Rudolf Steiner zu Irrtümern in der übersinnlichen Wahrnehmung: Unterschied zwischen den Versionen
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=== Die moralische Verfassung entscheidet darüber, was jemand in der geistigen Welt schauen kann. === | === Die moralische Verfassung entscheidet darüber, was jemand in der geistigen Welt schauen kann. === | ||
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<blockquote>„Man kann das übersinnliche Beobachtungsorgan des elementarischen Leibes so ausgebildet haben, daß man diese oder jene Tatsache erleben kann; soll eine andere geschaut werden, so muß das Organ für diese erst wieder besonders ausgebildet werden.“ (Rudolf Steiner, GA 16, Kapitel: FÜNFTE MEDITATION, Der Meditierende versucht eine Vorstellung des «astraliscben Leibes» zu bilden)</blockquote> | <blockquote>„Man kann das übersinnliche Beobachtungsorgan des elementarischen Leibes so ausgebildet haben, daß man diese oder jene Tatsache erleben kann; soll eine andere geschaut werden, so muß das Organ für diese erst wieder besonders ausgebildet werden.“ (Rudolf Steiner, GA 16, Kapitel: FÜNFTE MEDITATION, Der Meditierende versucht eine Vorstellung des «astraliscben Leibes» zu bilden)</blockquote> | ||
=== | === In der geistigen Forschung gilt das Gesetz der universellen Brüderlichkeit. === | ||
<blockquote>„Es gibt in der geistigen Welt ein ganz bestimmtes Gesetz, dessen ganze Bedeutung wir uns durch ein Beispiel klarmachen wollen. Nehmen Sie einmal an, in irgendeinem Jahr hätte ein beliebiger, regelrecht geschulter Hellseher dies oder jenes in der geistigen Welt wahrgenommen. Nun stellen Sie sich vor, dass zehn oder zwanzig Jahre später ein anderer ebenso geschulter Hellseher dieselbe Sache wahrnehmen würde, auch dann, wenn er von den Resultaten des ersten Hellsehers gar nichts erfahren hätte. Wenn Sie das glauben würden, wären Sie in einem großen Irrtum, denn in Wahrheit kann eine Tatsache der geistigen Welt, die einmal von einem Hellseher oder einer okkulten Schule gefunden worden ist, nicht zum zweiten Mal erforscht werden, wenn der, welcher sie erforschen will, nicht zuerst die Mitteilung erhalten hat, dass sie bereits erforscht ist. Wenn also ein Hellseher im Jahre 1900 eine Tatsache erforscht hat, und ein anderer im Jahre 1950 so weit ist, um dieselbe wahrnehmen zu können, so kann er das erst, wenn er zuvor gelernt und erfahren hat, dass einer sie schon gefunden und erforscht hat. Es können also selbst schon bekannte Tatsachen in der geistigen Welt nur geschaut werden, wenn man sich entschließt, sie auf gewöhnlichem Weg mitgeteilt zu erhalten und sie kennenzulernen. Das ist das Gesetz, das in der geistigen Welt für alle Zeiten hindurch die universelle Brüderlichkeit begründet.“ (Rudolf Steiner, GA 264, 1984, S. 343 ff.)</blockquote> | <blockquote>„Es gibt in der geistigen Welt ein ganz bestimmtes Gesetz, dessen ganze Bedeutung wir uns durch ein Beispiel klarmachen wollen. Nehmen Sie einmal an, in irgendeinem Jahr hätte ein beliebiger, regelrecht geschulter Hellseher dies oder jenes in der geistigen Welt wahrgenommen. Nun stellen Sie sich vor, dass zehn oder zwanzig Jahre später ein anderer ebenso geschulter Hellseher dieselbe Sache wahrnehmen würde, auch dann, wenn er von den Resultaten des ersten Hellsehers gar nichts erfahren hätte. Wenn Sie das glauben würden, wären Sie in einem großen Irrtum, denn in Wahrheit kann eine Tatsache der geistigen Welt, die einmal von einem Hellseher