Anthroposophische Heilmittel: Unterschied zwischen den Versionen
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<nowiki>[14] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.</nowiki> | <nowiki>[14] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.</nowiki> | ||
== HEILENDE VERBINDUNG VON MENSCH UND NATUR == | |||
''Inwiefern stehen Mensch und Natur in einer heilsamen Verbindung?'' | |||
=== ''Naturstoffe zur Arzneimittelherstellung'' === | |||
Die Natur ist nicht nur Lebensraum und Existenzgrundlage des Menschen. Ihre Stoffe und Kräfte liegen auch einer Fülle von Arzneimitteln zugrunde. Anthroposophische Arzneimittel sollen dazu beitragen, dass der Organismus – wann immer sinnvoll und möglich – in die Lage versetzt wird, eine Krankheit aus eigener Kraft zu überwinden. Sie stärken die gesundenden Kräfte und sind also vor allem darauf orientiert, die Körperfunktionen wieder ins Gleichgewicht zu bringen und die Abwehrkräfte zu stärken. | |||
In der anthroposophischen Arzneimittelherstellung werden mineralische, pflanzliche, metallische und tierische Ausgangsstoffe verwendet: | |||
* Gängige mineralische Substanzen sind u.a. Quarz, Schwefel oder Kalk. | |||
* Bekannte Heilpflanzen sind z.B. Arnika, gelber Enzian oder Kamille. | |||
* Als Metalle kommen häufig Gold, Silber, Kupfer, Eisen und Zinn in potenzierter Form zum Einsatz. | |||
* Zu den tierischen Ausgangssubstanzen gehören z. B. Insektengifte von Biene, Ameise, Hornisse sowie Organextrakte von Säugetieren (aus Leber, Thymusdrüse, Nieren, Nerven u.a.). | |||
=== ''Reicher Arzneimittelschatz'' === | |||
Alle anthroposophischen Medikamente werden nach komplexen Vorgaben der von Rudolf Steiner und Ita Wegman begründeten anthroposophischen Medizin hergestellt.[1] Die meisten Ausgangsstoffe werden in hoher Verdünnung (homöopathisch potenziert) eingesetzt, nur sehr selten konzentriert. | |||
Anthroposophische Arzneimittel enthalten häufig mehrere Inhaltsstoffe. Diese sind nicht nur kombiniert, sondern komponiert. Wie bei einem Orchester, so kommt es auch bei einem zusammengesetzten Arzneimittel darauf an, in welchen Anteilen die verschiedenen Einzelkomponenten gemischt sind. In dieser Art gemischt, ergeben sie eine andere Wirkung denn als Einzelbestandteile. So wie ein Orchester anders klingt als eine Violine allein. | |||
Der anthroposophische Arzneimittelschatz umfasst etwa 2000 Substanzen, Kombinationen und eine Vielzahl von Darreichungsformen: | |||
Ampullen, Augentropfen, Dilutionen, Einreibungen (ölige), Emulsionen, flüssige Verdünnungen, Flüssigkeiten zur Inhalation, Flüssigkeiten zur äußeren Anwendung, Gelate, Globuli, Granulate, Injektionen, Kapseln, Lotionen, Metallspiegelfolien, Mischungen, Nasentropfen (ölige), Öle, Pasten, Pflaster, Puder, Pulver, Salben (fettarm), Salben, Sirup, Tabletten, Tees, Tinkturen zum äußeren Gebrauch, Triturationen, Tropfen, Vaginalglobuli, Vaginaltabletten, Verdünnungen (wässrige), Zäpfchen. | |||
=== ''Der Mensch als umgekehrte Pflanze'' === | |||
Aus anthroposophischer Sicht gleicht der Mensch einer umgekehrten Pflanze: | |||
* So wie der Mensch seine Nahrung – in Form von Nahrungsmitteln, aber auch als „seelische“ oder „geistige“ Nahrung in Form von Gedanken, Worten, Tatsachen aus Kunst und Wissenschaft, über den Kopf – aufnimmt, so versorgt sich die Pflanze über ihre Wurzeln mit den nötigen Nährstoffen. | |||
* Umgekehrt verhält es sich mit der Fortpflanzungsregion. Diese ist bei der Pflanze oben, Luft und Licht gegenüber geöffnet, wohingegen sie beim Menschen nach unten und innen gelagert ist, zur Erde hin. | |||
* Beiden gemeinsam ist, dass in der Mitte – bei der Pflanze über die Blätter, beim Menschen über die rhythmischen Funktionen von Atmung und Kreislauf – der Gasaustausch stattfindet. | |||
=== ''Umgekehrte Wirkung der Pflanze auf den Menschen'' === | |||
So wirken die Anwendungen | |||
* von ''Wurzeln'' unterstützend und heilend bei Erkrankungen der ''Kopf- und Nerven-Sinnesorganisation'', | |||
* Teeabkochungen und -zubereitungen aus ''Blättern'' bei Störungen der ''rhythmischen Funktionen'' (insbesondere von Herz und Lunge), | |||
* Zubereitungen aus ''Früchten'' bei ''Stoffwechsel- und Verdauungsstörungen''. | |||
Entsprechendes gilt für die Ernährung. Wer darauf achtet, dass der Anteil von Wurzeln, Blattgemüse, Früchten und Samen ausgewogen ist, sorgt für eine an den Bedürfnissen des ganzen Körpers orientierte Ernährung. | |||
Beim therapeutischen Einsatz von mineralischen, pflanzlichen und tierischen Substanzen gilt es, „die Weltaufgabe dieser Substanzen zu verstehen“. Steiner regte an zu erforschen, welche Aufgabe ein bestimmtes chemisches Element oder eine Stoffkombination wie Wasser, Salz, Asche, Gerbstoffe oder Pyrit im Haushalt der Natur innehat. Die Signatur dieser Aufgabe bzw. Tätigkeit sagt auch aus, welche Wirkung die betreffende Substanz im menschlichen Organismus entfalten kann. | |||
Den Menschen als Mikrokosmos kennenzulernen im Kontext der großen Weltentwicklung mit ihren Prozessen und Stoffzusammenhängen – nach alter Tradition Makrokosmos genannt – ist der Schlüssel zum Verständnis der anthroposophischen Arzneitherapie. | |||
''Vgl. Artikel in der Deutschen Apothekerzeitung DAZ Nr. 39, 2015'' | |||
----[1] Rudolf Seiner und Ita Wegmann, ''Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst'', GA 27, Dornach 1935. | |||
== ANTHROPOSOPHISCHE HEILMITTEL-ERKENNTNIS AM BEISPIEL VON ANTIMON == | == ANTHROPOSOPHISCHE HEILMITTEL-ERKENNTNIS AM BEISPIEL VON ANTIMON == | ||
Version vom 29. Januar 2026, 12:52 Uhr
Anthroposophische Heilmittel - von Michaela Glöckler
Auszüge aus Büchern und Vorträgen von Michaela Glöckler; Erstveröffentlichung auf https://www.anthroposophie-lebensnah.de/home/
SUBSTANZ-ERKENNTNIS ALS GRUNDLAGE FÜR HEILMITTEL-ERKENNTNIS
Was meint Rudolf Steiner mit der Weltenaufgabe der Substanzen?
