weile fielen mir ein paar wichtige anthroposophische Argumente ein: dass jeder Tag in der Entwicklung zählt und dass doch auch ein gesunder Mensch nicht weiß, ob er am nächsten Tag noch lebt oder einen Autounfall erleidet usw.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lebensmüdigkeit ist ein Zeichen dafür, dass jemand den Entwicklungsgedanken noch nicht kennenlernen durfte, dass ihm dieses kostbarste Geheimnis noch verschlossen ist. Dann sollte man sich Zeit nehmen, egal welches Alter der Betreffende hat, und ihm oder ihr den Entwicklungsgedanken nahebringen. Die schönsten Gelegenheiten dazu ergeben sich noch kurz vor dem Tod. Ein tiefes Verständnis für Entwicklung kann dazu beitragen, dass jemand mit dem festen Willen über die Schwelle geht, es im nächsten Leben von vornherein anders anzugehen, die Zeit für Entwicklung zu nützen, aus dem Wissen heraus, wozu sie dient und wohin die Reise geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ganzheitlicher Blick auf den Menschen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Therapeutische Anwendungen wirken völlig anders, wenn ein Patient aktiv mitarbeitet, wenn er das Gefühl hat, dass jeder Tag zählt und sich die Qualität seines restlichen Lebens dadurch verbessern kann und er in der Zeit, die ihm bleibt, vielleicht doch noch das eine oder andere tun, denken oder erleben kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn auch bei der sogenannten Physiotherapie, bei der es primär um den physischen Leib zu gehen scheint, darf man die anderen Ebenen und Aspekte nicht vergessen bzw. außer Acht lassen. Auch sie beeinflussen das Körpergeschehen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die Lebenskräfte &lt;br /&gt;
* die seelische Integrität&lt;br /&gt;
* die geistige Identität&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* das Entwicklungspotential&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wichtigste ist der letzte Aspekt: den Menschen als in Entwicklung begriffenes Wesen zu sehen, das an die Vergangenheit angeschlossen und auf die Zukunft hin ausgerichtet ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne das Wissen des Therapeuten um diese Ganzheit können Anwendungen nicht wirklich gut wirken. Andererseits können sie eine enorme Verstärkung erfahren, wenn der Therapeut die anthroposophische Seelenkunde kennt und auch die Bereitschaft aufbringt, sich selbst auf professionelle Weise seelisch und geistig weiterzuentwickeln. Dann wird sich der ganzheitliche Blick auf den Menschen dem Patienten atmosphärisch mitteilen und die Heilung begünstigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag anlässlich des Jubiläums des 100. Geburtstags von Werner Junge, Okt. 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Theosophie&#039;&#039;, GA 9.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE FÜNF EBENEN DES MENSCHSEINS IM MEDIZINISCHEN SYSTEM ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Ebenen des Menschseins gibt es?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welches medizinische System setzt auf welcher Ebene an?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verschiedene medizinische Systeme&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wir Menschen sind komplexe Wesen, die auf unterschiedlichen Ebenen angesprochen werden können. Jedes medizinische System setzt auf einer oder mehreren dieser Ebenen an. Im Folgenden möchte ich die einzelnen Systeme kurz umreißen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;&#039;Homöopathie&#039;&#039;&#039; ist eine alternativmedizinische Behandlungsmethode, die auf den ab 1796 veröffentlichten Vorstellungen des deutschen Arztes Samuel Hahnemann beruht. Die wichtigste Grundannahme ist das Ähnlichkeitsprinzip: &#039;&#039;„Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden“ (similia similibus curentur)&#039;&#039;. Danach solle ein homöopathisches Arzneimittel so ausgewählt werden, dass die Inhaltsstoffe der Grundsubstanz unverdünnt an Gesunden ähnliche Krankheitserscheinungen (Symptome) hervorrufen könnten wie die, an denen der Kranke leidet, wobei auch der „gemüthliche und geistige Charakter“ des Patienten berücksichtigt werden solle (vgl. wikipedia).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter &#039;&#039;&#039;Spagyrik&#039;&#039;&#039; (aus dem Griechischen spao „(heraus)ziehen, trennen“ und ageiro „vereinigen, zusammenführen“) werden verschiedene Heilsysteme zusammengefasst. Das therapeutische Ziel ist die positive Beeinflussung der „Lebenskraft“ und damit die Aktivierung der Selbstheilungskräfte. Grundlage bilden die antike Naturphilosophie (z.B. die „Elementenlehre“), die Signaturenlehre und die Humoralpathologie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit &#039;&#039;&#039;Psychosomatik&#039;&#039;&#039; wird in der Medizin die Betrachtungsweise und Lehre bezeichnet, in der die psychischen Fähigkeiten und Reaktionsweisen von Menschen in Gesundheit und Krankheit in ihrer Eigenart und Verflechtung mit körperlichen Vorgängen und sozialen Lebensbedingungen in Betracht gezogen werden. Ihre Erforschung und Umsetzung in der Krankenbehandlung erfolgt in der Psychosomatischen Medizin (vgl. wikipedia).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Psychotherapie&#039;&#039;&#039; wurde früher die Lehre von der Heilung der erkrankten Seele genannt, um sie von einer Psychologie als Lehre von der gesunden Seele und einer Psychiatrie als Lehre von der erkrankten Seele abzugrenzen. Heute wird die psychotherapeutische Behandlung bzw. Heilung im Zusammenhang mit Körper und Seele eines ganzheitlich gesehenen Menschen verstanden und erklärt. Davon zu unterscheiden ist die beratende Psychologie, die sich mit allgemeinen Problemen der Lebensführung befasst (vgl. wikipedia).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit &#039;&#039;&#039;Körpertherapie&#039;&#039;&#039; werden Behandlungsmethoden zur Verbesserung von Körperhaltung, Bewegungsabläufen sowie zur direkten oder indirekten Unterstützung von Körperfunktionen bezeichnet. Je nach Methode werden spezielle manuelle Techniken, Massagearten, Bäder bzw. Anleitungen zur Schulung von Haltungen und Bewegungen angewendet. Fast alle Körpertherapiemethoden betonen die Bedeutung psychosomatischer Wechselwirkungen und gehen davon aus, dass die Körpertherapie positive psychische Veränderungen bewirkt (vgl. wikipedia).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Integrativer Ansatz der Anthroposophischen Medizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin versucht alle gemeinsam in den Blick zu nehmen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Physische Eben&lt;br /&gt;
# Ätherische Ebene&lt;br /&gt;
# Astrale Ebene&lt;br /&gt;
# Identitäts-, Ich-Organisations-Ebene&lt;br /&gt;
# Geistige Orientierung, Weltanschauung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Physische Ebene und Medizin ====&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;Schulmedizin&#039;&#039; baut ganz auf der Erkenntnis des Physischen auf. Kliniken werden entsprechend zunehmend zu Technik-Zentren. Dass der Mensch sich dabei oft nicht menschlich behandelt fühlt, zeigt deutlich, dass das nicht genügt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ätherische Ebene und Medizin ====&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;Homöopathie&#039;&#039; und &#039;&#039;Spagyrik&#039;&#039; z.B. weiß man, dass alles Leben prozessual verläuft, dass alle Substanzen aus Prozessen hervorgehen und dass alle Wirksamkeit zeitabhängig ist, im Guten wie im Schlechten. Daraus ergeben sich viele weitere Therapieverfahren, die prozessorientiert sind, sich auch mit den Lebensgewohnheiten und -rhythmen befassen und mit dem Geheimnis von Entwicklung im therapeutischen Prozess arbeiten. Wenn man lernt sein Leben den Ätherkräften oder Lebenskräften gemäß zu gestalten, wird sich das gesundend auswirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Astrale Ebene und Medizin ====&lt;br /&gt;
Auf der Gefühlsebene geht es um unsere ungemein verwundbare Seele mit ihrer Gefühlswelt, deren Wirkung auf den Körper nicht unterschätzt werden darf. Hier setzen die &#039;&#039;Psychosomatik,&#039;&#039; alle &#039;&#039;Psychotherapieverfahren&#039;&#039; sowie auch diverse &#039;&#039;Körpertherapien&#039;&#039; an. Die Anthroposophische Medizin stellt sich die zentrale Frage:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie können wir einen Kranken, der leidet, so begleiten, dass er sich trotzdem als Teil einer wohlwollenden Schöpfung und damit als ein wichtiger Teil des Ganzen fühlt?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manchmal ist das Gefühlsleben so erstarrt und verkapselt, dass man es nicht mehr über Worte oder über ein Medikament erreichen kann. Wenn man so jemandem dann ein warmes Bad bereitet – wobei es auf genau die richtige Temperatur ankommt – und dieses Bad Düfte verströmt, die der Betreffende noch nie so richtig wahrgenommen hat, können der starke Wärmereiz, der Duft, die menschliche Nähe dazu führen, dass sich dieser Mensch im eigenen Körper wieder wohl und angenommen fühlt. Das ist nicht zu unterschätzen. Auch die Umgebung, in der das Bad stattfindet, ist entscheidend: Ob es dort nur öde, kalte Fliesen gibt oder ob die Wände angenehme Farben haben, ob dort ein Bild hängt usw. Man kann auch in der Sterbebegleitung Bäder miteinbeziehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Identität und Medizin ====&lt;br /&gt;
Das gilt auch für das Identitätserleben: Es hängt von der &#039;&#039;Art der Ansprache und Ausrichtung der Therapie&#039;&#039; auf die Bedürfnisse eines Patienten ab, ob er sich als Mensch, als Individualität, wahrgenommen fühlt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Weltanschauung und Medizin ====&lt;br /&gt;
Essentiell für die Gesundung ist aber auch eine &#039;&#039;geistige Ausrichtung bzw. Lebensanschauun&#039;&#039;g, die die Möglichkeit der Entwicklung impliziert. Viele Weltanschauungen heute sind so, dass sie von einem perfekten Selbstbild ausgehen, also von einem fertigen Ergebnis: Man will rasch mit der Ausbildung fertig sein, damit man mit möglichst wenig Aufwand viel Geld verdienen und daneben noch Spaß am Leben haben kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine menschengemäße Weltanschauung dagegen impliziert, dass man sich auf allen Ebenen, egal ob beruflich oder privat, nach demselben Entwicklungsziel ausrichtet. Die Arbeitszeit wird genauso als Entwicklungszeit gesehen wie die private Zeit: Alles ist Lebenszeit, ist Entwicklungszeit, bildet zusammen die eigene Biographie. Um das so sehen und wertschätzen zu können, braucht man eine entwicklungsorientierte Weltanschauung, die einem hilft, die unterschiedlichen Bereiche und Aspekte so zu verbinden, dass man jeden Augenblick zur Entwicklung nützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag anlässlich des Jubiläums des 100. Geburtstags von Werner Junge, Okt. 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FÜNF QUELLEN FÜR KRÄNKUNG UND HEILUNG ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen Zusammenhang gibt es zwischen kränkenden und heilenden Einflüssen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wie Kränkung und Heilung zusammenhängen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ich möchte als Ärztin den Zusammenhang zwischen heilenden, therapeutischen Impulsen und Krankheitsimpulsen erläutern – sie stammen beide aus denselben fünf Quellen, die uns unser Leben lang beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Quelle auf dem physischen Plan – Karma-Impuls ====&lt;br /&gt;
Dazu gehört alles, was uns Menschen auf dem physischen Plan begegnet und zustößt: Unendlich viel Kränkendes wirkt von Kind an von außen aus der Umwelt auf uns ein, nicht nur in ökologischer, sondern auch in beruflicher und privater Hinsicht, was oft besonders quälend ist. Das heißt, aus der uns umgebenden Umwelt treffen uns unser Leben lang zahlreiche negative Attacken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann jedoch durch eine bewusste Gestaltung der schicksalhaften äußeren Umstände, z.B. indem man gut überlegt, wie, wann und wo man sich auf Begegnungen einlässt, Kränkungen minimieren. Und man kann Kräfte im Inneren aufrufen, um mit solchen Kränkungen von außen besser zurechtzukommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Quelle auf dem ätherischen Plan – Gralsimpuls ====&lt;br /&gt;
Auf dieser Ebene können Gewohnheiten kränkend wirken sowie alles Hässliche, das uns über die Sinne und über unser Denken begegnet, alles, was mit Rhythmen zu tun hat, denen wir folgen oder nicht folgen. Dazu gehören auch unsere Charaktereigenschaften, denen wir mehr oder weniger ausgeliefert sind, mit denen wir mehr oder weniger ringen. Dazu gehört aber auch alles, was die Zeitgestalt unserer Biografie ausmacht: der Tagesablauf, die zeitliche Gestaltung der Woche, des Monats und des Jahres.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir unser Leben den Ätherkräften oder Lebenskräften gemäß gestalten lernen, wird sich das gesundend auf uns auswirken, dann kann aus dieser Quelle Gesundheit geschöpft werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Quelle auf dem astralen Plan – Sophia-Impuls ====&lt;br /&gt;
Hier sind seelische Beziehungen oft die Ursache für Kränkungen, besonders wenn sie sich auf der Gefühlsebene abspielen. Gefühle sind laut Rudolf Steiner Vorboten von Gesundungs- bzw. Kränkungstendenzen. Zu den Jungmedizinern[1] sagte er, der Arzt der Zukunft wäre in der Lage, den Gesundheitszustand seiner Patienten durch eine feine Beobachtung ihres Gefühlslebens zu diagnostizieren. Er würde ihre Gefühle anschauen und Gesundheits- und Krankheitsdispositionen benennen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Mensch weiß aus der Beobachtung seiner selbst und anderer, dass er krankheitsgefährdet ist, wenn er Mühe hat, seine Gefühle so auszubalancieren, wie er es normalerweise vermag. Wenn Kinder schlecht gelaunt sind, ist das für die Mutter meist ein deutliches Zeichen, dass sie etwas „ausbrüten“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Schwierige Gefühlskontrolle&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Wenn man anfängt sich zu schulen, z.B. indem man mit &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“&#039;&#039;[2] zu arbeiten beginnt, merkt man, wie ungehobelt und unerzogen das eigene Gefühlsleben noch ist. Mit dem Denken und dem Wollen zu arbeiten, ist relativ leicht. Das Gefühlsleben ist am schwersten zugänglich, weswegen bei den Nebenübungen die Gefühle erst an dritter Stelle genannt werden: Zuerst wird die Gedankenkontrolle geübt, dann die Willens- und Handlungskontrolle und erst als Drittes, Letztes, Schwierigstes im Seelenleben die Gefühlskontrolle. Man muss im Denken und Wollen quasi bereits Tritt gefasst haben, bevor man sich an diese sensible Mitte wagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Quelle auf der Ich-Ebene – Michael-Impuls ====&lt;br /&gt;
Mit der Ebene des Wortes sind wir beim Kern, beim Ich-Impuls, dem Michael-Impuls, angelangt. Man hat den Eindruck, diese Inspirationsquelle für Gesundheit und Krankheit war Rudolf Steiner besonders nahe. Sie betrifft ja die Ich-Ebene, auf der wir uns alle selbst am nächsten sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wirkt das Ich nun kränkend?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann es heilend wirken?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Paracelsus[3] nennt das Ich den „Indwendig-Arzt“. Für Albert Steffen[4] war offensichtlich: Das niedere Selbst kränkt, das Höhere Selbst heilt. So versuchte er auch in seinen Dramen das Niederste, aus dem heraus seine Figuren handelten und Verbrechen begingen, immer wieder in Zwiesprache zu bringen mit dem Hohen, dessen verzerrtes Abbild das Niedere ist, sodass die tiefe Selbstkränkung, wenn die niedere Natur siegt, durch das heilsame Einwirken des höheren Menschen ausgeglichen werden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Quelle auf dem menschheitlichen Plan – Christusimpuls ====&lt;br /&gt;
Die fünfte Quelle der Kränkung, die menschheitliche Situation im Sozialen, in der wir uns heute alle befinden, hat mit den rasanten Veränderungen der heutigen Zeit zu tun. Wenn man Menschen fragt, was sie am meisten kränkt oder womit sie am wenigsten zurechtkommen, sagen die meisten der durchschnittlichen und normal gesunden Menschen, dass sie an den immer schwerer zu durchschauenden menschheitlichen Krisen, Konflikten und Problemen der heutigen Zeit leiden. Das zu kompensieren, in alledem froh und lebensbejahend zu bleiben, sich angesichts dieser schwierigen Zeitverhältnisse aufrecht zu halten, macht dem Menschen heute viel mehr Mühe, als persönliche Probleme zu kompensieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese fünfte Krankheitsquelle kann nur durch eine menschheitlich weitblickende Perspektive zur Gesundheitsquelle verwandelt werden. Denn man läuft Gefahr am Augenblick zu verzweifeln, wenn man Krisen und Konflikte nicht in einem viel größeren Zusammenhang sehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag „Das Therapeutische in der Dichtung von Albert Steffen“ anlässlich der Steffen-Ausstellung am Goetheanum, Neujahr 2010&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Jungmedizinerkurs&#039;&#039;, GA 316.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?&#039;&#039;, GA 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Philippus Theophrastus Aureolus Bombastus von Hohenheim, getauft als Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, (* vermutlich 1493 in Egg, Kanton Schwyz; † 24. September 1541 in Salzburg) war ein Arzt, Alchemist, Astrologe, Mystiker, Laientheologe und Philosoph. Paracelsus hinterließ zahlreiche deutschsprachige Aufzeichnungen und Bücher medizinischen, astrologischen, philosophischen und theologischen Inhalts, die größtenteils erst nach seinem Tod gedruckt wurden. (wikipedia)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Albert Steffen (* 10. Dezember 1884 in Wynau; † 13. Juli 1963 in Dornach) war ein Schweizer Schriftsteller und Anthroposoph. Nach dem Tode Rudolf Steiners war Steffen ab 1925 dessen Nachfolger als Vorsitzender der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft. (wikipedia)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FÖRDERUNG VON PATIENTENKOMPETENZ ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist unter Patientenkompetenz zu verstehen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielt der Patient im Gesundheitssystem?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sind seine Möglichkeiten, ja Aufgaben in Bezug auf die nötigen Reformen des Gesundheitswesens?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Notwendige Demokratisierung des Gesundheitswesens&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Bereits 1920 hat Rudolf Steiner in einem seiner öffentlichen Vorträge die „Demokratisierung des Gesundheitswesens“ gefordert.[1] Ärzte, Apotheker, Hersteller und Verbraucher seien herausgefordert, gemeinsam und in Partnerschaft mit den Patienten bzw. Bürgern Mitverantwortung für die Gestaltung des Gesundheitswesens zu übernehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Zielsetzung fühlt sich die Anthroposophische Medizin bis heute verpflichtet. So werden der Gesundheitsaufklärung und Prävention, aber auch der Hilfestellung für eine vertretbare Selbstmedikation viel Aufmerksamkeit geschenkt.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinzu kommt ein großes Engagement für eine gesundheitsfördernde Erziehung und Umgebungsgestaltung einschließlich gesunder Ernährung und nachhaltiger biologischer und biologisch-dynamischer Landwirtschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Mündiger Patient als Regulator&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die inzwischen chronisch gewordene Diskussion um die Reform des Gesundheitswesens zeigt zudem deutlich, dass selbst die besten Ideen für eine Neustrukturierung des Gesundheitswesens zu keiner befriedigenden Kostenregulierung führen können, wenn sich nicht der mündige Patient mit als Regulator empfindet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gehört heute zur Patientenkompetenz, sich selbst auch Gedanken zur Gesundheitsvorsorge sowie zu bestimmten diagnostischen und therapeutischen Verfahren zu machen und letztlich zu bestimmen, was geschehen soll. Auch ist schon lange evident, in welch hohem Maß der Patient de facto für seine Gesundheit Verantwortung trägt. Spätestens anlässlich einer Operation wird ihm bewusst, dass der Arzt zwar über die damit verbundenen Risiken aufklärt und sein Bestes tut, er selbst jedoch mit den Risiken und Folgen zu leben hat und folglich Entscheidungsträger sein muss. Es ist keine Frage, dass medizinische Grundkenntnisse heute zur notwendigen Allgemeinbildung gehören und das menschliche Selbstverständnis in Gesundheit und Krankheit mit­prägen. Apotheker und Ärzte werden daher zunehmend in ihrer Lehr- und Berufskompetenz gefordert, um die erforderliche Hilfe zur Selbsthilfe leisten zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Artikel in der Deutschen Apothekerzeitung DAZ Nr. 39, 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Hygiene als soziale Frage, in: Physiologisch-Therapeutisches auf Grundlage der Geisteswissenschaft&#039;&#039;, GA 314. Dornach 1989, S. 221-261.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] M. Glöckler, B. Emde, &#039;&#039;Anthroposophische Medizin, in: Komplementärmedizin für die Kitteltasche. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation,&#039;&#039; Stuttgart 2009 und ders.: &#039;&#039;Anthroposophische Medizin, In: Komplementärmedizin für Kinder. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation&#039;&#039;, Stuttgart 2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ANTHROPOSOPHISCHE PSYCHOTHERAPIE ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist das Besondere an der anthroposophisch inspirierten Psychotherapie?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welches Licht wirft der Karma-Gedanke auf seelisch-geistige Probleme?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Lektüre zur anthroposophischen Psychotherapie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im Hinblick auf diese Schicksalsdramatik des Menschseins sind die &#039;&#039;Mysteriendramen[1]&#039;&#039; von Rudolf Steiner ein ganz zentrales Werk. Wenn mich Biografiearbeiter, Psychologen und Ärzte, die sich für Seelenkunde interessieren, fragen: &#039;&#039;„Wie kann man sich in das Gebiet des Seelischen aus Sicht der Anthroposophie einarbeiten?“,&#039;&#039; empfehle ich gerne die pädagogischen Vorträge von Rudolf Steiner über die drei Jahrsiebte,[2] aber auch das Studium von &#039;&#039;„Grundlegendes…“[3],&#039;&#039; begleitet von der Lektüre der Karmavorträge.[4] Diese Werke sind das Fundament einer vom Schicksalsgedanken inspirierten anthroposophischen Psychotherapie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich möchte im Folgenden in aller Kürze ein paar Gesetze nennen, wie sie uns Rudolf Steiner aus seiner Forschung mitgeteilt hat – zum Überprüfen, zum Umgang damit, zum Überlegen, ob sie hilfreich sind für Ihre Arbeit. Wir können diese Forschungsergebnisse z.B. auch als Arbeitshypothese nehmen bei unserem täglichen Tun. Wenn sie sich als fruchtbar erweisen, können Sie diesen Weg weiterverfolgen, wenn nicht, greifen Sie zu anderen Werkzeugen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Karmische Ursache für seelische Erkrankungen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Auf die Frage, worin die Ursache für seelische Erkrankungen läge, antwortete Rudolf Steiner in den &#039;&#039;„Offenbarungen des Karma“[5]&#039;&#039; und in der &#039;&#039;„Akasha-Chronik“[6]:&#039;&#039; &#039;&#039;„Die Ursache für seelische Erkrankungen liegt in einem mangelnden Interesse am anderen Menschen in einem früheren Erdenleben“&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier geht es nicht darum, durch welche Faktoren es zu diesem mangelnden Interesse kam, es ist rein phänomenal betrachtet, hat mit Schuld und Unschuld nichts zu tun. Fakt ist demnach: Ein Mensch, der in seinem Erdendasein kein warmes Interesse für andere Menschen entwickeln konnte – und sei es nur für &#039;&#039;einen&#039;&#039; Menschen – dem fehlt im nachtodlichen Leben, wenn das Menscheninnere, das Seelische, Außenwelt wird, die Orientierung. Er ist dann nicht in der Lage, sich an diesem neuen Äußeren so zu orientieren, dass er sich einen neuen Körper aufbauen kann, der beim Heranwachsen ein gesundes Seelenleben ermöglicht, wenn die Wesensgliederkräfte frei werden. Das möchte ich im Folgenden kurz näher erläutern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Wesensglieder und ihre leibgebundenen und leibfreien Kompetenzen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Zum&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Physischen Leib&#039;&#039; gehört unser physischer Körper, die Sinnesorgane und die daraus resultierende Gnade der Wahrnehmung.&lt;br /&gt;
* Zum &#039;&#039;&#039;Ätherleib&#039;&#039;&#039; gehören die unbewussten leibgebundenen Lebens- Wachstums- und Regenerationsprozesse und das leibfreie Denkvermögen.&lt;br /&gt;
* Zum &#039;&#039;&#039;Astralleib&#039;&#039;&#039; gehören die leiblichen Differenzierungsprozesse, die Bewegungskompetenz und das Fühlen als leibfreie seelisch regsame Kompetenz.&lt;br /&gt;
* Zur &#039;&#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;&#039; gehören die leiblichen Integrationsprozesse, die Erlangung der richtigen Proportionen beim körperlichen Wachstum und die leibfreie Fähigkeit in Ganzheiten zu denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kind gewinnt im &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;1. Jahrsiebt&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; mithilfe der &#039;&#039;ätherischen Wachstumskräfte&#039;&#039; bis zum Zahnwechsel an &#039;&#039;Größe&#039;&#039;. Die Kräfte, die ihre Arbeit getan haben, werden sukzessive leibfrei und stehen zunehmend dem DENKEN zur Verfügung. Das Freiwerden der ätherischen Kräfte aus dem Körper kulminiert in der &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Schulreife&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;. Dieser Höhepunkt wird auch &#039;&#039;&#039;Geburt des Ätherleibes&#039;&#039;&#039; genannt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;2. Jahrsiebt&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; reifen zusätzlich die &#039;&#039;seelischen Kompetenzen&#039;&#039; heran, indem die &#039;&#039;astralen Kräfte&#039;&#039; zuerst den &#039;&#039;Leib durchdifferenzieren&#039;&#039; und, wenn sie ihre Arbeit getan haben, sukzessive leibfrei werden und das FÜHLEN ermöglichen. Die Kulmination des Freiwerdens der astralen Kräfte aus dem Körper zur &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Geschlechtsreife&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; wird auch &#039;&#039;&#039;Geburt des Astralleibes&#039;&#039;&#039; genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;3. Jahrsiebt&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; reifen die &#039;&#039;geistigen Kompetenzen&#039;&#039; heran, indem die &#039;&#039;Integrations-Kräfte&#039;&#039; der Ich-Organisation den heranwachsenden Körper in eine &#039;&#039;stimmige Ganzheit&#039;&#039; verwandeln und anschließend als WOLLEN zur Verfügung stehen. Wenn der Jugendliche ausgewachsen ist, kulminiert dieser Prozess in der &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Mündigkeit&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; bzw. selbstverantwortlicher Handlungsfähigkeit und wird auch &#039;&#039;&#039;Geburt des Ich&#039;&#039;&#039; genannt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entsprechung von Lebensprozess und seelisch-geistiger Kompetenz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Alle leibfreien Kompetenzen sind verwandelte Lebenstätigkeit des Organismus: So wie wir dank der unbewussten Lebenskräfte die Nahrung zerkleinern und aufspalten (= analytisch) und anschließend zu menschlicher Substanz zusammensetzen (= synthetisch) – dieser Prozess wird Stoffwechsel genannt – so denken wir entsprechend mit den leibfrei gewordenen bewussten Ätherkräften auch analytisch und synthetisch. Das ist nur ein Beispiel für die Entsprechung von leibgebundener Lebenskraft und leibfreier Kompetenz im Denken, Fühlen und Wollen. Man kann sagen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Denken&#039;&#039;&#039; ist metamorphosierte &#039;&#039;leibfreie Wachstumskraft&#039;&#039; (Ätherleib).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Fühlen&#039;&#039;&#039; ist metamorphosierte &#039;&#039;leibfreie Astralität&#039;&#039; (Astralleib).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wollen&#039;&#039;&#039; ist leibfreie zur Verfügung stehende &#039;&#039;Ich-Tätigkeit&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem bisher Gesagten, wollte ich den innigen Zusammenhang zwischen leiblicher Konstitution und seelisch-geistiger Disposition deutlich machen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das heißt, es hängt von der Qualität der Organe und dem Ablauf der leiblichen Prozesse ab, ob die daraus hervorgegangenen seelischen Kräfte sich frei handhaben lassen oder ob sie den Menschen überfluten, attackieren und bezwingen – was sich dann als psychisches Störungsbild zeigen kann. Ist Letzteres der Fall, bedeutet das, dass die Ich-Kompetenz, die in das Erdeninstrument des Leibes hereinleuchten und sich ihm über die Ich-Organisation mitteilen möchte, sich an den Organen nicht richtig zu spiegeln vermag und sich auch nicht im Seelischen beheimaten kann, weil die aus dem Leib hervorgegangene Seelenkonfiguration es nicht oder nur eingeschränkt zulässt. Die Qualität des seelischen Erlebens hängt also immer auch von Art und Qualität der Leibbildung ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ringen mit Schwäche bringt zukünftige Stärke&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dazu ein Beispiel: Möglicherweise leidet man darunter, dass man seelisch nicht richtig in Beziehung kommen kann zu anderen Menschen. Man erlebt sich als in sich selbst gefangen – was laut Rudolf Steiner als karmische Ursache das fehlende Interesse an anderen hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesem großen Schmerz folgt jedoch im Nachtodlichen die große Befreiung, weil man so sehr mit den Beziehungen und mit sich selbst gerungen hat, dass man für die kommende Inkarnation ein besonders geeignetes Erdeninstrument bilden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit anderen Worten: Wenn wir interessiert und ehrlich miteinander umgehen, bauen wir damit gesunde Seelenkräfte für das nächste Leben auf. Unser Bemühen ist nicht nur für dieses Leben wichtig und gut und erleichtert uns das Leben und die Arbeit. Das Interesse an anderen Menschen und am sozialen Miteinander ist zugleich die Vorbereitung für eine besonders gesunde und starke Seele im nächsten Leben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag an der Jahreskonferenz der Med. Sekt. am Goetheanum zum Thema Anthroposophische Psychiatrie, Dornach 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Vier Mysteriendramen&#039;&#039;, 1910-13, GA 14.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft&#039;&#039;, in: &#039;&#039;Luzifer-Gnosis&#039;&#039;. GA 34. Dornach 1987.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Offenbarungen des Karma&#039;&#039;, GA 120.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Aus der Akasha-Chronik&#039;&#039;, GA 11.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FRAGEN ZUM THEMA ANTHROPOSOPHISCHE MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;FRAGE:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Wie ist es, wenn man in Asien über Anthroposophische Medizin spricht?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;ANTWORT:&#039;&#039;&#039; In Asien ist Spiritualität in der Medizin viel selbstverständlicher als in Europa.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu ein konkretes Beispiel: In Indien praktiziert man Ayurveda. Wenn man dort das Anthroposophische Menschenbild erklärt, erkennt man, dass es 1:1 dasselbe ist wie das Ayurvedische. Der einzige Unterschied besteht darin, dass das ayurvedische Menschenbild und Gesundheitsverständnis in Worten und Begriffen dargestellt sind, die es nicht erlauben, eine direkte Verständnisbrücke zur naturwissenschaftlichen Medizin zu bauen. Das aber kann die Terminologie der Anthroposophischen Medizin leisten. Daher interessieren sich die Kursteilnehmer für die Anthroposophische Medizin, weil sie dadurch ihr eigenes System besser verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ging es auch einer Freundin von mir – sie ist Inderin –, die durch die Anthroposophische Medizin ihre Hindu-Spiritualität neu entdeckte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir begleiten z.B. Kollegen, die Ayurveda-Ärzte bleiben wollen, indem wir sagen: Ihr könnt anthroposophischer Ayurveda-Arzt werden. Und so haben wir dort schon anthroposophische Homöopathen zertifiziert, anthroposophische Ayurveda-Ärzte sind in Ausbildung und Schulmediziner können „normale“ anthroposophische Ärzte werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;FRAGE:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Mich interessiert, wie man die Anthroposophie, die ja stark mit dem Christentum zusammenhängt, mit anderen Religionen verbinden kann.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;ANTWORT:&#039;&#039;&#039; Das Wesentliche am Christentum ist das rein Menschliche, von dem man in jeder Kultur sprechen kann. Für den Buddhistischen Kulturkreis wird es von Buddha verkörpert, der im Herzen und in der Aura lebt, in der Gerechtigkeit, in der Wahrheit, in der Liebe, in all den Werten, deren Pflege Menschlichkeit fördern. Nur ein Wert findet sich bevorzugt und eigentlich nur im Christentum und wird dort konsequent berücksichtigt: Wert und Würde der menschlichen Freiheit, so wie sie bei Johannes im 8. Kap. veranlagt ist: &#039;&#039;„Ihr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen“&#039;&#039;.[1] Da der Christus aber von sich selber sagt: &#039;&#039;„Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“&#039;&#039;, ist klar, dass er nicht die Freiheit verkörpert, aber uns zu freien Wesen machen möchte, zu seinen Freunden – &#039;&#039;„denn ein Knecht weiß nicht, was sein Herr tut“.&#039;&#039;&#039;[2]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Da die Anthroposophie auf dem Weg der „Philosophie der Freiheit“[3] von Steiner beruht, geht es bei allem um diesen zentralen christlichen Wert, auch wenn man den Namen des Christus nur nennt, wenn es passt oder gefragt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;FRAGE:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Sie hatten von dem Paradigmenwechsel vom pathogenetischen Krankheitsbild zum integrativ-salutogenetischen gesprochen und gemeint, dass das gut machbar wäre. Ich wollte Sie bitten, noch näher darauf einzugehen, weil wir uns auch im Rahmen des Studiums sehr viele Gedanken dazu machen und uns fragen, wie es gerade in der konkreten Umsetzung in einem normalen Krankenhaus möglich wäre, so einen Paradigmenwechsel vorzuleben&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;ANTWORT:&#039;&#039;&#039; Das ist in der Praxis zugegebenermaßen sehr schwer. Deswegen braucht es Netzwerke von vielen Medizinern, die sich gegenseitig immer wieder motivieren, Mut zusprechen, Tricks verraten, was man tatsächlich machen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meiner Erfahrung nach gibt es zwei Felder, bei denen man unmittelbar ansetzen kann, auch im kommunalen Krankenhaus: Man kann präventiv-medizinisch beraten, bei der Erziehung und Selbsterziehung ansetzen. -  Wir Ärzte müssen uns schon deshalb intensiv mit Pädagogik auseinandersetzen, weil fast alle Eltern Fragen zu diesem Thema haben. Da kann man viel tun. Dazu gehören auch Selbsterziehung und Meditation und alle Themen, die innere Entwicklungsarbeit betreffen. Auch hier kann man sofort ansetzen. Beides wirkt bereits in hohem Maße salutogenetisch und hilft, ein anderes Verständnis von Krankheit und Gesundheit zu bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem kann man schulmedizinische Präparate viel sorgfältiger indizieren als üblich – das Einverständnis des Patienten vorausgesetzt. Nicht aus Sicherheitsgründen bei jeder Krankheit „Gürtel und Hosenträger“ zum Einsatz bringen, bildlich gesprochen. Auch erlebe ich, dass in der Onkologie gerade Krebspatienten fragen: Gibt es nicht noch etwas anderes? Dann kann man von den Mistelpräparaten erzählen, auch im öffentlichen Krankenhaus. Wenn Patienten fragen, sollte man ehrlich antworten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner sprach von der Demokratisierung des Gesundheitswesens.[4] Patienten, Leistungserbringer, Krankenversicherungen, Kommunalpolitiker – sie gehören an einen Tisch und sollten auf Augenhöhe beraten, wie ein gerechtes Gesundheitswesen aussehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Schweiz, in der es eine Basis-Demokratie gibt, haben wir es nur durch Volksabstimmung geschafft, die Komplementärmedizin in die Bundesverfassung aufzunehmen. TCM (trad. Chinesische Med.), Homöopathie, Phytomedizin und Anthroposophische Medizin müssen von den Kassen über die Grundversicherung erstattet werden, weil diese Verfahren jetzt Bestandteil der Bundesverfassung sind, also praktisch Grundgesetz. Auch in Deutschland könnte es eine solche Volksbewegung geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir das schaffen würden, auf einem ähnlichen Wege eine demokratische Gesundheitsbewegung auf die Beine zu stellen, die verlangt, dass das Grundgesetz uns die freie Therapiewahl garantiert, dass man Ärzte und medizinische Verfahren selbst wählen darf und die Krankenkassen das bis zu einem gewissen Grad erstatten müssen, wären wir einen Riesenschritt weiter. Ohne den gegenseitigen Ansporn einer guten Vernetzung wird es aber nicht gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe kürzlich bei einer Tagung zur Organtransplantation Pim van Lommel getroffen. Er hielt einen schönen Vortrag über außerkörperliche Erfahrungen seiner kardiologischen Patienten, über das „ewige Bewusstsein“. Am Ende forderte er auch den Paradigmenwechsel, Spiritualität als Realität anzuerkennen, weil die außerkörperliche Erfahrung wahr ist und in die Medizin integriert werden muss. Ich fragte ihn, wie er sich das vorstellt. Er sagte, er erwarte nichts mehr von der Wissenschaft, sondern alles von der Zivilgesellschaft. Dort wäre noch gesunder Menschenverstand vorhanden. Die Wissenschaft sei „eingekauft“ und viel zu fremdbestimmt durch Gelder aus der Wirtschaft, von denen sie abhängig ist. Von der Seite könne man den Paradigmenwechsel nicht erwarten. Solange man viel Geld verdient mit der Krankheit, wird man nicht freiwillig einen Paradigmenwechsel anstreben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;FRAGE:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Ich fand sehr interessant, dass das Menschenbild in der Anthroposophischen Medizin sich auch vergleichen lässt mit dem Menschenbild anderer Ausrichtungen. Sie sprachen von einer transzendenten Ebene im Körper, die nach dem Tode den Körper verlässt. Gibt es dazu ein Konzept in der AM, das besagt, was mit dieser Ebene nach dem Tode passiert?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;ANTWORT:&#039;&#039;&#039; Ich schreibe einige Werke von Rudolf Steiner dazu auf: GA ist die Abkürzung für das Wort Gesamtausgabe, die 358 Bände umfasst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GA 27 ist das Grundlagenwerk für die Medizin,[5] in dem das neue Gesundheits-Paradigma beschrieben wird. Dort wird auch charakterisiert, wie es zu dem „ewigen Bewusstsein“ kommt und wie es funktioniert: Wir denken mit der Lebenstätigkeit – den ätherischen Kräften, die unser Körper nicht (mehr) für Wachstum und Regeneration braucht. Warum ist Beten, Spiritualität gesund? Weil es die Lebenskräfte sind, die wir dabei betätigen – was natürlich gesundend zurückwirkt auf den Körper. Körperleben und Gedankenleben (Geistesleben) sind nicht getrennt. Beim Altern nimmt das Geistesleben zu und das Körperleben ab, das unterscheidet sie, aber sie bleiben bis zum Tod immer verbunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Studium des Nachtodlichen würde ich euch raten, folgende Werke zu studieren: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
·      &#039;&#039;„Inneres Wesen des Menschen und Leben zwischen Tod und neuer Geburt“,&#039;&#039; GA 153.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
·      Dann gibt es noch einen sehr schönen Zyklus: &#039;&#039;„Der Tod als Lebenswandlung“,&#039;&#039; GA 182,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
·      und auch &#039;&#039;„Das Leben zwischen dem Tode und der neuen Geburt im Verhältnis zu den kosmischen Tatsachen“&#039;&#039;, GA 141.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
·      Mein Lieblingsbuch ist GA 10, &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten“&#039;&#039;, das Schulungsbuch für die Selbstentwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn das habe ich bemerkt: Wenn man keine echte Freude an der Selbstentwicklung hat, ist man auch nicht wirklich motiviert, andere in ihrer Entwicklung zu unterstützen. Man muss Experte werden in Sachen Entwicklung. Dazu gehört auch das Thema Unvollkommenheit, Spaß am Lernen – und nicht zu meinen, man dürfe keine Fehler machen. Durch meine kinder- und schulärztliche Tätigkeit bin ich zum Fehler-Apostel geworden. Jeder muss seine Fehler machen dürfen, weil man nur so authentisch wird. Angesichts von Fehlern sollten wir uns gegenseitig auf die Lektion hinweisen, die dadurch gelernt werden kann. Nur so können wir ein ungestörtes Verhältnis zu Fehlern entwickeln. Dieses Buch ist dabei eine große Hilfe. Es beschreibt die Entwicklung von Alpha zu Omega. Auch wenn Patienten weiterentwickelt sind als wir und Fragen bezüglich des inneren Weges haben, hilft es den Weg als Ganzes zu kennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur Anthroposophischen Medizin, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] &#039;&#039;Neues Testament, Johannes&#039;&#039; 8, 32.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ebenda, 15, 15.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Philosophie der Freiheit,&#039;&#039; GA 4, Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1995.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Hygiene als soziale Frage. In: Physiologisch-Therapeutisches auf Grundlage der Geisteswissenschaft.&#039;&#039; GA 314. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1989, S. 221 - 261.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner/Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen&#039;&#039;, GA 27 (1991).&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Offenborn</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Anthroposophische_Medizin&amp;diff=1229</id>
		<title>Anthroposophische Medizin</title>
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		<updated>2025-12-29T20:01:45Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Offenborn: Neuen Text eingefügt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= Anthroposophische Medizin – von Michaela Glöckler =&lt;br /&gt;
Auszüge aus Büchern und Vorträgen von [[Michaela Glöckler]]; Erstveröffentlichung auf https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== HUMANMEDIZIN DER ZUKUNFT ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was war Rudolf Steiners Vision einer Humanmedizin der Zukunft?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Herausforderungen müssen zu ihrer Verwirklichung gemeistert werden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Berücksichtigung der Individualität und Würde&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiners letztes Werk gibt einen umfassenden Ausblick auf eine Humanmedizin der Zukunft, in der sich die Erkenntnisse der naturwissenschaftlich-empirischen Forschung mit denen der anthroposophischen Geistesforschung zur Heilkunst verbinden können. Wäre der Mensch eine Maschine, so ließen sich Körper, Seele und Geist reparieren und steuern, sobald der Mechanismus durchschaut ist. Auch wenn dieses Paradigma immer noch hoch im Kurs steht: Die tägliche Erfahrung zeigt, dass dem nicht so ist. Jedes Individuum, jede menschliche Biografie ist einmalig und bedarf der individuellen (Selbst-)Erkenntnis, Pflege und Gestaltung. Nicht umsonst gibt es den schönen Begriff der Lebenskunst dafür, wenn diese individuellen Gestaltungsprozesse graduell gelingen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wird das Menschenbild auf die rein naturwissenschaftliche Ebene reduziert und Seele und Geist – hypothetisch – zu Ergebnissen von molekulargenetisch und biochemisch steuerbaren Prozessen gemacht, verliert der Begriff menschlicher Würde seinen Inhalt. Denn Wert und Inhalt erhält dieser Begriff durch die Möglichkeit der Entwicklung von Freiheit, Selbstverantwortung und einer Kultur des Gewissens, wie sie der Frühromantiker &#039;&#039;Novalis&#039;&#039; im zweiten Teil seines &#039;&#039;„Heinrich von Ofterdingen&#039;&#039;“ so prägnant beschrieben hat und wie sie auch der Anthroposophie zugrunde liegt.[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine solche Kultur lässt sich nicht von außen steuern, wohl aber kann sie sich entwickeln, wenn dies von vielen einzelnen Menschen individuell eingesehen und gewollt wird – wenngleich sie heute noch vielfach als „Torheit“ angesehen wird. Rudolf Steiner sagte dazu: &#039;&#039;„Aber was oft die Vernunft der kommenden Zeiten ist, das ist für die vorhergehenden Torheit.“[2]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verbindung von Materialismus und Spiritualität&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
So ging es Steiner auch dezidiert nicht um ein Entweder-Oder bezüglich Materialismus und Spiritualität, sondern um ein wirklichkeitsgemäßes Sowohl-als-auch:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Der Materialismus ist die Weltanschauung, die den Menschen betrachtet, insofern er hervorgegangen ist aus den Substanzen und Kräften dieser Erde. Und wenn auch mancher betont, der Mensch bestehe nicht bloß aus den Substanzen und Kräften dieser Erde, so haben wir doch keine Wissenschaft, die sich mit dem am Menschen beschäftigt, was nicht aus den Substanzen und Kräften dieser Erde kommt. Deshalb ist heute die Behauptung von vielen, die es von ihrem Standpunkt aus gut meinen, daß irgendwie das Ewige in dem Menschen dennoch verstanden werden könne, eine nicht ganz ehrliche. […] Und viele, die heute den Materialismus widerlegen wollen, wissen eigentlich nicht, was sie tun; denn sie ahnen nicht, welche ungeheure Bedeutung die Detailkenntnisse haben, die der Materialismus gebracht hat. Und sie ahnen nicht, was für eine Konsequenz für das Ganze der Menschenerkenntnis der Materialismus gebracht hat“.[3]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Es ist die Tragik des Materialismus, daß er nichts von der Materie weiß, wie sie in Wirklichkeit in den verschiedenen Gebieten des Daseins wirkt. [. . .] Er weiß gar nichts über die Wirkung der Materie, weil man darüber erst etwas erfährt, wenn man die in der Materie wirksame Geistigkeit, die die Kräfte darstellen, ins Auge fassen kann.[4]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von dieser &#039;&#039;„in der Materie wirksamen Geistigkeit“&#039;&#039; ist in &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst[5]&#039;&#039; die Rede – so wie sie aus Sicht der Anthroposophie im Weltall, der Natur und im Menschen anzutreffen ist. Diese ‚Kräfte‘ und ihre Gesetzmäßigkeiten ebenso zu studieren wie die Naturgesetze, ist und bleibt lebenslang Aufgabe und Herausforderung für jeden anthroposophischen Arzt. Das Ziel dieses Weges – der sich gesund entwickelnde Mensch – ist dabei ein inspirierendes Ideal für Forschung, Entwicklung und tägliche Arbeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[6]&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Zu Novalis siehe auch Kap. V sowie GA 59, 236–268 und Glöckler (2023c).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen&#039;&#039;, Kapitel 12, GA 27, Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1991, Seite 46.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Der übersinnliche Mensch, anthroposophisch erfasst&#039;&#039;, GA 231, 58f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Anthroposophie — Eine Zusammenfassung nach einundzwanzig Jahren. Zugleich eine Anleitung zu ihrer Vertretung vor der Welt&#039;&#039;, GA 234, 86.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen&#039;&#039;, Kapitel 12, GA 27, Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ITA WEGMAN UND DIE ENTWICKLUNG DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kam es zur Begründung der Anthroposophischen Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie entwickelte sich die Zusammenarbeit von Ita Wegmann und Rudolf Steiner?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Schicksalhafte Zusammenarbeit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin verdanken wir der Zusammenarbeit von Rudolf Steiner und &#039;&#039;Ita Wegman&#039;&#039;. Wegman bekam von Rudolf Steiner den Anstoß, nach ihrer Ausbildung in Schwedischer Massage auch noch Medizin zu studieren. Dafür musste sie jedoch das Abitur nachholen, was für die bereits Siebenundzwanzigjährige eine große Herausforderung war. In der Zeit der Prüfungsvorbereitung schrieb sie Rudolf Steiner einen bewegenden Brief, ob er nicht etwas wüsste, das ihr helfen würde, sich besser zu konzentrieren. Leider ist uns die Antwort nicht bekannt. Jedenfalls ging alles gut, und sie begann auf Anraten &#039;&#039;Marie Steiners&#039;&#039; ihr Studium in Zürich. Deren Begründung für die Ortswahl war: &#039;&#039;„Unsere ganze Bewegung kommt ja doch einmal in die Schweiz.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu diesem Zeitpunkt war jedoch noch keine Rede davon – die Zentren der anthroposophischen Arbeit waren München und Berlin. So vollzog sich die Verbindung von anthroposophischer Geisteswissenschaft und materialistischer Schulmedizin, die bis heute für die Weiterbildung zum Anthroposophischen Arzt unerlässlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1907, bei der Spaltung der theosophischen Gesellschaft, stellte sich Ita Wegman klar auf die Seite Rudolf Steiners und der Anthroposophie. Das war nicht selbstverständlich. Denn seit ihrem 18. Lebensjahr hatte sie sich dem Gedankengut der Theosophie gewidmet als Mitglied der Theosophischen Gesellschaft. Doch nach dem schicksalhaften Zusammentreffen mit Rudolf Steiner in Berlin war sie seine persönliche Schülerin geworden.[1] Ita Wegman engagierte sich dann mit anderen dafür, dass Rudolf Steiner oft in die Schweiz kam, um Vorträge zu halten. Wenn sie zu viel reiste, um auch in anderen Städten und in Deutschland seine Vorträge hören zu können – sie war auch 1911 in Prag bei dem Vortragszyklus über die okkulte Physiologie – ermahnte Rudolf Steiner sie, dass sie auch studieren müsste, um ihr Medizinstudium abzuschließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fruchtbare Konsequenzen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wegman war quasi der Prototyp eines anthroposophischen Arztes: nicht primär der Homöopathie oder einer spirituell-komplementärmedizinischen Richtung verbunden, sondern akademisch ausgebildet an einer renommierten Universität. Ihre fachärztliche Weiterbildung zur Gynäkologin absolvierte sie am Spital Liestal ganz in der Nähe von Dornach&#039;&#039;&#039;.&#039;&#039;&#039; Anschließend ließ sie sich in Basel als Allgemeinärztin nieder. 1921 entschloss sie sich, ein klinisch-therapeutisches Institut in Arlesheim zu eröffnen. Zu ihrer großen Freude sagte Rudolf Steiner zu, dort mit ihr zusammenzuarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist Ita Wegman eng mit der Geschichte der anthroposophisch-medizinischen Bewegung verbunden: Die Zusammenarbeit mit Rudolf Steiner reichte von der Beratung beim Abitur und beim Studium über die parallelen Studien der Mainstream-Medizin und der Anthroposophie bis hin zur Begründung der ersten Klinik und der gemeinsamen Behandlung vieler Patienten, wovon hunderte dokumentierter Krankengeschichten zeugen. Zuletzt, in seiner Krankheitszeit vor seinem Tode, begleitete sie Rudolf Steiner zusammen mit Ludwig Noll als seine Ärztin. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Krönung dieser Zusammenarbeit war jedoch die im Herbst 1923 begonnene Arbeit an dem ‚Medizinischen Buch’, das nach dem Tode Rudolf Steiners unter dem Titel &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039;&#039;[2]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; herauskam und dessen 18. Kapitel der Heileurythmie gewidmet ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Parzifal-Frage als entscheidender Impuls&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ita Wegman war es auch, die Rudolf Steiner im Sommer 1923 die für die gesamte anthroposophische Bewegung entscheidende Frage nach der Erneuerung der Mysterien gestellt hatte. Als dieser nach dem Brand des ersten Goetheanum und dem Versagen der Anthroposophischen Gesellschaft mit der Frage lebte, ob er einen Orden gründen und sich aus der Anthroposophischen Gesellschaft zurückziehen sollte, sagte sie zu ihm: &#039;&#039;„Aber Herr Doktor, Sie können doch die Gesellschaft nicht alleine lassen!“&#039;&#039; Im Sommer 1923 dann, in England, wurde ihr das zentrale Anliegen ihres Lebens bewusst, welches sie Rudolf Steiner gegenüber etwa so formulierte: &#039;&#039;„Ich möchte gerne eine Medizin haben, wie es sie zu den Zeiten der alten Mysterien gab – nur in christlicher Form.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Bernard Lievegoed&#039;&#039; hat wiederholt erzählt, wie Rudolf Steiner zu &#039;&#039;Zeylmans van Emmichhofen&#039;&#039; gesagt hätte, dass diese Frage Ita Wegmans für ihn „die Parzival-Frage“ gewesen wäre, die ihn veranlasst hätte, die Weihnachtstagung von 1923/24 zur Neubegründung der Anthroposophischen Gesellschaft abzuhalten. Ohne diese Frage wären die Neubegründung der Gesellschaft und die öffentliche Begründung der Hochschule für Geisteswissenschaft durch Rudolf Steiner gar nicht möglich gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Vom Wesen der Heileurythmie als Herzorgan der Anthroposophischen Medizin“,  1. Weltkonferenz für Heileurythmie am Goetheanum, 30. Mai 2008&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Peter Selg hat in seinem Buch zum Münchner Kongress 1907 dieses Schicksalsmoment neu dokumentiert und zugänglich gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ENTWICKLUNG UND DERZEITIGER STAND DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie hat sich die anthroposophische Medizin seit ihrer Entstehung entwickelt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;In welchen philosophischen und ethischen Prinzipien hat sie ihre Wurzeln?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Historische Entwicklung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von dem österreichischen Philosophen &#039;&#039;Dr. Rudolf Steiner&#039;&#039; (1861-1925) und der Ärztin &#039;&#039;Dr. med. Ita Wegman&#039;&#039; (1876-1943) in Zusammenarbeit mit weiteren Ärzten entwickelt. Die Grundlagen dieser Medizin wurden 1920-1924 im Rahmen von Kursen vermittelt, die Steiner auf Einladung von Ärzten und Medizinstudenten hielt, die nach einem Menschenbild suchten, das sich sowohl auf die Naturwissenschaft als auch auf die anthroposophische Geisteswissenschaft beruft. Ihr Anliegen war von vornherein nicht alternativ-medizinisch, sondern integrativ, d.h. es orientierte sich an der Wirklichkeit des Menschen selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inzwischen gibt es die Anthroposophische Medizin in über 80 Ländern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Europa sind einige größere Akutkliniken entstanden. Hinzu kommen Sanatorien, Reha-Einrichtungen und zahlreiche Arztpraxen aus nahezu allen Fachrichtungen sowie weltweit über 400 Institutionen für Menschen mit Behinderungen. In den letzten dreißig Jahren kamen neu Einrichtungen für die Altenpflege und die Suchtbehandlung dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophische Ärzte arbeiten auch in Kooperation mit Pädagogen als Schulärzte sowie in der medizinischen Forschung und in der Arzneimittelherstellung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ambulanten Bereich haben sich aus der interdisziplinären Zusammenarbeit von Ärzten, Krankenschwestern, Kunsttherapeuten, Physiotherapeuten u.a. vielerorts so genannte „Therapeutika&amp;quot; entwickelt, d.h. ein neuer Typ von Gemeinschaftspraxen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Erkenntnistheoretische Wurzeln&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Erkenntnistheoretisch und ethisch wurzelt die Anthroposophie in der Philosophie und Kunstauffassung des deutschen Idealismus, wie sie insbesondere von &#039;&#039;Goethe&#039;&#039; (1749-1832), &#039;&#039;Schiller&#039;&#039; (1759-1805), &#039;&#039;J. G. Fichte&#039;&#039; (1762-1814), &#039;&#039;Novalis&#039;&#039; (1772-1801) und &#039;&#039;Schelling&#039;&#039; (1775-1854) vertreten wurden. So trägt Steiners erkenntnistheoretisches Frühwerk (1884) den Titel: &#039;&#039;„Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung“.[1]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Suche nach einer im Geist gegründeten Anschauung vom Menschen, die sich selber stützen kann im Erarbeiten einer inneren und äußeren Evidenz, sowie der Wille zu Entwicklung von Autonomie und Verantwortung prägen die ethische Grundhaltung anthroposophischer Ärzte und Therapeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Weiterbildung zum anthroposophischen Arzt ist durch eine international vereinbarte Zertifizierung geregelt. Der anthroposophische Arzt hat die Verpflichtung, die Ergebnisse aus Steiners Geistesforschung selbständig nachzuvollziehen und anhand der eigenen Lebens- und Berufserfahrung zu überprüfen und weiterzuentwickeln. Werden Mitteilungen Steiners unreflektiert übernommen, besteht die Gefahr der Ideologisierung und Dogmatisierung, was der Anthroposophischen Medizin schadet bzw. ihrer Entwicklung im Wege steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Haltung der Mitverantwortung fördern&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Heinrich Schipperges&#039;&#039; führt in seinem Buch &#039;&#039;„Moderne Medizin im Spiegel der Geschichte“[2]&#039;&#039; aus, dass die gegenwärtige Medizin nach einer Phase des unaufhörlichen Fortschritts und trotz aller großartigen Leistungen zunehmend in eine bedrohliche Krise geraten ist. Genau genommen ist diese Krise jedoch die medizinische Spielart der Menschheitskrisen von heute: ökologische Katastrophen, Armut, Hunger, Genozid, Bildungsnotstand, Energiekrise u.a. Diesen Krisen ist gemeinsam, dass ihre Ursache in einem Menschen- und Naturverständnis liegt, das keinen inneren geistigen Zusammenhang zu den Naturerscheinungen und dem Menschen herstellt. Wird dieser Zusammenhang bewusst erlebt, führt er zu einem starken Gefühl der Solidarität mit dem gesamten Evolutionszusammenhang von Erde, Natur und Mensch. Diese mitfühlende Verantwortlichkeit für alles Lebendige möchte die Anthroposophische Medizin fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung,&#039;&#039; GA 2.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Heinrich Schipperges, &#039;&#039;Moderne Medizin im Spiegel der Geschichte,&#039;&#039; Stuttgart 1970.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== WARUM ANTHROPOSOPHIE IN DER MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wozu braucht es Anthroposophie?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern handelt es sich bei der Anthroposophischen Medizin um eine „Weltanschauungsmedizin“?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sind die grundlegenden Aspekte der Anthroposophischen Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Medizin als Ausdruck einer bestimmten Sicht auf Mensch, Natur und Umwelt&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophie (Anthropos = Mensch, Sophia = Weisheit, Wissenschaft) gilt bis heute als nicht leicht zugänglich. Auch wenn viele anthroposophische Initiativen auf den Gebieten der Heilpädagogik und Pädagogik, der Landwirtschaft und Medizin bekannt sind, bleibt das, was als integratives Welt- und Menschenbild der Anthroposophie dahintersteht, meist vage. Man weiß nicht so recht, ob es sich dabei um eine Philosophie handelt, eine Art Religion oder um eine diffizile oder auch „eklektische“ Weltanschauung. Man fragt angesichts der Vielfalt anthroposophischer Einrichtungen und Initiativen auch, ob der anthroposophische „Überbau“ dafür überhaupt nötig sei, ob man ähnlich Gutes nicht auch ohne diesen leisten könne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jedes medizinische System ist Ausdruck einer bestimmten Sicht auf Mensch, Natur und Umwelt und insofern eine „Weltanschauung“. Das gilt auch für den naturwissenschaftlichen Materialismus, für Idealismus, Realismus und andere philosophische oder geistige Orientierungen. Wer glaubt, keine Weltanschauung zu haben, hat seinen eigenen Standpunkt und, was diesen stützt, noch nicht reflektiert &#039;&#039;–&#039;&#039; was eines der Haupthindernisse ist, die „Normalität“ der Anthroposophischen Medizin anzuerkennen. Eine individuell erarbeitete Weltanschauung wie die Anthroposophie ist jedoch klar abzugrenzen von der familiären oder traditionellen Zugehörigkeit zu einer Glaubensgemeinschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Anthroposophie als Verständnishilfe&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Jedem ganzheitlichen medizinischen System – ob nun traditionell chinesische, ayurvedische oder homöopathische Medizin – liegt ein spirituelles Menschen- und Weltbild zugrunde, das die gemeinsame Evolution von Mensch, Erde und Weltall beschreibt. Neu ist bei der anthroposophischen Medizin nur, dass Steiner sich auf keine dieser alten Traditionen beruft, sondern einen Erkenntnisweg beschreibt, auf dem jeder &#039;&#039;selber&#039;&#039; die Möglichkeit entwickeln kann, sich mit seinem Wahrnehmungs- und Denkvermögen an die spirituellen Quellen anzuschließen.[1] Durch eigene Beobachtung, Empathie und situationsgerechtes Denken zu den nötigen Einsichten für Diagnose und Therapie zu kommen ist das Arbeitsideal – nicht nur eine traditionelle Heilweise oder Technik zu lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich war viele Jahre in verschiedenen asiatischen Ländern und auch weltweit mit einem Ausbildungsprogramm für Anthroposophische Medizin unterwegs. Es hat mich anfangs gewundert, dass Chinesen, Japaner, Taiwanesen, Inder, Indonesier, Philippiner sich für Anthroposophische Medizin interessieren. Als Motive nannten sie das Menschenbild der Anthroposophie, das ihnen hilft, die Brücke zu bilden zwischen dem heutigen Denken und den alten überlieferten Bildern und Werten ihrer Heilverfahren, die zwar gute Ergebnisse liefern, aber für den modernen Menschen oft nicht genau aufschlüsseln können, wie sie wirken. Die Anthroposophie half ihnen, ihre eigenen Medizinsysteme und ihre Wirkungsweisen besser zu verstehen. In Indien gab es ayurvedische Ärzte, die keine Zertifikate für Anthroposophische Medizin wollten, sondern zu uns kamen, um bessere Ayurveda-Ärzte zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Grundlegende Aspekte Anthroposophischer Medizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wer der Anthroposophie begegnet, trifft auf vier Aspekte, die je nachdem alle vier oder auch nur der eine oder andere das Interesse wecken und zum weiteren Studium anregen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Philosophischer Aspekt ====&lt;br /&gt;
Das philosophische Fundament der Anthroposophie schließt an die Erkenntnisweise Goethes an sowie an den deutschen Idealismus mit dessen Idealen von Freiheit und Würde, Wahrheit und Liebe.[2] Rudolf Steiner benannte sogar seine Anthroposophische Hochschule in Dornach nach Goethe: Goetheanum.[3] Das zeugt von der großen Wertschätzung, die er diesem Genie mitteleuropäischer Geistes- und Kulturgeschichte zeitlebens entgegenbrachte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für manche Menschen ist Philosophie nicht wichtig, man möchte gute Ideen für seine Arbeit und sein Leben haben und keine Zeit mit intellektuellen Grübeleien verlieren. Es gibt aber auch Menschen, die nur deshalb Anthroposophen werden, weil sie hier eine Erkenntnistheorie und deren philosophische Begründung finden, durch die sie sich selbst und ihren Zusammenhang mit der Welt besser verstehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Philosophie ist die Kunst des eigenständigen Denkens. Steiner formuliert diese „erkenntnis-künstlerische“ Herausforderung in seinem philosophischen Hauptwerk, „Die Philosophie der Freiheit“, so: &#039;&#039;„Man muss sich der Idee erlebend gegenüberstellen können; sonst gerät man unter ihre Knechtschaft.“[4]&#039;&#039; Das heißt, wer Gedanken und Ideen anderer übernimmt und nicht eigenständig bedenkt und bewertet, gerät in Abhängigkeit der Autoritäten, von denen diese Gedanken stammen. Mit Hilfe dieses Ansatzes, selbst hinzuschauen, zu fragen, zu bedenken, zu verstehen, ist jeder Student der Anthroposophie angeregt, seine eigene Philosophie zu reflektieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Aspekt der Selbstschulung ====&lt;br /&gt;
Anthroposophie beinhaltet einen Weg der Selbstschulung, welcher zu seelischer Weiterentwicklung, Selbsterkenntnis und Willensstärkung führt.[5] Es gibt heute viele Menschen, die auf der Suche nach einem interreligiösen Weg spiritueller Selbsterfahrung sind. Sie wollen sich nicht einer bestimmten Glaubensgemeinschaft oder einer bestimmten spirituellen Gruppierung anschließen. Sie suchen einen allgemein-menschlichen Weg für ihre innere Entwicklung. Einige davon finden diese Möglichkeit in der Anthroposophie und ihren Organisationen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Anthroposophische Gesellschaft international organisiert und offen für alle wissenschaftlichen, religiösen und künstlerischen Überzeugungen ist, findet man Vertreter der verschiedensten spirituellen Orientierungen. Angehörige der christlichen Konfessionen, des Buddhismus, Daoismus, Shintoismus, der Hindi-Religion, der Zarathustra-Spiritua­lität, des Judentums sowie einzelne Vertreter des Islam und viele ohne eine bestimmte spirituelle Ausrichtung können hier mehr über ihre eigene spirituelle Identität lernen, indem sie zusätzlich den Weg der Selbstschulung der Anthroposophie gehen. Was sie in dieser Gesellschaft verbindet, ist der Entwicklungsgedanke in der Anthroposophie sowie das Bestreben, das gesellschaftliche Leben menschlicher und zukunftsfähiger zu machen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Biologe &#039;&#039;Bernd Rosslenbroich&#039;&#039; wies in einer naturwissenschaftlichen Studie das Autonomieprinzip als Grundlage der gesamten Evolution nach, deren Gipfel die menschliche Entwicklung sei.[6] Dieses Autonomieprinzip liegt auch der anthroposophischen Selbstschulung zugrunde. Autonomie konstruktiv leben zu lernen ist nicht leicht. Scheitern und immer wieder neu Ansetzen gehören ebenso dazu wie die stille innere Ausrichtung des eigenen Lebens und Arbeitens an den Idealen von Freiheit und Würde, Ehrlichkeit und Liebe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Aspekt der Geisteswissenschaft ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wo aber ist der „Geist“ als Fundament dieser anthroposophisch-geisteswissenschaftlichen Weltsicht zu finden?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Selbständiges Denken als Ausdruck von Geist&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Die Antwort ist schlicht: das menschliche Denken. Normalerweise kennt jeder den Zustand des Gedanken-Habens, Wissens, Sich-Informierens oder sich in anerkannten bzw. vorgegebenen Denkmustern zu bewegen und diese wiedergeben zu können. Wer jedoch von der eigenen Denktätigkeit ausgeht, entdeckt auch denjenigen, der denkt, in seinem Denken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der idealistische Philosoph &#039;&#039;Johann Gottlieb Fichte[7]&#039;&#039; wies seine Studenten auf die zentral wichtige spirituelle Selbsterfahrung im Denken hin. Er führte mit ihnen die folgende Übung durch: Er fragte sie, ob sie die Wand des Hörsaals sähen. Dann sagte er: &#039;&#039;„Schließen Sie die Augen und denken Sie die Wand.“&#039;&#039; Und dann kam die alles entscheidende Aufforderung: &#039;&#039;„Und jetzt denken Sie den, der die Wand gedacht hat...“[8]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer das durchführt, kann in seinem Denken das eigene Selbst als reinen Tätigkeitsquell, als innere Aktivitätsbereitschaft, als Ich, als eigenständiges Wollen bemerken als rein energetische spirituelle Selbsterfahrung im Denken. Damit hat er einen sicheren Ausgangspunkt gewonnen, sich seine eigene Weltsicht zu erarbeiten. Er steht jetzt geistig auf eigenen Füßen und ist in der Lage, sein Denken immer perspektivenreicher auszubilden. Je mehr er versteht, desto mehr sieht er von der Welt. Und je mehr ihn die Welt interessiert und zum Nachdenken anregt, desto differenzierter und klarer wird sein Denken. Sich selbst und die Welt zu verstehen und dadurch zu einer authentischen Selbst- und Weltsicht zu kommen, ist die Weltanschauung der Anthroposophie. Seinen Zeitgenossen zu zeigen, dass sie &#039;&#039;„durch das Denken zur Wirklichkeit des Geistes kommen“&#039;&#039; können, war ein zentrales Anliegen Rudolf Steiners. Das eigene Ich als geistig reales Wesen im Denken erleben zu können, erschließt zugleich die spirituelle Dimension des Begriffs der menschlichen Würde als autonome und geistbewusste Kompetenz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner formulierte diesen Tatbestand gegen Ende seines Lebens noch einmal so: &#039;&#039;„Anthroposophie ist ein Erkenntnisweg, der das Geistige im Menschenwesen zum Geistigen im Weltall führen möchte“.[9]&#039;&#039; Grundlage dafür ist die Gedankenarbeit eines jeden einzelnen Menschen. Hannah Arendt nannte diese Selbsterfahrung im Titel ihres gleichnamigen Buches „Denken ohne Geländer“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Aspekt der Zusammenarbeit ====&lt;br /&gt;
Da Anthroposophie auf das sich zur Autonomie entwickelnde Individuum baut, findet man gerade unter Anthroposophen einen ausgeprägten Meinungs- und Standpunktepluralismus bis hin zur gern zitierten „Streitkultur“. Auch ist die Geschichte der Anthroposophischen Gesellschaft von eindrücklichen Krisen und Konflikten geprägt, die von dem Ringen um individuelle und soziale Kompetenz zeugen, einem Bemühen, das alles andere als einfach ist. Umso erfreulicher ist es, dass sich diese Gesellschaft bis heute nicht in verschiedene Gruppierungen gespalten hat, sondern der Wille zum gegenseitigen Verstehen und zur Entwicklung von Toleranz gegenüber anders Denkenden stets überwogen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von dem Dichter und Anthroposophen &#039;&#039;Christian Morgenstern&#039;&#039; (1871 - 1914) stammt ein Gedicht, das dieses Spannungsverhältnis zwischen der notwendigen Individualisierung einerseits und der Befähigung zur Gemeinschaftsbildung andererseits meisterlich zum Ausdruck bringt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Die zur Wahrheit wandern, wandern allein,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;keiner kann dem andern Wegbruder sein.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Eine Spanne gehn wir, scheint es, im Chor ...&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;bis zuletzt sich, sehn wir, jeder verlor.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Selbst der Liebste ringet irgendwo fern;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;doch wer&#039;s ganz vollbringet, siegt sich zum Stern,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;schafft, sein selbst Durchchrister, Neugottesgrund –&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;und ihn grüßt Geschwister Ewiger Bund.[10]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier wird in künstlerischer Form zum Ausdruck gebracht, dass größtmöglicher Individualismus und „Gemeinschaft im Geist“ sich nicht widersprechen müssen. Vielmehr erscheinen die Ideale der Französischen Revolution – der Freiheit des Individuums, der Gleichheit und der brüderlichen Solidarität – so erst in ihrem wahren Licht: Denn wenn man weiß, dass jeder „auf dem Weg ist“, wächst der Respekt vor der Einmaligkeit und Würde des anderen. Und gleichzeitig erlebt man, wie uns dieser Tatbestand des Werdens „gleich“ macht. Da wir aber sowohl „gleich“ als auch „individuell sehr verschieden“ sind, sind wir Menschen immer wieder auf gegenseitige brüderliche Hilfe angewiesen. Wir gewähren sie, wenn wir die Bedürfnisse des anderen sehen, respektieren und, wo möglich, erfüllen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Mathias Girke , PF Matthiessen (Hrsg.), &#039;&#039;Medizin und Menschenbild&#039;&#039;, Bad Homburg 2015.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung mit besonderer Rücksicht auf Schiller.&#039;&#039; GA 2. Dornach 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] www.goetheanum.org&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Philosophie der Freiheit&#039;&#039;, GA 4, Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1995.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Dargelegt in Steiners Selbstschulungsbuch &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?,&#039;&#039; GA 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Bernd Rosslenbroich, &#039;&#039;On the Origin of Autonomy. A New Look at the Major Transitions in Evolution&#039;&#039;, Hei-delberg, New York, Springer 2014.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Johann Gottlieb Fichte, Philosoph (1762 - 1814).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Überliefert von Steffens, einem Naturforscher und Zeitgenossen Fichtes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Anthroposophischer Leitsatz 1&#039;&#039;, 17. Februar 1924. In: Anthroposophische Leitsätze. GA 26, S. 6 (1989).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Christian Morgenstern, &#039;&#039;Wir fanden einen Pfad,&#039;&#039; Basel, Zbinden Verlag. 5. Aufl. 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ANTHROPOSOPHISCHES UND NATURWISSENSCHAFTLICHES KRANKHEITSVERSTÄNDNIS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ist Anthroposophische Medizin eine Glaubenssache?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann man in der Medizin konstruktiv mit unterschiedlichen Sichtweisen auf Krankheit umgehen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Anthroposophisches Krankheitsverständnis&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Um auf diese Fragen eingehen zu können, möchte ich vorab das Krankheitsverständnis aus der Anthroposophie heraus und das Schulmedizinische Krankheitsverständnis charakterisieren. Sie stehen nicht im Widerspruch zueinander, zumindest nicht aus Sicht der Anthroposophischen Medizin. Letztere versteht sich als eine Erweiterung der rein naturwissenschaftlichen Medizin, nicht als Gegensatz dazu. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Die Aufgabe ist, nun wirklich darauf zu kommen, welcher Unterschied besteht zwischen den Prozessen im menschlichen Organismus, die wir als Krankheitsprozesse bezeichnen und die doch im Grunde genommen ganz normale Naturprozesse sind, nur eben durch bestimmte Ursachen hervorgerufen sein müssen, und denjenigen Prozessen, die wir gewöhnlich als die gesunden bezeichnen und die die alltäglichen sind. Dieser durchgreifende Unterschied muss gefunden werden. Er wird nicht gefunden werden, wenn man nicht eingehen kann auf eine Betrachtungsweise des Menschen, die zum menschlichen Wesen wirklich führt.&amp;quot;&#039;&#039; [1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Krankheit aus Sicht der naturwissenschaftlichen Medizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der naturwissenschaftlichen Medizin liegt der Fokus bei der Erforschung von Krankheitsursachen im Bereich des Netzwerkes molekulargenetischer Interaktionen. Dort wird nach Mutationen und „Fehlern&amp;quot; im Metabolismus gesucht. Damit ist aber das Kausalproblem nur von der Makro- auf die Mikroebene verlagert. Denn auch hier ist zu fragen, woher es kommt, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt beispielsweise eine Genmutation auftritt und ein Prozess, der bisher gesund ablief, nun mit einem Mal „verkehrt&amp;quot; bzw. Krankheit begünstigend stattfindet. Wenn der sogenannte Pathomechanismus aufgeklärt ist und die Ursache einer „Spontanmutation&amp;quot;, einem &#039;&#039;„inborn error of metabolism&amp;quot;&#039;&#039; oder einer exogenen Schädigung zugeschrieben wird, so ist damit dem Kranken noch nicht geholfen, der verstehen will, was seine Krankheit mit ihm, seiner Entwicklung und seinem Schicksal zu tun hat – oder der sich dafür interessiert, welche Einflüsse sein bewusstes oder unterbewusstes Seelenleben auf die Lebensfunktionen seiner Organe oder auf die Stabilität seines Immunsystems hat. Auch ist es letztlich unbefriedigend, sich als Mensch in die verschiedenen Forschungs- und Fachdisziplinen aufgeteilt zu sehen, ohne „das geistige Band&amp;quot; im Sinne &#039;&#039;Goethes&#039;&#039; zu haben, das die Zusammenschau der unterschiedlichen Sichtweisen ermöglicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Unterschiedliche Sichtweisen integrieren&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Paracelsus&#039;&#039;, der Integrationsmediziner am Beginn der Neuzeit, hat bereits eindrücklich auf dieses Dilemma hingewiesen.[2] Plastisch schildert er eine medizinische Szene aus dem damaligen Alltag: Sechs Ärzte sind um einen eben verstorbenen Cholerapatienten versammelt und sprechen darüber, was in seinem Falle wohl die Todesursache gewesen sein mag. Diese Szene sei hier in freier Form wiedergegeben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der Erste&#039;&#039;&#039; sagt: &#039;&#039;„Für mich ist klar, dass er durch die Infektion mit dem Cholerabazillus gestorben ist. Der Krankheitserreger wurde mit dem Wasser aufgenommen, hat sich im Organismus ausgebreitet und die Krankheil hervorgerufen, die jetzt zum Tode geführt hat&amp;quot;.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Das finde ich merkwürdig&amp;quot;,&#039;&#039; sagt &#039;&#039;&#039;der Zweite&#039;&#039;&#039;. &#039;&#039;„Es sterben doch längst nicht alle Kranken, die sich mit dem Cholerabazillus angesteckt haben. Ich sehe die Todesursache vielmehr in der Tatsache, dass die Selbstheilungskräfte des Verstorbenen nicht stark genug waren, um die Infektion zu überwinden. Hätte er über mehr Widerstandskraft verfügt, so lebte er noch.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da lächelt &#039;&#039;&#039;der dritte Kollege&#039;&#039;&#039; und fragt: &#039;&#039;„Habt ihr denn nicht sein Horoskop gelesen? Da konnte man lesen, dass dieser Mensch durch die ganze Konfiguration seiner seelischen Veranlagung und seines inneren Schicksals zum Tod in dieser Zeit prädestiniert war. Sein Tod war vorherbestimmt.&amp;quot;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Das leuchtet mir nicht ein&amp;quot;,&#039;&#039; sagt &#039;&#039;&#039;der Vierte&#039;&#039;&#039;. &#039;&#039;„Wie viele Menschen leben unter derselben oder sehr ähnlichen Sternkonstellationen und kommen anders damit zurecht, gehen durchaus optimistischer mit der Herausforderung um, die ihre jeweilige Sternkonstellation für sie bedeutet. Meine Diagnose ist, dass er im Kern seiner ganzen Persönlichkeit, in seinem Ich, schwach war. Er hatte große Angst vor der Cholera, und nichts ist ein besserer Nährboden für Infektionen als Ängstlichkeit und Furcht. Ich habe viel schwächere Patienten die Krankheit überwinden sehen, weil sie mutiger waren und das Vertrauen nicht verloren.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Mir kommt das alles töricht vor&amp;quot;,&#039;&#039; schaltet sich jetzt &#039;&#039;&#039;der Fünfte&#039;&#039;&#039; in die Debatte ein: &#039;&#039;„Krankheit und Leid ist doch eine Geißel Gottes, ein Flagellum. Hätte Gott die Überwindung der Krankheit zugelassen, so hätte er diesem Betroffenen zur rechten Zeit den Arzt oder sonst eine Hilfe geschickt.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun blicken alle auf &#039;&#039;&#039;den Sechsten&#039;&#039;&#039;, der interessiert zugehört hat und fragen: „Wer von uns hat recht?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der bemerkt: &#039;&#039;„Jeder von euch hat recht. Jeder hat aber auch unrecht. Das Unrecht entsteht dadurch, dass jeder einzelne von euch nur an seine Sicht der Dinge glaubt und die Ansichten der anderen verneint oder missachtet. Das komplizierte Pentagramm Mensch muss individuell gelesen werden, um den jeweiligen Anteil an der Krankheitsursache herauszufinden. Ein solch differenziertes Lesen ist aber auch nötig, um die verschiedenen Wege kennen zu lernen, die zur Gesundheit, sprich: zur Überwindung der Krankheit führen.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Szene aus dem Werk des Paracelsus wird hier angeführt, um deutlich zu machen, dass ein tiefgreifendes Verständnis von Krankheitsursachen und Heilungsmöglichkeiten die verschiedenen Ebenen menschlicher Existenz und Lebensverwirklichung mitberücksichtigen muss. Das kann letztlich nur ein interdisziplinär-integrativer Ansatz leisten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaft und Medizin&#039;&#039;, GA 312.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Elise Wolfram und Paracelsus, &#039;&#039;Die okkulten Ursachen der Krankheiten. Volumen Paramirum&#039;&#039;, Unv. Nachdruck der Ausgabe von 1912, 4. Aufl. Dornach 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== SCHULMEDIZIN, ANTHROPOSOPHISCHE MEDIZIN UND ÄLTERE GANZHEITLICHE ANSÄTZE ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie steht die Anthroposophische Medizin zur Schulmedizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und wie ist ihr Verhältnis zu anderen alternativen Ansätzen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verhältnis der&#039;&#039; &#039;&#039;Anthroposophischen Medizin zur Schulmedizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Frage lässt sich kurz mit Nein beantworten. &#039;&#039;Rudolf Steiner&#039;&#039; (1861-1925) und &#039;&#039;Ita Wegman&#039;&#039; (1876-1943), die Begründer der Anthroposophischen Medizin, bemerken hierzu:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Nicht um eine Opposition gegen die mit den anerkannten wissenschaftlichen Methoden der Gegenwart arbeitende Medizin handelt es sich. Diese wird von uns in ihren Prinzipien voll anerkannt. Und wir haben die Meinung, dass das von uns Gegebene nur derjenige in der ärztlichen Kunst verwenden soll, der im Sinne dieser Prinzipien vollgültig Arzt sein kann.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Allein wir fügen zu dem, was man mit den heute anerkannten wissenschaftlichen Methoden über den Menschen wissen kann, noch weitere Erkenntnisse hinzu, die durch andere Methoden gefunden werden, und sehen uns daher gezwungen, aus dieser&#039;&#039; erweiterten &#039;&#039;Welt- und Menschenerkenntnis auch für eine Erweiterung der ärztlichen Kunst zu arbeiten.&amp;quot;[1]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die reguläre akademische Aus- und Weiterbildung ist ebenso Voraussetzung dafür, sich Anthroposophischer Arzt nennen zu können, wie das Studium der anthroposophischen Geisteswissenschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Salutogenetischer Ansatz bevorzugt&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Anthroposophischen Medizin liegt ein Konzept ganzheitlicher, integrativer Medizin zugrunde, die den Menschen (griechisch: anthropos) mit all seinen Erkenntnis- und Erlebnisformen (griechisch: sophia, wörtlich: Weisheit) in den Mittelpunkt stellt. Für die Praxis heißt dies, dass symptomatisch wirkende Arzneimittel, wie zum Beispiel Antipyretika, Antiphlogistika, Antihypertensiva, Antihistaminika oder die Substitution fehlender, körpereigener Stoffe, oder aber Analgetika und Psychopharmaka selbstverständlich da zur Anwendung kommen, wo die speziellen Medikamente und Therapieverfahren der anthroposophischen Therapierichtung nicht (mehr) hinreichen, die erforderliche Selbstregulation und Heilung zu stimulieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Hinblick auf das therapeutische Vorgehen wird der salutogenetische Ansatz bevorzugt, also die Anregung körpereigener, physiologischer Prozessantworten. Diese sind immer individuell. Therapieschemata haben zwar einen wesentlichen, Orientierung gebenden Stellenwert. In praxi gehen die Medikationen jedoch oft darüber hinaus, da sich die Behandlung am Einzelfall orientiert. Anthroposophische Ärzte schätzen die schulmedizinische Behandlung als Akut- und Notfallmedizin hoch, möchten jedoch nicht bei deren Grenzen und Einseitigkeiten stehen bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verhältnis zu älteren ganzheitlichen medizinischen Konzepten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Jedem ganzheitlichen medizinischen System – ob es sich nun um traditionell chinesische, ayurvedische oder homöopathische Medizin handelt – liegt ein spirituelles Weltbild zugrunde, das mehr oder weniger konkret die gemeinsame Evolution von Mensch, Erde und Weltall beschreibt. Rudolf Steiner bemerkt dazu im Hinblick auf seinen Ansatz[2]: &#039;&#039;„Ich möchte nicht versäumen, Sie darauf aufmerksam zu machen, dass dasjenige, was ich hier vortrage, nicht entlehnt ist älteren medizinischen Schriften, sondern auf durchaus gegenwärtiger geisteswissenschaftlicher Forschung beruht. Nur muss versucht werden, zuweilen in der Terminologie auf die ältere Literatur zurückzugreifen, weil ja die neuere Literatur eine Terminologie nach dieser Richtung hin noch nicht ausgebildet hat. Aber derjenige, der glauben würde, dass irgendetwas hier vorgetragen wird, was nur älteren Schriften entnommen ist, der würde sich eben sehr irren.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese von Steiner entwickelte neue Art der geistigen Forschung ermöglicht als anthroposophische Erkenntnismethodik und dank ihrer Forschungsergebnisse auch neue Einsichten in die ganzheitlichen Konzepte und spirituellen Traditionen der Medizin. Daher gibt es unter ihren Vertretern immer auch „Anthroposophen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Seiner und Ita Wegmann, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst. Dornach 1935, S. 9.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaft und Medizin&#039;&#039;, GA 312. Sechster Vortrag, Dornach, 26. März 1920. S. 118 (Ausgabe 1999).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== CHARAKTERISTIKA EINER SPIRITUELLEN MEDIZIN LAUT RUDOLF STEINER ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen Prinzipien folgt die von Rudolf Steiner und Ita Wegman beschriebene spirituelle Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wodurch äußert sich ihr allgemein-menschlicher Ansatz?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wodurch zeichnen sich eine spirituelle Chemie und Physik aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist unter Kulturtherapie zu verstehen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Krankheit aus zwei Blickwinkeln sehen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In dem Werk über Anthroposophische Medizin &#039;&#039;„Grundlegendes zu einer Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; von Rudolf Steiner und Ita Wegman werden unter anderem auch die Grundlagen einer spirituellen Medizin beschrieben.[1] Bereits die Überschrift des ersten Kapitels lässt dies anklingen, indem da von &#039;&#039;„wahrer Menschenwesen-Erkenntnis“&#039;&#039; die Rede ist. Die Wortwahl erinnert an die Initiationspraktiken der antiken Mysterien, wo es in allen Einweihungsgraden um wahre irdisch-kosmische Selbst- und Welterkenntnis ging. Doch konkret im Alltag: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Erwartet nicht jeder Kranke vom Arzt, dass dieser die Ursache seines Problems durchschaut und die notwendigen Maßnahmen einleitet?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Dass er die Wahrheit über seinen Zustand bestmöglich herausfindet?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher die Forderung der Autoren, der Wahrheit des Krankheitsgeschehens von zwei Seiten aus näherzukommen, indem die schulmedizinischen Diagnosefaktoren mit der geisteswissenschaftlichen Betrachtung verbunden werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Christuserkenntnis&#039;&#039; als &#039;&#039;zentrales Element&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;‚Wes Geistes Kind‘ aber ist diese Forderung?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“[2]&#039;&#039; wird der Christus als ‚großer Hüter der Schwelle‘ auf dem Erkenntnisweg dargestellt, der dem Schüler den Sinn der Erdenentwicklung, des Todes und der Wiedergeburt enthüllt. In der &#039;&#039;„Geheimwissenschaft im Umriß“[3]&#039;&#039; wird der Christus auch namentlich genannt und seine zentrale Bedeutung innerhalb der Schöpfung und für die Entwicklung der Menschheit geschildert.[4] In beiden Werken begegnet man einer zentralen Bezugnahme auf die Wesenheit des Christus in einer weder religiös noch konfessionell tingierten Weise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verfolgt man diesen Wesensbezug zu Christus im Steiner‘schen Vortragswerk, oder auch nur in der Schrift &#039;&#039;„Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit“&#039;&#039;,[5] so zeigt sich, dass für Steiner diejenige geistige Realität, die er mit dem historischen Christus identifiziert, in allen Aspekten und Dimensionen menschlichen Lebens und Entwickelns eine zentrale Rolle spielt – ganz im Sinne der johanneischen Aussage: &#039;&#039;„Durch es [das Wort] sind alle Dinge geworden, und nichts von allem Entstandenem ist anders als durch das Wort geworden.“[6]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Anthroposophisches Menschenbild und Schulungsweg&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Steinersche Christologie versteht sich als Weg zur Christuserkenntnis. Dieser Weg ist von seinem Selbstverständnis her unabhängig von traditionellen Glaubensüberzeugungen und religiösen Bekenntnissen. Es geht bei ihm im tiefsten Sinne um ‚wahre Menschenwesen-Erkenntnis‘, um das ecce homo. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die anthroposophische Menschenkunde befasst sich mit diesem allgemeinmenschlichen, rein geistigen Wesensgefüge des gesunden Menschenurbildes, das der uns bekannten Schöpfung innewohnt. Sie versucht verständlich zu machen, warum und wie in dieser Schöpfung alles mit allem geistig und physisch zusammenhängt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher kann sich ein japanischer Shintu-Priester in seiner spirituellen und wissenschaftlichen Praxis ebenso von dem anthroposophischen Erkenntnisweg und Menschenbild anregen und bereichern lassen wie ein buddhistischer Mönch, ein Brahmane oder ein Angehöriger des jüdischen oder muslimischen Glaubens oder ein materialistischer Naturwissenschaftler. Denn Christliche Spiritualität ist zugleich allgemeinmenschliche Spiritualität und die Spiritualität in den Naturerscheinungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Dienender Charakter der Substanz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ein weiteres wichtiges Merkmal der von Rudolf Steiner beschriebenen spirituellen Medizin ist ihr selbstlos dienendes Prinzip. Das Substanzverständnis der Anthroposophie, wie es im Grundlagenwerk der Anthroposophischen Medizin &#039;&#039;„Grundlegendes zur Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; erörtert wird,[7] beruht auf dieser Grundlage. So werden im 1. Kapitel die Substanzen in ihrem selbstlos dienenden Charakter gezeigt, wie sie sich den vier Kräftebereichen von Mineral-, Pflanzen-, Tier- und Menschenwelt unterordnen, wodurch sie zu deren jeweiliger Manifestation beitragen und dadurch alle Naturerscheinungen in die Sichtbarkeit bringen.[8]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erdensubstanz – im christlichen Bekenntnis symbolisiert durch Brot und Wein – ist nach diesem Verständnis nicht nur die physische Grundlage für die Erd- und Menschheits-entwicklung. Vielmehr zeigt sich ihr zutiefst christlicher Charakter daran, dass sie dient: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* im mineralischen Zustand den Todesprozessen,&lt;br /&gt;
* in der Pflanzenwelt den Lebensprozessen,&lt;br /&gt;
* in der tierischen Natur den seelischen Äußerungen und der Bewegungsfähigkeit.&lt;br /&gt;
* Im Menschen aber wird sie „Geist tragend“.[9]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor diesem Hintergrund sind dann Sätze in dem genannten Werk wie der folgende zu verstehen: &#039;&#039;„[…] dann wird man durch Einfügung eines Erdenstoffes in den menschlichen Organismus oder durch Behandlung mit einer Erdentätigkeit bewirken können, dass die höheren Glieder der Menschenwesenheit sich ungehindert entfalten können, oder auch, dass die Erdenstofflichkeit an dem Zugefügten die nötige Unterstützung findet, um auf den Weg zu kommen, auf dem sie Grundlage wird für irdisches Wirken des Geistigen.“[10]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Spirituelle Chemie und Physik der Zukunft&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der Schrift &#039;&#039;„Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit“[11]&#039;&#039; – präzisiert Rudolf Steiner diesen Aspekt auch noch im Hinblick auf die Entwicklung der Substantialität der Erde: &#039;&#039;„Künftig werden Chemiker und Physiker kommen, welche Chemie und Physik nicht so lehren, wie man sie heute lehrt [...] sondern welche lehren werden: ‚Die Materie ist aufgebaut in dem Sinne, wie der Christus sie nach und nach angeordnet hat!‘ – Man wird den Christus bis in die Gesetze der Chemie und Physik hinein finden. Eine spirituelle Chemie, eine spirituelle Physik ist das, was in der Zukunft kommen wird. Heute erscheint das ganz gewiß vielen Leuten als eine Träumerei oder Schlimmeres.&#039;&#039; &#039;&#039;Aber was oft die Vernunft der kommenden Zeiten ist, das ist für die vorhergehenden Torheit.“[12]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese selbstlos dienende Haltung wird von den in der anthroposophischen Pharmazie und Medizin Tätigen auf dem anthroposophischen Schulungsweg geübt und prägt den spirituellen Charakter dieser Bereiche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Heilsam wirken durch umfassende Kulturtherapie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin kann als Kulmination von Steiners Grundanliegen, heilsam zu wirken, gesehen werden. Alles, was er geschrieben und getan hat, stand und steht im Dienst einer umfassenden Kulturtherapie, die heilsam auf die zeitgeistigen pathologischen Tendenzen einwirken sollten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Rudolf Steiner unter Kulturpathologie verstand, stellte er im ersten Vortrag des Gründungskurses für die Waldorfpädagogik im August 1919 so dar: &#039;&#039;„Vergessen Sie nicht, indem Sie sich Ihrer Aufgabe widmen, daß die ganze heutige Kultur, bis in die Sphäre des Geistigen hinein, gestellt ist auf den Egoismus der Menschheit. [. . .] Wir leben in der Zeit, in der dieser Appell an den menschlichen Egoismus in allen Sphären bekämpft werden muß, wenn die Menschen nicht auf dem&#039;&#039; &#039;&#039;absteigenden Wege der Kultur, auf dem sie heute gehen, immer mehr und mehr abwärts gehen sollen.“[13]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; In Philosophie und Geistesleben ====&lt;br /&gt;
Im philosophischen Werk Steiners wird die Grundlage zur Kulturtherapie in Form eines tiefgreifenden Autonomieverständnisses gelegt. Freiheit und Liebe, die zur Selbstlosigkeit fähig sind, stehen dabei als menschliche Entwicklungsziele an zentraler Stelle. Sie sind Ausdruck menschlicher Würde und geistiger Gesundheit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; In der Pädagogik ====&lt;br /&gt;
Entsprechend wird im Zusammenhang von Steiners Darstellungen zur &#039;&#039;„Allgemeinen Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik“[14]&#039;&#039; eine ‚Physiologie und Psychologie der Freiheit‘ veranlagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; In der Kunst als Therapie ====&lt;br /&gt;
Und auch die künstlerische Tätigkeit versteht Steiner nicht als ästhetischen Selbstzweck. Sie hat Bewusstsein weckenden Charakter und mündet in allen Bereichen in therapeutische Wirksamkeit, wie in EH am Beispiel der Heileurythmie in Kapitel XVIII gezeigt wird. Der Leiter der Kolisko-Akademie, &#039;&#039;Armin Husemann&#039;&#039;, hat diesem Impuls einer therapeutisch ausgerichteten &#039;&#039;„Menschenwissenschaft durch Kunst“&#039;&#039; sein Lebenswerk gewidmet.[15]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[16]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?,&#039;&#039; GA 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Geheimwissenschaft im Umriss&#039;&#039;, GA 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Ebenda, Seite 219–225, 251–256 sowie 351–353.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit,&#039;&#039; GA 15.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Neues Testament, &#039;&#039;Johannes Kap. 1, 3.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen&#039;&#039;, GA 27, Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Christian Morgenstern (1871–1914) hat diesem dienenden Geschehen sein Gedicht &#039;&#039;Fußwaschung&#039;&#039; gewidmet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. Harlan, (2008).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Siehe FN1, S. 12.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit,&#039;&#039; GA 15.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Ebenda, S. 46.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik&#039;&#039;, GA 293, 26 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik&#039;&#039;, GA 293.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[15] Vgl. A. Husemann (2007 und 2024).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[16] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ANSPRUCH UND AUFGABE DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen Anspruch hat die Anthroposophische Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worin sieht sie ihre Aufgabe?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was war laut Rudolf Steiner das entscheidend Neue?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Bemühen der Anthroposophischen Medizin&#039;&#039; &#039;&#039;um mehr Menschlichkeit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin ist ein Kind des 20. Jahrhunderts. Sie hat den Anspruch, naturwissenschaftliche, philosophische und spirituelle Erkenntnisse und deren therapeutische Anwendungen in ein ganzheitliches Konzept zu integrieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als eigenständige medizinische Bewegung hat sie jedoch erst gut 80 Jahre Entwicklung hinter sich, weswegen sie noch nicht so breit im allgemeinen Bewusstsein verankert ist wie beispielsweise die Homöopathie. Darüber hinaus ist die Bezeichnung „Anthroposophische Medizin“ etwas schwer verständlich. Der Begriff „Homöopathie“ hat sich aus dem prinzipiellen Gegensatz zur gängigen „Allopathie“ gebildet. Er orientiert sich am Simile-Prinzip. „Anthroposophisch&amp;quot; heißt hingegen in der schlichtesten Übersetzung aus dem Griechischen einfach nur „menschlich&amp;quot;. Entsprechend hat sich die Anthroposophische Medizin zur Aufgabe gesetzt, im Umgang mit Krankheit und Gesundheit in Theorie und Praxis das Bewusstsein und die Entwicklung von mehr Menschlichkeit ins Zentrum allen Bemühens zu stellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wesensglieder-Diagnostik als neue Perspektive&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner war es wichtig, die Wesensglieder-Diagnostik und die sich daran anschließende Therapiefindung als das entscheidend Neue zu sehen, das durch die Anthroposophie in den gegenwärtigen Medizinbetrieb hereinkommen kann. Es ging ihm nicht primär darum, neue und womöglich wirksamere Medikamente zu finden für dieses und jenes. Vielmehr wollte er vermitteln, dass die Medizin durch ein Menschenbild bereichert werden kann, das befähigt, den Menschen primär als geistiges Wesen zu begreifen und ihn dadurch in Gesundheit und Krankheit neu zu sehen und behandeln zu lernen.[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Kapitel I von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; heißt es: &#039;&#039;„Der Mensch ist, was er ist, durch Leib, Ätherleib, Seele (astralischer Leib) und Ich (Geist).&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Er muss als Gesunder aus diesen Gliedern heraus angeschaut;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;er muss als Kranker in dem gestörten Gleichgewicht dieser Glieder wahrgenommen;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;es müssen zu seiner Gesundheit Heilmittel gefunden werden, die das gestörte Gleichgewicht wieder herstellen.“[2]&amp;lt;sup&amp;gt;,&amp;lt;/sup&amp;gt; [3]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anthroposophisch-medizinische Therapieansatz kann zudem sowohl alternativ als auch kombiniert mit schulmedizinischer Behandlung zur Anwendung kommen und erfreuliche Besserungen erzielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Erkrankung und Heilung als Kreisprozess verstehen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Methodisch kommt es Rudolf Steiner und Ita Wegman also darauf an, den Prozess der Erkrankung und den Prozess der Heilung als einen einzigen Kreisprozess zu verstehen, in dem der Organismus von Heilmitteln und Krankheitsdiät unterstützt werden muss, um wieder in den „Zustand der Gesundheit“ versetzt zu werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Die Erkrankung beginnt mit einer Irregularität in der Zusammensetzung des menschlichen Organismus mit Bezug auf seine in diesem Buch beschriebenen Teile. Sie ist an einem bestimmten Punkte angekommen, wenn man den Kranken in Behandlung bekommt. Man hat nun dafür zu sorgen, dass alle Vorgänge, die sich seit dem Beginn der Krankheit im menschlichen Organismus abgespielt haben, wieder zurückverlaufen, so dass man zuletzt bei dem Zustande der Gesundheit anlangt, in dem der Organismus vorher war. […] Die Heilmittel müssen daher so beschaffen sein, dass sie nicht nur den Krankheitsprozess zurücklaufen lassen, sondern auch die sich herabstimmende Vitalität wieder unterstützen. Einen Teil der letzteren Wirkung wird man der Krankheitsdiät überlassen müssen. Doch ist in der Regel bei ernsteren Krankheitsfällen der Organismus nicht gestimmt, in der Verarbeitung der Nahrungsmittel genügend Vitalität zu entwickeln. Es wird daher notwendig sein, auch die eigentliche Therapie so einzurichten, dass der Organismus in dieser Beziehung seine Unterstützung findet. […] Im Krankheitsverlaufe ist nicht nur der lokalisierte Krankheitsprozess, sondern die Gesamtveränderung des Organismus zu berücksichtigen und diese in den rückläufigen Prozess einzubeziehen. Wie das im Einzelnen zu denken ist, werden bestimmte Fälle, die wir nun charakterisieren wollen, zeigen.“&#039;&#039;[4] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;An der Heilung des erkrankten Planeten mitwirken&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Ruf nach einer menschengemäßen Medizin steht mit vielen Bestrebungen der letzten Jahrzehnte im Konsens.  So schreibt der berühmte  amerikanische Kardiologe &#039;&#039;Bernard Lown&#039;&#039; im Vorwort seines Medizin-Bestsellers &#039;&#039;„Die verlorene Kunst des Heilens&amp;quot;:[1]„Dieses Buch möge als ein  Kompass dienen (...), indem es eine Medizin beschreibt, in welcher der Mensch im Mittelpunkt aller wissenschaftlichen Dienstleistungen steht – nämlich ein modernes Gesundheitswesen mit einem menschlichen Gesicht.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lown nennt die heutigen großen Probleme beim Namen: Die ungerechte Weltordnung, die bewirkt, dass sich auch im neuen Jahrhundert die Kluft zwischen den armen Entwicklungsländern und den reichen Industrienationen immer schneller vertieft und viel zu viele der sieben Milliarden Menschen auf der Welt in einer quälenden, erbarmungslosen und erniedrigenden Armut leben. Er fordert von den Ärzten, aktiv beim Aufarbeiten der sozialen Missstände mitzuwirken sowie bei der Heilung unseres erkrankten Planeten. Das Wort des deutschen Pathologen &#039;&#039;Rudolf Virchow&#039;&#039; ist ihm Vorbild, dass Politik eine „Medizin im Großen&amp;quot; ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie aber wird eine medizinische Denkweise und Methode erarbeitet, die solches leisten kann?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztlich kann doch nur ein neues Denken über die alten, unerbittlich wachsenden Probleme dazu führen, diese nachhaltig zu lösen. Anthroposophische Medizin möchte in aller Konsequenz dazu beitragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Physiologisch-Therapeutisches auf Grundlage der Geisteswissenschaft. Zur Therapie und Hygiene,&#039;&#039; GA 314, S. 29 und S. 226 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, S. 12.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Formatierung Katharina Offenborn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe FN 2, S. 89f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Bernard Lown, &#039;&#039;Die verlorene Kunst des Heilens,&#039;&#039; Berlin 2002.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== GESUNDHEITSWISSENSCHAFTLICHER ANSATZ DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Bereiche umfasst der gesundheitswissenschaftliche Ansatz der Anthroposophischen Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht dabei um drei Bereiche:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Um den Bereich des Ätherisch-Lebendigen und die hier agierenden &#039;&#039;&#039;Rhythmen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
# Um das Zusammenspiel der Wesensglieder im so genannten &#039;&#039;&#039;dreigliedrigen Organismus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
# Um eine dem Menschengeist gemäße &#039;&#039;&#039;Erziehung und Selbsterziehung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;AD 1. ZUR RHYTHMUSFORSCHUNG&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gunther Hildebrandt&#039;&#039;, einer der führenden Rhythmus-Forscher im 20. Jahrhundert, hat sein Lebenswerk als Physiologe der systematischen Erarbeitung der rhythmischen Funktionen und deren adaptiven, erholsamen und stabilisierenden Wirkungen gewidmet.[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hatte in einer Vortragsnachschrift von Steiner gelesen, dass die rhythmische Organisation des Menschen ihren Ausdruck findet im Rhythmus der Blutzirkulation und dem Atemrhythmus und dass dieser Zusammenhang zu wenig beachtet wird. Beim erwachsenen Menschen haben diese beiden Rhythmen das Verhältnis 4:1. Das ist natürlich nur ein approximativer Durchschnittswert, der allerdings in seinen Abweichungen Auskunft gibt über Gesundheit und Krankheit des individuellen menschlichen Organismus. Diesen Hinweisen Steiners ist Hildebrandt mit den Methoden der Chronobiologie und der Rhythmusforschung nachgegangen. Anhand seiner Resultate konnte er belegen, wie sehr die anthroposophische Geisteswissenschaft mit der akademischen Naturwissenschaft übereinstimmt und dass sich neue Möglichkeiten des Verstehens erschließen, wenn man beide methodisch ernst nimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Rhythmusforschung am Beispiel Schlaf&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Hildebrandt konnte nachweisen, dass die Schlaferholung als zentral koordinierter Prozess nicht allein aus biochemischen und physiologischen Gesichtspunkten heraus erklärbar ist, sondern dass Selbstordnungsprinzipien am Geschehen beteiligt sind, die eine rhythmische Zeitstruktur haben und prozessual in Richtung Heilung oder Krankheit stimulierbar sind. Er konnte in vielfach bestätigten Befunden nachweisen, dass im Verlauf des Nachtschlafes die ganzzahlige Frequenzabstimmung zwischen Herz- und Atemrhythmus des gesunden Organismus bei jedem Menschen wieder hergestellt wird, und zwar unabhängig von der Richtung der am Tage aufgetretenen Abweichungen. Dasselbe konnte Hildebrandt auch hinsichtlich der ganzzahligen Frequenzabstimmungen von Atem- und Blutdruckrhythmus sowie von Blutdruckrhythmus und Minutenrhythmus der peripheren Durchblutung nachweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Arbeitsrhythmen der Wesensglieder und autochrone Biorhythmen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Des Weiteren konnte Hildebrandt zeigen, dass die von Steiner erforschten basalen Arbeitsrhythmen der Wesensglieder tatsächlich den evidenten, adaptiven und autochronen Biorhythmen des Menschen entsprechen. Auch konnte er belegen, dass diese hygiogenetischen Prozesse in der Regel reaktiv ausgelöst werden und ihre Zeitstruktur nicht von den Eigenrhythmen der Wesensglieder bestimmt werden, sondern reaktiv von deren harmonischen Frequenzmultiplen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Jahresrhythmen unter Einfluss des physischen Leibes ====&lt;br /&gt;
Regenerative und adaptive Rhythmen des physischen Leibes hängen mit dem Jahreslauf der Sonne sowie der annualen Rhythmik zusammen. Die heteronomen trophisch-plastischen Wachstumsprozesse mit der submultiplen Periodendauer des Jahresrhythmus werden überwiegend von den Einflüssen bestimmt, die der physische Leib auf die hygiogenetische Aktivität des Ätherleibes hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; 7-Tage-Rhythmus bestimmt vom Ätherleib ====&lt;br /&gt;
Regenerative und adaptive Rhythmen des ätherischen Leibes entsprechen dem Monatsrhythmus sowie der lunaren Rhythmik. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Monatsrhythmus bestimmt vom Astralleib ====&lt;br /&gt;
Adaptive und regenerative Rhythmen des Astralleibes von 7 Tagen entsprechen dem Wochenrhythmus, der zirkaheptanen Rhythmik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Rhythmisches Zusammenspiel von Ätherleib und Astralleib&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Die eigentlichen heilenden Prozesse, die sich als normgerichtete Regenerationsvorgänge äußern und eine funktionelle Normalisierung herbeiführen, werden im Zusammenwirken von Ätherleib und astralischem Leib zeitlich gegliedert. Ausdruck dieses Zusammenwirkens ist die Tatsache, dass der spontane Eigenrhythmus des Astralleibes mit 7 Tagen Periodendauer zugleich eine Submultiple des ätherischen Monatsrhythmus darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Eigenrhythmen der beiden Wesensglieder stehen bemerkenswerterweise auch im doppel-oktavischen harmonischen Verhältnis von 4:1. Das vielfach nachgewiesene Vorherrschen der zirkadianen Septanperiodik bei den spontanen und therapeutisch angestoßenen Selbstheilungsprozessen kann daher so gedeutet werden, dass der Astralleib mit seinem Eigenrhythmus den hygiogenetischen Prozessen eine Zeitstruktur vorgibt, der sich der Ätherleib durch Ausbildung einer submultiplen Periodik optimal einpasst.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; 24-Stunden-Rhythmen unter Führung der Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Adaptive und regenerative Rhythmen der Ich-Organisation entsprechen dem 24 Stunden-Rhythmus, der zirkadianen Rhythmik. Seine Forschungsergebnisse zusammenfassend führt Hildebrandt aus, dass die verschiedenen, stoffwechselbedingten Erholungsprozesse mit einer Periodendauer unter 24 Stunden, die dem Bestand und der Gesunderhaltung des Organismus dienen, der zeitlichen Führung seitens der Ich-Organisation unterliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;AD 2. ZUR FUNKTIONELLEN DREIGLIEDERUNG&#039;&#039; &#039;&#039;DES MENSCHLICHEN ORGANISMUS&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Gedanke der funktionellen Dreigliederung des menschlichen Organismus geht auf eine dreißigjährige Forschung Steiners zurück, die er erstmals 1917 publizierte.[3] Der Anatom und Morphologe Johannes W. Rohen griff diese Anregung in seinen Lehrbüchern für die Medizinstudenten auf.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Sichtweise des menschlichen Organismus verknüpft drei Aspekte miteinander:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Sie macht den polaren Bau des menschlichen Organismus funktionell und morphologisch transparent.&lt;br /&gt;
# Sie liefert eine pathologisch und therapeutisch relevante Erklärung des Leib-Seele-Problems.&lt;br /&gt;
# Sie führt nicht nur zu einer neuen Sicht auf die Entstehung von Krankheit, sondern auch zu einem Konzept für die Entstehung von Gesundheit (Salutogenese, Hygiogenese).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Polarität und ausgleichende Prozesse&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Morphologisch betrachtet sind die Rundheit der Schädelform und die radiale Form der Gliedmaßen echte Polaritäten. Entsprechend polar stehen auch die bewussten, im Kopf zentrierten Denk- und Sinnestätigkeiten den unterhalb des Zwerchfells lokalisierten unbewussten metabolischen Auf- und Abbauvorgängen gegenüber. Dazwischen entfalten sich die rhythmischen Transport- und Verteilungssysteme, wie sie von den Atmungsorganen und dem Herzen als Mittelpunkt des Kreislaufsystems ausgehen. Diese dreiteilige morphologische Grundgliederung bezeichnet Steiner mit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Nerven-Sinnes-System NSS&#039;&#039;&#039;: überwiegend im Kopf zentrierte &#039;&#039;„obere Organisation&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Rhythmisches System RS&#039;&#039;&#039;: überwiegend im Thorax lokalisierte &#039;&#039;„mittl. Organisation&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Stoffwechselsystem&#039;&#039;&#039;: überwiegend im Abdomen lokalisierte &#039;&#039;„untere Organisation&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Dreigliederung entspricht bereits die Polarität von Ektoderm und Entoderm und den sich aus dem Zusammenspiel beider ergebenden sekundären mesodermalen Strukturen in der Embryonalentwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Dreigliederung findet sich auch in der Formation des Skelettes wieder: Wirbelsäule und Brustkorb haben einen rhythmisch gegliederten Aufbau (Wirbel, Rippen), im Gegensatz zur radialen Form der Extremitäten und der sphärischen des Kopfes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die zeitlich-prozessuale und damit auch die physiologisch-biochemische Betrachtung ist jedoch das jeweils spezifisches Zusammenwirken der vier Wesensglieder in den drei Regionen des Körpers entscheidend:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbstverständlich gehört der Nervenzell-Stoffwechsel den Stoffwechselfunktionen an und umgekehrt ist das vegetative Nervensystem, das wahrnehmend und regulierend auf das gesamte Stoffwechselgeschehen einwirkt, Bestandteil des Nervensinnessystems.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entsprechend ist das rhythmische System mit seinen Funktionsleistungen auch im Nervensinnes-System und beim Stoffwechsel wirksam. Es stellt mit den kurzwelligen Rhythmen der elektrochemischen Hirnpotentiale im Sekundenbereich und den langwelligen Eigenrhythmen der Stoffwechselorgane (z.B. Magen / Darmmotilität) im Stundenbereich die gesamte rhythmische Funktionsordnung im dreigliedrigen Organismus dar. Bei der Dreigliederung handelt es sich also nicht um eine Dreiteilung, sondern um eine funktionelle Gliederung, die sich gleichzeitig räumlich im polaren Aufbau des Körpers abbildet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zusammenspiel der Wesensglieder im dreigliedrigen Organismus&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Werden die Funktionen des Nerven-Sinnes- und des Stoffwechselsystems mithilfe des rhythmischen Systems nicht genügend aufeinander abgestimmt, so tritt Krankheit auf:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Derjenige wird den menschlichen Organismus in seinem gesunden und kranken Zustand – oder besser gesagt: in seinem Gesund-Sein und seinem Gesund-Werden – nicht eigentlich verstehen können, der nicht berücksichtigt, dass die so genannten normalen Funktionen im Grunde nur Metamorphosen sind, auch derjenigen, die wir hervorrufen müssen, um pathologischen Zuständen zu begegnen&amp;quot;&#039;&#039;.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hildebrandt machte darauf aufmerksam, dass diese Aussage Steiners im Prinzip dem so genannten ersten Hauptsatz der Naturheilkunde entspricht, wie er zum Beispiel von Groote formuliert wurde: &#039;&#039;„Das, was den Gesunden gesund erhält, ist auch geeignet, den Kranken wieder gesund zu machen&amp;quot;&#039;&#039;.[6]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Inkarnierende und exkarnierende Wesensgliedertätigkeit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das Steinersche Paradigma von der Metamorphose der „inkarnierenden&amp;quot; Wesensgliedertätigkeit in die „exkarnierende&amp;quot;, die das seelisch-geistige Leben ermöglicht, ist einerseits Grundlage für ein neues Verständnis des Leib-Seele-Zusammenhangs. Es bietet aber auch bisher nicht dagewesene Möglichkeiten, die Fachgebiete der Erziehungswissenschaften und Medizin in ihrem Zusammenhang zu verstehen und für die Weiterentwicklung von Therapie und Pädagogik zu nutzen. Denken, Fühlen und Wollen als seelisch-erfahrbare Qualitäten werden in ihrem Leibbezug durchschaubar:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Der &#039;&#039;&#039;Ätherleib&#039;&#039;&#039; kann damit als &#039;&#039;Träger des Gedankenlebens&#039;&#039; erkannt werden,&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;&#039;Astralleib&#039;&#039;&#039; als &#039;&#039;Träger des Gefühlslebens&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* und die &#039;&#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;&#039; als &#039;&#039;Träger des Wollens bzw. Tuns&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die inkarnierende Wesensgliedertätigkeit ermöglicht Selbsterfahrung und ist somit die Grundlage von Selbstbewusstsein im Leib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die exkarnierende Wesensgliedertätigkeit, deren Medium das Denken ist, das „Leben im Geiste&amp;quot;, ist Grundlage für die Entwicklung eines bewussten, vom Leib emanzipierten, persönlichen Innenlebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die inkarnierende und die exkarnierende Wesensgliedertätigkeit hängen eng zusammen im Kontext der Entwicklung des Menschen. So entwickelt sich z.B. unser Denken erst aus der schrittweisen Emanzipation des Ätherleibes – von der leibgerichteten Tätigkeit hin zur leibfreien, rein gedanklichen Tätigkeit.[7] Wird die gesunde Inkarnation des Ätherleibes durch die Erziehung nicht unterstützt, sondern behindert durch kognitives Frühtraining und die Förderung abstrakten Denkens, emanzipiert sich der Ätherleib zu früh und ein Mangel an Vitalität in der zweiten Lebenshälfte ist die Folge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Alles hat seine Zeit&amp;quot; ist daher die Grundlage der Waldorfpädagogik und ihres altersspezifischen Lehrplans.[8](besser nicht in kursiv).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entwicklungsgerechte Förderung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Organsysteme des menschlichen Organismus bedürfen einer entwicklungsgerechten, altersspezifischen Förderung, um sich gesund aufbauen und genügend ausreifen zu können. Nur dadurch kann die Inkarnation aller Wesensglieder optimal gewährleistet werden. Damit wird auch die physiologische Lockerung der Wesensglieder im letzten Lebensdrittel auf möglichst gesunderhaltende Art und Weise vorbereitet. Jeder alternde Organismus hat zwar die Disposition zu chronischen Erkrankungen des älteren Menschen, ob es jedoch zum Ausbruch einer entsprechenden Krankheit kommt bzw. welchen Schweregrad sie erreicht, ist bis zu einem gewissen Grad abhängig davon, wie das Kind oder der Jugendliche die Zeit der Inkarnation der Wesensglieder durchlaufen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiteres Kriterium ist die Frage, ob in der Lebensmitte durch geistige Aktivität Lebensfragen und Konflikte so verarbeitet wurden, dass die zur Gesunderhaltung von Leib und Seele nötige Übereinstimmung mit sich und dem Schicksal hergestellt werden konnte. Aaron Antonovsky spricht von der Notwendigkeit, ein „Kohärenzgefühl“ sich und seinen Lebensumständen gegenüber zu erwerben.[9]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;AD 3.&#039;&#039; &#039;&#039;ERZIEHUNG UND SELBSTERZIEHUNG ALS QUELLE SALUTOGENER KOMPETENZ&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die von Rudolf Steiner konsequent verfolgte These einer Erziehung zur Freiheit und einer Lehre von der Gesundheit, basierend auf der Auseinandersetzung mit den Herausforderungen des Lebens auf geistiger, seelischer und körperlicher Ebene, erfährt auf vielfältige Weise Bestätigung durch:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Hygiogenese&#039;&#039;&#039; (Hildebrandt 1985),&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Salutogenese&#039;&#039;&#039; (Antonovsky 1997)&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Resilienzforschung&#039;&#039;&#039; (Opp/Fingerle/Freytag 1999)&lt;br /&gt;
* sowie die &#039;&#039;&#039;Erforschung der seelischen Gesundheit&#039;&#039;&#039; durch die humanistische Psychologie (Maslow 1981).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Erforschung der seelischen Gesundheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Maslow fand bei seinen Untersuchungen zur seelischen Gesundheit heraus, dass Menschen mit einer gesunden seelischen Gesamtverfassung sach- und nicht ich-bezogen handeln, dass sie tolerant und wahrhaftig sind, sich herzlich freuen, staunen und Dinge und Menschen bewundern können, dass sie Gefühle der Devotion aufbringen. Ihnen ist gemeinsam, dass sie auf die eine oder andere Art auf eine spirituelle Höhepunkt-Erfahrung, die so genannte Peak-Experience, zurückschauen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Maslow konnte zeigen, in wie hohem Maße die Arbeit an der eigenen Persönlichkeit und die persönliche Reife Einfluss auf den körperlichen Gesundheitszustand haben.[10]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Salutogenese – die Lehre von der Gesundheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Antonovsky entwickelte in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts seine Theorie der Salutogenese. Er untersuchte die Bedingungen für das Entstehen von Gesundheit und wählte als Kernbegriff den „Sense of Coherence“ – das Kohärenzgefühl. Die Entstehung von Kohärenzgefühls unterliegt drei Vorbedingungen: Die Welt muss als&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* verstehbar&lt;br /&gt;
* sinnhaft&lt;br /&gt;
* handhabbar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
erlebt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder in der Gesundheitsforschung Tätige kommt früher oder später zu der Überzeugung, dass Gesundheit ein labiler Zustand ist, der vom Individuum aktiv erhalten werden muss. Diese Auffassung steht im Gegensatz zum konventionellen, pathogenetischen Postulat, dass ein gesunder Organismus sich in „normaler&amp;quot;, geordneter Homöostase befindet, die durch eine Krankheit aus dem Gleichgewicht gebracht wird. Antonovsky stellt dem entgegen, dass es den geordneten Zustand der Homöostase nicht gibt, dass Gesundheit vielmehr das ständige Ringen mit heterostatischen Zuständen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er schreibt: &#039;&#039;„Zu jedem Zeitpunkt kann mindestens ein Drittel, möglicherweise mehr als die Hälfte der Bevölkerung in den Industrienationen aufgrund des einleuchtenden Parameters eines pathologischen Merkmals als krank bezeichnet werden. Das zeigt, dass Krankheit keine relativ seltene Abweichung irgendeiner Norm, sondern ein ubiquitäres Phänomen ist&amp;quot;&#039;&#039;.[11]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit ist so gesehen nicht die Abwesenheit von Krankheit, sondern die Beherrschung und Kompensierung vorhandener Krankheitstendenzen. Für diese gesundheitswissenschaftliche Sicht bietet das Konzept der Wesensglieder und ihr differenziertes Zusammenwirken im dreigliedrigen Organismus das notwendige theoretische und praxisrelevante Instrumentarium. Hinzu kommt, dass das Wesensgliederkonzept bisher das einzige Konzept ist, das dem denkenden Begreifen den Leib-Seele-Geist-Zusammenhang voll erschließen kann und die These von der „Blackbox&amp;quot; begründet hinterfragt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Amelung, W. / Hildebrandt, G. (Hrsg.), Balneologie und medizinische Klimatologie, Berlin 1985.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Gunther Hildebrandt, &#039;&#039;Physiologische Grundlagen der Hygiogenese&#039;&#039;, in: Peter Heusser (Hrsg.), &#039;&#039;Akademische Forschung in der anthroposophischen Medizin&#039;&#039;. Beispiel Hygiogenese: Natur- und geisteswissenschaftliche Zugänge zur Selbstheilungskraft des Menschen, Bern 1999.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Von Seelenrätseln&#039;&#039;, GA 21.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Johannes W. Rohen, &#039;&#039;Morphologie des menschlichen Organismus. Versuch einer goetheanischen Gestaltlehre des Menschen,&#039;&#039; Stuttgart 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Anthroposophische Grundlagen für ein erneuertes christlich-religiöses Wirken&#039;&#039;, GA 342, Dornach 1993.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] L. R. Groote, K. E. Rothschuh, &#039;&#039;Der Arzt im Angesicht von Leben, Krankheit und Tod&#039;&#039;, hrsg. von K. E. Rothschuh, Stuttgart 1961.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkt der Geisteswissenschaft&#039;&#039; in: &#039;&#039;Lucifer - Gnosis&#039;&#039;. 1903-1908, Dornach 1987;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
M. Glöckler, &#039;&#039;Gesundheit und Schule. Schulärztliche Tätigkeit an Waldorf- und Rudolf-Steiner- Schulen.&#039;&#039; Dornach 1998.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Tobias Richter, &#039;&#039;Lehrplan&#039;&#039;, Stuttgart 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Aaron Antonovsky, &#039;&#039;Salutogenese. Zur Entmystifizierung der Gesundheit&#039;&#039;, Tübingen 1987.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Abraham Maslow, &#039;&#039;Motivation und Persönlichkeit&#039;&#039;, Hamburg 1981.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Siehe Fußnote 9.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== METHODISCHE GRUNDLAGEN DES ANTHROPOSOPHISCHEN ANSATZES ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worin wurzelt die Methodik des anthroposophischen Ansatzes?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wurzeln des anthroposophischen Ansatzes&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der anthroposophische Ansatz hat seine Wurzeln in der abendländischen Philosophie und der Erkenntnisdramatik des 20. Jahrhunderts. Er bemüht sich um ein spirituelles Verständnis von Mensch und Welt über die Weiterentwicklung des Denkens zu einer unmittelbaren geistigen Anschauung, von Steiner „Imagination“ genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039;        Anthroposophische Medizin ====&lt;br /&gt;
Anthroposophische Medizin hat zum Ziel, sich am Menschen selbst zu orientieren und seinem Heilbedarf auf die jeweils bestmögliche Art zu entsprechen. So greift der konsequent integrativ-medizinische Ansatz nicht nur die verschiedenen Erkenntnis-, Erfahrungs- und Daseinsebenen des Menschen auf, sondern verfügt auch über eine Diversität methodischer Zugänge. Im Sinne des Goethe‘schen Paradigmas bedeutet das, die Art der Betrachtung von der Art des zu Betrachtenden abhängig zu machen. Da der Mensch selbst ein so vielschichtiges und kompliziertes Wesen ist, bedarf es zu seiner Erforschung und Beschreibung die dem jeweiligen Objekt der Erkenntnis angemessene Methode. Allerdings müssen die so erforschten Einzelaspekte dann untereinander vernetzt und konzeptionell so verknüpft werden, dass eine Ganzheit entsteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Die Medizin des 21. Jahrhunderts muss wieder neu den Menschen entdecken, der immer mehr in ultrastrukturelle Teile zerbricht, weil ihr eine auf die Ganzheit gerichtete Erkenntnismethode – die intuitive – fehlt“.&#039;&#039;[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Menschen in seiner Totalität zu erfassen, ist ohne Intuition und Empathie nicht möglich. Diese Ganzheit dann aber je nach Fragestellung und Blickwinkel methodisch und inhaltlich zu gliedern und auch deduktiv zugänglich zu machen, bedarf eines differenzierten Erkenntnisansatzes, wie er in den methodischen Grundlagen der anthroposophischen Geisteswissenschaft vorliegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039;       Anthroposophische Geisteswissenschaft ====&lt;br /&gt;
Anthroposophische Geisteswissenschaft vermittelt keine „fertige&amp;quot; Weltanschauung. Vielmehr lehrt sie, sich eine eigene Weltsicht zu erarbeiten, indem sie bei der Ausbildung des „Selber-Denkens&amp;quot; ansetzt. Mit Hilfe dieses Ansatzes kann jeder Fragen aufgreifen, die ihn im Zusammenhang mit der eigenen Religion oder spirituellen Heilweise interessieren. So gibt es nicht nur Schulmediziner, sondern auch Homöopathen und Vertreter anderer Therapierichtungen, die sich zu anthroposophischen Ärzten weiterbilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039;       Anthroposophische Arzneimittel ====&lt;br /&gt;
Aufgrund des integrativ-medizinischen Ansatzes können die Arzneimittel der anthroposo­phischen Therapierichtung weder methodisch noch von den Stoffgruppen her klar abgegrenzt werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Beispiel wird eine Vielzahl von Arzneimitteln aus natürlichen Rohstoffen hergestellt, ohne dass Anthroposophische Medizin deshalb identisch mit der Naturheilkunde wäre. Es werden über 250 Heilpflanzen verarbeitet, dennoch ist Anthroposophische Medizin keine Phytotherapie. Denn im gesamten Arzneimittelschatz haben gerade die aus natürlichen mineralischen Rohstoffen hergestellten Präparate eine besondere Bedeutung. Schließlich ist Anthroposophische Medizin auch nicht mit der Homöopathie identisch, obwohl sie mit ihr – in modifizierter Form – die Technik des Potenzierens und die Potenzbezeichnung für sehr viele mineralische, pflanzliche und einige tierische Arzneimittel gemeinsam hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch liegt eine größere Anzahl von Präparaten in konzentriert-stofflicher Form vor, allen voran die Präparate aus der weißbeerigen Mistel zur Krebsbehandlung oder das gern gebrauchte Mittel zur Kreislaufregulation Cardiodoron®. Dennoch ist die anthroposophische Therapierichtung nicht zu der allopathischen zu rechnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Volker Fintelmann, &#039;&#039;Intuitive Medizin,&#039;&#039; Hippokrates Verlag, Stuttgart: 1. Aufl. 1987, 5. Aufl. 2007.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== NOTWENDIGER PARADIGMENWECHSEL IN DER MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Warum bedarf die Schulmedizin einer Ergänzung durch eine ganzheitliche Sicht auf den Menschen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern kann die Anthroposophische Medizin zu einem Paradigmenwechsel beitragen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Notwendige Demokratisierung des Gesundheitswesens&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das naturwissenschaftliche medizinische System orientiert sich an der Pathologie. Aus wirtschaftlicher Perspektive folgt daraus: Je mehr Diagnostik und Therapie betrieben werden, umso so mehr Umsatz kann gemacht werden. Anders ausgedrückt: Mit der Krankheit Geld zu verdienen, fördert das Krankheitswesen. Würde man jedoch mit Prävention und Gesundheitsstrategien Umsätze machen und dafür in eine Gesundheitskasse einzahlen, würde dies entschieden zur Volksgesundheit beitragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner forderte bereits 1920 eine &#039;&#039;„Demokratisierung des Gesundheitswesens“.&#039;&#039;&#039;[1]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Ärzte, Apotheker, Hersteller und Verbraucher sind gefragt, gemeinsam und in Partnerschaft mit den Patienten bzw. Vertretern der Zivilgesellschaft Mitverantwortung für die Gestaltung des Gesundheitswesens zu übernehmen und für die hierzu erforderliche Methodenvielfalt und Therapiefreiheit einzutreten.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Auf Prävention fokussieren&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Paradigmenwechsel könnte sich allem voran darin äußern, dass man der Gesundheitsforschung höchste Priorität gibt. Dies erfordert aber eine ganzheitliche Sicht auf den Menschen, weil Gesundheit nicht auf molekularer Ebene entsteht, sondern das komplexe Ergebnis des Zusammenwirkens geistiger, seelischer, ökologischer und körperlicher Vorgänge ist. Es gehört aber auch eine „physiologische Denkweise dazu“, die dies vermitteln kann. Diese bietet die Anthroposophische Medizin. Als Kinderärztin erlebte ich in der Praxis immer wieder mit Freude, wie lebens- und entwicklungsfreundlich diese physiologische Denkweise und das integrative Menschenbild der Anthroposophischen Medizin sind. Hierzu drei Beispiele:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== •  Vitamin D ====&lt;br /&gt;
Als das Vitamin D entdeckt wurde, reiste der anthroposophische Kinderarzt &#039;&#039;Wilhelm zur Linden&#039;&#039; von Kongress zu Kongress und informierte seine Kollegen, dass die Dosen, die sie den Kindern verabreichten – Vigantolstöße genannt – viel zu hoch und unphysiologisch wären und den Kindern nicht nur nützen, sondern auch schaden würden. Seine Warnungen blieben über Jahre ungehört – bis Studien und Beobachtungen in der Praxis endlich zeigten, wie recht er hatte.[3] Doch bis dahin hatten unzählige Kinder bereits Schaden genommen. Man hätte das durch eine gesunde Denkweise vermeiden können. denn später machte schließlich genau das, was zur Linden ganz zu Anfang schon empfohlen hatte: Man gab kleine, der Physiologie angenäherte Dosen, wie der Körper sie selbst bilden könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;•  &#039;&#039;&#039;Fieberbehandlung ====&lt;br /&gt;
Ein weiteres Beispiel betrifft die Fieberbehandlung. Als ich mein Kinderärzte-Staatsexamen machte, mussten wir noch ankreuzen, dass Fieber eine Krankheit ist, die fiebersenkend, antipyretisch behandelt werden müsse, sonst wäre die Antwort falsch gewesen. Für das Facharzt-Examen besorgte ich mir dann die neueste Auflage der Kinderheilkunde von Professor Simonis. Dort las ich, nur der unerfahrene Kinderarzt würde bei jedem Fieber ein fiebersenkendes Mittel verordnen. Der erfahrene wisse, dass Fieber immunstimulierend wirkt und entscheidend zur Krankheitsbekämpfung beiträgt. Fieber sei ein natürliches Virostatikum und Antibiotikum. Bakterien und Viren sterben zwischen 39° und 40°. Man müsse das Fieber nur intelligent begleiten. Das belegen mittlerweile auch andere Studien weltweit.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Teil bis heute wurden und werden viele Kinder aber „falsch“ behandelt, obwohl man eigentlich weiß, dass es nicht gut ist! Und das nur, weil man im Medizinstudium nicht lernt, mit dem Organismus und im Sinne seiner Funktionen zu denken und zu fühlen und ihn in seinem Sosein optimal zu unterstützen. Selbstverständlich gibt man ein Antipyretikum, wenn man das Fieber nicht beherrschen kann. Aber das ist nur in wenigen Fällen nötig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== •  Antibiotika ====&lt;br /&gt;
Noch in meiner Facharztprüfung Anfang der Achtziger musste ich die Schulmeinung wiedergeben, dass jede Mittelohrentzündung/Otitis Media breitbandantibiotisch behandelt werden müsse, jede! Mit großen Hochglanzprospekten wurden die Forschungen dazu vorgestellt. Dieselben Firmen der Pharmaindustrie hatten jedoch Mitte der Neunziger Jahre plötzlich großes Interesse daran, genau das Gegenteil zu beweisen: Damals hatte die Antibiotikaresistenz bestimmter Krankheitserreger so zugenommen, dass es für die Firmen teurer war, neue Antibiotika zu entwickeln, als die Einbußen durch Nichtbehandeln hinzunehmen. So „durfte“ man jetzt vernünftig behandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophische Ärzte haben jedenfalls – ebenso wie ihre Kollegen in Homöopathie und Komplementärmedizin – durch ihren nicht routinemäßigen, sondern individuell abgewogenen Einsatz von fiebersenkenden Mitteln und Antibiotika seit langem einen nachahmenswerten Beitrag geleistet, der heute so viel diskutierten Antibiotika-Resistenzentwicklung entgegenzuwirken.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner sagte, die Ärzte der Zukunft werden Lehrer in Gesundheitswissenschaft sein und die Lehrer der Zukunft werden Präventionsärzte für die Heranwachsenden sein.[6] Das ist ein Konzept, an dem es sich zu arbeiten lohnt, für das ich mich zunehmend begeistern kann, weil es genau der Beitrag ist, den die Medizin der Gegenwart für ihren Paradigmenwechsel braucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Was ist Anthroposophische Medizin?, Verlag am Goetheanum 2017&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Hygiene als soziale Frage. In: Physiologisch-Therapeutisches auf Grundlage der Geisteswissenschaft.&#039;&#039; GA 314. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1989, S. 221 - 261.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Mehr dazu unter: www.eliant.eu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Eine ausführliche Darstellung der Vitamin-D-Schäden findet sich bei M.S. Seelig, &#039;&#039;Vitamin D and cardiovascular, renal and brain damage in infancy and childhood.&#039;&#039; Ann. New York Acad. Sci. 1969, 147:539 - 582.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Ilene Claudius, Larry J. Baraff, &#039;&#039;Pediatric emergencies associated with fever.&#039;&#039; Emergency Medicine Clinics of North America 28: S. 67 - 84, 2010.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Hamre, Harald J. / Glockmann, Anja / Schwarz, Reinhard / Riley, David S. / Baars, Eric W. / Kiene, Helmut / Kienle, Gunver S.: Antibiotic Use in Children with Acute Respiratory or Ear Infections: Prospective Observational Comparison of Anthroposophic and Conventional Treatment under Routine Primary Care Conditions. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine 2014: &amp;lt;nowiki&amp;gt;http://dx.doi.org/10.1155/2014/243801&amp;lt;/nowiki&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Siehe auch: &#039;&#039;Waldorfpädagogik und Anthroposophische Medizin&#039;&#039;. Schwerpunktheft „Der Merkurstab“ 4:2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FÜNF URSACHEN FÜR KRANKHEIT UND FÜNF WEGE ZUR HEILUNG ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Ursachen für Erkrankung gibt es laut Paracelsus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und welche Wege der Heilung sieht die Anthroposophische Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fünf Ursachen für Krankheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Schon &#039;&#039;Paracelsus&#039;&#039;&#039;[1]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; hat gesagt, der Mensch sei ein fünfgliedriges Pentagramm.[2] Entsprechend gibt es fünf Wege, gesund bzw. krank zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesen Gedanken habe ich versucht, in die Anthroposophische Medizin und in die heutige Zeit zu übertragen. Ich stelle also Paracelsus’ Beispiel mit den Worten des einundzwanzigsten Jahrhunderts dar:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Physischer Standpunkt ====&lt;br /&gt;
Der erste Arzt vertritt den physischen Standpunkt: &#039;&#039;„Das ist doch klar: Der Patient ist durch den Cholerabazillus infiziert worden und letztlich an nicht mehr beherrschbaren Komplikationen verstorben.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ätherischer Standpunkt ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Eines wundert mich“,&#039;&#039; sagt der Zweite, &#039;&#039;„wenn gesichert ist, dass der Patient an einem Bazillus gestorben ist, warum sind dann nicht alle gestorben, die sich angesteckt haben? Denn die meisten meiner Patienten sind nicht gestorben. Also ist klar, dass der Patient gestorben ist, weil seine Selbstregulation versagt hat. Deshalb konnten auch die Komplikationen nicht beherrscht werden. Die Krankheitsursache liegt eindeutig im Ätherischen. Seine Abwehr war zu schwach, er hatte ein Immundefizit. Der Patient ist an seiner immunologischen Inkompetenz gestorben.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Astralischer Standpunkt ====&lt;br /&gt;
Der dritte Arzt spricht vom Aspekt des Astralleibes her: &#039;&#039;„Liebe Kollegen, Immunkompetenz und Bazillenwirkung sind nicht das Ende der Medizin! Ich kann euch sagen, woran es liegt, dass das Immunsystem eines Menschen dekompensiert: Habt ihr noch nie etwas von der Psychoneuroimmunologie gehört? Meine Forschungsergebnisse belegen, dass positive Gefühle das Immunsystem stärken. Negative Gefühle lassen das Immunsystem früher oder später insuffizient werden. Die Ursache für den Choleratod liegt also in den negativen Gefühlen des Patienten. Er war bitter, kritisch, nörgelig – enttäuscht über sein Leben. Ihr habt ihn doch gekannt! Er war seelisch nicht besonders konstruktiv. Das hält doch kein Mensch auf Dauer aus. Der Cholerabazillus war nur der Effektor. Der Patient war eigentlich schon am Ende. Die Todesursache liegt also im Seelischen.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Standpunkt der Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Schließlich meldet sich ein Vierter und beleuchtet das Ganze vom Aspekt der Ich-Organisation her: &#039;&#039;„Ich könnte allem folgen, was ihr sagt, aber mich wundert, dass ihr meint, das wären die wirklichen Ursachen. Meine Erfahrung ist, dass es vom eigenen Identitätsbewusstsein abhängt, ob jemand bereit ist, an seinen negativen Gefühlen zu arbeiten. In meiner medizinischen Erfahrung habe ich gelernt, Patienten zu motivieren, an ihren negativen Gefühlen zu arbeiten und diese zu überwinden. Dadurch entwickeln sie immunologische Kompetenzen. Selbstüberwindung und die Bereitschaft, aus dem Negativen etwas Positives zu gewinnen, habe ich als das stärkste Wirkprinzip entdeckt. Diejenigen, die keine Lust am Lernen, an der Verwandlung, die keine Lust haben, auch das Negative als zum Leben gehörig zu betrachten, sondern sich immer nur darüber beklagen, werden früher oder später krank. Keine Seele hält es aus, wenn in ihr ein lahmes, inaktives Ich wohnt. Also sage ich: Der Patient ist daran gestorben, dass er sich zu wenig mit sich und seinem Leben identifizieren konnte.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Schicksalsstandpunkt ====&lt;br /&gt;
Der fünfte Arzt sagt: &#039;&#039;„Ich habe das Horoskop des Patienten konsultiert – das stand auf Krise. Man muss zwar bis zuletzt alles tun, was möglich ist – aber gegen das Schicksal und Gottes Ratschluss sind wir ohnmächtig.“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun sind alle gespannt, was Paracelsus selber dazu sagen werde. Er überrascht seine Kollegen, indem er sagt: &#039;&#039;„De quinte entibus. Liebe Kollegen, es gibt fünf Wege zur Krankheit und entsprechend auch zur Heilung. Deswegen habt ihr alle fünf recht.“ Ein guter Arzt hat all dies im Auge und greift da an, wo er seiner ärztlichen Intuition gemäß die größten Heilungschancen sieht. Erzwingen können wir nichts, aber wir können bis zuletzt um das Leben des Patienten ringen und für seine Heilung kämpfen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fünf Wege zur Heilung in der Anthroposophischen Medizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Auf der physischen Ebene: ====&lt;br /&gt;
Einsatz der Möglichkeiten der Schulmedizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Auf der ätherisch-prozessualen Ebene: ====&lt;br /&gt;
Prozessorientiert-wirksame Arzneimittel, Diät und Lebensstiländerungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Auf der astralen Ebene: ====&lt;br /&gt;
Neben dem therapeutischen Gespräch ist die Verordnung einer künstlerischen Therapie äußerst hilfreich. Darin können sich auch Kranke ausdrücken, die (noch) nicht bereit sind, über ihre Probleme zu sprechen. Auch Biographie-Arbeit hat sich bewährt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Auf der Ich-Ebene: ====&lt;br /&gt;
Wichtig ist die Beachtung der Identitätsfrage. Manchmal muss man hier das Hauptaugenmerk darauf richten und bei Selbstwertfragen oder Identitätsproblemen Wege zu Selbstschulung nennen. Oft hilft auch die Empfehlung der Lektüre von Steiners Buch zur Selbstschulung &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“&#039;&#039;&#039;[3]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; oder aber eine erneute Suche nach religiöser Sinnfindung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Auf der Ebene der spirituellen Orientierung: ====&lt;br /&gt;
Die Erarbeitung einer sinnstiftenden Weltanschauung ist das tragende Fundament einer gesunden Lebensführung. Hier ist jeder einzelne gefragt, das für ihn Stimmige zu suchen und die entsprechenden Gesichtspunkte im Leben anzuwenden und zu beherzigen. Der Arzt kann auf Grund seiner Lebenserfahrung und Empathie helfender Begleiter sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur Anthroposophischen Medizin, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Philippus Theophrastus Aureolus Bombastus von Hohenheim, getauft als Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, (* vermutlich 1493 in Egg, Kanton Schwyz; † 24. September 1541 in Salzburg) war ein Arzt, Alchemist, Astrologe, Mystiker, Laientheologe und Philosoph. Paracelsus hinterließ zahlreiche deutschsprachige Aufzeichnungen und Bücher medizinischen, astrologischen, philosophischen und theologischen Inhalts, die größtenteils erst nach seinem Tod gedruckt wurden. (wikipedia)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Paracelsus, &#039;&#039;Opus paramirum und De quinte entibus&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?&#039;&#039; GA 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== WIRKFAKTOREN IN DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wirkt Medizin generell?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Faktoren spielen dabei eine Rolle?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wie Anthroposophische Medizin wirkt&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Wirksamkeit der Anthroposophischen Medizin setzt sich aus verschiedenen Faktoren zusammen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Stoffliche Qualität ====&lt;br /&gt;
Schwefel wirkt anders als Phosphor oder anderes. Dieses Enzym hat diese Wirkung und ein anderes Hormon eine andere. Wenn ich ein bestimmtes Mittel gebe, muss ich das berücksichtigen. Das ist die rein stoffliche Wirkung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Pharmazeutisch-moralische Qualität ====&lt;br /&gt;
Es gibt verschiedene Stufen der ethisch-moralischen Zusatzwirkung. Wenn ein Pharmazeut seine Produkte mit Liebe herstellt, ist der Stoff nicht nur Träger seiner Eigenwirkung, sondern die positive Absicht, helfen zu wollen, überträgt sich vom Pharmazeuten auf das Produkt. Das ist eine pharmazeutische Qualität, die er moralisch beeinflussen kann. Das hat nicht nur mit Produktreinheit zu tun, ob unsauber oder sauber gearbeitet wird, sondern mit der moralischen Integrität dessen, der das Produkt herstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Ärztliche Qualität ====&lt;br /&gt;
Ärztliche Qualität entsteht, wenn ein Arzt ein Medikament aufgrund guter Überlegungen mit seinen eigenen Gedanken durchsetzt, mit seiner Liebe zum Patienten, mit seinem Willen, ihm zu helfen. Wenn er das Rezept aus dieser Gesinnung heraus dem Patienten gibt, geht diese innere Einstellung auf den Patienten über. Die Schulmedizin nennt das ‚Placebo-Effekt’, die ‚Droge Arzt’. Aber es gibt keinen Placebo-Effekt, es gibt nur Wirkungen, die man nicht versteht! Der Begriff des Placebos ist ein unwissenschaftlicher Lückenbüßer, den man auch so kennzeichnen müsste. Man muss verstehen, warum welches Placebo wie wirkt! Gute Gedanken sind wirksam:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ist es nichts, wenn einer einem anderen „alles Gute“ wünscht?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es macht einen Unterschied, wenn jemand lügt und dem anderen in Wirklichkeit nicht alles Gute wünscht!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich jemandem Gutes wünsche bzw. wenn ich als protestantischer Christ die Fürbitten mache oder als Katholik bete, hat das doch eine Wirkung! Ich mache das doch nicht zur Selbstbefriedigung, um mir zu zeigen, wie moralisch einwandfrei ich bin oder um dem Pfarrer zu gefallen! Ich mache es, weil ich davon überzeugt bin, dass Gedanken wirksam sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt destruktive Gedanken und positive Gedanken, die nicht nur auf mein Immunsystem, sondern auch auf die Immunsysteme meiner Mitwelt wirken. Hass auf andere Leute ist destruktiv, nicht nur für mich, sondern auch für die Anderen. Das sind astrale Attacken, die Verletzungen seelischer Art erzeugen können. Auch wenn sie unbewusst sind, wirken sie. Sensible Leute spüren genau, wenn Menschen sie hassen oder sie vernichten, betrügen oder mobben wollen. Es braucht nicht real zu passieren, man spürt bereits die Intention als etwas Destruktives. Solche Wirkungen sind kein Placebo-Effekt, sondern geistig-seelisch genau zu beschreiben und kommen entweder aus dem Denken, dem Fühlen oder der Intention von Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Ärztliche Intention als Zusatzwirkung&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Als Arzt gebe ich meine Intention dem Medikament mit. Rudolf Steiner sagt, der Arzt müsse seinem Arzneimittel eine „Aura“ mitgeben, eine Widmung. Wenn ich zum Beispiel Schwefel oder Phosphor oder Arnika verordne, denke ich in diesem Moment an diesen Menschen, an seine Lebenssituation und widme die Wirkung des betreffenden Mittels dieser Situation. Es ist eine weiter imponderable Zusatzwirkung zur normalen Arnika-Essenz im Fläschchen, wenn ich es einem älteren Menschen, der auf der Intensivstation liegt, als Umschlag verordne. Für diesen Menschen habe ich ganz andere Gedanken als für jemand anderen. Meine Gedanken sind Teil dieser individuellen Therapie. Auch eine Standardtherapie verordne ich individuell, weil jeder Mensch anders ist. Es gibt keine zwei gleichen Situationen, auch wenn ich vielfach dieselben bewährten Arzneimittel verwendet habe. Das ist die ärztliche Wirkkomponente.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Der Wille zur Gesundung ====&lt;br /&gt;
Die vierte Komponente betrifft den Eigenanteil des Patienten. Patienten wollen heute genau wissen: „Wofür ist das?“, „Wogegen ist das?“ Wenn sie dann den Beipackzettel lesen, bekommen sie oft Angst. Inzwischen gibt es auch anthroposophische Beipackzettel, auf denen beispielsweise steht: An Kindern nicht erprobt, bitte nicht unter 12 Jahren anwenden. Da bekommen Eltern Angst vor Arnika D6, weil es nicht erprobt ist, und halten es für gefährlich. Dadurch kann sich die positive Wirkung des Arzneimittels nicht voll entfalten. Oder die Mittel wirken nicht recht, weil der Patient eigentlich nicht wirklich gesund werden will. In diesem Fall braucht und will er seine Krankheit. Ein Patient, der nicht gesund werden will, muss erst einmal lernen, wieder gesund werden zu &#039;&#039;wollen&#039;&#039;. Er sucht noch die Flucht in die Krankheit, weil er diesen Schutzraum offenbar braucht. Das ist im Moment seine Identität. Ein Patient, der nicht gesund werden will, für den die Krankheit seine aktuell aushaltbare Gesundheit ist, verkraftet das Leben nicht. Er braucht eine andere Behandlung, als „auf Teufel-komm-raus“ gesund gemacht zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Ärzte haben keine Zeit für eine gründliche Anamnese. Sie behandeln oft auch Menschen, die von Arzt zu Arzt gehen und in Wirklichkeit gar nicht gesund werden wollen. Man hätte schon in der Erstbegegnung eine Biografiearbeit dazwischenschalten oder sagen müssen: „Ich glaube, Sie sind wirklich krank. In ihrer jetzigen Situation würde ich ihnen raten, dass Sie sich für den Prozess des Gesundwerdens genügend Zeit nehmen. Lassen Sie sich im Moment von Ihrem Job beurlauben. Ich gebe Ihnen ein Zeugnis und wir nehmen uns einen ganz langsamen Weg zur Gesundheit vor, damit Sie so werden, wie Sie werden wollen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein anderes therapeutisches Ziel, als jemanden so schnell wie möglich symptomfrei zu bekommen, damit er wieder funktioniert. Wirkliche Heilung kann erst erfolgen, wenn der „Gesund-mache-Wille“ des Arztes sich mit dem „Gesund-werde-Willen“ des Kranken verbinden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Gnade ====&lt;br /&gt;
Das fünfte Therapieprinzip heißt schlicht Gnade. Man kann nicht gegen das Schicksal angehen. Manchmal ist das Schicksal des Kranken so, dass man trotz aller erdenklichen Mühe nicht helfen kann. Das fünfte Prinzip wurzelt in der Überzeugung, dass das Leben nicht in der ärztlichen Kompetenz, sondern in der Hand Gottes liegt. Wenn der Krebs erneut ausbricht, gehe ich mit dem Patienten anders um als zu Beginn einer Krebserkrankung. Jetzt ist größtmögliche Ehrlichkeit gefragt. z.B. das Eingeständnis: &#039;&#039;„Wenn nicht ein Wunder geschieht, könnte es diesmal der Anfang vom Ende sein. Überlege, ob Du Deinem Leben eine vollkommen andere Wendung geben willst und kannst. Jetzt hast Du nichts mehr zu verlieren, Du kannst nur noch gewinnen. Schau mal, ob Du Dich von allem, was Dich zwingt, freimachen kannst und frage Dich, was Du mit deinem letzten Lebensabschnitt wirklich machen willst. Folge nur Dir selbst!“&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann passieren manchmal ungeahnte Wunder. Manchmal braucht es diese Todesnähe, bis ein Patient wirklich zu sich kommt und weiß, was für ihn im Leben zählt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Beispiel einer terminalen Krebserkrankung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ich hörte von einem Patienten mit terminalem Krebs. Der Arzt hatte ihm maximal drei Monate gegeben. Er trennte sich daraufhin von all seinem Hab und Gut, verkaufte sein Haus und ging auf Weltreise. Er wollte nun endlich umsetzen, wofür er sich sein Leben lang keine Zeit genommen hatte. Nach seiner Heimkehr wollte er den Rest seines Geldes verschenken und sich auf das Sterben vorbereiten. Als er zurückkam, war der Krebs jedoch weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geschichte hat mir ein Kollege erzählt, der meinte, so etwas wäre eigentlich nicht möglich. Ebenso sah es die Uni-Klinik, in der er behandelt wurde. In der Schulmedizin nennt man das ‚Spontanheilung’. ‚Placebo-Effekt’ und ‚Spontanheilungen’ sind Begriffe, die zeigen, dass man sich in der Schulmedizin nicht mit Wirkfaktoren auseinandersetzen möchte, die etwas differenzierter sind und Spiritualität mit einbeziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur Anthroposophischen Medizin, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ICH-WESEN UND WESEN DER HEILWIRKUNGEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worauf basieren die Phänomene ‚Selbstheilung und ‚Selbstregulation‘?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie korrespondieren das Ich-Wesen des Menschen und das Wesen der Heilwirkungen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern ist der Mensch direkt für den Fortgang der Evolution verantwortlich?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ich-Organisation und Selbstregulation&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel VII von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; wird das Wesen der Heilwirkungen in unmittelbarer Anknüpfung an das bisher über die physiologischen Prozesse und deren Steuerung durch die Wesensglieder Dargestellte beleuchtet. In Kap. V beispielsweise wurde erklärt, inwiefern die Entwicklungspotentiale der natürlichen Evolution mit der Entstehung der ‚defizitären‘ menschlichen Konstitution an ihr Ende kommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Kap. VII nun gehen die Autoren auf eine weitere Besonderheit des Menschen ein – seine „systemimmanente Offenheit“, die eine Voraussetzung für die Entwicklung des seelisch-geistigen Potential ist: &#039;&#039;„Die menschliche Gesamtorganisation ist nicht ein in sich abgeschlossenes System von ineinandergreifenden Vorgängen. Wäre sie das, sie könnte nicht der Träger des Seelischen und Geistigen sein.“[2]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Phänomene ‚Selbstregulation‘ und ‚Selbstheilungskräfte‘ weisen auf die vielen inzwischen bekannten Einflussfaktoren, wie der Mensch die eigene Gesundheit körperlich, seelisch und geistig selbst beeinflussen kann.[3] Die auch von einzelnen Krankenkassen bereits beachtete Präventionsforschung sowie die daraus resultierenden Präventionsprogramme sind dadurch inspiriert. Aus anthroposophischer Sicht ist es letztlich die Ich-Organisation, die für Art und Umfang der Selbstregulation verantwortlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Das Wesen der Heilwirkungen in Mensch und Substanz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das im Titel von Kapitel VII angesprochene ‚Wesen der Heilwirkungen‘ bezieht sich zum einen auf das Ich-Wesen des Menschen selbst und zum anderen auf das Wesenhafte der Substanzbildung durch die Abbau- und Aufbauvorgänge, für deren Qualität die Ich-Organisation ebenfalls verantwortlich ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Begrifflichkeit ‚Substanz‘ hat im Lateinischen die Konnotation des sub, d.h. des ‚darunter‘ liegenden Materiellen. Im Griechischen hat das Wort ουσια noch die Doppelbedeutung von ‚Wesen‘ und ‚Substanz‘:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* D.h. die im Nervensystem zerfallende Substanz &#039;&#039;&#039;entlässt geistige Formkraft&#039;&#039;&#039;, geistig Wesenhaftes. Hier wird die Ich-Organisation zum Träger des bewussten Geisteslebens.&lt;br /&gt;
* Im Gewebeaufbau aus dem Blut hingegen &#039;&#039;&#039;werden gestaltende Formkräfte aufgenommen&#039;&#039;&#039;. Hier wird die im unbewussten Körperleben schaffende Ich-Organisation im Substanzstrom von Blutgewebe und Muttermilch wie getragen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Dreifache Entfremdung der Substanz im Menschen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im Kapitel I war das Schicksal der Substanz im menschlichen Organismus als ein dreifacher Entfremdungsprozess geschildert worden. Diese Begrifflichkeit mag zunächst erstaunen, ist aber sehr präzise gemeint. Im Zuge des Verdauungsprozesses wird die Nahrungssubstanz aus dem Lebenszusammenhang von Pflanze und Tier heraus in den abgebauten mineralischen Zustand versetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# In der &#039;&#039;&#039;Neubelebung&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;durch den Ätherleib&#039;&#039; des Menschen geschieht ein erster Entfremdungsschritt. &lt;br /&gt;
# In dem darauffolgenden Prozess der &#039;&#039;&#039;Durchseelung&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;durch den Astralleib&#039;&#039; wird die Substanz weiter ihrem mineralischen Zustand entfremdet.&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;Durch die Arbeit der Ich-Organisation&#039;&#039; an der Substanz erreicht sie ihre höchste Entfremdungsstufe vom Physisch-Mineralischen, indem sie &#039;&#039;&#039;Geist tragend&#039;&#039;&#039; wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Dienst der Ich-Organisation kommt die Substanz sozusagen wieder aus der Fremde ‚nach Hause‘, indem sie erneut zum Wärmezustand vergeistigt wird und nicht mehr stofflich fassbar ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Selbstheilungskräfte (aus dem Blut) aktivieren lernen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel VII werden die Selbstheilungskräfte nicht mit Blick auf ihre Funktion als körperliche Schutz- und Abwehrmechanismen des Immunsystems geschildert. Vielmehr werden sie als diejenigen Kräfte dargestellt, die dem Blut innewohnen, das den dreigliedrigen Organismus versorgt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* einerseits in Form der &#039;&#039;&#039;weißen Blutzellen&#039;&#039;&#039;, die für die körperliche Abwehr verantwortlich sind, &lt;br /&gt;
* insbesondere aber auch in Form der &#039;&#039;&#039;Tätigkeit der roten Blutkörperchen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* und der &#039;&#039;&#039;übrigen Bestandteile des Blutes&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Blut als Ganzes ist als Instrument der Ich-Organisation Träger der Selbstheilungskräfte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fortgang der Evolution wird maßgeblich von der Art und Weise mitbestimmt werden, wie der Mensch seine von der Natur emanzipierten ‚außerkörperlich‘ wirksamen seelisch-geistigen Potentiale handhabt – zum Segen oder Schaden seiner Mitwelt und seiner selbst. So trägt auch die Art des Umgangs mit dem eigenen Gedanken-, Gefühls- und Willenspotenzial zur Stärkung oder zur Schwächung der Regulationsfähigkeit der Ich-Organisation bei, was sich langfristig auf die gesamte weitere Entwicklung des betreffenden Menschen auswirkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist interessant, dass Rudolf Steiner und Ita Wegman in diesem Kapitel, das den Selbstheilungskräften gewidmet ist, &#039;&#039;„Stockungen im Unterleibe“[4]&#039;&#039; als Beispiel für die unzureichende Heilwirkung des Organismus anführen. Sehr oft sind Verstopfungssymptome und Darm-Koliken Ernährungs- und lebensstilbedingte Verdauungsstörungen, d.h. Probleme, deren Lösung in der Selbstverantwortung liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[5]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27, Kap. VII.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Siehe FN 1, S. 38.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Esch (2017).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe FN 1, S. 40.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== HEILENDE VERBINDUNG VON MENSCH UND NATUR ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern stehen Mensch und Natur in einer heilsamen Verbindung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Naturstoffe zur Arzneimittelherstellung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Natur ist nicht nur Lebensraum und Existenzgrundlage des Menschen. Ihre Stoffe und Kräfte liegen auch einer Fülle von Arzneimitteln zugrunde. Anthroposophische Arzneimittel sollen dazu beitragen, dass der Organismus – wann immer sinnvoll und möglich – in die Lage versetzt wird, eine Krankheit aus eigener Kraft zu überwinden. Sie stärken die gesundenden Kräfte und sind also vor allem darauf orientiert, die Körperfunktionen wieder ins Gleichgewicht zu bringen und die Abwehrkräfte zu stärken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der anthroposophischen Arzneimittelherstellung werden mineralische, pflanzliche, metallische und tierische Ausgangsstoffe verwendet: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gängige mineralische Substanzen sind u.a. Quarz, Schwefel oder Kalk.&lt;br /&gt;
* Bekannte Heilpflanzen sind z.B. Arnika, gelber Enzian oder Kamille.&lt;br /&gt;
* Als Metalle kommen häufig Gold, Silber, Kupfer, Eisen und Zinn in potenzierter Form zum Einsatz.&lt;br /&gt;
* Zu den tierischen Ausgangssubstanzen gehören z. B. Insektengifte von Biene, Ameise, Hornisse sowie Organextrakte von Säugetieren (aus Leber, Thymusdrüse, Nieren, Nerven u.a.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Reicher Arzneimittelschatz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Alle anthroposophischen Medikamente werden nach komplexen Vorgaben der von Rudolf Steiner und Ita Wegman begründeten anthroposophischen Medizin hergestellt.[1] Die meisten Ausgangsstoffe werden in hoher Verdünnung (homöopathisch potenziert) eingesetzt, nur sehr selten konzentriert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophische Arzneimittel enthalten häufig mehrere Inhaltsstoffe. Diese sind nicht nur kombiniert, sondern komponiert. Wie bei einem Orchester, so kommt es auch bei einem zusammengesetzten Arzneimittel darauf an, in welchen Anteilen die verschiedenen Einzelkomponenten gemischt sind. In dieser Art gemischt, ergeben sie eine andere Wirkung denn als Einzelbestandteile. So wie ein Orchester anders klingt als eine Violine allein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anthroposophische Arzneimittelschatz umfasst etwa 2000 Substanzen, Kombinationen und eine Vielzahl von Darreichungsformen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ampullen, Augentropfen, Dilutionen, Einreibungen (ölige), Emulsionen, flüssige Verdünnungen, Flüssigkeiten zur Inhalation, Flüssigkeiten zur äußeren Anwendung, Gelate, Globuli, Granulate, Injektionen, Kapseln, Lotionen, Metallspiegelfolien, Mischungen, Nasentropfen (ölige), Öle, Pasten, Pflaster, Puder, Pulver, Salben (fettarm), Salben, Sirup, Tabletten, Tees, Tinkturen zum äußeren Gebrauch, Triturationen, Tropfen, Vaginalglobuli, Vaginaltabletten, Verdünnungen (wässrige), Zäpfchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Der Mensch als umgekehrte Pflanze&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aus anthroposophischer Sicht gleicht der Mensch einer umgekehrten Pflanze: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* So wie der Mensch seine Nahrung – in Form von Nahrungsmitteln, aber auch als „seelische“ oder „geistige“ Nahrung in Form von Gedanken, Worten, Tatsachen aus Kunst und Wissenschaft, über den Kopf – aufnimmt, so versorgt sich die Pflanze über ihre Wurzeln mit den nötigen Nährstoffen.&lt;br /&gt;
* Umgekehrt verhält es sich mit der Fortpflanzungsregion. Diese ist bei der Pflanze oben, Luft und Licht gegenüber geöffnet, wohingegen sie beim Menschen nach unten und innen gelagert ist, zur Erde hin.&lt;br /&gt;
* Beiden gemeinsam ist, dass in der Mitte – bei der Pflanze über die Blätter, beim Menschen über die rhythmischen Funktionen von Atmung und Kreislauf – der Gasaustausch stattfindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Umgekehrte Wirkung der Pflanze auf den Menschen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
So wirken die Anwendungen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* von &#039;&#039;Wurzeln&#039;&#039; unterstützend und heilend bei Erkrankungen der &#039;&#039;Kopf- und Nerven-Sinnesorganisation&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* Teeabkochungen und -zubereitungen aus &#039;&#039;Blättern&#039;&#039; bei Störungen der &#039;&#039;rhythmischen Funktionen&#039;&#039; (insbesondere von Herz und Lunge),&lt;br /&gt;
* Zubereitungen aus &#039;&#039;Früchten&#039;&#039; bei &#039;&#039;Stoffwechsel- und Verdauungsstörungen&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entsprechendes gilt für die Ernährung. Wer darauf achtet, dass der Anteil von Wurzeln, Blattgemüse, Früchten und Samen ausgewogen ist, sorgt für eine an den Bedürfnissen des ganzen Körpers orientierte Ernährung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim therapeutischen Einsatz von mineralischen, pflanzlichen und tierischen Substanzen gilt es, „die Weltaufgabe dieser Substanzen zu verstehen“. Steiner regte an zu erforschen, welche Aufgabe ein bestimmtes chemisches Element oder eine Stoffkombination wie Wasser, Salz, Asche, Gerbstoffe oder Pyrit im Haushalt der Natur innehat. Die Signatur dieser Aufgabe bzw. Tätigkeit sagt auch aus, welche Wirkung die betreffende Substanz im menschlichen Organismus entfalten kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Menschen als Mikrokosmos kennenzulernen im Kontext der großen Weltentwicklung mit ihren Prozessen und Stoffzusammenhängen – nach alter Tradition Makrokosmos genannt – ist der Schlüssel zum Verständnis der anthroposophischen Arzneitherapie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Artikel in der Deutschen Apothekerzeitung DAZ Nr. 39, 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Seiner und Ita Wegmann, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27, Dornach 1935.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== SUBSTANZ-ERKENNTNIS ALS GRUNDLAGE FÜR HEILMITTEL-ERKENNTNIS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was meint Rudolf Steiner mit der Weltenaufgabe der Substanzen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was wird anhand der Beispiele Ameisensäure und Oxalsäure im Hinblick auf ihre Wirkung im Zellstoffwechsel aufgezeigt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern muss der Organismus als Tätigkeitszusammenhang begriffen werden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Weltenaufgabe der Substanzen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel XVII von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; liegt der Fokus auf einer konsequent prozessorientierten Substanz-Erkenntnis, über die Rudolf Steiner im Ärztekurs für die jungen Mediziner schreibt, dass es die Aufgabe des Arztes sei, &#039;&#039;„die Weltenaufgaben der Substanzen zu erkennen“.[2]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;„Grundlegendes…“&#039;&#039; formulieren die Autoren es so: &#039;&#039;„Wer die Wirkung von Heilmitteln beurteilen will, muss ein Auge haben für die Kräftewirkungen, die sich im menschlichen Organismus ergeben, wenn eine Substanz, die außer demselben gewisse Wirkungen zeigt, in irgendeiner Art in ihn eingeführt wird.“&#039;&#039;&#039;[3]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Etwas von dieser ‚Weltenaufgabe‘ wird dort anhand der Ameisensäure und der Kleesäure aufgezeigt und damit auf die Bedeutung dieser Blickrichtung für bestimmte Prozesse im menschlichen Zellstoffwechsel hingewiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Beispiel: Aufgabe der Ameisensäure ====&lt;br /&gt;
Ameisensäure wird vom Menschen mit der Nahrung in der Regel nicht aufgenommen. Sie wird im Tierreich gebildet und als Abwehrstoff, insbesondere der Insekten, ausgeschieden – selten auch bei Pflanzen, wie z.B. in den Brennhaaren der Brennnesseln. Ihre ‚Weltaufgabe‘ ist inzwischen gut erforscht: Die rote Waldameise ist für die Gesunderhaltung der Wälder unentbehrlich. Sie steht daher auch unter Naturschutz, seitdem man ihre Bedeutung für die ‚Lebensgemeinschaft Wald‘ erkannt hat. Um einen Ameisenbau herum vernichtet jedes Volk pro Tag zehntausende Schädlinge bzw. deren Larven und Raupen (wie z.B. Borkenkäfer- und Blattwespenlarven) sowie Kadaver und Pilzmyzel in morschem Holz. So hilft die Ameisensäure dem Mikrobiom des Bodens, die verwesenden Pflanzenreste und das modernde Holz zu verarbeiten. Auch verbreiten Ameisen auf ihren Wegen tausende von Samen und tragen so zur Vielfalt im Wald bei sowie zur Verbesserung der Bodenbeschaffenheit. Instrument für ihre wertvollen reinigenden Tätigkeiten ist die Ameisensäure mit ihrer aggressiven Toxizität.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Beispiel: Aufgabe der Oxalsäure ====&lt;br /&gt;
Die Oxal- bzw. Kleesäure hingegen findet sich in allen Pflanzen und den meisten Bakterien und in unterschiedlichen Mengen in vielen Nahrungsmitteln wie z.B. in schwarzem Tee, Mangold oder Rhabarber. Nach der Aufnahme muss sie dann im Organismus zu ausscheidungsfähigen Endprodukten abgebaut werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein ‚Zuviel‘ führt zusammen mit Calcium im Darm zu schwer löslichen Salzen (Oxalaten), was Anlass geben kann für die Bildung von Blasen- und Nierensteinen. Oxalsäure ist ein pflanzliches Gift – für den Menschen können bereits Gramm-Mengen tödlich sein.[5] Als Kalzium-, Magnesium- oder Kaliumsalze sind die Oxalate allgegenwärtig und aus dem Zellstoffwechsel der Lebewesen nicht wegzudenken – bis hin zu den meisten Pilzen und Bakterien. Im Gegensatz zur Ameisensäure entfaltet die Oxalsäure ihre Wirkung nicht in dem Zwischenbereich zwischen dem Mineralisch-Physischen und dem Ätherisch-Lebendigen. Sie hat ihre Aufgabe in der Lebenswelt der Pflanzen – aber als Giftsubstanz im Grenzgebiet zum astralischen Kräftebereich. Da Gifte auch in schwacher Dosierung immer lebensfeindlich sind, regen sie den Organismus dazu an, auf unterschiedlichen Wegen diese Gifte schnellstmöglich abzubauen oder in Verbindung mit anderen Substanzen unschädlich zu machen. Diese Abbauvorgänge dienen im Organismus der Tiere und der Menschen der Bewusstseinsbildung, die sich, wie mehrfach erwähnt, auf Abbauvorgänge stützt.[6]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Biochemisch handelt es sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* bei der &#039;&#039;&#039;Ameisensäure&#039;&#039;&#039; um die einfachste Monocarbonsäure (Formica, HCOOH, ihre Salze heißen Formiate)  &lt;br /&gt;
* und bei der &#039;&#039;&#039;Oxal- bzw.&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Kleesäure&#039;&#039;&#039; und die einfachste Dicarbonsäure (Acidum oxalicum, HOOC-CO-CH2-COOH, ihre Salze heißen Oxalate).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Notwendige Verwandlung von Oxalsäure in Ameisensäure&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner hat erstaunlich oft über Bedeutung der biochemischen Verwandlung von Oxal- in Ameisensäure gesprochen.[7] Den Prozess der Bildung von Oxalsäure, der hauptsächlich in den Verdauungsorganen stattfände, hielt er für eine notwendige Grundlage dafür, dass der Mensch überhaupt leben könne – grundlegend also dafür, dass die Ätherkräfte zur Wirksamkeit kommen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihre Umwandlung in Ameisensäure aber sei eine entsprechende Grundlage für das Wirksamwerden der astralischen Kräfte in der physisch-ätherischen Konstitution. In einem Ärztevortrag führt er weiter aus, dass man im Falle der Ameisensäure dahin kommen müsse, zu erkennen, dass sie im Menschen, wie auch draußen in der Natur, die Aufgabe hat, gegenüber den Prozessen des Alterns, des Absterbens und des Vermoderns immer wieder weiteres Leben, weitere Entwicklung zu ermöglichen.[8] Auch führt er aus, dass &#039;&#039;„die heutige Physiologie“&#039;&#039; diese Prozesse erst finden müsse.[9]&amp;lt;sup&amp;gt;,&amp;lt;/sup&amp;gt; [10]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner und Wegman sahen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* in der &#039;&#039;&#039;Ameisensäure&#039;&#039;&#039; die Schlüsselsubstanz im Stoffwechsel des tierischen Organismus &lt;br /&gt;
* und in der &#039;&#039;&#039;Oxalsäure&#039;&#039;&#039; die Schlüsselsubstanz im pflanzlichen Zell-Metabolismus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Organismus als Tätigkeitszusammenhang begriffen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Abs. 2 wird deutlich gemacht, wie entscheidend es für einen Organismus ist, eine Substanz nicht nur zu besitzen, sondern auch den Bildeprozess zum Aufbau dieser Substanz zu leisten. Im Tun liegt das Wesen des Organismus, nicht in seinen Substanzen. Der Organismus ist nicht ein Stoffzusammenhang, sondern ein Tätigkeitszusammenhang. Der Stoff trägt den Anreiz zur Tätigkeit in sich. Hat er diesen Anreiz verloren, so hat er für die Organisation keine weitere Bedeutung.[11]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter diesem Gesichtspunkt kann auch die jeweilige Aufgabe der Ameisensäure und der Kleesäure im menschlichen Organismus verstanden werden. Hier ‚dienen‘ diese Substanzen der Ich-Organisation: &#039;&#039;„Die Ich-Organisation braucht diesen Übergang der organischen Substanz in den leblosen Zustand. Aber sie braucht eben den Vorgang des Überganges; nicht, was dann durch den Übergang entsteht. Ist nun das nach dem Leblosen hin sich Entwickelnde gebildet, so wird es im Innern des Organismus zur Last. Es muss entweder unmittelbar abgesondert werden, oder aufgelöst, um mittelbar hinwegzukommen. Geschieht nun für etwas, das aufgelöst werden sollte, diese Auflösung nicht, so häuft es sich im Organismus an und kann die Grundlage für gichtische oder rheumatische Zustände bilden.“[12]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Biologie werden die Phänomene dieses Übergangs zwischen Abbau und Aufbau im Falle der Gesundheit als metabolische Homöostase beschrieben, wobei deren ‚Regulator‘ ein noch nicht gefundener Faktor ist. Es wird aber das Erstaunen zum Ausdruck gebracht darüber, dass unabhängig davon, was und wie viel man gerade isst oder nicht und wie viel Oxalacetat gerade mit der Nahrung aufgenommen hat oder nicht, die Substanzen im sogenannten Stoffwechsel-Pol der Zellen konstant gehalten werden. D.h. in den Zellen sind die Enzyme des Katabolismus (Abbau) und Anabolismus (Aufbau) normalerweise derart reguliert, dass ein Gleichgewicht gewahrt bleibt. Wird dieses Gleichgewicht jedoch gestört, bedeutet dies den Beginn krankhafter Prozesse.[13]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[14]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, Ga 27, Kap. XVII.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Meditative Betrachtungen und Anleitungen zur Vertiefung der Heilkunst. Vorträge für Ärzte und Medizinstudierende,&#039;&#039; GA 316, S. 22.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Siehe FN 1, S. 82.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Der Kern eines Ameisenhaufens ist meist in alten Wurzelstöcken von Nadelhölzern oder Eichenstämmen angesiedelt; das Zusammenleben in der Ameisenkolonie ist ausgeprägt sozial. Eine Königin lebt bis zu 20 Jahre, Arbeitsameisen 5–6 Jahre. Sie entwickeln sich in klar definierten Temperaturbereichen (Ameisenpuppen brauchen 31°, Larven 28°, die Entwicklung der Eier nur 25°). Vgl. Jirikowski (2010), 105–107.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. Wollrab (2014), 621.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Vgl. Wolff (2013), 85, 263–269.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Mysteriengestaltungen,&#039;&#039; GA 232, 13. Vortrag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Vgl. FN 1, S. 22f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. FN 11, S. 193–195.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Dazu muss aus anthroposophisch-medizinischer Sicht gesagt werden, dass die geisteswissenschaftliche Biochemie, für die Hauschka und Wolff die Grundlagen erarbeitet haben (Vgl. Hauschka 2007, Wolff 2013), auf dem jeweils neuesten Stand der biochemischen Forschung weiter erarbeitet werden muss. Denn die Zusammenschau der Wesensglieder-Tätigkeiten als ganzheitliche Regulatoren und die immense Faktenfülle der molekulargenetischen Einsichten in das hochkomplexe Regelkreisgeschehen der Zellatmung ist für eine umfassende Integrativmedizin unverzichtbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Siehe FN 1, S. 82.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13]  Vgl. Sadava u. a. (2019), 265–271.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ANTHROPOSOPHISCHE HEILMITTEL-ERKENNTNIS AM BEISPIEL VON ANTIMON ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welcher Blickwinkel ist grundlegend im Hinblick auf die anthroposophische Heilmittel-Erkenntnis?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern weist Antimon Ähnlichkeiten mit dem Ätherischen auf?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wird es, auch in Kombination mit Schwefel, therapeutisch eingesetzt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wirksamkeit von Substanzen im Kontext irdisch-menschlicher Kraftsysteme&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Kapitel XVI von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; geht es um anthroposophischen Heilmittel-Erkenntnis. Die Grundlage davon ist der Blick auf das Verhalten bzw. die Wirksamkeit einer Substanz im Bereich der in Kapitel I geschilderten Kraftsysteme. Dabei geht es insbesondere um die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* von der Erde ausstrahlenden &lt;br /&gt;
* und in sie einstrahlenden Kräfte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„[...] es kommt darauf an, die Wirkungen zu beobachten, die sich aus dem Zusammenhange der inneren Kräftekonstitution einer Substanz im Verhältnis zu den Kräften ergeben, die von der Erde ausstrahlen oder in sie einstrahlen.“[2]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Antimon, Schwefel und die Austernschalenbildung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Diese Wirkungen werden am Beispiel des Antimons in seiner Beziehung zum Schwefel in Form des in der Natur vorkommenden Grauspießglanzes aufgezeigt (Sb2 S3, auch als Antimonit bzw. Stibnit bekannt), sowie an der Austernschalenbildung, die zum Verständnis der Typhusbehandlung beiträgt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Antimon ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Antimon&#039;&#039; kam bereits in der ägyptischen Medizin zur Anwendung, nimmt bei Paracelsus eine zentrale Stellung ein und hat bis in die Gegenwart immer neue Einsatzmöglichkeiten erfahren. Chemisch ist es dem Arsen verwandt und eine Menge von 100 mg bis etwa 1200 mg kann bereits tödlich sein. Eine gute Übersicht über seine Verwendung – einschließlich in der Anthroposophischen Medizin – findet sich bei &#039;&#039;Marxer[3]&#039;&#039; Die Bezeichnungen Antimon und Stibium für das chemische Symbol Sb stammen von den lateinischen Wörtern &#039;&#039;antimonium&#039;&#039; und &#039;&#039;stibium&#039;&#039; ab, die schon im Altertum für den Grauspießglanz verwendet wurden.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Schwefel ====&lt;br /&gt;
Schwefel ist eines der seltenen Minerale, die in kristallisierten polymorphen Formen in der Natur rein vorkommen und in der Struktur der orthorhombischen Raumgruppe Fddd die typisch gelbe α-Kristallform zeigen. Schwefel steht mit einem Anteil von geschätzt 0,048 Gew.-% an 15. Stelle unter den häufigsten Elementen der uns bekannten Erdkruste. Er wurde in Kometenschweifen nachgewiesen, ist auf der Erde zum einen vulkanischen Ursprungs und stammt zum anderen aus der Biosphäre von Bakterien, die aus schwefelhaltigen Mineralien Schwefel aufnehmen und Sedimente bilden sowie von Pflanze, Tier und Mensch, da er im Eiweißaufbau durch die beiden schwefelhaltigen Aminosäuren &#039;&#039;Cystin&#039;&#039; und &#039;&#039;Methionin&#039;&#039; festgebunden ist. Durch seinen niedrigen Schmelzpunkt und seine Fähigkeit zu sublimieren, verbindet er sich leicht über Luft und Wasser mit anderen Substanzen und realisiert so den alle Reiche der Natur verbindenden Schwefelkreislauf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Symptomatisch dafür ist auch eine ungewöhnliche mechanische Eigenschaft der Grausspießglanz-Kristalle: Sie zeigen eine auch an größeren Kristallen bei geringem Kraftaufwand fühlbare Biegsamkeit. Diese beruht auf einer geregelten innerkristallinen Gleitung, wie sie auch beim Eis und beim Steinsalz vorliegt – Substanzen, die für alle Lebewesen essenziell sind.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Austernschale ====&lt;br /&gt;
Die Austernschale ist als komplexes Kalkmineral schützendes Außenskelett der Auster und damit ein Mineral, ausgeschieden aus dem Lebensprozess eines Tieres bzw. einer Muschel. In ihrer therapeutischen Verwendung ist sie insbesondere in der Homöopathie bekannt mit dem Arzneimittelbild &#039;&#039;Calcium carbonicum&#039;&#039;. Sie wird zu den Vielkönnern oder Polychresten gezählt (von gr: πολύς - viel und χρηστός  - brauchbar).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Hinweise auf die Verwandtschaft von Antimon mit dem Ätherischen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Zusammenwirken von Zentral- und Universalkräften ====&lt;br /&gt;
Dadurch, dass das Antimon sich leicht und stabil mit dem Schwefel zu den orthorhombisch geformten Grauspießglanz/Antimonit-Kristallen verbindet, kann es die Neigung des Schwefels, in der Welt des Lebendigen aktiv zu werden und dadurch auch im Sinne der auf die Erde einstrahlenden ätherischen Kräfte zu wirken, unterstützen. Unter diesem Aspekt ist die Art und Weise, wie das Antimon in seiner Verbindung mit dem Schwefel kristallisiert, charakteristisch. Es kristallisiert in prismatisch-nadeligen grauschwarzen Kristallen, von feinst ziseliert bis zentimeterstark, immer von einem Zentrum weg – wenn der Kristallisationsprozess nicht durch äußere Umstände gestört wird. Dabei erstrecken sich die Antimonit-Nadeln radial in die Peripherie, wobei die Länge der Kristalle durchaus auch 1 m überschreiten kann. Wo er nur kann, strebt Antimonit die büschelförmige Gestaltung an. Er gliedert sich damit in Linien, die von der Erde weg- und den Kräften entgegenstreben, die im Äther wirken. Durch diese Kristallisationsweise bringt das Antimon das Zusammenwirken der Zentral- und der Universalkräfte wie archetypisch zum Ausdruck.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man bringt mit dem Antimon somit etwas in den menschlichen Organismus, das der Wirkung des Ätherleibes auf halbem Wege entgegenkommt.[6] Antimon kann dadurch im Körper die eiweißbildenden Kräfte zusammenhalten und so die Tätigkeit der Ich-Organisation im Eiweißaufbau unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Feinfaserigkeit durch Seigern ====&lt;br /&gt;
Auch dasjenige, was im Seigerprozess mit dem Antimon vor sich geht, weist auf die Äther-Verwandtschaft dieses Stoffes hin. ‚Seigern‘ kommt von dem gegenwärtig nicht mehr oft gebrauchten Wort etwas z.B. durch ein Sieb ‚durchseien‘. Unter ‚Seigerungen‘ versteht man daher Trennprozesse in gemischtem Schmelzgut. Es wird durch diesen Prozess feinfaserig.[7]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Niedriger Schmelzpunkt ====&lt;br /&gt;
Da das Antimon bereits bei 547° schmilzt, fließt es auf schräger Unterlage leicht aus dem Antimon haltigen Schmelzgut heraus, wo es dann bei Abkühlung zu 92–98 % reinem &#039;&#039;antimonium crudum&#039;&#039; kristallisiert.[8] Der niedrige Schmelzpunkt von 547° zeigt zudem die Nähe dieser mineralischen Substanz zum flüssigen Aggregatzustand, in dem die ätherischen Kräfte ihre Wirkung entfalten können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor diesem Hintergrund heißt es in dem oben erwähnten Werk:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Alles dieses zeigt, dass im Antimon die Tendenz enthalten ist, in das Ätherelement in dem Augenblick leicht überzugehen, in dem dazu die Bedingungen auch nur in geringem Grade vorhanden sind. Dem geistigen Schauen gelten alle diese Einzelheiten nur als Andeutungen; denn dieses nimmt die Beziehung zwischen Ich-Tätigkeit und Antimon-Wirksamkeit unmittelbar so wahr, dass die Antimonprozesse, in den menschlichen Organismus gebracht, so wirken, wie die Ich-Organisation.“[9]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zwei Indikationen als Beispiele für den Einsatz von Antimon&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aus dem breiten Spektrum der therapeutischen Einsatzmöglichkeiten werden nun zwei Indikationsgebiete an die Schilderung des Arzneimittelbildes angeschlossen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;&#039;Blutgerinnungsstörungen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
# und &#039;&#039;&#039;Typhus abdominalis/Parathyphus&#039;&#039;&#039;, eine gefährliche bakterielle Infektionskrankheit des Magen-Darmtraktes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während eine Therapie mit &#039;&#039;Antimon&#039;&#039; oder &#039;&#039;Stibium metallicum praep.&#039;&#039; bei Blutungsneigung aus der Darstellung des Arzneimittelbildes unmittelbar hervorgeht, ist dies für den Thyphus nicht so ohne weiteres ersichtlich – zumal dieser ja heute erfolgreich antibiotisch behandelt werden kann (Sterblichkeitsrate unter 1 %) und die Impfung bei Einreise in betroffene Gebiete empfohlen wird.[10]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Arzneimittelbild der Austernschale und Typhus&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was macht also eine Begleitbehandlung oder Alternativbehandlung zur Vermeidung des Einsatzes von Antibiotika sinnvoll?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um dies zu verstehen, braucht es – wie oben bereits angedeutet – zum Vergleich das Arzneimittelbild der Austernschale. Hier liegt ein Naturprozess vor, der etwas vollzieht, was für die Muschel richtig ist, für den Menschen aber zur Ursache typhöser Durchfall-Erkrankungen werden kann. Die Auster sondert in ihre Schale das kalkartig Mineralische ab:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Bei der Auster wird das Kalkartige abgesondert, um es der Eiweißwirkung nicht einzugliedern. Im menschlichen Organismus muss diese Eingliederung stattfinden. Die bloße Eiweißwirkung muss in eine solche umgewandelt werden, in der mitwirkt, was im Kalkartigen durch die Ich-Organisation an gestaltenden Kräften hervorgerufen werden kann. Das muss sich innerhalb der Blutbildung abspielen. Das Antimon wirkt der kalkausscheidenden Kraft entgegen und führt das Eiweiß, das seine Form bewahren will, durch seine Verwandtschaft mit dem Äther-Elemente in die Formlosigkeit hinüber, die für die Einflüsse des Kalkartigen oder Ähnlichem empfänglich ist.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Beim Typhus ist es klar, dass der krankhafte Zustand in einer mangelnden Überführung der Eiweißsubstanz in gestaltungsfähige Blutsubstanz besteht. Die Form der Diarrhöen, die auftritt, zeigt, dass schon im Darm die Unfähigkeit zu dieser Umwandlung beginnt.“[11]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[12]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ebenda, S. 77.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Vgl. Marxer (2000), siehe www.pharmazeutische-zeitung.de/titel-10- 2000; [6.1.2025].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Vgl. Holleman und Wiberg (2017), 940.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. Wimmenauer (1992), 223.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Siehe FN 1, S. 78.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Vgl. Holleman und Wiberg (2017), 942.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Siehe FN 1, S. 78f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Typhus ist weltweit verbreitet – besonders in warmen Ländern. Er wird durch kontaminierte Lebensmittel bzw. Trinkwasser übertragen und ist eine schwere Allgemeinerkrankung, die durch das Bakterium Salmonella typhi ausgelöst wird. Als Paratyphus bezeichnet man ein abgeschwächtes Krankheitsbild, dessen Erreger Salmonella Paratyphi A, B oder C ist. Übertragen wird die Infektion durch Trinkwasser oder Lebensmittel, die mit Fäkalien von infizierten Personen verunreinigt wurden. Leitsymptome sind hohes Fieber, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, langsamer Puls, trockener Husten, Bauchschmerzen, Milzvergrößerung und manchmal ein blasser, kleinfleckiger Ausschlag am Körper. Ein milder Verlauf ist möglich, doch manchmal kommt es zu schweren Komplikationen wie massiven Darmblutungen oder Abszessen in verschiedenen Organen. Durch den Einsatz von Antibiotika kann die Sterblichkeit auf unter 1% gesenkt werden. In Deutschland ist die Krankheit meldepflichtig – dem Bundesamt für Gesundheit werden pro Jahr zwischen 20 und 50 Fälle gemeldet. Wichtigste Mittel zur Vorbeugung sind Körperhygiene und Verzicht auf frische Salate und ungeschältes Obst – nach dem Ernährungsmotto: Cook it, peel it or forget it. Siehe www.bag.admin.ch/bag/de/home/krankheiten/krankheiten-im-ueberblick/typhus-abdominalis-paratyphus.html; [6.1.2025].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Siehe FN 1, S. 80.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ARZNEIMITTEL-SUBSTANZGRUPPEN UND WESENSGLIEDER ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Auf welchen Ebenen und worüber ist der Mensch mit der Natur innig verbunden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Naturanteile machen seine Konstitution aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wesensglieder und ihre Einbettung in die Natur&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Physischer Leib und Natur ====&lt;br /&gt;
Schon ein oberflächlicher Blick auf die Verbundenheit von Natur und Mensch zeigt, wie der Mensch die kristallinen Strukturen seines Körpers mit den Mineralien der ihn umgebenden Natur gemeinsam hat. Dieser sichtbare, mineralisch erscheinende Leib wird in der anthroposophischen Menschenkunde „Physischer Leib“ genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ätherleib und Natur ====&lt;br /&gt;
Werden und Vergehen, Leben und Sterben hat der Mensch mit der Pflanzenwelt gemeinsam. Diese Gesetzmäßigkeiten in ihrem Zusammenhang nennt Steiner „Ätherleib“, weil ohne das blaue Himmelslicht (griechisch o aither) kein Leben auf der Erde möglich wäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Astralleib und Natur ====&lt;br /&gt;
Atmung, Bewegung, Bewusstsein, Schmerz und Triebleben hat der Mensch mit den Tieren gemeinsam. Diese das Seelenleben konstituierenden Gesetze heißen in ihrer Gesamtheit „Astralleib“ von aster, lateinisch Stern. Die menschliche Seele fühlt sich der Sternenwelt mit ihren Rhythmen und Konstellationen verwandt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Rein menschliche Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Die Fähigkeit jedoch, lebenslang lernen und immer wieder neu und anders kulturschöpferisch tätig sein zu können, ist spezifisch menschlich. Daher gibt Steiner diesem die „Ich-Natur“ des Menschen möglich machenden Gesetzes-Zusammenhang den Namen „Ich-Organisation“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Mensch durch diese vier verschiedenen Gesetzes-Zusammenhänge sein Wesen sowohl integriert als auch differenziert äußern kann, gab Steiner ihnen den Namen „Wesensglieder“.[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Arzneimittelwirkung auf die Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Substanzgruppen aus dem Mineral-, Pflanzen-, Tier- und Menschenreich haben einen therapeutischen Bezug zu diesen Wesensgliedern:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Menschliche Substanz wie Muttermilch und in Form einer Blutspende stützt und erhält den physischen Leib.&lt;br /&gt;
* Präparate aus dem Tierreich regen den Ätherleib zu verstärkter Tätigkeit an,&lt;br /&gt;
* pflanzliche Arzneimittel wirken regulierend auf den Astralleib&lt;br /&gt;
* und Metalle und Mineralien auf die Ich-Organisation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Potenzierungsstufen und Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Auch die Potenzierungsstufen der nach homöopathischem Verfahren hergestellten Arzneimittel haben ihren Bezug zu den Wesensgliedern:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D1 – D4:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;physischen Organismus&#039;&#039; und seines Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D5 – D8:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;ätherischen Organismus&#039;&#039; und seines Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D10 – D15:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;astralischen Organismus&#039;&#039; und seines Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D20 – D60:&#039;&#039;&#039; Anregung der &#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039; und ihres Kräftezusammenhangs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Bezug auf die Dreigliederung des menschlichen Organismus gilt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D1 – D6:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;Stoffwechsel-Systems&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D6 – D18:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;rhythmischen Systems&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;D18 – D30:&#039;&#039;&#039; Anregung des &#039;&#039;Nerven-Sinnessystems&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Arzneimittelschatz der Anthroposophischen Medizin umfasst dementsprechend Ausgangssubstanzen mineralischer, pflanzlicher und tierischer Herkunft, die nach besonderen Verfahren vor allem von den Arzneimittelfirmen Weleda und Wala hergestellt werden.[2] In Deutschland wurden sie aufgrund des Arzneimittelgesetzes von 1976 in der vom Bundesgesundheitsamt – später Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) – eingerichteten Kommission C für die Zulassung aufbereitet. Ein Teil dieser regulativ wirksamen Arzneimittel ist sehr gut für die Selbstmedikation geeignet.[3]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Artikel in der Deutschen Apothekerzeitung DAZ Nr. 39, 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Theosophie, Einführung in übersinnliche Welterkenntnis und Menschenbestimmung,&#039;&#039; 2003 und ders. &#039;&#039;Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft&#039;&#039;. In: &#039;&#039;Lucifer-Gnosis&#039;&#039;. GA 34. Dornach 1987, 309-344.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] International Association of Anthroposophic Pharmacists IAAP. ­Anthroposophic Pharmaceutical Codex. Stuttgart, 2014.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] M. Glöckler, B. Emde, &#039;&#039;Anthroposophische Medizin&#039;&#039;, in: &#039;&#039;Komplementärmedizin für die Kitteltasche. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation&#039;&#039;, Stuttgart 2009 und ders.: &#039;&#039;Anthroposophische Medizin&#039;&#039;, in: &#039;&#039;Komplementärmedizin für Kinder. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation&#039;&#039;, Stuttgart 2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== WIRKSAMKEIT EINES HEILMITTELS VERMITTELN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie vermittelt der Arzt seinem Patienten, welches Heilmittel er braucht?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist dabei zu beachten, worauf kommt es an?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wirksamkeit der Gedanken und Gefühle miteinbeziehen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ideal wäre es, mit dem Patienten über ein Heilmittel in einer Art zu sprechen, dass etwas von der Wirksamkeit desselben auf den Patienten überspringt und dieser sich freut, dass er dieses Mittel bekommt, ja, dass er dankbar dafür ist. Der Patient sollte es mit dem Gefühl nehmen, er habe etwas besonders Gutes bekommen. Denn Freude und Dankbarkeit wirken therapeutisch – sie sind nicht „Placebo“, sondern real und wirksam. Wir müssen begreifen, dass das, &#039;&#039;was&#039;&#039; und &#039;&#039;wie&#039;&#039; wir über eine Sache denken, viel mehr als nichts ist: Was jemand weiß, ist etwas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ätherleib als Träger der zeitlichen und „ewigen“ Lebenskräfte entfaltet diese Doppelwirksamkeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ihm verdankt unser Körper einerseits &#039;&#039;&#039;Leben, Regeneration, Wachstum&#039;&#039;&#039; und die individuelle Lebenszeit&lt;br /&gt;