oder einer okkulten Schule gefunden worden ist, nicht zum zweiten Mal erforscht werden, wenn der, welcher sie erforschen will, nicht zuerst die Mitteilung erhalten hat, dass sie bereits erforscht ist. Wenn also ein Hellseher im Jahre 1900 eine Tatsache erforscht hat, und ein anderer im Jahre 1950 so weit ist, um dieselbe wahrnehmen zu können, so kann er das erst, wenn er zuvor gelernt und erfahren hat, dass einer sie schon gefunden und erforscht hat. Es können also selbst schon bekannte Tatsachen in der geistigen Welt nur geschaut werden, wenn man sich entschließt, sie auf gewöhnlichem Weg mitgeteilt zu erhalten und sie kennenzulernen. Das ist das Gesetz, das in der geistigen Welt für alle Zeiten hindurch die universelle Brüderlichkeit begründet.“ (Rudolf Steiner, GA 264, 1984, S. 343 ff.)</blockquote> | ||
Aktuelle Version vom 8. Januar 2026, 10:54 Uhr
Auf dieser Seite sind Zitate von Rudolf Steiner zu möglichen Irrtümern in der übersinnlichen Wahrnehmung zusammengetragen. Rudolf Steiner hat immer wieder die Notwendigung von sauberem Arbeiten, moralischer Reinheit und Differenzierung von Imagination, Inspiration und Intuition betont.
Die moralische Verfassung entscheidet darüber, was jemand in der geistigen Welt schauen kann.
"Wer mit schlechten Leidenschaften, mit schlechten Gefühlen und Empfindungen, namentlich aber mit Eitelkeit und Ehrsucht an die geistige Welt herantritt, der wird das, was sich ihm dann bietet, nur verzerrt und unwahr schauen. Er wird die schlechtesten Partien des Geistigen schauen, und diese werden sich ihm noch so darstellen, daß sie ihm nicht Wahrheit künden, sondern Illusionen aufbinden. Seine moralische Verfassung entscheidet bei dem geistigen Seher über das, was er in der geistigen Welt schauen kann.“ (Rudolf Steiner, GA 62, Dornach 1960, S. 144)
Gewissenlose Menschen werden in der geistigen Welt von Wesen besessen, die dann durch diese Menschen sprechen.
„Nehmen wir an, ein gewissenloser Mensch würde in die geistige Welt hinaufkommen. Dann würde das eintreten, daß er sofort der Auflösung, der Verdunstung seines Bewußtseins verfallen würde. Solche gewissenlose Geistesforscher gibt es durchaus. Solche, die sich mit einer gewissen Summe von Gewissenlosigkeit zur geistigen Welt erheben, haben sofort das Bedürfnis, da wir dort in eine Sphäre von Wesenheiten eintreten, sich anderen geistigen Wesenheiten zu übergeben. Menschen, die gewissenlos bis dort hinaufgelangen, wo einem das Gewissen in seiner Realität einen festen Schwerpunkt gibt, solche Menschen, die gleichsam dort ihr Bewußtsein «verdunsten» fühlen, ergeben sich einem anderen Wesen, machen sich von einem anderen Wesen besessen, um einen Halt zu haben. Das ist eine Erfahrung, die wirklich gemacht werden kann. Daher kommt es, daß in der Tat ein solcher Mensch, wenn er wieder in das Tagesbewußtsein zurückkehrt, nicht mehr selber das verkündet, was er in der geistigen Welt erfahren hat, sondern das, was ein Wesen, von dem er sich besessen gemacht hat, durch ihn dann spricht." (Rudolf Steiner, GA 63, Dornach 1959, S. 203 f.)
Bescheidenheit ist die Voraussetzung für Geistesforschung
„Dasjenige, was als erstes vorangehen muß der wirklichen Geistesforschung, das ist absolute Bescheidenheit, gerade intellektuelle Bescheidenheit. Ohne daß diese Bescheidenheit entwickelt wird gegenüber der ganzen übrigen Menschheit, kann man nicht weiterkommen auf geistesforscherischem Gebiet.“ (Rudolf Steiner, GA 329, Dornach 1985, S. 308 f.)