Was wird anhand der Beispiele Ameisensäure und Oxalsäure im Hinblick auf ihre Wirkung im Zellstoffwechsel aufgezeigt?
Inwiefern muss der Organismus als Tätigkeitszusammenhang begriffen werden?
Die Weltenaufgabe der Substanzen
In Kapitel XVII von „Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1] liegt der Fokus auf einer konsequent prozessorientierten Substanz-Erkenntnis, über die Rudolf Steiner im Ärztekurs für die jungen Mediziner schreibt, dass es die Aufgabe des Arztes sei, „die Weltenaufgaben der Substanzen zu erkennen“.[2]
In „Grundlegendes…“ formulieren die Autoren es so: „Wer die Wirkung von Heilmitteln beurteilen will, muss ein Auge haben für die Kräftewirkungen, die sich im menschlichen Organismus ergeben, wenn eine Substanz, die außer demselben gewisse Wirkungen zeigt, in irgendeiner Art in ihn eingeführt wird.“[3] Etwas von dieser ‚Weltenaufgabe‘ wird dort anhand der Ameisensäure und der Kleesäure aufgezeigt und damit auf die Bedeutung dieser Blickrichtung für bestimmte Prozesse im menschlichen Zellstoffwechsel hingewiesen.
1. Beispiel: Aufgabe der Ameisensäure
Ameisensäure wird vom Menschen mit der Nahrung in der Regel nicht aufgenommen. Sie wird im Tierreich gebildet und als Abwehrstoff, insbesondere der Insekten, ausgeschieden – selten auch bei Pflanzen, wie z.B. in den Brennhaaren der Brennnesseln. Ihre ‚Weltaufgabe‘ ist inzwischen gut erforscht: Die rote Waldameise ist für die Gesunderhaltung der Wälder unentbehrlich. Sie steht daher auch unter Naturschutz, seitdem man ihre Bedeutung für die ‚Lebensgemeinschaft Wald‘ erkannt hat. Um einen Ameisenbau herum vernichtet jedes Volk pro Tag zehntausende Schädlinge bzw. deren Larven und Raupen (wie z.B. Borkenkäfer- und Blattwespenlarven) sowie Kadaver und Pilzmyzel in morschem Holz. So hilft die Ameisensäure dem Mikrobiom des Bodens, die verwesenden Pflanzenreste und das modernde Holz zu verarbeiten. Auch verbreiten Ameisen auf ihren Wegen tausende von Samen und tragen so zur Vielfalt im Wald bei sowie zur Verbesserung der Bodenbeschaffenheit. Instrument für ihre wertvollen reinigenden Tätigkeiten ist die Ameisensäure mit ihrer aggressiven Toxizität.[4]
2. Beispiel: Aufgabe der Oxalsäure
Die Oxal- bzw. Kleesäure hingegen findet sich in allen Pflanzen und den meisten Bakterien und in unterschiedlichen Mengen in vielen Nahrungsmitteln wie z.B. in schwarzem Tee, Mangold oder Rhabarber. Nach der Aufnahme muss sie dann im Organismus zu ausscheidungsfähigen Endprodukten abgebaut werden.
Ein ‚Zuviel‘ führt zusammen mit Calcium im Darm zu schwer löslichen Salzen (Oxalaten), was Anlass geben kann für die Bildung von Blasen- und Nierensteinen. Oxalsäure ist ein pflanzliches Gift – für den Menschen können bereits Gramm-Mengen tödlich sein.[5] Als Kalzium-, Magnesium- oder Kaliumsalze sind die Oxalate allgegenwärtig und aus dem Zellstoffwechsel der Lebewesen nicht wegzudenken – bis hin zu den meisten Pilzen und Bakterien. Im Gegensatz zur Ameisensäure entfaltet die Oxalsäure ihre Wirkung nicht in dem Zwischenbereich zwischen dem Mineralisch-Physischen und dem Ätherisch-Lebendigen. Sie hat ihre Aufgabe in der Lebenswelt der Pflanzen – aber als Giftsubstanz im Grenzgebiet zum astralischen Kräftebereich. Da Gifte auch in schwacher Dosierung immer lebensfeindlich sind, regen sie den Organismus dazu an, auf unterschiedlichen Wegen diese Gifte schnellstmöglich abzubauen oder in Verbindung mit anderen Substanzen unschädlich zu machen. Diese Abbauvorgänge dienen im Organismus der Tiere und der Menschen der Bewusstseinsbildung, die sich, wie mehrfach erwähnt, auf Abbauvorgänge stützt.[6]
Biochemisch handelt es sich
- bei der Ameisensäure um die einfachste Monocarbonsäure (Formica, HCOOH, ihre Salze heißen Formiate)
- und bei der Oxal- bzw. Kleesäure um die einfachste Dicarbonsäure (Acidum oxalicum, HOOC-CO-CH2-COOH, ihre Salze heißen Oxalate).
Notwendige Verwandlung von Oxalsäure in Ameisensäure
Rudolf Steiner hat erstaunlich oft über die Bedeutung der biochemischen Verwandlung von Oxal- in Ameisensäure gesprochen.[7] Den Prozess der Bildung von Oxalsäure, der hauptsächlich in den Verdauungsorganen stattfände, hielt er für eine notwendige Grundlage dafür, dass der Mensch überhaupt leben könne – grundlegend also dafür, dass die Ätherkräfte zur Wirksamkeit kommen können.
Ihre Umwandlung in Ameisensäure aber sei eine entsprechende Grundlage für das Wirksamwerden der astralischen Kräfte in der physisch-ätherischen Konstitution. In einem Ärztevortrag führt er weiter aus, dass man im Falle der Ameisensäure dahin kommen müsse zu erkennen, dass sie im Menschen, wie auch draußen in der Natur, die Aufgabe hat, gegenüber den Prozessen des Alterns, des Absterbens und des Vermoderns immer wieder weiteres Leben, weitere Entwicklung zu ermöglichen.[8] Auch führt er aus, dass „die heutige Physiologie“ diese Prozesse erst finden müsse.[9], [10]
Steiner und Wegman sahen
- in der Ameisensäure die Schlüsselsubstanz im Stoffwechsel des tierischen Organismus
- und in der Oxalsäure die Schlüsselsubstanz im pflanzlichen Zell-Metabolismus.