* Andererseits verdankt der Mensch ihm sein &#039;&#039;&#039;Gedankenleben&#039;&#039;&#039;, je älter er wird, umso mehr, das sich aus all den ätherischen Kräften speist, die der Körper nicht mehr „verkörpert“ halten kann (und muss) und die er damit in die „außerkörperliche Wirksamkeit“ entlässt. Die Gedanken können über den Tod des Menschen hinaus weiterleben und ihn tragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Medikamente wirken auf beide Aspekte des Lebens – sprich: Auch was ich über etwas denke, bewirkt etwas. Wenn ich die Arnikawirkung denke, wirkt sie bereits, denn Gedanken wirken immer, sind ein reales Wirkprinzip. &#039;&#039;„Hab Sonne im Herzen, ob&#039;s stürmt oder schneit“&#039;&#039;. Wenn ich die Sonne meditiere, habe ich Licht und Wärme im Herzen, selbst wenn ich Bauchweh habe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Denken vermindert Heilkraft, positive Gefühle verstärken sie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Indem ich denke, nehme ich der ätherischen Wirksamkeit im Körper aber auch etwas weg, weil es dieselben Kräfte sind, die dem Körper zur Gesundheit verhelfen. D.h, der Körper ist am gesündesten, wenn man nicht denkt, also im Schlaf, weil da die gesamten ätherischen Kräfte (auch diejenigen, die tagsüber außerkörperlich dem Denken dienen) in den physischen Leib einziehen und an seiner Regeneration arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am besten ist es, wenn der Patient über ein Heilmittel gerade so viel weiß, dass er sich freut und ihm ein bisschen warm wird bei dem Gedanken, dass er es jetzt einnehmen darf. Denn diese positiven Gefühle teilen sich auch dem Körper mit und beeinflussen den Stoffwechsel positiv. Positive Gefühle führen dem Ätherleib vom Seelischen her positive Kräfte zu, wie dies gesunde Ernährung vom Physischen her tut. Zuviel Nachdenken über die Wirkung mindert diese jedoch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch weniger zuträglich ist es, wenn ein Patient nicht so recht weiß, wie ein Mittel wirkt, oder Angst bekommt, wenn er den Beipackzettel liest. Dann fühlt er sich verunsichert – weswegen 40 Prozent der Medikamente in den Müll und nicht in den Magen der Patienten wandern. Wieder zuhause entscheiden sie, dass es ihnen eigentlich gar nicht so schlecht geht und nehmen das verordnete Medikament lieber nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur Anthroposophischen Medizin, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== EIGENE ERFAHRUNGEN BEIM ARZTSTUDIUM ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was wirkt auf den Menschen konstruktiv bindend?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was unterstützt einen Menschen in seiner Entwicklung?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was bedeutet es eigentlich zu helfen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Womit helfe ich und was macht mich sicher, dass ich dabei nicht ein neues Problem schaffe?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fragen als Motivation fürs Medizinstudium&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ich komme ursprünglich aus der Pädagogik und habe gemerkt, wie stark mein Einfluss als Erzieher auf das Kind ist, wie stark das Vorbild wirkt, weil die Schüler alles sehr umweltoffen nachahmen, auch noch in der Oberstufe. Der Einfluss reicht bis ins Gesundheitliche hinein. Ich erlebte daran, welch riesige Verantwortung man hat durch die Art, wie man als Mensch auf andere wirkt. Ich habe mich zum Medizinstudium entschlossen, weil ich herausfinden wollte, wie es zu dieser Wirkung kommt. In dem Zusammenhang bewegten mich die oben genannten Fragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angespornt von der Begeisterung die Antworten zu finden, begann ich mein Studium. Ich war damals 25 Jahre alt, eine Spätberufene also, und hatte das Glück, die Anthroposophie parallel zum Studium studieren zu können. Ich habe sozusagen als angehende Anthroposophin Medizin studiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich fühle mich sicher und gewiss, wenn es mir gelingt, ein anatomisches Substrat, ein Ergebnis, z.B. Phasen der Embryonalentwicklung, wirklich zu verstehen: etwas denken zu können und das, was ich denke, in dem, was ich sehe, als evident wiederzuerkennen; mein Denken und meine Wahrnehmung als kongruent zu erleben; wenn das, was ich denke, auch passiert oder ich es sehe. Dazu gehört auch, das, was ich sehe, zu verstehen, dass es mir nicht ein dunkles Rätsel bleibt; ein Evidenzerlebnis zu haben. Ich hatte durch die Anthroposophie die Möglichkeit, die Medizin sensibel zu hinterfragen und mir Evidenzerlebnisse zu erarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vieles lernt man, ohne es zu verstehen. Man hat etwas festgestellt und soll es anschließend wissen. Bei uns stand über allen Examensfragen: &#039;&#039;„Der Student soll wissen, dass…“&#039;&#039; und dann kamen die Multiple-Choice-Angebote, aus denen man das Richtige heraussuchen musste. Es ist nervtötend, wenn nur Wissen abgefragt wird und kein Verständnis. Nur in den mündlichen Prüfungen ging es manchmal um echtes Verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Stoffwechsel und Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In den ersten vier Vorträgen im &#039;&#039;„Landwirtschaftlichen Kurs“&#039;&#039;&#039;[1]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; spricht Steiner über die spirituelle Bedeutung von Phosphor, Schwefel, Stickstoff, Sauerstoff und Wasserstoff. Die ganze Eiweißchemie bzw. Biochemie unseres Körpers beruht auf diesen Elementen. So konnte ich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;&#039; mit dem &#039;&#039;Phosphor&#039;&#039; in Zusammenhang bringen,&lt;br /&gt;
* den &#039;&#039;&#039;Astralleib&#039;&#039;&#039; mit dem &#039;&#039;Stickstoff&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* den &#039;&#039;Sauerstoff&#039;&#039; mit dem Leben, dem &#039;&#039;&#039;Ätherischen&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* den &#039;&#039;Schwefel&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;zwischen dem physischen Leib und dem Ätherleib wirksam&#039;&#039;&#039; sehen – denn „er macht den physischen Leib geneigt, die Wirkungen des Ätherischen aufzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht hier um die Erkenntnis, wie die vier Wesensglieder im Stoffwechsel aktiv sind, wobei diese vier Hauptelemente wie Tore sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wasserstoff hat eine Sonderposition. Er gehört wesentlich zum Wärmeorganismus und ist sogar &#039;&#039;das&#039;&#039; Zentralelement des Wärmeorganismus. Er ist das leichteste Element, das von sich aus zur Sonne geht, der Gravitation nicht unterliegt, weil es zu leicht ist. Wenn es nicht regnen würde, würde der Wasserstoff die Erde verlassen und sich in der Sonne sammeln. Aber durch Regen, Blitze und Donner, diese enormen energetischen Entladungen, kommt es zur Knallgasverbindung, durch die der Wasserstoff wieder an den Sauerstoff gebunden wird und so wieder auf die Erde kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wissen als etwas Vorläufiges begreifen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ich habe mir in dem Zusammenhang nie die Frage gestellt, ob etwas richtig oder falsch ist, sondern ob es mir zugänglich ist oder nicht. Wenn ich etwas verstanden hatte, war es für mich gewiss.[2] Wenn anschließend jemand erklärte, dass dies nur ein Vorgipfel wäre und die wahre Wirklichkeit noch tiefer läge, noch etwas komplizierter sei, war ich auch dafür offen. Das vorherige Endergebnis gilt dann eben als vorläufig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und man muss auch nicht von Anfang an alles wissen. Ich habe manchen Patienten damit glücklich gemacht, dass ich sagte: &#039;&#039;„Wir beginnen erst einmal mit diesem Therapieansatz – ich werde mich aber noch mit Kollegen beraten, was in Ihrem Fall das Beste ist.“&#039;&#039; Wirkliches Wissen hat Prozesscharakter und kongruiert mit der wachsenden Lebenserfahrung, die durch die Menschen, mit denen wir zusammenleben und -arbeiten, bereichert wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur AM, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft (Landwirtschaftlicher Kurs), Acht Vorträge&#039;&#039;, Koberwitz bei Breslau, 07.06 – 16.06.1924.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Dazu siehe auch: Glöckler, Michaela: &#039;&#039;Einblicke in die anthroposophisch-medizinische Forschung und die Arbeit der Medizinischen Sektion&#039;&#039;. In: Christiane Haid, Constanza Kaliks, Seija Zimmermann (Hg.): &#039;&#039;Goetheanum - Freie Hochschule für Geisteswissenschaft. Geschichte und Forschung der Sektionen.&#039;&#039; Verlag am Goetheanum, Dornach 2017: Rudolf Steiner betonte wiederholt, dass es sich bei seinen Schilderungen und Sichtweisen um ein Wissen handle, das von ihm selbst erarbeitet wurde und als Wissen oder Erkenntnis und nicht als Glaubensinhalt vorgebracht werde. Daher möge man das von ihm Dargestellte als anregende Idee, als Arbeitshypothese nehmen und selbst prüfen, ob es der eigenen Lebenserfahrung und Erkenntnissuche standhalten und dem Leben dienen könne. Auch hoffte er, dass der akademisch geschulte Leser seiner Schriften die Anstrengung unternehmen würde, seine auf meditativen Wegen errungenen Einsichten mit Hilfe empirischer Forschungsmethoden nachzuweisen. Damit führte Steiner in den wissenschaftlichen Diskurs das Prinzip der internen bzw. inneren Evidenz ein: Was man - gestützt auf Erfahrung und Einsicht - als richtig erkannt hat, empfindet man als „innerlich evident“. Es bedarf dann aber auch noch der externen Evidenz, damit man anhand reproduzierbarer Fakten die Legitimität des als richtig Erkannten aufzeigen kann. Beide Evidenzen zusammen ergeben eine umfassende Erkenntnis von Mensch und Welt und die Möglichkeit, sich ein ganzheitliches Menschen- und Weltverständnis zu erarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE FÜNF FUNKTIONSBEREICHE IN DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Funktionsbereiche deckt die Anthroposophische Medizin ab?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Funktionsbereiche des Lebens&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Unser aller Leben spielt sich auf unterschiedlichen Ebenen ab, die ich hier Funktionsbereiche nennen möchte. Im Folgenden werde ich sie genauer beschreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Physischer Funktionsbereich: Leben im Raum ====&lt;br /&gt;
Alles Physische findet im Raum statt und gründet auf räumlich fassbare Strukturen. Der physische Leib des Menschen ist umso gesünder, je besser er an sein Milieu, die jeweilige Umwelt angepasst ist. Vieles an unserer Umwelt macht uns über Wasser, Ernährung und Luft krank, aber auch – wenn es passend wirkt – gesund. Physisch sind wir offene Systeme. Auch was wir über die Sinne aufnehmen, prägen wir uns ein, prägt uns. Alles Schöne wirkt aufbauend, alles Unschöne schwächt. Alles wirkt, egal ob wir sofort krank werden oder nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier ist die Domäne der Schulmedizin. Anthroposophische Ärzte sind zunächst alle auch Schulmediziner, das ist unsere Grundlage. Diagnostische Fragen zum Physischen lauten beispielsweise:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Sind Medikamente nötig, die am Ort des aktuellen Geschehens unmittelbar angreifen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ist eine Umgebungsveränderung vonnöten?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Muss in einem bestimmten Bereich Sinnesschulung nachgeholt bzw. verstärkt werden?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wären Achtsamkeitsübungen bzw. irgendetwas, das die physische Resonanz mit dem Umfeld verbessert, hilfreich?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ätherischer Funktionsbereich: Leben als Prozess ====&lt;br /&gt;
Auch im Ätherischen sind wir offene Systeme. Mit ätherischer Kraft bezeichnet man in der Anthroposophischen Medizin, was man in der orientalischen Tradition Chi oder Lebenskraft nennt. Das Ätherische umfasst alles Prozessuale, das eine Zeitstruktur und Rhythmus hat. Im aristotelischen Sinne befinden wir uns damit in der Kategorie der Zeit. Alles Ätherische ist prozessual, lebendig, zyklisch, miteinander zusammenhängend, voneinander abhängig. Selbst­­­regulation, Selbstheilungsprozesse, Regeneration, Wachstum, Gestaltung haben hier ihren Wirkort. Die anthroposophischen Arzneimittel, die alle prozessorientiert sind, setzen hier an. Viele werden auch mit homöopathischen Verfahren hergestellt. Alle Prozesse, die uns kränken und gesunden lassen, verlaufen im Zeitlichen. So können sich Verstöße gegen gesunde Lebensrhythmen, z.B. unregelmäßige Ernährung, negativ auswirken, sofern die Selbstregulation dies nicht kompensieren kann. Auch die Lebensgewohnheiten, die Art wie man seine Zeit strukturiert oder eben nicht strukturiert, – wie chaotisch oder geordnet man lebt – beeinflusst diesen Wirkbereich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn im Leben herrscht Ordnung, es ist ein geordneter Kosmos. Es wird durch die Sonne, die circadiane 24-Stunden-Rhythmik, durch den Wochenrhythmus und den lunaren Monatsrhythmus beeinflusst. Mit dieser „Bio-Kosmologie“ befasst sich die Rhythmusforschung. Die Sonne ist 150 Millionen Kilometer von uns entfernt. Wenn wir aber Sonnenbrand haben, haben wir ihn hier auf unserer Haut. Unser gesamter Knochenstoffwechsel hängt von der Sonne ab, auch die gesamte chlorophyllproduzierende Pflanzenwelt. Wir sind sonnengetragene Wesen, wir leben in diesem Sonnenraum. Es gibt kein Leben ohne Wasser und Sonne. Die Griechen nannten den durchsonnten blauen Himmel den Äther. Daher auch der Begriff „ätherische Organisation“ für diesen Funktionsbereich. Das Leben auf der Erde muss viel umfassender gedacht werden, als wir das gewöhnlich tun, wenn wir vom Leben sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diagnostische Fragen zum Ätherischen zielen daher auf die Lebensgewohnheiten ab: Ernährung, Schlaf, Work-Life-Balance, aber auch Rituale, Gewohnheiten, religiöse oder meditative Hilfsmittel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Astraler Funktionsbereich: seelisches Erleben in Beziehung zu sich und anderen ====&lt;br /&gt;
Hier geht es um das Gefühlsleben, um die unbewusste und bewusste Beziehungsgestaltung. Alles, was in einer Beziehung stattfindet, was im Gefühl und Bewusstsein lebt, geht über Raum und Zeit hinaus in die „Innerlichkeit“ und erhält durch die Erinnerbarkeit Dauer. Die Beziehung zu sich selbst und den Menschen und Dingen im Umfeld ist ein reicher Kosmos, ein komplexes Netzwerk, ist so etwas wie eine Sternenkonstellation. Das Wort „Aster“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet Stern. Mit diesem Begriff möchte Rudolf Steiner nicht nur an die seelischen Sternkonstellationen erinnern, denen wir angehören, sondern auch an die himmlische Heimat der Seele und deren Verwandtschaft mit der Sternenwelt, die auch in den astrologischen Traditionen zum Ausdruck kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beziehungen können sich wandeln, wir können unser Verhältnis zu ihnen ändern. Wenn sie kaputt gehen, tut es so weh, dass man früher oder später wieder daran arbeiten wird. Unter dem Gesichtspunkt der Reinkarnation gibt es noch einen weiteren Aspekt, der das Ringen um eine positive Entwicklung in unseren Beziehungen in seiner Bedeutsamkeit unterstreicht. Christian Morgenstern drückt dies in einem seiner Gedichte so aus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wir müssen immer wieder uns begegnen&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;und immer wieder durch einander leiden,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;bis eines Tages wir dies alles segnen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;An diesem Tage wird das Leiden weichen,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;das Leiden, welches Selbstsucht zeugte,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;das Leiden wenigstens, das Blindheit zeugte,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;das uns wie blinden Wald im Sturme beugte.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Dann werden wir in neues Ziel und Leben&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;wie Flüsse in ein Meer zusammenfließen,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;und kein Getrenntsein wird uns mehr verdrießen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Dann endlich wird das „... suchet nicht das Ihre“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wahrheit geworden sein in unsern Seelen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und wie an Kraft wird&#039;s uns an Glück nicht fehlen.&#039;&#039;&#039;[1]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diagnostische Fragen zu der astralen Wirkrichtung betreffen biographische Zusammenhänge und damit verbundene Krankheitsursachen. Oft können Biographiearbeit, künstlerische Therapien, Bewegungstherapien und Körperarbeit helfen, das Bewusstsein für sich selbst und die Menschen im eigenen Schicksalsfeld zu harmonisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Funktionsbereich der Ich-Organisation: als Individuum leben ====&lt;br /&gt;
Hier haben wir es mit dem Bereich zu tun, den Goethe „die Dauer im Wechsel“ nannte. Die Ich-Organisation ist gegenüber dem ewigen Wesen des Menschen, seinem spirituellen Kern, offen. Sie umfasst alle Gesetzmäßigkeiten, die mich vor mir selbst und vor anderen persönlich legitimieren, die nur die eigene Individualität betreffen, für die ich mir selbst die Arbeitsrichtung vorgeben kann. Von der eigenen Ich-Verfassung, vom Selbstwert-Gefühl und der Art der Identitätsbildung hängt es ab, wie lange man z.B. negative Gefühle zulässt oder wieviel Stresstoleranz man besitzt. Wer sein Leben, sein Schicksal, mit allen Hoch- und Tiefpunkten, als seinen persönlichen Entwicklungsweg sehen kann, findet in jeder Lebenslage Motive für das, was gerade hier und jetzt gelernt oder getan werden könnte und kann innere Ruhe und die Übereinstimmung mit sich bewahren. Die Resilienzforschung hat viele wertvolle Beweise dafür geliefert, in welch hohem Maße die Art des Umgangs mit sich selbst und der gewählte Lebensstil den Gesundheitszustand von Leib und Seele beeinflussen.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was muss geschehen, damit ein Mensch wieder zu einer positiven Identität und Lebenseinstellung findet, auch wenn seine Umstände traurig oder widrig sein mögen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Anregung für die innere Schulung, für sein Selbstmanagement, für seine Identität kann ich ihm vermitteln, damit er freudig und&#039;&#039; &#039;&#039;wahrhaft als Ich erleben kann?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fragen dieser Art bewegen den Arzt – aber auch Fragen der Prävention&#039;&#039;: Was kann in den Erziehungsjahren geleistet werden, nicht nur für eine gesunde körperliche Entwicklung, sondern auch für die seelische und insbesondere die geistige, Identität stiftende Entwicklung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Funktionsbereich der spirituellen Orientierung: Weltentwicklung bejahen ====&lt;br /&gt;
Hier treten wir aus unserem individuell Menschlichen völlig heraus. Der Kopf ist das Beziehungsorgan, das uns mit der ganzen Welt verbindet, ist unser offenes, rein zur unsichtbaren Welt der Gedanken, den Sinneseindrücken, Vorstellungen sowie dem Bewusstsein hin orientiertes Gebilde. Paracelsus[3] nannte diese Perspektive, die Art, wie wir mit den unsichtbaren Kräften des Denkens, Fühlens und Wollens umgehen, die Quinta Essentia. Die vier anderen „Essenzen“ haben mit den Aggregatzuständen fest, flüssig, gasförmig und Wärme zu tun, die alle noch physisch fassbar sind. Die Quinta Essentia jedoch ist rein spirituell, rein geistig. Sie wird uns zunehmend bewusst durch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* seelisch-geistige Verwandlungsprozesse dank meditativer Schulung,&lt;br /&gt;
* Verfeinerung der Gedanken,&lt;br /&gt;
* Gefühls- und Willenskultur der Achtsamkeit.&lt;br /&gt;
* Die Tugenden und verbindlichen Lebenswerte gehören ebenso in diesen Bereich, &lt;br /&gt;
* aber auch wie ich meine Beziehungen ordne, wie ich meine Identität erlebe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn wie ich mein äußeres und mein biografisch-zeitliches Leben veranlage, hängt letztlich davon ab, wie ich über mich und andere, über die Welt und Gott denke. Eine echte spirituelle Orientierung ist die stärkste salutogenetische Perspektive. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Erlösende menschheitliche Perspektive&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Meine Erfahrung ist, dass es heute immer mehr Menschen gibt, die von einer basalen Trauer und Sorge erfüllt sind in Bezug auf das Weltgeschehen und die Menschheitsentwicklung. Sie sind nicht krank oder deprimiert durch eine schlechte Lebensweise oder Drogen, auch nicht aufgrund negativer Beziehungen. Sie erleben sich vielmehr dadurch beeinträchtigt, dass sie den Eindruck haben, es geht mit der Menschheits- und Erdenentwicklung nicht gut voran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um dem konstruktiv begegnen zu können, braucht es eine große, umfassende, menschheitliche Perspektive, die aufzeigt, dass die Menschheit zwar heute eine besondere Krise durchmacht, verursacht durch den Zerfall von Werten und eine enge materialistisch-ökonomische Weltsicht. Es gilt jedoch zu verstehen, dass nur der Durchgang durch eine Periode des Verlustes spiritueller Perspektiven und humaner Entwicklungsbedingungen das Individuum aus allen kollektiven – auch der religiösen – Bindungen zu befreien vermag, damit es auf dieser Basis neu und selbstständig sein Verhältnis zum weiteren Verlauf der Geschichte zu bestimmen in der Lage ist. Nur ein echtes Verständnis dieser Entwicklungszusammenhänge kann dem sonst unweigerlich eintretenden Kulturpessimismus vorbeugen bzw. kann ihn heilen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anthroposophische Arzt wird seinen Patienten anamnestisch mit Bezug auf diese fünf Funktionsbereiche hin anschauen und womöglich befragen. Am Ende muss er intuitiv entscheiden, wie er den besten Zugang zu dem betreffenden Patienten finden kann, um den notwendigen Gesundungsprozess anzuregen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Mehr hierzu in: Was ist Anthroposophische Medizin? Verlag am Goetheanum, 2017&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Christian Morgenstern, &#039;&#039;Stuttg. Ausgabe, Band 2 Lyrik 1906 – 1914&#039;&#039;, Urachhaus Verlag, Stuttgart 1992, S. 217.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Siehe z.B. Fröhlich-Gildhoff, Klaus / Rönnau-Böse, Maike: &#039;&#039;Resilienz&#039;&#039;. Ernst Reinhardt Verlag, München 2015.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Philippus Theophrastus Aureolus Bombastus von Hohenheim, getauft als Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, (* vermutlich 1493 in Egg, Kanton Schwyz; † 24. September 1541 in Salzburg) war ein Arzt, Alchemist, Astrologe, Mystiker, Laientheologe und Philosoph. Paracelsus hinterließ zahlreiche deutschsprachige Aufzeichnungen und Bücher medizinischen, astrologischen, philosophischen und theologischen Inhalts, die größtenteils erst nach seinem Tod gedruckt wurden (wikipedia).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE WESENSGLIEDER UND IHRE DIAGNOSTIK ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was versteht die Anthroposophische Medizin unter Wesensgliedern?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie lassen sie sich beschreiben?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wesensglieder als Zusammenhänge von Gesetzmäßigkeiten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das Wissen von Körper, Leben, Seele und Geist ist so alt wie die Menschheit. Rudolf Steiners Beitrag besteht jedoch darin, eine neue Zugangsweise zu diesen vier Erfahrungsfeldern aufgezeigt zu haben. Er verwendete für die von ihm in Medizin und Pädagogik eingeführte Terminologie die Worte „Leib“ bzw. „Organisation“.[1] Diese Termini machen nicht nur den Zusammenhang zwischen den Reichen der Natur und den Aggregatzuständen der Materie deutlich, sondern stehen auch für die differenzierte Ganzheit des Menschenwesens nach Geist (Ich-Organisation), Seele (astralische Organisation), Leben (ätherische Organisation) und Körper (physische Organisation). Sie zeigen die komplexen Zusammenhänge von Gesetzmäßigkeiten, durch die sich der Mensch erkennen, erleben, ausdrücken und betätigen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Anthroposophischen Medizin wird also nicht nur die naturwissenschaftliche Beschreibung von Aufbau und Funktion des menschlichen Körpers berücksichtigt, sondern auch die Wirkung der sogenannten Wesensglieder auf den Körper, die von der zugehörigen Gesetzmäßigkeit bestimmt werden und so in das Körpergeschehen eingreifen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Diagnostik der Wesensglieder ermöglicht ein differenziertes Erfassen des Inkarnationszustands des Menschen in Gesundheit und Krankheit, woraus sich der jeweils passende therapeutische Ansatz ableiten lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Physischer Leib – fest ====&lt;br /&gt;
Der physische Leib wird von Stoffen und Kräften im festen Aggregatzustand aufgebaut – sie machen die sinnlich beobachtbare Beschaffenheit des Körpers im Raum aus (griechisch &#039;&#039;physis&#039;&#039; = Körperbildung, Gestalt). Der ganzheitlich-systemische Begriff des Physischen umfasst den gesamten Bereich des Mineralisch-Anorganischen: Dazu gehören die Gesetze der Gravitation, der Mechanik, aber auch die Zerfalls- und Sterbeprozesse von Strukturen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was erkannt werden kann, wenn man dem menschlichen Organismus Stoffe, Gewebe und Partikel entnimmt und analysiert, gehört in das Gebiet des Physischen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ätherleib - flüssig ====&lt;br /&gt;
Der &#039;&#039;Ätherleib&#039;&#039; umfasst die Gesamtheit der Lebensprozesse. Diese sind an den flüssigen Aggregatzustand gebunden und liegen allen Vorgängen zugrunde, die chemische und physikalische Prozesse zu biochemischen und physiologischen Prozessen steigern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wort „Äther“ kommt aus dem Griechischen und heißt Himmel. Damit schließt das Ätherische auch den durchsonnten, blauen Himmelsraum ein, ohne den Leben auf der Erde nicht möglich wäre. Insbesondere die Pflanzenwelt wird davon bestimmt: Das zeigt sich z.B. in der sonnenvermittelten Fotosynthese, die Grundlage der Lebenstätigkeit aller Pflanzen ist. Doch auch ihre Biorhythmen haben ihre Zeitgeber in der Solar- und Lunarperiodik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039;  Astralleib – gasförmig, luftig ====&lt;br /&gt;
Die Kräfte und Gesetzmäßigkeiten, die Bewegung, Bewusstsein und seelischen Ausdruck ermöglichen, bezeichnete Steiner mit &#039;&#039;Astralleib&#039;&#039;, lateinisch „aster“ (Stern). Das Weltall mit seinen Sternkonstellationen ist ein Bild davon: Jeder Planet, jeder Fixstern ist anders als der andere und doch stehen alle in konkreten, sich stets wandelnden Beziehungen zueinander, Konstellationen genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Physiologisch gesehen sind die Bewegungs-, Sprach- und Gefühlsäußerungen an das Vorhandensein von Luft gebunden. Der Astralleib kann nur über den Gaszustand der Materie in das Körpergeschehen eingreifen und ist auch im Hinblick auf seine Wirkungsweise von den Gesetzen bestimmt, die dem Gaszustand eigen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ich-Organisation - Wärme ====&lt;br /&gt;
Für den Gesetzeszusammenhang, der es der selbstbewussten Persönlichkeit erlaubt, sich zu erleben und auszudrücken, wählte Steiner den Begriff &#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;. Diese ist an die Gesetze der Thermodynamik, der Wärme, gebunden. Jeder Mensch erlebt sein Ich und die Persönlichkeitsäußerungen des Anderen in Form von jeweils zum Ausdruck kommenden Wärmedifferenzen bzw. als Wärme- und Kälteausstrahlung. Die kritische Temperatur des jeweiligen Elementes entscheidet, in welchem spezifischen Aggregatzustand die Materie erscheint. Das dem gesunden Körperleben des Menschen zugrundeliegende Wärmeoptimum liegt bei 37°. Es wird durch eine komplizierte Temperaturregulation im Rahmen definierter tages- und jahresrhythmischer Schwankungen konstant gehalten. Auch hängt es jeweils vom geistigen Wärmezustand (Begeisterung) ab, ob und wofür ein Mensch seine Kraft im Leben einsetzt und wie er seine Persönlichkeit zentriert und beherrscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Berechtigte Annahme komplexer Ordnungsprinzipien&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Mit der systemischen Begrifflichkeit der Wesensglieder ist einerseits die Brücke geschlagen zur aristotelischen Elementenlehre, die die Aggregatzustände konsequent mit den Naturreichen (Mineral, Pflanze, Tier, Mensch) verbindet. Andererseits kann dadurch auch ein konkreter Bezug hergestellt werden zur heutigen Faktenfülle naturwissenschaftlicher Forschungen als Grundlage für ein ganzheitliches Bild des Menschen, der sich in Körper, Seele und Geist gliedert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiners Vorgehensweise, übergeordnete Begriffe zu bilden, wird untermauert von Annahmen aus der Systemforschung, die längst von höheren, vernetzten Formgebern und Prozessgestaltern ausgeht, die sie entweder entdeckt oder hypothetisch angenommen hat: Man verwendet den Begriff „Feld“[2] oder spricht von „intraorganischen Ordnungsmustern“ aus der mathematisch-geometrischen Symmetrie und Asymmetrie, die sich nicht mithilfe der darwinistischen Paradigmen von Selektion, Mutation und Anpassung erklären lassen.[3] Auch die Frage nach der Symmetrie als einem universalen Kausalprinzip gehört hierher. All diese Überlegungen und Forschungen besagen, dass es letztlich Gedanken, Gesetze, übergreifende Gesetzeszusammenhänge sind, die sich in den Ordnungen und Wandlungen der Evolution abbilden bzw. diese vorantreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant sind in diesem Zusammenhang auch die derzeit oft gebrauchten Begriffe der Autoregulation, Selbstregulation oder Selbstheilung. Die Wesensgliederdiagnostik kann diese Begriffe mit einem differenzierten Inhalt füllen und dieses Selbst (griechisch: autos) in seinen körperlichen, seelischen und geistigen Ausdrucks- und Funktionsweisen beschreiben.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen.&#039;&#039; GA 37, Rudolf Steiner Verlag, Dornach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rupert Sheldrake, &#039;&#039;The presence of the past. Morphic resonance and the habits of nature.&#039;&#039;  Hammersmith, UK 1988.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Antonio Lima-de-Faria, &#039;&#039;Evolution without Selection. Form and Function by Autoevolution.&#039;&#039; New York 1988.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Werner Hahn/ Peter Weibel (Hrsg.), &#039;&#039;Evolutionäre Symmetrietheorie. Selbstorganisation und dynamische Systeme.&#039;&#039; Stuttgart 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== PARAMETER DER WESENSGLIEDER-DIAGNOSTIK ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen Parametern folgt die Wesensglieder-Diagnostik?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wesensglieder als Gesetzeszusammenhänge des Menschseins&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der phänomenologischen Philosophie und Psychologie ist man gewohnt, den Körper „Leib“ zu nennen. Man meint damit das individuell Geformte bzw. das „Gefäß&amp;quot;, das von allen Funktionen und Seelenerlebnissen ein Aus- und Abdruck ist. Rudolf Steiner verwendet als Bezeichnung für die Wesensglieder je nach Kontext die Ausdrücke „Leib“, „Organisation“ und „Organismus“ oder „Gesetzeszusammenhang“. In der Diagnostik wird der körperliche Ausdruck der Wesensglieder im Einzelnen beschrieben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Physischer Leib ====&lt;br /&gt;
Zu den Beurteilungsgrößen des physischen Leibes gehören neben Körpergröße und Körpergewicht die chemische Analyse (Labordiagnostik) sowie die Ausformung der einzelnen Organe, der konstitutionelle Habitus, und inwiefern dieser durchlässig ist für die Vorgänge des Lebens, der Seele und des Geistes – d.h. für den „Inkarnationszustand&amp;quot; des betreffenden Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ätherleib ====&lt;br /&gt;
Zur Diagnostik des ätherischen Organismus gehört neben dem Erfassen der aktuellen Gesamtvitalität und der Vitalität der einzelnen Organe auch die Beurteilung von Wachstum, Entwicklung und Regenerationsfähigkeit sowie des Säure-Basen-Verhältnisses, des Wasser- und Elektrolythaushaltes und des Zusammenspiels der Biorhythmen, aber auch die Erfassung der Art der Gedankenführung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Astralleib ====&lt;br /&gt;
Die Wirkungsweise des Astralleibes wird einerseits am Bewegungsspiel der Muskulatur und ihres Tonus abgelesen, andererseits aus der Art des Sprechens und der Atemführung sowie des Instinkt-Begierde-Verhaltens erschlossen. Empfindungsleben, „Sensibilität&amp;quot; und das Spektrum der Gefühlsäußerungen geben Aufschluss über seinen aktuellen Zustand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Stärke oder Schwäche der Ich-Organisation können am Zusammenspiel aller Funktionen und Wesensgliedertätigkeiten abgelesen werden. Jede Form von Integrations- und Kontrollverlust zeigt eine Schwächung oder Störungen im Bereich dieses Wesensgliedes an. An dieser Stelle ist es wichtig zu bemerken, dass die Ich-Organisation zwar dem geistigen Wesen Mensch, d.h. seinem Ich, die körperliche – und damit vergängliche –Möglichkeit zur Inkarnation bietet, mit dieser jedoch nicht identisch ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Faktenfülle durch Wesensgliederdiagnostik&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Des Öfteren wird gefragt, warum die Wesensglieder-Diagnostik nötig ist, welche zusätzlichen Informationen sie über das hinaus bieten kann, was eine sorgfältige und umfassende klinische Diagnostik ohnehin leistet. Dazu ist zu sagen, dass das sehr umfassende Studium des jeweiligen Wesensgliedes und der damit zusammenhängenden Gesetzmäßigkeit zusätzliche Informationen liefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die in der Tabelle unten angeführten Parameter implizieren eine große Faktenfülle und eröffnen durch ihre Zusammenschau neue Einsichtsmöglichkeiten in die menschliche Natur, vor allem auf den direkten Zusammenhang der seelisch-geistigen Funktionen mit den physiologisch-anatomischen Strukturen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;Wesensglied&#039;&#039;&#039; und  Naturgesetzlichkeit&lt;br /&gt;
|Selbsterleben und &lt;br /&gt;
kreative Handhabbarkeit&lt;br /&gt;
|Morphologie &lt;br /&gt;
Physiologie&lt;br /&gt;
|Physische Symptomatik&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;&#039;Wärmeorganismus&lt;br /&gt;
Thermodynamischer&lt;br /&gt;
Gesetzeszusammenhang&lt;br /&gt;
|Selbstbewusste &lt;br /&gt;
Gedankentätigkeit,&lt;br /&gt;
Intentionalität,&lt;br /&gt;
Initiative,&lt;br /&gt;
Dicht- und Sprachkunst&lt;br /&gt;
|Integrationsprozesse Gesamtgestalt&lt;br /&gt;
|Individuelle Wärmeverteilung „Ausstrahlung&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;Astralleib&#039;&#039;&#039;Luftorganismus&lt;br /&gt;
Aerodynamischer&lt;br /&gt;
Gesetzeszusammenhang&lt;br /&gt;
|Bewusstsein, Gefühl, Impulsivität, Bewegung&lt;br /&gt;
Musik und Gesang&lt;br /&gt;
|Atmung&lt;br /&gt;
Katabole Stoffwechselvorgänge&lt;br /&gt;
Heterostase&lt;br /&gt;
Differenzierung&lt;br /&gt;
Proportionen&lt;br /&gt;
|Muskeltonus&lt;br /&gt;
(Anspannung und Lösung)&lt;br /&gt;
Lufthaushalt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;Ätherleib&#039;&#039;&#039;Wasserorganismus &lt;br /&gt;
Hydrodynamischer&lt;br /&gt;
Gesetzeszusammenhang&lt;br /&gt;
|Auftrieb&lt;br /&gt;
Schwerelosigkeit Zeitprozesse&lt;br /&gt;
plastisches Gestalten&lt;br /&gt;
|Anabole Stoffwechselvorgänge&lt;br /&gt;
Synthese&lt;br /&gt;
Homöostase&lt;br /&gt;
Proliferation&lt;br /&gt;
|Turgor&lt;br /&gt;
Wasserhaushalt&lt;br /&gt;
Inkarnat&lt;br /&gt;
Hautdurchblutung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;Physischer Leib&#039;&#039;&#039;Feste Organisation&lt;br /&gt;
Gravitation&lt;br /&gt;
Gesetzeszusammenhänge der Festkörperphysik und Mechanik&lt;br /&gt;
|Egoität&lt;br /&gt;
Schwerpunkt erleben architektonisches Gestalten&lt;br /&gt;
|Ablagerungsprozesse&lt;br /&gt;
Strukturierungsprozesse&lt;br /&gt;
Form-Zusammenhalt&lt;br /&gt;
|Dichte&lt;br /&gt;
Gewicht&lt;br /&gt;
Laborparameter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tab. 1.1 Diagnostische Parameter im Funktionsbereich der Wesensglieder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FORSCHUNG UND WEITERENTWICKLUNG IN DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;In welche Richtungen wird in der Anthroposophischen Medizin geforscht?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Möglichkeiten der Evaluation gibt es?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Forschung und Evaluation&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aufgrund ihres natur- und geisteswissenschaftlichen Menschenbildes hat die anthroposophisch-medizinische Forschung zwei Arbeitsrichtungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Eine, die sich den derzeit vorgegebenen akademischen Standards anpasst und Unbedenklichkeit und &#039;&#039;&#039;Wirksamkeit anthroposophischer Arzneimittel&#039;&#039;&#039; untersucht. &lt;br /&gt;
# Und eine andere, die nach den &#039;&#039;&#039;geistigen Ursachen von Krankheit&#039;&#039;&#039; und den &#039;&#039;&#039;heilenden Möglichkeiten der Natur&#039;&#039;&#039; mit ihren Substanzen und Prozessen fragt. &lt;br /&gt;
# Zu jeder seriösen Forschung gehören auch effektive &#039;&#039;&#039;Möglichkeiten der Evaluation&#039;&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophische Medizin ist nicht nur historisch jung, sondern auch in ständiger Weiterentwicklung begriffen. Ihre weltweiten Arbeitszusammenhänge in Forschung, Ausbildung und Praxis werden in der Medizinischen Sektion am Goetheanum in der Schweiz koordiniert.[1] Dort findet sich auch eine Übersicht über die aktuelle Literatur, die Forschungsinstitute und Kliniken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ad 1. Studiendesigns für anthroposophische Arzneimittel ====&lt;br /&gt;
Gegenwärtig wird an Studiendesigns gearbeitet, die der Herkunft, Herstellung und Anwendung anthroposophischer Arzneimittel gerecht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Freiburger Arzt und Wissenschaftler &#039;&#039;Helmut Kiene&#039;&#039; ist die im Juli 2000 erschienene komplementäre Methodenlehre der klinischen Forschung zu verdanken, in der er eine Cognition-based Medicine der Evidence-based Medicine gegenüberstellt.[2] Diese Methodenlehre erstreckt sich auf folgende Evidenzbereiche:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wirksamkeitsnachweis&lt;br /&gt;
* Effektivitätsbeurteilung&lt;br /&gt;
* Therapievergleich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im „Freiburger Institut für angewandte Erkenntnistheorie und medizinische Methodologie“ wird derzeit an den praktischen Konsequenzen für ein neues Studiendesign gearbeitet, das sich auf hohem akademischem Niveau auf die individuelle Einzelfallanalyse stützt. Der Arbeit des Instituts entstammt auch die im Jahre 2003 erschienene umfassende Monographie zur Mistel in der Onkologie.[3] Mit diesem Buch liegt erstmals ein Werk vor, das den Stand der Forschung in Bezug auf die Misteltherapie bei onkologischen Erkrankungen für Mediziner, Wissenschaft­ler und Allgemeininteressierte verfügbar macht. Es leistet damit einen Beitrag zur wissenschaftlichen Diskussion wichtiger medizinischer Grundsatzthemen, aber auch zum Dialog der Denkstile. Es ist ein Beispiel einer gelungenen Synthese von naturwissenschaftlichem und geisteswissenschaftlichem Ansatz auf der Höhe der derzeit gültigen akademischen Standards.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ad 2. Grundlagenforschung zu Krankheit und Heilung ====&lt;br /&gt;
Die Grundlagenforschung befasst sich mit der Erarbeitung von Korrespondenzen zwischen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;&#039;Wesensgliedertätigkeit&#039;&#039;&#039; im Menschen,&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;&#039;Krankheitssymptomatik&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* bestimmten &#039;&#039;&#039;Prozessen in der Natur&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* und der &#039;&#039;&#039;Wirkung von Substanzen&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht darum, Naturprozesse aufzufinden und zu beschreiben, die für den jeweiligen Krankheitsfall die Selbstheilung anregen, einseitigen Funktionen entgegenwirken oder zu schwache Funktionen unterstützen können. Je genauer das therapeutische Ziel aufgrund der Erforschung des evolutiven Zusammenhanges von Mensch und Natur festgelegt werden kann, umso sicherer tritt in der Regel auch die erwünschte Wirkung beim Patienten ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Arzneimittelschatz der heute verfügbaren Anthroposophika entstammt der Zusammenarbeit von Ärzten, Pharmazeuten und Herstellern. Seit vielen Jahren fassen Anthroposophische Ärztinnen und Ärzte ihre Erfahrungen und Erkenntnisse zum Einsatz der Anthroposophischen Arzneimittel in einem Vademecum zusammen, das Fachkreisen zugänglich ist und ständig erweitert wird. Ideen zur Heilmittelfindung entstehen jeweils anhand konkreter Fragestellungen zum Patienten bzw. zu seiner Krankheitssituation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Ausgangsstoffe für die Arzneimittelherstellung mit Bezug auf Sicherheit und Unbedenklichkeit in der Regel schon bekannt sind, ist präklinische Forschung im Sinne von In-vitro- oder Tierversuchen nicht nötig. Wenn neue, noch nicht monographierte Naturstoffe Verwendung finden, unterliegen sie selbstverständlich dem allgemein üblichen Prozedere zur Feststellung von Wirksamkeit und Unbedenklichkeit der entsprechenden Substanz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von einem anthroposophischen Arzneimittel wird erwartet, dass es körperliche oder seelische Beschwerden mildern oder verschwinden lassen bzw. eine Krankheit verzögern, heilen oder womöglich auch verhindern kann. Da sich diese Art der Heilmittelfindung und -anwendung in der Regel am individuellen Patienten orientiert, sind Forschungs- und Evaluationsmethoden erforderlich, die diesem Umstand Rechnung tragen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Ad 3. Projekte zur Evaluation der Anthroposophischen Medizin ====&lt;br /&gt;
Im Berliner Forschungsinstitut am Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe wurde mit einem Projekt zur Evaluation Anthroposophischer Medizin begonnen – dem EvaMed-Projekt. Ziel ist die Schaffung einer wissenschaftlich fundierten Datenbasis als Grundlage für den Nachweis zur Unbedenklichkeit und Wirksamkeit von Anthroposophika. Mittels informationstechnologisch gestützter Netzwerke wird Outcome- und Versorgungsforschung innerhalb der Anthroposophischen Medizin betrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der medizinischen Fakultät der Universität Witten-Herdecke wurde 2003 der Stiftungslehrstuhl für Medizintheorie und Komplementärmedizin unter &#039;&#039;Prof. Dr. Peter Matthiessen&#039;&#039; eingerichtet, zu dessen Aufgaben neben Forschung und Lehre auch die Implementierung eines Begleitstudienganges für Anthroposophische Medizin gehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Bern/Schweiz wurde bereits 1994 die „Kollegiale Instanz für Komplementärmedizin“ (KIKOM) eingerichtet und der Schweizer Arzt &#039;&#039;Dr. med. Peter Heusser&#039;&#039; mit der Dozentur für Anthroposophische Medizin beauftragt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Einleitung „Anthroposophische Arzneitherapie für Ärzte und Apotheker“, Loseblattsammlung mit 4. Aktualisierungslieferung. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Siehe unter: www.medsektion-goetheanum.org&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Helmut Kiene, &#039;&#039;Komplementäre Methodenlehre der klinischen Forschung: Cognition-based Medicine,&#039;&#039; Heidelberg – Berlin 2001.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Gunver S. Kienle/ Helmut Kiene, &#039;&#039;Mistel in der Onkologie: Fakten und konzeptionelle Grundlagen&#039;&#039;, Schattauer 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== AKTUALITÄT DER FORSCHUNGEN RUDOLF STEINERS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche von Rudolf Steiner vorausgesehenen Entwicklungen in der Medizin sind inzwischen Stand der Wissenschaft?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Von Steiner vorausgesehene medizinische Entwicklungen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In Bezug auf die Medizin kann man feststellen, dass viele Aussagen in Bezug auf zukünftige medizinische Entwicklungen und Ergebnisse, die Rudolf Steiner vorausgesehen hat, mit denen er ganz selbstverständlich umging, wenn er über Medizin sprach, heute zum Allgemeingut der Wissenschaft gehören. Ich möchte im Folgenden zu jeder Ebene der menschlichen Konstitution Beispiele nennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Erbgut und Immunsystem – physische Ebene ====&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner sprach vor Heilpädagogen, Lehrern, Ärzten davon, dass das sich inkarnierende Kind selbst mit der Auswahl von Vater und Mutter und dem damit verbundenen Erbgut zu tun hat, und dass die sich inkarnierende Individualität selbst daran beteiligt ist, das Erbgut möglichst so zu mischen, wie es zu ihrem Inkarnationswillen passt. Er sagte auch, dass die sogenannten Kinderkrankheiten und fieberhaften Infekte, die während der ersten 8 – 9 Lebensjahre normalerweise gehäuft auftreten, der Individualität die Möglichkeit geben, den ererbten Leib sukzessive umzugestalten und an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genau diese Zusammenhänge wurden in den letzten Jahren im Rahmen der Epigenetik erforscht. Kein wissenschaftlich gebildeter Mensch glaubt mehr, dass das Erbgut ein geschlossenes System ist, das eine Marschroute vorgibt. Das Erbgut ist ein offenes System, das durch individuelle spirituelle Arbeit beeinflusst werden kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das führt heute zu völlig neuen Forschungsfragen auf dem Gebiet der &#039;&#039;„Mind-Body-Medicine“&#039;&#039;. Man erforscht dort die Wirkung von Medikation auf die neuronalen Verschaltungen, auf den Kreislauf usw. und merkt, dass die Medikation auch immunstimulierend wirkt, bzw. dass das Immunsystem dadurch verändert wird. Das Immunsystem wiederum ist das Schlüsselsystem, welches das Erbgut aktiviert und dafür sorgt, dass bestimmte Gene blockiert werden und nicht mehr funktionieren bzw. neue gezündet werden und anfangen zu funktionieren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir brauchen beide Ansätze, wenn wir eine wirklich humane menschliche Medizin schaffen wollen: Die Naturwissenschaft allein reicht nicht. Erst ergänzt um Erkenntnisse aus der Geisteswissenschaft wird Medizin wirklich menschengerecht. Denn es dauert viel zu lange, wenn erst jahrelang Nachweise von der Schädlichkeit einer Maßnahme erbracht werden müssen, bevor diese verboten wird, wie es der naturwissenschaftlichen Methodik entspricht. Dann kommt das Gute immer zu spät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Rudolf Steiners Forschungsmethode der Verifizierung&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Die Geisteswissenschaft macht methodisch das Umgekehrte. Sie macht aufgrund tiefer gehender Einblicke und Kenntnisse der menschlichen Konstitution Angaben über zu erwartende Ergebnisse einer Maßnahme. Man ist als Arzt und Therapeut immer frei, sich für das, was man für das Richtige hält, zu entscheiden. Das bedeutet, dass man für gut und richtig erkannte Maßnahmen und Methoden anwendet, auf diesem Wege verifiziert und anschließend dokumentiert, wie der Gedanke zum Tun und letztlich zu einem guten Ergebnis führte, wobei auftauchende Probleme reflektiert werden. Man erklärt z.B. genau, warum man eine Hypothese etwas modifizierte, um das gewünschte gute Ergebnis zu erzielen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das war die von Rudolf Steiner praktizierte Forschungsmethode: Aus profunder Menschenkenntnis und physiologischem Verständnis heraus eine Hypothese zu bilden und anschließend in der Praxis zu verifizieren, ob der hypothetisch angenommene Erfolg tatsächlich eintritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diesem Wege wurde in der anthroposophischen Medizin ein System für individuelle Einzelfalldokumentation auf hohem akademischem Niveau erarbeitet.[1] Es ist extrem viel Arbeit, diese Zusammenhänge so nachzuweisen, dass sie vor dem empirisch orientierten Denken der heutigen Zeit Bestand haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Rhythmusforschung – ätherische Ebene ====&lt;br /&gt;
Ein ähnlich begeisterndes Feld ist die Rhythmusforschung auf der ätherischen Ebene. Rudolf Steiner wurde nicht müde zu sagen: &#039;&#039;„Rhythmus trägt Leben“&#039;&#039;.[2] Beachtet und pflegt die Rhythmen – im meditativen Leben, in der Pädagogik, in der Medizin – und bedenkt, wann man was wie machen sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jedes Wesensglied hat seinen eigenen Rhythmus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039; folgt dem &#039;&#039;&#039;24-Stunden-Rhythmus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;Astralleib&#039;&#039; dem &#039;&#039;&#039;Wochenrhythmus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;Ätherleib&#039;&#039; dem &#039;&#039;&#039;Monatsrhythmus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* der &#039;&#039;physische Leib&#039;&#039; dem &#039;&#039;&#039;Jahresrhythmus&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir diese Rhythmen in unserem Lebensalltag beachten, verfügen wir über robuste Gesundheit – das ist heute alles durch die moderne Rhythmusforschung bestätigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Bindungs- und Beziehungsforschung – astrale Ebene ====&lt;br /&gt;
Auf seelischem Gebiet ist die Bindungs- und Beziehungsforschung angesiedelt. Heute ist klar nachgewiesen, was Rudolf Steiner immer wieder im paracelsischen Sinne betonte: dass die einzig wahre Arznei die Liebe ist. Was in der Arzt-Patienten-Beziehung als professionelle Liebe, als Hingabe an den Patienten wirkt, entspricht der Liebesqualität, die auch Lehrer- und Schülerseelen verbindet. Die Frage Steiners – &#039;&#039;„Kinder, habt ihr eure Lehrer lieb?“&#039;&#039; – war keine rhetorische Frage. Steiner scheute nicht davor zurück, ein Kind in die Parallelklasse zu schicken, wenn es seinen Lehrer nicht lieben konnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das findet in der heutigen Bindungsforschung seine Bestätigung: Eine Beziehung wirkt gesundend,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* wenn sie &#039;&#039;&#039;ehrlich&#039;&#039;&#039; ist, &lt;br /&gt;
* wenn sie von &#039;&#039;&#039;liebvollem Interesse für den anderen&#039;&#039;&#039; geprägt ist,&lt;br /&gt;
* wenn sie von &#039;&#039;&#039;Respekt vor der Autonomie des anderen&#039;&#039;&#039; getragen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind die drei christlichen Grundwerte – Wahrheit, Liebe, Freiheit – von denen wir in der Esoterik nicht müde werden zu sprechen. Alle esoterischen Übungen dienen der Entwicklung dieser Art von Menschlichkeit: dass es wahrhaftiger, liebvoller, freilassender, respektvoller wird im sozialen Miteinander. Dass das gegenseitige Verstehen gefördert wird, das Erwachen aneinander, das zum Verständnis führt. Nichts anderes wird helfen angesichts der Not und des Elends auf der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Traumatherapie – geistige Ebene ====&lt;br /&gt;
Auch auf geistigem Felde gibt es spannende Erkenntnisse. Es gibt heute sehr viele Verfahren, insbesondere auf dem Gebiet der Traumatherapie, die erkannt haben, dass ein schweres Trauma, ein schwerer Angriff auf Leib und Seele, nur als Initiation aufgefasst sinnstiftend verarbeitet werden kann. Es gibt keinen anderen Weg, der wirklich greift. Man kann gewisse Symptome zwar mit psychisch wirksamen Drogen dämpfen. Das ist aber keine Heilung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein schweres Trauma zu verarbeiten, ist ein langwieriger Prozess. Der erste Schritt besteht darin, das Trauma als Schwellenerlebnis in Bezug auf die geistige Welt zu erkennen. In der Folge gilt es dieses Erlebnis fruchtbar zu machen, indem man die Kräfte durchschauen lernt, die einen bedrücken und sie als luziferische und ahrimanische Gewalten unterscheiden lernt. Das gelingt erst vollends, wenn man auch die guten menschlichen Kräfte aufzufinden vermag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich möchte an dieser Stelle eine schlichte Herzmeditation vorlesen. In Rudolf Steiners Notizbuch stehen undatiert folgende Worte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich denke an mein Herz.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Es belebet mich.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Es erwärmet mich.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich vertraue fest auf das ewige Selbst,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;das in mir wirket,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;das mich trägt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Tragekraft an der Schwelle zu erkennen, ist für die eigene Identitätsfindung unerlässlich: dass man in sich die Instanz aufspürt, die angesichts der Vergänglichkeit und Zerbrechlichkeit des Leibes, unvergänglich und unzerbrechlich ist und einen über alle Abgründe des Lebens hinwegträgt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Initiationsweg ist für die anthroposophische Psychotherapie etwas Selbstverständliches. Wir können gar nicht über Entwicklung sprechen, wenn wir uns nicht auch mit all den Mühen auseinandersetzen, die der Entwicklung entgegenstehen. Deswegen fordert Rudolf Steiner in seinem Buch &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; im 1. Kapitel,[3] dass wir zwei Bücher studieren: Wenn wir das ernst nehmen, dürften wir gar nicht weiterlesen, ohne diese beiden Bücher studiert zu haben. Das eine ist &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der Höheren Welten?“,[4]&#039;&#039; das andere die &#039;&#039;„Geheimwissenschaft im Umriss“[5]&#039;&#039; – die Weltentwicklung und der Mensch. Ohne ein Wissen über die dort geschilderten Zusammenhänge und Entwicklungszyklen ist Anthroposophische Medizin nicht vollständig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man also bei uns in die Werkstatt blickt, sieht es sehr tätig und sehr optimistisch aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag auf der Welterziehertagung, Dornach 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Im „Freiburger Institut für angewandte Erkenntnistheorie und medizinische Methodologie“ wird derzeit an den praktischen Konsequenzen für ein neues Studiendesign gearbeitet, das sich auf hohem akademischem Niveau auf die individuelle Einzelfallanalyse stützt. Diese Methode wird in dem Werk von Helmut Keine beschrieben, &#039;&#039;Komplementäre Methodenlehre der klinischen Forschung: Cognition-based Medicine,&#039;&#039; Heidelberg – Berlin 2001.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://www.drhauschka.de/kosmos/werte/im-rhythmus/&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst.&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?&#039;&#039; GA 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Geheimwissenschaft im Umriss.&#039;&#039; GA 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== HEILSAMES ZUSAMMENSPIEL VON THERAPEUT UND PATIENT ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie geht man mit leidenden Patienten angemessen um?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie muss die eigene Seelenstimmung sein, dass sie den anderen da abholt, wo er ist?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielt der Patient bei seiner Heilung?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Professioneller Umgang mit dem Leiden anderer&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dem Leiden eines anderen Menschen in der richtigen Haltung zu begegnen, erfordert Fingerspitzengefühl und Professionalität. Wenn jemand z.B. deprimiert ist, helfen Sie ihm nicht, wenn Sie sagen: &#039;&#039;„Mir ging es auch schon einmal schlecht oder jetzt tun wir Ihnen hiermit etwas Gutes – Sie werden schon sehen, dass Sie sich dann wieder besser fühlen.“&#039;&#039; Ihm aus der eigenen Gesundheit heraus gut zuzureden ist laienhaft und wäre die falsche Herangehensweise. Das machen bereits die Nachbarn und Freunde – es wird endlos auf ihn eingeredet und am Ende geht es ihm nur noch schlechter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jemand, der deprimiert ist, muss dort abgeholt werden, wo er steht – das muss auch ein guter Psychotherapeut lernen. D.h. man muss den Betreffenden zunächst in seinem Leid bestätigen und Mitgefühl zeigen. Dann fühlt er sich ernst genommen und kann sich entspannen. Wenn jemand nicht reden will, wenn er nur ernst schaut, sollte man ruhig und sachlich mit ihm umgehen. Man darf schon ein feines Lächeln zeigen, aber kein provozierend aufmunterndes Verhalten an den Tag legen. Das wäre schon viel zu viel. Vor allem sollte man wach und präsent sein, sodass der andere spürt, man ist für ihn oder sie da. Das tut jedem gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Seele als Wahrnehmungsorgan für den anderen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner forderte in Bezug auf die Pflege – und eine therapeutische Anwendung ist auch eine pflegerische Maßnahme – dass die pflegenden Fachleute die Launen des Patienten studieren. Das bedeutet nun nicht, dass man sich über ihn erhebt und ihn nicht ernst nimmt, dass man sich als der große Analyst aufspielt und sein „schlechtes Benehmen“ verurteilt. Das ist alles nicht gemeint. Es geht vielmehr um ein hoch differenziertes, professionelles, seelisches Wahrnehmungsvermögen und um die Fähigkeit, sich so anzupassen an die Zustände eines anderen, dass man in der Lage ist, Seelenstimmung des Anderen in wahrzunehmen. Um das zu können, muss ich meine eigene Seele zum Wahrnehmungsorgan machen für den anderen – was ich nur kann, wenn ich die menschlichen Seelenzustände gut kenne. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der &#039;&#039;Theosophie&#039;&#039;[1], einem sehr empfehlenswerten Buch für Anfänger in der Anthroposophie, sagt Rudolf Steiner, man könne lernen, seine Sympathien und Antipathien zu einem Wahrnehmungsorgan umzubilden für die Seelenstimmungen eines anderen Menschen. Wenn mir also ein Verhalten unsympathisch ist und ich Antipathie empfinde, erfahre ich dadurch ganz objektiv etwas über mich &#039;&#039;und&#039;&#039; den anderen. Antipathie ist nicht zum Ärgern da – sie soll der Wahrnehmung und dem Erkennen dienen. Das Gleiche gilt für die Sympathie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entwicklungsgedanke macht Mut&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Als ich noch Medizinstudentin war, kurz vor meiner Promotion, machte ich ein Praktikum auf einer Rheumastation. Ich hatte dort mit einer älteren Frau zu tun, Mitte 60, um die ich mich als junge, unerfahrene Medizinerin enorm bemüht hatte, so wie man das als junger Mensch macht. Ich habe die Frau noch heute vor mir – denn die ersten Patienten vergisst man sein Leben lang nicht. Sie sagte plötzlich: &#039;&#039;„Ich weiß überhaupt nicht, warum Sie sich mit mir solche Mühe geben. Das lohnt sich doch alles gar nicht mehr.“&#039;&#039; Ich erschrak und wusste in dem Moment nicht, wie ich darauf reagieren sollte. Diesen Schreck hat sie natürlich auch wahrgenommen. Ich konnte nur sagen: &#039;&#039;„Sie machen mich sprachlos. Ich weiß nicht, was ich Ihnen antworten soll.“&#039;&#039; Nach einer Weile fielen mir ein paar wichtige anthroposophische Argumente ein: dass jeder Tag in der Entwicklung zählt und dass doch auch ein gesunder Mensch nicht weiß, ob er am nächsten Tag noch lebt oder einen Autounfall erleidet usw.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lebensmüdigkeit ist ein Zeichen dafür, dass jemand den Entwicklungsgedanken noch nicht kennenlernen durfte, dass ihm dieses kostbarste Geheimnis noch verschlossen ist. Dann sollte man sich Zeit nehmen, egal welches Alter der Betreffende hat, und ihm oder ihr den Entwicklungsgedanken nahebringen. Die schönsten Gelegenheiten dazu ergeben sich noch kurz vor dem Tod. Ein tiefes Verständnis für Entwicklung kann dazu beitragen, dass jemand mit dem festen Willen über die Schwelle geht, es im nächsten Leben von vornherein anders anzugehen, die Zeit für Entwicklung zu nützen, aus dem Wissen heraus, wozu sie dient und wohin die Reise geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ganzheitlicher Blick auf den Menschen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Therapeutische Anwendungen wirken völlig anders, wenn ein Patient aktiv mitarbeitet, wenn er das Gefühl hat, dass jeder Tag zählt und sich die Qualität seines restlichen Lebens dadurch verbessern kann und er in der Zeit, die ihm bleibt, vielleicht doch noch das eine oder andere tun, denken oder erleben kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn auch bei der sogenannten Physiotherapie, bei der es primär um den physischen Leib zu gehen scheint, darf man die anderen Ebenen und Aspekte nicht vergessen bzw. außer Acht lassen. Auch sie beeinflussen das Körpergeschehen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die Lebenskräfte &lt;br /&gt;
* die seelische Integrität&lt;br /&gt;
* die geistige Identität&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* das Entwicklungspotential&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wichtigste ist der letzte Aspekt: den Menschen als in Entwicklung begriffenes Wesen zu sehen, das an die Vergangenheit angeschlossen und auf die Zukunft hin ausgerichtet ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne das Wissen des Therapeuten um diese Ganzheit können Anwendungen nicht wirklich gut wirken. Andererseits können sie eine enorme Verstärkung erfahren, wenn der Therapeut die anthroposophische Seelenkunde kennt und auch die Bereitschaft aufbringt, sich selbst auf professionelle Weise seelisch und geistig weiterzuentwickeln. Dann wird sich der ganzheitliche Blick auf den Menschen dem Patienten atmosphärisch mitteilen und die Heilung begünstigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag anlässlich des Jubiläums des 100. Geburtstags von Werner Junge, Okt. 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Theosophie&#039;&#039;, GA 9.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE FÜNF EBENEN DES MENSCHSEINS IM MEDIZINISCHEN SYSTEM ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Ebenen des Menschseins gibt es?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welches medizinische System setzt auf welcher Ebene an?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verschiedene medizinische Systeme&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wir Menschen sind komplexe Wesen, die auf unterschiedlichen Ebenen angesprochen werden können. Jedes medizinische System setzt auf einer oder mehreren dieser Ebenen an. Im Folgenden möchte ich die einzelnen Systeme kurz umreißen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;&#039;Homöopathie&#039;&#039;&#039; ist eine alternativmedizinische Behandlungsmethode, die auf den ab 1796 veröffentlichten Vorstellungen des deutschen Arztes Samuel Hahnemann beruht. Die wichtigste Grundannahme ist das Ähnlichkeitsprinzip: &#039;&#039;„Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden“ (similia similibus curentur)&#039;&#039;. Danach solle ein homöopathisches Arzneimittel so ausgewählt werden, dass die Inhaltsstoffe der Grundsubstanz unverdünnt an Gesunden ähnliche Krankheitserscheinungen (Symptome) hervorrufen könnten wie die, an denen der Kranke leidet, wobei auch der „gemüthliche und geistige Charakter“ des Patienten berücksichtigt werden solle (vgl. wikipedia).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter &#039;&#039;&#039;Spagyrik&#039;&#039;&#039; (aus dem Griechischen spao „(heraus)ziehen, trennen“ und ageiro „vereinigen, zusammenführen“) werden verschiedene Heilsysteme zusammengefasst. Das therapeutische Ziel ist die positive Beeinflussung der „Lebenskraft“ und damit die Aktivierung der Selbstheilungskräfte. Grundlage bilden die antike Naturphilosophie (z.B. die „Elementenlehre“), die Signaturenlehre und die Humoralpathologie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit &#039;&#039;&#039;Psychosomatik&#039;&#039;&#039; wird in der Medizin die Betrachtungsweise und Lehre bezeichnet, in der die psychischen Fähigkeiten und Reaktionsweisen von Menschen in Gesundheit und Krankheit in ihrer Eigenart und Verflechtung mit körperlichen Vorgängen und sozialen Lebensbedingungen in Betracht gezogen werden. Ihre Erforschung und Umsetzung in der Krankenbehandlung erfolgt in der Psychosomatischen Medizin (vgl. wikipedia).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Psychotherapie&#039;&#039;&#039; wurde früher die Lehre von der Heilung der erkrankten Seele genannt, um sie von einer Psychologie als Lehre von der gesunden Seele und einer Psychiatrie als Lehre von der erkrankten Seele abzugrenzen. Heute wird die psychotherapeutische Behandlung bzw. Heilung im Zusammenhang mit Körper und Seele eines ganzheitlich gesehenen Menschen verstanden und erklärt. Davon zu unterscheiden ist die beratende Psychologie, die sich mit allgemeinen Problemen der Lebensführung befasst (vgl. wikipedia).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit &#039;&#039;&#039;Körpertherapie&#039;&#039;&#039; werden Behandlungsmethoden zur Verbesserung von Körperhaltung, Bewegungsabläufen sowie zur direkten oder indirekten Unterstützung von Körperfunktionen bezeichnet. Je nach Methode werden spezielle manuelle Techniken, Massagearten, Bäder bzw. Anleitungen zur Schulung von Haltungen und Bewegungen angewendet. Fast alle Körpertherapiemethoden betonen die Bedeutung psychosomatischer Wechselwirkungen und gehen davon aus, dass die Körpertherapie positive psychische Veränderungen bewirkt (vgl. wikipedia).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Integrativer Ansatz der Anthroposophischen Medizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Anthroposophische Medizin versucht alle gemeinsam in den Blick zu nehmen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Physische Eben&lt;br /&gt;
# Ätherische Ebene&lt;br /&gt;
# Astrale Ebene&lt;br /&gt;
# Identitäts-, Ich-Organisations-Ebene&lt;br /&gt;
# Geistige Orientierung, Weltanschauung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Physische Ebene und Medizin ====&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;Schulmedizin&#039;&#039; baut ganz auf der Erkenntnis des Physischen auf. Kliniken werden entsprechend zunehmend zu Technik-Zentren. Dass der Mensch sich dabei oft nicht menschlich behandelt fühlt, zeigt deutlich, dass das nicht genügt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ätherische Ebene und Medizin ====&lt;br /&gt;
In &#039;&#039;Homöopathie&#039;&#039; und &#039;&#039;Spagyrik&#039;&#039; z.B. weiß man, dass alles Leben prozessual verläuft, dass alle Substanzen aus Prozessen hervorgehen und dass alle Wirksamkeit zeitabhängig ist, im Guten wie im Schlechten. Daraus ergeben sich viele weitere Therapieverfahren, die prozessorientiert sind, sich auch mit den Lebensgewohnheiten und -rhythmen befassen und mit dem Geheimnis von Entwicklung im therapeutischen Prozess arbeiten. Wenn man lernt sein Leben den Ätherkräften oder Lebenskräften gemäß zu gestalten, wird sich das gesundend auswirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Astrale Ebene und Medizin ====&lt;br /&gt;
Auf der Gefühlsebene geht es um unsere ungemein verwundbare Seele mit ihrer Gefühlswelt, deren Wirkung auf den Körper nicht unterschätzt werden darf. Hier setzen die &#039;&#039;Psychosomatik,&#039;&#039; alle &#039;&#039;Psychotherapieverfahren&#039;&#039; sowie auch diverse &#039;&#039;Körpertherapien&#039;&#039; an. Die Anthroposophische Medizin stellt sich die zentrale Frage:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie können wir einen Kranken, der leidet, so begleiten, dass er sich trotzdem als Teil einer wohlwollenden Schöpfung und damit als ein wichtiger Teil des Ganzen fühlt?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manchmal ist das Gefühlsleben so erstarrt und verkapselt, dass man es nicht mehr über Worte oder über ein Medikament erreichen kann. Wenn man so jemandem dann ein warmes Bad bereitet – wobei es auf genau die richtige Temperatur ankommt – und dieses Bad Düfte verströmt, die der Betreffende noch nie so richtig wahrgenommen hat, können der starke Wärmereiz, der Duft, die menschliche Nähe dazu führen, dass sich dieser Mensch im eigenen Körper wieder wohl und angenommen fühlt. Das ist nicht zu unterschätzen. Auch die Umgebung, in der das Bad stattfindet, ist entscheidend: Ob es dort nur öde, kalte Fliesen gibt oder ob die Wände angenehme Farben haben, ob dort ein Bild hängt usw. Man kann auch in der Sterbebegleitung Bäder miteinbeziehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Identität und Medizin ====&lt;br /&gt;
Das gilt auch für das Identitätserleben: Es hängt von der &#039;&#039;Art der Ansprache und Ausrichtung der Therapie&#039;&#039; auf die Bedürfnisse eines Patienten ab, ob er sich als Mensch, als Individualität, wahrgenommen fühlt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Weltanschauung und Medizin ====&lt;br /&gt;
Essentiell für die Gesundung ist aber auch eine &#039;&#039;geistige Ausrichtung bzw. Lebensanschauun&#039;&#039;g, die die Möglichkeit der Entwicklung impliziert. Viele Weltanschauungen heute sind so, dass sie von einem perfekten Selbstbild ausgehen, also von einem fertigen Ergebnis: Man will rasch mit der Ausbildung fertig sein, damit man mit möglichst wenig Aufwand viel Geld verdienen und daneben noch Spaß am Leben haben kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine menschengemäße Weltanschauung dagegen impliziert, dass man sich auf allen Ebenen, egal ob beruflich oder privat, nach demselben Entwicklungsziel ausrichtet. Die Arbeitszeit wird genauso als Entwicklungszeit gesehen wie die private Zeit: Alles ist Lebenszeit, ist Entwicklungszeit, bildet zusammen die eigene Biographie. Um das so sehen und wertschätzen zu können, braucht man eine entwicklungsorientierte Weltanschauung, die einem hilft, die unterschiedlichen Bereiche und Aspekte so zu verbinden, dass man jeden Augenblick zur Entwicklung nützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag anlässlich des Jubiläums des 100. Geburtstags von Werner Junge, Okt. 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FÜNF QUELLEN FÜR KRÄNKUNG UND HEILUNG ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen Zusammenhang gibt es zwischen kränkenden und heilenden Einflüssen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wie Kränkung und Heilung zusammenhängen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ich möchte als Ärztin den Zusammenhang zwischen heilenden, therapeutischen Impulsen und Krankheitsimpulsen erläutern – sie stammen beide aus denselben fünf Quellen, die uns unser Leben lang beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Quelle auf dem physischen Plan – Karma-Impuls ====&lt;br /&gt;
Dazu gehört alles, was uns Menschen auf dem physischen Plan begegnet und zustößt: Unendlich viel Kränkendes wirkt von Kind an von außen aus der Umwelt auf uns ein, nicht nur in ökologischer, sondern auch in beruflicher und privater Hinsicht, was oft besonders quälend ist. Das heißt, aus der uns umgebenden Umwelt treffen uns unser Leben lang zahlreiche negative Attacken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann jedoch durch eine bewusste Gestaltung der schicksalhaften äußeren Umstände, z.B. indem man gut überlegt, wie, wann und wo man sich auf Begegnungen einlässt, Kränkungen minimieren. Und man kann Kräfte im Inneren aufrufen, um mit solchen Kränkungen von außen besser zurechtzukommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Quelle auf dem ätherischen Plan – Gralsimpuls ====&lt;br /&gt;
Auf dieser Ebene können Gewohnheiten kränkend wirken sowie alles Hässliche, das uns über die Sinne und über unser Denken begegnet, alles, was mit Rhythmen zu tun hat, denen wir folgen oder nicht folgen. Dazu gehören auch unsere Charaktereigenschaften, denen wir mehr oder weniger ausgeliefert sind, mit denen wir mehr oder weniger ringen. Dazu gehört aber auch alles, was die Zeitgestalt unserer Biografie ausmacht: der Tagesablauf, die zeitliche Gestaltung der Woche, des Monats und des Jahres.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir unser Leben den Ätherkräften oder Lebenskräften gemäß gestalten lernen, wird sich das gesundend auf uns auswirken, dann kann aus dieser Quelle Gesundheit geschöpft werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Quelle auf dem astralen Plan – Sophia-Impuls ====&lt;br /&gt;
Hier sind seelische Beziehungen oft die Ursache für Kränkungen, besonders wenn sie sich auf der Gefühlsebene abspielen. Gefühle sind laut Rudolf Steiner Vorboten von Gesundungs- bzw. Kränkungstendenzen. Zu den Jungmedizinern[1] sagte er, der Arzt der Zukunft wäre in der Lage, den Gesundheitszustand seiner Patienten durch eine feine Beobachtung ihres Gefühlslebens zu diagnostizieren. Er würde ihre Gefühle anschauen und Gesundheits- und Krankheitsdispositionen benennen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Mensch weiß aus der Beobachtung seiner selbst und anderer, dass er krankheitsgefährdet ist, wenn er Mühe hat, seine Gefühle so auszubalancieren, wie er es normalerweise vermag. Wenn Kinder schlecht gelaunt sind, ist das für die Mutter meist ein deutliches Zeichen, dass sie etwas „ausbrüten“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Schwierige Gefühlskontrolle&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Wenn man anfängt sich zu schulen, z.B. indem man mit &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“&#039;&#039;[2] zu arbeiten beginnt, merkt man, wie ungehobelt und unerzogen das eigene Gefühlsleben noch ist. Mit dem Denken und dem Wollen zu arbeiten, ist relativ leicht. Das Gefühlsleben ist am schwersten zugänglich, weswegen bei den Nebenübungen die Gefühle erst an dritter Stelle genannt werden: Zuerst wird die Gedankenkontrolle geübt, dann die Willens- und Handlungskontrolle und erst als Drittes, Letztes, Schwierigstes im Seelenleben die Gefühlskontrolle. Man muss im Denken und Wollen quasi bereits Tritt gefasst haben, bevor man sich an diese sensible Mitte wagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Quelle auf der Ich-Ebene – Michael-Impuls ====&lt;br /&gt;
Mit der Ebene des Wortes sind wir beim Kern, beim Ich-Impuls, dem Michael-Impuls, angelangt. Man hat den Eindruck, diese Inspirationsquelle für Gesundheit und Krankheit war Rudolf Steiner besonders nahe. Sie betrifft ja die Ich-Ebene, auf der wir uns alle selbst am nächsten sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wirkt das Ich nun kränkend?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann es heilend wirken?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Paracelsus[3] nennt das Ich den „Indwendig-Arzt“. Für Albert Steffen[4] war offensichtlich: Das niedere Selbst kränkt, das Höhere Selbst heilt. So versuchte er auch in seinen Dramen das Niederste, aus dem heraus seine Figuren handelten und Verbrechen begingen, immer wieder in Zwiesprache zu bringen mit dem Hohen, dessen verzerrtes Abbild das Niedere ist, sodass die tiefe Selbstkränkung, wenn die niedere Natur siegt, durch das heilsame Einwirken des höheren Menschen ausgeglichen werden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Quelle auf dem menschheitlichen Plan – Christusimpuls ====&lt;br /&gt;
Die fünfte Quelle der Kränkung, die menschheitliche Situation im Sozialen, in der wir uns heute alle befinden, hat mit den rasanten Veränderungen der heutigen Zeit zu tun. Wenn man Menschen fragt, was sie am meisten kränkt oder womit sie am wenigsten zurechtkommen, sagen die meisten der durchschnittlichen und normal gesunden Menschen, dass sie an den immer schwerer zu durchschauenden menschheitlichen Krisen, Konflikten und Problemen der heutigen Zeit leiden. Das zu kompensieren, in alledem froh und lebensbejahend zu bleiben, sich angesichts dieser schwierigen Zeitverhältnisse aufrecht zu halten, macht dem Menschen heute viel mehr Mühe, als persönliche Probleme zu kompensieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese fünfte Krankheitsquelle kann nur durch eine menschheitlich weitblickende Perspektive zur Gesundheitsquelle verwandelt werden. Denn man läuft Gefahr am Augenblick zu verzweifeln, wenn man Krisen und Konflikte nicht in einem viel größeren Zusammenhang sehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag „Das Therapeutische in der Dichtung von Albert Steffen“ anlässlich der Steffen-Ausstellung am Goetheanum, Neujahr 2010&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Jungmedizinerkurs&#039;&#039;, GA 316.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?&#039;&#039;, GA 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Philippus Theophrastus Aureolus Bombastus von Hohenheim, getauft als Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, (* vermutlich 1493 in Egg, Kanton Schwyz; † 24. September 1541 in Salzburg) war ein Arzt, Alchemist, Astrologe, Mystiker, Laientheologe und Philosoph. Paracelsus hinterließ zahlreiche deutschsprachige Aufzeichnungen und Bücher medizinischen, astrologischen, philosophischen und theologischen Inhalts, die größtenteils erst nach seinem Tod gedruckt wurden. (wikipedia)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Albert Steffen (* 10. Dezember 1884 in Wynau; † 13. Juli 1963 in Dornach) war ein Schweizer Schriftsteller und Anthroposoph. Nach dem Tode Rudolf Steiners war Steffen ab 1925 dessen Nachfolger als Vorsitzender der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft. (wikipedia)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FÖRDERUNG VON PATIENTENKOMPETENZ ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist unter Patientenkompetenz zu verstehen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielt der Patient im Gesundheitssystem?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sind seine Möglichkeiten, ja Aufgaben in Bezug auf die nötigen Reformen des Gesundheitswesens?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Notwendige Demokratisierung des Gesundheitswesens&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Bereits 1920 hat Rudolf Steiner in einem seiner öffentlichen Vorträge die „Demokratisierung des Gesundheitswesens“ gefordert.[1] Ärzte, Apotheker, Hersteller und Verbraucher seien herausgefordert, gemeinsam und in Partnerschaft mit den Patienten bzw. Bürgern Mitverantwortung für die Gestaltung des Gesundheitswesens zu übernehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Zielsetzung fühlt sich die Anthroposophische Medizin bis heute verpflichtet. So werden der Gesundheitsaufklärung und Prävention, aber auch der Hilfestellung für eine vertretbare Selbstmedikation viel Aufmerksamkeit geschenkt.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinzu kommt ein großes Engagement für eine gesundheitsfördernde Erziehung und Umgebungsgestaltung einschließlich gesunder Ernährung und nachhaltiger biologischer und biologisch-dynamischer Landwirtschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Mündiger Patient als Regulator&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die inzwischen chronisch gewordene Diskussion um die Reform des Gesundheitswesens zeigt zudem deutlich, dass selbst die besten Ideen für eine Neustrukturierung des Gesundheitswesens zu keiner befriedigenden Kostenregulierung führen können, wenn sich nicht der mündige Patient mit als Regulator empfindet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gehört heute zur Patientenkompetenz, sich selbst auch Gedanken zur Gesundheitsvorsorge sowie zu bestimmten diagnostischen und therapeutischen Verfahren zu machen und letztlich zu bestimmen, was geschehen soll. Auch ist schon lange evident, in welch hohem Maß der Patient de facto für seine Gesundheit Verantwortung trägt. Spätestens anlässlich einer Operation wird ihm bewusst, dass der Arzt zwar über die damit verbundenen Risiken aufklärt und sein Bestes tut, er selbst jedoch mit den Risiken und Folgen zu leben hat und folglich Entscheidungsträger sein muss. Es ist keine Frage, dass medizinische Grundkenntnisse heute zur notwendigen Allgemeinbildung gehören und das menschliche Selbstverständnis in Gesundheit und Krankheit mit­prägen. Apotheker und Ärzte werden daher zunehmend in ihrer Lehr- und Berufskompetenz gefordert, um die erforderliche Hilfe zur Selbsthilfe leisten zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Artikel in der Deutschen Apothekerzeitung DAZ Nr. 39, 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Hygiene als soziale Frage, in: Physiologisch-Therapeutisches auf Grundlage der Geisteswissenschaft&#039;&#039;, GA 314. Dornach 1989, S. 221-261.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] M. Glöckler, B. Emde, &#039;&#039;Anthroposophische Medizin, in: Komplementärmedizin für die Kitteltasche. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation,&#039;&#039; Stuttgart 2009 und ders.: &#039;&#039;Anthroposophische Medizin, In: Komplementärmedizin für Kinder. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation&#039;&#039;, Stuttgart 2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ANTHROPOSOPHISCHE PSYCHOTHERAPIE ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist das Besondere an der anthroposophisch inspirierten Psychotherapie?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welches Licht wirft der Karma-Gedanke auf seelisch-geistige Probleme?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Lektüre zur anthroposophischen Psychotherapie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im Hinblick auf diese Schicksalsdramatik des Menschseins sind die &#039;&#039;Mysteriendramen[1]&#039;&#039; von Rudolf Steiner ein ganz zentrales Werk. Wenn mich Biografiearbeiter, Psychologen und Ärzte, die sich für Seelenkunde interessieren, fragen: &#039;&#039;„Wie kann man sich in das Gebiet des Seelischen aus Sicht der Anthroposophie einarbeiten?“,&#039;&#039; empfehle ich gerne die pädagogischen Vorträge von Rudolf Steiner über die drei Jahrsiebte,[2] aber auch das Studium von &#039;&#039;„Grundlegendes…“[3],&#039;&#039; begleitet von der Lektüre der Karmavorträge.[4] Diese Werke sind das Fundament einer vom Schicksalsgedanken inspirierten anthroposophischen Psychotherapie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich möchte im Folgenden in aller Kürze ein paar Gesetze nennen, wie sie uns Rudolf Steiner aus seiner Forschung mitgeteilt hat – zum Überprüfen, zum Umgang damit, zum Überlegen, ob sie hilfreich sind für Ihre Arbeit. Wir können diese Forschungsergebnisse z.B. auch als Arbeitshypothese nehmen bei unserem täglichen Tun. Wenn sie sich als fruchtbar erweisen, können Sie diesen Weg weiterverfolgen, wenn nicht, greifen Sie zu anderen Werkzeugen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Karmische Ursache für seelische Erkrankungen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Auf die Frage, worin die Ursache für seelische Erkrankungen läge, antwortete Rudolf Steiner in den &#039;&#039;„Offenbarungen des Karma“[5]&#039;&#039; und in der &#039;&#039;„Akasha-Chronik“[6]:&#039;&#039; &#039;&#039;„Die Ursache für seelische Erkrankungen liegt in einem mangelnden Interesse am anderen Menschen in einem früheren Erdenleben“&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier geht es nicht darum, durch welche Faktoren es zu diesem mangelnden Interesse kam, es ist rein phänomenal betrachtet, hat mit Schuld und Unschuld nichts zu tun. Fakt ist demnach: Ein Mensch, der in seinem Erdendasein kein warmes Interesse für andere Menschen entwickeln konnte – und sei es nur für &#039;&#039;einen&#039;&#039; Menschen – dem fehlt im nachtodlichen Leben, wenn das Menscheninnere, das Seelische, Außenwelt wird, die Orientierung. Er ist dann nicht in der Lage, sich an diesem neuen Äußeren so zu orientieren, dass er sich einen neuen Körper aufbauen kann, der beim Heranwachsen ein gesundes Seelenleben ermöglicht, wenn die Wesensgliederkräfte frei werden. Das möchte ich im Folgenden kurz näher erläutern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Wesensglieder und ihre leibgebundenen und leibfreien Kompetenzen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Zum&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Physischen Leib&#039;&#039; gehört unser physischer Körper, die Sinnesorgane und die daraus resultierende Gnade der Wahrnehmung.&lt;br /&gt;
* Zum &#039;&#039;&#039;Ätherleib&#039;&#039;&#039; gehören die unbewussten leibgebundenen Lebens- Wachstums- und Regenerationsprozesse und das leibfreie Denkvermögen.&lt;br /&gt;
* Zum &#039;&#039;&#039;Astralleib&#039;&#039;&#039; gehören die leiblichen Differenzierungsprozesse, die Bewegungskompetenz und das Fühlen als leibfreie seelisch regsame Kompetenz.&lt;br /&gt;
* Zur &#039;&#039;&#039;Ich-Organisation&#039;&#039;&#039; gehören die leiblichen Integrationsprozesse, die Erlangung der richtigen Proportionen beim körperlichen Wachstum und die leibfreie Fähigkeit in Ganzheiten zu denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kind gewinnt im &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;1. Jahrsiebt&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; mithilfe der &#039;&#039;ätherischen Wachstumskräfte&#039;&#039; bis zum Zahnwechsel an &#039;&#039;Größe&#039;&#039;. Die Kräfte, die ihre Arbeit getan haben, werden sukzessive leibfrei und stehen zunehmend dem DENKEN zur Verfügung. Das Freiwerden der ätherischen Kräfte aus dem Körper kulminiert in der &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Schulreife&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;. Dieser Höhepunkt wird auch &#039;&#039;&#039;Geburt des Ätherleibes&#039;&#039;&#039; genannt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;2. Jahrsiebt&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; reifen zusätzlich die &#039;&#039;seelischen Kompetenzen&#039;&#039; heran, indem die &#039;&#039;astralen Kräfte&#039;&#039; zuerst den &#039;&#039;Leib durchdifferenzieren&#039;&#039; und, wenn sie ihre Arbeit getan haben, sukzessive leibfrei werden und das FÜHLEN ermöglichen. Die Kulmination des Freiwerdens der astralen Kräfte aus dem Körper zur &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Geschlechtsreife&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; wird auch &#039;&#039;&#039;Geburt des Astralleibes&#039;&#039;&#039; genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;3. Jahrsiebt&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; reifen die &#039;&#039;geistigen Kompetenzen&#039;&#039; heran, indem die &#039;&#039;Integrations-Kräfte&#039;&#039; der Ich-Organisation den heranwachsenden Körper in eine &#039;&#039;stimmige Ganzheit&#039;&#039; verwandeln und anschließend als WOLLEN zur Verfügung stehen. Wenn der Jugendliche ausgewachsen ist, kulminiert dieser Prozess in der &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Mündigkeit&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; bzw. selbstverantwortlicher Handlungsfähigkeit und wird auch &#039;&#039;&#039;Geburt des Ich&#039;&#039;&#039; genannt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entsprechung von Lebensprozess und seelisch-geistiger Kompetenz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Alle leibfreien Kompetenzen sind verwandelte Lebenstätigkeit des Organismus: So wie wir dank der unbewussten Lebenskräfte die Nahrung zerkleinern und aufspalten (= analytisch) und anschließend zu menschlicher Substanz zusammensetzen (= synthetisch) – dieser Prozess wird Stoffwechsel genannt – so denken wir entsprechend mit den leibfrei gewordenen bewussten Ätherkräften auch analytisch und synthetisch. Das ist nur ein Beispiel für die Entsprechung von leibgebundener Lebenskraft und leibfreier Kompetenz im Denken, Fühlen und Wollen. Man kann sagen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Denken&#039;&#039;&#039; ist metamorphosierte &#039;&#039;leibfreie Wachstumskraft&#039;&#039; (Ätherleib).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Fühlen&#039;&#039;&#039; ist metamorphosierte &#039;&#039;leibfreie Astralität&#039;&#039; (Astralleib).&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wollen&#039;&#039;&#039; ist leibfreie zur Verfügung stehende &#039;&#039;Ich-Tätigkeit&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem bisher Gesagten, wollte ich den innigen Zusammenhang zwischen leiblicher Konstitution und seelisch-geistiger Disposition deutlich machen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das heißt, es hängt von der Qualität der Organe und dem Ablauf der leiblichen Prozesse ab, ob die daraus hervorgegangenen seelischen Kräfte sich frei handhaben lassen oder ob sie den Menschen überfluten, attackieren und bezwingen – was sich dann als psychisches Störungsbild zeigen kann. Ist Letzteres der Fall, bedeutet das, dass die Ich-Kompetenz, die in das Erdeninstrument des Leibes hereinleuchten und sich ihm über die Ich-Organisation mitteilen möchte, sich an den Organen nicht richtig zu spiegeln vermag und sich auch nicht im Seelischen beheimaten kann, weil die aus dem Leib hervorgegangene Seelenkonfiguration es nicht oder nur eingeschränkt zulässt. Die Qualität des seelischen Erlebens hängt also immer auch von Art und Qualität der Leibbildung ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ringen mit Schwäche bringt zukünftige Stärke&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dazu ein Beispiel: Möglicherweise leidet man darunter, dass man seelisch nicht richtig in Beziehung kommen kann zu anderen Menschen. Man erlebt sich als in sich selbst gefangen – was laut Rudolf Steiner als karmische Ursache das fehlende Interesse an anderen hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesem großen Schmerz folgt jedoch im Nachtodlichen die große Befreiung, weil man so sehr mit den Beziehungen und mit sich selbst gerungen hat, dass man für die kommende Inkarnation ein besonders geeignetes Erdeninstrument bilden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit anderen Worten: Wenn wir interessiert und ehrlich miteinander umgehen, bauen wir damit gesunde Seelenkräfte für das nächste Leben auf. Unser Bemühen ist nicht nur für dieses Leben wichtig und gut und erleichtert uns das Leben und die Arbeit. Das Interesse an anderen Menschen und am sozialen Miteinander ist zugleich die Vorbereitung für eine besonders gesunde und starke Seele im nächsten Leben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag an der Jahreskonferenz der Med. Sekt. am Goetheanum zum Thema Anthroposophische Psychiatrie, Dornach 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Vier Mysteriendramen&#039;&#039;, 1910-13, GA 14.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft&#039;&#039;, in: &#039;&#039;Luzifer-Gnosis&#039;&#039;. GA 34. Dornach 1987.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Offenbarungen des Karma&#039;&#039;, GA 120.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Aus der Akasha-Chronik&#039;&#039;, GA 11.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FRAGEN ZUM THEMA ANTHROPOSOPHISCHE MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;FRAGE:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Wie ist es, wenn man in Asien über Anthroposophische Medizin spricht?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;ANTWORT:&#039;&#039;&#039; In Asien ist Spiritualität in der Medizin viel selbstverständlicher als in Europa.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu ein konkretes Beispiel: In Indien praktiziert man Ayurveda. Wenn man dort das Anthroposophische Menschenbild erklärt, erkennt man, dass es 1:1 dasselbe ist wie das Ayurvedische. Der einzige Unterschied besteht darin, dass das ayurvedische Menschenbild und Gesundheitsverständnis in Worten und Begriffen dargestellt sind, die es nicht erlauben, eine direkte Verständnisbrücke zur naturwissenschaftlichen Medizin zu bauen. Das aber kann die Terminologie der Anthroposophischen Medizin leisten. Daher interessieren sich die Kursteilnehmer für die Anthroposophische Medizin, weil sie dadurch ihr eigenes System besser verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ging es auch einer Freundin von mir – sie ist Inderin –, die durch die Anthroposophische Medizin ihre Hindu-Spiritualität neu entdeckte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir begleiten z.B. Kollegen, die Ayurveda-Ärzte bleiben wollen, indem wir sagen: Ihr könnt anthroposophischer Ayurveda-Arzt werden. Und so haben wir dort schon anthroposophische Homöopathen zertifiziert, anthroposophische Ayurveda-Ärzte sind in Ausbildung und Schulmediziner können „normale“ anthroposophische Ärzte werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;FRAGE:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Mich interessiert, wie man die Anthroposophie, die ja stark mit dem Christentum zusammenhängt, mit anderen Religionen verbinden kann.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;ANTWORT:&#039;&#039;&#039; Das Wesentliche am Christentum ist das rein Menschliche, von dem man in jeder Kultur sprechen kann. Für den Buddhistischen Kulturkreis wird es von Buddha verkörpert, der im Herzen und in der Aura lebt, in der Gerechtigkeit, in der Wahrheit, in der Liebe, in all den Werten, deren Pflege Menschlichkeit fördern. Nur ein Wert findet sich bevorzugt und eigentlich nur im Christentum und wird dort konsequent berücksichtigt: Wert und Würde der menschlichen Freiheit, so wie sie bei Johannes im 8. Kap. veranlagt ist: &#039;&#039;„Ihr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen“&#039;&#039;.[1] Da der Christus aber von sich selber sagt: &#039;&#039;„Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“&#039;&#039;, ist klar, dass er nicht die Freiheit verkörpert, aber uns zu freien Wesen machen möchte, zu seinen Freunden – &#039;&#039;„denn ein Knecht weiß nicht, was sein Herr tut“.&#039;&#039;&#039;[2]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Da die Anthroposophie auf dem Weg der „Philosophie der Freiheit“[3] von Steiner beruht, geht es bei allem um diesen zentralen christlichen Wert, auch wenn man den Namen des Christus nur nennt, wenn es passt oder gefragt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;FRAGE:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Sie hatten von dem Paradigmenwechsel vom pathogenetischen Krankheitsbild zum integrativ-salutogenetischen gesprochen und gemeint, dass das gut machbar wäre. Ich wollte Sie bitten, noch näher darauf einzugehen, weil wir uns auch im Rahmen des Studiums sehr viele Gedanken dazu machen und uns fragen, wie es gerade in der konkreten Umsetzung in einem normalen Krankenhaus möglich wäre, so einen Paradigmenwechsel vorzuleben&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;ANTWORT:&#039;&#039;&#039; Das ist in der Praxis zugegebenermaßen sehr schwer. Deswegen braucht es Netzwerke von vielen Medizinern, die sich gegenseitig immer wieder motivieren, Mut zusprechen, Tricks verraten, was man tatsächlich machen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meiner Erfahrung nach gibt es zwei Felder, bei denen man unmittelbar ansetzen kann, auch im kommunalen Krankenhaus: Man kann präventiv-medizinisch beraten, bei der Erziehung und Selbsterziehung ansetzen. -  Wir Ärzte müssen uns schon deshalb intensiv mit Pädagogik auseinandersetzen, weil fast alle Eltern Fragen zu diesem Thema haben. Da kann man viel tun. Dazu gehören auch Selbsterziehung und Meditation und alle Themen, die innere Entwicklungsarbeit betreffen. Auch hier kann man sofort ansetzen. Beides wirkt bereits in hohem Maße salutogenetisch und hilft, ein anderes Verständnis von Krankheit und Gesundheit zu bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem kann man schulmedizinische Präparate viel sorgfältiger indizieren als üblich – das Einverständnis des Patienten vorausgesetzt. Nicht aus Sicherheitsgründen bei jeder Krankheit „Gürtel und Hosenträger“ zum Einsatz bringen, bildlich gesprochen. Auch erlebe ich, dass in der Onkologie gerade Krebspatienten fragen: Gibt es nicht noch etwas anderes? Dann kann man von den Mistelpräparaten erzählen, auch im öffentlichen Krankenhaus. Wenn Patienten fragen, sollte man ehrlich antworten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner sprach von der Demokratisierung des Gesundheitswesens.[4] Patienten, Leistungserbringer, Krankenversicherungen, Kommunalpolitiker – sie gehören an einen Tisch und sollten auf Augenhöhe beraten, wie ein gerechtes Gesundheitswesen aussehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Schweiz, in der es eine Basis-Demokratie gibt, haben wir es nur durch Volksabstimmung geschafft, die Komplementärmedizin in die Bundesverfassung aufzunehmen. TCM (trad. Chinesische Med.), Homöopathie, Phytomedizin und Anthroposophische Medizin müssen von den Kassen über die Grundversicherung erstattet werden, weil diese Verfahren jetzt Bestandteil der Bundesverfassung sind, also praktisch Grundgesetz. Auch in Deutschland könnte es eine solche Volksbewegung geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir das schaffen würden, auf einem ähnlichen Wege eine demokratische Gesundheitsbewegung auf die Beine zu stellen, die verlangt, dass das Grundgesetz uns die freie Therapiewahl garantiert, dass man Ärzte und medizinische Verfahren selbst wählen darf und die Krankenkassen das bis zu einem gewissen Grad erstatten müssen, wären wir einen Riesenschritt weiter. Ohne den gegenseitigen Ansporn einer guten Vernetzung wird es aber nicht gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe kürzlich bei einer Tagung zur Organtransplantation Pim van Lommel getroffen. Er hielt einen schönen Vortrag über außerkörperliche Erfahrungen seiner kardiologischen Patienten, über das „ewige Bewusstsein“. Am Ende forderte er auch den Paradigmenwechsel, Spiritualität als Realität anzuerkennen, weil die außerkörperliche Erfahrung wahr ist und in die Medizin integriert werden muss. Ich fragte ihn, wie er sich das vorstellt. Er sagte, er erwarte nichts mehr von der Wissenschaft, sondern alles von der Zivilgesellschaft. Dort wäre noch gesunder Menschenverstand vorhanden. Die Wissenschaft sei „eingekauft“ und viel zu fremdbestimmt durch Gelder aus der Wirtschaft, von denen sie abhängig ist. Von der Seite könne man den Paradigmenwechsel nicht erwarten. Solange man viel Geld verdient mit der Krankheit, wird man nicht freiwillig einen Paradigmenwechsel anstreben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;FRAGE:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Ich fand sehr interessant, dass das Menschenbild in der Anthroposophischen Medizin sich auch vergleichen lässt mit dem Menschenbild anderer Ausrichtungen. Sie sprachen von einer transzendenten Ebene im Körper, die nach dem Tode den Körper verlässt. Gibt es dazu ein Konzept in der AM, das besagt, was mit dieser Ebene nach dem Tode passiert?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;ANTWORT:&#039;&#039;&#039; Ich schreibe einige Werke von Rudolf Steiner dazu auf: GA ist die Abkürzung für das Wort Gesamtausgabe, die 358 Bände umfasst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GA 27 ist das Grundlagenwerk für die Medizin,[5] in dem das neue Gesundheits-Paradigma beschrieben wird. Dort wird auch charakterisiert, wie es zu dem „ewigen Bewusstsein“ kommt und wie es funktioniert: Wir denken mit der Lebenstätigkeit – den ätherischen Kräften, die unser Körper nicht (mehr) für Wachstum und Regeneration braucht. Warum ist Beten, Spiritualität gesund? Weil es die Lebenskräfte sind, die wir dabei betätigen – was natürlich gesundend zurückwirkt auf den Körper. Körperleben und Gedankenleben (Geistesleben) sind nicht getrennt. Beim Altern nimmt das Geistesleben zu und das Körperleben ab, das unterscheidet sie, aber sie bleiben bis zum Tod immer verbunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Studium des Nachtodlichen würde ich euch raten, folgende Werke zu studieren: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
·      &#039;&#039;„Inneres Wesen des Menschen und Leben zwischen Tod und neuer Geburt“,&#039;&#039; GA 153.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
·      Dann gibt es noch einen sehr schönen Zyklus: &#039;&#039;„Der Tod als Lebenswandlung“,&#039;&#039; GA 182,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
·      und auch &#039;&#039;„Das Leben zwischen dem Tode und der neuen Geburt im Verhältnis zu den kosmischen Tatsachen“&#039;&#039;, GA 141.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
·      Mein Lieblingsbuch ist GA 10, &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten“&#039;&#039;, das Schulungsbuch für die Selbstentwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn das habe ich bemerkt: Wenn man keine echte Freude an der Selbstentwicklung hat, ist man auch nicht wirklich motiviert, andere in ihrer Entwicklung zu unterstützen. Man muss Experte werden in Sachen Entwicklung. Dazu gehört auch das Thema Unvollkommenheit, Spaß am Lernen – und nicht zu meinen, man dürfe keine Fehler machen. Durch meine kinder- und schulärztliche Tätigkeit bin ich zum Fehler-Apostel geworden. Jeder muss seine Fehler machen dürfen, weil man nur so authentisch wird. Angesichts von Fehlern sollten wir uns gegenseitig auf die Lektion hinweisen, die dadurch gelernt werden kann. Nur so können wir ein ungestörtes Verhältnis zu Fehlern entwickeln. Dieses Buch ist dabei eine große Hilfe. Es beschreibt die Entwicklung von Alpha zu Omega. Auch wenn Patienten weiterentwickelt sind als wir und Fragen bezüglich des inneren Weges haben, hilft es den Weg als Ganzes zu kennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur Anthroposophischen Medizin, Sommerakademie Witten 2010&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] &#039;&#039;Neues Testament, Johannes&#039;&#039; 8, 32.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ebenda, 15, 15.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Philosophie der Freiheit,&#039;&#039; GA 4, Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1995.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Hygiene als soziale Frage. In: Physiologisch-Therapeutisches auf Grundlage der Geisteswissenschaft.&#039;&#039; GA 314. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1989, S. 221 - 261.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner/Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen&#039;&#039;, GA 27 (1991).&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Offenborn</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Krankheit&amp;diff=1228</id>
		<title>Krankheit</title>
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		<updated>2025-12-27T17:57:38Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Offenborn: Neuen Text eingefügt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= Krankheit – von Michaela Glöckler =&lt;br /&gt;
Auszüge aus Büchern und Vorträgen von [[Michaela Glöckler]]; Erstveröffentlichung auf https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== UNTERSCHIEDLICHE SICHTWEISEN VON KRANKHEIT ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie schaut die Schulmedizin auf Krankheit?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und welche Perspektive hat die Anthroposophische Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was haben sie gemeinsam, was unterscheidet sie?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Frage nach der Ursache von Krankheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Überschrift des zweiten Kapitels von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; ist die einzige in Form einer Frage gehaltene:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Warum erkrankt der Mensch?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist aber auch die Frage, die sich fast jeder stellt, der ernsthaft erkrankt ist: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Warum ich – und warum gerade jetzt?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist die Ursache, wo sind die besten Ärzte – und was kann ich selber dazu tun, um wieder gesund zu werden?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Antwort auf die letzte Frage wird maßgeblich mitbestimmt durch das Menschenbild der Medizin und die Weltanschauung, die jemand hat – vorausgesetzt, dass die wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse eine freie Arztwahl gestatten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Unterschiedliche Sichtweisen im Vergleich&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Bezüglich möglicher Antworten stehen sich die polaren Sichtweisen und Lebenshaltungen – spirituell oder rein naturwissenschaftlich – gegenüber, mit zahlreichen Zwischenformen alternativer oder vermittelnder Art. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Naturwissenschaftlich-positivistische Sichtweise ====&lt;br /&gt;
Die naturwissenschaftlich-positivistische Sichtweise sieht die Ursache einer Krankheit primär auf molekulargenetischer Ebene in einer spontan oder kausal (mögliche genetische Ursachen, Umweltgifte, psychosozialer Stress) aufgetretenen Irregularität des Zellstoffwechsels. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Anthroposophisch-medizinische Sichtweise ====&lt;br /&gt;
Die anthroposophisch-medizinische Sichtweise ergänzt diese konventionelle Diagnostik durch die Wesensglieder-Diagnostik im Sinne von Kapitel I des genannten Werkes und stellt auch die Frage nach der biographischen Situation des Patienten. Wenn Patienten selbst nach dem Sinn ihrer Erkrankung fragen, wird im gemeinsamen Betrachten der Entwicklungsperspektiven und der Schicksalsgegebenheiten der Betroffenen an einer möglichen Antwort gearbeitet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Auswirkungen auf den Patienten ====&lt;br /&gt;
Vergleicht man die beiden Perspektiven kann man etwas Interessantes bemerken: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;AD 1.&#039;&#039;&#039; Je mehr man die Ursachen der Erkrankung auf externer molekular-kausaler Ebene verortet, umso mehr erlebt sich der Betroffene als Opfer seiner Zustände und gleichzeitig als abhängig vom Arzt, der ihm helfen soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;AD 2.&#039;&#039;&#039; Je mehr man sich hingegen der eigenen Beteiligung am Geschehen bewusstwird, bis in persönliche und soziale Schicksalsfragen herein, erlebt man sich als Mitgestalter beim Gesundungsprozess und damit autonomer – auch in der Arzt-Patientenbeziehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;AD 1.&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;+ 2.&#039;&#039;&#039; Beide Sichtweisen zusammengenommen eröffnen hingegen vielseitigere und komplexere Möglichkeiten der Besserung und Heilung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Gemeinsamkeiten ====&lt;br /&gt;
Beiden Anschauungsweisen gemeinsam sind der Wille zu helfen sowie die Bereitschaft zur Prävention, um mögliche Rückfälle zu vermeiden, indem man sich therapeutisch mit den vermuteten oder klar zutage getretenen Ursachen befasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Unterschiedliche Therapieansätze ====&lt;br /&gt;
Die therapeutischen Interventionen unterscheiden sich dadurch, dass das Spektrum der Behandlungsmöglichkeiten der integrativen und Anthroposophischen Medizin breiter gefächert und multiperspektivischer ist, als das der Schulmedizin. Es umfasst &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* neben dem Einsatz schulmedizinischer Medikamente &lt;br /&gt;
* die Gabe prozessorientierter anthroposophischer Arzneimittel&lt;br /&gt;
* diätetische Vorgaben&lt;br /&gt;
* pflegerische Maßnahmen wie äußere Anwendungen wie Bäder, Wickel und Auflagen&lt;br /&gt;
* künstlerische Therapieformen&lt;br /&gt;
* und, so gewünscht, spezifische Krankenmeditationen[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Dem Kranken in allen Wesensäußerungen gerecht werden&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der als Mitbegründer von &#039;&#039;„Ärzte gegen den Atomkrieg“&#039;&#039; und Friedensnobelpreisträger bekannt gewordene &#039;&#039;Bernard Lown (1921–2021)&#039;&#039; empfand die Notwendigkeit, dem Kranken in all seinen Wesensäußerungen gerecht zu werden, auch wenn er therapeutisch ganz auf dem Boden der Schulmedizin stand. Er schrieb in seiner Heilkunst: &#039;&#039;„Patricia lehrte mich, dass jeder einzelne Patient eine statistische Ausnahme ist.“[3]&#039;&#039; Sein ärztliches Engagement war darauf gerichtet, dem Kranken in seiner schwierigen Situation von Mensch zu Mensch zu begegnen und ihm dabei seine Selbstbestimmung und Würde zu Bewusstsein zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weder im Bereich der Schulmedizin noch in der Anthroposophischen Medizin geht es bei der Sinnfrage um ‚Schuld‘ oder gar moralische Verfehlung, sondern um Heilung. Dier Heilungsprozess schließt individuelle Lernprozesse und das Übernehmen von Verantwortung in dem Maß, wie sich der Kranke das selber klar machen kann oder will, ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Haltung spricht auch aus der Art und Weise, wie Rudolf Steiner und Ita Wegman sich ihren Patienten gegenüber verhielten. Da fällt kein moralisierendes Wort, vielmehr ist ihr ganzes Bemühen um Heilung eine Dienstleistung am Betroffenen. Für Rudolf Steiner galt: Der Sinn der Krankheit ist die Heilung.[4] Der Heilung mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu dienen, sei die Aufgabe des Arztes und Therapeuten. Wenn Menschen jedoch Fragen stellten nach möglichen Ursachen oder einem Eigenanteil am Geschehen, bekamen sie klare Antworten und damit Hilfe zur Selbsthilfe: In dem Maß, in dem sie die Ursachen erkennen konnten, waren sie in der Lage, weiteren möglichen Schädigungen vorzubeugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[5]&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27, Kapitel 2.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Vgl. Glöckler (2021), Selg (2017; 2019a,b).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Lown (2015), 307.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Metamorphosen des Seelenlebens. Pfade der Seelenerlebnisse. Zweiter Teil&#039;&#039;, GA 59, S. 170.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== WAS KRANKHEIT VERURSACHT ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie gehen die Autoren in „Grundlegendes zu einer Erweiterung der Heilkunst“[1] konkret der komplexen Frage nach der Verursachung von Krankheit nach?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kommt es, dass ein normaler Vorgang im Organismus in einen krankhaften übergeht?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was muss geschehen, damit die Rückkehr vom krankhaften zum wieder gesunden Vorgang möglich wird?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Methodische Hinweise zum Krankheitsverständnis&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Am Ende von Kapitel II von &#039;&#039;„Grundlegendes zu einer Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; steht der methodische Hinweis: &#039;&#039;„Durch ein Vergleichen dessen, was im ersten Kapitel gesagt ist, mit dem Inhalt des zweiten wird sich das Verständnis dessen besonders ergeben, was in Betracht kommt.“[2]&#039;&#039; Rudolf Steiner hatte diesen Hinweis noch handschriftlich im Fahnenmanuskript hinzugefügt. D.h., die Frage, warum der Mensch erkrankt, sollte auch im Lichte von Kapitel I ihre Beantwortung finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Schritte der Annäherung an das Thema&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Krankheit als Naturprozess sehen ====&lt;br /&gt;
So beginnen die Autoren ihre Betrachtung zum Thema mit der scheinbar harmlosen Feststellung, dass jeder Krankheitsvorgang doch ein Naturprozess ist – d.h. ein naturwissenschaftlich beschreibbarer physiologischer Prozess. Mit dieser Feststellung stehen sie auf dem Boden der Schulmedizin. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Konkrete Fragen zum Krankheitsgeschehen an sich ====&lt;br /&gt;
In einem nächsten Schritt wird diese sichere Position jedoch hinterfragt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ist nicht auch der gesunde Organismus Ergebnis von Naturprozessen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wenn beides Naturprozesse sind: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie vollzieht sich auf naturwissenschaftlich fassbarem Wege der Übergang vom gesunden Naturprozess in den kranken und umgekehrt beim Heilungsvorgang vom kranken in den gesunden?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oder aus Sicht der molekulargenetischen Ebene gefragt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wann beginnt sich der vermeintliche ‚Irrtum der Natur‘ im pathologischen Prozess zu manifestieren?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Warum kann er sich nicht so ohne weiteres wieder selbst korrigieren, so dass eine ärztliche Intervention nötig wird?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wo und wie fällt sozusagen der Organismus die Entscheidung, ob es gesund weitergehen kann oder eine Krankheit entsteht?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ob die Resilienz und Immunität hinreichen, sozusagen den Schaden zu reparieren oder nicht?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Kippmoment in die Krankheit als NICHT natürlicher Genese erkennen ====&lt;br /&gt;
Dazu folgende Überlegung: Wenn Gesundheit auch eine Folge ‚normaler‘ Naturprozesse ist, muss das Momentum für den Ausbruch einer Krankheit im Hier und Jetzt von etwas bestimmt werden, dessen ‚natürliche Ursache‘ &#039;&#039;&#039;kein&#039;&#039;&#039; Naturprozess sein kann. Der gesunde menschliche Organismus scheint als ein Stück der Natur begreiflich zu sein, der kranke jedoch nicht. Er muss daher aus sich selbst begreiflich sein durch etwas, das er nicht von der Natur hat.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Resilienzforschung beachten ====&lt;br /&gt;
Die moderne Resilienzforschung kommt dieser komplexen Fragestellung derzeit am nächsten. Große Übersichtsarbeiten zeigen auf, dass weltweit jährlich ca. eine halbe Milliarde Menschen psychisch und physisch – d.h. psychosomatisch – erkranken auf Grund dynamisch-prozessualer Einflussfaktoren wie soziale Konflikte, Stress, Traumata und Krisensituationen.[6] Die Erfahrung zeigt, dass dabei jedoch nur wenige von ihnen dauerhaft psychisch beeinträchtigt bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das zeigt, psychische Resilienz ist erlernbar – was durch Resilienz fördernde Maßnahmen unterstützt werden kann. Dadurch können bereits aufgetretene körperliche Symptome nach einer gewissen Zeit wieder verschwinden. Auch gibt es ungezählte Menschen, die durch die Art ihrer Kindes- und Jugendentwicklung eine starke Resilienz mit in ihr weiteres Leben bringen. Sie bleiben auch unter großer Belastung psychisch stabil und entwickeln gar keine keine körperlichen Symptome. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Ergebnisse aus der Salutogenese miteinbeziehen ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Aaron Antonovsky&#039;&#039; konnte mithilfe des von ihm entwickelten Salutogenese-Konzeptes ebenfalls nachweisen, dass für den Erhalt der körperlichen Resilienz die Psyche, also das Gefühlsleben, die entscheidende Rolle spielt. Er nennt den entscheidenden Faktor Kohärenzgefühl (sense of coherence), das über die Art und Weise entscheidet, wie man etwas erlebt und ob man es für sich sinnstiftend verarbeiten kann oder nicht.[7] Die innere Widerstandskraft, die durch das Kohärenzgefühl mobilisiert werden kann, wird Resilienz genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 6. Phänomene der Natur geistig-seelischen Erlebens erkunden ====&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner und Ita Wegman argumentieren in Kapitel II jedoch nicht empirisch-psychosomatisch aufgrund von derartigen Forschungsergebnissen, die ja damals noch gar nicht vorlagen. Vielmehr bleiben sie methodisch bei der fundamentalen Erkenntnisfrage, ob das Auftreten des seelischen und geistigen Erlebens im Menschen als Fortsetzung eines Naturprozesses verstanden werden kann, sowie das gemeinhin hypothetisch angenommen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Autoren verneinen dies, indem sie auf die Phänomene ‚Schlaf‘ und ‚Ohnmacht‘ hinweisen. Beide Prozesse haben gemeinsam, dass es sich sowohl beim Schlaf als auch bei der Ohnmacht um Naturprozesse handelt, die über ihr ‚normales Maß‘ hinausgehen mit dem Erfolg, dass das Bewusstsein erlischt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== A SCHLAF UND OHNMACHT ALS FOLGEN ZU STARKER NATURPROZESSE =====&lt;br /&gt;
Für den Schlaf ist das unmittelbar evident, da während des Schlafes die Naturprozesse in Form von regenerativen Vorgängen offensichtlich zunehmen und damit über ihr bei Tage normales Maß hinausgehen. Um das auch in Bezug auf die Ohnmacht nachvollziehen zu können, braucht es ein wenig Fachwissen, weshalb ich im Folgenden näher darauf eingehen möchte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohnmacht ist eine typische Folge von Hyperventilation (zu starkes und zu rasches Atmen) z.B. infolge großer Aufregung. Eigentlich geschieht etwas Gesundes: Es wird viel Sauerstoff aufgenommen, aber eben ‚zu viel des Guten‘: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Man atmet bei Hyperventilation schneller und oft auch tiefer als gewöhnlich. &lt;br /&gt;
* Dadurch wird zu viel Sauerstoff aufgenommen aber auch zu viel Kohlendioxid abgeatmet.&lt;br /&gt;
* In Folge dessen kommt es zu einer unter Umständen lebensbedrohlichen Verschiebung im Säure-Basen-Gleichgewicht, respiratorische Alkalose genannt.&lt;br /&gt;
* Jetzt bekommt das Gehirn paradoxerweise nicht mehr genügend Sauerstoff und wird in seiner Funktion eingeschränkt wird.[8]&lt;br /&gt;
* Nimmt die Kohlendioxid-Konzentration im Blut ab, verengen sich die Blutgefäße und es kommt zu einer Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff, was bis zum Bewusstseinsverlust bzw. zu einer Ohnmacht führen kann. Darauf möchte ich im Folgenden näher eingehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== B SCHMERZ UND LÄHMUNG ALS FOLGEN ZU STARKER BEWUSSTSEINSPROZESSE =====&lt;br /&gt;
Die Autoren stellen in den Absätzen 6 und 7 von Kapitel II auch die umgekehrte Frage:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was geschieht, wenn die Phänomene von Bewusstsein und Selbstbewusstsein über ihr normales Maß hinausgehen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann treten Schmerz und Lähmung auf. Beim Schmerz ist unmittelbar nachvollziehbar, dass er aus einem gestörten Naturprozess resultiert, wenn z.B. eine Organverletzung oder sonstige Funktionseinschränkung vorliegt – was in der Regel mit neuen Bewusstseinsinhalten in Form von Unbehagen, Unlust und Schmerz einhergeht. Hier liegt also ein Bewusstseinsvorgang vor, der über sein normales Maß hinausgeht und dadurch pathologisch wird. Der Grund dafür ist, dass Naturprozesse aus den genannten Gründen unter ihr normales Maß hinuntersinken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====== a) Dysfunktionale astralische Organisation als Ursache für Ohnmacht und Schmerz ======&lt;br /&gt;
In beiden Fällen ist die astralische Organisation dysfunktional:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;In Fall A&#039;&#039; beeinträchtigt &#039;&#039;&#039;der gesteigerte Naturprozess&#039;&#039;&#039; in Form einer zu hohen Sauerstoffaufnahme das Bewusstsein, sodass sich die astralische Organisation in Schlaf und Ohnmacht aus der physisch-ätherischen Konstitution herauslöst.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;In Fall B&#039;&#039; begleitet &#039;&#039;&#039;ein gesteigertes Bewusstsein&#039;&#039;&#039; in Form von Schmerz und Unlust die durch die Schädigung eingeschränkten Körperfunktionen. Im Schmerz verbindet sich die astralische Organisation zu stark mit der physisch-ätherischen Konstitution.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was im ersten Kapitel als ‚leibfreies Gefühlsleben‘ beschrieben wurde, hat sich im körperlichen Schmerzerleben zu stark mit dem physischen Leib verbunden.[9]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====== b) Dysfunktionale Ich-Organisation als Ursache für Lähmung ======&lt;br /&gt;
Steiner und Wegman beschreiben in Kapitel I im Rahmen des Zusammenspiels der Wesensglieder neben dem astralischen Leib auch die Ich-Organisation. Sie betätigt sich ebenfalls außerkörperlich – primär in der durch den eigenen Willen gesteuerten Denktätigkeit. Die Autoren sagen: Sie lebt sich &#039;&#039;„seelisch frei im Denken dar“.[10]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der im Folgenden erläuterte Begriff der Lähmung ist Ausdruck einer dysfunktionalen Ich-Organisation. Geht diese eine zu starke Verbindung mit dem physischen Körper ein, tritt Lähmung auf. Eine gelähmte Gliedmaße entzieht sich der körperlichen Selbstkontrolle und intentionalen Handhabe durch das Ich. Der Betroffene erlebt sie wie etwas, das nicht mehr zu ihm gehört, von dem er ‚frei‘ ist. Oder, wie die Autoren bemerken: Er erlebt es wie ein Stück ‚Außenwelt‘.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu muss erläuternd gesagt werden, dass beim Beobachten von Dingen oder Vorgängen in der Außenwelt das Beobachtete und die Gedanken darüber im Menschen nicht in der gleichen lebendigen Wechselwirkung stehen wie die Naturprozesse. Sie existieren gleichsam unabhängig voneinander. Dieser Fall tritt für ein menschliches Körperteil nur dann ein, wenn es gelähmt ist: Dann wird es zur Außenwelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im gesunden Zustand&#039;&#039;&#039; ist die Ich-Organisation über das Nervensystem &#039;&#039;&#039;lose&#039;&#039;&#039; mit den Gliedmaßen vereinigt, sodass sie sich im Zuge des Bewegens damit verbinden und sich gleich wieder loslösen kann – was Voraussetzung für jede normale Bewegung ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im Falle der Lähmung&#039;&#039;&#039; taucht die Ich-Organisation aufgrund der Schädigung des Nervensystems &#039;&#039;&#039;dauerhaft&#039;&#039;&#039; in das betreffende Körperteil ein und kann sich nicht mehr aus ihm zurückziehen.[11]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Bewusstsein und Bewegung als unterschwellige Krankheitstendenzen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das bisher Ausgeführte zeigt: Wirken Geist und Seele, so heben sie die gewöhnliche Funktion des Körpers auf und verwandeln sie in eine entgegengesetzte. Auch das normale Eingreifen des astralischen Leibes und der Ich-Organisation in den menschlichen Körper sind demnach nicht den gesunden Lebensvorgängen verwandt, sondern den kranken. Damit bringen sie den Organismus auf einen Weg, der den Anfang von Krankheit bedeutet. Dieses anfängliche Kranksein wird im gewöhnlichen Leben sofort nach dem Entstehen durch eine Selbstheilung reguliert.[12]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* So wie ein gesundes Bewusstsein (Astralleib) ein Schmerz unterhalb der Bewusstseinsschwelle ist,&lt;br /&gt;
* so ist die gesunde Bewegung (intentional durch die Ich-Organisation gesteuert) der Anfang einer gelähmten, wobei der Beginn der Lähmung ebenfalls unterhalb der Bewusstseinsschwelle liegt.&lt;br /&gt;
* Dadurch entstehen zwei verschiedene Krankheitsdispositionen:&lt;br /&gt;
* eine dadurch, dass das Seelische und Geistige (astralische und Ich-Organisation) zu tief in den ätherisch-physischen Zusammenhang eingreifen,&lt;br /&gt;
* und eine entgegengesetzte, wodurch die Verbindung unzureichend, d.h. zu lose wird, was eine Verstärkung der physisch-ätherischen Prozesse zur Folge hat.[13]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit zeigt sich als ein Gleichgewichtszustand zwischen einem ‚zu viel‘ oder ‚zu wenig‘ (an Bewusstseins- bzw. an Naturvorgängen).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ätherische Organisation als Quelle geistiger und körperlicher Gesundheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Damit aber wird die Gesundheit als der Zustand erkannt, der im ätherischen Organismus seinen Ursprung hat. Heilen muss daher in einer Behandlung des ätherischen Organismus bestehen.[14]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn der &#039;&#039;„bloße physische Organismus“&#039;&#039; mit seinen Gesetzmäßigkeiten &#039;&#039;„könnte niemals einen Selbstheilungsvorgang hervorrufen“[15]&#039;&#039; – das kann nur die ätherische Organisation. Damit wird die Antwort gegeben, auf welche Weise ‚die Natur‘ die Entscheidung fällt, ob es gesund weitergeht oder nicht: das Zünglein an der Waage ist die ätherische Organisation, die für ausreichend Regeneration sorgen kann, wenn das bewusste Leben immer wieder durch genügend Schlaf unterbrochen wird. Er ist es auch, der die mineralischen Stoffe des physischen Leibes – wie in Kapitel I geschildert – am Herausfallen aus dem Lebenszusammenhang hindert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit wird die ätherische Organisation, die in Kapitel I in ihrer Doppelnatur &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* als plastisch-bildsame &#039;&#039;&#039;Wachstums- und Regenerationskraft&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* und andererseits als &#039;&#039;&#039;Träger der Gedankentätigkeit&#039;&#039;&#039; dargestellt wurde,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
im zweiten Kapitel als Quelle (geistiger und körperlicher) Gesundheit charakterisiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[16]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Siehe FN 1, S. 17.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Johannes Kiersch hat im Zusammenhang seiner Untersuchung des Begriffs Bewusstseinsseele bei Rudolf Steiner in einem Aufsatz in den &#039;&#039;„Steiner Studies“&#039;&#039; herausgearbeitet, dass sich eine &#039;&#039;„erste Skizze des Gefüges der Wesensglieder, das den Begriff der Bewusstseinsseele einschließt“&#039;&#039;, bereits im Dezember 1903 nachweisen lässt, &#039;&#039;„einige Monate vor dem Erscheinen der Theosophie, in der von ihm redigierten Zeitschrift Luzifer, in einer Fußnote“&#039;&#039; und verweist auf GA 34, 107. Siehe Kiersch (2021), 40 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe FN 1, S. 16: &#039;&#039;„In der Geist- und Seelenfähigkeit hat man also die Ursachen des Krankseins zu suchen“.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27, S. 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Vgl. Vos u. a. (2015), 743–780.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Vgl. Antonovsky (1997), 33–43 und 91–118.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Paradoxerweise deshalb, weil ja eigentlich ein Überangebot an Sauerstoff da ist. De facto ist es aber so, dass der Gehirnstoffwechsel ein zureichendes Maß an Kohlendioxid im Blut braucht, damit die Blutgefäße weit genug gestellt sind, um die Durchblutung des Gehirns sicherzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Siehe FN 1, Kapitel 2 , Abs. 6 - 8.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Ebenda, S. 1 und S. 16.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Siehe FN 1, S. 16.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] In der genannten Vorrede Wegmans wird diese Aussage noch ergänzt im Hinblick auf den in Kapitel I geschilderten Übungsweg zur Weiterentwicklung der Seelenfähigkeiten zum geistigen Wahrnehmungsorgan der Imagination, Inspirationen und Intuition. Wegman schreibt: &#039;&#039;„Die Seelenübungen, die zur geistigen Anschauung führen, bestehen entweder in einer Abschwächung oder einer Verschärfung des Seelenlebens. Die Abschwächung des Seelenlebens ist innerhalb des Seelischen eine Nachahmung der Krankheiten der ersten Art, die Verschärfung eine Nachahmung der Krankheiten der zweiten Art. Wer also die Seelenverfassung kennt, die aus solchen Übungen stammt, kennt die Krankheiten, denn er hat in seinen Seelenzuständen Bilder davon. Beschreibt er durch das, was er an diesen Bildern erlebt, die physischen Symptome der Krankheiten, so liefert er jedem Arzt Beschreibungen, die dieser nachprüfen kann. Hält die Beschreibung der Nachprüfung stand, so werden damit auch die Angaben des Erforschers des Geistigen bestätigt. Und lässt sich der Arzt immer wieder auf die Beschreibungen eines solchen Geistesforschers ein, so kann er sich aus dessen Schilderungen des Symptomenkomplexes nach und nach selbst die geistige Anschauung erwerben. Wir sind durchaus der Meinung, dass das ganz richtige Lesen dieses Buches jeden Arzt in die Lage versetzt, die Krankheiten geistig anzuschauen.“&#039;&#039; (Ein Beispiel, wie man das lernen kann, gibt Steiner im Januar 1924 im Rahmen seines Kurses für junge Mediziner – siehe im Stellenkommentar die Anm. zu EH, 7, S. 112–115).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] Siehe FN 1, S. 17.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[15] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[16] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== GRUNDLEGENDES ZUM SINN VON KRANKHEIT ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen Sinn hat Krankheit im Leben des Menschen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern ist Krankheit ein spezifisch menschliches Phänomen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was haben Krankheit und geistige Erkenntnis miteinander zu tun?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Erkrankungen bei Tieren&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ein Vergleich zwischen Mensch und Tier in Bezug auf ihre Erkran­kungsmöglichkeiten zeigt, dass Krankheit und Leiden spezifisch menschliche Phänomene sind. Wenn Tiere in der Wildnis erkranken, kommen sie entwe­der sehr rasch zu Tode oder die Erkrankung ist so leicht, dass sie ohne weiteres damit weiterleben können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen Sinn sollte eine Krankheit auch im Leben eines Tieres haben?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lebensweise eines Hundes, eines Vogels, einer Biene oder einer Maus ist in ihrer Art vollkommen. Das Erleben von Schmerz und Leid würde keinen Wandel, keine neue Entwicklungsmöglichkeit bewirken. Eine Biene kann nicht noch „bieniger“, eine Kuh nicht noch „kuhiger“ werden, als sie es schon ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Krankheit wirft Fragen auf&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dass Krankheit im Gegensatz dazu etwas mit uns Menschen macht und damit auch unser eigenes Wesen in seiner Erscheinungs- und Ausdrucksweise verändern kann, weiß jeder, der schon einmal richtig krank war oder einen schweren Unfall hatte. Im besten Falle entwickeln wir uns durch Krankheit. Nur dem Menschen ist es gegeben, durch Leid und Schmerz Erfah­rungen zu sammeln, die ihn in seiner Entwicklung weiterbringen. „Sicherheit“ und „Gesundheit“ als höchste Lebensideale sind mit der menschlichen Existenz auf Dauer nicht zu vereinbaren, denn jede Entwicklung bedarf der Krisensituationen, um fortschreiten zu können. Entwicklung zur Freiheit ohne die Möglichkeit, zu irren und zu entgleisen, ist nicht denkbar. Leiden erscheint nur dann sinnlos, wenn der Zusam­menhang nicht mehr sichtbar ist, in dem dieses Leiden steht. Daher ist es notwendig, die menschliche Entwicklung als Ganzes mit all ihren Möglich­keiten ins Auge zu fassen und den Gedanken an wiederholte Erdenleben mit einzubeziehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da anthroposophische Ärzte sich auch mit Fragen der Schicksalsbildung im Verlauf mehrerer Erdenleben auseinandersetzen, d.h. mit der Frage nach dem möglichen Gesetz der Wiederverkörperung, kann auch dieser Aspekt thematisiert werden – aber selbstverständlich nur, wenn der Betroffene Fragen in dieser Richtung hat. Es gibt jedoch viele Menschen, die infolge einer Erkrankung, die sie bei sich selbst oder in ihrem näheren Umfeld erleben, neue Fragen stellen, für die sie bisher keinen Anlass hatten. Oft stehen dabei Fragen nach dem Sinn und der Signatur des damit verbundenen Schicksals im Mittelpunkt. Ist man als ärztlich oder therapeutisch Behandelnder auf Fragen in dieser Richtung eingestellt, so können sich Gespräche ergeben, die für beide Seiten wesentlich sind. Nicht selten erfährt dadurch das Leben des Betroffenen mit oder nach der Krankheit eine neue Orientierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Den möglichen Ursachen auf den Grund gehen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ein sensibler Punkt ist dabei die Schuldfrage. Denn diese ist nicht nur traditionell-historisch belastet – insbesondere im religiösen Kontext. Mehr noch, sie wird in der naturwissenschaftlichen Medizin bewusst ausgeklammert – es sei denn, es wird ein ärztlicher Kunstfehler beklagt. Ansonsten gibt es nur einen Schuldigen für die Krankheit: die Natur, d.h. den Körper, der nicht genügend Widerstandskraft und Ressourcen für die Selbstheilung hatte. Denn auch bei Lebensstilfragen, Alkohol und Drogen wird gerne eingewandt, dass dies ja nicht bei jedem Menschen zu behandlungsbedürftigen Krankheiten führe und dass letztlich auch hier die Natur oder destruktive Lebensumstände in Kindheit und Jugend die Schuldigen sind – nicht jedoch der Erkrankte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So entlastend eine solche Haltung Leid und Schmerz gegenüber auch sein mag, so unbefriedigend ist sie letztlich für den Betroffenen. Denn wenn man an Stelle des Schicksals den Zufall setzt und die Bedeutung des Ereignisses in der eigenen Biographie unbearbeitet bleibt, verlagert sich die damit verbundene Sinnfrage für das eigene Dasein vielfach ins Unbewusste – was dann unter Umständen zusätzlich zum Krankheitsgeschehen belasten kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Drei Sinn-Ebenen von Kranksein&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner regt dazu an, mit der Frage nach dem Wesen von Krankheit und Heilung das Lukasevangelium zu lesen. Die dort geschilderten Krankheitssituationen weisen auf drei sehr unterschiedliche Sinn-Ebenen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# eine persönliche, &lt;br /&gt;
# eine soziale&lt;br /&gt;
# und eine menschheitliche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== AD 1. Persönliche Ebene ====&lt;br /&gt;
Wo immer Jesus individuellen Menschen begegnete, wie der Schwiegermutter des Petrus oder dem Blinden von Jericho, ergab sich die Heilung aus dem Kontext. Man wird Zeuge einer Bewusstseinsveränderung durch das Erlebnis von Krankheit und Heilung. Die Schwiegermutter ist bereit zu dienen – und vielleicht auch, ihren Schwiegersohn Petrus mit Jesus ziehen zu lassen.[1] Der blinde Bettler auf dem Weg nach Jericho hört, dass viele Menschen vorüberziehen und fragt, wer in ihrer Mitte ist. Als er von Jesus hört, ruft er laut, dieser möge sich seiner erbarmen. Und Jesus stellt die ‚Arztfrage‘: &#039;&#039;„Was willst du, dass ich für dich tun soll?“[2]&#039;&#039; Er steht im Dienst des Kranken auf dessen Schicksalsweg. Nachdem dieser geheilt ist, folgt er Jesus nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== AD 2. Soziale Ebene ====&lt;br /&gt;
Ganz anders jedoch sieht der Heilungsvorgang aus, den Lukas im Anschluss an die Berufung der zwölf Jünger und die Feldrede mit den Seligpreisungen schildert.[3] Hier ist Jesus auf dem Weg nach Kapernaum und der römische Centurio, Hauptmann einer Hundertschaft, erfährt davon. Sein Diener und naher Vertrauter liegt auf den Tod krank. Anstatt dass er sich selber auf den Weg macht, beauftragt er „die Ältesten der Juden“ Jesus zu bitten, das Leben seines Dieners zu retten. Sie tun dies mit dem Hinweis darauf, dass der Centurio das jüdische Volk liebe und die Synagoge erbaut habe – und so geht Jesus mit ihnen. Auf dem Weg zu seinem Haus aber schickt der Hauptmann ihm seine Freunde entgegen, die ihm sagen sollen: &#039;&#039;„Herr, bemühe dich nicht; ich bin nicht würdig, daß du in mein Haus eintrittst, darum habe ich auch nicht gewagt, selbst zu dir zu kommen. Sprich nur ein Wort, und durch dein Wort wird mein Knabe gesund.“[4]&amp;lt;sup&amp;gt;,&amp;lt;/sup&amp;gt; [5]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit hat sich infolge dieser Krankheit weder im Betroffenen noch in dem um ihn besorgten Menschen, dem Hauptmann, eine Wesensänderung vollzogen. Wohl aber haben die „Ältesten der Juden“ und die „Freunde des Hauptmanns“ sich in Bewegung gesetzt und für einen Nichtjuden und Freund um Hilfe gebeten. Diese sind dabei Jesus begegnet und Zeuge der Heilung geworden. Das ist eine andere Entwicklungsfigur als beim erstgenannten Heilungstypus. Die wesentlichen Ereignisse spielen sich im sozialen Umkreis der von der Krankheit Betroffenen – dem Hauptmann und seinem Diener – ab. Ohne den Anlass der Erkrankung wäre das alles nicht geschehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Unterschiedlicher Umgang mit Krankheit&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
In der täglichen Praxis begegnen einem diese beiden verschiedenen Sinn-Ebenen oft. Man kann sie dadurch voneinander unterscheiden, dass Erkrankte sehr unterschiedlich über ihre Krankheit sprechen und diese auch in ihr Leben integrieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gehören sie zum &#039;&#039;&#039;zweiten Typus&#039;&#039;&#039;, so sind sie mit ihrer Krankheit identifiziert, können sie annehmen und das zur Gesundung Nötige eben tun, d.h., sie scheinen nicht schon an der bloßen Tatsache zu leiden, dass sie krank sind.&lt;br /&gt;
* Erkrankte des &#039;&#039;&#039;ersten Typus&#039;&#039;&#039; hingegen sind von ihrer Krankheit persönlich emotional stark betroffen, hadern oft auch mit ihr und stehen vor der großen Herausforderung, sich mit ihr in irgendeiner Form konstruktiv auseinanderzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== AD 3. Menschheitliche Ebene ====&lt;br /&gt;
Eine dritte Sinnebene geht über die persönliche und soziale hinaus. Sie hat eine menschheitliche Dimension und erinnert an das Buch Hiob in der Bibel. Dort wird die Sinnsuche ausführlich beschrieben und klargestellt, dass hier keine persönliche oder soziale Ursächlichkeit vorliegt. Das Ende der Geschichte und die Heilung hängen vielmehr mit Hiobs Verhältnis zu Gott und dem Teufel zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Krankheitstyp steht gleich zu Beginn der Heilungsgeschichten im Lukasevangelium. Jesus spricht in der Synagoge von Kapernaum weder mit dem Betroffenen, noch mit den Menschen in dessen Umkreis. Vielmehr wird der Leser Zeuge seines Dialogs mit dem Dämon, dem Wesen der Krankheit.[6] Dieser Typ betrifft den objektiven Tatbestand, dass Krankheit und Schmerz Anteil am Wesen des Menschen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Perspektive der Anthroposophischen Medizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aus der Perspektive der Anthroposophischen Medizin entsteht Krankheit, wenn Wesensanteile des Menschen – d.h. seine Wesensglieder – am falschen Ort tätig werden. Dass solche Verschiebungen oder Verirrungen möglich sind, ist der Unvollkommenheit bzw. Entwicklungsbedürftigkeit des Menschen geschuldet. Ein ‚Geistiges am falschen Ort‘ oder mit der Sprache des Neuen Testaments – der Dämon (δαιμόνιον) der Krankheit – sind in diesen Fällen zutreffende Bezeichnungen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Schilderung bei Lukas kann die Heilung erfolgen, als Jesus den Dämon erkennt und ihm den rechten Weg – aus dem Leib heraus – weist. Vom Dämon wird gesagt, dass er ungesühnt, unkeusch (ἀϰάθαρτος) sei. Er erkennt Jesus als den Heiligen Gottes (ὁ ἅγιος τοῦ θεοῦ) und Jesus gebietet ihm zu schweigen und auszufahren. In Folge dieses Geistgesprächs wird der Mensch gesund. Der Geist am ‚falschen Ort‘ wird erkannt und kann weichen bzw. wieder an seinen richtigen Ort innerhalb der Schöpfung gelangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Spirituelle Entwicklung durch aktive Selbsterkenntnis&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Was im Evangelium bildhaft als &#039;&#039;„Ausfahren aus dem Leib“&#039;&#039; geschildert wird, entspricht der Rückverlagerung von im Leib verirrter Möglichkeiten aktiver Selbsterkenntnis und Selbsterziehung, die am ‚richtigen Ort‘ – nämlich im leibfreien Denken, Fühlen und Wollen nicht aktiviert werden konnten und sich so sukzessive in den Leib projiziert haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Kapitel II von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[7]&#039;&#039; wird gesagt, dass die Möglichkeit des Menschen zu erkranken mit seiner Geist- und Seelenfähigkeit zu tun hat. Das weist auf den geistigen Aspekt und die Möglichkeit von Krankheitsprävention durch spirituelle Entwicklung hin. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl.&#039;&#039; „&#039;&#039;Wie sind Leib, Seele und Geist in Gesundheit und Krankheit verbunden?&#039;&#039;“, &#039;&#039;Elternsprechstunde, Verlag Urachhaus, Stuttgart&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Neues Testament, Lukas Kap. 4, 38–39.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ebenda, Kap. 18, 41. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Ebenda, Kap. 6, 20–49.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Diese und die übrigen Stellen aus dem Neuen Testament werden nach der Übersetzung von Emil Bock (1994) zitiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Siehe FN 1,  Kap. 7, 6–7.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Ebenda, Kap. 4, 31–37.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== KRANKHEIT ALS ERKENNTNISWEG DER NATUR ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist Krankheit aus spiritueller Sicht?                               &#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist der tiefere Sinn von Krankheit im Hinblick auf die Entwicklung des Menschen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Das Geheimnis von Gesundheit und Krankheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das Geheimnis der menschlichen Entwicklung, das zugleich das Geheimnis von Gesundheit und Krankheit ist, lässt sich folgendermaßen zusammenfassen: Wenn sich jemand in Richtung Menschheitsziel entwickelt, wenn er an der Wahrheit und an der Welt interessiert ist und seine Freiheit und seinen Willen, so gut er kann, in den Dienst des Geistes stellt, kann er gar nicht verhindern, dass er immer gesünder wird. Das gilt auch dann, wenn er aus karmischen Gründen diese oder jene Krankheit durchzumachen hat. Mit der oben genannten Haltung lässt sich alles besser verkraften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Rudolf Steiner einmal über diese Zusammenhänge einen Vortag gehalten hatte, sprach ihn im Abschluss jemand darauf an, dass so viele Anthroposophen krank sind. Daraufhin antwortete er: &#039;&#039;„Ich möchte Ihnen nicht erzählen, wie krank sie wären, wenn sie die Anthroposophie nicht kennen gelernt hätten.“&#039;&#039; Humor ist natürlich auch gesund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn bestimmte Ziele gar nicht angestrebt und deshalb auch nicht erreicht werden, wenn es so ist, wie es in der Apokalypse heißt, dass die Menschen sich nicht ändern, dass sie in ihrer Entwicklung stehen bleiben, dass sie nichts tun und nicht vom Fleck kommen, wenn es irgendwann solche Formen annimmt, dass alle Güter der Welt im Dienst des Ego stehen, dann werden alle möglichen Leiden und Schmerzen die Folge sein. Wir sind dieser alten Gesetzmäßigkeit, die ausführlich erklärt wird im Buch der Apokalypse, noch nicht zur Gänze entwachsen. Diese Gesetze bilden immer noch den Grundstock unserer Natur. Es wird auch deutlich gemacht, dass jeder selbst den Schlüssel in der Hand hat, um dem entgegenzuwirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner beschreibt in &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“[1]&#039;&#039; in Gedankenform, was er uns in der Apokalypse in Bildform vor Augen führt: Wie der Mensch sich zuerst als individuelles Wesen entwickelt, um schließlich den Weg zum Gral zu finden und ein soziales „menschheitliches“ Wesen zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Krankheit als unbewusstes Einweihungsgeschehen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wenn wir die Skizze vom Merkurstab betrachten, haben wir hier im oberen Teil das bewusste Leben und im unteren Bereich das unbewusste Leben. Die merkurielle Dynamik führt die  Kräfte des Oberen – das außerkörperliche Erkenntnisleben – in die Wirkbereiche des Unteren – in die unbewussten Lebenswelten des Stoffwechsels – über und umgekehrt. Das ist zugleich die Schwellendramatik zwischen der sinnlichen und der übersinnlichen Welt. Sie zeigt, wie Krankheit dadurch entstehen kann, dass man an dieser Grenze, der Schwelle zur geistigen Welt, körperlich, seelisch oder geistig – wodurch auch immer verursacht – die rechte Orientierung verliert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ein Mensch nun eine bestimmte Fähigkeit erwerben möchte, z.B. inneren Frieden, Ruhe, und er die Bedingungen nicht vorfindet, um diese Qualität zu entwickeln, kann es zu einer Erkrankung kommen, die Frieden am falschen Platz erzeugt. Denn die Kräfte, die inneren Frieden herstellen können, sind potentiell immer vorhanden. Wenn sie aber auf der seelisch-geistigen Ebene nicht genützt werden, wo sie gesundheitsfördernd wirken würden, sinken diese ungenützten Kräfte Nacht für Nacht tiefer in das unbewusste Körperleben und der Betreffende entwickelt Rheuma. Das nur als Beispiel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kostet unseren Körper unglaublich viel Kraft, eine Krankheit hervorzubringen. Ein normaler Organismus möchte gesund sein. Zusätzliche Kräfte aus dem Seelisch-Geistigen sind nötig, um diesen Extraaufwand krank zu werden zu bewerkstelligen. Heilung bedeutet nun, diese Kräfte wieder an ihren richtigen Platz zu erheben und Kräfte im Körper aufzurufen, die sie dorthin bringen. Daraus lässt sich eine „spirituelle Pathogenese“, eine Aufklärung über die Herkunft von Leiden ableiten. Wir können jede Station dieses Weges anschauen und begreifen, was geschieht, wenn die Erkenntniskräfte, anstatt im Geistigen tätig zu sein, im Körperlichen zu wirken beginnen und damit eine Krankheit hervorrufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entscheidend dabei ist jedoch, dass Krankheit in diesem Kontext nicht als Makel, Fehler oder Irrtum gebrandmarkt wird. Vielmehr ist Sinn der Krankheit ihr Auftreten selbst, weil in ihr die – wenn auch schmerzhafte – Korrektur, und damit auch die Heilung, veranlagt ist. Krankheit erscheint in diesem spirituellen Kontext als ein Gutes, das sich im Körper oder in der Seele des Menschen einen Ort schafft, an dem sich der notwendige Schicksalsausgleich vollziehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. mit einer Zusammenstellung von Vorträgen über „Die sieben Siegel der Apokalypse“ gehalten 2007&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der Höheren Welten?,&#039;&#039; GA 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== KRANKHEIT, HEILUNG UND DIE FRAGE NACH DEM SINN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Haben Krankheiten einen Sinn?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gibt es unterschiedliche Arten der Sinngebung, je nach Schicksal und Umfeld?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie können Betroffene sinnstiftend mit Krankheit umgehen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Drei unterschiedliche Arten von Heilung und Sinn&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wer die Krankengeschichten im Matthäus-, Markus-, Lukas- und Johannes-Evangelium liest, begegnet drei unterschiedlichen Arten von Heilung und Sinngebung. Dabei sind es die jeweiligen Schicksalsumstände, unter denen die Krankheit auftritt, die zu der Art der Heilung und Sinngebung Anlass geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Heilung auf der individuell-persönlichen Ebene ====&lt;br /&gt;
Als typisches Beispiel sei hier die Begegnung mit dem Blinden von Jericho angeführt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Und sie kamen nach Jericho. Und als er aus Jericho herauszog, gefolgt von seinen Jüngern und einer großen Menge, da saß der Sohn des Thimäus, Bartimäus, ein blinder Bettler, am Wege. Und als er hörte, dass Jesus von Nazareth vorüberkäme, begann er laut zu rufen: Sohn Davids, Jesus, habe Erbarmen mit mir! Und viele drohten und geboten ihm zu schweigen. Er aber rief nur umso lauter: Sohn Davids, habe Erbarmen mit mir! Da blieb Jesus stehen und sprach: Ruft ihn herbei. Und sie riefen den Blinden herbei und sprachen zu ihm: Mutig, stehe auf, er ruft dich! Da warf er seinen Mantel ab, sprang auf seine Füße und eilte zu Jesus. Und Jesus sprach zu ihm: Was soll ich für dich tun? Der Blinde sprach: Meister, gib, dass ich mein Augenlicht zurückerlange. Und Jesus sprach: Geh hin, dein Glaube hat dich geheilt. Und plötzlich konnte er wieder sehen und folgte ihm auf seinem Wege nach.“[1]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Krankengeschichte wird der Name des Betroffenen genannt, es findet eine individuelle Begegnung, ein „Arzt-Patienten-Gespräch“ statt. Es wird auch beschrieben, wie der Kranke sich verhalten soll und wie der Geheilte sich danach verhält: &#039;&#039;„...und folgte ihm auf seinem Wege nach“&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Krankengeschichte erfordert individuelle medizinische Beratung – wie es heute fast ausschließlich geschieht. Die Heilung auf der individuellen Ebene wird in den Evangelien von einer inneren Erweckung bzw. Bekehrung begleitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Heilung im Sozialen, im Schicksalsumkreis des Betroffenen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenig beachtet werden heutzutage Krankengeschichten, bei denen nicht der Kranke selbst im Mittelpunkt steht, sondern bei denen es mehr um die Menschen im Umkreis geht, die im Zusammenhang mit der Heilung eine innere Verwandlung durchmachen. Hier sei „der Hauptmann von Kapernaum“ als Beispiel genannt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Als er diese Rede, die auch das Volk mitanhörte, vollendet hatte, ging er nach Kapernaum. Dort lag der Diener eines Hauptmanns darnieder und war dem Tode nahe; und er war ein Vertrauter des Hauptmanns. Als dieser nun von Jesus hörte, sandte er die Ältesten der Juden zu ihm und ließ ihn bitten, er möchte kommen, um seinem Diener das Leben zu retten. Sie kamen zu Jesus und baten ihn inständig mit den Worten: Er ist deines Beistandes würdig, denn er liebt unser Volk, und die Synagoge hat er uns erbaut. Und Jesus machte sich mit ihnen auf den Weg. Und als sie schon nahe bei dem Hause des Hauptmanns waren, sandte ihm dieser seine Freunde entgegen und ließ ihm sagen: Herr, bemühe dich nicht, ich bin nicht würdig, dass du in mein Haus eintrittst, darum habe ich auch nicht gewagt, selber zu dir zu kommen. Sprich nur ein Wort, so muss mein Knabe gesund werden. Ich bin auch ein Mensch, der höheren Gewalten untersteht, und ich wiederum habe Soldaten unter mir, und wenn ich zu dem einen spreche: Geh, so geht er, und zu dem anderen: Komm, so kommt er; und wenn ich zu meinem Diener sage: Tue dies, so tut er&#039;s. Als Jesus das hörte, erstaunte er, wandte sich zu der ihm nachfolgenden Menge und sprach: Ich sage euch, nirgends in Israel habe ich eine solche Kraft des Vertrauens gefunden. Und als die Abgesandten wieder in das Haus kamen, fanden sie den Diener genesen.&#039;&#039;“[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Krankengeschichte tritt das individuelle Schicksal des Betroffenen nicht in Erscheinung. Die entscheidenden Veränderungen, von denen im Zusammenhang mit der Heilung berichtet wird, vollziehen sich vielmehr bei den Menschen im Schicksalsumkreis des Kranken. Durch die plötzliche Krankheit des Knechtes finden die Ältesten der Juden, der Hauptmann selbst und dessen Freunde hin zu Christus. Der „Erfolg“, der Sinn der Krankheit, zeigt sich nicht am Betroffenen selbst, sondern an Menschen seines Schicksalsumkreises.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Kein Schicksal gleicht dem anderen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Es mag auf den ersten Blick befremden, dass ein Mensch eine schwere Krankheit durchmacht und es vor allem darum geht, was die ihn pflegenden und an seinem Leben und seiner Entwicklung Anteil nehmenden Menschen dadurch erleiden und erlernen. Doch der Blick in die tägliche Praxis zeigt, dass das oft der Fall ist:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Es gibt Krankheiten, die primär für die Betroffenen Sinn machen, während die Menschen im Umkreis bemüht sind, bei diesen Lernprozessen zu helfen, selber jedoch keine größeren Änderungen ihrer Lebenseinstellung oder Lebenseinsichten erfahren.&lt;br /&gt;
* Es gibt aber auch genau das Umgekehrte: Der Erkrankte tröstet seine nahen Mitmenschen trotz der Schwere seines Zustandes, während die Menschen in seinem Umkreis von Verzweiflung, Sorge, Angst und Unsicherheit gezeichnet sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schicksalsbeziehungen unter den Menschen sind außerordentlich differenziert. Was zählt, ist einerseits das ganz Individuelle der Entwicklungssituation des Einzelnen und andererseits seine Beziehung zu den Menschen um ihn herum. Im Hinblick auf die Schicksalsbeziehungen der Menschen untereinander kommen wir in einen Bereich, in dem alles unvergleichlich, besonders und einmalig ist. Kein Schicksal gleicht einem anderen; denn was innerlich durchgemacht und erlebt wird von den Menschen, unterscheidet sich sehr, so ähnlich auch die Lebensläufe nach außen hin erscheinen mögen. Das erkennt man, wenn man Einblick bekommt in das, was Menschen während ihres Lebens tatsächlich erlebt, erlitten und erreicht haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Heilung und Sinngebung im Hinblick auf die ganze Menschheit ====&lt;br /&gt;
Neben der individuell-persönlichen und sozialen Ebene gibt es noch eine dritte Ebene der Schicksalsbetroffenheit – die menschheitliche. Wie der einzelne Mensch sein Schicksal hat, so haben auch Menschengruppen, Religionsgemeinschaften, Völker, größere und kleinere soziale Vereinigungen wie Familien oder Arbeitsgemeinschaften ihr Schicksal. Darüber hinaus gibt es aber auch noch den allumfassenden menschheitlichen Schicksalszusammenhang. Die Menschheit als Ganzes hat sich durch die Jahrtausende hindurch entwickelt, hat ihre Vergangenheit, ihre Gegenwart und ihre Zukunft – hat ihr Schicksal im Weltganzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Art des Krankseins um der Menschheit willen wirft die „letzten Fragen“ auf, rührt an den Kern unserer Persönlichkeit, an das in uns wirksame geistige Wesen, das wir mit dem Wort „ich“ benennen. Obgleich jeder mit diesem Wort sich selber kennzeichnet, ist es doch zugleich auch der Name aller Menschen. Wer &#039;&#039;ich bin ich&#039;&#039; sagt, macht damit deutlich, dass er sich mit sich selbst identifiziert – und dies tut jeder auf seine Art. Alle sind wir Menschen – aber wie wir das zum Ausdruck bringen, auf welchen Wegen wir zu uns selber kommen, wirklich wissen, wer wir sind – das macht uns zur einmaligen Individualität. Wir erkennen dabei auch, wie viel wir von anderen, aber auch aus der Entwicklungsgeschichte der Menschheit gelernt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was kann Heilung auf der menschheitlichen Ebene bedeuten?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch hier hat die Krankheit eine aufrüttelnde Bedeutung, indem sie dem Einzelnen seine Zugehörigkeit zum Menschheitsganzen bewusst machen kann. Als Beispiel für diese Art von Krankengeschichte sei die erste aus dem Lukas-Evangelium angeführt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„&#039;&#039;Und er kam hinab nach Kapernaum, in die galiläische Stadt. Und auch dort lehrte er am Sabbat. Und die Menschen gerieten in Ekstase durch seine Lehre, denn sein Wort wirkte mit Geistgewalt. In der Synagoge war auch ein Mensch, der von einem unreinen Dämon besessen war. Dieser schrie mit lauter Stimme: Was ist es, das uns an dich bindet, Jesus von Nazareth? Bist du gekommen, uns zu vernichten? Ich weiß, wer du bist: Du bist der Heilige Gottes! Jesus erhob seinen Arm gegen ihn und sprach: Schweig und verlasse ihn! Da warf der Dämon den Menschen mitten im Raum zu Boden und fuhr von ihm aus, ohne ihm zu schaden. Alle waren voller Staunen und sprachen zueinander: Welche Gewalt des Wortes! Als wäre alle Schöpfermacht und Weltenkraft in ihm, so gebieterisch spricht er zu den unreinen Geistern, und sie müssen ihm weichen. Und die Kunde von ihm verbreitete sich durch das ganze umliegende Land.“&#039;&#039;&#039;[3]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Vergleich mit den beiden anderen hier angeführten Krankengeschichten fällt auf, wie wenig wir über den betroffenen Menschen in der Synagoge von Kapernaum erfahren. Es findet kein persönliches Gespräch mit ihm statt. Christus spricht vielmehr nur mit dem Geist seiner Krankheit, dem Dämon, und gebietet ihm, den Kranken zu verlassen. Auch die im Umkreis Stehenden werden keines Wortes gewürdigt. Sie sprechen untereinander und wundern sich, wie diese Heilung möglich war. Hier wird auf die rein geistige Ebene der Krankheit hingewiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Notwendige Auseinandersetzung mit dem Bösen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aus dieser Art Krankengeschichte geht hervor, dass die Menschheit offensichtlich die Auseinandersetzung mit dem Bösen und der Krankheit für ihre Entwicklung braucht. Davon künden alle Schöpfungsmythen, alle archetypischen Erzählungen von Licht und Finsternis – aber auch unsere tägliche Lebenserfahrung als Menschen des 21. Jahrhunderts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wo vergeht ein Tag, an dem wir nicht dem Bösen, dem Destruktiven oder zumindest dem Hemmenden in uns oder um uns begegnen, an dem uns diese dunkle Seite des Menschseins nicht durch Zeitung und Fernsehen vor Augen geführt wird?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage nach dem Sinn des Bösen gehört zu den wichtigsten, aber auch unerträglichsten, die das Leben an uns stellt. Wie sehr wünschte man sich die Möglichkeit menschlicher Entwicklung ohne die Auseinandersetzung mit diesem Alptraum des Menschlichen, dem schlechthin Inhumanen, Bösen und Widernatürlichen, so wie es gerade im 20. Jahrhundert durch Kriege und Völkermord und Brutalität im häuslichen Milieu tausendfältig in Erscheinung getreten ist und sich weiter fortsetzt. Und dennoch lehrt schon der schlichte Blick in die tägliche Lebenserfahrung, dass ohne die individuelle Auseinandersetzung mit dem Irrtum und dem Bösen etwas Wichtiges nicht entstehen könnte: das Bewusstsein von Selbständigkeit und Freiheit. Freiheit als zentrale Dimension menschlicher Würde ist mit Notwendigkeit gebunden an die Möglichkeit zu irren. Damit muss auch in der Konstitution einer Welt, in der Freiheit zur Entwicklung kommen soll, das Böse, das Entgegengesetzte, vorhanden sein dürfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so gibt es in der Medizin auch die Frage nach dem Geistig-Wesenhaften, das Krankheit und Heilung zugrunde liegt. Auf diese Dimension weist die Hiobsgeschichte aus der Bibel hin, an deren Beginn ein Dialog zwischen Gott und dem Teufel steht. Goethe hat in seinem „Prolog im Himmel“ zu Beginn des Dramas „Faust“ daran angeknüpft. Hiob, aber auch Faust, werden gesund bzw. gerettet, weil sie sich entwickeln, weil sie lernen und die innere Orientierung am Göttlichen nicht verlieren. Am Bösen erwacht der Sinn für das Gute, im Krankheitserleben die Sehnsucht nach Gesundheit und Heilung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Begabungen und Behinderungen“, 10. Kapitel, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2004&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Neues Testament, &#039;&#039;Markus 10, 46-52&#039;&#039;, zit. nach der Übersetzung von Emil Bock.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Neues Testament, &#039;&#039;Lukas 7, 1-10&#039;&#039;, zit. nach der Übersetzung von Emil Bock.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Lukas 4, 31-37, zit. nach der Übersetzung von Emil Bock.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== KRANKHEIT UND HEILVERFAHREN IM ZUGE DER BIOGRAFIE ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche altersbedingten Krankheitsgruppen kann man unterscheiden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern beeinflusst das Menschenbild die Therapiewahl?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie wirken Substanzen aus den unterschiedlichen Naturreichen auf die Wesensglieder?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Warum der Mensch erkrankt&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Kapitel XV von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; befasst sich mit Erkrankungen im Laufe des Lebens und mit den Heilverfahren der Anthroposophischen Medizin. Voraussetzung für die Behandlung dieses Themas ist die Klärung der Frage nach Ursache und Sinn von Krankheiten beim Menschen, die bereits in Kapitel II behandelt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Leben mit Leiden und das Behandeln von Krankheiten – unter Umständen lebenslang – und damit auch mögliche Fragen nach dem Sinn solcher ‚Zumutungen‘ auf den Lebenswegen ist dem Menschen vorbehalten.[2] Das gilt ebenso für die typischen Erkrankungen, die so gut wie jede Biografie begleiten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;&#039;akute Infekte&#039;&#039;&#039; mit Fieber in der Kindheit,&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;&#039;psychosomatische Erkrankungen&#039;&#039;&#039; im ersten Erwachsenenalter in der Auseinandersetzung mit Ausbildung, Familiengründung und beruflichem Werdegang&lt;br /&gt;
# und schließlich die altersbedingten &#039;&#039;&#039;chronischen Erkrankungen&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn jemand ‚nie ernstlich krank war‘ und hochbetagt stirbt, sozusagen aus Altersschwäche, aber nicht an einer bestimmten Krankheit, so kennt er doch die Symptome der drei markanten Lebensbegleiter akuter, psychosomatischer und chronischer Ereignisse mehr oder weniger ausgeprägt bei sich und im Bekanntenkreis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Genereller Sinn altersentsprechender Erkrankungen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Bedeutung der genannten Erkrankungsvarianten für die Biografie lässt sich unschwer erkennen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== AD 1. Akute Infekte ====&lt;br /&gt;
Akute Infekte stimulieren das Immunsystem und machen es fit für das Leben. Das ist vor allem Thema des heranwachsenden Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== AD 2. Psychosomatische Erkrankungen ====&lt;br /&gt;
Psychosomatische Symptome machen darauf aufmerksam, wie wichtig ein gewisses Maß an Selbstdisziplin, Selbstkontrolle und Selbsterziehung ist, damit man sich zureichend abzugrenzen lernt gegenüber den Anforderungen aus der Umgebung und genügend Raum für die Selbstsorge und eigene Entwicklung bleibt. Auf diese Weise bildet sich ein ‚seelisches Immunsystem‘.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ad 3. Chronische Erkrankungen ====&lt;br /&gt;
Chronische Erkrankungen im Alter hingegen helfen, existenzielle Fragen zu stellen in Richtung nachtodliche Existenz. Der indische Ausdruck ‚Karma‘ steht für Wirkung, Tat. Erst wenn die Zerbrechlichkeit des eigenen Körpers infolge einer chronischen Krankheit bewusstwird, erst wenn man weiß und erlebt, dass man nie mehr von ihr gesunden wird, fällt es leichter, solche Fragen mit der notwendigen Ernsthaftigkeit zu stellen, so dass auch aktives Suchen und Finden von Antworten realer werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entscheidend für die freie Therapiewahl&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Für das Thema Heilverfahren sind all diese Überlegungen, den Sinn von und den Umgang mit Krankheit betreffend, von fundamentaler Bedeutung. Wer einen Arzt aufsucht, erwartet Heilung oder zumindest Besserung. Er möchte verstehen, was vorliegt und unter Umständen auch, was er tun kann, damit sich so etwas nicht noch einmal wiederholt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die eigene Entwicklungsperspektive beeinflusst dabei auch die Wahl der Therapie. Je nachdem, welches Menschenbild jemand hat, ob er eine spirituelle oder transhumanistische Entwicklungsperspektive verfolgt, wird er sich innerhalb der gegenwärtig vorhandenen Medizinsysteme und ihrer Behandlungsangebote für das entscheiden, was ihm am ehesten entspricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegenwärtig besteht aber die Gefahr, dass einem freien Entscheid für eine bestimmte Therapierichtung der Boden entzogen wird. Die meisten Menschen sehen sich einer herrschenden medizinischen Monokultur ausgeliefert: einer symptomorientierten, auf statistischen Evidenzen basierenden Medizin. Denn wem das Geld für private Behandlung fehlt und wem multiperspektivische Informationen nicht zur Verfügung stehen, hat keine Wahlmöglichkeiten und ist in dieser Hinsicht unfrei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Geistige Perspektive auf das medizinisch Notwendige&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Es geht in allem darum, das medizinisch Notwendige auch aus geistiger Perspektive anzuschauen und bei allem, was man verordnet – ob schulmedizinisch oder aus anthroposophischer Arzneimittelkenntnis – das Wesensgliederwirken im Organismus des Betroffenen im Bewusstsein zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der äußeren Natur faltet sich die Welt der Mineralien, Pflanzen und Tiere in höchster Spezialisierung auf – im Menschen wirken die dort im Einzelnen herrschenden Naturgesetze so zusammen, dass sie sich im gesunden Fall im Sinne der Ich-Organisation in die Gesamttätigkeit des Organismus integrieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Autoren des genannten Werkes sagen dazu: &#039;&#039;„Nun liegt eben das Wesen des krankhaften Vorganges darin, dass innerhalb des Organismus sich etwas abspielt, das sich nicht eingliedert in die Gesamttätigkeit desselben. Das hat ein solcher Vorgang gemeinsam mit einem solchen der äußeren Natur.“[3]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Abnehmende Integrationsfähigkeit macht krank&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Fokus der Betrachtung liegt darauf, herauszufinden, &#039;&#039;wann&#039;&#039; im Verlauf der Entwicklung das Wesensgliedergefüge die Fähigkeit verloren hat, sich im Sinne der Gesundheit der Tätigkeit der Ich-Organisation einzugliedern. Denn das Verhältnis zwischen der im Verlaufe der Entwicklung vermehrt außerkörperlich tätigen astralischen und Ich-Organisation als Diener des bewussten Seelenlebens und dem Anteil ihrer Aktivität, die noch in der physisch-ätherischen Organisation verbleibt, ist – wie in Kapitel II mit Rückgriff auf Kapitel I dargestellt wurde – nicht nur ein labiles, sondern auch ein sich im Laufe des Lebens verschiebendes Zusammenspiel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sind physische und ätherische Organisation nicht in der Lage, unter dem Einfluss dieser geringer werdenden Aktivität ihre Aufgabe in der Gesunderhaltung des Organismus zu erfüllen, so treten Krankheitssymptome auf. D.h. die astralische und die Ich-Organisation werden von ihrer altersentsprechenden Funktionsweise abgelenkt und in eine für sie nicht mehr zeitgerechte Tätigkeit herein gezwungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Denn alle Entwicklung des menschlichen Organismus beruht darauf, dass ursprünglich die Gesamtgestaltung des physischen und ätherischen Leibes aus der Tätigkeit des Astralischen und der Ich-Organisation sich ergibt; dass aber mit zunehmendem Alter die astralische und Ich-Tätigkeit in der physischen und ätherischen Organisation weiterlaufen. Tun sie das nicht, so müssen der astralische Leib und die Ich-Organisation in einem Stadium ihrer Entwickelung in einer Art eingreifen, zu der sie in diesem Stadium nicht mehr geeignet sind.“[4]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Substanzen, Naturreiche und Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Um nun in dieses labile Zusammenspiel der Wesensglieder konstruktiv eingreifen zu können, bedarf es nach den Verfassern des genannten Werkes einer Substanzkunde, die Natur und Mensch in ihrem entwicklungsbedingten Zusammenhang sehen lernt und vor allem die Kräfte kennt, die in den verschiedenen Ausformungen mineralischer, pflanzlicher und tierischer Gestaltungen inkorporiert sind: &#039;&#039;„Denn, um einen Heilvorgang zu veranlassen, muss man Substanzen in den Organismus einführen, die in diesem sich so ausbreiten, dass der Krankheitsvorgang allmählich in einen normalen übergeht.“[5]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So stehe z.B. das Kalzium in der Eichenrinde in einem anderen Kräftekontext als das Kalzium in der Austernschale.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man sich spezifisch an ein Wesensglied mit Bezug auf ein bestimmtes Organ wenden will, erfordert dies differenzierte Kenntnisse der Pflanzen, ihrer Standorte und Lebensbedingungen. Grundsätzlich gilt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Pflanzliche Arzneimittel&#039;&#039;&#039; haben eine unmittelbare Beziehung zur astralischen Organisation,&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Mineralien&#039;&#039;&#039; wirken direkt auf die Ich-Organisation ein.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Tierische Präparate&#039;&#039;&#039; hingegen wirken auf die ätherische Organisation.[6]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Organismus arbeitet am gesundenden Ausgleich&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Zusammenfassend wird konstatiert, dass im Organismus selber die Tendenz liegt, &#039;&#039;„seine Mängel auszugleichen“.&#039;&#039;&#039;[7]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; D.h. die Wesensglieder sind nach dieser Darstellung fortwährend bemüht, die Gesundheit wiederherzustellen, auch wenn ein Krankheitsprozess begonnen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher sei sowohl die Entstehung der Krankheit als auch die Therapie im günstigen Fall befristet. Würden die astralische- und Ich-Organisation für eine bestimmte Zeit durch geeignete Medikamente von ihrer dysfunktionalen Wirksamkeit entlastet, so gewänne die Gesundheit wieder die Oberhand.[8]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[9]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner und Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Denn Krankheit ist für den Menschen etwas durchweg anderes als für Tiere und Pflanzen. Werden Pflanzen oder Tiere von Parasiten befallen oder unterliegen sie einer Vergiftung, so sorgt die Natur dafür, dass Verwelken und Absterben eintreten oder Tiere sich – per Instinkt – schonen und (wenn möglich) die für diese Situation richtige Nahrung aufnehmen und gesunden. Das ökologische Gleichgewicht ist hier immanent regulierend am Werk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Siehe FN 1, S. 73.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe FN 1, S. 74.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Siehe FN 1, S. 73.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Vgl. Eichholz u. a. (2018), 96–105; Schnur u. a. (2018), 269–275; Scheffer u. a. (2019), 12–20.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Siehe FN 1, S. 76.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Siehe Pedersen und Meyer (2017); Vademecum (2024).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== GEISTIG-SEELISCHE ERKRANKUNGEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie entstehen geistig-seelische Erkrankungen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zusammenhang von unbewusstem und bewusstem Seelenleben&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Es macht den Reichtum des menschlichen Seelenlebens aus, dass Gedanken, Gefühle und Willensimpulse ständig zusammenwirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Selbstbewusstsein, das in der Kindheit erwacht, hat die Aufgabe, im Laufe des Lebens dieses Zusammenwirken lenken und beherrschen zu lernen. In dem Maß, in dem es gelingt, wird das Seelenleben ein Abbild der in sich geordneten und aufeinander bezogenen körperlichen Funktionen und wirkt wohltuend und gesundend auf sie zurück. Um nun das Auftreten geistiger Behinderungen oder auch seelischer Erkrankungen verstehen zu können, ist es nötig, noch auf einen anderen Sachverhalt des Seelenlebens einzugehen: auf den Zusammenhang von unbewusstem und bewusstem Seelenleben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie von Rudolf Steiner erforscht, werden im Laufe der Entwicklung die Kräfte, die vorher am Aufbau des Leibes mitgewirkt haben, für das bewusste Seelenleben frei. Die im Leibesleben „inkarnierten“ Seelenkräfte wirken unbewusst, die vom Leib befreiten seelischen Kräfte werden als Gedanken, Gefühle und Willensorientierung ins Bewusstsein gehoben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ursprung von psychischen Erkrankungen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Gelangen nun im Laufe der Entwicklung leibfrei gewordene Wachstumskräfte ins Bewusstsein, die von der integrierenden Kraft der Seele, dem „Ich“, nicht beherrscht werden können, weil ihnen noch etwas von der inkarnierenden, organbezogenen Eigendynamik anhaftet, so beginnen sie im Seelenleben eine Eigendynamik zu entwickeln. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier liegt der Ursprung der sogenannten Seelen- und Geisteskrankheiten: Gedanken können dann auftauchen und den Menschen bedrängen mit einer Lebhaftigkeit und Intensität, wie sie dem sonst so schattenhaften Denken nicht eigen sind. Sie können dem Menschen als Bildgestaltungen gegenübertreten, die von ihm nicht beherrscht werden und sein Gefühls- und Willensleben in Anspruch nehmen. Besonders deutlich ist dies bei den verschiedenen Formen der Schizophrenie der Fall:[1] Wahnvorstellungen, Zwangsgedanken, Entfremdungserlebnisse, unbeherrschbare Emotionen, Willenslähmung und die Neigung zu Tobsucht zeigen, welche dieser Bereiche des Seelenlebens der Ich-Kontrolle entglitten sind. Das Ich ist nicht mehr Herr über bestimmte Aspekte des Seelenlebens, sondern unter Umständen von einem oder mehreren Gedanken beherrscht, und der Mensch folgt ihnen zwanghaft in seinem Gefühls- und Willensleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solche Men­schen sprechen dann von Ahnungen und Eingebungen oder in fort­geschrittenen Stadien auch von „Stimmen“, die sie hören, oder von Personen, die ihnen erschienen sind, die sie zu diesem und jenem veranlasst haben. Die Inhalte des Gedanken-, Gefühls- und Willenslebens sind nicht mehr ich-durchdrungen wie im gesunden Seelenleben und werden so auch oft nicht mehr als zum eigenen Selbst gehö­rig erlebt, sondern als etwas Bedrohliches, Fremdes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Anthroposophische Therapie bei geistig-seelischen Erkrankungen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ein anthroposophisch orientierter Psychiater wird daher seine Therapie einerseits auf die Behandlung der Organsysteme und -funktionen richten, dem die pathologischen Seeleninhalte als metamorphosierte Wachstumskräfte entstammen. Auf der anderen Seite wird er mit Hilfe der künstlerischen Therapie und des Gespräches versuchen, das Ich des Kranken so weit zu stärken, dass dieser die Kontrolle über sein Seelenleben wieder erlangen kann. Er wird auch versuchen, mit Pädagogen und Eltern ins Gespräch zu kommen, damit Frühsymptome rechtzeitig erkannt und dem Ausbrechen ei­ner solchen schweren Seelenkrankheit wirksam vorgebeugt werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz entscheidend ist auch die Art und Weise, wie Lehrer mit den frei werdenden Bildekräften umgehen und bei Tage das Seelenleben des Kindes beeinflussen und wie die nächtlichen Aufbau- und Regenerationsvorgänge in der Wachstumsphase ablaufen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Kapitel&#039;&#039; „&#039;&#039;Wie sind Leib, Seele und Geist in Gesundheit und Krankheit verbunden?&#039;&#039;“, &#039;&#039;Elternsprechstunde, Verlag Urachhaus, Stuttgart&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. Rudolf Treichler, &#039;&#039;Der schizophrene Prozeß&#039;&#039;, vergriffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== GRUNDLEGENDES ZU KÖRPERLICHEN ERKRANKUNGEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kommt es zu körperlichen Erkrankungen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was kann die anthroposophische Perspektive dazu beitragen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern haben Erkenntnisprozesse Einfluss auf Krankheitsprozesse?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Krankheit als unkontrollierter Emanzipationsvorgang von Kräften&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
So wie sich jede seelische Erkrankung beschreiben lässt als Ausdruck von Gedanken, Gefühlen und Handlungsimpulsen, die nicht mehr der Ich-Kontrolle unterworfen sind, so lässt sich auch jede körperliche Erkrankung als ein Emanzipationsvorgang bestimmter Funktionen und biologischer Gesetzmäßigkeiten beschreiben, die sich nicht mehr den kontrollierenden Instanzen des Organismus unterwerfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie kommen zustande, wenn sich die seelischen Kräfte zu stark im Leib betätigen oder aber zu sehr aus ihrer notwendigen Verbindung mit dem Leib lösen. Ergänzt man die herkömmliche Diagnostik mit dieser Sichtweise, wird nicht nur das Wesen der Krankheit besser verständlich, sondern es erschließen sich auch neue Möglichkeiten für die Therapie: Es wird deutlich, durch welche seelische und geistige Aktivität die Gesundung mit beeinflusst werden kann, weil man beginnt, die Prozesse zu verstehen, denen der Leib-Seele-Zusammenhang gehorcht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Anthroposophische Perspektive als Ergän­zung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner legte großen Wert darauf, dass die Anthroposophischen Möglichkeiten für Diagnostik und Therapie als Ergän­zung zur gegenwärtigen Schulmedizin und nicht als eine Alterna­tive aufgefasst werden. Die geisteswissenschaftliche Forschung Ru­dolf Steiners erschließt vielmehr die seelischen und geistigen Hintergründe für physiologische Vorgänge. Sie diese in ein neues Licht rücken, will deren Erforschung auf naturwissenschaftlichem Wege nicht ersetzen, sondern die not­wendige Ergänzung dazu sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant ist, dass Menschen, die ernsthaft nach dem Sinn ihrer Erkrankung fragen und vom Arzt wissen wollen, ob man da auch durch meditative geistige Arbeit etwas zur Gesundung tun kann, und man ihnen von dem sie betreffenden möglichen positiven Gegenbild ihrer Erkrankung erzählt, die damit verbundene meditative Übungsaufgabe gerne ergreifen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht bei einem solchen Ansatz, der im anthroposophischen Sinne die geistige und die karmische Dimension des Menschen mitberücksichtig, weder um eine Schuldzuweisung in irgendeiner Richtung, noch um eine Interpretation der Krankheit als Vergeltungsmaßnahme. Vielmehr geht es ausschließlich um die Frage nach dem Sinn auf dem Entwicklungsweg des Betroffenen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entsprechung von Krankheitsprozess und Schulungsweg&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ita Wegman hat diesen Zusammenhang in ihrer Vorrede zur &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; beschrieben. Sie schreibt dort, dass der Eingeweihte den Schulungsweg zur höheren Erkenntnis kennt, und der Arzt die Krankheiten und wie sich beides entspricht. Dadurch fällt möglicherweise auch etwas mehr Licht auf die Frage, welche Dimension die Zusammenarbeit zwischen Rudolf Steiner und Ita Wegman hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man versteht in diesem Kontext auch die Antwort, die Steiner auf die Frage nach dem Sinn der Krankheit in dem oben genannten Vortragszusammenhang gibt: Der Sinn einer Krankheit sei immer die Heilung![2] Denn mit ihrem Auftreten hat sich das mit ihr zusammenhängende Schicksal bereits ausgelebt. Die Aufgabenstellung ist deutlich geworden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt kommt alles darauf an, die Heilung so zu begleiten, dass nicht nur der Körper gesünder wird, sondern auch Seele und Geist etwas davon haben. Kommt das Letztere zu kurz, so besteht die Gefahr eines Rückfalls oder einer anderen Folgekrankheit. Probleme im individuellen und sozialen Leben wiederholen sich offenbar so lange, bis die davon Betroffenen merken, dass das auch etwas mit ihnen zu tun hat und bereit sind, daraus zu lernen und sich weiterzuentwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankheiten und Schicksalsschläge schränken mitunter dramatisch ein und erzwingen sozusagen durch die Krankheit einen unbewussten Lernvorgang. Denn in der Krankheit wird der auf der Erkenntnisebene nicht stattgehabte Vorgang jetzt unbewusst in seiner körperlichen Projektion durchlitten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zwei mögliche Ausgänge von Krankheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das beinhaltet zwei Möglichkeiten, wie eine Krankheit ausgeht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wenn man wieder gesund wird&#039;&#039;&#039;, erfüllt einen in der Regel eine große Dankbarkeit und man ergreift sein wiedergewonnenes aktives Leben mit mehr Bewusstsein für das Wesentliche.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Stirbt man jedoch an der Krankheit&#039;&#039;&#039;, so bleibt das im Körper durchlittene Erlebnis des Krankheitsprozesses, das die Wesensglieder selber hervorgebracht haben, selbstverständlich als eine unbewusst geleistete &#039;&#039;„körperliche Erkenntnisarbeit“&#039;&#039; erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so wie im Nahtod-Erlebnis in Folge der Lockerung des Ätherleibes das Lebenspanorama aufscheint und auch all das enthält, was man im gewöhnlichen Gedächtnis nicht mehr parat hatte oder was unbewusst blieb, so taucht auch jetzt nach dem Tod in voller Bewusstseinsklarheit auf, was im Hervorbringen der Krankheit dem Bewusstsein entzogen war. So kann man die Früchte der Krankheit als wichtige Entwicklungserfahrung auf seinem weiteren nachtodlich-geistigen Weg mitnehmen und in die Vorbereitung der nächsten Inkarnation als Anlage zu neuer Fähigkeitsbildung einbeziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Kapitel „Wie sind Leib, Seele und Geist in Gesundheit und Krankheit verbunden?“, Elternsprechstunde, Verlag Urachhaus, Stuttgart&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27, Vorrede.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Metamorphosen des Seelenlebens. Pfade der Seelenerlebnisse. Zweiter Teil,&#039;&#039; GA 59, S. 170.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== HIOB – SCHULD UND KRANKHEIT ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was kann uns die Geschichte von Hiob über Krankheit lehren?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Besteht ein Zusammenhang zwischen Krankheit und Schuld?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Vorspiel im Himmel&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die schwer verständliche Geschichte von Hiob[1] hat ein Vorspiel im Himmel. Dort spricht Gott, der Herr, mit dem Teufel und lobt seinen Knecht Hiob, an dem kein Fehl und Tadel ist. Der Teufel hört sich das an, weist jedoch darauf hin, dass es für Hiob nicht schwer sei, ein gottgefälliges Leben zu führen, da es ihm ja so gut gehe. Er habe alles, was ein Mann zum Leben brauche: eine liebe Frau, Kinder, Reichtum, Freunde und – Gesundheit. &#039;&#039;„Aber“,&#039;&#039; so setzt der Teufel hinzu, &#039;&#039;„recke deine Hand aus und taste an alles, was er hat: was gilt&#039;s, er wird dir ins Angesicht absagen.“&#039;&#039; Gott, der Herr, lässt sich auf diese Wette ein und gibt dem Teufel die Macht, Hiob mit allen nur erdenklichen Plagen zu schaden – mit einer Ausnahme: Er darf ihn nicht töten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so kommt Hiob völlig „schuldlos“ in Elend und Not, sodass schließlich alle an ihm zweifeln und ihn verdächtigen, insgeheim eine schwere Sünde auf sich geladen zu haben, da Gott gemäß dem jüdischen Glauben keine Unschuldigen straft. Hiob, der sich keiner Schuld bewusst ist, und der Schicksalsumkreis, der in Hiobs Krankheit und Not ebenfalls keinen Sinn erkennen kann, werden vorbereitet, etwas noch viel Tieferliegendes zu verstehen: dass man auch dadurch „schuldig“ werden kann, dass man meint, Irrtum und Böses seien nur bei anderen Menschen zu finden, wohingegen man selber schon untadelig und rein sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Schicksalsfragen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Doch selbst wenn man schon ohne Fehl und Tadel wäre und ein echt gottgefälliges Leben führen würde, müsste man sich fragen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was waren die Bedingungen meiner Entwicklung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wodurch habe ich mein untadeliges Wesen erwerben können?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie konnte ich überhaupt lernen, ein guter Mensch zu werden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie viel habe ich dabei von anderen gelernt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie oft sah ich fremdes Leid und lernte daraus und wurde so davor geschützt, selbst den das Leid verursachenden Fehler zu machen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ist mein fortgeschrittener Entwicklungsgrad nicht auch der Tatsache geschuldet, dass andere in meinem Umfeld noch Seelenqual, Schuld, Krieg und Not erleiden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es liegt nahe, einzusehen, dass man sein So-Sein den Menschen verdankt, mit denen man gelebt hat. Man verdankt es aber auch der Tatsache, dass die Menschheit als Ganzes in Entwicklung begriffen ist: Wenn wir im eigenen Schicksalsumkreis mit einem bestimmten Problem nicht konfrontiert wurden, von dem wir hätten lernen können, berichtet uns die Menschheitsgeschichte darüber, lernen wir aus den Erfahrungen anderer. Wir verdanken unser So-Sein nicht nur dem persönlichen Schicksalsumfeld, sondern auch dem großen Entwicklungsprozess der Menschheit selbst. Als Hiob diese Tatsache zu begreifen begann, wurde er als würdig erachtet, Gott zu schauen. Er hat den Sinn des Mensch-Seins erfahren und dabei die Gottesnähe erlebt – gerade auch im Leid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Drei Ebenen von Schuld&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Damit erfährt auch der Begriff der „Schuld“ eine Erweiterung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Es gibt die &#039;&#039;&#039;individuelle Schuld&#039;&#039;&#039;, über die sich der einzelne Mensch am besten selbst Rechenschaft ablegt.&lt;br /&gt;
* Dann gibt es das &#039;&#039;&#039;Schuldig-Werden an anderen Menschen&#039;&#039;&#039;, auch dann, wenn man davon nicht einmal weiß: Man lebt in der Illusion, richtig gehandelt zu haben, und ahnt nicht, zu welchen Schmerzen oder gar Zusammenbrüchen das eigene Handeln bei anderen Menschen geführt hat. Diese Schädigung anderer Menschen, die einem nicht einmal bewusst war, bedarf in irgendeiner Form des Ausgleichs, u.U. auch erst in einem späteren Erdenleben.&lt;br /&gt;
* Es gibt aber auch &#039;&#039;&#039;Schuld auf der menschheitlichen Ebene&#039;&#039;&#039;. Sie hat mit Gott selbst zu tun: Indem ER von Anbeginn der Schöpfung das Böse als Bestandteil unserer Entwicklung zuließ, trägt auch Gott für diesen Ratschluss, diesen Urentscheid „Schuld“. Ausdruck davon sind im Alten und Neuen Testament Stellen, an denen unmittelbare Zwiesprache z.B. zwischen Gott und Teufel oder zwischen Christus und dem Geist einer Krankheit stattfindet.   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verwandlung von Schuld&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Angesichts allgegenwärtiger Schuld, z.B. was sich an sogenannter Kollektivschuld in Deutschland und anderen Ländern angehäuft hat, aber auch im Hinblick auf die vielfältige Verschuldung des modernen Lebens gegenüber Mensch und Natur, ist es hilfreich sich zu fragen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was will diese Verschuldung – woher auch immer sie kommt – uns, mich, heute lehren? Wie kann ich Schuld durch tätige Mitverantwortung auflösen und verwandeln helfen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch eine solche Fragehaltung erfährt Schuld eine wohltuende Metamorphose. Denn es geht nicht mehr darum, &#039;&#039;wer&#039;&#039; etwas verschuldet hat, sondern einzig und allein darum, &#039;&#039;worauf&#039;&#039; diese sogenannte Schuld hinweisen und aufmerksam machen will – was man an ihr und durch sie lernen kann und welche positiven Entwicklungsmöglichkeiten dadurch eröffnet werden. Eine solche Auffassung von Schuld hilft uns nicht nur, mit wachsender Dankbarkeit und innerer Ruhe auf Leben und Mitwelt hinzublicken. Sie hilft uns auch, im Falle von Leid oder Krankheit, die uns scheinbar „unschuldig“ treffen, zu erkennen, dass man dadurch bewusst am Leid der Menschheit Anteil nimmt – und nicht nur persönliche Verfehlungen ausgleicht. Vorbild dafür ist in der biblischen Tradition das Buch Hiob, und im neuen Testament ist es der Christus, der schuldlos „der Welt Sünde trägt“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Begabungen und Behinderungen“, 10. Kapitel, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2004&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Aus dem &#039;&#039;Buch Hiob&#039;&#039; des Alten Testaments. - Goethe hat diese „Krankengeschichte“ im Faust, dem modernen Hiob-Buch, dramatisiert. Damit bekommt gerade dieser Krankheitstypus für die heutige Menschheit besonderes Gewicht. Denn die Faustgestalt steht für die Entwicklungsdramatik des modernen Menschen, der sich seines Paktes mit dem Teufel, das heißt seiner Beziehung zum Bösen, bewusstwerden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FOLGEN DES FEHLENS SPIRITUELLER WERTE ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Folgen hat eine spirituelle Erziehung im späteren Leben?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Folgen fehlender Spiritualität im Kindesalter&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Fehlt die religiöse Erziehung im Kindesalter, so haben es die Betreffenden im späteren Leben sehr viel schwerer, sich auf die Suche nach spirituellen Werten zu machen, da sie auf keinerlei Erfahrung zurückgreifen können und damit auch nicht recht wissen, was sie überhaupt suchen sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Drogenkonsum ====&lt;br /&gt;
Dass das wirklich so ist, erleben wir heute an der immer stärker anwachsenden Tendenz zu Suchtkrankheit und Drogenabhängigkeit. Denn die Suchtkrankheit ist die Krankheit der Religionslosigkeit.[1] Fragt man Drogenabhängige, was sie in der Drogenszene finden, wird deutlich, dass es sich um genau die Qualitäten und Werte handelt, die den religiösen Erfahrungen entsprechen: Ruhe und Geborgenheit, Erleben vertrauensvoller menschlicher Beziehungen, Licht- und Wärmeerlebnisse – also intensive Sinneserlebnisse und starke Selbsterfahrung. So sagen sie oft, dass es der unerträgliche Zweifel am Sinn des Lebens war, der sie in die Sucht trieb, oder dass sie die Schlechtigkeit und Ungerechtigkeit der Welt nicht ertrugen oder aber, dass sie keine Liebe und Geborgenheit unter Menschen erlebt haben. Das alles hätten sie erst in der Drogenszene gefunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn die Drogenkarriere keine echte Perspektive für das Leben darstellt, überwiegt bei den Betroffenen die Dankbarkeit, dass sie vorübergehend ihre quälenden Zweifel und Ängste ablegen können und sich aufgenommen fühlen von einer anderen Welt, die erfüllt ist von Farben und Licht, von Freundschaft und Geborgenheit. Wer Drogen nimmt, betritt diese Welt zwar ohne waches Selbstbewusstsein, aber er entrinnt auf diese Weise wenigstens der Enge, Dürftigkeit und Einsamkeit des scheinbar so sinnlosen Alltagslebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Neue Krankheiten ====&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner hat zu Beginn dieses Jahrhunderts in Vorträgen immer wieder darauf hingewiesen, dass neue Krankheiten auftreten werden, wenn weitere drei Generationen in der gleichen Art leben wie zur damaligen bereits vom Materialismus bestimmten Zeit. Die körperlichen Kraftreserven, die aufgrund der Vererbung für mehrere Generationen reichen, wären nach ca. 100 Jahren verbraucht. Der Mensch wäre dann darauf angewiesen, zusätzliche geistige Kräfte aufzunehmen, damit der Leib nicht zerbricht, sondern sich verwandeln kann.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zusammenhang zwischen Geist und Gesundheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Um diesen Zusammenhang zwischen Geist und Gesundheit zu verstehen, bedarf es der Kenntnis eines der wichtigsten Forschungsergebnisse Rudolf Steiners für Pädagogik und Medizin: Die Kenntnis vom Gesetz der Metamorphose der Wachstumskräfte in Gedankenkräfte. Steiner fand heraus, dass die Kraft, die dem Wachstum, der Regeneration und damit auch der Selbstheilung des Organismus zugrunde liegt (in der Anthroposophie „ätherischer Organismus“ genannt), identisch ist mit der Kraft, die der Mensch aufwendet, wenn er denkt. In seinem gemeinsam mit der Ärztin Ita Wegman verfassten Buch &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; führt er diesbezüglich aus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Es ist von der allergrößten Bedeutung zu wissen, dass die gewöhnlichen Denkkräfte des Menschen die verfeinerten Gestaltungs- und Wachstumskräfte sind. Im Gestalten und Wachsen des menschlichen Organismus offenbart sich ein Geistiges. Denn dieses Geistige erscheint dann im Lebensverlaufe als die geistige Denkkraft.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und diese Denkkraft ist nur ein Teil der im Ätherischen webenden menschlichen Gestaltungs- und Wachstumskraft. Der andere Teil bleibt seiner im menschlichen Lebensbeginne innegehabten Aufgabe getreu. Nur weil der Mensch, wenn seine Gestaltung und sein Wachstum vorgerückt, das ist, bis zu einem gewissen Grade abgeschlossen sind, sich noch weiter entwickelt, kann das Ätherisch-Geistige, das im Organismus webt und lebt, im weiteren Leben als Denkkraft auftreten.&amp;quot;&#039;&#039;[3]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Neues Paradigma der psychosomatischen Medizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Bei diesem Forschungsergebnis handelt es sich um das neue Paradigma der psychosomatischen Medizin, auf dem Erziehung und Medizin in Zukunft immer mehr aufbauen müssen, wenn sie weiterhin erfolgreich sein wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn schon heute ist die psychosomatische Forschung weitgehend zu der Erkenntnis gelangt, dass beispielsweise ein Mensch mit guter Lebensmotivation, mit Zukunftsidealen und der Fähigkeit, seinem Leben einen Sinn zu geben, ein weit besseres Immunsystem und bessere Möglichkeiten der Rekonvaleszenz hat als jemand, der diesen positiven Zugang zum Leben nicht besitzt.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Welchen Auftrag hat die Religion in Erziehung und Heilkunst?“ aus „Die Heilkraft der Religion“, Stuttgart 1997&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Ron Dunselmann, &#039;&#039;An Stelle des Ich. Rauschdrogen und ihre Wirkung&#039;&#039;, Stuttgart 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Sendung Michaels&#039;&#039;. GA 194.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner; Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen&#039;&#039;, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Vgl. Richard Wagner (Hrsg.), &#039;&#039;Immunologie und Krebskrankheit&#039;&#039;, Stuttgart 1993;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Martin Straube, &#039;&#039;AIDS-Sprechstunde&#039;&#039;, Stuttgart 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DAS GEHEIMNIS DES MERKURSTABS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist unter dem „Geheimnis des Merkurstabs“ zu verstehen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann dieses neue Mysterien-Prinzip angewandt werden in Diagnostik und Therapie?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was besagt der esoterische Krankheitsbegriff?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie können mit seiner Hilfe die Kräfte „des Oberen und des Unteren“ wieder an den rechten Ort gebracht werden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Der esoterische Krankheitsbegriff&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der esoterische Krankheitsbegriff ist eng mit dem &#039;&#039;„Geheimnis des Merkurstabs“&#039;&#039; verbunden. Er besagt, dass der Mensch etwas, das er in seinem Leben offensichtlich „zu seinem Heil“ braucht, nicht auf dem gesunden Wege „am rechten Ort und zur rechten Zeit“ durchmachen bzw. lernen konnte. Nun gibt ihm sein persönliches, soziales bzw. menschheitliches Schicksal die Gelegenheit, das Erwünschte auf dem Krankheitswege durchzumachen und so das Lern- bzw. Entwicklungsziel zu erreichen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Was wir bewusst &#039;&#039;&#039;auf dem Erkenntnisweg&#039;&#039;&#039; erarbeiten, ist &#039;&#039;von Michael inspiriert&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