Mitgebrachte Vorurteile aus der sinnlichen Welt führen zu Täuschungen in übersinnlichen Regionen.
„ ... in diese übersinnlichen Regionen bringt ein jeder seine Vorurteile aus der sinnlichen Welt mit, und diese beeinträchtigen, färben seine Beobachtungen in einer Weise, gegen die unsere Täuschungen in der sinnlichen Welt ganz geringfügig zu nennen sind. Das geht so weit, daß man zum Beispiel im astralen Gebiet Dinge sieht, die gar nicht dort sind, und anderes nicht was dort ist.“ (Rudolf Steiner, GA 34, Dornach 1960, S. 429)
Nur durch die okkulte Erziehung der Seele kann man hinausprojizierte Wünsche von Tatsachen der geistigen Welt unterscheiden.
"Eigentlich kann nur die Sorgfalt der Schulung, nur die Sorgfalt, wie man sich hineinfindet in den Okkultismus, einen davor retten, Irrtümern zu verfallen. (...) Wenn man weiß, daß man gut tut, das, was man zuerst sieht, bloß als die Hinausprojektion seines eigenen Innenlebens zu betrachten, dann hat man ein gutes Mittel gegenüber den Irrtümern auf diesem Wege. Das ist das allerbeste: zunächst alles wie Tatsachen zu betrachten, welche aus uns selber aufsteigen. Meistens steigen die Tatsachen aus unseren Wünschen, Eitelkeiten, aus unserem Ehrgeiz, kurz, aus den Eigenschaften auf, die mit dem Egoismus des Menschen verknüpft sind.
Diese Dinge projizieren sich hauptsächlich nach außen, und Sie können jetzt die Frage aufwerfen: Wie entkommt man nunmehr diesen Irrtümern? Wie kann man sich vor ihnen retten? - Durch die gewöhnlichen Tatsachen des Bewußtseins kann man sich eigentlich nicht vor ihnen retten. Es kommt gerade dadurch der Irrtum zustande, daß man sozusagen, während einem sich in Wirklichkeit ein Welttableau gegenüberstellt, nicht aus sich herauskann, in sich ganz verstrickt ist. (...) Hier hast du eine Vision und hier eine andere. Die Visionen sind beide außer uns. Die eine ist vielleicht nur die Projektion eines Wunsches, die andere ist eine Tatsache. Aber sie sind nicht so verschieden, wie es im gewöhnlichen Leben ist, wenn ein anderer sagt, er hat Kopfschmerz, und wenn man selber Kopfschmerz hat. Geradeso herausprojiziert in den Raum ist das eigene Innere wie das fremde. Wie kommen wir zu einer Unterscheidung? (...)
Man lernt sie nicht unterscheiden durch sein Bewußtsein zunächst. Wenn man nur innerhalb des Vorstellungslebens bleibt, da gibt es eigentlich gar keine Möglichkeit der Unterscheidung, sondern die Möglichkeit liegt nur in der langsamen okkulten Erziehung der Seele. Wenn wir immer weiter und weiter kommen, kommen wir eben auch dazu, wirklich unterscheiden zu lernen." (Rudolf Steiner, GA 143, Dornach 1970, S. 82 f.)
Menschen, die nicht genug innerlich stark sind, werden von allen Seiten geistig gestochen.
„Menschen, die sich nicht so innerlich stark machen, um die Kräfte, die sie abstreifen mit dem physischen Leib und Ätherleib, zu ersetzen durch wirklich hingebungsvolle Exerzitien der Seele, vor allen Dingen durch die Läuterung der Eigenschaft, die wir in der äußeren Welt als Unmoral bezeichnen, diese Menschen können zwar bis zu einem gewissen Grade Fähigkeiten erwerben, in die geistige Welt hineinzusehen. Aber was geschieht? Sie werden das, was man hypersensitiv nennen kann, sie werden überempfindlich. Sie werden, wie wenn sie von allen Seiten geistig gestochen würden, sie können nicht standhalten dem, was heranprallt von allen Seiten.“ (Rudolf Steiner, GA 124, Dornach 1963, S. 25)
Die Gewinnung von Erkenntnissen des Geistigen wird außerhalb des Leibes vollzogen.