Organismus als Tätigkeitszusammenhang begriffen
In Abs. 2 wird deutlich gemacht, wie entscheidend es für einen Organismus ist, eine Substanz nicht nur zu besitzen, sondern auch den Bildeprozess zum Aufbau dieser Substanz zu leisten. Im Tun liegt das Wesen des Organismus, nicht in seinen Substanzen. Der Organismus ist nicht ein Stoffzusammenhang, sondern ein Tätigkeitszusammenhang. Der Stoff trägt den Anreiz zur Tätigkeit in sich. Hat er diesen Anreiz verloren, so hat er für die Organisation keine weitere Bedeutung.[11]
Unter diesem Gesichtspunkt kann auch die jeweilige Aufgabe der Ameisensäure und der Kleesäure im menschlichen Organismus verstanden werden. Hier ‚dienen‘ diese Substanzen der Ich-Organisation: „Die Ich-Organisation braucht diesen Übergang der organischen Substanz in den leblosen Zustand. Aber sie braucht eben den Vorgang des Überganges; nicht, was dann durch den Übergang entsteht. Ist nun das nach dem Leblosen hin sich Entwickelnde gebildet, so wird es im Innern des Organismus zur Last. Es muss entweder unmittelbar abgesondert werden oder aufgelöst, um mittelbar hinwegzukommen. Geschieht nun für etwas, das aufgelöst werden sollte, diese Auflösung nicht, so häuft es sich im Organismus an und kann die Grundlage für gichtische oder rheumatische Zustände bilden.“[12]
In der Biologie werden die Phänomene dieses Übergangs zwischen Abbau und Aufbau im Falle der Gesundheit als metabolische Homöostase beschrieben, wobei deren ‚Regulator‘ ein noch nicht gefundener Faktor ist. Es wird aber das Erstaunen zum Ausdruck gebracht darüber, dass unabhängig davon, was und wieviel man gerade isst oder nicht und wieviel Oxalacetat man gerade mit der Nahrung aufgenommen hat oder nicht, die Substanzen im sogenannten Stoffwechsel-Pol der Zellen konstant gehalten werden. D.h. in den Zellen sind die Enzyme des Katabolismus (Abbau) und Anabolismus (Aufbau) normalerweise derart reguliert, dass ein Gleichgewicht gewahrt bleibt. Wird dieses Gleichgewicht jedoch gestört, bedeutet dies den Beginn krankhafter Prozesse.[13]
Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[14]
[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, Ga 27, Kap. XVII.
[2] Rudolf Steiner, Meditative Betrachtungen und Anleitungen zur Vertiefung der Heilkunst. Vorträge für Ärzte und Medizinstudierende, GA 316, S. 22.
[3] Siehe FN 1, S. 82.
[4] Der Kern eines Ameisenhaufens ist meist in alten Wurzelstöcken von Nadelhölzern oder Eichenstämmen angesiedelt; das Zusammenleben in der Ameisenkolonie ist ausgeprägt sozial. Eine Königin lebt bis zu 20 Jahre, Arbeitsameisen 5–6 Jahre. Sie entwickeln sich in klar definierten Temperaturbereichen (Ameisenpuppen brauchen 31°, Larven 28°, die Entwicklung der Eier nur 25°). Vgl. Jirikowski (2010), 105–107.
[5] Vgl. Wollrab (2014), 621.
[6] Vgl. Wolff (2013), 85, 263–269.
[7] Vgl. Rudolf Steiner, Mysteriengestaltungen, GA 232, 13. Vortrag.
[8] Vgl. FN 1, S. 22f.
[10] Dazu muss aus anthroposophisch-medizinischer Sicht gesagt werden, dass die geisteswissenschaftliche Biochemie, für die Hauschka und Wolff die Grundlagen erarbeitet haben (Vgl. Hauschka 2007, Wolff 2013), auf dem jeweils neuesten Stand der biochemischen Forschung weiter erarbeitet werden muss. Denn die Zusammenschau der Wesensglieder-Tätigkeiten als ganzheitliche Regulatoren und die immense Faktenfülle der molekulargenetischen Einsichten in das hochkomplexe Regelkreisgeschehen der Zellatmung ist für eine umfassende Integrativmedizin unverzichtbar.
[11] Siehe FN 1, S. 82.
[12] Ebenda.
[13] Vgl. Sadava u. a. (2019), 265–271.
[14] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.
HEILENDE VERBINDUNG VON MENSCH UND NATUR
Inwiefern stehen Mensch und Natur in einer heilsamen Verbindung?
Naturstoffe zur Arzneimittelherstellung
Die Natur ist nicht nur Lebensraum und Existenzgrundlage des Menschen. Ihre Stoffe und Kräfte liegen auch einer Fülle von Arzneimitteln zugrunde. Anthroposophische Arzneimittel sollen dazu beitragen, dass der Organismus – wann immer sinnvoll und möglich – in die Lage versetzt wird, eine Krankheit aus eigener Kraft zu überwinden. Sie stärken die gesundenden Kräfte und sind also vor allem darauf orientiert, die Körperfunktionen wieder ins Gleichgewicht zu bringen und die Abwehrkräfte zu stärken.
In der anthroposophischen Arzneimittelherstellung werden mineralische, pflanzliche, metallische und tierische Ausgangsstoffe verwendet:
- Gängige mineralische Substanzen sind u.a. Quarz, Schwefel oder Kalk.
- Bekannte Heilpflanzen sind z.B. Arnika, gelber Enzian oder Kamille.
- Als Metalle kommen häufig Gold, Silber, Kupfer, Eisen und Zinn in potenzierter Form zum Einsatz.
- Zu den tierischen Ausgangssubstanzen gehören z. B. Insektengifte von Biene, Ameise, Hornisse sowie Organextrakte von Säugetieren (aus Leber, Thymusdrüse, Nieren, Nerven u.a.).
Reicher Arzneimittelschatz
Alle anthroposophischen Medikamente werden nach komplexen Vorgaben der von Rudolf Steiner und Ita Wegman begründeten anthroposophischen Medizin hergestellt.[1] Die meisten Ausgangsstoffe werden in hoher Verdünnung (homöopathisch potenziert) eingesetzt, nur sehr selten konzentriert.
Anthroposophische Arzneimittel enthalten häufig mehrere Inhaltsstoffe. Diese sind nicht nur kombiniert, sondern komponiert. Wie bei einem Orchester, so kommt es auch bei einem zusammengesetzten Arzneimittel darauf an, in welchen Anteilen die verschiedenen Einzelkomponenten gemischt sind. In dieser Art gemischt, ergeben sie eine andere Wirkung denn als Einzelbestandteile. So wie ein Orchester anders klingt als eine Violine allein.
Der anthroposophische Arzneimittelschatz umfasst etwa 2000 Substanzen, Kombinationen und eine Vielzahl von Darreichungsformen:
Ampullen, Augentropfen, Dilutionen, Einreibungen (ölige), Emulsionen, flüssige Verdünnungen, Flüssigkeiten zur Inhalation, Flüssigkeiten zur äußeren Anwendung, Gelate, Globuli, Granulate, Injektionen, Kapseln, Lotionen, Metallspiegelfolien, Mischungen, Nasentropfen (ölige), Öle, Pasten, Pflaster, Puder, Pulver, Salben (fettarm), Salben, Sirup, Tabletten, Tees, Tinkturen zum äußeren Gebrauch, Triturationen, Tropfen, Vaginalglobuli, Vaginaltabletten, Verdünnungen (wässrige), Zäpfchen.