* Was wir unbewusst &#039;&#039;&#039;durch Schmerz und Leid&#039;&#039;&#039; erringen, wird &#039;&#039;von Raphael begleitet&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist mit dem &#039;&#039;„Geheimnis des Merkurstabs“&#039;&#039; als neuem Mysterien-Prinzip gemeint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner sagt von diesem &#039;&#039;„Geheimnis des Merkurstabs“&#039;&#039;, dass Ärzte und Therapeuten es immer besser handhaben lernen sollten. Dabei kann uns die offene Lemniskate des Merkurstabs helfen, denn sie bildet ab, worum es bei diesem neuen Mysterien-Prinzip geht: um die Funktionsdynamik des Ätherischen. Nicht nur ist diese Dynamik unserem Herzen zutiefst eingeschrieben wie ein Siegel, sie bestimmt auch über den ganzen Kreislauf, ja über unsere gesamte menschliche Konstitution. Unser physischer Leib ist aufgebaut durch ätherische und astrale Kräfte sowie durch Kräfte der Ich-Organisation. Diesem Aufbau liegt ein unglaublich lebendiges, kraftvolles, Gesetzes-Prinzip zugrunde, das sich unserem Bewusstsein entzieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ita Wegman&#039;&#039; beschreibt den Schlüssel zu diesem neuen Mysterien-Prinzip, das ein Raphael-Mysterium ist, in ihrer Vorrede zu dem gemeinsam von ihr und Rudolf Steiner verfassten Buch &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“.&#039;&#039;&#039;[1]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Rudolf Steiner hatte ihre Vorrede zwar nicht in die Druckfassung des Buches übernommen, sie blieb aber erhalten und wurde von &#039;&#039;Walter Holtzapfel&#039;&#039;, von 1969 bis 1977 Leiter der Medizinischen Sektion, erstmals im Rundbrief der Sektion publiziert.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Krankheit physisch und geistig gesehen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ita Wegman schreibt dort von zwei Hauptursachen des Krankseins (auf die wir hier nicht näher eingehen wollen), die beide vom Physischen und vom Geistigen aus gesehen und beschrieben werden können: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Ein kranker Mensch ist aber immer ein ganz individueller Fall. Es gibt nicht zwei Menschen, die in gleichem Sinne krank sein können. Die Naturdinge, die ungeistig sind, führen auf allgemeine Gesetze zurück. Das Individuelle ist immer der Ausdruck der Wirksamkeit seelisch-geistiger Gesetze. Diese Gesetze sind nicht in Begriffe zu fassen, sondern nur für die Anschauung erreichbar. (...)&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Die Seelenübungen, die zur geistigen Anschauung führen, bestehen entweder in einer Abschwächung oder einer Verschärfung des Seelenlebens. Die Abschwächung des Seelenlebens ist innerhalb des Seelischen eine Nachahmung der Krankheiten der ersten Art, die Verschärfung eine Nachahmung der Krankheiten der zweiten Art. Wer also die Seelenverfassung kennt, die aus solchen Übungen stammt, kennt die Krankheiten, denn er hat in seinen Seelenzuständen Bilder davon. Beschreibt er durch das, was er an diesen Bildern erlebt, die physischen Symptome der Krankheiten, so liefert er jedem Arzt Beschreibungen, die dieser nachprüfen kann. Hält die Beschreibung der Nachprüfung stand, so werden damit auch die Angaben des Erforschers des Geistigen bestätigt. Und lässt sich der Arzt immer wieder auf die Beschreibungen eines solchen Geistesforschers ein, so kann er sich aus dessen Schilderungen des Symptomen-komplexes nach und nach selbst die geistige Anschauung erwerben. Wir sind durchaus der Meinung, dass das ganz richtige Lesen dieses Buches jeden Arzt in die Lage versetzt, selbst die Krankheiten geistig anzuschauen.&#039;&#039;[3]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht also darum, zu verstehen, dass der Übungsweg aus &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“&#039;&#039;[4] mit Mühen und seelischen Schmerzen verbunden ist, die denen entsprechen, die der Körper erleidet, wenn er krank ist. Krankheit erscheint der geistigen Anschauung als ein Kraftkomplex, der sich eigentlich hätte seelisch-geistig betätigen sollen, nun aber am falschen Ort leiblich aktiv wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Sinnfindung durch Umgang mit den geistigen Urbildern von Krankheiten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Es ist nun Aufgabe des Arztes, hinter jeder körperlichen Krankheit das Geistige zu sehen, das sich in dieser Krankheit am falschen Ort manifestiert. Damit wird aber auch der Sinn der Krankheit im individuellen Schicksal erkannt und die Krankheit „&#039;&#039;als physische Imagination vom geistigen Leben“[5]&#039;&#039; angeschaut, wie es Rudolf Steiner im &#039;&#039;Jungmedizinerkurs[6]&#039;&#039; zum Jahresanfang 1924 formuliert hatte. Therapie bedeutet in diesem Kontext, das Physisch-Imaginative auf den (Rück)Weg zur Gesundung, d.h. zum richtigen Ort, dem Geistig-Imaginativen zu bringen. So gesehen wäre das Buch zur Selbstschulung von Rudolf Steiner &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“&#039;&#039; auch unter dem Aspekt zu lesen, welcher Krankheit dadurch vorgebeugt werden kann, wenn man eine der dort beschriebenen Übungen macht. Autoimmunerkrankungen können z.B. als leibliche Projektion der geistigen Übung, &#039;&#039;„sich selbst wie ein Fremder gegenüber zu stehen“&#039;&#039; angesehen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gelingt es einem Menschen nicht, ein für dieses Leben seelisch-geistig veranlagtes Lernziel zu erreichen, so wählt er sich zum Ausgleich den unbewussten Weg durch die Krankheit, um das gewünschte Ziel so doch noch zu erreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Anforderungen an den Arzt&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wenn der Erkrankte nicht nach diesen esoterischen Hintergründen fragt, sollte der Arzt darüber schweigen. Denn dann besteht die Gefahr, dass der hier geschilderte Tatbestand Schuldgefühle im Kranken weckt, die seine krankhafte Symptomatik verstärken können. In diesem Fall kann der Arzt das geistige Gegenstück der Krankheit im Bewusstsein haben, wenn er dem Kranken gegenübertritt. Dann wirkt er durch seine Gegenwart „gesundend“ auf den Patienten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gleichzeitig ist der Umgang mit diesen geistigen Urbildern auch für den Arzt die beste Prävention. Denn indem er mit den entsprechenden Übungen arbeitet, im Grunde also geistig und seelisch mit den Gegenbildern der Krankheiten lebt, haben diese Kräfte bei ihm keine Veranlassung, sich an falschen Orten kränkend zu betätigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So tritt in der Anthroposophischen Medizin zu den schulmedizinischen und komplementärmedizinischen Therapieverfahren noch die Möglichkeit hinzu, durch ein spirituelles Krankheitsverständnis Prävention, Krankheit und Heilung in ihrem Zusammenhang tiefer zu verstehen. Diese Einsichten therapeutisch handhaben zu lernen, kann u.a. Wesen und Inhalt einer Raphael-Schule sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Raphael und die Mysterien von Krankheit und Heilung“, Medizinische Sektion am Goetheanum 2015&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner und Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes zu einer Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen,&#039;&#039; GA 27, Dornach 2007.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] &#039;&#039;Wiederabdruck in: Rundbrief für die Mitarbeiter der Medizinischen Sektion am Goetheanum in aller Welt&#039;&#039;. Nr. 2, Advent 1993.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Ita Wegman, nicht veröffentlichte Vorrede zu &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, Siehe Seiten 43-46.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der Höheren Welte&#039;&#039;n?, GA 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Meditative Betrachtungen und Anleitungen zur Vertiefung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 316, Dornach 2009, S. 104.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Jungmedizinerkurs&#039;&#039;, GA 316.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DER ESOTERISCHE KRANKHEITSBEGRIFF ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was besagt der esoterische Krankheitsbegriff?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Krankheit als Einweihung über den Tod hinaus&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;Jungmedizinerkurs&#039;&#039;[1] kann man nachlesen, dass jede Krankheit auch eine unbewusste Einweihungsbegegnung mit dem Hüter der Schwelle ist. In einem Notizbucheintrag Rudolf Steiners befindet sich ein erster Entwurf einer Meditation für die Jungmediziner, der später eine andere Form bekam. Es handelt sich um eine rein esoterische Formulierung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Begegnung&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Es strömen an der Schwelle&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Sinnesdunkel und Geisteshelle&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Zum Blendwerk ineinander.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Dieses Blendwerks Abbild&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ist die Krankheit.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;In der Krankheit lebet der Hüter,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Begegnung im Geist bewusst.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Begegnung im Körper unbewusst.[2]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst wenn ein Mensch an einer Krankheit stirbt, die ihm viele Schmerzen bereitet hat, wird er nach dem Tode davon profitieren: Die ätherischen Kräfte, die am Verlauf der Krankheit beteiligt waren, z.B. indem sie Krebswucherungen erzeugten, lösen sich nach dem Tod aus dem ätherischen Organismus heraus und vereinigen  sich mit allem, was der Mensch durch bewusste Erkenntnis erringen konnte. Denn nach dem Tod erwacht der Mensch zu allem, was er auf Erden getan hat, egal ob bewusst oder unbewusst. Was er durch Krankheiten auf unbewusste Weise errungen hat, auch durch Schmerzen, wird ihm nach dem Tode bewusst und er begreift, dass der Sinn seiner Krankheit darin lag, sie zu durchleiden. Durch Krankheit erreicht der Mensch über die körperliche Ebene in der Sphäre der Naturgesetze dasselbe Entwicklungsziel wie über den rein geistigen Entwicklungsweg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Geheimnisse von Gesundheit und Krankheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Zum besseren Verständnis dieser Prinzipien: Rudolf Steiner nennt im „&#039;&#039;Pastoralmedizinischen Kurs“[3]&#039;&#039; einen Spruch für Priester und Ärzte, der das Geheimnis des Merkurstabes in Worte fasst und eine Verbindung herstellt zu den genannten Zeilen aus dem Grundsteinspruch. Er lautet sinngemäß:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Ich werde den Weg gehen,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;der die Elemente in Prozess auflöst.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Er bringt mich hinunter zum Vater,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;der die Krankheit schickte,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;damit das Karma ausgeglichen wird,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;und bringt mich hinauf zum Geist,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;der die Seele durch Irrtümer (und Schuld) geleitet,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;damit sie Freiheit entwickelt.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist der Merkurstab in Worten – alle Geheimnisse von Gesundheit und Krankheit sind in dieser einen Meditation zusammengefasst:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Vatergott&#039;&#039;&#039; schickt uns Krankheit bzw. Störungen, um das Schicksal auszugleichen. Das geschieht in der Nacht, die die Domäne des Vaters ist. Wir nehmen den Körper, wie er ist. Auch können wir die Geburtsumstände nicht verändern.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Christus&#039;&#039;&#039; führt hinab zum Vater und hinauf zum Geist, um im Zuge der Entwicklung den Geistesmenschen im Erdenmenschen zu erschaffen&#039;&#039;.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* Das alltägliche Leben, die Möglichkeit Tag für Tag über Versuch und Irrtum zu lernen, ist die Domäne &#039;&#039;&#039;des Heiligen Geistes&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;,&#039;&#039; der weiß, dass wir im Leben irren können. Wir geraten in Schuld, wenn wir nicht unseren eigenen Weg finden, wenn wir nicht das Gute suchen und zu tun bestrebt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Geschenke des Christus&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dieser Gedanke ist sehr schmerzlich, doch kann es nicht anders sein: Man kann keine Freiheit erlangen, ohne Grenzen erlebt zu haben. Man kann nicht lernen in Freiheit zu lieben, wenn man nicht erlebt hat, wie es sich anfühlt, nicht geliebt zu werden oder wie schmerzlich es ist, wenn man anderen schadet. Wir brauchen die Dunkelheit, um das Licht verstehen zu können. Liebe und Freiheit brauchen einander. Deshalb kann echte Liebe alles aushalten, alles verarbeiten. Sie ist der Heiler unseres ICH BIN, wenn dieses lernt, unsere Liebesressourcen anzuzapfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Moment der Verzweiflung, des Todes, des Wandels, der Transformation, ist ein Geschenk des Christus: die Tatsache, dass wir uns verwandeln können, dass wir sterben und uns transformieren können; dass wir Regeln brechen und neue kreieren können. Das Mysterium des Lebens ist, dass es in den Tod mündet, sodass Tod die Frucht des Lebens ist. Wir werden geboren, um zu sterben. Das ist die Sphäre von Christus, dem Meister des Schicksals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die drei Rosenkreuzerworte&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Drei Zeilen aus der Grundsteinmeditation, auch Rosenkreuzerworte genannt, können uns in Bezug auf Krankheit und Gesundheit geistige Orientierung geben und dem besseren Verständnis dieser Sphäre dienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. „Ex deo nascimur“ ====&lt;br /&gt;
Wir entwickelten uns aus dem Vatergott – wir sind Kinder des Vaters, aus dem Vater geboren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. „In christo morimus“ ====&lt;br /&gt;
In Christus sterben wir. Unsere große Chance liegt in der Art, wie wir uns darauf vorbereiten: ob wir ihm, unserem Höheren Ich, mehr oder weniger bewusst begegnen werden. Das ganze Leben dreht sich um die Suche nach diesem Höheren Ich, dem Christus, denn wir tragen in uns die Sehnsucht, IHM zu begegnen. Im Todesmoment begegnen IHM alle Menschen als dem höchsten Hüter der Schwelle, egal, wie materialistisch sie gesinnt waren. Und je nachdem, wie sie sich vorbereitet haben, schlafen sie entweder ein oder bleiben wach, um zwischen Tod und einer neuen Geburt mit dem Heiligen Geist die nächsten Lernerfahrungen zu planen, z.B. auch, ob bestimmte Krankheiten „gebraucht werden“ in der nächsten Inkarnation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. „Per spiritum sanctum reviviscimus“ ====&lt;br /&gt;
Wir werden im Heiligen Geist erwachen zu unserer Aufgabe, uns selbst und andere zu heilen. Wir werden initiiert, werden auferweckt durch den Heiligen Geist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anhand dieser drei Zeilen können wir erkennen, dass die Vergangenheit aus dem Vater geboren wurde mitsamt dem vollen Risiko von Krankheit. Denn Krankheit hat mit unserem Körper zu tun und mit den Kräften, aus denen wir geboren wurden. Heilung ist ein zukünftiges Ziel – unangreifbar, unverwundbar zu werden. Das liegt weit in der Zukunft. Zwischen diesen Polen haben wir das Risiko des Lebens, das immer in Gefahr ist. Das Gleichgewicht kann in jedem Moment verloren gehen und wir werden krank – oder wir finden neue Kräfte und stehen wieder auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. mit einer Zusammenstellung von Vorträgen über „Die sieben Siegel der Apokalypse“ gehalten 2007&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1]Rudolf Steiner, &#039;&#039;Jungmedizinerkurs&#039;&#039;, GA 316.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Mantrische Sprüche. Seelenübungen II. 1903-1925, GA 268&#039;&#039;, Dornach 1999, S. 304 „Begegnung&amp;quot; wie abgedruckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner,  &#039;&#039;Pastoralmedizinischer Kurs&#039;&#039;, GA 318, Dornach, 8. bis 18. September 1924.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE KRANKHEIT SELBER IST DIE HEILUNG ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was bedeutet diese Aussage Rudolf Steiners?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Krankheit erzeugt Gesundheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ich versuche seit vielen Jahren das Wesen von Krankheit und Gesundheit zu verstehen, es immer besser zu begreifen und es auch zu vermitteln, wann und wo es gebraucht wird. Rudolf Steiner&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Es mag der Mensch erkranken, so lange er sich entwickelt! Durch die Krankheit entwickelt er sich zugleich zur Gesundheit. So strebt die Krankheit in der Heilung, und sogar im Tode, über sich selbst hinaus und erzeugt die Gesundheit&#039;&#039; – &#039;&#039;nicht als ein dem Menschen Fremdes, sondern als eine aus dem Menschenwesen selbst herausgewachsene, mit diesem Menschenwesen übereinstimmende Gesundheit.“&#039;&#039;&#039;[1]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist eine große Leistung, sich den ererbten Körper anzueignen und durch und durch zu individualisieren. Wir sind hier, um unseren Leib nicht nur zu beziehen, sondern ihn auch zu ergreifen und uns anzueignen. Man kann sogar sagen, jeder Mensch gestaltet seine Gesundheit, dieses Gottesgeschenk, aktiv mit. Mir wurde aber so deutlich wie noch nie, dass auch wir selbst es sind, die eine Krankheit hervorbringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Krankheit als krisenhafte Verselbstung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das kann man an der Krebserkrankung besonders gut ablesen, an dem autonomen Wachstum, dass dieses „autos“ (altgriech.: „selbst“) &#039;&#039;wir selbst&#039;&#039; sind und nicht ein Feind. An unserer gesunden Natur können wir das Tragende, das Vatergöttliche, erleben. Diese gesunde Natur macht nun „Platz“ für ein Krankheitsgeschehen, an dem wir oft über Jahre intensiv tätig sind, um etwas in unserer Entwicklung auszugleichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch nie stand mir so deutlich vor Augen, was Rudolf Steiner damit gemeint haben könnte, als er sinngemäß sagte: &#039;&#039;„Die Krankheit selber ist die Heilung“&#039;&#039;. Das müssen wir nur richtig begreifen und dieses Autonome als selbstgeführt verstehen lernen und dem Selbst des Patienten alle nur mögliche Hilfestellung leisten, um ihm aus dieser krisenhaften „Verselbstung“, die die Krankheit bedeutet, wiederum in Richtung Gesundheit zu verhelfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist eigentlich unser therapeutischer, pflegerischer und ärztlicher Beruf: Bruder sein, Schwester sein, Weggenosse sein, der mithilft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Abschlusswort JK 2009, Dornach, am 17.09.2009&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Metamorphosen des Seelenlebens&#039;&#039;, Band 2, GA 59, Ausgabe von 1984, S. 170.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE POCKENKRANKHEIT UND IHR GEISTIGES GEGENBILD ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist das geistige Gegenbild der Pockenkrankheit?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Warum ist es so wichtig, sich damit zu befassen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was kann es uns sagen über das Wesen und die Aufgabe der Krankheit?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Pocken als Krankheit mit einer menschheitlichen Dimension&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner im Auge, setzt 1924 in den &#039;&#039;„Vorträgen für Medizinstudenten und jüngere Ärzte“[1]&#039;&#039; die Gesundheit des Arztes, d.h. seine Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheitsneigungen, in Beziehung zu der Aufgabe, auch das Wesen einer Krankheit zu erkennen, an der der jeweilige Patient leidet. Er gibt dann selber ein Beispiel, wie man dieses lernen kann. Hier geht es darum, die menschheitliche Dimension von Krankheiten und, was sie verursacht haben könnte, zu erkennen.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er wählte dazu die Pockenkrankheit, die damals infolge der Impfung schon am Aussterben war, weswegen wohl niemand seiner Zuhörer einen Pockenkranken je gesehen oder in seiner Praxis gehabt hatte. Vielleicht wählte Rudolf Steiner eine vom Aussterben bedrohte Krankheit, weil sie in ihrem Wesen noch nicht erkannt und damit grundlegend auf den Weg der Heilung gebracht werden konnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben es hier nicht mit einer typisch individuellen Erkrankung zu tun, sondern mit einer epidemisch auftretenden, was immer darauf hinweist, dass sie eine Antwort, ein Schicksalsausgleich, für ein soziales Entwicklungsdefizit sein könnte, das der „Schicksalsheilung“ durch diese Krankheit bzw. des Erkennens ihres Wesens bedarf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Sozialer Aspekt der Pockenerkrankung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Pockenerkrankung als solche ist äußerst „sozial“: Das zeigt sich nicht nur am Ansteckungsmodus durch die hohe Kontagiösität und damit Weitergabe an möglichst viele, sondern auch durch die Art und Weise, wie sich die Symptomatik aufbaut: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Hohes Fieber als physischer Ausdruck von Wärme – &#039;&#039;die eigentlich seelische und geistige Wärme des Mitgefühls und Verstehens sein sollte.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Blasenbildung an den Oberflächen von Haut, Schleimhäuten und auch den Oberflächen der inneren Organe – &#039;&#039;als ob sich die Grenzen jetzt physisch öffnen wollten, weil das seelische Sich-füreinander-Öffnen, wie es im Sinne des Schicksals der Betroffenen wäre, nicht gelingt.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pockenkrankheit sei im Grunde dadurch entstanden, dass sich diese heilsame soziale Fähigkeit in den Körper hineinprojiziere, weil sie sich am richtigen Ort – im sozialen Miteinander – seelisch-geistig nicht ausleben konnte. So erschien sie am ‚falschen Ort‘ als physische Krankheit. Wenn Liebe sich nicht sozial betätigen und sich auch keine schöpferischen Organe im Zusammenwirken von männlichen und weiblichen Qualitäten schaffen könne, werde die Neigung, sich mit der Pockenkrankheit zu infizieren, gefördert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Himmelsimagination als „gutes Gegenbild“&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Er machte mit den Zuhörenden ein Gedankenexperiment: Man möge sich einen an Pocken Erkrankten vorstellen – in allen Einzelheiten, d.h. mit den eitrigen Pusteln an der Haut und auch an den Oberflächen der inneren Organe, dazu hohes Fieber, Benommenheit und Schwäche. Der zweite Schritt besteht dann darin, dieses Krankheitsbild zu imaginieren und sich vorzustellen, man könne es – im Sinne der Metamorphose der leibbildenden Wesensgliederkräfte – in bewusste geistige Tätigkeit[3] aus dem erkrankten Leib &#039;&#039;„heraus metamorphosieren“&#039;&#039; und in eine rein gedanklich-imaginative Bildhaftigkeit überführen.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch würde sich das wahre Wesen dieser Krankheit enthüllen als &#039;&#039;„gutes Gegenbild“&#039;&#039; in Form einer Himmelsimagination vom Tierkreis - dergestalt, dass den sieben männlichen Sommersternbildern die fünf weibliche Wintersternbilder gegenüberstehen. Das sei Urbild für ein harmonisch geordnetes soziales Zusammenwirken zwischen Männern und Frauen.[5] Werde ein solch respekt- und liebevoller Umgang zwischen den Geschlechtern geübt, so würde die Neigung zur infektiösen Pockenerkrankung als &#039;&#039;„Organ der Lieblosigkeit“&#039;&#039;&#039;[6]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; überwunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Raphael und die Mysterien von Krankheit und Heilung“, Medizinische Sektion am Goetheanum 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Meditative Betrachtungen und Anleitungen zur Vertiefung der Heilkunst. Vorträge für Ärzte und Medizinstudierende,&#039;&#039; GA 316.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] „&#039;&#039;Man muss also die Krankheit so begreifen, dass man sich sagt: Könnten nicht durch gewisse Dinge, die wir morgen einsehen werden, gewisse geistige Wesenheiten heruntergeholt werden, wo sie nicht hingehören, so wären sie auch nicht in der geistigen Welt vorhanden. - Damit aber zeigt sich, wie eng verwandt wirkliches geistiges Erkennen mit der Krankheit ist. Man erkennt eigentlich schon, indem man Geistiges erkennt, die Krankheit. Man kann gar nicht anders: wenn man einmal eine solche Himmelsimagination hat, dann weiß man, was Pockenkrankheit ist, weil sie nur die physische Projektion dessen ist, was man geistig erlebt. So ist es im Grunde genommen mit dem ganzen Krankheitswissen. Man möchte sagen: Wenn der Himmel&#039;&#039; – &#039;&#039;oder auch die Hölle natürlich&#039;&#039; – &#039;&#039;zu stark ergreifen den Menschen, so wird er krank, wenn sie nur seine Seele und seinen Geist ergreifen, wird er weise oder gescheit oder ein Einsichtiger.“&#039;&#039; (GA 316, S.120)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27, Kap. II, S. 6.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] 1910 hatte Steiner dies bereits in seinen Vorträgen über Die Offenbarungen des Karma so formuliert: &#039;&#039;„Die Frage kann auch so gestellt werden: Wenn Krankheiten sich ausleben wie eine karmische Wirkung von geistigen oder sonstigen durch die Seele hervorgerufenen oder erfahrenen Erlebnissen, wenn sie also die Umwandlung solcher Ursachen sind, können wir uns dann nicht auch denken – oder erzählen uns davon die geistigen Tatsachen nichts –, daß das Umwandlungsprodukt, die Krankheit, vermeidbar ist, insofern vermeidbar, als wir statt des Heilungsprozesses, statt dessen, was aus den organischen Regionen herausgeholt wird, als Krankheit herbeigeholt wird zu unserer Erziehung, das geistige Gegenstück, das geistige Äquivalent dafür setzen? Daß wir, wenn wir klug genug sind, die Krankheit umwandeln in einen geistigen Prozeß und die Selbsterziehung, die wir durch die Krankheit ausführen sollen, sozusagen durch die Kräfte unserer Seele ausführen?“&#039;&#039; (GA 120, 102).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] In den Karma-Vorträgen von 1910 führt Steiner bezüglich der Pocken aus: &#039;&#039;„Es kann der Mensch ganz besonders in einem früheren Leben durch Empfindungen, Gefühle und so weiter durchgegangen sein, die ihn zur Lieblosigkeit gegen seine Nächsten getrieben haben. [....] Nehmen wir an, eine ganze Anzahl von Menschen hätte sich wegen Lieblosigkeit gegen die Menschen hingezogen gefühlt, gewisse Infektionsstoffe aufzunehmen, um einer Epidemie zu verfallen. Nehmen wir weiter an, wir könnten gegen die Epidemie etwas tun. Wir würden dann in einem solchen Falle die äußere Leiblichkeit davor bewahren, die Lieblosigkeit zum Ausdruck zu bringen [dadurch, dass die Pockenkrankheit nicht ausbrechen konnte, M.G.], aber wir würden dadurch noch nicht die innere Neigung zur Lieblosigkeit fortgeschafft haben. Denken wir uns aber den Fall so, daß wir, wenn wir das äußere Organ der Lieblosigkeit fortschaffen, die Verpflichtung übernehmen, auf die Seele so zu wirken, daß wir auch der Seele die Neigung zur Lieblosigkeit nehmen. Das Organ der Lieblosigkeit wird im eminenten Sinne getötet – im äußeren leiblichen Sinne – in der Pockenimpfung. [...] Und wir können jetzt sagen: Wenn wir auf der einen Seite das Organ töten, hätten wir auch die Verpflichtung, als Gegenstück dazu bei diesem Menschen den materialistischen Charakter durch eine entsprechende spirituelle Erziehung anders zu gestalten. Das müßte das notwendige Gegenstück sein. Wir leisten sonst nur halbe Arbeit. Ja, wir leisten nur eine Arbeit, zu der der Mensch selber in einer späteren Inkarnation in irgendeiner Weise wird das Gegenstück schaffen müssen [...] Impfung wird keinem Menschen schaden, welcher nach der Impfung im späteren Leben eine spirituelle Erziehung erhält. […] Da kommen wir zu einem wichtigen Gesetz in der Menschheitsentwickelung, das so wirkt, daß immer ein Äußeres und ein Inneres sich die Waage halten müssen und daß man nicht bloß auf das eine sehen darf, sondern auch das andere nicht unberücksichtigt bleiben darf.“&#039;&#039; (GA 120, 169–171).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Offenbarungen des Karma&#039;&#039;, GA 237.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ONKOLOGISCHES KRANKHEITSBILD UND SEIN GEISTIGES GEGENBILD ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche geistige Signatur bildet sich körperlich in onkologischen Krankheitsbildern ab?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was kann und will sie uns sagen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Gesten sind den Stadien von Krebs abzulesen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Unbewusste Entwicklung durch Krebs&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Krebs ist eine Zeitkrankheit. Viele Menschen sind davon betroffen, ja sogar „gesegnet“ damit. Sie dürfen durch die Krankheit auf unbewusstem Weg etwas für ihre späteren Leben lernen, was ihnen als Lernschritt über das Bewusstsein nicht möglich war. Warum das so ist, schildert Rudolf Steiner eindrücklich im &#039;&#039;Jungmedizinerkurs&#039;&#039;, wo er sagt, dass eine Erkrankung zugleich mit ihrem gesunden geistigen Gegenbild als eine Art „Himmelsimagination“ erfasst werden müsste.[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch über die Krebserkrankung werden geistige Qualitäten erworben – allerdings auf unbewusstem Wege: Ich-Organisation, Astralleib und Ätherleib des Betroffenen bringen diese Krankheit hervor. Er selbst ist es also – allerdings unter der Führung des Herrn des Schicksals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im nächsten Leben stehen ihm die dadurch errungenen Fähigkeiten als Disposition zur Verfügung: Jetzt ist es für ihn viel leichter, sich diese anzueignen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Stadien der Krebserkrankung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie entwickelt sich Krebs?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Irgendeine Zelle fängt an, etwas weniger spezialisiert zu sein, als sie war. Sie geht aus ihrer Differenziertheit in einem Organgebiet zurück in Richtung ihrer embryonalen Herkunft, wo sie kaum spezialisiert und dafür omnipotent war. Normalerweise erkennt das Immunsystem solche Zellen und tötet sie ab. Wenn aber die Immunkompetenz nachlässt oder eine bestimmte Krankheitsdisposition für eine Krebsart sich bereits durchgesetzt hat, beginnt der Krebs lokal zu wachsen. Er durchbricht die Basalmembran und fängt an, infiltrierend zu gedeihen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann erfolgt die Metastasierung. Einzelne Zellen siedeln sich ab, beginnen im Organismus zu wandern. Parallel dazu verändert sich der Gesundheitszustand des betroffenen Menschen insgesamt. Krebs ist eine Allgemeinerkrankung. Der Appetit, das Lebensgefühl, das Schlaf/Wach-Verhalten und die Rhythmen von Herz und Atmung ändern sich. Die Temperaturkurve wird in der Regel flach, manchmal sogar starr, ohne Morgen/Abend-Differenz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lässt man all dies auf sich wirken und fragt nach der Eigenart eines solchen Prozesses, so erlebt man ihn als „willkürlich“. Die Körperfunktionen laufen aus dem Ruder. Es bilden sich durch die Metastasierung irgendwo Ansätze zu neuen Organbildungen, völlig willkürlich. Ordnung, Kontrolle, Integrationsfähigkeit schwinden und weichen der Entdifferenzierung, der Schrankenlosigkeit, „der Willkür“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Gesten der Krebserkrankung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Symptome der Krebserkrankung zeigen zusammengefasst also folgende Gesten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Geste: Eine Zelle beginnt sich der immunologischen Kontrolle zu entziehen und ungehemmt zu vermehren – Geschwulst.&lt;br /&gt;
# Geste: Die so gebildeten Zellen brechen aus der normalen Organfunktion aus.&lt;br /&gt;
# Geste: Sie werden zu Satelliten, die den Körper durchwandern und neue Organe zu bilden beginnen – Metastasen.&lt;br /&gt;
# Geste: Die ganze Konstitution wird komplett verändert, Rhythmen, Schlaf, Appetit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Signatur des Krankheitsverlaufs macht es deutlich: Die Krebserkrankung bildet physisch-physiologisch den auf geistiger Ebene so gesunden „Freiheitsimpuls“ ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Krebs durch nicht ausgelebten Freiheitsimpuls&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Spirituell gesehen ist der Krebs eine Erkrankung, bei der sich der Freiheitsimpuls seelisch und geistig nicht in der Weise ausleben kann, wie es im Schicksal des betreffenden Menschen liegt. Damit passt der bisher noch nicht aufzuhaltende Siegeszug dieser Krankheit in unsere Zeit, wo jeder Mensch im Grunde vor der Entwicklungsaufgabe steht, seine Identität als Mensch zu erfassen und seine Freiheit gebrauchen zu lernen.[2] Im Krankheitsverlauf erlebt und vollzieht er also unbewusst, was er eigentlich bewusst lernen möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielen Krebspatienten wird enorm geholfen, wenn sie das zu begreifen beginnen. Das Interessante ist, dass die Psycho-Onkologie zunehmend mit dem Autonomie-Konzept arbeitet. Man kann vom anthroposophischen Gesichtspunkt aus zutiefst verstehen, dass es nicht anders sein kann. Wir wissen das nicht nur aus empirischen Studien und Dokumentationen, sondern aufgrund tiefer Einsichten in das Wesen dieser Krankheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Raphael und die Mysterien von Krankheit und Heilung“, Medizinische Sektion am Goetheanum 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Meditative Betrachtungen und Anleitungen zur Vertiefung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 316, Dornach 2008.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Siehe auch Michaela Glöckler, &#039;&#039;Gibt es eine Prävention der Krebserkrankung?&#039;&#039;, Der Merkurstab 62:416-420, 2009.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== RHEUMATISCHER FORMENKREIS UND SEIN GEISTIGES GEGENBILD ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sagt uns das geistige Gegenbild des rheumatischen Formenkreises über die Hintergründe dieser Erkrankung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sagt es uns hinsichtlich der Heilmöglichkeiten?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Schaffe dir Augenblicke innerer Ruhe&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Besonders eindrücklich erweist sich die von Rudolf Steiner im &#039;&#039;Jungmedizinerkurs&#039;&#039; geschilderte Betrachtungsart, eine Erkrankung zugleich mit ihrem gesunden geistigen Gegenbild als eine Art „Himmelsimagination“ zu erfassen,[1] beim rheumatischen Formenkreis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier bildet sich an der vor Schmerz ruhiggestellten Gliedmaße in der körperlichen Symptomatik das ab, was Inhalt der ersten zentralen Übung im Schulungsbuch Rudolf Steiners ist: &#039;&#039;„Schaffe dir Augenblicke innerer Ruhe und lerne in diesen Augenblicken das Wesentliche von dem Unwesentlichen unterscheiden.“&#039;&#039;[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Menschen mit rheumatischen Störungen fragen: &#039;&#039;Was kann ich zur Heilung meiner Krankheit beitragen?&#039;&#039; – und nur dann ist es uns erlaubt zu sprechen &#039;&#039;–&#039;&#039; kann man ihnen eine Meditation der inneren Ruhe geben, also das geistige Gegenstück der Krankheit nennen. Wird sie durchführt, schlagen alle Medikamente besser an. Hier ein sehr schönes Beispiel:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich trage Ruhe in mir,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich trage in mir selbst&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Die Kräfte, die mich stärken.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich will mich erfüllen&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Mit dieser Kräfte Wärme,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich will mich durchdringen&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Mit meines Willens Macht.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und fühlen will ich&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie Ruhe sich ergießt&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Durch all mein Sein,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wenn ich mich stärke,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Die Ruhe als Kraft&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;In mir zu finden&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Durch meines Strebens Macht.[3]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dieser Meditation werden die entsprechenden Kräfte wieder in das Seelisch-Geistige gehoben, wo sie herkommen und wo sie hingehören. Rudolf Steiner erläuterte diese Prinzipien vor den Jungmedizinern, um ihnen zu helfen zu verstehen, warum Patienten diese oder jene Erkrankung hatten. Das gab ihnen eine sehr grundlegende geistige Orientierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Raphael und die Mysterien von Krankheit und Heilung“, Medizinische Sektion am Goetheanum 2015&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Meditative Betrachtungen und Anleitungen zur Vertiefung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 316, Dornach 2008.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?&#039;&#039;, GA 10, Dornach 1993, S. 29-30.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Mantrische Sprüche - Seelenübungen II&#039;&#039;., GA 268, S. 179.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== IMMUNSCHWÄCHE DER HIV-ERKRANKUNG UND IHR GEISTIGES GEGENBILD ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist das geistige Gegenbild der HIV-Erkrankung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was will es uns sagen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Selbstlosigkeit als Entwicklungsaufgabe&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der HIV-Kranke erlebt, wie sein Immunsystem, das biologisch gesehen optimalerweise egoistisch sein &#039;&#039;müsste&#039;&#039;, immer „altruistischer“, d.h. selbstloser, wird und damit immer schwächer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jungmedizinerkurs schildert Rudolf Steiner eindrücklich, weshalb eine Erkrankung zugleich mit ihrem gesunden geistigen Gegenbild als eine Art „Himmelsimagination“ erfasst werden müsste.[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entsprechend wäre das geistige Gegenbild der HIV-Erkrankung, das am falschen Ort die Symptomatik der Krankheit hervorruft, die geistige Charaktereigenschaft der Selbstlosigkeit. Selbstloser Dienst am Menschheitsganzen ist &#039;&#039;der&#039;&#039; Ausgleich für die materialistische Weltanschauung und die gegenwärtig herrschende Kulturstimmung und Gesinnung. Selbstlose Dienstbereitschaft ist aber auch die Ausgangsbedingung für den christlich-rosenkreuzerischen Schulungsweg, den Rudolf Steiner in seinen Schriften zur geistigen Schulung beschreibt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Er [der Geheimschüler] lernt nicht, um das Gelernte als seine Wissensschätze aufzuhäufen, sondern um das Gelernte in den Dienst der Welt zu stellen.“[2]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So kann man in dieser Erkrankung auch eine typische Zeitkrankheit sehen. Was ein Teil der Menschheit verursacht, wird von anderen kompensiert. Man kann – insbesondere in Afrika – sehen, dass viele Menschen leiden müssen, während sich die Verursacher der materialistischen Gesinnung durch ihr Wissen schützen können. Doch im folgenden Erdenleben werden die in diesem Leben Erkrankten wiedergeboren mit den Früchten dieser Krankheit: mit einer Veranlagung zur Selbstlosigkeit und inneren Stärke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Raphael und die Mysterien von Krankheit und Heilung“, Medizinische Sektion am Goetheanum 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Meditative Betrachtungen und Anleitungen zur Vertiefung der Heilkunst, GA 316, Dornach 2008.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?,&#039;&#039; GA 10, Dornach 1993, S. 28.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== GESTALTUNGSKRÄFTE DER ICH-ORGANISATION UND GICHT ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was haben Astralleib und Ich-Organisation mit dem Ausbruch von Gicht zu tun?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielt die Harnsäure dabei?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kommt es zur Bildung von Nierensteinen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Genetische Ursachen für die Entstehung von Gicht&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Gicht steht in Kapitel XI von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; paradigmatisch für die Auseinandersetzung der Individualität mit ihrem Erbgut. Wenn die Ich-Organisation geschwächt ist, kann sie ihrer ureigenen Aufgabe nicht gerecht werden. Eine der Folgen davon ist, dass sie nicht zureichend in der Lage ist, den physischen Leib bis in seine kleinsten Teile durchzugestalten und zu einem Abbild der Ich-Organisation zu machen. Dann ist es ihr auch nicht möglich, den befruchteten Eikeim, in dem das mütterliche und väterliche Erbgut zusammengekommen sind, dem eigenen Gestaltungswillen anzupassen. Die Folge ist eine schon vorkonzeptionell schwächer veranlagte Ich-Organisation – was möglicherweise in erblichen Belastungen und auch Gendefekten resultiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner und Ita Wegman schreiben dazu: &#039;&#039;„Die Vererbungskräfte haben ihren Sitz in der physisch-ätherischen Konstitution. Wenn es der Ich-Organisation nicht gelingt, mithilfe der astralischen Organisation die physisch-ätherische den eigenen Erfordernissen gemäß anzupassen, können Krankheitssymptome die Folge sein. Ein Gelenkknorpel oder eine Bindegewebspartie können mit Harnsäure nur dadurch und dadurch die Überbürdung mit Unorganischem in ihnen bewirkt werden, dass in diesen Körperteilen die Ich-Tätigkeit hinter der Astralwirksamkeit zurückbleibt. Da die ganze Form des menschlichen Organismus ein Ergebnis der Ich-Organisation ist, so muss durch die gekennzeichnete Unregelmäßigkeit eine Deformierung der Organe eintreten. Der menschliche Organismus strebt da aus seiner Form heraus.“[2]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Bestandteile der Harnsäure&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ein erhöhter Harnsäure-Spiegel zeigt nicht nur Gicht an, sondern die Harnsäure selbst ist ein Abbauprodukt der sogenannten Purin-Basen, die zentrale Bausteine des Erbgutes sind, d.h. auch des Zellkerns des jeweiligen Eiweißträgers, der mit der Nahrung aufgenommen wird.[3]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es besteht ein grundlegender Unterschied zwischen den Purin- und Pyrimidin-Basen. Beide können zwar aus den eigenen Stoffwechsel-Ressourcen des Körpers aufgebaut werden, sind also nicht essenziell wie einige Aminosäuren, ungesättigte Fettsäuren und Vitamine.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Aber nur die &#039;&#039;&#039;Pyrimidinbasen&#039;&#039;&#039; können vom Organismus komplett auch wieder ab- und umgebaut werden und sind damit rezyklierbar. &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Purinbasen&#039;&#039;&#039; hingegen sind es nicht, der Körper kann sie nur bis zur Harnsäure abbauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese muss dann bis zu einem Gramm täglich ausgeschieden werden. Der Harnsäurespiegel im Blut beträgt durchschnittlich 6,4 mg/dl bzw. 380 Mikromol/l. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Schritte der Ausscheidung von Harnsäure&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ca. &amp;lt;nowiki&amp;gt;&amp;lt;b&amp;gt;75% der auszuscheidenden Harnsäuremenge&amp;lt;/b&amp;gt;&amp;lt;/nowiki&amp;gt; gehen über die Nieren. Damit es hier aber nicht zu Steinbildungen kommt, wird die &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* von der Leber an das Blut abgegebene Harnsäure &lt;br /&gt;
* zunächst vom Nierengewebe glomerulär filtriert,&lt;br /&gt;
* dann aber zu 90 % wieder tubulär ins Blut rückresorbiert,&lt;br /&gt;
* so dass jeweils nur 10 % davon im konzentrierten Urin erscheinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;&#039;25%&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;der auszuscheidenden Harnsäuremenge&#039;&#039;&#039;, die nicht über die Nieren ausgeschieden werden, können auf dem Blutweg anderen Ausscheidungsorten zugeleitet werden, wie &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* der Haut (Schweiß), &lt;br /&gt;
* den Speicheldrüsen (Speichel)&lt;br /&gt;
* und ein Großteil davon über den Darm (intestinale Sekretion).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ursachen für Nierensteinbildung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Gelangt sie jedoch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* in das Bindegewebe,&lt;br /&gt;
* in die Gelenke,&lt;br /&gt;
* in die Ohrknorpel&lt;br /&gt;
* und ins Nierenmark,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so bilden sich dort schmerzhafte extra- und intrazelluläre Ablagerungen von feinsten Natrium-Urat-Kristallen/Mononatriumuratkristallen bis hin zu Nierensteinen. Im genannten Kapitel heißt es dazu: &#039;&#039;„Der astralische Leib macht durch seine Tätigkeit die Organe geneigt, die unorganischen Einlagerungen der Ich-Organisation aufzunehmen.“[4]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Bildung von Nierensteinen, Harnsäureausscheidung und Gicht&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Zur Nierensteinbildung kommt es bevorzugt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* bei einer Verschiebung des Säure-Basen-Gleichgewichtes in Richtung &#039;&#039;&#039;Azidose (saures Milieu)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* und bei &#039;&#039;&#039;geringerer Sauerstoffversorgung&#039;&#039;&#039; (bradytrophe Gewebe), wie dies beispielsweise für die Knorpelgewebe der Fall ist.&lt;br /&gt;
* Da Ethanol/Alkohol die &#039;&#039;&#039;Harnsäureausscheidung hemmt&#039;&#039;&#039; und damit auch die Azidose fördert, kann übermäßiger Konsum einen Gichtanfall auslösen.&lt;br /&gt;
* Letzteres ist aber auch bei &#039;&#039;&#039;purinreicher Nahrung&#039;&#039;&#039; (z.B. hohem Konsum von Eiern, Fleischprodukten, Fisch) der Fall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Arbeitet der menschliche Astralleib in gesunder Weise, gelingt die Harnsäureausscheidung im Stoffwechselgebiet und die Imprägnierung mit Unorganischem ist ausgewogen. Ist dieses Verhältnis gestört, wodurch ein Organ mit zu viel Harnsäure überladen wird, die von der Ich-Organisation nicht bewältigt werden kann, so muss sich die Harnsäure im Organismus selbst ablagern und die Ursache für Gicht ist gegeben: &#039;&#039;„Es wird wenig Harnsäure ausgeschieden, dafür umso mehr Unorganisches im Sinne der Ich-Organisation eingelagert.“[5]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Harnsäure wird so gesehen zum Indikator dafür, &#039;&#039;„ob zwischen der Ich-Organisation und dem astralischen Leib in irgendeinem Organ oder Organsysteme das rechte Verhältnis besteht.“[6]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fieber zur Stärkung der Ich-Organisation nützen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Für die Prävention und Behandlung der Gicht geht es aus anthroposophischer Perspektive in erster Linie um eine Stärkung der Ich-Organisation gegenüber dem ererbten Leib. Rudolf Steiner hat schon früh auf die Bedeutung der fieberhaften Kinderkrankheiten hingewiesen – auch wenn man damals noch nicht wusste, dass Fieber nicht nur das Immunsystem stimuliert, sondern infolge dieser Stimulation auch modulierende Einflussnahmen auf das Erbgut möglich sind.[7] Er betonte in seinen Ausführungen, dass die fieberhaften Kinderkrankheiten guter Behandlung bedürfen, weil man so dem Kinde helfen könnte, sich den von den Eltern ererbten Leib besser den eigenen Bedürfnissen anzupassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Studien haben inzwischen deutlich aufgezeigt, dass Viren und Bakterien bei einer Temperatur im Bereich von 39°–40° in ihrer Vermehrung gehemmt bzw. auch abgetötet werden, und das Immunsystem in diesem Temperaturbereich besser und schneller funktioniert. Fieber ist also eine hoch wirksame Antwort des Körpers, um Viren und Bakterien zu bekämpfen und das Immunsystem zu stimulieren. Seitdem das bekannt ist, greifen auch erfahrene Schulmediziner nicht mehr reflexartig zu fiebersenkenden Mitteln.[8] Sie gehen auch mit dem Einsatz von Antibiotika bedachter um – nicht zuletzt auch deshalb, um nicht ohne Not die Antibiotika-Resistenz weiter zu fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[9]&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27, S. 56.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Siehe FN 1, S. 58,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Das Erbgut/Genom bei Pflanze, Tier und Mensch besteht aus Basenpaaren, die jeweils aus einer Purin- und Pyrimidin-Base bestehen, die zusammen mit einer Phosphorgruppe und einem Pentose-Zucker (Ribose oder Desoxyribose) als RNA/Ribonukleinsäure oder DNA/Desoxyribonucleinsäure vorliegen. Die definitive Strukturaufklärung als Doppelhelix mit Hilfe der Röntgenkristall-Strukturanalyse wurde zwar erst nach dem Zweiten Weltkrieg möglich, doch schon zu Steiners Zeit war die 1898 durch Emil Fischer (1852–1919) erstmals synthetisierte Purinbase (lat. purus: rein) bekannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe FN 1, S. 56.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Siehe FN 1, S. 57.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Vgl. Mehler und Purpura (2009); Krafft u. a. (2023).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Ein Forschungsteam um David Martin an der UWH unter Mitarbeit des Verbandes der Kinder- und Jugendärzte hat eine FeverApp entwickelt, welche Eltern dabei unterstützt, im Falle eines Fieberschubs ihre Kinder mit wissenschaftlich basierten Informationen in der akuten Behandlung zu begleiten und nicht bei Fieber sogleich ein Fieber senkendes Mittel zu geben: Vgl. www.feverapp.de/forschung/pressemitteilung-publikationen; [6.1.2025].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== WESENSGLIEDERDIAGNOSE BEI CHARAKTERISTISCHEN KRANKHEITSFÄLLEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche charakteristischen Krankheitsfälle beschreiben die Autoren in Kapitel XIX von „Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern gibt die Wesensgliederdiagnose Aufschluss über die Konstitution der Patienten?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielt sie bei der Therapiefindung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Hierarchische Ordnung der Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das Zusammenwirken der Wesensglieder ist nach anthroposophischer Vorstellung hierarchisch geordnet: Beim gesunden Menschen ist der ganze Körper bis in die letzten Zellstrukturen ein Ergebnis der ganzheitlich gestaltenden Kräfte der Ich-Organisation. Diese durchgreifende Gestaltung ist aber nur möglich, wenn die astralische Organisation beweglich und kräftig genug ist, die Wärmeimpulse der Ich-Organisation in die ihm eigenen Luftstrukturen und Bewegungsdynamiken aufzunehmen und so auf die ätherische Organisation zu übertragen, so dass diese ihre Aufgabe in den biochemischen Prozessen des wässrigen Körpermilieus infolge dieser Anregungen optimal erfüllen kann. Gelingt dies, ist physische Gesundheit die Folge und die Organe sind voll funktionstüchtig und gut ausgebildet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist nun eines dieser Wesensglieder geschwächt oder gegenüber den anderen zu stark in seiner Aktivität, kommt das ganze System, d.h. die menschliche Konstitution, in einen labilen Zustand, in dessen Folge sich auch einer der im Folgenden geschilderten Krankheitsprozesse entwickeln kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== A SKLEROSE ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Erscheinungsbild und Symptome ====&lt;br /&gt;
Unter Sklerose wird eine Vielzahl von Krankheitsbildern zusammengefasst, denen gemeinsam ist, dass Ablagerungs- und Verhärtungsprozesse in den betroffenen Strukturen und Organen stattfinden, die entweder auf Entzündungen oder degenerative Alterungsprozesse und Vermehrung bindegewebiger Strukturen (Kollagenbildung) zurückgehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was im Einzelnen die sklerotischen Prozesse einleitet, ist derzeit noch nicht zureichend geklärt. Fakt ist jedoch, dass Lebensstil, Essgewohnheiten, Übergewicht, Bewegungsmangel, Stress, Schlafmangel und andere Begleiterscheinungen des modernen Lebens nicht unwesentlich zu ihrem Entstehen beitragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Wesensgliederdiagnose ====&lt;br /&gt;
Die Wesensgliederdiagnose der 61jährigen Patientin in Kapitel XIII von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039;&#039;[2]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; ergibt &#039;&#039;„eine Übertätigkeit des Astralleibes, […] die vom physischen und Ätherleibe nicht resorbiert wird. Eine normale feste Haltung der menschlichen Organisation ist nur möglich, wenn diese Resorption eine vollständige ist.“[3]&#039;&#039; Die klinischen Symptome stützen diese Sicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Therapie ====&lt;br /&gt;
Die sich daraus ergebende Therapie umfasst primär das &#039;&#039;Skleron&#039;&#039;, das die Eingliederung des übertätigen Astralleibes in die Gesamtkonstitution befördern soll. Warum ihm diese Wirkung zugeschrieben werden kann, wird im folgenden Kapitel eingehend erläutert. Zusätzlich werden verschiedene, auf die Symptome abgestimmte Arzneimittel, äußere Anwendungen, Klistiere. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht hier nicht um die Wiedergabe einer Verlaufsdokumentation, sondern wie es die Überschrift des Kapitels klarstellt: um charakteristische Krankheitsfälle. D.h. es geht darum, anhand bestimmter am Einzelfall abgelesener Wesensglieder-Diagnosen Einblick zu geben in die anthroposophische Diagnostik und die Therapiefindung einer ‚typischen‘ Krankheit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== B STRUMA ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Erscheinungsbild und Symptome ====&lt;br /&gt;
Die Struma (der Begriff kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Drüsenschwellung oder Geschwulst bzw. ‚Kropf‘) ist in Jodmangelgebieten endemisch, d.h. sehr häufig und geht von geringfügig bis zum ausgeprägten ‚Kropf‘, der – so er mit Beschwerden verbunden ist – auch operationsbedürftig werden kann. Wichtig ist aber auch hier zu konstatieren, dass die Struma in Jodmangelgebieten nur bei ca. 30 % der Bevölkerung auftritt.[4] Das bedeutet zugleich, dass 70 % der dort lebenden Menschen keine Struma entwickeln. Auch hier kommt es auf einen disponierenden Faktor an, den die Autoren als typisch im Wesensgliedergefüge der betroffenen Menschen – überwiegend Frauen – feststellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Wesensgliederdiagnose ====&lt;br /&gt;
Bei der Patientin, die im 34. Lebensjahr zur Behandlung kommt, ergibt die geisteswissenschaftliche Diagnose &#039;&#039;eine „hochgradige Atonie des Astralleibes. Dadurch ist die Ich-Organisation vom physischen und Ätherleib zurückgestaut“.[5]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Therapie ====&lt;br /&gt;
Die Patientin wurde vom Spätherbst 1923 bis zum Januar 1924 mit &#039;&#039;Colchicum&#039;&#039; behandelt. Der Rückgang der Geschwulst nach zwei Monaten Behandlung ist klar dokumentiert. Die Colchicum-Behandlung wurde seither von vielen anthroposophischen Ärzten mit Erfolg eingesetzt.[6] &#039;&#039;Friedwart Husemann&#039;&#039; hat in seinem Buch über Anthroposophische Medizin das Wirkprinzip der Giftpflanze Colchicum autumnale in meisterlicher Kürze so charakterisiert:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Die Blätter lassen im Frühling eine unterirdische große Knolle heranwachsen, die eine zweite kleine Knolle für die Blüten im Herbst unterhält. Gleichzeitig wird die Entwicklung der zu dieser zweiten Knolle gehörenden Blätter und Früchte gehemmt, sodass im Herbst aus der kleinen Knolle nur die Blüte erscheint. Die zu dieser Blüte gehörenden Blätter und Früchte kommen erst im nächsten Frühling heraus und tragen dann zur Vergrößerung der zu ihnen gehörenden Knolle bei. Die Knollen verbinden also ein die Jahresgenerationen überbrückendes Prinzip mit einem das Wachstum hemmenden Prinzip.“[7]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== C HEUFIEBER ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Erscheinungsbild und Symptome ====&lt;br /&gt;
Der allergische Formenkreis und mit ihm die Pollenallergie ist weltweit im Zunehmen begriffen und wird durch die zivilisationsbedingte Luftverschmutzung und Feinstaubbelastung noch verstärkt, weil die Pollen auch mit diesen Partikeln beladen sind und das Immunsystem zusätzlich reizen. Gemäß einer Studie in der Schweiz ist bereits jeder sechste Erwachsene betroffen und über 40 % der 15jährigen Schulkinder sind auf mindestens ein Allergen sensibilisiert.[8]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Therapie ====&lt;br /&gt;
Der betroffene Patient im Kapitel XIX kommt im Alter von 40 Jahren, leidet aber schon seit seiner Kindheit daran, was typisch ist. Das dafür entwickelte anthroposophische Arzneimittel &#039;&#039;Gencydo&#039;&#039; konnte hier erfolgreich zur Anwendung gebracht werden und wird auch in Kapitel XX bezüglich seiner Wirkungsweise eingehend erläutert. In diesem Kontext ist aber auch interessant, dass &#039;&#039;Alm/Swartz&#039;&#039; in einer im Lancet publizierten Pilotstudie in Schweden nachweisen konnten, dass Schüler an Waldorfschulen signifikant weniger Allergien aufweisen als solche an öffentlichen Schulen. Dies wurde in einer multizentrischen Folgestudie weiter untersucht (PARSIFAL Study). Auch wenn diese unter weniger idealen Vergleichsbedingungen stattfand als die schwedische Studie, konnte doch gezeigt werden: An Waldorfschulen hatten die Kinder gegenüber denen, welche öffentliche Schulen in der Stadt und in ländlichen Gebieten besuchten, die geringste Allergie-Bereitschaft und das – erstaunlicherweise – obwohl die familiäre Belastung der Kinder an Waldorfschulen höher war, als die der beiden Vergleichsgruppen.[9]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Folgestudien auf noch breiterer Basis wären sehr erwünscht. Sie könnten zeigen, dass auf epigenetischen Wegen eine gesundheitsfördernde Erziehung einer bestehenden erblichen Belastung positiv entgegenwirken kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D MIGRÄNEARTIGE ZUSTÄNDE IM KLIMAKTERIUM ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Erscheinungsbild und Symptome ====&lt;br /&gt;
Bei manchen Frauen beginnen die sogenannten Wechseljahre des Klimakteriums (altgriech. ϰλιμαϰτέρ: Leitersprosse, Stufe) bereits mit 40 Jahren, bei anderen erst Mitte 50. Spätestens mit 60 Jahren haben Frauen die Wechseljahre in der Regel hinter sich und der Körper hat wieder gelernt, mit einem niedrigeren Hormonspiegel im Blut zu leben – so wie das vor Einsetzen der Pubertät der Fall war. Wenn jedoch die Eierstöcke operativ entfernt werden müssen, setzt das Klimakterium unmittelbar und damit ‚schockartig‘ ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Patientin in Kapitel XIX, die sich im Alter von 55 Jahren erstmals vorstellt, handelt es sich um ein komplexes Krankheitsgeschehen, in dem eine konstitutionelle Schwäche schon als Kind (zart und schwächlich), schmerzhafte Periodenblutungen, eine operative Entfernung des Uterus im 40. Lebensjahr mit dadurch jäh einsetzenden Wechseljahresbeschwerden zu berücksichtigen sind. Leitsymptom, das zur Behandlung führt, ist jedoch die Kopfschmerzproblematik, die im 46. Lebensjahr &#039;&#039;„zu einer drei Tage dauernden, mit Bewusstlosigkeit verbundenen Kopfkrankheit“[10]&#039;&#039; geführt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Wesensgliederdiagnose ====&lt;br /&gt;
Wesensgliederdiagnostisch wurde eine &#039;&#039;„allgemeine Schwäche der Ich-Organisation“&#039;&#039; festgestellt. Wird die Vitalität des Ätherleibes durch die Ich-Organisation nicht genügend abgelähmt, können sich vegetativ-organische Tätigkeiten ungehindert ausbreiten, auch über das Kopf- und Nerven-Sinnessystem. Der starke Urindrang &#039;&#039;„rührt davon her, dass dem normal entwickelten Astralleib, welcher die Nierenabsonderung regelt, keine sie normal zurückhaltende, genügend starke Ich-Organisation gegenübersteht. Ein zweites Symptom ist das späte Einschlafen und das müde Aufwachen. Der Astralleib geht schwer aus dem physischen und Ätherleibe heraus, weil das Ich ihn nicht genügend stark herauszieht [aus dem physischen Leib, M.G.]“[11]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Therapie ====&lt;br /&gt;
Die ganze Therapie galt dem Ziel, die diagnostisch festgestellte &#039;&#039;„allgemeine Schwäche der Ich-Organisation“&#039;&#039; soweit wie möglich zu beheben. Alle Krankheitssymptome, unter denen die Patientin leidet, werden unter diesem Aspekt interpretiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb kommt nicht das Migränemittel &#039;&#039;Biodoron&#039;&#039; als typisches Arzneimittel für die klassische Migräne zum Einsatz. Vielmehr lassen sich die Symptome erst bessern, nachdem eine Potentilla-Tormentilla (Blutwurz, eine Rosacee) – Behandlung begonnen wurde. So ist diese Krankengeschichte zugleich auch ein eindrückliches Beispiel dafür, dass auch typische Krankheiten bisweilen einer individuellen Therapiefindung bedürfen: &#039;&#039;„Wir versuchten zunächst Besserung zu erzielen mit Antimon. Dasselbe hätte die Besserung erzeugen müssen, wenn der allgemeine, unter der Regulierung der Ich-Organisation stehende Stoffwechsel in Betracht gekommen wäre. Die Besserung wurde dadurch nicht erzielt. Es war dadurch der Beweis gebracht, dass der relativ selbständige Teil der Ich-Organisation, der vorzüglich die Fortpflanzungsorgane reguliert, in Betracht kommt. Dafür sehen wir in der Wurzel der Potentilla-Tormentilla bei sehr starker Verdünnung ein Spezifikum, und in der Tat, dies wirkte.“[12]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;Blutwurz&#039;&#039; ist eine in der Volksmedizin und Pflanzenheilkunde bekannte und vielfach bewährte Arzneipflanze. Ihr Wurzelstock enthält Gerbstoffe, Glykoside, den Tormentillrot-Farbstoff und Säuren. Ihre zusammenziehende (adstringierende), entzündungshemmende, blut- und krampfstillende sowie stopfende (Darm)Wirkung ist bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum, bei Magen-Darm-Beschwerden (Blähungen, Durchfallerkrankungen, Kolitis) sowie bei chronischer Bronchitis, Gelbsucht, Ekzemen, Parasitenbefall und eben auch bei starker Menstruationsblutung positiv bekannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[13]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“,&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ebenda, Kap. XIX.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Ebenda, S. 108.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe z. B. &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://deximed.de/home/klinische-themen/endokrinologie-stoffwechsel/krankheiten/schilddruesenerkrankungen/knotenstruma&amp;lt;/nowiki&amp;gt;; [6.1.2025].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Siehe FN 1, S. 110.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Siehe F. Husemann, &#039;&#039;Anthroposophische Medizin&#039;&#039;, 2011b, S. 138 und 147–150.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Ebda, S. 132–136.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Siehe die SAPAL-DIA-II-Studie (Swiss Study on Air Pollution and Lung Diseases in Adults): Schmid-Grendelmeier (2009), 7–10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Siehe Alm und Swartz (1999), 1485–1488; Flöistrup u. a. (2006), 59–66 und Schram (2005), 611–618 und 1272–1278.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Siehe FN 1, S. 112.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Siehe FN 1, S. 114.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FÜNF TORE FÜR KRANKHEIT UND HEILUNG ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Über welche Tore erreichen Krankheit wie auch Heilung den Menschen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Krankheitsursachen und Heilmöglichkeiten auf fünf Ebenen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Es gibt fünf Möglichkeiten bzw. Ebenen, die Krankheit verursachen können:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Physische Ebene ====&lt;br /&gt;
Zur physischen Ebene gehören ungesunde Einflüsse aus der Umwelt, falsche Ernährung sowie alles, was unseren physischen Körper angreift und ihm Schaden zufügt – wie z.B. Missbrauch und physische Gewalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heilend wirken dagegen alle Einflüsse, die den physischen Leib stärken und ihm wohltun. Dazu gehört auch die physische Komponente aller Körpertherapien und Bäder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ätherische Ebene ====&lt;br /&gt;
Zur ätherischen Ebene gehört unser Umgang mit Zeit und Rhythmus. Wir werden krank durch einen falschen Umgang mit der Zeit, der sich in fehlenden Lebensrhythmen und verschiedensten ungesunden Gewohnheiten niederschlägt, die den Lebensprozessen zuwiderlaufen. Dazu gehört aber auch unser Gedankenleben, ob wir unserem Denken eine geistige Ausrichtung geben oder ob es in sinnlichen Vorstellungen befangen bleibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heilend wirken eine rhythmische, die Lebensprozesse unterstützende Lebensweise sowie Gedanken, die sich an geistigen Inhalten ausrichten wie z.B. an den christlichen Idealen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Astrale bzw. Beziehungsebene ====&lt;br /&gt;
Zur astralen Ebene gehören unsere Beziehungen sowie unser gesamtes Schicksalsumfeld. Wir können krank werden durch belastende menschliche Beziehungen, durch Unehrlichkeit, Verlogenheit, Missgunst, Misstrauen, Desinteresse, Respektlosigkeit zwischen Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir umgekehrt Wahrhaftigkeit, Interesse und Respekt vor unserer Autonomie erleben und anderen ebenso begegnen, fühlen wir uns seelisch gestärkt, was sich gesundend auf alle Wesensglieder auswirkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Identität – Ich-Ebene ====&lt;br /&gt;
Zur Ich-Ebene gehört, inwieweit wir uns unserer Identität, des seelisch-geistigen Wesens unseres Ich, bewusst sind. Gesundheit und Krankheit sind weitgehend davon abhängig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Mensch, der mit sich selbst uneins ist, der mit anderen Menschen, mit seinem Schicksal und seinem Beruf hadert, unterliegt einer permanenten Selbstkränkung, die dadurch zustande kommt, dass er sich in seinem Verhältnis zur Welt nicht kennt. Angelus Silesius formuliert dieses Rätsel kurz und prägnant mit folgenden Worten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich weiß nicht, wer ich bin.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich weiß nicht, was ich weiß.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich bin ein seltsam Ding,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;ein Pünktchen und ein Kreis.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer lernt, sich als Individuum zu begreifen und zu bejahen mit individuellen Entwicklungsherausforderungen, zugleich sich aber auch seiner sozialen Aufgabe bewusst ist als Umwelt für andere, wird in diesem Spannungsfeld keinen Widerspruch erleben, sondern eine Quelle der Heilung und Kraft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Weltbezug – allgemein-menschliche Ebene ====&lt;br /&gt;
Das letzte Tor für Krankheit ist die allgemein-menschliche Ebene und hat mit unserem Verhältnis zur Mitwelt zu tun. Denn alles, was wir je gelernt haben, was wir unbewusst in der Weisheit unserer Wesensglieder als Gedanken über die Welt, als Beziehung zur Welt, als Identitätsbewusstsein und Willenskraft entwickelt haben, ist uns nur in der Begegnung mit anderen Menschen und mit der Welt bewusst geworden. A&#039;&#039;lles&#039;&#039;, was wir sind, haben unserer Mitwelt zu verdanken. Zu den Erfahrungen, von denen wir profitiert haben, gehören auch die unangenehmen, diejenigen, in denen wir gemobbt, geärgert, betrogen und angelogen wurden. Denn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* durch all das erwacht einerseits das Bewusstsein, wie destruktiv solche Verhaltensweisen doch sind. Wir sollten uns deshalb eingestehen, dass wir eine solche Behandlung offensichtlich nötig hatten, um ihr destruktives Potential kennenzulernen.&lt;br /&gt;
* Andererseits können wir aber auch Mitleid entwickeln an den destruktiven Zeitverhältnissen und den Verhaltensweisen, die sie hervorbringen: Sie können uns daran erinnern, dass es unendlich viel Leid in der Welt gibt und dass es uns selbst vielleicht ein bisschen zu gut geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Mysterium der menschlichen Identität&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Alles Destruktive, das uns begegnet, hat einen Sinn, denn es macht uns wach für das Gute. Natürlich tut es weh und schmerzt, aber es bringt Erkenntnis mit sich und stählt den Willen zum Guten. Alles Positive dagegen gibt uns Kraft und Hoffnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erlebt man sich als Mensch unter Menschengeschwistern, die voneinander lernen, einander begleiten, sich gegenseitig Unterstützung sind, so gut es eben geht, fühlt man sich geborgen in einem Entwicklungszusammenhang, der ohne die anderen nicht denkbar wäre. Die daraus erwachsende Dankbarkeit und das Vertrauen, dass der Umkreis die Lernerfahrungen bereithält, die man gerade braucht – auch die sogenannten negativen – wirken zutiefst gesundend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dank der ganz individuellen Umgebung, die jeder von uns hat, wird unser allgemein von den Göttern geschenktes Leben zu etwas Individuellem: Erst durch die Annahme unseres persönlichen Schicksals werden wir ganz wir selbst, aber auch durch unseren individuellen physischen Leib und unsere ganz individuelle physische Umgebung. Je mehr man dieses Mysterium der menschlichen Identität begreift, umso gesünder wird man.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag anlässlich des Jubiläums des 100. Geburtstags von Werner Junge, Okt. 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== SPIRITUELLE PRÄVENTION ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was wird durch Krankheit gelernt und wie wirkt es sich aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann aus diesem Verständnis heraus auf spiritueller Ebene Krankheit vorgebeugt werden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Geistiges Verständnis von Krankheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ein geistiges Verständnis von Krankheit geht weit über die psychologische Deutung und die körperlichen Untersuchungsmöglichkeiten hinaus und wird dadurch erst der Würde des Menschen ge­recht. Auf dieser Ebene ist es dann auch möglich, die Krankheit selbst als etwas Heilsames anzunehmen, ja lieben zu lernen. Denn sie lässt den Menschen auf körperlicher Ebene etwas erleben, was er auf bewusste Weise zu leben nicht oder nicht genügend in der Lage war, und fördert damit seine Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Früchte eines solch unbewussten, durch die Krankheit her­beigeführten und mit dem Tode endenden Lernprozesses können sich zwar oft in diesem zu Ende gehenden Erdenleben nicht mehr zeigen. Sie werden aber, so wie alle Erdenerfahrungen, in das nachtodliche Leben mitgenom­men und beeinflussen die Art und Weise, wie das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt in der geistigen Welt durchgemacht wird. Im nächs­ten Leben können sie dann als „mitgebrachte&amp;quot;, das heißt bereits in einem früheren Leben erworbene Fähigkeiten auftreten und unter Umständen die ganze Biographie prägen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Sich am Gesunden orientieren&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Eine spirituelle Krankheitsvorbeugung kann sich nur am gesunden Menschen und seiner Bestimmung orientieren. Sie beruht auf dem freiwilligen Zuvor­kommen von Krankheiten durch die Einsicht in die Entwicklungsmöglichkeiten und -notwendigkeiten des Menschen und die entsprechende per­sönliche Anstrengung, damit die Fähigkeiten erlernt werden, auf die es individuell, sozial und menschheitlich in einer bestimmten Zeitepoche ankommt. Dann braucht es selbst bei vorhandener Krankheitsdisposition nicht dazu zu kom­men, dass sich diese zu erarbeitenden Eigenschaften und Fähigkeiten auf körperlicher Ebene unbewusst als Krankheiten „abbilden“ und auswirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer im Denken nach Wahrheit strebt, im Fühlen nach Liebe und im Wollen nach Frei­heit, wird lebenslang ringen müssen mit den Möglichkeiten der Oberfläch­lichkeit und Lüge, in deren Gefolge die vielen Lieblosigkeiten bis hin zu Hass und Spott auftreten. Auch die Neigung, andere Menschen oder Vorgänge zu manipulieren und zu etwas zu zwingen und der Drang, sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen, bedürfen zu ihrer Überwindung ständiger Arbeit. Liebe zur Freiheit ist gefragt – auch zu der Freiheit anderer Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch das freiwillige Erleben von Schmerzen, wie sie mit ehrlicher Selbsterkenntnis und Selbsterziehung immer verbunden sind, kann eine wirksame Krankheitsvorbeugung geleistet werden. Dann besteht keine Notwendigkeit mehr, dass der Körper selber auf den Wegen der Erkrankung Schmerzen erzeugt. Das kann ein Ansporn sein, durch Selbsterziehung an der eigenen Gesundung mitzuarbeiten – soweit dies aufgrund der indivi­duellen und sozialen Schicksalsgegebenheiten möglich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Spirituelles Krankheitsverständnis aus anthroposophischer Sicht&amp;quot;, aus „Spiritualität, Krankheit und Heilung – Bedeutung und Ausdrucksformen der Spiritualität in der Medizin&amp;quot;, VAS-Verlag 2007&#039;&#039;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Offenborn</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Heileurythmie&amp;diff=1217</id>
		<title>Heileurythmie</title>
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		<updated>2025-12-26T09:43:35Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Offenborn: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= Heileurythmie – von Michaela Glöckler =&lt;br /&gt;
Auszüge aus Büchern und Vorträgen von [[Michaela Glöckler]]; Erstveröffentlichung auf https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ENTWICKLUNG UND WIRKWEISE DER HEIL-EURYTHMIE ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Verbindungen gibt es zwischen den Lauten unserer Sprache und dem Kosmos?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern können Bewegungen heilsam wirken?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie und wann entwickelte sich die Heileurythmie?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verhältnis von Makrokosmos und Mikrokosmos erfassen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der Zeit vom 19. Oktober bis 11. November 1923 – die Arbeit &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; hatte bereits begonnen – hielt Rudolf Steiner in Dornach Vorträge mit dem Titel: &#039;&#039;„Der Mensch als Zusammenklang des schaffenden, bildenden und gestaltenden Weltenwortes“.[2]&#039;&#039; Sein Anliegen war, dass das doch eher abstrakte Konzept, das der Mensch gegenüber dem Makrokosmos ein Mikrokosmos ist, und alle Gesetzmäßigkeiten der Welt in sich birgt, möglichst konkret erfasst würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Verhältnis von Makrokosmos und Mikrokosmos wird in der Eurythmie dadurch weiter konkretisiert, dass &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;Bewegungen für die&#039;&#039; &#039;&#039;Konsonanten&#039;&#039; in Beziehung gesetzt werden zu den &#039;&#039;&#039;Fixsterngruppen&#039;&#039;&#039; und ihren Formen, wie sie im Tierkreis zum Ausdruck kommen. &lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;Vokalgesten&#039;&#039; hingegen korrelieren mit den Planetenbewegungen und dem Charakter der einzelnen &#039;&#039;&#039;Planeten&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
* Hinzu kommt, dass auch die &#039;&#039;&#039;Tierkreisbilder&#039;&#039;&#039; selbst in &#039;&#039;spezifischen eurythmischen Gesten&#039;&#039; zum Ausdruck gebracht werden&lt;br /&gt;
* ebenso wie den &#039;&#039;&#039;Planetenbewegungen&#039;&#039;&#039; als solchen &#039;&#039;eigene Gesten&#039;&#039; zugeordnet werden.[3]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Bewegungsangaben für die eurythmische Kunst werden durch viele Vorträge zur Kosmologie ergänzt, die Rudolf Steiner in den Jahren der Entstehung und Entwicklung der Eurythmie hielt.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1923 folgte vom 15. bis 18. November in den Haag der Vortragszyklus: &#039;&#039;„Der übersinnliche Mensch anthroposophisch erfasst“.[5]&#039;&#039; Auch dort kam Rudolf Steiner auf die Eurythmie zu sprechen und darauf, wie wenig die Menschen gegenwärtig noch fühlen, wie sie eigentlich beim Aussprechen von Vokalen ihr Gefühl für das, was sie sagen wollen, zum Ausdruck bringen, in den Konsonanten hingegen das jeweils konkret Sachliche, worum es geht: &#039;&#039;„Das Innere der Menschenseele bedeutet Vokale, Konsonanten bedeuten immer Formen.“[6]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Von der Eurythmie zur Heil-Eurythmie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Entwicklung von der Eurythmie zur Heil-Eurythmie vollzog sich in drei Schritten, auch zeitlich gesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Neue Bewegungskunst ====&lt;br /&gt;
Die Entwicklung der Eurythmie begann im Jahr 1912. Zunächst ging es dabei um eine neue Bewegungskunst.[7]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Pädagogische Eurythmie ====&lt;br /&gt;
Nach dem Ersten Weltkrieg und mit der Begründung der Waldorfschule durch &#039;&#039;Emil Molt (1876–1936)[8]&#039;&#039; kam die pädagogische Eurythmie hinzu, für die Rudolf Steiner als pädagogischer Leiter der Waldorfschule dann einen Lehrplan für die Klassen 1–12 entwarf und auch für den Vorschulbereich Hinweise gab, wie hier mit den Kindern eurythmisiert werden kann.[9]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Heil-Eurythmie bzw. Eurythmie-Therapie ====&lt;br /&gt;
1921 entwickelte er – angeregt durch die an der Waldorfschule tätigen Eurythmistinnen – die therapeutische bzw. Heil-Eurythmie, heute auch Eurythmie-Therapie genannt. Diese neue Therapieform stellte er dann im Ärztekurs von 1921 dar, wobei die beiden Schuleurythmistinnen die Übungen demonstrierten. Dabei betonte er wiederholt, dass die Heileurythmie nicht ohne ärztliche Indikation und Begleitung durchgeführt werden sollte.[10]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wie Bewegungen zustande kommen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Alle Bewegungen beruhen auf der inneren Wesenheit der Menschen-Organisation. Aus dieser fließt in den ersten Jahren des menschlichen Lebens die Sprache. So wie sich nun der Laut in der Sprache der Konstitution des Menschen entringt, so können bei einer wirklichen Erkenntnis dieser Konstitution Bewegungen aus dem Menschen und aus den Menschengruppen herausgeholt werden, die eine wirkliche sichtbare Sprache oder ein sichtbarer Gesang sind.“[11]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Eurythmie und Heileurythmie werden nach Steiners Auffassung alle vier Wesensglieder zum Zusammenwirken aufgerufen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Bewegung muss aktiv gewollt sein – d.h. &#039;&#039;&#039;vom Ich aus&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;bewusst gestaltet&#039;&#039;&#039; werden.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Die astralische Organisation&#039;&#039;&#039; als Träger von Bewusstsein und Bewegung gibt dazu die Möglichkeit der Umsetzung.&lt;br /&gt;
* Die Bewegungsformen hingegen sind den &#039;&#039;&#039;Bildebewegungen des Ätherischen&#039;&#039;&#039; angepasst.&lt;br /&gt;
* Diese wiederum können &#039;&#039;&#039;im physischen Organismus&#039;&#039;&#039; Formbildung, Regeneration und Regulierungsprozesse anregen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei spielt auch die funktionelle Dreigliederung des Organismus eine wichtige Rolle, da die Sprachlaute mit ihren Bewegungsformen einen jeweils spezifischen Bezug zu &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* den Nerven/Sinnesprozessen, &lt;br /&gt;
* den rhythmischen Vorgängen von Herz und Lunge&lt;br /&gt;
* und den Verdauungsprozessen im Stoffwechsel haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da alle Bewegungsformen jedoch solche sind, die der Ätherleib seiner Natur nach als Wachstums- und Regenerationsbewegungen realisiert, kann man auch sagen, dass Ich-Organisation, astralische Organisation und die physische Organisation sich hier heilend in den Dienst der ätherischen Organisation stellen, diese in ihren Hauptfunktionen in Form von Wachstum und Regeneration zu stärken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Bedeutung der Bildebewegungen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Elke Neukirch&#039;&#039; hat in einer aussagekräftigen Studie Steiners Differenzierung der pädagogisch-hygienischen, hygienisch-eurythmischen und hygienisch-therapeutischen Arbeit zur Darstellung gebracht.[12] Studiert man die Bewegungsformen der Sprach-, Laut- und Ton-Eurythmie, und bringt diese Bewegungsformen in Verbindung mit den Bildebewegungen im Verlauf der Embryonalentwicklung, so versteht man unmittelbar einen Kernsatz aus den Vorträgen über Heileurythmie, dass nämlich jede Form eine &#039;&#039;„zur Ruhe gekommene Bewegung“&#039;&#039; sei.[13] Während die embryonalen Bildeprozesse Fließbewegungen zeigen, Aus- und Einstülpungen, Verzweigungen, aufeinander zulaufende Wachstumsbewegungen, Differenzierungsprozesse, Induktionsvorgänge und Integrationsprozesse, zeigen die definitiven anatomischen Formen die zur Ruhe gekommenen Bewegungen an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Göttinger Anatom und Embryologen &#039;&#039;Erich Blechschmidt (1904–1992)&#039;&#039; ist es zu verdanken, dass man diese – von ihm ‚Bildebewegungen‘ genannten – Phänomene heute im Großformat studieren kann im Anatomischen Institut in Göttingen, wo er stark vergrößerte Modelle der verschiedenen embryonalen Entwicklungsstadien herstellen ließ – bis heute eine vielbesuchte Dauerausstellung.[14]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;AD 1. Grundelemente der (künstlerischen) Eurythmie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Während in der Gymnastik Bewegungen geübt und gepflegt werden, die sich aus der Statik und Dynamik des physischen Leibes ergeben, bedarf die eurythmische Bewegung des eingehenden Studiums der ätherischen Bildebewegungen, denen sich der physische Leib dann anzupassen hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der künstlerischen Eurythmie kann in Form ‚sichtbarer Sprache und sichtbaren Gesanges‘ Dichtkunst und Musik zur Darstellung kommen. Zudem gibt es auch Ausdrucksformen für charakteristische Körperhaltungen und seelische Ausdrucksweisen.[15]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jedem eurythmischen Laut sind in dem Zusammenhang drei Farbqualitäten zugeordnet, wodurch sich der seelische Ausdruck der Bewegungen weiter nuancieren lässt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Es gibt eine Farbe für die &#039;&#039;&#039;Bewegung&#039;&#039;&#039; als solche, sie wird durch die Farbe des Eurythmiekleides zum Ausdruck gebracht. &lt;br /&gt;
* Der Schleier, der über das Kleid geworfen wird und auch die Arme bedeckt, hat die Farbe der zugehörigen &#039;&#039;&#039;Gefühlsqualität&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
* Der &#039;&#039;&#039;willenshafte Charakter&#039;&#039;&#039;, der Impetus, mit dem die Bewegungsform des Lautes gemacht wird, hat wiederum eine andere Farbnuance.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer Eurythmie studiert, weiß, wie lange es dauert, bis diese verschiedenen Seelenstimmungen von Bewegung, Gefühl und Charakter eines Lautes so stark empfunden werden können, dass sie über den Bewegungsausdruck auch für den Zuschauer sichtbar werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammen mit der Bildhauerin &#039;&#039;Edith Maryon (1872–1924)&#039;&#039; gestaltete Rudolf Steiner Eurythmie-Figuren für die Hauptkonsonanten und Vokale sowie die Seelengesten und die Dur- und Mollstimmung, die diesen farbigen Dreiklang zeigen und das Studium erleichtern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;AD 2. Pädagogische Eurythmie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der pädagogischen Eurythmie steht die Kunst im Dienst der altersgerechten körperlichen und seelischen Entwicklung: &#039;&#039;„Bei der Eurhythmie strömt sich der ganze Mensch, nach Körper, Seele und Geist in Bewegung aus. Das fühlt der heranwachsende Mensch, und er erlebt diese eurhythmischen Übungen mit ganz derselben Natürlichkeit als eine Äußerung der menschlichen Natur, wie er in jüngeren Jahren das Sprechenlernen erlebt.“[16]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;AD 3. Heileurythmie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Werden die Bewegungs-Gebärden der Kunst- und pädagogischen Eurhythmie modifiziert, so dass sie aus der kranken Wesenheit des Menschen so fließen, wie die anderen aus der gesunden, so entsteht die Heil-Eurhythmie.“[17]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Liegen Krankheitsprozesse vor, so entstehen abweichende Bildebewegungen, verstärkte, geschwächte, gestaute oder fahrige Bewegungsmuster. Praktizierende der Heileurythmie mit ausreichender Erfahrung gewinnen bereits aus dem Gangbild, aus der Art, wie der betreffende Mensch aufrecht steht und sich spontan bewegt klare Anhaltspunkte dafür, welche physiologischen Prozesse mithilfe der Heileurythmie zu regulieren sind. Dabei werden dann die indizierten Vokale, Konsonanten oder auch Ton- und Intervallbewegungen intensiv wiederholt und dadurch eine regulierende Rückwirkung auf den Stoffwechsel-Bewegungsorganismus des betreffenden Menschen ausgeübt.[18]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sieht, wie hier äußerlich Ausgeführtes sich gesundend in die Organe hinein fortsetzt, wenn einer Organerkrankung die bewegte Gebärde genau angepasst ist. &#039;&#039;„Weil diese Art, durch Bewegung in dem Menschen zu wirken, auf Körper, Seele und Geist geht, wirkt sie in intensiverer Art in das Innere des kranken Menschen hinein, als alle andere Bewegungs-Therapie.“[19]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Es sind auch die praktischen Erfolge der Heil-Eurhythmie solche, dass man sie durchaus als ein segensreiches Glied unserer hier dargestellten therapeutischen Denkweise ansprechen kann.“[20]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[21]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Der Mensch als Zusammenklang des schaffenden, bildenden und gestaltenden Weltenwortes,&#039;&#039; GA 230.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Eurythmie als sichtbare Sprache (Laut-Eurythmie-Kurs),&#039;&#039; GA 279.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Der übersinnliche Mensch, anthroposophisch erfaßt,&#039;&#039; GA 231.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, GA 133, 201, 202, 207, 208, 209, 219.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Siehe FN 3, S. 120.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Entstehung und Entwickelung der Eurythmie,&#039;&#039; GA 277a, &#039;&#039;Eurythmie als sichtbarer Gesang (Ton-Eurythmie-Kurs)&#039;&#039;, GA 278, und &#039;&#039;Eurythmie als sichtbare Sprache (Laut-Eurythmie-Kurs), GA&#039;&#039; 279).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Vgl. Esterl (2012).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Lucifer-Gnosis. Grundlegende Aufsätze zur Anthroposophie und Berichte aus den Zeitschriften „Luzifer“ und „Lucifer-Gnosis“&#039;&#039;, GA 34 und &#039;&#039;Die Methodik des Lehrens und die Lebensbedingungen des Erziehens,&#039;&#039; GA 308 sowie Stockmeyer (2017) und Stein-von Baditz (2021), 32–35. (Letztere beiden sind online verfügbar unter: www.forschung-waldorf.de/publikationen/detail/ueber- die-paedagogische-eurythmie-fuer-unterrichtende-1/); [6.1.2025].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Siehe FN 1, S. 88.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Siehe FN 1, S. 86.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Vgl. Neukirch (2016).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Eurythmie als sichtbare Sprache (Laut-Eurythmie-Kurs)&#039;&#039;. GA 279, 210.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] Siehe Humanembryologische Dokumentationssammlung Blechschmidt: www.anatomie.uni-goettingen.de/de/humanembryologie.html.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[15] Vgl. Rudolf Steiner zur Rolle von Schleier und Gewand in der eurythmischen Kunst in &#039;&#039;Eurythmie als sichtbare Sprache (Laut-Eurythmie-Kurs),&#039;&#039; GA 279, 131f. u. 298.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[16] Siehe FN 1, S. 87.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[17] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[18] Inzwischen liegt eine gediegene Grundlagenliteratur zu Heileurythmie vor: Kirchner-Bockholt (2010); Kingeter und Schapink (2023); Armstrong (2016); H.-B. und E. von Laue (2016); Keller-Roth (2021); Barfod und Hachtel (2023).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[19] Siehe FN 1, S. 88.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[20] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[21] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== HEILEURYTHMIE – HERZ DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern kann Heileurythmie als das Herz der medizinischen Bewegung gesehen werden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Heileurythmie und Bildebewegungen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ein Grund, warum ich den Eindruck habe, dass die Heileurythmie das Herz der Anthroposophischen Medizin ist, hängt mit dem heutigen Medizinstudium zusammen: Das Medizinstudium ist durch und durch dem Geist der heutigen Zeit verpflichtet – einem Wissenschaftsverständnis rein materialistischer Art. Der Medizinstudent wird enorm belastet von all dem Wissen, das er im Grunde nicht versteht, nicht verstehen kann. Rudolf Steiner sagt über die Anthroposophie: &#039;&#039;„So sollen wir auf dem Wege der Anthroposophie ausgehen lernen von der Erkenntnis, uns erheben zur Kunst und endigen in religiöser Innigkeit.“ &#039;&#039;&#039;[1]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Belebende, das die Wissenschaft erlöst und verwandelt in echtes Verstehen, in intimes Begreifen, kann man ohne Eurythmie nicht kennen lernen. Warum? Weil Eurythmie das System der embryonalen Bildebewegungen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bildebewegungen des menschlichen Organismus kann ich nachahmen, indem ich Eurythmie mache. Ich kann sie aber in einem ersten Schritt auch nur denken: Ich kann einen Winkel, einen Punkt, eine Linie denken. Und dann kann ich das, was ich gedacht habe – Anthroposophie beginnt in allen Bereichen mit Wissen, mit dem Denken – auch tun, mit meiner ganzen Gestalt ausführen und erkenne: Mein Wille ist realisierter Gedanke. Ich trage wirklich die Schöpferkräfte dieser Welt in mir, nicht nur in meinem Denken als leibfreie ätherische Kompetenz, als ‚ewiges Leben&#039;, sondern eben auch als ‚vergängliches Leben&#039;, als Prozess, als Bildebewegung, als Geschehen, als Substanzprozess. Je mehr ich von diesen Prozessen erlebe, erfahre und verwirkliche, umso mehr sehe ich sie auch um mich herum und in anderen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Gründe für Ausübung von Eurythmie in den Ausbildungen für Ärzte&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im Rahmen unserer Ärzteausbildungen haben wir folgende Gründe für die Ausübung von Eurythmie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die Schönheit von Eurythmie erlebbar zu machen &lt;br /&gt;
* den Ärzten auf diesem Wege einen Zugang zur Heileurythmie zu eröffnen&lt;br /&gt;
* Wahrnehmungsschulung durch Eurythmie anzubieten: Wer Eurythmie macht, lernt mit dem Herzen zu sehen, etwas sensibel zu verfolgen, z.B. einen Prozess an einer Pflanze. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr könnt Euch kaum vorstellen, was für ein Augenöffner es ist, wenn man mit einer Gruppe von Ärzten, die das noch nie gemacht haben, in der allerersten Stunde der Ausbildung die geometrischen Grundformen übt – den Winkel, den Punkt, die Linie, den Kreis und die Parallelen, die sich im Unendlichen schneiden. Nachdem das eine Stunde lang geübt wurde, geht der Arzt hinaus in die Natur und sieht, wie Gott dort ‚geometrisiert’. Wie die Bäume unterschiedliche Gesten machen. Und dass es viele Punkte gibt, von denen ausgehend sich etwas ausdehnt – es fällt einem wie Schuppen von den Augen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Prozesshaftigkeit wiederentdecken&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Jede Form ist eine zur Ruhe gekommene Bewegung&amp;quot;, &#039;&#039;&#039;[2]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; sagt Rudolf Steiner. Mit diesem zur Erfahrung gewordenen Wissen kann ich alles, was sich gefügt und verfestigt hat, ebenso das, was sich kosmisch fügt, anschauen, auch eine Diagnose, und dabei die Prozesshaftigkeit, den Prozess der Menschengestaltung, empfinden. Von Heileurythmie und Eurythmie im Allgemeinen sagt Rudolf Steiner, dass sie den Willen wieder hereinbringen in die Menschheitsentwicklung. Sie bedeuten eine unermessliche Willensstärkung und Willenserziehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite fördert Eurythmie das Denken mit dem Herzen, das mir offenbart, dass alles, was ich weiß, alles Gefügte und Geformte, ehemaliger Prozess ist und sich wieder verwandeln kann in Prozess, in Geschehen, in Metamorphose, in Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All das lernen wir im Medizinstudium nicht. Das müssten wir aber wissen, um Erkrankungs- und Gesundungsprozesse zu verstehen. Eurythmie hilft dem Arzt überhaupt erst Arzt zu werden. Denn ohne eine differenzierte Wahrnehmung des ätherischen Organismus kann man Anthroposophische Medizin gar nicht wirklich anwenden. Die eigene Erfahrung mit der Eurythmie und Heileurythmie ist der beste Weg, um die ätherischen Kräfte zu erfassen und handhaben zu lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Herzenskultur als Medizin erkennen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das Zentrum allen Ätherwirkens ist das Herz. Eurythmie ist nicht nur Willenserziehung, Willensoffenbarung und Leibergreifung, sondern auch reine Herzenssprache und Herzensoffenbarung. Das liegt nicht nur daran, dass die Eurythmie ihren Bildegesetzen nach dem Herzens-Lungen-Schlag entstammt. Es liegt vor allem daran, dass alles Künstlerisch-Prozesshafte mit dem Herzen gemacht werden muss. Man kann nicht ausdrucksvoll oder prozessorientiert Eurythmie machen, wenn man nicht mit dem Herzen dabei ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was aber, wenn man nicht gelernt hat auf das eigene Herz zu hören, weil man nicht mit den eigenen Ängsten umgehen kann?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wenn man immer Angst hat, etwas falsch zu machen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angst wird den Ärzten heutzutage antrainiert – immer auf der sicheren Seite zu sein. Dieses Angsttraining ist geradezu eine Gegenschule zu dem Wissen und der Tatsache, dass die einzig wahre Arznei Liebe ist. Angesichts dieser ahrimanischen Gegenschule der heutigen Zeit brauchen Ärzte die Heileurythmie und die Geisteswissenschaft, um das Liebesprinzip, die Herzenskultur, die einzig gesundende Arznei, wieder handhaben zu lernen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Medizin und Heileurythmie brauchen einander&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das ist der Grund, warum es auch selbstverständlich ist, dass die Heileurythmie die Entwicklungsgeschichte der medizinischen Bewegung mit ihrer Hauptrepräsentantin &#039;&#039;Ita Wegman&#039;&#039; konsequent begleitet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das moderne Arzttum braucht Eurythmie, um sich öffnen zu können für das, was wirklich heilt, und um den kranken Organismus prozesshaft verstehen zu lernen. Dazu brauchen Ärzte auch das Gespräch mit den HeileurythmistInnen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Tatsache des gegenseitigen Brauchens wird immer evidenter: Die HeileurythmistInnen müssen sich dazu durchringen, die Erkenntnisseite ihrer Therapie etwas mehr zu pflegen und die Ärzte müssen sich dazu bewegen lassen, von ihrem Wissensthron herunterzusteigen auf die Herzensebene. Sie müssen das, was sie wissen, auch wirklich verstehen wollen, indem sie es für sich in Prozess und Geschehen übersetzen und künstlerisch durchempfinden lernen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag „Vom Wesen der Heileurythmie als Herzorgan der Anthroposophischen Medizin“, Dornach, 1. Weltkonferenz für Heileurythmie, 30. Mai 2008&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Anthroposophische Gemeinschaftsbildung&#039;&#039;, GA 257, 1. Vortrag, 23.01.1923.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Eurythmie als sichtbare Sprache&#039;&#039;, GA 279, 10. Vortrag, 10.07.1924.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ENTWICKLUNG DER HEILEURYTHMIE ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie hat sich die Heileurythmie im Rahmen der anthroposophisch-medizinischen Bewegung entwickelt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Bereiche umfasst sie?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Aus der pädagogisch-therapeutischen Praxis entstanden&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Heileurythmie, die therapeutische Eurythmie, arbeitet hochspezifisch, akkurat und genau. Rudolf Steiner setzte sie sehr bescheiden ein in den Vorträgen für die Ärzte und sagte, man werde nicht alles damit behandeln können, aber doch sehr vieles.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das erste pädagogisch-medizinisch-anthroposophische Werk wurde von Rudolf Steiner 1907 herausgegeben, &#039;&#039;„Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkt der Geisteswissenschaft“.&#039;&#039;&#039;[1]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Fast auf jeder Seite wird von „gesunder Entwicklung“ gesprochen, von „Gesundheit“, von der „Überwindung von Krankheitstendenzen“. Prävention in Form von Erziehung, später ergänzt durch Selbstschulung und Selbsterziehung, der Königsweg der Medizin – ist bereits über 100 Jahre alt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rahmen ihrer Tätigkeit in der Waldorfschule fragte &#039;&#039;Elisabeth Baumann&#039;&#039;, die zusammen mit &#039;&#039;Karl Schubert&#039;&#039; die Hilfsklasse betreute, Rudolf Steiner immer wieder um Rat im Zusammenhang mit schwierigen Kindern und bat um spezielle therapeutische und eurythmische Übungen. Sie bekam bereitwillig Antworten – die Heileurythmie entstand so aus der pädagogischen Praxis heraus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Erna van Deventer-Wolfram&#039;&#039; verfolgte später die Angaben zur therapeutischen Eurythmie zurück bis ins Jahr 1915 und davor: Von Anfang an ist das Werden der Eurythmie begleitet von Abwandlungen für deren therapeutische Anwendung. Und immer werden auch Laienkurse angeboten und entwickelt sich das pädagogisch-didaktische Element. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Prophylaktisches und heilend-erzieherisches Element&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das prophylaktische und das heilend-erzieherische Element begleiten die Entwicklung der Anthroposophischen Medizin in ihrer zweiten Etappe. Es ist kein Zufall, dass Ostern 1921 der &#039;&#039;Heileurythmiekurs&#039;&#039;&#039;[2]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; gegeben wird – integriert in den zweiten Kurs für Ärzte. Es ist das Jahr, in dem im Juni die heutige Ita-Wegman-Klinik und in Stuttgart von &#039;&#039;Otto Palmer&#039;&#039; die Stuttgarter Klinik begründet wurden. Das markiert den Schritt in der Entwicklung der Anthroposophischen Medizin, durch den nun – seit 1920, dem ersten Medizinerkurs – die Krankheitslehre entwickelt wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammen mit der Wissenschaft von der Krankheit wird auch die Heileurythmie als neue Therapieform systematisch entwickelt. Sie wird so vollständig dargestellt, dass Rudolf Steiner ein Jahr später, als er nochmals gebeten wurde, über Heileurythmie zu sprechen, sinngemäß sagte: &#039;&#039;Eigentlich habe ich bereits alles gesagt.&#039;&#039;&#039;[3]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich kenne das von keinem anderen Zusammenhang, dass Rudolf Steiner schlicht darauf hinweist, er hätte schon alles zu einem bestimmten Thema gesagt. In diesen Vorträgen ist eigentlich alles drin, auch wenn wir bei der Arbeit damit ständig Neues entdecken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Tonheileurythmie und weitere Entwicklungen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ich bin besonders glücklich darüber, dass im Rahmen unserer 1. Weltkonferenz für Heileurythmie auch die Tonheileurythmie vorgestellt wurde, über die Rudolf Steiner im Heileurythmiekurs nicht spricht, sondern sie in einem anderen Vortragszyklus ausführt. Es gehört zu meinen ganz großen Hoffnungen, dass durch die Demonstration der Qualität ‚Tonheileurythmie&#039; die Botschaft in 32 Länder hinausgeht und sich dieser ‚Bazillus’ Tonheileurythmie in Form einer ansteckenden Gesundheit fortpflanzt und überall ansiedelt. Denn natürlich gehört zu dem vollständigen Keim, in dem bereits alles enthalten ist, auch das Rhythmisch-Musikalische. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Heileurythmie ist noch nach vielen Richtungen hin weiterzuentwickeln: In den Qualitäten der Farbe, der Form, der Musik, der Fülle der Rhythmen usw. liegen noch ungehobene Schätze verborgen. Auch diese historischen Zusammenhänge weisen darauf hin, dass die Heileurythmie, diese zutiefst menschliche Eurythmie, wie der Urgrund oder Urzugang zu einem spirituellen Verständnis der menschlichen Organisation ist. Ohne dieses Verständnis, lässt sich die Anthroposophische Medizin nicht denken und praktizieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heileurythmie ist das Herzstück. Sie selbst ist der reine Ausdruck von Herzlichkeit: Herzlichkeit im Umgang mit der Welt, Herzlichkeit im Umgang mit den Menschen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag „Vom Wesen der Heileurythmie als Herzorgan der Anthroposophischen Medizin“, Dornach, 1. Weltkonferenz für Heileurythmie, 30. Mai 2008&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Erkenntnis des Übersinnlichen in unserer Zeit und deren Bedeutung für das heutige Leben,&#039;&#039; GA 55, 6. Vortrag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner&#039;&#039;, Heileurythmiekurs&#039;&#039;, GA 315.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Ebenda, 8. Vortrag vom 28.10.1922.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== MENSCHLICHE EURYTHMIE UND KEHLKOPF ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was bedeutet ‚menschliche Eurythmie‘?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Das Besondere an Kehlkopf und Gehör&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im ersten Vortrag des &#039;&#039;Heileurythmiekurses&#039;&#039;&#039;[1]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; finden wir nicht nur die Begriffe &#039;&#039;‚hygienisch-therapeutische Eurythmie&#039;&amp;lt;nowiki/&amp;gt;&#039;&#039;, &#039;&#039;‚didaktisch-pädagogische Eurythmie&#039;&amp;lt;nowiki/&amp;gt;&#039;&#039;, und &#039;&#039;‚künstlerische Eurythmie‘&#039;&#039;, sondern auch den Begriff der &#039;&#039;‚menschlichen Eurythmie&#039;&amp;lt;nowiki/&amp;gt;&#039;&#039;. Diese ‚menschliche Eurythmie’ entwickelt Rudolf Steiner am Kehlkopf. Sie ist jenseits von Kunst, Pädagogik und Therapie beheimatet – sie ist noch etwas viel Ursprünglicheres, Allgemeineres: Das rein Menschliche eurythmisiert im Kehlkopf, dem umgewendeten Hinterhaupt mit der Gehörregion.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Vortrag &#039;&#039;„Geisteswissenschaftliche Gesichtspunkte zur Therapie&amp;quot;,&#039;&#039;&#039;[2]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; der dem &#039;&#039;Heileurythmiekurs&#039;&#039; vorgelagert ist, schildert Rudolf Steiner, warum die Kehlkopf- und Gehörregion so besonders sind: Es ist genau dieser Bereich, in dem der physische Leib am allermeisten er selbst ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Entwicklungsschritte des physischen Erdeninstrumentes&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch hat sich dort ein physisches Erdeninstrument geschaffen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Die Gehörpartie ist wie eine Erinnerung an den Saturnzustand, als der Mensch noch wie ein Ohr war und seinen eigenen Herzschlag hörte. &lt;br /&gt;
# Aus dieser Hör-Tätigkeit bildete sich dann das Wärmeorgan, das auf- und absteigt und pulsiert in den Wärmeformen des alten Saturn.&lt;br /&gt;
# Heute ist es physisch verdichtet und ganz ausgestaltet als unser Herz, das Zentralorgan des Menschen.&lt;br /&gt;
# Die Metamorphose der am stärksten ausgeprägten physischen Form, der Hinterhauptpartie, findet sich in umgewendeter Weise im Kehldeckel wieder. &lt;br /&gt;
# An ihn schließen sich Kiefer und Sprechwerkzeuge an und die dort wunderbar eingebauten Stimmbänder mitsamt den Stellknorpeln, diesen feinen, gliedmaßenähnlichen Gebilden. Alles, was wir in Worten artikulieren, wird dort in genau umgekehrter Form, rückwärts gewendet, aktiv ausgeführt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Vokalismus des Kehlkopfs&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im Kehlkopf finden wir – neben dem konsonantischen Aspekt, der sich in den feinen Bewegungen der Stellknorpel und den Spannungszuständen unserer Stimmbänder offenbart – die Vokale archetypisch eingezeichnet, quasi in das Herz dieses &#039;zweiten Menschen&#039; eingeschrieben: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* das &#039;&#039;&#039;A&#039;&#039;&#039; in der Form des Kehldeckels, &lt;br /&gt;
* das &#039;&#039;&#039;O&#039;&#039;&#039; in den schönen Ringknorpeln um die Trachea herum, unserer Luftröhre, &lt;br /&gt;
* dann die Parallelität des &#039;&#039;&#039;U&#039;&#039;&#039; im gesamten Aufbau des Kehlkopfes und seiner Anhangsorgane,&lt;br /&gt;
* aber auch physiologisch-anatomisch in den kreuz- bzw. &#039;&#039;&#039;E&#039;&#039;&#039;-förmigen Muskelzügen &lt;br /&gt;
* und schließlich das &#039;&#039;&#039;I&#039;&#039;&#039; im vertikal stehenden Kehlkopf selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Kehlkopf finden wir alle Vokale anatomisch-physiologisch eingezeichnet. Daran können wir merken: In der Eurythmie wird nur sichtbar gemacht, was uns als Körpergeometrie bereits ‚eingestaltet’ ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag „Vom Wesen der Heileurythmie als Herzorgan der Anthroposophischen Medizin“, Dornach, 1. Weltkonferenz für Heileurythmie, 30. Mai 2008&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Heileurythmiekurs,&#039;&#039; GA 315.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaft und Medizin,&#039;&#039; GA 312, 1. Vortrag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== HEILEURYTHMIE BEIM KLEINKIND ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen unmittelbaren Bezug hat Heileurythmie zur Entwicklung des Kleinkinds?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Bedeutung haben hier die Vokale?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Vokale und Inkarnationsbewegungen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In einer befreundeten Familie wurden zwei Kinder adoptiert: ein Säugling direkt nach der Geburt, dessen Mutter drogenabhängig war, und ein Kind, das schon einige Monate alt war. Bei beiden wurde von Anfang an Heileurythmie gemacht, jeden Morgen und jeden Abend – vor allem Vokale. Denn Vokale entsprechen den Inkarnationsbewegungen des Kindes im ersten Lebensjahr:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Das „I“ als Bewegung ====&lt;br /&gt;
Die erste eigenaktive Bewegung direkt nach der Geburt, wenn der auf dem Bauch liegende Säugling den Kopf hebt und die Nackenmuskulatur streckt, entspricht dem „I”. Manchmal ist der Kopf so schwer, dass er bei diesem ersten Heben richtig wackelt. Im Laufe der Wochen und Monate kommt allmählich Spannung in die Muskulatur – das „I”.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer Eurythmie machen will, lässt sich zuerst ganz locker hängen und richtet sich dann langsam auf, bis er den Kopf ganz aus der Schwere befreit hat. Diese entscheidende „I”-Gebärde, die der Eurythmisierende zuletzt ausführt, ist beim Säugling die erste: Er ergreift seinen Leib zuerst in der Kopfregion. Was Kinder später mit Freude wiederholen, dieses Recken des Kopfes, wenn sie sagen können – Hier bin ich! – das haben sie als Erstes gelernt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Das „E“ als Bewegung ====&lt;br /&gt;
Sobald der Blick Gegenstände zu fixieren beginnt und die Sehachsen sich kreuzen, wird der nächste Laut errungen: Jetzt beginnt das Spiel mit den Fingern, die Selbstberührung, das gezielte Greifen – das „E”. Die Bewegungen des Kindes pendeln zwischen „E” und „I”, wobei das „I” immer gerichteter wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Das „A“ als Bewegung ====&lt;br /&gt;
Allmählich öffnen und schließen sich auch die Arme; es dauert aber eine ganze Weile bis sie wirklich gerichtet geöffnet werden können – was dem „A” entspricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Das „O“ als Bewegung ====&lt;br /&gt;
Nach dem „E” ist das „O” an der Reihe, z.B. beim Umarmen der Puppe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Das „U“ als Bewegung ====&lt;br /&gt;
Als Letztes wird mit der Parallelstellung der Beine das „U” errungen: Die Streckung der Beine ist mit sechs Monaten möglich; bis zum freien Stand im „U” dauert es meist noch ein halbes Jahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Was Vokal- und Konsonantenübungen bewirken&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Vokal- und Konsonanten-Eurythmie ist ein hilfreiches Instrument, wenn man täglich damit arbeitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Vokalübungen&#039;&#039;&#039; sind die Inkarnationshelfer des Ich par excellence. Durch sie „verselbsten” wir uns. Ein Erwachsener kann sein schwaches Selbstgefühl durch vokalisierende Eurythmie stärken. Mit Vokalübungen tun Sie den Kindern, aber auch sich selbst etwas Gutes – sie bringen ein Wohlgefühl in den Körper.&lt;br /&gt;
* Mit Hilfe von &#039;&#039;&#039;Konsonantenübungen&#039;&#039;&#039;, die im Stehen ausgeführt werden, kann das Gedächtnis verbessert und die Ausformung des Leibes unterstützt werden, können bei Kindern Fehlentwicklungen und Deformationen aufgelöst, kann anstelle dessen die richtige Form entwickelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich beobachtete in der oben erwähnten Familie, wie sich die beiden Kinder trotz ihrer problematischen Vorgeschichte gesund entwickelten. Es war sehr schön, es selbst zu beobachten und davon zu hören. Ich führe diese positive Entwicklung auf die Persönlichkeit der Kinder, der Eltern, aber auch auf die Wirkung der Eurythmie, der bewussten, aktiven Handhabung des Ätherleibes, zurück. Dem Kind wird mit der Eurythmie etwas Gesundendes, Heilendes angeboten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Qualitäten der Vokale als Inkarnationshilfe&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In einem Säuglingsraum wird manchmal Eurythmie gemacht, damit die Kraft der archetypischen ätherischen Leibergreifungsbewegungen auf die nachahmungsbereiten Kinder wirken kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Wirkungen müssen wir selbst auch kennenlernen. Eurythmie entspringt der Bewegungsfreude, der Geschlossenheit des Ich, dem inneren Wesen der Laute: Wir können&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Bewunderung und Verehrung beim &#039;&#039;&#039;A&#039;&#039;&#039; empfinden&lt;br /&gt;
* Ehrfurcht beim &#039;&#039;&#039;E&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Selbstbehauptung beim &#039;&#039;&#039;I&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* liebevolles Umgreifen und Geschlossenheit beim &#039;&#039;&#039;O&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* „Ich suche mich im Geiste” beim &#039;&#039;&#039;U&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Qualitäten rufen das Wesen des Kindes herein in den Leib und erfüllen die Seele über die Bewegung mit Freude.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Die Würde des kleinen Kindes“, 3. Vortrag, Kongressband Nr. 2, gelbes Heft&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== HEILEURYTHMIE ALS KÖRPERMEDITATION ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist unter Körpermeditation zu verstehen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Meditative Aspekte der Heileurythmie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Heileurythmie hat einen rein meditativen Aspekt, aber auch den einer Körpermeditation. Denn jede Übung, die wir machen, können wir ebenso nur in Gedanken vollziehen. Wir können, wenn wir uns physisch nicht mehr gut bewegen können, dennoch die ätherischen Gliedmaßen bewegen. Das kann so stark wirken, dass man die Leibfreiheit seines aus dem kranken Organismus schon etwas herausgehenden Wesensgliedergefüges erlebt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Variante 1 ====&lt;br /&gt;
Einige HeileurythmistInnen, &#039;&#039;Isabella de Jaager&#039;&#039; gehörte dazu, haben immer auch Meditationsübungen gegeben. Es sind Atemübungen, die aus der alten Esoterik stammten, wie z.B. die folgende:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Die höchste Kraft des Geistes zieht mit dem Atem in mich ein.&#039;&#039;“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diesen Satz, den man still und langsam für sich denkt, atmet man ruhig und entspannt ein.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Alle Kraft ruht in mir.&#039;&#039;“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diesen Gedanken und dessen Realisierung wird der Atem angehalten und ganz zur Ruhe gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Von mir geht aus alles Gute, dessen ich fähig bin.&#039;&#039;“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ruhiges Ausatmen, gefolgt von einer weiteren Ruhepause vor Beginn der nächsten übenden Einatmung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu solch einer Meditationsübung sollte man sich entspannt und innerlich still hinlegen, man kann sie auch gut im Bett machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Variante 2 ====&lt;br /&gt;
Eine andere Möglichkeit der Durchführung nach &#039;&#039;Isabella de Jaager&#039;&#039; ist folgende: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bevor man eine Übung macht, sollte man zunächst an die Körperstelle denken, dann sich ganz zart die heilende Bewegung vorstellen und daraufhin erst anfangen sich zu bewegen. Die Intensität der Bewegung kann man im Laufe der Übung steigern und immer weiter steigern und ausgestalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende der Bewegungssequenz sollte man wieder ruhig liegen und denken – &#039;&#039;„Ich habe bewegt“&#039;&#039; – und sich dabei vorstellen, wie die Durchblutungssteigerung langsam wieder abnimmt und wie das, was man getan hat, von der bewegten Körperstelle aufgenommen und auch an andere Organe weitergegeben wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag „Vom Wesen der Heileurythmie als Herzorgan der Anthroposophischen Medizin“, Dornach, 1. Weltkonferenz für Heileurythmie, 30. Mai 2008&#039;&#039;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Offenborn</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Heileurythmie&amp;diff=1216</id>
		<title>Heileurythmie</title>
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		<updated>2025-12-25T18:50:32Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Offenborn: Neuen Text eingefügt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= Heileurythmie – von Michaela Glöckler =&lt;br /&gt;
Auszüge aus Büchern und Vorträgen von [[Michaela Glöckler]]; Erstveröffentlichung auf https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ENTWICKLUNG UND WIRKWEISE DER HEIL-EURYTHMIE ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Verbindungen gibt es zwischen den Lauten unserer Sprache und dem Kosmos?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern können Bewegungen heilsam wirken?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie und wann entwickelte sich die Heileurythmie?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verhältnis von Makrokosmos und Mikrokosmos erfassen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der Zeit vom 19. Oktober bis 11. November 1923 – die Arbeit &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; hatte bereits begonnen – hielt Rudolf Steiner in Dornach Vorträge mit dem Titel: &#039;&#039;„Der Mensch als Zusammenklang des schaffenden, bildenden und gestaltenden Weltenwortes“.[2]&#039;&#039; Sein Anliegen war, dass das doch eher abstrakte Konzept, das der Mensch gegenüber dem Makrokosmos ein Mikrokosmos ist, und alle Gesetzmäßigkeiten der Welt in sich birgt, möglichst konkret erfasst würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Verhältnis von Makrokosmos und Mikrokosmos wird in der Eurythmie dadurch weiter konkretisiert, dass &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;Bewegungen für die&#039;&#039; &#039;&#039;Konsonanten&#039;&#039; in Beziehung gesetzt werden zu den &#039;&#039;&#039;Fixsterngruppen&#039;&#039;&#039; und ihren Formen, wie sie im Tierkreis zum Ausdruck kommen. &lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;Vokalgesten&#039;&#039; hingegen korrelieren mit den Planetenbewegungen und dem Charakter der einzelnen &#039;&#039;&#039;Planeten&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
* Hinzu kommt, dass auch die &#039;&#039;&#039;Tierkreisbilder&#039;&#039;&#039; selbst in &#039;&#039;spezifischen eurythmischen Gesten&#039;&#039; zum Ausdruck gebracht werden&lt;br /&gt;
* ebenso wie den &#039;&#039;&#039;Planetenbewegungen&#039;&#039;&#039; als solchen &#039;&#039;eigene Gesten&#039;&#039; zugeordnet werden.[3]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Bewegungsangaben für die eurythmische Kunst werden durch viele Vorträge zur Kosmologie ergänzt, die Rudolf Steiner in den Jahren der Entstehung und Entwicklung der Eurythmie hielt.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1923 folgte vom 15. bis 18. November in den Haag der Vortragszyklus: &#039;&#039;„Der übersinnliche Mensch anthroposophisch erfasst“.[5]&#039;&#039; Auch dort kam Rudolf Steiner auf die Eurythmie zu sprechen und darauf, wie wenig die Menschen gegenwärtig noch fühlen, wie sie eigentlich beim Aussprechen von Vokalen ihr Gefühl für das, was sie sagen wollen, zum Ausdruck bringen, in den Konsonanten hingegen das jeweils konkret Sachliche, worum es geht: &#039;&#039;„Das Innere der Menschenseele bedeutet Vokale, Konsonanten bedeuten immer Formen.“[6]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Von der Eurythmie zur Heil-Eurythmie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Entwicklung von der Eurythmie zur Heil-Eurythmie vollzog sich in drei Schritten, auch zeitlich gesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Neue Bewegungskunst ====&lt;br /&gt;
Die Entwicklung der Eurythmie begann im Jahr 1912. Zunächst ging es dabei um eine neue Bewegungskunst.[7]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Pädagogische Eurythmie ====&lt;br /&gt;
Nach dem Ersten Weltkrieg und mit der Begründung der Waldorfschule durch &#039;&#039;Emil Molt (1876–1936)[8]&#039;&#039; kam die pädagogische Eurythmie hinzu, für die Rudolf Steiner als pädagogischer Leiter der Waldorfschule dann einen Lehrplan für die Klassen 1–12 entwarf und auch für den Vorschulbereich Hinweise gab, wie hier mit den Kindern eurythmisiert werden kann.[9]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Heil-Eurythmie bzw. Eurythmie-Therapie ====&lt;br /&gt;
1921 entwickelte er – angeregt durch die an der Waldorfschule tätigen Eurythmistinnen – die therapeutische bzw. Heil-Eurythmie, heute auch Eurythmie-Therapie genannt. Diese neue Therapieform stellte er dann im Ärztekurs von 1921 dar, wobei die beiden Schuleurythmistinnen die Übungen demonstrierten. Dabei betonte er wiederholt, dass die Heileurythmie nicht ohne ärztliche Indikation und Begleitung durchgeführt werden sollte.[10]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Wie Bewegungen zustande kommen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Alle Bewegungen beruhen auf der inneren Wesenheit der Menschen-Organisation. Aus dieser fließt in den ersten Jahren des menschlichen Lebens die Sprache. So wie sich nun der Laut in der Sprache der Konstitution des Menschen entringt, so können bei einer wirklichen Erkenntnis dieser Konstitution Bewegungen aus dem Menschen und aus den Menschengruppen herausgeholt werden, die eine wirkliche sichtbare Sprache oder ein sichtbarer Gesang sind.“[11]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Eurythmie und Heileurythmie werden nach Steiners Auffassung alle vier Wesensglieder zum Zusammenwirken aufgerufen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Bewegung muss aktiv gewollt sein – d.h. &#039;&#039;&#039;vom Ich aus&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;bewusst gestaltet&#039;&#039;&#039; werden.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Die astralische Organisation&#039;&#039;&#039; als Träger von Bewusstsein und Bewegung gibt dazu die Möglichkeit der Umsetzung.&lt;br /&gt;
* Die Bewegungsformen hingegen sind den &#039;&#039;&#039;Bildebewegungen des Ätherischen&#039;&#039;&#039; angepasst.&lt;br /&gt;
* Diese wiederum können &#039;&#039;&#039;im physischen Organismus&#039;&#039;&#039; Formbildung, Regeneration und Regulierungsprozesse anregen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei spielt auch die funktionelle Dreigliederung des Organismus eine wichtige Rolle, da die Sprachlaute mit ihren Bewegungsformen einen jeweils spezifischen Bezug zu &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* den Nerven/Sinnesprozessen, &lt;br /&gt;
* den rhythmischen Vorgängen von Herz und Lunge&lt;br /&gt;
* und den Verdauungsprozessen im Stoffwechsel haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da alle Bewegungsformen jedoch solche sind, die der Ätherleib seiner Natur nach als Wachstums- und Regenerationsbewegungen realisiert, kann man auch sagen, dass Ich-Organisation, astralische Organisation und die physische Organisation sich hier heilend in den Dienst der ätherischen Organisation stellen, diese in ihren Hauptfunktionen in Form von Wachstum und Regeneration zu stärken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Bedeutung der Bildebewegungen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Elke Neukirch&#039;&#039; hat in einer aussagekräftigen Studie Steiners Differenzierung der pädagogisch-hygienischen, hygienisch-eurythmischen und hygienisch-therapeutischen Arbeit zur Darstellung gebracht.[12] Studiert man die Bewegungsformen der Sprach-, Laut- und Ton-Eurythmie, und bringt diese Bewegungsformen in Verbindung mit den Bildebewegungen im Verlauf der Embryonalentwicklung, so versteht man unmittelbar einen Kernsatz aus den Vorträgen über Heileurythmie, dass nämlich jede Form eine &#039;&#039;„zur Ruhe gekommene Bewegung“&#039;&#039; sei.[13] Während die embryonalen Bildeprozesse Fließbewegungen zeigen, Aus- und Einstülpungen, Verzweigungen, aufeinander zulaufende Wachstumsbewegungen, Differenzierungsprozesse, Induktionsvorgänge und Integrationsprozesse, zeigen die definitiven anatomischen Formen die zur Ruhe gekommenen Bewegungen an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Göttinger Anatom und Embryologen &#039;&#039;Erich Blechschmidt (1904–1992)&#039;&#039; ist es zu verdanken, dass man diese – von ihm ‚Bildebewegungen‘ genannten – Phänomene heute im Großformat studieren kann im Anatomischen Institut in Göttingen, wo er stark vergrößerte Modelle der verschiedenen embryonalen Entwicklungsstadien herstellen ließ – bis heute eine vielbesuchte Dauerausstellung.[14]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;AD 1. Grundelemente der (künstlerischen) Eurythmie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Während in der Gymnastik Bewegungen geübt und gepflegt werden, die sich aus der Statik und Dynamik des physischen Leibes ergeben, bedarf die eurythmische Bewegung des eingehenden Studiums der ätherischen Bildebewegungen, denen sich der physische Leib dann anzupassen hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der künstlerischen Eurythmie kann in Form ‚sichtbarer Sprache und sichtbaren Gesanges‘ Dichtkunst und Musik zur Darstellung kommen. Zudem gibt es auch Ausdrucksformen für charakteristische Körperhaltungen und seelische Ausdrucksweisen.[15]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jedem eurythmischen Laut sind in dem Zusammenhang drei Farbqualitäten zugeordnet, wodurch sich der seelische Ausdruck der Bewegungen weiter nuancieren lässt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Es gibt eine Farbe für die &#039;&#039;&#039;Bewegung&#039;&#039;&#039; als solche, sie wird durch die Farbe des Eurythmiekleides zum Ausdruck gebracht. &lt;br /&gt;
* Der Schleier, der über das Kleid geworfen wird und auch die Arme bedeckt, hat die Farbe der zugehörigen &#039;&#039;&#039;Gefühlsqualität&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
* Der &#039;&#039;&#039;willenshafte Charakter&#039;&#039;&#039;, der Impetus, mit dem die Bewegungsform des Lautes gemacht wird, hat wiederum eine andere Farbnuance.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer Eurythmie studiert, weiß, wie lange es dauert, bis diese verschiedenen Seelenstimmungen von Bewegung, Gefühl und Charakter eines Lautes so stark empfunden werden können, dass sie über den Bewegungsausdruck auch für den Zuschauer sichtbar werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammen mit der Bildhauerin &#039;&#039;Edith Maryon (1872–1924)&#039;&#039; gestaltete Rudolf Steiner Eurythmie-Figuren für die Hauptkonsonanten und Vokale sowie die Seelengesten und die Dur- und Mollstimmung, die diesen farbigen Dreiklang zeigen und das Studium erleichtern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;AD 2. Pädagogische Eurythmie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der pädagogischen Eurythmie steht die Kunst im Dienst der altersgerechten körperlichen und seelischen Entwicklung: &#039;&#039;„Bei der Eurhythmie strömt sich der ganze Mensch, nach Körper, Seele und Geist in Bewegung aus. Das fühlt der heranwachsende Mensch, und er erlebt diese eurhythmischen Übungen mit ganz derselben Natürlichkeit als eine Äußerung der menschlichen Natur, wie er in jüngeren Jahren das Sprechenlernen erlebt.“[16]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;AD 3. Heileurythmie&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Werden die Bewegungs-Gebärden der Kunst- und pädagogischen Eurhythmie modifiziert, so dass sie aus der kranken Wesenheit des Menschen so fließen, wie die anderen aus der gesunden, so entsteht die Heil-Eurhythmie.“[17]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Liegen Krankheitsprozesse vor, so entstehen abweichende Bildebewegungen, verstärkte, geschwächte, gestaute oder fahrige Bewegungsmuster. Praktizierende der Heileurythmie mit ausreichender Erfahrung gewinnen bereits aus dem Gangbild, aus der Art, wie der betreffende Mensch aufrecht steht und sich spontan bewegt klare Anhaltspunkte dafür, welche physiologischen Prozesse mithilfe der Heileurythmie zu regulieren sind. Dabei werden dann die indizierten Vokale, Konsonanten oder auch Ton- und Intervallbewegungen intensiv wiederholt und dadurch eine regulierende Rückwirkung auf den Stoffwechsel-Bewegungsorganismus des betreffenden Menschen ausgeübt.[18]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sieht, wie hier äußerlich Ausgeführtes sich gesundend in die Organe hinein fortsetzt, wenn einer Organerkrankung die bewegte Gebärde genau angepasst ist. &#039;&#039;„Weil diese Art, durch Bewegung in dem Menschen zu wirken, auf Körper, Seele und Geist geht, wirkt sie in intensiverer Art in das Innere des kranken Menschen hinein, als alle andere Bewegungs-Therapie.“[19]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Es sind auch die praktischen Erfolge der Heil-Eurhythmie solche, dass man sie durchaus als ein segensreiches Glied unserer hier dargestellten therapeutischen Denkweise ansprechen kann.“[20]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[21]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Der Mensch als Zusammenklang des schaffenden, bildenden und gestaltenden Weltenwortes,&#039;&#039; GA 230.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Eurythmie als sichtbare Sprache (Laut-Eurythmie-Kurs),&#039;&#039; GA 279.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Der übersinnliche Mensch, anthroposophisch erfaßt,&#039;&#039; GA 231.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, GA 133, 201, 202, 207, 208, 209, 219.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Siehe FN 3, S. 120.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Entstehung und Entwickelung der Eurythmie,&#039;&#039; GA 277a, &#039;&#039;Eurythmie als sichtbarer Gesang (Ton-Eurythmie-Kurs)&#039;&#039;, GA 278, und &#039;&#039;Eurythmie als sichtbare Sprache (Laut-Eurythmie-Kurs), GA&#039;&#039; 279).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Vgl. Esterl (2012).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Lucifer-Gnosis. Grundlegende Aufsätze zur Anthroposophie und Berichte aus den Zeitschriften „Luzifer“ und „Lucifer-Gnosis“&#039;&#039;, GA 34 und &#039;&#039;Die Methodik des Lehrens und die Lebensbedingungen des Erziehens,&#039;&#039; GA 308 sowie Stockmeyer (2017) und Stein-von Baditz (2021), 32–35. (Letztere beiden sind online verfügbar unter: www.forschung-waldorf.de/publikationen/detail/ueber- die-paedagogische-eurythmie-fuer-unterrichtende-1/); [6.1.2025].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Siehe FN 1, S. 88.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Siehe FN 1, S. 86.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Vgl. Neukirch (2016).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Eurythmie als sichtbare Sprache (Laut-Eurythmie-Kurs)&#039;&#039;. GA 279, 210.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] Siehe Humanembryologische Dokumentationssammlung Blechschmidt: www.anatomie.uni-goettingen.de/de/humanembryologie.html.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[15] Vgl. Rudolf Steiner zur Rolle von Schleier und Gewand in der eurythmischen Kunst in &#039;&#039;Eurythmie als sichtbare Sprache (Laut-Eurythmie-Kurs),&#039;&#039; GA 279, 131f. u. 298.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[16] Siehe FN 1, S. 87.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[17] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[18] Inzwischen liegt eine gediegene Grundlagenliteratur zu Heileurythmie vor: Kirchner-Bockholt (2010); Kingeter und Schapink (2023); Armstrong (2016); H.-B. und E. von Laue (2016); Keller-Roth (2021); Barfod und Hachtel (2023).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[19] Siehe FN 1, S. 88.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[20] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[21] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== HEILEURYTHMIE – HERZ DER ANTHROPOSOPHISCHEN MEDIZIN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern kann Heileurythmie als das Herz der medizinischen Bewegung gesehen werden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Heileurythmie und Bildebewegungen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ein Grund, warum ich den Eindruck habe, dass die Heileurythmie das Herz der Anthroposophischen Medizin ist, hängt mit dem heutigen Medizinstudium zusammen: Das Medizinstudium ist durch und durch dem Geist der heutigen Zeit verpflichtet – einem Wissenschaftsverständnis rein materialistischer Art. Der Medizinstudent wird enorm belastet von all dem Wissen, das er im Grunde nicht versteht, nicht verstehen kann. Rudolf Steiner sagt über die Anthroposophie: &#039;&#039;„So sollen wir auf dem Wege der Anthroposophie ausgehen lernen von der Erkenntnis, uns erheben zur Kunst und endigen in religiöser Innigkeit.“ &#039;&#039;&#039;[1]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Belebende, das die Wissenschaft erlöst und verwandelt in echtes Verstehen, in intimes Begreifen, kann man ohne Eurythmie nicht kennen lernen. Warum? Weil Eurythmie das System der embryonalen Bildebewegungen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bildebewegungen des menschlichen Organismus kann ich nachahmen, indem ich Eurythmie mache. Ich kann sie aber in einem ersten Schritt auch nur denken: Ich kann einen Winkel, einen Punkt, eine Linie denken. Und dann kann ich das, was ich gedacht habe – Anthroposophie beginnt in allen Bereichen mit Wissen, mit dem Denken – auch tun, mit meiner ganzen Gestalt ausführen und erkenne: Mein Wille ist realisierter Gedanke. Ich trage wirklich die Schöpferkräfte dieser Welt in mir, nicht nur in meinem Denken als leibfreie ätherische Kompetenz, als ‚ewiges Leben&#039;, sondern eben auch als ‚vergängliches Leben&#039;, als Prozess, als Bildebewegung, als Geschehen, als Substanzprozess. Je mehr ich von diesen Prozessen erlebe, erfahre und verwirkliche, umso mehr sehe ich sie auch um mich herum und in anderen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Gründe für Ausübung von Eurythmie in den Ausbildungen für Ärzte&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im Rahmen unserer Ärzteausbildungen haben wir folgende Gründe für die Ausübung von Eurythmie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die Schönheit von Eurythmie erlebbar zu machen &lt;br /&gt;
* den Ärzten auf diesem Wege einen Zugang zur Heileurythmie zu eröffnen&lt;br /&gt;
* Wahrnehmungsschulung durch Eurythmie anzubieten: Wer Eurythmie macht, lernt mit dem Herzen zu sehen, etwas sensibel zu verfolgen, z.B. einen Prozess an einer Pflanze. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr könnt Euch kaum vorstellen, was für ein Augenöffner es ist, wenn man mit einer Gruppe von Ärzten, die das noch nie gemacht haben, in der allerersten Stunde der Ausbildung die geometrischen Grundformen übt – den Winkel, den Punkt, die Linie, den Kreis und die Parallelen, die sich im Unendlichen schneiden. Nachdem das eine Stunde lang geübt wurde, geht der Arzt hinaus in die Natur und sieht, wie Gott dort ‚geometrisiert’. Wie die Bäume unterschiedliche Gesten machen. Und dass es viele Punkte gibt, von denen ausgehend sich etwas ausdehnt – es fällt einem wie Schuppen von den Augen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Prozesshaftigkeit wiederentdecken&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Jede Form ist eine zur Ruhe gekommene Bewegung&amp;quot;, &#039;&#039;&#039;[2]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; sagt Rudolf Steiner. Mit diesem zur Erfahrung gewordenen Wissen kann ich alles, was sich gefügt und verfestigt hat, ebenso das, was sich kosmisch fügt, anschauen, auch eine Diagnose, und dabei die Prozesshaftigkeit, den Prozess der Menschengestaltung, empfinden. Von Heileurythmie und Eurythmie im Allgemeinen sagt Rudolf Steiner, dass sie den Willen wieder hereinbringen in die Menschheitsentwicklung. Sie bedeuten eine unermessliche Willensstärkung und Willenserziehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite fördert Eurythmie das Denken mit dem Herzen, das mir offenbart, dass alles, was ich weiß, alles Gefügte und Geformte, ehemaliger Prozess ist und sich wieder verwandeln kann in Prozess, in Geschehen, in Metamorphose, in Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All das lernen wir im Medizinstudium nicht. Das müssten wir aber wissen, um Erkrankungs- und Gesundungsprozesse zu verstehen. Eurythmie hilft dem Arzt überhaupt erst Arzt zu werden. Denn ohne eine differenzierte Wahrnehmung des ätherischen Organismus kann man Anthroposophische Medizin gar nicht wirklich anwenden. Die eigene Erfahrung mit der Eurythmie und Heileurythmie ist der beste Weg, um die ätherischen Kräfte zu erfassen und handhaben zu lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Herzenskultur als Medizin erkennen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das Zentrum allen Ätherwirkens ist das Herz. Eurythmie ist nicht nur Willenserziehung, Willensoffenbarung und Leibergreifung, sondern auch reine Herzenssprache und Herzensoffenbarung. Das liegt nicht nur daran, dass die Eurythmie ihren Bildegesetzen nach dem Herzens-Lungen-Schlag entstammt. Es liegt vor allem daran, dass alles Künstlerisch-Prozesshafte mit dem Herzen gemacht werden muss. Man kann nicht ausdrucksvoll oder prozessorientiert Eurythmie machen, wenn man nicht mit dem Herzen dabei ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was aber, wenn man nicht gelernt hat auf das eigene Herz zu hören, weil man nicht mit den eigenen Ängsten umgehen kann?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wenn man immer Angst hat, etwas falsch zu machen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angst wird den Ärzten heutzutage antrainiert – immer auf der sicheren Seite zu sein. Dieses Angsttraining ist geradezu eine Gegenschule zu dem Wissen und der Tatsache, dass die einzig wahre Arznei Liebe ist. Angesichts dieser ahrimanischen Gegenschule der heutigen Zeit brauchen Ärzte die Heileurythmie und die Geisteswissenschaft, um das Liebesprinzip, die Herzenskultur, die einzig gesundende Arznei, wieder handhaben zu lernen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Medizin und Heileurythmie brauchen einander&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das ist der Grund, warum es auch selbstverständlich ist, dass die Heileurythmie die Entwicklungsgeschichte der medizinischen Bewegung mit ihrer Hauptrepräsentantin &#039;&#039;Ita Wegman&#039;&#039; konsequent begleitet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das moderne Arzttum braucht Eurythmie, um sich öffnen zu können für das, was wirklich heilt, und um den kranken Organismus prozesshaft verstehen zu lernen. Dazu brauchen Ärzte auch das Gespräch mit den HeileurythmistInnen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Tatsache des gegenseitigen Brauchens wird immer evidenter: Die HeileurythmistInnen müssen sich dazu durchringen, die Erkenntnisseite ihrer Therapie etwas mehr zu pflegen und die Ärzte müssen sich dazu bewegen lassen, von ihrem Wissensthron herunterzusteigen auf die Herzensebene. Sie müssen das, was sie wissen, auch wirklich verstehen wollen, indem sie es für sich in Prozess und Geschehen übersetzen und künstlerisch durchempfinden lernen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag „Vom Wesen der Heileurythmie als Herzorgan der Anthroposophischen Medizin“, Dornach, 1. Weltkonferenz für Heileurythmie, 30. Mai 2008&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Anthroposophische Gemeinschaftsbildung&#039;&#039;, GA 257, 1. Vortrag, 23.01.1923.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Eurythmie als sichtbare Sprache&#039;&#039;, GA 279, 10. Vortrag, 10.07.1924.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ENTWICKLUNG DER HEILEURYTHMIE ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie hat sich die Heileurythmie im Rahmen der anthroposophisch-medizinischen Bewegung entwickelt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Bereiche umfasst sie?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Aus der pädagogisch-therapeutischen Praxis entstanden&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Heileurythmie, die therapeutische Eurythmie, arbeitet hochspezifisch, akkurat und genau. Rudolf Steiner setzte sie sehr bescheiden ein in den Vorträgen für die Ärzte und sagte, man werde nicht alles damit behandeln können, aber doch sehr vieles.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das erste pädagogisch-medizinisch-anthroposophische Werk wurde von Rudolf Steiner 1907 herausgegeben, &#039;&#039;„Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkt der Geisteswissenschaft“.&#039;&#039;&#039;[1]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Fast auf jeder Seite wird von „gesunder Entwicklung“ gesprochen, von „Gesundheit“, von der „Überwindung von Krankheitstendenzen“. Prävention in Form von Erziehung, später ergänzt durch Selbstschulung und Selbsterziehung, der Königsweg der Medizin – ist bereits über 100 Jahre alt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rahmen ihrer Tätigkeit in der Waldorfschule fragte &#039;&#039;Elisabeth Baumann&#039;&#039;, die zusammen mit &#039;&#039;Karl Schubert&#039;&#039; die Hilfsklasse betreute, Rudolf Steiner immer wieder um Rat im Zusammenhang mit schwierigen Kindern und bat um spezielle therapeutische und eurythmische Übungen. Sie bekam bereitwillig Antworten – die Heileurythmie entstand so aus der pädagogischen Praxis heraus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Erna van Deventer-Wolfram&#039;&#039; verfolgte später die Angaben zur therapeutischen Eurythmie zurück bis ins Jahr 1915 und davor: Von Anfang an ist das Werden der Eurythmie begleitet von Abwandlungen für deren therapeutische Anwendung. Und immer werden auch Laienkurse angeboten und entwickelt sich das pädagogisch-didaktische Element. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Prophylaktisches und heilend-erzieherisches Element&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das prophylaktische und das heilend-erzieherische Element begleiten die Entwicklung der Anthroposophischen Medizin in ihrer zweiten Etappe. Es ist kein Zufall, dass Ostern 1921 der &#039;&#039;Heileurythmiekurs&#039;&#039;&#039;[2]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; gegeben wird – integriert in den zweiten Kurs für Ärzte. Es ist das Jahr, in dem im Juni die heutige Ita-Wegman-Klinik und in Stuttgart von &#039;&#039;Otto Palmer&#039;&#039; die Stuttgarter Klinik begründet wurden. Das markiert den Schritt in der Entwicklung der Anthroposophischen Medizin, durch den nun – seit 1920, dem ersten Medizinerkurs – die Krankheitslehre entwickelt wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammen mit der Wissenschaft von der Krankheit wird auch die Heileurythmie als neue Therapieform systematisch entwickelt. Sie wird so vollständig dargestellt, dass Rudolf Steiner ein Jahr später, als er nochmals gebeten wurde, über Heileurythmie zu sprechen, sinngemäß sagte: &#039;&#039;Eigentlich habe ich bereits alles gesagt.&#039;&#039;&#039;[3]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich kenne das von keinem anderen Zusammenhang, dass Rudolf Steiner schlicht darauf hinweist, er hätte schon alles zu einem bestimmten Thema gesagt. In diesen Vorträgen ist eigentlich alles drin, auch wenn wir bei der Arbeit damit ständig Neues entdecken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Tonheileurythmie und weitere Entwicklungen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ich bin besonders glücklich darüber, dass im Rahmen unserer 1. Weltkonferenz für Heileurythmie auch die Tonheileurythmie vorgestellt wurde, über die Rudolf Steiner im Heileurythmiekurs nicht spricht, sondern sie in einem anderen Vortragszyklus ausführt. Es gehört zu meinen ganz großen Hoffnungen, dass durch die Demonstration der Qualität ‚Tonheileurythmie&#039; die Botschaft in 32 Länder hinausgeht und sich dieser ‚Bazillus’ Tonheileurythmie in Form einer ansteckenden Gesundheit fortpflanzt und überall ansiedelt. Denn natürlich gehört zu dem vollständigen Keim, in dem bereits alles enthalten ist, auch das Rhythmisch-Musikalische. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Heileurythmie ist noch nach vielen Richtungen hin weiterzuentwickeln: In den Qualitäten der Farbe, der Form, der Musik, der Fülle der Rhythmen usw. liegen noch ungehobene Schätze verborgen. Auch diese historischen Zusammenhänge weisen darauf hin, dass die Heileurythmie, diese zutiefst menschliche Eurythmie, wie der Urgrund oder Urzugang zu einem spirituellen Verständnis der menschlichen Organisation ist. Ohne dieses Verständnis, lässt sich die Anthroposophische Medizin nicht denken und praktizieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heileurythmie ist das Herzstück. Sie selbst ist der reine Ausdruck von Herzlichkeit: Herzlichkeit im Umgang mit der Welt, Herzlichkeit im Umgang mit den Menschen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag „Vom Wesen der Heileurythmie als Herzorgan der Anthroposophischen Medizin“, Dornach, 1. Weltkonferenz für Heileurythmie, 30. Mai 2008&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Erkenntnis des Übersinnlichen in unserer Zeit und deren Bedeutung für das heutige Leben,&#039;&#039; GA 55, 6. Vortrag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner&#039;&#039;, Heileurythmiekurs&#039;&#039;, GA 315.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Ebenda, 8. Vortrag vom 28.10.1922.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== MENSCHLICHE EURYTHMIE UND KEHLKOPF ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was bedeutet ‚menschliche Eurythmie‘?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Das Besondere an Kehlkopf und Gehör&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im ersten Vortrag des &#039;&#039;Heileurythmiekurses&#039;&#039;&#039;[1]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; finden wir nicht nur die Begriffe &#039;&#039;‚hygienisch-therapeutische Eurythmie&#039;&amp;lt;nowiki/&amp;gt;&#039;&#039;, &#039;&#039;‚didaktisch-pädagogische Eurythmie&#039;&amp;lt;nowiki/&amp;gt;&#039;&#039;, und &#039;&#039;‚künstlerische Eurythmie‘&#039;&#039;, sondern auch den Begriff der &#039;&#039;‚menschlichen Eurythmie&#039;&amp;lt;nowiki/&amp;gt;&#039;&#039;. Diese ‚menschliche Eurythmie’ entwickelt Rudolf Steiner am Kehlkopf. Sie ist jenseits von Kunst, Pädagogik und Therapie beheimatet – sie ist noch etwas viel Ursprünglicheres, Allgemeineres: Das rein Menschliche eurythmisiert im Kehlkopf, dem umgewendeten Hinterhaupt mit der Gehörregion.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Vortrag &#039;&#039;„Geisteswissenschaftliche Gesichtspunkte zur Therapie&amp;quot;,&#039;&#039;&#039;[2]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; der dem &#039;&#039;Heileurythmiekurs&#039;&#039; vorgelagert ist, schildert Rudolf Steiner, warum die Kehlkopf- und Gehörregion so besonders sind: Es ist genau dieser Bereich, in dem der physische Leib am allermeisten er selbst ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Entwicklungsschritte des physischen Erdeninstrumentes&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch hat sich dort ein physisches Erdeninstrument geschaffen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Die Gehörpartie ist wie eine Erinnerung an den Saturnzustand, als der Mensch noch wie ein Ohr war und seinen eigenen Herzschlag hörte. &lt;br /&gt;
# Aus dieser Hör-Tätigkeit bildete sich dann das Wärmeorgan, das auf- und absteigt und pulsiert in den Wärmeformen des alten Saturn.&lt;br /&gt;
# Heute ist es physisch verdichtet und ganz ausgestaltet als unser Herz, das Zentralorgan des Menschen.&lt;br /&gt;
# Die Metamorphose der am stärksten ausgeprägten physischen Form, der Hinterhauptpartie, findet sich in umgewendeter Weise im Kehldeckel wieder. &lt;br /&gt;
# An ihn schließen sich Kiefer und Sprechwerkzeuge an und die dort wunderbar eingebauten Stimmbänder mitsamt den Stellknorpeln, diesen feinen, gliedmaßenähnlichen Gebilden. Alles, was wir in Worten artikulieren, wird dort in genau umgekehrter Form, rückwärts gewendet, aktiv ausgeführt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Vokalismus des Kehlkopfs&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im Kehlkopf finden wir – neben dem konsonantischen Aspekt, der sich in den feinen Bewegungen der Stellknorpel und den Spannungszuständen unserer Stimmbänder offenbart – die Vokale archetypisch eingezeichnet, quasi in das Herz dieses &#039;zweiten Menschen&#039; eingeschrieben: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* das &#039;&#039;&#039;A&#039;&#039;&#039; in der Form des Kehldeckels, &lt;br /&gt;
* das &#039;&#039;&#039;O&#039;&#039;&#039; in den schönen Ringknorpeln um die Trachea herum, unserer Luftröhre, &lt;br /&gt;
* dann die Parallelität des &#039;&#039;&#039;U&#039;&#039;&#039; im gesamten Aufbau des Kehlkopfes und seiner Anhangsorgane,&lt;br /&gt;
* aber auch physiologisch-anatomisch in den kreuz- bzw. &#039;&#039;&#039;E&#039;&#039;&#039;-förmigen Muskelzügen &lt;br /&gt;
* und schließlich das &#039;&#039;&#039;I&#039;&#039;&#039; im vertikal stehenden Kehlkopf selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Kehlkopf finden wir alle Vokale anatomisch-physiologisch eingezeichnet. Daran können wir merken: In der Eurythmie wird nur sichtbar gemacht, was uns als Körpergeometrie bereits ‚eingestaltet’ ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag „Vom Wesen der Heileurythmie als Herzorgan der Anthroposophischen Medizin“, Dornach, 1. Weltkonferenz für Heileurythmie, 30. Mai 2008&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Heileurythmiekurs,&#039;&#039; GA 315.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaft und Medizin,&#039;&#039; GA 312, 1. Vortrag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== HEILEURYTHMIE BEIM KLEINKIND ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen unmittelbaren Bezug hat Heileurythmie zur Entwicklung des Kleinkinds?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Bedeutung haben hier die Vokale?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Vokale und Inkarnationsbewegungen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In einer befreundeten Familie wurden zwei Kinder adoptiert: ein Säugling direkt nach der Geburt, dessen Mutter drogenabhängig war, und ein Kind, das schon einige Monate alt war. Bei beiden wurde von Anfang an Heileurythmie gemacht, jeden Morgen und jeden Abend – vor allem Vokale. Denn Vokale entsprechen den Inkarnationsbewegungen des Kindes im ersten Lebensjahr:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Das „I“ als Bewegung ====&lt;br /&gt;
Die erste eigenaktive Bewegung direkt nach der Geburt, wenn der auf dem Bauch liegende Säugling den Kopf hebt und die Nackenmuskulatur streckt, entspricht dem „I”. Manchmal ist der Kopf so schwer, dass er bei diesem ersten Heben richtig wackelt. Im Laufe der Wochen und Monate kommt allmählich Spannung in die Muskulatur – das „I”.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer Eurythmie machen will, lässt sich zuerst ganz locker hängen und richtet sich dann langsam auf, bis er den Kopf ganz aus der Schwere befreit hat. Diese entscheidende „I”-Gebärde, die der Eurythmisierende zuletzt ausführt, ist beim Säugling die erste: Er ergreift seinen Leib zuerst in der Kopfregion. Was Kinder später mit Freude wiederholen, dieses Recken des Kopfes, wenn sie sagen können – Hier bin ich! – das haben sie als Erstes gelernt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Das „E“ als Bewegung ====&lt;br /&gt;
Sobald der Blick Gegenstände zu fixieren beginnt und die Sehachsen sich kreuzen, wird der nächste Laut errungen: Jetzt beginnt das Spiel mit den Fingern, die Selbstberührung, das gezielte Greifen – das „E”. Die Bewegungen des Kindes pendeln zwischen „E” und „I”, wobei das „I” immer gerichteter wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Das „A“ als Bewegung ====&lt;br /&gt;
Allmählich öffnen und schließen sich auch die Arme; es dauert aber eine ganze Weile bis sie wirklich gerichtet geöffnet werden können – was dem „A” entspricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Das „O“ als Bewegung ====&lt;br /&gt;
Nach dem „E” ist das „O” an der Reihe, z.B. beim Umarmen der Puppe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Das „U“ als Bewegung ====&lt;br /&gt;
Als Letztes wird mit der Parallelstellung der Beine das „U” errungen: Die Streckung der Beine ist mit sechs Monaten möglich; bis zum freien Stand im „U” dauert es meist noch ein halbes Jahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Was Vokal- und Konsonantenübungen bewirken&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Vokal- und Konsonanten-Eurythmie ist ein hilfreiches Instrument, wenn man täglich damit arbeitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Vokalübungen&#039;&#039;&#039; sind die Inkarnationshelfer des Ich par excellence. Durch sie „verselbsten” wir uns. Ein Erwachsener kann sein schwaches Selbstgefühl durch vokalisierende Eurythmie stärken. Mit Vokalübungen tun Sie den Kindern, aber auch sich selbst etwas Gutes – sie bringen ein Wohlgefühl in den Körper.&lt;br /&gt;
* Mit Hilfe von &#039;&#039;&#039;Konsonantenübungen&#039;&#039;&#039;, die im Stehen ausgeführt werden, kann das Gedächtnis verbessert und die Ausformung des Leibes unterstützt werden, können bei Kindern Fehlentwicklungen und Deformationen aufgelöst, kann anstelle dessen die richtige Form entwickelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich beobachtete in der oben erwähnten Familie, wie sich die beiden Kinder trotz ihrer problematischen Vorgeschichte gesund entwickelten. Es war sehr schön, es selbst zu beobachten und davon zu hören. Ich führe diese positive Entwicklung auf die Persönlichkeit der Kinder, der Eltern, aber auch auf die Wirkung der Eurythmie, der bewussten, aktiven Handhabung des Ätherleibes, zurück. Dem Kind wird mit der Eurythmie etwas Gesundendes, Heilendes angeboten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Qualitäten der Vokale als Inkarnationshilfe&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In einem Säuglingsraum wird manchmal Eurythmie gemacht, damit die Kraft der archetypischen ätherischen Leibergreifungsbewegungen auf die nachahmungsbereiten Kinder wirken kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Wirkungen müssen wir selbst auch kennenlernen. Eurythmie entspringt der Bewegungsfreude, der Geschlossenheit des Ich, dem inneren Wesen der Laute: Wir können&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Bewunderung und Verehrung beim &#039;&#039;&#039;A&#039;&#039;&#039; empfinden&lt;br /&gt;
* Ehrfurcht beim &#039;&#039;&#039;E&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Selbstbehauptung beim &#039;&#039;&#039;I&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* liebevolles Umgreifen und Geschlossenheit beim &#039;&#039;&#039;O&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* „Ich suche mich im Geiste” beim &#039;&#039;&#039;U&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Qualitäten rufen das Wesen des Kindes herein in den Leib und erfüllen die Seele über die Bewegung mit Freude.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Die Würde des kleinen Kindes“, 3. Vortrag, Kongressband Nr. 2, gelbes Heft&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== HEILEURYTHMIE ALS KÖRPERMEDITATION ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist unter Körpermeditation zu verstehen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Meditative Aspekte der Heileurythmie&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Heileurythmie hat einen rein meditativen Aspekt, aber auch den einer Körpermeditation. Denn jede Übung, die wir machen, können wir ebenso nur in Gedanken vollziehen. Wir können, wenn wir uns physisch nicht mehr gut bewegen können, dennoch die ätherischen Gliedmaßen bewegen. Das kann so stark wirken, dass man die Leibfreiheit seines aus dem kranken Organismus schon etwas herausgehenden Wesensgliedergefüges erlebt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Variante 1 ====&lt;br /&gt;
Einige HeileurythmistInnen, &#039;&#039;Isabella de Jaager&#039;&#039; gehörte dazu, haben immer auch Meditationsübungen gegeben. Es sind Atemübungen, die aus der alten Esoterik stammten, wie z.B. die folgende:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Die höchste Kraft des Geistes zieht mit dem Atem in mich ein.&#039;&#039;“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diesen Satz, den man still und langsam für sich denkt, atmet man ruhig und entspannt ein.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Alle Kraft ruht in mir.&#039;&#039;“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diesen Gedanken und dessen Realisierung wird der Atem angehalten und ganz zur Ruhe gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Von mir geht aus alles Gute, dessen ich fähig bin.&#039;&#039;“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ruhiges Ausatmen, gefolgt von einer weiteren Ruhepause vor Beginn der nächsten übenden Einatmung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu solch einer Meditationsübung sollte man sich entspannt und innerlich still hinlegen, man kann sie auch gut im Bett machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Variante 2 ====&lt;br /&gt;
Eine andere Möglichkeit der Durchführung nach &#039;&#039;Isabella de Jaager&#039;&#039; ist folgende: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bevor man eine Übung macht, sollte man zunächst an die Körperstelle denken, dann sich ganz zart die heilende Bewegung vorstellen und daraufhin erst anfangen sich zu bewegen. Die Intensität der Bewegung kann man im Laufe der Übung steigern und immer weiter steigern und ausgestalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende der Bewegungssequenz sollte man wieder ruhig liegen und denken – &#039;&#039;„Ich habe bewegt“&#039;&#039; – und sich dabei vorstellen, wie die Durchblutungssteigerung langsam wieder abnimmt und wie das, was man getan hat, von der bewegten Körperstelle aufgenommen und auch an andere Organe weitergegeben wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag „Vom Wesen der Heileurythmie als Herzorgan der Anthroposophischen Medizin“, Dornach, 1. Weltkonferenz für Heileurythmie, 30. Mai 2008&#039;&#039;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Offenborn</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Entwicklung&amp;diff=1215</id>
		<title>Entwicklung</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Entwicklung&amp;diff=1215"/>
		<updated>2025-12-25T10:36:51Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Offenborn: Neuen Text eingefügt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= Entwicklung – von Michaela Glöckler =&lt;br /&gt;
Auszüge aus Büchern und Vorträgen von [[Michaela Glöckler]]; Erstveröffentlichung auf https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== EMBRYONALE ENTWICKLUNGSSTADIEN UND -GESTEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche signifikanten Entwicklungsstadien durchläuft der Embryo?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Entwicklungsgesten lassen sich aus den einzelnen Stadien ablesen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entwicklungsstadien des Embryos&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In den ersten Tagen nach der Zeugung muss sich der Embryo, das sich inkarnierende Kind, das nur als kleiner Zellhaufen sichtbar ist, erst einmal selbst seinen Umkreis, die Plazenta und alle anderen embryonalen Hüllen schaffen. Das ist seine Hauptarbeit. Wenn das geschafft ist, fängt der kleine Mensch an sich zu regen und zu leben. Es empfiehlt sich sehr, möglichst naturnahe Bilder der embryonalen Entwicklungsstadien im Internet oder in guten Embryologie-Büchern anzusehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Folgenden nur ein paar kurze Anmerkungen zu embryonalen Entwicklungsstadien:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* In der &#039;&#039;&#039;ersten Woche&#039;&#039;&#039; kommt es zum sogenannten &#039;&#039;Morula-Stadium&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
* In der &#039;&#039;&#039;zweiten Woche&#039;&#039;&#039; bildet sich der &#039;&#039;Embryoblast&#039;&#039; in seiner allerersten Veranlagung als zweiblättrige Keimscheibe in dieser wunderschönen Ausformung, die dann bald dreiblättrig wird. &lt;br /&gt;
* In der &#039;&#039;&#039;vierten Woche&#039;&#039;&#039; veranlagt sich bereits die &#039;&#039;Gesamtgestalt&#039;&#039; im Zentrum der embryonalen Hüllen.&lt;br /&gt;
* Aus der dreiblättrigen Keimanlage von Ektoderm, Entoderm und dem sich dazwischen bildenden Mesoderm differenzieren sich &#039;&#039;&#039;in den nächsten Wochen&#039;&#039;&#039; alle Körperorgane.&lt;br /&gt;
* In der &#039;&#039;&#039;achten Woche&#039;&#039;&#039; ist das &#039;&#039;Nervensystem&#039;&#039; bereits das differenzierteste Organsystem, über das wir als Menschen verfügen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entwicklungsgesten und Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Entwicklungsgesten hängen eng mit den Wesensgliedern, die sie vollziehen zusammen. Wir unterscheiden drei grundverschiedene Gesten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Wachstum (Proliferation) unter der Regie des ÄL ====&lt;br /&gt;
Der Ätherleib ist der große Materialbeschaffer, der Wachstumsspezialist, der Zellen bildet und unter der Regie des AL ausgestaltet.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Differenzierung unter der Regie des AL ====&lt;br /&gt;
Es ist wichtig sich ins Gedächtnis zu rufen, dass Leben eben auch die Differenzierung von ein und demselben Grundmaterial bedeutet. Das vollbringt der Astralleib (AL). Er bringt Differenzierung in alles Leben (Ätherische), sodass es sich individuell und spezifisch ausprägen kann: Gehirn und Magen leben beide, aber sie tun es auf sehr unterschiedliche Art und Weise. Der Astralleib ist seinem Wesen nach musikalisch, weil in der Musik alles vom Intervall, vom Dazwischen, von der Differenzierung in feine Nuancen lebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Integration unter der Regie der Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Die Ich-Organisation ist die integrierende Instanz, sie schafft aus allem eine Ganzheit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Embryonalentwicklung kann man am besten beobachten, wie diese unterschiedlichen Kompetenzen der Wesensglieder zum Tragen kommen, während sich die Organe bilden, differenzieren und ihren Platz im Ganzen finden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag „Der Lebenssinn In Diagnostik Und Therapie“, gehalten am 8. Januar 2016 an der Kunsttherapietagung&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== BILDEIMPULSE DER WESENSGLIEDER FÜR DIE EMBRYONALENTWICKLUNG ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Impulse geben welche Wesensglieder für die Embryonalentwicklung&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Organbildungen verdanken wir den drei Keimblättern?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern drückt sich die Ich-Organisation auf dreifache Weise im Gesamtorganismus aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Prägung der drei Keimblätter&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Absätze 5–8 von Kapitel VI aus &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; sind dem Zusammenwirken der dem Blut und den Nerven zugrunde liegenden Bildeimpulse gewidmet. Aus dem Zusammenwirken von Blut und Nerv ergeben sich – so die Autoren – alle Bildeimpulse für die Embryonalentwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die dreifach unterschiedliche Art des Zusammenwirkens entstehen drei verschiedene Gebiete, von denen die Bildeimpulse für den Gesamtorganismus ausgehen. Diese drei verschiedenen Gebiete sind die Prägeorte für die Bildung der aus der Embryologie bekannten drei Keimblätter:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Ektoderm&#039;&#039;&#039; (äußeres Keimblatt) – oberes Gebiet, &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Mesoderm&#039;&#039;&#039; (mittleres Keimblatt) – mittleres Gebiet,&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Entoderm&#039;&#039;&#039; (inneres Keimblatt) – unteres Gebiet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;@ Vom Entoderm ausgehende Organbildungen – Verdauung und Atmung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im Verdauungsgebiet arbeiten vorzugsweise die ätherisch organisierten Nerven mit der Blutsubstanz zusammen, deren Tätigkeit der Ich-Organisation unterliegt. Diese Art des Zusammenwirkens bildet während der Embryonalentwicklung den Ausgangspunkt für die Organbildungen, die vom Entoderm ausgehen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Epithel- und Drüsen des Magen-Darm-Traktes, &lt;br /&gt;
* Leber,&lt;br /&gt;
* Pankreas,&lt;br /&gt;
* Harnblase&lt;br /&gt;
* Epithel und Drüsen der Trachea, Bronchien und Lungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;@ Vom Mesoderm ausgehende Organbildungen – Organe der Beweglichkeit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Vom mittleren Keimblatt gehen die Organbildungen aus, bei denen die Nervenorgane, die von der astralischen Organisation beeinflusst sind, zusammenwirken mit Blutvorgängen, die ebenfalls von dieser astralischen Organisation und in ihrem oberen Teil von der ätherischen abhängig sind:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Skelettmuskulatur, &lt;br /&gt;
* Bindegewebe&lt;br /&gt;
* Knochen (mit Ausnahme des Schädels),&lt;br /&gt;
* sowie das Urogenitalsystem samt Niere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind die Organe, &#039;&#039;„welche die äussere und innere Beweglichkeit vermitteln“.[2]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;@ Vom Ektoderm ausgehende Organbildungen – Stützorgane&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im oberen – ektodermalen – Gebiet liegen die Ausgangspunkte für die Knochenbildung und für alles andere, &#039;&#039;„das dem menschlichen Körper als Stützorgane dient“.[3]&#039;&#039; Hier wirken die unter dem innerlich organisierenden Ich stehenden Nerven zusammen mit den Blutvorgängen, die eine starke Neigung haben, ins leblos Mineralische überzugehen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Haut, Haare, Nägel, &lt;br /&gt;
* Zahnschmelz,&lt;br /&gt;
* Innenohr,&lt;br /&gt;
* Augenlinse&lt;br /&gt;
* Hirnnerven und das Zentralnervensystem mit Epiphyse und Hypophysenhinterlappen,&lt;br /&gt;
* die Knochen des Kopfes,&lt;br /&gt;
* deren Muskeln&lt;br /&gt;
* und zugehöriges Bindegewebe.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Räumliche und funktionelle Dreigliederung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dass es sich dabei nicht nur in räumlicher Hinsicht um drei Gebiete handelt, sondern auch um eine funktionelle Dreigliederung (unter der Regie der Ich-Organisation), geht aus Abs. 6 hervor: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Der mineralische Anteil der Knochen&#039;&#039; wird dem &#039;&#039;&#039;obersten Gebiet (Ektoderm)&#039;&#039;&#039; zugehörig betrachtet,&lt;br /&gt;
* wohingegen &#039;&#039;die organischen Knochenstrukturen&#039;&#039; den Impulsen des &#039;&#039;&#039;mittleren Gebietes (Mesoderm)&#039;&#039;&#039; unterstellt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ich-Organisation prägt in der Skelettbildung ihre Signatur der Gesamtgestalt auf – das Skelett ist ihr Abbild. Träger der geistigen Ich-Tätigkeit ist hingegen das Gehirn, dem &#039;&#039;„die organisierende Kraft des Ich nur leise zugrunde liegt“&#039;&#039;&#039;[5]&#039;&#039;&#039;,&#039;&#039; weswegen sie sich überwiegend leibfrei ‚von außen‘ betätigen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Während die Ich-Organisation sich durch die Knochenbildung im &#039;&#039;&#039;Skelett&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;ein Abbild im Physischen&#039;&#039; schafft, &lt;br /&gt;
* kann sie sich dank der &#039;&#039;&#039;Gehirnphysiologie&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;rein geistig&#039;&#039; betätigen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;In der Blutsubstanz&#039;&#039; und in allem, was durch sie bewirkt wird, ist sie unmittelbar &#039;&#039;&#039;substanzbildend und regulierend&#039;&#039;&#039; tätig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war Rudolf Steiners Entdeckung, dass der embryonale Kreislauf einer der besten Beweise für die autonome Bewegung des Blutes ist,[6] was inzwischen durch die embryologische Forschung mit hochauflösender Videomikroskopie bestätigt werden konnte.[7]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[8]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27, S. 35.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Vgl. Moore (2013), 533–559.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Siehe FN 1, S. 36.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Philosophie des Thomas von Aquino,&#039;&#039; GA 74, S. 93.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Vgl. Forouhar u. a. (2006), 751–753.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== STADIEN DER MENSCHLICHEN ENTWICKLUNG IN JUGEND UND ALTER ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche großen Entwicklungsabschnitte gibt es im menschlichen Leben?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Reifezyklen in Jahrsiebten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Nach der Geburt steht zunächst die Entwicklung des Nervensystems im Vordergrund. Dann folgen die Organe der rhythmischen Funktionsordnung und schließlich die volle Ausreifung von Skelett und Stoffwechselorganen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== - Evolution im 1. Jahrsiebt ====&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;Grundreifung der Sinnesfunktionen&#039;&#039; und etwa 90% der Kapazitäten des Zentralnervensystems erreichen schon in den ersten 9 Lebensjahren die volle Funktionstüchtigkeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ohr ist mit etwa vier Jahren voll funktionstüchtig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Auge braucht acht Jahre, bis es in allen Feinheiten ausgereift ist: in Bezug auf die Perspektive, das Farbensehen, auf feinsten Abstufungen der Wahrnehmung und die Verknüpfung mit den anderen Sinnen. Das ist ein langer Reifungsprozess.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== - Evolution im 2. Jahrsiebt ====&lt;br /&gt;
Bis zur Pubertät reifen die &#039;&#039;rhythmischen Funktionssysteme&#039;&#039;, insbesondere von Herz und Kreislauf. Bei einem Zwölfjährigen haben wir noch ein Kinder-EKG, einen schnelleren Herzrhythmus und eine schnellere Atmung, als es der Erwachsene hat.  Die Ausreifung der Frequenzabstimmung zwischen Atem- und Herzrhythmus sind im Alter von 15-16 Lebensjahren abgeschlossen, dann hat sich die ruhigere, langsame Atmung des Erwachsenen entwickelt. Es dauert also länger, bis diese Organe „erwachsen“ sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== - Evolution im 3. Jahrsiebt ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Skelett und Stoffwechsel&#039;&#039; brauchen am längsten, bis sie vollkommen ausgereift sind und die Stabilisierung der Stoffwechselvorgänge und des Hormonhaushaltes erreicht wird. Vom spirituellen Gesichtspunkt her würden wir sagen: bis der Mensch „vollständig inkarniert“ ist. Das dauert im Durchschnitt zwischen achtzehn und zweiundzwanzig Jahren. Die Ausreifung des Skelettsystems zur Erwachsenenform geschieht bis zum 23. Lebensjahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== &#039;&#039;Involutionsphasen in Jahrzehnten&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
Interessant ist nun, dass sich in der zweiten Lebenshälfte diese drei Organsysteme in umgekehrter Reihenfolge wieder zurückbilden, was wir den Prozess des Alterns nennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;&#039;Zwischen 40 und 50&#039;&#039;&#039; mit dem Klimakterium tritt bei der Frau die Menopause ein. Die Involution der Stoffwechselprozesse beginnt. Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises und Stoffwechselstörungen wie Diabetes Typ 2 haben laut Statistik ihre höchste Inzidenz (Zeitpunkt des Eintretens) in diesem Alter. Gelenkverschleiß zeigt sich, Rückenprobleme werden spürbar; Gallen- und Nierensteine.&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;&#039;Zwischen 50 und 60&#039;&#039;&#039;  treten in einem großen Schub die typischen pulmonalen und cardio-vaskulären Erkrankungen auf wie Bluthochdruck, Rhythmusstörungen, bei Disposition der erste Infarkt. Später oder früher wäre es schon nicht mehr so typisch. Das betrifft auch die Chronifizierung von Lungenerkrankungen, die hier einsetzt. All diese Erkrankungen haben in diesem Alter statistisch gesehen eine erste große Inzidenzphase. Wir sprechen dabei von Exkarnationsproblemen. Der Mensch kommt im Hinblick auf seine Vitalität, seine Seelenverfassung und seinen ganzen biografischen Entwurf in eine Krise. Er muss körperliche Einbußen hinnehmen. Und – was man ja bei chronischen Krankheiten immer erlebt – er spürt hautnah die Vergänglichkeit und Endlichkeit seines Lebens.&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;&#039;Zwischen 60 und 70&#039;&#039;&#039; hingegen zeigen sich gehäuft Degenerationserscheinungen an den Sinnesorganen und dem Zentralnervensystem.     Gott sei Dank sind die Gehirn- und Sinnesleistungen die letzten Funktionen, die schrittweise nachlassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die menschliche Entwicklung vollzieht sich nicht linear, sondern spiegelbildlich an der biologischen Lebensmitte (ca. 35 Jahre). Rudolf Steiner sagt: Die Involutionsphasen spiegeln die Inkarnations- oder Evolutionsphasen.[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraus lässt sich ersehen, dass die Art und Weise, wie die Entwicklung durch Kindheit und Jugend sich vollzogen hat, bestimmend ist für den Schweregrad der Ausprägung chronischer Erkrankungen und Verschleißerscheinungen im Alter. So gesehen ist primäre Prävention und Krankheitsvorbeugung in allererster Linie eine Erziehungsfrage. Denn je harmonischer die Reifung in Kindheit und Jugend – umso weniger Krankheitsneigungen treten in der Zeit der „Exkarnation“ auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. 1. Kapitel, „Gesundheit durch Erziehung“, Persephone, Kongressband, derzeit vergriffen&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== WIE DIE LEBENSKRÄFTE IN KINDHEIT UND ALTER ZUSAMMENHÄNGEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kommt es, dass man gerade heute so viele müde und verhärmte alte Menschen trifft, wo es doch laut der anthroposophischen Menschenkunde mit der geisti­gen Kraft aufwärts gehen sollte?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie hängt der Inkarnationsprozess in der ersten Lebenshälfte mit dem Exkarnationsprozess in der zweiten Lebenshälfte zusammen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Alterungsprozess am Beispiel einer Patientin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Diese Frage soll am Beispiel einer Patientin er­läutert werden, deren Alterungsprozess ich, nachdem sie das 75. Lebensjahr überschritten hatte, nah begleitete. Sie war ein geistig sehr aktiver Mensch gewesen. Dennoch entwickelte sie sich in den letzten Le­bensjahren zunehmend in eine gewisse geistige Starre, die es ihr erschwerte, den Kontakt mit anderen Menschen zu pflegen. Sie wurde ängstlich und argwöhnisch, und man sah, wie die Verhärtungs- und Sklerotisierungsprozesse des Alters überhandnah­men und ihr bewusstes Gedankenleben stark beeinflussten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie hatte bereits als junges Mädchen die Anthroposophie kennengelernt und seither unablässig an ihrer inneren Entwicklung gearbeitet, und sie war auch sehr erfolgreich und tüchtig in ihrem Beruf. Nach dem frühen Tod ihres Mannes war sie ganz auf sich selbst angewiesen. In ihrer frühen Kindheit hatte sie sehr unter einem extrem strengen Vater zu leiden gehabt und musste als Älteste von mehreren Geschwistern viel zu Hause helfen, oft bis in die Nacht hinein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie ist für mich ein typisches Beispiel dafür, wie gerade in der frühen Kindheit, in der sich das Nervensystem aufbaut, Schäden veranlagt werden können, die sich in starken Abbauerscheinungen im späteren Alter widerspiegeln. Den schwächenden Einflüssen ihrer schweren Kindheit und Jugend und den dadurch schon im frühen Alter zu erwartenden Erkrankungen hatte sie durch ihr sehr aktives Innenleben entgegenzuwirken vermocht, sodass die Verhärtungsprozesse erst viel später in Erscheinung traten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Aufgaben einer zu­kunftsorientierten Erziehung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aus dem Wissen um den Zusammenhang zwischen der Art, wie ein Mensch in seinem Körper inkarniert und zwischen der Art, wie er sich wieder davon löst, möchte ich konkrete Hinweise geben, wie wir bereits in der Pädagogik einen positiven Einfluss auf den Alterungsprozess nehmen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Bewusste Pflege der Lebenskräfte der Kinder ====&lt;br /&gt;
Eine der wichtigsten Aufgaben einer zu­kunftsorientierten Erziehung, die nicht nur den Augenblick, sondern die ganze Biographie im Auge hat, besteht darin, die Lebenskräfte der Kinder bewusst so zu pflegen, dass solchen Alterungsvorgängen vor­gebeugt wird. Durch Selbsterziehung und die intensive Pflege des eigenen Seelenlebens kann der Erwachsene selbst Gesundheit bis ins hohe Alter veranlagen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Grund dafür, dass so viele Menschen im Alter bedauerliche Zustände erleben, liegt zum einen in den unzureichenden Entwicklungs- und Erziehungsbedin­gungen unserer Zeit und zum anderen in der mangelhaften selbstbestimmten Aktivierung der seelischen und geistigen schöpferischen Kräfte, die in einer durch den Materialismus geprägten Kultur zu wenig Pflege er­fahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst wenn in der Kindheit die Wachstumskräfte durch zu frühes intellektuelles Trai­ning in Denkkräfte umgewandelt wurden, gibt es Möglichkeiten, den zu erwartenden Schäden im späteren Leben vorzubeugen. Korrekturmöglichkeiten liegen immer in demjenigen, was für ein bestimmtes Lebensalter an der Reihe ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Versäumtes nachholen über altersgemäße Aktivitäten ====&lt;br /&gt;
Dazu ein Beispiel: Hat ein achtjähriges Kind den größten Teil seiner Kindheit vor dem Fernsehap­parat verbracht und ist deshalb motorisch ungeschickt, neigt zudem zu stereotypen Bewegungen, wiederholt ständig bestimmte Formulierungen, ist unfähig zu konzentrierter Gedankentätigkeit, so macht es keinen Sinn, mit einem solchen Kind die versäumte motorische, sprachliche und kognitive Kleinkind-Entwicklung nur nachholen zu wollen. Das ist gar nicht möglich! Man muss sich vielmehr fragen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was braucht ein gesunder Achtjähriger?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Altersgemäße Aktivitäten wären:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Spaziergänge in der Natur &lt;br /&gt;
* Bewegungsspiele im Freien &lt;br /&gt;
* Lösen einfacher Rätsel &lt;br /&gt;
* gemeinsames Auswendiglernen von Gedichten &lt;br /&gt;
* Zeichnen von einfachen Formen mit der Hand, mit dem Fuß, mit immer wieder neuen Farben &lt;br /&gt;
* Malen von Bildern zu vorgelesenen Geschichten &lt;br /&gt;
* einfache musikalische Übungen an einem Instrument und in Form von Singen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über all das wird das Kind in seiner altersent­sprechenden Lerndisposition gefordert – aber nicht nur das: Über diese gemeinsamen Aktivitäten entsteht eine Beziehung zwischen Lehrer und Kind, die es dann auch erlaubt, dass manches aus der Kleinkindentwicklung in veränderter Form auf einer anderen Ebene nachgeholt werden kann. In einem solchen Fall sollte man sich zusätzlich mit erfah­renen Heilpädagogen, Ergo- und Physiotherapeuten unterhalten bzw. mit einem Kinderpsychiater austauschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Nachholmöglichkeiten im Erwachsenenalter&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Jeder Mensch kann natürlich auch noch im Erwachsenenalter an sich ar­beiten. Denn &#039;&#039;jedes&#039;&#039; Alter hat seine altersspezifische Lerndisposition, die es uns ermöglicht, bis zu einem gewissen Grad Versäumtes nach­zuholen und damit vom Seelisch-Geistigen aus im Sinne einer „geistigen Ernährung“ heilsam auf den Leib zurückzuwirken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Künstlerisches Üben ====&lt;br /&gt;
Hat man beispielsweise eine Erziehung genossen, die ganz im Zeichen der Frühintellektualisierung stand, so ist es eine große Hilfe, wenn man sich im späteren Leben künstlerisch betätigt. Optimal wäre es, regelmäßig an eurythmischen Laienkursen teilzu­nehmen, denn keine Kunst appelliert so zentral an die Aufbaukräfte des Organismus und führt zu einer Stärkung der gesamten Vitalität wie die Eurythmie. Die eurythmischen Bewegungen entsprechen den Ent­wicklungsbewegungen des menschlichen Körpers, die schon vom Embryo als Wachstumsbewegungen durchgeführt werden. Das zeigen Ultraschall-Filmaufnahmen, die während der Schwangerschaft gemacht worden sind. Die Em­bryonen und Feten vollführen die Grundbewegun­gen, die wir aus der Sprach- und Toneurythmie kennen. Doch hilft natürlich jede künstlerische Tä­tigkeit, die schöpferischen Kräfte – speziell des Gefühls und Willenslebens – zu aktivieren, da Kunst nicht auf Verstandesleistungen beruht, sondern durch regel­mäßiges Üben und Wiederholen (Willensanstrengungen) und durch ästhetisches Beurteilungsvermögen zustande kommt. Genau hinzuspüren, ob etwas schon gelungen ist oder nicht, regt wiederum das Gefühlsleben an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kontrolle der Kritikbereitschaft ====&lt;br /&gt;
Auch ist es eine gute Übung für früh intellektualisierte Menschen, sich in Be­zug auf ihre Kritikbereitschaft zu kontrollieren. Denn meist neigen sie dazu, unablässig Situationen, Men­schen und Vorgänge um sich herum zu beurteilen. Wer dies bei sich entdeckt und darauf zu verzichten beginnt, wird bemerken, dass seine Vi­talität zunimmt. Zudem werden die Aufbaukräfte des Organismus dadurch unter­stützt. Denn alles kritische Beurteilen birgt eine destruk­tive Tendenz, egal, ob das Urteil positiv oder negativ ausfällt. Be­urteilungen dienen dazu etwas &#039;&#039;fest zu stellen&#039;&#039; und beruhen somit auf einem unproduktiven Gedankenleben: &#039;&#039;„Wie konnte der nur, er müsste doch eigentlich wissen...“,&#039;&#039; oder &#039;&#039;„Das finde ich ausgezeichnet, das hätte ich auch so gemacht, wenn ich in seiner Situation gewesen wäre – allerdings hätte er...“&#039;&#039; usw. Solche Feststellungen werden um ihrer selbst willen gemacht und ziehen keine Taten nach sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz anders die Urteile, die durch sorgfältiges Abwägen zu Entscheidungen und damit auch zu Willenshandlungen führen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rahmen der Selbsterziehung gibt es eine Fülle von Möglichkei­ten, in der Kindheit veranlagte Erziehungsschäden im späteren Le­ben auszugleichen und damit zur Harmonisierung der kör­perlichen und geistigen Kräfte beizutragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Kapitel „Zusammenhänge der menschlichen Denktätigkeit“, Elternsprechstunde, Verlag Urachhaus, Stuttgart&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wege und Ziele des geistigen Menschen&#039;&#039;, GA 125.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ALTERUNGSPROZESS IN BEZUG ZUR ENTWICKLUNG IN KINDHEIT UND JUGEND ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche großen Entwicklungsabschnitte gibt es im menschlichen Leben?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie hängen Evolution und Involution miteinander zusammen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Auswirkungen hat die Entwicklung in der Jugend auf den Alterungsprozess?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Einander spiegelnde Evolutions- und Involutionsphasen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Altwerden ist keine Krankheit, genauso wenig wie Schwanger-Sein. In beiden Fällen kann es jedoch sein, dass Komplikationen und Schwierigkeiten auftreten, die dann behandelt wer­den müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner sagt: Die Involutionsphasen im Alter spiegeln die Evolutionsphasen von Kindheit und Jugend:[1] Was zuletzt herangereift ist, bildet sich zuerst zurück, der Abbau der Organsysteme vollzieht sich spiegelbildlich zu ihrer Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Evolution im 3. Jahrsiebt und Involution zwischen 40 und 50 Jahren ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Evolution im Zuge der Inkarnation  &#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Zwischen &#039;&#039;&#039;vierzehn und einundzwanzig&#039;&#039;&#039; Jahren reift das &#039;&#039;Stoffwechsel-Gliedmaßensystem&#039;&#039; aus. Skelett und Stoffwechsel brauchen also am längsten, bis sie vollkommen ausgereift sind und eine Stabilisierung des Hormonhaushaltes erreicht wird. Das dauert manchmal bis zum 23. Lebensjahr. Vom spirituellen Gesichtspunkt her würden wir sagen: Es dauert 21 bis 23 Jahre, bis der Mensch „vollständig inkarniert“ ist und sein Ich den Leib vollkommen ergriffen hat. Im 3. Jahrsiebt erwacht dank der aus der Ich-Organisation freiwerdenden Kräfte auch das eigenständige Denken am Umkreis. Jetzt geht es darum, dass der Jugendliche lernt, Idealismus zu entwickeln und zu lernen, sich geistig eigenständig ganz neu zu orien­tieren, sich aufzurichten, beweglich zu werden, das Instrument des Leibes von innen bewusst zu ergreifen. Wem das nicht gelingt, der ist prädisponiert für Erkrankungen, die die Erdenschwere und -belastung spürbar machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Involution im Zuge der Exkarnation&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Das zuletzt herangereifte Stoffwechsel-Gliedmaßensystem sowie das hormonelle System bilden sich &#039;&#039;&#039;zwischen 40 und 50&#039;&#039;&#039; als Erste wieder zurück: Das Klimakterium setzt ein und führt zur Menopause, die eine totale hormonelle Umschaltung bei der Frau bedeutet. Beginnend beim Knochenbau und Hormonhaushalt devitalisiert sich der Organismus, d.h. die Regenerationskraft lässt nach. Wer dafür disponiert ist, hat Probleme mit dem Rücken, der Schulter, dem Nacken, bekommt Diabetes Typ II, Gallen- und Nieren­pro­bleme, metabolische Syndrome und rheumatische Erkrankungen. Das heißt, es kommt zu chronischen Erkrankungen des Stoffwechsel-Gliedmaßensystems. Das ganze System tritt in die Involutionsphase ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frauen sind von den damit einhergehenden Prozessen stärker betroffen als Männer. Körperlich gesehen findet jedoch bei beiden Geschlechtern ein altersbedingter Devitalisie­rungs­prozess statt. Stärker betroffen sind auch Menschen mit einer bestimmten Krank­heits­disposition, aber auch diejenigen, die sich nicht optimal inkarnieren konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gedanklich erwacht jedoch in der Regel ein neuer Idealismus, Lebensformen und Werte werden hinterfragt, man möchte sich beruflich verändern oder auf andere Weise „neu beginnen“, will endlich wirklich das eigene Leben leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Evolution im 2. Jahrsiebt und     Involution zwischen 50 und 60 Jahren ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Evolution im Zuge der Inkarnation  &#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Nach dem ersten Jahrsiebt bis zur Pubertät&#039;&#039;&#039; reifen die &#039;&#039;rhythmischen Funktionssysteme&#039;&#039;, insbesondere von Atmung und Kreislauf. Bei einem Zwölfjährigen haben wir noch ein Kinder-EKG, einen schnelleren Herzrhythmus und eine schnellere Atmung, als es der Erwachsene hat. Erst mit fünf­zehn Jahren reift das Kreislaufsystem zur Erwachsen­enkompetenz heran und die Atmungs­organe bilden einen ruhigeren, langsamen Erwachsenenrhythmus aus. Dann ist auch die Frequenz­abstimmung zwischen Atem- und Herzrhythmus abgeschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wichtigste Stimulation bzw. Unterstützung der Reifung besteht darin, das Gefühls­leben zu kultivieren. Denn nichts regt Atem und Herzschlag besser an als das Pendeln zwischen den Polen tiefer Gefühle. Die Pflege tiefer Gefühle ist demnach &#039;&#039;die&#039;&#039; Prävention gegen vaskuläre Demenz, vor allem wenn eine familiäre Disposition vorliegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Involution im Zuge der Exkarnation&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zwischen 50 und 60&#039;&#039;&#039; stehen laut Statistik kardiovaskuläre Erkrankungen und die Chro­ni­fizierung von Lungenerkrankungen im Vordergrund, das heißt, die Abbauerscheinungen greifen auf &#039;&#039;das rhythmische System&#039;&#039;, auf Herz und Lunge, über: Es kommt zu Bluthochdruck, Rhythmusstörungen, zu koronaren Herzkrankheiten, bei einer entsprechenden Dispo­si­tion tritt der erste Infarkt auf. Viele haben in ihrem Bekanntenkreis jemanden in diesem Alter, der an COPT, Angina Pectoris oder Herzrhythmusstörungen leidet. In jedem Fall lässt die Atemkapazität spürbar nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All diese Erkrankungen haben in diesem Alter statistisch gesehen eine erste große Inzidenzphase und sind Ausdruck von Exkarnationsproblemen. Der Mensch kommt im Hin­blick auf seine Vitalität, seine Seelenverfassung und seinen ganzen biografischen Ent­wurf in eine Krise. Er muss körperliche Einbußen hinnehmen. Und – was man ja bei chro­nischen Krankheiten immer erlebt – er spürt hautnah die Vergänglichkeit und End­lich­keit seines Lebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gedanklich hingegen stellt sich ein objektiveres, reifes Urteilsvermögen ein, die Fähigkeit, Gegensätze vermitteln und bewusst abwägen zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Evolution im 1. Jahrsiebt und Involution zwischen 60 und 70 Jahren ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Evolution im Zuge der Inkarnation  &#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Die Grundreifung der &#039;&#039;Sinnesfunktionen und etwa 90% der Kapazitäten des Zentral­nervensystems&#039;&#039; erreichen schon &#039;&#039;&#039;in den ersten neun Lebensjahren&#039;&#039;&#039; die volle Funktions­tüchtigkeit: Das Ohr ist mit etwa vier Jahren voll funktionstüchtig. Das Auge braucht acht Jahre, bis es in allen Feinheiten ausgereift ist: in Bezug auf die Perspektive, das Farbensehen, auf feinsten Abstufungen der Wahrnehmung und die Verknüpfung mit den anderen Sinnen. Das ist ein langer Reifungsprozess. Wir unterstützen diesen Prozess interessanterweise nicht dadurch, dass wir dem Zwei­jährigen Kopfrechnen beizubringen versuchen, sondern durch intensive Sinnespflege und Tatsachenlogik – durch sinnvolle Tätigkeiten, sinnvolle Zusammenhänge, sinnvolles Sprechen, gedankenvolle Unter­haltung. Aber auch künstlerische Tätigkeiten und Ein­drücke sind äußerst förderlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn die Stimulation durch Sinnvolles und Künstlerisches in einer Biographie fehlt oder das Denken ganz materialistisch einseitig erzogen wird und die Sinneserfahrungen kor­rumpiert und verfälscht werden von Fernsehen und Computer, sind die Betroffenen prädisponiert dafür, im Alter verstärkt Probleme mit ihrem Nervensinnessystem zu bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Involution im Zuge der Exkarnation&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Gott sei Dank lassen die Gehirn- und Sinnesleistungen &#039;&#039;&#039;zwischen 60 und 70 Jahren&#039;&#039;&#039; erst ganz zuletzt schrittweise nach: Jetzt treten gehäuft Degenerationserscheinungen am &#039;&#039;Nervensinnessystem&#039;&#039;, an den Sinnesorganen und dem Zentralnervensystem auf. Unser Gedächtnis und unsere Seh- und Hörkraft lassen nach, das heißt, dass die Regenerationsfähigkeit des Sinnes-und Nervensystems rapide &#039;&#039;a&#039;&#039;bnimmt. Wir werden langsamer, brauchen Unterstützung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Umso erstaunlicher ist es, dass mit dieser Lebensphase normalerweise keine geistige Leistungsminderung parallel geht. Auch wenn zusammen mit den Sinnesorganen das Gehirn ebenfalls nachweislich altert und messbar an Substanz verliert, kann dieser Vorgang dennoch mit geistiger Frische, neuen Perspektiven und Sichtweisen einhergehen. Nicht nur, dass die Plastizität und Kompensationsfähigkeit des Nervensystems bis ins hohe Alter erhalten bleiben - es werden auch weitere Bildekräfte frei, die aus den Abbauvorgängen dieser Organsysteme stammen. Dadurch treten neue Vorstellungsmöglichkeiten auf und eine größere Fähigkeit zu gedanklicher Überschau, selbst wenn einen das Kurzzeitgedächtnis manchmal etwas im Stich lässt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur im Falle einer Demenzerkrankung, die aber grade kein gesundes Altern darstellt, sondern eine Erkrankung des Nervensystems, ist dies natürlich anders. Dennoch muss man auch in diesem Krankheitsfall davon ausgehen, dass die körperunabhängigen Gedanken-, Gefühls- und Willenskräfte der so Erkrankten durchaus da sind. Nur ist die gesunde Gehirnfunktion nicht mehr vorhanden als Grundlage für ein selbstbewusst geführtes und geordnetes Vorstellen von Gedanken, Gefühlen und Willensimpulsen. Umso wichtiger ist es, neue Kommunikationsformen zu entwickeln, indem man mit diesem real vorhandenen Geistigen rechnet und der Betroffene dies spüren kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Die Involutionsphase von 70 Jahren aufwärts ====&lt;br /&gt;
Das Bibelwort „&#039;&#039;Unser Leben währet 70 Jahre“&#039;&#039; entspricht der Rhythmik zwischen Inkarnation und Exkarnation. Dann folgt eine Gnadenzeit, die sich durch eine gewisse Stabilität auszeichnet. Menschen, die bis zum Alter von 70 Jahren keine Anzeichen aufweisen für eines der genannten chronischen Probleme, werden zwar schwächer, bleiben dabei aber oft geistig frisch, sie bauen nicht wirklich ab vor dem Tod. Das erlebte ich oft in der Praxis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Bedingungen für Gesundheit bis ins hohe Alter&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wir sehen also: Wenn sich in Kindheit und Jugend die „Inkarnation“ des Menschen so vollzieht, dass Körper, Seele und Geist altersgerecht gefordert werden, so ist dies die beste Vorbedingung dafür, dass auch die „Exkarnation“ harmonisch und ohne größere gesundheitliche Einbrüche vonstattengeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine gesundheitsfördernde Erziehung, wie sie u.a. das Konzept der Waldorfpädagogik vorsieht, wirkt als primäre Krankheitsprävention für die zweite Lebenshälfte. Die Art und Weise, wie Entwicklung in Kindheit und Jugend sich vollzogen hat, bestimmt über den Schweregrad und die Ausprägung chronischer Erkrankungen und Verschleißerschei­nungen im Alter: Je harmonischer ein Mensch in Kindheit und Jugend im Zuge der Inkarnation heranreifen kann, umso weniger Krankheitsneigungen zeigt er im Zuge der Exkarnation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch auch Erziehung und Selbsterziehung, lebenslange Freude am Lernen sowie an der Entwicklung neuer Fähigkeiten bedingen Gesundheit bis ins hohe Alter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diesem Gebiet müsste noch viel geforscht werden. Wir benötigen sehr gut abgestimmte Therapiekonzepte, die regenerierende und die Inkarnation fördernde Möglichkeiten in konkrete Behandlungsansätze umwandeln, je nachdem, welche Symptomatik vorherrscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vgl. &#039;&#039;Vortrag „Schicksalswürde und spirituelles Begreifen der Demenz“, gehalten am Internationalen Pflegekongress in Dornach am 9. Mai 2008&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wege und Ziele des geistigen Menschen. Lebensfragen im Lichte der Geisteswissenschaft&#039;&#039;.GA 125, Dornach 1992, S. 55.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== VOM PUNKTBEWUSSTSEIN ZU PERIPHERER KOMPETENZ ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wann ist ein Mensch ganz Mensch?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Kompetenzen machen den Menschen aus und wann erwirbt er sie?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Macht der Verlust kognitiver Kompetenzen das Leben nicht mehr lebenswert? &#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Das Erklimmen des physiologischen Leistungsplateaus&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Am Lebensanfang, wenn Kinder klein und unerfahren sind und alle möglichen Dumm­heiten machen, fällt es uns nicht schwer, sie als werdende Wesen zu begreifen. Selbst wenn sie noch überhaupt keinen Durchblick haben und sich den vernünftigsten Dingen widersetzen, würde niemand von „Demenz junior“ oder „präcox“ sprechen. Wir Erwach­senen vertrauen darauf, dass sich alles finden wird, wir haben Geduld…&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ein Kind elf oder zwölf ist, denkt man, man wäre aus dem Gröbsten draußen, doch jetzt fangen die Probleme erst richtig an. Und spätestens ab dem vierzehnten Lebensjahr wird das Erwach­senwerden zu einer riesigen Herausforderung. Und wenn man meint, die Schulzeit geschafft zu haben, beginnt es mit der Wahl von Beruf und Studium wieder schwieriger zu werden. Klappt dieses oder jenes nicht, sind immer neue Herausforderungen zu meistern. Heute leben Kinder mit 28 oder 29 Jahren oft noch zu Hause, stehen noch nicht gänzlich auf eigenen Beinen. Dennoch erwarten wir, dass der junge Erwachsene jetzt selbständig wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erfahrung zeigt, dass sich in der Lebensmitte, zwischen 30 und 40, zunehmend ein Gleich­gewicht zwischen unseren seelisch-geistigen Kräften, unserer Bewusst­seins­kompetenz und unserer physischen Kraft einstellt, auch „physiologisches Leistungs­plateau“ genannt. Da sind wir körperlich und seelisch im besten Zustand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Mit 40 erst gescheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dennoch haben wir hier in Schwaben ein schönes Sprichwort: &#039;&#039;„Die Schwaben werden mit 40 erst gescheit.“&#039;&#039; Wenn die Kurve sich langsam dem Ende zuneigt, tut sich erst das auf, was man „Sozialkompetenz“ nennt, was man in Schwaben unter „Gescheitheit“ versteht: dass man das Leben nicht nur auf sich bezogen begreift, sondern dass man sich auch vom Umkreis her begreift – als jemanden, der agiert, zugleich aber auch als jemanden, mit dem andere zurechtkommen müssen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Man begreift sich einerseits als &#039;&#039;&#039;individuelles Wesen&#039;&#039;&#039;, das die Welt vom eigenen Standpunkt aus betrachtet&lt;br /&gt;