„In dem Augenblick, wo irgendwie der Leib sich beteiligt an der Gewinnung solcher Erkenntnisse, wird diese Erkenntnis verfälscht, sie wird sogar verfälscht, wenn sich die Erinnerung, die nur im Leib aufbewahrt wird, daran beteiligt. Daher ist es so notwendig, daß der Geistesforscher streng betont, die Gewinnung von Erkenntnissen des Geistigen wird außerhalb des Leibes vollzogen.“ (Rudolf Steiner, GA 67, Dornach 1962, S. 223)
Nur die Betätigung des eigenen innersten menschlichen Willens trägt in die wirkliche geistige Welt hinein, dagegen führt Passivität zur Abhängigkeit vom Leib und zu Einbildungen.
"Wenn dieses Hineinleben in die geistige Welt von selbst kommt, wenn es auftritt, ohne daß der Mensch etwas dazu tut, kommt der Mensch nicht in die wirkliche geistige Welt hinein, sondern nur in den Wahn irgendwelcher Vorstellungen, die nicht geistig sind, weil der Mensch sich dabei nicht aktiv, sondern passiv verhält. Er kommt zu einem Leben, das schon wiederum abhängig ist vom Leib, von irgendwelchen organischen Vorgängen im Leib, und dann ist es pathologisch, oder abhängig von bloß seelischen Vorgängen, und dann ist es eine Einbildung, eine Autosuggestion oder dergleichen. Gerade darauf beruht das wirkliche Hineindringen in den Geist, daß man gewahr wird, wie das nur erreicht werden kann durch Aktivität, durch Betätigung des eigenen innersten menschlichen Willens. Dieser ist es allein, der uns in die wirkliche geistige Welt hineinträgt." (Rudolf Steiner, GA 67, Dornach 1962, S. 63)
Die notwendige Steigerung des Ich-Gefühls ohne die nötigen Schulungsvorkehrungen kann zum Größenwahn führen.
„Wenn man sich nun klar ist, daß es die Besonnenheit auf das eigene Selbst, auf das Ich ist, was die Sinneswahrnehmungen heraufhebt über die bloßen visionären und halluzinatorischen, traumhaften Erlebnisse, dann wird man auch verstehen, warum es von dem Geistesforscher als eine Notwendigkeit hingestellt wird, daß behufs der Erkenntnisimaginationen solche Übungen gemacht werden, die zunächst die innere Intensität des Ich-Gefühls nicht herabstimmen, sondern sie sogar erhöhen, steigern. Damit aber bin ich bei etwas angekommen, das im eminentesten Sinne notwendig ist für die Erlangung übersinnlicher Erkenntnisse. (...) Das Ich-Gefühl muß gesteigert werden, die Besonnenheit auf sich selbst muß kraftvoller werden. Damit wird bei Menschen, welche nicht zugleich die von mir oftmals geschilderten [anthroposophischen Schulungs-]Vorkehrungen treffen, um ein solches verstärktes Ich-Gefühl ohne moralische, ohne psychische Einbuße zu ertragen, schon etwas von seelischem – nicht pathologischem – Größenwahn erzeugt. Das ist überhaupt etwas, was man zunächst - gestatten Sie den Ausdruck - bei «Übern» zu übersinnlichen Erkenntnissen leicht bemerken kann, weil sie hinüberhuschen möchten über die nötigen Vorkehrungsmaßregeln, daß sie nicht bescheidener werden, sondern wirklich in eine Art Größenwahn verfallen. Man muß dies ungeschminkt aussprechen, damit niemand auf den Glauben kommt, derjenige, welcher innerhalb einer wirklichen anthroposophischen Erkenntnis steht, wolle verkennen, daß ein solcher Größenwahn vielfach wirklich unter denen wütet, die sich nun vielleicht aus diesen oder jenen Untergründen heraus zur Anthroposophie bekennen.“ (Rudolf Steiner, GA 78, Dornach 1986, S. 90 f.)
