Was ist Geomantie?

Aus Geistesforschung

von Hans-Joachim Aderhold

Das Wort Geomantie setzt sich aus Geo (Erde) und Mantie (Deutung, Wahrsagung) zusammen. Damit transportiert der zweite Teil eine sehr alte Herkunft, die zum Beispiel etwas mit dem Orakel von Delphi oder mit Gepflogenheiten im Vorderen Orient und bei den Etruskern zu tun hat, aber nichts mit der jahrhundertelang in Europa praktizierten Geomantie. Deren Grundlagen und Begriffe wurden seit dem späteren 20. Jahrhundert weiter differenziert.

Geomantie ist eine Erfahrungswissenschaft des Lebendigen, die sich bewusst zu subjektiven Methoden bekennt, weil nur so die über die Materie hinausgehenden ätherischen, emotionalen, mentalen und spirituellen Wahrnehmungsebenen erlebt werden können. Der Wahrheitsgehalt wird dadurch nicht beeinträchtigt. Eine Annäherung an Objektivität erfordert neben dem unbedingten Wahrheitsstreben den Wechsel zwischen subjektiver Wahrnehmung und objektiver Bewertung sowie nach Möglichkeit den zeitgleichen Austausch mit anderen am selben Objekt oder Ort.

Die sich auf die physischen Erscheinungen beschränkende Naturwissenschaft bedient sich demgegenüber objektiver Methoden. Wenn eine aktive Beteiligung an der Untersuchungsanordnung gegeben ist oder sobald die physische Ebene verlassen wird, kann dies die angenommene Objektivität allerdings schon beeinträchtigen oder verfälschen.

Städte der Zähringer und romanische Kirchen zum Beispiel wurden auf geomantischen Grundlagen angelegt. Teilweise wurden diese bis ins 18. Jh. beachtet. Der slowenische Architekt Jože Plečnik hat sogar noch im ausgehenden 19. Jh. in Wien Geomantie studiert und bis zu seinem Tod 1957 in Wien, Prag und Slowenien angewandt. Sein Wirken in Ljubljana wurde 2021 von der UNESCO unter dem Titel Die Werke von Jože Plečnik in Ljubljana – am Menschen orientierte Stadtgestaltung in die Liste des Welterbes aufgenommen.

Das chinesische Feng Shui und das indische Vastu sind mit der Geomantie verwandt.

Hans-Joachim Aderhold beschreibt Geomantie als Erforschung von Erde, Natur und Kosmos mit feinsinnlichen Wahrnehmungsmethoden und die Berücksichtigung der jeweiligen Forschungsergebnisse bei der Gestaltung der Welt. Dadurch können Belastungen für Mensch und Landschaft vermieden, Blockaden aufgelöst und Zerstörungen abgemildert werden. Die Wahrnehmung solcher Zusammenhänge führt zu einer tieferen Erkenntnis der Schöpfung und ermöglicht ihre künstlerisch-organische Weiterentwicklung. Möglich wird es so auch, die Erde als Lebewesen zu erfahren und ihren sich seit einigen Jahren vollziehenden Wandlungsprozess miterlebend zu begleiten. In der Geomantie sind Himmel und Erde im Menschen verbunden: Diese Verbindung ist so keinem anderen Wesen möglich – auch keinem Engel. Erdwandlung und Menschwandlung gehen Hand in Hand und bedingen sich.

Einen sehr guten Überblick über geomantische Zusammenhänge und Begriffe findet man im Beitrag Schulungsmaterial zur Geomantie von Wolfgang Schneider, im Glossar von Philipp Hostettler und anderen und in weiteren Beiträgen im Buch Erlebnis Erdwandlung.