* Gleichzeitig erlebt man sich aber auch als &#039;&#039;&#039;soziales Wesen&#039;&#039;&#039; mit einem Umkreis, das von diesem wahrgenommen und „ertragen“ wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese beiden Sichtweisen decken sich, wenn es gut geht, erst etwa mit 40 Jahren. Erst dann erwacht auch der Sinn für das eigene soziale Wesen und die damit verbundene Ver­antwortung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Von der Selbstbezogenheit zur Umkreisbezogenheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Diese Entwicklung hängt mit dem Aufbau unserer Konstitution zusammen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Der Kind-Mensch ist ein auf sich als Zentrum hin orientierter Mensch, der seinen Standpunkt, seinen     Blickwinkel, seine akustischen Eindrücke als zentral erlebt. Er hat ein &#039;&#039;&#039;extremes Punktbewusstsein&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
* Der Erwachsene, der für andere tätig ist, der für andere etwas tut, auf den etwas zukommt, auf den andere Menschen     reagieren müssen, braucht eine große „peri­phere Kompetenz“, ist als     tätiger „Gliedmaßen-Mensch“ gefragt. Er hat ein &#039;&#039;&#039;ausge­prägtes Umkreisbewusstsein&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu ein Beispiel: Die älteste Frau, die ich zurzeit kenne, ist 106 Jahre alt. Sie ist völlig fit und sagte mir, sie hätte noch eine Aufgabe: Sie würde die jungen Pflegenden auf der Pflegestation motivieren und ihnen den Sinn des Lebens nahebringen, weil sie heute ja solche Probleme hätten. Das gibt es auch: 106 Jahre und kein bisschen dement. Natür­lich braucht sie Gehhilfen, bewegt sich ganz vorsichtig und muss viel liegen. Man merkt, Seele und Geist können sich kaum mehr in diesem Körper halten, sind aber noch voll präsent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Rückzug des zentral orientierten Menschen in der Demenz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Tritt zu einem bestimmten Zeitpunkt Altersdemenz auf, ist es gleichgültig, ob es sich um eine vaskuläre, eine neurogene oder eine primär metabolisch veranlagte Demenz handelt – das macht nur medizinisch einen großen Unterschied. Von der Symptomatik her wird ein totaler Rückzug des zentral orientierten Menschen erlebbar. Der peripher orientierte Mensch ist dafür umso wacher, umso sensibler, umso empfänglicher. Es ist keineswegs gerechtfertigt zu sagen, dass unser Leben, wenn das Punktbewusstsein nachlässt und der Ego-trip nicht mehr dominiert, nur ein „Leben zweiter Klasse“ ist oder sogar, dass es gar nicht mehr „lebenswert“ ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die anthroposophische Menschenkunde kann im Hinblick auf diese Zusammenhänge wertvolle Orientierung geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vgl. &#039;&#039;Vortrag „Schicksalswürde und spirituelles Begreifen der Demenz“, Filderstadt, 19.2.2010&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ENTWICKLUNGSPHASEN UND PÄDAGOGIK ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie lässt sich die Notwendigkeit altersgerechter Pädagogik erklären?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Zu welchen Entwicklungsphasen gehören welche pädagogischen Angebote?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Vorschulzeit und erste Schuljahre bis ca. 9. Lebensjahr&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Differenziertes Ausreifen des Nervensystems und der sensomotorischen Koordination (d.h. die Verknüpfung von Sinnesfunktionen mit der muskulären Tätigkeit) brauchen vielseitiges Üben und Betätigen. Koordinierte körperliche Bewegung und Freude am Entdecken der Sinneswelt – mit Hilfe aller Sinne – ist die natürliche Begabung der Kinder dieses Alters. Sie wissen instinktiv, dass ihnen das gut tut. So gilt es, Bewegungs- und Spielräume zu schaffen, in denen sie sich geschickt und altersentsprechend bewegen und betätigen können. Diesem Prinzip folgt der Waldorflehrplan von der Kinderkrippe an bis zum 9. Lebensjahr konsequent. In jedem Unterricht ist das Bewegungselement in irgendeiner Weise mit integriert, nicht nur in den so genannten Bewegungsfächern, deren Lehrplan insbesondere sensomotorisch wertvoll veranlagt ist. Denn alle Bewegungen – einschließlich dem kindgerechten Spiel- und Turnunterricht – werden in diesem Alter noch eng verknüpft mit Sinneserlebnissen praktiziert und oft begleitet durch musikalisch-rhythmische Übungen in Form von Sing-, Sprach- und Bewegungsspielen. Durch die musikalisch-rhythmischen Tätigkeiten wird auch die zur Sozialisation notwendige Fähigkeit des Zuhörens mit veranlagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch sind es ausschließlich entwicklungsphysiologische und psychologische Gründe, die ein striktes PC- und Multimediaverbot für Kindergärten und Grundschulen zum Ideal der Waldorferziehung machen. Was jetzt weltweit propagiert wird und einen hohen wirtschaftlichen Gewinn verspricht, „one Laptop per child&amp;quot; (der Mini-Bildschirm mit Flash-Speicher, WLAN und dem Betriebssystem Linux), um insbesondere Kindern der 3. Welt Anschluss an das digitale Zeitalter zu geben, ist eine gute Idee zum falschen Zeitpunkt. Und zwar nicht nur, weil die so genannten Entwicklungsländer sauberes Wasser, medizinische Grundversorgung und „richtige Schulen&amp;quot; brauchen, sondern weil jede Stunde vor dem Bildschirm das Aufsteigen eigener, nicht manipulierter innerer Bilder behindert und die Kinder am In-Bewegung-Sein hindert. Die Gehirnaktivität wird dadurch eingeschränkt, die sensomotorische Integration gestört – ganz unabhängig von dem Inhalt der Informationen und dem Problem, diese nicht eigenständig verarbeiten zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Zu empfehlen sind: ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Anregung von Initiative durch eigenes Tun und „Vorbild-Sein&amp;quot;&lt;br /&gt;
* Spielmaterial, das die Eigenaktivität fördert: einfache Gegenstände und Materialien, die der Phantasie Raum lassen und zu vielen Gestaltungsmöglichkeiten anregen&lt;br /&gt;
* Aktivierung und Pflege der Sinne durch entsprechend ausgestattete Spielräume&lt;br /&gt;
* Veranlagen guter Gewohnheiten durch regelmäßiges Tun, kleine Rituale am Morgen, beim Essen, am Abend vor dem Schlafengehen&lt;br /&gt;
* Rhythmische Gestaltung des Tages-, Wochen-, Monats- und Jahreslaufes&lt;br /&gt;
* Momente ungeteilter Aufmerksamkeit für das Kind: z.B. beim Aufstehen und Zubettgehen und dann hin und wieder während des Tages, in denen eine Begegnung, ein Sich-Wahrnehmen stattfinden kann.&lt;br /&gt;
* Ein „nonverbaler&amp;quot; Erziehungsstil: Nicht das Wort, sondern die Handlung, das Vorbild zeigt, worum es geht. Nur so erlebt sich das Kind frei gelassen. Denn es ahmt aus eigenem &#039;&#039;Antrieb&#039;&#039; nach.&lt;br /&gt;
* Möglichkeiten, der Natur zu begegnen&lt;br /&gt;
* Vermeiden von Multimedia-Angeboten und technischem Spielzeug&lt;br /&gt;
* Auch wenn der Tag sonst mit vielen Pflichten angespannt verläuft – das Kind im Bewusstsein haben, es „in Gedanken tragen, mitnehmen&amp;quot;. Diese innere Tätigkeit hilft, dass der äußere Kontakt beim Wiedersehen schnell wieder da ist. Wichtig ist, die Nähe und Zugewandheit in der Beziehung zu pflegen und diese nicht abhängig zu machen von Wohlverhalten und schulischer Leistung.&lt;br /&gt;
* Freude und Dankbarkeit zeigen&lt;br /&gt;
* Klare Grenzen setzen und „leben&amp;quot;. Das gibt Sicherheit und Orientierung.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;...bis zum 14./15. Jahr&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Jetzt wird vor allem wichtig, was Ausbildung und Entwicklung der rhythmischen Funktionen fördert: Das sind Empfindungen und Gefühle. Nie atmen wir tiefer durch, als wenn wir uns wohl fühlen, nie schlägt das Herz gesünder, als wenn sich die Kinder freuen oder mit Eifer tätig sind. Zwischen dem 9. und 15. Lebensjahr zielt die gesamte Pädagogik und Didaktik darauf hin, das prozessual-künstlerische, aber auch ästhetische Element in allen Unterrichtsfächern zu berücksichtigen. Was beim Geräteturnen im Sport exakter und vollendeter Bewegungsablauf ist, den es einzuüben gilt, das sind im Geschichtsunterricht Gespräche und Unterrichtsfragen, in denen Ereignisse von mehreren Seiten so betrachtet werden, dass sich für den Schüler ein sinn­volles Ganzes ergibt, eine Art ästhetischer Zustand, „durch den er mit sich und der Welt übereinzustimmen lernt.&amp;quot; Im naturwissenschaftlichen Unterricht sind es insbesondere die Experimente: Der Schüler beobachtet exakt und dokumentiert die sich darin zeigenden Gesetzmäßigkeiten übersichtlich und „schön&amp;quot;. Er lernt ihren Wirkradius verstehen und sie handhaben. Auch mathe­matische Gesetze haben ihre Schönheit, weil sie „stimmen&amp;quot; und konstituierend sind, nicht nur in Technik und Wissenschaft, sondern auch im Leben. So werden die Schüler vertraut gemacht mit den Eigentümlichkeiten und „Stimmigkeiten&amp;quot; der Welt und der menschlichen Kultur. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in diesen Lebensjahren empfiehlt sich noch Zurückhaltung in Bezug auf das digitale Zeitalter. Nur das sollte an Maschinen delegiert werden, was man im Prinzip auch selbst beherrscht und durchschaut. Selber Kopfrechnen, Theaterspielen, Musizieren, Tanzen, Erlebnisfahrten und Entdeckungen machen, lernen, wie man „live&amp;quot; Beziehungen pflegt – das sollte jetzt im Vordergrund stehen. Was zu Hause oft schon viel zu früh als Konzessionen an die Multimedia-Industrie zugelassen wird, sollte in der Schule umso mehr dazu motivieren, Leben &#039;&#039;und&#039;&#039; Realität an die Stelle von Technik und Virtualität zu setzen. Manchmal hilft auch der einfache Gedanke, Eltern und Schüler für diesen „Verzicht auf Zeit&amp;quot; zu mobilisieren, dass die Erfinder der Computer in ihrer eigenen Kindheit ohne diese Spielmöglichkeiten aufgewachsen sind. Um Neues zu finden, braucht man Kreativität und nicht Konditionierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Zu empfehlen sind: ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gesprächskultur – das Kind, den Jugendlichen teilnehmen lassen an interessanten Gesprächen Erwachsener. Mit inneren Fragen leben: Wann war unser letztes Gespräch? Wann hatte ich Zeit, Interesse? Habe ich das Anerkennenswerte bemerkt, lobe ich genug oder bringe ich eher zum Ausdruck, was mich stört?&lt;br /&gt;
* Moderne Führungsstrukturen sprechen gern von „Fehlerkultur&amp;quot;. Wer aus seinen Fehlern lernt, entwickelt sich nachhaltig – entsprechend auch ein Team zusammenarbeitender Menschen. Wie gehe ich mit Fehlern und Fehlverhalten in der Schule um? Wie helfe ich aus Fehlern zu lernen und diese nicht (nur) schlimm zu finden?&lt;br /&gt;
* Klare Führung in Grundsatzfragen im Tagesablauf unter Einbeziehung der Wünsche der Kinder. Verabredungen treffen und klar vereinbaren, wie sie überwacht werden.&lt;br /&gt;
* Künstlerische Betätigung, insbesondere Erlernen eines Musikinstrumentes&lt;br /&gt;
* Kontrollierter Multimediagebrauch und wo immer möglich das Aufarbeiten des Gesehenen und Erlebten im Gespräch. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;... bis zum 21./22. Jahr&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Vom 13., 14., 15. Lebensjahr an bis zum 19., 20., 21. Lebensjahr erhebt sich die Frage, auf welche Weise mit pädagogischen Mitteln unterstützt werden kann, was jetzt physiologisch an Entwicklungsprozessen im Vordergrund steht: die Ausreifung des Skelettsystems bis zur Erwachsenengröße und die hormonelle Umstellung und Ausreifung des intermediären Stoffwechsels nach der Pubertät. Zunächst könnte man meinen, Stoffwechsel und Skelett brauchen primär körperliche Betätigung – das ist natürlich richtig, jedoch nicht genug. Vielmehr gibt es eine andere Fähigkeit, die kontinuierlich, sozusagen von innen her, den Menschen erwärmt, anregt, aber vor allem auch aufrichtet und erfüllt: Es sind die zielorientierten Ideen, Interessen, Gesichtspunkte und Motivationen, die befeuern, die begeistern. Man sieht es den Jugendlichen unmittelbar am Gang und Bewegungsspiel an, an der Körperhaltung und Mimik, ob sie Gedanken hegen, durch die sie sich innerlich angeregt, motiviert, „aufgerichtet&amp;quot; fühlen oder ob sie Gedankenöde erleben und infolgedessen Lustlosigkeit und Desinteresse. Die Sprachweisheit bringt dies klar zum Ausdruck, wenn das Wort „Aufrichtigkeit&amp;quot; gerade diese doppelte Bedeutung hat: einmal „ehrlich, aufrichtig, wahrheitsorientiert&amp;quot; und zum anderen „körperlich aufgerichtet, gerade&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Oberstufe kommt den Erziehungsmaximen von Nachahmung und Vorbild, von Stimmigkeit und Schönheit untergeordnete Bedeutung zu. Jetzt geht es um Gewissensbildung, Wahrhaftigkeit und Freiheit. Wie muss ich unterrichten, damit der Jugendliche selber zu den Einsichten kommt, die in diesem Unterrichtsfach Sinn machen? Wie schafft man es, dass der Jugendliche nicht nacherzählt, was man selber vorgedacht hat, sondern dass man ihm Gesichtspunkte gibt, Bedingungen schildert, anhand derer er selbst die Lösung einer bestimmten Frage herausfinden kann?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Zu empfehlen sind: ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Fragekultur entwickeln, zum „selber Denken&amp;quot; anregen&lt;br /&gt;
* Freund und Begleiter sein, Interesse haben für das, was den Jugendlichen interessiert&lt;br /&gt;
* Wachsendes Freiheitsbewusstsein und Selbstständigkeit respektieren, eigene Erwartungen zurückstellen&lt;br /&gt;
* „Familienrat&amp;quot; halten. Verabredungen gemeinsam treffen, deren Erfolg/Misserfolg analysieren und das weitere Vorgehen beraten&lt;br /&gt;
* Sich über das „ganz andere&amp;quot; freuen lernen, verstehen wollen, was den Jugendlichen bewegt&lt;br /&gt;
* Vertrauen riskieren und signalisieren: Ich stehe zu dir, egal was kommt – und bin gespannt, wie dein Leben sich entwickeln wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Jegliche Erziehung ist Selbsterziehung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Unterricht als Selbstfindungsprozess zu begreifen, Erziehung in allen Phasen als Selbsterziehung – darauf kommt es an, erst selber nachahmen, dann selber die Stimmigkeit erleben, wenn verschiedene Zusammenhänge und Verständnismöglichkeiten erläutert werden, und schließlich selber verstehen, herausfinden, was gefragt ist – das ist der Grundnerv einer entwicklungsphysiologisch basierten Erziehung. Denn so wie das Kind es selber ist, welches sich entwickelt, so sollte es auch stets das Erleben haben, dies oder das habe ich selbst beobachtet, selbst gesehen, selbst gelernt. „Selbermachen&amp;quot; macht schon dem kleinen Kind weit mehr Freude, als alles Mögliche abgenommen zu bekommen, von demjenigen der es „besser&amp;quot; kann. Entwicklungsphysiologische Erziehung regt die Eigentätigkeit an, begreift den Erziehungsauftrag so, wie ihn Rudolf Steiner in seinem &#039;&#039;Baseler Lehrerkurs&#039;&#039; charakterisiert:[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jede Erziehung ist Selbsterziehung, und wir sind eigentlich als Lehrer und Erzieher nur die Umgebung des sich selbst erziehenden Kindes. Wir müssen die günstigste Umgebung abgeben, damit an uns das Kind sich so erzieht, wie es sich durch sein inneres Schicksal erziehen muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer so zu sich kommt, ist dann auch im späteren Leben innerlich aktiv genug, um sich nicht zu langweilen. Er kann Technik sinnvoll nutzen, ohne dadurch bequem und unproduktiv-unzufrieden zu werden. Er ist weitgehend geschützt vor dem Abhängig-Werden von Drogen u.a. Er hat die Chance, selbstbestimmt zu leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. 1. Kapitel, „Gesundheit durch Erziehung“, Persephone, Kongressband, Verlag am Goetheanum, Dornach 2006, derzeit vergriffen&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1]  Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Erneuerung der pädagogisch-didaktischen Kunst durch Geisteswissenschaft.&#039;&#039; GA 301. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== MEHRERE GEBURTEN IM LAUFE DES LEBENS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was meint Rudolf Steiner mit den Geburten im Laufe des Lebens?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern sind diese Geburten als Metamorphosen von leibgebundenen Wesensglieder-tätigkeiten aufzufassen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Pädagogischen Konsequenzen sollte das Wissen um diese Entwicklungsgesetze haben?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Geburten als Metamorphosen verstanden&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner hat bereits 1907 an verschiedenen Orten Vorträge über die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkt der Geisteswissenschaft gehalten und diese aufgrund von vielen Nachfragen zu einer schriftlichen Abhandlung umgewandelt und publiziert.[1] Dort beschreibt er die kindliche Entwicklung in ihrem zeitlichen Verlauf, was er später dann auch mit Bezug auf die gesamte Biografie vielfach fortgesetzt hat. So führt er 1908 in Holland aus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„[…] vom theosophischen Standpunkt sprechen wir nicht nur von einer Geburt, sondern von mehreren Geburten, und diese Sprache von mehreren Geburten macht uns den Lebenslauf des Menschen voll verständlich.“[2]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Geburten sind die Metamorphosen der leibgebunden Wesensgliedertätigkeiten in die Seelenkräfte des Denkens, Fühlens und Wollens gemeint. Für die seelisch freie Tätigkeit wird ‚geboren‘, was vorher unbemerkt im Körper tätig war. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Um das 7. Jahr: Geburt der Formkraft der Gedanken (ÄL) ====&lt;br /&gt;
Über die um das siebte Jahr herum freiwerdende Formkraft der Gedanken schreibt er:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„[...] denn bis zum Zahnwechseljahr werden alle Formen, worin sich der physische Leib gestalten muss, ausgebildet. Und was bis zu dieser Zeit am Leibe nicht in Form veranlagt ist, an groben und feinen Formen, das ist für das ganze menschliche Leben verloren. Größer wird der Mensch, er wächst, aber die Formen, welche größer werden, sind im Feinsten bis da veranlagt. Daher muss man gerade in dieser Zeit, wo man nicht auf den Ätherleib einzuwirken hat, alles tun, um die Formen so gut wie möglich zu machen.“[3]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die das Kind umgebende schützende Ätherhülle aus der entsprechenden Erdgegend, wo die Verkörperung stattfindet, wird nach dem Zahnwechsel &#039;&#039;‚weggeschoben‘.[4]&#039;&#039; Damit hat sich die ätherische Organisation ätherisch emanzipiert, so wie es die physische Organisation des Kindes nach Durchtrennung der Nabelschnur vom mütterlichen Organismus getan hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Konsequenzen für die Vorschulpädagogik&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Darauf gründet sich die anthroposophische Vorschulpädagogik. Sie vermeidet – unter dem oben geschilderten Gesichtspunkt der Geburt der ätherischen Kompetenz – eine zu frühe intellektuelle Bildung, für die das Vorschulkind noch nicht reif ist. Der pädagogische Schwerpunkt liegt auf der Förderung der sensomotorischen Intelligenz, die in der Nachahmungsfähigkeit zum Ausdruck kommt und durch Eigentätigkeit an der Durchformung des Körpers arbeitet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher ist eine Umgebungsgestaltung mit guten Vorbildern für die Eigentätigkeit die beste Förderung von Gehirnreifung und Intelligenz. Wichtige Instrumente dafür sind neben sinnvollen Handlungsweisen im häuslichen Alltagsgeschehen insbesondere auch künstlerisch-kreative Tätigkeiten, das Pflegen guter Gewohnheiten, einschließlich kleiner Rituale wie Singen und/oder Beten vor den Mahlzeiten, ein Tagesrückblick am Abend in liebevoller Atmosphäre.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Um das 15. Jahr: Geburt der Differenzierungskraft der Gefühle (AL) ====&lt;br /&gt;
Zwischen dem Zahnwechsel und der Geschlechtsreife ist gemäß der anthroposophischen Entwicklungsperspektive die astralische Organisation noch von einer schützenden Hülle umgeben, die um das 15. Lebensjahr definitiv abgestreift wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese schützende astralische Hülle wird durch die menschlichen Beziehungen im sozialen Zusammenhang und Schicksalsumkreis gebildet, in den sich das Kind herein verkörpert hat und von denen sich der Jugendliche im Zuge der Pubertätsentwicklung emanzipiert. Die seelische Reifung in diesem Alter und ihr Einfluss auf die physisch-ätherische Konstitution verläuft dann am gesündesten, wenn das Kind bzw. der Jugendliche sich an Erwachsenen orientieren kann, die es liebt und im guten Sinne des Wortes als Autoritäten schätzt. Ohne eine solche Liebe zur Persönlichkeit nahestehender Menschen, kann sich nach Rudolf Steiners Auffassung auch die eigene Liebesfähigkeit und Empathie für die Mitwelt nicht gesund entfalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Konsequenzen für die Pädagogik im 2. Jahrsiebt&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Daher ist es in der anthroposophischen Pädagogik entscheidend, dass die Kinder und Jugendlichen ihre Lehrerinnen und Lehrer gernhaben, anstatt Angst vor ihnen zu haben oder sie abzulehnen. Wenn die Lehrer den Unterricht für dieses 2. Jahrsiebt künstlerisch-charakterisierend und lebendig-spannend gestalten, wird dadurch das in Entwicklung begriffene Gefühlsleben unmittelbar angesprochen und seine Differenzierung gefördert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Um das 20. Jahr: Geburt der Differenzierungskraft der Gefühle (AL) ====&lt;br /&gt;
Etwa um das 20. Lebensjahr &#039;&#039;„wird das eigentliche Ich im Menschen, das bis jetzt in seiner Hülle war, erst vollständig geboren. Und damit tritt der Mensch im freien Verkehr in die Welt, damit ist er zu einem Wesen geworden, das sich in absolut freien Verkehr mit der Außenwelt stellt.“&#039;&#039;&#039;[6]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist der Astralleib mit dem 2. Jahrsiebt leibfrei und damit geboren geworden, so ist die Zeit reif für die Ausbildung des selbstständigen Urteils, dessen Untergrund ein differenziertes Gefühlsleben ist. Das kann einem insbesondere am jugendlichen Idealismus klar werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Der Mensch ist in dieser Zeit noch nicht geeignet, die äußere Welt in einer objektiven Weise zu betrachten. Aber dasjenige, das auf die Welt zutritt, ist von schöner, idealer Art. [Auch diese Art will heraus, und hier handelt es sich darum, wie diese Art, insofern sie als Idealismus herauskommt, als Hoffnung dem Leben entgegentreten wird.] Diese Hoffnung und dieser Idealismus zeigen sich in ihrer wahren Gestalt zwischen 14, 15 und 21 bis 22 Jahren. In dieser Zeit zeigt sich alles, was herauswill, auch wenn es in Widerspruch ist mit der Realität. Es sind alles Erinnerungen von früherem Leben, mit den neuen, frischen Kräften des Astralleibs.“[7]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Konsequenzen für die Pädagogik im 3. Jahrsiebt&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Hier findet Rudolf Steiner eindringliche Worte, die zeigen, wie wenig die Schulen diesen pädagogischen Forderungen gerecht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wehe, wehe den Menschen, denen man die Hoffnungsideale, denen man die Erwartungsideale in dieser Zeit trübe macht […]; Es kommt nicht darauf an, ob die Ideale zu erreichen sind, sondern es handelt sich um die Kräfte, die darin liegen. Diese sind die günstigen Lebenskräfte, die, falls sie gut erzogen werden, unseren Astralleib für das Leben sicher und fest machen. […] es gibt nichts Schlimmeres, als wenn man für diese Zeit nicht sorgt, dass der Idealismus sich entwickeln kann, wenn man diesem Idealismus entgegentritt mit einem Philistertum, das versuchen will, den Idealismus zu brechen.“[8]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Weitere Entwicklungsschritte durch Rückzug der Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Weiter schildert Rudolf Steiner die sich daran anschließende Möglichkeit der Selbsterziehung, die sich durch alle Hüllen hindurch bis zum 35. Jahr in Form von seelischer und körperlicher Selbstbeherrschung niederschlägt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Jahrsiebt beginnt sich die &#039;&#039;&#039;astralische Organisation&#039;&#039;&#039; aus der physisch-ätherischen Organisation zu lösen, wodurch diese in sich steifer wird. Auf der anderen Seite wird das ‚seelisch freie‘ Leben und Erleben reicher und intensiver. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab dem 42. Jahr beginnen sich die &#039;&#039;&#039;ätherischen Kräfte&#039;&#039;&#039; aus der physischen Organisation zurückzuziehen (Klimakterium), wodurch das Gedanken- und Erinnerungsleben eine Verstärkung erfährt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Danach bildet sich die &#039;&#039;&#039;physische Organisation&#039;&#039;&#039; weiter zurück und der definitive Alterungsprozess setzt ein – aber die Fähigkeit geistiger Überschau wächst dadurch. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese knappe Übersicht mag andeuten, wie nach anthroposophischer Anschauung in jedem Lebensalter die Wesensglieder unterschiedlich mit Bezug auf die körperliche und seelisch-geistige Konstitution tätig sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[9]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Lucifer-Gnosis. Grundlegende Aufsätze zur Anthroposophie und Berichte aus den Zeitschriften „Luzifer“ und „Lucifer-Gnosis“,&#039;&#039; GA 34.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Das Prinzip der spirituellen Ökonomie im Zusammenhang mit Wiederverkörperungsfragen. Ein Aspekt der geistigen Führung der Menschheit,&#039;&#039; GA 111, 143.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Ebenda, S. 143 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. Glöckler (2023a und 2016b).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Ebenda, S. 152.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Das Prinzip der spirituellen Ökonomie im Zusammenhang mit Wiederverkörperungsfragen. Ein Aspekt der geistigen Führung der Menschheit,&#039;&#039; GA 111, 151f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== MEHRERE GEBURTEN IM LAUFE DES LEBENS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was meint Rudolf Steiner mit den Geburten im Laufe des Lebens?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern sind diese Geburten als Metamorphosen von leibgebundenen Wesensgliedertätigkeiten aufzufassen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Pädagogischen Konsequenzen sollte das Wissen um diese Entwicklungsgesetze haben?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Geburten als Metamorphosen verstanden&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner hat bereits 1907 an verschiedenen Orten Vorträge über die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkt der Geisteswissenschaft gehalten und diese aufgrund von vielen Nachfragen zu einer schriftlichen Abhandlung umgewandelt und publiziert.[1] Dort beschreibt er die kindliche Entwicklung in ihrem zeitlichen Verlauf, was er später dann auch mit Bezug auf die gesamte Biografie vielfach fortgesetzt hat. So führt er 1908 in Holland aus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„[…] vom theosophischen Standpunkt sprechen wir nicht nur von einer Geburt, sondern von mehreren Geburten, und diese Sprache von mehreren Geburten macht uns den Lebenslauf des Menschen voll verständlich.“[2]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Geburten sind die Metamorphosen der leibgebunden Wesensgliedertätigkeiten in die Seelenkräfte des Denkens, Fühlens und Wollens gemeint. Für die seelisch freie Tätigkeit wird ‚geboren‘, was vorher unbemerkt im Körper tätig war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Um das 7. Jahr: Geburt der Formkraft der Gedanken (ÄL) ====&lt;br /&gt;
Über die um das siebte Jahr herum freiwerdende Formkraft der Gedanken schreibt er:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„[...] denn bis zum Zahnwechseljahr werden alle Formen, worin sich der physische Leib gestalten muss, ausgebildet. Und was bis zu dieser Zeit am Leibe nicht in Form veranlagt ist, an groben und feinen Formen, das ist für das ganze menschliche Leben verloren. Größer wird der Mensch, er wächst, aber die Formen, welche größer werden, sind im Feinsten bis da veranlagt. Daher muss man gerade in dieser Zeit, wo man nicht auf den Ätherleib einzuwirken hat, alles tun, um die Formen so gut wie möglich zu machen.“[3]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die das Kind umgebende schützende Ätherhülle aus der entsprechenden Erdgegend, wo die Verkörperung stattfindet, wird nach dem Zahnwechsel ‚weggeschoben‘.[4] Damit hat sich die ätherische Organisation ätherisch emanzipiert, so wie es die physische Organisation des Kindes nach Durchtrennung der Nabelschnur vom mütterlichen Organismus getan hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Konsequenzen für die Vorschulpädagogik&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Darauf gründet sich die anthroposophische Vorschulpädagogik. Diese vermeidet – unter dem oben geschilderten Gesichtspunkt der Geburt der ätherischen Kompetenz – eine zu frühe intellektuelle Bildung, für die das Vorschulkind noch nicht reif ist. Der pädagogische Schwerpunkt liegt auf der Förderung der sensomotorischen Intelligenz, die in der Nachahmungsfähigkeit zum Ausdruck kommt und durch Eigentätigkeit an der Durchformung des Körpers arbeitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher ist eine Umgebungsgestaltung mit guten Vorbildern für die Eigentätigkeit die beste Förderung von Gehirnreifung und Intelligenz. Wichtige Instrumente dafür sind neben sinnvollen Handlungsweisen im häuslichen Alltagsgeschehen insbesondere auch künstlerisch-kreative Tätigkeiten, das Pflegen guter Gewohnheiten, einschließlich kleiner Rituale wie Singen und/oder Beten vor den Mahlzeiten, ein Tagesrückblick am Abend in liebevoller Atmosphäre.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Um das 15. Jahr: Geburt der Differenzierungskraft der Gefühle (AL) ====&lt;br /&gt;
Zwischen dem Zahnwechsel und der Geschlechtsreife ist gemäß der anthroposophischen Entwicklungsperspektive die astralische Organisation noch von einer schützenden Hülle umgeben, die um das 15. Lebensjahr definitiv abgestreift wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese schützende astralische Hülle wird durch die menschlichen Beziehungen im sozialen Zusammenhang und Schicksalsumkreis gebildet, in den sich das Kind herein verkörpert hat und von denen sich der Jugendliche im Zuge der Pubertätsentwicklung emanzipiert. Die seelische Reifung in diesem Alter und ihr Einfluss auf die physisch-ätherische Konstitution verläuft dann am gesündesten, wenn das Kind bzw. der Jugendliche sich an Erwachsenen orientieren kann, die es liebt und im guten Sinne des Wortes als Autoritäten schätzt. Ohne eine solche Liebe zur Persönlichkeit nahestehender Menschen, kann sich nach Rudolf Steiners Auffassung auch die eigene Liebefähigkeit und Empathie für die Mitwelt nicht gesund entfalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Konsequenzen für die Pädagogik im 2. Jahrsiebt&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Daher ist es in der anthroposophischen Pädagogik entscheidend, dass die Kinder und Jugendlichen ihre Lehrerinnen und Lehrer gernhaben, anstatt Angst vor ihnen zu haben oder sie abzulehnen. Wenn die Lehrer den Unterricht für dieses 2. Jahrsiebt künstlerisch-charakterisierend und lebendig-spannend gestalten, wird dadurch das in Entwicklung begriffene Gefühlsleben unmittelbar angesprochen und seine Differenzierung gefördert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Um das 20. Jahr: Geburt der Differenzierungskraft der Gefühle (AL) ====&lt;br /&gt;
Etwa um das 20. Lebensjahr &#039;&#039;„wird das eigentliche Ich im Menschen, das bis jetzt in seiner Hülle war, erst vollständig geboren. Und damit tritt der Mensch im freien Verkehr in die Welt, damit ist er zu einem Wesen geworden, das sich in absolut freien Verkehr mit der Außenwelt stellt.“&#039;&#039;&#039;[6]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist der Astralleib mit dem 2. Jahrsiebt leibfrei und damit geboren geworden, so ist die Zeit reif für die Ausbildung des selbstständigen Urteils, dessen Untergrund ein differenziertes Gefühlsleben ist. Das kann einem insbesondere am jugendlichen Idealismus klar werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Der Mensch ist in dieser Zeit noch nicht geeignet, die äußere Welt in einer objektiven Weise zu betrachten. Aber dasjenige, das auf die Welt zutritt, ist von schöner, idealer Art. [Auch diese Art will heraus, und hier handelt es sich darum, wie diese Art, insofern sie als Idealismus herauskommt, als Hoffnung dem Leben entgegentreten wird.] Diese Hoffnung und dieser Idealismus zeigen sich in ihrer wahren Gestalt zwischen 14, 15 und 21 bis 22 Jahren. In dieser Zeit zeigt sich alles, was herauswill, auch wenn es in Widerspruch ist mit der Realität. Es sind alles Erinnerungen von früherem Leben, mit den neuen, frischen Kräften des Astralleibs.“[7]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Konsequenzen für die Pädagogik im 3. Jahrsiebt&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Hier findet Rudolf Steiner eindringliche Worte, die zeigen, wie wenig die Schulen diesen pädagogischen Forderungen gerecht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wehe, wehe den Menschen, denen man die Hoffnungsideale, denen man die Erwartungsideale in dieser Zeit trübe macht […]; Es kommt nicht darauf an, ob die Ideale zu erreichen sind, sondern es handelt sich um die Kräfte, die darin liegen. Diese sind die günstigen Lebenskräfte, die, falls sie gut erzogen werden, unseren Astralleib für das Leben sicher und fest machen. […] es gibt nichts Schlimmeres, als wenn man für diese Zeit nicht sorgt, dass der Idealismus sich entwickeln kann, wenn man diesem Idealismus entgegentritt mit einem Philistertum, das versuchen will, den Idealismus zu brechen.“[8]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Weitere Entwicklungsschritte durch Rückzug der Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Weiter schildert Steiner die sich daran anschließende Möglichkeit der Selbsterziehung, die sich durch alle Hüllen hindurch bis zum 35. Jahr in Form von seelischer und körperlicher Selbstbeherrschung niederschlägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Jahrsiebt beginnt sich die &#039;&#039;&#039;astralische Organisation&#039;&#039;&#039; aus der physisch-ätherischen Organisation zu lösen, wodurch diese in sich steifer wird. Auf der anderen Seite wird das ‚seelisch freie‘ Leben und Erleben reicher und intensiver.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab dem 42. Jahr beginnen sich die &#039;&#039;&#039;ätherischen Kräfte&#039;&#039;&#039; aus der physischen Organisation zurückzuziehen (Klimakterium), wodurch das Gedanken- und Erinnerungsleben eine Verstärkung erfährt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Danach bildet sich die &#039;&#039;&#039;physische Organisation&#039;&#039;&#039; weiter zurück und der definitive Alterungsprozess setzt ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese knappe Übersicht mag andeuten, wie nach anthroposophischer Anschauung in jedem Lebensalter die Wesensglieder unterschiedlich mit Bezug auf die körperliche und seelisch-geistige Konstitution tätig sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[9]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Lucifer-Gnosis. Grundlegende Aufsätze zur Anthroposophie und Berichte aus den Zeitschriften „Luzifer“ und „Lucifer-Gnosis“,&#039;&#039; GA 34.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Das Prinzip der spirituellen Ökonomie im Zusammenhang mit Wiederverkörperungsfragen. Ein Aspekt der geistigen Führung der Menschheit,&#039;&#039; GA 111, 143.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Ebenda, S. 143 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. Glöckler (2023a und 2016b).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Ebenda, S. 152.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Das Prinzip der spirituellen Ökonomie im Zusammenhang mit Wiederverkörperungsfragen. Ein Aspekt der geistigen Führung der Menschheit,&#039;&#039; GA 111, 151f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ENTWICKLUNG UND LERNEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern hängen die Entwicklungsphase und die Lernfähigkeit eines Kindes zusammen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Lerngebiete und -inhalte eignen sich für welche Entwicklungsräume?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Bedeutung von altersentsprechendem Lernen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Es ist von größter Bedeutung, dass sich die Pädagogik an den altersentsprechenden Ent­wicklungsschritten orientiert und die Lerninhalte darauf abstimmt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Jahrsiebt – Die Welt ist gut ====&lt;br /&gt;
Entsprechend wird man in der Kindergartenzeit das Denken nicht mit Urteilen und Argumenten belasten, sondern vielmehr die Kinder nachahmend im gemeinsamen Alltag mitleben lassen und ihnen die Möglichkeit geben, körperliche Geschick­lichkeit zu erwerben und ihre Sinne gut auszubilden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das nötige &#039;&#039;&#039;Entwicklungsvertrauen&#039;&#039;&#039; rufen in dieser Zeit die Worte &#039;&#039;„die Welt ist gut“&#039;&#039; hervor. Sie sind deshalb das Entwicklungsmotiv der Waldorfpädagogik für das erste Jahrsiebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Jahrsiebt – Die Welt ist schön ====&lt;br /&gt;
In der Grundschulzeit hingegen wird man alles daransetzen, das ästhetische Urteilsver­mögen, insbesondere durch künstlerisch gestalteten Unterricht, zu pflegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nötige &#039;&#039;&#039;Entwicklungslust&#039;&#039;&#039; rufen in dieser Zeit die Worte &#039;&#039;„die Welt ist schön“&#039;&#039; hervor. Sie sind deshalb das Entwicklungsmotiv der Waldorfpädagogik für das zweite Jahrsiebt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Jahrsiebt – Die Welt ist wahr ====&lt;br /&gt;
Erst nach der Pubertät im Oberstufenunterricht wird das eigenständige kritische Denken gefördert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das nötige &#039;&#039;&#039;Entwicklungsideal&#039;&#039;&#039; rufen in dieser Zeit die Worte &#039;&#039;„die Welt ist wahr“&#039;&#039; hervor. Sie sind deshalb das Entwicklungsmotiv der Waldorfpädagogik für das dritte Jahrsiebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn sich körperliche und gedankliche Entwicklung altersgerecht und sinnvoll aufeinander abgestimmt vollziehen kann, ist die wichtigste Grundlage gelegt für die Gesundheit der zweiten Le­benshälfte. Wenn dies jedoch nicht möglich war, so können Krankheitsdispositionen für die zweite Lebenshälfte veranlagt werden. Die Veranlagung zu Stoffwechselstörungen und rheumatischen Krank­heiten, zu Erkrankungen der Atemwege und des Herz-Kreislaufsy­stems sowie zum Altersschwachsinn wird gefördert oder gemildert, je nachdem, wie der Wachstumsprozess begleitet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Identität von Wachstums- und Gedankenkräften&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wer über längere Zeit mit dem Konzept der Identität von Wachstums- und Gedankenkräften arbeitet, für den werden eine Fülle von Tatsachen verständlich, die für das menschliche Leben Bedeutung haben. Es wird verständlich, warum beispielsweise in der Pubertät, wo noch einmal ein deutlicher Wachstumsschub er­folgt, ein sogenannter „Leistungsknick“ zu verzeichnen ist: Wenn der Körper überwiegend mit Wachstum beschäftigt ist, kann er zur selben Zeit nicht geistige Hochlei­stungen vollbringen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gilt auch für Zeiten von Krankheit, insbe­sondere, wenn sie mit Fieber verbunden ist. Hier sollte alles getan werden, um den Wachstums- und Regenerationskräften die volle Ruhe für ihre Arbeit am Leib des Kindes zu geben. Es wird auch verständlich, warum in der zweiten Lebenshälfte, wenn ein Mensch gesund alt wird, das geistige Wachstum weitergehen kann, obgleich der Körper in seine natürliche Involutionsphase, das heißt in den Altersabbau aller Organe eintritt: Die nachlassende Regenerations­kraft des Körpers führt zu einer Stärkung der Gedankenkraft, vor­ausgesetzt, dass der Mensch gelernt hat, diese aus dem Leib freiwer­denden Gedankenkräfte schöpferisch zu verwenden. Das ist allerdings eine Frage der Erziehung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Altersgerechtes Lernen und Gesundheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wer von Jugend auf gewöhnt ist, in altersge­rechter Beanspruchung seiner geistigen Möglichkeiten tätig zu sein, für den wird sich die geistige Entwicklung wie selbstverständlich fortsetzen durch das ganze Leben hindurch. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bleiben diese Wachstumskräfte jedoch im halbbewussten Bereich zwischen Leib und be­wusstem Gedankenleben gleichsam stecken, weil sie nicht in das be­wusste Gedankenleben integriert werden, so können auch sie eines Tages zu Krankheitstendenzen, insbesondere zu krankhaften Wachstumswucherungen führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Kapitel „Zusammenhänge der menschlichen Denktätigkeit“, Elternsprechstunde, Verlag Urachhaus, Stuttgart&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ENTWICKLUNGSAUFGABEN DES ERWACHSENEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Entwicklungsaufgaben hat der Mensch, wenn er erwachsen geworden ist?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Themen haben die mittleren (4. bis 7.) Jahrsiebte?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die mittleren Jahrsiebte und ihre Aufgaben&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== · 4. Jahrsiebt – Selbsterfahrung durch Welterfahrung ====&lt;br /&gt;
Nach dem eigentlichen Erwachsen-Werden &#039;&#039;&#039;mit 21 Jahren&#039;&#039;&#039; sind die jungen Menschen auf der Suche nach Welterfahrung, um sich darin selbst zu erfahren. Sie wollen nicht länger gelenkt werden, wollen selbst Lenker sein. Und das bedeutet wirkliche Arbeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== · 5. Jahrsiebt – Verantwortung im Sozialen übernehmen ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im Alter von 28 bis 35 Jahren&#039;&#039;&#039; ist der Mensch Meister des eigenen Körpers geworden. Der nächste große Schritt ist nun, Verantwortung im Sozialen zu übernehmen. Das Ich muss zuerst das Astralische durchwirken und dann das Ätherische.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== · 6. Jahrsiebt – die physische Welt meistern ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Mit 35 bis 42 Jahren&#039;&#039;&#039; hat das Ich die Aufgabe, das Physische zu meistern in der realen Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== · 7. Jahrsiebt – neues Bewusstsein durch Selbsterziehung ====&lt;br /&gt;
Wer die physischen Gesetze zunehmend versteht und meistert, wird &#039;&#039;&#039;ab 42 Jahren&#039;&#039;&#039; weise: Er weiß um die eigene physische Kraft. Die sogenannte Midlife Crisis, die in diese Zeit fällt, betrifft vor allem diejenigen, denen es nicht gelang, das Physische, dazu gehört auch der physische Körper, wirklich zu meistern. Sie suchen dann oft nach einem Neubeginn im Physischen: nach einer neuen Familie, einem neuen Haus, einem neuen Job… Das ist eine kritische Zeit, in der die Menschen auf ihre eigene Begrenztheit gestoßen werden und merken, dass die Lebenszeit nicht ewig währt, dass man wissen muss, was man will. Sich Klarheit darüber zu verschaffen, was realistisch ist, macht weise. Ein wirklich realistisches Lebensziel wäre, ein neues Bewusstsein zu erlangen durch Selbsterziehung, indem man zu meistern lernt, was man hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== ·   Letztes Lebensdrittel – der Entwicklung dienen ====&lt;br /&gt;
Wem das gelingt, der kann &#039;&#039;&#039;im letzten Lebens&#039;&#039;&#039;drittel der Entwicklung von Mensch und Welt dienen. Viele Menschen heute sind zwar aufgewachsen, aber noch längst nicht erwachsen. Wenn wir mit Kindern zu tun haben, ist es sehr gut für sie, wenn wir sie an unserem Bemühen, erwachsen zu werden, teilhaben lassen. Denn sie wollen, dass wir zu erwachsenen Menschen werden. Unser Bemühen spornt sie an, es auch zu versuchen. Dann ist es nicht weiter schlimm, dass wir noch nicht ganz erwachsen sind, unser Bemühen reicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. IPMT-Schulung in China 2011&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ANTHROPOSOPHISCHE FRÜHFÖRDERUNG ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Warum ist es so wichtig, das Kind in seinen Eigenbewegungen zu unterstützen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Eigenbewegung des Kindes maximal unterstützen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wir haben bereits darüber gesprochen, was für eine Leistung es ist, aus der liegenden Position über die drehende, rollende, aktiv sich beugende und streckende und krabbelnde Bewegung schließlich in das Sich-Aufrichten zu kommen. Das Kind selbst bearbeitet, ergreift, bewegt und richtet diesen Leib auf. Diese Tatsache müssen wir heute als Bild in uns lebendig werden lassen, denn viele Maßnahmen aus Medizin und Frühförderung greifen von außen in die Willens- und Bewegungsfreiheit des Kindes ein. Ich rede jetzt nicht von den „Gehfrei-Geräten” und Kinderwippen, mit denen man Kindern, noch bevor sie selbst die Aufrechte errungen haben, auf unangemessene, pathologische Art das Sitzen oder Laufen ermöglicht. Das Kind bekommt einen Bewegungsspielraum, den es sich nicht selbst erarbeitet hat: Die Folge ist eine Schwächung des Selbsterlebens durch die Fremdbestimmung – dass es bewegt wird, anstatt sich selbst zu bewegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophische Frühförderer bemühen sich, die krankengymnastischen Techniken und Behandlungsverfahren, die sie in ihrer Ausbildung gelernt haben, so umzuwandeln, dass die Eigenbewegung des Kindes maximal unterstützt wird. Es geht darum Verfahren anzuwenden, die die natürliche Entwicklung unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Freude und Heiterkeit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Freude und Heiterkeit aber machen die Atmosphäre aus, in der die Inkarnation eines Kindes am besten gelingt. Rudolf Steiner sagt hierzu in seiner kleinen Schrift &#039;&#039;„Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft”:&#039;&#039;[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Zu den Kräften,&#039;&#039; &#039;&#039;welche bildsam auf die physischen Organe wirken, gehört also Freude an und mit der Umgebung. Heitere Mienen der Erzieher, und vor allem redliche, keine erzwungene Liebe. Solche Liebe, welche die physische Umgebung gleichsam warm durchströmt, brütet im wahren Sinne des Wortes die Formen der physischen Organe aus. Wenn die Nachahmung gesunder Vorbilder in solcher Atmosphäre der Liebe möglich ist, dann ist das Kind in seinem richtigen Elemente. Strenge sollte darauf gesehen werden, daß in der Umgebung des Kindes nichts geschieht, was das Kind nicht nachahmen dürfte. Man sollte nichts tun, wovon man dem Kinde sagen müsste, das darfst du nicht tun ...”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Die Würde des kleinen Kindes“, 3. Vortrag, Kongressband Nr. 2, gelbes Heft&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft&#039;&#039;. Rudolf Steiner Verlag, 1984.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== NORMALITÄT UND NORM IN DER KINDLICHEN ENTWICKLUNG ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gibt es eine allgemeingültige „normale“ kindliche Entwicklung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage nach dem so genannten „Normalen” wird immer wieder aufgeworfen werden. Aus kinderärztlicher Sicht würde ich sagen: Jeder ist so normal, wie er sein kann; man muss sich an der jeweils vorhandenen „Normalität” orientieren. Jeder Mensch setzt seine eigene Norm, ist sein eigener Maßstab. Man kann den anderen, nur weil er anders ist, nicht als „nicht normal” bezeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Jeder ist eine Welt für sich&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Schon im Säuglingsalter ist keiner dem andern gleich. Der Begriff „Norm” kommt aus der naturwissenschaftlichen Medizin, denn nur auf naturwissenschaftlicher Ebene kann man vergleichen, Normen setzen und Abweichungen davon bestimmen. Es gibt Normen für Gewicht, Körper-, Kragen- und Hutgröße, auch für den Zuckergehalt des Blutes am Morgen und am Abend, für die Temperatur und so fort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überall gibt es aber eine gewisse Bandbreite, sodass wir in der Medizin nicht von „Normwerten”, sondern von „Normbereichen” sprechen. Der Hämoglobingehalt des Blutes sollte sich beispielsweise zwischen 12, 6 und 16, 5 bewegen, er variiert aber je nach Geschlecht und Alter: Wenn man erkältet ist, sind die Normwerte anders, als wenn man nicht erkältet ist; im Alter von dreißig Jahren sind sie anders als mit sechs Jahren. Jede Norm braucht immer den Bezug zur individuellen Situation. Und jeder Mensch ist eine Welt für sich und setzt seine eigene Norm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraus folgt: Wenn wir Kinder so „normal” nehmen, wie sie sind, und ihnen erlauben, sich gemäß ihrer eigenen Norm, ihrem eigenen Schicksal und ihrem eigenen Vermögen zu entwickeln, arbeiten wir richtig im Sinne der kindlichen Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Die Würde des kleinen Kindes“, 2. Vortrag, Kongressband Nr. 2, gelbes Heft&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== REALITÄT DER GEISTESWISSENSCHAFTLICHEN BLICK­RICHTUNG ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Perspektive auf das Kind eröffnet die geisteswissenschaftliche Blickrichtung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern eröffnet sie eine wirklichkeitsgetreue Sicht auf das menschliche Wesen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fehlender geistiger Gesichtspunkt&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wir können grundsätzlich davon ausgehen, dass, wenn wir über Leib und Seele von Kindern und Erwachsenen sprechen, immer etwas Entscheidendes fehlt. Es sind Bilder, die etwas verbergen, weil der geistige Gesichtspunkt nicht erscheint. Meist gehen die Theorien davon aus, dass Erlebnisse in der frühen Kindheit ganz bestimmte Auswirkungen haben, die dann das Leben bestimmen; sie rechnen immer nur mit &#039;&#039;einem&#039;&#039; Erdenleben. Und auch die meist hypnotischen Rückführungstechniken bleiben beim rein Psychologischen stehen, ohne kontrollierendes geisteswissenschaftliches Bewusstsein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterhält man sich mit Menschen, die sich solchen Rückführungen unterzogen haben, oder liest man Bücher über Rebirthing, dann merkt man bald, dass sich bestimmte Motive ständig wiederholen, vor allem ganz bestimmte Situationen, in denen der Einzelne Opfer war: Holocaust, Folterung, Vergewaltigung, Spießrutenlaufen, Verbrannt-Werden usw., also ganz bestimmte Extremsituationen des Menschseins. Im Einzelfall kann das ja auch tatsächlich zutreffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Nötige wahrheitsgemäße Anschauung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aus der Geisteswissenschaft wissen wir, dass der Mensch im nachtodlichen Leben seinen Ätherleib und seinen Astralleib ablegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was aber heißt das?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während wir die Gedanken des Selbstbewusstseins, der Selbsterfahrung, des Wesentlichen und Wesenhaften mit uns nehmen, lassen wir die Gedanken des Bösen, des Widernatürlichen und Abgründigen zurück. Denn all das ist nicht Teil unseres Wesens, auch wenn wir es erlebt und erlitten haben. Es ist nicht wahr und schön und gut. Wir lassen es in der sublunaren Sphäre, der Sphäre zwischen Erde und Mond, zurück und sie bleiben in der Ätheraura der Erde und machen deren Schmerzenscharakter aus. In dieser Sphäre sind das Dämonische und das Böse zu Hause, die bösen Gedanken und Gefühle, die Hass-Impulse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn sich nun Menschenseelen auf dem Weg zur Wiedergeburt, zur Inkarnation, der Erde nahen, nehmen sie in dieser Sphäre viele Schrecknisse und Grausamkeiten, die auf der Erde geschehen sind, wahr. Diese Eindrücke werden in den sich bildenden Ätherleib mit aufgenommen und können wie Selbsterlebtes im Bewusstsein auftauchen. Es ist jedoch nicht eigenes Karma, das man dann schaut, sondern man empfindet die Verbindung mit dem Menschheitskarma, mit der Menschheitsschuld, an deren Auflösung man in diesem Leben mitarbeiten will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusätzlich zu den psychologisch-naturwissenschaftlichen Forschungsergebnissen über das Kind braucht es ein intensives Studium der Geisteswissenschaft, um die Phänomene des Kindseins und der kindlichen Entwicklung auch geisteswissenschaftlich beleuchten zu können. Sonst kommen wir nicht zu einer menschen- und wahrheitsgemäßen, allseitigen Anschauung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Die Würde des kleinen Kindes“, 2. Vortrag, Kongressband Nr. 2, gelbes Heft&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE SIXTINISCHE MADONNA ALS LEITBILD DER KINDLICHEN ENTWICKLUNG ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gibt es Leitbilder der kindlichen Entwicklung, die uns helfen können, bestimmte Fragen für die Praxis leichter zu beantworten?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sixtinische Madonna erscheint mir ein grundlegendes Leitbild der kindlichen Entwicklung zu sein. Sie ist eine Art Ur-Madonna, wie nur Raffael sie malen konnte, von dem der deutsche Maler Dürer sagte, er habe in seinen Madonnenbildern „den Himmel auf die Erde gebracht“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass sie weißhäutig ist, bedeutet nicht, dass sie nicht ebenso Urbild für farbige oder schwarze Menschen sein kann. Ich empfehle immer, dass man in farbigen Kindergärten eine farbige Madonna und daneben diese besondere Madonna von Raffael aufhängt, damit nicht das Missverständnis aufkommt, die weiße Madonna wäre „normaler” als die schwarze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die geistige Bedeutung der Farben&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Weiß als Farbe drückt im geisteswissenschaftlichen Sinn „Gottesnähe” aus, schwarz hingegen ist Bild für das entkörperte, rein geistige Dasein in der geistigen Welt. Weiß bedeutet Gottesnähe auf Erden, Schwarz ist die esoterische Farbe des Todes, der Spiritualität. Weiß spricht vom Ideal der Reinigung der Seele auf Erden, Schwarz ist Sinnbild der Ewigkeit. Die menschlichen Hautfarben lassen sich zwischen diesen beiden Polen von inkarnierter und exkarnierter Geistigkeit einordnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Madonna Raffaels ist auch deshalb ein Archetyp im esoterischen Sinn, weil ihr Kind weder weiß noch schwarz ist, sondern in der Farbe des Inkarnats gemalt wurde, d.h. dem Weiß wurde etwas Schwarz und Rot beigemischt; in Schwarz und Rot wirkt die Spiritualität (der geistigen Welt) nach, gleichzeitig drückt sich aber im Weiß Erdzugewandtheit und Inkarnationswilligkeit aus. Das gilt auch für all die kleinen Kinderköpfchen ringsum. Dieses Madonnenbild ist esoterisch bedeutsam, weil unter spirituellen Aspekten jede Farbe und jede Form stimmt und das Kind so auf dem Arm der Mutter sitzt, dass es wie heraustritt aus dem Chor der ungeborenen, inkarnationswilligen Seelen. Das ist ein Umstand, der jedes kleine Kind als Aura umgibt: dass sich noch viele andere Kinder, viele andere Schicksale im Umkreis befinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Komposition des Inkarnationsaugenblickes ===&lt;br /&gt;
Ein Neugeborenes ist unendlich reich an Nachklängen aus der geistigen Welt, an ätherischen Bindungen, hierarchischen Gedanken, aber auch an Karma und Schicksalsbeziehungen. Das wird wunderbar durch die Engel und die männliche Gestalt ausgedrückt, die sich außer der Madonna und dem Kind noch auf dem Bild befinden. Das ist der Archetyp der esoterisch-exoterischen Komposition des Inkarnationsaugenblickes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von der Sixtinischen Madonna geht eine starke, im besten Sinne erzieherische, in die Senkrechte bringende, haltende Kraft aus. Wenn wir mit diesem Bild vor Augen an die Arbeit in unseren Betreuungseinrichtungen gehen, können wir daraus die richtige Haltung und Kraft schöpfen, um die Kinder in guter Weise auf ihrem Weg zur Erde zu führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Die Würde des kleinen Kindes“, 2. Vortrag, Kongressband Nr. 2, gelbes Heft&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DAS AUTONOMIEPRINZIP IN DER MENSCHLICHEN EVOLUTION ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen Stellenwert hat das Autonomieprinzip in der menschlichen Entwicklung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was drückt es aus in Bezug auf die Aufgabe des Menschen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Der Mensch als anpassungsfähigstes Wesen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Bernd Rosslenbroich&#039;&#039; hat in seiner meisterhaften Studie zur Entwicklung von Mensch und Tier erstmals schlüssig anhand einer naturwissenschaftlichen Methodik dargelegt, dass der Evolution das Autonomieprinzip inhärent ist.[1] Das heißt, jeder Schritt in der Höherentwicklung der Arten stellt einen Zugewinn in der Befähigung zur Autonomie dar. Das kulminiert in der menschlichen Entwicklung. Der Mensch ist demnach das körperlich anpassungsfähigste Wesen. Er ist zudem frei im Hinblick auf den Umgang mit Wärme und Kälte, mit Nahrungsmitteln und Essenszeiten, mit der Schlaf- und Arbeitsmenge, mit der Work-Life-Balance, mit der Wahl seiner Partner und Freunde, mit Berufstätigkeit, Religionszugehörigkeit, Weltanschauung, mit der Frage, wie viele Sprachen er sprechen will, welche Hobbys er sich wählt, wie er liebt: ob er heiraten will oder in wechselnden Partnerschaften leben, ob er Kinder haben will oder nicht – um nur einige zu nennen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Dilemma ist, dass der Menschen im Prinzip frei ist, doch auf Schritt und Tritt erlebt, wo er &#039;&#039;noch nicht&#039;&#039; frei ist: Oft bemerkt man erst zu spät, dass man eine falsche Entscheidung getroffen hat, man wünscht sich, was man (noch) nicht hat und steht immer wieder neu vor der Tatsache, dass man zwar in vielem bereits autonom agieren kann, jedoch viele Freiheitsgrade noch nicht erschlossen sind und in diesem Leben (vielleicht) auch nicht zu erschließen sein werden. Das führt viele zur Anerkennung der Logik von Reinkarnation und Karma, ja der Notwendigkeit wiederholter Erdenleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Beteiligung des Menschen am Schicksalsgeschehen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wenn man das Leben nicht als einmalig oder zufällig betrachtet oder aber allein von einer göttlichen Macht gesteuert, eröffnet sich noch eine andere Dimension der menschlichen Entwicklung: die Beteiligung des Menschen am Schicksalsgeschehen. Je mehr sich ein Mensch seiner Mitgestaltungsmöglichkeiten bewusst ist, umso freier und verantwortungsbewusster kann er sein Leben in die Hand nehmen. Umso mehr erlebt er auch „die Ohnmacht Gottes“, der dem Menschen die Anlage zur Freiheit gegeben hat und diese in dem Maße respektiert, indem sie sich entwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Keiner muss mehr reagieren – das alte Karma-Prinzip „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ gehört der Vergangenheit an. Es führte die Menschen in die Individualisierung und Sonderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das neue Karmaprinzip, von dem in der Bergpredigt[2] die Rede ist, offenbart noch eine weitere Seite der Freiheit: dass man eigene und fremde Schuld durch die Kraft des höheren Ich verstehen, verzeihen und erlösen kann.  Diese Ich-Kraft, die allen Menschen gemeinsam ist, entwickelt sich am besten, wenn man sie im sozialen Leben übt als die Kraft selbstloser Hingabe angesichts der Sorgen und Nöte der Welt, in der man lebt, die Kraft geistiger Liebe. Voraussetzung dafür ist die bis zu einem gewissen Grad errungene Autonomie. Denn nur wer sich innerlich frei fühlt, vermag sich z.B. von berechtigter Wut einem Feinde gegenüber, der einem geschadet hat, zu lösen, ist darüber hinaus in der Lage verstehen zu wollen, um aus diesem Verständnis heraus auch verzeihen zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Folgen von Missbrauch von Liebe und Freiheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In seinem Werk über die &#039;&#039;Akasha-Chronik&#039;&#039; führt Rudolf Steiner aus, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* dass Gott der Evolution des Menschen zum Ausgleich für den &#039;&#039;&#039;Missbrauch der Liebefähigkeit&#039;&#039;&#039; Krankheit und Tod beigegeben hat.[3]&lt;br /&gt;
* Und dass der &#039;&#039;&#039;Missbrauch der Freiheitsfähigkeit&#039;&#039;&#039; hingegen über das Gesetz von Reinkarnation und Karma ausgeglichen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die beiden Widersachermächte oder Teufel Luzifer/Diabolos und Ahriman/Satanas ermöglichen den Missbrauch der Eigenschaften, die zu entwickeln der Mensch berufen ist. Ohne diese Möglichkeit der Abirrung könnte sich der Mensch nicht aus sich heraus authentisch für das Gute, das wahrhaft Menschliche, die menschlichen Entwicklungsziele, entscheiden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese werden u.a. in den Kernidealen des Christentums ausgedrückt: Wahrheit, Liebe, Freiheit. Ringen wir um die Verwirklichung dieser Ideale, erringen wir auch die Voraussetzungen für leibliche, seelische und geistige Gesundheit. Warum? Weil auch Gesundheit physiologisch gesehen auf diesen drei Qualitäten basiert: Im gesunden Organismus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* stimmt alles miteinander überein (Wahrheit)&lt;br /&gt;
* stehen die Abläufe in ständiger Resonanz und feinabgestimmter Wechselwirkung miteinander (Liebe)&lt;br /&gt;
* werden die Grenzen und die Integrität der einzelnen Organe und Funktionen respektiert (Freiheit).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Schicksalswirkungen im Lebenslauf auf Grundlage von Rudolf Steiners Karmaforschung“ Der Merkurstab 2015, Heft 6&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Bernd Rosslenbroich, &#039;&#039;On the Origin of Autonomy, A New Look at the Major Transitions in Evolution,&#039;&#039; Heidelberg, New York, Springer 2014.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Neues Testament, &#039;&#039;Matthäus&#039;&#039; Kap. 5 - 7.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Aus der Akasha-Chronik&#039;&#039;, GA 11, Dornach, Rudolf Steiner Verlag 1986. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ENTWICKLUNGSGEDANKE UND WIEDERVERKÖRPERUNG ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Perspektiven und Entwicklungsmöglichkeiten eröffnet der Gedanke der Wiederverkörperung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Viele Leben für Entwicklung nötig&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Gedanke der Wiederverkörperung ist so alt wie die Menschheit. Wer ein medita­tives Leben beginnt, bemerkt bald, wie viel es noch zu lernen und zu erfahren gilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wer kann sagen, er sei bereits ein voll entwickelter Mensch?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wer will schon von sich behaupten, dass er sein Entwicklungsziel erreicht hat und tatsächlich „am Ende“ ist?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst große Geister wie &#039;&#039;Goethe&#039;&#039; waren davon überzeugt, dass es nötig ist wiederzu­kommen, um weiter zu lernen. &#039;&#039;Emil Bock&#039;&#039; befasste sich mit Persönlichkeiten im (mittel)­europäischen Raum, die davon überzeugt waren, dass der Mensch nicht nur einmal lebt, und das Gesetz von Reinkarnation und Karma als für alle Menschen gültig erachteten.[1] Bock war der Überzeugung, dass jeder, der sich ernsthaft mit der Tatsache auseinander­setzt, dass man sich als Mensch nicht nur körperlich entwickelt, sondern auch seelisch und geistig, auf den Gedanken der Wiederverkörperung kommt: dass der Mensch viele Leben braucht, um nur annähernd das Ausmaß an Freiheit, Würde, Selbstachtung, Respekt, Verständnis, Mitleid und Liebe für andere zu erwerben, das einen wirklich „guten Menschen“ ausmacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Schicksal als Lernfeld begreifen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Jeder Mensch hat seine besondere Art zu sein und sich zu entwickeln – weil jeder sein eigenes Schicksal hat, auch wenn viele über Zeiten hinweg zusammenleben und innig befreundet sein können. Auch eineiige Zwillinge verbringen ihre Leben oft an getrennten Orten, in verschiedenen Berufen und selbstverständlich mit ver­schie­denen Lebens­partnern etc. Jeder Mensch hat sein eigenes Schicksal mit seiner eigenen Krankheits­disposition. Sich diesbezüglich eine Art geistiger Identifikationsmöglichkeit zu erarbeiten, erscheint mir in der heutigen Zeit besonders wichtig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter dem Aspekt wiederholter Erdenleben und fort­schreitender Bewusstseins­ent­wick­lung ändert sich auch das Verhältnis, das man zum eigenen Körper hat. Man ist durch ihn nicht mehr nur Mann oder Frau, Engländer, Schwarzafrikaner, Chinese oder Deutscher. Vielmehr begreift man ihn als Instrument der Weiterentwicklung. Man erlebt die eigene Identität immer mehr im rein Menschlichen und weniger im Mann- oder Frausein bzw. in der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Hautfarbe, einem Volkstum oder einer Religion. Der Körper ist das Erdeninstrument des Schicksals. Von seinen Begabungen und Behinderungen, seinem Aussehen und Geschlecht hängt es zu einem großen Teil ab, wie sich dieses gestaltet.[2] Man erlebt, wie vieles im eigenen Schicksal gerade von der besonderen Konstitution in diesem Leben abhängig ist und dass dieses Schicksal seinen eigenen Gesetzen folgt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Vertrauen in das eigene Schicksal entwickeln&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das erfuhr ich eindrücklich während meiner Zeit auf der Intensivstation. Der Laie denkt in der Regel, dass dort „Halbgötter in Weiß“ mithilfe von Schläuchen und Nadeln Leben erhalten. Das stimmt so nicht. Es trifft nicht einmal auf die Neu- und Frühgeborenen-Station zu: Ich habe dort Kinder sterben sehen, deren Tod niemand voraus­gesehen hätte und ich habe Kinder überleben sehen, bei denen niemand es für möglich gehalten hätte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In mehreren Fällen hatte sogar das ethische Komitee bereits entschieden, alle Apparate abzustellen und diese Kinder nur noch zu pflegen und zu ernähren, weil sie mehrfach behindert waren. Sie überlebten trotzdem, unter erschwerten Bedingungen ohne zusätz­liche Beatmung, bis die Eltern angesichts des Lebenswillens ihres Kindes bewusst und entschieden „Ja“ zu ihnen sagten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch diese Erfahrungen entwickelte ich als Ärztin ein ganz tiefes Vertrauen in das Schicksal der betreffenden Menschen – und damit rühren wir jetzt an eine andere Dimension: Es gibt Menschen, die früh sterben, als Kinder oder im frühen Erwach­senen­­alter. Und es gibt Menschen – deren gibt es heute viele –, die erst hochbetagt sterben. Es ist aber auch so, dass manche Kinder durch einen Unfall, den man nicht hatte vermeiden können, durch Bedingungen, die man geschaffen hat und die zu hinterfragen müßig ist, verletzt werden und lebenslang behindert bleiben. Dazu ein besonders anrührendes Beispiel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ein Ort der Weiterbildung für besondere Menschen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der Nähe von Nagano, in den Bergen Japans, liegt &#039;&#039;Suirin&#039;&#039;,[3] ein besonderer Ort für Studium und Weiterbildung, im traditionell japanischen Stil geführt, mit exzellenter biologischer Küche, angenehmen Räumen mit Holzverkleidung, mitten in der Natur. Etwa 100 Menschen können hier untergebracht und verpflegt werden. Das ganze Jahr über finden die verschiedensten Seminare, Kurse und wissenschaftlichen Kolloquien statt. Jetzt ist noch ein weiteres Haus geplant für das Zusammenleben mit alten Menschen. Die Mehrzahl der über 30 MitarbeiterInnen besteht aus Jugendlichen, die aufgrund von Anpas­sungsstörungen, psychischen Krankheiten und Behinderungen bis­her keine Arbeits­stelle finden konnten. Hier lernen sie nicht nur ein gesundes regel­mäßiges Leben kennen, sondern werden auch ausgebildet in Haushaltswirtschaft, Pflege und verschiedenen sozialen Diensten. Nach dieser mehrjährigen Ausbildungszeit können sie in der Regel ein selbständiges Leben aufnehmen. Die Anmeldelisten über­steigen weit die Möglichkeiten der Aufnahme. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Woher kam dieser Impuls, der sich im Laufe von 30 Jahren so erfolgreich entwickelt hat?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einem Elternpaar wurde vor 30 Jahren ein schwerstbehindertes Mädchen geboren, das weder gehen noch sprechen lernen konnte. Sie waren von Anfang an darauf angewiesen, sich rein emotional-intuitiv mit ihrer Tochter zu verständigen. Sie ent­schie­den sich für ein neues Leben mit ihrer Tochter, suchten einen besonders schönen, gesunden Lebensraum und begründeten – sozusagen um die Tochter herum – die eben skizzierte soziale Einrich­tung. Ohne sie wäre das Leben der Eltern in konven­tio­neller Weise weitergegangen – nie wären sie auf den Gedanken gekommen, einen Ort von Menschlichkeit und kultureller Vielfalt zu schaffen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So kann ein Erdenleben auch einmal ganz im Zeichen der Hilfsbedürftigkeit, im Em­pfan­­­gen, verbracht werden. Dadurch bekommen andere die Möglichkeit, unermess­lich viel zu lernen, insbesondere auf sozialem Felde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vom Sinn der … Krankheiten, in: Meditation in der Anthroposophischen Medizin, 1. Kap., Berlin 2016&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----&amp;lt;sup&amp;gt;[1]&amp;lt;/sup&amp;gt; Emil Bock, &#039;&#039;Wiederholte Erdenleben. Die Wiederverkörperungsidee der deutschen Geistesgeschichte&#039;&#039;, Verlag Urachhaus, Stuttgart 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;[2]&amp;lt;/sup&amp;gt; Michaela Glöckler, &#039;&#039;Begabung und Behinderung&#039;&#039;, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;[3]&amp;lt;/sup&amp;gt; Siehe &amp;lt;nowiki&amp;gt;http://www.suirin.com/English/welcome.html&amp;lt;/nowiki&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== MENSCHLICHE DEFIZITE KOMPENSIEREN DURCH ENTWICKLUNGSWILLEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern ist es wichtig, zwischen Tier und Mensch zu unterscheiden?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worin sind sie begründet?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worin liegt der Sinn des menschlichen Andersseins?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Herausforderungen und Aufgaben sind damit verbunden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verwischte Unterschiede neu erfassen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der prinzipielle Unterschied zwischen Mensch und Tier wurde als Folge der darwinistischen Evolutionstheorie in den letzten hundert Jahren zunehmend verwischt. Daher ist es wichtig, diesen Unterschied neu zu erfassen, wenn man den Menschen als Mensch und nicht als Tier verstehen möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Tier ist es zwar möglich, sich individuell seelisch zu äußern – keine zwei Hunde gleichen sich in Bezug auf ihr Verhalten vollständig, auch wenn sie dem gleichen Wurf angehören –, aber es ist dennoch keinem einzigen Hund möglich, sich nicht wie ein regulärer Hund zu benehmen. In der tierischen Entwicklung fehlt der Faktor „individuelle Entwicklung“, der mit &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Offenheit,&lt;br /&gt;
* Risikobereitschaft,&lt;br /&gt;
* Scheitern-Können,&lt;br /&gt;
* Aufgeben-Wollen einhergeht&lt;br /&gt;
* und der in die Unberechenbarkeit der spezifisch menschlichen Existenz führt&lt;br /&gt;
* mit der ganzen typisch menschlichen Selbstfindungsproblematik&lt;br /&gt;
* mitsamt ihren Identitätskrisen&lt;br /&gt;
* und dem Erreichen des Nullpunktes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht stellen wir Menschen uns deshalb gegenwärtig so gerne auf eine Stufe mit dem Tier, weil wir es insgeheim um seine fraglose Identität und um sein immer artgemäßes Verhalten beneiden. Die weisheitsvollen Gesetzmäßigkeiten der mineralischen Welt, der ätherischen Lebenszusammenhänge und der seelischen Verinnerlichungsmöglichkeiten kommen beim Tier zwar in jedem einzelnen Individuum auch individuell zum Ausdruck, jedoch immer in einer gewissen Vollkommenheit und Selbstverständlichkeit. Kindheit, Jugend und Erwachsenwerden des Tieres werden von artgemäßen Instinkten bestimmt und können naturgegeben ausgelebt werden. Gerade das ist dem Menschen nicht möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Lange Kindheit als Zeit für Entwicklung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Zoologe &#039;&#039;Friedrich Kipp&#039;&#039; ist in seinem Buch &#039;&#039;„Die Entwicklung des Menschen im Hinblick auf seine lange Jugendzeit“&#039;&#039; dem Unterschied zwischen Tier und Mensch evolutionsbiologisch nachgegangen.[1] Er zeigt auf, dass der Mensch eine im Vergleich zu den Säugetieren charakteristisch lange Kindheit und Jugend hat, mit einer ausgedehnten Spiel- und Lernphase, wodurch seine Fähigkeit, sich lebenslang ändern und anpassen zu können, entscheidend unterstützt wird. Das zeigt: Der Mensch ist auf Selbstentwicklung hin veranlagt. Körperlich hingegen behält er im Vergleich zu den Tieren eine unspezialisierte, embryonal-kindliche Form bei. Dies hat auch entsprechende Konsequenzen für die Erziehung: Kinder, die ausgiebig spielen und kreativ sein durften, bleiben in der Regel auch bis ins hohe Alter beweglich und schöpferisch. Je früher hingegen die Kinder in Kindergarten und Schule spezialisiert, konditioniert und verschult und damit festgelegt erscheinen, desto gefährdeter sind sie, später unschöpferisch, angepasst und früher alt und eher krank zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daran kann unmittelbar abgelesen werden, dass in den Menschen eine über das Tier hinausgehende, völlig andere Gesetzmäßigkeit hereinragen muss: Eine Gesetzmäßigkeit, durch die er gezwungen ist, die Verantwortung für seine Entwicklung selbst in die Hand zu nehmen, da er sie nicht seinen körpereigenen Instinkten überlassen kann. Die menschliche Entwicklung ist gekennzeichnet von einer größtmöglichen Offenheit und Verwundbarkeit. Alles, worauf das Tier sich weitestgehend verlassen kann – dass es die richtige Wahl der Nahrungsmittel trifft, dass es nicht zu viel und nicht zu wenig isst, dass es sich artgemäß fortpflanzt, dass sein Schlaf-Wachrhythmus geregelt ist, dass sein Sozialverhalten dem entspricht, was man von ihm erwartet –, all das ist beim Menschen nicht von Natur aus gegeben, sondern muss im Laufe des gesamten Lebens nicht nur errungen, sondern auch weiter ausgebildet, kultiviert und „vermenschlicht“ werden. Wie viele Arztbesuche würden entfallen, wenn es keine Ess-, Schlaf- und (sexuelle) Beziehungsprobleme gäbe!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon eine so einfache Überlegung macht deutlich, wie revolutionär, wie dramatisch und grundsätzlich der Unterschied zwischen Mensch und Tier ist. Wenn beim Tier die Geschlechtsreife eintritt, ist sein artgemäßes Verhalten bereits gesichert, und es lebt individuell und sozial in geregelten Bahnen. Beim Menschen hingegen ist die Geschlechtsreife dadurch gekennzeichnet, dass alle noch so gutgemeinten erzieherischen Bemühungen aus den früheren Jahren fruchtlos erscheinen. Eigenes, Unerwartetes macht sich geltend – das ist ein wahrhaft revolutionärer Vorgang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entwicklungsoffenheit als Herausforderung und Chance&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Mit diesem Eigenen, Unerwarteten, mit dieser Entwicklungsoffenheit hängt aber auch all das zusammen, was besonderen Begabungen und Behinderungen zugrunde liegt. Und nur der Mensch muss lernen, mit Begabungen und Behinderungen zu leben und mit ihnen umzugehen, nicht jedoch die ihm seelisch verwandten Tiere. Man hat Skelette von wasserköpfigen Kindern gefunden, die aus der Steinzeit stammten, und hat daraus geschlossen, dass die Fürsorge für behinderte Kinder so alt ist, wie Menschen Behinderungen wahrnehmen und pflegen konnten. Ein behindertes Tier in der freien Wildbahn wird sehr bald vom ökologischen System „verarbeitet“: es stirbt, weil es sich nicht ernähren und verteidigen kann – es wird aufgefressen, ihm kann nicht geholfen werden. So wird auch dafür gesorgt, dass schwerwiegende Behinderungen unter Tieren nicht weitervererbt werden können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was könnte ein Tier auch in der Auseinandersetzung mit einer Behinderung gewinnen? &#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da ihm das Selbstbewusstsein und die damit verbundene persönliche Betroffenheit fehlen, könnte es damit gar nichts anfangen. Es würde sinnlos leiden. Dem Tier ist es nicht gegeben, durch Leid und Schmerz Erfahrungen zu machen, die es in seiner Entwicklung weiterbringen. Denn es ist von Natur aus zur Vollkommenheit veranlagt. Das kann durch persönliche Anstrengung nicht noch weiter gesteigert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Leid und Schmerz als Lernhilfen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Gerade das ist beim Menschen grundsätzlich anders: Für ihn sind Leid und Schmerz Herausforderungen, denen er sich während seiner ganzen Entwicklung bewusst stellen muss und durch die er Erfahrungen machen kann und Einsichten gewinnen lernt, die durch nichts anderes zu gewinnen sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Natur zeigt sich das Geistige – wenn es durch menschliche Eingriffe nicht gestört wird – wirksam in den weisheitsvoll aufeinander abgestimmten Regelkreisen der ökologischen Zusammenhänge. Krankheit und Behinderung treten hier nur am Rande als flüchtige Erscheinungen auf, da kranke Pflanzen bald zugrunde gehen, ebenso wie geschwächte und geschädigte Tiere. Demgegenüber besitzt der Mensch die Möglichkeit, mit Krankheiten und Behinderungen unter Umständen jahrzehntelang zu leben und umzugehen. Doch nicht nur das. Bei ihm tritt als entscheidender Faktor etwas hinzu, das bei Pflanze und Tier nicht existiert: innere Krankheitsursachen. Pflanze und Tier erkranken, wenn die äußeren Lebensumstände ihrer Art nicht mehr entsprechen und wenn in irgendeiner Form nicht zu kompensierende Mangelerlebnisse auftreten, was Nahrung und Klima betrifft. Beim Menschen treten zu diesen schädigenden Einflüssen von außen als entscheidende, spezifisch menschliche Krankheitsursachen innere Ursachen hinzu. Die Kräfte, die beim Menschen als freie, seelisch-geistige Betätigungsmöglichkeiten in Erscheinung treten, entstammen ja Kraftzusammenhängen, die den Leib aufbauen und erhalten. Beim Tier offenbaren sich die entsprechenden Kräfte als leibgebundene instinktive Weisheit und artgerechtes Sozialverhalten. Irrtum und Missbrauch dieser Kräfte sind ausgeschlossen, indem sie der unbewussten Regelung durch das Naturgesetz unterliegen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ausgleich des Instinktdefizits durch Lernwillen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das ist beim Menschen anders. Er hat ein großes Instinktdefizit, einen Mangel an naturgegebener Weisheit, wie sie den Tieren angeboren ist. Dieses Kräftepotential steht stattdessen leibfrei dem Seelen- und Geistesleben zur Verfügung, d.h. der Mensch kann und muss durch aktive Lernprozesse ersetzen, was ihm an Instinkten fehlt. Andererseits hat er dadurch die Möglichkeit, diese vom Leib emanzipierten seelischen und geistigen Entwicklungspotentiale zu missbrauchen zur Zerstörung von sich und anderen. Hiermit gemeint sind nicht nur die Schädigungsmöglichkeiten, die mit falscher Ernährung, zu wenig Schlaf, einer ungesunden Lebensweise und mangelnder Hygiene zusammenhängen, sondern vor allem diejenigen Schädigungsmöglichkeiten, die durch ein unwahres Denken, ein destruktives Gefühlsleben und durch fehlgeleitete Willenshandlungen zustande kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist ein langer Entwicklungsweg, bis man reif ist für den freien Gebrauch dieser Seelen- und Geisteskräfte. Die damit verbundenen Lernprozesse sind dadurch störanfällig, dass sich der Mensch geistig, seelisch und auch an Leben und Leib „irren kann“. Darin liegt ein tiefer Sinn. Denn wenn er den zuletzt in Form von Krankheit und Behinderung organisch gewordenen „Irrtum“ erlebt, kann er sich dadurch weiterentwickeln. Auch liegt etwas Trostreiches in dem Gedanken, dass man Fehler und Irrtümer selber als solche erleben und damit die Voraussetzungen schaffen kann, sie selbstständig zurechtzurücken und zu verwandeln. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade dabei spielt der Umgang mit Begabung und Behinderung eine wesentliche Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verantwortung übernehmen für Entwicklung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Es wäre allerdings einseitig, aus dem Vorgebrachten den Schluss zu ziehen, hier tauche, nur mit neuen Begründungen, die alte Lehre wieder auf, dass Krankheit von Sünde und Fehlverhalten komme. Viel wesentlicher ist es, aus diesen Zusammenhängen die Frage abzuleiten: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Woher kommen Begabungen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Woher kommen angeborene Fähigkeiten, Genialität? &#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Könnten sie nicht gerade das Ergebnis durchgemachter Behinderungen und Krankheiten in einem früheren Erdenleben sein?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir leben heute in einer Zeit, in der die Menschen zunehmend empfinden, dass sie selbst für ihre Gesundheit und ihre Entwicklung Verantwortung übernehmen müssen. Dafür sorgt nicht nur der sich anbahnende wirtschaftliche Zusammenbruch der Gesundheits- und Sozialsysteme, sondern auch, dass der Mensch sich immer stärker als auf sich selbst gestellt erlebt. Angesichts der vielfältigen Folgen menschlichen Handelns in der Natur, der Umwelt und im Wirtschafts- und Sozialleben erkennen wir, dass wir es letztlich selber sind, von denen wir und unsere Umwelt abhängen. Wir sind viel mehr mit den Folgen unserer Taten konfrontiert; sie werden vom Einzelnen viel stärker erlebt als dies noch vor vierzig, fünfzig Jahren der Fall war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Zukunft wird entscheidend sein, dass möglichst viele Menschen sich ihrer Verantwortung bewusstwerden und aus dieser Einsicht heraus energisch an einer Vermenschlichung der kulturellen Verhältnisse arbeiten. Auch wenn noch nie so viele Menschen auf der Erde gelebt haben wie gegenwärtig, kann man andererseits auch sagen, dass die Defizite an Menschlichkeit nie so stark in Erscheinung getreten sind wie im letzten Jahrhundert mit seinen endlosen Kriegen, Zerstörungen und epidemischen Zuständen von Unzufriedenheit, Depression und Verzweiflung. Und so ist es kein Wunder, dass sich viele Menschen aufgrund dieser Tatsachen wie an einer Schwelle erleben, an der sie wachgerüttelt werden, sich selbst zu erkennen. Viele empfinden auch eine gewisse Sehnsucht, sich ihre Mitverantwortung für das Ganze bewusst zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Begabungen und Behinderungen“, 5. Und 6. Kapitel, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2004&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. dazu Friedrich A. Kipp, &#039;&#039;Die Evolution des Menschen im Hinblick auf seine lange Jugendzeit&#039;&#039;, Stuttgart 1991. Ferner Wolfgang Schad, &#039;&#039;Säugetiere und Mensch&#039;&#039;, Stuttgart 1971.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Offenborn</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Entwicklung&amp;diff=1212</id>
		<title>Entwicklung</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Entwicklung&amp;diff=1212"/>
		<updated>2025-12-17T19:18:56Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Offenborn: Neuen Text eingefügt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= Entwicklung – von Michaela Glöckler =&lt;br /&gt;
Auszüge aus Büchern und Vorträgen von [[Michaela Glöckler]]; Erstveröffentlichung auf https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== EMBRYONALE ENTWICKLUNGSSTADIEN UND -GESTEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche signifikanten Entwicklungsstadien durchläuft der Embryo?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Entwicklungsgesten lassen sich aus den einzelnen Stadien ablesen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entwicklungsstadien des Embryos&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In den ersten Tagen nach der Zeugung muss sich der Embryo, das sich inkarnierende Kind, das nur als kleiner Zellhaufen sichtbar ist, erst einmal selbst seinen Umkreis, die Plazenta und alle anderen embryonalen Hüllen schaffen. Das ist seine Hauptarbeit. Wenn das geschafft ist, fängt der kleine Mensch an sich zu regen und zu leben. Es empfiehlt sich sehr, möglichst naturnahe Bilder der embryonalen Entwicklungsstadien im Internet oder in guten Embryologie-Büchern anzusehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Folgenden nur ein paar kurze Anmerkungen zu embryonalen Entwicklungsstadien:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* In der &#039;&#039;&#039;ersten Woche&#039;&#039;&#039; kommt es zum sogenannten &#039;&#039;Morula-Stadium&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
* In der &#039;&#039;&#039;zweiten Woche&#039;&#039;&#039; bildet sich der &#039;&#039;Embryoblast&#039;&#039; in seiner allerersten Veranlagung als zweiblättrige Keimscheibe in dieser wunderschönen Ausformung, die dann bald dreiblättrig wird. &lt;br /&gt;
* In der &#039;&#039;&#039;vierten Woche&#039;&#039;&#039; veranlagt sich bereits die &#039;&#039;Gesamtgestalt&#039;&#039; im Zentrum der embryonalen Hüllen.&lt;br /&gt;
* Aus der dreiblättrigen Keimanlage von Ektoderm, Entoderm und dem sich dazwischen bildenden Mesoderm differenzieren sich &#039;&#039;&#039;in den nächsten Wochen&#039;&#039;&#039; alle Körperorgane.&lt;br /&gt;
* In der &#039;&#039;&#039;achten Woche&#039;&#039;&#039; ist das &#039;&#039;Nervensystem&#039;&#039; bereits das differenzierteste Organsystem, über das wir als Menschen verfügen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entwicklungsgesten und Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Entwicklungsgesten hängen eng mit den Wesensgliedern, die sie vollziehen zusammen. Wir unterscheiden drei grundverschiedene Gesten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Wachstum (Proliferation) unter der Regie des ÄL ====&lt;br /&gt;
Der Ätherleib ist der große Materialbeschaffer, der Wachstumsspezialist, der Zellen bildet und unter der Regie des AL ausgestaltet.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Differenzierung unter der Regie des AL ====&lt;br /&gt;
Es ist wichtig sich ins Gedächtnis zu rufen, dass Leben eben auch die Differenzierung von ein und demselben Grundmaterial bedeutet. Das vollbringt der Astralleib (AL). Er bringt Differenzierung in alles Leben (Ätherische), sodass es sich individuell und spezifisch ausprägen kann: Gehirn und Magen leben beide, aber sie tun es auf sehr unterschiedliche Art und Weise. Der Astralleib ist seinem Wesen nach musikalisch, weil in der Musik alles vom Intervall, vom Dazwischen, von der Differenzierung in feine Nuancen lebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Integration unter der Regie der Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Die Ich-Organisation ist die integrierende Instanz, sie schafft aus allem eine Ganzheit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Embryonalentwicklung kann man am besten beobachten, wie diese unterschiedlichen Kompetenzen der Wesensglieder zum Tragen kommen, während sich die Organe bilden, differenzieren und ihren Platz im Ganzen finden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag „Der Lebenssinn In Diagnostik Und Therapie“, gehalten am 8. Januar 2016 an der Kunsttherapietagung&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== BILDEIMPULSE DER WESENSGLIEDER FÜR DIE EMBRYONALENTWICKLUNG ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Impulse geben welche Wesensglieder für die Embryonalentwicklung&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Organbildungen verdanken wir den drei Keimblättern?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern drückt sich die Ich-Organisation auf dreifache Weise im Gesamtorganismus aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Prägung der drei Keimblätter&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Absätze 5–8 von Kapitel VI aus &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; sind dem Zusammenwirken der dem Blut und den Nerven zugrunde liegenden Bildeimpulse gewidmet. Aus dem Zusammenwirken von Blut und Nerv ergeben sich – so die Autoren – alle Bildeimpulse für die Embryonalentwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die dreifach unterschiedliche Art des Zusammenwirkens entstehen drei verschiedene Gebiete, von denen die Bildeimpulse für den Gesamtorganismus ausgehen. Diese drei verschiedenen Gebiete sind die Prägeorte für die Bildung der aus der Embryologie bekannten drei Keimblätter:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Ektoderm&#039;&#039;&#039; (äußeres Keimblatt) – oberes Gebiet, &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Mesoderm&#039;&#039;&#039; (mittleres Keimblatt) – mittleres Gebiet,&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Entoderm&#039;&#039;&#039; (inneres Keimblatt) – unteres Gebiet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;@ Vom Entoderm ausgehende Organbildungen – Verdauung und Atmung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im Verdauungsgebiet arbeiten vorzugsweise die ätherisch organisierten Nerven mit der Blutsubstanz zusammen, deren Tätigkeit der Ich-Organisation unterliegt. Diese Art des Zusammenwirkens bildet während der Embryonalentwicklung den Ausgangspunkt für die Organbildungen, die vom Entoderm ausgehen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Epithel- und Drüsen des Magen-Darm-Traktes, &lt;br /&gt;
* Leber,&lt;br /&gt;
* Pankreas,&lt;br /&gt;
* Harnblase&lt;br /&gt;
* Epithel und Drüsen der Trachea, Bronchien und Lungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;@ Vom Mesoderm ausgehende Organbildungen – Organe der Beweglichkeit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Vom mittleren Keimblatt gehen die Organbildungen aus, bei denen die Nervenorgane, die von der astralischen Organisation beeinflusst sind, zusammenwirken mit Blutvorgängen, die ebenfalls von dieser astralischen Organisation und in ihrem oberen Teil von der ätherischen abhängig sind:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Skelettmuskulatur, &lt;br /&gt;
* Bindegewebe&lt;br /&gt;
* Knochen (mit Ausnahme des Schädels),&lt;br /&gt;
* sowie das Urogenitalsystem samt Niere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind die Organe, &#039;&#039;„welche die äussere und innere Beweglichkeit vermitteln“.[2]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;@ Vom Ektoderm ausgehende Organbildungen – Stützorgane&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im oberen – ektodermalen – Gebiet liegen die Ausgangspunkte für die Knochenbildung und für alles andere, &#039;&#039;„das dem menschlichen Körper als Stützorgane dient“.[3]&#039;&#039; Hier wirken die unter dem innerlich organisierenden Ich stehenden Nerven zusammen mit den Blutvorgängen, die eine starke Neigung haben, ins leblos Mineralische überzugehen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Haut, Haare, Nägel, &lt;br /&gt;
* Zahnschmelz,&lt;br /&gt;
* Innenohr,&lt;br /&gt;
* Augenlinse&lt;br /&gt;
* Hirnnerven und das Zentralnervensystem mit Epiphyse und Hypophysenhinterlappen,&lt;br /&gt;
* die Knochen des Kopfes,&lt;br /&gt;
* deren Muskeln&lt;br /&gt;
* und zugehöriges Bindegewebe.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Räumliche und funktionelle Dreigliederung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dass es sich dabei nicht nur in räumlicher Hinsicht um drei Gebiete handelt, sondern auch um eine funktionelle Dreigliederung (unter der Regie der Ich-Organisation), geht aus Abs. 6 hervor: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Der mineralische Anteil der Knochen&#039;&#039; wird dem &#039;&#039;&#039;obersten Gebiet (Ektoderm)&#039;&#039;&#039; zugehörig betrachtet,&lt;br /&gt;
* wohingegen &#039;&#039;die organischen Knochenstrukturen&#039;&#039; den Impulsen des &#039;&#039;&#039;mittleren Gebietes (Mesoderm)&#039;&#039;&#039; unterstellt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ich-Organisation prägt in der Skelettbildung ihre Signatur der Gesamtgestalt auf – das Skelett ist ihr Abbild. Träger der geistigen Ich-Tätigkeit ist hingegen das Gehirn, dem &#039;&#039;„die organisierende Kraft des Ich nur leise zugrunde liegt“&#039;&#039;&#039;[5]&#039;&#039;&#039;,&#039;&#039; weswegen sie sich überwiegend leibfrei ‚von außen‘ betätigen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Während die Ich-Organisation sich durch die Knochenbildung im &#039;&#039;&#039;Skelett&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;ein Abbild im Physischen&#039;&#039; schafft, &lt;br /&gt;
* kann sie sich dank der &#039;&#039;&#039;Gehirnphysiologie&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;rein geistig&#039;&#039; betätigen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;In der Blutsubstanz&#039;&#039; und in allem, was durch sie bewirkt wird, ist sie unmittelbar &#039;&#039;&#039;substanzbildend und regulierend&#039;&#039;&#039; tätig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war Rudolf Steiners Entdeckung, dass der embryonale Kreislauf einer der besten Beweise für die autonome Bewegung des Blutes ist,[6] was inzwischen durch die embryologische Forschung mit hochauflösender Videomikroskopie bestätigt werden konnte.[7]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[8]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27, S. 35.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Vgl. Moore (2013), 533–559.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Siehe FN 1, S. 36.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Philosophie des Thomas von Aquino,&#039;&#039; GA 74, S. 93.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Vgl. Forouhar u. a. (2006), 751–753.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== STADIEN DER MENSCHLICHEN ENTWICKLUNG IN JUGEND UND ALTER ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche großen Entwicklungsabschnitte gibt es im menschlichen Leben?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Reifezyklen in Jahrsiebten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Nach der Geburt steht zunächst die Entwicklung des Nervensystems im Vordergrund. Dann folgen die Organe der rhythmischen Funktionsordnung und schließlich die volle Ausreifung von Skelett und Stoffwechselorganen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== - Evolution im 1. Jahrsiebt ====&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;Grundreifung der Sinnesfunktionen&#039;&#039; und etwa 90% der Kapazitäten des Zentralnervensystems erreichen schon in den ersten 9 Lebensjahren die volle Funktionstüchtigkeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ohr ist mit etwa vier Jahren voll funktionstüchtig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Auge braucht acht Jahre, bis es in allen Feinheiten ausgereift ist: in Bezug auf die Perspektive, das Farbensehen, auf feinsten Abstufungen der Wahrnehmung und die Verknüpfung mit den anderen Sinnen. Das ist ein langer Reifungsprozess.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== - Evolution im 2. Jahrsiebt ====&lt;br /&gt;
Bis zur Pubertät reifen die &#039;&#039;rhythmischen Funktionssysteme&#039;&#039;, insbesondere von Herz und Kreislauf. Bei einem Zwölfjährigen haben wir noch ein Kinder-EKG, einen schnelleren Herzrhythmus und eine schnellere Atmung, als es der Erwachsene hat.  Die Ausreifung der Frequenzabstimmung zwischen Atem- und Herzrhythmus sind im Alter von 15-16 Lebensjahren abgeschlossen, dann hat sich die ruhigere, langsame Atmung des Erwachsenen entwickelt. Es dauert also länger, bis diese Organe „erwachsen“ sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== - Evolution im 3. Jahrsiebt ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Skelett und Stoffwechsel&#039;&#039; brauchen am längsten, bis sie vollkommen ausgereift sind und die Stabilisierung der Stoffwechselvorgänge und des Hormonhaushaltes erreicht wird. Vom spirituellen Gesichtspunkt her würden wir sagen: bis der Mensch „vollständig inkarniert“ ist. Das dauert im Durchschnitt zwischen achtzehn und zweiundzwanzig Jahren. Die Ausreifung des Skelettsystems zur Erwachsenenform geschieht bis zum 23. Lebensjahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== &#039;&#039;Involutionsphasen in Jahrzehnten&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
Interessant ist nun, dass sich in der zweiten Lebenshälfte diese drei Organsysteme in umgekehrter Reihenfolge wieder zurückbilden, was wir den Prozess des Alterns nennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;&#039;Zwischen 40 und 50&#039;&#039;&#039; mit dem Klimakterium tritt bei der Frau die Menopause ein. Die Involution der Stoffwechselprozesse beginnt. Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises und Stoffwechselstörungen wie Diabetes Typ 2 haben laut Statistik ihre höchste Inzidenz (Zeitpunkt des Eintretens) in diesem Alter. Gelenkverschleiß zeigt sich, Rückenprobleme werden spürbar; Gallen- und Nierensteine.&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;&#039;Zwischen 50 und 60&#039;&#039;&#039;  treten in einem großen Schub die typischen pulmonalen und cardio-vaskulären Erkrankungen auf wie Bluthochdruck, Rhythmusstörungen, bei Disposition der erste Infarkt. Später oder früher wäre es schon nicht mehr so typisch. Das betrifft auch die Chronifizierung von Lungenerkrankungen, die hier einsetzt. All diese Erkrankungen haben in diesem Alter statistisch gesehen eine erste große Inzidenzphase. Wir sprechen dabei von Exkarnationsproblemen. Der Mensch kommt im Hinblick auf seine Vitalität, seine Seelenverfassung und seinen ganzen biografischen Entwurf in eine Krise. Er muss körperliche Einbußen hinnehmen. Und – was man ja bei chronischen Krankheiten immer erlebt – er spürt hautnah die Vergänglichkeit und Endlichkeit seines Lebens.&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;&#039;Zwischen 60 und 70&#039;&#039;&#039; hingegen zeigen sich gehäuft Degenerationserscheinungen an den Sinnesorganen und dem Zentralnervensystem.     Gott sei Dank sind die Gehirn- und Sinnesleistungen die letzten Funktionen, die schrittweise nachlassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die menschliche Entwicklung vollzieht sich nicht linear, sondern spiegelbildlich an der biologischen Lebensmitte (ca. 35 Jahre). Rudolf Steiner sagt: Die Involutionsphasen spiegeln die Inkarnations- oder Evolutionsphasen.[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraus lässt sich ersehen, dass die Art und Weise, wie die Entwicklung durch Kindheit und Jugend sich vollzogen hat, bestimmend ist für den Schweregrad der Ausprägung chronischer Erkrankungen und Verschleißerscheinungen im Alter. So gesehen ist primäre Prävention und Krankheitsvorbeugung in allererster Linie eine Erziehungsfrage. Denn je harmonischer die Reifung in Kindheit und Jugend – umso weniger Krankheitsneigungen treten in der Zeit der „Exkarnation“ auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. 1. Kapitel, „Gesundheit durch Erziehung“, Persephone, Kongressband, derzeit vergriffen&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== WIE DIE LEBENSKRÄFTE IN KINDHEIT UND ALTER ZUSAMMENHÄNGEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kommt es, dass man gerade heute so viele müde und verhärmte alte Menschen trifft, wo es doch laut der anthroposophischen Menschenkunde mit der geisti­gen Kraft aufwärts gehen sollte?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie hängt der Inkarnationsprozess in der ersten Lebenshälfte mit dem Exkarnationsprozess in der zweiten Lebenshälfte zusammen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Alterungsprozess am Beispiel einer Patientin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Diese Frage soll am Beispiel einer Patientin er­läutert werden, deren Alterungsprozess ich, nachdem sie das 75. Lebensjahr überschritten hatte, nah begleitete. Sie war ein geistig sehr aktiver Mensch gewesen. Dennoch entwickelte sie sich in den letzten Le­bensjahren zunehmend in eine gewisse geistige Starre, die es ihr erschwerte, den Kontakt mit anderen Menschen zu pflegen. Sie wurde ängstlich und argwöhnisch, und man sah, wie die Verhärtungs- und Sklerotisierungsprozesse des Alters überhandnah­men und ihr bewusstes Gedankenleben stark beeinflussten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie hatte bereits als junges Mädchen die Anthroposophie kennengelernt und seither unablässig an ihrer inneren Entwicklung gearbeitet, und sie war auch sehr erfolgreich und tüchtig in ihrem Beruf. Nach dem frühen Tod ihres Mannes war sie ganz auf sich selbst angewiesen. In ihrer frühen Kindheit hatte sie sehr unter einem extrem strengen Vater zu leiden gehabt und musste als Älteste von mehreren Geschwistern viel zu Hause helfen, oft bis in die Nacht hinein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie ist für mich ein typisches Beispiel dafür, wie gerade in der frühen Kindheit, in der sich das Nervensystem aufbaut, Schäden veranlagt werden können, die sich in starken Abbauerscheinungen im späteren Alter widerspiegeln. Den schwächenden Einflüssen ihrer schweren Kindheit und Jugend und den dadurch schon im frühen Alter zu erwartenden Erkrankungen hatte sie durch ihr sehr aktives Innenleben entgegenzuwirken vermocht, sodass die Verhärtungsprozesse erst viel später in Erscheinung traten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Aufgaben einer zu­kunftsorientierten Erziehung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aus dem Wissen um den Zusammenhang zwischen der Art, wie ein Mensch in seinem Körper inkarniert und zwischen der Art, wie er sich wieder davon löst, möchte ich konkrete Hinweise geben, wie wir bereits in der Pädagogik einen positiven Einfluss auf den Alterungsprozess nehmen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Bewusste Pflege der Lebenskräfte der Kinder ====&lt;br /&gt;
Eine der wichtigsten Aufgaben einer zu­kunftsorientierten Erziehung, die nicht nur den Augenblick, sondern die ganze Biographie im Auge hat, besteht darin, die Lebenskräfte der Kinder bewusst so zu pflegen, dass solchen Alterungsvorgängen vor­gebeugt wird. Durch Selbsterziehung und die intensive Pflege des eigenen Seelenlebens kann der Erwachsene selbst Gesundheit bis ins hohe Alter veranlagen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Grund dafür, dass so viele Menschen im Alter bedauerliche Zustände erleben, liegt zum einen in den unzureichenden Entwicklungs- und Erziehungsbedin­gungen unserer Zeit und zum anderen in der mangelhaften selbstbestimmten Aktivierung der seelischen und geistigen schöpferischen Kräfte, die in einer durch den Materialismus geprägten Kultur zu wenig Pflege er­fahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst wenn in der Kindheit die Wachstumskräfte durch zu frühes intellektuelles Trai­ning in Denkkräfte umgewandelt wurden, gibt es Möglichkeiten, den zu erwartenden Schäden im späteren Leben vorzubeugen. Korrekturmöglichkeiten liegen immer in demjenigen, was für ein bestimmtes Lebensalter an der Reihe ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Versäumtes nachholen über altersgemäße Aktivitäten ====&lt;br /&gt;
Dazu ein Beispiel: Hat ein achtjähriges Kind den größten Teil seiner Kindheit vor dem Fernsehap­parat verbracht und ist deshalb motorisch ungeschickt, neigt zudem zu stereotypen Bewegungen, wiederholt ständig bestimmte Formulierungen, ist unfähig zu konzentrierter Gedankentätigkeit, so macht es keinen Sinn, mit einem solchen Kind die versäumte motorische, sprachliche und kognitive Kleinkind-Entwicklung nur nachholen zu wollen. Das ist gar nicht möglich! Man muss sich vielmehr fragen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was braucht ein gesunder Achtjähriger?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Altersgemäße Aktivitäten wären:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Spaziergänge in der Natur &lt;br /&gt;
* Bewegungsspiele im Freien &lt;br /&gt;
* Lösen einfacher Rätsel &lt;br /&gt;
* gemeinsames Auswendiglernen von Gedichten &lt;br /&gt;
* Zeichnen von einfachen Formen mit der Hand, mit dem Fuß, mit immer wieder neuen Farben &lt;br /&gt;
* Malen von Bildern zu vorgelesenen Geschichten &lt;br /&gt;
* einfache musikalische Übungen an einem Instrument und in Form von Singen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über all das wird das Kind in seiner altersent­sprechenden Lerndisposition gefordert – aber nicht nur das: Über diese gemeinsamen Aktivitäten entsteht eine Beziehung zwischen Lehrer und Kind, die es dann auch erlaubt, dass manches aus der Kleinkindentwicklung in veränderter Form auf einer anderen Ebene nachgeholt werden kann. In einem solchen Fall sollte man sich zusätzlich mit erfah­renen Heilpädagogen, Ergo- und Physiotherapeuten unterhalten bzw. mit einem Kinderpsychiater austauschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Nachholmöglichkeiten im Erwachsenenalter&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Jeder Mensch kann natürlich auch noch im Erwachsenenalter an sich ar­beiten. Denn &#039;&#039;jedes&#039;&#039; Alter hat seine altersspezifische Lerndisposition, die es uns ermöglicht, bis zu einem gewissen Grad Versäumtes nach­zuholen und damit vom Seelisch-Geistigen aus im Sinne einer „geistigen Ernährung“ heilsam auf den Leib zurückzuwirken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Künstlerisches Üben ====&lt;br /&gt;
Hat man beispielsweise eine Erziehung genossen, die ganz im Zeichen der Frühintellektualisierung stand, so ist es eine große Hilfe, wenn man sich im späteren Leben künstlerisch betätigt. Optimal wäre es, regelmäßig an eurythmischen Laienkursen teilzu­nehmen, denn keine Kunst appelliert so zentral an die Aufbaukräfte des Organismus und führt zu einer Stärkung der gesamten Vitalität wie die Eurythmie. Die eurythmischen Bewegungen entsprechen den Ent­wicklungsbewegungen des menschlichen Körpers, die schon vom Embryo als Wachstumsbewegungen durchgeführt werden. Das zeigen Ultraschall-Filmaufnahmen, die während der Schwangerschaft gemacht worden sind. Die Em­bryonen und Feten vollführen die Grundbewegun­gen, die wir aus der Sprach- und Toneurythmie kennen. Doch hilft natürlich jede künstlerische Tä­tigkeit, die schöpferischen Kräfte – speziell des Gefühls und Willenslebens – zu aktivieren, da Kunst nicht auf Verstandesleistungen beruht, sondern durch regel­mäßiges Üben und Wiederholen (Willensanstrengungen) und durch ästhetisches Beurteilungsvermögen zustande kommt. Genau hinzuspüren, ob etwas schon gelungen ist oder nicht, regt wiederum das Gefühlsleben an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kontrolle der Kritikbereitschaft ====&lt;br /&gt;
Auch ist es eine gute Übung für früh intellektualisierte Menschen, sich in Be­zug auf ihre Kritikbereitschaft zu kontrollieren. Denn meist neigen sie dazu, unablässig Situationen, Men­schen und Vorgänge um sich herum zu beurteilen. Wer dies bei sich entdeckt und darauf zu verzichten beginnt, wird bemerken, dass seine Vi­talität zunimmt. Zudem werden die Aufbaukräfte des Organismus dadurch unter­stützt. Denn alles kritische Beurteilen birgt eine destruk­tive Tendenz, egal, ob das Urteil positiv oder negativ ausfällt. Be­urteilungen dienen dazu etwas &#039;&#039;fest zu stellen&#039;&#039; und beruhen somit auf einem unproduktiven Gedankenleben: &#039;&#039;„Wie konnte der nur, er müsste doch eigentlich wissen...“,&#039;&#039; oder &#039;&#039;„Das finde ich ausgezeichnet, das hätte ich auch so gemacht, wenn ich in seiner Situation gewesen wäre – allerdings hätte er...“&#039;&#039; usw. Solche Feststellungen werden um ihrer selbst willen gemacht und ziehen keine Taten nach sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz anders die Urteile, die durch sorgfältiges Abwägen zu Entscheidungen und damit auch zu Willenshandlungen führen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rahmen der Selbsterziehung gibt es eine Fülle von Möglichkei­ten, in der Kindheit veranlagte Erziehungsschäden im späteren Le­ben auszugleichen und damit zur Harmonisierung der kör­perlichen und geistigen Kräfte beizutragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Kapitel „Zusammenhänge der menschlichen Denktätigkeit“, Elternsprechstunde, Verlag Urachhaus, Stuttgart&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wege und Ziele des geistigen Menschen&#039;&#039;, GA 125.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ALTERUNGSPROZESS IN BEZUG ZUR ENTWICKLUNG IN KINDHEIT UND JUGEND ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche großen Entwicklungsabschnitte gibt es im menschlichen Leben?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie hängen Evolution und Involution miteinander zusammen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Auswirkungen hat die Entwicklung in der Jugend auf den Alterungsprozess?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Einander spiegelnde Evolutions- und Involutionsphasen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Altwerden ist keine Krankheit, genauso wenig wie Schwanger-Sein. In beiden Fällen kann es jedoch sein, dass Komplikationen und Schwierigkeiten auftreten, die dann behandelt wer­den müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner sagt: Die Involutionsphasen im Alter spiegeln die Evolutionsphasen von Kindheit und Jugend:[1] Was zuletzt herangereift ist, bildet sich zuerst zurück, der Abbau der Organsysteme vollzieht sich spiegelbildlich zu ihrer Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Evolution im 3. Jahrsiebt und Involution zwischen 40 und 50 Jahren ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Evolution im Zuge der Inkarnation  &#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Zwischen &#039;&#039;&#039;vierzehn und einundzwanzig&#039;&#039;&#039; Jahren reift das &#039;&#039;Stoffwechsel-Gliedmaßensystem&#039;&#039; aus. Skelett und Stoffwechsel brauchen also am längsten, bis sie vollkommen ausgereift sind und eine Stabilisierung des Hormonhaushaltes erreicht wird. Das dauert manchmal bis zum 23. Lebensjahr. Vom spirituellen Gesichtspunkt her würden wir sagen: Es dauert 21 bis 23 Jahre, bis der Mensch „vollständig inkarniert“ ist und sein Ich den Leib vollkommen ergriffen hat. Im 3. Jahrsiebt erwacht dank der aus der Ich-Organisation freiwerdenden Kräfte auch das eigenständige Denken am Umkreis. Jetzt geht es darum, dass der Jugendliche lernt, Idealismus zu entwickeln und zu lernen, sich geistig eigenständig ganz neu zu orien­tieren, sich aufzurichten, beweglich zu werden, das Instrument des Leibes von innen bewusst zu ergreifen. Wem das nicht gelingt, der ist prädisponiert für Erkrankungen, die die Erdenschwere und -belastung spürbar machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Involution im Zuge der Exkarnation&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Das zuletzt herangereifte Stoffwechsel-Gliedmaßensystem sowie das hormonelle System bilden sich &#039;&#039;&#039;zwischen 40 und 50&#039;&#039;&#039; als Erste wieder zurück: Das Klimakterium setzt ein und führt zur Menopause, die eine totale hormonelle Umschaltung bei der Frau bedeutet. Beginnend beim Knochenbau und Hormonhaushalt devitalisiert sich der Organismus, d.h. die Regenerationskraft lässt nach. Wer dafür disponiert ist, hat Probleme mit dem Rücken, der Schulter, dem Nacken, bekommt Diabetes Typ II, Gallen- und Nieren­pro­bleme, metabolische Syndrome und rheumatische Erkrankungen. Das heißt, es kommt zu chronischen Erkrankungen des Stoffwechsel-Gliedmaßensystems. Das ganze System tritt in die Involutionsphase ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frauen sind von den damit einhergehenden Prozessen stärker betroffen als Männer. Körperlich gesehen findet jedoch bei beiden Geschlechtern ein altersbedingter Devitalisie­rungs­prozess statt. Stärker betroffen sind auch Menschen mit einer bestimmten Krank­heits­disposition, aber auch diejenigen, die sich nicht optimal inkarnieren konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gedanklich erwacht jedoch in der Regel ein neuer Idealismus, Lebensformen und Werte werden hinterfragt, man möchte sich beruflich verändern oder auf andere Weise „neu beginnen“, will endlich wirklich das eigene Leben leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Evolution im 2. Jahrsiebt und     Involution zwischen 50 und 60 Jahren ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Evolution im Zuge der Inkarnation  &#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Nach dem ersten Jahrsiebt bis zur Pubertät&#039;&#039;&#039; reifen die &#039;&#039;rhythmischen Funktionssysteme&#039;&#039;, insbesondere von Atmung und Kreislauf. Bei einem Zwölfjährigen haben wir noch ein Kinder-EKG, einen schnelleren Herzrhythmus und eine schnellere Atmung, als es der Erwachsene hat. Erst mit fünf­zehn Jahren reift das Kreislaufsystem zur Erwachsen­enkompetenz heran und die Atmungs­organe bilden einen ruhigeren, langsamen Erwachsenenrhythmus aus. Dann ist auch die Frequenz­abstimmung zwischen Atem- und Herzrhythmus abgeschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wichtigste Stimulation bzw. Unterstützung der Reifung besteht darin, das Gefühls­leben zu kultivieren. Denn nichts regt Atem und Herzschlag besser an als das Pendeln zwischen den Polen tiefer Gefühle. Die Pflege tiefer Gefühle ist demnach &#039;&#039;die&#039;&#039; Prävention gegen vaskuläre Demenz, vor allem wenn eine familiäre Disposition vorliegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Involution im Zuge der Exkarnation&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zwischen 50 und 60&#039;&#039;&#039; stehen laut Statistik kardiovaskuläre Erkrankungen und die Chro­ni­fizierung von Lungenerkrankungen im Vordergrund, das heißt, die Abbauerscheinungen greifen auf &#039;&#039;das rhythmische System&#039;&#039;, auf Herz und Lunge, über: Es kommt zu Bluthochdruck, Rhythmusstörungen, zu koronaren Herzkrankheiten, bei einer entsprechenden Dispo­si­tion tritt der erste Infarkt auf. Viele haben in ihrem Bekanntenkreis jemanden in diesem Alter, der an COPT, Angina Pectoris oder Herzrhythmusstörungen leidet. In jedem Fall lässt die Atemkapazität spürbar nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All diese Erkrankungen haben in diesem Alter statistisch gesehen eine erste große Inzidenzphase und sind Ausdruck von Exkarnationsproblemen. Der Mensch kommt im Hin­blick auf seine Vitalität, seine Seelenverfassung und seinen ganzen biografischen Ent­wurf in eine Krise. Er muss körperliche Einbußen hinnehmen. Und – was man ja bei chro­nischen Krankheiten immer erlebt – er spürt hautnah die Vergänglichkeit und End­lich­keit seines Lebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gedanklich hingegen stellt sich ein objektiveres, reifes Urteilsvermögen ein, die Fähigkeit, Gegensätze vermitteln und bewusst abwägen zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Evolution im 1. Jahrsiebt und Involution zwischen 60 und 70 Jahren ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Evolution im Zuge der Inkarnation  &#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Die Grundreifung der &#039;&#039;Sinnesfunktionen und etwa 90% der Kapazitäten des Zentral­nervensystems&#039;&#039; erreichen schon &#039;&#039;&#039;in den ersten neun Lebensjahren&#039;&#039;&#039; die volle Funktions­tüchtigkeit: Das Ohr ist mit etwa vier Jahren voll funktionstüchtig. Das Auge braucht acht Jahre, bis es in allen Feinheiten ausgereift ist: in Bezug auf die Perspektive, das Farbensehen, auf feinsten Abstufungen der Wahrnehmung und die Verknüpfung mit den anderen Sinnen. Das ist ein langer Reifungsprozess. Wir unterstützen diesen Prozess interessanterweise nicht dadurch, dass wir dem Zwei­jährigen Kopfrechnen beizubringen versuchen, sondern durch intensive Sinnespflege und Tatsachenlogik – durch sinnvolle Tätigkeiten, sinnvolle Zusammenhänge, sinnvolles Sprechen, gedankenvolle Unter­haltung. Aber auch künstlerische Tätigkeiten und Ein­drücke sind äußerst förderlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn die Stimulation durch Sinnvolles und Künstlerisches in einer Biographie fehlt oder das Denken ganz materialistisch einseitig erzogen wird und die Sinneserfahrungen kor­rumpiert und verfälscht werden von Fernsehen und Computer, sind die Betroffenen prädisponiert dafür, im Alter verstärkt Probleme mit ihrem Nervensinnessystem zu bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Involution im Zuge der Exkarnation&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Gott sei Dank lassen die Gehirn- und Sinnesleistungen &#039;&#039;&#039;zwischen 60 und 70 Jahren&#039;&#039;&#039; erst ganz zuletzt schrittweise nach: Jetzt treten gehäuft Degenerationserscheinungen am &#039;&#039;Nervensinnessystem&#039;&#039;, an den Sinnesorganen und dem Zentralnervensystem auf. Unser Gedächtnis und unsere Seh- und Hörkraft lassen nach, das heißt, dass die Regenerationsfähigkeit des Sinnes-und Nervensystems rapide &#039;&#039;a&#039;&#039;bnimmt. Wir werden langsamer, brauchen Unterstützung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Umso erstaunlicher ist es, dass mit dieser Lebensphase normalerweise keine geistige Leistungsminderung parallel geht. Auch wenn zusammen mit den Sinnesorganen das Gehirn ebenfalls nachweislich altert und messbar an Substanz verliert, kann dieser Vorgang dennoch mit geistiger Frische, neuen Perspektiven und Sichtweisen einhergehen. Nicht nur, dass die Plastizität und Kompensationsfähigkeit des Nervensystems bis ins hohe Alter erhalten bleiben - es werden auch weitere Bildekräfte frei, die aus den Abbauvorgängen dieser Organsysteme stammen. Dadurch treten neue Vorstellungsmöglichkeiten auf und eine größere Fähigkeit zu gedanklicher Überschau, selbst wenn einen das Kurzzeitgedächtnis manchmal etwas im Stich lässt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur im Falle einer Demenzerkrankung, die aber grade kein gesundes Altern darstellt, sondern eine Erkrankung des Nervensystems, ist dies natürlich anders. Dennoch muss man auch in diesem Krankheitsfall davon ausgehen, dass die körperunabhängigen Gedanken-, Gefühls- und Willenskräfte der so Erkrankten durchaus da sind. Nur ist die gesunde Gehirnfunktion nicht mehr vorhanden als Grundlage für ein selbstbewusst geführtes und geordnetes Vorstellen von Gedanken, Gefühlen und Willensimpulsen. Umso wichtiger ist es, neue Kommunikationsformen zu entwickeln, indem man mit diesem real vorhandenen Geistigen rechnet und der Betroffene dies spüren kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Die Involutionsphase von 70 Jahren aufwärts ====&lt;br /&gt;
Das Bibelwort „&#039;&#039;Unser Leben währet 70 Jahre“&#039;&#039; entspricht der Rhythmik zwischen Inkarnation und Exkarnation. Dann folgt eine Gnadenzeit, die sich durch eine gewisse Stabilität auszeichnet. Menschen, die bis zum Alter von 70 Jahren keine Anzeichen aufweisen für eines der genannten chronischen Probleme, werden zwar schwächer, bleiben dabei aber oft geistig frisch, sie bauen nicht wirklich ab vor dem Tod. Das erlebte ich oft in der Praxis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Bedingungen für Gesundheit bis ins hohe Alter&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wir sehen also: Wenn sich in Kindheit und Jugend die „Inkarnation“ des Menschen so vollzieht, dass Körper, Seele und Geist altersgerecht gefordert werden, so ist dies die beste Vorbedingung dafür, dass auch die „Exkarnation“ harmonisch und ohne größere gesundheitliche Einbrüche vonstattengeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine gesundheitsfördernde Erziehung, wie sie u.a. das Konzept der Waldorfpädagogik vorsieht, wirkt als primäre Krankheitsprävention für die zweite Lebenshälfte. Die Art und Weise, wie Entwicklung in Kindheit und Jugend sich vollzogen hat, bestimmt über den Schweregrad und die Ausprägung chronischer Erkrankungen und Verschleißerschei­nungen im Alter: Je harmonischer ein Mensch in Kindheit und Jugend im Zuge der Inkarnation heranreifen kann, umso weniger Krankheitsneigungen zeigt er im Zuge der Exkarnation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch auch Erziehung und Selbsterziehung, lebenslange Freude am Lernen sowie an der Entwicklung neuer Fähigkeiten bedingen Gesundheit bis ins hohe Alter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diesem Gebiet müsste noch viel geforscht werden. Wir benötigen sehr gut abgestimmte Therapiekonzepte, die regenerierende und die Inkarnation fördernde Möglichkeiten in konkrete Behandlungsansätze umwandeln, je nachdem, welche Symptomatik vorherrscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vgl. &#039;&#039;Vortrag „Schicksalswürde und spirituelles Begreifen der Demenz“, gehalten am Internationalen Pflegekongress in Dornach am 9. Mai 2008&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wege und Ziele des geistigen Menschen. Lebensfragen im Lichte der Geisteswissenschaft&#039;&#039;.GA 125, Dornach 1992, S. 55.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== VOM PUNKTBEWUSSTSEIN ZU PERIPHERER KOMPETENZ ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wann ist ein Mensch ganz Mensch?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Kompetenzen machen den Menschen aus und wann erwirbt er sie?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Macht der Verlust kognitiver Kompetenzen das Leben nicht mehr lebenswert? &#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Das Erklimmen des physiologischen Leistungsplateaus&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Am Lebensanfang, wenn Kinder klein und unerfahren sind und alle möglichen Dumm­heiten machen, fällt es uns nicht schwer, sie als werdende Wesen zu begreifen. Selbst wenn sie noch überhaupt keinen Durchblick haben und sich den vernünftigsten Dingen widersetzen, würde niemand von „Demenz junior“ oder „präcox“ sprechen. Wir Erwach­senen vertrauen darauf, dass sich alles finden wird, wir haben Geduld…&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ein Kind elf oder zwölf ist, denkt man, man wäre aus dem Gröbsten draußen, doch jetzt fangen die Probleme erst richtig an. Und spätestens ab dem vierzehnten Lebensjahr wird das Erwach­senwerden zu einer riesigen Herausforderung. Und wenn man meint, die Schulzeit geschafft zu haben, beginnt es mit der Wahl von Beruf und Studium wieder schwieriger zu werden. Klappt dieses oder jenes nicht, sind immer neue Herausforderungen zu meistern. Heute leben Kinder mit 28 oder 29 Jahren oft noch zu Hause, stehen noch nicht gänzlich auf eigenen Beinen. Dennoch erwarten wir, dass der junge Erwachsene jetzt selbständig wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erfahrung zeigt, dass sich in der Lebensmitte, zwischen 30 und 40, zunehmend ein Gleich­gewicht zwischen unseren seelisch-geistigen Kräften, unserer Bewusst­seins­kompetenz und unserer physischen Kraft einstellt, auch „physiologisches Leistungs­plateau“ genannt. Da sind wir körperlich und seelisch im besten Zustand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Mit 40 erst gescheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dennoch haben wir hier in Schwaben ein schönes Sprichwort: &#039;&#039;„Die Schwaben werden mit 40 erst gescheit.“&#039;&#039; Wenn die Kurve sich langsam dem Ende zuneigt, tut sich erst das auf, was man „Sozialkompetenz“ nennt, was man in Schwaben unter „Gescheitheit“ versteht: dass man das Leben nicht nur auf sich bezogen begreift, sondern dass man sich auch vom Umkreis her begreift – als jemanden, der agiert, zugleich aber auch als jemanden, mit dem andere zurechtkommen müssen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Man begreift sich einerseits als &#039;&#039;&#039;individuelles Wesen&#039;&#039;&#039;, das die Welt vom eigenen Standpunkt aus betrachtet&lt;br /&gt;
* Gleichzeitig erlebt man sich aber auch als &#039;&#039;&#039;soziales Wesen&#039;&#039;&#039; mit einem Umkreis, das von diesem wahrgenommen und „ertragen“ wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese beiden Sichtweisen decken sich, wenn es gut geht, erst etwa mit 40 Jahren. Erst dann erwacht auch der Sinn für das eigene soziale Wesen und die damit verbundene Ver­antwortung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Von der Selbstbezogenheit zur Umkreisbezogenheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Diese Entwicklung hängt mit dem Aufbau unserer Konstitution zusammen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Der Kind-Mensch ist ein auf sich als Zentrum hin orientierter Mensch, der seinen Standpunkt, seinen     Blickwinkel, seine akustischen Eindrücke als zentral erlebt. Er hat ein &#039;&#039;&#039;extremes Punktbewusstsein&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
* Der Erwachsene, der für andere tätig ist, der für andere etwas tut, auf den etwas zukommt, auf den andere Menschen     reagieren müssen, braucht eine große „peri­phere Kompetenz“, ist als     tätiger „Gliedmaßen-Mensch“ gefragt. Er hat ein &#039;&#039;&#039;ausge­prägtes Umkreisbewusstsein&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu ein Beispiel: Die älteste Frau, die ich zurzeit kenne, ist 106 Jahre alt. Sie ist völlig fit und sagte mir, sie hätte noch eine Aufgabe: Sie würde die jungen Pflegenden auf der Pflegestation motivieren und ihnen den Sinn des Lebens nahebringen, weil sie heute ja solche Probleme hätten. Das gibt es auch: 106 Jahre und kein bisschen dement. Natür­lich braucht sie Gehhilfen, bewegt sich ganz vorsichtig und muss viel liegen. Man merkt, Seele und Geist können sich kaum mehr in diesem Körper halten, sind aber noch voll präsent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Rückzug des zentral orientierten Menschen in der Demenz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Tritt zu einem bestimmten Zeitpunkt Altersdemenz auf, ist es gleichgültig, ob es sich um eine vaskuläre, eine neurogene oder eine primär metabolisch veranlagte Demenz handelt – das macht nur medizinisch einen großen Unterschied. Von der Symptomatik her wird ein totaler Rückzug des zentral orientierten Menschen erlebbar. Der peripher orientierte Mensch ist dafür umso wacher, umso sensibler, umso empfänglicher. Es ist keineswegs gerechtfertigt zu sagen, dass unser Leben, wenn das Punktbewusstsein nachlässt und der Ego-trip nicht mehr dominiert, nur ein „Leben zweiter Klasse“ ist oder sogar, dass es gar nicht mehr „lebenswert“ ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die anthroposophische Menschenkunde kann im Hinblick auf diese Zusammenhänge wertvolle Orientierung geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vgl. &#039;&#039;Vortrag „Schicksalswürde und spirituelles Begreifen der Demenz“, Filderstadt, 19.2.2010&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ENTWICKLUNGSPHASEN UND PÄDAGOGIK ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie lässt sich die Notwendigkeit altersgerechter Pädagogik erklären?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Zu welchen Entwicklungsphasen gehören welche pädagogischen Angebote?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Vorschulzeit und erste Schuljahre bis ca. 9. Lebensjahr&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Differenziertes Ausreifen des Nervensystems und der sensomotorischen Koordination (d.h. die Verknüpfung von Sinnesfunktionen mit der muskulären Tätigkeit) brauchen vielseitiges Üben und Betätigen. Koordinierte körperliche Bewegung und Freude am Entdecken der Sinneswelt – mit Hilfe aller Sinne – ist die natürliche Begabung der Kinder dieses Alters. Sie wissen instinktiv, dass ihnen das gut tut. So gilt es, Bewegungs- und Spielräume zu schaffen, in denen sie sich geschickt und altersentsprechend bewegen und betätigen können. Diesem Prinzip folgt der Waldorflehrplan von der Kinderkrippe an bis zum 9. Lebensjahr konsequent. In jedem Unterricht ist das Bewegungselement in irgendeiner Weise mit integriert, nicht nur in den so genannten Bewegungsfächern, deren Lehrplan insbesondere sensomotorisch wertvoll veranlagt ist. Denn alle Bewegungen – einschließlich dem kindgerechten Spiel- und Turnunterricht – werden in diesem Alter noch eng verknüpft mit Sinneserlebnissen praktiziert und oft begleitet durch musikalisch-rhythmische Übungen in Form von Sing-, Sprach- und Bewegungsspielen. Durch die musikalisch-rhythmischen Tätigkeiten wird auch die zur Sozialisation notwendige Fähigkeit des Zuhörens mit veranlagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch sind es ausschließlich entwicklungsphysiologische und psychologische Gründe, die ein striktes PC- und Multimediaverbot für Kindergärten und Grundschulen zum Ideal der Waldorferziehung machen. Was jetzt weltweit propagiert wird und einen hohen wirtschaftlichen Gewinn verspricht, „one Laptop per child&amp;quot; (der Mini-Bildschirm mit Flash-Speicher, WLAN und dem Betriebssystem Linux), um insbesondere Kindern der 3. Welt Anschluss an das digitale Zeitalter zu geben, ist eine gute Idee zum falschen Zeitpunkt. Und zwar nicht nur, weil die so genannten Entwicklungsländer sauberes Wasser, medizinische Grundversorgung und „richtige Schulen&amp;quot; brauchen, sondern weil jede Stunde vor dem Bildschirm das Aufsteigen eigener, nicht manipulierter innerer Bilder behindert und die Kinder am In-Bewegung-Sein hindert. Die Gehirnaktivität wird dadurch eingeschränkt, die sensomotorische Integration gestört – ganz unabhängig von dem Inhalt der Informationen und dem Problem, diese nicht eigenständig verarbeiten zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Zu empfehlen sind: ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Anregung von Initiative durch eigenes Tun und „Vorbild-Sein&amp;quot;&lt;br /&gt;
* Spielmaterial, das die Eigenaktivität fördert: einfache Gegenstände und Materialien, die der Phantasie Raum lassen und zu vielen Gestaltungsmöglichkeiten anregen&lt;br /&gt;
* Aktivierung und Pflege der Sinne durch entsprechend ausgestattete Spielräume&lt;br /&gt;
* Veranlagen guter Gewohnheiten durch regelmäßiges Tun, kleine Rituale am Morgen, beim Essen, am Abend vor dem Schlafengehen&lt;br /&gt;
* Rhythmische Gestaltung des Tages-, Wochen-, Monats- und Jahreslaufes&lt;br /&gt;
* Momente ungeteilter Aufmerksamkeit für das Kind: z.B. beim Aufstehen und Zubettgehen und dann hin und wieder während des Tages, in denen eine Begegnung, ein Sich-Wahrnehmen stattfinden kann.&lt;br /&gt;
* Ein „nonverbaler&amp;quot; Erziehungsstil: Nicht das Wort, sondern die Handlung, das Vorbild zeigt, worum es geht. Nur so erlebt sich das Kind frei gelassen. Denn es ahmt aus eigenem &#039;&#039;Antrieb&#039;&#039; nach.&lt;br /&gt;
* Möglichkeiten, der Natur zu begegnen&lt;br /&gt;
* Vermeiden von Multimedia-Angeboten und technischem Spielzeug&lt;br /&gt;
* Auch wenn der Tag sonst mit vielen Pflichten angespannt verläuft – das Kind im Bewusstsein haben, es „in Gedanken tragen, mitnehmen&amp;quot;. Diese innere Tätigkeit hilft, dass der äußere Kontakt beim Wiedersehen schnell wieder da ist. Wichtig ist, die Nähe und Zugewandheit in der Beziehung zu pflegen und diese nicht abhängig zu machen von Wohlverhalten und schulischer Leistung.&lt;br /&gt;
* Freude und Dankbarkeit zeigen&lt;br /&gt;
* Klare Grenzen setzen und „leben&amp;quot;. Das gibt Sicherheit und Orientierung.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;...bis zum 14./15. Jahr&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Jetzt wird vor allem wichtig, was Ausbildung und Entwicklung der rhythmischen Funktionen fördert: Das sind Empfindungen und Gefühle. Nie atmen wir tiefer durch, als wenn wir uns wohl fühlen, nie schlägt das Herz gesünder, als wenn sich die Kinder freuen oder mit Eifer tätig sind. Zwischen dem 9. und 15. Lebensjahr zielt die gesamte Pädagogik und Didaktik darauf hin, das prozessual-künstlerische, aber auch ästhetische Element in allen Unterrichtsfächern zu berücksichtigen. Was beim Geräteturnen im Sport exakter und vollendeter Bewegungsablauf ist, den es einzuüben gilt, das sind im Geschichtsunterricht Gespräche und Unterrichtsfragen, in denen Ereignisse von mehreren Seiten so betrachtet werden, dass sich für den Schüler ein sinn­volles Ganzes ergibt, eine Art ästhetischer Zustand, „durch den er mit sich und der Welt übereinzustimmen lernt.&amp;quot; Im naturwissenschaftlichen Unterricht sind es insbesondere die Experimente: Der Schüler beobachtet exakt und dokumentiert die sich darin zeigenden Gesetzmäßigkeiten übersichtlich und „schön&amp;quot;. Er lernt ihren Wirkradius verstehen und sie handhaben. Auch mathe­matische Gesetze haben ihre Schönheit, weil sie „stimmen&amp;quot; und konstituierend sind, nicht nur in Technik und Wissenschaft, sondern auch im Leben. So werden die Schüler vertraut gemacht mit den Eigentümlichkeiten und „Stimmigkeiten&amp;quot; der Welt und der menschlichen Kultur. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in diesen Lebensjahren empfiehlt sich noch Zurückhaltung in Bezug auf das digitale Zeitalter. Nur das sollte an Maschinen delegiert werden, was man im Prinzip auch selbst beherrscht und durchschaut. Selber Kopfrechnen, Theaterspielen, Musizieren, Tanzen, Erlebnisfahrten und Entdeckungen machen, lernen, wie man „live&amp;quot; Beziehungen pflegt – das sollte jetzt im Vordergrund stehen. Was zu Hause oft schon viel zu früh als Konzessionen an die Multimedia-Industrie zugelassen wird, sollte in der Schule umso mehr dazu motivieren, Leben &#039;&#039;und&#039;&#039; Realität an die Stelle von Technik und Virtualität zu setzen. Manchmal hilft auch der einfache Gedanke, Eltern und Schüler für diesen „Verzicht auf Zeit&amp;quot; zu mobilisieren, dass die Erfinder der Computer in ihrer eigenen Kindheit ohne diese Spielmöglichkeiten aufgewachsen sind. Um Neues zu finden, braucht man Kreativität und nicht Konditionierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Zu empfehlen sind: ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gesprächskultur – das Kind, den Jugendlichen teilnehmen lassen an interessanten Gesprächen Erwachsener. Mit inneren Fragen leben: Wann war unser letztes Gespräch? Wann hatte ich Zeit, Interesse? Habe ich das Anerkennenswerte bemerkt, lobe ich genug oder bringe ich eher zum Ausdruck, was mich stört?&lt;br /&gt;
* Moderne Führungsstrukturen sprechen gern von „Fehlerkultur&amp;quot;. Wer aus seinen Fehlern lernt, entwickelt sich nachhaltig – entsprechend auch ein Team zusammenarbeitender Menschen. Wie gehe ich mit Fehlern und Fehlverhalten in der Schule um? Wie helfe ich aus Fehlern zu lernen und diese nicht (nur) schlimm zu finden?&lt;br /&gt;
* Klare Führung in Grundsatzfragen im Tagesablauf unter Einbeziehung der Wünsche der Kinder. Verabredungen treffen und klar vereinbaren, wie sie überwacht werden.&lt;br /&gt;
* Künstlerische Betätigung, insbesondere Erlernen eines Musikinstrumentes&lt;br /&gt;
* Kontrollierter Multimediagebrauch und wo immer möglich das Aufarbeiten des Gesehenen und Erlebten im Gespräch. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;... bis zum 21./22. Jahr&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Vom 13., 14., 15. Lebensjahr an bis zum 19., 20., 21. Lebensjahr erhebt sich die Frage, auf welche Weise mit pädagogischen Mitteln unterstützt werden kann, was jetzt physiologisch an Entwicklungsprozessen im Vordergrund steht: die Ausreifung des Skelettsystems bis zur Erwachsenengröße und die hormonelle Umstellung und Ausreifung des intermediären Stoffwechsels nach der Pubertät. Zunächst könnte man meinen, Stoffwechsel und Skelett brauchen primär körperliche Betätigung – das ist natürlich richtig, jedoch nicht genug. Vielmehr gibt es eine andere Fähigkeit, die kontinuierlich, sozusagen von innen her, den Menschen erwärmt, anregt, aber vor allem auch aufrichtet und erfüllt: Es sind die zielorientierten Ideen, Interessen, Gesichtspunkte und Motivationen, die befeuern, die begeistern. Man sieht es den Jugendlichen unmittelbar am Gang und Bewegungsspiel an, an der Körperhaltung und Mimik, ob sie Gedanken hegen, durch die sie sich innerlich angeregt, motiviert, „aufgerichtet&amp;quot; fühlen oder ob sie Gedankenöde erleben und infolgedessen Lustlosigkeit und Desinteresse. Die Sprachweisheit bringt dies klar zum Ausdruck, wenn das Wort „Aufrichtigkeit&amp;quot; gerade diese doppelte Bedeutung hat: einmal „ehrlich, aufrichtig, wahrheitsorientiert&amp;quot; und zum anderen „körperlich aufgerichtet, gerade&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Oberstufe kommt den Erziehungsmaximen von Nachahmung und Vorbild, von Stimmigkeit und Schönheit untergeordnete Bedeutung zu. Jetzt geht es um Gewissensbildung, Wahrhaftigkeit und Freiheit. Wie muss ich unterrichten, damit der Jugendliche selber zu den Einsichten kommt, die in diesem Unterrichtsfach Sinn machen? Wie schafft man es, dass der Jugendliche nicht nacherzählt, was man selber vorgedacht hat, sondern dass man ihm Gesichtspunkte gibt, Bedingungen schildert, anhand derer er selbst die Lösung einer bestimmten Frage herausfinden kann?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Zu empfehlen sind: ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Fragekultur entwickeln, zum „selber Denken&amp;quot; anregen&lt;br /&gt;
* Freund und Begleiter sein, Interesse haben für das, was den Jugendlichen interessiert&lt;br /&gt;
* Wachsendes Freiheitsbewusstsein und Selbstständigkeit respektieren, eigene Erwartungen zurückstellen&lt;br /&gt;
* „Familienrat&amp;quot; halten. Verabredungen gemeinsam treffen, deren Erfolg/Misserfolg analysieren und das weitere Vorgehen beraten&lt;br /&gt;
* Sich über das „ganz andere&amp;quot; freuen lernen, verstehen wollen, was den Jugendlichen bewegt&lt;br /&gt;
* Vertrauen riskieren und signalisieren: Ich stehe zu dir, egal was kommt – und bin gespannt, wie dein Leben sich entwickeln wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Jegliche Erziehung ist Selbsterziehung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Unterricht als Selbstfindungsprozess zu begreifen, Erziehung in allen Phasen als Selbsterziehung – darauf kommt es an, erst selber nachahmen, dann selber die Stimmigkeit erleben, wenn verschiedene Zusammenhänge und Verständnismöglichkeiten erläutert werden, und schließlich selber verstehen, herausfinden, was gefragt ist – das ist der Grundnerv einer entwicklungsphysiologisch basierten Erziehung. Denn so wie das Kind es selber ist, welches sich entwickelt, so sollte es auch stets das Erleben haben, dies oder das habe ich selbst beobachtet, selbst gesehen, selbst gelernt. „Selbermachen&amp;quot; macht schon dem kleinen Kind weit mehr Freude, als alles Mögliche abgenommen zu bekommen, von demjenigen der es „besser&amp;quot; kann. Entwicklungsphysiologische Erziehung regt die Eigentätigkeit an, begreift den Erziehungsauftrag so, wie ihn Rudolf Steiner in seinem &#039;&#039;Baseler Lehrerkurs&#039;&#039; charakterisiert:[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jede Erziehung ist Selbsterziehung, und wir sind eigentlich als Lehrer und Erzieher nur die Umgebung des sich selbst erziehenden Kindes. Wir müssen die günstigste Umgebung abgeben, damit an uns das Kind sich so erzieht, wie es sich durch sein inneres Schicksal erziehen muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer so zu sich kommt, ist dann auch im späteren Leben innerlich aktiv genug, um sich nicht zu langweilen. Er kann Technik sinnvoll nutzen, ohne dadurch bequem und unproduktiv-unzufrieden zu werden. Er ist weitgehend geschützt vor dem Abhängig-Werden von Drogen u.a. Er hat die Chance, selbstbestimmt zu leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. 1. Kapitel, „Gesundheit durch Erziehung“, Persephone, Kongressband, Verlag am Goetheanum, Dornach 2006, derzeit vergriffen&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1]  Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Erneuerung der pädagogisch-didaktischen Kunst durch Geisteswissenschaft.&#039;&#039; GA 301. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== MEHRERE GEBURTEN IM LAUFE DES LEBENS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was meint Rudolf Steiner mit den Geburten im Laufe des Lebens?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern sind diese Geburten als Metamorphosen von leibgebundenen Wesensgliedertätigkeiten aufzufassen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Pädagogischen Konsequenzen sollte das Wissen um diese Entwicklungsgesetze haben?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Geburten als Metamorphosen verstanden&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner hat bereits 1907 an verschiedenen Orten Vorträge über die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkt der Geisteswissenschaft gehalten und diese aufgrund von vielen Nachfragen zu einer schriftlichen Abhandlung umgewandelt und publiziert.[1] Dort beschreibt er die kindliche Entwicklung in ihrem zeitlichen Verlauf, was er später dann auch mit Bezug auf die gesamte Biografie vielfach fortgesetzt hat. So führt er 1908 in Holland aus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„[…] vom theosophischen Standpunkt sprechen wir nicht nur von einer Geburt, sondern von mehreren Geburten, und diese Sprache von mehreren Geburten macht uns den Lebenslauf des Menschen voll verständlich.“[2]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Geburten sind die Metamorphosen der leibgebunden Wesensgliedertätigkeiten in die Seelenkräfte des Denkens, Fühlens und Wollens gemeint. Für die seelisch freie Tätigkeit wird ‚geboren‘, was vorher unbemerkt im Körper tätig war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Um das 7. Jahr: Geburt der Formkraft der Gedanken (ÄL) ====&lt;br /&gt;
Über die um das siebte Jahr herum freiwerdende Formkraft der Gedanken schreibt er:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„[...] denn bis zum Zahnwechseljahr werden alle Formen, worin sich der physische Leib gestalten muss, ausgebildet. Und was bis zu dieser Zeit am Leibe nicht in Form veranlagt ist, an groben und feinen Formen, das ist für das ganze menschliche Leben verloren. Größer wird der Mensch, er wächst, aber die Formen, welche größer werden, sind im Feinsten bis da veranlagt. Daher muss man gerade in dieser Zeit, wo man nicht auf den Ätherleib einzuwirken hat, alles tun, um die Formen so gut wie möglich zu machen.“[3]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die das Kind umgebende schützende Ätherhülle aus der entsprechenden Erdgegend, wo die Verkörperung stattfindet, wird nach dem Zahnwechsel ‚weggeschoben‘.[4] Damit hat sich die ätherische Organisation ätherisch emanzipiert, so wie es die physische Organisation des Kindes nach Durchtrennung der Nabelschnur vom mütterlichen Organismus getan hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Konsequenzen für die Vorschulpädagogik&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Darauf gründet sich die anthroposophische Vorschulpädagogik. Diese vermeidet – unter dem oben geschilderten Gesichtspunkt der Geburt der ätherischen Kompetenz – eine zu frühe intellektuelle Bildung, für die das Vorschulkind noch nicht reif ist. Der pädagogische Schwerpunkt liegt auf der Förderung der sensomotorischen Intelligenz, die in der Nachahmungsfähigkeit zum Ausdruck kommt und durch Eigentätigkeit an der Durchformung des Körpers arbeitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher ist eine Umgebungsgestaltung mit guten Vorbildern für die Eigentätigkeit die beste Förderung von Gehirnreifung und Intelligenz. Wichtige Instrumente dafür sind neben sinnvollen Handlungsweisen im häuslichen Alltagsgeschehen insbesondere auch künstlerisch-kreative Tätigkeiten, das Pflegen guter Gewohnheiten, einschließlich kleiner Rituale wie Singen und/oder Beten vor den Mahlzeiten, ein Tagesrückblick am Abend in liebevoller Atmosphäre.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Um das 15. Jahr: Geburt der Differenzierungskraft der Gefühle (AL) ====&lt;br /&gt;
Zwischen dem Zahnwechsel und der Geschlechtsreife ist gemäß der anthroposophischen Entwicklungsperspektive die astralische Organisation noch von einer schützenden Hülle umgeben, die um das 15. Lebensjahr definitiv abgestreift wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese schützende astralische Hülle wird durch die menschlichen Beziehungen im sozialen Zusammenhang und Schicksalsumkreis gebildet, in den sich das Kind herein verkörpert hat und von denen sich der Jugendliche im Zuge der Pubertätsentwicklung emanzipiert. Die seelische Reifung in diesem Alter und ihr Einfluss auf die physisch-ätherische Konstitution verläuft dann am gesündesten, wenn das Kind bzw. der Jugendliche sich an Erwachsenen orientieren kann, die es liebt und im guten Sinne des Wortes als Autoritäten schätzt. Ohne eine solche Liebe zur Persönlichkeit nahestehender Menschen, kann sich nach Rudolf Steiners Auffassung auch die eigene Liebefähigkeit und Empathie für die Mitwelt nicht gesund entfalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Konsequenzen für die Pädagogik im 2. Jahrsiebt&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Daher ist es in der anthroposophischen Pädagogik entscheidend, dass die Kinder und Jugendlichen ihre Lehrerinnen und Lehrer gernhaben, anstatt Angst vor ihnen zu haben oder sie abzulehnen. Wenn die Lehrer den Unterricht für dieses 2. Jahrsiebt künstlerisch-charakterisierend und lebendig-spannend gestalten, wird dadurch das in Entwicklung begriffene Gefühlsleben unmittelbar angesprochen und seine Differenzierung gefördert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Um das 20. Jahr: Geburt der Differenzierungskraft der Gefühle (AL) ====&lt;br /&gt;
Etwa um das 20. Lebensjahr &#039;&#039;„wird das eigentliche Ich im Menschen, das bis jetzt in seiner Hülle war, erst vollständig geboren. Und damit tritt der Mensch im freien Verkehr in die Welt, damit ist er zu einem Wesen geworden, das sich in absolut freien Verkehr mit der Außenwelt stellt.“&#039;&#039;&#039;[6]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist der Astralleib mit dem 2. Jahrsiebt leibfrei und damit geboren geworden, so ist die Zeit reif für die Ausbildung des selbstständigen Urteils, dessen Untergrund ein differenziertes Gefühlsleben ist. Das kann einem insbesondere am jugendlichen Idealismus klar werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Der Mensch ist in dieser Zeit noch nicht geeignet, die äußere Welt in einer objektiven Weise zu betrachten. Aber dasjenige, das auf die Welt zutritt, ist von schöner, idealer Art. [Auch diese Art will heraus, und hier handelt es sich darum, wie diese Art, insofern sie als Idealismus herauskommt, als Hoffnung dem Leben entgegentreten wird.] Diese Hoffnung und dieser Idealismus zeigen sich in ihrer wahren Gestalt zwischen 14, 15 und 21 bis 22 Jahren. In dieser Zeit zeigt sich alles, was herauswill, auch wenn es in Widerspruch ist mit der Realität. Es sind alles Erinnerungen von früherem Leben, mit den neuen, frischen Kräften des Astralleibs.“[7]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Konsequenzen für die Pädagogik im 3. Jahrsiebt&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Hier findet Rudolf Steiner eindringliche Worte, die zeigen, wie wenig die Schulen diesen pädagogischen Forderungen gerecht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wehe, wehe den Menschen, denen man die Hoffnungsideale, denen man die Erwartungsideale in dieser Zeit trübe macht […]; Es kommt nicht darauf an, ob die Ideale zu erreichen sind, sondern es handelt sich um die Kräfte, die darin liegen. Diese sind die günstigen Lebenskräfte, die, falls sie gut erzogen werden, unseren Astralleib für das Leben sicher und fest machen. […] es gibt nichts Schlimmeres, als wenn man für diese Zeit nicht sorgt, dass der Idealismus sich entwickeln kann, wenn man diesem Idealismus entgegentritt mit einem Philistertum, das versuchen will, den Idealismus zu brechen.“[8]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Weitere Entwicklungsschritte durch Rückzug der Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Weiter schildert Steiner die sich daran anschließende Möglichkeit der Selbsterziehung, die sich durch alle Hüllen hindurch bis zum 35. Jahr in Form von seelischer und körperlicher Selbstbeherrschung niederschlägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Jahrsiebt beginnt sich die &#039;&#039;&#039;astralische Organisation&#039;&#039;&#039; aus der physisch-ätherischen Organisation zu lösen, wodurch diese in sich steifer wird. Auf der anderen Seite wird das ‚seelisch freie‘ Leben und Erleben reicher und intensiver.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab dem 42. Jahr beginnen sich die &#039;&#039;&#039;ätherischen Kräfte&#039;&#039;&#039; aus der physischen Organisation zurückzuziehen (Klimakterium), wodurch das Gedanken- und Erinnerungsleben eine Verstärkung erfährt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Danach bildet sich die &#039;&#039;&#039;physische Organisation&#039;&#039;&#039; weiter zurück und der definitive Alterungsprozess setzt ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese knappe Übersicht mag andeuten, wie nach anthroposophischer Anschauung in jedem Lebensalter die Wesensglieder unterschiedlich mit Bezug auf die körperliche und seelisch-geistige Konstitution tätig sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[9]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Lucifer-Gnosis. Grundlegende Aufsätze zur Anthroposophie und Berichte aus den Zeitschriften „Luzifer“ und „Lucifer-Gnosis“,&#039;&#039; GA 34.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Das Prinzip der spirituellen Ökonomie im Zusammenhang mit Wiederverkörperungsfragen. Ein Aspekt der geistigen Führung der Menschheit,&#039;&#039; GA 111, 143.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Ebenda, S. 143 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. Glöckler (2023a und 2016b).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Ebenda, S. 152.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Das Prinzip der spirituellen Ökonomie im Zusammenhang mit Wiederverkörperungsfragen. Ein Aspekt der geistigen Führung der Menschheit,&#039;&#039; GA 111, 151f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ENTWICKLUNG UND LERNEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern hängen die Entwicklungsphase und die Lernfähigkeit eines Kindes zusammen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Lerngebiete und -inhalte eignen sich für welche Entwicklungsräume?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Bedeutung von altersentsprechendem Lernen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Es ist von größter Bedeutung, dass sich die Pädagogik an den altersentsprechenden Ent­wicklungsschritten orientiert und die Lerninhalte darauf abstimmt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Jahrsiebt – Die Welt ist gut ====&lt;br /&gt;
Entsprechend wird man in der Kindergartenzeit das Denken nicht mit Urteilen und Argumenten belasten, sondern vielmehr die Kinder nachahmend im gemeinsamen Alltag mitleben lassen und ihnen die Möglichkeit geben, körperliche Geschick­lichkeit zu erwerben und ihre Sinne gut auszubilden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das nötige &#039;&#039;&#039;Entwicklungsvertrauen&#039;&#039;&#039; rufen in dieser Zeit die Worte &#039;&#039;„die Welt ist gut“&#039;&#039; hervor. Sie sind deshalb das Entwicklungsmotiv der Waldorfpädagogik für das erste Jahrsiebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Jahrsiebt – Die Welt ist schön ====&lt;br /&gt;
In der Grundschulzeit hingegen wird man alles daransetzen, das ästhetische Urteilsver­mögen, insbesondere durch künstlerisch gestalteten Unterricht, zu pflegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nötige &#039;&#039;&#039;Entwicklungslust&#039;&#039;&#039; rufen in dieser Zeit die Worte &#039;&#039;„die Welt ist schön“&#039;&#039; hervor. Sie sind deshalb das Entwicklungsmotiv der Waldorfpädagogik für das zweite Jahrsiebt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Jahrsiebt – Die Welt ist wahr ====&lt;br /&gt;
Erst nach der Pubertät im Oberstufenunterricht wird das eigenständige kritische Denken gefördert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das nötige &#039;&#039;&#039;Entwicklungsideal&#039;&#039;&#039; rufen in dieser Zeit die Worte &#039;&#039;„die Welt ist wahr“&#039;&#039; hervor. Sie sind deshalb das Entwicklungsmotiv der Waldorfpädagogik für das dritte Jahrsiebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn sich körperliche und gedankliche Entwicklung altersgerecht und sinnvoll aufeinander abgestimmt vollziehen kann, ist die wichtigste Grundlage gelegt für die Gesundheit der zweiten Le­benshälfte. Wenn dies jedoch nicht möglich war, so können Krankheitsdispositionen für die zweite Lebenshälfte veranlagt werden. Die Veranlagung zu Stoffwechselstörungen und rheumatischen Krank­heiten, zu Erkrankungen der Atemwege und des Herz-Kreislaufsy­stems sowie zum Altersschwachsinn wird gefördert oder gemildert, je nachdem, wie der Wachstumsprozess begleitet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Identität von Wachstums- und Gedankenkräften&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wer über längere Zeit mit dem Konzept der Identität von Wachstums- und Gedankenkräften arbeitet, für den werden eine Fülle von Tatsachen verständlich, die für das menschliche Leben Bedeutung haben. Es wird verständlich, warum beispielsweise in der Pubertät, wo noch einmal ein deutlicher Wachstumsschub er­folgt, ein sogenannter „Leistungsknick“ zu verzeichnen ist: Wenn der Körper überwiegend mit Wachstum beschäftigt ist, kann er zur selben Zeit nicht geistige Hochlei­stungen vollbringen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gilt auch für Zeiten von Krankheit, insbe­sondere, wenn sie mit Fieber verbunden ist. Hier sollte alles getan werden, um den Wachstums- und Regenerationskräften die volle Ruhe für ihre Arbeit am Leib des Kindes zu geben. Es wird auch verständlich, warum in der zweiten Lebenshälfte, wenn ein Mensch gesund alt wird, das geistige Wachstum weitergehen kann, obgleich der Körper in seine natürliche Involutionsphase, das heißt in den Altersabbau aller Organe eintritt: Die nachlassende Regenerations­kraft des Körpers führt zu einer Stärkung der Gedankenkraft, vor­ausgesetzt, dass der Mensch gelernt hat, diese aus dem Leib freiwer­denden Gedankenkräfte schöpferisch zu verwenden. Das ist allerdings eine Frage der Erziehung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Altersgerechtes Lernen und Gesundheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wer von Jugend auf gewöhnt ist, in altersge­rechter Beanspruchung seiner geistigen Möglichkeiten tätig zu sein, für den wird sich die geistige Entwicklung wie selbstverständlich fortsetzen durch das ganze Leben hindurch. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bleiben diese Wachstumskräfte jedoch im halbbewussten Bereich zwischen Leib und be­wusstem Gedankenleben gleichsam stecken, weil sie nicht in das be­wusste Gedankenleben integriert werden, so können auch sie eines Tages zu Krankheitstendenzen, insbesondere zu krankhaften Wachstumswucherungen führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Kapitel „Zusammenhänge der menschlichen Denktätigkeit“, Elternsprechstunde, Verlag Urachhaus, Stuttgart&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ENTWICKLUNGSAUFGABEN DES ERWACHSENEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Entwicklungsaufgaben hat der Mensch, wenn er erwachsen geworden ist?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Themen haben die mittleren (4. bis 7.) Jahrsiebte?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die mittleren Jahrsiebte und ihre Aufgaben&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== · 4. Jahrsiebt – Selbsterfahrung durch Welterfahrung ====&lt;br /&gt;
Nach dem eigentlichen Erwachsen-Werden &#039;&#039;&#039;mit 21 Jahren&#039;&#039;&#039; sind die jungen Menschen auf der Suche nach Welterfahrung, um sich darin selbst zu erfahren. Sie wollen nicht länger gelenkt werden, wollen selbst Lenker sein. Und das bedeutet wirkliche Arbeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== · 5. Jahrsiebt – Verantwortung im Sozialen übernehmen ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im Alter von 28 bis 35 Jahren&#039;&#039;&#039; ist der Mensch Meister des eigenen Körpers geworden. Der nächste große Schritt ist nun, Verantwortung im Sozialen zu übernehmen. Das Ich muss zuerst das Astralische durchwirken und dann das Ätherische.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== · 6. Jahrsiebt – die physische Welt meistern ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Mit 35 bis 42 Jahren&#039;&#039;&#039; hat das Ich die Aufgabe, das Physische zu meistern in der realen Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== · 7. Jahrsiebt – neues Bewusstsein durch Selbsterziehung ====&lt;br /&gt;
Wer die physischen Gesetze zunehmend versteht und meistert, wird &#039;&#039;&#039;ab 42 Jahren&#039;&#039;&#039; weise: Er weiß um die eigene physische Kraft. Die sogenannte Midlife Crisis, die in diese Zeit fällt, betrifft vor allem diejenigen, denen es nicht gelang, das Physische, dazu gehört auch der physische Körper, wirklich zu meistern. Sie suchen dann oft nach einem Neubeginn im Physischen: nach einer neuen Familie, einem neuen Haus, einem neuen Job… Das ist eine kritische Zeit, in der die Menschen auf ihre eigene Begrenztheit gestoßen werden und merken, dass die Lebenszeit nicht ewig währt, dass man wissen muss, was man will. Sich Klarheit darüber zu verschaffen, was realistisch ist, macht weise. Ein wirklich realistisches Lebensziel wäre, ein neues Bewusstsein zu erlangen durch Selbsterziehung, indem man zu meistern lernt, was man hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== ·   Letztes Lebensdrittel – der Entwicklung dienen ====&lt;br /&gt;
Wem das gelingt, der kann &#039;&#039;&#039;im letzten Lebens&#039;&#039;&#039;drittel der Entwicklung von Mensch und Welt dienen. Viele Menschen heute sind zwar aufgewachsen, aber noch längst nicht erwachsen. Wenn wir mit Kindern zu tun haben, ist es sehr gut für sie, wenn wir sie an unserem Bemühen, erwachsen zu werden, teilhaben lassen. Denn sie wollen, dass wir zu erwachsenen Menschen werden. Unser Bemühen spornt sie an, es auch zu versuchen. Dann ist es nicht weiter schlimm, dass wir noch nicht ganz erwachsen sind, unser Bemühen reicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. IPMT-Schulung in China 2011&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ANTHROPOSOPHISCHE FRÜHFÖRDERUNG ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Warum ist es so wichtig, das Kind in seinen Eigenbewegungen zu unterstützen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Eigenbewegung des Kindes maximal unterstützen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wir haben bereits darüber gesprochen, was für eine Leistung es ist, aus der liegenden Position über die drehende, rollende, aktiv sich beugende und streckende und krabbelnde Bewegung schließlich in das Sich-Aufrichten zu kommen. Das Kind selbst bearbeitet, ergreift, bewegt und richtet diesen Leib auf. Diese Tatsache müssen wir heute als Bild in uns lebendig werden lassen, denn viele Maßnahmen aus Medizin und Frühförderung greifen von außen in die Willens- und Bewegungsfreiheit des Kindes ein. Ich rede jetzt nicht von den „Gehfrei-Geräten” und Kinderwippen, mit denen man Kindern, noch bevor sie selbst die Aufrechte errungen haben, auf unangemessene, pathologische Art das Sitzen oder Laufen ermöglicht. Das Kind bekommt einen Bewegungsspielraum, den es sich nicht selbst erarbeitet hat: Die Folge ist eine Schwächung des Selbsterlebens durch die Fremdbestimmung – dass es bewegt wird, anstatt sich selbst zu bewegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophische Frühförderer bemühen sich, die krankengymnastischen Techniken und Behandlungsverfahren, die sie in ihrer Ausbildung gelernt haben, so umzuwandeln, dass die Eigenbewegung des Kindes maximal unterstützt wird. Es geht darum Verfahren anzuwenden, die die natürliche Entwicklung unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Freude und Heiterkeit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Freude und Heiterkeit aber machen die Atmosphäre aus, in der die Inkarnation eines Kindes am besten gelingt. Rudolf Steiner sagt hierzu in seiner kleinen Schrift &#039;&#039;„Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft”:&#039;&#039;[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Zu den Kräften,&#039;&#039; &#039;&#039;welche bildsam auf die physischen Organe wirken, gehört also Freude an und mit der Umgebung. Heitere Mienen der Erzieher, und vor allem redliche, keine erzwungene Liebe. Solche Liebe, welche die physische Umgebung gleichsam warm durchströmt, brütet im wahren Sinne des Wortes die Formen der physischen Organe aus. Wenn die Nachahmung gesunder Vorbilder in solcher Atmosphäre der Liebe möglich ist, dann ist das Kind in seinem richtigen Elemente. Strenge sollte darauf gesehen werden, daß in der Umgebung des Kindes nichts geschieht, was das Kind nicht nachahmen dürfte. Man sollte nichts tun, wovon man dem Kinde sagen müsste, das darfst du nicht tun ...”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Die Würde des kleinen Kindes“, 3. Vortrag, Kongressband Nr. 2, gelbes Heft&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft&#039;&#039;. Rudolf Steiner Verlag, 1984.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== NORMALITÄT UND NORM IN DER KINDLICHEN ENTWICKLUNG ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gibt es eine allgemeingültige „normale“ kindliche Entwicklung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage nach dem so genannten „Normalen” wird immer wieder aufgeworfen werden. Aus kinderärztlicher Sicht würde ich sagen: Jeder ist so normal, wie er sein kann; man muss sich an der jeweils vorhandenen „Normalität” orientieren. Jeder Mensch setzt seine eigene Norm, ist sein eigener Maßstab. Man kann den anderen, nur weil er anders ist, nicht als „nicht normal” bezeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Jeder ist eine Welt für sich&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Schon im Säuglingsalter ist keiner dem andern gleich. Der Begriff „Norm” kommt aus der naturwissenschaftlichen Medizin, denn nur auf naturwissenschaftlicher Ebene kann man vergleichen, Normen setzen und Abweichungen davon bestimmen. Es gibt Normen für Gewicht, Körper-, Kragen- und Hutgröße, auch für den Zuckergehalt des Blutes am Morgen und am Abend, für die Temperatur und so fort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überall gibt es aber eine gewisse Bandbreite, sodass wir in der Medizin nicht von „Normwerten”, sondern von „Normbereichen” sprechen. Der Hämoglobingehalt des Blutes sollte sich beispielsweise zwischen 12, 6 und 16, 5 bewegen, er variiert aber je nach Geschlecht und Alter: Wenn man erkältet ist, sind die Normwerte anders, als wenn man nicht erkältet ist; im Alter von dreißig Jahren sind sie anders als mit sechs Jahren. Jede Norm braucht immer den Bezug zur individuellen Situation. Und jeder Mensch ist eine Welt für sich und setzt seine eigene Norm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraus folgt: Wenn wir Kinder so „normal” nehmen, wie sie sind, und ihnen erlauben, sich gemäß ihrer eigenen Norm, ihrem eigenen Schicksal und ihrem eigenen Vermögen zu entwickeln, arbeiten wir richtig im Sinne der kindlichen Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Die Würde des kleinen Kindes“, 2. Vortrag, Kongressband Nr. 2, gelbes Heft&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== REALITÄT DER GEISTESWISSENSCHAFTLICHEN BLICK­RICHTUNG ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Perspektive auf das Kind eröffnet die geisteswissenschaftliche Blickrichtung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern eröffnet sie eine wirklichkeitsgetreue Sicht auf das menschliche Wesen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fehlender geistiger Gesichtspunkt&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wir können grundsätzlich davon ausgehen, dass, wenn wir über Leib und Seele von Kindern und Erwachsenen sprechen, immer etwas Entscheidendes fehlt. Es sind Bilder, die etwas verbergen, weil der geistige Gesichtspunkt nicht erscheint. Meist gehen die Theorien davon aus, dass Erlebnisse in der frühen Kindheit ganz bestimmte Auswirkungen haben, die dann das Leben bestimmen; sie rechnen immer nur mit &#039;&#039;einem&#039;&#039; Erdenleben. Und auch die meist hypnotischen Rückführungstechniken bleiben beim rein Psychologischen stehen, ohne kontrollierendes geisteswissenschaftliches Bewusstsein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterhält man sich mit Menschen, die sich solchen Rückführungen unterzogen haben, oder liest man Bücher über Rebirthing, dann merkt man bald, dass sich bestimmte Motive ständig wiederholen, vor allem ganz bestimmte Situationen, in denen der Einzelne Opfer war: Holocaust, Folterung, Vergewaltigung, Spießrutenlaufen, Verbrannt-Werden usw., also ganz bestimmte Extremsituationen des Menschseins. Im Einzelfall kann das ja auch tatsächlich zutreffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Nötige wahrheitsgemäße Anschauung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aus der Geisteswissenschaft wissen wir, dass der Mensch im nachtodlichen Leben seinen Ätherleib und seinen Astralleib ablegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was aber heißt das?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während wir die Gedanken des Selbstbewusstseins, der Selbsterfahrung, des Wesentlichen und Wesenhaften mit uns nehmen, lassen wir die Gedanken des Bösen, des Widernatürlichen und Abgründigen zurück. Denn all das ist nicht Teil unseres Wesens, auch wenn wir es erlebt und erlitten haben. Es ist nicht wahr und schön und gut. Wir lassen es in der sublunaren Sphäre, der Sphäre zwischen Erde und Mond, zurück und sie bleiben in der Ätheraura der Erde und machen deren Schmerzenscharakter aus. In dieser Sphäre sind das Dämonische und das Böse zu Hause, die bösen Gedanken und Gefühle, die Hass-Impulse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn sich nun Menschenseelen auf dem Weg zur Wiedergeburt, zur Inkarnation, der Erde nahen, nehmen sie in dieser Sphäre viele Schrecknisse und Grausamkeiten, die auf der Erde geschehen sind, wahr. Diese Eindrücke werden in den sich bildenden Ätherleib mit aufgenommen und können wie Selbsterlebtes im Bewusstsein auftauchen. Es ist jedoch nicht eigenes Karma, das man dann schaut, sondern man empfindet die Verbindung mit dem Menschheitskarma, mit der Menschheitsschuld, an deren Auflösung man in diesem Leben mitarbeiten will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusätzlich zu den psychologisch-naturwissenschaftlichen Forschungsergebnissen über das Kind braucht es ein intensives Studium der Geisteswissenschaft, um die Phänomene des Kindseins und der kindlichen Entwicklung auch geisteswissenschaftlich beleuchten zu können. Sonst kommen wir nicht zu einer menschen- und wahrheitsgemäßen, allseitigen Anschauung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Die Würde des kleinen Kindes“, 2. Vortrag, Kongressband Nr. 2, gelbes Heft&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE SIXTINISCHE MADONNA ALS LEITBILD DER KINDLICHEN ENTWICKLUNG ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gibt es Leitbilder der kindlichen Entwicklung, die uns helfen können, bestimmte Fragen für die Praxis leichter zu beantworten?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sixtinische Madonna erscheint mir ein grundlegendes Leitbild der kindlichen Entwicklung zu sein. Sie ist eine Art Ur-Madonna, wie nur Raffael sie malen konnte, von dem der deutsche Maler Dürer sagte, er habe in seinen Madonnenbildern „den Himmel auf die Erde gebracht“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass sie weißhäutig ist, bedeutet nicht, dass sie nicht ebenso Urbild für farbige oder schwarze Menschen sein kann. Ich empfehle immer, dass man in farbigen Kindergärten eine farbige Madonna und daneben diese besondere Madonna von Raffael aufhängt, damit nicht das Missverständnis aufkommt, die weiße Madonna wäre „normaler” als die schwarze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die geistige Bedeutung der Farben&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Weiß als Farbe drückt im geisteswissenschaftlichen Sinn „Gottesnähe” aus, schwarz hingegen ist Bild für das entkörperte, rein geistige Dasein in der geistigen Welt. Weiß bedeutet Gottesnähe auf Erden, Schwarz ist die esoterische Farbe des Todes, der Spiritualität. Weiß spricht vom Ideal der Reinigung der Seele auf Erden, Schwarz ist Sinnbild der Ewigkeit. Die menschlichen Hautfarben lassen sich zwischen diesen beiden Polen von inkarnierter und exkarnierter Geistigkeit einordnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Madonna Raffaels ist auch deshalb ein Archetyp im esoterischen Sinn, weil ihr Kind weder weiß noch schwarz ist, sondern in der Farbe des Inkarnats gemalt wurde, d.h. dem Weiß wurde etwas Schwarz und Rot beigemischt; in Schwarz und Rot wirkt die Spiritualität (der geistigen Welt) nach, gleichzeitig drückt sich aber im Weiß Erdzugewandtheit und Inkarnationswilligkeit aus. Das gilt auch für all die kleinen Kinderköpfchen ringsum. Dieses Madonnenbild ist esoterisch bedeutsam, weil unter spirituellen Aspekten jede Farbe und jede Form stimmt und das Kind so auf dem Arm der Mutter sitzt, dass es wie heraustritt aus dem Chor der ungeborenen, inkarnationswilligen Seelen. Das ist ein Umstand, der jedes kleine Kind als Aura umgibt: dass sich noch viele andere Kinder, viele andere Schicksale im Umkreis befinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Komposition des Inkarnationsaugenblickes ===&lt;br /&gt;
Ein Neugeborenes ist unendlich reich an Nachklängen aus der geistigen Welt, an ätherischen Bindungen, hierarchischen Gedanken, aber auch an Karma und Schicksalsbeziehungen. Das wird wunderbar durch die Engel und die männliche Gestalt ausgedrückt, die sich außer der Madonna und dem Kind noch auf dem Bild befinden. Das ist der Archetyp der esoterisch-exoterischen Komposition des Inkarnationsaugenblickes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von der Sixtinischen Madonna geht eine starke, im besten Sinne erzieherische, in die Senkrechte bringende, haltende Kraft aus. Wenn wir mit diesem Bild vor Augen an die Arbeit in unseren Betreuungseinrichtungen gehen, können wir daraus die richtige Haltung und Kraft schöpfen, um die Kinder in guter Weise auf ihrem Weg zur Erde zu führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Die Würde des kleinen Kindes“, 2. Vortrag, Kongressband Nr. 2, gelbes Heft&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DAS AUTONOMIEPRINZIP IN DER MENSCHLICHEN EVOLUTION ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen Stellenwert hat das Autonomieprinzip in der menschlichen Entwicklung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was drückt es aus in Bezug auf die Aufgabe des Menschen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Der Mensch als anpassungsfähigstes Wesen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Bernd Rosslenbroich&#039;&#039; hat in seiner meisterhaften Studie zur Entwicklung von Mensch und Tier erstmals schlüssig anhand einer naturwissenschaftlichen Methodik dargelegt, dass der Evolution das Autonomieprinzip inhärent ist.[1] Das heißt, jeder Schritt in der Höherentwicklung der Arten stellt einen Zugewinn in der Befähigung zur Autonomie dar. Das kulminiert in der menschlichen Entwicklung. Der Mensch ist demnach das körperlich anpassungsfähigste Wesen. Er ist zudem frei im Hinblick auf den Umgang mit Wärme und Kälte, mit Nahrungsmitteln und Essenszeiten, mit der Schlaf- und Arbeitsmenge, mit der Work-Life-Balance, mit der Wahl seiner Partner und Freunde, mit Berufstätigkeit, Religionszugehörigkeit, Weltanschauung, mit der Frage, wie viele Sprachen er sprechen will, welche Hobbys er sich wählt, wie er liebt: ob er heiraten will oder in wechselnden Partnerschaften leben, ob er Kinder haben will oder nicht – um nur einige zu nennen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Dilemma ist, dass der Menschen im Prinzip frei ist, doch auf Schritt und Tritt erlebt, wo er &#039;&#039;noch nicht&#039;&#039; frei ist: Oft bemerkt man erst zu spät, dass man eine falsche Entscheidung getroffen hat, man wünscht sich, was man (noch) nicht hat und steht immer wieder neu vor der Tatsache, dass man zwar in vielem bereits autonom agieren kann, jedoch viele Freiheitsgrade noch nicht erschlossen sind und in diesem Leben (vielleicht) auch nicht zu erschließen sein werden. Das führt viele zur Anerkennung der Logik von Reinkarnation und Karma, ja der Notwendigkeit wiederholter Erdenleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Beteiligung des Menschen am Schicksalsgeschehen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wenn man das Leben nicht als einmalig oder zufällig betrachtet oder aber allein von einer göttlichen Macht gesteuert, eröffnet sich noch eine andere Dimension der menschlichen Entwicklung: die Beteiligung des Menschen am Schicksalsgeschehen. Je mehr sich ein Mensch seiner Mitgestaltungsmöglichkeiten bewusst ist, umso freier und verantwortungsbewusster kann er sein Leben in die Hand nehmen. Umso mehr erlebt er auch „die Ohnmacht Gottes“, der dem Menschen die Anlage zur Freiheit gegeben hat und diese in dem Maße respektiert, indem sie sich entwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Keiner muss mehr reagieren – das alte Karma-Prinzip „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ gehört der Vergangenheit an. Es führte die Menschen in die Individualisierung und Sonderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das neue Karmaprinzip, von dem in der Bergpredigt[2] die Rede ist, offenbart noch eine weitere Seite der Freiheit: dass man eigene und fremde Schuld durch die Kraft des höheren Ich verstehen, verzeihen und erlösen kann.  Diese Ich-Kraft, die allen Menschen gemeinsam ist, entwickelt sich am besten, wenn man sie im sozialen Leben übt als die Kraft selbstloser Hingabe angesichts der Sorgen und Nöte der Welt, in der man lebt, die Kraft geistiger Liebe. Voraussetzung dafür ist die bis zu einem gewissen Grad errungene Autonomie. Denn nur wer sich innerlich frei fühlt, vermag sich z.B. von berechtigter Wut einem Feinde gegenüber, der einem geschadet hat, zu lösen, ist darüber hinaus in der Lage verstehen zu wollen, um aus diesem Verständnis heraus auch verzeihen zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Folgen von Missbrauch von Liebe und Freiheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In seinem Werk über die &#039;&#039;Akasha-Chronik&#039;&#039; führt Rudolf Steiner aus, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* dass Gott der Evolution des Menschen zum Ausgleich für den &#039;&#039;&#039;Missbrauch der Liebefähigkeit&#039;&#039;&#039; Krankheit und Tod beigegeben hat.[3]&lt;br /&gt;
* Und dass der &#039;&#039;&#039;Missbrauch der Freiheitsfähigkeit&#039;&#039;&#039; hingegen über das Gesetz von Reinkarnation und Karma ausgeglichen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die beiden Widersachermächte oder Teufel Luzifer/Diabolos und Ahriman/Satanas ermöglichen den Missbrauch der Eigenschaften, die zu entwickeln der Mensch berufen ist. Ohne diese Möglichkeit der Abirrung könnte sich der Mensch nicht aus sich heraus authentisch für das Gute, das wahrhaft Menschliche, die menschlichen Entwicklungsziele, entscheiden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese werden u.a. in den Kernidealen des Christentums ausgedrückt: Wahrheit, Liebe, Freiheit. Ringen wir um die Verwirklichung dieser Ideale, erringen wir auch die Voraussetzungen für leibliche, seelische und geistige Gesundheit. Warum? Weil auch Gesundheit physiologisch gesehen auf diesen drei Qualitäten basiert: Im gesunden Organismus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* stimmt alles miteinander überein (Wahrheit)&lt;br /&gt;
* stehen die Abläufe in ständiger Resonanz und feinabgestimmter Wechselwirkung miteinander (Liebe)&lt;br /&gt;
* werden die Grenzen und die Integrität der einzelnen Organe und Funktionen respektiert (Freiheit).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Schicksalswirkungen im Lebenslauf auf Grundlage von Rudolf Steiners Karmaforschung“ Der Merkurstab 2015, Heft 6&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Bernd Rosslenbroich, &#039;&#039;On the Origin of Autonomy, A New Look at the Major Transitions in Evolution,&#039;&#039; Heidelberg, New York, Springer 2014.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Neues Testament, &#039;&#039;Matthäus&#039;&#039; Kap. 5 - 7.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Aus der Akasha-Chronik&#039;&#039;, GA 11, Dornach, Rudolf Steiner Verlag 1986. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ENTWICKLUNGSGEDANKE UND WIEDERVERKÖRPERUNG ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Perspektiven und Entwicklungsmöglichkeiten eröffnet der Gedanke der Wiederverkörperung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Viele Leben für Entwicklung nötig&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Gedanke der Wiederverkörperung ist so alt wie die Menschheit. Wer ein medita­tives Leben beginnt, bemerkt bald, wie viel es noch zu lernen und zu erfahren gilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wer kann sagen, er sei bereits ein voll entwickelter Mensch?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wer will schon von sich behaupten, dass er sein Entwicklungsziel erreicht hat und tatsächlich „am Ende“ ist?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst große Geister wie &#039;&#039;Goethe&#039;&#039; waren davon überzeugt, dass es nötig ist wiederzu­kommen, um weiter zu lernen. &#039;&#039;Emil Bock&#039;&#039; befasste sich mit Persönlichkeiten im (mittel)­europäischen Raum, die davon überzeugt waren, dass der Mensch nicht nur einmal lebt, und das Gesetz von Reinkarnation und Karma als für alle Menschen gültig erachteten.[1] Bock war der Überzeugung, dass jeder, der sich ernsthaft mit der Tatsache auseinander­setzt, dass man sich als Mensch nicht nur körperlich entwickelt, sondern auch seelisch und geistig, auf den Gedanken der Wiederverkörperung kommt: dass der Mensch viele Leben braucht, um nur annähernd das Ausmaß an Freiheit, Würde, Selbstachtung, Respekt, Verständnis, Mitleid und Liebe für andere zu erwerben, das einen wirklich „guten Menschen“ ausmacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Schicksal als Lernfeld begreifen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Jeder Mensch hat seine besondere Art zu sein und sich zu entwickeln – weil jeder sein eigenes Schicksal hat, auch wenn viele über Zeiten hinweg zusammenleben und innig befreundet sein können. Auch eineiige Zwillinge verbringen ihre Leben oft an getrennten Orten, in verschiedenen Berufen und selbstverständlich mit ver­schie­denen Lebens­partnern etc. Jeder Mensch hat sein eigenes Schicksal mit seiner eigenen Krankheits­disposition. Sich diesbezüglich eine Art geistiger Identifikationsmöglichkeit zu erarbeiten, erscheint mir in der heutigen Zeit besonders wichtig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter dem Aspekt wiederholter Erdenleben und fort­schreitender Bewusstseins­ent­wick­lung ändert sich auch das Verhältnis, das man zum eigenen Körper hat. Man ist durch ihn nicht mehr nur Mann oder Frau, Engländer, Schwarzafrikaner, Chinese oder Deutscher. Vielmehr begreift man ihn als Instrument der Weiterentwicklung. Man erlebt die eigene Identität immer mehr im rein Menschlichen und weniger im Mann- oder Frausein bzw. in der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Hautfarbe, einem Volkstum oder einer Religion. Der Körper ist das Erdeninstrument des Schicksals. Von seinen Begabungen und Behinderungen, seinem Aussehen und Geschlecht hängt es zu einem großen Teil ab, wie sich dieses gestaltet.[2] Man erlebt, wie vieles im eigenen Schicksal gerade von der besonderen Konstitution in diesem Leben abhängig ist und dass dieses Schicksal seinen eigenen Gesetzen folgt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Vertrauen in das eigene Schicksal entwickeln&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das erfuhr ich eindrücklich während meiner Zeit auf der Intensivstation. Der Laie denkt in der Regel, dass dort „Halbgötter in Weiß“ mithilfe von Schläuchen und Nadeln Leben erhalten. Das stimmt so nicht. Es trifft nicht einmal auf die Neu- und Frühgeborenen-Station zu: Ich habe dort Kinder sterben sehen, deren Tod niemand voraus­gesehen hätte und ich habe Kinder überleben sehen, bei denen niemand es für möglich gehalten hätte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In mehreren Fällen hatte sogar das ethische Komitee bereits entschieden, alle Apparate abzustellen und diese Kinder nur noch zu pflegen und zu ernähren, weil sie mehrfach behindert waren. Sie überlebten trotzdem, unter erschwerten Bedingungen ohne zusätz­liche Beatmung, bis die Eltern angesichts des Lebenswillens ihres Kindes bewusst und entschieden „Ja“ zu ihnen sagten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch diese Erfahrungen entwickelte ich als Ärztin ein ganz tiefes Vertrauen in das Schicksal der betreffenden Menschen – und damit rühren wir jetzt an eine andere Dimension: Es gibt Menschen, die früh sterben, als Kinder oder im frühen Erwach­senen­­alter. Und es gibt Menschen – deren gibt es heute viele –, die erst hochbetagt sterben. Es ist aber auch so, dass manche Kinder durch einen Unfall, den man nicht hatte vermeiden können, durch Bedingungen, die man geschaffen hat und die zu hinterfragen müßig ist, verletzt werden und lebenslang behindert bleiben. Dazu ein besonders anrührendes Beispiel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ein Ort der Weiterbildung für besondere Menschen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der Nähe von Nagano, in den Bergen Japans, liegt &#039;&#039;Suirin&#039;&#039;,[3] ein besonderer Ort für Studium und Weiterbildung, im traditionell japanischen Stil geführt, mit exzellenter biologischer Küche, angenehmen Räumen mit Holzverkleidung, mitten in der Natur. Etwa 100 Menschen können hier untergebracht und verpflegt werden. Das ganze Jahr über finden die verschiedensten Seminare, Kurse und wissenschaftlichen Kolloquien statt. Jetzt ist noch ein weiteres Haus geplant für das Zusammenleben mit alten Menschen. Die Mehrzahl der über 30 MitarbeiterInnen besteht aus Jugendlichen, die aufgrund von Anpas­sungsstörungen, psychischen Krankheiten und Behinderungen bis­her keine Arbeits­stelle finden konnten. Hier lernen sie nicht nur ein gesundes regel­mäßiges Leben kennen, sondern werden auch ausgebildet in Haushaltswirtschaft, Pflege und verschiedenen sozialen Diensten. Nach dieser mehrjährigen Ausbildungszeit können sie in der Regel ein selbständiges Leben aufnehmen. Die Anmeldelisten über­steigen weit die Möglichkeiten der Aufnahme. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Woher kam dieser Impuls, der sich im Laufe von 30 Jahren so erfolgreich entwickelt hat?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einem Elternpaar wurde vor 30 Jahren ein schwerstbehindertes Mädchen geboren, das weder gehen noch sprechen lernen konnte. Sie waren von Anfang an darauf angewiesen, sich rein emotional-intuitiv mit ihrer Tochter zu verständigen. Sie ent­schie­den sich für ein neues Leben mit ihrer Tochter, suchten einen besonders schönen, gesunden Lebensraum und begründeten – sozusagen um die Tochter herum – die eben skizzierte soziale Einrich­tung. Ohne sie wäre das Leben der Eltern in konven­tio­neller Weise weitergegangen – nie wären sie auf den Gedanken gekommen, einen Ort von Menschlichkeit und kultureller Vielfalt zu schaffen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So kann ein Erdenleben auch einmal ganz im Zeichen der Hilfsbedürftigkeit, im Em­pfan­­­gen, verbracht werden. Dadurch bekommen andere die Möglichkeit, unermess­lich viel zu lernen, insbesondere auf sozialem Felde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vom Sinn der … Krankheiten, in: Meditation in der Anthroposophischen Medizin, 1. Kap., Berlin 2016&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----&amp;lt;sup&amp;gt;[1]&amp;lt;/sup&amp;gt; Emil Bock, &#039;&#039;Wiederholte Erdenleben. Die Wiederverkörperungsidee der deutschen Geistesgeschichte&#039;&#039;, Verlag Urachhaus, Stuttgart 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;[2]&amp;lt;/sup&amp;gt; Michaela Glöckler, &#039;&#039;Begabung und Behinderung&#039;&#039;, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;[3]&amp;lt;/sup&amp;gt; Siehe &amp;lt;nowiki&amp;gt;http://www.suirin.com/English/welcome.html&amp;lt;/nowiki&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== MENSCHLICHE DEFIZITE KOMPENSIEREN DURCH ENTWICKLUNGSWILLEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern ist es wichtig, zwischen Tier und Mensch zu unterscheiden?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worin sind sie begründet?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worin liegt der Sinn des menschlichen Andersseins?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Herausforderungen und Aufgaben sind damit verbunden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verwischte Unterschiede neu erfassen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der prinzipielle Unterschied zwischen Mensch und Tier wurde als Folge der darwinistischen Evolutionstheorie in den letzten hundert Jahren zunehmend verwischt. Daher ist es wichtig, diesen Unterschied neu zu erfassen, wenn man den Menschen als Mensch und nicht als Tier verstehen möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Tier ist es zwar möglich, sich individuell seelisch zu äußern – keine zwei Hunde gleichen sich in Bezug auf ihr Verhalten vollständig, auch wenn sie dem gleichen Wurf angehören –, aber es ist dennoch keinem einzigen Hund möglich, sich nicht wie ein regulärer Hund zu benehmen. In der tierischen Entwicklung fehlt der Faktor „individuelle Entwicklung“, der mit &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Offenheit,&lt;br /&gt;
* Risikobereitschaft,&lt;br /&gt;
* Scheitern-Können,&lt;br /&gt;
* Aufgeben-Wollen einhergeht&lt;br /&gt;
* und der in die Unberechenbarkeit der spezifisch menschlichen Existenz führt&lt;br /&gt;
* mit der ganzen typisch menschlichen Selbstfindungsproblematik&lt;br /&gt;
* mitsamt ihren Identitätskrisen&lt;br /&gt;
* und dem Erreichen des Nullpunktes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht stellen wir Menschen uns deshalb gegenwärtig so gerne auf eine Stufe mit dem Tier, weil wir es insgeheim um seine fraglose Identität und um sein immer artgemäßes Verhalten beneiden. Die weisheitsvollen Gesetzmäßigkeiten der mineralischen Welt, der ätherischen Lebenszusammenhänge und der seelischen Verinnerlichungsmöglichkeiten kommen beim Tier zwar in jedem einzelnen Individuum auch individuell zum Ausdruck, jedoch immer in einer gewissen Vollkommenheit und Selbstverständlichkeit. Kindheit, Jugend und Erwachsenwerden des Tieres werden von artgemäßen Instinkten bestimmt und können naturgegeben ausgelebt werden. Gerade das ist dem Menschen nicht möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Lange Kindheit als Zeit für Entwicklung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Zoologe &#039;&#039;Friedrich Kipp&#039;&#039; ist in seinem Buch &#039;&#039;„Die Entwicklung des Menschen im Hinblick auf seine lange Jugendzeit“&#039;&#039; dem Unterschied zwischen Tier und Mensch evolutionsbiologisch nachgegangen.[1] Er zeigt auf, dass der Mensch eine im Vergleich zu den Säugetieren charakteristisch lange Kindheit und Jugend hat, mit einer ausgedehnten Spiel- und Lernphase, wodurch seine Fähigkeit, sich lebenslang ändern und anpassen zu können, entscheidend unterstützt wird. Das zeigt: Der Mensch ist auf Selbstentwicklung hin veranlagt. Körperlich hingegen behält er im Vergleich zu den Tieren eine unspezialisierte, embryonal-kindliche Form bei. Dies hat auch entsprechende Konsequenzen für die Erziehung: Kinder, die ausgiebig spielen und kreativ sein durften, bleiben in der Regel auch bis ins hohe Alter beweglich und schöpferisch. Je früher hingegen die Kinder in Kindergarten und Schule spezialisiert, konditioniert und verschult und damit festgelegt erscheinen, desto gefährdeter sind sie, später unschöpferisch, angepasst und früher alt und eher krank zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daran kann unmittelbar abgelesen werden, dass in den Menschen eine über das Tier hinausgehende, völlig andere Gesetzmäßigkeit hereinragen muss: Eine Gesetzmäßigkeit, durch die er gezwungen ist, die Verantwortung für seine Entwicklung selbst in die Hand zu nehmen, da er sie nicht seinen körpereigenen Instinkten überlassen kann. Die menschliche Entwicklung ist gekennzeichnet von einer größtmöglichen Offenheit und Verwundbarkeit. Alles, worauf das Tier sich weitestgehend verlassen kann – dass es die richtige Wahl der Nahrungsmittel trifft, dass es nicht zu viel und nicht zu wenig isst, dass es sich artgemäß fortpflanzt, dass sein Schlaf-Wachrhythmus geregelt ist, dass sein Sozialverhalten dem entspricht, was man von ihm erwartet –, all das ist beim Menschen nicht von Natur aus gegeben, sondern muss im Laufe des gesamten Lebens nicht nur errungen, sondern auch weiter ausgebildet, kultiviert und „vermenschlicht“ werden. Wie viele Arztbesuche würden entfallen, wenn es keine Ess-, Schlaf- und (sexuelle) Beziehungsprobleme gäbe!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon eine so einfache Überlegung macht deutlich, wie revolutionär, wie dramatisch und grundsätzlich der Unterschied zwischen Mensch und Tier ist. Wenn beim Tier die Geschlechtsreife eintritt, ist sein artgemäßes Verhalten bereits gesichert, und es lebt individuell und sozial in geregelten Bahnen. Beim Menschen hingegen ist die Geschlechtsreife dadurch gekennzeichnet, dass alle noch so gutgemeinten erzieherischen Bemühungen aus den früheren Jahren fruchtlos erscheinen. Eigenes, Unerwartetes macht sich geltend – das ist ein wahrhaft revolutionärer Vorgang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entwicklungsoffenheit als Herausforderung und Chance&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Mit diesem Eigenen, Unerwarteten, mit dieser Entwicklungsoffenheit hängt aber auch all das zusammen, was besonderen Begabungen und Behinderungen zugrunde liegt. Und nur der Mensch muss lernen, mit Begabungen und Behinderungen zu leben und mit ihnen umzugehen, nicht jedoch die ihm seelisch verwandten Tiere. Man hat Skelette von wasserköpfigen Kindern gefunden, die aus der Steinzeit stammten, und hat daraus geschlossen, dass die Fürsorge für behinderte Kinder so alt ist, wie Menschen Behinderungen wahrnehmen und pflegen konnten. Ein behindertes Tier in der freien Wildbahn wird sehr bald vom ökologischen System „verarbeitet“: es stirbt, weil es sich nicht ernähren und verteidigen kann – es wird aufgefressen, ihm kann nicht geholfen werden. So wird auch dafür gesorgt, dass schwerwiegende Behinderungen unter Tieren nicht weitervererbt werden können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was könnte ein Tier auch in der Auseinandersetzung mit einer Behinderung gewinnen? &#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da ihm das Selbstbewusstsein und die damit verbundene persönliche Betroffenheit fehlen, könnte es damit gar nichts anfangen. Es würde sinnlos leiden. Dem Tier ist es nicht gegeben, durch Leid und Schmerz Erfahrungen zu machen, die es in seiner Entwicklung weiterbringen. Denn es ist von Natur aus zur Vollkommenheit veranlagt. Das kann durch persönliche Anstrengung nicht noch weiter gesteigert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Leid und Schmerz als Lernhilfen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Gerade das ist beim Menschen grundsätzlich anders: Für ihn sind Leid und Schmerz Herausforderungen, denen er sich während seiner ganzen Entwicklung bewusst stellen muss und durch die er Erfahrungen machen kann und Einsichten gewinnen lernt, die durch nichts anderes zu gewinnen sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Natur zeigt sich das Geistige – wenn es durch menschliche Eingriffe nicht gestört wird – wirksam in den weisheitsvoll aufeinander abgestimmten Regelkreisen der ökologischen Zusammenhänge. Krankheit und Behinderung treten hier nur am Rande als flüchtige Erscheinungen auf, da kranke Pflanzen bald zugrunde gehen, ebenso wie geschwächte und geschädigte Tiere. Demgegenüber besitzt der Mensch die Möglichkeit, mit Krankheiten und Behinderungen unter Umständen jahrzehntelang zu leben und umzugehen. Doch nicht nur das. Bei ihm tritt als entscheidender Faktor etwas hinzu, das bei Pflanze und Tier nicht existiert: innere Krankheitsursachen. Pflanze und Tier erkranken, wenn die äußeren Lebensumstände ihrer Art nicht mehr entsprechen und wenn in irgendeiner Form nicht zu kompensierende Mangelerlebnisse auftreten, was Nahrung und Klima betrifft. Beim Menschen treten zu diesen schädigenden Einflüssen von außen als entscheidende, spezifisch menschliche Krankheitsursachen innere Ursachen hinzu. Die Kräfte, die beim Menschen als freie, seelisch-geistige Betätigungsmöglichkeiten in Erscheinung treten, entstammen ja Kraftzusammenhängen, die den Leib aufbauen und erhalten. Beim Tier offenbaren sich die entsprechenden Kräfte als leibgebundene instinktive Weisheit und artgerechtes Sozialverhalten. Irrtum und Missbrauch dieser Kräfte sind ausgeschlossen, indem sie der unbewussten Regelung durch das Naturgesetz unterliegen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ausgleich des Instinktdefizits durch Lernwillen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das ist beim Menschen anders. Er hat ein großes Instinktdefizit, einen Mangel an naturgegebener Weisheit, wie sie den Tieren angeboren ist. Dieses Kräftepotential steht stattdessen leibfrei dem Seelen- und Geistesleben zur Verfügung, d.h. der Mensch kann und muss durch aktive Lernprozesse ersetzen, was ihm an Instinkten fehlt. Andererseits hat er dadurch die Möglichkeit, diese vom Leib emanzipierten seelischen und geistigen Entwicklungspotentiale zu missbrauchen zur Zerstörung von sich und anderen. Hiermit gemeint sind nicht nur die Schädigungsmöglichkeiten, die mit falscher Ernährung, zu wenig Schlaf, einer ungesunden Lebensweise und mangelnder Hygiene zusammenhängen, sondern vor allem diejenigen Schädigungsmöglichkeiten, die durch ein unwahres Denken, ein destruktives Gefühlsleben und durch fehlgeleitete Willenshandlungen zustande kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist ein langer Entwicklungsweg, bis man reif ist für den freien Gebrauch dieser Seelen- und Geisteskräfte. Die damit verbundenen Lernprozesse sind dadurch störanfällig, dass sich der Mensch geistig, seelisch und auch an Leben und Leib „irren kann“. Darin liegt ein tiefer Sinn. Denn wenn er den zuletzt in Form von Krankheit und Behinderung organisch gewordenen „Irrtum“ erlebt, kann er sich dadurch weiterentwickeln. Auch liegt etwas Trostreiches in dem Gedanken, dass man Fehler und Irrtümer selber als solche erleben und damit die Voraussetzungen schaffen kann, sie selbstständig zurechtzurücken und zu verwandeln. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade dabei spielt der Umgang mit Begabung und Behinderung eine wesentliche Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verantwortung übernehmen für Entwicklung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Es wäre allerdings einseitig, aus dem Vorgebrachten den Schluss zu ziehen, hier tauche, nur mit neuen Begründungen, die alte Lehre wieder auf, dass Krankheit von Sünde und Fehlverhalten komme. Viel wesentlicher ist es, aus diesen Zusammenhängen die Frage abzuleiten: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Woher kommen Begabungen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Woher kommen angeborene Fähigkeiten, Genialität? &#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Könnten sie nicht gerade das Ergebnis durchgemachter Behinderungen und Krankheiten in einem früheren Erdenleben sein?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir leben heute in einer Zeit, in der die Menschen zunehmend empfinden, dass sie selbst für ihre Gesundheit und ihre Entwicklung Verantwortung übernehmen müssen. Dafür sorgt nicht nur der sich anbahnende wirtschaftliche Zusammenbruch der Gesundheits- und Sozialsysteme, sondern auch, dass der Mensch sich immer stärker als auf sich selbst gestellt erlebt. Angesichts der vielfältigen Folgen menschlichen Handelns in der Natur, der Umwelt und im Wirtschafts- und Sozialleben erkennen wir, dass wir es letztlich selber sind, von denen wir und unsere Umwelt abhängen. Wir sind viel mehr mit den Folgen unserer Taten konfrontiert; sie werden vom Einzelnen viel stärker erlebt als dies noch vor vierzig, fünfzig Jahren der Fall war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Zukunft wird entscheidend sein, dass möglichst viele Menschen sich ihrer Verantwortung bewusstwerden und aus dieser Einsicht heraus energisch an einer Vermenschlichung der kulturellen Verhältnisse arbeiten. Auch wenn noch nie so viele Menschen auf der Erde gelebt haben wie gegenwärtig, kann man andererseits auch sagen, dass die Defizite an Menschlichkeit nie so stark in Erscheinung getreten sind wie im letzten Jahrhundert mit seinen endlosen Kriegen, Zerstörungen und epidemischen Zuständen von Unzufriedenheit, Depression und Verzweiflung. Und so ist es kein Wunder, dass sich viele Menschen aufgrund dieser Tatsachen wie an einer Schwelle erleben, an der sie wachgerüttelt werden, sich selbst zu erkennen. Viele empfinden auch eine gewisse Sehnsucht, sich ihre Mitverantwortung für das Ganze bewusst zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Begabungen und Behinderungen“, 5. Und 6. Kapitel, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2004&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. dazu Friedrich A. Kipp, &#039;&#039;Die Evolution des Menschen im Hinblick auf seine lange Jugendzeit&#039;&#039;, Stuttgart 1991. Ferner Wolfgang Schad, &#039;&#039;Säugetiere und Mensch&#039;&#039;, Stuttgart 1971.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Offenborn</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Entwicklung&amp;diff=1211</id>