Der Mensch als umgekehrte Pflanze
Aus anthroposophischer Sicht gleicht der Mensch einer umgekehrten Pflanze:
- So wie der Mensch seine Nahrung – in Form von Nahrungsmitteln, aber auch als „seelische“ oder „geistige“ Nahrung in Form von Gedanken, Worten, Tatsachen aus Kunst und Wissenschaft, über den Kopf – aufnimmt, so versorgt sich die Pflanze über ihre Wurzeln mit den nötigen Nährstoffen.
- Umgekehrt verhält es sich mit der Fortpflanzungsregion. Diese ist bei der Pflanze oben, Luft und Licht gegenüber geöffnet, wohingegen sie beim Menschen nach unten und innen gelagert ist, zur Erde hin.
- Beiden gemeinsam ist, dass in der Mitte – bei der Pflanze über die Blätter, beim Menschen über die rhythmischen Funktionen von Atmung und Kreislauf – der Gasaustausch stattfindet.
Umgekehrte Wirkung der Pflanze auf den Menschen
So wirken die Anwendungen
- von Wurzeln unterstützend und heilend bei Erkrankungen der Kopf- und Nerven-Sinnesorganisation,
- Teeabkochungen und -zubereitungen aus Blättern bei Störungen der rhythmischen Funktionen (insbesondere von Herz und Lunge),
- Zubereitungen aus Früchten bei Stoffwechsel- und Verdauungsstörungen.
Entsprechendes gilt für die Ernährung. Wer darauf achtet, dass der Anteil von Wurzeln, Blattgemüse, Früchten und Samen ausgewogen ist, sorgt für eine an den Bedürfnissen des ganzen Körpers orientierte Ernährung.
Beim therapeutischen Einsatz von mineralischen, pflanzlichen und tierischen Substanzen gilt es, „die Weltaufgabe dieser Substanzen zu verstehen“. Steiner regte an zu erforschen, welche Aufgabe ein bestimmtes chemisches Element oder eine Stoffkombination wie Wasser, Salz, Asche, Gerbstoffe oder Pyrit im Haushalt der Natur innehat. Die Signatur dieser Aufgabe bzw. Tätigkeit sagt auch aus, welche Wirkung die betreffende Substanz im menschlichen Organismus entfalten kann.
Den Menschen als Mikrokosmos kennenzulernen im Kontext der großen Weltentwicklung mit ihren Prozessen und Stoffzusammenhängen – nach alter Tradition Makrokosmos genannt – ist der Schlüssel zum Verständnis der anthroposophischen Arzneitherapie.
Vgl. Artikel in der Deutschen Apothekerzeitung DAZ Nr. 39, 2015
[1] Rudolf Seiner und Ita Wegmann, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27, Dornach 1935.
ANTHROPOSOPHISCHE HEILMITTEL-ERKENNTNIS AM BEISPIEL VON ANTIMON
Welcher Blickwinkel ist grundlegend im Hinblick auf die anthroposophische Heilmittel-Erkenntnis?
Inwiefern weist Antimon Ähnlichkeiten mit dem Ätherischen auf?
Wie wird es, auch in Kombination mit Schwefel, therapeutisch eingesetzt?
Wirksamkeit von Substanzen im Kontext irdisch-menschlicher Kraftsysteme
In Kapitel XVI von „Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1] geht es um anthroposophische Heilmittel-Erkenntnis. Die Grundlage davon ist der Blick auf das Verhalten bzw. die Wirksamkeit einer Substanz im Bereich der in Kapitel I geschilderten Kraftsysteme. Dabei geht es insbesondere um die
- von der Erde ausstrahlenden
- und in sie einstrahlenden Kräfte:
„[...] es kommt darauf an, die Wirkungen zu beobachten, die sich aus dem Zusammenhange der inneren Kräftekonstitution einer Substanz im Verhältnis zu den Kräften ergeben, die von der Erde ausstrahlen oder in sie einstrahlen.“[2]
Antimon, Schwefel und die Austernschalenbildung
Diese Wirkungen werden am Beispiel des Antimons in seiner Beziehung zum Schwefel in Form des in der Natur vorkommenden Grauspießglanzes aufgezeigt (Sb2 S3, auch als Antimonit bzw. Stibnit bekannt), sowie an der Austernschalenbildung, die zum Verständnis der Typhusbehandlung beiträgt.
· Antimon
Antimon kam bereits in der ägyptischen Medizin zur Anwendung, nimmt bei Paracelsus eine zentrale Stellung ein und hat bis in die Gegenwart immer neue Einsatzmöglichkeiten erfahren. Chemisch ist es dem Arsen verwandt und eine Menge von 100 mg bis etwa 1200 mg kann bereits tödlich sein. Eine gute Übersicht über seine Verwendung – einschließlich in der Anthroposophischen Medizin – findet sich bei Marxer[3] Die Bezeichnungen Antimon und Stibium für das chemische Symbol Sb stammen von den lateinischen Wörtern antimonium und stibium ab, die schon im Altertum für den Grauspießglanz verwendet wurden.[4]
· Schwefel
· Austernschale
Die Austernschale ist als komplexes Kalkmineral schützendes Außenskelett der Auster und damit ein Mineral, ausgeschieden aus dem Lebensprozess eines Tieres bzw. einer Muschel. In ihrer therapeutischen Verwendung ist sie insbesondere in der Homöopathie bekannt mit dem Arzneimittelbild Calcium carbonicum. Sie wird zu den Vielkönnern oder Polychresten gezählt (von gr: πολύς - viel und χρηστός - brauchbar).
Hinweise auf die Verwandtschaft von Antimon mit dem Ätherischen
1. Zusammenwirken von Zentral- und Universalkräften
Dadurch, dass das Antimon sich leicht und stabil mit dem Schwefel zu den orthorhombisch geformten Grauspießglanz/Antimonit-Kristallen verbindet, kann es die Neigung des Schwefels, in der Welt des Lebendigen aktiv zu werden und dadurch auch im Sinne der auf die Erde einstrahlenden ätherischen Kräfte zu wirken, unterstützen. Unter diesem Aspekt ist die Art und Weise, wie das Antimon in seiner Verbindung mit dem Schwefel kristallisiert, charakteristisch. Es kristallisiert in prismatisch-nadeligen grauschwarzen Kristallen, von feinst ziseliert bis zentimeterstark, immer von einem Zentrum weg – wenn der Kristallisationsprozess nicht durch äußere Umstände gestört wird. Dabei erstrecken sich die Antimonit-Nadeln radial in die Peripherie, wobei die Länge der Kristalle durchaus auch 1 m überschreiten kann. Wo er nur kann, strebt Antimonit die büschelförmige Gestaltung an. Er gliedert sich damit in Linien, die von der Erde weg- und den Kräften entgegenstreben, die im Äther wirken. Durch diese Kristallisationsweise bringt das Antimon das Zusammenwirken der Zentral- und der Universalkräfte wie archetypisch zum Ausdruck.