Man benötigt Geduld und Ausdauer bis übersinnliche Erkenntnisse in der Seele gereift sind und begriffen werden können.
„Dieses «Reif-Empfinden» der Erkenntnisse ist etwas Wesentliches im Erforschen der geistigen Welt. Um dieses Empfinden zu haben, muß man eine Anschauung erlebt haben, wie sie zunächst in der Seele herauftaucht. Man empfindet sie zuerst noch als unleuchtend, als unscharf in den Konturen. Man muß sie wieder in die Tiefen der Seele hinuntersinken lassen zur «Reifung». Das Bewußtsein ist noch nicht weit genug, den geistigen Inhalt der Anschauung zu erfassen. Die Seele in ihren geistigen Tiefen muß mit diesem Inhalt in der geistigen Welt ungestört durch das Bewußtsein zusammensein. In der äußeren Naturwissenschaft behauptet man eine Erkenntnis nicht früher, als bis man alle nötigen Experimente und Sinnesbeobachtungen abgeschlossen hat, und bis die in Betracht kommenden Rechnungen einwandfrei sind. – In der Geisteswissenschaft ist keineswegs weniger methodische Gewissenhaftigkeit und Erkenntnis-Disziplin notwendig. Man geht nur etwas andere Wege. Man muß das Bewußtsein in seinem Verhältnis zu der erkennenden Wahrheit prüfen. Man muß in Geduld, Ausdauer und innerer Gewissenhaftigkeit «warten» können, bis das Bewußtsein diese Prüfung besteht. Es muß sich in seinem Ideenvermögen auf einem gewissen Gebiete stark genug gemacht haben, um die Anschauung, um die es sich handelt, in das Begriffsvermögen hereinzunehmen. “ (Rudolf Steiner, GA 28, Dornach 1962, S. 457 ff.)
Grundsatz der Erkenntnisbescheidenheit: Man versuche nichts für maßgebend zu halten, was sich auf die eigene Persönlichkeit bezieht. Man schließe die eigene Persönlichkeit ganz aus.
„Denn es hat sich uns ergeben, daß wir deshalb von so verschiedenen Seiten her einen einzigen Gegenstand anfassen, weil der Mensch in seinem Erkenntnisstreben von vornherein dasjenige bergen soll, was man die wahre Erkenntnisbescheidenheit nennt. Wir wollen uns einmal über diese Erkenntnisbescheidenheit ein wenig genauer aussprechen. (…) Eine ungefähre Vorstellung kann man sich von einem Gegenstand machen, wenn man ihn von verschiedenen Seiten her abbildet. (…) Wenn jemand nun sagen wollte, daß es in der geistigen Welt doch möglich sein müßte, sozusagen mit einem einzigen Anblick, mit einer einzigen Ansicht einen Gegenstand zu umfassen, so würde er sich sehr irren. (…)
Denn das ist eine Erfahrung gerade des ernsten Wahrheitssuchers: Je weiter er schreitet, desto bescheidener wird er - und auch um so vorsichtiger, die auf höheren Standpunkten gewonnenen Wahrheiten gleich in die Sprache des gewöhnlichen Lebens herein zu übersetzen. (…) Was erschaut wird auf geistigen Höhen, so verständlich zu machen, daß der gesunde Wahrheitssinn und auch die gesunde Logik ja dazu sagen können und es einsehen können, das bietet große Schwierigkeiten. (…)
Für eine Wahrheit reif sein, um sie von sich selbst aus zu behaupten, dazu gehört eine ganz bestimmte Vorbereitung, die darinnen bestehen muß, ganz uninteressiert für die betreffende Wahrheit zu sein. (…) Alles, was sich nicht auf die eigene Person bezieht, und nur das, von dem man sicher sein kann, daß es sich nicht auf die eigene Person bezieht, ist so in den geistigen Welten zu erforschen, daß in den Ergebnissen objektive Gültigkeit liegt. Es geht gar nicht, objektiv Gültiges auszusprechen, wo man persönlich interessiert ist. (…)