		<title>Entwicklung</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Entwicklung&amp;diff=1211"/>
		<updated>2025-12-17T19:14:59Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Offenborn: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= Entwicklung – von Michaela Glöckler =&lt;br /&gt;
Auszüge aus Büchern und Vorträgen von [[Michaela Glöckler]]; Erstveröffentlichung auf https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== EMBRYONALE ENTWICKLUNGSSTADIEN UND -GESTEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche signifikanten Entwicklungsstadien durchläuft der Embryo?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Entwicklungsgesten lassen sich aus den einzelnen Stadien ablesen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entwicklungsstadien des Embryos&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In den ersten Tagen nach der Zeugung muss sich der Embryo, das sich inkarnierende Kind, das nur als kleiner Zellhaufen sichtbar ist, erst einmal selbst seinen Umkreis, die Plazenta und alle anderen embryonalen Hüllen schaffen. Das ist seine Hauptarbeit. Wenn das geschafft ist, fängt der kleine Mensch an sich zu regen und zu leben. Es empfiehlt sich sehr, möglichst naturnahe Bilder der embryonalen Entwicklungsstadien im Internet oder in guten Embryologie-Büchern anzusehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Folgenden nur ein paar kurze Anmerkungen zu embryonalen Entwicklungsstadien:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* In der &#039;&#039;&#039;ersten Woche&#039;&#039;&#039; kommt es zum sogenannten &#039;&#039;Morula-Stadium&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
* In der &#039;&#039;&#039;zweiten Woche&#039;&#039;&#039; bildet sich der &#039;&#039;Embryoblast&#039;&#039; in seiner allerersten Veranlagung als zweiblättrige Keimscheibe in dieser wunderschönen Ausformung, die dann bald dreiblättrig wird. &lt;br /&gt;
* In der &#039;&#039;&#039;vierten Woche&#039;&#039;&#039; veranlagt sich bereits die &#039;&#039;Gesamtgestalt&#039;&#039; im Zentrum der embryonalen Hüllen.&lt;br /&gt;
* Aus der dreiblättrigen Keimanlage von Ektoderm, Entoderm und dem sich dazwischen bildenden Mesoderm differenzieren sich &#039;&#039;&#039;in den nächsten Wochen&#039;&#039;&#039; alle Körperorgane.&lt;br /&gt;
* In der &#039;&#039;&#039;achten Woche&#039;&#039;&#039; ist das &#039;&#039;Nervensystem&#039;&#039; bereits das differenzierteste Organsystem, über das wir als Menschen verfügen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entwicklungsgesten und Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Entwicklungsgesten hängen eng mit den Wesensgliedern, die sie vollziehen zusammen. Wir unterscheiden drei grundverschiedene Gesten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Wachstum (Proliferation) unter der Regie des ÄL ====&lt;br /&gt;
Der Ätherleib ist der große Materialbeschaffer, der Wachstumsspezialist, der Zellen bildet und unter der Regie des AL ausgestaltet.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Differenzierung unter der Regie des AL ====&lt;br /&gt;
Es ist wichtig sich ins Gedächtnis zu rufen, dass Leben eben auch die Differenzierung von ein und demselben Grundmaterial bedeutet. Das vollbringt der Astralleib (AL). Er bringt Differenzierung in alles Leben (Ätherische), sodass es sich individuell und spezifisch ausprägen kann: Gehirn und Magen leben beide, aber sie tun es auf sehr unterschiedliche Art und Weise. Der Astralleib ist seinem Wesen nach musikalisch, weil in der Musik alles vom Intervall, vom Dazwischen, von der Differenzierung in feine Nuancen lebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Integration unter der Regie der Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Die Ich-Organisation ist die integrierende Instanz, sie schafft aus allem eine Ganzheit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Embryonalentwicklung kann man am besten beobachten, wie diese unterschiedlichen Kompetenzen der Wesensglieder zum Tragen kommen, während sich die Organe bilden, differenzieren und ihren Platz im Ganzen finden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag „Der Lebenssinn In Diagnostik Und Therapie“, gehalten am 8. Januar 2016 an der Kunsttherapietagung&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== BILDEIMPULSE DER WESENSGLIEDER FÜR DIE EMBRYONALENTWICKLUNG ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Impulse geben welche Wesensglieder für die Embryonalentwicklung&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Organbildungen verdanken wir den drei Keimblättern?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern drückt sich die Ich-Organisation auf dreifache Weise im Gesamtorganismus aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Prägung der drei Keimblätter&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Absätze 5–8 von Kapitel VI aus &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; sind dem Zusammenwirken der dem Blut und den Nerven zugrunde liegenden Bildeimpulse gewidmet. Aus dem Zusammenwirken von Blut und Nerv ergeben sich – so die Autoren – alle Bildeimpulse für die Embryonalentwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die dreifach unterschiedliche Art des Zusammenwirkens entstehen drei verschiedene Gebiete, von denen die Bildeimpulse für den Gesamtorganismus ausgehen. Diese drei verschiedenen Gebiete sind die Prägeorte für die Bildung der aus der Embryologie bekannten drei Keimblätter:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Ektoderm&#039;&#039;&#039; (äußeres Keimblatt) – oberes Gebiet, &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Mesoderm&#039;&#039;&#039; (mittleres Keimblatt) – mittleres Gebiet,&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Entoderm&#039;&#039;&#039; (inneres Keimblatt) – unteres Gebiet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;@ Vom Entoderm ausgehende Organbildungen – Verdauung und Atmung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im Verdauungsgebiet arbeiten vorzugsweise die ätherisch organisierten Nerven mit der Blutsubstanz zusammen, deren Tätigkeit der Ich-Organisation unterliegt. Diese Art des Zusammenwirkens bildet während der Embryonalentwicklung den Ausgangspunkt für die Organbildungen, die vom Entoderm ausgehen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Epithel- und Drüsen des Magen-Darm-Traktes, &lt;br /&gt;
* Leber,&lt;br /&gt;
* Pankreas,&lt;br /&gt;
* Harnblase&lt;br /&gt;
* Epithel und Drüsen der Trachea, Bronchien und Lungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;@ Vom Mesoderm ausgehende Organbildungen – Organe der Beweglichkeit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Vom mittleren Keimblatt gehen die Organbildungen aus, bei denen die Nervenorgane, die von der astralischen Organisation beeinflusst sind, zusammenwirken mit Blutvorgängen, die ebenfalls von dieser astralischen Organisation und in ihrem oberen Teil von der ätherischen abhängig sind:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Skelettmuskulatur, &lt;br /&gt;
* Bindegewebe&lt;br /&gt;
* Knochen (mit Ausnahme des Schädels),&lt;br /&gt;
* sowie das Urogenitalsystem samt Niere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind die Organe, &#039;&#039;„welche die äussere und innere Beweglichkeit vermitteln“.[2]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;@ Vom Ektoderm ausgehende Organbildungen – Stützorgane&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im oberen – ektodermalen – Gebiet liegen die Ausgangspunkte für die Knochenbildung und für alles andere, &#039;&#039;„das dem menschlichen Körper als Stützorgane dient“.[3]&#039;&#039; Hier wirken die unter dem innerlich organisierenden Ich stehenden Nerven zusammen mit den Blutvorgängen, die eine starke Neigung haben, ins leblos Mineralische überzugehen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Haut, Haare, Nägel, &lt;br /&gt;
* Zahnschmelz,&lt;br /&gt;
* Innenohr,&lt;br /&gt;
* Augenlinse&lt;br /&gt;
* Hirnnerven und das Zentralnervensystem mit Epiphyse und Hypophysenhinterlappen,&lt;br /&gt;
* die Knochen des Kopfes,&lt;br /&gt;
* deren Muskeln&lt;br /&gt;
* und zugehöriges Bindegewebe.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Räumliche und funktionelle Dreigliederung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dass es sich dabei nicht nur in räumlicher Hinsicht um drei Gebiete handelt, sondern auch um eine funktionelle Dreigliederung (unter der Regie der Ich-Organisation), geht aus Abs. 6 hervor: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Der mineralische Anteil der Knochen&#039;&#039; wird dem &#039;&#039;&#039;obersten Gebiet (Ektoderm)&#039;&#039;&#039; zugehörig betrachtet,&lt;br /&gt;
* wohingegen &#039;&#039;die organischen Knochenstrukturen&#039;&#039; den Impulsen des &#039;&#039;&#039;mittleren Gebietes (Mesoderm)&#039;&#039;&#039; unterstellt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ich-Organisation prägt in der Skelettbildung ihre Signatur der Gesamtgestalt auf – das Skelett ist ihr Abbild. Träger der geistigen Ich-Tätigkeit ist hingegen das Gehirn, dem &#039;&#039;„die organisierende Kraft des Ich nur leise zugrunde liegt“&#039;&#039;&#039;[5]&#039;&#039;&#039;,&#039;&#039; weswegen sie sich überwiegend leibfrei ‚von außen‘ betätigen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Während die Ich-Organisation sich durch die Knochenbildung im &#039;&#039;&#039;Skelett&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;ein Abbild im Physischen&#039;&#039; schafft, &lt;br /&gt;
* kann sie sich dank der &#039;&#039;&#039;Gehirnphysiologie&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;rein geistig&#039;&#039; betätigen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;In der Blutsubstanz&#039;&#039; und in allem, was durch sie bewirkt wird, ist sie unmittelbar &#039;&#039;&#039;substanzbildend und regulierend&#039;&#039;&#039; tätig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war Rudolf Steiners Entdeckung, dass der embryonale Kreislauf einer der besten Beweise für die autonome Bewegung des Blutes ist,[6] was inzwischen durch die embryologische Forschung mit hochauflösender Videomikroskopie bestätigt werden konnte.[7]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[8]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27, S. 35.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Vgl. Moore (2013), 533–559.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Siehe FN 1, S. 36.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Philosophie des Thomas von Aquino,&#039;&#039; GA 74, S. 93.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Vgl. Forouhar u. a. (2006), 751–753.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== STADIEN DER MENSCHLICHEN ENTWICKLUNG IN JUGEND UND ALTER ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche großen Entwicklungsabschnitte gibt es im menschlichen Leben?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Reifezyklen in Jahrsiebten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Nach der Geburt steht zunächst die Entwicklung des Nervensystems im Vordergrund. Dann folgen die Organe der rhythmischen Funktionsordnung und schließlich die volle Ausreifung von Skelett und Stoffwechselorganen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== - Evolution im 1. Jahrsiebt ====&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;Grundreifung der Sinnesfunktionen&#039;&#039; und etwa 90% der Kapazitäten des Zentralnervensystems erreichen schon in den ersten 9 Lebensjahren die volle Funktionstüchtigkeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ohr ist mit etwa vier Jahren voll funktionstüchtig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Auge braucht acht Jahre, bis es in allen Feinheiten ausgereift ist: in Bezug auf die Perspektive, das Farbensehen, auf feinsten Abstufungen der Wahrnehmung und die Verknüpfung mit den anderen Sinnen. Das ist ein langer Reifungsprozess.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== - Evolution im 2. Jahrsiebt ====&lt;br /&gt;
Bis zur Pubertät reifen die &#039;&#039;rhythmischen Funktionssysteme&#039;&#039;, insbesondere von Herz und Kreislauf. Bei einem Zwölfjährigen haben wir noch ein Kinder-EKG, einen schnelleren Herzrhythmus und eine schnellere Atmung, als es der Erwachsene hat.  Die Ausreifung der Frequenzabstimmung zwischen Atem- und Herzrhythmus sind im Alter von 15-16 Lebensjahren abgeschlossen, dann hat sich die ruhigere, langsame Atmung des Erwachsenen entwickelt. Es dauert also länger, bis diese Organe „erwachsen“ sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== - Evolution im 3. Jahrsiebt ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Skelett und Stoffwechsel&#039;&#039; brauchen am längsten, bis sie vollkommen ausgereift sind und die Stabilisierung der Stoffwechselvorgänge und des Hormonhaushaltes erreicht wird. Vom spirituellen Gesichtspunkt her würden wir sagen: bis der Mensch „vollständig inkarniert“ ist. Das dauert im Durchschnitt zwischen achtzehn und zweiundzwanzig Jahren. Die Ausreifung des Skelettsystems zur Erwachsenenform geschieht bis zum 23. Lebensjahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== &#039;&#039;Involutionsphasen in Jahrzehnten&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
Interessant ist nun, dass sich in der zweiten Lebenshälfte diese drei Organsysteme in umgekehrter Reihenfolge wieder zurückbilden, was wir den Prozess des Alterns nennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;&#039;Zwischen 40 und 50&#039;&#039;&#039; mit dem Klimakterium tritt bei der Frau die Menopause ein. Die Involution der Stoffwechselprozesse beginnt. Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises und Stoffwechselstörungen wie Diabetes Typ 2 haben laut Statistik ihre höchste Inzidenz (Zeitpunkt des Eintretens) in diesem Alter. Gelenkverschleiß zeigt sich, Rückenprobleme werden spürbar; Gallen- und Nierensteine.&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;&#039;Zwischen 50 und 60&#039;&#039;&#039;  treten in einem großen Schub die typischen pulmonalen und cardio-vaskulären Erkrankungen auf wie Bluthochdruck, Rhythmusstörungen, bei Disposition der erste Infarkt. Später oder früher wäre es schon nicht mehr so typisch. Das betrifft auch die Chronifizierung von Lungenerkrankungen, die hier einsetzt. All diese Erkrankungen haben in diesem Alter statistisch gesehen eine erste große Inzidenzphase. Wir sprechen dabei von Exkarnationsproblemen. Der Mensch kommt im Hinblick auf seine Vitalität, seine Seelenverfassung und seinen ganzen biografischen Entwurf in eine Krise. Er muss körperliche Einbußen hinnehmen. Und – was man ja bei chronischen Krankheiten immer erlebt – er spürt hautnah die Vergänglichkeit und Endlichkeit seines Lebens.&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;&#039;Zwischen 60 und 70&#039;&#039;&#039; hingegen zeigen sich gehäuft Degenerationserscheinungen an den Sinnesorganen und dem Zentralnervensystem.     Gott sei Dank sind die Gehirn- und Sinnesleistungen die letzten Funktionen, die schrittweise nachlassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die menschliche Entwicklung vollzieht sich nicht linear, sondern spiegelbildlich an der biologischen Lebensmitte (ca. 35 Jahre). Rudolf Steiner sagt: Die Involutionsphasen spiegeln die Inkarnations- oder Evolutionsphasen.[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraus lässt sich ersehen, dass die Art und Weise, wie die Entwicklung durch Kindheit und Jugend sich vollzogen hat, bestimmend ist für den Schweregrad der Ausprägung chronischer Erkrankungen und Verschleißerscheinungen im Alter. So gesehen ist primäre Prävention und Krankheitsvorbeugung in allererster Linie eine Erziehungsfrage. Denn je harmonischer die Reifung in Kindheit und Jugend – umso weniger Krankheitsneigungen treten in der Zeit der „Exkarnation“ auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. 1. Kapitel, „Gesundheit durch Erziehung“, Persephone, Kongressband, derzeit vergriffen&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== WIE DIE LEBENSKRÄFTE IN KINDHEIT UND ALTER ZUSAMMENHÄNGEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kommt es, dass man gerade heute so viele müde und verhärmte alte Menschen trifft, wo es doch laut der anthroposophischen Menschenkunde mit der geisti­gen Kraft aufwärts gehen sollte?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie hängt der Inkarnationsprozess in der ersten Lebenshälfte mit dem Exkarnationsprozess in der zweiten Lebenshälfte zusammen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Alterungsprozess am Beispiel einer Patientin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Diese Frage soll am Beispiel einer Patientin er­läutert werden, deren Alterungsprozess ich, nachdem sie das 75. Lebensjahr überschritten hatte, nah begleitete. Sie war ein geistig sehr aktiver Mensch gewesen. Dennoch entwickelte sie sich in den letzten Le­bensjahren zunehmend in eine gewisse geistige Starre, die es ihr erschwerte, den Kontakt mit anderen Menschen zu pflegen. Sie wurde ängstlich und argwöhnisch, und man sah, wie die Verhärtungs- und Sklerotisierungsprozesse des Alters überhandnah­men und ihr bewusstes Gedankenleben stark beeinflussten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie hatte bereits als junges Mädchen die Anthroposophie kennengelernt und seither unablässig an ihrer inneren Entwicklung gearbeitet, und sie war auch sehr erfolgreich und tüchtig in ihrem Beruf. Nach dem frühen Tod ihres Mannes war sie ganz auf sich selbst angewiesen. In ihrer frühen Kindheit hatte sie sehr unter einem extrem strengen Vater zu leiden gehabt und musste als Älteste von mehreren Geschwistern viel zu Hause helfen, oft bis in die Nacht hinein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie ist für mich ein typisches Beispiel dafür, wie gerade in der frühen Kindheit, in der sich das Nervensystem aufbaut, Schäden veranlagt werden können, die sich in starken Abbauerscheinungen im späteren Alter widerspiegeln. Den schwächenden Einflüssen ihrer schweren Kindheit und Jugend und den dadurch schon im frühen Alter zu erwartenden Erkrankungen hatte sie durch ihr sehr aktives Innenleben entgegenzuwirken vermocht, sodass die Verhärtungsprozesse erst viel später in Erscheinung traten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Aufgaben einer zu­kunftsorientierten Erziehung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aus dem Wissen um den Zusammenhang zwischen der Art, wie ein Mensch in seinem Körper inkarniert und zwischen der Art, wie er sich wieder davon löst, möchte ich konkrete Hinweise geben, wie wir bereits in der Pädagogik einen positiven Einfluss auf den Alterungsprozess nehmen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Bewusste Pflege der Lebenskräfte der Kinder ====&lt;br /&gt;
Eine der wichtigsten Aufgaben einer zu­kunftsorientierten Erziehung, die nicht nur den Augenblick, sondern die ganze Biographie im Auge hat, besteht darin, die Lebenskräfte der Kinder bewusst so zu pflegen, dass solchen Alterungsvorgängen vor­gebeugt wird. Durch Selbsterziehung und die intensive Pflege des eigenen Seelenlebens kann der Erwachsene selbst Gesundheit bis ins hohe Alter veranlagen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Grund dafür, dass so viele Menschen im Alter bedauerliche Zustände erleben, liegt zum einen in den unzureichenden Entwicklungs- und Erziehungsbedin­gungen unserer Zeit und zum anderen in der mangelhaften selbstbestimmten Aktivierung der seelischen und geistigen schöpferischen Kräfte, die in einer durch den Materialismus geprägten Kultur zu wenig Pflege er­fahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst wenn in der Kindheit die Wachstumskräfte durch zu frühes intellektuelles Trai­ning in Denkkräfte umgewandelt wurden, gibt es Möglichkeiten, den zu erwartenden Schäden im späteren Leben vorzubeugen. Korrekturmöglichkeiten liegen immer in demjenigen, was für ein bestimmtes Lebensalter an der Reihe ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Versäumtes nachholen über altersgemäße Aktivitäten ====&lt;br /&gt;
Dazu ein Beispiel: Hat ein achtjähriges Kind den größten Teil seiner Kindheit vor dem Fernsehap­parat verbracht und ist deshalb motorisch ungeschickt, neigt zudem zu stereotypen Bewegungen, wiederholt ständig bestimmte Formulierungen, ist unfähig zu konzentrierter Gedankentätigkeit, so macht es keinen Sinn, mit einem solchen Kind die versäumte motorische, sprachliche und kognitive Kleinkind-Entwicklung nur nachholen zu wollen. Das ist gar nicht möglich! Man muss sich vielmehr fragen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was braucht ein gesunder Achtjähriger?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Altersgemäße Aktivitäten wären:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Spaziergänge in der Natur &lt;br /&gt;
* Bewegungsspiele im Freien &lt;br /&gt;
* Lösen einfacher Rätsel &lt;br /&gt;
* gemeinsames Auswendiglernen von Gedichten &lt;br /&gt;
* Zeichnen von einfachen Formen mit der Hand, mit dem Fuß, mit immer wieder neuen Farben &lt;br /&gt;
* Malen von Bildern zu vorgelesenen Geschichten &lt;br /&gt;
* einfache musikalische Übungen an einem Instrument und in Form von Singen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über all das wird das Kind in seiner altersent­sprechenden Lerndisposition gefordert – aber nicht nur das: Über diese gemeinsamen Aktivitäten entsteht eine Beziehung zwischen Lehrer und Kind, die es dann auch erlaubt, dass manches aus der Kleinkindentwicklung in veränderter Form auf einer anderen Ebene nachgeholt werden kann. In einem solchen Fall sollte man sich zusätzlich mit erfah­renen Heilpädagogen, Ergo- und Physiotherapeuten unterhalten bzw. mit einem Kinderpsychiater austauschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Nachholmöglichkeiten im Erwachsenenalter&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Jeder Mensch kann natürlich auch noch im Erwachsenenalter an sich ar­beiten. Denn &#039;&#039;jedes&#039;&#039; Alter hat seine altersspezifische Lerndisposition, die es uns ermöglicht, bis zu einem gewissen Grad Versäumtes nach­zuholen und damit vom Seelisch-Geistigen aus im Sinne einer „geistigen Ernährung“ heilsam auf den Leib zurückzuwirken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Künstlerisches Üben ====&lt;br /&gt;
Hat man beispielsweise eine Erziehung genossen, die ganz im Zeichen der Frühintellektualisierung stand, so ist es eine große Hilfe, wenn man sich im späteren Leben künstlerisch betätigt. Optimal wäre es, regelmäßig an eurythmischen Laienkursen teilzu­nehmen, denn keine Kunst appelliert so zentral an die Aufbaukräfte des Organismus und führt zu einer Stärkung der gesamten Vitalität wie die Eurythmie. Die eurythmischen Bewegungen entsprechen den Ent­wicklungsbewegungen des menschlichen Körpers, die schon vom Embryo als Wachstumsbewegungen durchgeführt werden. Das zeigen Ultraschall-Filmaufnahmen, die während der Schwangerschaft gemacht worden sind. Die Em­bryonen und Feten vollführen die Grundbewegun­gen, die wir aus der Sprach- und Toneurythmie kennen. Doch hilft natürlich jede künstlerische Tä­tigkeit, die schöpferischen Kräfte – speziell des Gefühls und Willenslebens – zu aktivieren, da Kunst nicht auf Verstandesleistungen beruht, sondern durch regel­mäßiges Üben und Wiederholen (Willensanstrengungen) und durch ästhetisches Beurteilungsvermögen zustande kommt. Genau hinzuspüren, ob etwas schon gelungen ist oder nicht, regt wiederum das Gefühlsleben an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kontrolle der Kritikbereitschaft ====&lt;br /&gt;
Auch ist es eine gute Übung für früh intellektualisierte Menschen, sich in Be­zug auf ihre Kritikbereitschaft zu kontrollieren. Denn meist neigen sie dazu, unablässig Situationen, Men­schen und Vorgänge um sich herum zu beurteilen. Wer dies bei sich entdeckt und darauf zu verzichten beginnt, wird bemerken, dass seine Vi­talität zunimmt. Zudem werden die Aufbaukräfte des Organismus dadurch unter­stützt. Denn alles kritische Beurteilen birgt eine destruk­tive Tendenz, egal, ob das Urteil positiv oder negativ ausfällt. Be­urteilungen dienen dazu etwas &#039;&#039;fest zu stellen&#039;&#039; und beruhen somit auf einem unproduktiven Gedankenleben: &#039;&#039;„Wie konnte der nur, er müsste doch eigentlich wissen...“,&#039;&#039; oder &#039;&#039;„Das finde ich ausgezeichnet, das hätte ich auch so gemacht, wenn ich in seiner Situation gewesen wäre – allerdings hätte er...“&#039;&#039; usw. Solche Feststellungen werden um ihrer selbst willen gemacht und ziehen keine Taten nach sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz anders die Urteile, die durch sorgfältiges Abwägen zu Entscheidungen und damit auch zu Willenshandlungen führen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rahmen der Selbsterziehung gibt es eine Fülle von Möglichkei­ten, in der Kindheit veranlagte Erziehungsschäden im späteren Le­ben auszugleichen und damit zur Harmonisierung der kör­perlichen und geistigen Kräfte beizutragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Kapitel „Zusammenhänge der menschlichen Denktätigkeit“, Elternsprechstunde, Verlag Urachhaus, Stuttgart&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wege und Ziele des geistigen Menschen&#039;&#039;, GA 125.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ALTERUNGSPROZESS IN BEZUG ZUR ENTWICKLUNG IN KINDHEIT UND JUGEND ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche großen Entwicklungsabschnitte gibt es im menschlichen Leben?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie hängen Evolution und Involution miteinander zusammen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Auswirkungen hat die Entwicklung in der Jugend auf den Alterungsprozess?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Einander spiegelnde Evolutions- und Involutionsphasen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Altwerden ist keine Krankheit, genauso wenig wie Schwanger-Sein. In beiden Fällen kann es jedoch sein, dass Komplikationen und Schwierigkeiten auftreten, die dann behandelt wer­den müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner sagt: Die Involutionsphasen im Alter spiegeln die Evolutionsphasen von Kindheit und Jugend:[1] Was zuletzt herangereift ist, bildet sich zuerst zurück, der Abbau der Organsysteme vollzieht sich spiegelbildlich zu ihrer Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Evolution im 3. Jahrsiebt und Involution zwischen 40 und 50 Jahren ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Evolution im Zuge der Inkarnation  &#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Zwischen &#039;&#039;&#039;vierzehn und einundzwanzig&#039;&#039;&#039; Jahren reift das &#039;&#039;Stoffwechsel-Gliedmaßensystem&#039;&#039; aus. Skelett und Stoffwechsel brauchen also am längsten, bis sie vollkommen ausgereift sind und eine Stabilisierung des Hormonhaushaltes erreicht wird. Das dauert manchmal bis zum 23. Lebensjahr. Vom spirituellen Gesichtspunkt her würden wir sagen: Es dauert 21 bis 23 Jahre, bis der Mensch „vollständig inkarniert“ ist und sein Ich den Leib vollkommen ergriffen hat. Im 3. Jahrsiebt erwacht dank der aus der Ich-Organisation freiwerdenden Kräfte auch das eigenständige Denken am Umkreis. Jetzt geht es darum, dass der Jugendliche lernt, Idealismus zu entwickeln und zu lernen, sich geistig eigenständig ganz neu zu orien­tieren, sich aufzurichten, beweglich zu werden, das Instrument des Leibes von innen bewusst zu ergreifen. Wem das nicht gelingt, der ist prädisponiert für Erkrankungen, die die Erdenschwere und -belastung spürbar machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Involution im Zuge der Exkarnation&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Das zuletzt herangereifte Stoffwechsel-Gliedmaßensystem sowie das hormonelle System bilden sich &#039;&#039;&#039;zwischen 40 und 50&#039;&#039;&#039; als Erste wieder zurück: Das Klimakterium setzt ein und führt zur Menopause, die eine totale hormonelle Umschaltung bei der Frau bedeutet. Beginnend beim Knochenbau und Hormonhaushalt devitalisiert sich der Organismus, d.h. die Regenerationskraft lässt nach. Wer dafür disponiert ist, hat Probleme mit dem Rücken, der Schulter, dem Nacken, bekommt Diabetes Typ II, Gallen- und Nieren­pro­bleme, metabolische Syndrome und rheumatische Erkrankungen. Das heißt, es kommt zu chronischen Erkrankungen des Stoffwechsel-Gliedmaßensystems. Das ganze System tritt in die Involutionsphase ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frauen sind von den damit einhergehenden Prozessen stärker betroffen als Männer. Körperlich gesehen findet jedoch bei beiden Geschlechtern ein altersbedingter Devitalisie­rungs­prozess statt. Stärker betroffen sind auch Menschen mit einer bestimmten Krank­heits­disposition, aber auch diejenigen, die sich nicht optimal inkarnieren konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gedanklich erwacht jedoch in der Regel ein neuer Idealismus, Lebensformen und Werte werden hinterfragt, man möchte sich beruflich verändern oder auf andere Weise „neu beginnen“, will endlich wirklich das eigene Leben leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Evolution im 2. Jahrsiebt und     Involution zwischen 50 und 60 Jahren ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Evolution im Zuge der Inkarnation  &#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Nach dem ersten Jahrsiebt bis zur Pubertät&#039;&#039;&#039; reifen die &#039;&#039;rhythmischen Funktionssysteme&#039;&#039;, insbesondere von Atmung und Kreislauf. Bei einem Zwölfjährigen haben wir noch ein Kinder-EKG, einen schnelleren Herzrhythmus und eine schnellere Atmung, als es der Erwachsene hat. Erst mit fünf­zehn Jahren reift das Kreislaufsystem zur Erwachsen­enkompetenz heran und die Atmungs­organe bilden einen ruhigeren, langsamen Erwachsenenrhythmus aus. Dann ist auch die Frequenz­abstimmung zwischen Atem- und Herzrhythmus abgeschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wichtigste Stimulation bzw. Unterstützung der Reifung besteht darin, das Gefühls­leben zu kultivieren. Denn nichts regt Atem und Herzschlag besser an als das Pendeln zwischen den Polen tiefer Gefühle. Die Pflege tiefer Gefühle ist demnach &#039;&#039;die&#039;&#039; Prävention gegen vaskuläre Demenz, vor allem wenn eine familiäre Disposition vorliegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Involution im Zuge der Exkarnation&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Zwischen 50 und 60&#039;&#039;&#039; stehen laut Statistik kardiovaskuläre Erkrankungen und die Chro­ni­fizierung von Lungenerkrankungen im Vordergrund, das heißt, die Abbauerscheinungen greifen auf &#039;&#039;das rhythmische System&#039;&#039;, auf Herz und Lunge, über: Es kommt zu Bluthochdruck, Rhythmusstörungen, zu koronaren Herzkrankheiten, bei einer entsprechenden Dispo­si­tion tritt der erste Infarkt auf. Viele haben in ihrem Bekanntenkreis jemanden in diesem Alter, der an COPT, Angina Pectoris oder Herzrhythmusstörungen leidet. In jedem Fall lässt die Atemkapazität spürbar nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All diese Erkrankungen haben in diesem Alter statistisch gesehen eine erste große Inzidenzphase und sind Ausdruck von Exkarnationsproblemen. Der Mensch kommt im Hin­blick auf seine Vitalität, seine Seelenverfassung und seinen ganzen biografischen Ent­wurf in eine Krise. Er muss körperliche Einbußen hinnehmen. Und – was man ja bei chro­nischen Krankheiten immer erlebt – er spürt hautnah die Vergänglichkeit und End­lich­keit seines Lebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gedanklich hingegen stellt sich ein objektiveres, reifes Urteilsvermögen ein, die Fähigkeit, Gegensätze vermitteln und bewusst abwägen zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Evolution im 1. Jahrsiebt und Involution zwischen 60 und 70 Jahren ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Evolution im Zuge der Inkarnation  &#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Die Grundreifung der &#039;&#039;Sinnesfunktionen und etwa 90% der Kapazitäten des Zentral­nervensystems&#039;&#039; erreichen schon &#039;&#039;&#039;in den ersten neun Lebensjahren&#039;&#039;&#039; die volle Funktions­tüchtigkeit: Das Ohr ist mit etwa vier Jahren voll funktionstüchtig. Das Auge braucht acht Jahre, bis es in allen Feinheiten ausgereift ist: in Bezug auf die Perspektive, das Farbensehen, auf feinsten Abstufungen der Wahrnehmung und die Verknüpfung mit den anderen Sinnen. Das ist ein langer Reifungsprozess. Wir unterstützen diesen Prozess interessanterweise nicht dadurch, dass wir dem Zwei­jährigen Kopfrechnen beizubringen versuchen, sondern durch intensive Sinnespflege und Tatsachenlogik – durch sinnvolle Tätigkeiten, sinnvolle Zusammenhänge, sinnvolles Sprechen, gedankenvolle Unter­haltung. Aber auch künstlerische Tätigkeiten und Ein­drücke sind äußerst förderlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn die Stimulation durch Sinnvolles und Künstlerisches in einer Biographie fehlt oder das Denken ganz materialistisch einseitig erzogen wird und die Sinneserfahrungen kor­rumpiert und verfälscht werden von Fernsehen und Computer, sind die Betroffenen prädisponiert dafür, im Alter verstärkt Probleme mit ihrem Nervensinnessystem zu bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;Involution im Zuge der Exkarnation&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Gott sei Dank lassen die Gehirn- und Sinnesleistungen &#039;&#039;&#039;zwischen 60 und 70 Jahren&#039;&#039;&#039; erst ganz zuletzt schrittweise nach: Jetzt treten gehäuft Degenerationserscheinungen am &#039;&#039;Nervensinnessystem&#039;&#039;, an den Sinnesorganen und dem Zentralnervensystem auf. Unser Gedächtnis und unsere Seh- und Hörkraft lassen nach, das heißt, dass die Regenerationsfähigkeit des Sinnes-und Nervensystems rapide &#039;&#039;a&#039;&#039;bnimmt. Wir werden langsamer, brauchen Unterstützung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Umso erstaunlicher ist es, dass mit dieser Lebensphase normalerweise keine geistige Leistungsminderung parallel geht. Auch wenn zusammen mit den Sinnesorganen das Gehirn ebenfalls nachweislich altert und messbar an Substanz verliert, kann dieser Vorgang dennoch mit geistiger Frische, neuen Perspektiven und Sichtweisen einhergehen. Nicht nur, dass die Plastizität und Kompensationsfähigkeit des Nervensystems bis ins hohe Alter erhalten bleiben - es werden auch weitere Bildekräfte frei, die aus den Abbauvorgängen dieser Organsysteme stammen. Dadurch treten neue Vorstellungsmöglichkeiten auf und eine größere Fähigkeit zu gedanklicher Überschau, selbst wenn einen das Kurzzeitgedächtnis manchmal etwas im Stich lässt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur im Falle einer Demenzerkrankung, die aber grade kein gesundes Altern darstellt, sondern eine Erkrankung des Nervensystems, ist dies natürlich anders. Dennoch muss man auch in diesem Krankheitsfall davon ausgehen, dass die körperunabhängigen Gedanken-, Gefühls- und Willenskräfte der so Erkrankten durchaus da sind. Nur ist die gesunde Gehirnfunktion nicht mehr vorhanden als Grundlage für ein selbstbewusst geführtes und geordnetes Vorstellen von Gedanken, Gefühlen und Willensimpulsen. Umso wichtiger ist es, neue Kommunikationsformen zu entwickeln, indem man mit diesem real vorhandenen Geistigen rechnet und der Betroffene dies spüren kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Die Involutionsphase von 70 Jahren aufwärts ====&lt;br /&gt;
Das Bibelwort „&#039;&#039;Unser Leben währet 70 Jahre“&#039;&#039; entspricht der Rhythmik zwischen Inkarnation und Exkarnation. Dann folgt eine Gnadenzeit, die sich durch eine gewisse Stabilität auszeichnet. Menschen, die bis zum Alter von 70 Jahren keine Anzeichen aufweisen für eines der genannten chronischen Probleme, werden zwar schwächer, bleiben dabei aber oft geistig frisch, sie bauen nicht wirklich ab vor dem Tod. Das erlebte ich oft in der Praxis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Bedingungen für Gesundheit bis ins hohe Alter&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wir sehen also: Wenn sich in Kindheit und Jugend die „Inkarnation“ des Menschen so vollzieht, dass Körper, Seele und Geist altersgerecht gefordert werden, so ist dies die beste Vorbedingung dafür, dass auch die „Exkarnation“ harmonisch und ohne größere gesundheitliche Einbrüche vonstattengeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine gesundheitsfördernde Erziehung, wie sie u.a. das Konzept der Waldorfpädagogik vorsieht, wirkt als primäre Krankheitsprävention für die zweite Lebenshälfte. Die Art und Weise, wie Entwicklung in Kindheit und Jugend sich vollzogen hat, bestimmt über den Schweregrad und die Ausprägung chronischer Erkrankungen und Verschleißerschei­nungen im Alter: Je harmonischer ein Mensch in Kindheit und Jugend im Zuge der Inkarnation heranreifen kann, umso weniger Krankheitsneigungen zeigt er im Zuge der Exkarnation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch auch Erziehung und Selbsterziehung, lebenslange Freude am Lernen sowie an der Entwicklung neuer Fähigkeiten bedingen Gesundheit bis ins hohe Alter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diesem Gebiet müsste noch viel geforscht werden. Wir benötigen sehr gut abgestimmte Therapiekonzepte, die regenerierende und die Inkarnation fördernde Möglichkeiten in konkrete Behandlungsansätze umwandeln, je nachdem, welche Symptomatik vorherrscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vgl. &#039;&#039;Vortrag „Schicksalswürde und spirituelles Begreifen der Demenz“, gehalten am Internationalen Pflegekongress in Dornach am 9. Mai 2008&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wege und Ziele des geistigen Menschen. Lebensfragen im Lichte der Geisteswissenschaft&#039;&#039;.GA 125, Dornach 1992, S. 55.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== VOM PUNKTBEWUSSTSEIN ZU PERIPHERER KOMPETENZ ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wann ist ein Mensch ganz Mensch?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Kompetenzen machen den Menschen aus und wann erwirbt er sie?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Macht der Verlust kognitiver Kompetenzen das Leben nicht mehr lebenswert? &#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Das Erklimmen des physiologischen Leistungsplateaus&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Am Lebensanfang, wenn Kinder klein und unerfahren sind und alle möglichen Dumm­heiten machen, fällt es uns nicht schwer, sie als werdende Wesen zu begreifen. Selbst wenn sie noch überhaupt keinen Durchblick haben und sich den vernünftigsten Dingen widersetzen, würde niemand von „Demenz junior“ oder „präcox“ sprechen. Wir Erwach­senen vertrauen darauf, dass sich alles finden wird, wir haben Geduld…&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ein Kind elf oder zwölf ist, denkt man, man wäre aus dem Gröbsten draußen, doch jetzt fangen die Probleme erst richtig an. Und spätestens ab dem vierzehnten Lebensjahr wird das Erwach­senwerden zu einer riesigen Herausforderung. Und wenn man meint, die Schulzeit geschafft zu haben, beginnt es mit der Wahl von Beruf und Studium wieder schwieriger zu werden. Klappt dieses oder jenes nicht, sind immer neue Herausforderungen zu meistern. Heute leben Kinder mit 28 oder 29 Jahren oft noch zu Hause, stehen noch nicht gänzlich auf eigenen Beinen. Dennoch erwarten wir, dass der junge Erwachsene jetzt selbständig wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erfahrung zeigt, dass sich in der Lebensmitte, zwischen 30 und 40, zunehmend ein Gleich­gewicht zwischen unseren seelisch-geistigen Kräften, unserer Bewusst­seins­kompetenz und unserer physischen Kraft einstellt, auch „physiologisches Leistungs­plateau“ genannt. Da sind wir körperlich und seelisch im besten Zustand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Mit 40 erst gescheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dennoch haben wir hier in Schwaben ein schönes Sprichwort: &#039;&#039;„Die Schwaben werden mit 40 erst gescheit.“&#039;&#039; Wenn die Kurve sich langsam dem Ende zuneigt, tut sich erst das auf, was man „Sozialkompetenz“ nennt, was man in Schwaben unter „Gescheitheit“ versteht: dass man das Leben nicht nur auf sich bezogen begreift, sondern dass man sich auch vom Umkreis her begreift – als jemanden, der agiert, zugleich aber auch als jemanden, mit dem andere zurechtkommen müssen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Man begreift sich einerseits als &#039;&#039;&#039;individuelles Wesen&#039;&#039;&#039;, das die Welt vom eigenen Standpunkt aus betrachtet&lt;br /&gt;
* Gleichzeitig erlebt man sich aber auch als &#039;&#039;&#039;soziales Wesen&#039;&#039;&#039; mit einem Umkreis, das von diesem wahrgenommen und „ertragen“ wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese beiden Sichtweisen decken sich, wenn es gut geht, erst etwa mit 40 Jahren. Erst dann erwacht auch der Sinn für das eigene soziale Wesen und die damit verbundene Ver­antwortung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Von der Selbstbezogenheit zur Umkreisbezogenheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Diese Entwicklung hängt mit dem Aufbau unserer Konstitution zusammen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Der Kind-Mensch ist ein auf sich als Zentrum hin orientierter Mensch, der seinen Standpunkt, seinen     Blickwinkel, seine akustischen Eindrücke als zentral erlebt. Er hat ein &#039;&#039;&#039;extremes Punktbewusstsein&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
* Der Erwachsene, der für andere tätig ist, der für andere etwas tut, auf den etwas zukommt, auf den andere Menschen     reagieren müssen, braucht eine große „peri­phere Kompetenz“, ist als     tätiger „Gliedmaßen-Mensch“ gefragt. Er hat ein &#039;&#039;&#039;ausge­prägtes Umkreisbewusstsein&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu ein Beispiel: Die älteste Frau, die ich zurzeit kenne, ist 106 Jahre alt. Sie ist völlig fit und sagte mir, sie hätte noch eine Aufgabe: Sie würde die jungen Pflegenden auf der Pflegestation motivieren und ihnen den Sinn des Lebens nahebringen, weil sie heute ja solche Probleme hätten. Das gibt es auch: 106 Jahre und kein bisschen dement. Natür­lich braucht sie Gehhilfen, bewegt sich ganz vorsichtig und muss viel liegen. Man merkt, Seele und Geist können sich kaum mehr in diesem Körper halten, sind aber noch voll präsent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Rückzug des zentral orientierten Menschen in der Demenz&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Tritt zu einem bestimmten Zeitpunkt Altersdemenz auf, ist es gleichgültig, ob es sich um eine vaskuläre, eine neurogene oder eine primär metabolisch veranlagte Demenz handelt – das macht nur medizinisch einen großen Unterschied. Von der Symptomatik her wird ein totaler Rückzug des zentral orientierten Menschen erlebbar. Der peripher orientierte Mensch ist dafür umso wacher, umso sensibler, umso empfänglicher. Es ist keineswegs gerechtfertigt zu sagen, dass unser Leben, wenn das Punktbewusstsein nachlässt und der Ego-trip nicht mehr dominiert, nur ein „Leben zweiter Klasse“ ist oder sogar, dass es gar nicht mehr „lebenswert“ ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die anthroposophische Menschenkunde kann im Hinblick auf diese Zusammenhänge wertvolle Orientierung geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vgl. &#039;&#039;Vortrag „Schicksalswürde und spirituelles Begreifen der Demenz“, Filderstadt, 19.2.2010&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ENTWICKLUNGSPHASEN UND PÄDAGOGIK ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie lässt sich die Notwendigkeit altersgerechter Pädagogik erklären?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Zu welchen Entwicklungsphasen gehören welche pädagogischen Angebote?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Vorschulzeit und erste Schuljahre bis ca. 9. Lebensjahr&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Differenziertes Ausreifen des Nervensystems und der sensomotorischen Koordination (d.h. die Verknüpfung von Sinnesfunktionen mit der muskulären Tätigkeit) brauchen vielseitiges Üben und Betätigen. Koordinierte körperliche Bewegung und Freude am Entdecken der Sinneswelt – mit Hilfe aller Sinne – ist die natürliche Begabung der Kinder dieses Alters. Sie wissen instinktiv, dass ihnen das gut tut. So gilt es, Bewegungs- und Spielräume zu schaffen, in denen sie sich geschickt und altersentsprechend bewegen und betätigen können. Diesem Prinzip folgt der Waldorflehrplan von der Kinderkrippe an bis zum 9. Lebensjahr konsequent. In jedem Unterricht ist das Bewegungselement in irgendeiner Weise mit integriert, nicht nur in den so genannten Bewegungsfächern, deren Lehrplan insbesondere sensomotorisch wertvoll veranlagt ist. Denn alle Bewegungen – einschließlich dem kindgerechten Spiel- und Turnunterricht – werden in diesem Alter noch eng verknüpft mit Sinneserlebnissen praktiziert und oft begleitet durch musikalisch-rhythmische Übungen in Form von Sing-, Sprach- und Bewegungsspielen. Durch die musikalisch-rhythmischen Tätigkeiten wird auch die zur Sozialisation notwendige Fähigkeit des Zuhörens mit veranlagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch sind es ausschließlich entwicklungsphysiologische und psychologische Gründe, die ein striktes PC- und Multimediaverbot für Kindergärten und Grundschulen zum Ideal der Waldorferziehung machen. Was jetzt weltweit propagiert wird und einen hohen wirtschaftlichen Gewinn verspricht, „one Laptop per child&amp;quot; (der Mini-Bildschirm mit Flash-Speicher, WLAN und dem Betriebssystem Linux), um insbesondere Kindern der 3. Welt Anschluss an das digitale Zeitalter zu geben, ist eine gute Idee zum falschen Zeitpunkt. Und zwar nicht nur, weil die so genannten Entwicklungsländer sauberes Wasser, medizinische Grundversorgung und „richtige Schulen&amp;quot; brauchen, sondern weil jede Stunde vor dem Bildschirm das Aufsteigen eigener, nicht manipulierter innerer Bilder behindert und die Kinder am In-Bewegung-Sein hindert. Die Gehirnaktivität wird dadurch eingeschränkt, die sensomotorische Integration gestört – ganz unabhängig von dem Inhalt der Informationen und dem Problem, diese nicht eigenständig verarbeiten zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Zu empfehlen sind: ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Anregung von Initiative durch eigenes Tun und „Vorbild-Sein&amp;quot;&lt;br /&gt;
* Spielmaterial, das die Eigenaktivität fördert: einfache Gegenstände und Materialien, die der Phantasie Raum lassen und zu vielen Gestaltungsmöglichkeiten anregen&lt;br /&gt;
* Aktivierung und Pflege der Sinne durch entsprechend ausgestattete Spielräume&lt;br /&gt;
* Veranlagen guter Gewohnheiten durch regelmäßiges Tun, kleine Rituale am Morgen, beim Essen, am Abend vor dem Schlafengehen&lt;br /&gt;
* Rhythmische Gestaltung des Tages-, Wochen-, Monats- und Jahreslaufes&lt;br /&gt;
* Momente ungeteilter Aufmerksamkeit für das Kind: z.B. beim Aufstehen und Zubettgehen und dann hin und wieder während des Tages, in denen eine Begegnung, ein Sich-Wahrnehmen stattfinden kann.&lt;br /&gt;
* Ein „nonverbaler&amp;quot; Erziehungsstil: Nicht das Wort, sondern die Handlung, das Vorbild zeigt, worum es geht. Nur so erlebt sich das Kind frei gelassen. Denn es ahmt aus eigenem &#039;&#039;Antrieb&#039;&#039; nach.&lt;br /&gt;
* Möglichkeiten, der Natur zu begegnen&lt;br /&gt;
* Vermeiden von Multimedia-Angeboten und technischem Spielzeug&lt;br /&gt;
* Auch wenn der Tag sonst mit vielen Pflichten angespannt verläuft – das Kind im Bewusstsein haben, es „in Gedanken tragen, mitnehmen&amp;quot;. Diese innere Tätigkeit hilft, dass der äußere Kontakt beim Wiedersehen schnell wieder da ist. Wichtig ist, die Nähe und Zugewandheit in der Beziehung zu pflegen und diese nicht abhängig zu machen von Wohlverhalten und schulischer Leistung.&lt;br /&gt;
* Freude und Dankbarkeit zeigen&lt;br /&gt;
* Klare Grenzen setzen und „leben&amp;quot;. Das gibt Sicherheit und Orientierung.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;...bis zum 14./15. Jahr&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Jetzt wird vor allem wichtig, was Ausbildung und Entwicklung der rhythmischen Funktionen fördert: Das sind Empfindungen und Gefühle. Nie atmen wir tiefer durch, als wenn wir uns wohl fühlen, nie schlägt das Herz gesünder, als wenn sich die Kinder freuen oder mit Eifer tätig sind. Zwischen dem 9. und 15. Lebensjahr zielt die gesamte Pädagogik und Didaktik darauf hin, das prozessual-künstlerische, aber auch ästhetische Element in allen Unterrichtsfächern zu berücksichtigen. Was beim Geräteturnen im Sport exakter und vollendeter Bewegungsablauf ist, den es einzuüben gilt, das sind im Geschichtsunterricht Gespräche und Unterrichtsfragen, in denen Ereignisse von mehreren Seiten so betrachtet werden, dass sich für den Schüler ein sinn­volles Ganzes ergibt, eine Art ästhetischer Zustand, „durch den er mit sich und der Welt übereinzustimmen lernt.&amp;quot; Im naturwissenschaftlichen Unterricht sind es insbesondere die Experimente: Der Schüler beobachtet exakt und dokumentiert die sich darin zeigenden Gesetzmäßigkeiten übersichtlich und „schön&amp;quot;. Er lernt ihren Wirkradius verstehen und sie handhaben. Auch mathe­matische Gesetze haben ihre Schönheit, weil sie „stimmen&amp;quot; und konstituierend sind, nicht nur in Technik und Wissenschaft, sondern auch im Leben. So werden die Schüler vertraut gemacht mit den Eigentümlichkeiten und „Stimmigkeiten&amp;quot; der Welt und der menschlichen Kultur. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in diesen Lebensjahren empfiehlt sich noch Zurückhaltung in Bezug auf das digitale Zeitalter. Nur das sollte an Maschinen delegiert werden, was man im Prinzip auch selbst beherrscht und durchschaut. Selber Kopfrechnen, Theaterspielen, Musizieren, Tanzen, Erlebnisfahrten und Entdeckungen machen, lernen, wie man „live&amp;quot; Beziehungen pflegt – das sollte jetzt im Vordergrund stehen. Was zu Hause oft schon viel zu früh als Konzessionen an die Multimedia-Industrie zugelassen wird, sollte in der Schule umso mehr dazu motivieren, Leben &#039;&#039;und&#039;&#039; Realität an die Stelle von Technik und Virtualität zu setzen. Manchmal hilft auch der einfache Gedanke, Eltern und Schüler für diesen „Verzicht auf Zeit&amp;quot; zu mobilisieren, dass die Erfinder der Computer in ihrer eigenen Kindheit ohne diese Spielmöglichkeiten aufgewachsen sind. Um Neues zu finden, braucht man Kreativität und nicht Konditionierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Zu empfehlen sind: ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gesprächskultur – das Kind, den Jugendlichen teilnehmen lassen an interessanten Gesprächen Erwachsener. Mit inneren Fragen leben: Wann war unser letztes Gespräch? Wann hatte ich Zeit, Interesse? Habe ich das Anerkennenswerte bemerkt, lobe ich genug oder bringe ich eher zum Ausdruck, was mich stört?&lt;br /&gt;
* Moderne Führungsstrukturen sprechen gern von „Fehlerkultur&amp;quot;. Wer aus seinen Fehlern lernt, entwickelt sich nachhaltig – entsprechend auch ein Team zusammenarbeitender Menschen. Wie gehe ich mit Fehlern und Fehlverhalten in der Schule um? Wie helfe ich aus Fehlern zu lernen und diese nicht (nur) schlimm zu finden?&lt;br /&gt;
* Klare Führung in Grundsatzfragen im Tagesablauf unter Einbeziehung der Wünsche der Kinder. Verabredungen treffen und klar vereinbaren, wie sie überwacht werden.&lt;br /&gt;
* Künstlerische Betätigung, insbesondere Erlernen eines Musikinstrumentes&lt;br /&gt;
* Kontrollierter Multimediagebrauch und wo immer möglich das Aufarbeiten des Gesehenen und Erlebten im Gespräch. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;... bis zum 21./22. Jahr&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Vom 13., 14., 15. Lebensjahr an bis zum 19., 20., 21. Lebensjahr erhebt sich die Frage, auf welche Weise mit pädagogischen Mitteln unterstützt werden kann, was jetzt physiologisch an Entwicklungsprozessen im Vordergrund steht: die Ausreifung des Skelettsystems bis zur Erwachsenengröße und die hormonelle Umstellung und Ausreifung des intermediären Stoffwechsels nach der Pubertät. Zunächst könnte man meinen, Stoffwechsel und Skelett brauchen primär körperliche Betätigung – das ist natürlich richtig, jedoch nicht genug. Vielmehr gibt es eine andere Fähigkeit, die kontinuierlich, sozusagen von innen her, den Menschen erwärmt, anregt, aber vor allem auch aufrichtet und erfüllt: Es sind die zielorientierten Ideen, Interessen, Gesichtspunkte und Motivationen, die befeuern, die begeistern. Man sieht es den Jugendlichen unmittelbar am Gang und Bewegungsspiel an, an der Körperhaltung und Mimik, ob sie Gedanken hegen, durch die sie sich innerlich angeregt, motiviert, „aufgerichtet&amp;quot; fühlen oder ob sie Gedankenöde erleben und infolgedessen Lustlosigkeit und Desinteresse. Die Sprachweisheit bringt dies klar zum Ausdruck, wenn das Wort „Aufrichtigkeit&amp;quot; gerade diese doppelte Bedeutung hat: einmal „ehrlich, aufrichtig, wahrheitsorientiert&amp;quot; und zum anderen „körperlich aufgerichtet, gerade&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Oberstufe kommt den Erziehungsmaximen von Nachahmung und Vorbild, von Stimmigkeit und Schönheit untergeordnete Bedeutung zu. Jetzt geht es um Gewissensbildung, Wahrhaftigkeit und Freiheit. Wie muss ich unterrichten, damit der Jugendliche selber zu den Einsichten kommt, die in diesem Unterrichtsfach Sinn machen? Wie schafft man es, dass der Jugendliche nicht nacherzählt, was man selber vorgedacht hat, sondern dass man ihm Gesichtspunkte gibt, Bedingungen schildert, anhand derer er selbst die Lösung einer bestimmten Frage herausfinden kann?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Zu empfehlen sind: ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Fragekultur entwickeln, zum „selber Denken&amp;quot; anregen&lt;br /&gt;
* Freund und Begleiter sein, Interesse haben für das, was den Jugendlichen interessiert&lt;br /&gt;
* Wachsendes Freiheitsbewusstsein und Selbstständigkeit respektieren, eigene Erwartungen zurückstellen&lt;br /&gt;
* „Familienrat&amp;quot; halten. Verabredungen gemeinsam treffen, deren Erfolg/Misserfolg analysieren und das weitere Vorgehen beraten&lt;br /&gt;
* Sich über das „ganz andere&amp;quot; freuen lernen, verstehen wollen, was den Jugendlichen bewegt&lt;br /&gt;
* Vertrauen riskieren und signalisieren: Ich stehe zu dir, egal was kommt – und bin gespannt, wie dein Leben sich entwickeln wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Jegliche Erziehung ist Selbsterziehung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Unterricht als Selbstfindungsprozess zu begreifen, Erziehung in allen Phasen als Selbsterziehung – darauf kommt es an, erst selber nachahmen, dann selber die Stimmigkeit erleben, wenn verschiedene Zusammenhänge und Verständnismöglichkeiten erläutert werden, und schließlich selber verstehen, herausfinden, was gefragt ist – das ist der Grundnerv einer entwicklungsphysiologisch basierten Erziehung. Denn so wie das Kind es selber ist, welches sich entwickelt, so sollte es auch stets das Erleben haben, dies oder das habe ich selbst beobachtet, selbst gesehen, selbst gelernt. „Selbermachen&amp;quot; macht schon dem kleinen Kind weit mehr Freude, als alles Mögliche abgenommen zu bekommen, von demjenigen der es „besser&amp;quot; kann. Entwicklungsphysiologische Erziehung regt die Eigentätigkeit an, begreift den Erziehungsauftrag so, wie ihn Rudolf Steiner in seinem &#039;&#039;Baseler Lehrerkurs&#039;&#039; charakterisiert:[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jede Erziehung ist Selbsterziehung, und wir sind eigentlich als Lehrer und Erzieher nur die Umgebung des sich selbst erziehenden Kindes. Wir müssen die günstigste Umgebung abgeben, damit an uns das Kind sich so erzieht, wie es sich durch sein inneres Schicksal erziehen muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer so zu sich kommt, ist dann auch im späteren Leben innerlich aktiv genug, um sich nicht zu langweilen. Er kann Technik sinnvoll nutzen, ohne dadurch bequem und unproduktiv-unzufrieden zu werden. Er ist weitgehend geschützt vor dem Abhängig-Werden von Drogen u.a. Er hat die Chance, selbstbestimmt zu leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. 1. Kapitel, „Gesundheit durch Erziehung“, Persephone, Kongressband, Verlag am Goetheanum, Dornach 2006, derzeit vergriffen&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1]  Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Erneuerung der pädagogisch-didaktischen Kunst durch Geisteswissenschaft.&#039;&#039; GA 301. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mehrere Geburten im Laufe des Lebens ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was meint Rudolf Steiner mit den Geburten im Laufe des Lebens?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern sind diese Geburten als Metamorphosen von leibgebundenen Wesensgliedertätigkeiten aufzufassen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Pädagogischen Konsequenzen sollte das Wissen um diese Entwicklungsgesetze haben?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Geburten als Metamorphosen verstanden&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner hat bereits 1907 an verschiedenen Orten Vorträge über die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkt der Geisteswissenschaft gehalten und diese aufgrund von vielen Nachfragen zu einer schriftlichen Abhandlung umgewandelt und publiziert.[1] Dort beschreibt er die kindliche Entwicklung in ihrem zeitlichen Verlauf, was er später dann auch mit Bezug auf die gesamte Biografie vielfach fortgesetzt hat. So führt er 1908 in Holland aus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„[…] vom theosophischen Standpunkt sprechen wir nicht nur von einer Geburt, sondern von mehreren Geburten, und diese Sprache von mehreren Geburten macht uns den Lebenslauf des Menschen voll verständlich.“[2]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Geburten sind die Metamorphosen der leibgebunden Wesensgliedertätigkeiten in die Seelenkräfte des Denkens, Fühlens und Wollens gemeint. Für die seelisch freie Tätigkeit wird ‚geboren‘, was vorher unbemerkt im Körper tätig war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Um das 7. Jahr: Geburt der Formkraft der Gedanken (ÄL) ====&lt;br /&gt;
Über die um das siebte Jahr herum freiwerdende Formkraft der Gedanken schreibt er:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„[...] denn bis zum Zahnwechseljahr werden alle Formen, worin sich der physische Leib gestalten muss, ausgebildet. Und was bis zu dieser Zeit am Leibe nicht in Form veranlagt ist, an groben und feinen Formen, das ist für das ganze menschliche Leben verloren. Größer wird der Mensch, er wächst, aber die Formen, welche größer werden, sind im Feinsten bis da veranlagt. Daher muss man gerade in dieser Zeit, wo man nicht auf den Ätherleib einzuwirken hat, alles tun, um die Formen so gut wie möglich zu machen.“[3]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die das Kind umgebende schützende Ätherhülle aus der entsprechenden Erdgegend, wo die Verkörperung stattfindet, wird nach dem Zahnwechsel ‚weggeschoben‘.[4] Damit hat sich die ätherische Organisation ätherisch emanzipiert, so wie es die physische Organisation des Kindes nach Durchtrennung der Nabelschnur vom mütterlichen Organismus getan hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Konsequenzen für die Vorschulpädagogik&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Darauf gründet sich die anthroposophische Vorschulpädagogik. Diese vermeidet – unter dem oben geschilderten Gesichtspunkt der Geburt der ätherischen Kompetenz – eine zu frühe intellektuelle Bildung, für die das Vorschulkind noch nicht reif ist. Der pädagogische Schwerpunkt liegt auf der Förderung der sensomotorischen Intelligenz, die in der Nachahmungsfähigkeit zum Ausdruck kommt und durch Eigentätigkeit an der Durchformung des Körpers arbeitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher ist eine Umgebungsgestaltung mit guten Vorbildern für die Eigentätigkeit die beste Förderung von Gehirnreifung und Intelligenz. Wichtige Instrumente dafür sind neben sinnvollen Handlungsweisen im häuslichen Alltagsgeschehen insbesondere auch künstlerisch-kreative Tätigkeiten, das Pflegen guter Gewohnheiten, einschließlich kleiner Rituale wie Singen und/oder Beten vor den Mahlzeiten, ein Tagesrückblick am Abend in liebevoller Atmosphäre.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Um das 15. Jahr: Geburt der Differenzierungskraft der Gefühle (AL) ====&lt;br /&gt;
Zwischen dem Zahnwechsel und der Geschlechtsreife ist gemäß der anthroposophischen Entwicklungsperspektive die astralische Organisation noch von einer schützenden Hülle umgeben, die um das 15. Lebensjahr definitiv abgestreift wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese schützende astralische Hülle wird durch die menschlichen Beziehungen im sozialen Zusammenhang und Schicksalsumkreis gebildet, in den sich das Kind herein verkörpert hat und von denen sich der Jugendliche im Zuge der Pubertätsentwicklung emanzipiert. Die seelische Reifung in diesem Alter und ihr Einfluss auf die physisch-ätherische Konstitution verläuft dann am gesündesten, wenn das Kind bzw. der Jugendliche sich an Erwachsenen orientieren kann, die es liebt und im guten Sinne des Wortes als Autoritäten schätzt. Ohne eine solche Liebe zur Persönlichkeit nahestehender Menschen, kann sich nach Rudolf Steiners Auffassung auch die eigene Liebefähigkeit und Empathie für die Mitwelt nicht gesund entfalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Konsequenzen für die Pädagogik im 2. Jahrsiebt&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Daher ist es in der anthroposophischen Pädagogik entscheidend, dass die Kinder und Jugendlichen ihre Lehrerinnen und Lehrer gernhaben, anstatt Angst vor ihnen zu haben oder sie abzulehnen. Wenn die Lehrer den Unterricht für dieses 2. Jahrsiebt künstlerisch-charakterisierend und lebendig-spannend gestalten, wird dadurch das in Entwicklung begriffene Gefühlsleben unmittelbar angesprochen und seine Differenzierung gefördert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Um das 20. Jahr: Geburt der Differenzierungskraft der Gefühle (AL) ====&lt;br /&gt;
Etwa um das 20. Lebensjahr &#039;&#039;„wird das eigentliche Ich im Menschen, das bis jetzt in seiner Hülle war, erst vollständig geboren. Und damit tritt der Mensch im freien Verkehr in die Welt, damit ist er zu einem Wesen geworden, das sich in absolut freien Verkehr mit der Außenwelt stellt.“&#039;&#039;&#039;[6]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist der Astralleib mit dem 2. Jahrsiebt leibfrei und damit geboren geworden, so ist die Zeit reif für die Ausbildung des selbstständigen Urteils, dessen Untergrund ein differenziertes Gefühlsleben ist. Das kann einem insbesondere am jugendlichen Idealismus klar werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Der Mensch ist in dieser Zeit noch nicht geeignet, die äußere Welt in einer objektiven Weise zu betrachten. Aber dasjenige, das auf die Welt zutritt, ist von schöner, idealer Art. [Auch diese Art will heraus, und hier handelt es sich darum, wie diese Art, insofern sie als Idealismus herauskommt, als Hoffnung dem Leben entgegentreten wird.] Diese Hoffnung und dieser Idealismus zeigen sich in ihrer wahren Gestalt zwischen 14, 15 und 21 bis 22 Jahren. In dieser Zeit zeigt sich alles, was herauswill, auch wenn es in Widerspruch ist mit der Realität. Es sind alles Erinnerungen von früherem Leben, mit den neuen, frischen Kräften des Astralleibs.“[7]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Konsequenzen für die Pädagogik im 3. Jahrsiebt&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
Hier findet Rudolf Steiner eindringliche Worte, die zeigen, wie wenig die Schulen diesen pädagogischen Forderungen gerecht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wehe, wehe den Menschen, denen man die Hoffnungsideale, denen man die Erwartungsideale in dieser Zeit trübe macht […]; Es kommt nicht darauf an, ob die Ideale zu erreichen sind, sondern es handelt sich um die Kräfte, die darin liegen. Diese sind die günstigen Lebenskräfte, die, falls sie gut erzogen werden, unseren Astralleib für das Leben sicher und fest machen. […] es gibt nichts Schlimmeres, als wenn man für diese Zeit nicht sorgt, dass der Idealismus sich entwickeln kann, wenn man diesem Idealismus entgegentritt mit einem Philistertum, das versuchen will, den Idealismus zu brechen.“[8]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Weitere Entwicklungsschritte durch Rückzug der Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Weiter schildert Steiner die sich daran anschließende Möglichkeit der Selbsterziehung, die sich durch alle Hüllen hindurch bis zum 35. Jahr in Form von seelischer und körperlicher Selbstbeherrschung niederschlägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Jahrsiebt beginnt sich die &#039;&#039;&#039;astralische Organisation&#039;&#039;&#039; aus der physisch-ätherischen Organisation zu lösen, wodurch diese in sich steifer wird. Auf der anderen Seite wird das ‚seelisch freie‘ Leben und Erleben reicher und intensiver.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab dem 42. Jahr beginnen sich die &#039;&#039;&#039;ätherischen Kräfte&#039;&#039;&#039; aus der physischen Organisation zurückzuziehen (Klimakterium), wodurch das Gedanken- und Erinnerungsleben eine Verstärkung erfährt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Danach bildet sich die &#039;&#039;&#039;physische Organisation&#039;&#039;&#039; weiter zurück und der definitive Alterungsprozess setzt ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese knappe Übersicht mag andeuten, wie nach anthroposophischer Anschauung in jedem Lebensalter die Wesensglieder unterschiedlich mit Bezug auf die körperliche und seelisch-geistige Konstitution tätig sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[9]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Lucifer-Gnosis. Grundlegende Aufsätze zur Anthroposophie und Berichte aus den Zeitschriften „Luzifer“ und „Lucifer-Gnosis“,&#039;&#039; GA 34.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Das Prinzip der spirituellen Ökonomie im Zusammenhang mit Wiederverkörperungsfragen. Ein Aspekt der geistigen Führung der Menschheit,&#039;&#039; GA 111, 143.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Ebenda, S. 143 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. Glöckler (2023a und 2016b).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Ebenda, S. 152.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Das Prinzip der spirituellen Ökonomie im Zusammenhang mit Wiederverkörperungsfragen. Ein Aspekt der geistigen Führung der Menschheit,&#039;&#039; GA 111, 151f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ENTWICKLUNG UND LERNEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern hängen die Entwicklungsphase und die Lernfähigkeit eines Kindes zusammen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Lerngebiete und -inhalte eignen sich für welche Entwicklungsräume?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Bedeutung von altersentsprechendem Lernen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Es ist von größter Bedeutung, dass sich die Pädagogik an den altersentsprechenden Ent­wicklungsschritten orientiert und die Lerninhalte darauf abstimmt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Jahrsiebt – Die Welt ist gut ====&lt;br /&gt;
Entsprechend wird man in der Kindergartenzeit das Denken nicht mit Urteilen und Argumenten belasten, sondern vielmehr die Kinder nachahmend im gemeinsamen Alltag mitleben lassen und ihnen die Möglichkeit geben, körperliche Geschick­lichkeit zu erwerben und ihre Sinne gut auszubilden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das nötige &#039;&#039;&#039;Entwicklungsvertrauen&#039;&#039;&#039; rufen in dieser Zeit die Worte &#039;&#039;„die Welt ist gut“&#039;&#039; hervor. Sie sind deshalb das Entwicklungsmotiv der Waldorfpädagogik für das erste Jahrsiebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Jahrsiebt – Die Welt ist schön ====&lt;br /&gt;
In der Grundschulzeit hingegen wird man alles daransetzen, das ästhetische Urteilsver­mögen, insbesondere durch künstlerisch gestalteten Unterricht, zu pflegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nötige &#039;&#039;&#039;Entwicklungslust&#039;&#039;&#039; rufen in dieser Zeit die Worte &#039;&#039;„die Welt ist schön“&#039;&#039; hervor. Sie sind deshalb das Entwicklungsmotiv der Waldorfpädagogik für das zweite Jahrsiebt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Jahrsiebt – Die Welt ist wahr ====&lt;br /&gt;
Erst nach der Pubertät im Oberstufenunterricht wird das eigenständige kritische Denken gefördert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das nötige &#039;&#039;&#039;Entwicklungsideal&#039;&#039;&#039; rufen in dieser Zeit die Worte &#039;&#039;„die Welt ist wahr“&#039;&#039; hervor. Sie sind deshalb das Entwicklungsmotiv der Waldorfpädagogik für das dritte Jahrsiebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn sich körperliche und gedankliche Entwicklung altersgerecht und sinnvoll aufeinander abgestimmt vollziehen kann, ist die wichtigste Grundlage gelegt für die Gesundheit der zweiten Le­benshälfte. Wenn dies jedoch nicht möglich war, so können Krankheitsdispositionen für die zweite Lebenshälfte veranlagt werden. Die Veranlagung zu Stoffwechselstörungen und rheumatischen Krank­heiten, zu Erkrankungen der Atemwege und des Herz-Kreislaufsy­stems sowie zum Altersschwachsinn wird gefördert oder gemildert, je nachdem, wie der Wachstumsprozess begleitet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Identität von Wachstums- und Gedankenkräften&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wer über längere Zeit mit dem Konzept der Identität von Wachstums- und Gedankenkräften arbeitet, für den werden eine Fülle von Tatsachen verständlich, die für das menschliche Leben Bedeutung haben. Es wird verständlich, warum beispielsweise in der Pubertät, wo noch einmal ein deutlicher Wachstumsschub er­folgt, ein sogenannter „Leistungsknick“ zu verzeichnen ist: Wenn der Körper überwiegend mit Wachstum beschäftigt ist, kann er zur selben Zeit nicht geistige Hochlei­stungen vollbringen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gilt auch für Zeiten von Krankheit, insbe­sondere, wenn sie mit Fieber verbunden ist. Hier sollte alles getan werden, um den Wachstums- und Regenerationskräften die volle Ruhe für ihre Arbeit am Leib des Kindes zu geben. Es wird auch verständlich, warum in der zweiten Lebenshälfte, wenn ein Mensch gesund alt wird, das geistige Wachstum weitergehen kann, obgleich der Körper in seine natürliche Involutionsphase, das heißt in den Altersabbau aller Organe eintritt: Die nachlassende Regenerations­kraft des Körpers führt zu einer Stärkung der Gedankenkraft, vor­ausgesetzt, dass der Mensch gelernt hat, diese aus dem Leib freiwer­denden Gedankenkräfte schöpferisch zu verwenden. Das ist allerdings eine Frage der Erziehung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Altersgerechtes Lernen und Gesundheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wer von Jugend auf gewöhnt ist, in altersge­rechter Beanspruchung seiner geistigen Möglichkeiten tätig zu sein, für den wird sich die geistige Entwicklung wie selbstverständlich fortsetzen durch das ganze Leben hindurch. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bleiben diese Wachstumskräfte jedoch im halbbewussten Bereich zwischen Leib und be­wusstem Gedankenleben gleichsam stecken, weil sie nicht in das be­wusste Gedankenleben integriert werden, so können auch sie eines Tages zu Krankheitstendenzen, insbesondere zu krankhaften Wachstumswucherungen führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Kapitel „Zusammenhänge der menschlichen Denktätigkeit“, Elternsprechstunde, Verlag Urachhaus, Stuttgart&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ENTWICKLUNGSAUFGABEN DES ERWACHSENEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Entwicklungsaufgaben hat der Mensch, wenn er erwachsen geworden ist?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Themen haben die mittleren (4. bis 7.) Jahrsiebte?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die mittleren Jahrsiebte und ihre Aufgaben&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== · 4. Jahrsiebt – Selbsterfahrung durch Welterfahrung ====&lt;br /&gt;
Nach dem eigentlichen Erwachsen-Werden &#039;&#039;&#039;mit 21 Jahren&#039;&#039;&#039; sind die jungen Menschen auf der Suche nach Welterfahrung, um sich darin selbst zu erfahren. Sie wollen nicht länger gelenkt werden, wollen selbst Lenker sein. Und das bedeutet wirkliche Arbeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== · 5. Jahrsiebt – Verantwortung im Sozialen übernehmen ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im Alter von 28 bis 35 Jahren&#039;&#039;&#039; ist der Mensch Meister des eigenen Körpers geworden. Der nächste große Schritt ist nun, Verantwortung im Sozialen zu übernehmen. Das Ich muss zuerst das Astralische durchwirken und dann das Ätherische.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== · 6. Jahrsiebt – die physische Welt meistern ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Mit 35 bis 42 Jahren&#039;&#039;&#039; hat das Ich die Aufgabe, das Physische zu meistern in der realen Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== · 7. Jahrsiebt – neues Bewusstsein durch Selbsterziehung ====&lt;br /&gt;
Wer die physischen Gesetze zunehmend versteht und meistert, wird &#039;&#039;&#039;ab 42 Jahren&#039;&#039;&#039; weise: Er weiß um die eigene physische Kraft. Die sogenannte Midlife Crisis, die in diese Zeit fällt, betrifft vor allem diejenigen, denen es nicht gelang, das Physische, dazu gehört auch der physische Körper, wirklich zu meistern. Sie suchen dann oft nach einem Neubeginn im Physischen: nach einer neuen Familie, einem neuen Haus, einem neuen Job… Das ist eine kritische Zeit, in der die Menschen auf ihre eigene Begrenztheit gestoßen werden und merken, dass die Lebenszeit nicht ewig währt, dass man wissen muss, was man will. Sich Klarheit darüber zu verschaffen, was realistisch ist, macht weise. Ein wirklich realistisches Lebensziel wäre, ein neues Bewusstsein zu erlangen durch Selbsterziehung, indem man zu meistern lernt, was man hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== ·   Letztes Lebensdrittel – der Entwicklung dienen ====&lt;br /&gt;
Wem das gelingt, der kann &#039;&#039;&#039;im letzten Lebens&#039;&#039;&#039;drittel der Entwicklung von Mensch und Welt dienen. Viele Menschen heute sind zwar aufgewachsen, aber noch längst nicht erwachsen. Wenn wir mit Kindern zu tun haben, ist es sehr gut für sie, wenn wir sie an unserem Bemühen, erwachsen zu werden, teilhaben lassen. Denn sie wollen, dass wir zu erwachsenen Menschen werden. Unser Bemühen spornt sie an, es auch zu versuchen. Dann ist es nicht weiter schlimm, dass wir noch nicht ganz erwachsen sind, unser Bemühen reicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. IPMT-Schulung in China 2011&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ANTHROPOSOPHISCHE FRÜHFÖRDERUNG ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Warum ist es so wichtig, das Kind in seinen Eigenbewegungen zu unterstützen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Eigenbewegung des Kindes maximal unterstützen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wir haben bereits darüber gesprochen, was für eine Leistung es ist, aus der liegenden Position über die drehende, rollende, aktiv sich beugende und streckende und krabbelnde Bewegung schließlich in das Sich-Aufrichten zu kommen. Das Kind selbst bearbeitet, ergreift, bewegt und richtet diesen Leib auf. Diese Tatsache müssen wir heute als Bild in uns lebendig werden lassen, denn viele Maßnahmen aus Medizin und Frühförderung greifen von außen in die Willens- und Bewegungsfreiheit des Kindes ein. Ich rede jetzt nicht von den „Gehfrei-Geräten” und Kinderwippen, mit denen man Kindern, noch bevor sie selbst die Aufrechte errungen haben, auf unangemessene, pathologische Art das Sitzen oder Laufen ermöglicht. Das Kind bekommt einen Bewegungsspielraum, den es sich nicht selbst erarbeitet hat: Die Folge ist eine Schwächung des Selbsterlebens durch die Fremdbestimmung – dass es bewegt wird, anstatt sich selbst zu bewegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophische Frühförderer bemühen sich, die krankengymnastischen Techniken und Behandlungsverfahren, die sie in ihrer Ausbildung gelernt haben, so umzuwandeln, dass die Eigenbewegung des Kindes maximal unterstützt wird. Es geht darum Verfahren anzuwenden, die die natürliche Entwicklung unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Freude und Heiterkeit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Freude und Heiterkeit aber machen die Atmosphäre aus, in der die Inkarnation eines Kindes am besten gelingt. Rudolf Steiner sagt hierzu in seiner kleinen Schrift &#039;&#039;„Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft”:&#039;&#039;[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Zu den Kräften,&#039;&#039; &#039;&#039;welche bildsam auf die physischen Organe wirken, gehört also Freude an und mit der Umgebung. Heitere Mienen der Erzieher, und vor allem redliche, keine erzwungene Liebe. Solche Liebe, welche die physische Umgebung gleichsam warm durchströmt, brütet im wahren Sinne des Wortes die Formen der physischen Organe aus. Wenn die Nachahmung gesunder Vorbilder in solcher Atmosphäre der Liebe möglich ist, dann ist das Kind in seinem richtigen Elemente. Strenge sollte darauf gesehen werden, daß in der Umgebung des Kindes nichts geschieht, was das Kind nicht nachahmen dürfte. Man sollte nichts tun, wovon man dem Kinde sagen müsste, das darfst du nicht tun ...”&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Die Würde des kleinen Kindes“, 3. Vortrag, Kongressband Nr. 2, gelbes Heft&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft&#039;&#039;. Rudolf Steiner Verlag, 1984.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== NORMALITÄT UND NORM IN DER KINDLICHEN ENTWICKLUNG ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gibt es eine allgemeingültige „normale“ kindliche Entwicklung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage nach dem so genannten „Normalen” wird immer wieder aufgeworfen werden. Aus kinderärztlicher Sicht würde ich sagen: Jeder ist so normal, wie er sein kann; man muss sich an der jeweils vorhandenen „Normalität” orientieren. Jeder Mensch setzt seine eigene Norm, ist sein eigener Maßstab. Man kann den anderen, nur weil er anders ist, nicht als „nicht normal” bezeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Jeder ist eine Welt für sich&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Schon im Säuglingsalter ist keiner dem andern gleich. Der Begriff „Norm” kommt aus der naturwissenschaftlichen Medizin, denn nur auf naturwissenschaftlicher Ebene kann man vergleichen, Normen setzen und Abweichungen davon bestimmen. Es gibt Normen für Gewicht, Körper-, Kragen- und Hutgröße, auch für den Zuckergehalt des Blutes am Morgen und am Abend, für die Temperatur und so fort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überall gibt es aber eine gewisse Bandbreite, sodass wir in der Medizin nicht von „Normwerten”, sondern von „Normbereichen” sprechen. Der Hämoglobingehalt des Blutes sollte sich beispielsweise zwischen 12, 6 und 16, 5 bewegen, er variiert aber je nach Geschlecht und Alter: Wenn man erkältet ist, sind die Normwerte anders, als wenn man nicht erkältet ist; im Alter von dreißig Jahren sind sie anders als mit sechs Jahren. Jede Norm braucht immer den Bezug zur individuellen Situation. Und jeder Mensch ist eine Welt für sich und setzt seine eigene Norm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraus folgt: Wenn wir Kinder so „normal” nehmen, wie sie sind, und ihnen erlauben, sich gemäß ihrer eigenen Norm, ihrem eigenen Schicksal und ihrem eigenen Vermögen zu entwickeln, arbeiten wir richtig im Sinne der kindlichen Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Die Würde des kleinen Kindes“, 2. Vortrag, Kongressband Nr. 2, gelbes Heft&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== REALITÄT DER GEISTESWISSENSCHAFTLICHEN BLICK­RICHTUNG ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Perspektive auf das Kind eröffnet die geisteswissenschaftliche Blickrichtung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern eröffnet sie eine wirklichkeitsgetreue Sicht auf das menschliche Wesen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fehlender geistiger Gesichtspunkt&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wir können grundsätzlich davon ausgehen, dass, wenn wir über Leib und Seele von Kindern und Erwachsenen sprechen, immer etwas Entscheidendes fehlt. Es sind Bilder, die etwas verbergen, weil der geistige Gesichtspunkt nicht erscheint. Meist gehen die Theorien davon aus, dass Erlebnisse in der frühen Kindheit ganz bestimmte Auswirkungen haben, die dann das Leben bestimmen; sie rechnen immer nur mit &#039;&#039;einem&#039;&#039; Erdenleben. Und auch die meist hypnotischen Rückführungstechniken bleiben beim rein Psychologischen stehen, ohne kontrollierendes geisteswissenschaftliches Bewusstsein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterhält man sich mit Menschen, die sich solchen Rückführungen unterzogen haben, oder liest man Bücher über Rebirthing, dann merkt man bald, dass sich bestimmte Motive ständig wiederholen, vor allem ganz bestimmte Situationen, in denen der Einzelne Opfer war: Holocaust, Folterung, Vergewaltigung, Spießrutenlaufen, Verbrannt-Werden usw., also ganz bestimmte Extremsituationen des Menschseins. Im Einzelfall kann das ja auch tatsächlich zutreffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Nötige wahrheitsgemäße Anschauung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aus der Geisteswissenschaft wissen wir, dass der Mensch im nachtodlichen Leben seinen Ätherleib und seinen Astralleib ablegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was aber heißt das?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während wir die Gedanken des Selbstbewusstseins, der Selbsterfahrung, des Wesentlichen und Wesenhaften mit uns nehmen, lassen wir die Gedanken des Bösen, des Widernatürlichen und Abgründigen zurück. Denn all das ist nicht Teil unseres Wesens, auch wenn wir es erlebt und erlitten haben. Es ist nicht wahr und schön und gut. Wir lassen es in der sublunaren Sphäre, der Sphäre zwischen Erde und Mond, zurück und sie bleiben in der Ätheraura der Erde und machen deren Schmerzenscharakter aus. In dieser Sphäre sind das Dämonische und das Böse zu Hause, die bösen Gedanken und Gefühle, die Hass-Impulse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn sich nun Menschenseelen auf dem Weg zur Wiedergeburt, zur Inkarnation, der Erde nahen, nehmen sie in dieser Sphäre viele Schrecknisse und Grausamkeiten, die auf der Erde geschehen sind, wahr. Diese Eindrücke werden in den sich bildenden Ätherleib mit aufgenommen und können wie Selbsterlebtes im Bewusstsein auftauchen. Es ist jedoch nicht eigenes Karma, das man dann schaut, sondern man empfindet die Verbindung mit dem Menschheitskarma, mit der Menschheitsschuld, an deren Auflösung man in diesem Leben mitarbeiten will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusätzlich zu den psychologisch-naturwissenschaftlichen Forschungsergebnissen über das Kind braucht es ein intensives Studium der Geisteswissenschaft, um die Phänomene des Kindseins und der kindlichen Entwicklung auch geisteswissenschaftlich beleuchten zu können. Sonst kommen wir nicht zu einer menschen- und wahrheitsgemäßen, allseitigen Anschauung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Die Würde des kleinen Kindes“, 2. Vortrag, Kongressband Nr. 2, gelbes Heft&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE SIXTINISCHE MADONNA ALS LEITBILD DER KINDLICHEN ENTWICKLUNG ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gibt es Leitbilder der kindlichen Entwicklung, die uns helfen können, bestimmte Fragen für die Praxis leichter zu beantworten?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sixtinische Madonna erscheint mir ein grundlegendes Leitbild der kindlichen Entwicklung zu sein. Sie ist eine Art Ur-Madonna, wie nur Raffael sie malen konnte, von dem der deutsche Maler Dürer sagte, er habe in seinen Madonnenbildern „den Himmel auf die Erde gebracht“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass sie weißhäutig ist, bedeutet nicht, dass sie nicht ebenso Urbild für farbige oder schwarze Menschen sein kann. Ich empfehle immer, dass man in farbigen Kindergärten eine farbige Madonna und daneben diese besondere Madonna von Raffael aufhängt, damit nicht das Missverständnis aufkommt, die weiße Madonna wäre „normaler” als die schwarze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die geistige Bedeutung der Farben&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Weiß als Farbe drückt im geisteswissenschaftlichen Sinn „Gottesnähe” aus, schwarz hingegen ist Bild für das entkörperte, rein geistige Dasein in der geistigen Welt. Weiß bedeutet Gottesnähe auf Erden, Schwarz ist die esoterische Farbe des Todes, der Spiritualität. Weiß spricht vom Ideal der Reinigung der Seele auf Erden, Schwarz ist Sinnbild der Ewigkeit. Die menschlichen Hautfarben lassen sich zwischen diesen beiden Polen von inkarnierter und exkarnierter Geistigkeit einordnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Madonna Raffaels ist auch deshalb ein Archetyp im esoterischen Sinn, weil ihr Kind weder weiß noch schwarz ist, sondern in der Farbe des Inkarnats gemalt wurde, d.h. dem Weiß wurde etwas Schwarz und Rot beigemischt; in Schwarz und Rot wirkt die Spiritualität (der geistigen Welt) nach, gleichzeitig drückt sich aber im Weiß Erdzugewandtheit und Inkarnationswilligkeit aus. Das gilt auch für all die kleinen Kinderköpfchen ringsum. Dieses Madonnenbild ist esoterisch bedeutsam, weil unter spirituellen Aspekten jede Farbe und jede Form stimmt und das Kind so auf dem Arm der Mutter sitzt, dass es wie heraustritt aus dem Chor der ungeborenen, inkarnationswilligen Seelen. Das ist ein Umstand, der jedes kleine Kind als Aura umgibt: dass sich noch viele andere Kinder, viele andere Schicksale im Umkreis befinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Komposition des Inkarnationsaugenblickes ===&lt;br /&gt;
Ein Neugeborenes ist unendlich reich an Nachklängen aus der geistigen Welt, an ätherischen Bindungen, hierarchischen Gedanken, aber auch an Karma und Schicksalsbeziehungen. Das wird wunderbar durch die Engel und die männliche Gestalt ausgedrückt, die sich außer der Madonna und dem Kind noch auf dem Bild befinden. Das ist der Archetyp der esoterisch-exoterischen Komposition des Inkarnationsaugenblickes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von der Sixtinischen Madonna geht eine starke, im besten Sinne erzieherische, in die Senkrechte bringende, haltende Kraft aus. Wenn wir mit diesem Bild vor Augen an die Arbeit in unseren Betreuungseinrichtungen gehen, können wir daraus die richtige Haltung und Kraft schöpfen, um die Kinder in guter Weise auf ihrem Weg zur Erde zu führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Die Würde des kleinen Kindes“, 2. Vortrag, Kongressband Nr. 2, gelbes Heft&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DAS AUTONOMIEPRINZIP IN DER MENSCHLICHEN EVOLUTION ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen Stellenwert hat das Autonomieprinzip in der menschlichen Entwicklung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was drückt es aus in Bezug auf die Aufgabe des Menschen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Der Mensch als anpassungsfähigstes Wesen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Bernd Rosslenbroich&#039;&#039; hat in seiner meisterhaften Studie zur Entwicklung von Mensch und Tier erstmals schlüssig anhand einer naturwissenschaftlichen Methodik dargelegt, dass der Evolution das Autonomieprinzip inhärent ist.[1] Das heißt, jeder Schritt in der Höherentwicklung der Arten stellt einen Zugewinn in der Befähigung zur Autonomie dar. Das kulminiert in der menschlichen Entwicklung. Der Mensch ist demnach das körperlich anpassungsfähigste Wesen. Er ist zudem frei im Hinblick auf den Umgang mit Wärme und Kälte, mit Nahrungsmitteln und Essenszeiten, mit der Schlaf- und Arbeitsmenge, mit der Work-Life-Balance, mit der Wahl seiner Partner und Freunde, mit Berufstätigkeit, Religionszugehörigkeit, Weltanschauung, mit der Frage, wie viele Sprachen er sprechen will, welche Hobbys er sich wählt, wie er liebt: ob er heiraten will oder in wechselnden Partnerschaften leben, ob er Kinder haben will oder nicht – um nur einige zu nennen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Dilemma ist, dass der Menschen im Prinzip frei ist, doch auf Schritt und Tritt erlebt, wo er &#039;&#039;noch nicht&#039;&#039; frei ist: Oft bemerkt man erst zu spät, dass man eine falsche Entscheidung getroffen hat, man wünscht sich, was man (noch) nicht hat und steht immer wieder neu vor der Tatsache, dass man zwar in vielem bereits autonom agieren kann, jedoch viele Freiheitsgrade noch nicht erschlossen sind und in diesem Leben (vielleicht) auch nicht zu erschließen sein werden. Das führt viele zur Anerkennung der Logik von Reinkarnation und Karma, ja der Notwendigkeit wiederholter Erdenleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Beteiligung des Menschen am Schicksalsgeschehen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wenn man das Leben nicht als einmalig oder zufällig betrachtet oder aber allein von einer göttlichen Macht gesteuert, eröffnet sich noch eine andere Dimension der menschlichen Entwicklung: die Beteiligung des Menschen am Schicksalsgeschehen. Je mehr sich ein Mensch seiner Mitgestaltungsmöglichkeiten bewusst ist, umso freier und verantwortungsbewusster kann er sein Leben in die Hand nehmen. Umso mehr erlebt er auch „die Ohnmacht Gottes“, der dem Menschen die Anlage zur Freiheit gegeben hat und diese in dem Maße respektiert, indem sie sich entwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Keiner muss mehr reagieren – das alte Karma-Prinzip „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ gehört der Vergangenheit an. Es führte die Menschen in die Individualisierung und Sonderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das neue Karmaprinzip, von dem in der Bergpredigt[2] die Rede ist, offenbart noch eine weitere Seite der Freiheit: dass man eigene und fremde Schuld durch die Kraft des höheren Ich verstehen, verzeihen und erlösen kann.  Diese Ich-Kraft, die allen Menschen gemeinsam ist, entwickelt sich am besten, wenn man sie im sozialen Leben übt als die Kraft selbstloser Hingabe angesichts der Sorgen und Nöte der Welt, in der man lebt, die Kraft geistiger Liebe. Voraussetzung dafür ist die bis zu einem gewissen Grad errungene Autonomie. Denn nur wer sich innerlich frei fühlt, vermag sich z.B. von berechtigter Wut einem Feinde gegenüber, der einem geschadet hat, zu lösen, ist darüber hinaus in der Lage verstehen zu wollen, um aus diesem Verständnis heraus auch verzeihen zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Folgen von Missbrauch von Liebe und Freiheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In seinem Werk über die &#039;&#039;Akasha-Chronik&#039;&#039; führt Rudolf Steiner aus, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* dass Gott der Evolution des Menschen zum Ausgleich für den &#039;&#039;&#039;Missbrauch der Liebefähigkeit&#039;&#039;&#039; Krankheit und Tod beigegeben hat.[3]&lt;br /&gt;
* Und dass der &#039;&#039;&#039;Missbrauch der Freiheitsfähigkeit&#039;&#039;&#039; hingegen über das Gesetz von Reinkarnation und Karma ausgeglichen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die beiden Widersachermächte oder Teufel Luzifer/Diabolos und Ahriman/Satanas ermöglichen den Missbrauch der Eigenschaften, die zu entwickeln der Mensch berufen ist. Ohne diese Möglichkeit der Abirrung könnte sich der Mensch nicht aus sich heraus authentisch für das Gute, das wahrhaft Menschliche, die menschlichen Entwicklungsziele, entscheiden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese werden u.a. in den Kernidealen des Christentums ausgedrückt: Wahrheit, Liebe, Freiheit. Ringen wir um die Verwirklichung dieser Ideale, erringen wir auch die Voraussetzungen für leibliche, seelische und geistige Gesundheit. Warum? Weil auch Gesundheit physiologisch gesehen auf diesen drei Qualitäten basiert: Im gesunden Organismus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* stimmt alles miteinander überein (Wahrheit)&lt;br /&gt;
* stehen die Abläufe in ständiger Resonanz und feinabgestimmter Wechselwirkung miteinander (Liebe)&lt;br /&gt;
* werden die Grenzen und die Integrität der einzelnen Organe und Funktionen respektiert (Freiheit).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Schicksalswirkungen im Lebenslauf auf Grundlage von Rudolf Steiners Karmaforschung“ Der Merkurstab 2015, Heft 6&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Bernd Rosslenbroich, &#039;&#039;On the Origin of Autonomy, A New Look at the Major Transitions in Evolution,&#039;&#039; Heidelberg, New York, Springer 2014.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Neues Testament, &#039;&#039;Matthäus&#039;&#039; Kap. 5 - 7.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Aus der Akasha-Chronik&#039;&#039;, GA 11, Dornach, Rudolf Steiner Verlag 1986. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ENTWICKLUNGSGEDANKE UND WIEDERVERKÖRPERUNG ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Perspektiven und Entwicklungsmöglichkeiten eröffnet der Gedanke der Wiederverkörperung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Viele Leben für Entwicklung nötig&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Gedanke der Wiederverkörperung ist so alt wie die Menschheit. Wer ein medita­tives Leben beginnt, bemerkt bald, wie viel es noch zu lernen und zu erfahren gilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wer kann sagen, er sei bereits ein voll entwickelter Mensch?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wer will schon von sich behaupten, dass er sein Entwicklungsziel erreicht hat und tatsächlich „am Ende“ ist?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst große Geister wie &#039;&#039;Goethe&#039;&#039; waren davon überzeugt, dass es nötig ist wiederzu­kommen, um weiter zu lernen. &#039;&#039;Emil Bock&#039;&#039; befasste sich mit Persönlichkeiten im (mittel)­europäischen Raum, die davon überzeugt waren, dass der Mensch nicht nur einmal lebt, und das Gesetz von Reinkarnation und Karma als für alle Menschen gültig erachteten.[1] Bock war der Überzeugung, dass jeder, der sich ernsthaft mit der Tatsache auseinander­setzt, dass man sich als Mensch nicht nur körperlich entwickelt, sondern auch seelisch und geistig, auf den Gedanken der Wiederverkörperung kommt: dass der Mensch viele Leben braucht, um nur annähernd das Ausmaß an Freiheit, Würde, Selbstachtung, Respekt, Verständnis, Mitleid und Liebe für andere zu erwerben, das einen wirklich „guten Menschen“ ausmacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Schicksal als Lernfeld begreifen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Jeder Mensch hat seine besondere Art zu sein und sich zu entwickeln – weil jeder sein eigenes Schicksal hat, auch wenn viele über Zeiten hinweg zusammenleben und innig befreundet sein können. Auch eineiige Zwillinge verbringen ihre Leben oft an getrennten Orten, in verschiedenen Berufen und selbstverständlich mit ver­schie­denen Lebens­partnern etc. Jeder Mensch hat sein eigenes Schicksal mit seiner eigenen Krankheits­disposition. Sich diesbezüglich eine Art geistiger Identifikationsmöglichkeit zu erarbeiten, erscheint mir in der heutigen Zeit besonders wichtig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter dem Aspekt wiederholter Erdenleben und fort­schreitender Bewusstseins­ent­wick­lung ändert sich auch das Verhältnis, das man zum eigenen Körper hat. Man ist durch ihn nicht mehr nur Mann oder Frau, Engländer, Schwarzafrikaner, Chinese oder Deutscher. Vielmehr begreift man ihn als Instrument der Weiterentwicklung. Man erlebt die eigene Identität immer mehr im rein Menschlichen und weniger im Mann- oder Frausein bzw. in der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Hautfarbe, einem Volkstum oder einer Religion. Der Körper ist das Erdeninstrument des Schicksals. Von seinen Begabungen und Behinderungen, seinem Aussehen und Geschlecht hängt es zu einem großen Teil ab, wie sich dieses gestaltet.[2] Man erlebt, wie vieles im eigenen Schicksal gerade von der besonderen Konstitution in diesem Leben abhängig ist und dass dieses Schicksal seinen eigenen Gesetzen folgt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Vertrauen in das eigene Schicksal entwickeln&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das erfuhr ich eindrücklich während meiner Zeit auf der Intensivstation. Der Laie denkt in der Regel, dass dort „Halbgötter in Weiß“ mithilfe von Schläuchen und Nadeln Leben erhalten. Das stimmt so nicht. Es trifft nicht einmal auf die Neu- und Frühgeborenen-Station zu: Ich habe dort Kinder sterben sehen, deren Tod niemand voraus­gesehen hätte und ich habe Kinder überleben sehen, bei denen niemand es für möglich gehalten hätte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In mehreren Fällen hatte sogar das ethische Komitee bereits entschieden, alle Apparate abzustellen und diese Kinder nur noch zu pflegen und zu ernähren, weil sie mehrfach behindert waren. Sie überlebten trotzdem, unter erschwerten Bedingungen ohne zusätz­liche Beatmung, bis die Eltern angesichts des Lebenswillens ihres Kindes bewusst und entschieden „Ja“ zu ihnen sagten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch diese Erfahrungen entwickelte ich als Ärztin ein ganz tiefes Vertrauen in das Schicksal der betreffenden Menschen – und damit rühren wir jetzt an eine andere Dimension: Es gibt Menschen, die früh sterben, als Kinder oder im frühen Erwach­senen­­alter. Und es gibt Menschen – deren gibt es heute viele –, die erst hochbetagt sterben. Es ist aber auch so, dass manche Kinder durch einen Unfall, den man nicht hatte vermeiden können, durch Bedingungen, die man geschaffen hat und die zu hinterfragen müßig ist, verletzt werden und lebenslang behindert bleiben. Dazu ein besonders anrührendes Beispiel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ein Ort der Weiterbildung für besondere Menschen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der Nähe von Nagano, in den Bergen Japans, liegt &#039;&#039;Suirin&#039;&#039;,[3] ein besonderer Ort für Studium und Weiterbildung, im traditionell japanischen Stil geführt, mit exzellenter biologischer Küche, angenehmen Räumen mit Holzverkleidung, mitten in der Natur. Etwa 100 Menschen können hier untergebracht und verpflegt werden. Das ganze Jahr über finden die verschiedensten Seminare, Kurse und wissenschaftlichen Kolloquien statt. Jetzt ist noch ein weiteres Haus geplant für das Zusammenleben mit alten Menschen. Die Mehrzahl der über 30 MitarbeiterInnen besteht aus Jugendlichen, die aufgrund von Anpas­sungsstörungen, psychischen Krankheiten und Behinderungen bis­her keine Arbeits­stelle finden konnten. Hier lernen sie nicht nur ein gesundes regel­mäßiges Leben kennen, sondern werden auch ausgebildet in Haushaltswirtschaft, Pflege und verschiedenen sozialen Diensten. Nach dieser mehrjährigen Ausbildungszeit können sie in der Regel ein selbständiges Leben aufnehmen. Die Anmeldelisten über­steigen weit die Möglichkeiten der Aufnahme. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Woher kam dieser Impuls, der sich im Laufe von 30 Jahren so erfolgreich entwickelt hat?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einem Elternpaar wurde vor 30 Jahren ein schwerstbehindertes Mädchen geboren, das weder gehen noch sprechen lernen konnte. Sie waren von Anfang an darauf angewiesen, sich rein emotional-intuitiv mit ihrer Tochter zu verständigen. Sie ent­schie­den sich für ein neues Leben mit ihrer Tochter, suchten einen besonders schönen, gesunden Lebensraum und begründeten – sozusagen um die Tochter herum – die eben skizzierte soziale Einrich­tung. Ohne sie wäre das Leben der Eltern in konven­tio­neller Weise weitergegangen – nie wären sie auf den Gedanken gekommen, einen Ort von Menschlichkeit und kultureller Vielfalt zu schaffen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So kann ein Erdenleben auch einmal ganz im Zeichen der Hilfsbedürftigkeit, im Em­pfan­­­gen, verbracht werden. Dadurch bekommen andere die Möglichkeit, unermess­lich viel zu lernen, insbesondere auf sozialem Felde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vom Sinn der … Krankheiten, in: Meditation in der Anthroposophischen Medizin, 1. Kap., Berlin 2016&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----&amp;lt;sup&amp;gt;[1]&amp;lt;/sup&amp;gt; Emil Bock, &#039;&#039;Wiederholte Erdenleben. Die Wiederverkörperungsidee der deutschen Geistesgeschichte&#039;&#039;, Verlag Urachhaus, Stuttgart 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;[2]&amp;lt;/sup&amp;gt; Michaela Glöckler, &#039;&#039;Begabung und Behinderung&#039;&#039;, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;[3]&amp;lt;/sup&amp;gt; Siehe &amp;lt;nowiki&amp;gt;http://www.suirin.com/English/welcome.html&amp;lt;/nowiki&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== MENSCHLICHE DEFIZITE KOMPENSIEREN DURCH ENTWICKLUNGSWILLEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern ist es wichtig, zwischen Tier und Mensch zu unterscheiden?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worin sind sie begründet?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worin liegt der Sinn des menschlichen Andersseins?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Herausforderungen und Aufgaben sind damit verbunden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verwischte Unterschiede neu erfassen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der prinzipielle Unterschied zwischen Mensch und Tier wurde als Folge der darwinistischen Evolutionstheorie in den letzten hundert Jahren zunehmend verwischt. Daher ist es wichtig, diesen Unterschied neu zu erfassen, wenn man den Menschen als Mensch und nicht als Tier verstehen möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Tier ist es zwar möglich, sich individuell seelisch zu äußern – keine zwei Hunde gleichen sich in Bezug auf ihr Verhalten vollständig, auch wenn sie dem gleichen Wurf angehören –, aber es ist dennoch keinem einzigen Hund möglich, sich nicht wie ein regulärer Hund zu benehmen. In der tierischen Entwicklung fehlt der Faktor „individuelle Entwicklung“, der mit &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Offenheit,&lt;br /&gt;
* Risikobereitschaft,&lt;br /&gt;
* Scheitern-Können,&lt;br /&gt;
* Aufgeben-Wollen einhergeht&lt;br /&gt;
* und der in die Unberechenbarkeit der spezifisch menschlichen Existenz führt&lt;br /&gt;
* mit der ganzen typisch menschlichen Selbstfindungsproblematik&lt;br /&gt;
* mitsamt ihren Identitätskrisen&lt;br /&gt;
* und dem Erreichen des Nullpunktes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht stellen wir Menschen uns deshalb gegenwärtig so gerne auf eine Stufe mit dem Tier, weil wir es insgeheim um seine fraglose Identität und um sein immer artgemäßes Verhalten beneiden. Die weisheitsvollen Gesetzmäßigkeiten der mineralischen Welt, der ätherischen Lebenszusammenhänge und der seelischen Verinnerlichungsmöglichkeiten kommen beim Tier zwar in jedem einzelnen Individuum auch individuell zum Ausdruck, jedoch immer in einer gewissen Vollkommenheit und Selbstverständlichkeit. Kindheit, Jugend und Erwachsenwerden des Tieres werden von artgemäßen Instinkten bestimmt und können naturgegeben ausgelebt werden. Gerade das ist dem Menschen nicht möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Lange Kindheit als Zeit für Entwicklung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Zoologe &#039;&#039;Friedrich Kipp&#039;&#039; ist in seinem Buch &#039;&#039;„Die Entwicklung des Menschen im Hinblick auf seine lange Jugendzeit“&#039;&#039; dem Unterschied zwischen Tier und Mensch evolutionsbiologisch nachgegangen.[1] Er zeigt auf, dass der Mensch eine im Vergleich zu den Säugetieren charakteristisch lange Kindheit und Jugend hat, mit einer ausgedehnten Spiel- und Lernphase, wodurch seine Fähigkeit, sich lebenslang ändern und anpassen zu können, entscheidend unterstützt wird. Das zeigt: Der Mensch ist auf Selbstentwicklung hin veranlagt. Körperlich hingegen behält er im Vergleich zu den Tieren eine unspezialisierte, embryonal-kindliche Form bei. Dies hat auch entsprechende Konsequenzen für die Erziehung: Kinder, die ausgiebig spielen und kreativ sein durften, bleiben in der Regel auch bis ins hohe Alter beweglich und schöpferisch. Je früher hingegen die Kinder in Kindergarten und Schule spezialisiert, konditioniert und verschult und damit festgelegt erscheinen, desto gefährdeter sind sie, später unschöpferisch, angepasst und früher alt und eher krank zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daran kann unmittelbar abgelesen werden, dass in den Menschen eine über das Tier hinausgehende, völlig andere Gesetzmäßigkeit hereinragen muss: Eine Gesetzmäßigkeit, durch die er gezwungen ist, die Verantwortung für seine Entwicklung selbst in die Hand zu nehmen, da er sie nicht seinen körpereigenen Instinkten überlassen kann. Die menschliche Entwicklung ist gekennzeichnet von einer größtmöglichen Offenheit und Verwundbarkeit. Alles, worauf das Tier sich weitestgehend verlassen kann – dass es die richtige Wahl der Nahrungsmittel trifft, dass es nicht zu viel und nicht zu wenig isst, dass es sich artgemäß fortpflanzt, dass sein Schlaf-Wachrhythmus geregelt ist, dass sein Sozialverhalten dem entspricht, was man von ihm erwartet –, all das ist beim Menschen nicht von Natur aus gegeben, sondern muss im Laufe des gesamten Lebens nicht nur errungen, sondern auch weiter ausgebildet, kultiviert und „vermenschlicht“ werden. Wie viele Arztbesuche würden entfallen, wenn es keine Ess-, Schlaf- und (sexuelle) Beziehungsprobleme gäbe!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon eine so einfache Überlegung macht deutlich, wie revolutionär, wie dramatisch und grundsätzlich der Unterschied zwischen Mensch und Tier ist. Wenn beim Tier die Geschlechtsreife eintritt, ist sein artgemäßes Verhalten bereits gesichert, und es lebt individuell und sozial in geregelten Bahnen. Beim Menschen hingegen ist die Geschlechtsreife dadurch gekennzeichnet, dass alle noch so gutgemeinten erzieherischen Bemühungen aus den früheren Jahren fruchtlos erscheinen. Eigenes, Unerwartetes macht sich geltend – das ist ein wahrhaft revolutionärer Vorgang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entwicklungsoffenheit als Herausforderung und Chance&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Mit diesem Eigenen, Unerwarteten, mit dieser Entwicklungsoffenheit hängt aber auch all das zusammen, was besonderen Begabungen und Behinderungen zugrunde liegt. Und nur der Mensch muss lernen, mit Begabungen und Behinderungen zu leben und mit ihnen umzugehen, nicht jedoch die ihm seelisch verwandten Tiere. Man hat Skelette von wasserköpfigen Kindern gefunden, die aus der Steinzeit stammten, und hat daraus geschlossen, dass die Fürsorge für behinderte Kinder so alt ist, wie Menschen Behinderungen wahrnehmen und pflegen konnten. Ein behindertes Tier in der freien Wildbahn wird sehr bald vom ökologischen System „verarbeitet“: es stirbt, weil es sich nicht ernähren und verteidigen kann – es wird aufgefressen, ihm kann nicht geholfen werden. So wird auch dafür gesorgt, dass schwerwiegende Behinderungen unter Tieren nicht weitervererbt werden können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was könnte ein Tier auch in der Auseinandersetzung mit einer Behinderung gewinnen? &#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da ihm das Selbstbewusstsein und die damit verbundene persönliche Betroffenheit fehlen, könnte es damit gar nichts anfangen. Es würde sinnlos leiden. Dem Tier ist es nicht gegeben, durch Leid und Schmerz Erfahrungen zu machen, die es in seiner Entwicklung weiterbringen. Denn es ist von Natur aus zur Vollkommenheit veranlagt. Das kann durch persönliche Anstrengung nicht noch weiter gesteigert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Leid und Schmerz als Lernhilfen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Gerade das ist beim Menschen grundsätzlich anders: Für ihn sind Leid und Schmerz Herausforderungen, denen er sich während seiner ganzen Entwicklung bewusst stellen muss und durch die er Erfahrungen machen kann und Einsichten gewinnen lernt, die durch nichts anderes zu gewinnen sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Natur zeigt sich das Geistige – wenn es durch menschliche Eingriffe nicht gestört wird – wirksam in den weisheitsvoll aufeinander abgestimmten Regelkreisen der ökologischen Zusammenhänge. Krankheit und Behinderung treten hier nur am Rande als flüchtige Erscheinungen auf, da kranke Pflanzen bald zugrunde gehen, ebenso wie geschwächte und geschädigte Tiere. Demgegenüber besitzt der Mensch die Möglichkeit, mit Krankheiten und Behinderungen unter Umständen jahrzehntelang zu leben und umzugehen. Doch nicht nur das. Bei ihm tritt als entscheidender Faktor etwas hinzu, das bei Pflanze und Tier nicht existiert: innere Krankheitsursachen. Pflanze und Tier erkranken, wenn die äußeren Lebensumstände ihrer Art nicht mehr entsprechen und wenn in irgendeiner Form nicht zu kompensierende Mangelerlebnisse auftreten, was Nahrung und Klima betrifft. Beim Menschen treten zu diesen schädigenden Einflüssen von außen als entscheidende, spezifisch menschliche Krankheitsursachen innere Ursachen hinzu. Die Kräfte, die beim Menschen als freie, seelisch-geistige Betätigungsmöglichkeiten in Erscheinung treten, entstammen ja Kraftzusammenhängen, die den Leib aufbauen und erhalten. Beim Tier offenbaren sich die entsprechenden Kräfte als leibgebundene instinktive Weisheit und artgerechtes Sozialverhalten. Irrtum und Missbrauch dieser Kräfte sind ausgeschlossen, indem sie der unbewussten Regelung durch das Naturgesetz unterliegen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ausgleich des Instinktdefizits durch Lernwillen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das ist beim Menschen anders. Er hat ein großes Instinktdefizit, einen Mangel an naturgegebener Weisheit, wie sie den Tieren angeboren ist. Dieses Kräftepotential steht stattdessen leibfrei dem Seelen- und Geistesleben zur Verfügung, d.h. der Mensch kann und muss durch aktive Lernprozesse ersetzen, was ihm an Instinkten fehlt. Andererseits hat er dadurch die Möglichkeit, diese vom Leib emanzipierten seelischen und geistigen Entwicklungspotentiale zu missbrauchen zur Zerstörung von sich und anderen. Hiermit gemeint sind nicht nur die Schädigungsmöglichkeiten, die mit falscher Ernährung, zu wenig Schlaf, einer ungesunden Lebensweise und mangelnder Hygiene zusammenhängen, sondern vor allem diejenigen Schädigungsmöglichkeiten, die durch ein unwahres Denken, ein destruktives Gefühlsleben und durch fehlgeleitete Willenshandlungen zustande kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist ein langer Entwicklungsweg, bis man reif ist für den freien Gebrauch dieser Seelen- und Geisteskräfte. Die damit verbundenen Lernprozesse sind dadurch störanfällig, dass sich der Mensch geistig, seelisch und auch an Leben und Leib „irren kann“. Darin liegt ein tiefer Sinn. Denn wenn er den zuletzt in Form von Krankheit und Behinderung organisch gewordenen „Irrtum“ erlebt, kann er sich dadurch weiterentwickeln. Auch liegt etwas Trostreiches in dem Gedanken, dass man Fehler und Irrtümer selber als solche erleben und damit die Voraussetzungen schaffen kann, sie selbstständig zurechtzurücken und zu verwandeln. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade dabei spielt der Umgang mit Begabung und Behinderung eine wesentliche Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verantwortung übernehmen für Entwicklung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Es wäre allerdings einseitig, aus dem Vorgebrachten den Schluss zu ziehen, hier tauche, nur mit neuen Begründungen, die alte Lehre wieder auf, dass Krankheit von Sünde und Fehlverhalten komme. Viel wesentlicher ist es, aus diesen Zusammenhängen die Frage abzuleiten: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Woher kommen Begabungen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Woher kommen angeborene Fähigkeiten, Genialität? &#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Könnten sie nicht gerade das Ergebnis durchgemachter Behinderungen und Krankheiten in einem früheren Erdenleben sein?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir leben heute in einer Zeit, in der die Menschen zunehmend empfinden, dass sie selbst für ihre Gesundheit und ihre Entwicklung Verantwortung übernehmen müssen. Dafür sorgt nicht nur der sich anbahnende wirtschaftliche Zusammenbruch der Gesundheits- und Sozialsysteme, sondern auch, dass der Mensch sich immer stärker als auf sich selbst gestellt erlebt. Angesichts der vielfältigen Folgen menschlichen Handelns in der Natur, der Umwelt und im Wirtschafts- und Sozialleben erkennen wir, dass wir es letztlich selber sind, von denen wir und unsere Umwelt abhängen. Wir sind viel mehr mit den Folgen unserer Taten konfrontiert; sie werden vom Einzelnen viel stärker erlebt als dies noch vor vierzig, fünfzig Jahren der Fall war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Zukunft wird entscheidend sein, dass möglichst viele Menschen sich ihrer Verantwortung bewusstwerden und aus dieser Einsicht heraus energisch an einer Vermenschlichung der kulturellen Verhältnisse arbeiten. Auch wenn noch nie so viele Menschen auf der Erde gelebt haben wie gegenwärtig, kann man andererseits auch sagen, dass die Defizite an Menschlichkeit nie so stark in Erscheinung getreten sind wie im letzten Jahrhundert mit seinen endlosen Kriegen, Zerstörungen und epidemischen Zuständen von Unzufriedenheit, Depression und Verzweiflung. Und so ist es kein Wunder, dass sich viele Menschen aufgrund dieser Tatsachen wie an einer Schwelle erleben, an der sie wachgerüttelt werden, sich selbst zu erkennen. Viele empfinden auch eine gewisse Sehnsucht, sich ihre Mitverantwortung für das Ganze bewusst zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Begabungen und Behinderungen“, 5. Und 6. Kapitel, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2004&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. dazu Friedrich A. Kipp, &#039;&#039;Die Evolution des Menschen im Hinblick auf seine lange Jugendzeit&#039;&#039;, Stuttgart 1991. Ferner Wolfgang Schad, &#039;&#039;Säugetiere und Mensch&#039;&#039;, Stuttgart 1971.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Offenborn</name></author>
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	<entry>
		<id>https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Krankheit&amp;diff=1210</id>
		<title>Krankheit</title>
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		<updated>2025-12-17T12:53:21Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Offenborn: /* A SCHLAF UND OHNMACHT ALS FOLGEN ZU STARKER NATURPROZESSE */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= Krankheit – von Michaela Glöckler =&lt;br /&gt;
Auszüge aus Büchern und Vorträgen von [[Michaela Glöckler]]; Erstveröffentlichung auf https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== UNTERSCHIEDLICHE SICHTWEISEN VON KRANKHEIT ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie schaut die Schulmedizin auf Krankheit?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und welche Perspektive hat die Anthroposophische Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was haben sie gemeinsam, was unterscheidet sie?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Frage nach der Ursache von Krankheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Überschrift des zweiten Kapitels von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; ist die einzige in Form einer Frage gehaltene:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Warum erkrankt der Mensch?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist aber auch die Frage, die sich fast jeder stellt, der ernsthaft erkrankt ist: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Warum ich – und warum gerade jetzt?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist die Ursache, wo sind die besten Ärzte – und was kann ich selber dazu tun, um wieder gesund zu werden?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Antwort auf die letzte Frage wird maßgeblich mitbestimmt durch das Menschenbild der Medizin und die Weltanschauung, die jemand hat – vorausgesetzt, dass die wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse eine freie Arztwahl gestatten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Unterschiedliche Sichtweisen im Vergleich&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Bezüglich möglicher Antworten stehen sich die polaren Sichtweisen und Lebenshaltungen – spirituell oder rein naturwissenschaftlich – gegenüber, mit zahlreichen Zwischenformen alternativer oder vermittelnder Art. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Naturwissenschaftlich-positivistische Sichtweise ====&lt;br /&gt;
Die naturwissenschaftlich-positivistische Sichtweise sieht die Ursache einer Krankheit primär auf molekulargenetischer Ebene in einer spontan oder kausal (mögliche genetische Ursachen, Umweltgifte, psychosozialer Stress) aufgetretenen Irregularität des Zellstoffwechsels. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Anthroposophisch-medizinische Sichtweise ====&lt;br /&gt;
Die anthroposophisch-medizinische Sichtweise ergänzt diese konventionelle Diagnostik durch die Wesensglieder-Diagnostik im Sinne von Kapitel I des genannten Werkes und stellt auch die Frage nach der biographischen Situation des Patienten. Wenn Patienten selbst nach dem Sinn ihrer Erkrankung fragen, wird im gemeinsamen Betrachten der Entwicklungsperspektiven und der Schicksalsgegebenheiten der Betroffenen an einer möglichen Antwort gearbeitet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Auswirkungen auf den Patienten ====&lt;br /&gt;
Vergleicht man die beiden Perspektiven kann man etwas Interessantes bemerken: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;AD 1.&#039;&#039;&#039; Je mehr man die Ursachen der Erkrankung auf externer molekular-kausaler Ebene verortet, umso mehr erlebt sich der Betroffene als Opfer seiner Zustände und gleichzeitig als abhängig vom Arzt, der ihm helfen soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;AD 2.&#039;&#039;&#039; Je mehr man sich hingegen der eigenen Beteiligung am Geschehen bewusstwird, bis in persönliche und soziale Schicksalsfragen herein, erlebt man sich als Mitgestalter beim Gesundungsprozess und damit autonomer – auch in der Arzt-Patientenbeziehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;AD 1.&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;+ 2.&#039;&#039;&#039; Beide Sichtweisen zusammengenommen eröffnen hingegen vielseitigere und komplexere Möglichkeiten der Besserung und Heilung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Gemeinsamkeiten ====&lt;br /&gt;
Beiden Anschauungsweisen gemeinsam sind der Wille zu helfen sowie die Bereitschaft zur Prävention, um mögliche Rückfälle zu vermeiden, indem man sich therapeutisch mit den vermuteten oder klar zutage getretenen Ursachen befasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Unterschiedliche Therapieansätze ====&lt;br /&gt;
Die therapeutischen Interventionen unterscheiden sich dadurch, dass das Spektrum der Behandlungsmöglichkeiten der integrativen und Anthroposophischen Medizin breiter gefächert und multiperspektivischer ist, als das der Schulmedizin. Es umfasst &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* neben dem Einsatz schulmedizinischer Medikamente &lt;br /&gt;
* die Gabe prozessorientierter anthroposophischer Arzneimittel&lt;br /&gt;
* diätetische Vorgaben&lt;br /&gt;
* pflegerische Maßnahmen wie äußere Anwendungen wie Bäder, Wickel und Auflagen&lt;br /&gt;
* künstlerische Therapieformen&lt;br /&gt;
* und, so gewünscht, spezifische Krankenmeditationen[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Dem Kranken in allen Wesensäußerungen gerecht werden&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der als Mitbegründer von &#039;&#039;„Ärzte gegen den Atomkrieg“&#039;&#039; und Friedensnobelpreisträger bekannt gewordene &#039;&#039;Bernard Lown (1921–2021)&#039;&#039; empfand die Notwendigkeit, dem Kranken in all seinen Wesensäußerungen gerecht zu werden, auch wenn er therapeutisch ganz auf dem Boden der Schulmedizin stand. Er schrieb in seiner Heilkunst: &#039;&#039;„Patricia lehrte mich, dass jeder einzelne Patient eine statistische Ausnahme ist.“[3]&#039;&#039; Sein ärztliches Engagement war darauf gerichtet, dem Kranken in seiner schwierigen Situation von Mensch zu Mensch zu begegnen und ihm dabei seine Selbstbestimmung und Würde zu Bewusstsein zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weder im Bereich der Schulmedizin noch in der Anthroposophischen Medizin geht es bei der Sinnfrage um ‚Schuld‘ oder gar moralische Verfehlung, sondern um Heilung. Dier Heilungsprozess schließt individuelle Lernprozesse und das Übernehmen von Verantwortung in dem Maß, wie sich der Kranke das selber klar machen kann oder will, ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Haltung spricht auch aus der Art und Weise, wie Rudolf Steiner und Ita Wegman sich ihren Patienten gegenüber verhielten. Da fällt kein moralisierendes Wort, vielmehr ist ihr ganzes Bemühen um Heilung eine Dienstleistung am Betroffenen. Für Rudolf Steiner galt: Der Sinn der Krankheit ist die Heilung.[4] Der Heilung mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu dienen, sei die Aufgabe des Arztes und Therapeuten. Wenn Menschen jedoch Fragen stellten nach möglichen Ursachen oder einem Eigenanteil am Geschehen, bekamen sie klare Antworten und damit Hilfe zur Selbsthilfe: In dem Maß, in dem sie die Ursachen erkennen konnten, waren sie in der Lage, weiteren möglichen Schädigungen vorzubeugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[5]&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27, Kapitel 2.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Vgl. Glöckler (2021), Selg (2017; 2019a,b).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Lown (2015), 307.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Metamorphosen des Seelenlebens. Pfade der Seelenerlebnisse. Zweiter Teil&#039;&#039;, GA 59, S. 170.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== WAS KRANKHEIT VERURSACHT ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie gehen die Autoren in „Grundlegendes zu einer Erweiterung der Heilkunst“[1] konkret der komplexen Frage nach der Verursachung von Krankheit nach?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kommt es, dass ein normaler Vorgang im Organismus in einen krankhaften übergeht?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was muss geschehen, damit die Rückkehr vom krankhaften zum wieder gesunden Vorgang möglich wird?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Methodische Hinweise zum Krankheitsverständnis&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Am Ende von Kapitel II von &#039;&#039;„Grundlegendes zu einer Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; steht der methodische Hinweis: &#039;&#039;„Durch ein Vergleichen dessen, was im ersten Kapitel gesagt ist, mit dem Inhalt des zweiten wird sich das Verständnis dessen besonders ergeben, was in Betracht kommt.“[2]&#039;&#039; Rudolf Steiner hatte diesen Hinweis noch handschriftlich im Fahnenmanuskript hinzugefügt. D.h., die Frage, warum der Mensch erkrankt, sollte auch im Lichte von Kapitel I ihre Beantwortung finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Schritte der Annäherung an das Thema&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Krankheit als Naturprozess sehen ====&lt;br /&gt;
So beginnen die Autoren ihre Betrachtung zum Thema mit der scheinbar harmlosen Feststellung, dass jeder Krankheitsvorgang doch ein Naturprozess ist – d.h. ein naturwissenschaftlich beschreibbarer physiologischer Prozess. Mit dieser Feststellung stehen sie auf dem Boden der Schulmedizin. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Konkrete Fragen zum Krankheitsgeschehen an sich ====&lt;br /&gt;
In einem nächsten Schritt wird diese sichere Position jedoch hinterfragt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ist nicht auch der gesunde Organismus Ergebnis von Naturprozessen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wenn beides Naturprozesse sind: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie vollzieht sich auf naturwissenschaftlich fassbarem Wege der Übergang vom gesunden Naturprozess in den kranken und umgekehrt beim Heilungsvorgang vom kranken in den gesunden?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oder aus Sicht der molekulargenetischen Ebene gefragt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wann beginnt sich der vermeintliche ‚Irrtum der Natur‘ im pathologischen Prozess zu manifestieren?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Warum kann er sich nicht so ohne weiteres wieder selbst korrigieren, so dass eine ärztliche Intervention nötig wird?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wo und wie fällt sozusagen der Organismus die Entscheidung, ob es gesund weitergehen kann oder eine Krankheit entsteht?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ob die Resilienz und Immunität hinreichen, sozusagen den Schaden zu reparieren oder nicht?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Kippmoment in die Krankheit als NICHT natürlicher Genese erkennen ====&lt;br /&gt;
Dazu folgende Überlegung: Wenn Gesundheit auch eine Folge ‚normaler‘ Naturprozesse ist, muss das Momentum für den Ausbruch einer Krankheit im Hier und Jetzt von etwas bestimmt werden, dessen ‚natürliche Ursache‘ &#039;&#039;&#039;kein&#039;&#039;&#039; Naturprozess sein kann. Der gesunde menschliche Organismus scheint als ein Stück der Natur begreiflich zu sein, der kranke jedoch nicht. Er muss daher aus sich selbst begreiflich sein durch etwas, das er nicht von der Natur hat.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Resilienzforschung beachten ====&lt;br /&gt;
Die moderne Resilienzforschung kommt dieser komplexen Fragestellung derzeit am nächsten. Große Übersichtsarbeiten zeigen auf, dass weltweit jährlich ca. eine halbe Milliarde Menschen psychisch und physisch – d.h. psychosomatisch – erkranken auf Grund dynamisch-prozessualer Einflussfaktoren wie soziale Konflikte, Stress, Traumata und Krisensituationen.[6] Die Erfahrung zeigt, dass dabei jedoch nur wenige von ihnen dauerhaft psychisch beeinträchtigt bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das zeigt, psychische Resilienz ist erlernbar – was durch Resilienz fördernde Maßnahmen unterstützt werden kann. Dadurch können bereits aufgetretene körperliche Symptome nach einer gewissen Zeit wieder verschwinden. Auch gibt es ungezählte Menschen, die durch die Art ihrer Kindes- und Jugendentwicklung eine starke Resilienz mit in ihr weiteres Leben bringen. Sie bleiben auch unter großer Belastung psychisch stabil und entwickeln gar keine keine körperlichen Symptome. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Ergebnisse aus der Salutogenese miteinbeziehen ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Aaron Antonovsky&#039;&#039; konnte mithilfe des von ihm entwickelten Salutogenese-Konzeptes ebenfalls nachweisen, dass für den Erhalt der körperlichen Resilienz die Psyche, also das Gefühlsleben, die entscheidende Rolle spielt. Er nennt den entscheidenden Faktor Kohärenzgefühl (sense of coherence), das über die Art und Weise entscheidet, wie man etwas erlebt und ob man es für sich sinnstiftend verarbeiten kann oder nicht.[7] Die innere Widerstandskraft, die durch das Kohärenzgefühl mobilisiert werden kann, wird Resilienz genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 6. Phänomene der Natur geistig-seelischen Erlebens erkunden ====&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner und Ita Wegman argumentieren in Kapitel II jedoch nicht empirisch-psychosomatisch aufgrund von derartigen Forschungsergebnissen, die ja damals noch gar nicht vorlagen. Vielmehr bleiben sie methodisch bei der fundamentalen Erkenntnisfrage, ob das Auftreten des seelischen und geistigen Erlebens im Menschen als Fortsetzung eines Naturprozesses verstanden werden kann, sowie das gemeinhin hypothetisch angenommen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Autoren verneinen dies, indem sie auf die Phänomene ‚Schlaf‘ und ‚Ohnmacht‘ hinweisen. Beide Prozesse haben gemeinsam, dass es sich sowohl beim Schlaf als auch bei der Ohnmacht um Naturprozesse handelt, die über ihr ‚normales Maß‘ hinausgehen mit dem Erfolg, dass das Bewusstsein erlischt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== A SCHLAF UND OHNMACHT ALS FOLGEN ZU STARKER NATURPROZESSE =====&lt;br /&gt;
Für den Schlaf ist das unmittelbar evident, da während des Schlafes die Naturprozesse in Form von regenerativen Vorgängen offensichtlich zunehmen und damit über ihr bei Tage normales Maß hinausgehen. Um das auch in Bezug auf die Ohnmacht nachvollziehen zu können, braucht es ein wenig Fachwissen, weshalb ich im Folgenden näher darauf eingehen möchte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohnmacht ist eine typische Folge von Hyperventilation (zu starkes und zu rasches Atmen) z.B. infolge großer Aufregung. Eigentlich geschieht etwas Gesundes: Es wird viel Sauerstoff aufgenommen, aber eben ‚zu viel des Guten‘: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Man atmet bei Hyperventilation schneller und oft auch tiefer als gewöhnlich. &lt;br /&gt;
* Dadurch wird zu viel Sauerstoff aufgenommen aber auch zu viel Kohlendioxid abgeatmet.&lt;br /&gt;
* In Folge dessen kommt es zu einer unter Umständen lebensbedrohlichen Verschiebung im Säure-Basen-Gleichgewicht, respiratorische Alkalose genannt.&lt;br /&gt;
* Jetzt bekommt das Gehirn paradoxerweise nicht mehr genügend Sauerstoff und wird in seiner Funktion eingeschränkt wird.[8]&lt;br /&gt;
* Nimmt die Kohlendioxid-Konzentration im Blut ab, verengen sich die Blutgefäße und es kommt zu einer Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff, was bis zum Bewusstseinsverlust bzw. zu einer Ohnmacht führen kann. Darauf möchte ich im Folgenden näher eingehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== B SCHMERZ UND LÄHMUNG ALS FOLGEN ZU STARKER BEWUSSTSEINSPROZESSE =====&lt;br /&gt;
Die Autoren stellen in den Absätzen 6 und 7 von Kapitel II auch die umgekehrte Frage:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was geschieht, wenn die Phänomene von Bewusstsein und Selbstbewusstsein über ihr normales Maß hinausgehen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann treten Schmerz und Lähmung auf. Beim Schmerz ist unmittelbar nachvollziehbar, dass er aus einem gestörten Naturprozess resultiert, wenn z.B. eine Organverletzung oder sonstige Funktionseinschränkung vorliegt – was in der Regel mit neuen Bewusstseinsinhalten in Form von Unbehagen, Unlust und Schmerz einhergeht. Hier liegt also ein Bewusstseinsvorgang vor, der über sein normales Maß hinausgeht und dadurch pathologisch wird. Der Grund dafür ist, dass Naturprozesse aus den genannten Gründen unter ihr normales Maß hinuntersinken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====== a) Dysfunktionale astralische Organisation als Ursache für Ohnmacht und Schmerz ======&lt;br /&gt;
In beiden Fällen ist die astralische Organisation dysfunktional:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;In Fall A&#039;&#039; beeinträchtigt &#039;&#039;&#039;der gesteigerte Naturprozess&#039;&#039;&#039; in Form einer zu hohen Sauerstoffaufnahme das Bewusstsein, sodass sich die astralische Organisation in Schlaf und Ohnmacht aus der physisch-ätherischen Konstitution herauslöst.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;In Fall B&#039;&#039; begleitet &#039;&#039;&#039;ein gesteigertes Bewusstsein&#039;&#039;&#039; in Form von Schmerz und Unlust die durch die Schädigung eingeschränkten Körperfunktionen. Im Schmerz verbindet sich die astralische Organisation zu stark mit der physisch-ätherischen Konstitution.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was im ersten Kapitel als ‚leibfreies Gefühlsleben‘ beschrieben wurde, hat sich im körperlichen Schmerzerleben zu stark mit dem physischen Leib verbunden.[9]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====== b) Dysfunktionale Ich-Organisation als Ursache für Lähmung ======&lt;br /&gt;
Steiner und Wegman beschreiben in Kapitel I im Rahmen des Zusammenspiels der Wesensglieder neben dem astralischen Leib auch die Ich-Organisation. Sie betätigt sich ebenfalls außerkörperlich – primär in der durch den eigenen Willen gesteuerten Denktätigkeit. Die Autoren sagen: Sie lebt sich &#039;&#039;„seelisch frei im Denken dar“.[10]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der im Folgenden erläuterte Begriff der Lähmung ist Ausdruck einer dysfunktionalen Ich-Organisation. Geht diese eine zu starke Verbindung mit dem physischen Körper ein, tritt Lähmung auf. Eine gelähmte Gliedmaße entzieht sich der körperlichen Selbstkontrolle und intentionalen Handhabe durch das Ich. Der Betroffene erlebt sie wie etwas, das nicht mehr zu ihm gehört, von dem er ‚frei‘ ist. Oder, wie die Autoren bemerken: Er erlebt es wie ein Stück ‚Außenwelt‘.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu muss erläuternd gesagt werden, dass beim Beobachten von Dingen oder Vorgängen in der Außenwelt das Beobachtete und die Gedanken darüber im Menschen nicht in der gleichen lebendigen Wechselwirkung stehen wie die Naturprozesse. Sie existieren gleichsam unabhängig voneinander. Dieser Fall tritt für ein menschliches Körperteil nur dann ein, wenn es gelähmt ist: Dann wird es zur Außenwelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im gesunden Zustand&#039;&#039;&#039; ist die Ich-Organisation über das Nervensystem &#039;&#039;&#039;lose&#039;&#039;&#039; mit den Gliedmaßen vereinigt, sodass sie sich im Zuge des Bewegens damit verbinden und sich gleich wieder loslösen kann – was Voraussetzung für jede normale Bewegung ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im Falle der Lähmung&#039;&#039;&#039; taucht die Ich-Organisation aufgrund der Schädigung des Nervensystems &#039;&#039;&#039;dauerhaft&#039;&#039;&#039; in das betreffende Körperteil ein und kann sich nicht mehr aus ihm zurückziehen.[11]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Bewusstsein und Bewegung als unterschwellige Krankheitstendenzen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das bisher Ausgeführte zeigt: Wirken Geist und Seele, so heben sie die gewöhnliche Funktion des Körpers auf und verwandeln sie in eine entgegengesetzte. Auch das normale Eingreifen des astralischen Leibes und der Ich-Organisation in den menschlichen Körper sind demnach nicht den gesunden Lebensvorgängen verwandt, sondern den kranken. Damit bringen sie den Organismus auf einen Weg, der den Anfang von Krankheit bedeutet. Dieses anfängliche Kranksein wird im gewöhnlichen Leben sofort nach dem Entstehen durch eine Selbstheilung reguliert.[12]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* So wie ein gesundes Bewusstsein (Astralleib) ein Schmerz unterhalb der Bewusstseinsschwelle ist,&lt;br /&gt;
* so ist die gesunde Bewegung (intentional durch die Ich-Organisation gesteuert) der Anfang einer gelähmten, wobei der Beginn der Lähmung ebenfalls unterhalb der Bewusstseinsschwelle liegt.&lt;br /&gt;
* Dadurch entstehen zwei verschiedene Krankheitsdispositionen:&lt;br /&gt;
* eine dadurch, dass das Seelische und Geistige (astralische und Ich-Organisation) zu tief in den ätherisch-physischen Zusammenhang eingreifen,&lt;br /&gt;
* und eine entgegengesetzte, wodurch die Verbindung unzureichend, d.h. zu lose wird, was eine Verstärkung der physisch-ätherischen Prozesse zur Folge hat.[13]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit zeigt sich als ein Gleichgewichtszustand zwischen einem ‚zu viel‘ oder ‚zu wenig‘ (an Bewusstseins- bzw. an Naturvorgängen).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ätherische Organisation als Quelle geistiger und körperlicher Gesundheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Damit aber wird die Gesundheit als der Zustand erkannt, der im ätherischen Organismus seinen Ursprung hat. Heilen muss daher in einer Behandlung des ätherischen Organismus bestehen.[14]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn der &#039;&#039;„bloße physische Organismus“&#039;&#039; mit seinen Gesetzmäßigkeiten &#039;&#039;„könnte niemals einen Selbstheilungsvorgang hervorrufen“[15]&#039;&#039; – das kann nur die ätherische Organisation. Damit wird die Antwort gegeben, auf welche Weise ‚die Natur‘ die Entscheidung fällt, ob es gesund weitergeht oder nicht: das Zünglein an der Waage ist die ätherische Organisation, die für ausreichend Regeneration sorgen kann, wenn das bewusste Leben immer wieder durch genügend Schlaf unterbrochen wird. Er ist es auch, der die mineralischen Stoffe des physischen Leibes – wie in Kapitel I geschildert – am Herausfallen aus dem Lebenszusammenhang hindert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit wird die ätherische Organisation, die in Kapitel I in ihrer Doppelnatur &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* als plastisch-bildsame &#039;&#039;&#039;Wachstums- und Regenerationskraft&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* und andererseits als &#039;&#039;&#039;Träger der Gedankentätigkeit&#039;&#039;&#039; dargestellt wurde,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
im zweiten Kapitel als Quelle (geistiger und körperlicher) Gesundheit charakterisiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[16]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Siehe FN 1, S. 17.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Johannes Kiersch hat im Zusammenhang seiner Untersuchung des Begriffs Bewusstseinsseele bei Rudolf Steiner in einem Aufsatz in den &#039;&#039;„Steiner Studies“&#039;&#039; herausgearbeitet, dass sich eine &#039;&#039;„erste Skizze des Gefüges der Wesensglieder, das den Begriff der Bewusstseinsseele einschließt“&#039;&#039;, bereits im Dezember 1903 nachweisen lässt, &#039;&#039;„einige Monate vor dem Erscheinen der Theosophie, in der von ihm redigierten Zeitschrift Luzifer, in einer Fußnote“&#039;&#039; und verweist auf GA 34, 107. Siehe Kiersch (2021), 40 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe FN 1, S. 16: &#039;&#039;„In der Geist- und Seelenfähigkeit hat man also die Ursachen des Krankseins zu suchen“.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27, S. 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Vgl. Vos u. a. (2015), 743–780.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Vgl. Antonovsky (1997), 33–43 und 91–118.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Paradoxerweise deshalb, weil ja eigentlich ein Überangebot an Sauerstoff da ist. De facto ist es aber so, dass der Gehirnstoffwechsel ein zureichendes Maß an Kohlendioxid im Blut braucht, damit die Blutgefäße weit genug gestellt sind, um die Durchblutung des Gehirns sicherzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Siehe FN 1, Kapitel 2 , Abs. 6 - 8.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Ebenda, S. 1 und S. 16.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Siehe FN 1, S. 16.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] In der genannten Vorrede Wegmans wird diese Aussage noch ergänzt im Hinblick auf den in Kapitel I geschilderten Übungsweg zur Weiterentwicklung der Seelenfähigkeiten zum geistigen Wahrnehmungsorgan der Imagination, Inspirationen und Intuition. Wegman schreibt: &#039;&#039;„Die Seelenübungen, die zur geistigen Anschauung führen, bestehen entweder in einer Abschwächung oder einer Verschärfung des Seelenlebens. Die Abschwächung des Seelenlebens ist innerhalb des Seelischen eine Nachahmung der Krankheiten der ersten Art, die Verschärfung eine Nachahmung der Krankheiten der zweiten Art. Wer also die Seelenverfassung kennt, die aus solchen Übungen stammt, kennt die Krankheiten, denn er hat in seinen Seelenzuständen Bilder davon. Beschreibt er durch das, was er an diesen Bildern erlebt, die physischen Symptome der Krankheiten, so liefert er jedem Arzt Beschreibungen, die dieser nachprüfen kann. Hält die Beschreibung der Nachprüfung stand, so werden damit auch die Angaben des Erforschers des Geistigen bestätigt. Und lässt sich der Arzt immer wieder auf die Beschreibungen eines solchen Geistesforschers ein, so kann er sich aus dessen Schilderungen des Symptomenkomplexes nach und nach selbst die geistige Anschauung erwerben. Wir sind durchaus der Meinung, dass das ganz richtige Lesen dieses Buches jeden Arzt in die Lage versetzt, die Krankheiten geistig anzuschauen.“&#039;&#039; (Ein Beispiel, wie man das lernen kann, gibt Steiner im Januar 1924 im Rahmen seines Kurses für junge Mediziner – siehe im Stellenkommentar die Anm. zu EH, 7, S. 112–115).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] Siehe FN 1, S. 17.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[15] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[16] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== GRUNDLEGENDES ZUM SINN VON KRANKHEIT ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen Sinn hat Krankheit im Leben des Menschen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern ist Krankheit ein spezifisch menschliches Phänomen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was haben Krankheit und geistige Erkenntnis miteinander zu tun?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Erkrankungen bei Tieren&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ein Vergleich zwischen Mensch und Tier in Bezug auf ihre Erkran­kungsmöglichkeiten zeigt, dass Krankheit und Leiden spezifisch menschliche Phänomene sind. Wenn Tiere in der Wildnis erkranken, kommen sie entwe­der sehr rasch zu Tode oder die Erkrankung ist so leicht, dass sie ohne weiteres damit weiterleben können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen Sinn sollte eine Krankheit auch im Leben eines Tieres haben?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lebensweise eines Hundes, eines Vogels, einer Biene oder einer Maus ist in ihrer Art vollkommen. Das Erleben von Schmerz und Leid würde keinen Wandel, keine neue Entwicklungsmöglichkeit bewirken. Eine Biene kann nicht noch „bieniger“, eine Kuh nicht noch „kuhiger“ werden, als sie es schon ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Krankheit wirft Fragen auf&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dass Krankheit im Gegensatz dazu etwas mit uns Menschen macht und damit auch unser eigenes Wesen in seiner Erscheinungs- und Ausdrucksweise verändern kann, weiß jeder, der schon einmal richtig krank war oder einen schweren Unfall hatte. Im besten Falle entwickeln wir uns durch Krankheit. Nur dem Menschen ist es gegeben, durch Leid und Schmerz Erfah­rungen zu sammeln, die ihn in seiner Entwicklung weiterbringen. „Sicherheit“ und „Gesundheit“ als höchste Lebensideale sind mit der menschlichen Existenz auf Dauer nicht zu vereinbaren, denn jede Entwicklung bedarf der Krisensituationen, um fortschreiten zu können. Entwicklung zur Freiheit ohne die Möglichkeit, zu irren und zu entgleisen, ist nicht denkbar. Leiden erscheint nur dann sinnlos, wenn der Zusam­menhang nicht mehr sichtbar ist, in dem dieses Leiden steht. Daher ist es notwendig, die menschliche Entwicklung als Ganzes mit all ihren Möglich­keiten ins Auge zu fassen und den Gedanken an wiederholte Erdenleben mit einzubeziehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da anthroposophische Ärzte sich auch mit Fragen der Schicksalsbildung im Verlauf mehrerer Erdenleben auseinandersetzen, d.h. mit der Frage nach dem möglichen Gesetz der Wiederverkörperung, kann auch dieser Aspekt thematisiert werden – aber selbstverständlich nur, wenn der Betroffene Fragen in dieser Richtung hat. Es gibt jedoch viele Menschen, die infolge einer Erkrankung, die sie bei sich selbst oder in ihrem näheren Umfeld erleben, neue Fragen stellen, für die sie bisher keinen Anlass hatten. Oft stehen dabei Fragen nach dem Sinn und der Signatur des damit verbundenen Schicksals im Mittelpunkt. Ist man als ärztlich oder therapeutisch Behandelnder auf Fragen in dieser Richtung eingestellt, so können sich Gespräche ergeben, die für beide Seiten wesentlich sind. Nicht selten erfährt dadurch das Leben des Betroffenen mit oder nach der Krankheit eine neue Orientierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Den möglichen Ursachen auf den Grund gehen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ein sensibler Punkt ist dabei die Schuldfrage. Denn diese ist nicht nur traditionell-historisch belastet – insbesondere im religiösen Kontext. Mehr noch, sie wird in der naturwissenschaftlichen Medizin bewusst ausgeklammert – es sei denn, es wird ein ärztlicher Kunstfehler beklagt. Ansonsten gibt es nur einen Schuldigen für die Krankheit: die Natur, d.h. den Körper, der nicht genügend Widerstandskraft und Ressourcen für die Selbstheilung hatte. Denn auch bei Lebensstilfragen, Alkohol und Drogen wird gerne eingewandt, dass dies ja nicht bei jedem Menschen zu behandlungsbedürftigen Krankheiten führe und dass letztlich auch hier die Natur oder destruktive Lebensumstände in Kindheit und Jugend die Schuldigen sind – nicht jedoch der Erkrankte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So entlastend eine solche Haltung Leid und Schmerz gegenüber auch sein mag, so unbefriedigend ist sie letztlich für den Betroffenen. Denn wenn man an Stelle des Schicksals den Zufall setzt und die Bedeutung des Ereignisses in der eigenen Biographie unbearbeitet bleibt, verlagert sich die damit verbundene Sinnfrage für das eigene Dasein vielfach ins Unbewusste – was dann unter Umständen zusätzlich zum Krankheitsgeschehen belasten kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Drei Sinn-Ebenen von Kranksein&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner regt dazu an, mit der Frage nach dem Wesen von Krankheit und Heilung das Lukasevangelium zu lesen. Die dort geschilderten Krankheitssituationen weisen auf drei sehr unterschiedliche Sinn-Ebenen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# eine persönliche, &lt;br /&gt;
# eine soziale&lt;br /&gt;
# und eine menschheitliche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== AD 1. Persönliche Ebene ====&lt;br /&gt;
Wo immer Jesus individuellen Menschen begegnete, wie der Schwiegermutter des Petrus oder dem Blinden von Jericho, ergab sich die Heilung aus dem Kontext. Man wird Zeuge einer Bewusstseinsveränderung durch das Erlebnis von Krankheit und Heilung. Die Schwiegermutter ist bereit zu dienen – und vielleicht auch, ihren Schwiegersohn Petrus mit Jesus ziehen zu lassen.[1] Der blinde Bettler auf dem Weg nach Jericho hört, dass viele Menschen vorüberziehen und fragt, wer in ihrer Mitte ist. Als er von Jesus hört, ruft er laut, dieser möge sich seiner erbarmen. Und Jesus stellt die ‚Arztfrage‘: &#039;&#039;„Was willst du, dass ich für dich tun soll?“[2]&#039;&#039; Er steht im Dienst des Kranken auf dessen Schicksalsweg. Nachdem dieser geheilt ist, folgt er Jesus nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== AD 2. Soziale Ebene ====&lt;br /&gt;
Ganz anders jedoch sieht der Heilungsvorgang aus, den Lukas im Anschluss an die Berufung der zwölf Jünger und die Feldrede mit den Seligpreisungen schildert.[3] Hier ist Jesus auf dem Weg nach Kapernaum und der römische Centurio, Hauptmann einer Hundertschaft, erfährt davon. Sein Diener und naher Vertrauter liegt auf den Tod krank. Anstatt dass er sich selber auf den Weg macht, beauftragt er „die Ältesten der Juden“ Jesus zu bitten, das Leben seines Dieners zu retten. Sie tun dies mit dem Hinweis darauf, dass der Centurio das jüdische Volk liebe und die Synagoge erbaut habe – und so geht Jesus mit ihnen. Auf dem Weg zu seinem Haus aber schickt der Hauptmann ihm seine Freunde entgegen, die ihm sagen sollen: &#039;&#039;„Herr, bemühe dich nicht; ich bin nicht würdig, daß du in mein Haus eintrittst, darum habe ich auch nicht gewagt, selbst zu dir zu kommen. Sprich nur ein Wort, und durch dein Wort wird mein Knabe gesund.“[4]&amp;lt;sup&amp;gt;,&amp;lt;/sup&amp;gt; [5]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit hat sich infolge dieser Krankheit weder im Betroffenen noch in dem um ihn besorgten Menschen, dem Hauptmann, eine Wesensänderung vollzogen. Wohl aber haben die „Ältesten der Juden“ und die „Freunde des Hauptmanns“ sich in Bewegung gesetzt und für einen Nichtjuden und Freund um Hilfe gebeten. Diese sind dabei Jesus begegnet und Zeuge der Heilung geworden. Das ist eine andere Entwicklungsfigur als beim erstgenannten Heilungstypus. Die wesentlichen Ereignisse spielen sich im sozialen Umkreis der von der Krankheit Betroffenen – dem Hauptmann und seinem Diener – ab. Ohne den Anlass der Erkrankung wäre das alles nicht geschehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Unterschiedlicher Umgang mit Krankheit&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
In der täglichen Praxis begegnen einem diese beiden verschiedenen Sinn-Ebenen oft. Man kann sie dadurch voneinander unterscheiden, dass Erkrankte sehr unterschiedlich über ihre Krankheit sprechen und diese auch in ihr Leben integrieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gehören sie zum &#039;&#039;&#039;zweiten Typus&#039;&#039;&#039;, so sind sie mit ihrer Krankheit identifiziert, können sie annehmen und das zur Gesundung Nötige eben tun, d.h., sie scheinen nicht schon an der bloßen Tatsache zu leiden, dass sie krank sind.&lt;br /&gt;
* Erkrankte des &#039;&#039;&#039;ersten Typus&#039;&#039;&#039; hingegen sind von ihrer Krankheit persönlich emotional stark betroffen, hadern oft auch mit ihr und stehen vor der großen Herausforderung, sich mit ihr in irgendeiner Form konstruktiv auseinanderzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== AD 3. Menschheitliche Ebene ====&lt;br /&gt;
Eine dritte Sinnebene geht über die persönliche und soziale hinaus. Sie hat eine menschheitliche Dimension und erinnert an das Buch Hiob in der Bibel. Dort wird die Sinnsuche ausführlich beschrieben und klargestellt, dass hier keine persönliche oder soziale Ursächlichkeit vorliegt. Das Ende der Geschichte und die Heilung hängen vielmehr mit Hiobs Verhältnis zu Gott und dem Teufel zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Krankheitstyp steht gleich zu Beginn der Heilungsgeschichten im Lukasevangelium. Jesus spricht in der Synagoge von Kapernaum weder mit dem Betroffenen, noch mit den Menschen in dessen Umkreis. Vielmehr wird der Leser Zeuge seines Dialogs mit dem Dämon, dem Wesen der Krankheit.[6] Dieser Typ betrifft den objektiven Tatbestand, dass Krankheit und Schmerz Anteil am Wesen des Menschen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Perspektive der Anthroposophischen Medizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aus der Perspektive der Anthroposophischen Medizin entsteht Krankheit, wenn Wesensanteile des Menschen – d.h. seine Wesensglieder – am falschen Ort tätig werden. Dass solche Verschiebungen oder Verirrungen möglich sind, ist der Unvollkommenheit bzw. Entwicklungsbedürftigkeit des Menschen geschuldet. Ein ‚Geistiges am falschen Ort‘ oder mit der Sprache des Neuen Testaments – der Dämon (δαιμόνιον) der Krankheit – sind in diesen Fällen zutreffende Bezeichnungen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Schilderung bei Lukas kann die Heilung erfolgen, als Jesus den Dämon erkennt und ihm den rechten Weg – aus dem Leib heraus – weist. Vom Dämon wird gesagt, dass er ungesühnt, unkeusch (ἀϰάθαρτος) sei. Er erkennt Jesus als den Heiligen Gottes (ὁ ἅγιος τοῦ θεοῦ) und Jesus gebietet ihm zu schweigen und auszufahren. In Folge dieses Geistgesprächs wird der Mensch gesund. Der Geist am ‚falschen Ort‘ wird erkannt und kann weichen bzw. wieder an seinen richtigen Ort innerhalb der Schöpfung gelangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Spirituelle Entwicklung durch aktive Selbsterkenntnis&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Was im Evangelium bildhaft als &#039;&#039;„Ausfahren aus dem Leib“&#039;&#039; geschildert wird, entspricht der Rückverlagerung von im Leib verirrter Möglichkeiten aktiver Selbsterkenntnis und Selbsterziehung, die am ‚richtigen Ort‘ – nämlich im leibfreien Denken, Fühlen und Wollen nicht aktiviert werden konnten und sich so sukzessive in den Leib projiziert haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Kapitel II von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[7]&#039;&#039; wird gesagt, dass die Möglichkeit des Menschen zu erkranken mit seiner Geist- und Seelenfähigkeit zu tun hat. Das weist auf den geistigen Aspekt und die Möglichkeit von Krankheitsprävention durch spirituelle Entwicklung hin. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl.&#039;&#039; „&#039;&#039;Wie sind Leib, Seele und Geist in Gesundheit und Krankheit verbunden?&#039;&#039;“, &#039;&#039;Elternsprechstunde, Verlag Urachhaus, Stuttgart&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Neues Testament, Lukas Kap. 4, 38–39.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ebenda, Kap. 18, 41. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Ebenda, Kap. 6, 20–49.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Diese und die übrigen Stellen aus dem Neuen Testament werden nach der Übersetzung von Emil Bock (1994) zitiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Siehe FN 1,  Kap. 7, 6–7.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Ebenda, Kap. 4, 31–37.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== KRANKHEIT ALS ERKENNTNISWEG DER NATUR ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist Krankheit aus spiritueller Sicht?                               &#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist der tiefere Sinn von Krankheit im Hinblick auf die Entwicklung des Menschen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Das Geheimnis von Gesundheit und Krankheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das Geheimnis der menschlichen Entwicklung, das zugleich das Geheimnis von Gesundheit und Krankheit ist, lässt sich folgendermaßen zusammenfassen: Wenn sich jemand in Richtung Menschheitsziel entwickelt, wenn er an der Wahrheit und an der Welt interessiert ist und seine Freiheit und seinen Willen, so gut er kann, in den Dienst des Geistes stellt, kann er gar nicht verhindern, dass er immer gesünder wird. Das gilt auch dann, wenn er aus karmischen Gründen diese oder jene Krankheit durchzumachen hat. Mit der oben genannten Haltung lässt sich alles besser verkraften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Rudolf Steiner einmal über diese Zusammenhänge einen Vortag gehalten hatte, sprach ihn im Abschluss jemand darauf an, dass so viele Anthroposophen krank sind. Daraufhin antwortete er: &#039;&#039;„Ich möchte Ihnen nicht erzählen, wie krank sie wären, wenn sie die Anthroposophie nicht kennen gelernt hätten.“&#039;&#039; Humor ist natürlich auch gesund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn bestimmte Ziele gar nicht angestrebt und deshalb auch nicht erreicht werden, wenn es so ist, wie es in der Apokalypse heißt, dass die Menschen sich nicht ändern, dass sie in ihrer Entwicklung stehen bleiben, dass sie nichts tun und nicht vom Fleck kommen, wenn es irgendwann solche Formen annimmt, dass alle Güter der Welt im Dienst des Ego stehen, dann werden alle möglichen Leiden und Schmerzen die Folge sein. Wir sind dieser alten Gesetzmäßigkeit, die ausführlich erklärt wird im Buch der Apokalypse, noch nicht zur Gänze entwachsen. Diese Gesetze bilden immer noch den Grundstock unserer Natur. Es wird auch deutlich gemacht, dass jeder selbst den Schlüssel in der Hand hat, um dem entgegenzuwirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner beschreibt in &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“[1]&#039;&#039; in Gedankenform, was er uns in der Apokalypse in Bildform vor Augen führt: Wie der Mensch sich zuerst als individuelles Wesen entwickelt, um schließlich den Weg zum Gral zu finden und ein soziales „menschheitliches“ Wesen zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Krankheit als unbewusstes Einweihungsgeschehen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wenn wir die Skizze vom Merkurstab betrachten, haben wir hier im oberen Teil das bewusste Leben und im unteren Bereich das unbewusste Leben. Die merkurielle Dynamik führt die  Kräfte des Oberen – das außerkörperliche Erkenntnisleben – in die Wirkbereiche des Unteren – in die unbewussten Lebenswelten des Stoffwechsels – über und umgekehrt. Das ist zugleich die Schwellendramatik zwischen der sinnlichen und der übersinnlichen Welt. Sie zeigt, wie Krankheit dadurch entstehen kann, dass man an dieser Grenze, der Schwelle zur geistigen Welt, körperlich, seelisch oder geistig – wodurch auch immer verursacht – die rechte Orientierung verliert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ein Mensch nun eine bestimmte Fähigkeit erwerben möchte, z.B. inneren Frieden, Ruhe, und er die Bedingungen nicht vorfindet, um diese Qualität zu entwickeln, kann es zu einer Erkrankung kommen, die Frieden am falschen Platz erzeugt. Denn die Kräfte, die inneren Frieden herstellen können, sind potentiell immer vorhanden. Wenn sie aber auf der seelisch-geistigen Ebene nicht genützt werden, wo sie gesundheitsfördernd wirken würden, sinken diese ungenützten Kräfte Nacht für Nacht tiefer in das unbewusste Körperleben und der Betreffende entwickelt Rheuma. Das nur als Beispiel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kostet unseren Körper unglaublich viel Kraft, eine Krankheit hervorzubringen. Ein normaler Organismus möchte gesund sein. Zusätzliche Kräfte aus dem Seelisch-Geistigen sind nötig, um diesen Extraaufwand krank zu werden zu bewerkstelligen. Heilung bedeutet nun, diese Kräfte wieder an ihren richtigen Platz zu erheben und Kräfte im Körper aufzurufen, die sie dorthin bringen. Daraus lässt sich eine „spirituelle Pathogenese“, eine Aufklärung über die Herkunft von Leiden ableiten. Wir können jede Station dieses Weges anschauen und begreifen, was geschieht, wenn die Erkenntniskräfte, anstatt im Geistigen tätig zu sein, im Körperlichen zu wirken beginnen und damit eine Krankheit hervorrufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entscheidend dabei ist jedoch, dass Krankheit in diesem Kontext nicht als Makel, Fehler oder Irrtum gebrandmarkt wird. Vielmehr ist Sinn der Krankheit ihr Auftreten selbst, weil in ihr die – wenn auch schmerzhafte – Korrektur, und damit auch die Heilung, veranlagt ist. Krankheit erscheint in diesem spirituellen Kontext als ein Gutes, das sich im Körper oder in der Seele des Menschen einen Ort schafft, an dem sich der notwendige Schicksalsausgleich vollziehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. mit einer Zusammenstellung von Vorträgen über „Die sieben Siegel der Apokalypse“ gehalten 2007&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der Höheren Welten?,&#039;&#039; GA 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== KRANKHEIT, HEILUNG UND DIE FRAGE NACH DEM SINN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Haben Krankheiten einen Sinn?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gibt es unterschiedliche Arten der Sinngebung, je nach Schicksal und Umfeld?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie können Betroffene sinnstiftend mit Krankheit umgehen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Drei unterschiedliche Arten von Heilung und Sinn&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wer die Krankengeschichten im Matthäus-, Markus-, Lukas- und Johannes-Evangelium liest, begegnet drei unterschiedlichen Arten von Heilung und Sinngebung. Dabei sind es die jeweiligen Schicksalsumstände, unter denen die Krankheit auftritt, die zu der Art der Heilung und Sinngebung Anlass geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Heilung auf der individuell-persönlichen Ebene ====&lt;br /&gt;
Als typisches Beispiel sei hier die Begegnung mit dem Blinden von Jericho angeführt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Und sie kamen nach Jericho. Und als er aus Jericho herauszog, gefolgt von seinen Jüngern und einer großen Menge, da saß der Sohn des Thimäus, Bartimäus, ein blinder Bettler, am Wege. Und als er hörte, dass Jesus von Nazareth vorüberkäme, begann er laut zu rufen: Sohn Davids, Jesus, habe Erbarmen mit mir! Und viele drohten und geboten ihm zu schweigen. Er aber rief nur umso lauter: Sohn Davids, habe Erbarmen mit mir! Da blieb Jesus stehen und sprach: Ruft ihn herbei. Und sie riefen den Blinden herbei und sprachen zu ihm: Mutig, stehe auf, er ruft dich! Da warf er seinen Mantel ab, sprang auf seine Füße und eilte zu Jesus. Und Jesus sprach zu ihm: Was soll ich für dich tun? Der Blinde sprach: Meister, gib, dass ich mein Augenlicht zurückerlange. Und Jesus sprach: Geh hin, dein Glaube hat dich geheilt. Und plötzlich konnte er wieder sehen und folgte ihm auf seinem Wege nach.“[1]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Krankengeschichte wird der Name des Betroffenen genannt, es findet eine individuelle Begegnung, ein „Arzt-Patienten-Gespräch“ statt. Es wird auch beschrieben, wie der Kranke sich verhalten soll und wie der Geheilte sich danach verhält: &#039;&#039;„...und folgte ihm auf seinem Wege nach“&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Krankengeschichte erfordert individuelle medizinische Beratung – wie es heute fast ausschließlich geschieht. Die Heilung auf der individuellen Ebene wird in den Evangelien von einer inneren Erweckung bzw. Bekehrung begleitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Heilung im Sozialen, im Schicksalsumkreis des Betroffenen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenig beachtet werden heutzutage Krankengeschichten, bei denen nicht der Kranke selbst im Mittelpunkt steht, sondern bei denen es mehr um die Menschen im Umkreis geht, die im Zusammenhang mit der Heilung eine innere Verwandlung durchmachen. Hier sei „der Hauptmann von Kapernaum“ als Beispiel genannt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Als er diese Rede, die auch das Volk mitanhörte, vollendet hatte, ging er nach Kapernaum. Dort lag der Diener eines Hauptmanns darnieder und war dem Tode nahe; und er war ein Vertrauter des Hauptmanns. Als dieser nun von Jesus hörte, sandte er die Ältesten der Juden zu ihm und ließ ihn bitten, er möchte kommen, um seinem Diener das Leben zu retten. Sie kamen zu Jesus und baten ihn inständig mit den Worten: Er ist deines Beistandes würdig, denn er liebt unser Volk, und die Synagoge hat er uns erbaut. Und Jesus machte sich mit ihnen auf den Weg. Und als sie schon nahe bei dem Hause des Hauptmanns waren, sandte ihm dieser seine Freunde entgegen und ließ ihm sagen: Herr, bemühe dich nicht, ich bin nicht würdig, dass du in mein Haus eintrittst, darum habe ich auch nicht gewagt, selber zu dir zu kommen. Sprich nur ein Wort, so muss mein Knabe gesund werden. Ich bin auch ein Mensch, der höheren Gewalten untersteht, und ich wiederum habe Soldaten unter mir, und wenn ich zu dem einen spreche: Geh, so geht er, und zu dem anderen: Komm, so kommt er; und wenn ich zu meinem Diener sage: Tue dies, so tut er&#039;s. Als Jesus das hörte, erstaunte er, wandte sich zu der ihm nachfolgenden Menge und sprach: Ich sage euch, nirgends in Israel habe ich eine solche Kraft des Vertrauens gefunden. Und als die Abgesandten wieder in das Haus kamen, fanden sie den Diener genesen.&#039;&#039;“[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Krankengeschichte tritt das individuelle Schicksal des Betroffenen nicht in Erscheinung. Die entscheidenden Veränderungen, von denen im Zusammenhang mit der Heilung berichtet wird, vollziehen sich vielmehr bei den Menschen im Schicksalsumkreis des Kranken. Durch die plötzliche Krankheit des Knechtes finden die Ältesten der Juden, der Hauptmann selbst und dessen Freunde hin zu Christus. Der „Erfolg“, der Sinn der Krankheit, zeigt sich nicht am Betroffenen selbst, sondern an Menschen seines Schicksalsumkreises.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Kein Schicksal gleicht dem anderen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Es mag auf den ersten Blick befremden, dass ein Mensch eine schwere Krankheit durchmacht und es vor allem darum geht, was die ihn pflegenden und an seinem Leben und seiner Entwicklung Anteil nehmenden Menschen dadurch erleiden und erlernen. Doch der Blick in die tägliche Praxis zeigt, dass das oft der Fall ist:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Es gibt Krankheiten, die primär für die Betroffenen Sinn machen, während die Menschen im Umkreis bemüht sind, bei diesen Lernprozessen zu helfen, selber jedoch keine größeren Änderungen ihrer Lebenseinstellung oder Lebenseinsichten erfahren.&lt;br /&gt;
* Es gibt aber auch genau das Umgekehrte: Der Erkrankte tröstet seine nahen Mitmenschen trotz der Schwere seines Zustandes, während die Menschen in seinem Umkreis von Verzweiflung, Sorge, Angst und Unsicherheit gezeichnet sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schicksalsbeziehungen unter den Menschen sind außerordentlich differenziert. Was zählt, ist einerseits das ganz Individuelle der Entwicklungssituation des Einzelnen und andererseits seine Beziehung zu den Menschen um ihn herum. Im Hinblick auf die Schicksalsbeziehungen der Menschen untereinander kommen wir in einen Bereich, in dem alles unvergleichlich, besonders und einmalig ist. Kein Schicksal gleicht einem anderen; denn was innerlich durchgemacht und erlebt wird von den Menschen, unterscheidet sich sehr, so ähnlich auch die Lebensläufe nach außen hin erscheinen mögen. Das erkennt man, wenn man Einblick bekommt in das, was Menschen während ihres Lebens tatsächlich erlebt, erlitten und erreicht haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Heilung und Sinngebung im Hinblick auf die ganze Menschheit ====&lt;br /&gt;
Neben der individuell-persönlichen und sozialen Ebene gibt es noch eine dritte Ebene der Schicksalsbetroffenheit – die menschheitliche. Wie der einzelne Mensch sein Schicksal hat, so haben auch Menschengruppen, Religionsgemeinschaften, Völker, größere und kleinere soziale Vereinigungen wie Familien oder Arbeitsgemeinschaften ihr Schicksal. Darüber hinaus gibt es aber auch noch den allumfassenden menschheitlichen Schicksalszusammenhang. Die Menschheit als Ganzes hat sich durch die Jahrtausende hindurch entwickelt, hat ihre Vergangenheit, ihre Gegenwart und ihre Zukunft – hat ihr Schicksal im Weltganzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Art des Krankseins um der Menschheit willen wirft die „letzten Fragen“ auf, rührt an den Kern unserer Persönlichkeit, an das in uns wirksame geistige Wesen, das wir mit dem Wort „ich“ benennen. Obgleich jeder mit diesem Wort sich selber kennzeichnet, ist es doch zugleich auch der Name aller Menschen. Wer &#039;&#039;ich bin ich&#039;&#039; sagt, macht damit deutlich, dass er sich mit sich selbst identifiziert – und dies tut jeder auf seine Art. Alle sind wir Menschen – aber wie wir das zum Ausdruck bringen, auf welchen Wegen wir zu uns selber kommen, wirklich wissen, wer wir sind – das macht uns zur einmaligen Individualität. Wir erkennen dabei auch, wie viel wir von anderen, aber auch aus der Entwicklungsgeschichte der Menschheit gelernt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was kann Heilung auf der menschheitlichen Ebene bedeuten?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch hier hat die Krankheit eine aufrüttelnde Bedeutung, indem sie dem Einzelnen seine Zugehörigkeit zum Menschheitsganzen bewusst machen kann. Als Beispiel für diese Art von Krankengeschichte sei die erste aus dem Lukas-Evangelium angeführt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„&#039;&#039;Und er kam hinab nach Kapernaum, in die galiläische Stadt. Und auch dort lehrte er am Sabbat. Und die Menschen gerieten in Ekstase durch seine Lehre, denn sein Wort wirkte mit Geistgewalt. In der Synagoge war auch ein Mensch, der von einem unreinen Dämon besessen war. Dieser schrie mit lauter Stimme: Was ist es, das uns an dich bindet, Jesus von Nazareth? Bist du gekommen, uns zu vernichten? Ich weiß, wer du bist: Du bist der Heilige Gottes! Jesus erhob seinen Arm gegen ihn und sprach: Schweig und verlasse ihn! Da warf der Dämon den Menschen mitten im Raum zu Boden und fuhr von ihm aus, ohne ihm zu schaden. Alle waren voller Staunen und sprachen zueinander: Welche Gewalt des Wortes! Als wäre alle Schöpfermacht und Weltenkraft in ihm, so gebieterisch spricht er zu den unreinen Geistern, und sie müssen ihm weichen. Und die Kunde von ihm verbreitete sich durch das ganze umliegende Land.“&#039;&#039;&#039;[3]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Vergleich mit den beiden anderen hier angeführten Krankengeschichten fällt auf, wie wenig wir über den betroffenen Menschen in der Synagoge von Kapernaum erfahren. Es findet kein persönliches Gespräch mit ihm statt. Christus spricht vielmehr nur mit dem Geist seiner Krankheit, dem Dämon, und gebietet ihm, den Kranken zu verlassen. Auch die im Umkreis Stehenden werden keines Wortes gewürdigt. Sie sprechen untereinander und wundern sich, wie diese Heilung möglich war. Hier wird auf die rein geistige Ebene der Krankheit hingewiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Notwendige Auseinandersetzung mit dem Bösen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aus dieser Art Krankengeschichte geht hervor, dass die Menschheit offensichtlich die Auseinandersetzung mit dem Bösen und der Krankheit für ihre Entwicklung braucht. Davon künden alle Schöpfungsmythen, alle archetypischen Erzählungen von Licht und Finsternis – aber auch unsere tägliche Lebenserfahrung als Menschen des 21. Jahrhunderts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wo vergeht ein Tag, an dem wir nicht dem Bösen, dem Destruktiven oder zumindest dem Hemmenden in uns oder um uns begegnen, an dem uns diese dunkle Seite des Menschseins nicht durch Zeitung und Fernsehen vor Augen geführt wird?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage nach dem Sinn des Bösen gehört zu den wichtigsten, aber auch unerträglichsten, die das Leben an uns stellt. Wie sehr wünschte man sich die Möglichkeit menschlicher Entwicklung ohne die Auseinandersetzung mit diesem Alptraum des Menschlichen, dem schlechthin Inhumanen, Bösen und Widernatürlichen, so wie es gerade im 20. Jahrhundert durch Kriege und Völkermord und Brutalität im häuslichen Milieu tausendfältig in Erscheinung getreten ist und sich weiter fortsetzt. Und dennoch lehrt schon der schlichte Blick in die tägliche Lebenserfahrung, dass ohne die individuelle Auseinandersetzung mit dem Irrtum und dem Bösen etwas Wichtiges nicht entstehen könnte: das Bewusstsein von Selbständigkeit und Freiheit. Freiheit als zentrale Dimension menschlicher Würde ist mit Notwendigkeit gebunden an die Möglichkeit zu irren. Damit muss auch in der Konstitution einer Welt, in der Freiheit zur Entwicklung kommen soll, das Böse, das Entgegengesetzte, vorhanden sein dürfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so gibt es in der Medizin auch die Frage nach dem Geistig-Wesenhaften, das Krankheit und Heilung zugrunde liegt. Auf diese Dimension weist die Hiobsgeschichte aus der Bibel hin, an deren Beginn ein Dialog zwischen Gott und dem Teufel steht. Goethe hat in seinem „Prolog im Himmel“ zu Beginn des Dramas „Faust“ daran angeknüpft. Hiob, aber auch Faust, werden gesund bzw. gerettet, weil sie sich entwickeln, weil sie lernen und die innere Orientierung am Göttlichen nicht verlieren. Am Bösen erwacht der Sinn für das Gute, im Krankheitserleben die Sehnsucht nach Gesundheit und Heilung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Begabungen und Behinderungen“, 10. Kapitel, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2004&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Neues Testament, &#039;&#039;Markus 10, 46-52&#039;&#039;, zit. nach der Übersetzung von Emil Bock.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Neues Testament, &#039;&#039;Lukas 7, 1-10&#039;&#039;, zit. nach der Übersetzung von Emil Bock.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Lukas 4, 31-37, zit. nach der Übersetzung von Emil Bock.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== GEISTIG-SEELISCHE ERKRANKUNGEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie entstehen geistig-seelische Erkrankungen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zusammenhang von unbewusstem und bewusstem Seelenleben&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Es macht den Reichtum des menschlichen Seelenlebens aus, dass Gedanken, Gefühle und Willensimpulse ständig zusammenwirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Selbstbewusstsein, das in der Kindheit erwacht, hat die Aufgabe, im Laufe des Lebens dieses Zusammenwirken lenken und beherrschen zu lernen. In dem Maß, in dem es gelingt, wird das Seelenleben ein Abbild der in sich geordneten und aufeinander bezogenen körperlichen Funktionen und wirkt wohltuend und gesundend auf sie zurück. Um nun das Auftreten geistiger Behinderungen oder auch seelischer Erkrankungen verstehen zu können, ist es nötig, noch auf einen anderen Sachverhalt des Seelenlebens einzugehen: auf den Zusammenhang von unbewusstem und bewusstem Seelenleben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie von Rudolf Steiner erforscht, werden im Laufe der Entwicklung die Kräfte, die vorher am Aufbau des Leibes mitgewirkt haben, für das bewusste Seelenleben frei. Die im Leibesleben „inkarnierten“ Seelenkräfte wirken unbewusst, die vom Leib befreiten seelischen Kräfte werden als Gedanken, Gefühle und Willensorientierung ins Bewusstsein gehoben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ursprung von psychischen Erkrankungen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Gelangen nun im Laufe der Entwicklung leibfrei gewordene Wachstumskräfte ins Bewusstsein, die von der integrierenden Kraft der Seele, dem „Ich“, nicht beherrscht werden können, weil ihnen noch etwas von der inkarnierenden, organbezogenen Eigendynamik anhaftet, so beginnen sie im Seelenleben eine Eigendynamik zu entwickeln. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier liegt der Ursprung der sogenannten Seelen- und Geisteskrankheiten: Gedanken können dann auftauchen und den Menschen bedrängen mit einer Lebhaftigkeit und Intensität, wie sie dem sonst so schattenhaften Denken nicht eigen sind. Sie können dem Menschen als Bildgestaltungen gegenübertreten, die von ihm nicht beherrscht werden und sein Gefühls- und Willensleben in Anspruch nehmen. Besonders deutlich ist dies bei den verschiedenen Formen der Schizophrenie der Fall:[1] Wahnvorstellungen, Zwangsgedanken, Entfremdungserlebnisse, unbeherrschbare Emotionen, Willenslähmung und die Neigung zu Tobsucht zeigen, welche dieser Bereiche des Seelenlebens der Ich-Kontrolle entglitten sind. Das Ich ist nicht mehr Herr über bestimmte Aspekte des Seelenlebens, sondern unter Umständen von einem oder mehreren Gedanken beherrscht, und der Mensch folgt ihnen zwanghaft in seinem Gefühls- und Willensleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solche Men­schen sprechen dann von Ahnungen und Eingebungen oder in fort­geschrittenen Stadien auch von „Stimmen“, die sie hören, oder von Personen, die ihnen erschienen sind, die sie zu diesem und jenem veranlasst haben. Die Inhalte des Gedanken-, Gefühls- und Willenslebens sind nicht mehr ich-durchdrungen wie im gesunden Seelenleben und werden so auch oft nicht mehr als zum eigenen Selbst gehö­rig erlebt, sondern als etwas Bedrohliches, Fremdes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Anthroposophische Therapie bei geistig-seelischen Erkrankungen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ein anthroposophisch orientierter Psychiater wird daher seine Therapie einerseits auf die Behandlung der Organsysteme und -funktionen richten, dem die pathologischen Seeleninhalte als metamorphosierte Wachstumskräfte entstammen. Auf der anderen Seite wird er mit Hilfe der künstlerischen Therapie und des Gespräches versuchen, das Ich des Kranken so weit zu stärken, dass dieser die Kontrolle über sein Seelenleben wieder erlangen kann. Er wird auch versuchen, mit Pädagogen und Eltern ins Gespräch zu kommen, damit Frühsymptome rechtzeitig erkannt und dem Ausbrechen ei­ner solchen schweren Seelenkrankheit wirksam vorgebeugt werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz entscheidend ist auch die Art und Weise, wie Lehrer mit den frei werdenden Bildekräften umgehen und bei Tage das Seelenleben des Kindes beeinflussen und wie die nächtlichen Aufbau- und Regenerationsvorgänge in der Wachstumsphase ablaufen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Kapitel&#039;&#039; „&#039;&#039;Wie sind Leib, Seele und Geist in Gesundheit und Krankheit verbunden?&#039;&#039;“, &#039;&#039;Elternsprechstunde, Verlag Urachhaus, Stuttgart&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. Rudolf Treichler, &#039;&#039;Der schizophrene Prozeß&#039;&#039;, vergriffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== GRUNDLEGENDES ZU KÖRPERLICHEN ERKRANKUNGEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kommt es zu körperlichen Erkrankungen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was kann die anthroposophische Perspektive dazu beitragen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern haben Erkenntnisprozesse Einfluss auf Krankheitsprozesse?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Krankheit als unkontrollierter Emanzipationsvorgang von Kräften&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
So wie sich jede seelische Erkrankung beschreiben lässt als Ausdruck von Gedanken, Gefühlen und Handlungsimpulsen, die nicht mehr der Ich-Kontrolle unterworfen sind, so lässt sich auch jede körperliche Erkrankung als ein Emanzipationsvorgang bestimmter Funktionen und biologischer Gesetzmäßigkeiten beschreiben, die sich nicht mehr den kontrollierenden Instanzen des Organismus unterwerfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie kommen zustande, wenn sich die seelischen Kräfte zu stark im Leib betätigen oder aber zu sehr aus ihrer notwendigen Verbindung mit dem Leib lösen. Ergänzt man die herkömmliche Diagnostik mit dieser Sichtweise, wird nicht nur das Wesen der Krankheit besser verständlich, sondern es erschließen sich auch neue Möglichkeiten für die Therapie: Es wird deutlich, durch welche seelische und geistige Aktivität die Gesundung mit beeinflusst werden kann, weil man beginnt, die Prozesse zu verstehen, denen der Leib-Seele-Zusammenhang gehorcht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Anthroposophische Perspektive als Ergän­zung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner legte großen Wert darauf, dass die Anthroposophischen Möglichkeiten für Diagnostik und Therapie als Ergän­zung zur gegenwärtigen Schulmedizin und nicht als eine Alterna­tive aufgefasst werden. Die geisteswissenschaftliche Forschung Ru­dolf Steiners erschließt vielmehr die seelischen und geistigen Hintergründe für physiologische Vorgänge. Sie diese in ein neues Licht rücken, will deren Erforschung auf naturwissenschaftlichem Wege nicht ersetzen, sondern die not­wendige Ergänzung dazu sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant ist, dass Menschen, die ernsthaft nach dem Sinn ihrer Erkrankung fragen und vom Arzt wissen wollen, ob man da auch durch meditative geistige Arbeit etwas zur Gesundung tun kann, und man ihnen von dem sie betreffenden möglichen positiven Gegenbild ihrer Erkrankung erzählt, die damit verbundene meditative Übungsaufgabe gerne ergreifen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht bei einem solchen Ansatz, der im anthroposophischen Sinne die geistige und die karmische Dimension des Menschen mitberücksichtig, weder um eine Schuldzuweisung in irgendeiner Richtung, noch um eine Interpretation der Krankheit als Vergeltungsmaßnahme. Vielmehr geht es ausschließlich um die Frage nach dem Sinn auf dem Entwicklungsweg des Betroffenen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entsprechung von Krankheitsprozess und Schulungsweg&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ita Wegman hat diesen Zusammenhang in ihrer Vorrede zur &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; beschrieben. Sie schreibt dort, dass der Eingeweihte den Schulungsweg zur höheren Erkenntnis kennt, und der Arzt die Krankheiten und wie sich beides entspricht. Dadurch fällt möglicherweise auch etwas mehr Licht auf die Frage, welche Dimension die Zusammenarbeit zwischen Rudolf Steiner und Ita Wegman hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man versteht in diesem Kontext auch die Antwort, die Steiner auf die Frage nach dem Sinn der Krankheit in dem oben genannten Vortragszusammenhang gibt: Der Sinn einer Krankheit sei immer die Heilung![2] Denn mit ihrem Auftreten hat sich das mit ihr zusammenhängende Schicksal bereits ausgelebt. Die Aufgabenstellung ist deutlich geworden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt kommt alles darauf an, die Heilung so zu begleiten, dass nicht nur der Körper gesünder wird, sondern auch Seele und Geist etwas davon haben. Kommt das Letztere zu kurz, so besteht die Gefahr eines Rückfalls oder einer anderen Folgekrankheit. Probleme im individuellen und sozialen Leben wiederholen sich offenbar so lange, bis die davon Betroffenen merken, dass das auch etwas mit ihnen zu tun hat und bereit sind, daraus zu lernen und sich weiterzuentwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankheiten und Schicksalsschläge schränken mitunter dramatisch ein und erzwingen sozusagen durch die Krankheit einen unbewussten Lernvorgang. Denn in der Krankheit wird der auf der Erkenntnisebene nicht stattgehabte Vorgang jetzt unbewusst in seiner körperlichen Projektion durchlitten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zwei mögliche Ausgänge von Krankheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das beinhaltet zwei Möglichkeiten, wie eine Krankheit ausgeht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wenn man wieder gesund wird&#039;&#039;&#039;, erfüllt einen in der Regel eine große Dankbarkeit und man ergreift sein wiedergewonnenes aktives Leben mit mehr Bewusstsein für das Wesentliche.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Stirbt man jedoch an der Krankheit&#039;&#039;&#039;, so bleibt das im Körper durchlittene Erlebnis des Krankheitsprozesses, das die Wesensglieder selber hervorgebracht haben, selbstverständlich als eine unbewusst geleistete &#039;&#039;„körperliche Erkenntnisarbeit“&#039;&#039; erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so wie im Nahtod-Erlebnis in Folge der Lockerung des Ätherleibes das Lebenspanorama aufscheint und auch all das enthält, was man im gewöhnlichen Gedächtnis nicht mehr parat hatte oder was unbewusst blieb, so taucht auch jetzt nach dem Tod in voller Bewusstseinsklarheit auf, was im Hervorbringen der Krankheit dem Bewusstsein entzogen war. So kann man die Früchte der Krankheit als wichtige Entwicklungserfahrung auf seinem weiteren nachtodlich-geistigen Weg mitnehmen und in die Vorbereitung der nächsten Inkarnation als Anlage zu neuer Fähigkeitsbildung einbeziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Kapitel „Wie sind Leib, Seele und Geist in Gesundheit und Krankheit verbunden?“, Elternsprechstunde, Verlag Urachhaus, Stuttgart&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27, Vorrede.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Metamorphosen des Seelenlebens. Pfade der Seelenerlebnisse. Zweiter Teil,&#039;&#039; GA 59, S. 170.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== HIOB – SCHULD UND KRANKHEIT ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was kann uns die Geschichte von Hiob über Krankheit lehren?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Besteht ein Zusammenhang zwischen Krankheit und Schuld?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Vorspiel im Himmel&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die schwer verständliche Geschichte von Hiob[1] hat ein Vorspiel im Himmel. Dort spricht Gott, der Herr, mit dem Teufel und lobt seinen Knecht Hiob, an dem kein Fehl und Tadel ist. Der Teufel hört sich das an, weist jedoch darauf hin, dass es für Hiob nicht schwer sei, ein gottgefälliges Leben zu führen, da es ihm ja so gut gehe. Er habe alles, was ein Mann zum Leben brauche: eine liebe Frau, Kinder, Reichtum, Freunde und – Gesundheit. &#039;&#039;„Aber“,&#039;&#039; so setzt der Teufel hinzu, &#039;&#039;„recke deine Hand aus und taste an alles, was er hat: was gilt&#039;s, er wird dir ins Angesicht absagen.“&#039;&#039; Gott, der Herr, lässt sich auf diese Wette ein und gibt dem Teufel die Macht, Hiob mit allen nur erdenklichen Plagen zu schaden – mit einer Ausnahme: Er darf ihn nicht töten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so kommt Hiob völlig „schuldlos“ in Elend und Not, sodass schließlich alle an ihm zweifeln und ihn verdächtigen, insgeheim eine schwere Sünde auf sich geladen zu haben, da Gott gemäß dem jüdischen Glauben keine Unschuldigen straft. Hiob, der sich keiner Schuld bewusst ist, und der Schicksalsumkreis, der in Hiobs Krankheit und Not ebenfalls keinen Sinn erkennen kann, werden vorbereitet, etwas noch viel Tieferliegendes zu verstehen: dass man auch dadurch „schuldig“ werden kann, dass man meint, Irrtum und Böses seien nur bei anderen Menschen zu finden, wohingegen man selber schon untadelig und rein sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Schicksalsfragen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Doch selbst wenn man schon ohne Fehl und Tadel wäre und ein echt gottgefälliges Leben führen würde, müsste man sich fragen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was waren die Bedingungen meiner Entwicklung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wodurch habe ich mein untadeliges Wesen erwerben können?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie konnte ich überhaupt lernen, ein guter Mensch zu werden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie viel habe ich dabei von anderen gelernt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie oft sah ich fremdes Leid und lernte daraus und wurde so davor geschützt, selbst den das Leid verursachenden Fehler zu machen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ist mein fortgeschrittener Entwicklungsgrad nicht auch der Tatsache geschuldet, dass andere in meinem Umfeld noch Seelenqual, Schuld, Krieg und Not erleiden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es liegt nahe, einzusehen, dass man sein So-Sein den Menschen verdankt, mit denen man gelebt hat. Man verdankt es aber auch der Tatsache, dass die Menschheit als Ganzes in Entwicklung begriffen ist: Wenn wir im eigenen Schicksalsumkreis mit einem bestimmten Problem nicht konfrontiert wurden, von dem wir hätten lernen können, berichtet uns die Menschheitsgeschichte darüber, lernen wir aus den Erfahrungen anderer. Wir verdanken unser So-Sein nicht nur dem persönlichen Schicksalsumfeld, sondern auch dem großen Entwicklungsprozess der Menschheit selbst. Als Hiob diese Tatsache zu begreifen begann, wurde er als würdig erachtet, Gott zu schauen. Er hat den Sinn des Mensch-Seins erfahren und dabei die Gottesnähe erlebt – gerade auch im Leid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Drei Ebenen von Schuld&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Damit erfährt auch der Begriff der „Schuld“ eine Erweiterung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Es gibt die &#039;&#039;&#039;individuelle Schuld&#039;&#039;&#039;, über die sich der einzelne Mensch am besten selbst Rechenschaft ablegt.&lt;br /&gt;
* Dann gibt es das &#039;&#039;&#039;Schuldig-Werden an anderen Menschen&#039;&#039;&#039;, auch dann, wenn man davon nicht einmal weiß: Man lebt in der Illusion, richtig gehandelt zu haben, und ahnt nicht, zu welchen Schmerzen oder gar Zusammenbrüchen das eigene Handeln bei anderen Menschen geführt hat. Diese Schädigung anderer Menschen, die einem nicht einmal bewusst war, bedarf in irgendeiner Form des Ausgleichs, u.U. auch erst in einem späteren Erdenleben.&lt;br /&gt;
* Es gibt aber auch &#039;&#039;&#039;Schuld auf der menschheitlichen Ebene&#039;&#039;&#039;. Sie hat mit Gott selbst zu tun: Indem ER von Anbeginn der Schöpfung das Böse als Bestandteil unserer Entwicklung zuließ, trägt auch Gott für diesen Ratschluss, diesen Urentscheid „Schuld“. Ausdruck davon sind im Alten und Neuen Testament Stellen, an denen unmittelbare Zwiesprache z.B. zwischen Gott und Teufel oder zwischen Christus und dem Geist einer Krankheit stattfindet.   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verwandlung von Schuld&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Angesichts allgegenwärtiger Schuld, z.B. was sich an sogenannter Kollektivschuld in Deutschland und anderen Ländern angehäuft hat, aber auch im Hinblick auf die vielfältige Verschuldung des modernen Lebens gegenüber Mensch und Natur, ist es hilfreich sich zu fragen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was will diese Verschuldung – woher auch immer sie kommt – uns, mich, heute lehren? Wie kann ich Schuld durch tätige Mitverantwortung auflösen und verwandeln helfen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch eine solche Fragehaltung erfährt Schuld eine wohltuende Metamorphose. Denn es geht nicht mehr darum, &#039;&#039;wer&#039;&#039; etwas verschuldet hat, sondern einzig und allein darum, &#039;&#039;worauf&#039;&#039; diese sogenannte Schuld hinweisen und aufmerksam machen will – was man an ihr und durch sie lernen kann und welche positiven Entwicklungsmöglichkeiten dadurch eröffnet werden. Eine solche Auffassung von Schuld hilft uns nicht nur, mit wachsender Dankbarkeit und innerer Ruhe auf Leben und Mitwelt hinzublicken. Sie hilft uns auch, im Falle von Leid oder Krankheit, die uns scheinbar „unschuldig“ treffen, zu erkennen, dass man dadurch bewusst am Leid der Menschheit Anteil nimmt – und nicht nur persönliche Verfehlungen ausgleicht. Vorbild dafür ist in der biblischen Tradition das Buch Hiob, und im neuen Testament ist es der Christus, der schuldlos „der Welt Sünde trägt“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Begabungen und Behinderungen“, 10. Kapitel, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2004&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Aus dem &#039;&#039;Buch Hiob&#039;&#039; des Alten Testaments. - Goethe hat diese „Krankengeschichte“ im Faust, dem modernen Hiob-Buch, dramatisiert. Damit bekommt gerade dieser Krankheitstypus für die heutige Menschheit besonderes Gewicht. Denn die Faustgestalt steht für die Entwicklungsdramatik des modernen Menschen, der sich seines Paktes mit dem Teufel, das heißt seiner Beziehung zum Bösen, bewusstwerden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FOLGEN DES FEHLENS SPIRITUELLER WERTE ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Folgen hat eine spirituelle Erziehung im späteren Leben?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Folgen fehlender Spiritualität im Kindesalter&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Fehlt die religiöse Erziehung im Kindesalter, so haben es die Betreffenden im späteren Leben sehr viel schwerer, sich auf die Suche nach spirituellen Werten zu machen, da sie auf keinerlei Erfahrung zurückgreifen können und damit auch nicht recht wissen, was sie überhaupt suchen sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Drogenkonsum ====&lt;br /&gt;