Man bringt mit dem Antimon somit etwas in den menschlichen Organismus, das der Wirkung des Ätherleibes auf halbem Wege entgegenkommt.[6] Antimon kann dadurch im Körper die eiweißbildenden Kräfte zusammenhalten und so die Tätigkeit der Ich-Organisation im Eiweißaufbau unterstützen.
2. Feinfaserigkeit durch Seigern
Auch dasjenige, was im Seigerprozess mit dem Antimon vor sich geht, weist auf die Äther-Verwandtschaft dieses Stoffes hin. ‚Seigern‘ kommt von dem gegenwärtig nicht mehr oft gebrauchten Wort etwas z.B. durch ein Sieb ‚durchseien‘. Unter ‚Seigerungen‘ versteht man daher Trennprozesse in gemischtem Schmelzgut. Es wird durch diesen Prozess feinfaserig.[7]
3. Niedriger Schmelzpunkt
Da das Antimon bereits bei 547° schmilzt, fließt es auf schräger Unterlage leicht aus dem Antimon haltigen Schmelzgut heraus, wo es dann bei Abkühlung zu 92–98 % reinem antimonium crudum kristallisiert.[8] Der niedrige Schmelzpunkt von 547° zeigt zudem die Nähe dieser mineralischen Substanz zum flüssigen Aggregatzustand, in dem die ätherischen Kräfte ihre Wirkung entfalten können.
Vor diesem Hintergrund heißt es in dem oben erwähnten Werk:
„Alles dieses zeigt, dass im Antimon die Tendenz enthalten ist, in das Ätherelement in dem Augenblick leicht überzugehen, in dem dazu die Bedingungen auch nur in geringem Grade vorhanden sind. Dem geistigen Schauen gelten alle diese Einzelheiten nur als Andeutungen; denn dieses nimmt die Beziehung zwischen Ich-Tätigkeit und Antimon-Wirksamkeit unmittelbar so wahr, dass die Antimonprozesse, in den menschlichen Organismus gebracht, so wirken, wie die Ich-Organisation.“[9]
Zwei Indikationen als Beispiele für den Einsatz von Antimon
Aus dem breiten Spektrum der therapeutischen Einsatzmöglichkeiten werden nun zwei Indikationsgebiete an die Schilderung des Arzneimittelbildes angeschlossen:
- Blutgerinnungsstörungen
- und Typhus abdominalis/Parathyphus, eine gefährliche bakterielle Infektionskrankheit des Magen-Darmtraktes.
Während eine Therapie mit Antimon oder Stibium metallicum praep. bei Blutungsneigung aus der Darstellung des Arzneimittelbildes unmittelbar hervorgeht, ist dies für den Thyphus nicht so ohne weiteres ersichtlich – zumal dieser ja heute erfolgreich antibiotisch behandelt werden kann (Sterblichkeitsrate unter 1 %) und die Impfung bei Einreise in betroffene Gebiete empfohlen wird.[10]
Arzneimittelbild der Austernschale und Typhus
Was macht also eine Begleitbehandlung oder Alternativbehandlung zur Vermeidung des Einsatzes von Antibiotika sinnvoll?
Um dies zu verstehen, braucht es – wie oben bereits angedeutet – zum Vergleich das Arzneimittelbild der Austernschale. Hier liegt ein Naturprozess vor, der etwas vollzieht, was für die Muschel richtig ist, für den Menschen aber zur Ursache typhöser Durchfall-Erkrankungen werden kann. Die Auster sondert in ihre Schale das kalkartig Mineralische ab:
„Bei der Auster wird das Kalkartige abgesondert, um es der Eiweißwirkung nicht einzugliedern. Im menschlichen Organismus muss diese Eingliederung stattfinden. Die bloße Eiweißwirkung muss in eine solche umgewandelt werden, in der mitwirkt, was im Kalkartigen durch die Ich-Organisation an gestaltenden Kräften hervorgerufen werden kann. Das muss sich innerhalb der Blutbildung abspielen. Das Antimon wirkt der kalkausscheidenden Kraft entgegen und führt das Eiweiß, das seine Form bewahren will, durch seine Verwandtschaft mit dem Äther-Elemente in die Formlosigkeit hinüber, die für die Einflüsse des Kalkartigen oder Ähnlichem empfänglich ist.
Beim Typhus ist es klar, dass der krankhafte Zustand in einer mangelnden Überführung der Eiweißsubstanz in gestaltungsfähige Blutsubstanz besteht. Die Form der Diarrhöen, die auftritt, zeigt, dass schon im Darm die Unfähigkeit zu dieser Umwandlung beginnt.“[11]
Heilung der konstitutionellen Dysfunktionalität
In „Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[12] heißt es, dass die Abwehrstoffe und Killerzellen eines guten Immunsystems im Blut zirkulieren, welches wiederum das Organ der Ich-Organisation ist.[13] Kann nun mithilfe einer Konstitutionsbehandlung, z.B. mit einem Antimonpräparat, und je nach Situation auch noch kombiniert mit anderen Heilmitteln, die Ich-Organisation und damit ihr Einfluss auf die Gestaltungskräfte im Blut gestärkt werden, so werden die Bakterien nicht nur beseitigt, wie es über eine antibiotische Therapie geschieht, sondern zugleich das Milieu saniert und damit künftigen Infektionen vorgebeugt. Das entspräche einer integrativen Therapie, die sich nicht nur auf die Beseitigung der Symptome konzentriert, sondern auf die Heilung der konstitutionellen Dysfunktionalität.
In dem erwähnten Werk schreiben die Autoren: „Wendet man bei typhösen Erscheinungen Antimonpräparate in entsprechender Zusammensetzung an, so erweisen sich diese als Heilmittel. Sie entkleiden die Eiweißsubstanz ihrer Eigenkräfte und machen sie geneigt, den Gestaltungskräften der Ich-Organisation sich einzufügen.“[14]
Selbstverständlich hat der primäre Fokus auf die Symptombeseitigung überall da seine Berechtigung, wo sie Leben rettet, weil die Abwehrkräfte des Körpers zu schwach sind für die notwendige Selbstregulation. Wo diese Möglichkeit jedoch gegeben ist, kann differenzierter vorgegangen werden.
„Wer Exaktheit nur in dem sieht, was die Chemie – auch die pharmazeutische – feststellt, der vernichtet die Möglichkeit, Anschauungen darüber zu gewinnen, was im Organismus bei Heilungsvorgängen geschieht.“[15]
Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[16]
[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27,
[2] Ebenda, S. 77.
[3] Vgl. Marxer (2000), siehe www.pharmazeutische-zeitung.de/titel-10- 2000; [6.1.2025].
[4] Vgl. Holleman und Wiberg (2017), 940.