So sehen Sie, daß es für den Anfang alles Strebens in die geistige Welt hinein einen Grundsatz geben muß: Man versuche nichts für maßgebend zu halten, was sich auf die eigene Persönlichkeit bezieht. Man schließe die eigene Persönlichkeit ganz aus. Und dann brauche ich nur noch hinzuzufügen, daß dieses Ausschließen der eigenen Persönlichkeit eben außerordentlich schwierig ist und daß man oft glaubt, diese eigene Persönlichkeit ausgeschlossen zu haben - und es durchaus noch nicht getan hat! Deshalb sind auch die meisten der astralischen Bilder, die für diesen oder jenen Menschen herbeigeführt sind, nichts weiter als eine Art von Widerspiegelung ihrer eigenen Wünsche und eigenen Leidenschaften. Solange man stark genug ist im Geistigen selber, um sich zu sagen: Du mußt mißtrauisch sein gegen deine eigenen geistigen Erlebnisse! - so lange schaden diese geistigen Erlebnisse absolut nichts. Von dem Augenblicke erst, wo man diese Stärke nicht besitzt, wo man seine Erlebnisse für maßgeblich erklärt für sein Leben, fängt man an, unorientiert zu sein. (Rudolf Steiner GA 124, 24. 10. 1910)
Anderer Aspekt der Erkenntnisbescheidenheit: In der geistige Welt nehme ich nicht war, sondern ich werde von Wesen wahrgenommen.
"So bald man in die geistige Welt eintritt, sich in ihr erfühlt und erlebt, schaut man eigentlich nicht die Wesen an, sie schauen einen an, und man nimmt sie so wahr, daß man ihre geistigen Sinne und ihre geistigen Kräfte auf der eigenen Seele wie ruhend fühlt, wie in die eigene Seele hineinleuchtend und hineintönend fühlt. Und man müßte eigentlich der geistigen Welt gegenüber sagen: Nicht ich schaue an, nicht ich nehme wahr, sondern ich weiß, daß ich angeschaut werde, ich weiß, daß ich wahrgenommen werde. - Fühlen Sie diese ganze Veränderung, die im inneren Erleben vorgeht, wenn, statt daß das Wort einen Sinn hat wie in der physischen Welt: Ich nehme eine Sache wahr, - das andere Wort einen Sinn bekommt: Ich selbst, versetzt in die geistige Welt, werde von allen Seiten wahrgenommen; das ist jetzt mein Leben. Das Ich weiß von diesem Wahrgenommen-werden, von diesem Hingenommen-werden von den Erlebnissen, welche die an deren Wesen mit mir haben. - Wenn diese Veränderung eintritt, dann verspüren Sie, was das für die menschliche Seele bedeutet in dem ganzen Verhältnis zur Umwelt." (Rudolf Steiner, GA 261/2, S. 38)
(Anmerkung Dirk Kruse: So erlebe ich auch den häufig gebrauchten Satz „wir laden Verstorbene/Geistige Wesen ein“ mißstimmig, wirklichkeitsgemäß müssten wir sagen: „Jetzt lassen wir uns nun wieder einmal auf die Einladung der Verstorbenen/Geistigen Wesen ein.“)
Wenn die Imagination nicht zur Inspiration erhoben wird, besteht die Gefahr eines schweren Irrtums.
"Wenn ein Mensch wirklich ernsthaft diesen okkulten Pfad geht, so gelangt er dazu, daß sich die ganze physische Welt, die um ihn herum ist, verdunkelt. An Stelle dieser physischen Welt tritt eine Welt auf- und abwogender Bilder auf, auf- und abwogender Eindrücke tonartiger, geruchsartiger, geschmacksartiger, lichtartiger Natur. Das dringt und wirbelt in unseren okkulten Gesichtskreis herein, und wir machen die Erfahrungen, die wir nennen können die Erfahrungen der imaginativen Visionen, die uns von allen Seiten dann umgeben, die unsere Welt sind, in der wir mit unserer Seele leben und weben.