Dass das wirklich so ist, erleben wir heute an der immer stärker anwachsenden Tendenz zu Suchtkrankheit und Drogenabhängigkeit. Denn die Suchtkrankheit ist die Krankheit der Religionslosigkeit.[1] Fragt man Drogenabhängige, was sie in der Drogenszene finden, wird deutlich, dass es sich um genau die Qualitäten und Werte handelt, die den religiösen Erfahrungen entsprechen: Ruhe und Geborgenheit, Erleben vertrauensvoller menschlicher Beziehungen, Licht- und Wärmeerlebnisse – also intensive Sinneserlebnisse und starke Selbsterfahrung. So sagen sie oft, dass es der unerträgliche Zweifel am Sinn des Lebens war, der sie in die Sucht trieb, oder dass sie die Schlechtigkeit und Ungerechtigkeit der Welt nicht ertrugen oder aber, dass sie keine Liebe und Geborgenheit unter Menschen erlebt haben. Das alles hätten sie erst in der Drogenszene gefunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn die Drogenkarriere keine echte Perspektive für das Leben darstellt, überwiegt bei den Betroffenen die Dankbarkeit, dass sie vorübergehend ihre quälenden Zweifel und Ängste ablegen können und sich aufgenommen fühlen von einer anderen Welt, die erfüllt ist von Farben und Licht, von Freundschaft und Geborgenheit. Wer Drogen nimmt, betritt diese Welt zwar ohne waches Selbstbewusstsein, aber er entrinnt auf diese Weise wenigstens der Enge, Dürftigkeit und Einsamkeit des scheinbar so sinnlosen Alltagslebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Neue Krankheiten ====&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner hat zu Beginn dieses Jahrhunderts in Vorträgen immer wieder darauf hingewiesen, dass neue Krankheiten auftreten werden, wenn weitere drei Generationen in der gleichen Art leben wie zur damaligen bereits vom Materialismus bestimmten Zeit. Die körperlichen Kraftreserven, die aufgrund der Vererbung für mehrere Generationen reichen, wären nach ca. 100 Jahren verbraucht. Der Mensch wäre dann darauf angewiesen, zusätzliche geistige Kräfte aufzunehmen, damit der Leib nicht zerbricht, sondern sich verwandeln kann.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zusammenhang zwischen Geist und Gesundheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Um diesen Zusammenhang zwischen Geist und Gesundheit zu verstehen, bedarf es der Kenntnis eines der wichtigsten Forschungsergebnisse Rudolf Steiners für Pädagogik und Medizin: Die Kenntnis vom Gesetz der Metamorphose der Wachstumskräfte in Gedankenkräfte. Steiner fand heraus, dass die Kraft, die dem Wachstum, der Regeneration und damit auch der Selbstheilung des Organismus zugrunde liegt (in der Anthroposophie „ätherischer Organismus“ genannt), identisch ist mit der Kraft, die der Mensch aufwendet, wenn er denkt. In seinem gemeinsam mit der Ärztin Ita Wegman verfassten Buch &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; führt er diesbezüglich aus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Es ist von der allergrößten Bedeutung zu wissen, dass die gewöhnlichen Denkkräfte des Menschen die verfeinerten Gestaltungs- und Wachstumskräfte sind. Im Gestalten und Wachsen des menschlichen Organismus offenbart sich ein Geistiges. Denn dieses Geistige erscheint dann im Lebensverlaufe als die geistige Denkkraft.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und diese Denkkraft ist nur ein Teil der im Ätherischen webenden menschlichen Gestaltungs- und Wachstumskraft. Der andere Teil bleibt seiner im menschlichen Lebensbeginne innegehabten Aufgabe getreu. Nur weil der Mensch, wenn seine Gestaltung und sein Wachstum vorgerückt, das ist, bis zu einem gewissen Grade abgeschlossen sind, sich noch weiter entwickelt, kann das Ätherisch-Geistige, das im Organismus webt und lebt, im weiteren Leben als Denkkraft auftreten.&amp;quot;&#039;&#039;[3]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Neues Paradigma der psychosomatischen Medizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Bei diesem Forschungsergebnis handelt es sich um das neue Paradigma der psychosomatischen Medizin, auf dem Erziehung und Medizin in Zukunft immer mehr aufbauen müssen, wenn sie weiterhin erfolgreich sein wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn schon heute ist die psychosomatische Forschung weitgehend zu der Erkenntnis gelangt, dass beispielsweise ein Mensch mit guter Lebensmotivation, mit Zukunftsidealen und der Fähigkeit, seinem Leben einen Sinn zu geben, ein weit besseres Immunsystem und bessere Möglichkeiten der Rekonvaleszenz hat als jemand, der diesen positiven Zugang zum Leben nicht besitzt.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Welchen Auftrag hat die Religion in Erziehung und Heilkunst?“ aus „Die Heilkraft der Religion“, Stuttgart 1997&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Ron Dunselmann, &#039;&#039;An Stelle des Ich. Rauschdrogen und ihre Wirkung&#039;&#039;, Stuttgart 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Sendung Michaels&#039;&#039;. GA 194.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner; Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen&#039;&#039;, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Vgl. Richard Wagner (Hrsg.), &#039;&#039;Immunologie und Krebskrankheit&#039;&#039;, Stuttgart 1993;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Martin Straube, &#039;&#039;AIDS-Sprechstunde&#039;&#039;, Stuttgart 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DAS GEHEIMNIS DES MERKURSTABS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist unter dem „Geheimnis des Merkurstabs“ zu verstehen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann dieses neue Mysterien-Prinzip angewandt werden in Diagnostik und Therapie?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was besagt der esoterische Krankheitsbegriff?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie können mit seiner Hilfe die Kräfte „des Oberen und des Unteren“ wieder an den rechten Ort gebracht werden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Der esoterische Krankheitsbegriff&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der esoterische Krankheitsbegriff ist eng mit dem &#039;&#039;„Geheimnis des Merkurstabs“&#039;&#039; verbunden. Er besagt, dass der Mensch etwas, das er in seinem Leben offensichtlich „zu seinem Heil“ braucht, nicht auf dem gesunden Wege „am rechten Ort und zur rechten Zeit“ durchmachen bzw. lernen konnte. Nun gibt ihm sein persönliches, soziales bzw. menschheitliches Schicksal die Gelegenheit, das Erwünschte auf dem Krankheitswege durchzumachen und so das Lern- bzw. Entwicklungsziel zu erreichen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Was wir bewusst &#039;&#039;&#039;auf dem Erkenntnisweg&#039;&#039;&#039; erarbeiten, ist &#039;&#039;von Michael inspiriert&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
* Was wir unbewusst &#039;&#039;&#039;durch Schmerz und Leid&#039;&#039;&#039; erringen, wird &#039;&#039;von Raphael begleitet&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist mit dem &#039;&#039;„Geheimnis des Merkurstabs“&#039;&#039; als neuem Mysterien-Prinzip gemeint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner sagt von diesem &#039;&#039;„Geheimnis des Merkurstabs“&#039;&#039;, dass Ärzte und Therapeuten es immer besser handhaben lernen sollten. Dabei kann uns die offene Lemniskate des Merkurstabs helfen, denn sie bildet ab, worum es bei diesem neuen Mysterien-Prinzip geht: um die Funktionsdynamik des Ätherischen. Nicht nur ist diese Dynamik unserem Herzen zutiefst eingeschrieben wie ein Siegel, sie bestimmt auch über den ganzen Kreislauf, ja über unsere gesamte menschliche Konstitution. Unser physischer Leib ist aufgebaut durch ätherische und astrale Kräfte sowie durch Kräfte der Ich-Organisation. Diesem Aufbau liegt ein unglaublich lebendiges, kraftvolles, Gesetzes-Prinzip zugrunde, das sich unserem Bewusstsein entzieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ita Wegman&#039;&#039; beschreibt den Schlüssel zu diesem neuen Mysterien-Prinzip, das ein Raphael-Mysterium ist, in ihrer Vorrede zu dem gemeinsam von ihr und Rudolf Steiner verfassten Buch &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“.&#039;&#039;&#039;[1]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Rudolf Steiner hatte ihre Vorrede zwar nicht in die Druckfassung des Buches übernommen, sie blieb aber erhalten und wurde von &#039;&#039;Walter Holtzapfel&#039;&#039;, von 1969 bis 1977 Leiter der Medizinischen Sektion, erstmals im Rundbrief der Sektion publiziert.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Krankheit physisch und geistig gesehen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ita Wegman schreibt dort von zwei Hauptursachen des Krankseins (auf die wir hier nicht näher eingehen wollen), die beide vom Physischen und vom Geistigen aus gesehen und beschrieben werden können: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Ein kranker Mensch ist aber immer ein ganz individueller Fall. Es gibt nicht zwei Menschen, die in gleichem Sinne krank sein können. Die Naturdinge, die ungeistig sind, führen auf allgemeine Gesetze zurück. Das Individuelle ist immer der Ausdruck der Wirksamkeit seelisch-geistiger Gesetze. Diese Gesetze sind nicht in Begriffe zu fassen, sondern nur für die Anschauung erreichbar. (...)&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Die Seelenübungen, die zur geistigen Anschauung führen, bestehen entweder in einer Abschwächung oder einer Verschärfung des Seelenlebens. Die Abschwächung des Seelenlebens ist innerhalb des Seelischen eine Nachahmung der Krankheiten der ersten Art, die Verschärfung eine Nachahmung der Krankheiten der zweiten Art. Wer also die Seelenverfassung kennt, die aus solchen Übungen stammt, kennt die Krankheiten, denn er hat in seinen Seelenzuständen Bilder davon. Beschreibt er durch das, was er an diesen Bildern erlebt, die physischen Symptome der Krankheiten, so liefert er jedem Arzt Beschreibungen, die dieser nachprüfen kann. Hält die Beschreibung der Nachprüfung stand, so werden damit auch die Angaben des Erforschers des Geistigen bestätigt. Und lässt sich der Arzt immer wieder auf die Beschreibungen eines solchen Geistesforschers ein, so kann er sich aus dessen Schilderungen des Symptomen-komplexes nach und nach selbst die geistige Anschauung erwerben. Wir sind durchaus der Meinung, dass das ganz richtige Lesen dieses Buches jeden Arzt in die Lage versetzt, selbst die Krankheiten geistig anzuschauen.&#039;&#039;[3]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht also darum, zu verstehen, dass der Übungsweg aus &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“&#039;&#039;[4] mit Mühen und seelischen Schmerzen verbunden ist, die denen entsprechen, die der Körper erleidet, wenn er krank ist. Krankheit erscheint der geistigen Anschauung als ein Kraftkomplex, der sich eigentlich hätte seelisch-geistig betätigen sollen, nun aber am falschen Ort leiblich aktiv wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Sinnfindung durch Umgang mit den geistigen Urbildern von Krankheiten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Es ist nun Aufgabe des Arztes, hinter jeder körperlichen Krankheit das Geistige zu sehen, das sich in dieser Krankheit am falschen Ort manifestiert. Damit wird aber auch der Sinn der Krankheit im individuellen Schicksal erkannt und die Krankheit „&#039;&#039;als physische Imagination vom geistigen Leben“[5]&#039;&#039; angeschaut, wie es Rudolf Steiner im &#039;&#039;Jungmedizinerkurs[6]&#039;&#039; zum Jahresanfang 1924 formuliert hatte. Therapie bedeutet in diesem Kontext, das Physisch-Imaginative auf den (Rück)Weg zur Gesundung, d.h. zum richtigen Ort, dem Geistig-Imaginativen zu bringen. So gesehen wäre das Buch zur Selbstschulung von Rudolf Steiner &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“&#039;&#039; auch unter dem Aspekt zu lesen, welcher Krankheit dadurch vorgebeugt werden kann, wenn man eine der dort beschriebenen Übungen macht. Autoimmunerkrankungen können z.B. als leibliche Projektion der geistigen Übung, &#039;&#039;„sich selbst wie ein Fremder gegenüber zu stehen“&#039;&#039; angesehen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gelingt es einem Menschen nicht, ein für dieses Leben seelisch-geistig veranlagtes Lernziel zu erreichen, so wählt er sich zum Ausgleich den unbewussten Weg durch die Krankheit, um das gewünschte Ziel so doch noch zu erreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Anforderungen an den Arzt&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wenn der Erkrankte nicht nach diesen esoterischen Hintergründen fragt, sollte der Arzt darüber schweigen. Denn dann besteht die Gefahr, dass der hier geschilderte Tatbestand Schuldgefühle im Kranken weckt, die seine krankhafte Symptomatik verstärken können. In diesem Fall kann der Arzt das geistige Gegenstück der Krankheit im Bewusstsein haben, wenn er dem Kranken gegenübertritt. Dann wirkt er durch seine Gegenwart „gesundend“ auf den Patienten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gleichzeitig ist der Umgang mit diesen geistigen Urbildern auch für den Arzt die beste Prävention. Denn indem er mit den entsprechenden Übungen arbeitet, im Grunde also geistig und seelisch mit den Gegenbildern der Krankheiten lebt, haben diese Kräfte bei ihm keine Veranlassung, sich an falschen Orten kränkend zu betätigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So tritt in der Anthroposophischen Medizin zu den schulmedizinischen und komplementärmedizinischen Therapieverfahren noch die Möglichkeit hinzu, durch ein spirituelles Krankheitsverständnis Prävention, Krankheit und Heilung in ihrem Zusammenhang tiefer zu verstehen. Diese Einsichten therapeutisch handhaben zu lernen, kann u.a. Wesen und Inhalt einer Raphael-Schule sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Raphael und die Mysterien von Krankheit und Heilung“, Medizinische Sektion am Goetheanum 2015&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner und Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes zu einer Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen,&#039;&#039; GA 27, Dornach 2007.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] &#039;&#039;Wiederabdruck in: Rundbrief für die Mitarbeiter der Medizinischen Sektion am Goetheanum in aller Welt&#039;&#039;. Nr. 2, Advent 1993.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Ita Wegman, nicht veröffentlichte Vorrede zu &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, Siehe Seiten 43-46.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der Höheren Welte&#039;&#039;n?, GA 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Meditative Betrachtungen und Anleitungen zur Vertiefung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 316, Dornach 2009, S. 104.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Jungmedizinerkurs&#039;&#039;, GA 316.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DER ESOTERISCHE KRANKHEITSBEGRIFF ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was besagt der esoterische Krankheitsbegriff?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Krankheit als Einweihung über den Tod hinaus&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;Jungmedizinerkurs&#039;&#039;[1] kann man nachlesen, dass jede Krankheit auch eine unbewusste Einweihungsbegegnung mit dem Hüter der Schwelle ist. In einem Notizbucheintrag Rudolf Steiners befindet sich ein erster Entwurf einer Meditation für die Jungmediziner, der später eine andere Form bekam. Es handelt sich um eine rein esoterische Formulierung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Begegnung&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Es strömen an der Schwelle&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Sinnesdunkel und Geisteshelle&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Zum Blendwerk ineinander.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Dieses Blendwerks Abbild&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ist die Krankheit.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;In der Krankheit lebet der Hüter,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Begegnung im Geist bewusst.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Begegnung im Körper unbewusst.[2]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst wenn ein Mensch an einer Krankheit stirbt, die ihm viele Schmerzen bereitet hat, wird er nach dem Tode davon profitieren: Die ätherischen Kräfte, die am Verlauf der Krankheit beteiligt waren, z.B. indem sie Krebswucherungen erzeugten, lösen sich nach dem Tod aus dem ätherischen Organismus heraus und vereinigen  sich mit allem, was der Mensch durch bewusste Erkenntnis erringen konnte. Denn nach dem Tod erwacht der Mensch zu allem, was er auf Erden getan hat, egal ob bewusst oder unbewusst. Was er durch Krankheiten auf unbewusste Weise errungen hat, auch durch Schmerzen, wird ihm nach dem Tode bewusst und er begreift, dass der Sinn seiner Krankheit darin lag, sie zu durchleiden. Durch Krankheit erreicht der Mensch über die körperliche Ebene in der Sphäre der Naturgesetze dasselbe Entwicklungsziel wie über den rein geistigen Entwicklungsweg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Geheimnisse von Gesundheit und Krankheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Zum besseren Verständnis dieser Prinzipien: Rudolf Steiner nennt im „&#039;&#039;Pastoralmedizinischen Kurs“[3]&#039;&#039; einen Spruch für Priester und Ärzte, der das Geheimnis des Merkurstabes in Worte fasst und eine Verbindung herstellt zu den genannten Zeilen aus dem Grundsteinspruch. Er lautet sinngemäß:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Ich werde den Weg gehen,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;der die Elemente in Prozess auflöst.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Er bringt mich hinunter zum Vater,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;der die Krankheit schickte,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;damit das Karma ausgeglichen wird,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;und bringt mich hinauf zum Geist,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;der die Seele durch Irrtümer (und Schuld) geleitet,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;damit sie Freiheit entwickelt.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist der Merkurstab in Worten – alle Geheimnisse von Gesundheit und Krankheit sind in dieser einen Meditation zusammengefasst:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Vatergott&#039;&#039;&#039; schickt uns Krankheit bzw. Störungen, um das Schicksal auszugleichen. Das geschieht in der Nacht, die die Domäne des Vaters ist. Wir nehmen den Körper, wie er ist. Auch können wir die Geburtsumstände nicht verändern.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Christus&#039;&#039;&#039; führt hinab zum Vater und hinauf zum Geist, um im Zuge der Entwicklung den Geistesmenschen im Erdenmenschen zu erschaffen&#039;&#039;.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* Das alltägliche Leben, die Möglichkeit Tag für Tag über Versuch und Irrtum zu lernen, ist die Domäne &#039;&#039;&#039;des Heiligen Geistes&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;,&#039;&#039; der weiß, dass wir im Leben irren können. Wir geraten in Schuld, wenn wir nicht unseren eigenen Weg finden, wenn wir nicht das Gute suchen und zu tun bestrebt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Geschenke des Christus&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dieser Gedanke ist sehr schmerzlich, doch kann es nicht anders sein: Man kann keine Freiheit erlangen, ohne Grenzen erlebt zu haben. Man kann nicht lernen in Freiheit zu lieben, wenn man nicht erlebt hat, wie es sich anfühlt, nicht geliebt zu werden oder wie schmerzlich es ist, wenn man anderen schadet. Wir brauchen die Dunkelheit, um das Licht verstehen zu können. Liebe und Freiheit brauchen einander. Deshalb kann echte Liebe alles aushalten, alles verarbeiten. Sie ist der Heiler unseres ICH BIN, wenn dieses lernt, unsere Liebesressourcen anzuzapfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Moment der Verzweiflung, des Todes, des Wandels, der Transformation, ist ein Geschenk des Christus: die Tatsache, dass wir uns verwandeln können, dass wir sterben und uns transformieren können; dass wir Regeln brechen und neue kreieren können. Das Mysterium des Lebens ist, dass es in den Tod mündet, sodass Tod die Frucht des Lebens ist. Wir werden geboren, um zu sterben. Das ist die Sphäre von Christus, dem Meister des Schicksals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die drei Rosenkreuzerworte&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Drei Zeilen aus der Grundsteinmeditation, auch Rosenkreuzerworte genannt, können uns in Bezug auf Krankheit und Gesundheit geistige Orientierung geben und dem besseren Verständnis dieser Sphäre dienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. „Ex deo nascimur“ ====&lt;br /&gt;
Wir entwickelten uns aus dem Vatergott – wir sind Kinder des Vaters, aus dem Vater geboren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. „In christo morimus“ ====&lt;br /&gt;
In Christus sterben wir. Unsere große Chance liegt in der Art, wie wir uns darauf vorbereiten: ob wir ihm, unserem Höheren Ich, mehr oder weniger bewusst begegnen werden. Das ganze Leben dreht sich um die Suche nach diesem Höheren Ich, dem Christus, denn wir tragen in uns die Sehnsucht, IHM zu begegnen. Im Todesmoment begegnen IHM alle Menschen als dem höchsten Hüter der Schwelle, egal, wie materialistisch sie gesinnt waren. Und je nachdem, wie sie sich vorbereitet haben, schlafen sie entweder ein oder bleiben wach, um zwischen Tod und einer neuen Geburt mit dem Heiligen Geist die nächsten Lernerfahrungen zu planen, z.B. auch, ob bestimmte Krankheiten „gebraucht werden“ in der nächsten Inkarnation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. „Per spiritum sanctum reviviscimus“ ====&lt;br /&gt;
Wir werden im Heiligen Geist erwachen zu unserer Aufgabe, uns selbst und andere zu heilen. Wir werden initiiert, werden auferweckt durch den Heiligen Geist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anhand dieser drei Zeilen können wir erkennen, dass die Vergangenheit aus dem Vater geboren wurde mitsamt dem vollen Risiko von Krankheit. Denn Krankheit hat mit unserem Körper zu tun und mit den Kräften, aus denen wir geboren wurden. Heilung ist ein zukünftiges Ziel – unangreifbar, unverwundbar zu werden. Das liegt weit in der Zukunft. Zwischen diesen Polen haben wir das Risiko des Lebens, das immer in Gefahr ist. Das Gleichgewicht kann in jedem Moment verloren gehen und wir werden krank – oder wir finden neue Kräfte und stehen wieder auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. mit einer Zusammenstellung von Vorträgen über „Die sieben Siegel der Apokalypse“ gehalten 2007&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1]Rudolf Steiner, &#039;&#039;Jungmedizinerkurs&#039;&#039;, GA 316.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Mantrische Sprüche. Seelenübungen II. 1903-1925, GA 268&#039;&#039;, Dornach 1999, S. 304 „Begegnung&amp;quot; wie abgedruckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner,  &#039;&#039;Pastoralmedizinischer Kurs&#039;&#039;, GA 318, Dornach, 8. bis 18. September 1924.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE KRANKHEIT SELBER IST DIE HEILUNG ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was bedeutet diese Aussage Rudolf Steiners?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Krankheit erzeugt Gesundheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ich versuche seit vielen Jahren das Wesen von Krankheit und Gesundheit zu verstehen, es immer besser zu begreifen und es auch zu vermitteln, wann und wo es gebraucht wird. Rudolf Steiner&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Es mag der Mensch erkranken, so lange er sich entwickelt! Durch die Krankheit entwickelt er sich zugleich zur Gesundheit. So strebt die Krankheit in der Heilung, und sogar im Tode, über sich selbst hinaus und erzeugt die Gesundheit&#039;&#039; – &#039;&#039;nicht als ein dem Menschen Fremdes, sondern als eine aus dem Menschenwesen selbst herausgewachsene, mit diesem Menschenwesen übereinstimmende Gesundheit.“&#039;&#039;&#039;[1]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist eine große Leistung, sich den ererbten Körper anzueignen und durch und durch zu individualisieren. Wir sind hier, um unseren Leib nicht nur zu beziehen, sondern ihn auch zu ergreifen und uns anzueignen. Man kann sogar sagen, jeder Mensch gestaltet seine Gesundheit, dieses Gottesgeschenk, aktiv mit. Mir wurde aber so deutlich wie noch nie, dass auch wir selbst es sind, die eine Krankheit hervorbringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Krankheit als krisenhafte Verselbstung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das kann man an der Krebserkrankung besonders gut ablesen, an dem autonomen Wachstum, dass dieses „autos“ (altgriech.: „selbst“) &#039;&#039;wir selbst&#039;&#039; sind und nicht ein Feind. An unserer gesunden Natur können wir das Tragende, das Vatergöttliche, erleben. Diese gesunde Natur macht nun „Platz“ für ein Krankheitsgeschehen, an dem wir oft über Jahre intensiv tätig sind, um etwas in unserer Entwicklung auszugleichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch nie stand mir so deutlich vor Augen, was Rudolf Steiner damit gemeint haben könnte, als er sinngemäß sagte: &#039;&#039;„Die Krankheit selber ist die Heilung“&#039;&#039;. Das müssen wir nur richtig begreifen und dieses Autonome als selbstgeführt verstehen lernen und dem Selbst des Patienten alle nur mögliche Hilfestellung leisten, um ihm aus dieser krisenhaften „Verselbstung“, die die Krankheit bedeutet, wiederum in Richtung Gesundheit zu verhelfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist eigentlich unser therapeutischer, pflegerischer und ärztlicher Beruf: Bruder sein, Schwester sein, Weggenosse sein, der mithilft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Abschlusswort JK 2009, Dornach, am 17.09.2009&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Metamorphosen des Seelenlebens&#039;&#039;, Band 2, GA 59, Ausgabe von 1984, S. 170.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE POCKENKRANKHEIT UND IHR GEISTIGES GEGENBILD ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist das geistige Gegenbild der Pockenkrankheit?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Warum ist es so wichtig, sich damit zu befassen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was kann es uns sagen über das Wesen und die Aufgabe der Krankheit?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Pocken als Krankheit mit einer menschheitlichen Dimension&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner im Auge, setzt 1924 in den &#039;&#039;„Vorträgen für Medizinstudenten und jüngere Ärzte“[1]&#039;&#039; die Gesundheit des Arztes, d.h. seine Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheitsneigungen, in Beziehung zu der Aufgabe, auch das Wesen einer Krankheit zu erkennen, an der der jeweilige Patient leidet. Er gibt dann selber ein Beispiel, wie man dieses lernen kann. Hier geht es darum, die menschheitliche Dimension von Krankheiten und, was sie verursacht haben könnte, zu erkennen.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er wählte dazu die Pockenkrankheit, die damals infolge der Impfung schon am Aussterben war, weswegen wohl niemand seiner Zuhörer einen Pockenkranken je gesehen oder in seiner Praxis gehabt hatte. Vielleicht wählte Rudolf Steiner eine vom Aussterben bedrohte Krankheit, weil sie in ihrem Wesen noch nicht erkannt und damit grundlegend auf den Weg der Heilung gebracht werden konnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben es hier nicht mit einer typisch individuellen Erkrankung zu tun, sondern mit einer epidemisch auftretenden, was immer darauf hinweist, dass sie eine Antwort, ein Schicksalsausgleich, für ein soziales Entwicklungsdefizit sein könnte, das der „Schicksalsheilung“ durch diese Krankheit bzw. des Erkennens ihres Wesens bedarf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Sozialer Aspekt der Pockenerkrankung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Pockenerkrankung als solche ist äußerst „sozial“: Das zeigt sich nicht nur am Ansteckungsmodus durch die hohe Kontagiösität und damit Weitergabe an möglichst viele, sondern auch durch die Art und Weise, wie sich die Symptomatik aufbaut: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Hohes Fieber als physischer Ausdruck von Wärme – &#039;&#039;die eigentlich seelische und geistige Wärme des Mitgefühls und Verstehens sein sollte.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Blasenbildung an den Oberflächen von Haut, Schleimhäuten und auch den Oberflächen der inneren Organe – &#039;&#039;als ob sich die Grenzen jetzt physisch öffnen wollten, weil das seelische Sich-füreinander-Öffnen, wie es im Sinne des Schicksals der Betroffenen wäre, nicht gelingt.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pockenkrankheit sei im Grunde dadurch entstanden, dass sich diese heilsame soziale Fähigkeit in den Körper hineinprojiziere, weil sie sich am richtigen Ort – im sozialen Miteinander – seelisch-geistig nicht ausleben konnte. So erschien sie am ‚falschen Ort‘ als physische Krankheit. Wenn Liebe sich nicht sozial betätigen und sich auch keine schöpferischen Organe im Zusammenwirken von männlichen und weiblichen Qualitäten schaffen könne, werde die Neigung, sich mit der Pockenkrankheit zu infizieren, gefördert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Himmelsimagination als „gutes Gegenbild“&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Er machte mit den Zuhörenden ein Gedankenexperiment: Man möge sich einen an Pocken Erkrankten vorstellen – in allen Einzelheiten, d.h. mit den eitrigen Pusteln an der Haut und auch an den Oberflächen der inneren Organe, dazu hohes Fieber, Benommenheit und Schwäche. Der zweite Schritt besteht dann darin, dieses Krankheitsbild zu imaginieren und sich vorzustellen, man könne es – im Sinne der Metamorphose der leibbildenden Wesensgliederkräfte – in bewusste geistige Tätigkeit[3] aus dem erkrankten Leib &#039;&#039;„heraus metamorphosieren“&#039;&#039; und in eine rein gedanklich-imaginative Bildhaftigkeit überführen.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch würde sich das wahre Wesen dieser Krankheit enthüllen als &#039;&#039;„gutes Gegenbild“&#039;&#039; in Form einer Himmelsimagination vom Tierkreis - dergestalt, dass den sieben männlichen Sommersternbildern die fünf weibliche Wintersternbilder gegenüberstehen. Das sei Urbild für ein harmonisch geordnetes soziales Zusammenwirken zwischen Männern und Frauen.[5] Werde ein solch respekt- und liebevoller Umgang zwischen den Geschlechtern geübt, so würde die Neigung zur infektiösen Pockenerkrankung als &#039;&#039;„Organ der Lieblosigkeit“&#039;&#039;&#039;[6]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; überwunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Raphael und die Mysterien von Krankheit und Heilung“, Medizinische Sektion am Goetheanum 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Meditative Betrachtungen und Anleitungen zur Vertiefung der Heilkunst. Vorträge für Ärzte und Medizinstudierende,&#039;&#039; GA 316.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] „&#039;&#039;Man muss also die Krankheit so begreifen, dass man sich sagt: Könnten nicht durch gewisse Dinge, die wir morgen einsehen werden, gewisse geistige Wesenheiten heruntergeholt werden, wo sie nicht hingehören, so wären sie auch nicht in der geistigen Welt vorhanden. - Damit aber zeigt sich, wie eng verwandt wirkliches geistiges Erkennen mit der Krankheit ist. Man erkennt eigentlich schon, indem man Geistiges erkennt, die Krankheit. Man kann gar nicht anders: wenn man einmal eine solche Himmelsimagination hat, dann weiß man, was Pockenkrankheit ist, weil sie nur die physische Projektion dessen ist, was man geistig erlebt. So ist es im Grunde genommen mit dem ganzen Krankheitswissen. Man möchte sagen: Wenn der Himmel&#039;&#039; – &#039;&#039;oder auch die Hölle natürlich&#039;&#039; – &#039;&#039;zu stark ergreifen den Menschen, so wird er krank, wenn sie nur seine Seele und seinen Geist ergreifen, wird er weise oder gescheit oder ein Einsichtiger.“&#039;&#039; (GA 316, S.120)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27, Kap. II, S. 6.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] 1910 hatte Steiner dies bereits in seinen Vorträgen über Die Offenbarungen des Karma so formuliert: &#039;&#039;„Die Frage kann auch so gestellt werden: Wenn Krankheiten sich ausleben wie eine karmische Wirkung von geistigen oder sonstigen durch die Seele hervorgerufenen oder erfahrenen Erlebnissen, wenn sie also die Umwandlung solcher Ursachen sind, können wir uns dann nicht auch denken – oder erzählen uns davon die geistigen Tatsachen nichts –, daß das Umwandlungsprodukt, die Krankheit, vermeidbar ist, insofern vermeidbar, als wir statt des Heilungsprozesses, statt dessen, was aus den organischen Regionen herausgeholt wird, als Krankheit herbeigeholt wird zu unserer Erziehung, das geistige Gegenstück, das geistige Äquivalent dafür setzen? Daß wir, wenn wir klug genug sind, die Krankheit umwandeln in einen geistigen Prozeß und die Selbsterziehung, die wir durch die Krankheit ausführen sollen, sozusagen durch die Kräfte unserer Seele ausführen?“&#039;&#039; (GA 120, 102).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] In den Karma-Vorträgen von 1910 führt Steiner bezüglich der Pocken aus: &#039;&#039;„Es kann der Mensch ganz besonders in einem früheren Leben durch Empfindungen, Gefühle und so weiter durchgegangen sein, die ihn zur Lieblosigkeit gegen seine Nächsten getrieben haben. [....] Nehmen wir an, eine ganze Anzahl von Menschen hätte sich wegen Lieblosigkeit gegen die Menschen hingezogen gefühlt, gewisse Infektionsstoffe aufzunehmen, um einer Epidemie zu verfallen. Nehmen wir weiter an, wir könnten gegen die Epidemie etwas tun. Wir würden dann in einem solchen Falle die äußere Leiblichkeit davor bewahren, die Lieblosigkeit zum Ausdruck zu bringen [dadurch, dass die Pockenkrankheit nicht ausbrechen konnte, M.G.], aber wir würden dadurch noch nicht die innere Neigung zur Lieblosigkeit fortgeschafft haben. Denken wir uns aber den Fall so, daß wir, wenn wir das äußere Organ der Lieblosigkeit fortschaffen, die Verpflichtung übernehmen, auf die Seele so zu wirken, daß wir auch der Seele die Neigung zur Lieblosigkeit nehmen. Das Organ der Lieblosigkeit wird im eminenten Sinne getötet – im äußeren leiblichen Sinne – in der Pockenimpfung. [...] Und wir können jetzt sagen: Wenn wir auf der einen Seite das Organ töten, hätten wir auch die Verpflichtung, als Gegenstück dazu bei diesem Menschen den materialistischen Charakter durch eine entsprechende spirituelle Erziehung anders zu gestalten. Das müßte das notwendige Gegenstück sein. Wir leisten sonst nur halbe Arbeit. Ja, wir leisten nur eine Arbeit, zu der der Mensch selber in einer späteren Inkarnation in irgendeiner Weise wird das Gegenstück schaffen müssen [...] Impfung wird keinem Menschen schaden, welcher nach der Impfung im späteren Leben eine spirituelle Erziehung erhält. […] Da kommen wir zu einem wichtigen Gesetz in der Menschheitsentwickelung, das so wirkt, daß immer ein Äußeres und ein Inneres sich die Waage halten müssen und daß man nicht bloß auf das eine sehen darf, sondern auch das andere nicht unberücksichtigt bleiben darf.“&#039;&#039; (GA 120, 169–171).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Offenbarungen des Karma&#039;&#039;, GA 237.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ONKOLOGISCHES KRANKHEITSBILD UND SEIN GEISTIGES GEGENBILD ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche geistige Signatur bildet sich körperlich in onkologischen Krankheitsbildern ab?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was kann und will sie uns sagen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Gesten sind den Stadien von Krebs abzulesen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Unbewusste Entwicklung durch Krebs&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Krebs ist eine Zeitkrankheit. Viele Menschen sind davon betroffen, ja sogar „gesegnet“ damit. Sie dürfen durch die Krankheit auf unbewusstem Weg etwas für ihre späteren Leben lernen, was ihnen als Lernschritt über das Bewusstsein nicht möglich war. Warum das so ist, schildert Rudolf Steiner eindrücklich im &#039;&#039;Jungmedizinerkurs&#039;&#039;, wo er sagt, dass eine Erkrankung zugleich mit ihrem gesunden geistigen Gegenbild als eine Art „Himmelsimagination“ erfasst werden müsste.[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch über die Krebserkrankung werden geistige Qualitäten erworben – allerdings auf unbewusstem Wege: Ich-Organisation, Astralleib und Ätherleib des Betroffenen bringen diese Krankheit hervor. Er selbst ist es also – allerdings unter der Führung des Herrn des Schicksals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im nächsten Leben stehen ihm die dadurch errungenen Fähigkeiten als Disposition zur Verfügung: Jetzt ist es für ihn viel leichter, sich diese anzueignen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Stadien der Krebserkrankung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie entwickelt sich Krebs?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Irgendeine Zelle fängt an, etwas weniger spezialisiert zu sein, als sie war. Sie geht aus ihrer Differenziertheit in einem Organgebiet zurück in Richtung ihrer embryonalen Herkunft, wo sie kaum spezialisiert und dafür omnipotent war. Normalerweise erkennt das Immunsystem solche Zellen und tötet sie ab. Wenn aber die Immunkompetenz nachlässt oder eine bestimmte Krankheitsdisposition für eine Krebsart sich bereits durchgesetzt hat, beginnt der Krebs lokal zu wachsen. Er durchbricht die Basalmembran und fängt an, infiltrierend zu gedeihen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann erfolgt die Metastasierung. Einzelne Zellen siedeln sich ab, beginnen im Organismus zu wandern. Parallel dazu verändert sich der Gesundheitszustand des betroffenen Menschen insgesamt. Krebs ist eine Allgemeinerkrankung. Der Appetit, das Lebensgefühl, das Schlaf/Wach-Verhalten und die Rhythmen von Herz und Atmung ändern sich. Die Temperaturkurve wird in der Regel flach, manchmal sogar starr, ohne Morgen/Abend-Differenz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lässt man all dies auf sich wirken und fragt nach der Eigenart eines solchen Prozesses, so erlebt man ihn als „willkürlich“. Die Körperfunktionen laufen aus dem Ruder. Es bilden sich durch die Metastasierung irgendwo Ansätze zu neuen Organbildungen, völlig willkürlich. Ordnung, Kontrolle, Integrationsfähigkeit schwinden und weichen der Entdifferenzierung, der Schrankenlosigkeit, „der Willkür“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Gesten der Krebserkrankung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Symptome der Krebserkrankung zeigen zusammengefasst also folgende Gesten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Geste: Eine Zelle beginnt sich der immunologischen Kontrolle zu entziehen und ungehemmt zu vermehren – Geschwulst.&lt;br /&gt;
# Geste: Die so gebildeten Zellen brechen aus der normalen Organfunktion aus.&lt;br /&gt;
# Geste: Sie werden zu Satelliten, die den Körper durchwandern und neue Organe zu bilden beginnen – Metastasen.&lt;br /&gt;
# Geste: Die ganze Konstitution wird komplett verändert, Rhythmen, Schlaf, Appetit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Signatur des Krankheitsverlaufs macht es deutlich: Die Krebserkrankung bildet physisch-physiologisch den auf geistiger Ebene so gesunden „Freiheitsimpuls“ ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Krebs durch nicht ausgelebten Freiheitsimpuls&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Spirituell gesehen ist der Krebs eine Erkrankung, bei der sich der Freiheitsimpuls seelisch und geistig nicht in der Weise ausleben kann, wie es im Schicksal des betreffenden Menschen liegt. Damit passt der bisher noch nicht aufzuhaltende Siegeszug dieser Krankheit in unsere Zeit, wo jeder Mensch im Grunde vor der Entwicklungsaufgabe steht, seine Identität als Mensch zu erfassen und seine Freiheit gebrauchen zu lernen.[2] Im Krankheitsverlauf erlebt und vollzieht er also unbewusst, was er eigentlich bewusst lernen möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielen Krebspatienten wird enorm geholfen, wenn sie das zu begreifen beginnen. Das Interessante ist, dass die Psycho-Onkologie zunehmend mit dem Autonomie-Konzept arbeitet. Man kann vom anthroposophischen Gesichtspunkt aus zutiefst verstehen, dass es nicht anders sein kann. Wir wissen das nicht nur aus empirischen Studien und Dokumentationen, sondern aufgrund tiefer Einsichten in das Wesen dieser Krankheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Raphael und die Mysterien von Krankheit und Heilung“, Medizinische Sektion am Goetheanum 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Meditative Betrachtungen und Anleitungen zur Vertiefung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 316, Dornach 2008.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Siehe auch Michaela Glöckler, &#039;&#039;Gibt es eine Prävention der Krebserkrankung?&#039;&#039;, Der Merkurstab 62:416-420, 2009.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== RHEUMATISCHER FORMENKREIS UND SEIN GEISTIGES GEGENBILD ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sagt uns das geistige Gegenbild des rheumatischen Formenkreises über die Hintergründe dieser Erkrankung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sagt es uns hinsichtlich der Heilmöglichkeiten?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Schaffe dir Augenblicke innerer Ruhe&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Besonders eindrücklich erweist sich die von Rudolf Steiner im &#039;&#039;Jungmedizinerkurs&#039;&#039; geschilderte Betrachtungsart, eine Erkrankung zugleich mit ihrem gesunden geistigen Gegenbild als eine Art „Himmelsimagination“ zu erfassen,[1] beim rheumatischen Formenkreis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier bildet sich an der vor Schmerz ruhiggestellten Gliedmaße in der körperlichen Symptomatik das ab, was Inhalt der ersten zentralen Übung im Schulungsbuch Rudolf Steiners ist: &#039;&#039;„Schaffe dir Augenblicke innerer Ruhe und lerne in diesen Augenblicken das Wesentliche von dem Unwesentlichen unterscheiden.“&#039;&#039;[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Menschen mit rheumatischen Störungen fragen: &#039;&#039;Was kann ich zur Heilung meiner Krankheit beitragen?&#039;&#039; – und nur dann ist es uns erlaubt zu sprechen &#039;&#039;–&#039;&#039; kann man ihnen eine Meditation der inneren Ruhe geben, also das geistige Gegenstück der Krankheit nennen. Wird sie durchführt, schlagen alle Medikamente besser an. Hier ein sehr schönes Beispiel:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich trage Ruhe in mir,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich trage in mir selbst&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Die Kräfte, die mich stärken.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich will mich erfüllen&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Mit dieser Kräfte Wärme,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich will mich durchdringen&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Mit meines Willens Macht.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und fühlen will ich&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie Ruhe sich ergießt&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Durch all mein Sein,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wenn ich mich stärke,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Die Ruhe als Kraft&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;In mir zu finden&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Durch meines Strebens Macht.[3]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dieser Meditation werden die entsprechenden Kräfte wieder in das Seelisch-Geistige gehoben, wo sie herkommen und wo sie hingehören. Rudolf Steiner erläuterte diese Prinzipien vor den Jungmedizinern, um ihnen zu helfen zu verstehen, warum Patienten diese oder jene Erkrankung hatten. Das gab ihnen eine sehr grundlegende geistige Orientierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Raphael und die Mysterien von Krankheit und Heilung“, Medizinische Sektion am Goetheanum 2015&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Meditative Betrachtungen und Anleitungen zur Vertiefung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 316, Dornach 2008.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?&#039;&#039;, GA 10, Dornach 1993, S. 29-30.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Mantrische Sprüche - Seelenübungen II&#039;&#039;., GA 268, S. 179.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== IMMUNSCHWÄCHE DER HIV-ERKRANKUNG UND IHR GEISTIGES GEGENBILD ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist das geistige Gegenbild der HIV-Erkrankung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was will es uns sagen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Selbstlosigkeit als Entwicklungsaufgabe&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der HIV-Kranke erlebt, wie sein Immunsystem, das biologisch gesehen optimalerweise egoistisch sein &#039;&#039;müsste&#039;&#039;, immer „altruistischer“, d.h. selbstloser, wird und damit immer schwächer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jungmedizinerkurs schildert Rudolf Steiner eindrücklich, weshalb eine Erkrankung zugleich mit ihrem gesunden geistigen Gegenbild als eine Art „Himmelsimagination“ erfasst werden müsste.[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entsprechend wäre das geistige Gegenbild der HIV-Erkrankung, das am falschen Ort die Symptomatik der Krankheit hervorruft, die geistige Charaktereigenschaft der Selbstlosigkeit. Selbstloser Dienst am Menschheitsganzen ist &#039;&#039;der&#039;&#039; Ausgleich für die materialistische Weltanschauung und die gegenwärtig herrschende Kulturstimmung und Gesinnung. Selbstlose Dienstbereitschaft ist aber auch die Ausgangsbedingung für den christlich-rosenkreuzerischen Schulungsweg, den Rudolf Steiner in seinen Schriften zur geistigen Schulung beschreibt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Er [der Geheimschüler] lernt nicht, um das Gelernte als seine Wissensschätze aufzuhäufen, sondern um das Gelernte in den Dienst der Welt zu stellen.“[2]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So kann man in dieser Erkrankung auch eine typische Zeitkrankheit sehen. Was ein Teil der Menschheit verursacht, wird von anderen kompensiert. Man kann – insbesondere in Afrika – sehen, dass viele Menschen leiden müssen, während sich die Verursacher der materialistischen Gesinnung durch ihr Wissen schützen können. Doch im folgenden Erdenleben werden die in diesem Leben Erkrankten wiedergeboren mit den Früchten dieser Krankheit: mit einer Veranlagung zur Selbstlosigkeit und inneren Stärke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Raphael und die Mysterien von Krankheit und Heilung“, Medizinische Sektion am Goetheanum 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Meditative Betrachtungen und Anleitungen zur Vertiefung der Heilkunst, GA 316, Dornach 2008.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?,&#039;&#039; GA 10, Dornach 1993, S. 28.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== GESTALTUNGSKRÄFTE DER ICH-ORGANISATION UND GICHT ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was haben Astralleib und Ich-Organisation mit dem Ausbruch von Gicht zu tun?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielt die Harnsäure dabei?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kommt es zur Bildung von Nierensteinen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Genetische Ursachen für die Entstehung von Gicht&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Gicht steht in Kapitel XI von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; paradigmatisch für die Auseinandersetzung der Individualität mit ihrem Erbgut. Wenn die Ich-Organisation geschwächt ist, kann sie ihrer ureigenen Aufgabe nicht gerecht werden. Eine der Folgen davon ist, dass sie nicht zureichend in der Lage ist, den physischen Leib bis in seine kleinsten Teile durchzugestalten und zu einem Abbild der Ich-Organisation zu machen. Dann ist es ihr auch nicht möglich, den befruchteten Eikeim, in dem das mütterliche und väterliche Erbgut zusammengekommen sind, dem eigenen Gestaltungswillen anzupassen. Die Folge ist eine schon vorkonzeptionell schwächer veranlagte Ich-Organisation – was möglicherweise in erblichen Belastungen und auch Gendefekten resultiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner und Ita Wegman schreiben dazu: &#039;&#039;„Die Vererbungskräfte haben ihren Sitz in der physisch-ätherischen Konstitution. Wenn es der Ich-Organisation nicht gelingt, mithilfe der astralischen Organisation die physisch-ätherische den eigenen Erfordernissen gemäß anzupassen, können Krankheitssymptome die Folge sein. Ein Gelenkknorpel oder eine Bindegewebspartie können mit Harnsäure nur dadurch und dadurch die Überbürdung mit Unorganischem in ihnen bewirkt werden, dass in diesen Körperteilen die Ich-Tätigkeit hinter der Astralwirksamkeit zurückbleibt. Da die ganze Form des menschlichen Organismus ein Ergebnis der Ich-Organisation ist, so muss durch die gekennzeichnete Unregelmäßigkeit eine Deformierung der Organe eintreten. Der menschliche Organismus strebt da aus seiner Form heraus.“[2]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Bestandteile der Harnsäure&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ein erhöhter Harnsäure-Spiegel zeigt nicht nur Gicht an, sondern die Harnsäure selbst ist ein Abbauprodukt der sogenannten Purin-Basen, die zentrale Bausteine des Erbgutes sind, d.h. auch des Zellkerns des jeweiligen Eiweißträgers, der mit der Nahrung aufgenommen wird.[3]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es besteht ein grundlegender Unterschied zwischen den Purin- und Pyrimidin-Basen. Beide können zwar aus den eigenen Stoffwechsel-Ressourcen des Körpers aufgebaut werden, sind also nicht essenziell wie einige Aminosäuren, ungesättigte Fettsäuren und Vitamine.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Aber nur die &#039;&#039;&#039;Pyrimidinbasen&#039;&#039;&#039; können vom Organismus komplett auch wieder ab- und umgebaut werden und sind damit rezyklierbar. &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Purinbasen&#039;&#039;&#039; hingegen sind es nicht, der Körper kann sie nur bis zur Harnsäure abbauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese muss dann bis zu einem Gramm täglich ausgeschieden werden. Der Harnsäurespiegel im Blut beträgt durchschnittlich 6,4 mg/dl bzw. 380 Mikromol/l. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Schritte der Ausscheidung von Harnsäure&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ca. &amp;lt;nowiki&amp;gt;&amp;lt;b&amp;gt;75% der auszuscheidenden Harnsäuremenge&amp;lt;/b&amp;gt;&amp;lt;/nowiki&amp;gt; gehen über die Nieren. Damit es hier aber nicht zu Steinbildungen kommt, wird die &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* von der Leber an das Blut abgegebene Harnsäure &lt;br /&gt;
* zunächst vom Nierengewebe glomerulär filtriert,&lt;br /&gt;
* dann aber zu 90 % wieder tubulär ins Blut rückresorbiert,&lt;br /&gt;
* so dass jeweils nur 10 % davon im konzentrierten Urin erscheinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;&#039;25%&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;der auszuscheidenden Harnsäuremenge&#039;&#039;&#039;, die nicht über die Nieren ausgeschieden werden, können auf dem Blutweg anderen Ausscheidungsorten zugeleitet werden, wie &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* der Haut (Schweiß), &lt;br /&gt;
* den Speicheldrüsen (Speichel)&lt;br /&gt;
* und ein Großteil davon über den Darm (intestinale Sekretion).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ursachen für Nierensteinbildung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Gelangt sie jedoch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* in das Bindegewebe,&lt;br /&gt;
* in die Gelenke,&lt;br /&gt;
* in die Ohrknorpel&lt;br /&gt;
* und ins Nierenmark,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so bilden sich dort schmerzhafte extra- und intrazelluläre Ablagerungen von feinsten Natrium-Urat-Kristallen/Mononatriumuratkristallen bis hin zu Nierensteinen. Im genannten Kapitel heißt es dazu: &#039;&#039;„Der astralische Leib macht durch seine Tätigkeit die Organe geneigt, die unorganischen Einlagerungen der Ich-Organisation aufzunehmen.“[4]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Bildung von Nierensteinen, Harnsäureausscheidung und Gicht&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Zur Nierensteinbildung kommt es bevorzugt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* bei einer Verschiebung des Säure-Basen-Gleichgewichtes in Richtung &#039;&#039;&#039;Azidose (saures Milieu)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* und bei &#039;&#039;&#039;geringerer Sauerstoffversorgung&#039;&#039;&#039; (bradytrophe Gewebe), wie dies beispielsweise für die Knorpelgewebe der Fall ist.&lt;br /&gt;
* Da Ethanol/Alkohol die &#039;&#039;&#039;Harnsäureausscheidung hemmt&#039;&#039;&#039; und damit auch die Azidose fördert, kann übermäßiger Konsum einen Gichtanfall auslösen.&lt;br /&gt;
* Letzteres ist aber auch bei &#039;&#039;&#039;purinreicher Nahrung&#039;&#039;&#039; (z.B. hohem Konsum von Eiern, Fleischprodukten, Fisch) der Fall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Arbeitet der menschliche Astralleib in gesunder Weise, gelingt die Harnsäureausscheidung im Stoffwechselgebiet und die Imprägnierung mit Unorganischem ist ausgewogen. Ist dieses Verhältnis gestört, wodurch ein Organ mit zu viel Harnsäure überladen wird, die von der Ich-Organisation nicht bewältigt werden kann, so muss sich die Harnsäure im Organismus selbst ablagern und die Ursache für Gicht ist gegeben: &#039;&#039;„Es wird wenig Harnsäure ausgeschieden, dafür umso mehr Unorganisches im Sinne der Ich-Organisation eingelagert.“[5]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Harnsäure wird so gesehen zum Indikator dafür, &#039;&#039;„ob zwischen der Ich-Organisation und dem astralischen Leib in irgendeinem Organ oder Organsysteme das rechte Verhältnis besteht.“[6]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fieber zur Stärkung der Ich-Organisation nützen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Für die Prävention und Behandlung der Gicht geht es aus anthroposophischer Perspektive in erster Linie um eine Stärkung der Ich-Organisation gegenüber dem ererbten Leib. Rudolf Steiner hat schon früh auf die Bedeutung der fieberhaften Kinderkrankheiten hingewiesen – auch wenn man damals noch nicht wusste, dass Fieber nicht nur das Immunsystem stimuliert, sondern infolge dieser Stimulation auch modulierende Einflussnahmen auf das Erbgut möglich sind.[7] Er betonte in seinen Ausführungen, dass die fieberhaften Kinderkrankheiten guter Behandlung bedürfen, weil man so dem Kinde helfen könnte, sich den von den Eltern ererbten Leib besser den eigenen Bedürfnissen anzupassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Studien haben inzwischen deutlich aufgezeigt, dass Viren und Bakterien bei einer Temperatur im Bereich von 39°–40° in ihrer Vermehrung gehemmt bzw. auch abgetötet werden, und das Immunsystem in diesem Temperaturbereich besser und schneller funktioniert. Fieber ist also eine hoch wirksame Antwort des Körpers, um Viren und Bakterien zu bekämpfen und das Immunsystem zu stimulieren. Seitdem das bekannt ist, greifen auch erfahrene Schulmediziner nicht mehr reflexartig zu fiebersenkenden Mitteln.[8] Sie gehen auch mit dem Einsatz von Antibiotika bedachter um – nicht zuletzt auch deshalb, um nicht ohne Not die Antibiotika-Resistenz weiter zu fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[9]&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27, S. 56.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Siehe FN 1, S. 58,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Das Erbgut/Genom bei Pflanze, Tier und Mensch besteht aus Basenpaaren, die jeweils aus einer Purin- und Pyrimidin-Base bestehen, die zusammen mit einer Phosphorgruppe und einem Pentose-Zucker (Ribose oder Desoxyribose) als RNA/Ribonukleinsäure oder DNA/Desoxyribonucleinsäure vorliegen. Die definitive Strukturaufklärung als Doppelhelix mit Hilfe der Röntgenkristall-Strukturanalyse wurde zwar erst nach dem Zweiten Weltkrieg möglich, doch schon zu Steiners Zeit war die 1898 durch Emil Fischer (1852–1919) erstmals synthetisierte Purinbase (lat. purus: rein) bekannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe FN 1, S. 56.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Siehe FN 1, S. 57.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Vgl. Mehler und Purpura (2009); Krafft u. a. (2023).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Ein Forschungsteam um David Martin an der UWH unter Mitarbeit des Verbandes der Kinder- und Jugendärzte hat eine FeverApp entwickelt, welche Eltern dabei unterstützt, im Falle eines Fieberschubs ihre Kinder mit wissenschaftlich basierten Informationen in der akuten Behandlung zu begleiten und nicht bei Fieber sogleich ein Fieber senkendes Mittel zu geben: Vgl. www.feverapp.de/forschung/pressemitteilung-publikationen; [6.1.2025].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== WESENSGLIEDERDIAGNOSE BEI CHARAKTERISTISCHEN KRANKHEITSFÄLLEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche charakteristischen Krankheitsfälle beschreiben die Autoren in Kapitel XIX von „Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern gibt die Wesensgliederdiagnose Aufschluss über die Konstitution der Patienten?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielt sie bei der Therapiefindung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Hierarchische Ordnung der Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das Zusammenwirken der Wesensglieder ist nach anthroposophischer Vorstellung hierarchisch geordnet: Beim gesunden Menschen ist der ganze Körper bis in die letzten Zellstrukturen ein Ergebnis der ganzheitlich gestaltenden Kräfte der Ich-Organisation. Diese durchgreifende Gestaltung ist aber nur möglich, wenn die astralische Organisation beweglich und kräftig genug ist, die Wärmeimpulse der Ich-Organisation in die ihm eigenen Luftstrukturen und Bewegungsdynamiken aufzunehmen und so auf die ätherische Organisation zu übertragen, so dass diese ihre Aufgabe in den biochemischen Prozessen des wässrigen Körpermilieus infolge dieser Anregungen optimal erfüllen kann. Gelingt dies, ist physische Gesundheit die Folge und die Organe sind voll funktionstüchtig und gut ausgebildet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist nun eines dieser Wesensglieder geschwächt oder gegenüber den anderen zu stark in seiner Aktivität, kommt das ganze System, d.h. die menschliche Konstitution, in einen labilen Zustand, in dessen Folge sich auch einer der im Folgenden geschilderten Krankheitsprozesse entwickeln kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== A SKLEROSE ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Erscheinungsbild und Symptome ====&lt;br /&gt;
Unter Sklerose wird eine Vielzahl von Krankheitsbildern zusammengefasst, denen gemeinsam ist, dass Ablagerungs- und Verhärtungsprozesse in den betroffenen Strukturen und Organen stattfinden, die entweder auf Entzündungen oder degenerative Alterungsprozesse und Vermehrung bindegewebiger Strukturen (Kollagenbildung) zurückgehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was im Einzelnen die sklerotischen Prozesse einleitet, ist derzeit noch nicht zureichend geklärt. Fakt ist jedoch, dass Lebensstil, Essgewohnheiten, Übergewicht, Bewegungsmangel, Stress, Schlafmangel und andere Begleiterscheinungen des modernen Lebens nicht unwesentlich zu ihrem Entstehen beitragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Wesensgliederdiagnose ====&lt;br /&gt;
Die Wesensgliederdiagnose der 61jährigen Patientin in Kapitel XIII von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039;&#039;[2]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; ergibt &#039;&#039;„eine Übertätigkeit des Astralleibes, […] die vom physischen und Ätherleibe nicht resorbiert wird. Eine normale feste Haltung der menschlichen Organisation ist nur möglich, wenn diese Resorption eine vollständige ist.“[3]&#039;&#039; Die klinischen Symptome stützen diese Sicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Therapie ====&lt;br /&gt;
Die sich daraus ergebende Therapie umfasst primär das &#039;&#039;Skleron&#039;&#039;, das die Eingliederung des übertätigen Astralleibes in die Gesamtkonstitution befördern soll. Warum ihm diese Wirkung zugeschrieben werden kann, wird im folgenden Kapitel eingehend erläutert. Zusätzlich werden verschiedene, auf die Symptome abgestimmte Arzneimittel, äußere Anwendungen, Klistiere. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht hier nicht um die Wiedergabe einer Verlaufsdokumentation, sondern wie es die Überschrift des Kapitels klarstellt: um charakteristische Krankheitsfälle. D.h. es geht darum, anhand bestimmter am Einzelfall abgelesener Wesensglieder-Diagnosen Einblick zu geben in die anthroposophische Diagnostik und die Therapiefindung einer ‚typischen‘ Krankheit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== B STRUMA ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Erscheinungsbild und Symptome ====&lt;br /&gt;
Die Struma (der Begriff kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Drüsenschwellung oder Geschwulst bzw. ‚Kropf‘) ist in Jodmangelgebieten endemisch, d.h. sehr häufig und geht von geringfügig bis zum ausgeprägten ‚Kropf‘, der – so er mit Beschwerden verbunden ist – auch operationsbedürftig werden kann. Wichtig ist aber auch hier zu konstatieren, dass die Struma in Jodmangelgebieten nur bei ca. 30 % der Bevölkerung auftritt.[4] Das bedeutet zugleich, dass 70 % der dort lebenden Menschen keine Struma entwickeln. Auch hier kommt es auf einen disponierenden Faktor an, den die Autoren als typisch im Wesensgliedergefüge der betroffenen Menschen – überwiegend Frauen – feststellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Wesensgliederdiagnose ====&lt;br /&gt;
Bei der Patientin, die im 34. Lebensjahr zur Behandlung kommt, ergibt die geisteswissenschaftliche Diagnose &#039;&#039;eine „hochgradige Atonie des Astralleibes. Dadurch ist die Ich-Organisation vom physischen und Ätherleib zurückgestaut“.[5]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Therapie ====&lt;br /&gt;
Die Patientin wurde vom Spätherbst 1923 bis zum Januar 1924 mit &#039;&#039;Colchicum&#039;&#039; behandelt. Der Rückgang der Geschwulst nach zwei Monaten Behandlung ist klar dokumentiert. Die Colchicum-Behandlung wurde seither von vielen anthroposophischen Ärzten mit Erfolg eingesetzt.[6] &#039;&#039;Friedwart Husemann&#039;&#039; hat in seinem Buch über Anthroposophische Medizin das Wirkprinzip der Giftpflanze Colchicum autumnale in meisterlicher Kürze so charakterisiert:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Die Blätter lassen im Frühling eine unterirdische große Knolle heranwachsen, die eine zweite kleine Knolle für die Blüten im Herbst unterhält. Gleichzeitig wird die Entwicklung der zu dieser zweiten Knolle gehörenden Blätter und Früchte gehemmt, sodass im Herbst aus der kleinen Knolle nur die Blüte erscheint. Die zu dieser Blüte gehörenden Blätter und Früchte kommen erst im nächsten Frühling heraus und tragen dann zur Vergrößerung der zu ihnen gehörenden Knolle bei. Die Knollen verbinden also ein die Jahresgenerationen überbrückendes Prinzip mit einem das Wachstum hemmenden Prinzip.“[7]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== C HEUFIEBER ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Erscheinungsbild und Symptome ====&lt;br /&gt;
Der allergische Formenkreis und mit ihm die Pollenallergie ist weltweit im Zunehmen begriffen und wird durch die zivilisationsbedingte Luftverschmutzung und Feinstaubbelastung noch verstärkt, weil die Pollen auch mit diesen Partikeln beladen sind und das Immunsystem zusätzlich reizen. Gemäß einer Studie in der Schweiz ist bereits jeder sechste Erwachsene betroffen und über 40 % der 15jährigen Schulkinder sind auf mindestens ein Allergen sensibilisiert.[8]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Therapie ====&lt;br /&gt;
Der betroffene Patient im Kapitel XIX kommt im Alter von 40 Jahren, leidet aber schon seit seiner Kindheit daran, was typisch ist. Das dafür entwickelte anthroposophische Arzneimittel &#039;&#039;Gencydo&#039;&#039; konnte hier erfolgreich zur Anwendung gebracht werden und wird auch in Kapitel XX bezüglich seiner Wirkungsweise eingehend erläutert. In diesem Kontext ist aber auch interessant, dass &#039;&#039;Alm/Swartz&#039;&#039; in einer im Lancet publizierten Pilotstudie in Schweden nachweisen konnten, dass Schüler an Waldorfschulen signifikant weniger Allergien aufweisen als solche an öffentlichen Schulen. Dies wurde in einer multizentrischen Folgestudie weiter untersucht (PARSIFAL Study). Auch wenn diese unter weniger idealen Vergleichsbedingungen stattfand als die schwedische Studie, konnte doch gezeigt werden: An Waldorfschulen hatten die Kinder gegenüber denen, welche öffentliche Schulen in der Stadt und in ländlichen Gebieten besuchten, die geringste Allergie-Bereitschaft und das – erstaunlicherweise – obwohl die familiäre Belastung der Kinder an Waldorfschulen höher war, als die der beiden Vergleichsgruppen.[9]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Folgestudien auf noch breiterer Basis wären sehr erwünscht. Sie könnten zeigen, dass auf epigenetischen Wegen eine gesundheitsfördernde Erziehung einer bestehenden erblichen Belastung positiv entgegenwirken kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D MIGRÄNEARTIGE ZUSTÄNDE IM KLIMAKTERIUM ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Erscheinungsbild und Symptome ====&lt;br /&gt;
Bei manchen Frauen beginnen die sogenannten Wechseljahre des Klimakteriums (altgriech. ϰλιμαϰτέρ: Leitersprosse, Stufe) bereits mit 40 Jahren, bei anderen erst Mitte 50. Spätestens mit 60 Jahren haben Frauen die Wechseljahre in der Regel hinter sich und der Körper hat wieder gelernt, mit einem niedrigeren Hormonspiegel im Blut zu leben – so wie das vor Einsetzen der Pubertät der Fall war. Wenn jedoch die Eierstöcke operativ entfernt werden müssen, setzt das Klimakterium unmittelbar und damit ‚schockartig‘ ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Patientin in Kapitel XIX, die sich im Alter von 55 Jahren erstmals vorstellt, handelt es sich um ein komplexes Krankheitsgeschehen, in dem eine konstitutionelle Schwäche schon als Kind (zart und schwächlich), schmerzhafte Periodenblutungen, eine operative Entfernung des Uterus im 40. Lebensjahr mit dadurch jäh einsetzenden Wechseljahresbeschwerden zu berücksichtigen sind. Leitsymptom, das zur Behandlung führt, ist jedoch die Kopfschmerzproblematik, die im 46. Lebensjahr &#039;&#039;„zu einer drei Tage dauernden, mit Bewusstlosigkeit verbundenen Kopfkrankheit“[10]&#039;&#039; geführt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Wesensgliederdiagnose ====&lt;br /&gt;
Wesensgliederdiagnostisch wurde eine &#039;&#039;„allgemeine Schwäche der Ich-Organisation“&#039;&#039; festgestellt. Wird die Vitalität des Ätherleibes durch die Ich-Organisation nicht genügend abgelähmt, können sich vegetativ-organische Tätigkeiten ungehindert ausbreiten, auch über das Kopf- und Nerven-Sinnessystem. Der starke Urindrang &#039;&#039;„rührt davon her, dass dem normal entwickelten Astralleib, welcher die Nierenabsonderung regelt, keine sie normal zurückhaltende, genügend starke Ich-Organisation gegenübersteht. Ein zweites Symptom ist das späte Einschlafen und das müde Aufwachen. Der Astralleib geht schwer aus dem physischen und Ätherleibe heraus, weil das Ich ihn nicht genügend stark herauszieht [aus dem physischen Leib, M.G.]“[11]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Therapie ====&lt;br /&gt;
Die ganze Therapie galt dem Ziel, die diagnostisch festgestellte &#039;&#039;„allgemeine Schwäche der Ich-Organisation“&#039;&#039; soweit wie möglich zu beheben. Alle Krankheitssymptome, unter denen die Patientin leidet, werden unter diesem Aspekt interpretiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb kommt nicht das Migränemittel &#039;&#039;Biodoron&#039;&#039; als typisches Arzneimittel für die klassische Migräne zum Einsatz. Vielmehr lassen sich die Symptome erst bessern, nachdem eine Potentilla-Tormentilla (Blutwurz, eine Rosacee) – Behandlung begonnen wurde. So ist diese Krankengeschichte zugleich auch ein eindrückliches Beispiel dafür, dass auch typische Krankheiten bisweilen einer individuellen Therapiefindung bedürfen: &#039;&#039;„Wir versuchten zunächst Besserung zu erzielen mit Antimon. Dasselbe hätte die Besserung erzeugen müssen, wenn der allgemeine, unter der Regulierung der Ich-Organisation stehende Stoffwechsel in Betracht gekommen wäre. Die Besserung wurde dadurch nicht erzielt. Es war dadurch der Beweis gebracht, dass der relativ selbständige Teil der Ich-Organisation, der vorzüglich die Fortpflanzungsorgane reguliert, in Betracht kommt. Dafür sehen wir in der Wurzel der Potentilla-Tormentilla bei sehr starker Verdünnung ein Spezifikum, und in der Tat, dies wirkte.“[12]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;Blutwurz&#039;&#039; ist eine in der Volksmedizin und Pflanzenheilkunde bekannte und vielfach bewährte Arzneipflanze. Ihr Wurzelstock enthält Gerbstoffe, Glykoside, den Tormentillrot-Farbstoff und Säuren. Ihre zusammenziehende (adstringierende), entzündungshemmende, blut- und krampfstillende sowie stopfende (Darm)Wirkung ist bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum, bei Magen-Darm-Beschwerden (Blähungen, Durchfallerkrankungen, Kolitis) sowie bei chronischer Bronchitis, Gelbsucht, Ekzemen, Parasitenbefall und eben auch bei starker Menstruationsblutung positiv bekannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[13]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“,&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ebenda, Kap. XIX.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Ebenda, S. 108.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe z. B. &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://deximed.de/home/klinische-themen/endokrinologie-stoffwechsel/krankheiten/schilddruesenerkrankungen/knotenstruma&amp;lt;/nowiki&amp;gt;; [6.1.2025].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Siehe FN 1, S. 110.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Siehe F. Husemann, &#039;&#039;Anthroposophische Medizin&#039;&#039;, 2011b, S. 138 und 147–150.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Ebda, S. 132–136.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Siehe die SAPAL-DIA-II-Studie (Swiss Study on Air Pollution and Lung Diseases in Adults): Schmid-Grendelmeier (2009), 7–10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Siehe Alm und Swartz (1999), 1485–1488; Flöistrup u. a. (2006), 59–66 und Schram (2005), 611–618 und 1272–1278.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Siehe FN 1, S. 112.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Siehe FN 1, S. 114.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FÜNF TORE FÜR KRANKHEIT UND HEILUNG ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Über welche Tore erreichen Krankheit wie auch Heilung den Menschen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Krankheitsursachen und Heilmöglichkeiten auf fünf Ebenen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Es gibt fünf Möglichkeiten bzw. Ebenen, die Krankheit verursachen können:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Physische Ebene ====&lt;br /&gt;
Zur physischen Ebene gehören ungesunde Einflüsse aus der Umwelt, falsche Ernährung sowie alles, was unseren physischen Körper angreift und ihm Schaden zufügt – wie z.B. Missbrauch und physische Gewalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heilend wirken dagegen alle Einflüsse, die den physischen Leib stärken und ihm wohltun. Dazu gehört auch die physische Komponente aller Körpertherapien und Bäder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ätherische Ebene ====&lt;br /&gt;
Zur ätherischen Ebene gehört unser Umgang mit Zeit und Rhythmus. Wir werden krank durch einen falschen Umgang mit der Zeit, der sich in fehlenden Lebensrhythmen und verschiedensten ungesunden Gewohnheiten niederschlägt, die den Lebensprozessen zuwiderlaufen. Dazu gehört aber auch unser Gedankenleben, ob wir unserem Denken eine geistige Ausrichtung geben oder ob es in sinnlichen Vorstellungen befangen bleibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heilend wirken eine rhythmische, die Lebensprozesse unterstützende Lebensweise sowie Gedanken, die sich an geistigen Inhalten ausrichten wie z.B. an den christlichen Idealen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Astrale bzw. Beziehungsebene ====&lt;br /&gt;
Zur astralen Ebene gehören unsere Beziehungen sowie unser gesamtes Schicksalsumfeld. Wir können krank werden durch belastende menschliche Beziehungen, durch Unehrlichkeit, Verlogenheit, Missgunst, Misstrauen, Desinteresse, Respektlosigkeit zwischen Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir umgekehrt Wahrhaftigkeit, Interesse und Respekt vor unserer Autonomie erleben und anderen ebenso begegnen, fühlen wir uns seelisch gestärkt, was sich gesundend auf alle Wesensglieder auswirkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Identität – Ich-Ebene ====&lt;br /&gt;
Zur Ich-Ebene gehört, inwieweit wir uns unserer Identität, des seelisch-geistigen Wesens unseres Ich, bewusst sind. Gesundheit und Krankheit sind weitgehend davon abhängig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Mensch, der mit sich selbst uneins ist, der mit anderen Menschen, mit seinem Schicksal und seinem Beruf hadert, unterliegt einer permanenten Selbstkränkung, die dadurch zustande kommt, dass er sich in seinem Verhältnis zur Welt nicht kennt. Angelus Silesius formuliert dieses Rätsel kurz und prägnant mit folgenden Worten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich weiß nicht, wer ich bin.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich weiß nicht, was ich weiß.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich bin ein seltsam Ding,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;ein Pünktchen und ein Kreis.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer lernt, sich als Individuum zu begreifen und zu bejahen mit individuellen Entwicklungsherausforderungen, zugleich sich aber auch seiner sozialen Aufgabe bewusst ist als Umwelt für andere, wird in diesem Spannungsfeld keinen Widerspruch erleben, sondern eine Quelle der Heilung und Kraft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Weltbezug – allgemein-menschliche Ebene ====&lt;br /&gt;
Das letzte Tor für Krankheit ist die allgemein-menschliche Ebene und hat mit unserem Verhältnis zur Mitwelt zu tun. Denn alles, was wir je gelernt haben, was wir unbewusst in der Weisheit unserer Wesensglieder als Gedanken über die Welt, als Beziehung zur Welt, als Identitätsbewusstsein und Willenskraft entwickelt haben, ist uns nur in der Begegnung mit anderen Menschen und mit der Welt bewusst geworden. A&#039;&#039;lles&#039;&#039;, was wir sind, haben unserer Mitwelt zu verdanken. Zu den Erfahrungen, von denen wir profitiert haben, gehören auch die unangenehmen, diejenigen, in denen wir gemobbt, geärgert, betrogen und angelogen wurden. Denn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* durch all das erwacht einerseits das Bewusstsein, wie destruktiv solche Verhaltensweisen doch sind. Wir sollten uns deshalb eingestehen, dass wir eine solche Behandlung offensichtlich nötig hatten, um ihr destruktives Potential kennenzulernen.&lt;br /&gt;
* Andererseits können wir aber auch Mitleid entwickeln an den destruktiven Zeitverhältnissen und den Verhaltensweisen, die sie hervorbringen: Sie können uns daran erinnern, dass es unendlich viel Leid in der Welt gibt und dass es uns selbst vielleicht ein bisschen zu gut geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Mysterium der menschlichen Identität&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Alles Destruktive, das uns begegnet, hat einen Sinn, denn es macht uns wach für das Gute. Natürlich tut es weh und schmerzt, aber es bringt Erkenntnis mit sich und stählt den Willen zum Guten. Alles Positive dagegen gibt uns Kraft und Hoffnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erlebt man sich als Mensch unter Menschengeschwistern, die voneinander lernen, einander begleiten, sich gegenseitig Unterstützung sind, so gut es eben geht, fühlt man sich geborgen in einem Entwicklungszusammenhang, der ohne die anderen nicht denkbar wäre. Die daraus erwachsende Dankbarkeit und das Vertrauen, dass der Umkreis die Lernerfahrungen bereithält, die man gerade braucht – auch die sogenannten negativen – wirken zutiefst gesundend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dank der ganz individuellen Umgebung, die jeder von uns hat, wird unser allgemein von den Göttern geschenktes Leben zu etwas Individuellem: Erst durch die Annahme unseres persönlichen Schicksals werden wir ganz wir selbst, aber auch durch unseren individuellen physischen Leib und unsere ganz individuelle physische Umgebung. Je mehr man dieses Mysterium der menschlichen Identität begreift, umso gesünder wird man.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag anlässlich des Jubiläums des 100. Geburtstags von Werner Junge, Okt. 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== SPIRITUELLE PRÄVENTION ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was wird durch Krankheit gelernt und wie wirkt es sich aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann aus diesem Verständnis heraus auf spiritueller Ebene Krankheit vorgebeugt werden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Geistiges Verständnis von Krankheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ein geistiges Verständnis von Krankheit geht weit über die psychologische Deutung und die körperlichen Untersuchungsmöglichkeiten hinaus und wird dadurch erst der Würde des Menschen ge­recht. Auf dieser Ebene ist es dann auch möglich, die Krankheit selbst als etwas Heilsames anzunehmen, ja lieben zu lernen. Denn sie lässt den Menschen auf körperlicher Ebene etwas erleben, was er auf bewusste Weise zu leben nicht oder nicht genügend in der Lage war, und fördert damit seine Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Früchte eines solch unbewussten, durch die Krankheit her­beigeführten und mit dem Tode endenden Lernprozesses können sich zwar oft in diesem zu Ende gehenden Erdenleben nicht mehr zeigen. Sie werden aber, so wie alle Erdenerfahrungen, in das nachtodliche Leben mitgenom­men und beeinflussen die Art und Weise, wie das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt in der geistigen Welt durchgemacht wird. Im nächs­ten Leben können sie dann als „mitgebrachte&amp;quot;, das heißt bereits in einem früheren Leben erworbene Fähigkeiten auftreten und unter Umständen die ganze Biographie prägen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Sich am Gesunden orientieren&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Eine spirituelle Krankheitsvorbeugung kann sich nur am gesunden Menschen und seiner Bestimmung orientieren. Sie beruht auf dem freiwilligen Zuvor­kommen von Krankheiten durch die Einsicht in die Entwicklungsmöglichkeiten und -notwendigkeiten des Menschen und die entsprechende per­sönliche Anstrengung, damit die Fähigkeiten erlernt werden, auf die es individuell, sozial und menschheitlich in einer bestimmten Zeitepoche ankommt. Dann braucht es selbst bei vorhandener Krankheitsdisposition nicht dazu zu kom­men, dass sich diese zu erarbeitenden Eigenschaften und Fähigkeiten auf körperlicher Ebene unbewusst als Krankheiten „abbilden“ und auswirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer im Denken nach Wahrheit strebt, im Fühlen nach Liebe und im Wollen nach Frei­heit, wird lebenslang ringen müssen mit den Möglichkeiten der Oberfläch­lichkeit und Lüge, in deren Gefolge die vielen Lieblosigkeiten bis hin zu Hass und Spott auftreten. Auch die Neigung, andere Menschen oder Vorgänge zu manipulieren und zu etwas zu zwingen und der Drang, sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen, bedürfen zu ihrer Überwindung ständiger Arbeit. Liebe zur Freiheit ist gefragt – auch zu der Freiheit anderer Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch das freiwillige Erleben von Schmerzen, wie sie mit ehrlicher Selbsterkenntnis und Selbsterziehung immer verbunden sind, kann eine wirksame Krankheitsvorbeugung geleistet werden. Dann besteht keine Notwendigkeit mehr, dass der Körper selber auf den Wegen der Erkrankung Schmerzen erzeugt. Das kann ein Ansporn sein, durch Selbsterziehung an der eigenen Gesundung mitzuarbeiten – soweit dies aufgrund der indivi­duellen und sozialen Schicksalsgegebenheiten möglich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Spirituelles Krankheitsverständnis aus anthroposophischer Sicht&amp;quot;, aus „Spiritualität, Krankheit und Heilung – Bedeutung und Ausdrucksformen der Spiritualität in der Medizin&amp;quot;, VAS-Verlag 2007&#039;&#039;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Offenborn</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Krankheit&amp;diff=1209</id>
		<title>Krankheit</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Krankheit&amp;diff=1209"/>
		<updated>2025-12-17T12:41:37Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Offenborn: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= Krankheit – von Michaela Glöckler =&lt;br /&gt;
Auszüge aus Büchern und Vorträgen von [[Michaela Glöckler]]; Erstveröffentlichung auf https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== UNTERSCHIEDLICHE SICHTWEISEN VON KRANKHEIT ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie schaut die Schulmedizin auf Krankheit?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und welche Perspektive hat die Anthroposophische Medizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was haben sie gemeinsam, was unterscheidet sie?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Frage nach der Ursache von Krankheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Überschrift des zweiten Kapitels von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; ist die einzige in Form einer Frage gehaltene:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Warum erkrankt der Mensch?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist aber auch die Frage, die sich fast jeder stellt, der ernsthaft erkrankt ist: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Warum ich – und warum gerade jetzt?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist die Ursache, wo sind die besten Ärzte – und was kann ich selber dazu tun, um wieder gesund zu werden?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Antwort auf die letzte Frage wird maßgeblich mitbestimmt durch das Menschenbild der Medizin und die Weltanschauung, die jemand hat – vorausgesetzt, dass die wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse eine freie Arztwahl gestatten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Unterschiedliche Sichtweisen im Vergleich&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Bezüglich möglicher Antworten stehen sich die polaren Sichtweisen und Lebenshaltungen – spirituell oder rein naturwissenschaftlich – gegenüber, mit zahlreichen Zwischenformen alternativer oder vermittelnder Art. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Naturwissenschaftlich-positivistische Sichtweise ====&lt;br /&gt;
Die naturwissenschaftlich-positivistische Sichtweise sieht die Ursache einer Krankheit primär auf molekulargenetischer Ebene in einer spontan oder kausal (mögliche genetische Ursachen, Umweltgifte, psychosozialer Stress) aufgetretenen Irregularität des Zellstoffwechsels. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Anthroposophisch-medizinische Sichtweise ====&lt;br /&gt;
Die anthroposophisch-medizinische Sichtweise ergänzt diese konventionelle Diagnostik durch die Wesensglieder-Diagnostik im Sinne von Kapitel I des genannten Werkes und stellt auch die Frage nach der biographischen Situation des Patienten. Wenn Patienten selbst nach dem Sinn ihrer Erkrankung fragen, wird im gemeinsamen Betrachten der Entwicklungsperspektiven und der Schicksalsgegebenheiten der Betroffenen an einer möglichen Antwort gearbeitet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Auswirkungen auf den Patienten ====&lt;br /&gt;
Vergleicht man die beiden Perspektiven kann man etwas Interessantes bemerken: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;AD 1.&#039;&#039;&#039; Je mehr man die Ursachen der Erkrankung auf externer molekular-kausaler Ebene verortet, umso mehr erlebt sich der Betroffene als Opfer seiner Zustände und gleichzeitig als abhängig vom Arzt, der ihm helfen soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;AD 2.&#039;&#039;&#039; Je mehr man sich hingegen der eigenen Beteiligung am Geschehen bewusstwird, bis in persönliche und soziale Schicksalsfragen herein, erlebt man sich als Mitgestalter beim Gesundungsprozess und damit autonomer – auch in der Arzt-Patientenbeziehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;AD 1.&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;+ 2.&#039;&#039;&#039; Beide Sichtweisen zusammengenommen eröffnen hingegen vielseitigere und komplexere Möglichkeiten der Besserung und Heilung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Gemeinsamkeiten ====&lt;br /&gt;
Beiden Anschauungsweisen gemeinsam sind der Wille zu helfen sowie die Bereitschaft zur Prävention, um mögliche Rückfälle zu vermeiden, indem man sich therapeutisch mit den vermuteten oder klar zutage getretenen Ursachen befasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Unterschiedliche Therapieansätze ====&lt;br /&gt;
Die therapeutischen Interventionen unterscheiden sich dadurch, dass das Spektrum der Behandlungsmöglichkeiten der integrativen und Anthroposophischen Medizin breiter gefächert und multiperspektivischer ist, als das der Schulmedizin. Es umfasst &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* neben dem Einsatz schulmedizinischer Medikamente &lt;br /&gt;
* die Gabe prozessorientierter anthroposophischer Arzneimittel&lt;br /&gt;
* diätetische Vorgaben&lt;br /&gt;
* pflegerische Maßnahmen wie äußere Anwendungen wie Bäder, Wickel und Auflagen&lt;br /&gt;
* künstlerische Therapieformen&lt;br /&gt;
* und, so gewünscht, spezifische Krankenmeditationen[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Dem Kranken in allen Wesensäußerungen gerecht werden&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der als Mitbegründer von &#039;&#039;„Ärzte gegen den Atomkrieg“&#039;&#039; und Friedensnobelpreisträger bekannt gewordene &#039;&#039;Bernard Lown (1921–2021)&#039;&#039; empfand die Notwendigkeit, dem Kranken in all seinen Wesensäußerungen gerecht zu werden, auch wenn er therapeutisch ganz auf dem Boden der Schulmedizin stand. Er schrieb in seiner Heilkunst: &#039;&#039;„Patricia lehrte mich, dass jeder einzelne Patient eine statistische Ausnahme ist.“[3]&#039;&#039; Sein ärztliches Engagement war darauf gerichtet, dem Kranken in seiner schwierigen Situation von Mensch zu Mensch zu begegnen und ihm dabei seine Selbstbestimmung und Würde zu Bewusstsein zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weder im Bereich der Schulmedizin noch in der Anthroposophischen Medizin geht es bei der Sinnfrage um ‚Schuld‘ oder gar moralische Verfehlung, sondern um Heilung. Dier Heilungsprozess schließt individuelle Lernprozesse und das Übernehmen von Verantwortung in dem Maß, wie sich der Kranke das selber klar machen kann oder will, ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Haltung spricht auch aus der Art und Weise, wie Rudolf Steiner und Ita Wegman sich ihren Patienten gegenüber verhielten. Da fällt kein moralisierendes Wort, vielmehr ist ihr ganzes Bemühen um Heilung eine Dienstleistung am Betroffenen. Für Rudolf Steiner galt: Der Sinn der Krankheit ist die Heilung.[4] Der Heilung mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu dienen, sei die Aufgabe des Arztes und Therapeuten. Wenn Menschen jedoch Fragen stellten nach möglichen Ursachen oder einem Eigenanteil am Geschehen, bekamen sie klare Antworten und damit Hilfe zur Selbsthilfe: In dem Maß, in dem sie die Ursachen erkennen konnten, waren sie in der Lage, weiteren möglichen Schädigungen vorzubeugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[5]&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27, Kapitel 2.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Vgl. Glöckler (2021), Selg (2017; 2019a,b).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Lown (2015), 307.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Metamorphosen des Seelenlebens. Pfade der Seelenerlebnisse. Zweiter Teil&#039;&#039;, GA 59, S. 170.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== WAS KRANKHEIT VERURSACHT ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie gehen die Autoren in „Grundlegendes zu einer Erweiterung der Heilkunst“[1] konkret der komplexen Frage nach der Verursachung von Krankheit nach?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kommt es, dass ein normaler Vorgang im Organismus in einen krankhaften übergeht?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was muss geschehen, damit die Rückkehr vom krankhaften zum wieder gesunden Vorgang möglich wird?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Methodische Hinweise zum Krankheitsverständnis&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Am Ende von Kapitel II von &#039;&#039;„Grundlegendes zu einer Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; steht der methodische Hinweis: &#039;&#039;„Durch ein Vergleichen dessen, was im ersten Kapitel gesagt ist, mit dem Inhalt des zweiten wird sich das Verständnis dessen besonders ergeben, was in Betracht kommt.“[2]&#039;&#039; Rudolf Steiner hatte diesen Hinweis noch handschriftlich im Fahnenmanuskript hinzugefügt. D.h., die Frage, warum der Mensch erkrankt, sollte auch im Lichte von Kapitel I ihre Beantwortung finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Schritte der Annäherung an das Thema&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Krankheit als Naturprozess sehen ====&lt;br /&gt;
So beginnen die Autoren ihre Betrachtung zum Thema mit der scheinbar harmlosen Feststellung, dass jeder Krankheitsvorgang doch ein Naturprozess ist – d.h. ein naturwissenschaftlich beschreibbarer physiologischer Prozess. Mit dieser Feststellung stehen sie auf dem Boden der Schulmedizin. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Konkrete Fragen zum Krankheitsgeschehen an sich ====&lt;br /&gt;
In einem nächsten Schritt wird diese sichere Position jedoch hinterfragt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ist nicht auch der gesunde Organismus Ergebnis von Naturprozessen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wenn beides Naturprozesse sind: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie vollzieht sich auf naturwissenschaftlich fassbarem Wege der Übergang vom gesunden Naturprozess in den kranken und umgekehrt beim Heilungsvorgang vom kranken in den gesunden?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oder aus Sicht der molekulargenetischen Ebene gefragt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wann beginnt sich der vermeintliche ‚Irrtum der Natur‘ im pathologischen Prozess zu manifestieren?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Warum kann er sich nicht so ohne weiteres wieder selbst korrigieren, so dass eine ärztliche Intervention nötig wird?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wo und wie fällt sozusagen der Organismus die Entscheidung, ob es gesund weitergehen kann oder eine Krankheit entsteht?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ob die Resilienz und Immunität hinreichen, sozusagen den Schaden zu reparieren oder nicht?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Kippmoment in die Krankheit als NICHT natürlicher Genese erkennen ====&lt;br /&gt;
Dazu folgende Überlegung: Wenn Gesundheit auch eine Folge ‚normaler‘ Naturprozesse ist, muss das Momentum für den Ausbruch einer Krankheit im Hier und Jetzt von etwas bestimmt werden, dessen ‚natürliche Ursache‘ &#039;&#039;&#039;kein&#039;&#039;&#039; Naturprozess sein kann. Der gesunde menschliche Organismus scheint als ein Stück der Natur begreiflich zu sein, der kranke jedoch nicht. Er muss daher aus sich selbst begreiflich sein durch etwas, das er nicht von der Natur hat.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Resilienzforschung beachten ====&lt;br /&gt;
Die moderne Resilienzforschung kommt dieser komplexen Fragestellung derzeit am nächsten. Große Übersichtsarbeiten zeigen auf, dass weltweit jährlich ca. eine halbe Milliarde Menschen psychisch und physisch – d.h. psychosomatisch – erkranken auf Grund dynamisch-prozessualer Einflussfaktoren wie soziale Konflikte, Stress, Traumata und Krisensituationen.[6] Die Erfahrung zeigt, dass dabei jedoch nur wenige von ihnen dauerhaft psychisch beeinträchtigt bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das zeigt, psychische Resilienz ist erlernbar – was durch Resilienz fördernde Maßnahmen unterstützt werden kann. Dadurch können bereits aufgetretene körperliche Symptome nach einer gewissen Zeit wieder verschwinden. Auch gibt es ungezählte Menschen, die durch die Art ihrer Kindes- und Jugendentwicklung eine starke Resilienz mit in ihr weiteres Leben bringen. Sie bleiben auch unter großer Belastung psychisch stabil und entwickeln gar keine keine körperlichen Symptome. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Ergebnisse aus der Salutogenese miteinbeziehen ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Aaron Antonovsky&#039;&#039; konnte mithilfe des von ihm entwickelten Salutogenese-Konzeptes ebenfalls nachweisen, dass für den Erhalt der körperlichen Resilienz die Psyche, also das Gefühlsleben, die entscheidende Rolle spielt. Er nennt den entscheidenden Faktor Kohärenzgefühl (sense of coherence), das über die Art und Weise entscheidet, wie man etwas erlebt und ob man es für sich sinnstiftend verarbeiten kann oder nicht.[7] Die innere Widerstandskraft, die durch das Kohärenzgefühl mobilisiert werden kann, wird Resilienz genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 6. Phänomene der Natur geistig-seelischen Erlebens erkunden ====&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner und Ita Wegman argumentieren in Kapitel II jedoch nicht empirisch-psychosomatisch aufgrund von derartigen Forschungsergebnissen, die ja damals noch gar nicht vorlagen. Vielmehr bleiben sie methodisch bei der fundamentalen Erkenntnisfrage, ob das Auftreten des seelischen und geistigen Erlebens im Menschen als Fortsetzung eines Naturprozesses verstanden werden kann, sowie das gemeinhin hypothetisch angenommen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Autoren verneinen dies, indem sie auf die Phänomene ‚Schlaf‘ und ‚Ohnmacht‘ hinweisen. Beide Prozesse haben gemeinsam, dass es sich sowohl beim Schlaf als auch bei der Ohnmacht um Naturprozesse handelt, die über ihr ‚normales Maß‘ hinausgehen mit dem Erfolg, dass das Bewusstsein erlischt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== A SCHLAF UND OHNMACHT ALS FOLGEN ZU STARKER NATURPROZESSE =====&lt;br /&gt;
Für den Schlaf ist das unmittelbar evident, da während des Schlafes die Naturprozesse in Form von regenerativen Vorgängen offensichtlich zunehmen und damit über ihr bei Tage normales Maß hinausgehen. Um das auch in Bezug auf die Ohnmacht nachvollziehen zu können, braucht es ein wenig Fachwissen, weshalb ich im Folgenden näher darauf eingehen möchte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohnmacht ist eine typische Folge von Hyperventilation (zu starkes und zu rasches Atmen) z.B. infolge großer Aufregung. Eigentlich geschieht etwas Gesundes: Es wird viel Sauerstoff aufgenommen, aber eben ‚zu viel des Guten‘: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Man atmet bei Hyperventilation schneller und oft auch tiefer als gewöhnlich. &lt;br /&gt;
* Dadurch wird zu viel Sauerstoff aufgenommen aber auch zu viel Kohlendioxid abgeatmet.&lt;br /&gt;
* In Folge dessen kommt es zu einer unter Umständen lebensbedrohlichen Verschiebung im Säure-Basen-Gleichgewicht, respiratorische Alkalose genannt.&lt;br /&gt;
* Jetzt bekommt das Gehirn paradoxerweise nicht mehr genügend Sauerstoff und wird in seiner Funktion eingeschränkt wird.[8]&lt;br /&gt;
* Nimmt die Kohlendioxid-Konzentration im Blut ab, verengen sich die Blutgefäße und es kommt zu einer Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff, was bis zum Bewusstseinsverlust bzw. zu einer Ohnmacht führen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== B SCHMERZ UND LÄHMUNG ALS FOLGEN ZU STARKER BEWUSSTSEINSPROZESSE =====&lt;br /&gt;
Die Autoren stellen in den Absätzen 6 und 7 von Kapitel II auch die umgekehrte Frage:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was geschieht, wenn die Phänomene von Bewusstsein und Selbstbewusstsein über ihr normales Maß hinausgehen?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann treten Schmerz und Lähmung auf. Beim Schmerz ist unmittelbar nachvollziehbar, dass er aus einem gestörten Naturprozess resultiert, wenn z.B. eine Organverletzung oder sonstige Funktionseinschränkung vorliegt – was in der Regel mit neuen Bewusstseinsinhalten in Form von Unbehagen, Unlust und Schmerz einhergeht. Hier liegt also ein Bewusstseinsvorgang vor, der über sein normales Maß hinausgeht und dadurch pathologisch wird. Der Grund dafür ist, dass Naturprozesse aus den genannten Gründen unter ihr normales Maß hinuntersinken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====== a) Dysfunktionale astralische Organisation als Ursache für Ohnmacht und Schmerz ======&lt;br /&gt;
In beiden Fällen ist die astralische Organisation dysfunktional:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;In Fall A&#039;&#039; beeinträchtigt &#039;&#039;&#039;der gesteigerte Naturprozess&#039;&#039;&#039; in Form einer zu hohen Sauerstoffaufnahme das Bewusstsein, sodass sich die astralische Organisation in Schlaf und Ohnmacht aus der physisch-ätherischen Konstitution herauslöst.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;In Fall B&#039;&#039; begleitet &#039;&#039;&#039;ein gesteigertes Bewusstsein&#039;&#039;&#039; in Form von Schmerz und Unlust die durch die Schädigung eingeschränkten Körperfunktionen. Im Schmerz verbindet sich die astralische Organisation zu stark mit der physisch-ätherischen Konstitution.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was im ersten Kapitel als ‚leibfreies Gefühlsleben‘ beschrieben wurde, hat sich im körperlichen Schmerzerleben zu stark mit dem physischen Leib verbunden.[9]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====== b) Dysfunktionale Ich-Organisation als Ursache für Lähmung ======&lt;br /&gt;
Steiner und Wegman beschreiben in Kapitel I im Rahmen des Zusammenspiels der Wesensglieder neben dem astralischen Leib auch die Ich-Organisation. Sie betätigt sich ebenfalls außerkörperlich – primär in der durch den eigenen Willen gesteuerten Denktätigkeit. Die Autoren sagen: Sie lebt sich &#039;&#039;„seelisch frei im Denken dar“.[10]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der im Folgenden erläuterte Begriff der Lähmung ist Ausdruck einer dysfunktionalen Ich-Organisation. Geht diese eine zu starke Verbindung mit dem physischen Körper ein, tritt Lähmung auf. Eine gelähmte Gliedmaße entzieht sich der körperlichen Selbstkontrolle und intentionalen Handhabe durch das Ich. Der Betroffene erlebt sie wie etwas, das nicht mehr zu ihm gehört, von dem er ‚frei‘ ist. Oder, wie die Autoren bemerken: Er erlebt es wie ein Stück ‚Außenwelt‘.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu muss erläuternd gesagt werden, dass beim Beobachten von Dingen oder Vorgängen in der Außenwelt das Beobachtete und die Gedanken darüber im Menschen nicht in der gleichen lebendigen Wechselwirkung stehen wie die Naturprozesse. Sie existieren gleichsam unabhängig voneinander. Dieser Fall tritt für ein menschliches Körperteil nur dann ein, wenn es gelähmt ist: Dann wird es zur Außenwelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im gesunden Zustand&#039;&#039;&#039; ist die Ich-Organisation über das Nervensystem &#039;&#039;&#039;lose&#039;&#039;&#039; mit den Gliedmaßen vereinigt, sodass sie sich im Zuge des Bewegens damit verbinden und sich gleich wieder loslösen kann – was Voraussetzung für jede normale Bewegung ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im Falle der Lähmung&#039;&#039;&#039; taucht die Ich-Organisation aufgrund der Schädigung des Nervensystems &#039;&#039;&#039;dauerhaft&#039;&#039;&#039; in das betreffende Körperteil ein und kann sich nicht mehr aus ihm zurückziehen.[11]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Bewusstsein und Bewegung als unterschwellige Krankheitstendenzen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das bisher Ausgeführte zeigt: Wirken Geist und Seele, so heben sie die gewöhnliche Funktion des Körpers auf und verwandeln sie in eine entgegengesetzte. Auch das normale Eingreifen des astralischen Leibes und der Ich-Organisation in den menschlichen Körper sind demnach nicht den gesunden Lebensvorgängen verwandt, sondern den kranken. Damit bringen sie den Organismus auf einen Weg, der den Anfang von Krankheit bedeutet. Dieses anfängliche Kranksein wird im gewöhnlichen Leben sofort nach dem Entstehen durch eine Selbstheilung reguliert.[12]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* So wie ein gesundes Bewusstsein (Astralleib) ein Schmerz unterhalb der Bewusstseinsschwelle ist,&lt;br /&gt;
* so ist die gesunde Bewegung (intentional durch die Ich-Organisation gesteuert) der Anfang einer gelähmten, wobei der Beginn der Lähmung ebenfalls unterhalb der Bewusstseinsschwelle liegt.&lt;br /&gt;
* Dadurch entstehen zwei verschiedene Krankheitsdispositionen:&lt;br /&gt;
* eine dadurch, dass das Seelische und Geistige (astralische und Ich-Organisation) zu tief in den ätherisch-physischen Zusammenhang eingreifen,&lt;br /&gt;
* und eine entgegengesetzte, wodurch die Verbindung unzureichend, d.h. zu lose wird, was eine Verstärkung der physisch-ätherischen Prozesse zur Folge hat.[13]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesundheit zeigt sich als ein Gleichgewichtszustand zwischen einem ‚zu viel‘ oder ‚zu wenig‘ (an Bewusstseins- bzw. an Naturvorgängen).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ätherische Organisation als Quelle geistiger und körperlicher Gesundheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Damit aber wird die Gesundheit als der Zustand erkannt, der im ätherischen Organismus seinen Ursprung hat. Heilen muss daher in einer Behandlung des ätherischen Organismus bestehen.[14]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn der &#039;&#039;„bloße physische Organismus“&#039;&#039; mit seinen Gesetzmäßigkeiten &#039;&#039;„könnte niemals einen Selbstheilungsvorgang hervorrufen“[15]&#039;&#039; – das kann nur die ätherische Organisation. Damit wird die Antwort gegeben, auf welche Weise ‚die Natur‘ die Entscheidung fällt, ob es gesund weitergeht oder nicht: das Zünglein an der Waage ist die ätherische Organisation, die für ausreichend Regeneration sorgen kann, wenn das bewusste Leben immer wieder durch genügend Schlaf unterbrochen wird. Er ist es auch, der die mineralischen Stoffe des physischen Leibes – wie in Kapitel I geschildert – am Herausfallen aus dem Lebenszusammenhang hindert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit wird die ätherische Organisation, die in Kapitel I in ihrer Doppelnatur &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* als plastisch-bildsame &#039;&#039;&#039;Wachstums- und Regenerationskraft&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* und andererseits als &#039;&#039;&#039;Träger der Gedankentätigkeit&#039;&#039;&#039; dargestellt wurde,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
im zweiten Kapitel als Quelle (geistiger und körperlicher) Gesundheit charakterisiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[16]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Siehe FN 1, S. 17.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Johannes Kiersch hat im Zusammenhang seiner Untersuchung des Begriffs Bewusstseinsseele bei Rudolf Steiner in einem Aufsatz in den &#039;&#039;„Steiner Studies“&#039;&#039; herausgearbeitet, dass sich eine &#039;&#039;„erste Skizze des Gefüges der Wesensglieder, das den Begriff der Bewusstseinsseele einschließt“&#039;&#039;, bereits im Dezember 1903 nachweisen lässt, &#039;&#039;„einige Monate vor dem Erscheinen der Theosophie, in der von ihm redigierten Zeitschrift Luzifer, in einer Fußnote“&#039;&#039; und verweist auf GA 34, 107. Siehe Kiersch (2021), 40 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe FN 1, S. 16: &#039;&#039;„In der Geist- und Seelenfähigkeit hat man also die Ursachen des Krankseins zu suchen“.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27, S. 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Vgl. Vos u. a. (2015), 743–780.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Vgl. Antonovsky (1997), 33–43 und 91–118.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Paradoxerweise deshalb, weil ja eigentlich ein Überangebot an Sauerstoff da ist. De facto ist es aber so, dass der Gehirnstoffwechsel ein zureichendes Maß an Kohlendioxid im Blut braucht, damit die Blutgefäße weit genug gestellt sind, um die Durchblutung des Gehirns sicherzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Siehe FN 1, Kapitel 2 , Abs. 6 - 8.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Ebenda, S. 1 und S. 16.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Siehe FN 1, S. 16.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] In der genannten Vorrede Wegmans wird diese Aussage noch ergänzt im Hinblick auf den in Kapitel I geschilderten Übungsweg zur Weiterentwicklung der Seelenfähigkeiten zum geistigen Wahrnehmungsorgan der Imagination, Inspirationen und Intuition. Wegman schreibt: &#039;&#039;„Die Seelenübungen, die zur geistigen Anschauung führen, bestehen entweder in einer Abschwächung oder einer Verschärfung des Seelenlebens. Die Abschwächung des Seelenlebens ist innerhalb des Seelischen eine Nachahmung der Krankheiten der ersten Art, die Verschärfung eine Nachahmung der Krankheiten der zweiten Art. Wer also die Seelenverfassung kennt, die aus solchen Übungen stammt, kennt die Krankheiten, denn er hat in seinen Seelenzuständen Bilder davon. Beschreibt er durch das, was er an diesen Bildern erlebt, die physischen Symptome der Krankheiten, so liefert er jedem Arzt Beschreibungen, die dieser nachprüfen kann. Hält die Beschreibung der Nachprüfung stand, so werden damit auch die Angaben des Erforschers des Geistigen bestätigt. Und lässt sich der Arzt immer wieder auf die Beschreibungen eines solchen Geistesforschers ein, so kann er sich aus dessen Schilderungen des Symptomenkomplexes nach und nach selbst die geistige Anschauung erwerben. Wir sind durchaus der Meinung, dass das ganz richtige Lesen dieses Buches jeden Arzt in die Lage versetzt, die Krankheiten geistig anzuschauen.“&#039;&#039; (Ein Beispiel, wie man das lernen kann, gibt Steiner im Januar 1924 im Rahmen seines Kurses für junge Mediziner – siehe im Stellenkommentar die Anm. zu EH, 7, S. 112–115).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] Siehe FN 1, S. 17.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[15] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[16] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== GRUNDLEGENDES ZUM SINN VON KRANKHEIT ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen Sinn hat Krankheit im Leben des Menschen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern ist Krankheit ein spezifisch menschliches Phänomen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was haben Krankheit und geistige Erkenntnis miteinander zu tun?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Erkrankungen bei Tieren&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ein Vergleich zwischen Mensch und Tier in Bezug auf ihre Erkran­kungsmöglichkeiten zeigt, dass Krankheit und Leiden spezifisch menschliche Phänomene sind. Wenn Tiere in der Wildnis erkranken, kommen sie entwe­der sehr rasch zu Tode oder die Erkrankung ist so leicht, dass sie ohne weiteres damit weiterleben können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchen Sinn sollte eine Krankheit auch im Leben eines Tieres haben?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lebensweise eines Hundes, eines Vogels, einer Biene oder einer Maus ist in ihrer Art vollkommen. Das Erleben von Schmerz und Leid würde keinen Wandel, keine neue Entwicklungsmöglichkeit bewirken. Eine Biene kann nicht noch „bieniger“, eine Kuh nicht noch „kuhiger“ werden, als sie es schon ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Krankheit wirft Fragen auf&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dass Krankheit im Gegensatz dazu etwas mit uns Menschen macht und damit auch unser eigenes Wesen in seiner Erscheinungs- und Ausdrucksweise verändern kann, weiß jeder, der schon einmal richtig krank war oder einen schweren Unfall hatte. Im besten Falle entwickeln wir uns durch Krankheit. Nur dem Menschen ist es gegeben, durch Leid und Schmerz Erfah­rungen zu sammeln, die ihn in seiner Entwicklung weiterbringen. „Sicherheit“ und „Gesundheit“ als höchste Lebensideale sind mit der menschlichen Existenz auf Dauer nicht zu vereinbaren, denn jede Entwicklung bedarf der Krisensituationen, um fortschreiten zu können. Entwicklung zur Freiheit ohne die Möglichkeit, zu irren und zu entgleisen, ist nicht denkbar. Leiden erscheint nur dann sinnlos, wenn der Zusam­menhang nicht mehr sichtbar ist, in dem dieses Leiden steht. Daher ist es notwendig, die menschliche Entwicklung als Ganzes mit all ihren Möglich­keiten ins Auge zu fassen und den Gedanken an wiederholte Erdenleben mit einzubeziehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da anthroposophische Ärzte sich auch mit Fragen der Schicksalsbildung im Verlauf mehrerer Erdenleben auseinandersetzen, d.h. mit der Frage nach dem möglichen Gesetz der Wiederverkörperung, kann auch dieser Aspekt thematisiert werden – aber selbstverständlich nur, wenn der Betroffene Fragen in dieser Richtung hat. Es gibt jedoch viele Menschen, die infolge einer Erkrankung, die sie bei sich selbst oder in ihrem näheren Umfeld erleben, neue Fragen stellen, für die sie bisher keinen Anlass hatten. Oft stehen dabei Fragen nach dem Sinn und der Signatur des damit verbundenen Schicksals im Mittelpunkt. Ist man als ärztlich oder therapeutisch Behandelnder auf Fragen in dieser Richtung eingestellt, so können sich Gespräche ergeben, die für beide Seiten wesentlich sind. Nicht selten erfährt dadurch das Leben des Betroffenen mit oder nach der Krankheit eine neue Orientierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Den möglichen Ursachen auf den Grund gehen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ein sensibler Punkt ist dabei die Schuldfrage. Denn diese ist nicht nur traditionell-historisch belastet – insbesondere im religiösen Kontext. Mehr noch, sie wird in der naturwissenschaftlichen Medizin bewusst ausgeklammert – es sei denn, es wird ein ärztlicher Kunstfehler beklagt. Ansonsten gibt es nur einen Schuldigen für die Krankheit: die Natur, d.h. den Körper, der nicht genügend Widerstandskraft und Ressourcen für die Selbstheilung hatte. Denn auch bei Lebensstilfragen, Alkohol und Drogen wird gerne eingewandt, dass dies ja nicht bei jedem Menschen zu behandlungsbedürftigen Krankheiten führe und dass letztlich auch hier die Natur oder destruktive Lebensumstände in Kindheit und Jugend die Schuldigen sind – nicht jedoch der Erkrankte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So entlastend eine solche Haltung Leid und Schmerz gegenüber auch sein mag, so unbefriedigend ist sie letztlich für den Betroffenen. Denn wenn man an Stelle des Schicksals den Zufall setzt und die Bedeutung des Ereignisses in der eigenen Biographie unbearbeitet bleibt, verlagert sich die damit verbundene Sinnfrage für das eigene Dasein vielfach ins Unbewusste – was dann unter Umständen zusätzlich zum Krankheitsgeschehen belasten kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Drei Sinn-Ebenen von Kranksein&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner regt dazu an, mit der Frage nach dem Wesen von Krankheit und Heilung das Lukasevangelium zu lesen. Die dort geschilderten Krankheitssituationen weisen auf drei sehr unterschiedliche Sinn-Ebenen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# eine persönliche, &lt;br /&gt;
# eine soziale&lt;br /&gt;
# und eine menschheitliche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== AD 1. Persönliche Ebene ====&lt;br /&gt;
Wo immer Jesus individuellen Menschen begegnete, wie der Schwiegermutter des Petrus oder dem Blinden von Jericho, ergab sich die Heilung aus dem Kontext. Man wird Zeuge einer Bewusstseinsveränderung durch das Erlebnis von Krankheit und Heilung. Die Schwiegermutter ist bereit zu dienen – und vielleicht auch, ihren Schwiegersohn Petrus mit Jesus ziehen zu lassen.[1] Der blinde Bettler auf dem Weg nach Jericho hört, dass viele Menschen vorüberziehen und fragt, wer in ihrer Mitte ist. Als er von Jesus hört, ruft er laut, dieser möge sich seiner erbarmen. Und Jesus stellt die ‚Arztfrage‘: &#039;&#039;„Was willst du, dass ich für dich tun soll?“[2]&#039;&#039; Er steht im Dienst des Kranken auf dessen Schicksalsweg. Nachdem dieser geheilt ist, folgt er Jesus nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== AD 2. Soziale Ebene ====&lt;br /&gt;
Ganz anders jedoch sieht der Heilungsvorgang aus, den Lukas im Anschluss an die Berufung der zwölf Jünger und die Feldrede mit den Seligpreisungen schildert.[3] Hier ist Jesus auf dem Weg nach Kapernaum und der römische Centurio, Hauptmann einer Hundertschaft, erfährt davon. Sein Diener und naher Vertrauter liegt auf den Tod krank. Anstatt dass er sich selber auf den Weg macht, beauftragt er „die Ältesten der Juden“ Jesus zu bitten, das Leben seines Dieners zu retten. Sie tun dies mit dem Hinweis darauf, dass der Centurio das jüdische Volk liebe und die Synagoge erbaut habe – und so geht Jesus mit ihnen. Auf dem Weg zu seinem Haus aber schickt der Hauptmann ihm seine Freunde entgegen, die ihm sagen sollen: &#039;&#039;„Herr, bemühe dich nicht; ich bin nicht würdig, daß du in mein Haus eintrittst, darum habe ich auch nicht gewagt, selbst zu dir zu kommen. Sprich nur ein Wort, und durch dein Wort wird mein Knabe gesund.“[4]&amp;lt;sup&amp;gt;,&amp;lt;/sup&amp;gt; [5]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit hat sich infolge dieser Krankheit weder im Betroffenen noch in dem um ihn besorgten Menschen, dem Hauptmann, eine Wesensänderung vollzogen. Wohl aber haben die „Ältesten der Juden“ und die „Freunde des Hauptmanns“ sich in Bewegung gesetzt und für einen Nichtjuden und Freund um Hilfe gebeten. Diese sind dabei Jesus begegnet und Zeuge der Heilung geworden. Das ist eine andere Entwicklungsfigur als beim erstgenannten Heilungstypus. Die wesentlichen Ereignisse spielen sich im sozialen Umkreis der von der Krankheit Betroffenen – dem Hauptmann und seinem Diener – ab. Ohne den Anlass der Erkrankung wäre das alles nicht geschehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== &#039;&#039;Unterschiedlicher Umgang mit Krankheit&#039;&#039; =====&lt;br /&gt;
In der täglichen Praxis begegnen einem diese beiden verschiedenen Sinn-Ebenen oft. Man kann sie dadurch voneinander unterscheiden, dass Erkrankte sehr unterschiedlich über ihre Krankheit sprechen und diese auch in ihr Leben integrieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gehören sie zum &#039;&#039;&#039;zweiten Typus&#039;&#039;&#039;, so sind sie mit ihrer Krankheit identifiziert, können sie annehmen und das zur Gesundung Nötige eben tun, d.h., sie scheinen nicht schon an der bloßen Tatsache zu leiden, dass sie krank sind.&lt;br /&gt;
* Erkrankte des &#039;&#039;&#039;ersten Typus&#039;&#039;&#039; hingegen sind von ihrer Krankheit persönlich emotional stark betroffen, hadern oft auch mit ihr und stehen vor der großen Herausforderung, sich mit ihr in irgendeiner Form konstruktiv auseinanderzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== AD 3. Menschheitliche Ebene ====&lt;br /&gt;
Eine dritte Sinnebene geht über die persönliche und soziale hinaus. Sie hat eine menschheitliche Dimension und erinnert an das Buch Hiob in der Bibel. Dort wird die Sinnsuche ausführlich beschrieben und klargestellt, dass hier keine persönliche oder soziale Ursächlichkeit vorliegt. Das Ende der Geschichte und die Heilung hängen vielmehr mit Hiobs Verhältnis zu Gott und dem Teufel zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Krankheitstyp steht gleich zu Beginn der Heilungsgeschichten im Lukasevangelium. Jesus spricht in der Synagoge von Kapernaum weder mit dem Betroffenen, noch mit den Menschen in dessen Umkreis. Vielmehr wird der Leser Zeuge seines Dialogs mit dem Dämon, dem Wesen der Krankheit.[6] Dieser Typ betrifft den objektiven Tatbestand, dass Krankheit und Schmerz Anteil am Wesen des Menschen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Perspektive der Anthroposophischen Medizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aus der Perspektive der Anthroposophischen Medizin entsteht Krankheit, wenn Wesensanteile des Menschen – d.h. seine Wesensglieder – am falschen Ort tätig werden. Dass solche Verschiebungen oder Verirrungen möglich sind, ist der Unvollkommenheit bzw. Entwicklungsbedürftigkeit des Menschen geschuldet. Ein ‚Geistiges am falschen Ort‘ oder mit der Sprache des Neuen Testaments – der Dämon (δαιμόνιον) der Krankheit – sind in diesen Fällen zutreffende Bezeichnungen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Schilderung bei Lukas kann die Heilung erfolgen, als Jesus den Dämon erkennt und ihm den rechten Weg – aus dem Leib heraus – weist. Vom Dämon wird gesagt, dass er ungesühnt, unkeusch (ἀϰάθαρτος) sei. Er erkennt Jesus als den Heiligen Gottes (ὁ ἅγιος τοῦ θεοῦ) und Jesus gebietet ihm zu schweigen und auszufahren. In Folge dieses Geistgesprächs wird der Mensch gesund. Der Geist am ‚falschen Ort‘ wird erkannt und kann weichen bzw. wieder an seinen richtigen Ort innerhalb der Schöpfung gelangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Spirituelle Entwicklung durch aktive Selbsterkenntnis&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Was im Evangelium bildhaft als &#039;&#039;„Ausfahren aus dem Leib“&#039;&#039; geschildert wird, entspricht der Rückverlagerung von im Leib verirrter Möglichkeiten aktiver Selbsterkenntnis und Selbsterziehung, die am ‚richtigen Ort‘ – nämlich im leibfreien Denken, Fühlen und Wollen nicht aktiviert werden konnten und sich so sukzessive in den Leib projiziert haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Kapitel II von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[7]&#039;&#039; wird gesagt, dass die Möglichkeit des Menschen zu erkranken mit seiner Geist- und Seelenfähigkeit zu tun hat. Das weist auf den geistigen Aspekt und die Möglichkeit von Krankheitsprävention durch spirituelle Entwicklung hin. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl.&#039;&#039; „&#039;&#039;Wie sind Leib, Seele und Geist in Gesundheit und Krankheit verbunden?&#039;&#039;“, &#039;&#039;Elternsprechstunde, Verlag Urachhaus, Stuttgart&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Neues Testament, Lukas Kap. 4, 38–39.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ebenda, Kap. 18, 41. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Ebenda, Kap. 6, 20–49.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Diese und die übrigen Stellen aus dem Neuen Testament werden nach der Übersetzung von Emil Bock (1994) zitiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Siehe FN 1,  Kap. 7, 6–7.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Ebenda, Kap. 4, 31–37.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== KRANKHEIT ALS ERKENNTNISWEG DER NATUR ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist Krankheit aus spiritueller Sicht?                               &#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist der tiefere Sinn von Krankheit im Hinblick auf die Entwicklung des Menschen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Das Geheimnis von Gesundheit und Krankheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das Geheimnis der menschlichen Entwicklung, das zugleich das Geheimnis von Gesundheit und Krankheit ist, lässt sich folgendermaßen zusammenfassen: Wenn sich jemand in Richtung Menschheitsziel entwickelt, wenn er an der Wahrheit und an der Welt interessiert ist und seine Freiheit und seinen Willen, so gut er kann, in den Dienst des Geistes stellt, kann er gar nicht verhindern, dass er immer gesünder wird. Das gilt auch dann, wenn er aus karmischen Gründen diese oder jene Krankheit durchzumachen hat. Mit der oben genannten Haltung lässt sich alles besser verkraften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Rudolf Steiner einmal über diese Zusammenhänge einen Vortag gehalten hatte, sprach ihn im Abschluss jemand darauf an, dass so viele Anthroposophen krank sind. Daraufhin antwortete er: &#039;&#039;„Ich möchte Ihnen nicht erzählen, wie krank sie wären, wenn sie die Anthroposophie nicht kennen gelernt hätten.“&#039;&#039; Humor ist natürlich auch gesund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn bestimmte Ziele gar nicht angestrebt und deshalb auch nicht erreicht werden, wenn es so ist, wie es in der Apokalypse heißt, dass die Menschen sich nicht ändern, dass sie in ihrer Entwicklung stehen bleiben, dass sie nichts tun und nicht vom Fleck kommen, wenn es irgendwann solche Formen annimmt, dass alle Güter der Welt im Dienst des Ego stehen, dann werden alle möglichen Leiden und Schmerzen die Folge sein. Wir sind dieser alten Gesetzmäßigkeit, die ausführlich erklärt wird im Buch der Apokalypse, noch nicht zur Gänze entwachsen. Diese Gesetze bilden immer noch den Grundstock unserer Natur. Es wird auch deutlich gemacht, dass jeder selbst den Schlüssel in der Hand hat, um dem entgegenzuwirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner beschreibt in &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“[1]&#039;&#039; in Gedankenform, was er uns in der Apokalypse in Bildform vor Augen führt: Wie der Mensch sich zuerst als individuelles Wesen entwickelt, um schließlich den Weg zum Gral zu finden und ein soziales „menschheitliches“ Wesen zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Krankheit als unbewusstes Einweihungsgeschehen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wenn wir die Skizze vom Merkurstab betrachten, haben wir hier im oberen Teil das bewusste Leben und im unteren Bereich das unbewusste Leben. Die merkurielle Dynamik führt die  Kräfte des Oberen – das außerkörperliche Erkenntnisleben – in die Wirkbereiche des Unteren – in die unbewussten Lebenswelten des Stoffwechsels – über und umgekehrt. Das ist zugleich die Schwellendramatik zwischen der sinnlichen und der übersinnlichen Welt. Sie zeigt, wie Krankheit dadurch entstehen kann, dass man an dieser Grenze, der Schwelle zur geistigen Welt, körperlich, seelisch oder geistig – wodurch auch immer verursacht – die rechte Orientierung verliert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ein Mensch nun eine bestimmte Fähigkeit erwerben möchte, z.B. inneren Frieden, Ruhe, und er die Bedingungen nicht vorfindet, um diese Qualität zu entwickeln, kann es zu einer Erkrankung kommen, die Frieden am falschen Platz erzeugt. Denn die Kräfte, die inneren Frieden herstellen können, sind potentiell immer vorhanden. Wenn sie aber auf der seelisch-geistigen Ebene nicht genützt werden, wo sie gesundheitsfördernd wirken würden, sinken diese ungenützten Kräfte Nacht für Nacht tiefer in das unbewusste Körperleben und der Betreffende entwickelt Rheuma. Das nur als Beispiel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kostet unseren Körper unglaublich viel Kraft, eine Krankheit hervorzubringen. Ein normaler Organismus möchte gesund sein. Zusätzliche Kräfte aus dem Seelisch-Geistigen sind nötig, um diesen Extraaufwand krank zu werden zu bewerkstelligen. Heilung bedeutet nun, diese Kräfte wieder an ihren richtigen Platz zu erheben und Kräfte im Körper aufzurufen, die sie dorthin bringen. Daraus lässt sich eine „spirituelle Pathogenese“, eine Aufklärung über die Herkunft von Leiden ableiten. Wir können jede Station dieses Weges anschauen und begreifen, was geschieht, wenn die Erkenntniskräfte, anstatt im Geistigen tätig zu sein, im Körperlichen zu wirken beginnen und damit eine Krankheit hervorrufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entscheidend dabei ist jedoch, dass Krankheit in diesem Kontext nicht als Makel, Fehler oder Irrtum gebrandmarkt wird. Vielmehr ist Sinn der Krankheit ihr Auftreten selbst, weil in ihr die – wenn auch schmerzhafte – Korrektur, und damit auch die Heilung, veranlagt ist. Krankheit erscheint in diesem spirituellen Kontext als ein Gutes, das sich im Körper oder in der Seele des Menschen einen Ort schafft, an dem sich der notwendige Schicksalsausgleich vollziehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. mit einer Zusammenstellung von Vorträgen über „Die sieben Siegel der Apokalypse“ gehalten 2007&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der Höheren Welten?,&#039;&#039; GA 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== KRANKHEIT, HEILUNG UND DIE FRAGE NACH DEM SINN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Haben Krankheiten einen Sinn?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gibt es unterschiedliche Arten der Sinngebung, je nach Schicksal und Umfeld?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie können Betroffene sinnstiftend mit Krankheit umgehen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Drei unterschiedliche Arten von Heilung und Sinn&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wer die Krankengeschichten im Matthäus-, Markus-, Lukas- und Johannes-Evangelium liest, begegnet drei unterschiedlichen Arten von Heilung und Sinngebung. Dabei sind es die jeweiligen Schicksalsumstände, unter denen die Krankheit auftritt, die zu der Art der Heilung und Sinngebung Anlass geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Heilung auf der individuell-persönlichen Ebene ====&lt;br /&gt;
Als typisches Beispiel sei hier die Begegnung mit dem Blinden von Jericho angeführt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Und sie kamen nach Jericho. Und als er aus Jericho herauszog, gefolgt von seinen Jüngern und einer großen Menge, da saß der Sohn des Thimäus, Bartimäus, ein blinder Bettler, am Wege. Und als er hörte, dass Jesus von Nazareth vorüberkäme, begann er laut zu rufen: Sohn Davids, Jesus, habe Erbarmen mit mir! Und viele drohten und geboten ihm zu schweigen. Er aber rief nur umso lauter: Sohn Davids, habe Erbarmen mit mir! Da blieb Jesus stehen und sprach: Ruft ihn herbei. Und sie riefen den Blinden herbei und sprachen zu ihm: Mutig, stehe auf, er ruft dich! Da warf er seinen Mantel ab, sprang auf seine Füße und eilte zu Jesus. Und Jesus sprach zu ihm: Was soll ich für dich tun? Der Blinde sprach: Meister, gib, dass ich mein Augenlicht zurückerlange. Und Jesus sprach: Geh hin, dein Glaube hat dich geheilt. Und plötzlich konnte er wieder sehen und folgte ihm auf seinem Wege nach.“[1]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Krankengeschichte wird der Name des Betroffenen genannt, es findet eine individuelle Begegnung, ein „Arzt-Patienten-Gespräch“ statt. Es wird auch beschrieben, wie der Kranke sich verhalten soll und wie der Geheilte sich danach verhält: &#039;&#039;„...und folgte ihm auf seinem Wege nach“&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Krankengeschichte erfordert individuelle medizinische Beratung – wie es heute fast ausschließlich geschieht. Die Heilung auf der individuellen Ebene wird in den Evangelien von einer inneren Erweckung bzw. Bekehrung begleitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Heilung im Sozialen, im Schicksalsumkreis des Betroffenen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenig beachtet werden heutzutage Krankengeschichten, bei denen nicht der Kranke selbst im Mittelpunkt steht, sondern bei denen es mehr um die Menschen im Umkreis geht, die im Zusammenhang mit der Heilung eine innere Verwandlung durchmachen. Hier sei „der Hauptmann von Kapernaum“ als Beispiel genannt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Als er diese Rede, die auch das Volk mitanhörte, vollendet hatte, ging er nach Kapernaum. Dort lag der Diener eines Hauptmanns darnieder und war dem Tode nahe; und er war ein Vertrauter des Hauptmanns. Als dieser nun von Jesus hörte, sandte er die Ältesten der Juden zu ihm und ließ ihn bitten, er möchte kommen, um seinem Diener das Leben zu retten. Sie kamen zu Jesus und baten ihn inständig mit den Worten: Er ist deines Beistandes würdig, denn er liebt unser Volk, und die Synagoge hat er uns erbaut. Und Jesus machte sich mit ihnen auf den Weg. Und als sie schon nahe bei dem Hause des Hauptmanns waren, sandte ihm dieser seine Freunde entgegen und ließ ihm sagen: Herr, bemühe dich nicht, ich bin nicht würdig, dass du in mein Haus eintrittst, darum habe ich auch nicht gewagt, selber zu dir zu kommen. Sprich nur ein Wort, so muss mein Knabe gesund werden. Ich bin auch ein Mensch, der höheren Gewalten untersteht, und ich wiederum habe Soldaten unter mir, und wenn ich zu dem einen spreche: Geh, so geht er, und zu dem anderen: Komm, so kommt er; und wenn ich zu meinem Diener sage: Tue dies, so tut er&#039;s. Als Jesus das hörte, erstaunte er, wandte sich zu der ihm nachfolgenden Menge und sprach: Ich sage euch, nirgends in Israel habe ich eine solche Kraft des Vertrauens gefunden. Und als die Abgesandten wieder in das Haus kamen, fanden sie den Diener genesen.&#039;&#039;“[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Krankengeschichte tritt das individuelle Schicksal des Betroffenen nicht in Erscheinung. Die entscheidenden Veränderungen, von denen im Zusammenhang mit der Heilung berichtet wird, vollziehen sich vielmehr bei den Menschen im Schicksalsumkreis des Kranken. Durch die plötzliche Krankheit des Knechtes finden die Ältesten der Juden, der Hauptmann selbst und dessen Freunde hin zu Christus. Der „Erfolg“, der Sinn der Krankheit, zeigt sich nicht am Betroffenen selbst, sondern an Menschen seines Schicksalsumkreises.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Kein Schicksal gleicht dem anderen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Es mag auf den ersten Blick befremden, dass ein Mensch eine schwere Krankheit durchmacht und es vor allem darum geht, was die ihn pflegenden und an seinem Leben und seiner Entwicklung Anteil nehmenden Menschen dadurch erleiden und erlernen. Doch der Blick in die tägliche Praxis zeigt, dass das oft der Fall ist:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Es gibt Krankheiten, die primär für die Betroffenen Sinn machen, während die Menschen im Umkreis bemüht sind, bei diesen Lernprozessen zu helfen, selber jedoch keine größeren Änderungen ihrer Lebenseinstellung oder Lebenseinsichten erfahren.&lt;br /&gt;
* Es gibt aber auch genau das Umgekehrte: Der Erkrankte tröstet seine nahen Mitmenschen trotz der Schwere seines Zustandes, während die Menschen in seinem Umkreis von Verzweiflung, Sorge, Angst und Unsicherheit gezeichnet sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schicksalsbeziehungen unter den Menschen sind außerordentlich differenziert. Was zählt, ist einerseits das ganz Individuelle der Entwicklungssituation des Einzelnen und andererseits seine Beziehung zu den Menschen um ihn herum. Im Hinblick auf die Schicksalsbeziehungen der Menschen untereinander kommen wir in einen Bereich, in dem alles unvergleichlich, besonders und einmalig ist. Kein Schicksal gleicht einem anderen; denn was innerlich durchgemacht und erlebt wird von den Menschen, unterscheidet sich sehr, so ähnlich auch die Lebensläufe nach außen hin erscheinen mögen. Das erkennt man, wenn man Einblick bekommt in das, was Menschen während ihres Lebens tatsächlich erlebt, erlitten und erreicht haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Heilung und Sinngebung im Hinblick auf die ganze Menschheit ====&lt;br /&gt;
Neben der individuell-persönlichen und sozialen Ebene gibt es noch eine dritte Ebene der Schicksalsbetroffenheit – die menschheitliche. Wie der einzelne Mensch sein Schicksal hat, so haben auch Menschengruppen, Religionsgemeinschaften, Völker, größere und kleinere soziale Vereinigungen wie Familien oder Arbeitsgemeinschaften ihr Schicksal. Darüber hinaus gibt es aber auch noch den allumfassenden menschheitlichen Schicksalszusammenhang. Die Menschheit als Ganzes hat sich durch die Jahrtausende hindurch entwickelt, hat ihre Vergangenheit, ihre Gegenwart und ihre Zukunft – hat ihr Schicksal im Weltganzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Art des Krankseins um der Menschheit willen wirft die „letzten Fragen“ auf, rührt an den Kern unserer Persönlichkeit, an das in uns wirksame geistige Wesen, das wir mit dem Wort „ich“ benennen. Obgleich jeder mit diesem Wort sich selber kennzeichnet, ist es doch zugleich auch der Name aller Menschen. Wer &#039;&#039;ich bin ich&#039;&#039; sagt, macht damit deutlich, dass er sich mit sich selbst identifiziert – und dies tut jeder auf seine Art. Alle sind wir Menschen – aber wie wir das zum Ausdruck bringen, auf welchen Wegen wir zu uns selber kommen, wirklich wissen, wer wir sind – das macht uns zur einmaligen Individualität. Wir erkennen dabei auch, wie viel wir von anderen, aber auch aus der Entwicklungsgeschichte der Menschheit gelernt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was kann Heilung auf der menschheitlichen Ebene bedeuten?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch hier hat die Krankheit eine aufrüttelnde Bedeutung, indem sie dem Einzelnen seine Zugehörigkeit zum Menschheitsganzen bewusst machen kann. Als Beispiel für diese Art von Krankengeschichte sei die erste aus dem Lukas-Evangelium angeführt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„&#039;&#039;Und er kam hinab nach Kapernaum, in die galiläische Stadt. Und auch dort lehrte er am Sabbat. Und die Menschen gerieten in Ekstase durch seine Lehre, denn sein Wort wirkte mit Geistgewalt. In der Synagoge war auch ein Mensch, der von einem unreinen Dämon besessen war. Dieser schrie mit lauter Stimme: Was ist es, das uns an dich bindet, Jesus von Nazareth? Bist du gekommen, uns zu vernichten? Ich weiß, wer du bist: Du bist der Heilige Gottes! Jesus erhob seinen Arm gegen ihn und sprach: Schweig und verlasse ihn! Da warf der Dämon den Menschen mitten im Raum zu Boden und fuhr von ihm aus, ohne ihm zu schaden. Alle waren voller Staunen und sprachen zueinander: Welche Gewalt des Wortes! Als wäre alle Schöpfermacht und Weltenkraft in ihm, so gebieterisch spricht er zu den unreinen Geistern, und sie müssen ihm weichen. Und die Kunde von ihm verbreitete sich durch das ganze umliegende Land.“&#039;&#039;&#039;[3]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Vergleich mit den beiden anderen hier angeführten Krankengeschichten fällt auf, wie wenig wir über den betroffenen Menschen in der Synagoge von Kapernaum erfahren. Es findet kein persönliches Gespräch mit ihm statt. Christus spricht vielmehr nur mit dem Geist seiner Krankheit, dem Dämon, und gebietet ihm, den Kranken zu verlassen. Auch die im Umkreis Stehenden werden keines Wortes gewürdigt. Sie sprechen untereinander und wundern sich, wie diese Heilung möglich war. Hier wird auf die rein geistige Ebene der Krankheit hingewiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Notwendige Auseinandersetzung mit dem Bösen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Aus dieser Art Krankengeschichte geht hervor, dass die Menschheit offensichtlich die Auseinandersetzung mit dem Bösen und der Krankheit für ihre Entwicklung braucht. Davon künden alle Schöpfungsmythen, alle archetypischen Erzählungen von Licht und Finsternis – aber auch unsere tägliche Lebenserfahrung als Menschen des 21. Jahrhunderts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wo vergeht ein Tag, an dem wir nicht dem Bösen, dem Destruktiven oder zumindest dem Hemmenden in uns oder um uns begegnen, an dem uns diese dunkle Seite des Menschseins nicht durch Zeitung und Fernsehen vor Augen geführt wird?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage nach dem Sinn des Bösen gehört zu den wichtigsten, aber auch unerträglichsten, die das Leben an uns stellt. Wie sehr wünschte man sich die Möglichkeit menschlicher Entwicklung ohne die Auseinandersetzung mit diesem Alptraum des Menschlichen, dem schlechthin Inhumanen, Bösen und Widernatürlichen, so wie es gerade im 20. Jahrhundert durch Kriege und Völkermord und Brutalität im häuslichen Milieu tausendfältig in Erscheinung getreten ist und sich weiter fortsetzt. Und dennoch lehrt schon der schlichte Blick in die tägliche Lebenserfahrung, dass ohne die individuelle Auseinandersetzung mit dem Irrtum und dem Bösen etwas Wichtiges nicht entstehen könnte: das Bewusstsein von Selbständigkeit und Freiheit. Freiheit als zentrale Dimension menschlicher Würde ist mit Notwendigkeit gebunden an die Möglichkeit zu irren. Damit muss auch in der Konstitution einer Welt, in der Freiheit zur Entwicklung kommen soll, das Böse, das Entgegengesetzte, vorhanden sein dürfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so gibt es in der Medizin auch die Frage nach dem Geistig-Wesenhaften, das Krankheit und Heilung zugrunde liegt. Auf diese Dimension weist die Hiobsgeschichte aus der Bibel hin, an deren Beginn ein Dialog zwischen Gott und dem Teufel steht. Goethe hat in seinem „Prolog im Himmel“ zu Beginn des Dramas „Faust“ daran angeknüpft. Hiob, aber auch Faust, werden gesund bzw. gerettet, weil sie sich entwickeln, weil sie lernen und die innere Orientierung am Göttlichen nicht verlieren. Am Bösen erwacht der Sinn für das Gute, im Krankheitserleben die Sehnsucht nach Gesundheit und Heilung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Begabungen und Behinderungen“, 10. Kapitel, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2004&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Neues Testament, &#039;&#039;Markus 10, 46-52&#039;&#039;, zit. nach der Übersetzung von Emil Bock.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Neues Testament, &#039;&#039;Lukas 7, 1-10&#039;&#039;, zit. nach der Übersetzung von Emil Bock.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Lukas 4, 31-37, zit. nach der Übersetzung von Emil Bock.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== GEISTIG-SEELISCHE ERKRANKUNGEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie entstehen geistig-seelische Erkrankungen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zusammenhang von unbewusstem und bewusstem Seelenleben&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Es macht den Reichtum des menschlichen Seelenlebens aus, dass Gedanken, Gefühle und Willensimpulse ständig zusammenwirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Selbstbewusstsein, das in der Kindheit erwacht, hat die Aufgabe, im Laufe des Lebens dieses Zusammenwirken lenken und beherrschen zu lernen. In dem Maß, in dem es gelingt, wird das Seelenleben ein Abbild der in sich geordneten und aufeinander bezogenen körperlichen Funktionen und wirkt wohltuend und gesundend auf sie zurück. Um nun das Auftreten geistiger Behinderungen oder auch seelischer Erkrankungen verstehen zu können, ist es nötig, noch auf einen anderen Sachverhalt des Seelenlebens einzugehen: auf den Zusammenhang von unbewusstem und bewusstem Seelenleben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie von Rudolf Steiner erforscht, werden im Laufe der Entwicklung die Kräfte, die vorher am Aufbau des Leibes mitgewirkt haben, für das bewusste Seelenleben frei. Die im Leibesleben „inkarnierten“ Seelenkräfte wirken unbewusst, die vom Leib befreiten seelischen Kräfte werden als Gedanken, Gefühle und Willensorientierung ins Bewusstsein gehoben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ursprung von psychischen Erkrankungen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Gelangen nun im Laufe der Entwicklung leibfrei gewordene Wachstumskräfte ins Bewusstsein, die von der integrierenden Kraft der Seele, dem „Ich“, nicht beherrscht werden können, weil ihnen noch etwas von der inkarnierenden, organbezogenen Eigendynamik anhaftet, so beginnen sie im Seelenleben eine Eigendynamik zu entwickeln. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier liegt der Ursprung der sogenannten Seelen- und Geisteskrankheiten: Gedanken können dann auftauchen und den Menschen bedrängen mit einer Lebhaftigkeit und Intensität, wie sie dem sonst so schattenhaften Denken nicht eigen sind. Sie können dem Menschen als Bildgestaltungen gegenübertreten, die von ihm nicht beherrscht werden und sein Gefühls- und Willensleben in Anspruch nehmen. Besonders deutlich ist dies bei den verschiedenen Formen der Schizophrenie der Fall:[1] Wahnvorstellungen, Zwangsgedanken, Entfremdungserlebnisse, unbeherrschbare Emotionen, Willenslähmung und die Neigung zu Tobsucht zeigen, welche dieser Bereiche des Seelenlebens der Ich-Kontrolle entglitten sind. Das Ich ist nicht mehr Herr über bestimmte Aspekte des Seelenlebens, sondern unter Umständen von einem oder mehreren Gedanken beherrscht, und der Mensch folgt ihnen zwanghaft in seinem Gefühls- und Willensleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solche Men­schen sprechen dann von Ahnungen und Eingebungen oder in fort­geschrittenen Stadien auch von „Stimmen“, die sie hören, oder von Personen, die ihnen erschienen sind, die sie zu diesem und jenem veranlasst haben. Die Inhalte des Gedanken-, Gefühls- und Willenslebens sind nicht mehr ich-durchdrungen wie im gesunden Seelenleben und werden so auch oft nicht mehr als zum eigenen Selbst gehö­rig erlebt, sondern als etwas Bedrohliches, Fremdes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Anthroposophische Therapie bei geistig-seelischen Erkrankungen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ein anthroposophisch orientierter Psychiater wird daher seine Therapie einerseits auf die Behandlung der Organsysteme und -funktionen richten, dem die pathologischen Seeleninhalte als metamorphosierte Wachstumskräfte entstammen. Auf der anderen Seite wird er mit Hilfe der künstlerischen Therapie und des Gespräches versuchen, das Ich des Kranken so weit zu stärken, dass dieser die Kontrolle über sein Seelenleben wieder erlangen kann. Er wird auch versuchen, mit Pädagogen und Eltern ins Gespräch zu kommen, damit Frühsymptome rechtzeitig erkannt und dem Ausbrechen ei­ner solchen schweren Seelenkrankheit wirksam vorgebeugt werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz entscheidend ist auch die Art und Weise, wie Lehrer mit den frei werdenden Bildekräften umgehen und bei Tage das Seelenleben des Kindes beeinflussen und wie die nächtlichen Aufbau- und Regenerationsvorgänge in der Wachstumsphase ablaufen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Kapitel&#039;&#039; „&#039;&#039;Wie sind Leib, Seele und Geist in Gesundheit und Krankheit verbunden?&#039;&#039;“, &#039;&#039;Elternsprechstunde, Verlag Urachhaus, Stuttgart&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. Rudolf Treichler, &#039;&#039;Der schizophrene Prozeß&#039;&#039;, vergriffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== GRUNDLEGENDES ZU KÖRPERLICHEN ERKRANKUNGEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kommt es zu körperlichen Erkrankungen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was kann die anthroposophische Perspektive dazu beitragen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern haben Erkenntnisprozesse Einfluss auf Krankheitsprozesse?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Krankheit als unkontrollierter Emanzipationsvorgang von Kräften&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
So wie sich jede seelische Erkrankung beschreiben lässt als Ausdruck von Gedanken, Gefühlen und Handlungsimpulsen, die nicht mehr der Ich-Kontrolle unterworfen sind, so lässt sich auch jede körperliche Erkrankung als ein Emanzipationsvorgang bestimmter Funktionen und biologischer Gesetzmäßigkeiten beschreiben, die sich nicht mehr den kontrollierenden Instanzen des Organismus unterwerfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie kommen zustande, wenn sich die seelischen Kräfte zu stark im Leib betätigen oder aber zu sehr aus ihrer notwendigen Verbindung mit dem Leib lösen. Ergänzt man die herkömmliche Diagnostik mit dieser Sichtweise, wird nicht nur das Wesen der Krankheit besser verständlich, sondern es erschließen sich auch neue Möglichkeiten für die Therapie: Es wird deutlich, durch welche seelische und geistige Aktivität die Gesundung mit beeinflusst werden kann, weil man beginnt, die Prozesse zu verstehen, denen der Leib-Seele-Zusammenhang gehorcht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Anthroposophische Perspektive als Ergän­zung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner legte großen Wert darauf, dass die Anthroposophischen Möglichkeiten für Diagnostik und Therapie als Ergän­zung zur gegenwärtigen Schulmedizin und nicht als eine Alterna­tive aufgefasst werden. Die geisteswissenschaftliche Forschung Ru­dolf Steiners erschließt vielmehr die seelischen und geistigen Hintergründe für physiologische Vorgänge. Sie diese in ein neues Licht rücken, will deren Erforschung auf naturwissenschaftlichem Wege nicht ersetzen, sondern die not­wendige Ergänzung dazu sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant ist, dass Menschen, die ernsthaft nach dem Sinn ihrer Erkrankung fragen und vom Arzt wissen wollen, ob man da auch durch meditative geistige Arbeit etwas zur Gesundung tun kann, und man ihnen von dem sie betreffenden möglichen positiven Gegenbild ihrer Erkrankung erzählt, die damit verbundene meditative Übungsaufgabe gerne ergreifen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht bei einem solchen Ansatz, der im anthroposophischen Sinne die geistige und die karmische Dimension des Menschen mitberücksichtig, weder um eine Schuldzuweisung in irgendeiner Richtung, noch um eine Interpretation der Krankheit als Vergeltungsmaßnahme. Vielmehr geht es ausschließlich um die Frage nach dem Sinn auf dem Entwicklungsweg des Betroffenen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entsprechung von Krankheitsprozess und Schulungsweg&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ita Wegman hat diesen Zusammenhang in ihrer Vorrede zur &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; beschrieben. Sie schreibt dort, dass der Eingeweihte den Schulungsweg zur höheren Erkenntnis kennt, und der Arzt die Krankheiten und wie sich beides entspricht. Dadurch fällt möglicherweise auch etwas mehr Licht auf die Frage, welche Dimension die Zusammenarbeit zwischen Rudolf Steiner und Ita Wegman hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man versteht in diesem Kontext auch die Antwort, die Steiner auf die Frage nach dem Sinn der Krankheit in dem oben genannten Vortragszusammenhang gibt: Der Sinn einer Krankheit sei immer die Heilung![2] Denn mit ihrem Auftreten hat sich das mit ihr zusammenhängende Schicksal bereits ausgelebt. Die Aufgabenstellung ist deutlich geworden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt kommt alles darauf an, die Heilung so zu begleiten, dass nicht nur der Körper gesünder wird, sondern auch Seele und Geist etwas davon haben. Kommt das Letztere zu kurz, so besteht die Gefahr eines Rückfalls oder einer anderen Folgekrankheit. Probleme im individuellen und sozialen Leben wiederholen sich offenbar so lange, bis die davon Betroffenen merken, dass das auch etwas mit ihnen zu tun hat und bereit sind, daraus zu lernen und sich weiterzuentwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankheiten und Schicksalsschläge schränken mitunter dramatisch ein und erzwingen sozusagen durch die Krankheit einen unbewussten Lernvorgang. Denn in der Krankheit wird der auf der Erkenntnisebene nicht stattgehabte Vorgang jetzt unbewusst in seiner körperlichen Projektion durchlitten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zwei mögliche Ausgänge von Krankheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das beinhaltet zwei Möglichkeiten, wie eine Krankheit ausgeht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Wenn man wieder gesund wird&#039;&#039;&#039;, erfüllt einen in der Regel eine große Dankbarkeit und man ergreift sein wiedergewonnenes aktives Leben mit mehr Bewusstsein für das Wesentliche.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Stirbt man jedoch an der Krankheit&#039;&#039;&#039;, so bleibt das im Körper durchlittene Erlebnis des Krankheitsprozesses, das die Wesensglieder selber hervorgebracht haben, selbstverständlich als eine unbewusst geleistete &#039;&#039;„körperliche Erkenntnisarbeit“&#039;&#039; erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so wie im Nahtod-Erlebnis in Folge der Lockerung des Ätherleibes das Lebenspanorama aufscheint und auch all das enthält, was man im gewöhnlichen Gedächtnis nicht mehr parat hatte oder was unbewusst blieb, so taucht auch jetzt nach dem Tod in voller Bewusstseinsklarheit auf, was im Hervorbringen der Krankheit dem Bewusstsein entzogen war. So kann man die Früchte der Krankheit als wichtige Entwicklungserfahrung auf seinem weiteren nachtodlich-geistigen Weg mitnehmen und in die Vorbereitung der nächsten Inkarnation als Anlage zu neuer Fähigkeitsbildung einbeziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Kapitel „Wie sind Leib, Seele und Geist in Gesundheit und Krankheit verbunden?“, Elternsprechstunde, Verlag Urachhaus, Stuttgart&#039;&#039;&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27, Vorrede.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Metamorphosen des Seelenlebens. Pfade der Seelenerlebnisse. Zweiter Teil,&#039;&#039; GA 59, S. 170.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== HIOB – SCHULD UND KRANKHEIT ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was kann uns die Geschichte von Hiob über Krankheit lehren?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Besteht ein Zusammenhang zwischen Krankheit und Schuld?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Vorspiel im Himmel&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die schwer verständliche Geschichte von Hiob[1] hat ein Vorspiel im Himmel. Dort spricht Gott, der Herr, mit dem Teufel und lobt seinen Knecht Hiob, an dem kein Fehl und Tadel ist. Der Teufel hört sich das an, weist jedoch darauf hin, dass es für Hiob nicht schwer sei, ein gottgefälliges Leben zu führen, da es ihm ja so gut gehe. Er habe alles, was ein Mann zum Leben brauche: eine liebe Frau, Kinder, Reichtum, Freunde und – Gesundheit. &#039;&#039;„Aber“,&#039;&#039; so setzt der Teufel hinzu, &#039;&#039;„recke deine Hand aus und taste an alles, was er hat: was gilt&#039;s, er wird dir ins Angesicht absagen.“&#039;&#039; Gott, der Herr, lässt sich auf diese Wette ein und gibt dem Teufel die Macht, Hiob mit allen nur erdenklichen Plagen zu schaden – mit einer Ausnahme: Er darf ihn nicht töten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so kommt Hiob völlig „schuldlos“ in Elend und Not, sodass schließlich alle an ihm zweifeln und ihn verdächtigen, insgeheim eine schwere Sünde auf sich geladen zu haben, da Gott gemäß dem jüdischen Glauben keine Unschuldigen straft. Hiob, der sich keiner Schuld bewusst ist, und der Schicksalsumkreis, der in Hiobs Krankheit und Not ebenfalls keinen Sinn erkennen kann, werden vorbereitet, etwas noch viel Tieferliegendes zu verstehen: dass man auch dadurch „schuldig“ werden kann, dass man meint, Irrtum und Böses seien nur bei anderen Menschen zu finden, wohingegen man selber schon untadelig und rein sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Schicksalsfragen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Doch selbst wenn man schon ohne Fehl und Tadel wäre und ein echt gottgefälliges Leben führen würde, müsste man sich fragen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was waren die Bedingungen meiner Entwicklung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wodurch habe ich mein untadeliges Wesen erwerben können?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie konnte ich überhaupt lernen, ein guter Mensch zu werden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie viel habe ich dabei von anderen gelernt?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie oft sah ich fremdes Leid und lernte daraus und wurde so davor geschützt, selbst den das Leid verursachenden Fehler zu machen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ist mein fortgeschrittener Entwicklungsgrad nicht auch der Tatsache geschuldet, dass andere in meinem Umfeld noch Seelenqual, Schuld, Krieg und Not erleiden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es liegt nahe, einzusehen, dass man sein So-Sein den Menschen verdankt, mit denen man gelebt hat. Man verdankt es aber auch der Tatsache, dass die Menschheit als Ganzes in Entwicklung begriffen ist: Wenn wir im eigenen Schicksalsumkreis mit einem bestimmten Problem nicht konfrontiert wurden, von dem wir hätten lernen können, berichtet uns die Menschheitsgeschichte darüber, lernen wir aus den Erfahrungen anderer. Wir verdanken unser So-Sein nicht nur dem persönlichen Schicksalsumfeld, sondern auch dem großen Entwicklungsprozess der Menschheit selbst. Als Hiob diese Tatsache zu begreifen begann, wurde er als würdig erachtet, Gott zu schauen. Er hat den Sinn des Mensch-Seins erfahren und dabei die Gottesnähe erlebt – gerade auch im Leid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Drei Ebenen von Schuld&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Damit erfährt auch der Begriff der „Schuld“ eine Erweiterung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Es gibt die &#039;&#039;&#039;individuelle Schuld&#039;&#039;&#039;, über die sich der einzelne Mensch am besten selbst Rechenschaft ablegt.&lt;br /&gt;
* Dann gibt es das &#039;&#039;&#039;Schuldig-Werden an anderen Menschen&#039;&#039;&#039;, auch dann, wenn man davon nicht einmal weiß: Man lebt in der Illusion, richtig gehandelt zu haben, und ahnt nicht, zu welchen Schmerzen oder gar Zusammenbrüchen das eigene Handeln bei anderen Menschen geführt hat. Diese Schädigung anderer Menschen, die einem nicht einmal bewusst war, bedarf in irgendeiner Form des Ausgleichs, u.U. auch erst in einem späteren Erdenleben.&lt;br /&gt;
* Es gibt aber auch &#039;&#039;&#039;Schuld auf der menschheitlichen Ebene&#039;&#039;&#039;. Sie hat mit Gott selbst zu tun: Indem ER von Anbeginn der Schöpfung das Böse als Bestandteil unserer Entwicklung zuließ, trägt auch Gott für diesen Ratschluss, diesen Urentscheid „Schuld“. Ausdruck davon sind im Alten und Neuen Testament Stellen, an denen unmittelbare Zwiesprache z.B. zwischen Gott und Teufel oder zwischen Christus und dem Geist einer Krankheit stattfindet.   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Verwandlung von Schuld&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Angesichts allgegenwärtiger Schuld, z.B. was sich an sogenannter Kollektivschuld in Deutschland und anderen Ländern angehäuft hat, aber auch im Hinblick auf die vielfältige Verschuldung des modernen Lebens gegenüber Mensch und Natur, ist es hilfreich sich zu fragen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was will diese Verschuldung – woher auch immer sie kommt – uns, mich, heute lehren? Wie kann ich Schuld durch tätige Mitverantwortung auflösen und verwandeln helfen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch eine solche Fragehaltung erfährt Schuld eine wohltuende Metamorphose. Denn es geht nicht mehr darum, &#039;&#039;wer&#039;&#039; etwas verschuldet hat, sondern einzig und allein darum, &#039;&#039;worauf&#039;&#039; diese sogenannte Schuld hinweisen und aufmerksam machen will – was man an ihr und durch sie lernen kann und welche positiven Entwicklungsmöglichkeiten dadurch eröffnet werden. Eine solche Auffassung von Schuld hilft uns nicht nur, mit wachsender Dankbarkeit und innerer Ruhe auf Leben und Mitwelt hinzublicken. Sie hilft uns auch, im Falle von Leid oder Krankheit, die uns scheinbar „unschuldig“ treffen, zu erkennen, dass man dadurch bewusst am Leid der Menschheit Anteil nimmt – und nicht nur persönliche Verfehlungen ausgleicht. Vorbild dafür ist in der biblischen Tradition das Buch Hiob, und im neuen Testament ist es der Christus, der schuldlos „der Welt Sünde trägt“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Begabungen und Behinderungen“, 10. Kapitel, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2004&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Aus dem &#039;&#039;Buch Hiob&#039;&#039; des Alten Testaments. - Goethe hat diese „Krankengeschichte“ im Faust, dem modernen Hiob-Buch, dramatisiert. Damit bekommt gerade dieser Krankheitstypus für die heutige Menschheit besonderes Gewicht. Denn die Faustgestalt steht für die Entwicklungsdramatik des modernen Menschen, der sich seines Paktes mit dem Teufel, das heißt seiner Beziehung zum Bösen, bewusstwerden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FOLGEN DES FEHLENS SPIRITUELLER WERTE ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Folgen hat eine spirituelle Erziehung im späteren Leben?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Folgen fehlender Spiritualität im Kindesalter&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Fehlt die religiöse Erziehung im Kindesalter, so haben es die Betreffenden im späteren Leben sehr viel schwerer, sich auf die Suche nach spirituellen Werten zu machen, da sie auf keinerlei Erfahrung zurückgreifen können und damit auch nicht recht wissen, was sie überhaupt suchen sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Drogenkonsum ====&lt;br /&gt;
Dass das wirklich so ist, erleben wir heute an der immer stärker anwachsenden Tendenz zu Suchtkrankheit und Drogenabhängigkeit. Denn die Suchtkrankheit ist die Krankheit der Religionslosigkeit.[1] Fragt man Drogenabhängige, was sie in der Drogenszene finden, wird deutlich, dass es sich um genau die Qualitäten und Werte handelt, die den religiösen Erfahrungen entsprechen: Ruhe und Geborgenheit, Erleben vertrauensvoller menschlicher Beziehungen, Licht- und Wärmeerlebnisse – also intensive Sinneserlebnisse und starke Selbsterfahrung. So sagen sie oft, dass es der unerträgliche Zweifel am Sinn des Lebens war, der sie in die Sucht trieb, oder dass sie die Schlechtigkeit und Ungerechtigkeit der Welt nicht ertrugen oder aber, dass sie keine Liebe und Geborgenheit unter Menschen erlebt haben. Das alles hätten sie erst in der Drogenszene gefunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn die Drogenkarriere keine echte Perspektive für das Leben darstellt, überwiegt bei den Betroffenen die Dankbarkeit, dass sie vorübergehend ihre quälenden Zweifel und Ängste ablegen können und sich aufgenommen fühlen von einer anderen Welt, die erfüllt ist von Farben und Licht, von Freundschaft und Geborgenheit. Wer Drogen nimmt, betritt diese Welt zwar ohne waches Selbstbewusstsein, aber er entrinnt auf diese Weise wenigstens der Enge, Dürftigkeit und Einsamkeit des scheinbar so sinnlosen Alltagslebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Neue Krankheiten ====&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner hat zu Beginn dieses Jahrhunderts in Vorträgen immer wieder darauf hingewiesen, dass neue Krankheiten auftreten werden, wenn weitere drei Generationen in der gleichen Art leben wie zur damaligen bereits vom Materialismus bestimmten Zeit. Die körperlichen Kraftreserven, die aufgrund der Vererbung für mehrere Generationen reichen, wären nach ca. 100 Jahren verbraucht. Der Mensch wäre dann darauf angewiesen, zusätzliche geistige Kräfte aufzunehmen, damit der Leib nicht zerbricht, sondern sich verwandeln kann.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zusammenhang zwischen Geist und Gesundheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Um diesen Zusammenhang zwischen Geist und Gesundheit zu verstehen, bedarf es der Kenntnis eines der wichtigsten Forschungsergebnisse Rudolf Steiners für Pädagogik und Medizin: Die Kenntnis vom Gesetz der Metamorphose der Wachstumskräfte in Gedankenkräfte. Steiner fand heraus, dass die Kraft, die dem Wachstum, der Regeneration und damit auch der Selbstheilung des Organismus zugrunde liegt (in der Anthroposophie „ätherischer Organismus“ genannt), identisch ist mit der Kraft, die der Mensch aufwendet, wenn er denkt. In seinem gemeinsam mit der Ärztin Ita Wegman verfassten Buch &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; führt er diesbezüglich aus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Es ist von der allergrößten Bedeutung zu wissen, dass die gewöhnlichen Denkkräfte des Menschen die verfeinerten Gestaltungs- und Wachstumskräfte sind. Im Gestalten und Wachsen des menschlichen Organismus offenbart sich ein Geistiges. Denn dieses Geistige erscheint dann im Lebensverlaufe als die geistige Denkkraft.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und diese Denkkraft ist nur ein Teil der im Ätherischen webenden menschlichen Gestaltungs- und Wachstumskraft. Der andere Teil bleibt seiner im menschlichen Lebensbeginne innegehabten Aufgabe getreu. Nur weil der Mensch, wenn seine Gestaltung und sein Wachstum vorgerückt, das ist, bis zu einem gewissen Grade abgeschlossen sind, sich noch weiter entwickelt, kann das Ätherisch-Geistige, das im Organismus webt und lebt, im weiteren Leben als Denkkraft auftreten.&amp;quot;&#039;&#039;[3]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Neues Paradigma der psychosomatischen Medizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Bei diesem Forschungsergebnis handelt es sich um das neue Paradigma der psychosomatischen Medizin, auf dem Erziehung und Medizin in Zukunft immer mehr aufbauen müssen, wenn sie weiterhin erfolgreich sein wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn schon heute ist die psychosomatische Forschung weitgehend zu der Erkenntnis gelangt, dass beispielsweise ein Mensch mit guter Lebensmotivation, mit Zukunftsidealen und der Fähigkeit, seinem Leben einen Sinn zu geben, ein weit besseres Immunsystem und bessere Möglichkeiten der Rekonvaleszenz hat als jemand, der diesen positiven Zugang zum Leben nicht besitzt.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Welchen Auftrag hat die Religion in Erziehung und Heilkunst?“ aus „Die Heilkraft der Religion“, Stuttgart 1997&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Ron Dunselmann, &#039;&#039;An Stelle des Ich. Rauschdrogen und ihre Wirkung&#039;&#039;, Stuttgart 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Sendung Michaels&#039;&#039;. GA 194.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner; Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen&#039;&#039;, GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Vgl. Richard Wagner (Hrsg.), &#039;&#039;Immunologie und Krebskrankheit&#039;&#039;, Stuttgart 1993;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Martin Straube, &#039;&#039;AIDS-Sprechstunde&#039;&#039;, Stuttgart 1996.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DAS GEHEIMNIS DES MERKURSTABS ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist unter dem „Geheimnis des Merkurstabs“ zu verstehen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann dieses neue Mysterien-Prinzip angewandt werden in Diagnostik und Therapie?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was besagt der esoterische Krankheitsbegriff?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie können mit seiner Hilfe die Kräfte „des Oberen und des Unteren“ wieder an den rechten Ort gebracht werden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Der esoterische Krankheitsbegriff&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der esoterische Krankheitsbegriff ist eng mit dem &#039;&#039;„Geheimnis des Merkurstabs“&#039;&#039; verbunden. Er besagt, dass der Mensch etwas, das er in seinem Leben offensichtlich „zu seinem Heil“ braucht, nicht auf dem gesunden Wege „am rechten Ort und zur rechten Zeit“ durchmachen bzw. lernen konnte. Nun gibt ihm sein persönliches, soziales bzw. menschheitliches Schicksal die Gelegenheit, das Erwünschte auf dem Krankheitswege durchzumachen und so das Lern- bzw. Entwicklungsziel zu erreichen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Was wir bewusst &#039;&#039;&#039;auf dem Erkenntnisweg&#039;&#039;&#039; erarbeiten, ist &#039;&#039;von Michael inspiriert&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
* Was wir unbewusst &#039;&#039;&#039;durch Schmerz und Leid&#039;&#039;&#039; erringen, wird &#039;&#039;von Raphael begleitet&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist mit dem &#039;&#039;„Geheimnis des Merkurstabs“&#039;&#039; als neuem Mysterien-Prinzip gemeint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner sagt von diesem &#039;&#039;„Geheimnis des Merkurstabs“&#039;&#039;, dass Ärzte und Therapeuten es immer besser handhaben lernen sollten. Dabei kann uns die offene Lemniskate des Merkurstabs helfen, denn sie bildet ab, worum es bei diesem neuen Mysterien-Prinzip geht: um die Funktionsdynamik des Ätherischen. Nicht nur ist diese Dynamik unserem Herzen zutiefst eingeschrieben wie ein Siegel, sie bestimmt auch über den ganzen Kreislauf, ja über unsere gesamte menschliche Konstitution. Unser physischer Leib ist aufgebaut durch ätherische und astrale Kräfte sowie durch Kräfte der Ich-Organisation. Diesem Aufbau liegt ein unglaublich lebendiges, kraftvolles, Gesetzes-Prinzip zugrunde, das sich unserem Bewusstsein entzieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ita Wegman&#039;&#039; beschreibt den Schlüssel zu diesem neuen Mysterien-Prinzip, das ein Raphael-Mysterium ist, in ihrer Vorrede zu dem gemeinsam von ihr und Rudolf Steiner verfassten Buch &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“.&#039;&#039;&#039;[1]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Rudolf Steiner hatte ihre Vorrede zwar nicht in die Druckfassung des Buches übernommen, sie blieb aber erhalten und wurde von &#039;&#039;Walter Holtzapfel&#039;&#039;, von 1969 bis 1977 Leiter der Medizinischen Sektion, erstmals im Rundbrief der Sektion publiziert.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Krankheit physisch und geistig gesehen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ita Wegman schreibt dort von zwei Hauptursachen des Krankseins (auf die wir hier nicht näher eingehen wollen), die beide vom Physischen und vom Geistigen aus gesehen und beschrieben werden können: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Ein kranker Mensch ist aber immer ein ganz individueller Fall. Es gibt nicht zwei Menschen, die in gleichem Sinne krank sein können. Die Naturdinge, die ungeistig sind, führen auf allgemeine Gesetze zurück. Das Individuelle ist immer der Ausdruck der Wirksamkeit seelisch-geistiger Gesetze. Diese Gesetze sind nicht in Begriffe zu fassen, sondern nur für die Anschauung erreichbar. (...)&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Die Seelenübungen, die zur geistigen Anschauung führen, bestehen entweder in einer Abschwächung oder einer Verschärfung des Seelenlebens. Die Abschwächung des Seelenlebens ist innerhalb des Seelischen eine Nachahmung der Krankheiten der ersten Art, die Verschärfung eine Nachahmung der Krankheiten der zweiten Art. Wer also die Seelenverfassung kennt, die aus solchen Übungen stammt, kennt die Krankheiten, denn er hat in seinen Seelenzuständen Bilder davon. Beschreibt er durch das, was er an diesen Bildern erlebt, die physischen Symptome der Krankheiten, so liefert er jedem Arzt Beschreibungen, die dieser nachprüfen kann. Hält die Beschreibung der Nachprüfung stand, so werden damit auch die Angaben des Erforschers des Geistigen bestätigt. Und lässt sich der Arzt immer wieder auf die Beschreibungen eines solchen Geistesforschers ein, so kann er sich aus dessen Schilderungen des Symptomen-komplexes nach und nach selbst die geistige Anschauung erwerben. Wir sind durchaus der Meinung, dass das ganz richtige Lesen dieses Buches jeden Arzt in die Lage versetzt, selbst die Krankheiten geistig anzuschauen.&#039;&#039;[3]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht also darum, zu verstehen, dass der Übungsweg aus &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“&#039;&#039;[4] mit Mühen und seelischen Schmerzen verbunden ist, die denen entsprechen, die der Körper erleidet, wenn er krank ist. Krankheit erscheint der geistigen Anschauung als ein Kraftkomplex, der sich eigentlich hätte seelisch-geistig betätigen sollen, nun aber am falschen Ort leiblich aktiv wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Sinnfindung durch Umgang mit den geistigen Urbildern von Krankheiten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Es ist nun Aufgabe des Arztes, hinter jeder körperlichen Krankheit das Geistige zu sehen, das sich in dieser Krankheit am falschen Ort manifestiert. Damit wird aber auch der Sinn der Krankheit im individuellen Schicksal erkannt und die Krankheit „&#039;&#039;als physische Imagination vom geistigen Leben“[5]&#039;&#039; angeschaut, wie es Rudolf Steiner im &#039;&#039;Jungmedizinerkurs[6]&#039;&#039; zum Jahresanfang 1924 formuliert hatte. Therapie bedeutet in diesem Kontext, das Physisch-Imaginative auf den (Rück)Weg zur Gesundung, d.h. zum richtigen Ort, dem Geistig-Imaginativen zu bringen. So gesehen wäre das Buch zur Selbstschulung von Rudolf Steiner &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“&#039;&#039; auch unter dem Aspekt zu lesen, welcher Krankheit dadurch vorgebeugt werden kann, wenn man eine der dort beschriebenen Übungen macht. Autoimmunerkrankungen können z.B. als leibliche Projektion der geistigen Übung, &#039;&#039;„sich selbst wie ein Fremder gegenüber zu stehen“&#039;&#039; angesehen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gelingt es einem Menschen nicht, ein für dieses Leben seelisch-geistig veranlagtes Lernziel zu erreichen, so wählt er sich zum Ausgleich den unbewussten Weg durch die Krankheit, um das gewünschte Ziel so doch noch zu erreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Anforderungen an den Arzt&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wenn der Erkrankte nicht nach diesen esoterischen Hintergründen fragt, sollte der Arzt darüber schweigen. Denn dann besteht die Gefahr, dass der hier geschilderte Tatbestand Schuldgefühle im Kranken weckt, die seine krankhafte Symptomatik verstärken können. In diesem Fall kann der Arzt das geistige Gegenstück der Krankheit im Bewusstsein haben, wenn er dem Kranken gegenübertritt. Dann wirkt er durch seine Gegenwart „gesundend“ auf den Patienten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gleichzeitig ist der Umgang mit diesen geistigen Urbildern auch für den Arzt die beste Prävention. Denn indem er mit den entsprechenden Übungen arbeitet, im Grunde also geistig und seelisch mit den Gegenbildern der Krankheiten lebt, haben diese Kräfte bei ihm keine Veranlassung, sich an falschen Orten kränkend zu betätigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So tritt in der Anthroposophischen Medizin zu den schulmedizinischen und komplementärmedizinischen Therapieverfahren noch die Möglichkeit hinzu, durch ein spirituelles Krankheitsverständnis Prävention, Krankheit und Heilung in ihrem Zusammenhang tiefer zu verstehen. Diese Einsichten therapeutisch handhaben zu lernen, kann u.a. Wesen und Inhalt einer Raphael-Schule sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Raphael und die Mysterien von Krankheit und Heilung“, Medizinische Sektion am Goetheanum 2015&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner und Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes zu einer Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen,&#039;&#039; GA 27, Dornach 2007.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] &#039;&#039;Wiederabdruck in: Rundbrief für die Mitarbeiter der Medizinischen Sektion am Goetheanum in aller Welt&#039;&#039;. Nr. 2, Advent 1993.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Ita Wegman, nicht veröffentlichte Vorrede zu &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, Siehe Seiten 43-46.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der Höheren Welte&#039;&#039;n?, GA 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Meditative Betrachtungen und Anleitungen zur Vertiefung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 316, Dornach 2009, S. 104.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Jungmedizinerkurs&#039;&#039;, GA 316.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DER ESOTERISCHE KRANKHEITSBEGRIFF ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was besagt der esoterische Krankheitsbegriff?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Krankheit als Einweihung über den Tod hinaus&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;Jungmedizinerkurs&#039;&#039;[1] kann man nachlesen, dass jede Krankheit auch eine unbewusste Einweihungsbegegnung mit dem Hüter der Schwelle ist. In einem Notizbucheintrag Rudolf Steiners befindet sich ein erster Entwurf einer Meditation für die Jungmediziner, der später eine andere Form bekam. Es handelt sich um eine rein esoterische Formulierung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Begegnung&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Es strömen an der Schwelle&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Sinnesdunkel und Geisteshelle&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Zum Blendwerk ineinander.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Dieses Blendwerks Abbild&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ist die Krankheit.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;In der Krankheit lebet der Hüter,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Begegnung im Geist bewusst.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Begegnung im Körper unbewusst.[2]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst wenn ein Mensch an einer Krankheit stirbt, die ihm viele Schmerzen bereitet hat, wird er nach dem Tode davon profitieren: Die ätherischen Kräfte, die am Verlauf der Krankheit beteiligt waren, z.B. indem sie Krebswucherungen erzeugten, lösen sich nach dem Tod aus dem ätherischen Organismus heraus und vereinigen  sich mit allem, was der Mensch durch bewusste Erkenntnis erringen konnte. Denn nach dem Tod erwacht der Mensch zu allem, was er auf Erden getan hat, egal ob bewusst oder unbewusst. Was er durch Krankheiten auf unbewusste Weise errungen hat, auch durch Schmerzen, wird ihm nach dem Tode bewusst und er begreift, dass der Sinn seiner Krankheit darin lag, sie zu durchleiden. Durch Krankheit erreicht der Mensch über die körperliche Ebene in der Sphäre der Naturgesetze dasselbe Entwicklungsziel wie über den rein geistigen Entwicklungsweg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Geheimnisse von Gesundheit und Krankheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Zum besseren Verständnis dieser Prinzipien: Rudolf Steiner nennt im „&#039;&#039;Pastoralmedizinischen Kurs“[3]&#039;&#039; einen Spruch für Priester und Ärzte, der das Geheimnis des Merkurstabes in Worte fasst und eine Verbindung herstellt zu den genannten Zeilen aus dem Grundsteinspruch. Er lautet sinngemäß:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Ich werde den Weg gehen,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;der die Elemente in Prozess auflöst.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Er bringt mich hinunter zum Vater,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;der die Krankheit schickte,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;damit das Karma ausgeglichen wird,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;und bringt mich hinauf zum Geist,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;der die Seele durch Irrtümer (und Schuld) geleitet,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;damit sie Freiheit entwickelt.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist der Merkurstab in Worten – alle Geheimnisse von Gesundheit und Krankheit sind in dieser einen Meditation zusammengefasst:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Vatergott&#039;&#039;&#039; schickt uns Krankheit bzw. Störungen, um das Schicksal auszugleichen. Das geschieht in der Nacht, die die Domäne des Vaters ist. Wir nehmen den Körper, wie er ist. Auch können wir die Geburtsumstände nicht verändern.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Der Christus&#039;&#039;&#039; führt hinab zum Vater und hinauf zum Geist, um im Zuge der Entwicklung den Geistesmenschen im Erdenmenschen zu erschaffen&#039;&#039;.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
* Das alltägliche Leben, die Möglichkeit Tag für Tag über Versuch und Irrtum zu lernen, ist die Domäne &#039;&#039;&#039;des Heiligen Geistes&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;,&#039;&#039; der weiß, dass wir im Leben irren können. Wir geraten in Schuld, wenn wir nicht unseren eigenen Weg finden, wenn wir nicht das Gute suchen und zu tun bestrebt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Geschenke des Christus&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Dieser Gedanke ist sehr schmerzlich, doch kann es nicht anders sein: Man kann keine Freiheit erlangen, ohne Grenzen erlebt zu haben. Man kann nicht lernen in Freiheit zu lieben, wenn man nicht erlebt hat, wie es sich anfühlt, nicht geliebt zu werden oder wie schmerzlich es ist, wenn man anderen schadet. Wir brauchen die Dunkelheit, um das Licht verstehen zu können. Liebe und Freiheit brauchen einander. Deshalb kann echte Liebe alles aushalten, alles verarbeiten. Sie ist der Heiler unseres ICH BIN, wenn dieses lernt, unsere Liebesressourcen anzuzapfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Moment der Verzweiflung, des Todes, des Wandels, der Transformation, ist ein Geschenk des Christus: die Tatsache, dass wir uns verwandeln können, dass wir sterben und uns transformieren können; dass wir Regeln brechen und neue kreieren können. Das Mysterium des Lebens ist, dass es in den Tod mündet, sodass Tod die Frucht des Lebens ist. Wir werden geboren, um zu sterben. Das ist die Sphäre von Christus, dem Meister des Schicksals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die drei Rosenkreuzerworte&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Drei Zeilen aus der Grundsteinmeditation, auch Rosenkreuzerworte genannt, können uns in Bezug auf Krankheit und Gesundheit geistige Orientierung geben und dem besseren Verständnis dieser Sphäre dienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. „Ex deo nascimur“ ====&lt;br /&gt;
Wir entwickelten uns aus dem Vatergott – wir sind Kinder des Vaters, aus dem Vater geboren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. „In christo morimus“ ====&lt;br /&gt;
In Christus sterben wir. Unsere große Chance liegt in der Art, wie wir uns darauf vorbereiten: ob wir ihm, unserem Höheren Ich, mehr oder weniger bewusst begegnen werden. Das ganze Leben dreht sich um die Suche nach diesem Höheren Ich, dem Christus, denn wir tragen in uns die Sehnsucht, IHM zu begegnen. Im Todesmoment begegnen IHM alle Menschen als dem höchsten Hüter der Schwelle, egal, wie materialistisch sie gesinnt waren. Und je nachdem, wie sie sich vorbereitet haben, schlafen sie entweder ein oder bleiben wach, um zwischen Tod und einer neuen Geburt mit dem Heiligen Geist die nächsten Lernerfahrungen zu planen, z.B. auch, ob bestimmte Krankheiten „gebraucht werden“ in der nächsten Inkarnation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. „Per spiritum sanctum reviviscimus“ ====&lt;br /&gt;
Wir werden im Heiligen Geist erwachen zu unserer Aufgabe, uns selbst und andere zu heilen. Wir werden initiiert, werden auferweckt durch den Heiligen Geist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anhand dieser drei Zeilen können wir erkennen, dass die Vergangenheit aus dem Vater geboren wurde mitsamt dem vollen Risiko von Krankheit. Denn Krankheit hat mit unserem Körper zu tun und mit den Kräften, aus denen wir geboren wurden. Heilung ist ein zukünftiges Ziel – unangreifbar, unverwundbar zu werden. Das liegt weit in der Zukunft. Zwischen diesen Polen haben wir das Risiko des Lebens, das immer in Gefahr ist. Das Gleichgewicht kann in jedem Moment verloren gehen und wir werden krank – oder wir finden neue Kräfte und stehen wieder auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. mit einer Zusammenstellung von Vorträgen über „Die sieben Siegel der Apokalypse“ gehalten 2007&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1]Rudolf Steiner, &#039;&#039;Jungmedizinerkurs&#039;&#039;, GA 316.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Mantrische Sprüche. Seelenübungen II. 1903-1925, GA 268&#039;&#039;, Dornach 1999, S. 304 „Begegnung&amp;quot; wie abgedruckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner,  &#039;&#039;Pastoralmedizinischer Kurs&#039;&#039;, GA 318, Dornach, 8. bis 18. September 1924.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE KRANKHEIT SELBER IST DIE HEILUNG ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was bedeutet diese Aussage Rudolf Steiners?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Krankheit erzeugt Gesundheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ich versuche seit vielen Jahren das Wesen von Krankheit und Gesundheit zu verstehen, es immer besser zu begreifen und es auch zu vermitteln, wann und wo es gebraucht wird. Rudolf Steiner&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Es mag der Mensch erkranken, so lange er sich entwickelt! Durch die Krankheit entwickelt er sich zugleich zur Gesundheit. So strebt die Krankheit in der Heilung, und sogar im Tode, über sich selbst hinaus und erzeugt die Gesundheit&#039;&#039; – &#039;&#039;nicht als ein dem Menschen Fremdes, sondern als eine aus dem Menschenwesen selbst herausgewachsene, mit diesem Menschenwesen übereinstimmende Gesundheit.“&#039;&#039;&#039;[1]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist eine große Leistung, sich den ererbten Körper anzueignen und durch und durch zu individualisieren. Wir sind hier, um unseren Leib nicht nur zu beziehen, sondern ihn auch zu ergreifen und uns anzueignen. Man kann sogar sagen, jeder Mensch gestaltet seine Gesundheit, dieses Gottesgeschenk, aktiv mit. Mir wurde aber so deutlich wie noch nie, dass auch wir selbst es sind, die eine Krankheit hervorbringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Krankheit als krisenhafte Verselbstung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das kann man an der Krebserkrankung besonders gut ablesen, an dem autonomen Wachstum, dass dieses „autos“ (altgriech.: „selbst“) &#039;&#039;wir selbst&#039;&#039; sind und nicht ein Feind. An unserer gesunden Natur können wir das Tragende, das Vatergöttliche, erleben. Diese gesunde Natur macht nun „Platz“ für ein Krankheitsgeschehen, an dem wir oft über Jahre intensiv tätig sind, um etwas in unserer Entwicklung auszugleichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch nie stand mir so deutlich vor Augen, was Rudolf Steiner damit gemeint haben könnte, als er sinngemäß sagte: &#039;&#039;„Die Krankheit selber ist die Heilung“&#039;&#039;. Das müssen wir nur richtig begreifen und dieses Autonome als selbstgeführt verstehen lernen und dem Selbst des Patienten alle nur mögliche Hilfestellung leisten, um ihm aus dieser krisenhaften „Verselbstung“, die die Krankheit bedeutet, wiederum in Richtung Gesundheit zu verhelfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist eigentlich unser therapeutischer, pflegerischer und ärztlicher Beruf: Bruder sein, Schwester sein, Weggenosse sein, der mithilft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Abschlusswort JK 2009, Dornach, am 17.09.2009&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Metamorphosen des Seelenlebens&#039;&#039;, Band 2, GA 59, Ausgabe von 1984, S. 170.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE POCKENKRANKHEIT UND IHR GEISTIGES GEGENBILD ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist das geistige Gegenbild der Pockenkrankheit?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Warum ist es so wichtig, sich damit zu befassen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was kann es uns sagen über das Wesen und die Aufgabe der Krankheit?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die Pocken als Krankheit mit einer menschheitlichen Dimension&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner im Auge, setzt 1924 in den &#039;&#039;„Vorträgen für Medizinstudenten und jüngere Ärzte“[1]&#039;&#039; die Gesundheit des Arztes, d.h. seine Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheitsneigungen, in Beziehung zu der Aufgabe, auch das Wesen einer Krankheit zu erkennen, an der der jeweilige Patient leidet. Er gibt dann selber ein Beispiel, wie man dieses lernen kann. Hier geht es darum, die menschheitliche Dimension von Krankheiten und, was sie verursacht haben könnte, zu erkennen.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er wählte dazu die Pockenkrankheit, die damals infolge der Impfung schon am Aussterben war, weswegen wohl niemand seiner Zuhörer einen Pockenkranken je gesehen oder in seiner Praxis gehabt hatte. Vielleicht wählte Rudolf Steiner eine vom Aussterben bedrohte Krankheit, weil sie in ihrem Wesen noch nicht erkannt und damit grundlegend auf den Weg der Heilung gebracht werden konnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben es hier nicht mit einer typisch individuellen Erkrankung zu tun, sondern mit einer epidemisch auftretenden, was immer darauf hinweist, dass sie eine Antwort, ein Schicksalsausgleich, für ein soziales Entwicklungsdefizit sein könnte, das der „Schicksalsheilung“ durch diese Krankheit bzw. des Erkennens ihres Wesens bedarf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Sozialer Aspekt der Pockenerkrankung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Pockenerkrankung als solche ist äußerst „sozial“: Das zeigt sich nicht nur am Ansteckungsmodus durch die hohe Kontagiösität und damit Weitergabe an möglichst viele, sondern auch durch die Art und Weise, wie sich die Symptomatik aufbaut: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Hohes Fieber als physischer Ausdruck von Wärme – &#039;&#039;die eigentlich seelische und geistige Wärme des Mitgefühls und Verstehens sein sollte.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Blasenbildung an den Oberflächen von Haut, Schleimhäuten und auch den Oberflächen der inneren Organe – &#039;&#039;als ob sich die Grenzen jetzt physisch öffnen wollten, weil das seelische Sich-füreinander-Öffnen, wie es im Sinne des Schicksals der Betroffenen wäre, nicht gelingt.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pockenkrankheit sei im Grunde dadurch entstanden, dass sich diese heilsame soziale Fähigkeit in den Körper hineinprojiziere, weil sie sich am richtigen Ort – im sozialen Miteinander – seelisch-geistig nicht ausleben konnte. So erschien sie am ‚falschen Ort‘ als physische Krankheit. Wenn Liebe sich nicht sozial betätigen und sich auch keine schöpferischen Organe im Zusammenwirken von männlichen und weiblichen Qualitäten schaffen könne, werde die Neigung, sich mit der Pockenkrankheit zu infizieren, gefördert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Himmelsimagination als „gutes Gegenbild“&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Er machte mit den Zuhörenden ein Gedankenexperiment: Man möge sich einen an Pocken Erkrankten vorstellen – in allen Einzelheiten, d.h. mit den eitrigen Pusteln an der Haut und auch an den Oberflächen der inneren Organe, dazu hohes Fieber, Benommenheit und Schwäche. Der zweite Schritt besteht dann darin, dieses Krankheitsbild zu imaginieren und sich vorzustellen, man könne es – im Sinne der Metamorphose der leibbildenden Wesensgliederkräfte – in bewusste geistige Tätigkeit[3] aus dem erkrankten Leib &#039;&#039;„heraus metamorphosieren“&#039;&#039; und in eine rein gedanklich-imaginative Bildhaftigkeit überführen.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch würde sich das wahre Wesen dieser Krankheit enthüllen als &#039;&#039;„gutes Gegenbild“&#039;&#039; in Form einer Himmelsimagination vom Tierkreis - dergestalt, dass den sieben männlichen Sommersternbildern die fünf weibliche Wintersternbilder gegenüberstehen. Das sei Urbild für ein harmonisch geordnetes soziales Zusammenwirken zwischen Männern und Frauen.[5] Werde ein solch respekt- und liebevoller Umgang zwischen den Geschlechtern geübt, so würde die Neigung zur infektiösen Pockenerkrankung als &#039;&#039;„Organ der Lieblosigkeit“&#039;&#039;&#039;[6]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; überwunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Raphael und die Mysterien von Krankheit und Heilung“, Medizinische Sektion am Goetheanum 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Meditative Betrachtungen und Anleitungen zur Vertiefung der Heilkunst. Vorträge für Ärzte und Medizinstudierende,&#039;&#039; GA 316.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] „&#039;&#039;Man muss also die Krankheit so begreifen, dass man sich sagt: Könnten nicht durch gewisse Dinge, die wir morgen einsehen werden, gewisse geistige Wesenheiten heruntergeholt werden, wo sie nicht hingehören, so wären sie auch nicht in der geistigen Welt vorhanden. - Damit aber zeigt sich, wie eng verwandt wirkliches geistiges Erkennen mit der Krankheit ist. Man erkennt eigentlich schon, indem man Geistiges erkennt, die Krankheit. Man kann gar nicht anders: wenn man einmal eine solche Himmelsimagination hat, dann weiß man, was Pockenkrankheit ist, weil sie nur die physische Projektion dessen ist, was man geistig erlebt. So ist es im Grunde genommen mit dem ganzen Krankheitswissen. Man möchte sagen: Wenn der Himmel&#039;&#039; – &#039;&#039;oder auch die Hölle natürlich&#039;&#039; – &#039;&#039;zu stark ergreifen den Menschen, so wird er krank, wenn sie nur seine Seele und seinen Geist ergreifen, wird er weise oder gescheit oder ein Einsichtiger.“&#039;&#039; (GA 316, S.120)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst&#039;&#039;, GA 27, Kap. II, S. 6.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] 1910 hatte Steiner dies bereits in seinen Vorträgen über Die Offenbarungen des Karma so formuliert: &#039;&#039;„Die Frage kann auch so gestellt werden: Wenn Krankheiten sich ausleben wie eine karmische Wirkung von geistigen oder sonstigen durch die Seele hervorgerufenen oder erfahrenen Erlebnissen, wenn sie also die Umwandlung solcher Ursachen sind, können wir uns dann nicht auch denken – oder erzählen uns davon die geistigen Tatsachen nichts –, daß das Umwandlungsprodukt, die Krankheit, vermeidbar ist, insofern vermeidbar, als wir statt des Heilungsprozesses, statt dessen, was aus den organischen Regionen herausgeholt wird, als Krankheit herbeigeholt wird zu unserer Erziehung, das geistige Gegenstück, das geistige Äquivalent dafür setzen? Daß wir, wenn wir klug genug sind, die Krankheit umwandeln in einen geistigen Prozeß und die Selbsterziehung, die wir durch die Krankheit ausführen sollen, sozusagen durch die Kräfte unserer Seele ausführen?“&#039;&#039; (GA 120, 102).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] In den Karma-Vorträgen von 1910 führt Steiner bezüglich der Pocken aus: &#039;&#039;„Es kann der Mensch ganz besonders in einem früheren Leben durch Empfindungen, Gefühle und so weiter durchgegangen sein, die ihn zur Lieblosigkeit gegen seine Nächsten getrieben haben. [....] Nehmen wir an, eine ganze Anzahl von Menschen hätte sich wegen Lieblosigkeit gegen die Menschen hingezogen gefühlt, gewisse Infektionsstoffe aufzunehmen, um einer Epidemie zu verfallen. Nehmen wir weiter an, wir könnten gegen die Epidemie etwas tun. Wir würden dann in einem solchen Falle die äußere Leiblichkeit davor bewahren, die Lieblosigkeit zum Ausdruck zu bringen [dadurch, dass die Pockenkrankheit nicht ausbrechen konnte, M.G.], aber wir würden dadurch noch nicht die innere Neigung zur Lieblosigkeit fortgeschafft haben. Denken wir uns aber den Fall so, daß wir, wenn wir das äußere Organ der Lieblosigkeit fortschaffen, die Verpflichtung übernehmen, auf die Seele so zu wirken, daß wir auch der Seele die Neigung zur Lieblosigkeit nehmen. Das Organ der Lieblosigkeit wird im eminenten Sinne getötet – im äußeren leiblichen Sinne – in der Pockenimpfung. [...] Und wir können jetzt sagen: Wenn wir auf der einen Seite das Organ töten, hätten wir auch die Verpflichtung, als Gegenstück dazu bei diesem Menschen den materialistischen Charakter durch eine entsprechende spirituelle Erziehung anders zu gestalten. Das müßte das notwendige Gegenstück sein. Wir leisten sonst nur halbe Arbeit. Ja, wir leisten nur eine Arbeit, zu der der Mensch selber in einer späteren Inkarnation in irgendeiner Weise wird das Gegenstück schaffen müssen [...] Impfung wird keinem Menschen schaden, welcher nach der Impfung im späteren Leben eine spirituelle Erziehung erhält. […] Da kommen wir zu einem wichtigen Gesetz in der Menschheitsentwickelung, das so wirkt, daß immer ein Äußeres und ein Inneres sich die Waage halten müssen und daß man nicht bloß auf das eine sehen darf, sondern auch das andere nicht unberücksichtigt bleiben darf.“&#039;&#039; (GA 120, 169–171).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Offenbarungen des Karma&#039;&#039;, GA 237.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== ONKOLOGISCHES KRANKHEITSBILD UND SEIN GEISTIGES GEGENBILD ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche geistige Signatur bildet sich körperlich in onkologischen Krankheitsbildern ab?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was kann und will sie uns sagen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Gesten sind den Stadien von Krebs abzulesen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Unbewusste Entwicklung durch Krebs&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Krebs ist eine Zeitkrankheit. Viele Menschen sind davon betroffen, ja sogar „gesegnet“ damit. Sie dürfen durch die Krankheit auf unbewusstem Weg etwas für ihre späteren Leben lernen, was ihnen als Lernschritt über das Bewusstsein nicht möglich war. Warum das so ist, schildert Rudolf Steiner eindrücklich im &#039;&#039;Jungmedizinerkurs&#039;&#039;, wo er sagt, dass eine Erkrankung zugleich mit ihrem gesunden geistigen Gegenbild als eine Art „Himmelsimagination“ erfasst werden müsste.[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch über die Krebserkrankung werden geistige Qualitäten erworben – allerdings auf unbewusstem Wege: Ich-Organisation, Astralleib und Ätherleib des Betroffenen bringen diese Krankheit hervor. Er selbst ist es also – allerdings unter der Führung des Herrn des Schicksals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im nächsten Leben stehen ihm die dadurch errungenen Fähigkeiten als Disposition zur Verfügung: Jetzt ist es für ihn viel leichter, sich diese anzueignen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Stadien der Krebserkrankung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie entwickelt sich Krebs?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Irgendeine Zelle fängt an, etwas weniger spezialisiert zu sein, als sie war. Sie geht aus ihrer Differenziertheit in einem Organgebiet zurück in Richtung ihrer embryonalen Herkunft, wo sie kaum spezialisiert und dafür omnipotent war. Normalerweise erkennt das Immunsystem solche Zellen und tötet sie ab. Wenn aber die Immunkompetenz nachlässt oder eine bestimmte Krankheitsdisposition für eine Krebsart sich bereits durchgesetzt hat, beginnt der Krebs lokal zu wachsen. Er durchbricht die Basalmembran und fängt an, infiltrierend zu gedeihen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann erfolgt die Metastasierung. Einzelne Zellen siedeln sich ab, beginnen im Organismus zu wandern. Parallel dazu verändert sich der Gesundheitszustand des betroffenen Menschen insgesamt. Krebs ist eine Allgemeinerkrankung. Der Appetit, das Lebensgefühl, das Schlaf/Wach-Verhalten und die Rhythmen von Herz und Atmung ändern sich. Die Temperaturkurve wird in der Regel flach, manchmal sogar starr, ohne Morgen/Abend-Differenz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lässt man all dies auf sich wirken und fragt nach der Eigenart eines solchen Prozesses, so erlebt man ihn als „willkürlich“. Die Körperfunktionen laufen aus dem Ruder. Es bilden sich durch die Metastasierung irgendwo Ansätze zu neuen Organbildungen, völlig willkürlich. Ordnung, Kontrolle, Integrationsfähigkeit schwinden und weichen der Entdifferenzierung, der Schrankenlosigkeit, „der Willkür“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Gesten der Krebserkrankung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Symptome der Krebserkrankung zeigen zusammengefasst also folgende Gesten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Geste: Eine Zelle beginnt sich der immunologischen Kontrolle zu entziehen und ungehemmt zu vermehren – Geschwulst.&lt;br /&gt;