[5] Vgl. Wimmenauer (1992), 223.
[6] Siehe FN 1, S. 78.
[7] Ebenda.
[8] Vgl. Holleman und Wiberg (2017), 942.
[9] Siehe FN 1, S. 78f.
[10] Typhus ist weltweit verbreitet – besonders in warmen Ländern. Er wird durch kontaminierte Lebensmittel bzw. Trinkwasser übertragen und ist eine schwere Allgemeinerkrankung, die durch das Bakterium Salmonella typhi ausgelöst wird. Als Paratyphus bezeichnet man ein abgeschwächtes Krankheitsbild, dessen Erreger Salmonella Paratyphi A, B oder C ist. Übertragen wird die Infektion durch Trinkwasser oder Lebensmittel, die mit Fäkalien von infizierten Personen verunreinigt wurden. Leitsymptome sind hohes Fieber, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, langsamer Puls, trockener Husten, Bauchschmerzen, Milzvergrößerung und manchmal ein blasser, kleinfleckiger Ausschlag am Körper. Ein milder Verlauf ist möglich, doch manchmal kommt es zu schweren Komplikationen wie massiven Darmblutungen oder Abszessen in verschiedenen Organen. Durch den Einsatz von Antibiotika kann die Sterblichkeit auf unter 1% gesenkt werden. In Deutschland ist die Krankheit meldepflichtig – dem Bundesamt für Gesundheit werden pro Jahr zwischen 20 und 50 Fälle gemeldet. Wichtigste Mittel zur Vorbeugung sind Körperhygiene und Verzicht auf frische Salate und ungeschältes Obst – nach dem Ernährungsmotto: Cook it, peel it or forget it. Siehe www.bag.admin.ch/bag/de/home/krankheiten/krankheiten-im-ueberblick/typhus-abdominalis-paratyphus.html; [6.1.2025].
[11] Siehe FN 1, S. 80.
[12] Rudolf Steiner, Ita Wegman, „Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“, GA 27.
[13] Siehe FN 3, Kapitel VI.
[14] Siehe FN 3, S. 80.
[15] Ebenda, S. 81.
[16] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.
ARZNEIMITTEL-SUBSTANZGRUPPEN UND WESENSGLIEDER
Auf welchen Ebenen und worüber ist der Mensch mit der Natur innig verbunden?
Welche Naturanteile machen seine Konstitution aus?
Wesensglieder und ihre Einbettung in die Natur
· Physischer Leib und Natur
Schon ein oberflächlicher Blick auf die Verbundenheit von Natur und Mensch zeigt, wie der Mensch die kristallinen Strukturen seines Körpers mit den Mineralien der ihn umgebenden Natur gemeinsam hat. Dieser sichtbare, mineralisch erscheinende Leib wird in der anthroposophischen Menschenkunde „Physischer Leib“ genannt.
· Ätherleib und Natur
Werden und Vergehen, Leben und Sterben hat der Mensch mit der Pflanzenwelt gemeinsam. Diese Gesetzmäßigkeiten in ihrem Zusammenhang nennt Steiner „Ätherleib“, weil ohne das blaue Himmelslicht (griechisch o aither) kein Leben auf der Erde möglich wäre.
· Astralleib und Natur
Atmung, Bewegung, Bewusstsein, Schmerz und Triebleben hat der Mensch mit den Tieren gemeinsam. Diese das Seelenleben konstituierenden Gesetze heißen in ihrer Gesamtheit „Astralleib“ von aster, lateinisch Stern. Die menschliche Seele fühlt sich der Sternenwelt mit ihren Rhythmen und Konstellationen verwandt.
· Rein menschliche Ich-Organisation
Die Fähigkeit jedoch, lebenslang lernen und immer wieder neu und anders kulturschöpferisch tätig sein zu können, ist spezifisch menschlich. Daher gibt Steiner diesem die „Ich-Natur“ des Menschen möglich machenden Gesetzes-Zusammenhang den Namen „Ich-Organisation“.
Da der Mensch durch diese vier verschiedenen Gesetzes-Zusammenhänge sein Wesen sowohl integriert als auch differenziert äußern kann, gab Steiner ihnen den Namen „Wesensglieder“.[1]
Arzneimittelwirkung auf die Wesensglieder
Die Substanzgruppen aus dem Mineral-, Pflanzen-, Tier- und Menschenreich haben einen therapeutischen Bezug zu diesen Wesensgliedern:
- Menschliche Substanz wie Muttermilch und in Form einer Blutspende stützt und erhält den physischen Leib.
- Präparate aus dem Tierreich regen den Ätherleib zu verstärkter Tätigkeit an,
- pflanzliche Arzneimittel wirken regulierend auf den Astralleib
- und Metalle und Mineralien auf die Ich-Organisation.
Potenzierungsstufen und Wesensglieder
Auch die Potenzierungsstufen der nach homöopathischem Verfahren hergestellten Arzneimittel haben ihren Bezug zu den Wesensgliedern:
- D1 – D4: Anregung des physischen Organismus und seines Kräftezusammenhangs
- D5 – D8: Anregung des ätherischen Organismus und seines Kräftezusammenhangs
- D10 – D15: Anregung des astralischen Organismus und seines Kräftezusammenhangs
- D20 – D60: Anregung der Ich-Organisation und ihres Kräftezusammenhangs
In Bezug auf die Dreigliederung des menschlichen Organismus gilt:
- D1 – D6: Anregung des Stoffwechsel-Systems
- D6 – D18: Anregung des rhythmischen Systems
- D18 – D30: Anregung des Nerven-Sinnessystems
Der Arzneimittelschatz der Anthroposophischen Medizin umfasst dementsprechend Ausgangssubstanzen mineralischer, pflanzlicher und tierischer Herkunft, die nach besonderen Verfahren vor allem von den Arzneimittelfirmen Weleda und Wala hergestellt werden.[2] In Deutschland wurden sie aufgrund des Arzneimittelgesetzes von 1976 in der vom Bundesgesundheitsamt – später Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) – eingerichteten Kommission C für die Zulassung aufbereitet. Ein Teil dieser regulativ wirksamen Arzneimittel ist sehr gut für die Selbstmedikation geeignet.[3]
Vgl. Artikel in der Deutschen Apothekerzeitung DAZ Nr. 39, 2015
[1] Rudolf Steiner, Theosophie, Einführung in übersinnliche Welterkenntnis und Menschenbestimmung, 2003 und ders. Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft. In: Lucifer-Gnosis. GA 34. Dornach 1987, 309-344.
[2] International Association of Anthroposophic Pharmacists IAAP. Anthroposophic Pharmaceutical Codex. Stuttgart, 2014.
[3] M. Glöckler, B. Emde, Anthroposophische Medizin, in: Komplementärmedizin für die Kitteltasche. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation, Stuttgart 2009 und ders.: Anthroposophische Medizin, in: Komplementärmedizin für Kinder. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation, Stuttgart 2012.