Nehmen wir nun an, ein Mensch würde sich verlassen darauf, daß er in dieser visionären Welt, in die er auf diese Art eintritt, eine volle Wirklichkeit vor sich hätte; dieser Mensch würde sich in einem schweren, sehr schweren Irrtum befinden. Und hier stehen wir an dem Punkte, wo die Gefahr beginnt. Unermeßlich ist das Reich des visionären Lebens, solange wir uns nicht von der Imagination, die uns eine visionäre Welt vorzaubert, erheben zu der Inspiration. Diese erst sagt uns: Nach diesem einen Bilde mußt du dich hinwenden, dahin mußt du deinen okkulten Blick richten, dann wirst du eine Wahrheit erleben, und unzählige andere Bilder, die rings um dieses herum sind, müssen verschwinden in ein wesenloses Nichts. Dann wird dieses eine Bild aus unermeßlich vielen hervorgehen und sich dir bewähren als ein Ausdruck der Wahrheit. (...)
Wir erfahren dann, daß, wenn die Menschen zu dem Standpunkte der Inspiration sich erheben, bei allen die Aussagen gleich sind. Da gibt es keine Verschiedenheiten mehr, nichts, was für den einen sich anders darstellt als für den anderen. Da sind die Erfahrungen bei allen, die die gleiche Entwickelungsstufe erreicht haben, tatsächlich gleich." (Rudolf Steiner, GA 155, 24.05.1912 Kopenhagen)
Durch das Erkennen des eigenen Doppelgängers werden unrichtige Urteile verhindert. In der Intuition erkennt man die Wahrheit.
"Wenn man einen übersinnlichen Vorgang beobachten will und mit einem unrichtigen Urteile an ihn herantritt, so trägt man dieses unrichtige Urteil in ihn hinein; und es wird dieses mit der Tatsache so verwoben, daß es von ihr nicht sogleich zu unterscheiden ist Der Irrtum ist dann nicht in dem Menschen und die richtige Tatsache außer demselben, sondern der Irrtum ist selbst zum Bestandteil der äußeren Tatsache gemacht. Er kann deshalb auch nicht einfach durch eine unbefangene Beobachtung der Tatsache berichtigt werden. Es ist damit auf dasjenige hingewiesen, was eine überreich fließende Quelle von Täuschung und Phantastik für denjenigen sein kann, welcher ohne die richtige Vorbereitung an die übersinnliche Welt herantritt. (...) Er kann ausschalten, was von ihm selbst kommt, wenn er erst das Bild des eigenen Doppelgängers erkannt hat; und er wird ausschalten können, was in der angegebenen Richtung eine zweite Täuschungsquelle ist, wenn er sich die Fähigkeit erwirbt, an der Beschaffenheit einer Tatsache der übersinnlichen Welt zu erkennen, ob sie Wirklichkeit oder Täuschung ist. Wenn die Täuschungen genau so aussehen würden wie die Wirklichkeiten, dann wäre eine Unterscheidung nicht möglich. So ist es aber nicht. Täuschungen der übersinnlichen Welten haben an sich seihst Eigenschaften, durch welche sie sich von den Wirklichkeiten unterscheiden. Und es kommt darauf an, daß der Geistesschüler weiß, an welchen Eigenschaften er die Wirklichkeiten erkennen kann. (...) Die Schulung macht ihn so vorsichtig wie möglich. Dazu kommt, daß jede wahre Schulung zunächst zu Begriffen über die großen Weltereignisse, also zu Dingen fuhrt, welche ein Anspannen der Urteilskraft notwendig machen, wodurch diese aber zugleich verfeinert und geschärft wird. (...) Das Wichtigste liegt in den Übungen selbst, welche bei einer regelrechten Geistesschulung verwendet werden. Diese müssen nämlich so eingerichtet sein, daß das Bewußtsein des Geistesschülers während der inneren Versenkung genau alles überschaut, was in der Seele vorgeht. (...) Zuerst