# Geste: Die so gebildeten Zellen brechen aus der normalen Organfunktion aus.&lt;br /&gt;
# Geste: Sie werden zu Satelliten, die den Körper durchwandern und neue Organe zu bilden beginnen – Metastasen.&lt;br /&gt;
# Geste: Die ganze Konstitution wird komplett verändert, Rhythmen, Schlaf, Appetit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Signatur des Krankheitsverlaufs macht es deutlich: Die Krebserkrankung bildet physisch-physiologisch den auf geistiger Ebene so gesunden „Freiheitsimpuls“ ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Krebs durch nicht ausgelebten Freiheitsimpuls&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Spirituell gesehen ist der Krebs eine Erkrankung, bei der sich der Freiheitsimpuls seelisch und geistig nicht in der Weise ausleben kann, wie es im Schicksal des betreffenden Menschen liegt. Damit passt der bisher noch nicht aufzuhaltende Siegeszug dieser Krankheit in unsere Zeit, wo jeder Mensch im Grunde vor der Entwicklungsaufgabe steht, seine Identität als Mensch zu erfassen und seine Freiheit gebrauchen zu lernen.[2] Im Krankheitsverlauf erlebt und vollzieht er also unbewusst, was er eigentlich bewusst lernen möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielen Krebspatienten wird enorm geholfen, wenn sie das zu begreifen beginnen. Das Interessante ist, dass die Psycho-Onkologie zunehmend mit dem Autonomie-Konzept arbeitet. Man kann vom anthroposophischen Gesichtspunkt aus zutiefst verstehen, dass es nicht anders sein kann. Wir wissen das nicht nur aus empirischen Studien und Dokumentationen, sondern aufgrund tiefer Einsichten in das Wesen dieser Krankheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Raphael und die Mysterien von Krankheit und Heilung“, Medizinische Sektion am Goetheanum 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Meditative Betrachtungen und Anleitungen zur Vertiefung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 316, Dornach 2008.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Siehe auch Michaela Glöckler, &#039;&#039;Gibt es eine Prävention der Krebserkrankung?&#039;&#039;, Der Merkurstab 62:416-420, 2009.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== RHEUMATISCHER FORMENKREIS UND SEIN GEISTIGES GEGENBILD ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sagt uns das geistige Gegenbild des rheumatischen Formenkreises über die Hintergründe dieser Erkrankung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was sagt es uns hinsichtlich der Heilmöglichkeiten?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Schaffe dir Augenblicke innerer Ruhe&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Besonders eindrücklich erweist sich die von Rudolf Steiner im &#039;&#039;Jungmedizinerkurs&#039;&#039; geschilderte Betrachtungsart, eine Erkrankung zugleich mit ihrem gesunden geistigen Gegenbild als eine Art „Himmelsimagination“ zu erfassen,[1] beim rheumatischen Formenkreis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier bildet sich an der vor Schmerz ruhiggestellten Gliedmaße in der körperlichen Symptomatik das ab, was Inhalt der ersten zentralen Übung im Schulungsbuch Rudolf Steiners ist: &#039;&#039;„Schaffe dir Augenblicke innerer Ruhe und lerne in diesen Augenblicken das Wesentliche von dem Unwesentlichen unterscheiden.“&#039;&#039;[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Menschen mit rheumatischen Störungen fragen: &#039;&#039;Was kann ich zur Heilung meiner Krankheit beitragen?&#039;&#039; – und nur dann ist es uns erlaubt zu sprechen &#039;&#039;–&#039;&#039; kann man ihnen eine Meditation der inneren Ruhe geben, also das geistige Gegenstück der Krankheit nennen. Wird sie durchführt, schlagen alle Medikamente besser an. Hier ein sehr schönes Beispiel:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich trage Ruhe in mir,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich trage in mir selbst&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Die Kräfte, die mich stärken.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich will mich erfüllen&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Mit dieser Kräfte Wärme,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich will mich durchdringen&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Mit meines Willens Macht.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und fühlen will ich&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie Ruhe sich ergießt&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Durch all mein Sein,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wenn ich mich stärke,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Die Ruhe als Kraft&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;In mir zu finden&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Durch meines Strebens Macht.[3]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dieser Meditation werden die entsprechenden Kräfte wieder in das Seelisch-Geistige gehoben, wo sie herkommen und wo sie hingehören. Rudolf Steiner erläuterte diese Prinzipien vor den Jungmedizinern, um ihnen zu helfen zu verstehen, warum Patienten diese oder jene Erkrankung hatten. Das gab ihnen eine sehr grundlegende geistige Orientierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Raphael und die Mysterien von Krankheit und Heilung“, Medizinische Sektion am Goetheanum 2015&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Meditative Betrachtungen und Anleitungen zur Vertiefung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 316, Dornach 2008.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?&#039;&#039;, GA 10, Dornach 1993, S. 29-30.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Mantrische Sprüche - Seelenübungen II&#039;&#039;., GA 268, S. 179.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== IMMUNSCHWÄCHE DER HIV-ERKRANKUNG UND IHR GEISTIGES GEGENBILD ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist das geistige Gegenbild der HIV-Erkrankung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was will es uns sagen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Selbstlosigkeit als Entwicklungsaufgabe&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der HIV-Kranke erlebt, wie sein Immunsystem, das biologisch gesehen optimalerweise egoistisch sein &#039;&#039;müsste&#039;&#039;, immer „altruistischer“, d.h. selbstloser, wird und damit immer schwächer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jungmedizinerkurs schildert Rudolf Steiner eindrücklich, weshalb eine Erkrankung zugleich mit ihrem gesunden geistigen Gegenbild als eine Art „Himmelsimagination“ erfasst werden müsste.[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entsprechend wäre das geistige Gegenbild der HIV-Erkrankung, das am falschen Ort die Symptomatik der Krankheit hervorruft, die geistige Charaktereigenschaft der Selbstlosigkeit. Selbstloser Dienst am Menschheitsganzen ist &#039;&#039;der&#039;&#039; Ausgleich für die materialistische Weltanschauung und die gegenwärtig herrschende Kulturstimmung und Gesinnung. Selbstlose Dienstbereitschaft ist aber auch die Ausgangsbedingung für den christlich-rosenkreuzerischen Schulungsweg, den Rudolf Steiner in seinen Schriften zur geistigen Schulung beschreibt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Er [der Geheimschüler] lernt nicht, um das Gelernte als seine Wissensschätze aufzuhäufen, sondern um das Gelernte in den Dienst der Welt zu stellen.“[2]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So kann man in dieser Erkrankung auch eine typische Zeitkrankheit sehen. Was ein Teil der Menschheit verursacht, wird von anderen kompensiert. Man kann – insbesondere in Afrika – sehen, dass viele Menschen leiden müssen, während sich die Verursacher der materialistischen Gesinnung durch ihr Wissen schützen können. Doch im folgenden Erdenleben werden die in diesem Leben Erkrankten wiedergeboren mit den Früchten dieser Krankheit: mit einer Veranlagung zur Selbstlosigkeit und inneren Stärke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Raphael und die Mysterien von Krankheit und Heilung“, Medizinische Sektion am Goetheanum 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Meditative Betrachtungen und Anleitungen zur Vertiefung der Heilkunst, GA 316, Dornach 2008.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?,&#039;&#039; GA 10, Dornach 1993, S. 28.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== GESTALTUNGSKRÄFTE DER ICH-ORGANISATION UND GICHT ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was haben Astralleib und Ich-Organisation mit dem Ausbruch von Gicht zu tun?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielt die Harnsäure dabei?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kommt es zur Bildung von Nierensteinen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Genetische Ursachen für die Entstehung von Gicht&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Gicht steht in Kapitel XI von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; paradigmatisch für die Auseinandersetzung der Individualität mit ihrem Erbgut. Wenn die Ich-Organisation geschwächt ist, kann sie ihrer ureigenen Aufgabe nicht gerecht werden. Eine der Folgen davon ist, dass sie nicht zureichend in der Lage ist, den physischen Leib bis in seine kleinsten Teile durchzugestalten und zu einem Abbild der Ich-Organisation zu machen. Dann ist es ihr auch nicht möglich, den befruchteten Eikeim, in dem das mütterliche und väterliche Erbgut zusammengekommen sind, dem eigenen Gestaltungswillen anzupassen. Die Folge ist eine schon vorkonzeptionell schwächer veranlagte Ich-Organisation – was möglicherweise in erblichen Belastungen und auch Gendefekten resultiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner und Ita Wegman schreiben dazu: &#039;&#039;„Die Vererbungskräfte haben ihren Sitz in der physisch-ätherischen Konstitution. Wenn es der Ich-Organisation nicht gelingt, mithilfe der astralischen Organisation die physisch-ätherische den eigenen Erfordernissen gemäß anzupassen, können Krankheitssymptome die Folge sein. Ein Gelenkknorpel oder eine Bindegewebspartie können mit Harnsäure nur dadurch und dadurch die Überbürdung mit Unorganischem in ihnen bewirkt werden, dass in diesen Körperteilen die Ich-Tätigkeit hinter der Astralwirksamkeit zurückbleibt. Da die ganze Form des menschlichen Organismus ein Ergebnis der Ich-Organisation ist, so muss durch die gekennzeichnete Unregelmäßigkeit eine Deformierung der Organe eintreten. Der menschliche Organismus strebt da aus seiner Form heraus.“[2]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Bestandteile der Harnsäure&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ein erhöhter Harnsäure-Spiegel zeigt nicht nur Gicht an, sondern die Harnsäure selbst ist ein Abbauprodukt der sogenannten Purin-Basen, die zentrale Bausteine des Erbgutes sind, d.h. auch des Zellkerns des jeweiligen Eiweißträgers, der mit der Nahrung aufgenommen wird.[3]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es besteht ein grundlegender Unterschied zwischen den Purin- und Pyrimidin-Basen. Beide können zwar aus den eigenen Stoffwechsel-Ressourcen des Körpers aufgebaut werden, sind also nicht essenziell wie einige Aminosäuren, ungesättigte Fettsäuren und Vitamine.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Aber nur die &#039;&#039;&#039;Pyrimidinbasen&#039;&#039;&#039; können vom Organismus komplett auch wieder ab- und umgebaut werden und sind damit rezyklierbar. &lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Purinbasen&#039;&#039;&#039; hingegen sind es nicht, der Körper kann sie nur bis zur Harnsäure abbauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese muss dann bis zu einem Gramm täglich ausgeschieden werden. Der Harnsäurespiegel im Blut beträgt durchschnittlich 6,4 mg/dl bzw. 380 Mikromol/l. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Schritte der Ausscheidung von Harnsäure&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ca. &amp;lt;nowiki&amp;gt;&amp;lt;b&amp;gt;75% der auszuscheidenden Harnsäuremenge&amp;lt;/b&amp;gt;&amp;lt;/nowiki&amp;gt; gehen über die Nieren. Damit es hier aber nicht zu Steinbildungen kommt, wird die &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* von der Leber an das Blut abgegebene Harnsäure &lt;br /&gt;
* zunächst vom Nierengewebe glomerulär filtriert,&lt;br /&gt;
* dann aber zu 90 % wieder tubulär ins Blut rückresorbiert,&lt;br /&gt;
* so dass jeweils nur 10 % davon im konzentrierten Urin erscheinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;&#039;25%&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;der auszuscheidenden Harnsäuremenge&#039;&#039;&#039;, die nicht über die Nieren ausgeschieden werden, können auf dem Blutweg anderen Ausscheidungsorten zugeleitet werden, wie &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* der Haut (Schweiß), &lt;br /&gt;
* den Speicheldrüsen (Speichel)&lt;br /&gt;
* und ein Großteil davon über den Darm (intestinale Sekretion).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Ursachen für Nierensteinbildung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Gelangt sie jedoch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* in das Bindegewebe,&lt;br /&gt;
* in die Gelenke,&lt;br /&gt;
* in die Ohrknorpel&lt;br /&gt;
* und ins Nierenmark,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so bilden sich dort schmerzhafte extra- und intrazelluläre Ablagerungen von feinsten Natrium-Urat-Kristallen/Mononatriumuratkristallen bis hin zu Nierensteinen. Im genannten Kapitel heißt es dazu: &#039;&#039;„Der astralische Leib macht durch seine Tätigkeit die Organe geneigt, die unorganischen Einlagerungen der Ich-Organisation aufzunehmen.“[4]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Bildung von Nierensteinen, Harnsäureausscheidung und Gicht&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Zur Nierensteinbildung kommt es bevorzugt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* bei einer Verschiebung des Säure-Basen-Gleichgewichtes in Richtung &#039;&#039;&#039;Azidose (saures Milieu)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* und bei &#039;&#039;&#039;geringerer Sauerstoffversorgung&#039;&#039;&#039; (bradytrophe Gewebe), wie dies beispielsweise für die Knorpelgewebe der Fall ist.&lt;br /&gt;
* Da Ethanol/Alkohol die &#039;&#039;&#039;Harnsäureausscheidung hemmt&#039;&#039;&#039; und damit auch die Azidose fördert, kann übermäßiger Konsum einen Gichtanfall auslösen.&lt;br /&gt;
* Letzteres ist aber auch bei &#039;&#039;&#039;purinreicher Nahrung&#039;&#039;&#039; (z.B. hohem Konsum von Eiern, Fleischprodukten, Fisch) der Fall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Arbeitet der menschliche Astralleib in gesunder Weise, gelingt die Harnsäureausscheidung im Stoffwechselgebiet und die Imprägnierung mit Unorganischem ist ausgewogen. Ist dieses Verhältnis gestört, wodurch ein Organ mit zu viel Harnsäure überladen wird, die von der Ich-Organisation nicht bewältigt werden kann, so muss sich die Harnsäure im Organismus selbst ablagern und die Ursache für Gicht ist gegeben: &#039;&#039;„Es wird wenig Harnsäure ausgeschieden, dafür umso mehr Unorganisches im Sinne der Ich-Organisation eingelagert.“[5]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Harnsäure wird so gesehen zum Indikator dafür, &#039;&#039;„ob zwischen der Ich-Organisation und dem astralischen Leib in irgendeinem Organ oder Organsysteme das rechte Verhältnis besteht.“[6]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fieber zur Stärkung der Ich-Organisation nützen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Für die Prävention und Behandlung der Gicht geht es aus anthroposophischer Perspektive in erster Linie um eine Stärkung der Ich-Organisation gegenüber dem ererbten Leib. Rudolf Steiner hat schon früh auf die Bedeutung der fieberhaften Kinderkrankheiten hingewiesen – auch wenn man damals noch nicht wusste, dass Fieber nicht nur das Immunsystem stimuliert, sondern infolge dieser Stimulation auch modulierende Einflussnahmen auf das Erbgut möglich sind.[7] Er betonte in seinen Ausführungen, dass die fieberhaften Kinderkrankheiten guter Behandlung bedürfen, weil man so dem Kinde helfen könnte, sich den von den Eltern ererbten Leib besser den eigenen Bedürfnissen anzupassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Studien haben inzwischen deutlich aufgezeigt, dass Viren und Bakterien bei einer Temperatur im Bereich von 39°–40° in ihrer Vermehrung gehemmt bzw. auch abgetötet werden, und das Immunsystem in diesem Temperaturbereich besser und schneller funktioniert. Fieber ist also eine hoch wirksame Antwort des Körpers, um Viren und Bakterien zu bekämpfen und das Immunsystem zu stimulieren. Seitdem das bekannt ist, greifen auch erfahrene Schulmediziner nicht mehr reflexartig zu fiebersenkenden Mitteln.[8] Sie gehen auch mit dem Einsatz von Antibiotika bedachter um – nicht zuletzt auch deshalb, um nicht ohne Not die Antibiotika-Resistenz weiter zu fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[9]&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27, S. 56.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Siehe FN 1, S. 58,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Das Erbgut/Genom bei Pflanze, Tier und Mensch besteht aus Basenpaaren, die jeweils aus einer Purin- und Pyrimidin-Base bestehen, die zusammen mit einer Phosphorgruppe und einem Pentose-Zucker (Ribose oder Desoxyribose) als RNA/Ribonukleinsäure oder DNA/Desoxyribonucleinsäure vorliegen. Die definitive Strukturaufklärung als Doppelhelix mit Hilfe der Röntgenkristall-Strukturanalyse wurde zwar erst nach dem Zweiten Weltkrieg möglich, doch schon zu Steiners Zeit war die 1898 durch Emil Fischer (1852–1919) erstmals synthetisierte Purinbase (lat. purus: rein) bekannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe FN 1, S. 56.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Siehe FN 1, S. 57.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Vgl. Mehler und Purpura (2009); Krafft u. a. (2023).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Ein Forschungsteam um David Martin an der UWH unter Mitarbeit des Verbandes der Kinder- und Jugendärzte hat eine FeverApp entwickelt, welche Eltern dabei unterstützt, im Falle eines Fieberschubs ihre Kinder mit wissenschaftlich basierten Informationen in der akuten Behandlung zu begleiten und nicht bei Fieber sogleich ein Fieber senkendes Mittel zu geben: Vgl. www.feverapp.de/forschung/pressemitteilung-publikationen; [6.1.2025].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== WESENSGLIEDERDIAGNOSE BEI CHARAKTERISTISCHEN KRANKHEITSFÄLLEN ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche charakteristischen Krankheitsfälle beschreiben die Autoren in Kapitel XIX von „Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern gibt die Wesensgliederdiagnose Aufschluss über die Konstitution der Patienten?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielt sie bei der Therapiefindung?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Hierarchische Ordnung der Wesensglieder&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das Zusammenwirken der Wesensglieder ist nach anthroposophischer Vorstellung hierarchisch geordnet: Beim gesunden Menschen ist der ganze Körper bis in die letzten Zellstrukturen ein Ergebnis der ganzheitlich gestaltenden Kräfte der Ich-Organisation. Diese durchgreifende Gestaltung ist aber nur möglich, wenn die astralische Organisation beweglich und kräftig genug ist, die Wärmeimpulse der Ich-Organisation in die ihm eigenen Luftstrukturen und Bewegungsdynamiken aufzunehmen und so auf die ätherische Organisation zu übertragen, so dass diese ihre Aufgabe in den biochemischen Prozessen des wässrigen Körpermilieus infolge dieser Anregungen optimal erfüllen kann. Gelingt dies, ist physische Gesundheit die Folge und die Organe sind voll funktionstüchtig und gut ausgebildet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist nun eines dieser Wesensglieder geschwächt oder gegenüber den anderen zu stark in seiner Aktivität, kommt das ganze System, d.h. die menschliche Konstitution, in einen labilen Zustand, in dessen Folge sich auch einer der im Folgenden geschilderten Krankheitsprozesse entwickeln kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== A SKLEROSE ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Erscheinungsbild und Symptome ====&lt;br /&gt;
Unter Sklerose wird eine Vielzahl von Krankheitsbildern zusammengefasst, denen gemeinsam ist, dass Ablagerungs- und Verhärtungsprozesse in den betroffenen Strukturen und Organen stattfinden, die entweder auf Entzündungen oder degenerative Alterungsprozesse und Vermehrung bindegewebiger Strukturen (Kollagenbildung) zurückgehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was im Einzelnen die sklerotischen Prozesse einleitet, ist derzeit noch nicht zureichend geklärt. Fakt ist jedoch, dass Lebensstil, Essgewohnheiten, Übergewicht, Bewegungsmangel, Stress, Schlafmangel und andere Begleiterscheinungen des modernen Lebens nicht unwesentlich zu ihrem Entstehen beitragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Wesensgliederdiagnose ====&lt;br /&gt;
Die Wesensgliederdiagnose der 61jährigen Patientin in Kapitel XIII von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039;&#039;[2]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; ergibt &#039;&#039;„eine Übertätigkeit des Astralleibes, […] die vom physischen und Ätherleibe nicht resorbiert wird. Eine normale feste Haltung der menschlichen Organisation ist nur möglich, wenn diese Resorption eine vollständige ist.“[3]&#039;&#039; Die klinischen Symptome stützen diese Sicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Therapie ====&lt;br /&gt;
Die sich daraus ergebende Therapie umfasst primär das &#039;&#039;Skleron&#039;&#039;, das die Eingliederung des übertätigen Astralleibes in die Gesamtkonstitution befördern soll. Warum ihm diese Wirkung zugeschrieben werden kann, wird im folgenden Kapitel eingehend erläutert. Zusätzlich werden verschiedene, auf die Symptome abgestimmte Arzneimittel, äußere Anwendungen, Klistiere. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht hier nicht um die Wiedergabe einer Verlaufsdokumentation, sondern wie es die Überschrift des Kapitels klarstellt: um charakteristische Krankheitsfälle. D.h. es geht darum, anhand bestimmter am Einzelfall abgelesener Wesensglieder-Diagnosen Einblick zu geben in die anthroposophische Diagnostik und die Therapiefindung einer ‚typischen‘ Krankheit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== B STRUMA ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Erscheinungsbild und Symptome ====&lt;br /&gt;
Die Struma (der Begriff kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Drüsenschwellung oder Geschwulst bzw. ‚Kropf‘) ist in Jodmangelgebieten endemisch, d.h. sehr häufig und geht von geringfügig bis zum ausgeprägten ‚Kropf‘, der – so er mit Beschwerden verbunden ist – auch operationsbedürftig werden kann. Wichtig ist aber auch hier zu konstatieren, dass die Struma in Jodmangelgebieten nur bei ca. 30 % der Bevölkerung auftritt.[4] Das bedeutet zugleich, dass 70 % der dort lebenden Menschen keine Struma entwickeln. Auch hier kommt es auf einen disponierenden Faktor an, den die Autoren als typisch im Wesensgliedergefüge der betroffenen Menschen – überwiegend Frauen – feststellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Wesensgliederdiagnose ====&lt;br /&gt;
Bei der Patientin, die im 34. Lebensjahr zur Behandlung kommt, ergibt die geisteswissenschaftliche Diagnose &#039;&#039;eine „hochgradige Atonie des Astralleibes. Dadurch ist die Ich-Organisation vom physischen und Ätherleib zurückgestaut“.[5]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Therapie ====&lt;br /&gt;
Die Patientin wurde vom Spätherbst 1923 bis zum Januar 1924 mit &#039;&#039;Colchicum&#039;&#039; behandelt. Der Rückgang der Geschwulst nach zwei Monaten Behandlung ist klar dokumentiert. Die Colchicum-Behandlung wurde seither von vielen anthroposophischen Ärzten mit Erfolg eingesetzt.[6] &#039;&#039;Friedwart Husemann&#039;&#039; hat in seinem Buch über Anthroposophische Medizin das Wirkprinzip der Giftpflanze Colchicum autumnale in meisterlicher Kürze so charakterisiert:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Die Blätter lassen im Frühling eine unterirdische große Knolle heranwachsen, die eine zweite kleine Knolle für die Blüten im Herbst unterhält. Gleichzeitig wird die Entwicklung der zu dieser zweiten Knolle gehörenden Blätter und Früchte gehemmt, sodass im Herbst aus der kleinen Knolle nur die Blüte erscheint. Die zu dieser Blüte gehörenden Blätter und Früchte kommen erst im nächsten Frühling heraus und tragen dann zur Vergrößerung der zu ihnen gehörenden Knolle bei. Die Knollen verbinden also ein die Jahresgenerationen überbrückendes Prinzip mit einem das Wachstum hemmenden Prinzip.“[7]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== C HEUFIEBER ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Erscheinungsbild und Symptome ====&lt;br /&gt;
Der allergische Formenkreis und mit ihm die Pollenallergie ist weltweit im Zunehmen begriffen und wird durch die zivilisationsbedingte Luftverschmutzung und Feinstaubbelastung noch verstärkt, weil die Pollen auch mit diesen Partikeln beladen sind und das Immunsystem zusätzlich reizen. Gemäß einer Studie in der Schweiz ist bereits jeder sechste Erwachsene betroffen und über 40 % der 15jährigen Schulkinder sind auf mindestens ein Allergen sensibilisiert.[8]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Therapie ====&lt;br /&gt;
Der betroffene Patient im Kapitel XIX kommt im Alter von 40 Jahren, leidet aber schon seit seiner Kindheit daran, was typisch ist. Das dafür entwickelte anthroposophische Arzneimittel &#039;&#039;Gencydo&#039;&#039; konnte hier erfolgreich zur Anwendung gebracht werden und wird auch in Kapitel XX bezüglich seiner Wirkungsweise eingehend erläutert. In diesem Kontext ist aber auch interessant, dass &#039;&#039;Alm/Swartz&#039;&#039; in einer im Lancet publizierten Pilotstudie in Schweden nachweisen konnten, dass Schüler an Waldorfschulen signifikant weniger Allergien aufweisen als solche an öffentlichen Schulen. Dies wurde in einer multizentrischen Folgestudie weiter untersucht (PARSIFAL Study). Auch wenn diese unter weniger idealen Vergleichsbedingungen stattfand als die schwedische Studie, konnte doch gezeigt werden: An Waldorfschulen hatten die Kinder gegenüber denen, welche öffentliche Schulen in der Stadt und in ländlichen Gebieten besuchten, die geringste Allergie-Bereitschaft und das – erstaunlicherweise – obwohl die familiäre Belastung der Kinder an Waldorfschulen höher war, als die der beiden Vergleichsgruppen.[9]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Folgestudien auf noch breiterer Basis wären sehr erwünscht. Sie könnten zeigen, dass auf epigenetischen Wegen eine gesundheitsfördernde Erziehung einer bestehenden erblichen Belastung positiv entgegenwirken kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D MIGRÄNEARTIGE ZUSTÄNDE IM KLIMAKTERIUM ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Erscheinungsbild und Symptome ====&lt;br /&gt;
Bei manchen Frauen beginnen die sogenannten Wechseljahre des Klimakteriums (altgriech. ϰλιμαϰτέρ: Leitersprosse, Stufe) bereits mit 40 Jahren, bei anderen erst Mitte 50. Spätestens mit 60 Jahren haben Frauen die Wechseljahre in der Regel hinter sich und der Körper hat wieder gelernt, mit einem niedrigeren Hormonspiegel im Blut zu leben – so wie das vor Einsetzen der Pubertät der Fall war. Wenn jedoch die Eierstöcke operativ entfernt werden müssen, setzt das Klimakterium unmittelbar und damit ‚schockartig‘ ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Patientin in Kapitel XIX, die sich im Alter von 55 Jahren erstmals vorstellt, handelt es sich um ein komplexes Krankheitsgeschehen, in dem eine konstitutionelle Schwäche schon als Kind (zart und schwächlich), schmerzhafte Periodenblutungen, eine operative Entfernung des Uterus im 40. Lebensjahr mit dadurch jäh einsetzenden Wechseljahresbeschwerden zu berücksichtigen sind. Leitsymptom, das zur Behandlung führt, ist jedoch die Kopfschmerzproblematik, die im 46. Lebensjahr &#039;&#039;„zu einer drei Tage dauernden, mit Bewusstlosigkeit verbundenen Kopfkrankheit“[10]&#039;&#039; geführt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Wesensgliederdiagnose ====&lt;br /&gt;
Wesensgliederdiagnostisch wurde eine &#039;&#039;„allgemeine Schwäche der Ich-Organisation“&#039;&#039; festgestellt. Wird die Vitalität des Ätherleibes durch die Ich-Organisation nicht genügend abgelähmt, können sich vegetativ-organische Tätigkeiten ungehindert ausbreiten, auch über das Kopf- und Nerven-Sinnessystem. Der starke Urindrang &#039;&#039;„rührt davon her, dass dem normal entwickelten Astralleib, welcher die Nierenabsonderung regelt, keine sie normal zurückhaltende, genügend starke Ich-Organisation gegenübersteht. Ein zweites Symptom ist das späte Einschlafen und das müde Aufwachen. Der Astralleib geht schwer aus dem physischen und Ätherleibe heraus, weil das Ich ihn nicht genügend stark herauszieht [aus dem physischen Leib, M.G.]“[11]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Therapie ====&lt;br /&gt;
Die ganze Therapie galt dem Ziel, die diagnostisch festgestellte &#039;&#039;„allgemeine Schwäche der Ich-Organisation“&#039;&#039; soweit wie möglich zu beheben. Alle Krankheitssymptome, unter denen die Patientin leidet, werden unter diesem Aspekt interpretiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb kommt nicht das Migränemittel &#039;&#039;Biodoron&#039;&#039; als typisches Arzneimittel für die klassische Migräne zum Einsatz. Vielmehr lassen sich die Symptome erst bessern, nachdem eine Potentilla-Tormentilla (Blutwurz, eine Rosacee) – Behandlung begonnen wurde. So ist diese Krankengeschichte zugleich auch ein eindrückliches Beispiel dafür, dass auch typische Krankheiten bisweilen einer individuellen Therapiefindung bedürfen: &#039;&#039;„Wir versuchten zunächst Besserung zu erzielen mit Antimon. Dasselbe hätte die Besserung erzeugen müssen, wenn der allgemeine, unter der Regulierung der Ich-Organisation stehende Stoffwechsel in Betracht gekommen wäre. Die Besserung wurde dadurch nicht erzielt. Es war dadurch der Beweis gebracht, dass der relativ selbständige Teil der Ich-Organisation, der vorzüglich die Fortpflanzungsorgane reguliert, in Betracht kommt. Dafür sehen wir in der Wurzel der Potentilla-Tormentilla bei sehr starker Verdünnung ein Spezifikum, und in der Tat, dies wirkte.“[12]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;Blutwurz&#039;&#039; ist eine in der Volksmedizin und Pflanzenheilkunde bekannte und vielfach bewährte Arzneipflanze. Ihr Wurzelstock enthält Gerbstoffe, Glykoside, den Tormentillrot-Farbstoff und Säuren. Ihre zusammenziehende (adstringierende), entzündungshemmende, blut- und krampfstillende sowie stopfende (Darm)Wirkung ist bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum, bei Magen-Darm-Beschwerden (Blähungen, Durchfallerkrankungen, Kolitis) sowie bei chronischer Bronchitis, Gelbsucht, Ekzemen, Parasitenbefall und eben auch bei starker Menstruationsblutung positiv bekannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[13]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“,&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ebenda, Kap. XIX.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Ebenda, S. 108.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe z. B. &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://deximed.de/home/klinische-themen/endokrinologie-stoffwechsel/krankheiten/schilddruesenerkrankungen/knotenstruma&amp;lt;/nowiki&amp;gt;; [6.1.2025].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Siehe FN 1, S. 110.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Siehe F. Husemann, &#039;&#039;Anthroposophische Medizin&#039;&#039;, 2011b, S. 138 und 147–150.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Ebda, S. 132–136.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Siehe die SAPAL-DIA-II-Studie (Swiss Study on Air Pollution and Lung Diseases in Adults): Schmid-Grendelmeier (2009), 7–10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Siehe Alm und Swartz (1999), 1485–1488; Flöistrup u. a. (2006), 59–66 und Schram (2005), 611–618 und 1272–1278.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Siehe FN 1, S. 112.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Siehe FN 1, S. 114.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== FÜNF TORE FÜR KRANKHEIT UND HEILUNG ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Über welche Tore erreichen Krankheit wie auch Heilung den Menschen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Krankheitsursachen und Heilmöglichkeiten auf fünf Ebenen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Es gibt fünf Möglichkeiten bzw. Ebenen, die Krankheit verursachen können:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Physische Ebene ====&lt;br /&gt;
Zur physischen Ebene gehören ungesunde Einflüsse aus der Umwelt, falsche Ernährung sowie alles, was unseren physischen Körper angreift und ihm Schaden zufügt – wie z.B. Missbrauch und physische Gewalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heilend wirken dagegen alle Einflüsse, die den physischen Leib stärken und ihm wohltun. Dazu gehört auch die physische Komponente aller Körpertherapien und Bäder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ätherische Ebene ====&lt;br /&gt;
Zur ätherischen Ebene gehört unser Umgang mit Zeit und Rhythmus. Wir werden krank durch einen falschen Umgang mit der Zeit, der sich in fehlenden Lebensrhythmen und verschiedensten ungesunden Gewohnheiten niederschlägt, die den Lebensprozessen zuwiderlaufen. Dazu gehört aber auch unser Gedankenleben, ob wir unserem Denken eine geistige Ausrichtung geben oder ob es in sinnlichen Vorstellungen befangen bleibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heilend wirken eine rhythmische, die Lebensprozesse unterstützende Lebensweise sowie Gedanken, die sich an geistigen Inhalten ausrichten wie z.B. an den christlichen Idealen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Astrale bzw. Beziehungsebene ====&lt;br /&gt;
Zur astralen Ebene gehören unsere Beziehungen sowie unser gesamtes Schicksalsumfeld. Wir können krank werden durch belastende menschliche Beziehungen, durch Unehrlichkeit, Verlogenheit, Missgunst, Misstrauen, Desinteresse, Respektlosigkeit zwischen Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir umgekehrt Wahrhaftigkeit, Interesse und Respekt vor unserer Autonomie erleben und anderen ebenso begegnen, fühlen wir uns seelisch gestärkt, was sich gesundend auf alle Wesensglieder auswirkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Identität – Ich-Ebene ====&lt;br /&gt;
Zur Ich-Ebene gehört, inwieweit wir uns unserer Identität, des seelisch-geistigen Wesens unseres Ich, bewusst sind. Gesundheit und Krankheit sind weitgehend davon abhängig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Mensch, der mit sich selbst uneins ist, der mit anderen Menschen, mit seinem Schicksal und seinem Beruf hadert, unterliegt einer permanenten Selbstkränkung, die dadurch zustande kommt, dass er sich in seinem Verhältnis zur Welt nicht kennt. Angelus Silesius formuliert dieses Rätsel kurz und prägnant mit folgenden Worten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich weiß nicht, wer ich bin.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich weiß nicht, was ich weiß.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ich bin ein seltsam Ding,&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;ein Pünktchen und ein Kreis.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer lernt, sich als Individuum zu begreifen und zu bejahen mit individuellen Entwicklungsherausforderungen, zugleich sich aber auch seiner sozialen Aufgabe bewusst ist als Umwelt für andere, wird in diesem Spannungsfeld keinen Widerspruch erleben, sondern eine Quelle der Heilung und Kraft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Weltbezug – allgemein-menschliche Ebene ====&lt;br /&gt;
Das letzte Tor für Krankheit ist die allgemein-menschliche Ebene und hat mit unserem Verhältnis zur Mitwelt zu tun. Denn alles, was wir je gelernt haben, was wir unbewusst in der Weisheit unserer Wesensglieder als Gedanken über die Welt, als Beziehung zur Welt, als Identitätsbewusstsein und Willenskraft entwickelt haben, ist uns nur in der Begegnung mit anderen Menschen und mit der Welt bewusst geworden. A&#039;&#039;lles&#039;&#039;, was wir sind, haben unserer Mitwelt zu verdanken. Zu den Erfahrungen, von denen wir profitiert haben, gehören auch die unangenehmen, diejenigen, in denen wir gemobbt, geärgert, betrogen und angelogen wurden. Denn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* durch all das erwacht einerseits das Bewusstsein, wie destruktiv solche Verhaltensweisen doch sind. Wir sollten uns deshalb eingestehen, dass wir eine solche Behandlung offensichtlich nötig hatten, um ihr destruktives Potential kennenzulernen.&lt;br /&gt;
* Andererseits können wir aber auch Mitleid entwickeln an den destruktiven Zeitverhältnissen und den Verhaltensweisen, die sie hervorbringen: Sie können uns daran erinnern, dass es unendlich viel Leid in der Welt gibt und dass es uns selbst vielleicht ein bisschen zu gut geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Mysterium der menschlichen Identität&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Alles Destruktive, das uns begegnet, hat einen Sinn, denn es macht uns wach für das Gute. Natürlich tut es weh und schmerzt, aber es bringt Erkenntnis mit sich und stählt den Willen zum Guten. Alles Positive dagegen gibt uns Kraft und Hoffnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erlebt man sich als Mensch unter Menschengeschwistern, die voneinander lernen, einander begleiten, sich gegenseitig Unterstützung sind, so gut es eben geht, fühlt man sich geborgen in einem Entwicklungszusammenhang, der ohne die anderen nicht denkbar wäre. Die daraus erwachsende Dankbarkeit und das Vertrauen, dass der Umkreis die Lernerfahrungen bereithält, die man gerade braucht – auch die sogenannten negativen – wirken zutiefst gesundend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dank der ganz individuellen Umgebung, die jeder von uns hat, wird unser allgemein von den Göttern geschenktes Leben zu etwas Individuellem: Erst durch die Annahme unseres persönlichen Schicksals werden wir ganz wir selbst, aber auch durch unseren individuellen physischen Leib und unsere ganz individuelle physische Umgebung. Je mehr man dieses Mysterium der menschlichen Identität begreift, umso gesünder wird man.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. Vortrag anlässlich des Jubiläums des 100. Geburtstags von Werner Junge, Okt. 2012&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== SPIRITUELLE PRÄVENTION ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was wird durch Krankheit gelernt und wie wirkt es sich aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann aus diesem Verständnis heraus auf spiritueller Ebene Krankheit vorgebeugt werden?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Geistiges Verständnis von Krankheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Ein geistiges Verständnis von Krankheit geht weit über die psychologische Deutung und die körperlichen Untersuchungsmöglichkeiten hinaus und wird dadurch erst der Würde des Menschen ge­recht. Auf dieser Ebene ist es dann auch möglich, die Krankheit selbst als etwas Heilsames anzunehmen, ja lieben zu lernen. Denn sie lässt den Menschen auf körperlicher Ebene etwas erleben, was er auf bewusste Weise zu leben nicht oder nicht genügend in der Lage war, und fördert damit seine Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Früchte eines solch unbewussten, durch die Krankheit her­beigeführten und mit dem Tode endenden Lernprozesses können sich zwar oft in diesem zu Ende gehenden Erdenleben nicht mehr zeigen. Sie werden aber, so wie alle Erdenerfahrungen, in das nachtodliche Leben mitgenom­men und beeinflussen die Art und Weise, wie das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt in der geistigen Welt durchgemacht wird. Im nächs­ten Leben können sie dann als „mitgebrachte&amp;quot;, das heißt bereits in einem früheren Leben erworbene Fähigkeiten auftreten und unter Umständen die ganze Biographie prägen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Sich am Gesunden orientieren&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Eine spirituelle Krankheitsvorbeugung kann sich nur am gesunden Menschen und seiner Bestimmung orientieren. Sie beruht auf dem freiwilligen Zuvor­kommen von Krankheiten durch die Einsicht in die Entwicklungsmöglichkeiten und -notwendigkeiten des Menschen und die entsprechende per­sönliche Anstrengung, damit die Fähigkeiten erlernt werden, auf die es individuell, sozial und menschheitlich in einer bestimmten Zeitepoche ankommt. Dann braucht es selbst bei vorhandener Krankheitsdisposition nicht dazu zu kom­men, dass sich diese zu erarbeitenden Eigenschaften und Fähigkeiten auf körperlicher Ebene unbewusst als Krankheiten „abbilden“ und auswirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer im Denken nach Wahrheit strebt, im Fühlen nach Liebe und im Wollen nach Frei­heit, wird lebenslang ringen müssen mit den Möglichkeiten der Oberfläch­lichkeit und Lüge, in deren Gefolge die vielen Lieblosigkeiten bis hin zu Hass und Spott auftreten. Auch die Neigung, andere Menschen oder Vorgänge zu manipulieren und zu etwas zu zwingen und der Drang, sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen, bedürfen zu ihrer Überwindung ständiger Arbeit. Liebe zur Freiheit ist gefragt – auch zu der Freiheit anderer Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch das freiwillige Erleben von Schmerzen, wie sie mit ehrlicher Selbsterkenntnis und Selbsterziehung immer verbunden sind, kann eine wirksame Krankheitsvorbeugung geleistet werden. Dann besteht keine Notwendigkeit mehr, dass der Körper selber auf den Wegen der Erkrankung Schmerzen erzeugt. Das kann ein Ansporn sein, durch Selbsterziehung an der eigenen Gesundung mitzuarbeiten – soweit dies aufgrund der indivi­duellen und sozialen Schicksalsgegebenheiten möglich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Spirituelles Krankheitsverständnis aus anthroposophischer Sicht&amp;quot;, aus „Spiritualität, Krankheit und Heilung – Bedeutung und Ausdrucksformen der Spiritualität in der Medizin&amp;quot;, VAS-Verlag 2007&#039;&#039;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Offenborn</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Zur_%22Erweiterung_der_Heilkunst%22_%E2%80%93_von_Michaela_Gl%C3%B6ckler&amp;diff=1205</id>
		<title>Zur &quot;Erweiterung der Heilkunst&quot; – von Michaela Glöckler</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Zur_%22Erweiterung_der_Heilkunst%22_%E2%80%93_von_Michaela_Gl%C3%B6ckler&amp;diff=1205"/>
		<updated>2025-12-15T16:54:07Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Offenborn: Neuen Text eingefügt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Auszüge aus Büchern und Vorträgen von [[Michaela Glöckler]]; Erstveröffentlichung auf &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE THEMENSCHWERPUNKTE VON „GRUNDLEGENDES FÜR EINE ERWEITERUNG DER HEILKUNST“ ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie ist dieses Grundlagenwerk der Anthroposophischen Medizin&#039;&#039;[1] &#039;&#039;aufgebaut?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zur inneren Gliederung des Werkes&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das Buch hat vier thematische Schwerpunkte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Mensch und Makrokosmos – Kap. 1 bis 7&lt;br /&gt;
# Ursachen für Stoffwechselerkrankungen – Kap. 8 bis 12&lt;br /&gt;
# Therapie-Kapitel – Kap. 13 bis 18&lt;br /&gt;
# Wirkprinzipien von Arzneimitteln und Heileurythmie – Kap. 19 bis 21&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In aller Kürze kann man sagen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;In den Kapiteln 1 bis 18&#039;&#039;&#039; wird das „medizinische System“ skizziert, das als Grundlage einer „rationellen Diagnostik und Therapie“ dienen möchte.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die beiden Schlusskapitel&#039;&#039;&#039; geben dann Einblick in die Praxis und zeigen, wie sich naturwissenschaftliche Medizin und das medizinische System der Anthroposophie gegenseitig ergänzen und inspirieren können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ad1. Mensch und Makrokosmos – Kap. 1 bis 7 ====&lt;br /&gt;
Hier werden die Grundlagen zum Verständnis der Gesundheit erörtert. Es wird das viergliedrige Menschenbild eingeführt in Form von vier regulierenden, ordnenden Kraftsystemen, die in ihrem Zusammenwirken die – funktionell dreigliedrige – menschliche Konstitution bilden. Auch wird das Verhältnis des gesunden Mikrokosmos Mensch zum Makrokosmos herausgearbeitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den ersten fünf Kapiteln werden darüber hinaus die Grundlagen für ein spirituelles Substanz-Verständnis gelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im ersten Kapitel&#039;&#039;&#039; wird das Geheimnis des Merkurstabs enthüllt, indem auf die Bedeutung der Metamorphose der Wachstumskräfte in Gedankenkräfte eingegangen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im zweiten Kapitel&#039;&#039;&#039; wird eingehend erläutert, wie Krankheit dadurch entstehen kann, dass der Mensch zwar geistig seelisch tätig ist, aber in Einseitigkeit und Irrtum verfällt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im dritten bis fünften Kapitel&#039;&#039;&#039; werden die mikrokosmische und makrokosmische Natur der menschlichen Wesensglieder und ihrer spezifischen Kräftekonfigurationen eingeführt. Es wird aber auch in zu Herzen gehender Weise geschildert, welchen Opfergang und welches Schicksal die Welt der irdisch gewordenen Substanzen dabei erfährt. Und wie dieser Opfergang der Substanzen seine Erlösung und Erfüllung findet, wenn die Substanz im Menschen &#039;&#039;„geisttragend“&#039;&#039; werden kann. Wenn &#039;&#039;„geistgetragene Menschenseelen“&#039;&#039; diesem Opfer zum Segen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im sechsten Kapitel&#039;&#039;&#039; wird dann das embryonale Bildegeschehen des menschlichen Körpers so dargestellt, dass man die physiologischen Prozesse des Wesensgliederwirkens denken lernen und sich für die verschiedenen Organbildungen anschaulich machen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im siebten Kapitel&#039;&#039;&#039; wird der entwicklungsoffene, in sich &#039;&#039;nicht&#039;&#039; abgeschlossene gesunde Gesamtorganismus geschildert und daran das Prinzip der Selbstkränkung und das Wesen der Selbstheilungskräfte verdeutlicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ad 2. Ursachen für Stoffwechselerkrankungen – Kap. 8 bis 12 ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Kapitel acht bis zwölf&#039;&#039;&#039; behandeln die fünf Hauptursachen pathologischer Prozesse. Sie beschreiben die fünf zentralen Ursachen der Entstehung von Erkrankungen des Stoffwechsels. Diese werden anhand der Wirkweise von Zucker, Eiweiß, Fett, Harnsäure und Wärme anschaulich gemacht. Dabei werden auch die diese Stoffwechselprozesse regulierenden Wesensglieder in ihrem leiblich-seelischen Wirken anschaulich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ad 3. Therapie-Kapitel – Kap. 13 bis 18 ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Es folgen fünf Therapie-Kapitel&#039;&#039;&#039;, in denen die therapeutische Regulierung des Verhältnisses zwischen Ätherleib und Astralleib im Mittelpunkt steht, dann die regulierende Kraft der Ich-Organisation, dann die mögliche Schwächung der physisch-ätherischen Konstitution im Laufe des Älterwerdens, das Prinzip der Arzneimittelfindung und die Einführung in das Wesen der Substanzerkenntnis als Grundlage der Heilmittel-Erkenntnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ad 4. Wirkprinzipien von Arzneimitteln und Heileurythmie – Kap. 19 bis 21 ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;In den letzten drei Kapiteln des Buches&#039;&#039;&#039; werden charakteristische Krankheitsfälle und typische Heilmittel vorgestellt. Sie sind dem Wirkprinzip der Heileurythmie gewidmet, geben einen Einblick in die Praxis der Anthroposophischen Medizin anhand von neun individuellen Krankheitsfällen und nennen den Einsatz von Arzneimitteln, die bestimmten typischen Erkrankungen angepasst sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;„Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; wurde bis heute bis auf wenige Anmerkungen und Hinweise zur Entstehung und Autorschaft unverändert nachgedruckt. Es hat über drei Generationen hinweg vielen Fachleuten auf dem Gebiet der Anthroposophischen Medizin die nötige Grundorientierung gegeben, um das akademisch erworbene Wissen auch unter spirituellen Gesichtspunkten anzuschauen und es so im Einzelfall praktisch anwendbar zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Werk stellt im Grunde einen Lehrgang dar, der – wie es Ita Wegman in ihrem damals nicht veröffentlichten Vorwort zu diesem Buch schreibt – jeden Arzt in die Lage versetzt, selbst die Krankheiten geistig anzuschauen, wenn er bereit ist, das „&#039;&#039;ganz richtige Lesen dieses Buches“&#039;&#039; zu üben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Raphael und die Mysterien von Krankheit und Heilung“, Medizinische Sektion am Goetheanum 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen,&#039;&#039; GA 27, Dornach 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Zu Rudolf Steiners Verständnis der Anthroposophischen Medizin als einer im Gegensatz zur Schulmedizin, wahrhaft rationellen‘ Heilkunst siehe auch das Vorwort der &#039;&#039;„Erweiterten Heilkunst“&#039;&#039;. Elemente für eine echte Ratio zusammenzutragen, wie sich aus der Diagnose die Therapie ergibt, war bereits Hauptanliegen im ersten Kursus für Mediziner im Jahr 1920 gewesen: Vgl. Steiners &#039;&#039;„Geisteswissenschaft und Medizin“&#039;&#039;, GA 312.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE KAPITEL I–VII: GRUNDLAGEN ZUM VERSTÄNDNIS DER GESUNDHEIT[1] ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was zeichnet den gesundheitswissenschaftlichen Ansatz der Anthroposophischen Medizin aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie unterscheidet er sich von dem pathogenetischen Ansatz der naturwissenschaftlich basierten Schulmedizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Reformen wünschte Rudolf Steiner bereits zu seinen Lebzeiten?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zukunftsweisender gesundheitswissenschaftlicher Ansatz der AM&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Kapitel I–VII umfassen den gesundheitswissenschaftlichen Ansatz der Anthroposophischen Medizin. Unter ‚Volksgesundheit‘ verstand man am Anfang des 20. Jahrhunderts im Wesentlichen hygienische Maßnahmen, genügend Schlaf, gesunde Ernährung und Lebensführung.[2] Noch heute stellen Medizinstudenten und Ärzte immer wieder erstaunt fest, wie wenig sie darüber hinaus während ihres Studiums über die Entstehung von Gesundheit erfahren haben im Gegensatz zur Aufklärung über Krankheitsentstehung, d.h. Pathogenese.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der pathogenetische Ansatz der naturwissenschaftlich basierten Medizin bzw. Schulmedizin hat gegenwärtig mit der molekulargenetischen Steuerungsebene eine gewisse Kulmination erreicht, die in Zukunft mithilfe der Digitalisierung noch weiter optimiert werden wird. Parallel zu dieser Entwicklung hat aber auch die Wissenschaft von den Nebenwirkungen der pathogenetisch fokussierten Therapie zugenommen.[3] Daher wird von naturwissenschaftlicher Seite argumentiert, dass ein Arzneimittel, das keinerlei Nebenwirkungen hat, auch nicht wirksam sein kann. Und alles Bestreben geht dahin, Nebenwirkungen bestmöglich zu minimieren bzw. durch den Einsatz anderer Arzneimittel zu kompensieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesem pathogenetisch orientierten Ansatz steht der gesundheitswissenschaftlich-salutogenetische gegenüber. Dieser hat seine Entwicklung und Kulmination noch vor sich. Er etabliert sich seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erst langsam in der akademischen Welt. Es ist jedoch zu hoffen, dass er dennoch in nicht allzu ferner Zeit die Mitte der Gesellschaft erreichen wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Paradigmenwechsel als politische und wirtschaftliche Herausforderung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Denn der Paradigmenwechsel der Umorientierung von der Verhütung von Krankheit zur Förderung von Gesundheit ist zwar proklamiert – ihn lebenspraktisch zu machen ist und bleibt aber die noch bestehende große soziale und politische und nicht zuletzt wirtschaftliche Herausforderung. Denn: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann man an der Gesundheit verdienen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wer macht dafür Lobbyarbeit?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und: Was braucht es alles zur auch gedanklich-konzeptionellen Neuausrichtung und Umstrukturierung der Ausbildung für die Gesundheitsberufe, insbesondere der Ärzteschaft?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Wie weit man davon noch entfernt ist, hat auch das weltweit durchgreifende Corona-Pandemie-Management gezeigt, das ausschließlich pathogenetisch orientiert war. Salutogenetisch orientierte Auffassungen bezüglich Erkrankungsrisiken, Prävention und Therapie wurden auch in der medialen Berichterstattung konsequent ausgeblendet oder sogar lächerlich gemacht und bekämpft. Dabei konnten nicht zuletzt auch die anthroposophischen Krankenhäuser auf ihren Intensivstationen dank ihres integrativmedizinischen Vorgehens&#039;&#039; &#039;&#039;auch bei Schwerkranken erstaunlich gute Behandlungsergebnisse aufzeigen.“[4]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die fortschrittliche Medizin ebenso pathogenetisch orientiert, wie es der heutige Mainstream der Medizin immer noch ist. Im Mittelpunkt stand das neue Paradigma einer modernen Zellularpathologie, mit der Aussicht, immer mehr pathologische Prozesse diagnostisch bis auf die molekulare Ebene im Zellstoffwechsel zu erforschen.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Rudolf Steiners Ruf nach Reformen in der Medizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Demgegenüber eröffnete Steiner seinen ersten Kurs für Anthroposophische Medizin 1920 mit den Worten: &#039;&#039;„[…] es ist ja ziemlich selbstverständlich, daß von dem, was Sie wahrscheinlich alle erwarten von der Zukunft des medizinischen Lebens, nur ein sehr geringer Teil in diesem Kursus wird angedeutet werden können, denn Sie alle werden ja mit mir darinnen übereinstimmen, daß ein wirkliches, zukunftssicheres Arbeiten auf dem medizinischen Felde von einer Reform des medizinischen Studiums als solchem abhängt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Man kann nicht mit dem, was man in einem Kursus mitteilen kann, eine solche Reform des medizinischen Studiums auch nur im Entferntesten anregen, höchstens in der Weise, daß in einer Anzahl von Menschen der Drang entsteht, mitzutun bei einer solchen Reform. […] Dasjenige, was in diesen Vorträgen beigebracht werden soll, das möchte ich erreichen dadurch, daß ich in einer Art von Programm verteile das zu Betrachtende in der folgenden Weise: Erstens möchte ich Ihnen geben einiges, das hinweist auf die Hindernisse, die im heutigen gebräuchlichen Studium bestehen gegen eine wirklich sachgemäße Erfassung des Krankheitswesens als solchem. Zweitens möchte ich dann andeuten, in welcher Richtung eine Erkenntnis des Menschen zu suchen ist, die eine wirkliche Grundlage für das medizinische Arbeiten abgeben kann. Drittens möchte ich auf die Möglichkeiten eines rationellen Heilwesens hinweisen durch die Erkenntnis der Beziehungen des Menschen zur übrigen Welt.“[6]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als viertes wünschte er sich Fragen aus dem Teilnehmerkreis, weil er seine Ausführungen ganz nach den Bedürfnissen der anwesenden Fachleute und Studierenden richten wollte.[7]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entwicklung von ganzheitlichen Therapieformen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Seither haben sich auch andere an der ‚Ganzheit Mensch‘ und einem neuen Gesundheits- bzw. Krankheitsverständnis orientierte Therapieformen entwickelt – insbesondere seit dem Zweiten Weltkrieg. Beispielhaft seien &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Gestalttherapie&#039;&#039;&#039;[8] genannt,&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Viktor Frankls (1905–1997)&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Logotherapie&#039;&#039;&#039;[9]&lt;br /&gt;
* und die &#039;&#039;&#039;humanistische Psychotherapie.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kapitel I bis VII zeigen den methodischen Ansatz für einen solchen Paradigmenwechsel aus anthroposophischer Perspektive auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[10]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Hierbei handelt es sich um Kapitel aus dem Grundlagenwerk von Rudolf Steiner und Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Siehe z. B. Steurer-Stuttgart (1919), Fuchs-Wolfring (1912), Dennig (1919).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Vgl. Ammon (2001); Stolze (2014).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Vgl. COVID-19: www.anthromedics.org/PRA-0939-DE; [6.1.2025].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. Schipperges (1985).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaft und Medizin,&#039;&#039; GA 312, S. 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Ebenda, S. 14.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Vgl. Boeckh (2015).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. Frankl (2005).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== KAPITEL VIII–XII: DIE FÜNF HAUPTURSACHEN PATHOLOGISCHER PROZESSE[1] ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worum geht es in diesen Kapiteln?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Parallelen gibt es zu Paracelsus Sichtweise auf Krankheitsursachen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Regulationsmöglichkeiten bietet das Wesensglieder-Konzept?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fünf prinzipielle pathophysiologische Erscheinungen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die fünf der Pathologie gewidmeten Kapitel haben paradigmatischen Charakter. Es geht nicht um einzelne Krankheitsbilder – obgleich Beispiele genannt werden – es geht um prinzipielle pathophysiologische Erscheinungen aufgrund typischer Ungleichgewichte im Zusammenspiel der Wesensglieder. So wundert es auch nicht, dass so prominente Krankheitsbilder wie z.B. der Krebs keine Erwähnung finden. Auch die Mistel (Viscum album), als das bekannteste anthroposophische Arzneimittel – obgleich bereits seit 1917 durch Wegman in ihrer Zürcher Praxis im Einsatz[2] – findet (in Kapitel XX) keine Erwähnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht vielmehr um Beschreibungen pathologischer Stoffwechselprozesse, die bei der Verdauung der Grundnahrungsmittel: Kohlenhydrate, Eiweiße, Fette auftreten können (Kap. VIII–X) sowie die Pathophysiologie der Gicht-Erkrankung, die als Beispiel einer meist hereditären, d.h. genetisch bedingten, Stoffwechselstörung auftritt (Kap. XI). Zuletzt werden in Kapitel XII typische Regulationsweisen im labilen Gesundheits-Krankheits-Kontinuum aufgezeigt, das jederzeit in Richtung Krankheit entgleisen oder sich in Richtung Gesundheit entwickeln kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es zeigt sich bei genauerem Hinsehen, dass diese fünf Schilderungen Schlüssel und Ausgangspunkt zum Verstehen aller Krankheitserscheinungen sind. Sie haben einen ebenso fundamentalen Charakter wie die anderen Kapitel im Kontext der Schrift, da die Autoren sich auf den methodischen Ansatz beschränken, den es dann unbegrenzt weiter auszugestalten und zu erforschen gilt. Die fünf Kapitel sind sozusagen Pathologie ‚in a nutshell‘, d.h. Pathologie im Keimzustand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Parallelen zu Paracelsus „quinque entibus“&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Interessanterweise sprach auch &#039;&#039;Paracelsus&#039;&#039; in seinem &#039;&#039;„Volumen Paramirum“&#039;&#039; von fünf Krankheitsursachen: &#039;&#039;„De quinque entibus“.&#039;&#039; Schaut man sich sein Konzept unter dem Aspekt der anthroposophischen Menschenkunde an, so ist darin – wie auch in den fünf Pathologie-Kapiteln der Erweiterung der Heilkunst – jeweils eines der vier Wesensglieder in der Hauptverantwortung für die entsprechende Regulationsstörung. &#039;&#039;Elise Wolfram (1868–1942)&#039;&#039; hat diesen Aspekt schon 1912 in einem viel beachteten Buch herausgearbeitet.[3] Sie war durch Steiners Ausführungen zu Paracelsus und seine Bedeutung für die Medizin dazu angeregt worden. Seither wurde dieser paracelsische Ansatz wiederholt von anthroposophischen Ärzten mündlich und schriftlich dargestellt.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;„Volumen Paramirum“&#039;&#039; lässt Paracelsus sechs Ärzte sich um einen an der Cholera verstorbenen Patienten versammeln, fünf als Vertreter bestimmter medizinischer Auffassungen (‚Sekten‘), während der sechste Paracelsus selbst ist. Gründlich werden in diesem Zusammenhang fünf mögliche Ursachen und deren jeweilige Beschleuniger abgehandelt: das ‚Ens astrale‘, ‚Ens veneni‘, ‚Ens naturale‘, ‚Ens spirituale‘ und ‚Ens deale‘. Man möchte wissen, welches ‚Ens‘ letztlich verantwortlich war für den Tod, denn nicht alle Cholerakranken starben bei der Epidemie. Es muss also verschiedene Ursachen geben, warum dieser Mensch erkrankt bzw. verstorben ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Ens astrale – physischer Leib ====&lt;br /&gt;
Hier liegt die Ursache entweder in den individuellen Schicksalsgegebenheiten eines Menschen, der durch seine Geburt in einer bestimmten Erdgegend, einem bestimmten Volks- und Familienzusammenhang sowie entsprechenden sozialen Verhältnissen lebt, und den daraus resultierenden, der Gesundheit schädlichen oder sie fördernden Einflüssen ausgesetzt ist. Diese primär physische Krankheitsursache, zu der auch das kontaminierte Wasser gehört, das die Cholera-Epidemie verursacht hat, wird bezeichnenderweise von Paracelsus ‚Ens astrale‘ genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird dabei auf das Geburtshoroskop verwiesen, auf den ganzen Schicksalskontext dieses bestimmten Menschen in seinem makro-mikrokosmischen Zusammenhang. Dabei unterscheidet Paracelsus klar den Einfluss der Gestirne auf den Menschen als ‚Ens virtutis‘ von dem ‚Ens seminis‘, dem von der Erde stammenden Erbgut, das für die Körperkonstitution verantwortlich ist und damit ebenfalls für möglichen Schutz vor Erkrankung oder aber begünstigend für ihr Auftreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überträgt man diese Vorstellungen in die anthroposophische Terminologie, so geht es hier um den Einfluss der physischen Organisation in Resonanz mit dem auf sie einwirkenden Schicksalsumkreis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ens veneni[5] – Ätherleib ====&lt;br /&gt;
Hier wird auf den Ursachenzusammenhang gewiesen, der mit der Ernährungsweise und dem Lebensstil zusammenhängt und dem rechten Maß im Sinne des berühmten Spruches: &#039;&#039;„Dosis facit venenum“&#039;&#039;, d.h., nur die richtige Dosierung, das richtige Maß des jeweils zur Anwendung kommenden Heilmittels ist das Gesundheit stiftende. Diesem Aspekt entspricht in der Anthroposophischen Medizin die ätherische Organisation und die sie umgebende Lebenswelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Ens naturale – Astralleib ====&lt;br /&gt;
Dieser Ursachenkontext verweist auf das individuelle Bewusstsein des Menschen und dessen Zusammenhang mit dem Makrokosmos. Die Vielheit der Erscheinungen in der Einheit des menschlichen Bewusstseinshorizontes: das Firmament, die Elemente, die ‚complexiones‘ (konstitutionelle Gegebenheiten), die ‚humores‘ (Körpersäfte). Mit all diesen Gegebenheiten setzt sich der Mensch in seinem bewussten Seelenleben auseinander und seine Gesundheit hängt davon ab, wie er sich darin fühlt und damit umgehen lernt. In der anthroposophischen Terminologie entspricht dies der astralischen Organisation als Träger des körperbezogenen, seelisch-gefühlsmäßigen Bewusstseins und des gedanklich wachen Geist- bzw. Selbst-Bewusstseins. Hier liegt die Krankheitsursache in der „Geist- und Seelenfähigkeit“ des Menschen[6] und deren Einfluss auf die ‚humores‘, d.h. die ätherisch-physische Konstitution.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Ens spirituale – Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Diese Betrachtungsebene betrifft bei Paracelsus die magische Beeinflussung von Wesen zu Wesen. Es geht um den Menschen, der, zwischen Göttern und Dämonen lebend, Verführungen ausgesetzt ist und dessen Gesundheit auch durch Fürbitte und Gebet beeinflusst werden kann. Geistiges wirkt in jeder Beziehung direkt auf Geistiges und von dort aus auf die ihm untergeordneten Ebenen der konstitutionellen Gegebenheit. In der anthroposophischen Terminologie entspricht dies der Ich-Organisation, die über den Wärme-Organismus auf den Luftorganismus als Träger der astralischen Kräfte wirkt und durch diesen auf den Flüssigkeitsorganismus als Träger der ätherischen Kräfte – und durch diesen wiederum auf die physische Organisation, die ihrerseits dann über die Sinne und die Betätigungen während des Tageslebens auf die Ich-Organisation zurückwirkt.[7]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Ens deale – Leibfreies Seelen- und Geistesleben ====&lt;br /&gt;
Paracelsus, dessen Denken und Handeln tief in der christlichen Theologie und Kultur verankert war, spricht hier das Hereingestellt-Sein des Menschen in einen gottgewollten Entwicklungskontext an, hinorientiert auf die beiden menschlichen Kernkompetenzen Freiheit und Liebe. Zusammengefasst heißt es bei Paracelsus: &#039;&#039;„Ihr wisset, daß alle Gesundheit und Krankheit von Gott kommt und nichts vom Menschen, und ihr müßt die Krankheiten der Menschen in zween Gruppen teilen, in natürliche und in solche zur Züchtigung. Die natürlichen, das sind das erste, zweite, dritte und vierte ens: das flagellum ist das fünfte.“[8]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten vier ‚Entien‘ entsprechen im anthroposophischen Kontext den vier Wesensgliedern, das fünfte hingegen der ‚quinta essentia‘, dem von der körperlichen Gebundenheit freien Seelen- und Geistesleben des Menschen, mit dem er sich bewusst in der göttlich-geistigen Welt verankern kann.[9] Es handelt sich dabei um das rein spirituelle Prinzip, von dem auch schon Aristoteles als ‚πέμπτη ουσία‘ (fünftes Seiendes) sprach: das fünfte ‚ens‘ im Sinne des Paracelsus. Hier liegt die Ursache für Krankheit und Tod sozusagen in der Hand Gottes. Hier waltet die Weisheit des Schicksals und nicht die ärztliche Kunst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Alte Sichtweisen durch Geisteswissenschaft aktualisiert&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Vergleich mit dem paracelsischen Verständnis von Krankheit und Gesundheit kann einerseits deutlich machen, wie mithilfe von Steiners Geisteswissenschaft spirituelle Sichtweisen aus früheren Jahrhunderten dem gegenwärtigen Bewusstseinszustand der Menschen neu zugänglich gemacht werden können. Andererseits kann ein solcher Vergleich auch deutlich machen, wie eigenständig und originär Steiners Forschungsansätze und Ausführungen sind. Seine Geisteswissenschaft versteht sich als ein zeitgemäßer Weg, sich das im Sinne Goethes ‚alte Wahre‘ erkennend und handelnd zu erschließen.[10]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;In den Kapiteln VIII–XI&#039;&#039;&#039; steht jeweils ein menschliches Wesensglied ursächlich für das Krankheitsgeschehen im Mittelpunkt. Wobei es stets die Schwäche der Ich-Organisation ist, die initial für die jeweils geschilderten Stoffwechselstörungen und pathologischen Prozesse verantwortlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Kapitel XII&#039;&#039;&#039; hingegen beschreibt das Ringen dieser Ich-Organisation, die konstitutionelle Balance aufrecht zu erhalten. Auffällig ist dabei, dass die vier ersten Pathologie-Kapitel in ihrer Gesamtheit Symptome und Erkrankungen beschreiben, die inzwischen als das Metabolische Syndrom bekannt sind.[11]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Das Metabolische Syndrom ====&lt;br /&gt;
Es umfasst einen Cluster von &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* (vor allem viszeraler) Adipositas, &lt;br /&gt;
* gestörter Glukosetoleranz,&lt;br /&gt;
* Fettstoffwechselstörungen,&lt;br /&gt;
* arterieller Hypertonie, einschließlich möglicher genetischer Prädispositionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gilt als Vorstufe des Diabetes mellitus Typ 2 und ist zudem prädiktiv für ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenhänge zwischen Adipositas und diversen Stoffwechselerkrankungen wurden auch schon zu Lebzeiten von Steiner und Wegman beschrieben.[12] Nach &#039;&#039;Hanefeld&#039;&#039; dokumentierte bereits &#039;&#039;Giovanni Battista Morgagni (1682–1771)&#039;&#039; den Zusammenhang zwischen viszeraler Fettsucht, Hypertonie, Gicht, Schlafapnoe und Arteriosklerose.[13] Allerdings wurde der pathophysiologische Zusammenhang dieser Erkrankungen und die das Metabolische Syndrom charakterisierende Insulinresistenz erst im Laufe des 20. Jahrhunderts deutlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Syndrome X ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gerald M. Reaven (1928–2018)&#039;&#039; wies in seiner &#039;&#039;„Banting Lecture“&#039;&#039; 1988 darauf hin und beschrieb den Symptomenkomplex als das &#039;&#039;„Syndrome X“.[14]&#039;&#039; Zu ihm gehören die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Insulinresistenz, &lt;br /&gt;
* Hyperinsulinämie,&lt;br /&gt;
* Glukosestoffwechselstörung,&lt;br /&gt;
* Fettstoffwechselstörung&lt;br /&gt;
* und Hypertonie.&lt;br /&gt;
* Erst viel später wurden weitere, pathophysiologisch relevante Aspekte wie die &lt;br /&gt;
* low-grade-inflammation beschrieben.[15]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Aktualität der beschriebenen Krankheitsprozesse&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Interessanterweise thematisiert &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[16]&#039;&#039; durch die Abfolge der Kapitel VIII–X bereits die syndromale Entität dieses heute als Metabolisches Syndrom bekannten Krankheitsgeschehens und weist darüber hinaus eindrücklich auf den Diabetes mellitus als Folge-Erkrankung hin (Kap. VIII).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Erwähnung „parasitäre[r] Wärmeherde“[17] im Kapitel X, im Zusammenhang mit dem Fettgewebe, bekommt unter dem Aspekt der inzwischen bekannten proinflammatorischen Wirksamkeit zahlreicher Adipokine eine geradezu überraschende Aktualität – ebenso wie der regulativ-systemische Ansatz zu Verständnis und Behandlung der Erkrankung. Auch wenn der Insulinmangel bei Diagnose und Therapie gegenwärtig immer noch im Vordergrund steht, so wurden doch inzwischen so viele unterschiedliche Beeinflussungen der Insulinresistenz bestimmter Gewebe und möglicher Gegenregulationsformen im Organismus bekannt, dass man auch hier vor einem äußerst komplexen Wechselursachenverhältnis multimodaler Einflussfaktoren steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für diese Komplexität öffnen die fünf Pathologiekapitel die Augen und zeigen zudem klar auf, welche ganzheitlichen Regulationsprinzipien unter den vier Wesensgliedern jeweils unterstützt oder abgeschwächt werden müssen. Das anthroposophische Wesensglieder-Konzept bietet in diesem Kontext die Möglichkeit, die physische, ätherische, astralische und Ich-Organisation als die für die Gesamtregulation des menschlichen Organismus verantwortlichen Gesetzeszusammenhänge sehen zu lernen.[18]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[19]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Hierbei handelt es sich um Kapitel aus dem Grundlagenwerk von Rudolf Steiner und Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Vgl. Zeylmans van Emmichoven (2022), 67 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Vgl. Wolfram (1991).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe www.anthromedics.org; [6.1.2025].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Von lat. venerum: Gift, Medizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6]  Vgl. FN 1, S. 16.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Siehe dazu die ergänzenden Hinweise im Stellenkommentar, Anm. zu EH, 82, S. 133–140.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Paracelsus (2010), 232.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. FN 1, Kap. I, Abs. 19.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] &#039;&#039;„Das Wahre war schon längst gefunden / Hat edle Geisterschaft verbunden / Das alte Wahre, fass’ es an.“&#039;&#039; WA I/2, 82.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Dem Internisten &#039;&#039;Matthias Girke&#039;&#039; und seiner Publikation &#039;&#039;„Innere Medizin“&#039;&#039; verdanke ich fachliche Unterstützung bezüglich Referenzen und Hinweisen zu den Kapiteln VIII–XII, insbesondere zum Metabolischen Syndrom und seinen Folge-Erkrankungen. Siehe Girke (2020).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Vgl. Balke und Nocito (2013), 77–83.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] Vgl. Hanefeld und Leonhardt (1996).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] Vgl. Reaven (1988), 1595–1607.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[15] Minihane u. a. (2015), 999–1012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[16] Vgl. FN 1.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[17] Vgl. FN 1, S. 52f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[18] Zum 250. Geburtsjahr &#039;&#039;Goethes&#039;&#039; 1999 wurde eine Vorlesungsreihe an der Universität Bern veranstaltet: Goethes Beitrag zur Erneuerung der Naturwissenschaften. In seiner Vorlesung zum Thema Typusidee und Genetik führte &#039;&#039;Johannes Wirz&#039;&#039; auch für die moderne Genetik aus: &#039;&#039;„Bereits regen einige Entwicklungsbiologen und Genetiker eine Neukonzeption der Gen-zentrierten Auffassung von Entwicklungsprozessen an. Duboule und Wilking schließen zum Beispiel, dass es keine Art/spezifischen Gene, sondern nur einen artspezifischen, differentiellen Gebrauch derselben gibt. […] Die kaum beachtete epigenetische Theorie von Waddington, welche die Vernetzung von Genen stärker betont als die Bedeutung einzelner Erbfaktoren, ist kürzlich durch eine viel beachtete Publikation von Strohmann wissenschaftsfähig geworden. [...] Der genetische Determinismus wird noch weiter relativiert, wenn, wie es die Tatsachen nahelegen, Lebewesen als organische Ganzheiten im Sinne Goethes verstanden werden. Das bedingt, dass ihnen neben DNA, Proteinen, Zellen und deren vielfältigen Interaktionen, die als Erscheinungsbedingungen vorhanden sein müssen, eine Qualität zugestanden wird, welche dieselben dirigiert. Die Idee der inneren Natur oder des Typus [gemäß Goethe, M. G.] fordert zudem ein erweitertes Verständnis von Vererbung.“&#039;&#039; (Wirz [2000], 324 f.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[19] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE KAPITEL XIII–XVIII: ZUR THERAPIE UND HEILKUNST[1] ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist mit der in diesen Kapiteln beschriebenen therapeutischen Denkweise gemeint?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie können Aufgabe und Wirkung einer Substanz – hier die Kieselsäure – im Organismus Vorbild für eine therapeutische Denkweise sein?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was verbindet Ich-Organisation und Kieselsäure?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Innerer Zusammenhang von Kapitel XIV, XVI und XVIII&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Diesen Kapiteln liegt eine Komposition zu Grunde, in der 2 × 3 Kapitel einen engeren inneren Zusammenhang haben, obgleich sie nicht aufeinander folgen. ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== a. Therapeutische Denkweise ====&lt;br /&gt;
Den Schlüssel zu dieser Komposition bietet der letzte Satz von Kapitel XVIII, wo es über die Heileurythmie heißt, &#039;&#039;„dass man sie durchaus als ein segensreiches Glied unserer hier dargestellten therapeutischen Denkweise ansprechen kann“.&#039;&#039;&#039;[2]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Dadurch entsteht ein unmittelbarer Bezug zu Kapitel XIV &#039;&#039;„Von der therapeutischen Denkweise“.&#039;&#039; Darin wird anhand der Wirkung der Kieselsäure im menschlichen Organismus das Wesen der in diesem Kontext gemeinten therapeutischen Denkweise geschildert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wer oder was bestimmt den Charakter einer bestimmten Denkweise?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemäß Rudolf Steiner und Ita Wegman übernimmt die Ich-Organisation, &#039;&#039;„die sich seelisch frei im Denken darlebt“,&#039;&#039;&#039;[3]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; diese Aufgabe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== b. Gestaltungskraft von Kalk und Kiesel ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was aber verbindet die Ich-Organisation mit der Kieselsäure?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dieser Frage tut sich ein weiteres Kapitel der anthroposophischen Substanz-Erkenntnis auf: die polare Wirkensweise von Kalk und Kiesel, auf die Steiner in vielen Vorträgen zu sprechen kommt. Im &#039;&#039;„Landwirtschaftlichen Kurs“&#039;&#039; heißt es, nachdem Steiner die eiweißbildenden Elemente Kohlenstoff, Sauerstoff, Stickstoff, Wasserstoff und Schwefel geschildert hat:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Um nun die feste Gestalt darzustellen, da muss es [alles Kohlenstoffhaltige, M.G.] sich auf ein tiefer liegendes Gerüste aufbauen und das ist dasjenige, was als ein ganz tiefliegendes Gerüst in unserem kalkartigen Knochengerüst enthalten ist, was aber auch enthalten ist in dem Kieseligen, das wir ja immer in uns tragen, sodass der Kohlenstoff im Menschen und auch im Tier bis zu einem gewissen Grade seine Gestaltungskraft maskiert. Er rankt sich hinauf an der Gestaltungskraft von Kalk und Kiesel. Kalk gibt ihm die irdische, Kiesel die kosmische Gestaltungskraft.“&#039;&#039;&#039;[4]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bergkristall (als SiO2 eine reine Silicium/Sauerstoffverbindung) erscheint unter diesem Aspekt wie ein Urbild. Kosmisches und irdisch machender Sauerstoff sind in reinster Stimmigkeit auf einander bezogen. Die kosmische Gestaltungskraft manifestiert sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* im Irdisch-Unbelebten in Form der Bildung von Urgestein. &lt;br /&gt;
* und bei den Lebewesen als Gerüstsubstanz.&lt;br /&gt;
* In der menschlichen Konstitution verwandelt sich in Folge der Metamorphose die leibliche Bildetätigkeit in Gedankentätigkeit in Form von Wahrnehmen und Denken und wendet sich so wieder dem Kosmos zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== c. Irdisch-kosmische Zusammenhänge verstehen ====&lt;br /&gt;
Aus anthroposophischer Perspektive[5] handelt es sich hierbei um die allumfassende kosmisch-ätherische Gestaltungskraft,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die einerseits dem Leib &#039;&#039;&#039;Leben&#039;&#039;&#039; einhaucht &lt;br /&gt;
* und andererseits Grundlage für selbstgeführtes &#039;&#039;&#039;Denken&#039;&#039;&#039; ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je mehr es gelingt, in solchen Zusammenhängen zu denken, Irdisches und Kosmisches in ihrem Aufeinander-bezogen-Sein zu erkennen, desto therapeutischer wird die Denkweise werden. Dann kann sie Lebenszusammenhänge verstehen, dem Leben dienen und gesunde individuelle und soziale Entwicklungen fördern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann kann sie endlich auch die Wunden heilen, die infolge der reduktionistischen Denkweise entstanden sind und weiter entstehen, wenn sich der atomistische Monismus nicht mit einem ganzheitlich-spirituellen Monismus Goethe’scher Prägung versöhnen lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Heileurythmie als ‚Tun‘ der Ich-Organisation&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der Heileurythmie wird diese irdisch-kosmische Tätigkeit der Ich-Organisation nicht nur ‚gedacht‘, sondern ‚getan‘. Denken, Fühlen und Wollen sind beim konzentrierten Ausüben der heileurythmischen Bewegungen dem Körper zugewendet, wodurch das Stoffwechselgeschehen und die rhythmischen Funktionen unmittelbar beeinflusst werden können. Wie sehr Bewegung und Atmungsregulierung den Gesundheitszustand beeinflussen können, ist inzwischen auch naturwissenschaftlich hinreichend belegt. Entsprechende Präventionsprogramme haben sich insbesondere in der Kardiologie seit Jahrzehnten bewährt.[6] Auch die Rehabilitationseinrichtungen bauen ihre Maßnahmen primär auf gesunde Ernährung, Bewegung, Gespräch und kulturelle Aktivitäten auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die innere Beziehung zwischen Kapitel XIV und XVIII wird ergänzt durch Kapitel XVI, das nicht ohne Grund in der Mitte steht. Dieses Kapitel handelt vom Antimon unter der Überschrift &#039;&#039;„Heilmittel-Erkenntnis“.&#039;&#039; Dabei werden die Antimonprozesse als diejenigen beschrieben, die in den menschlichen Organismus gebracht, so wirken wie die Ich-Organisation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Im menschlichen Organismus zeigt das Blut in seiner Strömung eine Tendenz, zu gerinnen. Diese Tendenz ist diejenige, die unter dem Einfluss der Ich-Organisation steht und unter ihr die Regulierung erfahren muss.“[7]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Innerer Zusammenhang von Kapitel XIII, XV und XVII&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die zweite Dreiheit handelt vom krankhaften Zusammenspiel der Wesensglieder und den für den therapeutischen Prozess charakteristischen Heilmitteln bzw. Arzneisubstanzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== a. Zwischen kränkenden und gesundenden Kräften ====&lt;br /&gt;
Hier steht das individuelle Therapiegeschehen im Vordergrund. So lautet die Überschrift von Kapitel XIII &#039;&#039;„Vom Wesen des Krankseins und der Heilung“&#039;&#039; und beginnt mit dem Wort ‚Schmerz‘ als einem Erlebnis im astralischen Leib und im Ich. Es folgt dann eine kurze Charakteristik des unterschiedlichen Zusammenwirkens der Wesensglieder im Laufe des Lebens zwischen Geburt und Tod. Hauptaugenmerk bei der Therapiefindung liegt hier auf dem sensiblen Zusammenspiel zwischen der kränkenden astralischen und der gesundenden ätherischen Organisation. Diese Betrachtung findet ihre Fortsetzung in Kapitel XV, wo es unter der Überschrift &#039;&#039;„Das Heilverfahren“&#039;&#039; heißt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Denn alle Entwicklung des menschlichen Organismus beruht darauf, dass ursprünglich die Gesamtgestaltung des physischen und ätherischen Leibes aus der Tätigkeit des Astralischen und der Ich-Organisation sich ergibt; dass aber mit zunehmendem Alter die astralische und Ich-Tätigkeit in der physischen und ätherischen Organisation weiterlaufen. Tun sie das nicht, so müssen der astralische Leib und die Ich-Organisation in einem Stadium ihrer Entwickelung in einer Art eingreifen, zu der sie in diesem Stadium nicht mehr geeignet sind.“&#039;&#039; [8]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== b. Ich-Organisation entlastende Heilmittel ====&lt;br /&gt;
Dann bedürfen sie der regulierenden Unterstützung durch Heilmittel, die die beiden oberen Wesensglieder von ihrem nicht mehr entwicklungsgerechten Eingreifen entlasten und die physische und ätherische Organisation so stärken, dass das unregelmäßige Eingreifen der oberen Wesensglieder zur Kompensation der geschwächten physisch-ätherischen Konstitution nicht mehr nötig ist. Zusätzlich kompliziert werden Diagnostik und Therapie dadurch, dass &#039;&#039;„die Richtung der Krankheitswirkungen“[9]&#039;&#039; ebenfalls verfolgt werden muss im Sinne der primären Ursache der Störung und deren Folge. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== c. Bedeutung von Ameisensäure und Kleesäure ====&lt;br /&gt;
Abgerundet wird die Betrachtung dieser Dreiheit mit Kapitel XVII &#039;&#039;„Substanz-Erkenntnis als Grundlage der Heilmittel-Erkenntnis“&#039;&#039;, in dem zwei Substanzen im Mittelpunkt stehen, die in der Biochemie des Zellstoffwechsels eine wichtige Rolle spielen: Ameisensäure und Kleesäure.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Hexagramm aus zwei Dreiecken&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Während die erste Dreiheit primär bezogen ist auf die Erscheinung der menschlichen Gestalt im Raum und ihrem Formaspekt im Reich der Natur, widmet sich die zweite Dreiheit dem Wandel der menschlichen Konstitution in der Zeit. Fügt man die beiden Dreiheiten zusammen, so ergibt sich das therapeutische Ur-Symbol des Hermes Trismegistos bzw. das Siegel Salomos, das Hexagramm, in dem ein Dreieck mit der Spitze nach unten sich durchdringt mit einem zweiten Dreieck, dessen Spitze nach oben weist. Es ist das ägyptisch-hermetische Zeichen für das harmonische Zusammenwirken von Makrokosmos und Mikrokosmos. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Spitze des ersten Dreiecks, die nach unten weist und dessen Basis oben ist, wäre Kapitel XIV. In der Heileurythmie wird über die rhythmisch wiederholten Bewegungsübungen daran gearbeitet, den Menschen im Raum bei der Wiederherstellung seiner urbildlichen aufrechten Gestalt zu unterstützen. Basis dafür ist eine therapeutische Denkweise, die innere Aufrichtekraft (wirklichkeitsgemäßes ‚aufrichtiges‘ Denken) und Heilmittel-Erkenntnis aus dem Mensch-Natur-Zusammenhang adäquat verbindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das zweite Dreieck, dessen Spitze nach oben weist und das seine Basis unten hat, handelt vom Schmerzerleben und dem Wesen der Krankheit als weckendem Begleiter des Menschen im Verlauf des Lebens. Es zeigt durch die Basis unten die starke Beziehung des Makrokosmus zum Menschen und den ihn umgebenden Naturreichen als heilsamem Begleiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Heilkunst als Kunstwerk Heilung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist also im Kontext dieser Ausführungen mit Heilkunst gemeint?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es handelt sich dabei um einen Diagnoseprozess, aus dem sich die Therapie unmittelbar ablesen lässt. Dazu braucht es solides medizinisches Grundlagenwissen – auch bezüglich der Gesetzmäßigkeiten der körperlich-seelischen Reifung und den Alterungsprozessen in der zweiten Lebenshälfte. Dieses Wissen und die dadurch möglichen therapeutischen Kompetenzen sind sozusagen das „Material“ für den künstlerischen Prozess. Damit aber im Einzelfall das &#039;&#039;„Kunstwerk Heilung“&#039;&#039; geschaffen werden kann, dazu braucht es die unmittelbare Beobachtung und die therapeutische Denkweise im Hier und Jetzt der konkret gegebenen Krankheitssituation in ihrem Umfeld. Im günstigen Fall sind Besserung und Heilung die Folge des therapeutischen Bemühens, an dem beide – der Behandelnde und der Betroffene – mitschöpferisch tätig sind. So gesehen handelt es sich immer auch um ein &#039;&#039;„soziales Kunstwerk“.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Dass dabei nicht nur medizinisches Wissen, sondern auch Fähigkeiten wie das Erfassen des rechten Zeitpunkts (ϰαιρός), diagnostische Empathie und therapeutische Intuition eine wichtige Rolle spielen, zeichnet den künstlerischen Prozess aus.“[10]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[11]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Hierbei handelt es sich um Kapitel aus dem Grundlagenwerk von Rudolf Steiner und Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Vgl. FN 1, S. 88.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Vgl. FN 1, S. 15.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft. Landwirtschaftlicher Kursus,&#039;&#039; GA 327, 66 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. FN 1, S. 6.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Siehe z.B. die Pocket-Leitlinie Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie. Giehlen u. a. (2021).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Vgl. FN 1, S. 79.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Vgl. FN 1, S. 74.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. FN 1, S. 75.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Vgl. Fintelmann (2016).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE KAPITEL XIX UND XX: EINBLICKE IN EINE RATIONELLE DIAGNOSTIK UND THERAPIE[1] ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit von Rudolf Steiner und Ita Wegman rund um dieses Werk?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Unter welchen Aspekten wurden die angeführten Krankengeschichten durchgesehen und veröffentlicht?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchem Zweck dienen diese Krankengeschichten?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Zur Entstehung der Textgrundlage&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während die Kapitel I bis XVIII in der Handschrift Steiners vorliegen, sind die beiden letzten Kapitel XIX und XX von Ita Wegman niedergeschrieben. Es gilt jedoch für alle 20 Kapitel dieses Buches, dass sie in intensiver gemeinsamer Arbeit von beiden Autoren verfasst wurden. Wann genau die einzelnen Kapitel entstanden sind, wissen wir zwar nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Walter Holtzapfel&#039;&#039; hatte aber als dritter Nachfolger in der Leitung der Medizinischen Sektion[2] noch viel Gelegenheit, mit Menschen zu sprechen, die den eineinhalbjährigen Prozess der Entstehung des Buches miterlebt haben. Von ihm stammt die Mitteilung, dass ein um das andere Kapitel &#039;&#039;„von den beiden Autoren gemeinsam durchgesprochen und dann zunächst von Frau Dr. Wegman formuliert und niedergeschrieben wurde. Gewiss stammt die endgültige Formulierung wohl fast immer von Rudolf Steiner.“[3]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zu den Krankengeschichten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Von den neun in das Buch aufgenommenen Krankengeschichten wurden der vierte und fünfte Fall bereits am 23. April 1924 im Rahmen einer Dornacher Ärztebesprechung von Ita Wegman vorgelesen und von Rudolf Steiner eingehend im Gespräch kommentiert.[4] So können wir davon ausgehen, dass zumindest diese Kasuistiken schon während des ersten halben Jahres der gemeinsamen Arbeit entstanden sind, d.h. dass von Beginn an die gemeinsame Arbeit am Buch stets auch in direkter Resonanz war mit konkreten Menschen und ihrem Krankheitsschicksal. Ganz abgesehen von den zahlreichen Vortragsreisen im Jahre 1924, bei denen Wegman ebenfalls mitreiste und wo ihnen jeweils Patienten vorgestellt und deren Therapie beraten worden war.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es muss an dieser Stelle aber auch klar hervorgehoben werden, dass es die Kollegin und enge Mitarbeiterin Ita Wegmans – &#039;&#039;Hilma Walter&#039;&#039; – gewesen ist, der die Dokumentationen der Krankengeschichten des &#039;&#039;„Klinisch-Therapeutischen Instituts“&#039;&#039; zu verdanken sind, die den für das Buch formulierten Texten zugrunde liegen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Dokumentationen wurden 2007 von &#039;&#039;Peter Selg&#039;&#039; in der Originalfassung herausgegeben, so dass sie heute eingehend studiert und auch im Detail mit der textlichen Abfassung in Kapitel XIX verglichen werden können.[6] So wird auch deutlich, was Wegman direkt aus Walters Kasuistiken übernommen hat und was von den Autoren gekürzt, neu formuliert und auch ausgelassen wurde. Walter hat dann auch in ihrer Endredaktion des Buches nach Steiners Tod vor der Drucklegung insbesondere die Krankengeschichten noch einmal gründlich durchgesehen und wo nötig noch etwas gestrichen, damit keiner der dort geschilderten Patientinnen und Patienten in dem gedruckten Buch wiedererkannt werden konnte.[7] Waren es doch fast ausnahmslos Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft, um die es jeweils ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zu Peter Selgs Dokumentation von Krankengeschichten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Selg hat für seine Publikation nicht nur die Krankenunterlagen dieser neun Patienten im Original studiert, sondern auch die zugehörigen Notizbucheinträge im Nachlass Hilma Walters, die Ärzte- und Patientenkorrespondenz Wegmans sowie weitere Nachlassunterlagen. So liegen die Krankengeschichten aus Kapitel XIX gesichtet und aufgearbeitet vor und sind Grundlage für weitere Forschung. Er schreibt dazu insbesondere im Hinblick auf noch zu leistende weitere Kontextualisierungen dieser Krankengeschichten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Je plastischer die Kranken- und Therapiegeschichten jedoch selbst werden (indem man zwischen dem Original der Krankenakte und der Buchwiedergabe vergleichen kann – M.G.), umso klarer wird das methodische Gewichtungs- und Auswahlverfahren der Buchdarstellung erkennbar. In diesem Sinne vermögen die hier erstmals publizierten Materialien, verschiedene Aspekte deutlicher hervortreten zu lassen, darunter auch die Zeitgestalt der (oft monatelangen) Behandlung, der einzelnen Schritte und Vorgehensweisen, der therapeutischen Erfolge, aber auch der Rückfälle und weiter bestehenden Schwierigkeiten, die Teil der Kranken- und Behandlungsgeschichte waren. Sie bieten daher Anlass und Voraussetzung für ein erneutes und eingehendes Studium der Kasuistiken selbst.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Im Rahmen dieser Dokumentation wurde konsequent davon abgesehen, die zur Darstellung kommenden diagnostischen und therapeutischen Prozesse im Einzelnen zu kommentieren und zu bewerten; ein solcher Kommentar – vor dem Hintergrund der gesamten anthroposophischen Physiologie, Pathophysiologie und Therapeutik und in Auseinandersetzung mit einer schulmedizinischen Interpretation der verschiedenen Krankheitsfälle – soll zu einem späteren Zeitpunkt erarbeitet und publiziert werden.“[8]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Leuchtende Vorbilder für&#039;&#039; &#039;&#039;Wesensgliederdiagnosen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Diese von Selg in Aussicht gestellte Publikation konnte jedoch bisher nicht realisiert werden, bzw. bleibt ein weiterhin lohnendes und erforderliches Desiderat. Denn beides – der Hintergrund der gesamten anthroposophischen Physiologie, Pathologie und Therapeutika sowie die schulmedizinische Kontextualisierung – sind große Arbeitsvorhaben, die eigentlich nur im Team zu leisten sind und viel Zeit erfordern. Dennoch kann jeder interessierte Arzt auch aus dem bis jetzt vorliegenden Material unschätzbare Anregungen für die eigene Arbeit entnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anthroposophische Internist &#039;&#039;Friedwart Husemann (1945–2022)&#039;&#039; schreibt in seinem Kurzporträt über die &#039;&#039;„Erweiterung der Heilkunst“:&#039;&#039; &#039;&#039;„Bei den Krankengeschichten geben die Autoren Wesensgliederdiagnosen und sehr individuelle Heilverfahren, die für den anthroposophischen Arzt von heute ein leuchtendes und selten erreichtes Vorbild darstellen.“[9]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[10]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Hierbei handelt es sich um Kapitel aus dem Grundlagenwerk von Rudolf Steiner und Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Nach Wegmans Tod wurde zunächst eine Interim-Gruppenleitung eingesetzt – bis dann 1963 die enge Mitarbeiterin Wegmans in ihrem Arlesheimer Klinisch-Therapeutischen Institut, &#039;&#039;Margarete Kirchner-Bockholt (1894–1973),&#039;&#039; für ihre Nachfolge nominiert wurde, die sie dann nach ihrem Ausscheiden an &#039;&#039;Holtzapfel&#039;&#039; übergab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Holtzapfel (1973), 51–53.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Physiologisch-Therapeutisches auf Grundlage der Geisteswissenschaft. Zur Therapie und Hygiene,&#039;&#039; GA 314, S. 337–349.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. Selg (2007), 15f. und 21f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Ebd., 22.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Ebd., 23f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Selg (2007), 25.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] F. Husemann (2018), 323.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE DER THERAPIEFINDUNG GEWIDMETEN KAPITEL XIV BIS XVIII ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Blickrichtungen werden in den jeweiligen Kapiteln skizziert?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fünf therapeutische Perspektiven&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In den genannten Kapiteln von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; werden fünf therapeutisch-menschenkundliche Blickrichtungen geschildert, die es im Einzelfall gegeneinander abzuwägen oder zu kombinieren gilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Der therapeutische Aspekt des Siliziumprozesses ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;In Kapitel XIV&#039;&#039; wird der Silizium-Prozess zum Vorbild der therapeutischen Denkweise. Diese richtet ihr Augenmerk darauf, inwiefern Krankheitssymptome Ausdruck mangelnder oder überhöhter gegenseitiger Wahrnehmung bzw. Resonanz zwischen den Organsystemen und ihren Funktionen sind. Sie weisen auf die Notwendigkeit richtiger Balance zwischen notwendiger Abgrenzung und ebenso notwendiger Wahrnehmung der Belange des Gesamtorganismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Regulierungsmöglichkeiten bei schwacher Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Im Kapitel XV&#039;&#039; werden verschiedene Regulierungsmöglichkeiten aufgezeigt, wenn die Ich-Organisation diese Aufgabe nicht mehr zureichend leisten kann. Wie in den Kapiteln I bis VII geschildert, zeigen Krankheitssymptome an, wie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* im physischen Leib die &#039;&#039;Mineralisierung&#039;&#039;, &lt;br /&gt;
* im ätherischen Leib die &#039;&#039;Wachstumsbereitschaft&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* sowie die vom Astralleib bewirkten &#039;&#039;Absonderungs- und Ablagerungsprozesse&#039;&#039; partiell überhandnehmen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wenn sich diese Wesensglieder der Integrationskraft der Ich-Organisation nicht (mehr) ausreichend fügen, weil diese an Kraft eingebüßt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Heilmittelerkenntnis ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;In Kapitel XVI&#039;&#039; geht es um die Heilmittelerkenntnis, die man gewinnt, wenn man &#039;&#039;„durch der Natur Examen geht“&#039;&#039;&#039;[2]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; und den Blick primär auf die Kräfte lenkt, die als Zentral- und Universalkräfte in der unbelebten und belebten Natur wirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Prozessorientierte Substanz-Erkenntnis ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;In&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Kapitel XVII&#039;&#039;&#039; liegt der Fokus auf einer konsequent prozessorientierten Substanz-Erkenntnis, die Steiner im Ärztekurs für die jungen Mediziner so formuliert hat: dass es die Aufgabe des Arztes sei, &#039;&#039;„die Weltenaufgaben der Substanzen zu erkennen“.&#039;&#039;&#039;[3]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Etwas von dieser ‚Weltenaufgabe‘ wird in der EH anhand der Ameisensäure und der Kleesäure aufgezeigt und damit auf die Bedeutung dieser Blickrichtung für bestimmte Prozesse im menschlichen Zellstoffwechsel hingewiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Therapeutischer Einfluss von Bewegungsübungen ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Kapitel XVIII&#039;&#039;&#039; enthält die fünfte therapeutische Blickrichtung: den regulierenden Einfluss von bewusst ausgeführten Bewegungsübungen auf die abbauenden und aufbauenden Stoffwechselprozesse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[4]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner und Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ausspruch des Paracelsus, auf den auch Steiner sich im ersten Ärztekurs von 1920 bezieht (vgl. oben, S. CXXX).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Meditative Betrachtungen und Anleitungen zur Vertiefung der Heilkunst. Vorträge für Ärzte und Medizinstudierende,&#039;&#039; GA 316, 22.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;DIE ICH-ORGANISATION IN DER DARSTELLUNG EINZELNER KAPITEL&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern ist die Ich-Organisation Trägerin von Gesundheit, aber auch Ursache für jegliche Krankheit?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wodurch beherrscht die Ich-Organisation die Erdenstoffe und Substanzen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wodurch werden Heilmittel zu Regulatoren und Unterstützern der Ich-Organisation?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Ich-Organisation als Verursacherin von Gesundheit und Krankheit&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ich-Organisation wird im Gang durch die Kapitel von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039;&#039;[1]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; als das Kraftsystem geschildert, das für die Erhaltung der Gesundheit und für den Erfolg von Heilungsvorgängen den Ausschlag gibt. Daher steht sie im Zusammenwirken mit der ätherischen Organisation als Trägerin der Regenerations- und Selbstheilungskräfte im Fokus jeder therapeutischen Intervention.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andererseits ist eben diese Ich-Organisation – zusammen mit dem Astralleib als außerkörperlich aktive ‚Geist- und Seelenfähigkeit‘ – zugleich Ursache und Grundlage dafür, dass wir krank werden und sterben können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zum Wirken der Ich-Organisation&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im Folgenden eine kurze Rekapitulation dessen, was in den einzelnen Kapiteln zur Wirkung der Ich-Organisation und den Substanzen in ihrem Dienst ausgeführt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel I – Der Substanzstrom fügt sich dem Ich = Gesundheit ====&lt;br /&gt;
In Kapitel I heißt es in Bezug auf alle Substanzen: &#039;&#039;„Die Wesenheit, welche diese Stofflichkeit als ‚Ich-Organisation‘ annimmt, ist zunächst die Form des Erdenstoffes, in der sich dieser am meisten seiner irdisch-physischen Art entfremdet.“&#039;&#039;&#039;[2]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Das bedeutet, dass sich der Substanzstrom nach seinem Durchgang durch die Bereiche der physischen, ätherischen und astralischen Kräfte auf der vierten Verwandlungsstufe dem &#039;&#039;„Weben und Wesen des ‚Ich‘“&#039;&#039; in der Form einfügt, dass er ‚Geist tragend‘ wird.[3]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kann dieser Verwandlungsprozess ungestört stattfinden, ist Gesundheit die Folge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel II – Ich-bedingte Störungen im Ätherischen ====&lt;br /&gt;
In Kapitel II werden Störungsmöglichkeiten aufgezeigt, indem zwei Formen des Krankseins geschildert werden, die jeweils durch ein zu starkes oder zu schwaches Untertauchen von Ich-Organisation und Astralleib in die physisch-ätherische Konstitution entstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt bedarf es der Regulation durch Arzneimittel, die auf die eine oder andere Weise die ätherische Organisation in ihrer Regenerations- und Selbstheilungsfähigkeit unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel III und IV – Über das Pflanzen- und Tierreich ====&lt;br /&gt;
In den Kapiteln III und IV wird die Ich-Organisation nicht erwähnt – hier stehen die ätherische und astralische Organisation und das durch sie mögliche Pflanzen- und Tierreich im Zentrum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deren gesundes Zusammenleben und -wirken ist im Haushalt der Natur im Sinne des ökologischen Gleichgewichts reguliert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel V – Menschengestalt dank des Wirkens der Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
In Kapitel V wird die Ich-Organisation neu eingeführt als das Kraftsystem, welches in der Lage ist, die verschiedenen Kräftebereiche – den physischen, den ätherisch-pflanzlichen sowie den astralisch-tierischen – ‚im Fluss zu halten‘. Das bedeutet, die menschliche Konstitution vor jeglicher Spezialisierung und Einseitigkeit zu bewahren. Dadurch verwandeln sich die Substanzströme im Bereich der physischen, ätherischen und astralischen Kräfte nochmals: Es entsteht ein dreifacher Substanzstrom, aus dem heraus sich die innere und äußere menschliche Gestalt bildet. Dadurch wird sie zum Träger des selbstbewussten Geisteslebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Bis in die kleinsten Teile seiner Substanz hinein ist der Mensch in seiner Gestaltung ein Ergebnis dieser Ich-Organisation.“[4]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel VI – Einfluss der Ich-Organisation auf Blut, Skelett und Gehirn ====&lt;br /&gt;
In Kapitel VI wird dies weiter erläutert, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* indem die gesamte &#039;&#039;Blutbildung&#039;&#039; bis hin zur Wirkung der Verdauungsenzyme als unter dem Einfluss der Ich-Organisation stehend geschildert wird.&lt;br /&gt;
* Und in der Bildung des &#039;&#039;Skeletts&#039;&#039; geht das Wesen der Ich-Organisation so vollständig auf, dass dieses als ihr physisches Abbild gesehen werden kann.&lt;br /&gt;
* Im &#039;&#039;Gehirn&#039;&#039; dagegen ist das Ich als geistige Wesenheit tätig. Seine formbildende, ins Physische hineinwirkende Kraft wird dort aber ganz vom Ätherischen sowie von den Eigenkräften des Physischen überwältigt. Dem Gehirn liegt die organisierende Kraft des Ich also nur leise zugrunde, da sie im Wirken des Lebendigen und in den physischen Eigenwirkungen untergeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist auch der Grund, warum das Gehirn zum Träger der geistigen Ich-Wirkung wird: Gerade weil die Ich-Organisation im Gehirn nicht organisch-physisch in Anspruch genommen wird, sind ihre Kräfte als solche völlig frei, sich geistig zu betätigen.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel VII – Ich-Organisation, Eisen und Selbstheilungskräfte ====&lt;br /&gt;
In Kapitel VII wird die Ich-Organisation als maßgeblich für die körpereigenen Selbstheilungskräfte eingeführt. Diese beruhen darauf, dass die Ich-Organisation in der Lage ist, das im Sinne der äußeren Natur noch kristallisationsfähige Eisen in ihre Gestaltungskräfte hinein zu ‚zwingen‘.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel VIII – Glukosestoffwechsel und Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Im Kapitel VIII wird der gesamte Glukosestoffwechsel als Instrument der Ich-Organisation dargestellt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Wo Zucker ist, da ist Ich-Organisation; wo Zucker entsteht, da tritt die Ich-Organisation auf, um die untermenschliche (vegetative, animalische) Körperlichkeit zum Menschlichen hin zu orientieren.“[6]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel IX – Ich-Organisation als Beherrscherin des Unorganischen ====&lt;br /&gt;
Kapitel IX schildert die Eigenschaft der Ich-Organisation, sich bis in die Kräfte des unorganisch Toten hinein als beherrschend zu zeigen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Alles, was in den Bereich der Ich-Organisation kommt, erstirbt. Daher gliedert sich die Ich-Organisation im physischen Leib rein unorganische Substanzen ein. Diese wirken im menschlichen physischen Organismus nicht so wie in der leblosen Natur außerhalb des Menschen; aber sie wirken doch eben unorganisch, d.h. ertötend.“[7]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel X – Erdenstoffe als Wärmelieferanten für die Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
In Kapitel X wird deutlich gemacht, was mit der Formulierung, dass sich alle Erdenstoffe dem &#039;&#039;„Weben und Wesen des ‚Ich‘ einfügen“,&#039;&#039; gemeint ist. Denn von jeder im menschlichen Körper befindlichen Substanz kommt für die Ich-Organisation nur so viel in Betracht, als bei deren Wirksamkeit Wärmeentfaltung stattfindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entzieht sich ein Wärmebezirk der Herrschaft der Ich-Organisation, so markiert dies den Beginn pathologischer Prozesse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel XI – Ich-Organisation und Harnsäureverteilung ====&lt;br /&gt;
In Kapitel XI heißt es: In der richtig verteilten Harnsäureablagerung &#039;&#039;„kommt zum Ausdrucke, ob zwischen der Ich-Organisation und dem astralischen Leib in irgendeinem Organ oder Organsysteme das rechte Verhältnis besteht.“[8]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel XII – Ich-Organisation und Ausscheidungstätigkeit ====&lt;br /&gt;
Kapitel XII beschreibt das Wesen der Ich-Organisation als reine Wärmeaktivität – sowohl bei der Organbildung durch Erhöhung oder Verminderung der Wärmezustände, als auch in den Tätigkeiten, die nach innen oder nach außen zu Ausscheidungen führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Insofern in diesen Ausscheidungen Stoffe eingelagert sind, &#039;&#039;„die bis zum Unorganischen getrieben sind, dann lebt in diesen auch die Ich-Organisation“[9]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel XIII – Ich-Organisation und Phosphor ====&lt;br /&gt;
In Kapitel XIII wird der Phosphor als das Element geschildert, welches eine besondere Beziehung zur Ich-Organisation hat: Phosphor findet sich im menschlichen Organismus als Phosphorsäure und phosphorsaure Salze im Eiweiß, im Faserstoff [das Blutgerinnungssystem, MG], im Gehirn, in den Knochen. Er drängt zu den unorganischen Substanzen hin, die in dem Bereich der Ich-Organisation ihre Bedeutung haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er regt die bewusste Tätigkeit des Menschen an.[10]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel XIV – Ich-Organisation und Kieselsäure ====&lt;br /&gt;
Kapitel XIV ist der Kieselsäure als der &#039;&#039;„physischen Grundlage der Ich-Organisation“&#039;&#039; gewidmet,– denn die Gestaltung des Körpers und der einzelnen Organe ist nur möglich mithilfe einer Substanz, die einerseits in der ganzen Gestaltungsfülle der Lebenswelt beherrschend auftritt und die andererseits eine größtmögliche Oberflächensensibilität und Resonanzfähigkeit besitzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ermöglicht ein sensibles und selbstbewusstes Leben in der Sinneswelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel XV – Heilmittel für altersbedingte Störungen im Kieselsäureorganismus ====&lt;br /&gt;
In Kapitel XV werden Heilmittelwirkungen geschildert, die altersbedingte Störungen im Kieselsäureorganismus regulieren können: &#039;&#039;„Denn alle Entwicklung des menschlichen Organismus beruht darauf, dass ursprünglich die Gesamtgestaltung des physischen und ätherischen Leibes aus der Tätigkeit des Astralischen und der Ich-Organisation sich ergibt; dass aber mit zunehmendem Alter die astralische und Ich-Tätigkeit in der physischen und ätherischen Organisation weiterlaufen. Tun sie das nicht, so müssen der astralische Leib und die Ich-Organisation in einem Stadium ihrer Entwickelung in einer Art eingreifen, zu der sie in diesem Stadium nicht mehr geeignet sind.“[11]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel XVI – Parallelen von Antimonprozessen und Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Kapitel XVI schließlich zeigt auf, dass Antimonprozesse so wirken, &#039;&#039;„wie die Ich-Organisation“.[12]&#039;&#039; Das wird am Beispiel des Antimons in seiner Beziehung zum Schwefel in Form des in der Natur vorkommenden Grauspießglanzes aufgezeigt (Sb2 S3, auch als Antimonit bzw. Stibnit bekannt), sowie am Prozess der Austernschalenbildung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für alle drei Substanzen, von denen hier die Rede ist, gilt, dass, wenn man sich näher mit ihnen befasst, dies das Verständnis der von Rudolf Steiner und Ita Wegman charakterisierten Wirkungsweisen untermauert. Denn es komme darauf an, &#039;&#039;„die Wirkungen zu beobachten, die sich aus dem Zusammenhange der inneren Kräftekonstitution einer Substanz im Verhältnis zu den Kräften ergeben, die von der Erde ausstrahlen oder in sie einstrahlen“.[13]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[14]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Siehe FN 1, S. 9.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe FN 1, S. 29.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5]  Siehe FN 1, S. 36.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Siehe FN 1, S. 44.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Siehe FN 1, S. 48.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Siehe FN 1, S. 57.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Siehe FN 1, S. 63.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Siehe FN 1, S. 67.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Siehe FN 1, S. 74.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Siehe FN 1, S. 79.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] Siehe FN 1, S. 77.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== „GRUNDLEGENDES FÜR EINE ERWEITERUNG DER HEILKUNST“ ALS MEDITATIONSBUCH ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern ist das im Titel genannte medizinische Grundlagenbuch[1] auch ein Meditationsbuch?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Rolle spielt dabei das Denken?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Bedeutung hat das sinnlichkeitsfreie Denken für die Erfassung der inneren und äußeren Welt?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Die verbindende Rolle des Denkens&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die anthroposophische Meditation nimmt ihren Ausgangspunkt beim Denken. Dieses geht auch wach wahrnehmend mit, wenn es um Körpermeditationen, Sinnesschulung und Wortmeditationen geht.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Immer spielt das Denken eine zentrale Rolle, wenn es um die Erfassung der Welten geht, in die der Mensch eingebunden ist:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;&#039;naturwissenschaftlichen Methoden&#039;&#039;&#039; beruhen auf einer Erforschung der &#039;&#039;„sinnenfällig gegebenen Welt“,[3]&#039;&#039; die mithilfe des Denkens analysiert wird, um die zugrunde liegenden Gesetzmäßigkeiten zu finden.&lt;br /&gt;
* Die &#039;&#039;&#039;geisteswissenschaftliche Methode&#039;&#039;&#039; im Sinne Steiners stützt sich auf das Denken, das zum Anschauungsorgan für Geistiges weiterentwickelt werden kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein gemäß der anthroposophischen Erkenntnisschulung &#039;&#039;„erkraftetes Denken“[4]&#039;&#039; wird methodisch bereits  in Kapitel I beschrieben und liegt allen weiteren Ausführungen des Buches zugrunde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Verbindende zwischen Natur- und Geisteswissenschaft kann nicht im Bereich des sinnlich Wahrnehmbaren liegen. Es kann nur im Denken selber gefunden werden, da dies in beiden Bereichen gleichermaßen führend ist, wenn etwas verstanden werden soll. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Stärkung des sinnlichkeitsfreien Denkvermögens&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Auch für die anderen Grundschriften Rudolf Steiners gilt, dass ihre Lektüre das sinnlichkeitsfreie Denkvermögen stärkt. Doch ist dies bei dem Grundlagenwerk der Anthroposophischen Medizin[5] in besonderem Maße der Fall. Denn es ist so abgefasst, dass man ohne eigene echte Gedankenanstrengung kaum Gewinn davon hat bzw. das Werk als unzugänglich empfinden muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von daher auch in Kapitel I der Hinweis auf die beiden Schulungsbücher &#039;&#039;„Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“[6]&#039;&#039; und &#039;&#039;„Die Geheimwissenschaft im Umriss“[7]&#039;&#039; sowie auf ergänzende Schriften und Vorträge, in denen die Übungen beschrieben sind zur Weiterentwicklung der Tätigkeiten des Denkens, Fühlens und Wollens. Damit ist klargestellt, dass Medizin nicht nur bedeutet, viel über den Menschen zu wissen, sondern auch, die geistigen Quellen zu kennen, denen der Mensch sein Dasein und seine Entwicklungskompetenz verdankt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Kritikern der Anthroposophie wird mit Bezug auf die meditative Selbstschulung gerne der Einwand erhoben, dass keiner der Schüler Steiners bisher die von ihm beschriebenen höheren und höchsten Einweihungsgrade erreicht habe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Meisterschaft durch Übung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Wer jedoch den von Steiner empfohlenen Weg zur höheren Erkenntnis beschreitet, kann bei sachgemäßer Befolgung schon der allerersten Übungsanweisung: &#039;&#039;„Schaffe dir Augenblicke innerer Ruhe und lerne in diesen Augenblicken das Wesentliche von dem Unwesentlichen unterscheiden“,[8]&#039;&#039; an sich selbst erleben, wie stark die Wirkung einer solchen Übung ist, wenn man sie durchführt und beginnt, mit ihr zu leben. Dadurch hat man bereits eine Erfahrung gemacht, die Vertrauen stiftet, auch anderes zu versuchen oder auch Forschungsergebnisse Steiners zumindest hypothetisch für möglich zu halten und Leben und Erfahrung im Lichte einer solchen hypothetischen Annahme zu reflektieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das kann z.B. auch Medizinstudenten motivieren, den einen oder anderen Hinweis aus der anthroposophischen Geistesforschung zum Ausgangspunkt einer Doktorarbeit bzw. späteren Habilitation zu machen – was Steiner in seinen Kursen mehrfach vorgeschlagen hat und was auch wiederholt geschehen ist.[9]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[10]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Meditative Betrachtungen und Anleitungen zur Vertiefung der Heilkunst&#039;&#039;, Vorträge für Ärzte und Medizinstudierende, GA 316.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wahrheit und Wissenschaft, 11. Kapitel,&#039;&#039; GA 3.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Vorstufen zum Mysterium von Golgatha,&#039;&#039; GA 152, Seite 51–53.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Siehe FN 1.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?, GA 10.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Die Geheimwissenschaft im Umriss, GA 13.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Sie FN 4, 1. Kapitel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://medsektion-goetheanum.org/forschung/publications&amp;lt;/nowiki&amp;gt;; [6.1.2025].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Offenborn</name></author>
	</entry>
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		<id>https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Zur_%22Erweiterung_der_Heilkunst%22_%E2%80%93_von_Michaela_Gl%C3%B6ckler&amp;diff=1204</id>
		<title>Zur &quot;Erweiterung der Heilkunst&quot; – von Michaela Glöckler</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Zur_%22Erweiterung_der_Heilkunst%22_%E2%80%93_von_Michaela_Gl%C3%B6ckler&amp;diff=1204"/>
		<updated>2025-12-15T16:51:28Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Offenborn: Neuen Text eingefügt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Auszüge aus Büchern und Vorträgen von [[Michaela Glöckler]]; Erstveröffentlichung auf &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE THEMENSCHWERPUNKTE VON „GRUNDLEGENDES FÜR EINE ERWEITERUNG DER HEILKUNST“ ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie ist dieses Grundlagenwerk der Anthroposophischen Medizin&#039;&#039;[1] &#039;&#039;aufgebaut?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zur inneren Gliederung des Werkes&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das Buch hat vier thematische Schwerpunkte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Mensch und Makrokosmos – Kap. 1 bis 7&lt;br /&gt;
# Ursachen für Stoffwechselerkrankungen – Kap. 8 bis 12&lt;br /&gt;
# Therapie-Kapitel – Kap. 13 bis 18&lt;br /&gt;
# Wirkprinzipien von Arzneimitteln und Heileurythmie – Kap. 19 bis 21&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In aller Kürze kann man sagen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;In den Kapiteln 1 bis 18&#039;&#039;&#039; wird das „medizinische System“ skizziert, das als Grundlage einer „rationellen Diagnostik und Therapie“ dienen möchte.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die beiden Schlusskapitel&#039;&#039;&#039; geben dann Einblick in die Praxis und zeigen, wie sich naturwissenschaftliche Medizin und das medizinische System der Anthroposophie gegenseitig ergänzen und inspirieren können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ad1. Mensch und Makrokosmos – Kap. 1 bis 7 ====&lt;br /&gt;
Hier werden die Grundlagen zum Verständnis der Gesundheit erörtert. Es wird das viergliedrige Menschenbild eingeführt in Form von vier regulierenden, ordnenden Kraftsystemen, die in ihrem Zusammenwirken die – funktionell dreigliedrige – menschliche Konstitution bilden. Auch wird das Verhältnis des gesunden Mikrokosmos Mensch zum Makrokosmos herausgearbeitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den ersten fünf Kapiteln werden darüber hinaus die Grundlagen für ein spirituelles Substanz-Verständnis gelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im ersten Kapitel&#039;&#039;&#039; wird das Geheimnis des Merkurstabs enthüllt, indem auf die Bedeutung der Metamorphose der Wachstumskräfte in Gedankenkräfte eingegangen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im zweiten Kapitel&#039;&#039;&#039; wird eingehend erläutert, wie Krankheit dadurch entstehen kann, dass der Mensch zwar geistig seelisch tätig ist, aber in Einseitigkeit und Irrtum verfällt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im dritten bis fünften Kapitel&#039;&#039;&#039; werden die mikrokosmische und makrokosmische Natur der menschlichen Wesensglieder und ihrer spezifischen Kräftekonfigurationen eingeführt. Es wird aber auch in zu Herzen gehender Weise geschildert, welchen Opfergang und welches Schicksal die Welt der irdisch gewordenen Substanzen dabei erfährt. Und wie dieser Opfergang der Substanzen seine Erlösung und Erfüllung findet, wenn die Substanz im Menschen &#039;&#039;„geisttragend“&#039;&#039; werden kann. Wenn &#039;&#039;„geistgetragene Menschenseelen“&#039;&#039; diesem Opfer zum Segen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im sechsten Kapitel&#039;&#039;&#039; wird dann das embryonale Bildegeschehen des menschlichen Körpers so dargestellt, dass man die physiologischen Prozesse des Wesensgliederwirkens denken lernen und sich für die verschiedenen Organbildungen anschaulich machen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im siebten Kapitel&#039;&#039;&#039; wird der entwicklungsoffene, in sich &#039;&#039;nicht&#039;&#039; abgeschlossene gesunde Gesamtorganismus geschildert und daran das Prinzip der Selbstkränkung und das Wesen der Selbstheilungskräfte verdeutlicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ad 2. Ursachen für Stoffwechselerkrankungen – Kap. 8 bis 12 ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Kapitel acht bis zwölf&#039;&#039;&#039; behandeln die fünf Hauptursachen pathologischer Prozesse. Sie beschreiben die fünf zentralen Ursachen der Entstehung von Erkrankungen des Stoffwechsels. Diese werden anhand der Wirkweise von Zucker, Eiweiß, Fett, Harnsäure und Wärme anschaulich gemacht. Dabei werden auch die diese Stoffwechselprozesse regulierenden Wesensglieder in ihrem leiblich-seelischen Wirken anschaulich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ad 3. Therapie-Kapitel – Kap. 13 bis 18 ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Es folgen fünf Therapie-Kapitel&#039;&#039;&#039;, in denen die therapeutische Regulierung des Verhältnisses zwischen Ätherleib und Astralleib im Mittelpunkt steht, dann die regulierende Kraft der Ich-Organisation, dann die mögliche Schwächung der physisch-ätherischen Konstitution im Laufe des Älterwerdens, das Prinzip der Arzneimittelfindung und die Einführung in das Wesen der Substanzerkenntnis als Grundlage der Heilmittel-Erkenntnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ad 4. Wirkprinzipien von Arzneimitteln und Heileurythmie – Kap. 19 bis 21 ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;In den letzten drei Kapiteln des Buches&#039;&#039;&#039; werden charakteristische Krankheitsfälle und typische Heilmittel vorgestellt. Sie sind dem Wirkprinzip der Heileurythmie gewidmet, geben einen Einblick in die Praxis der Anthroposophischen Medizin anhand von neun individuellen Krankheitsfällen und nennen den Einsatz von Arzneimitteln, die bestimmten typischen Erkrankungen angepasst sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;„Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; wurde bis heute bis auf wenige Anmerkungen und Hinweise zur Entstehung und Autorschaft unverändert nachgedruckt. Es hat über drei Generationen hinweg vielen Fachleuten auf dem Gebiet der Anthroposophischen Medizin die nötige Grundorientierung gegeben, um das akademisch erworbene Wissen auch unter spirituellen Gesichtspunkten anzuschauen und es so im Einzelfall praktisch anwendbar zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Werk stellt im Grunde einen Lehrgang dar, der – wie es Ita Wegman in ihrem damals nicht veröffentlichten Vorwort zu diesem Buch schreibt – jeden Arzt in die Lage versetzt, selbst die Krankheiten geistig anzuschauen, wenn er bereit ist, das „&#039;&#039;ganz richtige Lesen dieses Buches“&#039;&#039; zu üben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Raphael und die Mysterien von Krankheit und Heilung“, Medizinische Sektion am Goetheanum 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen,&#039;&#039; GA 27, Dornach 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Zu Rudolf Steiners Verständnis der Anthroposophischen Medizin als einer im Gegensatz zur Schulmedizin, wahrhaft rationellen‘ Heilkunst siehe auch das Vorwort der &#039;&#039;„Erweiterten Heilkunst“&#039;&#039;. Elemente für eine echte Ratio zusammenzutragen, wie sich aus der Diagnose die Therapie ergibt, war bereits Hauptanliegen im ersten Kursus für Mediziner im Jahr 1920 gewesen: Vgl. Steiners &#039;&#039;„Geisteswissenschaft und Medizin“&#039;&#039;, GA 312.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE KAPITEL I–VII: GRUNDLAGEN ZUM VERSTÄNDNIS DER GESUNDHEIT[1] ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was zeichnet den gesundheitswissenschaftlichen Ansatz der Anthroposophischen Medizin aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie unterscheidet er sich von dem pathogenetischen Ansatz der naturwissenschaftlich basierten Schulmedizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Reformen wünschte Rudolf Steiner bereits zu seinen Lebzeiten?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zukunftsweisender gesundheitswissenschaftlicher Ansatz der AM&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Kapitel I–VII umfassen den gesundheitswissenschaftlichen Ansatz der Anthroposophischen Medizin. Unter ‚Volksgesundheit‘ verstand man am Anfang des 20. Jahrhunderts im Wesentlichen hygienische Maßnahmen, genügend Schlaf, gesunde Ernährung und Lebensführung.[2] Noch heute stellen Medizinstudenten und Ärzte immer wieder erstaunt fest, wie wenig sie darüber hinaus während ihres Studiums über die Entstehung von Gesundheit erfahren haben im Gegensatz zur Aufklärung über Krankheitsentstehung, d.h. Pathogenese.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der pathogenetische Ansatz der naturwissenschaftlich basierten Medizin bzw. Schulmedizin hat gegenwärtig mit der molekulargenetischen Steuerungsebene eine gewisse Kulmination erreicht, die in Zukunft mithilfe der Digitalisierung noch weiter optimiert werden wird. Parallel zu dieser Entwicklung hat aber auch die Wissenschaft von den Nebenwirkungen der pathogenetisch fokussierten Therapie zugenommen.[3] Daher wird von naturwissenschaftlicher Seite argumentiert, dass ein Arzneimittel, das keinerlei Nebenwirkungen hat, auch nicht wirksam sein kann. Und alles Bestreben geht dahin, Nebenwirkungen bestmöglich zu minimieren bzw. durch den Einsatz anderer Arzneimittel zu kompensieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesem pathogenetisch orientierten Ansatz steht der gesundheitswissenschaftlich-salutogenetische gegenüber. Dieser hat seine Entwicklung und Kulmination noch vor sich. Er etabliert sich seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erst langsam in der akademischen Welt. Es ist jedoch zu hoffen, dass er dennoch in nicht allzu ferner Zeit die Mitte der Gesellschaft erreichen wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Paradigmenwechsel als politische und wirtschaftliche Herausforderung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Denn der Paradigmenwechsel der Umorientierung von der Verhütung von Krankheit zur Förderung von Gesundheit ist zwar proklamiert – ihn lebenspraktisch zu machen ist und bleibt aber die noch bestehende große soziale und politische und nicht zuletzt wirtschaftliche Herausforderung. Denn: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann man an der Gesundheit verdienen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wer macht dafür Lobbyarbeit?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und: Was braucht es alles zur auch gedanklich-konzeptionellen Neuausrichtung und Umstrukturierung der Ausbildung für die Gesundheitsberufe, insbesondere der Ärzteschaft?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Wie weit man davon noch entfernt ist, hat auch das weltweit durchgreifende Corona-Pandemie-Management gezeigt, das ausschließlich pathogenetisch orientiert war. Salutogenetisch orientierte Auffassungen bezüglich Erkrankungsrisiken, Prävention und Therapie wurden auch in der medialen Berichterstattung konsequent ausgeblendet oder sogar lächerlich gemacht und bekämpft. Dabei konnten nicht zuletzt auch die anthroposophischen Krankenhäuser auf ihren Intensivstationen dank ihres integrativmedizinischen Vorgehens&#039;&#039; &#039;&#039;auch bei Schwerkranken erstaunlich gute Behandlungsergebnisse aufzeigen.“[4]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die fortschrittliche Medizin ebenso pathogenetisch orientiert, wie es der heutige Mainstream der Medizin immer noch ist. Im Mittelpunkt stand das neue Paradigma einer modernen Zellularpathologie, mit der Aussicht, immer mehr pathologische Prozesse diagnostisch bis auf die molekulare Ebene im Zellstoffwechsel zu erforschen.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Rudolf Steiners Ruf nach Reformen in der Medizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Demgegenüber eröffnete Steiner seinen ersten Kurs für Anthroposophische Medizin 1920 mit den Worten: &#039;&#039;„[…] es ist ja ziemlich selbstverständlich, daß von dem, was Sie wahrscheinlich alle erwarten von der Zukunft des medizinischen Lebens, nur ein sehr geringer Teil in diesem Kursus wird angedeutet werden können, denn Sie alle werden ja mit mir darinnen übereinstimmen, daß ein wirkliches, zukunftssicheres Arbeiten auf dem medizinischen Felde von einer Reform des medizinischen Studiums als solchem abhängt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Man kann nicht mit dem, was man in einem Kursus mitteilen kann, eine solche Reform des medizinischen Studiums auch nur im Entferntesten anregen, höchstens in der Weise, daß in einer Anzahl von Menschen der Drang entsteht, mitzutun bei einer solchen Reform. […] Dasjenige, was in diesen Vorträgen beigebracht werden soll, das möchte ich erreichen dadurch, daß ich in einer Art von Programm verteile das zu Betrachtende in der folgenden Weise: Erstens möchte ich Ihnen geben einiges, das hinweist auf die Hindernisse, die im heutigen gebräuchlichen Studium bestehen gegen eine wirklich sachgemäße Erfassung des Krankheitswesens als solchem. Zweitens möchte ich dann andeuten, in welcher Richtung eine Erkenntnis des Menschen zu suchen ist, die eine wirkliche Grundlage für das medizinische Arbeiten abgeben kann. Drittens möchte ich auf die Möglichkeiten eines rationellen Heilwesens hinweisen durch die Erkenntnis der Beziehungen des Menschen zur übrigen Welt.“[6]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als viertes wünschte er sich Fragen aus dem Teilnehmerkreis, weil er seine Ausführungen ganz nach den Bedürfnissen der anwesenden Fachleute und Studierenden richten wollte.[7]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entwicklung von ganzheitlichen Therapieformen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Seither haben sich auch andere an der ‚Ganzheit Mensch‘ und einem neuen Gesundheits- bzw. Krankheitsverständnis orientierte Therapieformen entwickelt – insbesondere seit dem Zweiten Weltkrieg. Beispielhaft seien &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Gestalttherapie&#039;&#039;&#039;[8] genannt,&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Viktor Frankls (1905–1997)&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Logotherapie&#039;&#039;&#039;[9]&lt;br /&gt;
* und die &#039;&#039;&#039;humanistische Psychotherapie.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kapitel I bis VII zeigen den methodischen Ansatz für einen solchen Paradigmenwechsel aus anthroposophischer Perspektive auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[10]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Hierbei handelt es sich um Kapitel aus dem Grundlagenwerk von Rudolf Steiner und Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Siehe z. B. Steurer-Stuttgart (1919), Fuchs-Wolfring (1912), Dennig (1919).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Vgl. Ammon (2001); Stolze (2014).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Vgl. COVID-19: www.anthromedics.org/PRA-0939-DE; [6.1.2025].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. Schipperges (1985).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaft und Medizin,&#039;&#039; GA 312, S. 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Ebenda, S. 14.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Vgl. Boeckh (2015).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. Frankl (2005).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== KAPITEL VIII–XII: DIE FÜNF HAUPTURSACHEN PATHOLOGISCHER PROZESSE[1] ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worum geht es in diesen Kapiteln?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Parallelen gibt es zu Paracelsus Sichtweise auf Krankheitsursachen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Regulationsmöglichkeiten bietet das Wesensglieder-Konzept?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fünf prinzipielle pathophysiologische Erscheinungen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die fünf der Pathologie gewidmeten Kapitel haben paradigmatischen Charakter. Es geht nicht um einzelne Krankheitsbilder – obgleich Beispiele genannt werden – es geht um prinzipielle pathophysiologische Erscheinungen aufgrund typischer Ungleichgewichte im Zusammenspiel der Wesensglieder. So wundert es auch nicht, dass so prominente Krankheitsbilder wie z.B. der Krebs keine Erwähnung finden. Auch die Mistel (Viscum album), als das bekannteste anthroposophische Arzneimittel – obgleich bereits seit 1917 durch Wegman in ihrer Zürcher Praxis im Einsatz[2] – findet (in Kapitel XX) keine Erwähnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht vielmehr um Beschreibungen pathologischer Stoffwechselprozesse, die bei der Verdauung der Grundnahrungsmittel: Kohlenhydrate, Eiweiße, Fette auftreten können (Kap. VIII–X) sowie die Pathophysiologie der Gicht-Erkrankung, die als Beispiel einer meist hereditären, d.h. genetisch bedingten, Stoffwechselstörung auftritt (Kap. XI). Zuletzt werden in Kapitel XII typische Regulationsweisen im labilen Gesundheits-Krankheits-Kontinuum aufgezeigt, das jederzeit in Richtung Krankheit entgleisen oder sich in Richtung Gesundheit entwickeln kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es zeigt sich bei genauerem Hinsehen, dass diese fünf Schilderungen Schlüssel und Ausgangspunkt zum Verstehen aller Krankheitserscheinungen sind. Sie haben einen ebenso fundamentalen Charakter wie die anderen Kapitel im Kontext der Schrift, da die Autoren sich auf den methodischen Ansatz beschränken, den es dann unbegrenzt weiter auszugestalten und zu erforschen gilt. Die fünf Kapitel sind sozusagen Pathologie ‚in a nutshell‘, d.h. Pathologie im Keimzustand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Parallelen zu Paracelsus „quinque entibus“&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Interessanterweise sprach auch &#039;&#039;Paracelsus&#039;&#039; in seinem &#039;&#039;„Volumen Paramirum“&#039;&#039; von fünf Krankheitsursachen: &#039;&#039;„De quinque entibus“.&#039;&#039; Schaut man sich sein Konzept unter dem Aspekt der anthroposophischen Menschenkunde an, so ist darin – wie auch in den fünf Pathologie-Kapiteln der Erweiterung der Heilkunst – jeweils eines der vier Wesensglieder in der Hauptverantwortung für die entsprechende Regulationsstörung. &#039;&#039;Elise Wolfram (1868–1942)&#039;&#039; hat diesen Aspekt schon 1912 in einem viel beachteten Buch herausgearbeitet.[3] Sie war durch Steiners Ausführungen zu Paracelsus und seine Bedeutung für die Medizin dazu angeregt worden. Seither wurde dieser paracelsische Ansatz wiederholt von anthroposophischen Ärzten mündlich und schriftlich dargestellt.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;„Volumen Paramirum“&#039;&#039; lässt Paracelsus sechs Ärzte sich um einen an der Cholera verstorbenen Patienten versammeln, fünf als Vertreter bestimmter medizinischer Auffassungen (‚Sekten‘), während der sechste Paracelsus selbst ist. Gründlich werden in diesem Zusammenhang fünf mögliche Ursachen und deren jeweilige Beschleuniger abgehandelt: das ‚Ens astrale‘, ‚Ens veneni‘, ‚Ens naturale‘, ‚Ens spirituale‘ und ‚Ens deale‘. Man möchte wissen, welches ‚Ens‘ letztlich verantwortlich war für den Tod, denn nicht alle Cholerakranken starben bei der Epidemie. Es muss also verschiedene Ursachen geben, warum dieser Mensch erkrankt bzw. verstorben ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Ens astrale – physischer Leib ====&lt;br /&gt;
Hier liegt die Ursache entweder in den individuellen Schicksalsgegebenheiten eines Menschen, der durch seine Geburt in einer bestimmten Erdgegend, einem bestimmten Volks- und Familienzusammenhang sowie entsprechenden sozialen Verhältnissen lebt, und den daraus resultierenden, der Gesundheit schädlichen oder sie fördernden Einflüssen ausgesetzt ist. Diese primär physische Krankheitsursache, zu der auch das kontaminierte Wasser gehört, das die Cholera-Epidemie verursacht hat, wird bezeichnenderweise von Paracelsus ‚Ens astrale‘ genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird dabei auf das Geburtshoroskop verwiesen, auf den ganzen Schicksalskontext dieses bestimmten Menschen in seinem makro-mikrokosmischen Zusammenhang. Dabei unterscheidet Paracelsus klar den Einfluss der Gestirne auf den Menschen als ‚Ens virtutis‘ von dem ‚Ens seminis‘, dem von der Erde stammenden Erbgut, das für die Körperkonstitution verantwortlich ist und damit ebenfalls für möglichen Schutz vor Erkrankung oder aber begünstigend für ihr Auftreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überträgt man diese Vorstellungen in die anthroposophische Terminologie, so geht es hier um den Einfluss der physischen Organisation in Resonanz mit dem auf sie einwirkenden Schicksalsumkreis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ens veneni[5] – Ätherleib ====&lt;br /&gt;
Hier wird auf den Ursachenzusammenhang gewiesen, der mit der Ernährungsweise und dem Lebensstil zusammenhängt und dem rechten Maß im Sinne des berühmten Spruches: &#039;&#039;„Dosis facit venenum“&#039;&#039;, d.h., nur die richtige Dosierung, das richtige Maß des jeweils zur Anwendung kommenden Heilmittels ist das Gesundheit stiftende. Diesem Aspekt entspricht in der Anthroposophischen Medizin die ätherische Organisation und die sie umgebende Lebenswelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Ens naturale – Astralleib ====&lt;br /&gt;
Dieser Ursachenkontext verweist auf das individuelle Bewusstsein des Menschen und dessen Zusammenhang mit dem Makrokosmos. Die Vielheit der Erscheinungen in der Einheit des menschlichen Bewusstseinshorizontes: das Firmament, die Elemente, die ‚complexiones‘ (konstitutionelle Gegebenheiten), die ‚humores‘ (Körpersäfte). Mit all diesen Gegebenheiten setzt sich der Mensch in seinem bewussten Seelenleben auseinander und seine Gesundheit hängt davon ab, wie er sich darin fühlt und damit umgehen lernt. In der anthroposophischen Terminologie entspricht dies der astralischen Organisation als Träger des körperbezogenen, seelisch-gefühlsmäßigen Bewusstseins und des gedanklich wachen Geist- bzw. Selbst-Bewusstseins. Hier liegt die Krankheitsursache in der „Geist- und Seelenfähigkeit“ des Menschen[6] und deren Einfluss auf die ‚humores‘, d.h. die ätherisch-physische Konstitution.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Ens spirituale – Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Diese Betrachtungsebene betrifft bei Paracelsus die magische Beeinflussung von Wesen zu Wesen. Es geht um den Menschen, der, zwischen Göttern und Dämonen lebend, Verführungen ausgesetzt ist und dessen Gesundheit auch durch Fürbitte und Gebet beeinflusst werden kann. Geistiges wirkt in jeder Beziehung direkt auf Geistiges und von dort aus auf die ihm untergeordneten Ebenen der konstitutionellen Gegebenheit. In der anthroposophischen Terminologie entspricht dies der Ich-Organisation, die über den Wärme-Organismus auf den Luftorganismus als Träger der astralischen Kräfte wirkt und durch diesen auf den Flüssigkeitsorganismus als Träger der ätherischen Kräfte – und durch diesen wiederum auf die physische Organisation, die ihrerseits dann über die Sinne und die Betätigungen während des Tageslebens auf die Ich-Organisation zurückwirkt.[7]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Ens deale – Leibfreies Seelen- und Geistesleben ====&lt;br /&gt;
Paracelsus, dessen Denken und Handeln tief in der christlichen Theologie und Kultur verankert war, spricht hier das Hereingestellt-Sein des Menschen in einen gottgewollten Entwicklungskontext an, hinorientiert auf die beiden menschlichen Kernkompetenzen Freiheit und Liebe. Zusammengefasst heißt es bei Paracelsus: &#039;&#039;„Ihr wisset, daß alle Gesundheit und Krankheit von Gott kommt und nichts vom Menschen, und ihr müßt die Krankheiten der Menschen in zween Gruppen teilen, in natürliche und in solche zur Züchtigung. Die natürlichen, das sind das erste, zweite, dritte und vierte ens: das flagellum ist das fünfte.“[8]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten vier ‚Entien‘ entsprechen im anthroposophischen Kontext den vier Wesensgliedern, das fünfte hingegen der ‚quinta essentia‘, dem von der körperlichen Gebundenheit freien Seelen- und Geistesleben des Menschen, mit dem er sich bewusst in der göttlich-geistigen Welt verankern kann.[9] Es handelt sich dabei um das rein spirituelle Prinzip, von dem auch schon Aristoteles als ‚πέμπτη ουσία‘ (fünftes Seiendes) sprach: das fünfte ‚ens‘ im Sinne des Paracelsus. Hier liegt die Ursache für Krankheit und Tod sozusagen in der Hand Gottes. Hier waltet die Weisheit des Schicksals und nicht die ärztliche Kunst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Alte Sichtweisen durch Geisteswissenschaft aktualisiert&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Vergleich mit dem paracelsischen Verständnis von Krankheit und Gesundheit kann einerseits deutlich machen, wie mithilfe von Steiners Geisteswissenschaft spirituelle Sichtweisen aus früheren Jahrhunderten dem gegenwärtigen Bewusstseinszustand der Menschen neu zugänglich gemacht werden können. Andererseits kann ein solcher Vergleich auch deutlich machen, wie eigenständig und originär Steiners Forschungsansätze und Ausführungen sind. Seine Geisteswissenschaft versteht sich als ein zeitgemäßer Weg, sich das im Sinne Goethes ‚alte Wahre‘ erkennend und handelnd zu erschließen.[10]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;In den Kapiteln VIII–XI&#039;&#039;&#039; steht jeweils ein menschliches Wesensglied ursächlich für das Krankheitsgeschehen im Mittelpunkt. Wobei es stets die Schwäche der Ich-Organisation ist, die initial für die jeweils geschilderten Stoffwechselstörungen und pathologischen Prozesse verantwortlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Kapitel XII&#039;&#039;&#039; hingegen beschreibt das Ringen dieser Ich-Organisation, die konstitutionelle Balance aufrecht zu erhalten. Auffällig ist dabei, dass die vier ersten Pathologie-Kapitel in ihrer Gesamtheit Symptome und Erkrankungen beschreiben, die inzwischen als das Metabolische Syndrom bekannt sind.[11]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Das Metabolische Syndrom ====&lt;br /&gt;
Es umfasst einen Cluster von &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* (vor allem viszeraler) Adipositas, &lt;br /&gt;
* gestörter Glukosetoleranz,&lt;br /&gt;
* Fettstoffwechselstörungen,&lt;br /&gt;
* arterieller Hypertonie, einschließlich möglicher genetischer Prädispositionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gilt als Vorstufe des Diabetes mellitus Typ 2 und ist zudem prädiktiv für ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenhänge zwischen Adipositas und diversen Stoffwechselerkrankungen wurden auch schon zu Lebzeiten von Steiner und Wegman beschrieben.[12] Nach &#039;&#039;Hanefeld&#039;&#039; dokumentierte bereits &#039;&#039;Giovanni Battista Morgagni (1682–1771)&#039;&#039; den Zusammenhang zwischen viszeraler Fettsucht, Hypertonie, Gicht, Schlafapnoe und Arteriosklerose.[13] Allerdings wurde der pathophysiologische Zusammenhang dieser Erkrankungen und die das Metabolische Syndrom charakterisierende Insulinresistenz erst im Laufe des 20. Jahrhunderts deutlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Syndrome X ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gerald M. Reaven (1928–2018)&#039;&#039; wies in seiner &#039;&#039;„Banting Lecture“&#039;&#039; 1988 darauf hin und beschrieb den Symptomenkomplex als das &#039;&#039;„Syndrome X“.[14]&#039;&#039; Zu ihm gehören die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Insulinresistenz, &lt;br /&gt;
* Hyperinsulinämie,&lt;br /&gt;
* Glukosestoffwechselstörung,&lt;br /&gt;
* Fettstoffwechselstörung&lt;br /&gt;
* und Hypertonie.&lt;br /&gt;
* Erst viel später wurden weitere, pathophysiologisch relevante Aspekte wie die &lt;br /&gt;
* low-grade-inflammation beschrieben.[15]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Aktualität der beschriebenen Krankheitsprozesse&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Interessanterweise thematisiert &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[16]&#039;&#039; durch die Abfolge der Kapitel VIII–X bereits die syndromale Entität dieses heute als Metabolisches Syndrom bekannten Krankheitsgeschehens und weist darüber hinaus eindrücklich auf den Diabetes mellitus als Folge-Erkrankung hin (Kap. VIII).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Erwähnung „parasitäre[r] Wärmeherde“[17] im Kapitel X, im Zusammenhang mit dem Fettgewebe, bekommt unter dem Aspekt der inzwischen bekannten proinflammatorischen Wirksamkeit zahlreicher Adipokine eine geradezu überraschende Aktualität – ebenso wie der regulativ-systemische Ansatz zu Verständnis und Behandlung der Erkrankung. Auch wenn der Insulinmangel bei Diagnose und Therapie gegenwärtig immer noch im Vordergrund steht, so wurden doch inzwischen so viele unterschiedliche Beeinflussungen der Insulinresistenz bestimmter Gewebe und möglicher Gegenregulationsformen im Organismus bekannt, dass man auch hier vor einem äußerst komplexen Wechselursachenverhältnis multimodaler Einflussfaktoren steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für diese Komplexität öffnen die fünf Pathologiekapitel die Augen und zeigen zudem klar auf, welche ganzheitlichen Regulationsprinzipien unter den vier Wesensgliedern jeweils unterstützt oder abgeschwächt werden müssen. Das anthroposophische Wesensglieder-Konzept bietet in diesem Kontext die Möglichkeit, die physische, ätherische, astralische und Ich-Organisation als die für die Gesamtregulation des menschlichen Organismus verantwortlichen Gesetzeszusammenhänge sehen zu lernen.[18]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[19]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Hierbei handelt es sich um Kapitel aus dem Grundlagenwerk von Rudolf Steiner und Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Vgl. Zeylmans van Emmichoven (2022), 67 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Vgl. Wolfram (1991).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe www.anthromedics.org; [6.1.2025].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Von lat. venerum: Gift, Medizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6]  Vgl. FN 1, S. 16.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Siehe dazu die ergänzenden Hinweise im Stellenkommentar, Anm. zu EH, 82, S. 133–140.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Paracelsus (2010), 232.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. FN 1, Kap. I, Abs. 19.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] &#039;&#039;„Das Wahre war schon längst gefunden / Hat edle Geisterschaft verbunden / Das alte Wahre, fass’ es an.“&#039;&#039; WA I/2, 82.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Dem Internisten &#039;&#039;Matthias Girke&#039;&#039; und seiner Publikation &#039;&#039;„Innere Medizin“&#039;&#039; verdanke ich fachliche Unterstützung bezüglich Referenzen und Hinweisen zu den Kapiteln VIII–XII, insbesondere zum Metabolischen Syndrom und seinen Folge-Erkrankungen. Siehe Girke (2020).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Vgl. Balke und Nocito (2013), 77–83.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] Vgl. Hanefeld und Leonhardt (1996).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] Vgl. Reaven (1988), 1595–1607.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[15] Minihane u. a. (2015), 999–1012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[16] Vgl. FN 1.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[17] Vgl. FN 1, S. 52f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[18] Zum 250. Geburtsjahr &#039;&#039;Goethes&#039;&#039; 1999 wurde eine Vorlesungsreihe an der Universität Bern veranstaltet: Goethes Beitrag zur Erneuerung der Naturwissenschaften. In seiner Vorlesung zum Thema Typusidee und Genetik führte &#039;&#039;Johannes Wirz&#039;&#039; auch für die moderne Genetik aus: &#039;&#039;„Bereits regen einige Entwicklungsbiologen und Genetiker eine Neukonzeption der Gen-zentrierten Auffassung von Entwicklungsprozessen an. Duboule und Wilking schließen zum Beispiel, dass es keine Art/spezifischen Gene, sondern nur einen artspezifischen, differentiellen Gebrauch derselben gibt. […] Die kaum beachtete epigenetische Theorie von Waddington, welche die Vernetzung von Genen stärker betont als die Bedeutung einzelner Erbfaktoren, ist kürzlich durch eine viel beachtete Publikation von Strohmann wissenschaftsfähig geworden. [...] Der genetische Determinismus wird noch weiter relativiert, wenn, wie es die Tatsachen nahelegen, Lebewesen als organische Ganzheiten im Sinne Goethes verstanden werden. Das bedingt, dass ihnen neben DNA, Proteinen, Zellen und deren vielfältigen Interaktionen, die als Erscheinungsbedingungen vorhanden sein müssen, eine Qualität zugestanden wird, welche dieselben dirigiert. Die Idee der inneren Natur oder des Typus [gemäß Goethe, M. G.] fordert zudem ein erweitertes Verständnis von Vererbung.“&#039;&#039; (Wirz [2000], 324 f.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[19] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE KAPITEL XIII–XVIII: ZUR THERAPIE UND HEILKUNST[1] ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist mit der in diesen Kapiteln beschriebenen therapeutischen Denkweise gemeint?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie können Aufgabe und Wirkung einer Substanz – hier die Kieselsäure – im Organismus Vorbild für eine therapeutische Denkweise sein?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was verbindet Ich-Organisation und Kieselsäure?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Innerer Zusammenhang von Kapitel XIV, XVI und XVIII&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Diesen Kapiteln liegt eine Komposition zu Grunde, in der 2 × 3 Kapitel einen engeren inneren Zusammenhang haben, obgleich sie nicht aufeinander folgen. ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== a. Therapeutische Denkweise ====&lt;br /&gt;
Den Schlüssel zu dieser Komposition bietet der letzte Satz von Kapitel XVIII, wo es über die Heileurythmie heißt, &#039;&#039;„dass man sie durchaus als ein segensreiches Glied unserer hier dargestellten therapeutischen Denkweise ansprechen kann“.&#039;&#039;&#039;[2]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Dadurch entsteht ein unmittelbarer Bezug zu Kapitel XIV &#039;&#039;„Von der therapeutischen Denkweise“.&#039;&#039; Darin wird anhand der Wirkung der Kieselsäure im menschlichen Organismus das Wesen der in diesem Kontext gemeinten therapeutischen Denkweise geschildert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wer oder was bestimmt den Charakter einer bestimmten Denkweise?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemäß Rudolf Steiner und Ita Wegman übernimmt die Ich-Organisation, &#039;&#039;„die sich seelisch frei im Denken darlebt“,&#039;&#039;&#039;[3]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; diese Aufgabe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== b. Gestaltungskraft von Kalk und Kiesel ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was aber verbindet die Ich-Organisation mit der Kieselsäure?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dieser Frage tut sich ein weiteres Kapitel der anthroposophischen Substanz-Erkenntnis auf: die polare Wirkensweise von Kalk und Kiesel, auf die Steiner in vielen Vorträgen zu sprechen kommt. Im &#039;&#039;„Landwirtschaftlichen Kurs“&#039;&#039; heißt es, nachdem Steiner die eiweißbildenden Elemente Kohlenstoff, Sauerstoff, Stickstoff, Wasserstoff und Schwefel geschildert hat:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Um nun die feste Gestalt darzustellen, da muss es [alles Kohlenstoffhaltige, M.G.] sich auf ein tiefer liegendes Gerüste aufbauen und das ist dasjenige, was als ein ganz tiefliegendes Gerüst in unserem kalkartigen Knochengerüst enthalten ist, was aber auch enthalten ist in dem Kieseligen, das wir ja immer in uns tragen, sodass der Kohlenstoff im Menschen und auch im Tier bis zu einem gewissen Grade seine Gestaltungskraft maskiert. Er rankt sich hinauf an der Gestaltungskraft von Kalk und Kiesel. Kalk gibt ihm die irdische, Kiesel die kosmische Gestaltungskraft.“&#039;&#039;&#039;[4]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bergkristall (als SiO2 eine reine Silicium/Sauerstoffverbindung) erscheint unter diesem Aspekt wie ein Urbild. Kosmisches und irdisch machender Sauerstoff sind in reinster Stimmigkeit auf einander bezogen. Die kosmische Gestaltungskraft manifestiert sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* im Irdisch-Unbelebten in Form der Bildung von Urgestein. &lt;br /&gt;
* und bei den Lebewesen als Gerüstsubstanz.&lt;br /&gt;
* In der menschlichen Konstitution verwandelt sich in Folge der Metamorphose die leibliche Bildetätigkeit in Gedankentätigkeit in Form von Wahrnehmen und Denken und wendet sich so wieder dem Kosmos zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== c. Irdisch-kosmische Zusammenhänge verstehen ====&lt;br /&gt;
Aus anthroposophischer Perspektive[5] handelt es sich hierbei um die allumfassende kosmisch-ätherische Gestaltungskraft,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die einerseits dem Leib &#039;&#039;&#039;Leben&#039;&#039;&#039; einhaucht &lt;br /&gt;
* und andererseits Grundlage für selbstgeführtes &#039;&#039;&#039;Denken&#039;&#039;&#039; ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je mehr es gelingt, in solchen Zusammenhängen zu denken, Irdisches und Kosmisches in ihrem Aufeinander-bezogen-Sein zu erkennen, desto therapeutischer wird die Denkweise werden. Dann kann sie Lebenszusammenhänge verstehen, dem Leben dienen und gesunde individuelle und soziale Entwicklungen fördern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann kann sie endlich auch die Wunden heilen, die infolge der reduktionistischen Denkweise entstanden sind und weiter entstehen, wenn sich der atomistische Monismus nicht mit einem ganzheitlich-spirituellen Monismus Goethe’scher Prägung versöhnen lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Heileurythmie als ‚Tun‘ der Ich-Organisation&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der Heileurythmie wird diese irdisch-kosmische Tätigkeit der Ich-Organisation nicht nur ‚gedacht‘, sondern ‚getan‘. Denken, Fühlen und Wollen sind beim konzentrierten Ausüben der heileurythmischen Bewegungen dem Körper zugewendet, wodurch das Stoffwechselgeschehen und die rhythmischen Funktionen unmittelbar beeinflusst werden können. Wie sehr Bewegung und Atmungsregulierung den Gesundheitszustand beeinflussen können, ist inzwischen auch naturwissenschaftlich hinreichend belegt. Entsprechende Präventionsprogramme haben sich insbesondere in der Kardiologie seit Jahrzehnten bewährt.[6] Auch die Rehabilitationseinrichtungen bauen ihre Maßnahmen primär auf gesunde Ernährung, Bewegung, Gespräch und kulturelle Aktivitäten auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die innere Beziehung zwischen Kapitel XIV und XVIII wird ergänzt durch Kapitel XVI, das nicht ohne Grund in der Mitte steht. Dieses Kapitel handelt vom Antimon unter der Überschrift &#039;&#039;„Heilmittel-Erkenntnis“.&#039;&#039; Dabei werden die Antimonprozesse als diejenigen beschrieben, die in den menschlichen Organismus gebracht, so wirken wie die Ich-Organisation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Im menschlichen Organismus zeigt das Blut in seiner Strömung eine Tendenz, zu gerinnen. Diese Tendenz ist diejenige, die unter dem Einfluss der Ich-Organisation steht und unter ihr die Regulierung erfahren muss.“[7]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Innerer Zusammenhang von Kapitel XIII, XV und XVII&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die zweite Dreiheit handelt vom krankhaften Zusammenspiel der Wesensglieder und den für den therapeutischen Prozess charakteristischen Heilmitteln bzw. Arzneisubstanzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== a. Zwischen kränkenden und gesundenden Kräften ====&lt;br /&gt;
Hier steht das individuelle Therapiegeschehen im Vordergrund. So lautet die Überschrift von Kapitel XIII &#039;&#039;„Vom Wesen des Krankseins und der Heilung“&#039;&#039; und beginnt mit dem Wort ‚Schmerz‘ als einem Erlebnis im astralischen Leib und im Ich. Es folgt dann eine kurze Charakteristik des unterschiedlichen Zusammenwirkens der Wesensglieder im Laufe des Lebens zwischen Geburt und Tod. Hauptaugenmerk bei der Therapiefindung liegt hier auf dem sensiblen Zusammenspiel zwischen der kränkenden astralischen und der gesundenden ätherischen Organisation. Diese Betrachtung findet ihre Fortsetzung in Kapitel XV, wo es unter der Überschrift &#039;&#039;„Das Heilverfahren“&#039;&#039; heißt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Denn alle Entwicklung des menschlichen Organismus beruht darauf, dass ursprünglich die Gesamtgestaltung des physischen und ätherischen Leibes aus der Tätigkeit des Astralischen und der Ich-Organisation sich ergibt; dass aber mit zunehmendem Alter die astralische und Ich-Tätigkeit in der physischen und ätherischen Organisation weiterlaufen. Tun sie das nicht, so müssen der astralische Leib und die Ich-Organisation in einem Stadium ihrer Entwickelung in einer Art eingreifen, zu der sie in diesem Stadium nicht mehr geeignet sind.“&#039;&#039; [8]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== b. Ich-Organisation entlastende Heilmittel ====&lt;br /&gt;
Dann bedürfen sie der regulierenden Unterstützung durch Heilmittel, die die beiden oberen Wesensglieder von ihrem nicht mehr entwicklungsgerechten Eingreifen entlasten und die physische und ätherische Organisation so stärken, dass das unregelmäßige Eingreifen der oberen Wesensglieder zur Kompensation der geschwächten physisch-ätherischen Konstitution nicht mehr nötig ist. Zusätzlich kompliziert werden Diagnostik und Therapie dadurch, dass &#039;&#039;„die Richtung der Krankheitswirkungen“[9]&#039;&#039; ebenfalls verfolgt werden muss im Sinne der primären Ursache der Störung und deren Folge. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== c. Bedeutung von Ameisensäure und Kleesäure ====&lt;br /&gt;
Abgerundet wird die Betrachtung dieser Dreiheit mit Kapitel XVII &#039;&#039;„Substanz-Erkenntnis als Grundlage der Heilmittel-Erkenntnis“&#039;&#039;, in dem zwei Substanzen im Mittelpunkt stehen, die in der Biochemie des Zellstoffwechsels eine wichtige Rolle spielen: Ameisensäure und Kleesäure.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Hexagramm aus zwei Dreiecken&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Während die erste Dreiheit primär bezogen ist auf die Erscheinung der menschlichen Gestalt im Raum und ihrem Formaspekt im Reich der Natur, widmet sich die zweite Dreiheit dem Wandel der menschlichen Konstitution in der Zeit. Fügt man die beiden Dreiheiten zusammen, so ergibt sich das therapeutische Ur-Symbol des Hermes Trismegistos bzw. das Siegel Salomos, das Hexagramm, in dem ein Dreieck mit der Spitze nach unten sich durchdringt mit einem zweiten Dreieck, dessen Spitze nach oben weist. Es ist das ägyptisch-hermetische Zeichen für das harmonische Zusammenwirken von Makrokosmos und Mikrokosmos. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Spitze des ersten Dreiecks, die nach unten weist und dessen Basis oben ist, wäre Kapitel XIV. In der Heileurythmie wird über die rhythmisch wiederholten Bewegungsübungen daran gearbeitet, den Menschen im Raum bei der Wiederherstellung seiner urbildlichen aufrechten Gestalt zu unterstützen. Basis dafür ist eine therapeutische Denkweise, die innere Aufrichtekraft (wirklichkeitsgemäßes ‚aufrichtiges‘ Denken) und Heilmittel-Erkenntnis aus dem Mensch-Natur-Zusammenhang adäquat verbindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das zweite Dreieck, dessen Spitze nach oben weist und das seine Basis unten hat, handelt vom Schmerzerleben und dem Wesen der Krankheit als weckendem Begleiter des Menschen im Verlauf des Lebens. Es zeigt durch die Basis unten die starke Beziehung des Makrokosmus zum Menschen und den ihn umgebenden Naturreichen als heilsamem Begleiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Heilkunst als Kunstwerk Heilung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist also im Kontext dieser Ausführungen mit Heilkunst gemeint?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es handelt sich dabei um einen Diagnoseprozess, aus dem sich die Therapie unmittelbar ablesen lässt. Dazu braucht es solides medizinisches Grundlagenwissen – auch bezüglich der Gesetzmäßigkeiten der körperlich-seelischen Reifung und den Alterungsprozessen in der zweiten Lebenshälfte. Dieses Wissen und die dadurch möglichen therapeutischen Kompetenzen sind sozusagen das „Material“ für den künstlerischen Prozess. Damit aber im Einzelfall das &#039;&#039;„Kunstwerk Heilung“&#039;&#039; geschaffen werden kann, dazu braucht es die unmittelbare Beobachtung und die therapeutische Denkweise im Hier und Jetzt der konkret gegebenen Krankheitssituation in ihrem Umfeld. Im günstigen Fall sind Besserung und Heilung die Folge des therapeutischen Bemühens, an dem beide – der Behandelnde und der Betroffene – mitschöpferisch tätig sind. So gesehen handelt es sich immer auch um ein &#039;&#039;„soziales Kunstwerk“.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Dass dabei nicht nur medizinisches Wissen, sondern auch Fähigkeiten wie das Erfassen des rechten Zeitpunkts (ϰαιρός), diagnostische Empathie und therapeutische Intuition eine wichtige Rolle spielen, zeichnet den künstlerischen Prozess aus.“[10]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[11]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Hierbei handelt es sich um Kapitel aus dem Grundlagenwerk von Rudolf Steiner und Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Vgl. FN 1, S. 88.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Vgl. FN 1, S. 15.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft. Landwirtschaftlicher Kursus,&#039;&#039; GA 327, 66 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. FN 1, S. 6.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Siehe z.B. die Pocket-Leitlinie Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie. Giehlen u. a. (2021).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Vgl. FN 1, S. 79.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Vgl. FN 1, S. 74.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. FN 1, S. 75.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Vgl. Fintelmann (2016).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE KAPITEL XIX UND XX: EINBLICKE IN EINE RATIONELLE DIAGNOSTIK UND THERAPIE[1] ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit von Rudolf Steiner und Ita Wegman rund um dieses Werk?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Unter welchen Aspekten wurden die angeführten Krankengeschichten durchgesehen und veröffentlicht?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchem Zweck dienen diese Krankengeschichten?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Zur Entstehung der Textgrundlage&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während die Kapitel I bis XVIII in der Handschrift Steiners vorliegen, sind die beiden letzten Kapitel XIX und XX von Ita Wegman niedergeschrieben. Es gilt jedoch für alle 20 Kapitel dieses Buches, dass sie in intensiver gemeinsamer Arbeit von beiden Autoren verfasst wurden. Wann genau die einzelnen Kapitel entstanden sind, wissen wir zwar nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Walter Holtzapfel&#039;&#039; hatte aber als dritter Nachfolger in der Leitung der Medizinischen Sektion[2] noch viel Gelegenheit, mit Menschen zu sprechen, die den eineinhalbjährigen Prozess der Entstehung des Buches miterlebt haben. Von ihm stammt die Mitteilung, dass ein um das andere Kapitel &#039;&#039;„von den beiden Autoren gemeinsam durchgesprochen und dann zunächst von Frau Dr. Wegman formuliert und niedergeschrieben wurde. Gewiss stammt die endgültige Formulierung wohl fast immer von Rudolf Steiner.“[3]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zu den Krankengeschichten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Von den neun in das Buch aufgenommenen Krankengeschichten wurden der vierte und fünfte Fall bereits am 23. April 1924 im Rahmen einer Dornacher Ärztebesprechung von Ita Wegman vorgelesen und von Rudolf Steiner eingehend im Gespräch kommentiert.[4] So können wir davon ausgehen, dass zumindest diese Kasuistiken schon während des ersten halben Jahres der gemeinsamen Arbeit entstanden sind, d.h. dass von Beginn an die gemeinsame Arbeit am Buch stets auch in direkter Resonanz war mit konkreten Menschen und ihrem Krankheitsschicksal. Ganz abgesehen von den zahlreichen Vortragsreisen im Jahre 1924, bei denen Wegman ebenfalls mitreiste und wo ihnen jeweils Patienten vorgestellt und deren Therapie beraten worden war.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es muss an dieser Stelle aber auch klar hervorgehoben werden, dass es die Kollegin und enge Mitarbeiterin Ita Wegmans – &#039;&#039;Hilma Walter&#039;&#039; – gewesen ist, der die Dokumentationen der Krankengeschichten des &#039;&#039;„Klinisch-Therapeutischen Instituts“&#039;&#039; zu verdanken sind, die den für das Buch formulierten Texten zugrunde liegen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Dokumentationen wurden 2007 von &#039;&#039;Peter Selg&#039;&#039; in der Originalfassung herausgegeben, so dass sie heute eingehend studiert und auch im Detail mit der textlichen Abfassung in Kapitel XIX verglichen werden können.[6] So wird auch deutlich, was Wegman direkt aus Walters Kasuistiken übernommen hat und was von den Autoren gekürzt, neu formuliert und auch ausgelassen wurde. Walter hat dann auch in ihrer Endredaktion des Buches nach Steiners Tod vor der Drucklegung insbesondere die Krankengeschichten noch einmal gründlich durchgesehen und wo nötig noch etwas gestrichen, damit keiner der dort geschilderten Patientinnen und Patienten in dem gedruckten Buch wiedererkannt werden konnte.[7] Waren es doch fast ausnahmslos Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft, um die es jeweils ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zu Peter Selgs Dokumentation von Krankengeschichten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Selg hat für seine Publikation nicht nur die Krankenunterlagen dieser neun Patienten im Original studiert, sondern auch die zugehörigen Notizbucheinträge im Nachlass Hilma Walters, die Ärzte- und Patientenkorrespondenz Wegmans sowie weitere Nachlassunterlagen. So liegen die Krankengeschichten aus Kapitel XIX gesichtet und aufgearbeitet vor und sind Grundlage für weitere Forschung. Er schreibt dazu insbesondere im Hinblick auf noch zu leistende weitere Kontextualisierungen dieser Krankengeschichten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Je plastischer die Kranken- und Therapiegeschichten jedoch selbst werden (indem man zwischen dem Original der Krankenakte und der Buchwiedergabe vergleichen kann – M.G.), umso klarer wird das methodische Gewichtungs- und Auswahlverfahren der Buchdarstellung erkennbar. In diesem Sinne vermögen die hier erstmals publizierten Materialien, verschiedene Aspekte deutlicher hervortreten zu lassen, darunter auch die Zeitgestalt der (oft monatelangen) Behandlung, der einzelnen Schritte und Vorgehensweisen, der therapeutischen Erfolge, aber auch der Rückfälle und weiter bestehenden Schwierigkeiten, die Teil der Kranken- und Behandlungsgeschichte waren. Sie bieten daher Anlass und Voraussetzung für ein erneutes und eingehendes Studium der Kasuistiken selbst.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Im Rahmen dieser Dokumentation wurde konsequent davon abgesehen, die zur Darstellung kommenden diagnostischen und therapeutischen Prozesse im Einzelnen zu kommentieren und zu bewerten; ein solcher Kommentar – vor dem Hintergrund der gesamten anthroposophischen Physiologie, Pathophysiologie und Therapeutik und in Auseinandersetzung mit einer schulmedizinischen Interpretation der verschiedenen Krankheitsfälle – soll zu einem späteren Zeitpunkt erarbeitet und publiziert werden.“[8]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Leuchtende Vorbilder für&#039;&#039; &#039;&#039;Wesensgliederdiagnosen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Diese von Selg in Aussicht gestellte Publikation konnte jedoch bisher nicht realisiert werden, bzw. bleibt ein weiterhin lohnendes und erforderliches Desiderat. Denn beides – der Hintergrund der gesamten anthroposophischen Physiologie, Pathologie und Therapeutika sowie die schulmedizinische Kontextualisierung – sind große Arbeitsvorhaben, die eigentlich nur im Team zu leisten sind und viel Zeit erfordern. Dennoch kann jeder interessierte Arzt auch aus dem bis jetzt vorliegenden Material unschätzbare Anregungen für die eigene Arbeit entnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anthroposophische Internist &#039;&#039;Friedwart Husemann (1945–2022)&#039;&#039; schreibt in seinem Kurzporträt über die &#039;&#039;„Erweiterung der Heilkunst“:&#039;&#039; &#039;&#039;„Bei den Krankengeschichten geben die Autoren Wesensgliederdiagnosen und sehr individuelle Heilverfahren, die für den anthroposophischen Arzt von heute ein leuchtendes und selten erreichtes Vorbild darstellen.“[9]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[10]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Hierbei handelt es sich um Kapitel aus dem Grundlagenwerk von Rudolf Steiner und Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Nach Wegmans Tod wurde zunächst eine Interim-Gruppenleitung eingesetzt – bis dann 1963 die enge Mitarbeiterin Wegmans in ihrem Arlesheimer Klinisch-Therapeutischen Institut, &#039;&#039;Margarete Kirchner-Bockholt (1894–1973),&#039;&#039; für ihre Nachfolge nominiert wurde, die sie dann nach ihrem Ausscheiden an &#039;&#039;Holtzapfel&#039;&#039; übergab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Holtzapfel (1973), 51–53.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Physiologisch-Therapeutisches auf Grundlage der Geisteswissenschaft. Zur Therapie und Hygiene,&#039;&#039; GA 314, S. 337–349.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. Selg (2007), 15f. und 21f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Ebd., 22.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Ebd., 23f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Selg (2007), 25.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] F. Husemann (2018), 323.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE DER THERAPIEFINDUNG GEWIDMETEN KAPITEL XIV BIS XVIII ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Blickrichtungen werden in den jeweiligen Kapiteln skizziert?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fünf therapeutische Perspektiven&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In den genannten Kapiteln von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; werden fünf therapeutisch-menschenkundliche Blickrichtungen geschildert, die es im Einzelfall gegeneinander abzuwägen oder zu kombinieren gilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Der therapeutische Aspekt des Siliziumprozesses ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;In Kapitel XIV&#039;&#039; wird der Silizium-Prozess zum Vorbild der therapeutischen Denkweise. Diese richtet ihr Augenmerk darauf, inwiefern Krankheitssymptome Ausdruck mangelnder oder überhöhter gegenseitiger Wahrnehmung bzw. Resonanz zwischen den Organsystemen und ihren Funktionen sind. Sie weisen auf die Notwendigkeit richtiger Balance zwischen notwendiger Abgrenzung und ebenso notwendiger Wahrnehmung der Belange des Gesamtorganismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Regulierungsmöglichkeiten bei schwacher Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Im Kapitel XV&#039;&#039; werden verschiedene Regulierungsmöglichkeiten aufgezeigt, wenn die Ich-Organisation diese Aufgabe nicht mehr zureichend leisten kann. Wie in den Kapiteln I bis VII geschildert, zeigen Krankheitssymptome an, wie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* im physischen Leib die &#039;&#039;Mineralisierung&#039;&#039;, &lt;br /&gt;
* im ätherischen Leib die &#039;&#039;Wachstumsbereitschaft&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* sowie die vom Astralleib bewirkten &#039;&#039;Absonderungs- und Ablagerungsprozesse&#039;&#039; partiell überhandnehmen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wenn sich diese Wesensglieder der Integrationskraft der Ich-Organisation nicht (mehr) ausreichend fügen, weil diese an Kraft eingebüßt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Heilmittelerkenntnis ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;In Kapitel XVI&#039;&#039; geht es um die Heilmittelerkenntnis, die man gewinnt, wenn man &#039;&#039;„durch der Natur Examen geht“&#039;&#039;&#039;[2]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; und den Blick primär auf die Kräfte lenkt, die als Zentral- und Universalkräfte in der unbelebten und belebten Natur wirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Prozessorientierte Substanz-Erkenntnis ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;In&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Kapitel XVII&#039;&#039;&#039; liegt der Fokus auf einer konsequent prozessorientierten Substanz-Erkenntnis, die Steiner im Ärztekurs für die jungen Mediziner so formuliert hat: dass es die Aufgabe des Arztes sei, &#039;&#039;„die Weltenaufgaben der Substanzen zu erkennen“.&#039;&#039;&#039;[3]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Etwas von dieser ‚Weltenaufgabe‘ wird in der EH anhand der Ameisensäure und der Kleesäure aufgezeigt und damit auf die Bedeutung dieser Blickrichtung für bestimmte Prozesse im menschlichen Zellstoffwechsel hingewiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Therapeutischer Einfluss von Bewegungsübungen ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Kapitel XVIII&#039;&#039;&#039; enthält die fünfte therapeutische Blickrichtung: den regulierenden Einfluss von bewusst ausgeführten Bewegungsübungen auf die abbauenden und aufbauenden Stoffwechselprozesse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[4]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner und Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ausspruch des Paracelsus, auf den auch Steiner sich im ersten Ärztekurs von 1920 bezieht (vgl. oben, S. CXXX).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Meditative Betrachtungen und Anleitungen zur Vertiefung der Heilkunst. Vorträge für Ärzte und Medizinstudierende,&#039;&#039; GA 316, 22.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;DIE ICH-ORGANISATION IN DER DARSTELLUNG EINZELNER KAPITEL&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Inwiefern ist die Ich-Organisation Trägerin von Gesundheit, aber auch Ursache für jegliche Krankheit?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wodurch beherrscht die Ich-Organisation die Erdenstoffe und Substanzen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wodurch werden Heilmittel zu Regulatoren und Unterstützern der Ich-Organisation?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Ich-Organisation als Verursacherin von Gesundheit und Krankheit&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ich-Organisation wird im Gang durch die Kapitel von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039;&#039;[1]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; als das Kraftsystem geschildert, das für die Erhaltung der Gesundheit und für den Erfolg von Heilungsvorgängen den Ausschlag gibt. Daher steht sie im Zusammenwirken mit der ätherischen Organisation als Trägerin der Regenerations- und Selbstheilungskräfte im Fokus jeder therapeutischen Intervention.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andererseits ist eben diese Ich-Organisation – zusammen mit dem Astralleib als außerkörperlich aktive ‚Geist- und Seelenfähigkeit‘ – zugleich Ursache und Grundlage dafür, dass wir krank werden und sterben können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zum Wirken der Ich-Organisation&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Im Folgenden eine kurze Rekapitulation dessen, was in den einzelnen Kapiteln zur Wirkung der Ich-Organisation und den Substanzen in ihrem Dienst ausgeführt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel I – Der Substanzstrom fügt sich dem Ich = Gesundheit ====&lt;br /&gt;
In Kapitel I heißt es in Bezug auf alle Substanzen: &#039;&#039;„Die Wesenheit, welche diese Stofflichkeit als ‚Ich-Organisation‘ annimmt, ist zunächst die Form des Erdenstoffes, in der sich dieser am meisten seiner irdisch-physischen Art entfremdet.“&#039;&#039;&#039;[2]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Das bedeutet, dass sich der Substanzstrom nach seinem Durchgang durch die Bereiche der physischen, ätherischen und astralischen Kräfte auf der vierten Verwandlungsstufe dem &#039;&#039;„Weben und Wesen des ‚Ich‘“&#039;&#039; in der Form einfügt, dass er ‚Geist tragend‘ wird.[3]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kann dieser Verwandlungsprozess ungestört stattfinden, ist Gesundheit die Folge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel II – Ich-bedingte Störungen im Ätherischen ====&lt;br /&gt;
In Kapitel II werden Störungsmöglichkeiten aufgezeigt, indem zwei Formen des Krankseins geschildert werden, die jeweils durch ein zu starkes oder zu schwaches Untertauchen von Ich-Organisation und Astralleib in die physisch-ätherische Konstitution entstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt bedarf es der Regulation durch Arzneimittel, die auf die eine oder andere Weise die ätherische Organisation in ihrer Regenerations- und Selbstheilungsfähigkeit unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel III und IV – Über das Pflanzen- und Tierreich ====&lt;br /&gt;
In den Kapiteln III und IV wird die Ich-Organisation nicht erwähnt – hier stehen die ätherische und astralische Organisation und das durch sie mögliche Pflanzen- und Tierreich im Zentrum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deren gesundes Zusammenleben und -wirken ist im Haushalt der Natur im Sinne des ökologischen Gleichgewichts reguliert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel V – Menschengestalt dank des Wirkens der Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
In Kapitel V wird die Ich-Organisation neu eingeführt als das Kraftsystem, welches in der Lage ist, die verschiedenen Kräftebereiche – den physischen, den ätherisch-pflanzlichen sowie den astralisch-tierischen – ‚im Fluss zu halten‘. Das bedeutet, die menschliche Konstitution vor jeglicher Spezialisierung und Einseitigkeit zu bewahren. Dadurch verwandeln sich die Substanzströme im Bereich der physischen, ätherischen und astralischen Kräfte nochmals: Es entsteht ein dreifacher Substanzstrom, aus dem heraus sich die innere und äußere menschliche Gestalt bildet. Dadurch wird sie zum Träger des selbstbewussten Geisteslebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Bis in die kleinsten Teile seiner Substanz hinein ist der Mensch in seiner Gestaltung ein Ergebnis dieser Ich-Organisation.“[4]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel VI – Einfluss der Ich-Organisation auf Blut, Skelett und Gehirn ====&lt;br /&gt;
In Kapitel VI wird dies weiter erläutert, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* indem die gesamte &#039;&#039;Blutbildung&#039;&#039; bis hin zur Wirkung der Verdauungsenzyme als unter dem Einfluss der Ich-Organisation stehend geschildert wird.&lt;br /&gt;
* Und in der Bildung des &#039;&#039;Skeletts&#039;&#039; geht das Wesen der Ich-Organisation so vollständig auf, dass dieses als ihr physisches Abbild gesehen werden kann.&lt;br /&gt;
* Im &#039;&#039;Gehirn&#039;&#039; dagegen ist das Ich als geistige Wesenheit tätig. Seine formbildende, ins Physische hineinwirkende Kraft wird dort aber ganz vom Ätherischen sowie von den Eigenkräften des Physischen überwältigt. Dem Gehirn liegt die organisierende Kraft des Ich also nur leise zugrunde, da sie im Wirken des Lebendigen und in den physischen Eigenwirkungen untergeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist auch der Grund, warum das Gehirn zum Träger der geistigen Ich-Wirkung wird: Gerade weil die Ich-Organisation im Gehirn nicht organisch-physisch in Anspruch genommen wird, sind ihre Kräfte als solche völlig frei, sich geistig zu betätigen.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel VII – Ich-Organisation, Eisen und Selbstheilungskräfte ====&lt;br /&gt;
In Kapitel VII wird die Ich-Organisation als maßgeblich für die körpereigenen Selbstheilungskräfte eingeführt. Diese beruhen darauf, dass die Ich-Organisation in der Lage ist, das im Sinne der äußeren Natur noch kristallisationsfähige Eisen in ihre Gestaltungskräfte hinein zu ‚zwingen‘.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel VIII – Glukosestoffwechsel und Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Im Kapitel VIII wird der gesamte Glukosestoffwechsel als Instrument der Ich-Organisation dargestellt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Wo Zucker ist, da ist Ich-Organisation; wo Zucker entsteht, da tritt die Ich-Organisation auf, um die untermenschliche (vegetative, animalische) Körperlichkeit zum Menschlichen hin zu orientieren.“[6]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel IX – Ich-Organisation als Beherrscherin des Unorganischen ====&lt;br /&gt;
Kapitel IX schildert die Eigenschaft der Ich-Organisation, sich bis in die Kräfte des unorganisch Toten hinein als beherrschend zu zeigen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Alles, was in den Bereich der Ich-Organisation kommt, erstirbt. Daher gliedert sich die Ich-Organisation im physischen Leib rein unorganische Substanzen ein. Diese wirken im menschlichen physischen Organismus nicht so wie in der leblosen Natur außerhalb des Menschen; aber sie wirken doch eben unorganisch, d.h. ertötend.“[7]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel X – Erdenstoffe als Wärmelieferanten für die Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
In Kapitel X wird deutlich gemacht, was mit der Formulierung, dass sich alle Erdenstoffe dem &#039;&#039;„Weben und Wesen des ‚Ich‘ einfügen“,&#039;&#039; gemeint ist. Denn von jeder im menschlichen Körper befindlichen Substanz kommt für die Ich-Organisation nur so viel in Betracht, als bei deren Wirksamkeit Wärmeentfaltung stattfindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entzieht sich ein Wärmebezirk der Herrschaft der Ich-Organisation, so markiert dies den Beginn pathologischer Prozesse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel XI – Ich-Organisation und Harnsäureverteilung ====&lt;br /&gt;
In Kapitel XI heißt es: In der richtig verteilten Harnsäureablagerung &#039;&#039;„kommt zum Ausdrucke, ob zwischen der Ich-Organisation und dem astralischen Leib in irgendeinem Organ oder Organsysteme das rechte Verhältnis besteht.“[8]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel XII – Ich-Organisation und Ausscheidungstätigkeit ====&lt;br /&gt;
Kapitel XII beschreibt das Wesen der Ich-Organisation als reine Wärmeaktivität – sowohl bei der Organbildung durch Erhöhung oder Verminderung der Wärmezustände, als auch in den Tätigkeiten, die nach innen oder nach außen zu Ausscheidungen führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Insofern in diesen Ausscheidungen Stoffe eingelagert sind, &#039;&#039;„die bis zum Unorganischen getrieben sind, dann lebt in diesen auch die Ich-Organisation“[9]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel XIII – Ich-Organisation und Phosphor ====&lt;br /&gt;
In Kapitel XIII wird der Phosphor als das Element geschildert, welches eine besondere Beziehung zur Ich-Organisation hat: Phosphor findet sich im menschlichen Organismus als Phosphorsäure und phosphorsaure Salze im Eiweiß, im Faserstoff [das Blutgerinnungssystem, MG], im Gehirn, in den Knochen. Er drängt zu den unorganischen Substanzen hin, die in dem Bereich der Ich-Organisation ihre Bedeutung haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er regt die bewusste Tätigkeit des Menschen an.[10]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel XIV – Ich-Organisation und Kieselsäure ====&lt;br /&gt;
Kapitel XIV ist der Kieselsäure als der &#039;&#039;„physischen Grundlage der Ich-Organisation“&#039;&#039; gewidmet,– denn die Gestaltung des Körpers und der einzelnen Organe ist nur möglich mithilfe einer Substanz, die einerseits in der ganzen Gestaltungsfülle der Lebenswelt beherrschend auftritt und die andererseits eine größtmögliche Oberflächensensibilität und Resonanzfähigkeit besitzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ermöglicht ein sensibles und selbstbewusstes Leben in der Sinneswelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel XV – Heilmittel für altersbedingte Störungen im Kieselsäureorganismus ====&lt;br /&gt;
In Kapitel XV werden Heilmittelwirkungen geschildert, die altersbedingte Störungen im Kieselsäureorganismus regulieren können: &#039;&#039;„Denn alle Entwicklung des menschlichen Organismus beruht darauf, dass ursprünglich die Gesamtgestaltung des physischen und ätherischen Leibes aus der Tätigkeit des Astralischen und der Ich-Organisation sich ergibt; dass aber mit zunehmendem Alter die astralische und Ich-Tätigkeit in der physischen und ätherischen Organisation weiterlaufen. Tun sie das nicht, so müssen der astralische Leib und die Ich-Organisation in einem Stadium ihrer Entwickelung in einer Art eingreifen, zu der sie in diesem Stadium nicht mehr geeignet sind.“[11]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Kapitel XVI – Parallelen von Antimonprozessen und Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Kapitel XVI schließlich zeigt auf, dass Antimonprozesse so wirken, &#039;&#039;„wie die Ich-Organisation“.[12]&#039;&#039; Das wird am Beispiel des Antimons in seiner Beziehung zum Schwefel in Form des in der Natur vorkommenden Grauspießglanzes aufgezeigt (Sb2 S3, auch als Antimonit bzw. Stibnit bekannt), sowie am Prozess der Austernschalenbildung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für alle drei Substanzen, von denen hier die Rede ist, gilt, dass, wenn man sich näher mit ihnen befasst, dies das Verständnis der von Rudolf Steiner und Ita Wegman charakterisierten Wirkungsweisen untermauert. Denn es komme darauf an, &#039;&#039;„die Wirkungen zu beobachten, die sich aus dem Zusammenhange der inneren Kräftekonstitution einer Substanz im Verhältnis zu den Kräften ergeben, die von der Erde ausstrahlen oder in sie einstrahlen“.[13]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[14]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Siehe FN 1, S. 9.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Ebenda.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe FN 1, S. 29.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5]  Siehe FN 1, S. 36.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Siehe FN 1, S. 44.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Siehe FN 1, S. 48.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Siehe FN 1, S. 57.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Siehe FN 1, S. 63.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Siehe FN 1, S. 67.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Siehe FN 1, S. 74.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Siehe FN 1, S. 79.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] Siehe FN 1, S. 77.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Offenborn</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Zur_%22Erweiterung_der_Heilkunst%22_%E2%80%93_von_Michaela_Gl%C3%B6ckler&amp;diff=1203</id>
		<title>Zur &quot;Erweiterung der Heilkunst&quot; – von Michaela Glöckler</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Zur_%22Erweiterung_der_Heilkunst%22_%E2%80%93_von_Michaela_Gl%C3%B6ckler&amp;diff=1203"/>
		<updated>2025-12-15T16:44:04Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Offenborn: Neuen Text eingefügt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Auszüge aus Büchern und Vorträgen von [[Michaela Glöckler]]; Erstveröffentlichung auf &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE THEMENSCHWERPUNKTE VON „GRUNDLEGENDES FÜR EINE ERWEITERUNG DER HEILKUNST“ ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie ist dieses Grundlagenwerk der Anthroposophischen Medizin&#039;&#039;[1] &#039;&#039;aufgebaut?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zur inneren Gliederung des Werkes&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das Buch hat vier thematische Schwerpunkte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Mensch und Makrokosmos – Kap. 1 bis 7&lt;br /&gt;
# Ursachen für Stoffwechselerkrankungen – Kap. 8 bis 12&lt;br /&gt;
# Therapie-Kapitel – Kap. 13 bis 18&lt;br /&gt;
# Wirkprinzipien von Arzneimitteln und Heileurythmie – Kap. 19 bis 21&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In aller Kürze kann man sagen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;In den Kapiteln 1 bis 18&#039;&#039;&#039; wird das „medizinische System“ skizziert, das als Grundlage einer „rationellen Diagnostik und Therapie“ dienen möchte.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die beiden Schlusskapitel&#039;&#039;&#039; geben dann Einblick in die Praxis und zeigen, wie sich naturwissenschaftliche Medizin und das medizinische System der Anthroposophie gegenseitig ergänzen und inspirieren können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ad1. Mensch und Makrokosmos – Kap. 1 bis 7 ====&lt;br /&gt;
Hier werden die Grundlagen zum Verständnis der Gesundheit erörtert. Es wird das viergliedrige Menschenbild eingeführt in Form von vier regulierenden, ordnenden Kraftsystemen, die in ihrem Zusammenwirken die – funktionell dreigliedrige – menschliche Konstitution bilden. Auch wird das Verhältnis des gesunden Mikrokosmos Mensch zum Makrokosmos herausgearbeitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den ersten fünf Kapiteln werden darüber hinaus die Grundlagen für ein spirituelles Substanz-Verständnis gelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im ersten Kapitel&#039;&#039;&#039; wird das Geheimnis des Merkurstabs enthüllt, indem auf die Bedeutung der Metamorphose der Wachstumskräfte in Gedankenkräfte eingegangen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im zweiten Kapitel&#039;&#039;&#039; wird eingehend erläutert, wie Krankheit dadurch entstehen kann, dass der Mensch zwar geistig seelisch tätig ist, aber in Einseitigkeit und Irrtum verfällt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im dritten bis fünften Kapitel&#039;&#039;&#039; werden die mikrokosmische und makrokosmische Natur der menschlichen Wesensglieder und ihrer spezifischen Kräftekonfigurationen eingeführt. Es wird aber auch in zu Herzen gehender Weise geschildert, welchen Opfergang und welches Schicksal die Welt der irdisch gewordenen Substanzen dabei erfährt. Und wie dieser Opfergang der Substanzen seine Erlösung und Erfüllung findet, wenn die Substanz im Menschen &#039;&#039;„geisttragend“&#039;&#039; werden kann. Wenn &#039;&#039;„geistgetragene Menschenseelen“&#039;&#039; diesem Opfer zum Segen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im sechsten Kapitel&#039;&#039;&#039; wird dann das embryonale Bildegeschehen des menschlichen Körpers so dargestellt, dass man die physiologischen Prozesse des Wesensgliederwirkens denken lernen und sich für die verschiedenen Organbildungen anschaulich machen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im siebten Kapitel&#039;&#039;&#039; wird der entwicklungsoffene, in sich &#039;&#039;nicht&#039;&#039; abgeschlossene gesunde Gesamtorganismus geschildert und daran das Prinzip der Selbstkränkung und das Wesen der Selbstheilungskräfte verdeutlicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ad 2. Ursachen für Stoffwechselerkrankungen – Kap. 8 bis 12 ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Kapitel acht bis zwölf&#039;&#039;&#039; behandeln die fünf Hauptursachen pathologischer Prozesse. Sie beschreiben die fünf zentralen Ursachen der Entstehung von Erkrankungen des Stoffwechsels. Diese werden anhand der Wirkweise von Zucker, Eiweiß, Fett, Harnsäure und Wärme anschaulich gemacht. Dabei werden auch die diese Stoffwechselprozesse regulierenden Wesensglieder in ihrem leiblich-seelischen Wirken anschaulich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ad 3. Therapie-Kapitel – Kap. 13 bis 18 ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Es folgen fünf Therapie-Kapitel&#039;&#039;&#039;, in denen die therapeutische Regulierung des Verhältnisses zwischen Ätherleib und Astralleib im Mittelpunkt steht, dann die regulierende Kraft der Ich-Organisation, dann die mögliche Schwächung der physisch-ätherischen Konstitution im Laufe des Älterwerdens, das Prinzip der Arzneimittelfindung und die Einführung in das Wesen der Substanzerkenntnis als Grundlage der Heilmittel-Erkenntnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ad 4. Wirkprinzipien von Arzneimitteln und Heileurythmie – Kap. 19 bis 21 ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;In den letzten drei Kapiteln des Buches&#039;&#039;&#039; werden charakteristische Krankheitsfälle und typische Heilmittel vorgestellt. Sie sind dem Wirkprinzip der Heileurythmie gewidmet, geben einen Einblick in die Praxis der Anthroposophischen Medizin anhand von neun individuellen Krankheitsfällen und nennen den Einsatz von Arzneimitteln, die bestimmten typischen Erkrankungen angepasst sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;„Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; wurde bis heute bis auf wenige Anmerkungen und Hinweise zur Entstehung und Autorschaft unverändert nachgedruckt. Es hat über drei Generationen hinweg vielen Fachleuten auf dem Gebiet der Anthroposophischen Medizin die nötige Grundorientierung gegeben, um das akademisch erworbene Wissen auch unter spirituellen Gesichtspunkten anzuschauen und es so im Einzelfall praktisch anwendbar zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Werk stellt im Grunde einen Lehrgang dar, der – wie es Ita Wegman in ihrem damals nicht veröffentlichten Vorwort zu diesem Buch schreibt – jeden Arzt in die Lage versetzt, selbst die Krankheiten geistig anzuschauen, wenn er bereit ist, das „&#039;&#039;ganz richtige Lesen dieses Buches“&#039;&#039; zu üben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Raphael und die Mysterien von Krankheit und Heilung“, Medizinische Sektion am Goetheanum 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen,&#039;&#039; GA 27, Dornach 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Zu Rudolf Steiners Verständnis der Anthroposophischen Medizin als einer im Gegensatz zur Schulmedizin, wahrhaft rationellen‘ Heilkunst siehe auch das Vorwort der &#039;&#039;„Erweiterten Heilkunst“&#039;&#039;. Elemente für eine echte Ratio zusammenzutragen, wie sich aus der Diagnose die Therapie ergibt, war bereits Hauptanliegen im ersten Kursus für Mediziner im Jahr 1920 gewesen: Vgl. Steiners &#039;&#039;„Geisteswissenschaft und Medizin“&#039;&#039;, GA 312.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE KAPITEL I–VII: GRUNDLAGEN ZUM VERSTÄNDNIS DER GESUNDHEIT[1] ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was zeichnet den gesundheitswissenschaftlichen Ansatz der Anthroposophischen Medizin aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie unterscheidet er sich von dem pathogenetischen Ansatz der naturwissenschaftlich basierten Schulmedizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Reformen wünschte Rudolf Steiner bereits zu seinen Lebzeiten?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zukunftsweisender gesundheitswissenschaftlicher Ansatz der AM&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Kapitel I–VII umfassen den gesundheitswissenschaftlichen Ansatz der Anthroposophischen Medizin. Unter ‚Volksgesundheit‘ verstand man am Anfang des 20. Jahrhunderts im Wesentlichen hygienische Maßnahmen, genügend Schlaf, gesunde Ernährung und Lebensführung.[2] Noch heute stellen Medizinstudenten und Ärzte immer wieder erstaunt fest, wie wenig sie darüber hinaus während ihres Studiums über die Entstehung von Gesundheit erfahren haben im Gegensatz zur Aufklärung über Krankheitsentstehung, d.h. Pathogenese.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der pathogenetische Ansatz der naturwissenschaftlich basierten Medizin bzw. Schulmedizin hat gegenwärtig mit der molekulargenetischen Steuerungsebene eine gewisse Kulmination erreicht, die in Zukunft mithilfe der Digitalisierung noch weiter optimiert werden wird. Parallel zu dieser Entwicklung hat aber auch die Wissenschaft von den Nebenwirkungen der pathogenetisch fokussierten Therapie zugenommen.[3] Daher wird von naturwissenschaftlicher Seite argumentiert, dass ein Arzneimittel, das keinerlei Nebenwirkungen hat, auch nicht wirksam sein kann. Und alles Bestreben geht dahin, Nebenwirkungen bestmöglich zu minimieren bzw. durch den Einsatz anderer Arzneimittel zu kompensieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesem pathogenetisch orientierten Ansatz steht der gesundheitswissenschaftlich-salutogenetische gegenüber. Dieser hat seine Entwicklung und Kulmination noch vor sich. Er etabliert sich seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erst langsam in der akademischen Welt. Es ist jedoch zu hoffen, dass er dennoch in nicht allzu ferner Zeit die Mitte der Gesellschaft erreichen wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Paradigmenwechsel als politische und wirtschaftliche Herausforderung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Denn der Paradigmenwechsel der Umorientierung von der Verhütung von Krankheit zur Förderung von Gesundheit ist zwar proklamiert – ihn lebenspraktisch zu machen ist und bleibt aber die noch bestehende große soziale und politische und nicht zuletzt wirtschaftliche Herausforderung. Denn: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann man an der Gesundheit verdienen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wer macht dafür Lobbyarbeit?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und: Was braucht es alles zur auch gedanklich-konzeptionellen Neuausrichtung und Umstrukturierung der Ausbildung für die Gesundheitsberufe, insbesondere der Ärzteschaft?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Wie weit man davon noch entfernt ist, hat auch das weltweit durchgreifende Corona-Pandemie-Management gezeigt, das ausschließlich pathogenetisch orientiert war. Salutogenetisch orientierte Auffassungen bezüglich Erkrankungsrisiken, Prävention und Therapie wurden auch in der medialen Berichterstattung konsequent ausgeblendet oder sogar lächerlich gemacht und bekämpft. Dabei konnten nicht zuletzt auch die anthroposophischen Krankenhäuser auf ihren Intensivstationen dank ihres integrativmedizinischen Vorgehens&#039;&#039; &#039;&#039;auch bei Schwerkranken erstaunlich gute Behandlungsergebnisse aufzeigen.“[4]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die fortschrittliche Medizin ebenso pathogenetisch orientiert, wie es der heutige Mainstream der Medizin immer noch ist. Im Mittelpunkt stand das neue Paradigma einer modernen Zellularpathologie, mit der Aussicht, immer mehr pathologische Prozesse diagnostisch bis auf die molekulare Ebene im Zellstoffwechsel zu erforschen.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Rudolf Steiners Ruf nach Reformen in der Medizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Demgegenüber eröffnete Steiner seinen ersten Kurs für Anthroposophische Medizin 1920 mit den Worten: &#039;&#039;„[…] es ist ja ziemlich selbstverständlich, daß von dem, was Sie wahrscheinlich alle erwarten von der Zukunft des medizinischen Lebens, nur ein sehr geringer Teil in diesem Kursus wird angedeutet werden können, denn Sie alle werden ja mit mir darinnen übereinstimmen, daß ein wirkliches, zukunftssicheres Arbeiten auf dem medizinischen Felde von einer Reform des medizinischen Studiums als solchem abhängt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Man kann nicht mit dem, was man in einem Kursus mitteilen kann, eine solche Reform des medizinischen Studiums auch nur im Entferntesten anregen, höchstens in der Weise, daß in einer Anzahl von Menschen der Drang entsteht, mitzutun bei einer solchen Reform. […] Dasjenige, was in diesen Vorträgen beigebracht werden soll, das möchte ich erreichen dadurch, daß ich in einer Art von Programm verteile das zu Betrachtende in der folgenden Weise: Erstens möchte ich Ihnen geben einiges, das hinweist auf die Hindernisse, die im heutigen gebräuchlichen Studium bestehen gegen eine wirklich sachgemäße Erfassung des Krankheitswesens als solchem. Zweitens möchte ich dann andeuten, in welcher Richtung eine Erkenntnis des Menschen zu suchen ist, die eine wirkliche Grundlage für das medizinische Arbeiten abgeben kann. Drittens möchte ich auf die Möglichkeiten eines rationellen Heilwesens hinweisen durch die Erkenntnis der Beziehungen des Menschen zur übrigen Welt.“[6]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als viertes wünschte er sich Fragen aus dem Teilnehmerkreis, weil er seine Ausführungen ganz nach den Bedürfnissen der anwesenden Fachleute und Studierenden richten wollte.[7]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entwicklung von ganzheitlichen Therapieformen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Seither haben sich auch andere an der ‚Ganzheit Mensch‘ und einem neuen Gesundheits- bzw. Krankheitsverständnis orientierte Therapieformen entwickelt – insbesondere seit dem Zweiten Weltkrieg. Beispielhaft seien &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Gestalttherapie&#039;&#039;&#039;[8] genannt,&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Viktor Frankls (1905–1997)&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Logotherapie&#039;&#039;&#039;[9]&lt;br /&gt;