ARZNEIMITTEL AUS DER NATUR UND WESENSGLIEDER
Welchen inneren Zusammenhang sieht die anthroposophische Pharmazeutik zwischen Arzneimitteln aus der Natur und den menschlichen Wesensgliedern?
Welche Qualitäten zeichnen die Muttermilch aus?
Inwiefern sind Schwangerschaft und Stillzeit Naturvorbilder auch für zukünftige Entwicklungsstadien?
Korrelation von Arzneimitteln und Wesensgliedern
In der Anthroposophischen Pharmazeutik sieht man eine grundlegende Korrelation von Arzneimitteln aus der Natur und den menschlichen Wesensgliedern:[1]
So haben Mineralien eine unmittelbare Beziehung zur Ich-Organisation: Sie unterstützen die Ich-Organisation bei der Beherrschung der physischen Verhältnisse.
Heilmittel aus dem Pflanzenreich auf die astralische Organisation: Die astralische Organisation wirkt lähmend auf die ätherische – pflanzliche Arzneimittel können regulierend auf diese lähmende Wirkung Einfluss nehmen.
Organpräparate und tierische Arzneimittel auf die ätherische Organisation: Diese hat die Aufgabe, physisch-tierische Substanzen in den Lebenszusammenhang aufzunehmen, was durch astralische Impulse angeregt werden kann.
Menschliche Substanz (wie Blutkonserven und Muttermilch) wirkt unmittelbar auf den physischen Leib, sodass sich die anderen Wesensglieder wieder besser einschalten und betätigen können. Anders ausgedrückt: Menschliche Substanz steht der Ich-Organisation unmittelbar für ihre Aufgabe zur Verfügung, das Ganze des Organismus bis in das Physische hinein zu beherrschen.
Was Muttermilch vermag
Studiert man die Besonderheiten rund um die Bildung von Muttermilch, so verrät dies viel über die innige Bindung zwischen Mutter und Kind durch alle vier Wesensglieder hindurch:
- die Muttermilch ist nach dem aktuellen Bedürfnis des Säuglings zusammengesetzt und variiert so auch von Tag zu Tag;
- Stillen fördert die Rückbildung der Gebärmutter;
- gestillte Kinder haben weniger Infekte und überstehen sie leichter, weil die Muttermilch wichtige Abwehrstoffe der Mutter enthält;
- ausschließliches Stillen in den ersten sechs Monaten kann das Kind vor Allergien und Asthma schützen;
- Wachstum und Beweglichkeit von Magen und Darm werden unmittelbar angeregt;
- die Zusammensetzung der Muttermilch mit Bezug auf Kohlenhydrate, Fette, Eiweißgehalt und Mineralstoffe ist zugleich ein ‚Naturvorbild‘ für eine gesunde Ernährung;
- die Immuntoleranz, d.h. die Selbstregulation des Immunsystems entwickelt sich bei gestillten Säuglingen nachhaltig besser.
- Durch Stillen wird das Risiko des plötzlichen Kindstodes um ca. die Hälfte gesenkt und vieles mehr.[2]
Mit Formelmilch gefütterte Säuglinge haben eine deutlich höhere Insulinkonzentration im Plasma, was mit der Entwicklung von Adipositas und einer möglichen Zunahme von Diabetes mellitus Typ 2 im Zusammenhang steht.
Abnabelungsstadien und physisch-seelisch-geistige Muttermilch
Nach der physischen Abnabelung vom physischen Leib der Mutter als der ernährenden Umgebung während der Schwangerschaft, folgt die Stillperiode.
Dann folgt die langsame ätherische Abnabelung und das Sich-Emanzipieren auf ätherischer Ebene, das mit dem Ende der Nachahmungsperiode ausklingt.
Die seelisch-astralische Abnabelung findet im 2. Jahrsiebt statt und kulminiert mit der Pubertät.
Die Arbeit des Ich jedoch an der Überwindung von allen möglichen Abhängigkeiten, die seine Autonomiebefähigung einschränken, stellt eine Art geistige Abnabelung dar. Diese zu bewerkstelligen bleibt eine lebenslange Herausforderung.
Rudolf Steiner spricht im pädagogischen Zusammenhang wiederholt über die Bedeutung der physischen Muttermilch für den gesunden Aufbau des physischen Leibes und die damit verbundene Stärkung der Ich-Organisation des Kindes. Für die Unterstützung der oben genannten weiteren Abnabelungsprozesse im Verlaufe der Schulzeit und Jugend, braucht es die ‚seelische‘ und zuletzt ‚geistige‘ Muttermilch, die dem Menschen in Form einer nährenden Entwicklungsumgebung und verständigen Entwicklungshelfern zukommen müssen.[3]
Fallen solch hilfreiche Faktoren und Entwicklungsbegleiter weg oder können nur eingeschränkt wirken, ist dies oft mit körperlichen und oder seelischen gesundheitlichen Belastungen im weiteren Leben verbunden. Diesen so weit als möglich vorzubeugen, ist der Präventionsanspruch Anthroposophischer Medizin und Pädagogik.
Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[4]
[1] Warum das so ist, geht aus den Kapiteln I bis V aus „Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27, hervor, in denen die Autoren, Rudolf Steiner und Ita Wegman, die Arbeit der Wesensglieder an den Substanzströmen schildern.
[2] Vgl. Soldner und Stellmann (2018), 220–238; Glöckler u. a. (2024b), 372–392.
[3] Rudolf Steiner, Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik, GA 293, Vortrag 2. September 1919.
[4] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.
ALLGEMEINES ZU DEN TYPISCHEN HEILMITTELN
Was verstehen Rudolf Steiner und Ita Wegman unter typischen Heilmitteln?
Wie verhalten sie sich im Vergleich zu den üblichen Symptome bekämpfenden Medikamenten?
Was ist das Neue daran?