wird für die Herbeiführung der Imagination ein Sinnbild geformt. In diesem sind noch Vorstellungen von äußeren Wahrnehmungen. (...) Aber der Geistesschüler entfernt diesen Inhalt aus seinem Bewußtsein, wenn er zu den Übungen für die Inspiration aufsteigt Da versenkt er sich nur noch in seine eigene Seelentätigkeit, welche das Sinnbild gestaltet hat. Auch da ist noch Irrtum möglich. (...) Er kann nicht alles über ihren Ursprung wissen. Nun aber entfernt der Geistesschüler auch noch diese eigene Seelentätigkeit aus dem Bewußtsein. Wenn nun etwas bleibt, so haftet an diesem nichts, was nicht zu überschauen ist. In dieses kann sich nichts einmischen, was nicht in Bezug auf seinen ganzen Inhalt zu beurteilen ist. In seiner Intuition hat also der Geistesschüler etwas, was ihm zeigt, wie eine ganz klare Wirklichkeit der geistig-seelischen Welt beschaffen ist. Wenn er nun die also erkannten Kennzeichen der geistig-seelischen Wirklichkeit auf alles anwendet, was an seine Beobachtung herantritt, dann kann er Schein von Wirklichkeit unterscheiden. Und er kann sicher sein, daß er bei Anwendung dieses Gesetzes vor der Täuschung in der übersinnlichen Welt ebenso bewahrt bleiben wird, wie es ihm in der physisch-sinnlichen Welt nicht geschehen kann, ein vorgestelltes heißes Eisenstück für ein solches zu halten, das wirklich brennt.“ (Rudolf Steiner, GA 13, Kapitel: Die Erkenntnis der höheren Welten)
Für jede übersinnliche Tatsache muß ein eigenes übersinnliches Beobachtungorgan ausgebildet werden.
„Man kann das übersinnliche Beobachtungsorgan des elementarischen Leibes so ausgebildet haben, daß man diese oder jene Tatsache erleben kann; soll eine andere geschaut werden, so muß das Organ für diese erst wieder besonders ausgebildet werden.“ (Rudolf Steiner, GA 16, Kapitel: FÜNFTE MEDITATION, Der Meditierende versucht eine Vorstellung des «astraliscben Leibes» zu bilden)
In der geistigen Forschung gilt das Gesetz der universellen Brüderlichkeit.
„Es gibt in der geistigen Welt ein ganz bestimmtes Gesetz, dessen ganze Bedeutung wir uns durch ein Beispiel klarmachen wollen. Nehmen Sie einmal an, in irgendeinem Jahr hätte ein beliebiger, regelrecht geschulter Hellseher dies oder jenes in der geistigen Welt wahrgenommen. Nun stellen Sie sich vor, dass zehn oder zwanzig Jahre später ein anderer ebenso geschulter Hellseher dieselbe Sache wahrnehmen würde, auch dann, wenn er von den Resultaten des ersten Hellsehers gar nichts erfahren hätte. Wenn Sie das glauben würden, wären Sie in einem großen Irrtum, denn in Wahrheit kann eine Tatsache der geistigen Welt, die einmal von einem Hellseher oder einer okkulten Schule gefunden worden ist, nicht zum zweiten Mal erforscht werden, wenn der, welcher sie erforschen will, nicht zuerst die Mitteilung erhalten hat, dass sie bereits erforscht ist. Wenn also ein Hellseher im Jahre 1900 eine Tatsache erforscht hat, und ein anderer im Jahre 1950 so weit ist, um dieselbe wahrnehmen zu können, so kann er das erst, wenn er zuvor gelernt und erfahren hat, dass einer sie schon gefunden und erforscht hat. Es können also selbst schon bekannte Tatsachen in der geistigen Welt nur geschaut werden, wenn man sich entschließt, sie auf gewöhnlichem Weg mitgeteilt zu erhalten und sie kennenzulernen. Das ist das Gesetz, das in der geistigen Welt für alle Zeiten hindurch die universelle Brüderlichkeit begründet.“ (Rudolf Steiner, GA 264, 1984, S. 343 ff.)