* und die &#039;&#039;&#039;humanistische Psychotherapie.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kapitel I bis VII zeigen den methodischen Ansatz für einen solchen Paradigmenwechsel aus anthroposophischer Perspektive auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[10]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Hierbei handelt es sich um Kapitel aus dem Grundlagenwerk von Rudolf Steiner und Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Siehe z. B. Steurer-Stuttgart (1919), Fuchs-Wolfring (1912), Dennig (1919).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Vgl. Ammon (2001); Stolze (2014).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Vgl. COVID-19: www.anthromedics.org/PRA-0939-DE; [6.1.2025].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. Schipperges (1985).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaft und Medizin,&#039;&#039; GA 312, S. 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Ebenda, S. 14.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Vgl. Boeckh (2015).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. Frankl (2005).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== KAPITEL VIII–XII: DIE FÜNF HAUPTURSACHEN PATHOLOGISCHER PROZESSE[1] ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worum geht es in diesen Kapiteln?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Parallelen gibt es zu Paracelsus Sichtweise auf Krankheitsursachen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Regulationsmöglichkeiten bietet das Wesensglieder-Konzept?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fünf prinzipielle pathophysiologische Erscheinungen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die fünf der Pathologie gewidmeten Kapitel haben paradigmatischen Charakter. Es geht nicht um einzelne Krankheitsbilder – obgleich Beispiele genannt werden – es geht um prinzipielle pathophysiologische Erscheinungen aufgrund typischer Ungleichgewichte im Zusammenspiel der Wesensglieder. So wundert es auch nicht, dass so prominente Krankheitsbilder wie z.B. der Krebs keine Erwähnung finden. Auch die Mistel (Viscum album), als das bekannteste anthroposophische Arzneimittel – obgleich bereits seit 1917 durch Wegman in ihrer Zürcher Praxis im Einsatz[2] – findet (in Kapitel XX) keine Erwähnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht vielmehr um Beschreibungen pathologischer Stoffwechselprozesse, die bei der Verdauung der Grundnahrungsmittel: Kohlenhydrate, Eiweiße, Fette auftreten können (Kap. VIII–X) sowie die Pathophysiologie der Gicht-Erkrankung, die als Beispiel einer meist hereditären, d.h. genetisch bedingten, Stoffwechselstörung auftritt (Kap. XI). Zuletzt werden in Kapitel XII typische Regulationsweisen im labilen Gesundheits-Krankheits-Kontinuum aufgezeigt, das jederzeit in Richtung Krankheit entgleisen oder sich in Richtung Gesundheit entwickeln kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es zeigt sich bei genauerem Hinsehen, dass diese fünf Schilderungen Schlüssel und Ausgangspunkt zum Verstehen aller Krankheitserscheinungen sind. Sie haben einen ebenso fundamentalen Charakter wie die anderen Kapitel im Kontext der Schrift, da die Autoren sich auf den methodischen Ansatz beschränken, den es dann unbegrenzt weiter auszugestalten und zu erforschen gilt. Die fünf Kapitel sind sozusagen Pathologie ‚in a nutshell‘, d.h. Pathologie im Keimzustand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Parallelen zu Paracelsus „quinque entibus“&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Interessanterweise sprach auch &#039;&#039;Paracelsus&#039;&#039; in seinem &#039;&#039;„Volumen Paramirum“&#039;&#039; von fünf Krankheitsursachen: &#039;&#039;„De quinque entibus“.&#039;&#039; Schaut man sich sein Konzept unter dem Aspekt der anthroposophischen Menschenkunde an, so ist darin – wie auch in den fünf Pathologie-Kapiteln der Erweiterung der Heilkunst – jeweils eines der vier Wesensglieder in der Hauptverantwortung für die entsprechende Regulationsstörung. &#039;&#039;Elise Wolfram (1868–1942)&#039;&#039; hat diesen Aspekt schon 1912 in einem viel beachteten Buch herausgearbeitet.[3] Sie war durch Steiners Ausführungen zu Paracelsus und seine Bedeutung für die Medizin dazu angeregt worden. Seither wurde dieser paracelsische Ansatz wiederholt von anthroposophischen Ärzten mündlich und schriftlich dargestellt.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;„Volumen Paramirum“&#039;&#039; lässt Paracelsus sechs Ärzte sich um einen an der Cholera verstorbenen Patienten versammeln, fünf als Vertreter bestimmter medizinischer Auffassungen (‚Sekten‘), während der sechste Paracelsus selbst ist. Gründlich werden in diesem Zusammenhang fünf mögliche Ursachen und deren jeweilige Beschleuniger abgehandelt: das ‚Ens astrale‘, ‚Ens veneni‘, ‚Ens naturale‘, ‚Ens spirituale‘ und ‚Ens deale‘. Man möchte wissen, welches ‚Ens‘ letztlich verantwortlich war für den Tod, denn nicht alle Cholerakranken starben bei der Epidemie. Es muss also verschiedene Ursachen geben, warum dieser Mensch erkrankt bzw. verstorben ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Ens astrale – physischer Leib ====&lt;br /&gt;
Hier liegt die Ursache entweder in den individuellen Schicksalsgegebenheiten eines Menschen, der durch seine Geburt in einer bestimmten Erdgegend, einem bestimmten Volks- und Familienzusammenhang sowie entsprechenden sozialen Verhältnissen lebt, und den daraus resultierenden, der Gesundheit schädlichen oder sie fördernden Einflüssen ausgesetzt ist. Diese primär physische Krankheitsursache, zu der auch das kontaminierte Wasser gehört, das die Cholera-Epidemie verursacht hat, wird bezeichnenderweise von Paracelsus ‚Ens astrale‘ genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird dabei auf das Geburtshoroskop verwiesen, auf den ganzen Schicksalskontext dieses bestimmten Menschen in seinem makro-mikrokosmischen Zusammenhang. Dabei unterscheidet Paracelsus klar den Einfluss der Gestirne auf den Menschen als ‚Ens virtutis‘ von dem ‚Ens seminis‘, dem von der Erde stammenden Erbgut, das für die Körperkonstitution verantwortlich ist und damit ebenfalls für möglichen Schutz vor Erkrankung oder aber begünstigend für ihr Auftreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überträgt man diese Vorstellungen in die anthroposophische Terminologie, so geht es hier um den Einfluss der physischen Organisation in Resonanz mit dem auf sie einwirkenden Schicksalsumkreis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ens veneni[5] – Ätherleib ====&lt;br /&gt;
Hier wird auf den Ursachenzusammenhang gewiesen, der mit der Ernährungsweise und dem Lebensstil zusammenhängt und dem rechten Maß im Sinne des berühmten Spruches: &#039;&#039;„Dosis facit venenum“&#039;&#039;, d.h., nur die richtige Dosierung, das richtige Maß des jeweils zur Anwendung kommenden Heilmittels ist das Gesundheit stiftende. Diesem Aspekt entspricht in der Anthroposophischen Medizin die ätherische Organisation und die sie umgebende Lebenswelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Ens naturale – Astralleib ====&lt;br /&gt;
Dieser Ursachenkontext verweist auf das individuelle Bewusstsein des Menschen und dessen Zusammenhang mit dem Makrokosmos. Die Vielheit der Erscheinungen in der Einheit des menschlichen Bewusstseinshorizontes: das Firmament, die Elemente, die ‚complexiones‘ (konstitutionelle Gegebenheiten), die ‚humores‘ (Körpersäfte). Mit all diesen Gegebenheiten setzt sich der Mensch in seinem bewussten Seelenleben auseinander und seine Gesundheit hängt davon ab, wie er sich darin fühlt und damit umgehen lernt. In der anthroposophischen Terminologie entspricht dies der astralischen Organisation als Träger des körperbezogenen, seelisch-gefühlsmäßigen Bewusstseins und des gedanklich wachen Geist- bzw. Selbst-Bewusstseins. Hier liegt die Krankheitsursache in der „Geist- und Seelenfähigkeit“ des Menschen[6] und deren Einfluss auf die ‚humores‘, d.h. die ätherisch-physische Konstitution.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Ens spirituale – Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Diese Betrachtungsebene betrifft bei Paracelsus die magische Beeinflussung von Wesen zu Wesen. Es geht um den Menschen, der, zwischen Göttern und Dämonen lebend, Verführungen ausgesetzt ist und dessen Gesundheit auch durch Fürbitte und Gebet beeinflusst werden kann. Geistiges wirkt in jeder Beziehung direkt auf Geistiges und von dort aus auf die ihm untergeordneten Ebenen der konstitutionellen Gegebenheit. In der anthroposophischen Terminologie entspricht dies der Ich-Organisation, die über den Wärme-Organismus auf den Luftorganismus als Träger der astralischen Kräfte wirkt und durch diesen auf den Flüssigkeitsorganismus als Träger der ätherischen Kräfte – und durch diesen wiederum auf die physische Organisation, die ihrerseits dann über die Sinne und die Betätigungen während des Tageslebens auf die Ich-Organisation zurückwirkt.[7]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Ens deale – Leibfreies Seelen- und Geistesleben ====&lt;br /&gt;
Paracelsus, dessen Denken und Handeln tief in der christlichen Theologie und Kultur verankert war, spricht hier das Hereingestellt-Sein des Menschen in einen gottgewollten Entwicklungskontext an, hinorientiert auf die beiden menschlichen Kernkompetenzen Freiheit und Liebe. Zusammengefasst heißt es bei Paracelsus: &#039;&#039;„Ihr wisset, daß alle Gesundheit und Krankheit von Gott kommt und nichts vom Menschen, und ihr müßt die Krankheiten der Menschen in zween Gruppen teilen, in natürliche und in solche zur Züchtigung. Die natürlichen, das sind das erste, zweite, dritte und vierte ens: das flagellum ist das fünfte.“[8]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten vier ‚Entien‘ entsprechen im anthroposophischen Kontext den vier Wesensgliedern, das fünfte hingegen der ‚quinta essentia‘, dem von der körperlichen Gebundenheit freien Seelen- und Geistesleben des Menschen, mit dem er sich bewusst in der göttlich-geistigen Welt verankern kann.[9] Es handelt sich dabei um das rein spirituelle Prinzip, von dem auch schon Aristoteles als ‚πέμπτη ουσία‘ (fünftes Seiendes) sprach: das fünfte ‚ens‘ im Sinne des Paracelsus. Hier liegt die Ursache für Krankheit und Tod sozusagen in der Hand Gottes. Hier waltet die Weisheit des Schicksals und nicht die ärztliche Kunst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Alte Sichtweisen durch Geisteswissenschaft aktualisiert&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Vergleich mit dem paracelsischen Verständnis von Krankheit und Gesundheit kann einerseits deutlich machen, wie mithilfe von Steiners Geisteswissenschaft spirituelle Sichtweisen aus früheren Jahrhunderten dem gegenwärtigen Bewusstseinszustand der Menschen neu zugänglich gemacht werden können. Andererseits kann ein solcher Vergleich auch deutlich machen, wie eigenständig und originär Steiners Forschungsansätze und Ausführungen sind. Seine Geisteswissenschaft versteht sich als ein zeitgemäßer Weg, sich das im Sinne Goethes ‚alte Wahre‘ erkennend und handelnd zu erschließen.[10]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;In den Kapiteln VIII–XI&#039;&#039;&#039; steht jeweils ein menschliches Wesensglied ursächlich für das Krankheitsgeschehen im Mittelpunkt. Wobei es stets die Schwäche der Ich-Organisation ist, die initial für die jeweils geschilderten Stoffwechselstörungen und pathologischen Prozesse verantwortlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Kapitel XII&#039;&#039;&#039; hingegen beschreibt das Ringen dieser Ich-Organisation, die konstitutionelle Balance aufrecht zu erhalten. Auffällig ist dabei, dass die vier ersten Pathologie-Kapitel in ihrer Gesamtheit Symptome und Erkrankungen beschreiben, die inzwischen als das Metabolische Syndrom bekannt sind.[11]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Das Metabolische Syndrom ====&lt;br /&gt;
Es umfasst einen Cluster von &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* (vor allem viszeraler) Adipositas, &lt;br /&gt;
* gestörter Glukosetoleranz,&lt;br /&gt;
* Fettstoffwechselstörungen,&lt;br /&gt;
* arterieller Hypertonie, einschließlich möglicher genetischer Prädispositionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gilt als Vorstufe des Diabetes mellitus Typ 2 und ist zudem prädiktiv für ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenhänge zwischen Adipositas und diversen Stoffwechselerkrankungen wurden auch schon zu Lebzeiten von Steiner und Wegman beschrieben.[12] Nach &#039;&#039;Hanefeld&#039;&#039; dokumentierte bereits &#039;&#039;Giovanni Battista Morgagni (1682–1771)&#039;&#039; den Zusammenhang zwischen viszeraler Fettsucht, Hypertonie, Gicht, Schlafapnoe und Arteriosklerose.[13] Allerdings wurde der pathophysiologische Zusammenhang dieser Erkrankungen und die das Metabolische Syndrom charakterisierende Insulinresistenz erst im Laufe des 20. Jahrhunderts deutlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Syndrome X ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gerald M. Reaven (1928–2018)&#039;&#039; wies in seiner &#039;&#039;„Banting Lecture“&#039;&#039; 1988 darauf hin und beschrieb den Symptomenkomplex als das &#039;&#039;„Syndrome X“.[14]&#039;&#039; Zu ihm gehören die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Insulinresistenz, &lt;br /&gt;
* Hyperinsulinämie,&lt;br /&gt;
* Glukosestoffwechselstörung,&lt;br /&gt;
* Fettstoffwechselstörung&lt;br /&gt;
* und Hypertonie.&lt;br /&gt;
* Erst viel später wurden weitere, pathophysiologisch relevante Aspekte wie die &lt;br /&gt;
* low-grade-inflammation beschrieben.[15]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Aktualität der beschriebenen Krankheitsprozesse&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Interessanterweise thematisiert &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[16]&#039;&#039; durch die Abfolge der Kapitel VIII–X bereits die syndromale Entität dieses heute als Metabolisches Syndrom bekannten Krankheitsgeschehens und weist darüber hinaus eindrücklich auf den Diabetes mellitus als Folge-Erkrankung hin (Kap. VIII).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Erwähnung „parasitäre[r] Wärmeherde“[17] im Kapitel X, im Zusammenhang mit dem Fettgewebe, bekommt unter dem Aspekt der inzwischen bekannten proinflammatorischen Wirksamkeit zahlreicher Adipokine eine geradezu überraschende Aktualität – ebenso wie der regulativ-systemische Ansatz zu Verständnis und Behandlung der Erkrankung. Auch wenn der Insulinmangel bei Diagnose und Therapie gegenwärtig immer noch im Vordergrund steht, so wurden doch inzwischen so viele unterschiedliche Beeinflussungen der Insulinresistenz bestimmter Gewebe und möglicher Gegenregulationsformen im Organismus bekannt, dass man auch hier vor einem äußerst komplexen Wechselursachenverhältnis multimodaler Einflussfaktoren steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für diese Komplexität öffnen die fünf Pathologiekapitel die Augen und zeigen zudem klar auf, welche ganzheitlichen Regulationsprinzipien unter den vier Wesensgliedern jeweils unterstützt oder abgeschwächt werden müssen. Das anthroposophische Wesensglieder-Konzept bietet in diesem Kontext die Möglichkeit, die physische, ätherische, astralische und Ich-Organisation als die für die Gesamtregulation des menschlichen Organismus verantwortlichen Gesetzeszusammenhänge sehen zu lernen.[18]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[19]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Hierbei handelt es sich um Kapitel aus dem Grundlagenwerk von Rudolf Steiner und Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Vgl. Zeylmans van Emmichoven (2022), 67 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Vgl. Wolfram (1991).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe www.anthromedics.org; [6.1.2025].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Von lat. venerum: Gift, Medizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6]  Vgl. FN 1, S. 16.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Siehe dazu die ergänzenden Hinweise im Stellenkommentar, Anm. zu EH, 82, S. 133–140.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Paracelsus (2010), 232.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. FN 1, Kap. I, Abs. 19.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] &#039;&#039;„Das Wahre war schon längst gefunden / Hat edle Geisterschaft verbunden / Das alte Wahre, fass’ es an.“&#039;&#039; WA I/2, 82.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Dem Internisten &#039;&#039;Matthias Girke&#039;&#039; und seiner Publikation &#039;&#039;„Innere Medizin“&#039;&#039; verdanke ich fachliche Unterstützung bezüglich Referenzen und Hinweisen zu den Kapiteln VIII–XII, insbesondere zum Metabolischen Syndrom und seinen Folge-Erkrankungen. Siehe Girke (2020).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Vgl. Balke und Nocito (2013), 77–83.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] Vgl. Hanefeld und Leonhardt (1996).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] Vgl. Reaven (1988), 1595–1607.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[15] Minihane u. a. (2015), 999–1012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[16] Vgl. FN 1.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[17] Vgl. FN 1, S. 52f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[18] Zum 250. Geburtsjahr &#039;&#039;Goethes&#039;&#039; 1999 wurde eine Vorlesungsreihe an der Universität Bern veranstaltet: Goethes Beitrag zur Erneuerung der Naturwissenschaften. In seiner Vorlesung zum Thema Typusidee und Genetik führte &#039;&#039;Johannes Wirz&#039;&#039; auch für die moderne Genetik aus: &#039;&#039;„Bereits regen einige Entwicklungsbiologen und Genetiker eine Neukonzeption der Gen-zentrierten Auffassung von Entwicklungsprozessen an. Duboule und Wilking schließen zum Beispiel, dass es keine Art/spezifischen Gene, sondern nur einen artspezifischen, differentiellen Gebrauch derselben gibt. […] Die kaum beachtete epigenetische Theorie von Waddington, welche die Vernetzung von Genen stärker betont als die Bedeutung einzelner Erbfaktoren, ist kürzlich durch eine viel beachtete Publikation von Strohmann wissenschaftsfähig geworden. [...] Der genetische Determinismus wird noch weiter relativiert, wenn, wie es die Tatsachen nahelegen, Lebewesen als organische Ganzheiten im Sinne Goethes verstanden werden. Das bedingt, dass ihnen neben DNA, Proteinen, Zellen und deren vielfältigen Interaktionen, die als Erscheinungsbedingungen vorhanden sein müssen, eine Qualität zugestanden wird, welche dieselben dirigiert. Die Idee der inneren Natur oder des Typus [gemäß Goethe, M. G.] fordert zudem ein erweitertes Verständnis von Vererbung.“&#039;&#039; (Wirz [2000], 324 f.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[19] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE KAPITEL XIII–XVIII: ZUR THERAPIE UND HEILKUNST[1] ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist mit der in diesen Kapiteln beschriebenen therapeutischen Denkweise gemeint?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie können Aufgabe und Wirkung einer Substanz – hier die Kieselsäure – im Organismus Vorbild für eine therapeutische Denkweise sein?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was verbindet Ich-Organisation und Kieselsäure?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Innerer Zusammenhang von Kapitel XIV, XVI und XVIII&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Diesen Kapiteln liegt eine Komposition zu Grunde, in der 2 × 3 Kapitel einen engeren inneren Zusammenhang haben, obgleich sie nicht aufeinander folgen. ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== a. Therapeutische Denkweise ====&lt;br /&gt;
Den Schlüssel zu dieser Komposition bietet der letzte Satz von Kapitel XVIII, wo es über die Heileurythmie heißt, &#039;&#039;„dass man sie durchaus als ein segensreiches Glied unserer hier dargestellten therapeutischen Denkweise ansprechen kann“.&#039;&#039;&#039;[2]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Dadurch entsteht ein unmittelbarer Bezug zu Kapitel XIV &#039;&#039;„Von der therapeutischen Denkweise“.&#039;&#039; Darin wird anhand der Wirkung der Kieselsäure im menschlichen Organismus das Wesen der in diesem Kontext gemeinten therapeutischen Denkweise geschildert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wer oder was bestimmt den Charakter einer bestimmten Denkweise?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemäß Rudolf Steiner und Ita Wegman übernimmt die Ich-Organisation, &#039;&#039;„die sich seelisch frei im Denken darlebt“,&#039;&#039;&#039;[3]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; diese Aufgabe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== b. Gestaltungskraft von Kalk und Kiesel ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was aber verbindet die Ich-Organisation mit der Kieselsäure?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dieser Frage tut sich ein weiteres Kapitel der anthroposophischen Substanz-Erkenntnis auf: die polare Wirkensweise von Kalk und Kiesel, auf die Steiner in vielen Vorträgen zu sprechen kommt. Im &#039;&#039;„Landwirtschaftlichen Kurs“&#039;&#039; heißt es, nachdem Steiner die eiweißbildenden Elemente Kohlenstoff, Sauerstoff, Stickstoff, Wasserstoff und Schwefel geschildert hat:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Um nun die feste Gestalt darzustellen, da muss es [alles Kohlenstoffhaltige, M.G.] sich auf ein tiefer liegendes Gerüste aufbauen und das ist dasjenige, was als ein ganz tiefliegendes Gerüst in unserem kalkartigen Knochengerüst enthalten ist, was aber auch enthalten ist in dem Kieseligen, das wir ja immer in uns tragen, sodass der Kohlenstoff im Menschen und auch im Tier bis zu einem gewissen Grade seine Gestaltungskraft maskiert. Er rankt sich hinauf an der Gestaltungskraft von Kalk und Kiesel. Kalk gibt ihm die irdische, Kiesel die kosmische Gestaltungskraft.“&#039;&#039;&#039;[4]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bergkristall (als SiO2 eine reine Silicium/Sauerstoffverbindung) erscheint unter diesem Aspekt wie ein Urbild. Kosmisches und irdisch machender Sauerstoff sind in reinster Stimmigkeit auf einander bezogen. Die kosmische Gestaltungskraft manifestiert sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* im Irdisch-Unbelebten in Form der Bildung von Urgestein. &lt;br /&gt;
* und bei den Lebewesen als Gerüstsubstanz.&lt;br /&gt;
* In der menschlichen Konstitution verwandelt sich in Folge der Metamorphose die leibliche Bildetätigkeit in Gedankentätigkeit in Form von Wahrnehmen und Denken und wendet sich so wieder dem Kosmos zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== c. Irdisch-kosmische Zusammenhänge verstehen ====&lt;br /&gt;
Aus anthroposophischer Perspektive[5] handelt es sich hierbei um die allumfassende kosmisch-ätherische Gestaltungskraft,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die einerseits dem Leib &#039;&#039;&#039;Leben&#039;&#039;&#039; einhaucht &lt;br /&gt;
* und andererseits Grundlage für selbstgeführtes &#039;&#039;&#039;Denken&#039;&#039;&#039; ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je mehr es gelingt, in solchen Zusammenhängen zu denken, Irdisches und Kosmisches in ihrem Aufeinander-bezogen-Sein zu erkennen, desto therapeutischer wird die Denkweise werden. Dann kann sie Lebenszusammenhänge verstehen, dem Leben dienen und gesunde individuelle und soziale Entwicklungen fördern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann kann sie endlich auch die Wunden heilen, die infolge der reduktionistischen Denkweise entstanden sind und weiter entstehen, wenn sich der atomistische Monismus nicht mit einem ganzheitlich-spirituellen Monismus Goethe’scher Prägung versöhnen lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Heileurythmie als ‚Tun‘ der Ich-Organisation&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der Heileurythmie wird diese irdisch-kosmische Tätigkeit der Ich-Organisation nicht nur ‚gedacht‘, sondern ‚getan‘. Denken, Fühlen und Wollen sind beim konzentrierten Ausüben der heileurythmischen Bewegungen dem Körper zugewendet, wodurch das Stoffwechselgeschehen und die rhythmischen Funktionen unmittelbar beeinflusst werden können. Wie sehr Bewegung und Atmungsregulierung den Gesundheitszustand beeinflussen können, ist inzwischen auch naturwissenschaftlich hinreichend belegt. Entsprechende Präventionsprogramme haben sich insbesondere in der Kardiologie seit Jahrzehnten bewährt.[6] Auch die Rehabilitationseinrichtungen bauen ihre Maßnahmen primär auf gesunde Ernährung, Bewegung, Gespräch und kulturelle Aktivitäten auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die innere Beziehung zwischen Kapitel XIV und XVIII wird ergänzt durch Kapitel XVI, das nicht ohne Grund in der Mitte steht. Dieses Kapitel handelt vom Antimon unter der Überschrift &#039;&#039;„Heilmittel-Erkenntnis“.&#039;&#039; Dabei werden die Antimonprozesse als diejenigen beschrieben, die in den menschlichen Organismus gebracht, so wirken wie die Ich-Organisation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Im menschlichen Organismus zeigt das Blut in seiner Strömung eine Tendenz, zu gerinnen. Diese Tendenz ist diejenige, die unter dem Einfluss der Ich-Organisation steht und unter ihr die Regulierung erfahren muss.“[7]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Innerer Zusammenhang von Kapitel XIII, XV und XVII&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die zweite Dreiheit handelt vom krankhaften Zusammenspiel der Wesensglieder und den für den therapeutischen Prozess charakteristischen Heilmitteln bzw. Arzneisubstanzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== a. Zwischen kränkenden und gesundenden Kräften ====&lt;br /&gt;
Hier steht das individuelle Therapiegeschehen im Vordergrund. So lautet die Überschrift von Kapitel XIII &#039;&#039;„Vom Wesen des Krankseins und der Heilung“&#039;&#039; und beginnt mit dem Wort ‚Schmerz‘ als einem Erlebnis im astralischen Leib und im Ich. Es folgt dann eine kurze Charakteristik des unterschiedlichen Zusammenwirkens der Wesensglieder im Laufe des Lebens zwischen Geburt und Tod. Hauptaugenmerk bei der Therapiefindung liegt hier auf dem sensiblen Zusammenspiel zwischen der kränkenden astralischen und der gesundenden ätherischen Organisation. Diese Betrachtung findet ihre Fortsetzung in Kapitel XV, wo es unter der Überschrift &#039;&#039;„Das Heilverfahren“&#039;&#039; heißt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Denn alle Entwicklung des menschlichen Organismus beruht darauf, dass ursprünglich die Gesamtgestaltung des physischen und ätherischen Leibes aus der Tätigkeit des Astralischen und der Ich-Organisation sich ergibt; dass aber mit zunehmendem Alter die astralische und Ich-Tätigkeit in der physischen und ätherischen Organisation weiterlaufen. Tun sie das nicht, so müssen der astralische Leib und die Ich-Organisation in einem Stadium ihrer Entwickelung in einer Art eingreifen, zu der sie in diesem Stadium nicht mehr geeignet sind.“&#039;&#039; [8]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== b. Ich-Organisation entlastende Heilmittel ====&lt;br /&gt;
Dann bedürfen sie der regulierenden Unterstützung durch Heilmittel, die die beiden oberen Wesensglieder von ihrem nicht mehr entwicklungsgerechten Eingreifen entlasten und die physische und ätherische Organisation so stärken, dass das unregelmäßige Eingreifen der oberen Wesensglieder zur Kompensation der geschwächten physisch-ätherischen Konstitution nicht mehr nötig ist. Zusätzlich kompliziert werden Diagnostik und Therapie dadurch, dass &#039;&#039;„die Richtung der Krankheitswirkungen“[9]&#039;&#039; ebenfalls verfolgt werden muss im Sinne der primären Ursache der Störung und deren Folge. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== c. Bedeutung von Ameisensäure und Kleesäure ====&lt;br /&gt;
Abgerundet wird die Betrachtung dieser Dreiheit mit Kapitel XVII &#039;&#039;„Substanz-Erkenntnis als Grundlage der Heilmittel-Erkenntnis“&#039;&#039;, in dem zwei Substanzen im Mittelpunkt stehen, die in der Biochemie des Zellstoffwechsels eine wichtige Rolle spielen: Ameisensäure und Kleesäure.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Hexagramm aus zwei Dreiecken&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Während die erste Dreiheit primär bezogen ist auf die Erscheinung der menschlichen Gestalt im Raum und ihrem Formaspekt im Reich der Natur, widmet sich die zweite Dreiheit dem Wandel der menschlichen Konstitution in der Zeit. Fügt man die beiden Dreiheiten zusammen, so ergibt sich das therapeutische Ur-Symbol des Hermes Trismegistos bzw. das Siegel Salomos, das Hexagramm, in dem ein Dreieck mit der Spitze nach unten sich durchdringt mit einem zweiten Dreieck, dessen Spitze nach oben weist. Es ist das ägyptisch-hermetische Zeichen für das harmonische Zusammenwirken von Makrokosmos und Mikrokosmos. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Spitze des ersten Dreiecks, die nach unten weist und dessen Basis oben ist, wäre Kapitel XIV. In der Heileurythmie wird über die rhythmisch wiederholten Bewegungsübungen daran gearbeitet, den Menschen im Raum bei der Wiederherstellung seiner urbildlichen aufrechten Gestalt zu unterstützen. Basis dafür ist eine therapeutische Denkweise, die innere Aufrichtekraft (wirklichkeitsgemäßes ‚aufrichtiges‘ Denken) und Heilmittel-Erkenntnis aus dem Mensch-Natur-Zusammenhang adäquat verbindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das zweite Dreieck, dessen Spitze nach oben weist und das seine Basis unten hat, handelt vom Schmerzerleben und dem Wesen der Krankheit als weckendem Begleiter des Menschen im Verlauf des Lebens. Es zeigt durch die Basis unten die starke Beziehung des Makrokosmus zum Menschen und den ihn umgebenden Naturreichen als heilsamem Begleiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Heilkunst als Kunstwerk Heilung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist also im Kontext dieser Ausführungen mit Heilkunst gemeint?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es handelt sich dabei um einen Diagnoseprozess, aus dem sich die Therapie unmittelbar ablesen lässt. Dazu braucht es solides medizinisches Grundlagenwissen – auch bezüglich der Gesetzmäßigkeiten der körperlich-seelischen Reifung und den Alterungsprozessen in der zweiten Lebenshälfte. Dieses Wissen und die dadurch möglichen therapeutischen Kompetenzen sind sozusagen das „Material“ für den künstlerischen Prozess. Damit aber im Einzelfall das &#039;&#039;„Kunstwerk Heilung“&#039;&#039; geschaffen werden kann, dazu braucht es die unmittelbare Beobachtung und die therapeutische Denkweise im Hier und Jetzt der konkret gegebenen Krankheitssituation in ihrem Umfeld. Im günstigen Fall sind Besserung und Heilung die Folge des therapeutischen Bemühens, an dem beide – der Behandelnde und der Betroffene – mitschöpferisch tätig sind. So gesehen handelt es sich immer auch um ein &#039;&#039;„soziales Kunstwerk“.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Dass dabei nicht nur medizinisches Wissen, sondern auch Fähigkeiten wie das Erfassen des rechten Zeitpunkts (ϰαιρός), diagnostische Empathie und therapeutische Intuition eine wichtige Rolle spielen, zeichnet den künstlerischen Prozess aus.“[10]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[11]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Hierbei handelt es sich um Kapitel aus dem Grundlagenwerk von Rudolf Steiner und Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Vgl. FN 1, S. 88.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Vgl. FN 1, S. 15.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft. Landwirtschaftlicher Kursus,&#039;&#039; GA 327, 66 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. FN 1, S. 6.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Siehe z.B. die Pocket-Leitlinie Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie. Giehlen u. a. (2021).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Vgl. FN 1, S. 79.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Vgl. FN 1, S. 74.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. FN 1, S. 75.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Vgl. Fintelmann (2016).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE KAPITEL XIX UND XX: EINBLICKE IN EINE RATIONELLE DIAGNOSTIK UND THERAPIE[1] ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit von Rudolf Steiner und Ita Wegman rund um dieses Werk?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Unter welchen Aspekten wurden die angeführten Krankengeschichten durchgesehen und veröffentlicht?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchem Zweck dienen diese Krankengeschichten?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Zur Entstehung der Textgrundlage&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während die Kapitel I bis XVIII in der Handschrift Steiners vorliegen, sind die beiden letzten Kapitel XIX und XX von Ita Wegman niedergeschrieben. Es gilt jedoch für alle 20 Kapitel dieses Buches, dass sie in intensiver gemeinsamer Arbeit von beiden Autoren verfasst wurden. Wann genau die einzelnen Kapitel entstanden sind, wissen wir zwar nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Walter Holtzapfel&#039;&#039; hatte aber als dritter Nachfolger in der Leitung der Medizinischen Sektion[2] noch viel Gelegenheit, mit Menschen zu sprechen, die den eineinhalbjährigen Prozess der Entstehung des Buches miterlebt haben. Von ihm stammt die Mitteilung, dass ein um das andere Kapitel &#039;&#039;„von den beiden Autoren gemeinsam durchgesprochen und dann zunächst von Frau Dr. Wegman formuliert und niedergeschrieben wurde. Gewiss stammt die endgültige Formulierung wohl fast immer von Rudolf Steiner.“[3]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zu den Krankengeschichten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Von den neun in das Buch aufgenommenen Krankengeschichten wurden der vierte und fünfte Fall bereits am 23. April 1924 im Rahmen einer Dornacher Ärztebesprechung von Ita Wegman vorgelesen und von Rudolf Steiner eingehend im Gespräch kommentiert.[4] So können wir davon ausgehen, dass zumindest diese Kasuistiken schon während des ersten halben Jahres der gemeinsamen Arbeit entstanden sind, d.h. dass von Beginn an die gemeinsame Arbeit am Buch stets auch in direkter Resonanz war mit konkreten Menschen und ihrem Krankheitsschicksal. Ganz abgesehen von den zahlreichen Vortragsreisen im Jahre 1924, bei denen Wegman ebenfalls mitreiste und wo ihnen jeweils Patienten vorgestellt und deren Therapie beraten worden war.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es muss an dieser Stelle aber auch klar hervorgehoben werden, dass es die Kollegin und enge Mitarbeiterin Ita Wegmans – &#039;&#039;Hilma Walter&#039;&#039; – gewesen ist, der die Dokumentationen der Krankengeschichten des &#039;&#039;„Klinisch-Therapeutischen Instituts“&#039;&#039; zu verdanken sind, die den für das Buch formulierten Texten zugrunde liegen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Dokumentationen wurden 2007 von &#039;&#039;Peter Selg&#039;&#039; in der Originalfassung herausgegeben, so dass sie heute eingehend studiert und auch im Detail mit der textlichen Abfassung in Kapitel XIX verglichen werden können.[6] So wird auch deutlich, was Wegman direkt aus Walters Kasuistiken übernommen hat und was von den Autoren gekürzt, neu formuliert und auch ausgelassen wurde. Walter hat dann auch in ihrer Endredaktion des Buches nach Steiners Tod vor der Drucklegung insbesondere die Krankengeschichten noch einmal gründlich durchgesehen und wo nötig noch etwas gestrichen, damit keiner der dort geschilderten Patientinnen und Patienten in dem gedruckten Buch wiedererkannt werden konnte.[7] Waren es doch fast ausnahmslos Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft, um die es jeweils ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zu Peter Selgs Dokumentation von Krankengeschichten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Selg hat für seine Publikation nicht nur die Krankenunterlagen dieser neun Patienten im Original studiert, sondern auch die zugehörigen Notizbucheinträge im Nachlass Hilma Walters, die Ärzte- und Patientenkorrespondenz Wegmans sowie weitere Nachlassunterlagen. So liegen die Krankengeschichten aus Kapitel XIX gesichtet und aufgearbeitet vor und sind Grundlage für weitere Forschung. Er schreibt dazu insbesondere im Hinblick auf noch zu leistende weitere Kontextualisierungen dieser Krankengeschichten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Je plastischer die Kranken- und Therapiegeschichten jedoch selbst werden (indem man zwischen dem Original der Krankenakte und der Buchwiedergabe vergleichen kann – M.G.), umso klarer wird das methodische Gewichtungs- und Auswahlverfahren der Buchdarstellung erkennbar. In diesem Sinne vermögen die hier erstmals publizierten Materialien, verschiedene Aspekte deutlicher hervortreten zu lassen, darunter auch die Zeitgestalt der (oft monatelangen) Behandlung, der einzelnen Schritte und Vorgehensweisen, der therapeutischen Erfolge, aber auch der Rückfälle und weiter bestehenden Schwierigkeiten, die Teil der Kranken- und Behandlungsgeschichte waren. Sie bieten daher Anlass und Voraussetzung für ein erneutes und eingehendes Studium der Kasuistiken selbst.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Im Rahmen dieser Dokumentation wurde konsequent davon abgesehen, die zur Darstellung kommenden diagnostischen und therapeutischen Prozesse im Einzelnen zu kommentieren und zu bewerten; ein solcher Kommentar – vor dem Hintergrund der gesamten anthroposophischen Physiologie, Pathophysiologie und Therapeutik und in Auseinandersetzung mit einer schulmedizinischen Interpretation der verschiedenen Krankheitsfälle – soll zu einem späteren Zeitpunkt erarbeitet und publiziert werden.“[8]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Leuchtende Vorbilder für&#039;&#039; &#039;&#039;Wesensgliederdiagnosen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Diese von Selg in Aussicht gestellte Publikation konnte jedoch bisher nicht realisiert werden, bzw. bleibt ein weiterhin lohnendes und erforderliches Desiderat. Denn beides – der Hintergrund der gesamten anthroposophischen Physiologie, Pathologie und Therapeutika sowie die schulmedizinische Kontextualisierung – sind große Arbeitsvorhaben, die eigentlich nur im Team zu leisten sind und viel Zeit erfordern. Dennoch kann jeder interessierte Arzt auch aus dem bis jetzt vorliegenden Material unschätzbare Anregungen für die eigene Arbeit entnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anthroposophische Internist &#039;&#039;Friedwart Husemann (1945–2022)&#039;&#039; schreibt in seinem Kurzporträt über die &#039;&#039;„Erweiterung der Heilkunst“:&#039;&#039; &#039;&#039;„Bei den Krankengeschichten geben die Autoren Wesensgliederdiagnosen und sehr individuelle Heilverfahren, die für den anthroposophischen Arzt von heute ein leuchtendes und selten erreichtes Vorbild darstellen.“[9]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[10]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Hierbei handelt es sich um Kapitel aus dem Grundlagenwerk von Rudolf Steiner und Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Nach Wegmans Tod wurde zunächst eine Interim-Gruppenleitung eingesetzt – bis dann 1963 die enge Mitarbeiterin Wegmans in ihrem Arlesheimer Klinisch-Therapeutischen Institut, &#039;&#039;Margarete Kirchner-Bockholt (1894–1973),&#039;&#039; für ihre Nachfolge nominiert wurde, die sie dann nach ihrem Ausscheiden an &#039;&#039;Holtzapfel&#039;&#039; übergab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Holtzapfel (1973), 51–53.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Physiologisch-Therapeutisches auf Grundlage der Geisteswissenschaft. Zur Therapie und Hygiene,&#039;&#039; GA 314, S. 337–349.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. Selg (2007), 15f. und 21f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Ebd., 22.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Ebd., 23f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Selg (2007), 25.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] F. Husemann (2018), 323.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE DER THERAPIEFINDUNG GEWIDMETEN KAPITEL XIV BIS XVIII ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Blickrichtungen werden in den jeweiligen Kapiteln skizziert?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fünf therapeutische Perspektiven&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In den genannten Kapiteln von &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1]&#039;&#039; werden fünf therapeutisch-menschenkundliche Blickrichtungen geschildert, die es im Einzelfall gegeneinander abzuwägen oder zu kombinieren gilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Der therapeutische Aspekt des Siliziumprozesses ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;In Kapitel XIV&#039;&#039; wird der Silizium-Prozess zum Vorbild der therapeutischen Denkweise. Diese richtet ihr Augenmerk darauf, inwiefern Krankheitssymptome Ausdruck mangelnder oder überhöhter gegenseitiger Wahrnehmung bzw. Resonanz zwischen den Organsystemen und ihren Funktionen sind. Sie weisen auf die Notwendigkeit richtiger Balance zwischen notwendiger Abgrenzung und ebenso notwendiger Wahrnehmung der Belange des Gesamtorganismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Regulierungsmöglichkeiten bei schwacher Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Im Kapitel XV&#039;&#039; werden verschiedene Regulierungsmöglichkeiten aufgezeigt, wenn die Ich-Organisation diese Aufgabe nicht mehr zureichend leisten kann. Wie in den Kapiteln I bis VII geschildert, zeigen Krankheitssymptome an, wie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* im physischen Leib die &#039;&#039;Mineralisierung&#039;&#039;, &lt;br /&gt;
* im ätherischen Leib die &#039;&#039;Wachstumsbereitschaft&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
* sowie die vom Astralleib bewirkten &#039;&#039;Absonderungs- und Ablagerungsprozesse&#039;&#039; partiell überhandnehmen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wenn sich diese Wesensglieder der Integrationskraft der Ich-Organisation nicht (mehr) ausreichend fügen, weil diese an Kraft eingebüßt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Heilmittelerkenntnis ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;In Kapitel XVI&#039;&#039; geht es um die Heilmittelerkenntnis, die man gewinnt, wenn man &#039;&#039;„durch der Natur Examen geht“&#039;&#039;&#039;[2]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; und den Blick primär auf die Kräfte lenkt, die als Zentral- und Universalkräfte in der unbelebten und belebten Natur wirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Prozessorientierte Substanz-Erkenntnis ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;In&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Kapitel XVII&#039;&#039;&#039; liegt der Fokus auf einer konsequent prozessorientierten Substanz-Erkenntnis, die Steiner im Ärztekurs für die jungen Mediziner so formuliert hat: dass es die Aufgabe des Arztes sei, &#039;&#039;„die Weltenaufgaben der Substanzen zu erkennen“.&#039;&#039;&#039;[3]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Etwas von dieser ‚Weltenaufgabe‘ wird in der EH anhand der Ameisensäure und der Kleesäure aufgezeigt und damit auf die Bedeutung dieser Blickrichtung für bestimmte Prozesse im menschlichen Zellstoffwechsel hingewiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Therapeutischer Einfluss von Bewegungsübungen ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Kapitel XVIII&#039;&#039;&#039; enthält die fünfte therapeutische Blickrichtung: den regulierenden Einfluss von bewusst ausgeführten Bewegungsübungen auf die abbauenden und aufbauenden Stoffwechselprozesse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[4]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner und Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Ausspruch des Paracelsus, auf den auch Steiner sich im ersten Ärztekurs von 1920 bezieht (vgl. oben, S. CXXX).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Meditative Betrachtungen und Anleitungen zur Vertiefung der Heilkunst. Vorträge für Ärzte und Medizinstudierende,&#039;&#039; GA 316, 22.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Offenborn</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Zur_%22Erweiterung_der_Heilkunst%22_%E2%80%93_von_Michaela_Gl%C3%B6ckler&amp;diff=1202</id>
		<title>Zur &quot;Erweiterung der Heilkunst&quot; – von Michaela Glöckler</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Zur_%22Erweiterung_der_Heilkunst%22_%E2%80%93_von_Michaela_Gl%C3%B6ckler&amp;diff=1202"/>
		<updated>2025-12-15T16:41:30Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Offenborn: Neuen Text eingefügt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Auszüge aus Büchern und Vorträgen von [[Michaela Glöckler]]; Erstveröffentlichung auf &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE THEMENSCHWERPUNKTE VON „GRUNDLEGENDES FÜR EINE ERWEITERUNG DER HEILKUNST“ ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie ist dieses Grundlagenwerk der Anthroposophischen Medizin&#039;&#039;[1] &#039;&#039;aufgebaut?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zur inneren Gliederung des Werkes&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das Buch hat vier thematische Schwerpunkte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Mensch und Makrokosmos – Kap. 1 bis 7&lt;br /&gt;
# Ursachen für Stoffwechselerkrankungen – Kap. 8 bis 12&lt;br /&gt;
# Therapie-Kapitel – Kap. 13 bis 18&lt;br /&gt;
# Wirkprinzipien von Arzneimitteln und Heileurythmie – Kap. 19 bis 21&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In aller Kürze kann man sagen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;In den Kapiteln 1 bis 18&#039;&#039;&#039; wird das „medizinische System“ skizziert, das als Grundlage einer „rationellen Diagnostik und Therapie“ dienen möchte.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die beiden Schlusskapitel&#039;&#039;&#039; geben dann Einblick in die Praxis und zeigen, wie sich naturwissenschaftliche Medizin und das medizinische System der Anthroposophie gegenseitig ergänzen und inspirieren können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ad1. Mensch und Makrokosmos – Kap. 1 bis 7 ====&lt;br /&gt;
Hier werden die Grundlagen zum Verständnis der Gesundheit erörtert. Es wird das viergliedrige Menschenbild eingeführt in Form von vier regulierenden, ordnenden Kraftsystemen, die in ihrem Zusammenwirken die – funktionell dreigliedrige – menschliche Konstitution bilden. Auch wird das Verhältnis des gesunden Mikrokosmos Mensch zum Makrokosmos herausgearbeitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den ersten fünf Kapiteln werden darüber hinaus die Grundlagen für ein spirituelles Substanz-Verständnis gelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im ersten Kapitel&#039;&#039;&#039; wird das Geheimnis des Merkurstabs enthüllt, indem auf die Bedeutung der Metamorphose der Wachstumskräfte in Gedankenkräfte eingegangen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im zweiten Kapitel&#039;&#039;&#039; wird eingehend erläutert, wie Krankheit dadurch entstehen kann, dass der Mensch zwar geistig seelisch tätig ist, aber in Einseitigkeit und Irrtum verfällt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im dritten bis fünften Kapitel&#039;&#039;&#039; werden die mikrokosmische und makrokosmische Natur der menschlichen Wesensglieder und ihrer spezifischen Kräftekonfigurationen eingeführt. Es wird aber auch in zu Herzen gehender Weise geschildert, welchen Opfergang und welches Schicksal die Welt der irdisch gewordenen Substanzen dabei erfährt. Und wie dieser Opfergang der Substanzen seine Erlösung und Erfüllung findet, wenn die Substanz im Menschen &#039;&#039;„geisttragend“&#039;&#039; werden kann. Wenn &#039;&#039;„geistgetragene Menschenseelen“&#039;&#039; diesem Opfer zum Segen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im sechsten Kapitel&#039;&#039;&#039; wird dann das embryonale Bildegeschehen des menschlichen Körpers so dargestellt, dass man die physiologischen Prozesse des Wesensgliederwirkens denken lernen und sich für die verschiedenen Organbildungen anschaulich machen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im siebten Kapitel&#039;&#039;&#039; wird der entwicklungsoffene, in sich &#039;&#039;nicht&#039;&#039; abgeschlossene gesunde Gesamtorganismus geschildert und daran das Prinzip der Selbstkränkung und das Wesen der Selbstheilungskräfte verdeutlicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ad 2. Ursachen für Stoffwechselerkrankungen – Kap. 8 bis 12 ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Kapitel acht bis zwölf&#039;&#039;&#039; behandeln die fünf Hauptursachen pathologischer Prozesse. Sie beschreiben die fünf zentralen Ursachen der Entstehung von Erkrankungen des Stoffwechsels. Diese werden anhand der Wirkweise von Zucker, Eiweiß, Fett, Harnsäure und Wärme anschaulich gemacht. Dabei werden auch die diese Stoffwechselprozesse regulierenden Wesensglieder in ihrem leiblich-seelischen Wirken anschaulich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ad 3. Therapie-Kapitel – Kap. 13 bis 18 ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Es folgen fünf Therapie-Kapitel&#039;&#039;&#039;, in denen die therapeutische Regulierung des Verhältnisses zwischen Ätherleib und Astralleib im Mittelpunkt steht, dann die regulierende Kraft der Ich-Organisation, dann die mögliche Schwächung der physisch-ätherischen Konstitution im Laufe des Älterwerdens, das Prinzip der Arzneimittelfindung und die Einführung in das Wesen der Substanzerkenntnis als Grundlage der Heilmittel-Erkenntnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ad 4. Wirkprinzipien von Arzneimitteln und Heileurythmie – Kap. 19 bis 21 ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;In den letzten drei Kapiteln des Buches&#039;&#039;&#039; werden charakteristische Krankheitsfälle und typische Heilmittel vorgestellt. Sie sind dem Wirkprinzip der Heileurythmie gewidmet, geben einen Einblick in die Praxis der Anthroposophischen Medizin anhand von neun individuellen Krankheitsfällen und nennen den Einsatz von Arzneimitteln, die bestimmten typischen Erkrankungen angepasst sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;„Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; wurde bis heute bis auf wenige Anmerkungen und Hinweise zur Entstehung und Autorschaft unverändert nachgedruckt. Es hat über drei Generationen hinweg vielen Fachleuten auf dem Gebiet der Anthroposophischen Medizin die nötige Grundorientierung gegeben, um das akademisch erworbene Wissen auch unter spirituellen Gesichtspunkten anzuschauen und es so im Einzelfall praktisch anwendbar zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Werk stellt im Grunde einen Lehrgang dar, der – wie es Ita Wegman in ihrem damals nicht veröffentlichten Vorwort zu diesem Buch schreibt – jeden Arzt in die Lage versetzt, selbst die Krankheiten geistig anzuschauen, wenn er bereit ist, das „&#039;&#039;ganz richtige Lesen dieses Buches“&#039;&#039; zu üben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Raphael und die Mysterien von Krankheit und Heilung“, Medizinische Sektion am Goetheanum 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen,&#039;&#039; GA 27, Dornach 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Zu Rudolf Steiners Verständnis der Anthroposophischen Medizin als einer im Gegensatz zur Schulmedizin, wahrhaft rationellen‘ Heilkunst siehe auch das Vorwort der &#039;&#039;„Erweiterten Heilkunst“&#039;&#039;. Elemente für eine echte Ratio zusammenzutragen, wie sich aus der Diagnose die Therapie ergibt, war bereits Hauptanliegen im ersten Kursus für Mediziner im Jahr 1920 gewesen: Vgl. Steiners &#039;&#039;„Geisteswissenschaft und Medizin“&#039;&#039;, GA 312.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE KAPITEL I–VII: GRUNDLAGEN ZUM VERSTÄNDNIS DER GESUNDHEIT[1] ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was zeichnet den gesundheitswissenschaftlichen Ansatz der Anthroposophischen Medizin aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie unterscheidet er sich von dem pathogenetischen Ansatz der naturwissenschaftlich basierten Schulmedizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Reformen wünschte Rudolf Steiner bereits zu seinen Lebzeiten?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zukunftsweisender gesundheitswissenschaftlicher Ansatz der AM&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Kapitel I–VII umfassen den gesundheitswissenschaftlichen Ansatz der Anthroposophischen Medizin. Unter ‚Volksgesundheit‘ verstand man am Anfang des 20. Jahrhunderts im Wesentlichen hygienische Maßnahmen, genügend Schlaf, gesunde Ernährung und Lebensführung.[2] Noch heute stellen Medizinstudenten und Ärzte immer wieder erstaunt fest, wie wenig sie darüber hinaus während ihres Studiums über die Entstehung von Gesundheit erfahren haben im Gegensatz zur Aufklärung über Krankheitsentstehung, d.h. Pathogenese.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der pathogenetische Ansatz der naturwissenschaftlich basierten Medizin bzw. Schulmedizin hat gegenwärtig mit der molekulargenetischen Steuerungsebene eine gewisse Kulmination erreicht, die in Zukunft mithilfe der Digitalisierung noch weiter optimiert werden wird. Parallel zu dieser Entwicklung hat aber auch die Wissenschaft von den Nebenwirkungen der pathogenetisch fokussierten Therapie zugenommen.[3] Daher wird von naturwissenschaftlicher Seite argumentiert, dass ein Arzneimittel, das keinerlei Nebenwirkungen hat, auch nicht wirksam sein kann. Und alles Bestreben geht dahin, Nebenwirkungen bestmöglich zu minimieren bzw. durch den Einsatz anderer Arzneimittel zu kompensieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesem pathogenetisch orientierten Ansatz steht der gesundheitswissenschaftlich-salutogenetische gegenüber. Dieser hat seine Entwicklung und Kulmination noch vor sich. Er etabliert sich seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erst langsam in der akademischen Welt. Es ist jedoch zu hoffen, dass er dennoch in nicht allzu ferner Zeit die Mitte der Gesellschaft erreichen wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Paradigmenwechsel als politische und wirtschaftliche Herausforderung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Denn der Paradigmenwechsel der Umorientierung von der Verhütung von Krankheit zur Förderung von Gesundheit ist zwar proklamiert – ihn lebenspraktisch zu machen ist und bleibt aber die noch bestehende große soziale und politische und nicht zuletzt wirtschaftliche Herausforderung. Denn: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann man an der Gesundheit verdienen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wer macht dafür Lobbyarbeit?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und: Was braucht es alles zur auch gedanklich-konzeptionellen Neuausrichtung und Umstrukturierung der Ausbildung für die Gesundheitsberufe, insbesondere der Ärzteschaft?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Wie weit man davon noch entfernt ist, hat auch das weltweit durchgreifende Corona-Pandemie-Management gezeigt, das ausschließlich pathogenetisch orientiert war. Salutogenetisch orientierte Auffassungen bezüglich Erkrankungsrisiken, Prävention und Therapie wurden auch in der medialen Berichterstattung konsequent ausgeblendet oder sogar lächerlich gemacht und bekämpft. Dabei konnten nicht zuletzt auch die anthroposophischen Krankenhäuser auf ihren Intensivstationen dank ihres integrativmedizinischen Vorgehens&#039;&#039; &#039;&#039;auch bei Schwerkranken erstaunlich gute Behandlungsergebnisse aufzeigen.“[4]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die fortschrittliche Medizin ebenso pathogenetisch orientiert, wie es der heutige Mainstream der Medizin immer noch ist. Im Mittelpunkt stand das neue Paradigma einer modernen Zellularpathologie, mit der Aussicht, immer mehr pathologische Prozesse diagnostisch bis auf die molekulare Ebene im Zellstoffwechsel zu erforschen.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Rudolf Steiners Ruf nach Reformen in der Medizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Demgegenüber eröffnete Steiner seinen ersten Kurs für Anthroposophische Medizin 1920 mit den Worten: &#039;&#039;„[…] es ist ja ziemlich selbstverständlich, daß von dem, was Sie wahrscheinlich alle erwarten von der Zukunft des medizinischen Lebens, nur ein sehr geringer Teil in diesem Kursus wird angedeutet werden können, denn Sie alle werden ja mit mir darinnen übereinstimmen, daß ein wirkliches, zukunftssicheres Arbeiten auf dem medizinischen Felde von einer Reform des medizinischen Studiums als solchem abhängt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Man kann nicht mit dem, was man in einem Kursus mitteilen kann, eine solche Reform des medizinischen Studiums auch nur im Entferntesten anregen, höchstens in der Weise, daß in einer Anzahl von Menschen der Drang entsteht, mitzutun bei einer solchen Reform. […] Dasjenige, was in diesen Vorträgen beigebracht werden soll, das möchte ich erreichen dadurch, daß ich in einer Art von Programm verteile das zu Betrachtende in der folgenden Weise: Erstens möchte ich Ihnen geben einiges, das hinweist auf die Hindernisse, die im heutigen gebräuchlichen Studium bestehen gegen eine wirklich sachgemäße Erfassung des Krankheitswesens als solchem. Zweitens möchte ich dann andeuten, in welcher Richtung eine Erkenntnis des Menschen zu suchen ist, die eine wirkliche Grundlage für das medizinische Arbeiten abgeben kann. Drittens möchte ich auf die Möglichkeiten eines rationellen Heilwesens hinweisen durch die Erkenntnis der Beziehungen des Menschen zur übrigen Welt.“[6]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als viertes wünschte er sich Fragen aus dem Teilnehmerkreis, weil er seine Ausführungen ganz nach den Bedürfnissen der anwesenden Fachleute und Studierenden richten wollte.[7]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entwicklung von ganzheitlichen Therapieformen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Seither haben sich auch andere an der ‚Ganzheit Mensch‘ und einem neuen Gesundheits- bzw. Krankheitsverständnis orientierte Therapieformen entwickelt – insbesondere seit dem Zweiten Weltkrieg. Beispielhaft seien &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Gestalttherapie&#039;&#039;&#039;[8] genannt,&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Viktor Frankls (1905–1997)&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Logotherapie&#039;&#039;&#039;[9]&lt;br /&gt;
* und die &#039;&#039;&#039;humanistische Psychotherapie.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kapitel I bis VII zeigen den methodischen Ansatz für einen solchen Paradigmenwechsel aus anthroposophischer Perspektive auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[10]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Hierbei handelt es sich um Kapitel aus dem Grundlagenwerk von Rudolf Steiner und Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Siehe z. B. Steurer-Stuttgart (1919), Fuchs-Wolfring (1912), Dennig (1919).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Vgl. Ammon (2001); Stolze (2014).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Vgl. COVID-19: www.anthromedics.org/PRA-0939-DE; [6.1.2025].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. Schipperges (1985).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaft und Medizin,&#039;&#039; GA 312, S. 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Ebenda, S. 14.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Vgl. Boeckh (2015).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. Frankl (2005).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== KAPITEL VIII–XII: DIE FÜNF HAUPTURSACHEN PATHOLOGISCHER PROZESSE[1] ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worum geht es in diesen Kapiteln?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Parallelen gibt es zu Paracelsus Sichtweise auf Krankheitsursachen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Regulationsmöglichkeiten bietet das Wesensglieder-Konzept?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fünf prinzipielle pathophysiologische Erscheinungen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die fünf der Pathologie gewidmeten Kapitel haben paradigmatischen Charakter. Es geht nicht um einzelne Krankheitsbilder – obgleich Beispiele genannt werden – es geht um prinzipielle pathophysiologische Erscheinungen aufgrund typischer Ungleichgewichte im Zusammenspiel der Wesensglieder. So wundert es auch nicht, dass so prominente Krankheitsbilder wie z.B. der Krebs keine Erwähnung finden. Auch die Mistel (Viscum album), als das bekannteste anthroposophische Arzneimittel – obgleich bereits seit 1917 durch Wegman in ihrer Zürcher Praxis im Einsatz[2] – findet (in Kapitel XX) keine Erwähnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht vielmehr um Beschreibungen pathologischer Stoffwechselprozesse, die bei der Verdauung der Grundnahrungsmittel: Kohlenhydrate, Eiweiße, Fette auftreten können (Kap. VIII–X) sowie die Pathophysiologie der Gicht-Erkrankung, die als Beispiel einer meist hereditären, d.h. genetisch bedingten, Stoffwechselstörung auftritt (Kap. XI). Zuletzt werden in Kapitel XII typische Regulationsweisen im labilen Gesundheits-Krankheits-Kontinuum aufgezeigt, das jederzeit in Richtung Krankheit entgleisen oder sich in Richtung Gesundheit entwickeln kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es zeigt sich bei genauerem Hinsehen, dass diese fünf Schilderungen Schlüssel und Ausgangspunkt zum Verstehen aller Krankheitserscheinungen sind. Sie haben einen ebenso fundamentalen Charakter wie die anderen Kapitel im Kontext der Schrift, da die Autoren sich auf den methodischen Ansatz beschränken, den es dann unbegrenzt weiter auszugestalten und zu erforschen gilt. Die fünf Kapitel sind sozusagen Pathologie ‚in a nutshell‘, d.h. Pathologie im Keimzustand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Parallelen zu Paracelsus „quinque entibus“&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Interessanterweise sprach auch &#039;&#039;Paracelsus&#039;&#039; in seinem &#039;&#039;„Volumen Paramirum“&#039;&#039; von fünf Krankheitsursachen: &#039;&#039;„De quinque entibus“.&#039;&#039; Schaut man sich sein Konzept unter dem Aspekt der anthroposophischen Menschenkunde an, so ist darin – wie auch in den fünf Pathologie-Kapiteln der Erweiterung der Heilkunst – jeweils eines der vier Wesensglieder in der Hauptverantwortung für die entsprechende Regulationsstörung. &#039;&#039;Elise Wolfram (1868–1942)&#039;&#039; hat diesen Aspekt schon 1912 in einem viel beachteten Buch herausgearbeitet.[3] Sie war durch Steiners Ausführungen zu Paracelsus und seine Bedeutung für die Medizin dazu angeregt worden. Seither wurde dieser paracelsische Ansatz wiederholt von anthroposophischen Ärzten mündlich und schriftlich dargestellt.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;„Volumen Paramirum“&#039;&#039; lässt Paracelsus sechs Ärzte sich um einen an der Cholera verstorbenen Patienten versammeln, fünf als Vertreter bestimmter medizinischer Auffassungen (‚Sekten‘), während der sechste Paracelsus selbst ist. Gründlich werden in diesem Zusammenhang fünf mögliche Ursachen und deren jeweilige Beschleuniger abgehandelt: das ‚Ens astrale‘, ‚Ens veneni‘, ‚Ens naturale‘, ‚Ens spirituale‘ und ‚Ens deale‘. Man möchte wissen, welches ‚Ens‘ letztlich verantwortlich war für den Tod, denn nicht alle Cholerakranken starben bei der Epidemie. Es muss also verschiedene Ursachen geben, warum dieser Mensch erkrankt bzw. verstorben ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Ens astrale – physischer Leib ====&lt;br /&gt;
Hier liegt die Ursache entweder in den individuellen Schicksalsgegebenheiten eines Menschen, der durch seine Geburt in einer bestimmten Erdgegend, einem bestimmten Volks- und Familienzusammenhang sowie entsprechenden sozialen Verhältnissen lebt, und den daraus resultierenden, der Gesundheit schädlichen oder sie fördernden Einflüssen ausgesetzt ist. Diese primär physische Krankheitsursache, zu der auch das kontaminierte Wasser gehört, das die Cholera-Epidemie verursacht hat, wird bezeichnenderweise von Paracelsus ‚Ens astrale‘ genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird dabei auf das Geburtshoroskop verwiesen, auf den ganzen Schicksalskontext dieses bestimmten Menschen in seinem makro-mikrokosmischen Zusammenhang. Dabei unterscheidet Paracelsus klar den Einfluss der Gestirne auf den Menschen als ‚Ens virtutis‘ von dem ‚Ens seminis‘, dem von der Erde stammenden Erbgut, das für die Körperkonstitution verantwortlich ist und damit ebenfalls für möglichen Schutz vor Erkrankung oder aber begünstigend für ihr Auftreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überträgt man diese Vorstellungen in die anthroposophische Terminologie, so geht es hier um den Einfluss der physischen Organisation in Resonanz mit dem auf sie einwirkenden Schicksalsumkreis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ens veneni[5] – Ätherleib ====&lt;br /&gt;
Hier wird auf den Ursachenzusammenhang gewiesen, der mit der Ernährungsweise und dem Lebensstil zusammenhängt und dem rechten Maß im Sinne des berühmten Spruches: &#039;&#039;„Dosis facit venenum“&#039;&#039;, d.h., nur die richtige Dosierung, das richtige Maß des jeweils zur Anwendung kommenden Heilmittels ist das Gesundheit stiftende. Diesem Aspekt entspricht in der Anthroposophischen Medizin die ätherische Organisation und die sie umgebende Lebenswelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Ens naturale – Astralleib ====&lt;br /&gt;
Dieser Ursachenkontext verweist auf das individuelle Bewusstsein des Menschen und dessen Zusammenhang mit dem Makrokosmos. Die Vielheit der Erscheinungen in der Einheit des menschlichen Bewusstseinshorizontes: das Firmament, die Elemente, die ‚complexiones‘ (konstitutionelle Gegebenheiten), die ‚humores‘ (Körpersäfte). Mit all diesen Gegebenheiten setzt sich der Mensch in seinem bewussten Seelenleben auseinander und seine Gesundheit hängt davon ab, wie er sich darin fühlt und damit umgehen lernt. In der anthroposophischen Terminologie entspricht dies der astralischen Organisation als Träger des körperbezogenen, seelisch-gefühlsmäßigen Bewusstseins und des gedanklich wachen Geist- bzw. Selbst-Bewusstseins. Hier liegt die Krankheitsursache in der „Geist- und Seelenfähigkeit“ des Menschen[6] und deren Einfluss auf die ‚humores‘, d.h. die ätherisch-physische Konstitution.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Ens spirituale – Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Diese Betrachtungsebene betrifft bei Paracelsus die magische Beeinflussung von Wesen zu Wesen. Es geht um den Menschen, der, zwischen Göttern und Dämonen lebend, Verführungen ausgesetzt ist und dessen Gesundheit auch durch Fürbitte und Gebet beeinflusst werden kann. Geistiges wirkt in jeder Beziehung direkt auf Geistiges und von dort aus auf die ihm untergeordneten Ebenen der konstitutionellen Gegebenheit. In der anthroposophischen Terminologie entspricht dies der Ich-Organisation, die über den Wärme-Organismus auf den Luftorganismus als Träger der astralischen Kräfte wirkt und durch diesen auf den Flüssigkeitsorganismus als Träger der ätherischen Kräfte – und durch diesen wiederum auf die physische Organisation, die ihrerseits dann über die Sinne und die Betätigungen während des Tageslebens auf die Ich-Organisation zurückwirkt.[7]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Ens deale – Leibfreies Seelen- und Geistesleben ====&lt;br /&gt;
Paracelsus, dessen Denken und Handeln tief in der christlichen Theologie und Kultur verankert war, spricht hier das Hereingestellt-Sein des Menschen in einen gottgewollten Entwicklungskontext an, hinorientiert auf die beiden menschlichen Kernkompetenzen Freiheit und Liebe. Zusammengefasst heißt es bei Paracelsus: &#039;&#039;„Ihr wisset, daß alle Gesundheit und Krankheit von Gott kommt und nichts vom Menschen, und ihr müßt die Krankheiten der Menschen in zween Gruppen teilen, in natürliche und in solche zur Züchtigung. Die natürlichen, das sind das erste, zweite, dritte und vierte ens: das flagellum ist das fünfte.“[8]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten vier ‚Entien‘ entsprechen im anthroposophischen Kontext den vier Wesensgliedern, das fünfte hingegen der ‚quinta essentia‘, dem von der körperlichen Gebundenheit freien Seelen- und Geistesleben des Menschen, mit dem er sich bewusst in der göttlich-geistigen Welt verankern kann.[9] Es handelt sich dabei um das rein spirituelle Prinzip, von dem auch schon Aristoteles als ‚πέμπτη ουσία‘ (fünftes Seiendes) sprach: das fünfte ‚ens‘ im Sinne des Paracelsus. Hier liegt die Ursache für Krankheit und Tod sozusagen in der Hand Gottes. Hier waltet die Weisheit des Schicksals und nicht die ärztliche Kunst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Alte Sichtweisen durch Geisteswissenschaft aktualisiert&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Vergleich mit dem paracelsischen Verständnis von Krankheit und Gesundheit kann einerseits deutlich machen, wie mithilfe von Steiners Geisteswissenschaft spirituelle Sichtweisen aus früheren Jahrhunderten dem gegenwärtigen Bewusstseinszustand der Menschen neu zugänglich gemacht werden können. Andererseits kann ein solcher Vergleich auch deutlich machen, wie eigenständig und originär Steiners Forschungsansätze und Ausführungen sind. Seine Geisteswissenschaft versteht sich als ein zeitgemäßer Weg, sich das im Sinne Goethes ‚alte Wahre‘ erkennend und handelnd zu erschließen.[10]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;In den Kapiteln VIII–XI&#039;&#039;&#039; steht jeweils ein menschliches Wesensglied ursächlich für das Krankheitsgeschehen im Mittelpunkt. Wobei es stets die Schwäche der Ich-Organisation ist, die initial für die jeweils geschilderten Stoffwechselstörungen und pathologischen Prozesse verantwortlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Kapitel XII&#039;&#039;&#039; hingegen beschreibt das Ringen dieser Ich-Organisation, die konstitutionelle Balance aufrecht zu erhalten. Auffällig ist dabei, dass die vier ersten Pathologie-Kapitel in ihrer Gesamtheit Symptome und Erkrankungen beschreiben, die inzwischen als das Metabolische Syndrom bekannt sind.[11]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Das Metabolische Syndrom ====&lt;br /&gt;
Es umfasst einen Cluster von &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* (vor allem viszeraler) Adipositas, &lt;br /&gt;
* gestörter Glukosetoleranz,&lt;br /&gt;
* Fettstoffwechselstörungen,&lt;br /&gt;
* arterieller Hypertonie, einschließlich möglicher genetischer Prädispositionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gilt als Vorstufe des Diabetes mellitus Typ 2 und ist zudem prädiktiv für ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenhänge zwischen Adipositas und diversen Stoffwechselerkrankungen wurden auch schon zu Lebzeiten von Steiner und Wegman beschrieben.[12] Nach &#039;&#039;Hanefeld&#039;&#039; dokumentierte bereits &#039;&#039;Giovanni Battista Morgagni (1682–1771)&#039;&#039; den Zusammenhang zwischen viszeraler Fettsucht, Hypertonie, Gicht, Schlafapnoe und Arteriosklerose.[13] Allerdings wurde der pathophysiologische Zusammenhang dieser Erkrankungen und die das Metabolische Syndrom charakterisierende Insulinresistenz erst im Laufe des 20. Jahrhunderts deutlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Syndrome X ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gerald M. Reaven (1928–2018)&#039;&#039; wies in seiner &#039;&#039;„Banting Lecture“&#039;&#039; 1988 darauf hin und beschrieb den Symptomenkomplex als das &#039;&#039;„Syndrome X“.[14]&#039;&#039; Zu ihm gehören die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Insulinresistenz, &lt;br /&gt;
* Hyperinsulinämie,&lt;br /&gt;
* Glukosestoffwechselstörung,&lt;br /&gt;
* Fettstoffwechselstörung&lt;br /&gt;
* und Hypertonie.&lt;br /&gt;
* Erst viel später wurden weitere, pathophysiologisch relevante Aspekte wie die &lt;br /&gt;
* low-grade-inflammation beschrieben.[15]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Aktualität der beschriebenen Krankheitsprozesse&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Interessanterweise thematisiert &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[16]&#039;&#039; durch die Abfolge der Kapitel VIII–X bereits die syndromale Entität dieses heute als Metabolisches Syndrom bekannten Krankheitsgeschehens und weist darüber hinaus eindrücklich auf den Diabetes mellitus als Folge-Erkrankung hin (Kap. VIII).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Erwähnung „parasitäre[r] Wärmeherde“[17] im Kapitel X, im Zusammenhang mit dem Fettgewebe, bekommt unter dem Aspekt der inzwischen bekannten proinflammatorischen Wirksamkeit zahlreicher Adipokine eine geradezu überraschende Aktualität – ebenso wie der regulativ-systemische Ansatz zu Verständnis und Behandlung der Erkrankung. Auch wenn der Insulinmangel bei Diagnose und Therapie gegenwärtig immer noch im Vordergrund steht, so wurden doch inzwischen so viele unterschiedliche Beeinflussungen der Insulinresistenz bestimmter Gewebe und möglicher Gegenregulationsformen im Organismus bekannt, dass man auch hier vor einem äußerst komplexen Wechselursachenverhältnis multimodaler Einflussfaktoren steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für diese Komplexität öffnen die fünf Pathologiekapitel die Augen und zeigen zudem klar auf, welche ganzheitlichen Regulationsprinzipien unter den vier Wesensgliedern jeweils unterstützt oder abgeschwächt werden müssen. Das anthroposophische Wesensglieder-Konzept bietet in diesem Kontext die Möglichkeit, die physische, ätherische, astralische und Ich-Organisation als die für die Gesamtregulation des menschlichen Organismus verantwortlichen Gesetzeszusammenhänge sehen zu lernen.[18]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[19]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Hierbei handelt es sich um Kapitel aus dem Grundlagenwerk von Rudolf Steiner und Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Vgl. Zeylmans van Emmichoven (2022), 67 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Vgl. Wolfram (1991).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe www.anthromedics.org; [6.1.2025].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Von lat. venerum: Gift, Medizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6]  Vgl. FN 1, S. 16.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Siehe dazu die ergänzenden Hinweise im Stellenkommentar, Anm. zu EH, 82, S. 133–140.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Paracelsus (2010), 232.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. FN 1, Kap. I, Abs. 19.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] &#039;&#039;„Das Wahre war schon längst gefunden / Hat edle Geisterschaft verbunden / Das alte Wahre, fass’ es an.“&#039;&#039; WA I/2, 82.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Dem Internisten &#039;&#039;Matthias Girke&#039;&#039; und seiner Publikation &#039;&#039;„Innere Medizin“&#039;&#039; verdanke ich fachliche Unterstützung bezüglich Referenzen und Hinweisen zu den Kapiteln VIII–XII, insbesondere zum Metabolischen Syndrom und seinen Folge-Erkrankungen. Siehe Girke (2020).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Vgl. Balke und Nocito (2013), 77–83.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] Vgl. Hanefeld und Leonhardt (1996).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] Vgl. Reaven (1988), 1595–1607.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[15] Minihane u. a. (2015), 999–1012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[16] Vgl. FN 1.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[17] Vgl. FN 1, S. 52f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[18] Zum 250. Geburtsjahr &#039;&#039;Goethes&#039;&#039; 1999 wurde eine Vorlesungsreihe an der Universität Bern veranstaltet: Goethes Beitrag zur Erneuerung der Naturwissenschaften. In seiner Vorlesung zum Thema Typusidee und Genetik führte &#039;&#039;Johannes Wirz&#039;&#039; auch für die moderne Genetik aus: &#039;&#039;„Bereits regen einige Entwicklungsbiologen und Genetiker eine Neukonzeption der Gen-zentrierten Auffassung von Entwicklungsprozessen an. Duboule und Wilking schließen zum Beispiel, dass es keine Art/spezifischen Gene, sondern nur einen artspezifischen, differentiellen Gebrauch derselben gibt. […] Die kaum beachtete epigenetische Theorie von Waddington, welche die Vernetzung von Genen stärker betont als die Bedeutung einzelner Erbfaktoren, ist kürzlich durch eine viel beachtete Publikation von Strohmann wissenschaftsfähig geworden. [...] Der genetische Determinismus wird noch weiter relativiert, wenn, wie es die Tatsachen nahelegen, Lebewesen als organische Ganzheiten im Sinne Goethes verstanden werden. Das bedingt, dass ihnen neben DNA, Proteinen, Zellen und deren vielfältigen Interaktionen, die als Erscheinungsbedingungen vorhanden sein müssen, eine Qualität zugestanden wird, welche dieselben dirigiert. Die Idee der inneren Natur oder des Typus [gemäß Goethe, M. G.] fordert zudem ein erweitertes Verständnis von Vererbung.“&#039;&#039; (Wirz [2000], 324 f.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[19] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE KAPITEL XIII–XVIII: ZUR THERAPIE UND HEILKUNST[1] ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist mit der in diesen Kapiteln beschriebenen therapeutischen Denkweise gemeint?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie können Aufgabe und Wirkung einer Substanz – hier die Kieselsäure – im Organismus Vorbild für eine therapeutische Denkweise sein?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was verbindet Ich-Organisation und Kieselsäure?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Innerer Zusammenhang von Kapitel XIV, XVI und XVIII&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Diesen Kapiteln liegt eine Komposition zu Grunde, in der 2 × 3 Kapitel einen engeren inneren Zusammenhang haben, obgleich sie nicht aufeinander folgen. ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== a. Therapeutische Denkweise ====&lt;br /&gt;
Den Schlüssel zu dieser Komposition bietet der letzte Satz von Kapitel XVIII, wo es über die Heileurythmie heißt, &#039;&#039;„dass man sie durchaus als ein segensreiches Glied unserer hier dargestellten therapeutischen Denkweise ansprechen kann“.&#039;&#039;&#039;[2]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Dadurch entsteht ein unmittelbarer Bezug zu Kapitel XIV &#039;&#039;„Von der therapeutischen Denkweise“.&#039;&#039; Darin wird anhand der Wirkung der Kieselsäure im menschlichen Organismus das Wesen der in diesem Kontext gemeinten therapeutischen Denkweise geschildert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wer oder was bestimmt den Charakter einer bestimmten Denkweise?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemäß Rudolf Steiner und Ita Wegman übernimmt die Ich-Organisation, &#039;&#039;„die sich seelisch frei im Denken darlebt“,&#039;&#039;&#039;[3]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; diese Aufgabe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== b. Gestaltungskraft von Kalk und Kiesel ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was aber verbindet die Ich-Organisation mit der Kieselsäure?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dieser Frage tut sich ein weiteres Kapitel der anthroposophischen Substanz-Erkenntnis auf: die polare Wirkensweise von Kalk und Kiesel, auf die Steiner in vielen Vorträgen zu sprechen kommt. Im &#039;&#039;„Landwirtschaftlichen Kurs“&#039;&#039; heißt es, nachdem Steiner die eiweißbildenden Elemente Kohlenstoff, Sauerstoff, Stickstoff, Wasserstoff und Schwefel geschildert hat:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Um nun die feste Gestalt darzustellen, da muss es [alles Kohlenstoffhaltige, M.G.] sich auf ein tiefer liegendes Gerüste aufbauen und das ist dasjenige, was als ein ganz tiefliegendes Gerüst in unserem kalkartigen Knochengerüst enthalten ist, was aber auch enthalten ist in dem Kieseligen, das wir ja immer in uns tragen, sodass der Kohlenstoff im Menschen und auch im Tier bis zu einem gewissen Grade seine Gestaltungskraft maskiert. Er rankt sich hinauf an der Gestaltungskraft von Kalk und Kiesel. Kalk gibt ihm die irdische, Kiesel die kosmische Gestaltungskraft.“&#039;&#039;&#039;[4]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bergkristall (als SiO2 eine reine Silicium/Sauerstoffverbindung) erscheint unter diesem Aspekt wie ein Urbild. Kosmisches und irdisch machender Sauerstoff sind in reinster Stimmigkeit auf einander bezogen. Die kosmische Gestaltungskraft manifestiert sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* im Irdisch-Unbelebten in Form der Bildung von Urgestein. &lt;br /&gt;
* und bei den Lebewesen als Gerüstsubstanz.&lt;br /&gt;
* In der menschlichen Konstitution verwandelt sich in Folge der Metamorphose die leibliche Bildetätigkeit in Gedankentätigkeit in Form von Wahrnehmen und Denken und wendet sich so wieder dem Kosmos zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== c. Irdisch-kosmische Zusammenhänge verstehen ====&lt;br /&gt;
Aus anthroposophischer Perspektive[5] handelt es sich hierbei um die allumfassende kosmisch-ätherische Gestaltungskraft,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die einerseits dem Leib &#039;&#039;&#039;Leben&#039;&#039;&#039; einhaucht &lt;br /&gt;
* und andererseits Grundlage für selbstgeführtes &#039;&#039;&#039;Denken&#039;&#039;&#039; ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je mehr es gelingt, in solchen Zusammenhängen zu denken, Irdisches und Kosmisches in ihrem Aufeinander-bezogen-Sein zu erkennen, desto therapeutischer wird die Denkweise werden. Dann kann sie Lebenszusammenhänge verstehen, dem Leben dienen und gesunde individuelle und soziale Entwicklungen fördern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann kann sie endlich auch die Wunden heilen, die infolge der reduktionistischen Denkweise entstanden sind und weiter entstehen, wenn sich der atomistische Monismus nicht mit einem ganzheitlich-spirituellen Monismus Goethe’scher Prägung versöhnen lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Heileurythmie als ‚Tun‘ der Ich-Organisation&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der Heileurythmie wird diese irdisch-kosmische Tätigkeit der Ich-Organisation nicht nur ‚gedacht‘, sondern ‚getan‘. Denken, Fühlen und Wollen sind beim konzentrierten Ausüben der heileurythmischen Bewegungen dem Körper zugewendet, wodurch das Stoffwechselgeschehen und die rhythmischen Funktionen unmittelbar beeinflusst werden können. Wie sehr Bewegung und Atmungsregulierung den Gesundheitszustand beeinflussen können, ist inzwischen auch naturwissenschaftlich hinreichend belegt. Entsprechende Präventionsprogramme haben sich insbesondere in der Kardiologie seit Jahrzehnten bewährt.[6] Auch die Rehabilitationseinrichtungen bauen ihre Maßnahmen primär auf gesunde Ernährung, Bewegung, Gespräch und kulturelle Aktivitäten auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die innere Beziehung zwischen Kapitel XIV und XVIII wird ergänzt durch Kapitel XVI, das nicht ohne Grund in der Mitte steht. Dieses Kapitel handelt vom Antimon unter der Überschrift &#039;&#039;„Heilmittel-Erkenntnis“.&#039;&#039; Dabei werden die Antimonprozesse als diejenigen beschrieben, die in den menschlichen Organismus gebracht, so wirken wie die Ich-Organisation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Im menschlichen Organismus zeigt das Blut in seiner Strömung eine Tendenz, zu gerinnen. Diese Tendenz ist diejenige, die unter dem Einfluss der Ich-Organisation steht und unter ihr die Regulierung erfahren muss.“[7]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Innerer Zusammenhang von Kapitel XIII, XV und XVII&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die zweite Dreiheit handelt vom krankhaften Zusammenspiel der Wesensglieder und den für den therapeutischen Prozess charakteristischen Heilmitteln bzw. Arzneisubstanzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== a. Zwischen kränkenden und gesundenden Kräften ====&lt;br /&gt;
Hier steht das individuelle Therapiegeschehen im Vordergrund. So lautet die Überschrift von Kapitel XIII &#039;&#039;„Vom Wesen des Krankseins und der Heilung“&#039;&#039; und beginnt mit dem Wort ‚Schmerz‘ als einem Erlebnis im astralischen Leib und im Ich. Es folgt dann eine kurze Charakteristik des unterschiedlichen Zusammenwirkens der Wesensglieder im Laufe des Lebens zwischen Geburt und Tod. Hauptaugenmerk bei der Therapiefindung liegt hier auf dem sensiblen Zusammenspiel zwischen der kränkenden astralischen und der gesundenden ätherischen Organisation. Diese Betrachtung findet ihre Fortsetzung in Kapitel XV, wo es unter der Überschrift &#039;&#039;„Das Heilverfahren“&#039;&#039; heißt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Denn alle Entwicklung des menschlichen Organismus beruht darauf, dass ursprünglich die Gesamtgestaltung des physischen und ätherischen Leibes aus der Tätigkeit des Astralischen und der Ich-Organisation sich ergibt; dass aber mit zunehmendem Alter die astralische und Ich-Tätigkeit in der physischen und ätherischen Organisation weiterlaufen. Tun sie das nicht, so müssen der astralische Leib und die Ich-Organisation in einem Stadium ihrer Entwickelung in einer Art eingreifen, zu der sie in diesem Stadium nicht mehr geeignet sind.“&#039;&#039; [8]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== b. Ich-Organisation entlastende Heilmittel ====&lt;br /&gt;
Dann bedürfen sie der regulierenden Unterstützung durch Heilmittel, die die beiden oberen Wesensglieder von ihrem nicht mehr entwicklungsgerechten Eingreifen entlasten und die physische und ätherische Organisation so stärken, dass das unregelmäßige Eingreifen der oberen Wesensglieder zur Kompensation der geschwächten physisch-ätherischen Konstitution nicht mehr nötig ist. Zusätzlich kompliziert werden Diagnostik und Therapie dadurch, dass &#039;&#039;„die Richtung der Krankheitswirkungen“[9]&#039;&#039; ebenfalls verfolgt werden muss im Sinne der primären Ursache der Störung und deren Folge. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== c. Bedeutung von Ameisensäure und Kleesäure ====&lt;br /&gt;
Abgerundet wird die Betrachtung dieser Dreiheit mit Kapitel XVII &#039;&#039;„Substanz-Erkenntnis als Grundlage der Heilmittel-Erkenntnis“&#039;&#039;, in dem zwei Substanzen im Mittelpunkt stehen, die in der Biochemie des Zellstoffwechsels eine wichtige Rolle spielen: Ameisensäure und Kleesäure.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Hexagramm aus zwei Dreiecken&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Während die erste Dreiheit primär bezogen ist auf die Erscheinung der menschlichen Gestalt im Raum und ihrem Formaspekt im Reich der Natur, widmet sich die zweite Dreiheit dem Wandel der menschlichen Konstitution in der Zeit. Fügt man die beiden Dreiheiten zusammen, so ergibt sich das therapeutische Ur-Symbol des Hermes Trismegistos bzw. das Siegel Salomos, das Hexagramm, in dem ein Dreieck mit der Spitze nach unten sich durchdringt mit einem zweiten Dreieck, dessen Spitze nach oben weist. Es ist das ägyptisch-hermetische Zeichen für das harmonische Zusammenwirken von Makrokosmos und Mikrokosmos. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Spitze des ersten Dreiecks, die nach unten weist und dessen Basis oben ist, wäre Kapitel XIV. In der Heileurythmie wird über die rhythmisch wiederholten Bewegungsübungen daran gearbeitet, den Menschen im Raum bei der Wiederherstellung seiner urbildlichen aufrechten Gestalt zu unterstützen. Basis dafür ist eine therapeutische Denkweise, die innere Aufrichtekraft (wirklichkeitsgemäßes ‚aufrichtiges‘ Denken) und Heilmittel-Erkenntnis aus dem Mensch-Natur-Zusammenhang adäquat verbindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das zweite Dreieck, dessen Spitze nach oben weist und das seine Basis unten hat, handelt vom Schmerzerleben und dem Wesen der Krankheit als weckendem Begleiter des Menschen im Verlauf des Lebens. Es zeigt durch die Basis unten die starke Beziehung des Makrokosmus zum Menschen und den ihn umgebenden Naturreichen als heilsamem Begleiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Heilkunst als Kunstwerk Heilung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist also im Kontext dieser Ausführungen mit Heilkunst gemeint?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es handelt sich dabei um einen Diagnoseprozess, aus dem sich die Therapie unmittelbar ablesen lässt. Dazu braucht es solides medizinisches Grundlagenwissen – auch bezüglich der Gesetzmäßigkeiten der körperlich-seelischen Reifung und den Alterungsprozessen in der zweiten Lebenshälfte. Dieses Wissen und die dadurch möglichen therapeutischen Kompetenzen sind sozusagen das „Material“ für den künstlerischen Prozess. Damit aber im Einzelfall das &#039;&#039;„Kunstwerk Heilung“&#039;&#039; geschaffen werden kann, dazu braucht es die unmittelbare Beobachtung und die therapeutische Denkweise im Hier und Jetzt der konkret gegebenen Krankheitssituation in ihrem Umfeld. Im günstigen Fall sind Besserung und Heilung die Folge des therapeutischen Bemühens, an dem beide – der Behandelnde und der Betroffene – mitschöpferisch tätig sind. So gesehen handelt es sich immer auch um ein &#039;&#039;„soziales Kunstwerk“.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Dass dabei nicht nur medizinisches Wissen, sondern auch Fähigkeiten wie das Erfassen des rechten Zeitpunkts (ϰαιρός), diagnostische Empathie und therapeutische Intuition eine wichtige Rolle spielen, zeichnet den künstlerischen Prozess aus.“[10]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[11]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Hierbei handelt es sich um Kapitel aus dem Grundlagenwerk von Rudolf Steiner und Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Vgl. FN 1, S. 88.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Vgl. FN 1, S. 15.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft. Landwirtschaftlicher Kursus,&#039;&#039; GA 327, 66 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. FN 1, S. 6.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Siehe z.B. die Pocket-Leitlinie Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie. Giehlen u. a. (2021).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Vgl. FN 1, S. 79.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Vgl. FN 1, S. 74.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. FN 1, S. 75.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Vgl. Fintelmann (2016).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE KAPITEL XIX UND XX: EINBLICKE IN EINE RATIONELLE DIAGNOSTIK UND THERAPIE[1] ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit von Rudolf Steiner und Ita Wegman rund um dieses Werk?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Unter welchen Aspekten wurden die angeführten Krankengeschichten durchgesehen und veröffentlicht?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welchem Zweck dienen diese Krankengeschichten?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Zur Entstehung der Textgrundlage&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während die Kapitel I bis XVIII in der Handschrift Steiners vorliegen, sind die beiden letzten Kapitel XIX und XX von Ita Wegman niedergeschrieben. Es gilt jedoch für alle 20 Kapitel dieses Buches, dass sie in intensiver gemeinsamer Arbeit von beiden Autoren verfasst wurden. Wann genau die einzelnen Kapitel entstanden sind, wissen wir zwar nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Walter Holtzapfel&#039;&#039; hatte aber als dritter Nachfolger in der Leitung der Medizinischen Sektion[2] noch viel Gelegenheit, mit Menschen zu sprechen, die den eineinhalbjährigen Prozess der Entstehung des Buches miterlebt haben. Von ihm stammt die Mitteilung, dass ein um das andere Kapitel &#039;&#039;„von den beiden Autoren gemeinsam durchgesprochen und dann zunächst von Frau Dr. Wegman formuliert und niedergeschrieben wurde. Gewiss stammt die endgültige Formulierung wohl fast immer von Rudolf Steiner.“[3]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zu den Krankengeschichten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Von den neun in das Buch aufgenommenen Krankengeschichten wurden der vierte und fünfte Fall bereits am 23. April 1924 im Rahmen einer Dornacher Ärztebesprechung von Ita Wegman vorgelesen und von Rudolf Steiner eingehend im Gespräch kommentiert.[4] So können wir davon ausgehen, dass zumindest diese Kasuistiken schon während des ersten halben Jahres der gemeinsamen Arbeit entstanden sind, d.h. dass von Beginn an die gemeinsame Arbeit am Buch stets auch in direkter Resonanz war mit konkreten Menschen und ihrem Krankheitsschicksal. Ganz abgesehen von den zahlreichen Vortragsreisen im Jahre 1924, bei denen Wegman ebenfalls mitreiste und wo ihnen jeweils Patienten vorgestellt und deren Therapie beraten worden war.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es muss an dieser Stelle aber auch klar hervorgehoben werden, dass es die Kollegin und enge Mitarbeiterin Ita Wegmans – &#039;&#039;Hilma Walter&#039;&#039; – gewesen ist, der die Dokumentationen der Krankengeschichten des &#039;&#039;„Klinisch-Therapeutischen Instituts“&#039;&#039; zu verdanken sind, die den für das Buch formulierten Texten zugrunde liegen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Dokumentationen wurden 2007 von &#039;&#039;Peter Selg&#039;&#039; in der Originalfassung herausgegeben, so dass sie heute eingehend studiert und auch im Detail mit der textlichen Abfassung in Kapitel XIX verglichen werden können.[6] So wird auch deutlich, was Wegman direkt aus Walters Kasuistiken übernommen hat und was von den Autoren gekürzt, neu formuliert und auch ausgelassen wurde. Walter hat dann auch in ihrer Endredaktion des Buches nach Steiners Tod vor der Drucklegung insbesondere die Krankengeschichten noch einmal gründlich durchgesehen und wo nötig noch etwas gestrichen, damit keiner der dort geschilderten Patientinnen und Patienten in dem gedruckten Buch wiedererkannt werden konnte.[7] Waren es doch fast ausnahmslos Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft, um die es jeweils ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zu Peter Selgs Dokumentation von Krankengeschichten&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Selg hat für seine Publikation nicht nur die Krankenunterlagen dieser neun Patienten im Original studiert, sondern auch die zugehörigen Notizbucheinträge im Nachlass Hilma Walters, die Ärzte- und Patientenkorrespondenz Wegmans sowie weitere Nachlassunterlagen. So liegen die Krankengeschichten aus Kapitel XIX gesichtet und aufgearbeitet vor und sind Grundlage für weitere Forschung. Er schreibt dazu insbesondere im Hinblick auf noch zu leistende weitere Kontextualisierungen dieser Krankengeschichten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Je plastischer die Kranken- und Therapiegeschichten jedoch selbst werden (indem man zwischen dem Original der Krankenakte und der Buchwiedergabe vergleichen kann – M.G.), umso klarer wird das methodische Gewichtungs- und Auswahlverfahren der Buchdarstellung erkennbar. In diesem Sinne vermögen die hier erstmals publizierten Materialien, verschiedene Aspekte deutlicher hervortreten zu lassen, darunter auch die Zeitgestalt der (oft monatelangen) Behandlung, der einzelnen Schritte und Vorgehensweisen, der therapeutischen Erfolge, aber auch der Rückfälle und weiter bestehenden Schwierigkeiten, die Teil der Kranken- und Behandlungsgeschichte waren. Sie bieten daher Anlass und Voraussetzung für ein erneutes und eingehendes Studium der Kasuistiken selbst.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Im Rahmen dieser Dokumentation wurde konsequent davon abgesehen, die zur Darstellung kommenden diagnostischen und therapeutischen Prozesse im Einzelnen zu kommentieren und zu bewerten; ein solcher Kommentar – vor dem Hintergrund der gesamten anthroposophischen Physiologie, Pathophysiologie und Therapeutik und in Auseinandersetzung mit einer schulmedizinischen Interpretation der verschiedenen Krankheitsfälle – soll zu einem späteren Zeitpunkt erarbeitet und publiziert werden.“[8]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Leuchtende Vorbilder für&#039;&#039; &#039;&#039;Wesensgliederdiagnosen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Diese von Selg in Aussicht gestellte Publikation konnte jedoch bisher nicht realisiert werden, bzw. bleibt ein weiterhin lohnendes und erforderliches Desiderat. Denn beides – der Hintergrund der gesamten anthroposophischen Physiologie, Pathologie und Therapeutika sowie die schulmedizinische Kontextualisierung – sind große Arbeitsvorhaben, die eigentlich nur im Team zu leisten sind und viel Zeit erfordern. Dennoch kann jeder interessierte Arzt auch aus dem bis jetzt vorliegenden Material unschätzbare Anregungen für die eigene Arbeit entnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der anthroposophische Internist &#039;&#039;Friedwart Husemann (1945–2022)&#039;&#039; schreibt in seinem Kurzporträt über die &#039;&#039;„Erweiterung der Heilkunst“:&#039;&#039; &#039;&#039;„Bei den Krankengeschichten geben die Autoren Wesensgliederdiagnosen und sehr individuelle Heilverfahren, die für den anthroposophischen Arzt von heute ein leuchtendes und selten erreichtes Vorbild darstellen.“[9]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[10]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Hierbei handelt es sich um Kapitel aus dem Grundlagenwerk von Rudolf Steiner und Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Nach Wegmans Tod wurde zunächst eine Interim-Gruppenleitung eingesetzt – bis dann 1963 die enge Mitarbeiterin Wegmans in ihrem Arlesheimer Klinisch-Therapeutischen Institut, &#039;&#039;Margarete Kirchner-Bockholt (1894–1973),&#039;&#039; für ihre Nachfolge nominiert wurde, die sie dann nach ihrem Ausscheiden an &#039;&#039;Holtzapfel&#039;&#039; übergab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Holtzapfel (1973), 51–53.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Vgl. Rudolf Steiner, &#039;&#039;Physiologisch-Therapeutisches auf Grundlage der Geisteswissenschaft. Zur Therapie und Hygiene,&#039;&#039; GA 314, S. 337–349.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. Selg (2007), 15f. und 21f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Ebd., 22.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Ebd., 23f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Selg (2007), 25.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] F. Husemann (2018), 323.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Offenborn</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Zur_%22Erweiterung_der_Heilkunst%22_%E2%80%93_von_Michaela_Gl%C3%B6ckler&amp;diff=1201</id>
		<title>Zur &quot;Erweiterung der Heilkunst&quot; – von Michaela Glöckler</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Zur_%22Erweiterung_der_Heilkunst%22_%E2%80%93_von_Michaela_Gl%C3%B6ckler&amp;diff=1201"/>
		<updated>2025-12-15T16:39:46Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Offenborn: Neuen Text eingefügt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Auszüge aus Büchern und Vorträgen von [[Michaela Glöckler]]; Erstveröffentlichung auf &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE THEMENSCHWERPUNKTE VON „GRUNDLEGENDES FÜR EINE ERWEITERUNG DER HEILKUNST“ ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie ist dieses Grundlagenwerk der Anthroposophischen Medizin&#039;&#039;[1] &#039;&#039;aufgebaut?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zur inneren Gliederung des Werkes&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das Buch hat vier thematische Schwerpunkte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Mensch und Makrokosmos – Kap. 1 bis 7&lt;br /&gt;
# Ursachen für Stoffwechselerkrankungen – Kap. 8 bis 12&lt;br /&gt;
# Therapie-Kapitel – Kap. 13 bis 18&lt;br /&gt;
# Wirkprinzipien von Arzneimitteln und Heileurythmie – Kap. 19 bis 21&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In aller Kürze kann man sagen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;In den Kapiteln 1 bis 18&#039;&#039;&#039; wird das „medizinische System“ skizziert, das als Grundlage einer „rationellen Diagnostik und Therapie“ dienen möchte.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die beiden Schlusskapitel&#039;&#039;&#039; geben dann Einblick in die Praxis und zeigen, wie sich naturwissenschaftliche Medizin und das medizinische System der Anthroposophie gegenseitig ergänzen und inspirieren können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ad1. Mensch und Makrokosmos – Kap. 1 bis 7 ====&lt;br /&gt;
Hier werden die Grundlagen zum Verständnis der Gesundheit erörtert. Es wird das viergliedrige Menschenbild eingeführt in Form von vier regulierenden, ordnenden Kraftsystemen, die in ihrem Zusammenwirken die – funktionell dreigliedrige – menschliche Konstitution bilden. Auch wird das Verhältnis des gesunden Mikrokosmos Mensch zum Makrokosmos herausgearbeitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den ersten fünf Kapiteln werden darüber hinaus die Grundlagen für ein spirituelles Substanz-Verständnis gelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im ersten Kapitel&#039;&#039;&#039; wird das Geheimnis des Merkurstabs enthüllt, indem auf die Bedeutung der Metamorphose der Wachstumskräfte in Gedankenkräfte eingegangen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im zweiten Kapitel&#039;&#039;&#039; wird eingehend erläutert, wie Krankheit dadurch entstehen kann, dass der Mensch zwar geistig seelisch tätig ist, aber in Einseitigkeit und Irrtum verfällt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im dritten bis fünften Kapitel&#039;&#039;&#039; werden die mikrokosmische und makrokosmische Natur der menschlichen Wesensglieder und ihrer spezifischen Kräftekonfigurationen eingeführt. Es wird aber auch in zu Herzen gehender Weise geschildert, welchen Opfergang und welches Schicksal die Welt der irdisch gewordenen Substanzen dabei erfährt. Und wie dieser Opfergang der Substanzen seine Erlösung und Erfüllung findet, wenn die Substanz im Menschen &#039;&#039;„geisttragend“&#039;&#039; werden kann. Wenn &#039;&#039;„geistgetragene Menschenseelen“&#039;&#039; diesem Opfer zum Segen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im sechsten Kapitel&#039;&#039;&#039; wird dann das embryonale Bildegeschehen des menschlichen Körpers so dargestellt, dass man die physiologischen Prozesse des Wesensgliederwirkens denken lernen und sich für die verschiedenen Organbildungen anschaulich machen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im siebten Kapitel&#039;&#039;&#039; wird der entwicklungsoffene, in sich &#039;&#039;nicht&#039;&#039; abgeschlossene gesunde Gesamtorganismus geschildert und daran das Prinzip der Selbstkränkung und das Wesen der Selbstheilungskräfte verdeutlicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ad 2. Ursachen für Stoffwechselerkrankungen – Kap. 8 bis 12 ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Kapitel acht bis zwölf&#039;&#039;&#039; behandeln die fünf Hauptursachen pathologischer Prozesse. Sie beschreiben die fünf zentralen Ursachen der Entstehung von Erkrankungen des Stoffwechsels. Diese werden anhand der Wirkweise von Zucker, Eiweiß, Fett, Harnsäure und Wärme anschaulich gemacht. Dabei werden auch die diese Stoffwechselprozesse regulierenden Wesensglieder in ihrem leiblich-seelischen Wirken anschaulich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ad 3. Therapie-Kapitel – Kap. 13 bis 18 ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Es folgen fünf Therapie-Kapitel&#039;&#039;&#039;, in denen die therapeutische Regulierung des Verhältnisses zwischen Ätherleib und Astralleib im Mittelpunkt steht, dann die regulierende Kraft der Ich-Organisation, dann die mögliche Schwächung der physisch-ätherischen Konstitution im Laufe des Älterwerdens, das Prinzip der Arzneimittelfindung und die Einführung in das Wesen der Substanzerkenntnis als Grundlage der Heilmittel-Erkenntnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ad 4. Wirkprinzipien von Arzneimitteln und Heileurythmie – Kap. 19 bis 21 ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;In den letzten drei Kapiteln des Buches&#039;&#039;&#039; werden charakteristische Krankheitsfälle und typische Heilmittel vorgestellt. Sie sind dem Wirkprinzip der Heileurythmie gewidmet, geben einen Einblick in die Praxis der Anthroposophischen Medizin anhand von neun individuellen Krankheitsfällen und nennen den Einsatz von Arzneimitteln, die bestimmten typischen Erkrankungen angepasst sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;„Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; wurde bis heute bis auf wenige Anmerkungen und Hinweise zur Entstehung und Autorschaft unverändert nachgedruckt. Es hat über drei Generationen hinweg vielen Fachleuten auf dem Gebiet der Anthroposophischen Medizin die nötige Grundorientierung gegeben, um das akademisch erworbene Wissen auch unter spirituellen Gesichtspunkten anzuschauen und es so im Einzelfall praktisch anwendbar zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Werk stellt im Grunde einen Lehrgang dar, der – wie es Ita Wegman in ihrem damals nicht veröffentlichten Vorwort zu diesem Buch schreibt – jeden Arzt in die Lage versetzt, selbst die Krankheiten geistig anzuschauen, wenn er bereit ist, das „&#039;&#039;ganz richtige Lesen dieses Buches“&#039;&#039; zu üben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Raphael und die Mysterien von Krankheit und Heilung“, Medizinische Sektion am Goetheanum 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen,&#039;&#039; GA 27, Dornach 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Zu Rudolf Steiners Verständnis der Anthroposophischen Medizin als einer im Gegensatz zur Schulmedizin, wahrhaft rationellen‘ Heilkunst siehe auch das Vorwort der &#039;&#039;„Erweiterten Heilkunst“&#039;&#039;. Elemente für eine echte Ratio zusammenzutragen, wie sich aus der Diagnose die Therapie ergibt, war bereits Hauptanliegen im ersten Kursus für Mediziner im Jahr 1920 gewesen: Vgl. Steiners &#039;&#039;„Geisteswissenschaft und Medizin“&#039;&#039;, GA 312.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE KAPITEL I–VII: GRUNDLAGEN ZUM VERSTÄNDNIS DER GESUNDHEIT[1] ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was zeichnet den gesundheitswissenschaftlichen Ansatz der Anthroposophischen Medizin aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie unterscheidet er sich von dem pathogenetischen Ansatz der naturwissenschaftlich basierten Schulmedizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Reformen wünschte Rudolf Steiner bereits zu seinen Lebzeiten?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zukunftsweisender gesundheitswissenschaftlicher Ansatz der AM&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Kapitel I–VII umfassen den gesundheitswissenschaftlichen Ansatz der Anthroposophischen Medizin. Unter ‚Volksgesundheit‘ verstand man am Anfang des 20. Jahrhunderts im Wesentlichen hygienische Maßnahmen, genügend Schlaf, gesunde Ernährung und Lebensführung.[2] Noch heute stellen Medizinstudenten und Ärzte immer wieder erstaunt fest, wie wenig sie darüber hinaus während ihres Studiums über die Entstehung von Gesundheit erfahren haben im Gegensatz zur Aufklärung über Krankheitsentstehung, d.h. Pathogenese.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der pathogenetische Ansatz der naturwissenschaftlich basierten Medizin bzw. Schulmedizin hat gegenwärtig mit der molekulargenetischen Steuerungsebene eine gewisse Kulmination erreicht, die in Zukunft mithilfe der Digitalisierung noch weiter optimiert werden wird. Parallel zu dieser Entwicklung hat aber auch die Wissenschaft von den Nebenwirkungen der pathogenetisch fokussierten Therapie zugenommen.[3] Daher wird von naturwissenschaftlicher Seite argumentiert, dass ein Arzneimittel, das keinerlei Nebenwirkungen hat, auch nicht wirksam sein kann. Und alles Bestreben geht dahin, Nebenwirkungen bestmöglich zu minimieren bzw. durch den Einsatz anderer Arzneimittel zu kompensieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesem pathogenetisch orientierten Ansatz steht der gesundheitswissenschaftlich-salutogenetische gegenüber. Dieser hat seine Entwicklung und Kulmination noch vor sich. Er etabliert sich seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erst langsam in der akademischen Welt. Es ist jedoch zu hoffen, dass er dennoch in nicht allzu ferner Zeit die Mitte der Gesellschaft erreichen wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Paradigmenwechsel als politische und wirtschaftliche Herausforderung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Denn der Paradigmenwechsel der Umorientierung von der Verhütung von Krankheit zur Förderung von Gesundheit ist zwar proklamiert – ihn lebenspraktisch zu machen ist und bleibt aber die noch bestehende große soziale und politische und nicht zuletzt wirtschaftliche Herausforderung. Denn: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann man an der Gesundheit verdienen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wer macht dafür Lobbyarbeit?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und: Was braucht es alles zur auch gedanklich-konzeptionellen Neuausrichtung und Umstrukturierung der Ausbildung für die Gesundheitsberufe, insbesondere der Ärzteschaft?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Wie weit man davon noch entfernt ist, hat auch das weltweit durchgreifende Corona-Pandemie-Management gezeigt, das ausschließlich pathogenetisch orientiert war. Salutogenetisch orientierte Auffassungen bezüglich Erkrankungsrisiken, Prävention und Therapie wurden auch in der medialen Berichterstattung konsequent ausgeblendet oder sogar lächerlich gemacht und bekämpft. Dabei konnten nicht zuletzt auch die anthroposophischen Krankenhäuser auf ihren Intensivstationen dank ihres integrativmedizinischen Vorgehens&#039;&#039; &#039;&#039;auch bei Schwerkranken erstaunlich gute Behandlungsergebnisse aufzeigen.“[4]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die fortschrittliche Medizin ebenso pathogenetisch orientiert, wie es der heutige Mainstream der Medizin immer noch ist. Im Mittelpunkt stand das neue Paradigma einer modernen Zellularpathologie, mit der Aussicht, immer mehr pathologische Prozesse diagnostisch bis auf die molekulare Ebene im Zellstoffwechsel zu erforschen.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Rudolf Steiners Ruf nach Reformen in der Medizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Demgegenüber eröffnete Steiner seinen ersten Kurs für Anthroposophische Medizin 1920 mit den Worten: &#039;&#039;„[…] es ist ja ziemlich selbstverständlich, daß von dem, was Sie wahrscheinlich alle erwarten von der Zukunft des medizinischen Lebens, nur ein sehr geringer Teil in diesem Kursus wird angedeutet werden können, denn Sie alle werden ja mit mir darinnen übereinstimmen, daß ein wirkliches, zukunftssicheres Arbeiten auf dem medizinischen Felde von einer Reform des medizinischen Studiums als solchem abhängt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Man kann nicht mit dem, was man in einem Kursus mitteilen kann, eine solche Reform des medizinischen Studiums auch nur im Entferntesten anregen, höchstens in der Weise, daß in einer Anzahl von Menschen der Drang entsteht, mitzutun bei einer solchen Reform. […] Dasjenige, was in diesen Vorträgen beigebracht werden soll, das möchte ich erreichen dadurch, daß ich in einer Art von Programm verteile das zu Betrachtende in der folgenden Weise: Erstens möchte ich Ihnen geben einiges, das hinweist auf die Hindernisse, die im heutigen gebräuchlichen Studium bestehen gegen eine wirklich sachgemäße Erfassung des Krankheitswesens als solchem. Zweitens möchte ich dann andeuten, in welcher Richtung eine Erkenntnis des Menschen zu suchen ist, die eine wirkliche Grundlage für das medizinische Arbeiten abgeben kann. Drittens möchte ich auf die Möglichkeiten eines rationellen Heilwesens hinweisen durch die Erkenntnis der Beziehungen des Menschen zur übrigen Welt.“[6]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als viertes wünschte er sich Fragen aus dem Teilnehmerkreis, weil er seine Ausführungen ganz nach den Bedürfnissen der anwesenden Fachleute und Studierenden richten wollte.[7]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entwicklung von ganzheitlichen Therapieformen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Seither haben sich auch andere an der ‚Ganzheit Mensch‘ und einem neuen Gesundheits- bzw. Krankheitsverständnis orientierte Therapieformen entwickelt – insbesondere seit dem Zweiten Weltkrieg. Beispielhaft seien &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Gestalttherapie&#039;&#039;&#039;[8] genannt,&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Viktor Frankls (1905–1997)&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Logotherapie&#039;&#039;&#039;[9]&lt;br /&gt;
* und die &#039;&#039;&#039;humanistische Psychotherapie.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kapitel I bis VII zeigen den methodischen Ansatz für einen solchen Paradigmenwechsel aus anthroposophischer Perspektive auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[10]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Hierbei handelt es sich um Kapitel aus dem Grundlagenwerk von Rudolf Steiner und Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Siehe z. B. Steurer-Stuttgart (1919), Fuchs-Wolfring (1912), Dennig (1919).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Vgl. Ammon (2001); Stolze (2014).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Vgl. COVID-19: www.anthromedics.org/PRA-0939-DE; [6.1.2025].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. Schipperges (1985).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaft und Medizin,&#039;&#039; GA 312, S. 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Ebenda, S. 14.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Vgl. Boeckh (2015).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. Frankl (2005).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== KAPITEL VIII–XII: DIE FÜNF HAUPTURSACHEN PATHOLOGISCHER PROZESSE[1] ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worum geht es in diesen Kapiteln?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Parallelen gibt es zu Paracelsus Sichtweise auf Krankheitsursachen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Regulationsmöglichkeiten bietet das Wesensglieder-Konzept?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fünf prinzipielle pathophysiologische Erscheinungen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die fünf der Pathologie gewidmeten Kapitel haben paradigmatischen Charakter. Es geht nicht um einzelne Krankheitsbilder – obgleich Beispiele genannt werden – es geht um prinzipielle pathophysiologische Erscheinungen aufgrund typischer Ungleichgewichte im Zusammenspiel der Wesensglieder. So wundert es auch nicht, dass so prominente Krankheitsbilder wie z.B. der Krebs keine Erwähnung finden. Auch die Mistel (Viscum album), als das bekannteste anthroposophische Arzneimittel – obgleich bereits seit 1917 durch Wegman in ihrer Zürcher Praxis im Einsatz[2] – findet (in Kapitel XX) keine Erwähnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht vielmehr um Beschreibungen pathologischer Stoffwechselprozesse, die bei der Verdauung der Grundnahrungsmittel: Kohlenhydrate, Eiweiße, Fette auftreten können (Kap. VIII–X) sowie die Pathophysiologie der Gicht-Erkrankung, die als Beispiel einer meist hereditären, d.h. genetisch bedingten, Stoffwechselstörung auftritt (Kap. XI). Zuletzt werden in Kapitel XII typische Regulationsweisen im labilen Gesundheits-Krankheits-Kontinuum aufgezeigt, das jederzeit in Richtung Krankheit entgleisen oder sich in Richtung Gesundheit entwickeln kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es zeigt sich bei genauerem Hinsehen, dass diese fünf Schilderungen Schlüssel und Ausgangspunkt zum Verstehen aller Krankheitserscheinungen sind. Sie haben einen ebenso fundamentalen Charakter wie die anderen Kapitel im Kontext der Schrift, da die Autoren sich auf den methodischen Ansatz beschränken, den es dann unbegrenzt weiter auszugestalten und zu erforschen gilt. Die fünf Kapitel sind sozusagen Pathologie ‚in a nutshell‘, d.h. Pathologie im Keimzustand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Parallelen zu Paracelsus „quinque entibus“&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Interessanterweise sprach auch &#039;&#039;Paracelsus&#039;&#039; in seinem &#039;&#039;„Volumen Paramirum“&#039;&#039; von fünf Krankheitsursachen: &#039;&#039;„De quinque entibus“.&#039;&#039; Schaut man sich sein Konzept unter dem Aspekt der anthroposophischen Menschenkunde an, so ist darin – wie auch in den fünf Pathologie-Kapiteln der Erweiterung der Heilkunst – jeweils eines der vier Wesensglieder in der Hauptverantwortung für die entsprechende Regulationsstörung. &#039;&#039;Elise Wolfram (1868–1942)&#039;&#039; hat diesen Aspekt schon 1912 in einem viel beachteten Buch herausgearbeitet.[3] Sie war durch Steiners Ausführungen zu Paracelsus und seine Bedeutung für die Medizin dazu angeregt worden. Seither wurde dieser paracelsische Ansatz wiederholt von anthroposophischen Ärzten mündlich und schriftlich dargestellt.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;„Volumen Paramirum“&#039;&#039; lässt Paracelsus sechs Ärzte sich um einen an der Cholera verstorbenen Patienten versammeln, fünf als Vertreter bestimmter medizinischer Auffassungen (‚Sekten‘), während der sechste Paracelsus selbst ist. Gründlich werden in diesem Zusammenhang fünf mögliche Ursachen und deren jeweilige Beschleuniger abgehandelt: das ‚Ens astrale‘, ‚Ens veneni‘, ‚Ens naturale‘, ‚Ens spirituale‘ und ‚Ens deale‘. Man möchte wissen, welches ‚Ens‘ letztlich verantwortlich war für den Tod, denn nicht alle Cholerakranken starben bei der Epidemie. Es muss also verschiedene Ursachen geben, warum dieser Mensch erkrankt bzw. verstorben ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Ens astrale – physischer Leib ====&lt;br /&gt;
Hier liegt die Ursache entweder in den individuellen Schicksalsgegebenheiten eines Menschen, der durch seine Geburt in einer bestimmten Erdgegend, einem bestimmten Volks- und Familienzusammenhang sowie entsprechenden sozialen Verhältnissen lebt, und den daraus resultierenden, der Gesundheit schädlichen oder sie fördernden Einflüssen ausgesetzt ist. Diese primär physische Krankheitsursache, zu der auch das kontaminierte Wasser gehört, das die Cholera-Epidemie verursacht hat, wird bezeichnenderweise von Paracelsus ‚Ens astrale‘ genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird dabei auf das Geburtshoroskop verwiesen, auf den ganzen Schicksalskontext dieses bestimmten Menschen in seinem makro-mikrokosmischen Zusammenhang. Dabei unterscheidet Paracelsus klar den Einfluss der Gestirne auf den Menschen als ‚Ens virtutis‘ von dem ‚Ens seminis‘, dem von der Erde stammenden Erbgut, das für die Körperkonstitution verantwortlich ist und damit ebenfalls für möglichen Schutz vor Erkrankung oder aber begünstigend für ihr Auftreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überträgt man diese Vorstellungen in die anthroposophische Terminologie, so geht es hier um den Einfluss der physischen Organisation in Resonanz mit dem auf sie einwirkenden Schicksalsumkreis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ens veneni[5] – Ätherleib ====&lt;br /&gt;
Hier wird auf den Ursachenzusammenhang gewiesen, der mit der Ernährungsweise und dem Lebensstil zusammenhängt und dem rechten Maß im Sinne des berühmten Spruches: &#039;&#039;„Dosis facit venenum“&#039;&#039;, d.h., nur die richtige Dosierung, das richtige Maß des jeweils zur Anwendung kommenden Heilmittels ist das Gesundheit stiftende. Diesem Aspekt entspricht in der Anthroposophischen Medizin die ätherische Organisation und die sie umgebende Lebenswelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Ens naturale – Astralleib ====&lt;br /&gt;
Dieser Ursachenkontext verweist auf das individuelle Bewusstsein des Menschen und dessen Zusammenhang mit dem Makrokosmos. Die Vielheit der Erscheinungen in der Einheit des menschlichen Bewusstseinshorizontes: das Firmament, die Elemente, die ‚complexiones‘ (konstitutionelle Gegebenheiten), die ‚humores‘ (Körpersäfte). Mit all diesen Gegebenheiten setzt sich der Mensch in seinem bewussten Seelenleben auseinander und seine Gesundheit hängt davon ab, wie er sich darin fühlt und damit umgehen lernt. In der anthroposophischen Terminologie entspricht dies der astralischen Organisation als Träger des körperbezogenen, seelisch-gefühlsmäßigen Bewusstseins und des gedanklich wachen Geist- bzw. Selbst-Bewusstseins. Hier liegt die Krankheitsursache in der „Geist- und Seelenfähigkeit“ des Menschen[6] und deren Einfluss auf die ‚humores‘, d.h. die ätherisch-physische Konstitution.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Ens spirituale – Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Diese Betrachtungsebene betrifft bei Paracelsus die magische Beeinflussung von Wesen zu Wesen. Es geht um den Menschen, der, zwischen Göttern und Dämonen lebend, Verführungen ausgesetzt ist und dessen Gesundheit auch durch Fürbitte und Gebet beeinflusst werden kann. Geistiges wirkt in jeder Beziehung direkt auf Geistiges und von dort aus auf die ihm untergeordneten Ebenen der konstitutionellen Gegebenheit. In der anthroposophischen Terminologie entspricht dies der Ich-Organisation, die über den Wärme-Organismus auf den Luftorganismus als Träger der astralischen Kräfte wirkt und durch diesen auf den Flüssigkeitsorganismus als Träger der ätherischen Kräfte – und durch diesen wiederum auf die physische Organisation, die ihrerseits dann über die Sinne und die Betätigungen während des Tageslebens auf die Ich-Organisation zurückwirkt.[7]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Ens deale – Leibfreies Seelen- und Geistesleben ====&lt;br /&gt;
Paracelsus, dessen Denken und Handeln tief in der christlichen Theologie und Kultur verankert war, spricht hier das Hereingestellt-Sein des Menschen in einen gottgewollten Entwicklungskontext an, hinorientiert auf die beiden menschlichen Kernkompetenzen Freiheit und Liebe. Zusammengefasst heißt es bei Paracelsus: &#039;&#039;„Ihr wisset, daß alle Gesundheit und Krankheit von Gott kommt und nichts vom Menschen, und ihr müßt die Krankheiten der Menschen in zween Gruppen teilen, in natürliche und in solche zur Züchtigung. Die natürlichen, das sind das erste, zweite, dritte und vierte ens: das flagellum ist das fünfte.“[8]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten vier ‚Entien‘ entsprechen im anthroposophischen Kontext den vier Wesensgliedern, das fünfte hingegen der ‚quinta essentia‘, dem von der körperlichen Gebundenheit freien Seelen- und Geistesleben des Menschen, mit dem er sich bewusst in der göttlich-geistigen Welt verankern kann.[9] Es handelt sich dabei um das rein spirituelle Prinzip, von dem auch schon Aristoteles als ‚πέμπτη ουσία‘ (fünftes Seiendes) sprach: das fünfte ‚ens‘ im Sinne des Paracelsus. Hier liegt die Ursache für Krankheit und Tod sozusagen in der Hand Gottes. Hier waltet die Weisheit des Schicksals und nicht die ärztliche Kunst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Alte Sichtweisen durch Geisteswissenschaft aktualisiert&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Vergleich mit dem paracelsischen Verständnis von Krankheit und Gesundheit kann einerseits deutlich machen, wie mithilfe von Steiners Geisteswissenschaft spirituelle Sichtweisen aus früheren Jahrhunderten dem gegenwärtigen Bewusstseinszustand der Menschen neu zugänglich gemacht werden können. Andererseits kann ein solcher Vergleich auch deutlich machen, wie eigenständig und originär Steiners Forschungsansätze und Ausführungen sind. Seine Geisteswissenschaft versteht sich als ein zeitgemäßer Weg, sich das im Sinne Goethes ‚alte Wahre‘ erkennend und handelnd zu erschließen.[10]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;In den Kapiteln VIII–XI&#039;&#039;&#039; steht jeweils ein menschliches Wesensglied ursächlich für das Krankheitsgeschehen im Mittelpunkt. Wobei es stets die Schwäche der Ich-Organisation ist, die initial für die jeweils geschilderten Stoffwechselstörungen und pathologischen Prozesse verantwortlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Kapitel XII&#039;&#039;&#039; hingegen beschreibt das Ringen dieser Ich-Organisation, die konstitutionelle Balance aufrecht zu erhalten. Auffällig ist dabei, dass die vier ersten Pathologie-Kapitel in ihrer Gesamtheit Symptome und Erkrankungen beschreiben, die inzwischen als das Metabolische Syndrom bekannt sind.[11]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Das Metabolische Syndrom ====&lt;br /&gt;
Es umfasst einen Cluster von &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* (vor allem viszeraler) Adipositas, &lt;br /&gt;
* gestörter Glukosetoleranz,&lt;br /&gt;
* Fettstoffwechselstörungen,&lt;br /&gt;
* arterieller Hypertonie, einschließlich möglicher genetischer Prädispositionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gilt als Vorstufe des Diabetes mellitus Typ 2 und ist zudem prädiktiv für ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenhänge zwischen Adipositas und diversen Stoffwechselerkrankungen wurden auch schon zu Lebzeiten von Steiner und Wegman beschrieben.[12] Nach &#039;&#039;Hanefeld&#039;&#039; dokumentierte bereits &#039;&#039;Giovanni Battista Morgagni (1682–1771)&#039;&#039; den Zusammenhang zwischen viszeraler Fettsucht, Hypertonie, Gicht, Schlafapnoe und Arteriosklerose.[13] Allerdings wurde der pathophysiologische Zusammenhang dieser Erkrankungen und die das Metabolische Syndrom charakterisierende Insulinresistenz erst im Laufe des 20. Jahrhunderts deutlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Syndrome X ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gerald M. Reaven (1928–2018)&#039;&#039; wies in seiner &#039;&#039;„Banting Lecture“&#039;&#039; 1988 darauf hin und beschrieb den Symptomenkomplex als das &#039;&#039;„Syndrome X“.[14]&#039;&#039; Zu ihm gehören die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Insulinresistenz, &lt;br /&gt;
* Hyperinsulinämie,&lt;br /&gt;
* Glukosestoffwechselstörung,&lt;br /&gt;
* Fettstoffwechselstörung&lt;br /&gt;
* und Hypertonie.&lt;br /&gt;
* Erst viel später wurden weitere, pathophysiologisch relevante Aspekte wie die &lt;br /&gt;
* low-grade-inflammation beschrieben.[15]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Aktualität der beschriebenen Krankheitsprozesse&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Interessanterweise thematisiert &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[16]&#039;&#039; durch die Abfolge der Kapitel VIII–X bereits die syndromale Entität dieses heute als Metabolisches Syndrom bekannten Krankheitsgeschehens und weist darüber hinaus eindrücklich auf den Diabetes mellitus als Folge-Erkrankung hin (Kap. VIII).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Erwähnung „parasitäre[r] Wärmeherde“[17] im Kapitel X, im Zusammenhang mit dem Fettgewebe, bekommt unter dem Aspekt der inzwischen bekannten proinflammatorischen Wirksamkeit zahlreicher Adipokine eine geradezu überraschende Aktualität – ebenso wie der regulativ-systemische Ansatz zu Verständnis und Behandlung der Erkrankung. Auch wenn der Insulinmangel bei Diagnose und Therapie gegenwärtig immer noch im Vordergrund steht, so wurden doch inzwischen so viele unterschiedliche Beeinflussungen der Insulinresistenz bestimmter Gewebe und möglicher Gegenregulationsformen im Organismus bekannt, dass man auch hier vor einem äußerst komplexen Wechselursachenverhältnis multimodaler Einflussfaktoren steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für diese Komplexität öffnen die fünf Pathologiekapitel die Augen und zeigen zudem klar auf, welche ganzheitlichen Regulationsprinzipien unter den vier Wesensgliedern jeweils unterstützt oder abgeschwächt werden müssen. Das anthroposophische Wesensglieder-Konzept bietet in diesem Kontext die Möglichkeit, die physische, ätherische, astralische und Ich-Organisation als die für die Gesamtregulation des menschlichen Organismus verantwortlichen Gesetzeszusammenhänge sehen zu lernen.[18]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[19]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Hierbei handelt es sich um Kapitel aus dem Grundlagenwerk von Rudolf Steiner und Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Vgl. Zeylmans van Emmichoven (2022), 67 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Vgl. Wolfram (1991).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe www.anthromedics.org; [6.1.2025].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Von lat. venerum: Gift, Medizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6]  Vgl. FN 1, S. 16.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Siehe dazu die ergänzenden Hinweise im Stellenkommentar, Anm. zu EH, 82, S. 133–140.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Paracelsus (2010), 232.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. FN 1, Kap. I, Abs. 19.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] &#039;&#039;„Das Wahre war schon längst gefunden / Hat edle Geisterschaft verbunden / Das alte Wahre, fass’ es an.“&#039;&#039; WA I/2, 82.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Dem Internisten &#039;&#039;Matthias Girke&#039;&#039; und seiner Publikation &#039;&#039;„Innere Medizin“&#039;&#039; verdanke ich fachliche Unterstützung bezüglich Referenzen und Hinweisen zu den Kapiteln VIII–XII, insbesondere zum Metabolischen Syndrom und seinen Folge-Erkrankungen. Siehe Girke (2020).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Vgl. Balke und Nocito (2013), 77–83.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] Vgl. Hanefeld und Leonhardt (1996).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] Vgl. Reaven (1988), 1595–1607.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[15] Minihane u. a. (2015), 999–1012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[16] Vgl. FN 1.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[17] Vgl. FN 1, S. 52f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[18] Zum 250. Geburtsjahr &#039;&#039;Goethes&#039;&#039; 1999 wurde eine Vorlesungsreihe an der Universität Bern veranstaltet: Goethes Beitrag zur Erneuerung der Naturwissenschaften. In seiner Vorlesung zum Thema Typusidee und Genetik führte &#039;&#039;Johannes Wirz&#039;&#039; auch für die moderne Genetik aus: &#039;&#039;„Bereits regen einige Entwicklungsbiologen und Genetiker eine Neukonzeption der Gen-zentrierten Auffassung von Entwicklungsprozessen an. Duboule und Wilking schließen zum Beispiel, dass es keine Art/spezifischen Gene, sondern nur einen artspezifischen, differentiellen Gebrauch derselben gibt. […] Die kaum beachtete epigenetische Theorie von Waddington, welche die Vernetzung von Genen stärker betont als die Bedeutung einzelner Erbfaktoren, ist kürzlich durch eine viel beachtete Publikation von Strohmann wissenschaftsfähig geworden. [...] Der genetische Determinismus wird noch weiter relativiert, wenn, wie es die Tatsachen nahelegen, Lebewesen als organische Ganzheiten im Sinne Goethes verstanden werden. Das bedingt, dass ihnen neben DNA, Proteinen, Zellen und deren vielfältigen Interaktionen, die als Erscheinungsbedingungen vorhanden sein müssen, eine Qualität zugestanden wird, welche dieselben dirigiert. Die Idee der inneren Natur oder des Typus [gemäß Goethe, M. G.] fordert zudem ein erweitertes Verständnis von Vererbung.“&#039;&#039; (Wirz [2000], 324 f.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[19] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE KAPITEL XIII–XVIII: ZUR THERAPIE UND HEILKUNST[1] ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist mit der in diesen Kapiteln beschriebenen therapeutischen Denkweise gemeint?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie können Aufgabe und Wirkung einer Substanz – hier die Kieselsäure – im Organismus Vorbild für eine therapeutische Denkweise sein?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was verbindet Ich-Organisation und Kieselsäure?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Innerer Zusammenhang von Kapitel XIV, XVI und XVIII&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Diesen Kapiteln liegt eine Komposition zu Grunde, in der 2 × 3 Kapitel einen engeren inneren Zusammenhang haben, obgleich sie nicht aufeinander folgen. ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== a. Therapeutische Denkweise ====&lt;br /&gt;
Den Schlüssel zu dieser Komposition bietet der letzte Satz von Kapitel XVIII, wo es über die Heileurythmie heißt, &#039;&#039;„dass man sie durchaus als ein segensreiches Glied unserer hier dargestellten therapeutischen Denkweise ansprechen kann“.&#039;&#039;&#039;[2]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; Dadurch entsteht ein unmittelbarer Bezug zu Kapitel XIV &#039;&#039;„Von der therapeutischen Denkweise“.&#039;&#039; Darin wird anhand der Wirkung der Kieselsäure im menschlichen Organismus das Wesen der in diesem Kontext gemeinten therapeutischen Denkweise geschildert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wer oder was bestimmt den Charakter einer bestimmten Denkweise?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemäß Rudolf Steiner und Ita Wegman übernimmt die Ich-Organisation, &#039;&#039;„die sich seelisch frei im Denken darlebt“,&#039;&#039;&#039;[3]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; diese Aufgabe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== b. Gestaltungskraft von Kalk und Kiesel ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was aber verbindet die Ich-Organisation mit der Kieselsäure?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dieser Frage tut sich ein weiteres Kapitel der anthroposophischen Substanz-Erkenntnis auf: die polare Wirkensweise von Kalk und Kiesel, auf die Steiner in vielen Vorträgen zu sprechen kommt. Im &#039;&#039;„Landwirtschaftlichen Kurs“&#039;&#039; heißt es, nachdem Steiner die eiweißbildenden Elemente Kohlenstoff, Sauerstoff, Stickstoff, Wasserstoff und Schwefel geschildert hat:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Um nun die feste Gestalt darzustellen, da muss es [alles Kohlenstoffhaltige, M.G.] sich auf ein tiefer liegendes Gerüste aufbauen und das ist dasjenige, was als ein ganz tiefliegendes Gerüst in unserem kalkartigen Knochengerüst enthalten ist, was aber auch enthalten ist in dem Kieseligen, das wir ja immer in uns tragen, sodass der Kohlenstoff im Menschen und auch im Tier bis zu einem gewissen Grade seine Gestaltungskraft maskiert. Er rankt sich hinauf an der Gestaltungskraft von Kalk und Kiesel. Kalk gibt ihm die irdische, Kiesel die kosmische Gestaltungskraft.“&#039;&#039;&#039;[4]&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bergkristall (als SiO2 eine reine Silicium/Sauerstoffverbindung) erscheint unter diesem Aspekt wie ein Urbild. Kosmisches und irdisch machender Sauerstoff sind in reinster Stimmigkeit auf einander bezogen. Die kosmische Gestaltungskraft manifestiert sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* im Irdisch-Unbelebten in Form der Bildung von Urgestein. &lt;br /&gt;
* und bei den Lebewesen als Gerüstsubstanz.&lt;br /&gt;
* In der menschlichen Konstitution verwandelt sich in Folge der Metamorphose die leibliche Bildetätigkeit in Gedankentätigkeit in Form von Wahrnehmen und Denken und wendet sich so wieder dem Kosmos zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== c. Irdisch-kosmische Zusammenhänge verstehen ====&lt;br /&gt;
Aus anthroposophischer Perspektive[5] handelt es sich hierbei um die allumfassende kosmisch-ätherische Gestaltungskraft,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die einerseits dem Leib &#039;&#039;&#039;Leben&#039;&#039;&#039; einhaucht &lt;br /&gt;
* und andererseits Grundlage für selbstgeführtes &#039;&#039;&#039;Denken&#039;&#039;&#039; ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je mehr es gelingt, in solchen Zusammenhängen zu denken, Irdisches und Kosmisches in ihrem Aufeinander-bezogen-Sein zu erkennen, desto therapeutischer wird die Denkweise werden. Dann kann sie Lebenszusammenhänge verstehen, dem Leben dienen und gesunde individuelle und soziale Entwicklungen fördern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann kann sie endlich auch die Wunden heilen, die infolge der reduktionistischen Denkweise entstanden sind und weiter entstehen, wenn sich der atomistische Monismus nicht mit einem ganzheitlich-spirituellen Monismus Goethe’scher Prägung versöhnen lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Heileurythmie als ‚Tun‘ der Ich-Organisation&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
In der Heileurythmie wird diese irdisch-kosmische Tätigkeit der Ich-Organisation nicht nur ‚gedacht‘, sondern ‚getan‘. Denken, Fühlen und Wollen sind beim konzentrierten Ausüben der heileurythmischen Bewegungen dem Körper zugewendet, wodurch das Stoffwechselgeschehen und die rhythmischen Funktionen unmittelbar beeinflusst werden können. Wie sehr Bewegung und Atmungsregulierung den Gesundheitszustand beeinflussen können, ist inzwischen auch naturwissenschaftlich hinreichend belegt. Entsprechende Präventionsprogramme haben sich insbesondere in der Kardiologie seit Jahrzehnten bewährt.[6] Auch die Rehabilitationseinrichtungen bauen ihre Maßnahmen primär auf gesunde Ernährung, Bewegung, Gespräch und kulturelle Aktivitäten auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die innere Beziehung zwischen Kapitel XIV und XVIII wird ergänzt durch Kapitel XVI, das nicht ohne Grund in der Mitte steht. Dieses Kapitel handelt vom Antimon unter der Überschrift &#039;&#039;„Heilmittel-Erkenntnis“.&#039;&#039; Dabei werden die Antimonprozesse als diejenigen beschrieben, die in den menschlichen Organismus gebracht, so wirken wie die Ich-Organisation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Im menschlichen Organismus zeigt das Blut in seiner Strömung eine Tendenz, zu gerinnen. Diese Tendenz ist diejenige, die unter dem Einfluss der Ich-Organisation steht und unter ihr die Regulierung erfahren muss.“[7]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Innerer Zusammenhang von Kapitel XIII, XV und XVII&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die zweite Dreiheit handelt vom krankhaften Zusammenspiel der Wesensglieder und den für den therapeutischen Prozess charakteristischen Heilmitteln bzw. Arzneisubstanzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== a. Zwischen kränkenden und gesundenden Kräften ====&lt;br /&gt;
Hier steht das individuelle Therapiegeschehen im Vordergrund. So lautet die Überschrift von Kapitel XIII &#039;&#039;„Vom Wesen des Krankseins und der Heilung“&#039;&#039; und beginnt mit dem Wort ‚Schmerz‘ als einem Erlebnis im astralischen Leib und im Ich. Es folgt dann eine kurze Charakteristik des unterschiedlichen Zusammenwirkens der Wesensglieder im Laufe des Lebens zwischen Geburt und Tod. Hauptaugenmerk bei der Therapiefindung liegt hier auf dem sensiblen Zusammenspiel zwischen der kränkenden astralischen und der gesundenden ätherischen Organisation. Diese Betrachtung findet ihre Fortsetzung in Kapitel XV, wo es unter der Überschrift &#039;&#039;„Das Heilverfahren“&#039;&#039; heißt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Denn alle Entwicklung des menschlichen Organismus beruht darauf, dass ursprünglich die Gesamtgestaltung des physischen und ätherischen Leibes aus der Tätigkeit des Astralischen und der Ich-Organisation sich ergibt; dass aber mit zunehmendem Alter die astralische und Ich-Tätigkeit in der physischen und ätherischen Organisation weiterlaufen. Tun sie das nicht, so müssen der astralische Leib und die Ich-Organisation in einem Stadium ihrer Entwickelung in einer Art eingreifen, zu der sie in diesem Stadium nicht mehr geeignet sind.“&#039;&#039; [8]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== b. Ich-Organisation entlastende Heilmittel ====&lt;br /&gt;
Dann bedürfen sie der regulierenden Unterstützung durch Heilmittel, die die beiden oberen Wesensglieder von ihrem nicht mehr entwicklungsgerechten Eingreifen entlasten und die physische und ätherische Organisation so stärken, dass das unregelmäßige Eingreifen der oberen Wesensglieder zur Kompensation der geschwächten physisch-ätherischen Konstitution nicht mehr nötig ist. Zusätzlich kompliziert werden Diagnostik und Therapie dadurch, dass &#039;&#039;„die Richtung der Krankheitswirkungen“[9]&#039;&#039; ebenfalls verfolgt werden muss im Sinne der primären Ursache der Störung und deren Folge. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== c. Bedeutung von Ameisensäure und Kleesäure ====&lt;br /&gt;
Abgerundet wird die Betrachtung dieser Dreiheit mit Kapitel XVII &#039;&#039;„Substanz-Erkenntnis als Grundlage der Heilmittel-Erkenntnis“&#039;&#039;, in dem zwei Substanzen im Mittelpunkt stehen, die in der Biochemie des Zellstoffwechsels eine wichtige Rolle spielen: Ameisensäure und Kleesäure.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Hexagramm aus zwei Dreiecken&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Während die erste Dreiheit primär bezogen ist auf die Erscheinung der menschlichen Gestalt im Raum und ihrem Formaspekt im Reich der Natur, widmet sich die zweite Dreiheit dem Wandel der menschlichen Konstitution in der Zeit. Fügt man die beiden Dreiheiten zusammen, so ergibt sich das therapeutische Ur-Symbol des Hermes Trismegistos bzw. das Siegel Salomos, das Hexagramm, in dem ein Dreieck mit der Spitze nach unten sich durchdringt mit einem zweiten Dreieck, dessen Spitze nach oben weist. Es ist das ägyptisch-hermetische Zeichen für das harmonische Zusammenwirken von Makrokosmos und Mikrokosmos. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Spitze des ersten Dreiecks, die nach unten weist und dessen Basis oben ist, wäre Kapitel XIV. In der Heileurythmie wird über die rhythmisch wiederholten Bewegungsübungen daran gearbeitet, den Menschen im Raum bei der Wiederherstellung seiner urbildlichen aufrechten Gestalt zu unterstützen. Basis dafür ist eine therapeutische Denkweise, die innere Aufrichtekraft (wirklichkeitsgemäßes ‚aufrichtiges‘ Denken) und Heilmittel-Erkenntnis aus dem Mensch-Natur-Zusammenhang adäquat verbindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das zweite Dreieck, dessen Spitze nach oben weist und das seine Basis unten hat, handelt vom Schmerzerleben und dem Wesen der Krankheit als weckendem Begleiter des Menschen im Verlauf des Lebens. Es zeigt durch die Basis unten die starke Beziehung des Makrokosmus zum Menschen und den ihn umgebenden Naturreichen als heilsamem Begleiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Heilkunst als Kunstwerk Heilung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was ist also im Kontext dieser Ausführungen mit Heilkunst gemeint?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es handelt sich dabei um einen Diagnoseprozess, aus dem sich die Therapie unmittelbar ablesen lässt. Dazu braucht es solides medizinisches Grundlagenwissen – auch bezüglich der Gesetzmäßigkeiten der körperlich-seelischen Reifung und den Alterungsprozessen in der zweiten Lebenshälfte. Dieses Wissen und die dadurch möglichen therapeutischen Kompetenzen sind sozusagen das „Material“ für den künstlerischen Prozess. Damit aber im Einzelfall das &#039;&#039;„Kunstwerk Heilung“&#039;&#039; geschaffen werden kann, dazu braucht es die unmittelbare Beobachtung und die therapeutische Denkweise im Hier und Jetzt der konkret gegebenen Krankheitssituation in ihrem Umfeld. Im günstigen Fall sind Besserung und Heilung die Folge des therapeutischen Bemühens, an dem beide – der Behandelnde und der Betroffene – mitschöpferisch tätig sind. So gesehen handelt es sich immer auch um ein &#039;&#039;„soziales Kunstwerk“.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Dass dabei nicht nur medizinisches Wissen, sondern auch Fähigkeiten wie das Erfassen des rechten Zeitpunkts (ϰαιρός), diagnostische Empathie und therapeutische Intuition eine wichtige Rolle spielen, zeichnet den künstlerischen Prozess aus.“[10]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[11]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Hierbei handelt es sich um Kapitel aus dem Grundlagenwerk von Rudolf Steiner und Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Vgl. FN 1, S. 88.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Vgl. FN 1, S. 15.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft. Landwirtschaftlicher Kursus,&#039;&#039; GA 327, 66 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. FN 1, S. 6.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Siehe z.B. die Pocket-Leitlinie Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie. Giehlen u. a. (2021).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Vgl. FN 1, S. 79.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Vgl. FN 1, S. 74.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. FN 1, S. 75.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] Vgl. Fintelmann (2016).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Offenborn</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Zur_%22Erweiterung_der_Heilkunst%22_%E2%80%93_von_Michaela_Gl%C3%B6ckler&amp;diff=1200</id>
		<title>Zur &quot;Erweiterung der Heilkunst&quot; – von Michaela Glöckler</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Zur_%22Erweiterung_der_Heilkunst%22_%E2%80%93_von_Michaela_Gl%C3%B6ckler&amp;diff=1200"/>
		<updated>2025-12-15T16:34:59Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Offenborn: Neuen Text eingefügt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Auszüge aus Büchern und Vorträgen von [[Michaela Glöckler]]; Erstveröffentlichung auf &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE THEMENSCHWERPUNKTE VON „GRUNDLEGENDES FÜR EINE ERWEITERUNG DER HEILKUNST“ ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie ist dieses Grundlagenwerk der Anthroposophischen Medizin&#039;&#039;[1] &#039;&#039;aufgebaut?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zur inneren Gliederung des Werkes&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das Buch hat vier thematische Schwerpunkte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Mensch und Makrokosmos – Kap. 1 bis 7&lt;br /&gt;
# Ursachen für Stoffwechselerkrankungen – Kap. 8 bis 12&lt;br /&gt;
# Therapie-Kapitel – Kap. 13 bis 18&lt;br /&gt;
# Wirkprinzipien von Arzneimitteln und Heileurythmie – Kap. 19 bis 21&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In aller Kürze kann man sagen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;In den Kapiteln 1 bis 18&#039;&#039;&#039; wird das „medizinische System“ skizziert, das als Grundlage einer „rationellen Diagnostik und Therapie“ dienen möchte.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die beiden Schlusskapitel&#039;&#039;&#039; geben dann Einblick in die Praxis und zeigen, wie sich naturwissenschaftliche Medizin und das medizinische System der Anthroposophie gegenseitig ergänzen und inspirieren können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ad1. Mensch und Makrokosmos – Kap. 1 bis 7 ====&lt;br /&gt;
Hier werden die Grundlagen zum Verständnis der Gesundheit erörtert. Es wird das viergliedrige Menschenbild eingeführt in Form von vier regulierenden, ordnenden Kraftsystemen, die in ihrem Zusammenwirken die – funktionell dreigliedrige – menschliche Konstitution bilden. Auch wird das Verhältnis des gesunden Mikrokosmos Mensch zum Makrokosmos herausgearbeitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den ersten fünf Kapiteln werden darüber hinaus die Grundlagen für ein spirituelles Substanz-Verständnis gelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im ersten Kapitel&#039;&#039;&#039; wird das Geheimnis des Merkurstabs enthüllt, indem auf die Bedeutung der Metamorphose der Wachstumskräfte in Gedankenkräfte eingegangen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im zweiten Kapitel&#039;&#039;&#039; wird eingehend erläutert, wie Krankheit dadurch entstehen kann, dass der Mensch zwar geistig seelisch tätig ist, aber in Einseitigkeit und Irrtum verfällt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im dritten bis fünften Kapitel&#039;&#039;&#039; werden die mikrokosmische und makrokosmische Natur der menschlichen Wesensglieder und ihrer spezifischen Kräftekonfigurationen eingeführt. Es wird aber auch in zu Herzen gehender Weise geschildert, welchen Opfergang und welches Schicksal die Welt der irdisch gewordenen Substanzen dabei erfährt. Und wie dieser Opfergang der Substanzen seine Erlösung und Erfüllung findet, wenn die Substanz im Menschen &#039;&#039;„geisttragend“&#039;&#039; werden kann. Wenn &#039;&#039;„geistgetragene Menschenseelen“&#039;&#039; diesem Opfer zum Segen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im sechsten Kapitel&#039;&#039;&#039; wird dann das embryonale Bildegeschehen des menschlichen Körpers so dargestellt, dass man die physiologischen Prozesse des Wesensgliederwirkens denken lernen und sich für die verschiedenen Organbildungen anschaulich machen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im siebten Kapitel&#039;&#039;&#039; wird der entwicklungsoffene, in sich &#039;&#039;nicht&#039;&#039; abgeschlossene gesunde Gesamtorganismus geschildert und daran das Prinzip der Selbstkränkung und das Wesen der Selbstheilungskräfte verdeutlicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ad 2. Ursachen für Stoffwechselerkrankungen – Kap. 8 bis 12 ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Kapitel acht bis zwölf&#039;&#039;&#039; behandeln die fünf Hauptursachen pathologischer Prozesse. Sie beschreiben die fünf zentralen Ursachen der Entstehung von Erkrankungen des Stoffwechsels. Diese werden anhand der Wirkweise von Zucker, Eiweiß, Fett, Harnsäure und Wärme anschaulich gemacht. Dabei werden auch die diese Stoffwechselprozesse regulierenden Wesensglieder in ihrem leiblich-seelischen Wirken anschaulich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ad 3. Therapie-Kapitel – Kap. 13 bis 18 ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Es folgen fünf Therapie-Kapitel&#039;&#039;&#039;, in denen die therapeutische Regulierung des Verhältnisses zwischen Ätherleib und Astralleib im Mittelpunkt steht, dann die regulierende Kraft der Ich-Organisation, dann die mögliche Schwächung der physisch-ätherischen Konstitution im Laufe des Älterwerdens, das Prinzip der Arzneimittelfindung und die Einführung in das Wesen der Substanzerkenntnis als Grundlage der Heilmittel-Erkenntnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ad 4. Wirkprinzipien von Arzneimitteln und Heileurythmie – Kap. 19 bis 21 ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;In den letzten drei Kapiteln des Buches&#039;&#039;&#039; werden charakteristische Krankheitsfälle und typische Heilmittel vorgestellt. Sie sind dem Wirkprinzip der Heileurythmie gewidmet, geben einen Einblick in die Praxis der Anthroposophischen Medizin anhand von neun individuellen Krankheitsfällen und nennen den Einsatz von Arzneimitteln, die bestimmten typischen Erkrankungen angepasst sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;„Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; wurde bis heute bis auf wenige Anmerkungen und Hinweise zur Entstehung und Autorschaft unverändert nachgedruckt. Es hat über drei Generationen hinweg vielen Fachleuten auf dem Gebiet der Anthroposophischen Medizin die nötige Grundorientierung gegeben, um das akademisch erworbene Wissen auch unter spirituellen Gesichtspunkten anzuschauen und es so im Einzelfall praktisch anwendbar zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Werk stellt im Grunde einen Lehrgang dar, der – wie es Ita Wegman in ihrem damals nicht veröffentlichten Vorwort zu diesem Buch schreibt – jeden Arzt in die Lage versetzt, selbst die Krankheiten geistig anzuschauen, wenn er bereit ist, das „&#039;&#039;ganz richtige Lesen dieses Buches“&#039;&#039; zu üben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Raphael und die Mysterien von Krankheit und Heilung“, Medizinische Sektion am Goetheanum 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen,&#039;&#039; GA 27, Dornach 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Zu Rudolf Steiners Verständnis der Anthroposophischen Medizin als einer im Gegensatz zur Schulmedizin, wahrhaft rationellen‘ Heilkunst siehe auch das Vorwort der &#039;&#039;„Erweiterten Heilkunst“&#039;&#039;. Elemente für eine echte Ratio zusammenzutragen, wie sich aus der Diagnose die Therapie ergibt, war bereits Hauptanliegen im ersten Kursus für Mediziner im Jahr 1920 gewesen: Vgl. Steiners &#039;&#039;„Geisteswissenschaft und Medizin“&#039;&#039;, GA 312.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE KAPITEL I–VII: GRUNDLAGEN ZUM VERSTÄNDNIS DER GESUNDHEIT[1] ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was zeichnet den gesundheitswissenschaftlichen Ansatz der Anthroposophischen Medizin aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie unterscheidet er sich von dem pathogenetischen Ansatz der naturwissenschaftlich basierten Schulmedizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Reformen wünschte Rudolf Steiner bereits zu seinen Lebzeiten?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zukunftsweisender gesundheitswissenschaftlicher Ansatz der AM&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Kapitel I–VII umfassen den gesundheitswissenschaftlichen Ansatz der Anthroposophischen Medizin. Unter ‚Volksgesundheit‘ verstand man am Anfang des 20. Jahrhunderts im Wesentlichen hygienische Maßnahmen, genügend Schlaf, gesunde Ernährung und Lebensführung.[2] Noch heute stellen Medizinstudenten und Ärzte immer wieder erstaunt fest, wie wenig sie darüber hinaus während ihres Studiums über die Entstehung von Gesundheit erfahren haben im Gegensatz zur Aufklärung über Krankheitsentstehung, d.h. Pathogenese.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der pathogenetische Ansatz der naturwissenschaftlich basierten Medizin bzw. Schulmedizin hat gegenwärtig mit der molekulargenetischen Steuerungsebene eine gewisse Kulmination erreicht, die in Zukunft mithilfe der Digitalisierung noch weiter optimiert werden wird. Parallel zu dieser Entwicklung hat aber auch die Wissenschaft von den Nebenwirkungen der pathogenetisch fokussierten Therapie zugenommen.[3] Daher wird von naturwissenschaftlicher Seite argumentiert, dass ein Arzneimittel, das keinerlei Nebenwirkungen hat, auch nicht wirksam sein kann. Und alles Bestreben geht dahin, Nebenwirkungen bestmöglich zu minimieren bzw. durch den Einsatz anderer Arzneimittel zu kompensieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesem pathogenetisch orientierten Ansatz steht der gesundheitswissenschaftlich-salutogenetische gegenüber. Dieser hat seine Entwicklung und Kulmination noch vor sich. Er etabliert sich seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erst langsam in der akademischen Welt. Es ist jedoch zu hoffen, dass er dennoch in nicht allzu ferner Zeit die Mitte der Gesellschaft erreichen wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Paradigmenwechsel als politische und wirtschaftliche Herausforderung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Denn der Paradigmenwechsel der Umorientierung von der Verhütung von Krankheit zur Förderung von Gesundheit ist zwar proklamiert – ihn lebenspraktisch zu machen ist und bleibt aber die noch bestehende große soziale und politische und nicht zuletzt wirtschaftliche Herausforderung. Denn: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann man an der Gesundheit verdienen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wer macht dafür Lobbyarbeit?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und: Was braucht es alles zur auch gedanklich-konzeptionellen Neuausrichtung und Umstrukturierung der Ausbildung für die Gesundheitsberufe, insbesondere der Ärzteschaft?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Wie weit man davon noch entfernt ist, hat auch das weltweit durchgreifende Corona-Pandemie-Management gezeigt, das ausschließlich pathogenetisch orientiert war. Salutogenetisch orientierte Auffassungen bezüglich Erkrankungsrisiken, Prävention und Therapie wurden auch in der medialen Berichterstattung konsequent ausgeblendet oder sogar lächerlich gemacht und bekämpft. Dabei konnten nicht zuletzt auch die anthroposophischen Krankenhäuser auf ihren Intensivstationen dank ihres integrativmedizinischen Vorgehens&#039;&#039; &#039;&#039;auch bei Schwerkranken erstaunlich gute Behandlungsergebnisse aufzeigen.“[4]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die fortschrittliche Medizin ebenso pathogenetisch orientiert, wie es der heutige Mainstream der Medizin immer noch ist. Im Mittelpunkt stand das neue Paradigma einer modernen Zellularpathologie, mit der Aussicht, immer mehr pathologische Prozesse diagnostisch bis auf die molekulare Ebene im Zellstoffwechsel zu erforschen.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Rudolf Steiners Ruf nach Reformen in der Medizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Demgegenüber eröffnete Steiner seinen ersten Kurs für Anthroposophische Medizin 1920 mit den Worten: &#039;&#039;„[…] es ist ja ziemlich selbstverständlich, daß von dem, was Sie wahrscheinlich alle erwarten von der Zukunft des medizinischen Lebens, nur ein sehr geringer Teil in diesem Kursus wird angedeutet werden können, denn Sie alle werden ja mit mir darinnen übereinstimmen, daß ein wirkliches, zukunftssicheres Arbeiten auf dem medizinischen Felde von einer Reform des medizinischen Studiums als solchem abhängt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Man kann nicht mit dem, was man in einem Kursus mitteilen kann, eine solche Reform des medizinischen Studiums auch nur im Entferntesten anregen, höchstens in der Weise, daß in einer Anzahl von Menschen der Drang entsteht, mitzutun bei einer solchen Reform. […] Dasjenige, was in diesen Vorträgen beigebracht werden soll, das möchte ich erreichen dadurch, daß ich in einer Art von Programm verteile das zu Betrachtende in der folgenden Weise: Erstens möchte ich Ihnen geben einiges, das hinweist auf die Hindernisse, die im heutigen gebräuchlichen Studium bestehen gegen eine wirklich sachgemäße Erfassung des Krankheitswesens als solchem. Zweitens möchte ich dann andeuten, in welcher Richtung eine Erkenntnis des Menschen zu suchen ist, die eine wirkliche Grundlage für das medizinische Arbeiten abgeben kann. Drittens möchte ich auf die Möglichkeiten eines rationellen Heilwesens hinweisen durch die Erkenntnis der Beziehungen des Menschen zur übrigen Welt.“[6]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als viertes wünschte er sich Fragen aus dem Teilnehmerkreis, weil er seine Ausführungen ganz nach den Bedürfnissen der anwesenden Fachleute und Studierenden richten wollte.[7]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entwicklung von ganzheitlichen Therapieformen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Seither haben sich auch andere an der ‚Ganzheit Mensch‘ und einem neuen Gesundheits- bzw. Krankheitsverständnis orientierte Therapieformen entwickelt – insbesondere seit dem Zweiten Weltkrieg. Beispielhaft seien &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Gestalttherapie&#039;&#039;&#039;[8] genannt,&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Viktor Frankls (1905–1997)&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Logotherapie&#039;&#039;&#039;[9]&lt;br /&gt;
* und die &#039;&#039;&#039;humanistische Psychotherapie.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kapitel I bis VII zeigen den methodischen Ansatz für einen solchen Paradigmenwechsel aus anthroposophischer Perspektive auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[10]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Hierbei handelt es sich um Kapitel aus dem Grundlagenwerk von Rudolf Steiner und Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Siehe z. B. Steurer-Stuttgart (1919), Fuchs-Wolfring (1912), Dennig (1919).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Vgl. Ammon (2001); Stolze (2014).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Vgl. COVID-19: www.anthromedics.org/PRA-0939-DE; [6.1.2025].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. Schipperges (1985).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaft und Medizin,&#039;&#039; GA 312, S. 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Ebenda, S. 14.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Vgl. Boeckh (2015).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. Frankl (2005).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== KAPITEL VIII–XII: DIE FÜNF HAUPTURSACHEN PATHOLOGISCHER PROZESSE[1] ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Worum geht es in diesen Kapiteln?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Parallelen gibt es zu Paracelsus Sichtweise auf Krankheitsursachen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Regulationsmöglichkeiten bietet das Wesensglieder-Konzept?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Fünf prinzipielle pathophysiologische Erscheinungen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die fünf der Pathologie gewidmeten Kapitel haben paradigmatischen Charakter. Es geht nicht um einzelne Krankheitsbilder – obgleich Beispiele genannt werden – es geht um prinzipielle pathophysiologische Erscheinungen aufgrund typischer Ungleichgewichte im Zusammenspiel der Wesensglieder. So wundert es auch nicht, dass so prominente Krankheitsbilder wie z.B. der Krebs keine Erwähnung finden. Auch die Mistel (Viscum album), als das bekannteste anthroposophische Arzneimittel – obgleich bereits seit 1917 durch Wegman in ihrer Zürcher Praxis im Einsatz[2] – findet (in Kapitel XX) keine Erwähnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht vielmehr um Beschreibungen pathologischer Stoffwechselprozesse, die bei der Verdauung der Grundnahrungsmittel: Kohlenhydrate, Eiweiße, Fette auftreten können (Kap. VIII–X) sowie die Pathophysiologie der Gicht-Erkrankung, die als Beispiel einer meist hereditären, d.h. genetisch bedingten, Stoffwechselstörung auftritt (Kap. XI). Zuletzt werden in Kapitel XII typische Regulationsweisen im labilen Gesundheits-Krankheits-Kontinuum aufgezeigt, das jederzeit in Richtung Krankheit entgleisen oder sich in Richtung Gesundheit entwickeln kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es zeigt sich bei genauerem Hinsehen, dass diese fünf Schilderungen Schlüssel und Ausgangspunkt zum Verstehen aller Krankheitserscheinungen sind. Sie haben einen ebenso fundamentalen Charakter wie die anderen Kapitel im Kontext der Schrift, da die Autoren sich auf den methodischen Ansatz beschränken, den es dann unbegrenzt weiter auszugestalten und zu erforschen gilt. Die fünf Kapitel sind sozusagen Pathologie ‚in a nutshell‘, d.h. Pathologie im Keimzustand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Parallelen zu Paracelsus „quinque entibus“&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Interessanterweise sprach auch &#039;&#039;Paracelsus&#039;&#039; in seinem &#039;&#039;„Volumen Paramirum“&#039;&#039; von fünf Krankheitsursachen: &#039;&#039;„De quinque entibus“.&#039;&#039; Schaut man sich sein Konzept unter dem Aspekt der anthroposophischen Menschenkunde an, so ist darin – wie auch in den fünf Pathologie-Kapiteln der Erweiterung der Heilkunst – jeweils eines der vier Wesensglieder in der Hauptverantwortung für die entsprechende Regulationsstörung. &#039;&#039;Elise Wolfram (1868–1942)&#039;&#039; hat diesen Aspekt schon 1912 in einem viel beachteten Buch herausgearbeitet.[3] Sie war durch Steiners Ausführungen zu Paracelsus und seine Bedeutung für die Medizin dazu angeregt worden. Seither wurde dieser paracelsische Ansatz wiederholt von anthroposophischen Ärzten mündlich und schriftlich dargestellt.[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;„Volumen Paramirum“&#039;&#039; lässt Paracelsus sechs Ärzte sich um einen an der Cholera verstorbenen Patienten versammeln, fünf als Vertreter bestimmter medizinischer Auffassungen (‚Sekten‘), während der sechste Paracelsus selbst ist. Gründlich werden in diesem Zusammenhang fünf mögliche Ursachen und deren jeweilige Beschleuniger abgehandelt: das ‚Ens astrale‘, ‚Ens veneni‘, ‚Ens naturale‘, ‚Ens spirituale‘ und ‚Ens deale‘. Man möchte wissen, welches ‚Ens‘ letztlich verantwortlich war für den Tod, denn nicht alle Cholerakranken starben bei der Epidemie. Es muss also verschiedene Ursachen geben, warum dieser Mensch erkrankt bzw. verstorben ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1. Ens astrale – physischer Leib ====&lt;br /&gt;
Hier liegt die Ursache entweder in den individuellen Schicksalsgegebenheiten eines Menschen, der durch seine Geburt in einer bestimmten Erdgegend, einem bestimmten Volks- und Familienzusammenhang sowie entsprechenden sozialen Verhältnissen lebt, und den daraus resultierenden, der Gesundheit schädlichen oder sie fördernden Einflüssen ausgesetzt ist. Diese primär physische Krankheitsursache, zu der auch das kontaminierte Wasser gehört, das die Cholera-Epidemie verursacht hat, wird bezeichnenderweise von Paracelsus ‚Ens astrale‘ genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird dabei auf das Geburtshoroskop verwiesen, auf den ganzen Schicksalskontext dieses bestimmten Menschen in seinem makro-mikrokosmischen Zusammenhang. Dabei unterscheidet Paracelsus klar den Einfluss der Gestirne auf den Menschen als ‚Ens virtutis‘ von dem ‚Ens seminis‘, dem von der Erde stammenden Erbgut, das für die Körperkonstitution verantwortlich ist und damit ebenfalls für möglichen Schutz vor Erkrankung oder aber begünstigend für ihr Auftreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überträgt man diese Vorstellungen in die anthroposophische Terminologie, so geht es hier um den Einfluss der physischen Organisation in Resonanz mit dem auf sie einwirkenden Schicksalsumkreis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 2. Ens veneni[5] – Ätherleib ====&lt;br /&gt;
Hier wird auf den Ursachenzusammenhang gewiesen, der mit der Ernährungsweise und dem Lebensstil zusammenhängt und dem rechten Maß im Sinne des berühmten Spruches: &#039;&#039;„Dosis facit venenum“&#039;&#039;, d.h., nur die richtige Dosierung, das richtige Maß des jeweils zur Anwendung kommenden Heilmittels ist das Gesundheit stiftende. Diesem Aspekt entspricht in der Anthroposophischen Medizin die ätherische Organisation und die sie umgebende Lebenswelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 3. Ens naturale – Astralleib ====&lt;br /&gt;
Dieser Ursachenkontext verweist auf das individuelle Bewusstsein des Menschen und dessen Zusammenhang mit dem Makrokosmos. Die Vielheit der Erscheinungen in der Einheit des menschlichen Bewusstseinshorizontes: das Firmament, die Elemente, die ‚complexiones‘ (konstitutionelle Gegebenheiten), die ‚humores‘ (Körpersäfte). Mit all diesen Gegebenheiten setzt sich der Mensch in seinem bewussten Seelenleben auseinander und seine Gesundheit hängt davon ab, wie er sich darin fühlt und damit umgehen lernt. In der anthroposophischen Terminologie entspricht dies der astralischen Organisation als Träger des körperbezogenen, seelisch-gefühlsmäßigen Bewusstseins und des gedanklich wachen Geist- bzw. Selbst-Bewusstseins. Hier liegt die Krankheitsursache in der „Geist- und Seelenfähigkeit“ des Menschen[6] und deren Einfluss auf die ‚humores‘, d.h. die ätherisch-physische Konstitution.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 4. Ens spirituale – Ich-Organisation ====&lt;br /&gt;
Diese Betrachtungsebene betrifft bei Paracelsus die magische Beeinflussung von Wesen zu Wesen. Es geht um den Menschen, der, zwischen Göttern und Dämonen lebend, Verführungen ausgesetzt ist und dessen Gesundheit auch durch Fürbitte und Gebet beeinflusst werden kann. Geistiges wirkt in jeder Beziehung direkt auf Geistiges und von dort aus auf die ihm untergeordneten Ebenen der konstitutionellen Gegebenheit. In der anthroposophischen Terminologie entspricht dies der Ich-Organisation, die über den Wärme-Organismus auf den Luftorganismus als Träger der astralischen Kräfte wirkt und durch diesen auf den Flüssigkeitsorganismus als Träger der ätherischen Kräfte – und durch diesen wiederum auf die physische Organisation, die ihrerseits dann über die Sinne und die Betätigungen während des Tageslebens auf die Ich-Organisation zurückwirkt.[7]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 5. Ens deale – Leibfreies Seelen- und Geistesleben ====&lt;br /&gt;
Paracelsus, dessen Denken und Handeln tief in der christlichen Theologie und Kultur verankert war, spricht hier das Hereingestellt-Sein des Menschen in einen gottgewollten Entwicklungskontext an, hinorientiert auf die beiden menschlichen Kernkompetenzen Freiheit und Liebe. Zusammengefasst heißt es bei Paracelsus: &#039;&#039;„Ihr wisset, daß alle Gesundheit und Krankheit von Gott kommt und nichts vom Menschen, und ihr müßt die Krankheiten der Menschen in zween Gruppen teilen, in natürliche und in solche zur Züchtigung. Die natürlichen, das sind das erste, zweite, dritte und vierte ens: das flagellum ist das fünfte.“[8]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten vier ‚Entien‘ entsprechen im anthroposophischen Kontext den vier Wesensgliedern, das fünfte hingegen der ‚quinta essentia‘, dem von der körperlichen Gebundenheit freien Seelen- und Geistesleben des Menschen, mit dem er sich bewusst in der göttlich-geistigen Welt verankern kann.[9] Es handelt sich dabei um das rein spirituelle Prinzip, von dem auch schon Aristoteles als ‚πέμπτη ουσία‘ (fünftes Seiendes) sprach: das fünfte ‚ens‘ im Sinne des Paracelsus. Hier liegt die Ursache für Krankheit und Tod sozusagen in der Hand Gottes. Hier waltet die Weisheit des Schicksals und nicht die ärztliche Kunst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Alte Sichtweisen durch Geisteswissenschaft aktualisiert&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Der Vergleich mit dem paracelsischen Verständnis von Krankheit und Gesundheit kann einerseits deutlich machen, wie mithilfe von Steiners Geisteswissenschaft spirituelle Sichtweisen aus früheren Jahrhunderten dem gegenwärtigen Bewusstseinszustand der Menschen neu zugänglich gemacht werden können. Andererseits kann ein solcher Vergleich auch deutlich machen, wie eigenständig und originär Steiners Forschungsansätze und Ausführungen sind. Seine Geisteswissenschaft versteht sich als ein zeitgemäßer Weg, sich das im Sinne Goethes ‚alte Wahre‘ erkennend und handelnd zu erschließen.[10]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;In den Kapiteln VIII–XI&#039;&#039;&#039; steht jeweils ein menschliches Wesensglied ursächlich für das Krankheitsgeschehen im Mittelpunkt. Wobei es stets die Schwäche der Ich-Organisation ist, die initial für die jeweils geschilderten Stoffwechselstörungen und pathologischen Prozesse verantwortlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Kapitel XII&#039;&#039;&#039; hingegen beschreibt das Ringen dieser Ich-Organisation, die konstitutionelle Balance aufrecht zu erhalten. Auffällig ist dabei, dass die vier ersten Pathologie-Kapitel in ihrer Gesamtheit Symptome und Erkrankungen beschreiben, die inzwischen als das Metabolische Syndrom bekannt sind.[11]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Das Metabolische Syndrom ====&lt;br /&gt;
Es umfasst einen Cluster von &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* (vor allem viszeraler) Adipositas, &lt;br /&gt;
* gestörter Glukosetoleranz,&lt;br /&gt;
* Fettstoffwechselstörungen,&lt;br /&gt;
* arterieller Hypertonie, einschließlich möglicher genetischer Prädispositionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gilt als Vorstufe des Diabetes mellitus Typ 2 und ist zudem prädiktiv für ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenhänge zwischen Adipositas und diversen Stoffwechselerkrankungen wurden auch schon zu Lebzeiten von Steiner und Wegman beschrieben.[12] Nach &#039;&#039;Hanefeld&#039;&#039; dokumentierte bereits &#039;&#039;Giovanni Battista Morgagni (1682–1771)&#039;&#039; den Zusammenhang zwischen viszeraler Fettsucht, Hypertonie, Gicht, Schlafapnoe und Arteriosklerose.[13] Allerdings wurde der pathophysiologische Zusammenhang dieser Erkrankungen und die das Metabolische Syndrom charakterisierende Insulinresistenz erst im Laufe des 20. Jahrhunderts deutlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;·&#039;&#039;&#039; Syndrome X ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gerald M. Reaven (1928–2018)&#039;&#039; wies in seiner &#039;&#039;„Banting Lecture“&#039;&#039; 1988 darauf hin und beschrieb den Symptomenkomplex als das &#039;&#039;„Syndrome X“.[14]&#039;&#039; Zu ihm gehören die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Insulinresistenz, &lt;br /&gt;
* Hyperinsulinämie,&lt;br /&gt;
* Glukosestoffwechselstörung,&lt;br /&gt;
* Fettstoffwechselstörung&lt;br /&gt;
* und Hypertonie.&lt;br /&gt;
* Erst viel später wurden weitere, pathophysiologisch relevante Aspekte wie die &lt;br /&gt;
* low-grade-inflammation beschrieben.[15]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Aktualität der beschriebenen Krankheitsprozesse&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Interessanterweise thematisiert &#039;&#039;„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[16]&#039;&#039; durch die Abfolge der Kapitel VIII–X bereits die syndromale Entität dieses heute als Metabolisches Syndrom bekannten Krankheitsgeschehens und weist darüber hinaus eindrücklich auf den Diabetes mellitus als Folge-Erkrankung hin (Kap. VIII).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Erwähnung „parasitäre[r] Wärmeherde“[17] im Kapitel X, im Zusammenhang mit dem Fettgewebe, bekommt unter dem Aspekt der inzwischen bekannten proinflammatorischen Wirksamkeit zahlreicher Adipokine eine geradezu überraschende Aktualität – ebenso wie der regulativ-systemische Ansatz zu Verständnis und Behandlung der Erkrankung. Auch wenn der Insulinmangel bei Diagnose und Therapie gegenwärtig immer noch im Vordergrund steht, so wurden doch inzwischen so viele unterschiedliche Beeinflussungen der Insulinresistenz bestimmter Gewebe und möglicher Gegenregulationsformen im Organismus bekannt, dass man auch hier vor einem äußerst komplexen Wechselursachenverhältnis multimodaler Einflussfaktoren steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für diese Komplexität öffnen die fünf Pathologiekapitel die Augen und zeigen zudem klar auf, welche ganzheitlichen Regulationsprinzipien unter den vier Wesensgliedern jeweils unterstützt oder abgeschwächt werden müssen. Das anthroposophische Wesensglieder-Konzept bietet in diesem Kontext die Möglichkeit, die physische, ätherische, astralische und Ich-Organisation als die für die Gesamtregulation des menschlichen Organismus verantwortlichen Gesetzeszusammenhänge sehen zu lernen.[18]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[19]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Hierbei handelt es sich um Kapitel aus dem Grundlagenwerk von Rudolf Steiner und Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Vgl. Zeylmans van Emmichoven (2022), 67 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Vgl. Wolfram (1991).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Siehe www.anthromedics.org; [6.1.2025].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Von lat. venerum: Gift, Medizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6]  Vgl. FN 1, S. 16.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Siehe dazu die ergänzenden Hinweise im Stellenkommentar, Anm. zu EH, 82, S. 133–140.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Paracelsus (2010), 232.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. FN 1, Kap. I, Abs. 19.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] &#039;&#039;„Das Wahre war schon längst gefunden / Hat edle Geisterschaft verbunden / Das alte Wahre, fass’ es an.“&#039;&#039; WA I/2, 82.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11] Dem Internisten &#039;&#039;Matthias Girke&#039;&#039; und seiner Publikation &#039;&#039;„Innere Medizin“&#039;&#039; verdanke ich fachliche Unterstützung bezüglich Referenzen und Hinweisen zu den Kapiteln VIII–XII, insbesondere zum Metabolischen Syndrom und seinen Folge-Erkrankungen. Siehe Girke (2020).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12] Vgl. Balke und Nocito (2013), 77–83.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13] Vgl. Hanefeld und Leonhardt (1996).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14] Vgl. Reaven (1988), 1595–1607.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[15] Minihane u. a. (2015), 999–1012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[16] Vgl. FN 1.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[17] Vgl. FN 1, S. 52f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[18] Zum 250. Geburtsjahr &#039;&#039;Goethes&#039;&#039; 1999 wurde eine Vorlesungsreihe an der Universität Bern veranstaltet: Goethes Beitrag zur Erneuerung der Naturwissenschaften. In seiner Vorlesung zum Thema Typusidee und Genetik führte &#039;&#039;Johannes Wirz&#039;&#039; auch für die moderne Genetik aus: &#039;&#039;„Bereits regen einige Entwicklungsbiologen und Genetiker eine Neukonzeption der Gen-zentrierten Auffassung von Entwicklungsprozessen an. Duboule und Wilking schließen zum Beispiel, dass es keine Art/spezifischen Gene, sondern nur einen artspezifischen, differentiellen Gebrauch derselben gibt. […] Die kaum beachtete epigenetische Theorie von Waddington, welche die Vernetzung von Genen stärker betont als die Bedeutung einzelner Erbfaktoren, ist kürzlich durch eine viel beachtete Publikation von Strohmann wissenschaftsfähig geworden. [...] Der genetische Determinismus wird noch weiter relativiert, wenn, wie es die Tatsachen nahelegen, Lebewesen als organische Ganzheiten im Sinne Goethes verstanden werden. Das bedingt, dass ihnen neben DNA, Proteinen, Zellen und deren vielfältigen Interaktionen, die als Erscheinungsbedingungen vorhanden sein müssen, eine Qualität zugestanden wird, welche dieselben dirigiert. Die Idee der inneren Natur oder des Typus [gemäß Goethe, M. G.] fordert zudem ein erweitertes Verständnis von Vererbung.“&#039;&#039; (Wirz [2000], 324 f.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[19] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Offenborn</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://geistesforschung.wiki/index.php?title=Zur_%22Erweiterung_der_Heilkunst%22_%E2%80%93_von_Michaela_Gl%C3%B6ckler&amp;diff=1199</id>
		<title>Zur &quot;Erweiterung der Heilkunst&quot; – von Michaela Glöckler</title>
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		<updated>2025-12-15T16:28:25Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Offenborn: Neuen Text eingefügt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Auszüge aus Büchern und Vorträgen von [[Michaela Glöckler]]; Erstveröffentlichung auf &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE THEMENSCHWERPUNKTE VON „GRUNDLEGENDES FÜR EINE ERWEITERUNG DER HEILKUNST“ ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie ist dieses Grundlagenwerk der Anthroposophischen Medizin&#039;&#039;[1] &#039;&#039;aufgebaut?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zur inneren Gliederung des Werkes&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Das Buch hat vier thematische Schwerpunkte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Mensch und Makrokosmos – Kap. 1 bis 7&lt;br /&gt;
# Ursachen für Stoffwechselerkrankungen – Kap. 8 bis 12&lt;br /&gt;
# Therapie-Kapitel – Kap. 13 bis 18&lt;br /&gt;
# Wirkprinzipien von Arzneimitteln und Heileurythmie – Kap. 19 bis 21&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In aller Kürze kann man sagen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;In den Kapiteln 1 bis 18&#039;&#039;&#039; wird das „medizinische System“ skizziert, das als Grundlage einer „rationellen Diagnostik und Therapie“ dienen möchte.[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die beiden Schlusskapitel&#039;&#039;&#039; geben dann Einblick in die Praxis und zeigen, wie sich naturwissenschaftliche Medizin und das medizinische System der Anthroposophie gegenseitig ergänzen und inspirieren können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ad1. Mensch und Makrokosmos – Kap. 1 bis 7 ====&lt;br /&gt;
Hier werden die Grundlagen zum Verständnis der Gesundheit erörtert. Es wird das viergliedrige Menschenbild eingeführt in Form von vier regulierenden, ordnenden Kraftsystemen, die in ihrem Zusammenwirken die – funktionell dreigliedrige – menschliche Konstitution bilden. Auch wird das Verhältnis des gesunden Mikrokosmos Mensch zum Makrokosmos herausgearbeitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den ersten fünf Kapiteln werden darüber hinaus die Grundlagen für ein spirituelles Substanz-Verständnis gelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im ersten Kapitel&#039;&#039;&#039; wird das Geheimnis des Merkurstabs enthüllt, indem auf die Bedeutung der Metamorphose der Wachstumskräfte in Gedankenkräfte eingegangen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im zweiten Kapitel&#039;&#039;&#039; wird eingehend erläutert, wie Krankheit dadurch entstehen kann, dass der Mensch zwar geistig seelisch tätig ist, aber in Einseitigkeit und Irrtum verfällt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im dritten bis fünften Kapitel&#039;&#039;&#039; werden die mikrokosmische und makrokosmische Natur der menschlichen Wesensglieder und ihrer spezifischen Kräftekonfigurationen eingeführt. Es wird aber auch in zu Herzen gehender Weise geschildert, welchen Opfergang und welches Schicksal die Welt der irdisch gewordenen Substanzen dabei erfährt. Und wie dieser Opfergang der Substanzen seine Erlösung und Erfüllung findet, wenn die Substanz im Menschen &#039;&#039;„geisttragend“&#039;&#039; werden kann. Wenn &#039;&#039;„geistgetragene Menschenseelen“&#039;&#039; diesem Opfer zum Segen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im sechsten Kapitel&#039;&#039;&#039; wird dann das embryonale Bildegeschehen des menschlichen Körpers so dargestellt, dass man die physiologischen Prozesse des Wesensgliederwirkens denken lernen und sich für die verschiedenen Organbildungen anschaulich machen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Im siebten Kapitel&#039;&#039;&#039; wird der entwicklungsoffene, in sich &#039;&#039;nicht&#039;&#039; abgeschlossene gesunde Gesamtorganismus geschildert und daran das Prinzip der Selbstkränkung und das Wesen der Selbstheilungskräfte verdeutlicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ad 2. Ursachen für Stoffwechselerkrankungen – Kap. 8 bis 12 ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Kapitel acht bis zwölf&#039;&#039;&#039; behandeln die fünf Hauptursachen pathologischer Prozesse. Sie beschreiben die fünf zentralen Ursachen der Entstehung von Erkrankungen des Stoffwechsels. Diese werden anhand der Wirkweise von Zucker, Eiweiß, Fett, Harnsäure und Wärme anschaulich gemacht. Dabei werden auch die diese Stoffwechselprozesse regulierenden Wesensglieder in ihrem leiblich-seelischen Wirken anschaulich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ad 3. Therapie-Kapitel – Kap. 13 bis 18 ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Es folgen fünf Therapie-Kapitel&#039;&#039;&#039;, in denen die therapeutische Regulierung des Verhältnisses zwischen Ätherleib und Astralleib im Mittelpunkt steht, dann die regulierende Kraft der Ich-Organisation, dann die mögliche Schwächung der physisch-ätherischen Konstitution im Laufe des Älterwerdens, das Prinzip der Arzneimittelfindung und die Einführung in das Wesen der Substanzerkenntnis als Grundlage der Heilmittel-Erkenntnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ad 4. Wirkprinzipien von Arzneimitteln und Heileurythmie – Kap. 19 bis 21 ====&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;In den letzten drei Kapiteln des Buches&#039;&#039;&#039; werden charakteristische Krankheitsfälle und typische Heilmittel vorgestellt. Sie sind dem Wirkprinzip der Heileurythmie gewidmet, geben einen Einblick in die Praxis der Anthroposophischen Medizin anhand von neun individuellen Krankheitsfällen und nennen den Einsatz von Arzneimitteln, die bestimmten typischen Erkrankungen angepasst sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;„Erweiterung der Heilkunst“&#039;&#039; wurde bis heute bis auf wenige Anmerkungen und Hinweise zur Entstehung und Autorschaft unverändert nachgedruckt. Es hat über drei Generationen hinweg vielen Fachleuten auf dem Gebiet der Anthroposophischen Medizin die nötige Grundorientierung gegeben, um das akademisch erworbene Wissen auch unter spirituellen Gesichtspunkten anzuschauen und es so im Einzelfall praktisch anwendbar zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Werk stellt im Grunde einen Lehrgang dar, der – wie es Ita Wegman in ihrem damals nicht veröffentlichten Vorwort zu diesem Buch schreibt – jeden Arzt in die Lage versetzt, selbst die Krankheiten geistig anzuschauen, wenn er bereit ist, das „&#039;&#039;ganz richtige Lesen dieses Buches“&#039;&#039; zu üben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Raphael und die Mysterien von Krankheit und Heilung“, Medizinische Sektion am Goetheanum 2015&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen,&#039;&#039; GA 27, Dornach 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Zu Rudolf Steiners Verständnis der Anthroposophischen Medizin als einer im Gegensatz zur Schulmedizin, wahrhaft rationellen‘ Heilkunst siehe auch das Vorwort der &#039;&#039;„Erweiterten Heilkunst“&#039;&#039;. Elemente für eine echte Ratio zusammenzutragen, wie sich aus der Diagnose die Therapie ergibt, war bereits Hauptanliegen im ersten Kursus für Mediziner im Jahr 1920 gewesen: Vgl. Steiners &#039;&#039;„Geisteswissenschaft und Medizin“&#039;&#039;, GA 312.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== DIE KAPITEL I–VII: GRUNDLAGEN ZUM VERSTÄNDNIS DER GESUNDHEIT[1] ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was zeichnet den gesundheitswissenschaftlichen Ansatz der Anthroposophischen Medizin aus?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie unterscheidet er sich von dem pathogenetischen Ansatz der naturwissenschaftlich basierten Schulmedizin?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Welche Reformen wünschte Rudolf Steiner bereits zu seinen Lebzeiten?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Zukunftsweisender gesundheitswissenschaftlicher Ansatz der AM&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Kapitel I–VII umfassen den gesundheitswissenschaftlichen Ansatz der Anthroposophischen Medizin. Unter ‚Volksgesundheit‘ verstand man am Anfang des 20. Jahrhunderts im Wesentlichen hygienische Maßnahmen, genügend Schlaf, gesunde Ernährung und Lebensführung.[2] Noch heute stellen Medizinstudenten und Ärzte immer wieder erstaunt fest, wie wenig sie darüber hinaus während ihres Studiums über die Entstehung von Gesundheit erfahren haben im Gegensatz zur Aufklärung über Krankheitsentstehung, d.h. Pathogenese.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der pathogenetische Ansatz der naturwissenschaftlich basierten Medizin bzw. Schulmedizin hat gegenwärtig mit der molekulargenetischen Steuerungsebene eine gewisse Kulmination erreicht, die in Zukunft mithilfe der Digitalisierung noch weiter optimiert werden wird. Parallel zu dieser Entwicklung hat aber auch die Wissenschaft von den Nebenwirkungen der pathogenetisch fokussierten Therapie zugenommen.[3] Daher wird von naturwissenschaftlicher Seite argumentiert, dass ein Arzneimittel, das keinerlei Nebenwirkungen hat, auch nicht wirksam sein kann. Und alles Bestreben geht dahin, Nebenwirkungen bestmöglich zu minimieren bzw. durch den Einsatz anderer Arzneimittel zu kompensieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesem pathogenetisch orientierten Ansatz steht der gesundheitswissenschaftlich-salutogenetische gegenüber. Dieser hat seine Entwicklung und Kulmination noch vor sich. Er etabliert sich seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erst langsam in der akademischen Welt. Es ist jedoch zu hoffen, dass er dennoch in nicht allzu ferner Zeit die Mitte der Gesellschaft erreichen wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Paradigmenwechsel als politische und wirtschaftliche Herausforderung&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Denn der Paradigmenwechsel der Umorientierung von der Verhütung von Krankheit zur Förderung von Gesundheit ist zwar proklamiert – ihn lebenspraktisch zu machen ist und bleibt aber die noch bestehende große soziale und politische und nicht zuletzt wirtschaftliche Herausforderung. Denn: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wie kann man an der Gesundheit verdienen?&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Wer macht dafür Lobbyarbeit?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Und: Was braucht es alles zur auch gedanklich-konzeptionellen Neuausrichtung und Umstrukturierung der Ausbildung für die Gesundheitsberufe, insbesondere der Ärzteschaft?&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Wie weit man davon noch entfernt ist, hat auch das weltweit durchgreifende Corona-Pandemie-Management gezeigt, das ausschließlich pathogenetisch orientiert war. Salutogenetisch orientierte Auffassungen bezüglich Erkrankungsrisiken, Prävention und Therapie wurden auch in der medialen Berichterstattung konsequent ausgeblendet oder sogar lächerlich gemacht und bekämpft. Dabei konnten nicht zuletzt auch die anthroposophischen Krankenhäuser auf ihren Intensivstationen dank ihres integrativmedizinischen Vorgehens&#039;&#039; &#039;&#039;auch bei Schwerkranken erstaunlich gute Behandlungsergebnisse aufzeigen.“[4]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die fortschrittliche Medizin ebenso pathogenetisch orientiert, wie es der heutige Mainstream der Medizin immer noch ist. Im Mittelpunkt stand das neue Paradigma einer modernen Zellularpathologie, mit der Aussicht, immer mehr pathologische Prozesse diagnostisch bis auf die molekulare Ebene im Zellstoffwechsel zu erforschen.[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Rudolf Steiners Ruf nach Reformen in der Medizin&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Demgegenüber eröffnete Steiner seinen ersten Kurs für Anthroposophische Medizin 1920 mit den Worten: &#039;&#039;„[…] es ist ja ziemlich selbstverständlich, daß von dem, was Sie wahrscheinlich alle erwarten von der Zukunft des medizinischen Lebens, nur ein sehr geringer Teil in diesem Kursus wird angedeutet werden können, denn Sie alle werden ja mit mir darinnen übereinstimmen, daß ein wirkliches, zukunftssicheres Arbeiten auf dem medizinischen Felde von einer Reform des medizinischen Studiums als solchem abhängt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Man kann nicht mit dem, was man in einem Kursus mitteilen kann, eine solche Reform des medizinischen Studiums auch nur im Entferntesten anregen, höchstens in der Weise, daß in einer Anzahl von Menschen der Drang entsteht, mitzutun bei einer solchen Reform. […] Dasjenige, was in diesen Vorträgen beigebracht werden soll, das möchte ich erreichen dadurch, daß ich in einer Art von Programm verteile das zu Betrachtende in der folgenden Weise: Erstens möchte ich Ihnen geben einiges, das hinweist auf die Hindernisse, die im heutigen gebräuchlichen Studium bestehen gegen eine wirklich sachgemäße Erfassung des Krankheitswesens als solchem. Zweitens möchte ich dann andeuten, in welcher Richtung eine Erkenntnis des Menschen zu suchen ist, die eine wirkliche Grundlage für das medizinische Arbeiten abgeben kann. Drittens möchte ich auf die Möglichkeiten eines rationellen Heilwesens hinweisen durch die Erkenntnis der Beziehungen des Menschen zur übrigen Welt.“[6]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als viertes wünschte er sich Fragen aus dem Teilnehmerkreis, weil er seine Ausführungen ganz nach den Bedürfnissen der anwesenden Fachleute und Studierenden richten wollte.[7]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Entwicklung von ganzheitlichen Therapieformen&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Seither haben sich auch andere an der ‚Ganzheit Mensch‘ und einem neuen Gesundheits- bzw. Krankheitsverständnis orientierte Therapieformen entwickelt – insbesondere seit dem Zweiten Weltkrieg. Beispielhaft seien &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* die &#039;&#039;&#039;Gestalttherapie&#039;&#039;&#039;[8] genannt,&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Viktor Frankls (1905–1997)&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Logotherapie&#039;&#039;&#039;[9]&lt;br /&gt;
* und die &#039;&#039;&#039;humanistische Psychotherapie.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kapitel I bis VII zeigen den methodischen Ansatz für einen solchen Paradigmenwechsel aus anthroposophischer Perspektive auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[10]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----[1] Hierbei handelt es sich um Kapitel aus dem Grundlagenwerk von Rudolf Steiner und Ita Wegman, &#039;&#039;Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst,&#039;&#039; GA 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2] Siehe z. B. Steurer-Stuttgart (1919), Fuchs-Wolfring (1912), Dennig (1919).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3] Vgl. Ammon (2001); Stolze (2014).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4] Vgl. COVID-19: www.anthromedics.org/PRA-0939-DE; [6.1.2025].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5] Vgl. Schipperges (1985).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6] Rudolf Steiner, &#039;&#039;Geisteswissenschaft und Medizin,&#039;&#039; GA 312, S. 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7] Ebenda, S. 14.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8] Vgl. Boeckh (2015).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9] Vgl. Frankl (2005).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Offenborn</name></author>
	</entry>
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