Bestimmte Kompositionen von Arzneimitteln
In Kapitel XX von „Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“[1] heißt es: „[…] und wenn Typisches im Krankheitszustande in Betracht kommt, so stellt unser Heilmittel dasjenige dar, was im Sinne der Schilderung unseres Buches zur Therapie führen muss. Von diesem Gesichtspunkte aus sollen einige unserer Heilmittel beschrieben werden.“[2]
Diese „Typischen Heilmittel“[3] haben mit der Heileurythmie gemeinsam, dass hier bestimmte Kompositionen von Arzneimitteln einem bestimmten typischen Krankheitsbild angepasst sind – so wie man in der Heileurythmie eine bestimmte Lautfolge dem Krankheitsprozess anpasst. Otto Wolff hat dies wiederholt in seinen schriftlichen und mündlich vorgetragenen Ausführungen zu diesen Kompositions-Präparaten so auf den Punkt gebracht:
„Diese mögen äußerlich wie Mischungen aussehen, ihnen liegt aber eine Konzeption zugrunde, die nicht von speziellen Krankheiten, sondern von Grundprozessen des Menschen oder einzelner Organe ausgeht. Sie sind deshalb nicht gegen eine Krankheit gerichtet, sondern sprechen ein Organ urbildhaft in seinen Funktionen an. Man kann diesen Arzneimittel-Typus als Urheilmittel ansprechen. So bilden Heilmittel wie Cardiodoron, Kephalodoron (Biodoron), Hepatodoron, Digestodoron u.a. in sich jeweils ein Ganzes. Dabei wird gerade eine gewisse Gegensätzlichkeit von Pflanzen (z.B. im Cardiodoron, Hepatodoron) bzw. der Mineralien Schwefel und Kiesel (im Kephalodoron) durch einen pharmazeutischen Prozess oder eine Substanz (Eisen beim Kephalodoron) ins Gleichgewicht gebracht und zu einer höheren Einheit verbunden. Dadurch erst kann Kephalodoron ein Abbild des dreigliedrigen Menschen sein und eine harmonisierende Wirkung auf den Funktionszusammenhang seiner Funktionssysteme (Nerven-Sinnes-System, rhythmisches und Stoffwechselsystem) ausüben. Entsprechendes könnte auch für andere ‚Heilmittel für typische Krankheiten‘ ausgeführt werden, bei denen es sich zumeist darum handelt, durch harmonisierende Anregungen Gleichgewichtszustände aus ungleichmäßigem Zusammenwirken von Kräften der übersinnlichen Wesensglieder wiederherzustellen. Das Heilende ist im Grunde genommen der menschliche Organismus, d.h. der Ätherleib selber, wenn es gelingt, die entsprechenden Anregungen wirksam werden zu lassen.“[4]
Ein neuer Behandlungsansatz
Das ist insofern ein neuer Behandlungsansatz, als es dem symptomorientierten Therapieansatz, der sich unmittelbar gegen das betreffende Symptom richtet in Form von Antipyretika, Antihistaminika, Antibiotika, Antidepressiva etc. etwas an die Seite stellt, das unmittelbar die ordnende Kraft der Ich-Organisation und die gesundende Aufbauleistung der ätherischen Organisation anspricht. Dabei steht nicht die Symptombeseitigung im Vordergrund, sondern die Regulierung von den Prozessen, die die Symptome hervorgebracht haben.
Wer also erwartet, dass z.B. eine Tablette Kephalodoron unmittelbar den Kopfschmerz beseitigt, wie man das von einer Gabe Ibuprofen erwarten kann, sieht sich getäuscht. Nimmt er aber das Migränemittel im gesunden Intervall über längere Zeit, werden die Anfälle milder und merklich seltener werden und können bei günstigem Verlauf auch sistieren.
Vgl. „Einleitung zu Band 15, Schriften zur Anthroposophischen Medizin, Kritische Edition der Schriften Rudolf Steiners“, frommann-holzboog Verlag, Stuttgart 2025[5]
[1] Rudolf Steiner, Ita Wegman, Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst, GA 27.
[2] Ebenda, S. 115.
[3] Vgl. Wolff (1984), 65–73 und (2013); Basold u. a. (1995).
[4] F. Husemann und Wolff (1993–2003), S. 244.
[5] In Band 15 der SKA findet sich auch das umfangreiche Literatur- und Referenzverzeichnis. Wer den Inhalt weiter vertiefen möchte, kann sich dort darüber informieren.
WIRKSAMKEIT EINES HEILMITTELS VERMITTELN
Wie vermittelt der Arzt seinem Patienten, welches Heilmittel er braucht?
Was ist dabei zu beachten, worauf kommt es an?
Wirksamkeit der Gedanken und Gefühle miteinbeziehen
Ideal wäre es, mit dem Patienten über ein Heilmittel in einer Art zu sprechen, dass etwas von der Wirksamkeit desselben auf den Patienten überspringt und dieser sich freut, dass er dieses Mittel bekommt, ja, dass er dankbar dafür ist. Der Patient sollte es mit dem Gefühl nehmen, er habe etwas besonders Gutes bekommen. Denn Freude und Dankbarkeit wirken therapeutisch – sie sind nicht „Placebo“, sondern real und wirksam. Wir müssen begreifen, dass das, was und wie wir über eine Sache denken, viel mehr als nichts ist: Was jemand weiß, ist etwas.
Der Ätherleib als Träger der zeitlichen und „ewigen“ Lebenskräfte entfaltet diese Doppelwirksamkeit:
- Ihm verdankt unser Körper einerseits Leben, Regeneration, Wachstum und die individuelle Lebenszeit
- Andererseits verdankt der Mensch ihm sein Gedankenleben, je älter er wird, umso mehr, das sich aus all den ätherischen Kräften speist, die der Körper nicht mehr „verkörpert“ halten kann (und muss) und die er damit in die „außerkörperliche Wirksamkeit“ entlässt. Die Gedanken können über den Tod des Menschen hinaus weiterleben und ihn tragen.
Medikamente wirken auf beide Aspekte des Lebens – sprich: Auch was ich über etwas denke, bewirkt etwas. Wenn ich die Arnikawirkung denke, wirkt sie bereits, denn Gedanken wirken immer, sind ein reales Wirkprinzip. „Hab Sonne im Herzen, ob's stürmt oder schneit“. Wenn ich die Sonne meditiere, habe ich Licht und Wärme im Herzen, selbst wenn ich Bauchweh habe.
Denken vermindert Heilkraft, positive Gefühle verstärken sie
Indem ich denke, nehme ich der ätherischen Wirksamkeit im Körper aber auch etwas weg, weil es dieselben Kräfte sind, die dem Körper zur Gesundheit verhelfen. D.h, der Körper ist am gesündesten, wenn man nicht denkt, also im Schlaf, weil da die gesamten ätherischen Kräfte (auch diejenigen, die tagsüber außerkörperlich dem Denken dienen) in den physischen Leib einziehen und an seiner Regeneration arbeiten.
Am besten ist es, wenn der Patient über ein Heilmittel gerade so viel weiß, dass er sich freut und ihm ein bisschen warm wird bei dem Gedanken, dass er es jetzt einnehmen darf. Denn diese positiven Gefühle teilen sich auch dem Körper mit und beeinflussen den Stoffwechsel positiv. Positive Gefühle führen dem Ätherleib vom Seelischen her positive Kräfte zu, wie dies gesunde Ernährung vom Physischen her tut. Zuviel Nachdenken über die Wirkung mindert diese jedoch.
Noch weniger zuträglich ist es, wenn ein Patient nicht so recht weiß, wie ein Mittel wirkt, oder Angst bekommt, wenn er den Beipackzettel liest. Dann fühlt er sich verunsichert – weswegen 40 Prozent der Medikamente in den Müll und nicht in den Magen der Patienten wandern. Wieder zuhause entscheiden sie, dass es ihnen eigentlich gar nicht so schlecht geht und nehmen das verordnete Medikament lieber nicht.
Vgl. Arbeitsgruppe zum Arztberuf und zur Anthroposophischen Medizin, Sommerakademie Witten 2010
